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Ätna Nordhang

Als wir die Südseite des Ätna besuchten waren wir schon begeistert. Die Nordseite ist noch viel schöner, weil interessanter. Die Auffahrt nach Piano Provenzana beginnt in Linguaglossa. In vielen Serpentinen und oft großen Steigungen windet sich die Straße den Hang des Vulkans hinauf. Den ersten Stopp legten wir bei Rifugio Ragabo ein. Fünfzig Meter vor dem Parkplatz führt ein Fußweg rechts in den Wald, zur Grotta di Corruccio. Der Weg ist nur 250m weit. Am Ende steht man auf einem Lavatunnel. An zwei Stellen ist die Decke nur ein kleines Stück eingebrochen, so dass es aussieht, als wären das Eingänge zu Höhlen. Am Ende des Tunnels ist die Decke komplett verschwunden und eine Art Kanal führt talwärts. Die Aussicht von hier in Richtung Taormina und das Meer ist wunderschön.

Lavatunnel

Immer weiter geht es nach oben, bis sich der Kiefernwald, der den Hang bedeckt, endet. Einige Picknick-Plätze wurden bis dorthin angelegt, von denen Wanderwege ausgehen. Der lichte, jetzt herbstliche Kiefernwald ist von Eichen und Buchen durchsetzt.
Hat man den Wald hinter sich gelassen, ist der Blick auf die nördlichen Gipfel des Ätna frei. Außerdem durchquert man gleich einen breiten schwarzen Lavafluss. Schwarze Bröckellava, einzelne grüne Bäume und der Schnee des Ätna bilden zusammen eine fantastische Kulisse. Kommt am frühen Vormittag dort an und die Sonne spielt mit, ist die Beleuchtung optimal und setzt das Bild bestens in Szene.

hinter dem Kiefernwald

Das nächste Ziel ist Piano Provenzana auf ca. 1800m Höhe. Diese Anlage wurde auf dem Lavastrom von 2002 errichtet. Die Souvenirbuden sind geschlossen, Parkgebühren will keiner haben und man ist fast alleine mit dem Vulkan. Von hier starten mehrere Wanderwege, z.B. zum Monte Nero. Die Schranke kann man ignorieren, außer bei akuten Ausbrüchen. Mit festen Schuhen ist der Weg nach oben gut zu bewältigen. Immer wieder führt der Weg über Lava. Links vom Weg kommt man bald an einem verschütteten Haus vorbei, gegenüber ist der Rest eines Mastes noch zu sehen, den die Lava seinerzeit umgestoßen und teilweise begraben hat. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll, denn man ist von einer Fülle von schönen Motiven umgeben. Nach etwa der Hälfte des Weges drehten wir um und gingen zum Parkplatz zurück.

Fotomotive überall auf dem Weg

Ein Stück weiter hinten startet der Skilift und der Wanderweg zum Hauptkrater des Ätna. Der Weg zum Monte Conca lohnt sich nicht. Das war wohl vor Urzeiten ein Krater, aber der Berg ist nicht mehr als solcher zu erkennen und vollkommen bewaldet.
Dann ist die Straße zu Ende und man muss wieder zurück auf die Ringstraße, um nach Sant Alfio weiter zu fahren. Auf der zweiten Abfahrt nach rechts kommt man zum Rifugio Citelli, das auf 1741 Metern Höhe liegt. Das Restaurant hat wohl über den Winter geschlossen und auch sonst ist nicht viel los auf diesem Platz, aber von hier aus hörten wir, wie der Vulkan arbeitet. Dumpfe, kurze und fauchende Geräusche drangen von den Hauptkratern herunter. Die Rauchwolken, die am Vormittag noch ganz weiß waren, nahmen jetzt eine schmutzige Farbe an. Werden wir heute Abend wieder kleine Eruptionen sehen?

dieser nördliche Krater spukt seit ein paar Abenden Feuer und Lava

Vom Rifugio Citelli geht es fast immer abwärts. Die Serpentinenstraße verbindet weiter unten viele kleine Siedlungen miteinander, so wie am ganzen unteren Hang rund um den Vulkan. Immer wieder wurden alte Lavaströme durchstochen, die inzwischen mit Flechten bewachsen sind, um die Straße bauen zu können. Während viele dieser Ströme irgendwo am Hang enden, floss einer von ihnen bis nach Giarre. Das sieht man sehr gut vom Parkplatz in Höhe des Ortseingangsschildes von Sant Alfio aus.

