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Catania

Zuerst wollten wir eine Zwischenstation auf dem Weg in den Süden Siziliens einlegen und von dort aus mit dem Smart nach Catania fahren. Man riet uns jedoch dazu, mit dem Bus nach Catania zu fahren, was dann doch die bessere Entscheidung war. Für nur 8,60 € pro Person Hin- und Rückfahrt von Recanati (Giardini-Naxos) aus fährt der Bus nur wenige Schritte vom Stellplatz entfernt ab. Ohne Zwischenstopp fuhr der Bus, nicht ganz pünktlich abgefahren und mit fast einer halben Stunde Verspätung in Catania angekommen, ins das Zentrum der Stadt. Vom Busbahnhof steuert man am besten zuerst den berühmten Fischmarkt von Catania an, denn der ist nur bis zum Vormittag besuchenswert. Das ist ein Fußweg von 1,3km.

Fischmarkt in Catania

Am Domplatz steht ein grau-weißes Gebäude. Passiert man dieses an der rechten Seite, steht man auf dem Fischmarkt, welcher sich ein paar Stufen tiefer befindet. So hat man gleich einen schönen Blick über alles. Das Handeln, die Fischer, die ihre Ware anpreisen, das ganze Ambiente erinnert an einen orientalischen Markt. Die Preise sind niedrig, die Fische und Meerestiere frisch. Hier kauft man gerne ein. Leider standen wir am Anfang unseres Stadtrundganges, so dass wir keinen Fisch mitnehmen konnten. Auf der Empore bietet ein kleiner Laden in Zitronensud gegarten Baby-Oktopus an, den wir unbedingt probieren mussten. So zarten Tintenfisch hatten wir noch nie gegessen, der war einfach lecker.

Baby-Oktopus in Zitronensud

Egal, welche Gasse wir weiter gingen, überall stehen Marktstände, an denen Obst, Gemüse und Fleisch angeboten werden. Sogar Zicklein bekommt man, für nur 8,-€ das Kilo. Einer der Stände bot einen Salat aus verschiedenen Wurst- und Käsesorten an, auch davon probierten wir. Frischer als hier bekommt man die Sachen nicht.

Markt in allen Gassen rund um den Fischmarkt

Irgendwann kamen wir an die Via Emanuele II. Nur ein paar Meter nach links kommt man zum Teatro Antico und das Odeon. Beide Theater liegen nebeneinander und sind ein Museum. Anfang des 8. Jahrhunderts vor Christus gründeten Griechen die Kolonie Catania. Möglicherweise errichteten schon die Griechen ein Theater an dieser Stelle, welches die Römer später übernahmen und ausbauten. Wenn man um den Block läuft, kann man auch die Rückseite mit den Eingängen der Theater sehen.
Etwas weiter oberhalb der Theater ist die Römische Therme zu finden.

Eingangstor zum Teatro Antico

Spaziert man die Via Emanuele II wieder zurück zum Domplatz, steht man vor der berühmten Elefantensäule. Der Elefant ist das Symbol von Catania. Dieser aus Lava gefertigte Elefant auf dem Domplatz stammt aus römischer Zeit. Er wurde nach der Zerstörung durch ein verheerendes Erdbeben 1693 aus den Trümmern geborgen. 1669 wurde Catania schon einmal durch eine Ätna-Eruption dem Erdboden gleichgemacht. Der auf dem Elefanten stehende Obelisk stammt aus Ägypten und wurde wohl im alten Amphitheater als Zielsäule verwendet. Ein Künstler aus Catania kam dann auf die Idee, aus diesen beiden Teilen die Elefantensäule zu kreieren.

Elefantensäule

Der Palazzo degli Elefanti ist heute das Rathaus. Er stammt aus der Zeit nach dem großen Erdbeben von 1693. Ebenfalls am Domplatz steht die beeindruckende Kathedrale Sant`Agata. Fast alle großen Gebäude Catanias sind im prunkvollen Barockstil erbaut, was mich an meine Heimatstadt Dresden erinnert. Geschwungene Formen, pralle Figuren, prachtvolle Verzierungen, der Barock macht einfach Spaß.

Domplatz mit der Kathedrale Sant`Agata

Leider ist die Bausubstanz Catanias ansonsten unter aller Kanone. In ganz Italien sind sehr viele Bauten dem Verfall preisgegeben, weil das Geld für die Renovierung fehlt. In Catania ist dieser Zustand sehr erdrückend.

Die Flaniermeile Catanias ist die Via Etnea, die sich vom Domplatz in Richtung Ätna ausdehnt, den man in einiger Entfernung sieht. Mehrere große Plätze lockern die Straße auf, die von vielen Geschäften und mancher Kirche gesäumt wird. Schon bald kommt man am Gymnasium links und der gegenüberliegenden Universität rechts vorbei.

