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Salerno und Amalfi

Salerno wollten wir als Ausgangspunkt für einen Ausflug entlang der Amalfiküste nehmen. Als wir Salerno besuchten, spielte das Wetter nicht mit, es regnete. Einen kurzen Stadtbummel ließen wir uns durch die Hauptstadt der Provinz Salerno in Kampanien nicht nehmen. Es ist zwar nur eine von vielen italienischen Städten, aber die Altstadt und die Promenade laden zum Bummeln und Shoppen ein.

Shoppingmeile von Salerno

Gerade ist Faschingszeit und am Faschingsdienstag kamen wir zu einem kleinen Umzug durch den Vorort Pontecagnano zurecht. Es waren nicht viele Wagen und keine extra Fußgruppen, aber es ging echt italienisch sehr laut und bunt her.

Faschingsumzug

An der Küstenstraße etwas weiter nach Süden, in Battipaglia, fiel uns ein schickes Gutshaus auf, dass ziemlich alleine inmitten von Wiesen steht. Es ist die Mozarella-Farm „Tenuta Doria“, die schon seit dem Jahre 1927 existiert. Die Büffel sind im Winter irgendwo im Stall. Sie werden erst im April wieder auf die Wiese gelassen, wo sie von den Besuchern gesehen werden können. Käse wird aber das ganze Jahr über verkauft. Es sind verschiedene Käsesorten aus Büffelmilch, vom Frischkäse über Mozarella und Schnittkäse bis hin zu geräuchertem Käse.

Mozarella-Farm „Tenuta Doria“

Das Hauptziel blieb jedoch die Amalfiküste (UNESCO-Weltkulturerbe), der wir schon lange entgegengefiebert haben. Wir hatten gerade einen sehr schönen Frühlingstag erwischt, und die meisten Leute hatten wegen Aschermittwoch frei. Deshalb war der Betrieb in den Straßen groß. Die Küstenstraße an der Amalfiküste gehört zu den schönsten Straßen der Welt. Das können wir nur bestätigen. Man kann sie aber nur genießen, wenn man gefahren wird. Selbst zu fahren ist sehr anstrengend, denn es geht keine zehn Meter geradeaus. Eine Kurve oder Biegung folgt auf die nächste und viele Italiener fahren, als wären sie alleine unterwegs. Ständig kommt einem jemand auf der eigenen Spur um die Ecke entgegen. Zudem ist es sehr eng.

Küstenstraße nach Amalfi

Dafür sind die Ortschaften, die an der Straße liegen und sich in größeren Buchten mit Sandstränden die Berghänge hinauf ziehen, sehr schön. Dazwischen sind viele Abschnitte felsige Steilküste mit kleinen Buchten und Stränden, die tief unterhalb der Küstenstraße liegen. Immer wieder bieten sich unterwegs schöne Ausblicke auf die Küste und das blaue Wasser, die man eher auf der Fahrt zurück nach Salerno genießen sollte. Die Parkbuchten sind klein und immer auf der Wasserseite zu finden.

viele Orte säumen die Straße

Leider ist man als Tourist mit eigenem Auto nicht so gern gesehen, denn Parkplätze sind echt Mangelware, was dem naturgegebenen Platzmangel zu schulden ist. Die allermeisten Parkplätze am Straßenrand sind für Anwohner oder Hotelgäste reserviert. Alle anderen Parkplätze sind hoffnungslos überfüllt. So konnten wir uns die Orte wie Maiori und andere nicht weiter ansehen.

In Amalfi angekommen, wird man zum Parkplatz am Hafen dirigiert. Dumm nur, wenn man mittwochs kommt und Markttag ist. Dann ist der einzige Parkplatz der Stadt mit Marktständen belegt. Also wieder zurück durch das Gewühl zum Parkhaus „Lunarossa“ am Ortseingang von Amalfi. Dort wird man vor der Schranke angehalten und alle Passagiere müssen aussteigen. Nur der Fahrer darf das Auto im Parkhaus abstellen. Also wartete ich, bis Klaus irgendwann aus den Tiefen des Parkhauses wieder auftauchte. Ein großer und langer Tunnel führt nach unten irgendwohin, den immer wieder Leute herauf kamen. Klaus kam dann aber doch aus der nahegelegenen Tür in der Wand. Parkgebühr sind 2,-€ pro Stunde.