Lavafluss nach Giarre

In Sant Alfio selbst gibt es eine Sehenswürdigkeit anderer Art. Sie ist nicht bei Google zu finden, aber Hinweisschilder im Ort führen dorthin. Es ist ein Baum, der sich „Kastanie der 100 Pferde“ nennt. Der Hinweis kam gerade gestern von einem österreichischen Paar, die mit ihrem Wohnmobil auch eine Zeit auf dem AuroraParking in Naxos verbringen wollen.
Die gewaltige Kastanie schätzt man auf 3600-4000 Jahre alt. Sie ist so alt, dass von dem ursprünglichen Baum kaum noch etwas übrig ist. Was heute zu sehen ist, sind Seitentriebe aus dem Urbaum. Der Umfang des Stammes, der eigentlich keiner mehr ist, misst 22 Meter, die Höhe beträgt ebenfalls 22m. Es ist somit der älteste Baum in Europa und der größte Baum Italiens. 1965 wurde die Kastanie als Nationales Monument deklariert und 2006 in das UNESCO-Erbe aufgenommen. Woher kommt der Name des Baumes? Eine Legende erzählt, das die mysteriöse Königin Gióvanna I de`Angio, die mitsamt ihren 100 Rittern und genauso vielen Pferden unterwegs war, unter dieser Kastanie Schutz vor einem plötzlich ankommenden Sturm Schutz fand. Das muss sich in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts zugetragen haben. Ein Besuch des uralten Baumes ist in jedem Fall interessant.

wahrscheinlich 4000 Jahre alte Kastanie

Bisher habe ich noch nicht erwähnt, dass das gesamte Vulkanmassiv des Ätna ein Naturpark ist, der von einer Ringstraße umschlossen wird. Auch eine Bahnlinie führt am Fuße des Berges entlang, die man für eine entspannte Rundfahrt nutzen kann.

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Fazit Italien-Rundreise und Sizilien

Wir haben bei der Planung der Rundreise überlegt, wie herum wir die Tour machen sollten. Entlang der Ostküste nach Süden und an der Westküste nach Norden zurück, oder umgekehrt. Normalerweise ist das egal, aber wir dachten uns, dass das Wetter der entscheidende Faktor sein könnte. Das Frühjahr ist dafür bekannt, das viele Urlauber und Reisende die Westküste besuchen. Dafür muss es einen Grund geben, der sich auch prompt zu erkennen gab. Während wir im Herbst an der Ostküste nur zwei kurze Stürme und etwas Regen zu überstehen hatten, führten mehrere Unwetter an der Westküste zu katastrophalen Zuständen: Überschwemmungen, Erdrutsche, Sturmschäden, Häfen wurden verwüstet und Flugplätze mussten zeitweise gesperrt werden. Das ist sicher nicht der Normalzustand im italienischen Herbst, aber die Tendenz wird wohl stimmen. Im Frühjahr dagegen ist es an der Westküste wärmer und ruhiger als an der Ostküste Italiens.

Ein Gewitter zieht über dem Po-Delta auf

Eine zweite Sache sollte beachtet werden, wenn man über die Alpen nach Italien fährt: der Winter in den Bergen. Ab dem 15. November sind Winterreifen und meist auch Schneeketten in den Bergen Pflicht. Wenn es früher schneit, auch früher. Winterreifen sind sogar bis in die apulischen Berge ab 15. November Pflicht. Einzig auf den Küstenstraßen sind die entsprechenden Schilder selten zu finden. Man sollte also bei der Planung beachten, dass man sich ab dem 15. November schon weit im Süden befindet, oder aber zumindest Winterreifen aufgezogen hat.