Via Etnea

Folgt man der Via Etnea weiter, liegt irgendwann auf der linken Seite die Ausgrabungsstätte des Amphitheaters. Es wurde beim großen Erdbeben verschüttet und nur zum Teil wieder freigelegt. Dieses Amphitheater war eines der größten auf Sizilien, fasste 15.000 Zuschauer, die in 32 Sitzreihen Platz nahmen. Es hatte eine elliptische Form und maß 125×105 Meter. Es wurde im 2. Jahrhundert erbaut und Ende des 5. Jahrhunderts aufgegeben. Die Normannen nutzten beim Bau der Kathedrale im 11. Jahrhundert teilweise Steine und Säulen des Theaters.

Ausgrabungsstätte Amphitheater

Unser letztes Ziel in Catania war der Hafen der Stadt. Von hier aus fahren Fähren z.B. nach Neapel, Genua oder Malta. Es herrscht Ruhe im Hafen, die wir für eine Kaffeepause nutzten. Von hier aus blickt man über die Stadt hinweg zum Ätna, der der Stadt schon so manches Leid bescherte.

Fontana di Proserpina

Am Busbahnhof steht ein sehr schöner barocker Brunnen, der „Fontana di Proserpina“. Der Bus zurück nach Recanati fährt im Busbahnhof des Interbus (blaue Busse) ab, direkt hinter der Mauer, vor der wir abgesetzt wurden. Der Eingang befindet sich in der Via Archimede. Sollte jemand kein Rückfahrticket haben: das Ticketbüro von Interbus ist in der Parallelstraße Via D´Amico schräg gegenüber zu finden. Man bekommt allerdings auch direkt im Busbahnhof Tickets. Auf Verspätungen sollte man sich jedoch einstellen.

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Fazit Italien-Rundreise und Sizilien

Wir haben bei der Planung der Rundreise überlegt, wie herum wir die Tour machen sollten. Entlang der Ostküste nach Süden und an der Westküste nach Norden zurück, oder umgekehrt. Normalerweise ist das egal, aber wir dachten uns, dass das Wetter der entscheidende Faktor sein könnte. Das Frühjahr ist dafür bekannt, das viele Urlauber und Reisende die Westküste besuchen. Dafür muss es einen Grund geben, der sich auch prompt zu erkennen gab. Während wir im Herbst an der Ostküste nur zwei kurze Stürme und etwas Regen zu überstehen hatten, führten mehrere Unwetter an der Westküste zu katastrophalen Zuständen: Überschwemmungen, Erdrutsche, Sturmschäden, Häfen wurden verwüstet und Flugplätze mussten zeitweise gesperrt werden. Das ist sicher nicht der Normalzustand im italienischen Herbst, aber die Tendenz wird wohl stimmen. Im Frühjahr dagegen ist es an der Westküste wärmer und ruhiger als an der Ostküste Italiens.

Ein Gewitter zieht über dem Po-Delta auf

Eine zweite Sache sollte beachtet werden, wenn man über die Alpen nach Italien fährt: der Winter in den Bergen. Ab dem 15. November sind Winterreifen und meist auch Schneeketten in den Bergen Pflicht. Wenn es früher schneit, auch früher. Winterreifen sind sogar bis in die apulischen Berge ab 15. November Pflicht. Einzig auf den Küstenstraßen sind die entsprechenden Schilder selten zu finden. Man sollte also bei der Planung beachten, dass man sich ab dem 15. November schon weit im Süden befindet, oder aber zumindest Winterreifen aufgezogen hat.

Der Sprit ist in Italien sehr teuer. Der Diesel kostet mindestens 1,50-1,58€, manchmal sogar mehr. Das Superbenzin schlägt mit 1,70-1,85€ zu Buche. Dafür ist die Maut billiger als wir angenommen hatten. Wir bezahlten an der Ostküste rund 10 Cent pro Kilometer Autobahn. An der Westküste, bis Neapel herunter, ist die Maut jedoch zum Teil wesentlich teurer. Von Neapel ab ist die Autobahn mautfrei. Bezahlt werden kann meistens per Kreditkarte, manchmal auch Bar am Automaten oder bei einem der Mitarbeiter in den Häuschen. Bei der Autobahnauffahrt zieht man ein Ticket, welches man bei der Abfahrt bezahlt. Es kommt aber auch vor, vor allem im nördlichen Westen Italiens, dass bestimmte Autobahnabschnitte mautpflichtig sind und man seine Fahrt unterbrechen muss, um die Maut zu zahlen.