Ortseingang Amalfi

Nun spazierten wir ca. hundert Meter an der Küste zurück nach Amalfi, das wunderschön liegt und mit verschiedenen baulichen Details für Neugier bei den Besuchern sorgt. Der Stadtstrand liegt jetzt verlassen, daran schließt sich ein kleiner Hafen an, von dem Boote starten, entweder an der Amalfiküste entlang oder gleich zur berühmten Insel Capri. Zu dieser Jahreszeit gibt es nur drei Abfahrtszeiten zur Insel.

Blick auf Amalfi

Wir bogen in die Gassen der Altstadt ab und verloren uns teilweise in der waschechten arabischen Medina. So enge und verschlungene Gassen, fast alle treppenförmig, haben wir auf all unseren Reisen in arabische Städte jedoch nicht gesehen. Die erste Gasse, der wir folgten, führte uns zur Kathedrale. Der schmale Gewölbegang führt um mehrere Ecken und durch mehrere Tore, bis sich der große Platz vor der Kathedrale öffnet.

hier geht´s zur Kathedrale

Die Kathedrale von Amalfi ist wunderschön. Sie wurde im 10. Jahrhundert errichtet und seither mehrfach erweitert und umgestaltet. Eine große Freitreppe führt zum Haupteingang.

Kathedrale Amalfi

Auf dem Weg zur Kathedrale fanden wir dann den Ausgang des langen Tunnels vom Parkhaus. Er ist der Verbindungsweg in die Stadt. So muss man nicht außen herum laufen.

Entlang der verkehrsberuhigten Hauptstraße Via Lorenzo D´Amalfi reihen sich Geschäfte und Kneipen. Die vielen Bögen, die die Häuser miteinander verbinden, sind auffallend. Manche von denen tragen selbst Häuser. Das haben wir schon in vielen italienischen Städten gesehen. Dienen sie der Stabilität bei Erdbeben?

verkehrsberuhigte Zone

Ständig zweigen enge Gassen rechts und links ab, Treppen, die zu Hotels, Geschäften oder nur zu Wohnungen führen. Die Gassen sind oft kaum breiter als die Schultern eines Menschen.

eine nette breitere Gasse

An vielen Stellen sind an den Häuserfassaden Fliesenbilder angebracht, die von der Geschichte Amalfis erzählen. Die meisten Häuser sind weiß, auch ungewöhnlich für italienische Verhältnisse.
Man mag sich gar nicht wieder lösen und in die Wirklichkeit zurückkehren. Amalfi nimmt seine Besucher quasi gefangen.

Panorama von Amalfi

Der Ursprung Amalfis ist nicht belegt, aber im 9. Jahrhundert stieg die Stadt zur ersten Seerepublik auf dem heutigen italienischen Gebiet auf, so wie später z.B. Genua oder Venedig. Sarazenen und Normannen hinterließen ihre Spuren, z.B. in Form von Beobachtungstürmen. Der Handel erlebte mehrere Höhen und Tiefen, bis ein Tsunami Ende November 1343 einen Teil Amalfis im Meer versinken ließ. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Stadt nur per Seeweg zu erreichen. Erst ab dieser Zeit erwachte Amalfi aus seinem Dornröschenschlaf, dank einzelner Künstler, die die Schönheit der Amalfiküste für sich entdeckten. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts legte der Tourismus massiv zu, der bis heute boomt.

Sarazenen-Turm

Ein Tag ist definitiv zu wenig, um die Amalfiküste kennenzulernen, dafür braucht man einfach zu lange, um vorwärts zu kommen. So haben wir es auch nicht mehr bis zur Künstlerstadt Positano geschafft, die ebenfalls sehr schön sein soll.