Der Sprit ist in Italien sehr teuer. Der Diesel kostet mindestens 1,50-1,58€, manchmal sogar mehr. Das Superbenzin schlägt mit 1,70-1,85€ zu Buche. Dafür ist die Maut billiger als wir angenommen hatten. Wir bezahlten an der Ostküste rund 10 Cent pro Kilometer Autobahn. An der Westküste, bis Neapel herunter, ist die Maut jedoch zum Teil wesentlich teurer. Von Neapel ab ist die Autobahn mautfrei. Bezahlt werden kann meistens per Kreditkarte, manchmal auch Bar am Automaten oder bei einem der Mitarbeiter in den Häuschen. Bei der Autobahnauffahrt zieht man ein Ticket, welches man bei der Abfahrt bezahlt. Es kommt aber auch vor, vor allem im nördlichen Westen Italiens, dass bestimmte Autobahnabschnitte mautpflichtig sind und man seine Fahrt unterbrechen muss, um die Maut zu zahlen.

Ein Extrathema sind die Fußwege. Wenn überhaupt welche vorhanden sind, werden sie entweder als Parkplatz missbraucht, es wachsen Bäume mittendrin oder das Begehen gerät zum Hindernislauf, denn man muss ständig über die tollsten Einfahrtkonstruktionen, Treppen oder große Löcher steigen.

häufiger Zustand italienischer Fußwege

Im Winter nach Italien/Sizilien zu fahren hat seine Vor- und Nachteile. Da kaum Touristen zu dieser Jahreszeit unterwegs sind, hat fast alles geschlossen. Nur wenige Restaurants und Campingplätze sind noch geöffnet, während die meisten Museen geduldig auf die wenigen Gäste warten. Der Vorteil ist, dass man fast überall einige Freiheiten hat, die im Sommerhalbjahr unmöglich sind. Man kann fast überall stehen und übernachten, und viele Parkgebühren sind ausgesetzt, denn man ist auf die wenigen Touristen angewiesen. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind nicht so überlaufen, die Strände hat man fast für sich alleine.

Im Winter liegen die Strände und Strandanlagen verlassen da

Was uns bisher noch nie passiert ist: wir haben auf der Straße nicht einmal einen Cent gefunden. Sonst liegt fast überall das Geld auf der Straße und wir fanden immer einige Münzen, die sich am Ende der Reise manchmal stattlich summiert haben. In Italien/Sizilien ist dagegen kein Geld auf der Straße zu finden.

In Italien/Sizilien kann man gut essen. Auf Sizilien ist das Einkaufen sehr günstig. Am Besten kauft man bei den Händlern mit den kleinen Autos, die überall ihr Obst und Gemüse oder den Fang des Tages anbieten. Da weiß man, wo es herkommt und wo das Geld hingeht. Die kleinen Fleischereien bieten nur wenig Fleisch an. Meist ist es wie in den arabischen Ländern: bevor ein Schwein, Rind, Schaf oder Ziege nicht gänzlich verkauft ist, wird kaum eine neues Tier geschlachtet. Lamm und Ziege sind mit 8.- bis 10,-€ sehr günstig. Beim restlichen Fleisch sind die Preise so hoch, dass man sich überlegt, wie viel Fleisch man wirklich essen will.

Ziegenfleisch-Händler

Zu empfehlen sind auch die Mozarella-Farmen. Bei den meisten Farmen kann man gleich dazu die Milch- und Fleischlieferanten besichtigen. Es geht dort nicht gerade appetitlich zu, denn die Wasserbüffel lieben Nässe. Die Tiere sind sehr ruhig und jeder Büffel unterscheidet sich von den anderen. Wir haben sogar einmal einen blondgeschopften Büffel gesehen, toll gelockt. Das Büffelfleisch ist sehr teuer, eigentlich auch der Käse, dafür ist er umso leckerer. Da sollte man sich doch von Zeit zu Zeit etwas davon gönnen.

Lieferanten des Mozarella – Wasserbüffel

Was auf Sizilien auch sehr gut ist, ist das Gebäck. Dort haben wir die leckersten Kekse gegessen, die wir je fanden. Die Spezialität Canneloni sollte man unbedingt probieren. Das sind knusprige Waffelröllchen, mit feiner Büffelmilchcreme gefüllt. Auch die andere sizilianische Spezialität Cassata ist lecker, ein Kuchen, gefüllt mit Ricotta und ummantelt mit grünem Marzipan.

sizilianisches Gebäck ist der Knaller

Die berühmtesten Pistazien kommen vom Fuße des Ätna, aus Bronte. Sizilien ist aber das Land der Zitronen. Als wir im November dort ankamen, hingen sie noch halbreif an der Bäumen. Erst im Januar werden sie strahlend gelb und superlecker. Mit Zitronen lassen sich viele Dinge anstellen. Man kann sie zum Kochen verwenden, zum Backen oder zu Marmeladen, Säften und Schnäpsen verarbeiten. Da gibt es kaum Grenzen.

spezielle Zitronenart – Cedri

Außerdem haben wir so viele Orangen und Mandarinen wie noch nie gegessen, nicht einmal in Spanien, wo wir unseren letzten Apfelsinen-Ess-Rekord gebrochen haben. Für 1,-€ das Kilo muss man einfach zugreifen und die Zitrusfrüchte sind so lecker. Als es auf unserer Tour Richtung Norden keine so guten Apfelsinen mehr gab, litten wir direkt an Orangen-Entzugserscheinungen.

Noch nirgendwo auf der Welt haben wir soviel Kulinarisches ausprobiert, wie auf Sizilien. Unser Bus musste am Ende der Reise ganz schön schleppen.

Das Highlight der Reise war jedoch der Ausbruch des Ätna an Heiligabend. Als wir in Giardini-Naxos ankamen, wo wir gut sechs Wochen verbrachten, strahlte der leicht gezuckerte Gipfel des Vulkans noch ungetrübt gen blauen Himmel. Der Gipfel des Ätna mit seinen mehreren Kratern kann von Süden oder von Norden her erreicht werden. Ohne irgendein Spektakel ist das schon ein grandioses Erlebnis. Allerdings darf das Spektakel nicht zu groß werden, denn bei einem richtigen Ausbruch ist der Vulkan für Wanderer gesperrt.

spektakuläre Auffahrt zur Nordseite des Ätna

Jedenfalls ließen sich bald darauf einige kleine weiße Wölkchen über dem Ätna sehen, harmlos und schön. Fast mit jedem neuen Tag vergrößerten sich die Wölkchen, bis sie eine weiße Wolkensäule bildeten, die hin und wieder vom Wind weggetragen wurde. Jeden Morgen richteten wir unseren ersten Blick zum Vulkan, es wurde regelrecht zur Sucht. Der Anblick von unserem Stellplatz aus, 26km Luftlinie vom Krater entfernt ist einfach zu schön. An regnerischen Tagen schneite es auf dem Vulkan und die Schneedecke vergrößerte sich, in der Dicke wie auch in der Fläche.

Beginn des Ätna-Ausbruchs Weihnachten 2018

Aus der weißen Wolkensäule wurde ein paar Tage später eine graue Rauchsäule. Hin und wieder vernahmen wir jetzt ein leichtes Grollen aus der Richtung. Wir hofften, so lange wir in Giardini-Naxos waren, doch noch zu einem Vulkanausbruch zu kommen. Aus Erfahrung wissen wir, dass der Ätna keine große Gefahr darstellt und sich das Hauptszenario auf den Bereich des Naturparks Ätna beschränkt. Nur Catania und die Orte am Fuße des Vulkans bis nach Giarre werden manchmal etwas in Mitleidenschaft gezogen, da sich das Hauptgeschehen in diesem Bereich abspielt. Um richtig gefährlich zu sein, bricht der Ätna zu oft aus, so ein bis zweimal im Jahr.

Kurz vor Heiligabend stand fast fest, dass es einen Ausbruch geben würde, denn die Rauchwolken, die aus dem nordwestlichen Krater aufstiegen, wurden immer größer. Wenn es dunkel geworden war, bezog ich fast jeden Abend mit der Kamera Stellung, um den Lavafluss zu fotografieren, der sich im Laufe der Zeit immer mehr vergrößerte. Leider sind 26km Luftlinie sehr lang, so dass es keine spektakulären Aufnahmen gibt, aber das ein oder andere Bild ist trotzdem gut gelungen.

nächtlicher Lavafluss am Ätna

Am Morgen des Heiligabend stand eine mächtige Rauchwolke über dem Vulkan und gegen 14 Uhr, glaube ich, kam es zum Ausbruch. Leider war die Lavafontäne nur von Catania aus zu sehen, aber die Rauchwolke, die in unsere Richtung zog, war so aufregend, dass selbst die Sizilianer ihre Kameras zückten und den Ausbruch festhielten. Das Grollen war jetzt gut zu hören, welches den Ausbruch begleitete.