Die Amalfiküste ist Zitronenland, Limoncelloland. In fast jeder kleinen Ecke wurden Terrassen angelegt, auf denen Zitronenbäume wachsen. Um diese Jahreszeit sind sie mit Gewebeplanen abgedeckt, um sie vor den kalten Winden zu schützen. Wo doch ein paar Bäume frei stehen, leuchten die gelben Früchte mit der Sonne um die Wette. Jetzt sind sie erst richtig reif. Als wir im Dezember ankamen, begannen die Zitronen gerade zu reifen, waren meist noch grün. Da bekommt man Appetit, die sind richtig lecker.

Auf dem Rückweg nach Salerno ist die Bergkette der Apenninen zu sehen, die sich hinter der Küste in einigem Abstand erhebt. Einige der Berggipfel sind immer noch schneebedeckt, so ab 1900 Metern Höhe.

Da wir in Salerno keinen Stellplatz gefunden haben, verbringen wir die Nächte auf dem Camping „Lido di Salerno“, ca. 10km südlich der Stadt. Der ACSI-Platz liegt direkt am Strand von Pontecagnano Faiano. Jeden Morgen kommen einige Sulki-Fahrer den Strand entlang, um ihre Pferde zu trainieren. Die Amalfiküste ist zwar in Sichtweite, aber meist im Dunst verschwunden. Dafür sind die Sonnenuntergänge super.

tägliches Pferdetraining am Strand

Pisa

Wir fahren weiter auf der Via Aurelia (SS1, E80). Das letzte Stück kurz vor Pisa ist mautpflichtig. Die Via Aurelia wurde 241 v.Chr. von Gaius Aurelius Cotta in Auftrag gegeben und führte ursprünglich von Rom nach Pisa. Erst später wurde sie bis nach Arles in Frankreich verlängert.

Pisa war im Mittelalter eine der italienischen Seerepubliken wie z.B. Genua oder Amalfi. Heute ist sie Universitätsstadt und weltberühmt für ihren schiefen Turm. Der Fluss Arno teilt die Stadt in zwei Teile.

der Arno, rechts und links Pisa

Wir haben unser Womo auf dem Stellplatz Camperisti Pisani stehen. Der Platz befindet sich direkt am römischen Aquädukt, der immer noch bis an die Stadtmauer von Pisa führt, mit wenigen Unterbrechungen. Hier sehen wir zum ersten Mal Bauwerke, die am Aquädukt lehnen, die wahrscheinlich als Kontroll- und Pumpbauwerke dienten. Man braucht also immer nur der alten Wasserleitung folgen und kommt genau in die Altstadt.

Aquädukt in Pisa

Die Stadtmauer ist ebenfalls noch zu einem großen Teil erhalten, allerdings zumeist rekonstruiert. Teilweise kann man auf ihr entlang laufen. Man kann die Altstadt von Pisa aber auch durch andere Stadttore betreten oder verlassen.

eines der kleinen Stadttore

Jeder, der Pisa besucht, steuert die Piazza del Duomo an. Der Platz wird auch Piazza die Miracoli genannt. Hier sind die berühmtesten Bauwerke, allesamt aus weißem Marmor, zu finden: natürlich der Schiefe Turm von Pisa, die Kathedrale und das Baptisterium, das größte in Italien. Der Puttenbrunnen am Platz ist ebenfalls aus weißem Marmor. Um den Platz herum gruppieren sich mehrere Museen und der Friedhof. Ein Teil des Domplatzes wird von der Stadtmauer und mehreren Stadttoren abgeschlossen.

Piazza del Duomo oder auch Piazza die Miracoli

Die drei Hauptgebäude des Ensembles sind nicht nur im Ganzen imposant, sondern beeindrucken auch durch ihre filigranen Details. Das Dach des Baptisteriums wurde übrigens mit zwei verschiedenen Materialien gedeckt: landeinwärts mit Kupferplatten, seeseitig mit Ziegeln. Die Ziegel halten besser dem schlechten Wetter stand, welches meistens vom Meer herüber zieht.