Rauchsäule des Ausbruchs

Am Abend, als es dunkel war, sahen wir, dass sich eine lange Spalte in Richtung Giarre aufgetan hatte, aus der es rot glühte. Die Spalte soll zwei Kilometer lang gewesen sein. Wären wir doch nicht so weit weg gewesen!

Der Ausbruch hielt ein paar Tage an. Dreihundert Erdbeben sollen den Ausbruch begleitet haben, die sogar Schäden im Norden Catanias anrichteten. Das Portal einer Barockkirche ist dabei auch eingestürzt. Ein Ascheregen ging am Hang Richtung Südost herunter, der die Ortschaften, die dort am Hang liegen, traf. Spektakuläre Bilder tauchten im Internet auf, Tote gab es jedoch nicht, nur ein paar Verletzte. So etwas erlebt man nur einmal im Leben. Asche vom Ausbruch vor sechs Jahren ist zum Beispiel auf einem ehemaligen Autohändler-Platz am Südrand von Giardini-Naxos noch zu sehen.

Kurz nach Weihnachten verließen wir Giardini-Naxos, um unsere Sizilien-Rundreise fortzusetzen. Aus der grauen Aschewolke war wieder eine weiße Rauchfahne geworden, die bis über den äußersten Südosten der Insel auf´s Meer hinaus reichte. Unglaublich.

wunderschöne Wolkengebilde entstanden durch die Asche in der Luft

Landschaftlich und kulturell hat Sizilien sehr viel zu bieten, worüber wir in diesem Blog berichteten. Es wäre viel zu schade, sich für die Entdeckung der Insel nicht genug Zeit zu nehmen.

Ätna Eruptionen

Der Ätna ist nach dem Kilauea auf Hawaii der zweitaktivste Vulkan der Erde. Das Vulkanmassiv misst ungefähr 40km im Durchmesser und zählt um die 300 Krater und Nebenkrater. Die meisten von Ihnen befinden sich in Richtung Catania, was der Stadt schon oft ziemlich geschadet hat. Die Ringstraße am Fuße des Ätna, der komplett Naturpark ist, ist ca. 185km lang. Die Höhe des höchsten Kraters liegt auf über 3300m über dem Meer. Das sind schon interessante Zahlen.

der Ätna in seiner ganzen Pracht

Als wir am 12. November in Giardini-Naxos ankamen, schlief der Vulkan, nichts passierte. Ein paar Tage später fuhren wir zur Südseite des Ätna, wo uns der Lift auf 2500m Höhe brachte, immer noch nichts. Bald fing der Vulkan jedoch an, dünne Dampfwolken auszustoßen, vollkommen harmlos. Zu dieser Zeit erkundeten wir die Nordflanke des Ätna. Damals vernahmen wir schon ein leises Fauchen aus dem Gebiet des Gipfels.

Nach zweieinhalb Wochen etwa, Ende November, konnten wir abends leichte Ausbrüche am Nordostkrater beobachten, verbunden mit ebenso leichten Lavaströmen. Das war aufregend. Jeden Abend, wenn die Wolken es zuließen, beobachteten wir nun den Vulkan und machten Fotos von den Eruptionen. Seitdem nahm die Intensität stetig zu. An jedem Abend, an dem Aufnahmen gelangen, freuten wir uns mehr. Ab und zu hörte man es kurz grollen und krachen, was aber keine Auswirkungen hatte.

Ätna Eruptionen

Seit ungefähr drei Wochen kommen zudem ununterbrochen Dampf- und Rauchwolken aus einem der vier Hauptkrater. Sie ziehen in Richtung Küste in dem Gebiet zwischen Catania und Giarre. Welche Unmengen an Staub und Gasen mögen das wohl im Laufe der Zeit sein, die aus dem Ätna kommen?

Gipfel des Ätna mit Dampfwolken

Seit ein paar Tagen sind die Ausbrüche am Nordostkrater schon ziemlich spektakulär, wenn man das aus 26km Luftlinie Entfernung so bezeichnen darf. Die Fotos der Eruptionen machen inzwischen schon ganz schön was her.

in der Dämmerung

Um die Mittagszeit des Heiligen Abends dann drang eine große dicke Rauchwolke aus dem Vulkan, erst zaghaft, dann aber immer mächtiger. Schnell wurde das Schauspiel so interessant, dass selbst die Sizilianer aufmerksam wurden. Inzwischen grollte es ununterbrochen, was sich wie ein entferntes Gewitter anhörte. Die Rauchwolken verstärkten sich immer mehr, das Grollen auch. Fast zwei Stunden dauerte das Schauspiel, bevor es wieder abebbte. Statt „Leise rieselt der Schnee“ konnten wir nun singen: „Leise rieselt die Asche“, das etwas andere Weihnachten. Da wird die Geschichte von Pompeii lebendig. Die Einwohner am Fuße des Vesuv sahen damals sicher auch so zum Vulkan wie wir, bis die Katastrophe geschah.

Aschewolke zum Heiligen Abend

die dicken Rauchwolken formen immer wieder tolle Figuren

Als es abends dunkel wurde, sahen wir, dass sich eine lange Spalte an der Ostflanke des Ätna aufgetan hatte, in Höhe von Giarre. Die austretende Lava leuchtete weithin. Leider wurde das Schauspiel immer wieder von Rauchwolken verdeckt, so dass uns kaum ein Foto gelang.

neue Spalte nach dem Ausbruch

Vorgestern, am 22.12.2018 brach in Indonesien der Krakatau aus, was einen Tsunami auslöste. Dabei waren Tote und Verletzte zu beklagen. Das war wohl der Startschuss für viele Vulkane rund um die Welt, denn der Ätna wie auch der Stromboli verstärkten ihre Tätigkeit nur ein bis zwei Tage später.

Am frühen Morgen des 2. Weihnachtsfeiertages ereignete sich ein schweres Erdbeben am Südhang des Ätna und verursachte Schäden von Acireale bis in den Norden Catanias. Es war nur in etwa 10km Umkreis zu spüren und hatte eine Stärke von 4,8 bis 5,1, je nach Quelle. Der Herd befand sich ca. 1km unter der Erdoberfläche. Eigentlich wollen wir morgen in den Süden weiterfahren, aber die Autobahn ist nach dem Erdbeben zwischen Giarre und Acireale teilweise gesperrt. Mal sehen, wie sich die Lage entwickelt, ansonsten müssen wir doch noch ein paar Tage in Naxos bleiben. Seit dem Ausbruch Heilig Abend wurden hunderte kleine Erdbeben aufgezeichnet. Manchmal, wenn wir im Womo sitzen und keiner von uns sich bewegt, schaukelt es kaum merklich. Es ist kaum wahrnehmbar, aber diese Bewegungen sagen uns, dass es wieder eines der winzigen Beben war.

Inzwischen haben wir im Internet Bilder gefunden, die den Ausbruch des Ätna aus dem Süden zeigen. Dort sah man die mächtige Lavasäule, die der Vulkan beim Ausbruch Heilig Abend in die Höhe blies. Wir konnten ja nur die Rauchwolke sehen.

Alcantara-Schlucht

Eine grandiose Szenerie bietet der Naturpark „Gole Alcantara“ (Eintritt im Winter pro Person: 6,-€), zwischen Giardini-Naxos und Francavilla di Sicilia gelegen. Der Fluss Alcantara hat sich an dieser Stelle in drei übereinanderliegende Lavaflüsse gegraben, deren Entstehung vor 8000 Jahren begann. Die Aussichtsplattform am Hafen von Naxos, am Capo Schisó, wurde auf dem Ausläufer des ältesten Lavastromes gebaut.
Die Schlucht ist bis zu 30 Meter tief und sehr sehenswert. Den oberen Eingang zur Schlucht bildet die Quelle der Venus. In diesen Pools soll die Göttin Venus gebadet haben. Ihr Geliebter, der Vulkangott, hatte extra für sie das Wasser erwärmt, damit das Bad recht angenehm ist. Irgendwann betrog Venus ihren Geliebten, der dann das Wasser des Alcanara-Flusses wieder erkalten ließ.