Das Highlight ist und bleibt in jedem Fall der Schiefe Turm von Pisa. Er ist der Glockenturm der Kathedrale. Im Sommer 1173 legte man den Grundstein für den Glockenturm und baute die ersten drei Etagen. Schon während dieser Bauzeit begann sich der Turm zu neigen. Irgendwann baute man dann die restlichen vier Etagen darauf, in einem etwas anderen Winkel, bei dem man versuchte, die Schieflage auszugleichen. Wenn man genau hinsieht, sind die zwei verschiedenen Winkel zu erkennen. Erst viel später setzte man den Raum mit den Glocken darauf.

Eingang zum Schiefen Turm

Auf Grund des instabilen Untergrundes neigte sich der Turm im Laufe der Jahrhunderte immer weiter, bis er im Januar 1990 aus statischen Gründen für die Besucher geschlossen wurde. Irgendwie schaffte man es, den Turm etwas aufzurichten und zu stabilisieren. Im Dezember 2001 durften die Besucher der Turm wieder besteigen. Heute wird für ein Ticket auf den Turm 18,-€ verlangt. Die anderen Eintrittspreise liegen bei 5,- bis 8,-€. Der Platz an sich ist aber frei begehbar.
1987 wurde das Ensemble an der Piazzo del Duomo ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Man sollte sich nicht allein auf das weiße Marmorensemble konzentrieren, sondern sich auch einmal die Zeit nehmen, die Touristen aus aller Welt zu beobachten. Da werden die tollsten Verrenkungen veranstaltet, um mit dem Schiefen Turm von Pisa abgelichtet zu werden.

Alle anderen wollen den Turm stützen, Klaus aber…?

Nun schließt sich ein Stadtbummel durch die Altstadt von Pisa an, entweder durch die Fußgängerzonen oder durch die Gassen. Unbedingt einen Abstecher muss man zur Piazza dei Cavelieri machen. Dort ist wohl das schönste Gebäude in Pisa zu finden, die Scuola Normale Superiore. Die gesamte Fassade ist wunderschön bemalt und mit Büsten verziert. Davor steht ein Brunnen. Der großzügige Platz wird aber auch von Palästen und Kirchen umrahmt.

Scuola Normale Superiore

Folgt man nun den meisten Menschen, gelangt man irgendwann auf die Fußgängerzone Borgo Stretto, die am Garibaldi-Platz endet.

Borgo Stretto

Dort angekommen, fließt der Arno vorbei und man steht vor der Ponte di Mezzo. Sie führt zur südlichen Hälfte Pisas, mit der alten Markthalle. Unter der Säulenhalle wurde gehandelt und Geld gewechselt. Den Auftrag für den Bau der Markthalle gab Ferdinando I. von Medici. Ausgeführt wurde er 1603-1605. Seither wurde das Gebäude mehrmals renoviert.

ehemalige Markthalle

Wer jetzt noch Zeit und Lust hat, sollte durch den Giardino Scotto spazieren, im Osten des südlichen Stadtteils. Dieser Teil Pisas war schon zu römischen Zeiten besiedelt und wurde im 11. Jahrhundert verlassen. Im 13. Jahrhundert stellte man hier weltberühmte Keramik her, im 15. Jahrhundert baute man dann das Fort an dieser Stelle. Nur Jahre später wurde es jedoch schon wieder zerstört. Reste davon sind am Arnoufer noch erhalten. Anfang des 16. Jahrhundert baute man ein neues Fort und 1785 funktionierte man es in einen Garten um, mit einem Palast, einem Wandelgang und einem öffentlichen Park.

Wandelgang und Mauer des Giardino Scotto

Ich habe Pisa schon einmal vor etwa 20 Jahren besucht. Damals war ich sehr enttäuscht von der Stadt, denn sie bot ein Bild zum Erbarmen. Die Fassaden waren heruntergekommen, es war schmutzig und der Arno war zu einer Kloake verkommen. Das ist heute alles anders. Heute ist die Stadt sauber und heißt ihre Gäste willkommen. Pisa ist wirklich schön geworden.

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