„Pool der Venus“, Eingang zur Alcantara-Schlucht

Am Balkon „Quelle der Venus“ beginnt der schmalste und höchste Teil der Schlucht, der sehr kurvenreich ist. Basaltsäulen in vielen Formen, die da Namen wie „Holzstapel“, „Harfen“, „Rosetten“ und „Orgelpfeifen“ tragen, säumen den Weg des wilden Wassers. Das allerbeste Bild der Schlucht findet man am Aussichtspunkt „Der Aufruhr von Vulkano“.

„Der Aufruhr des Vulkano“

Da es vor ein paar Tagen heftig und anhaltend geregnet hat, fließt jetzt entsprechend viel Wasser durch die Schlucht. Das heißt auch, dass sämtliche Zugänge nach unten, an den Strand und zum Eingang der Schlucht, geschlossen sind. Im Sommer starten dort unten Touren durch den Grund der Schlucht. Von oben sieht das alles schon gigantisch aus, aber von unten muss das unfassbar sein.
Es gibt noch weitere Balkone, von denen aus man in die Schlucht sehen kann und man immer wieder andere Einblicke erhält. Ich will jetzt nicht weiter darüber schreiben, da ich sowieso kaum ausdrücken kann, was die Natur hier in der Alcantara-Schlucht geschaffen hat, ich lasse einfach mal die Bilder sprechen.

Ausgang der Alcantara-Schlucht

Der Park „Gole Alcantara“ bietet jedoch noch einiges mehr. Es ist gleichzeitig ein Botanischer Garten. Im Multimediasaal und in Ausstellungsräumen wird gezeigt, wie die Schlucht entstand. Ob diese jetzt im Winter geöffnet hat, wissen wir nicht, da wir sie nicht besucht haben. Ein Glamping-Platz gehört auch zum Park, im Winter geschlossen.
Nach Berichten von Mitreisenden ist der Zugang „Comunale“ ein paar hundert Meter weiter in Richtung Francavilla kostenlos. Wir wissen es nicht, da wir es dort nicht versucht haben.

Eigentlich wollten wir noch ein Stück am nördlichen Hang des Ätna hochfahren. Deshalb nahmen wir den Rückweg nach Naxos über Francavilla und der auf einem Berg gelegenen Stadt Castiglione di Sicilia. In Castiglione lohnen einige Stopps, denn die Aussicht auf das sizilianische Hinterland ist wunderschön. Obst und Wein gedeihen auf den Lavahängen prächtig. Überall stehen kleine Händler mit ihren kleinen Lastwägelchen, zumeist Piaggios AP 50, und verkaufen, was sie geerntet haben. Die Preise liegen um 1,-€ pro Kilo, egal was.

Castiglione di Sicilia

Von Rovitello aus sind es noch 19 Kilometer bis nach Etna-Nord. Da sich der Vulkan heute mehr oder weniger in Wolken hüllte, lohnte die Auffahrt nicht. Trotzdem fuhren wir wenigstens noch die 1,5km den Hang hinauf, wo es eine weitere Straße gibt, die wenig später wieder zurück nach Linguaglossa führt. Allein dieser kurze Weg entführt in die Lavawelt, die der Ätna vor langer Zeit hinterlassen hat. Bäume, die ums Überleben kämpfen, und Gestrüpp sind in den Lavaflüssen noch zu finden. Die Lava sieht aus, als lägen Millionen kleiner Steinbälle in der Gegend herum, die große Berge bilden. In den USA lernten wir diese Lava als AA-Lava kennen, ich nenne sie Bröckellava. Wenn man einen der kantigen Bälle anhebt, stellt man fest, das die Lava sehr schwer ist.

Lava am Nordhang des Ätna

Jetzt haben wir einen kleinen Eindruck bekommen, wie es am Ätna aussieht. Wir werden bei sonnigem Wetter auf jeden Fall noch einmal den Südhang hinauffahren, der allerdings der Hauptweg für die Touristenbusse ist. Wir sind sehr gespannt.

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