Ein Extrathema sind die Fußwege. Wenn überhaupt welche vorhanden sind, werden sie entweder als Parkplatz missbraucht, es wachsen Bäume mittendrin oder das Begehen gerät zum Hindernislauf, denn man muss ständig über die tollsten Einfahrtkonstruktionen, Treppen oder große Löcher steigen.

häufiger Zustand italienischer Fußwege

Im Winter nach Italien/Sizilien zu fahren hat seine Vor- und Nachteile. Da kaum Touristen zu dieser Jahreszeit unterwegs sind, hat fast alles geschlossen. Nur wenige Restaurants und Campingplätze sind noch geöffnet, während die meisten Museen geduldig auf die wenigen Gäste warten. Der Vorteil ist, dass man fast überall einige Freiheiten hat, die im Sommerhalbjahr unmöglich sind. Man kann fast überall stehen und übernachten, und viele Parkgebühren sind ausgesetzt, denn man ist auf die wenigen Touristen angewiesen. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind nicht so überlaufen, die Strände hat man fast für sich alleine.

Im Winter liegen die Strände und Strandanlagen verlassen da

Was uns bisher noch nie passiert ist: wir haben auf der Straße nicht einmal einen Cent gefunden. Sonst liegt fast überall das Geld auf der Straße und wir fanden immer einige Münzen, die sich am Ende der Reise manchmal stattlich summiert haben. In Italien/Sizilien ist dagegen kein Geld auf der Straße zu finden.

In Italien/Sizilien kann man gut essen. Auf Sizilien ist das Einkaufen sehr günstig. Am Besten kauft man bei den Händlern mit den kleinen Autos, die überall ihr Obst und Gemüse oder den Fang des Tages anbieten. Da weiß man, wo es herkommt und wo das Geld hingeht. Die kleinen Fleischereien bieten nur wenig Fleisch an. Meist ist es wie in den arabischen Ländern: bevor ein Schwein, Rind, Schaf oder Ziege nicht gänzlich verkauft ist, wird kaum eine neues Tier geschlachtet. Lamm und Ziege sind mit 8.- bis 10,-€ sehr günstig. Beim restlichen Fleisch sind die Preise so hoch, dass man sich überlegt, wie viel Fleisch man wirklich essen will.

Ziegenfleisch-Händler

Zu empfehlen sind auch die Mozarella-Farmen. Bei den meisten Farmen kann man gleich dazu die Milch- und Fleischlieferanten besichtigen. Es geht dort nicht gerade appetitlich zu, denn die Wasserbüffel lieben Nässe. Die Tiere sind sehr ruhig und jeder Büffel unterscheidet sich von den anderen. Wir haben sogar einmal einen blondgeschopften Büffel gesehen, toll gelockt. Das Büffelfleisch ist sehr teuer, eigentlich auch der Käse, dafür ist er umso leckerer. Da sollte man sich doch von Zeit zu Zeit etwas davon gönnen.

Lieferanten des Mozarella – Wasserbüffel

Was auf Sizilien auch sehr gut ist, ist das Gebäck. Dort haben wir die leckersten Kekse gegessen, die wir je fanden. Die Spezialität Canneloni sollte man unbedingt probieren. Das sind knusprige Waffelröllchen, mit feiner Büffelmilchcreme gefüllt. Auch die andere sizilianische Spezialität Cassata ist lecker, ein Kuchen, gefüllt mit Ricotta und ummantelt mit grünem Marzipan.

sizilianisches Gebäck ist der Knaller

Die berühmtesten Pistazien kommen vom Fuße des Ätna, aus Bronte. Sizilien ist aber das Land der Zitronen. Als wir im November dort ankamen, hingen sie noch halbreif an der Bäumen. Erst im Januar werden sie strahlend gelb und superlecker. Mit Zitronen lassen sich viele Dinge anstellen. Man kann sie zum Kochen verwenden, zum Backen oder zu Marmeladen, Säften und Schnäpsen verarbeiten. Da gibt es kaum Grenzen.

spezielle Zitronenart – Cedri

Außerdem haben wir so viele Orangen und Mandarinen wie noch nie gegessen, nicht einmal in Spanien, wo wir unseren letzten Apfelsinen-Ess-Rekord gebrochen haben. Für 1,-€ das Kilo muss man einfach zugreifen und die Zitrusfrüchte sind so lecker. Als es auf unserer Tour Richtung Norden keine so guten Apfelsinen mehr gab, litten wir direkt an Orangen-Entzugserscheinungen.

Noch nirgendwo auf der Welt haben wir soviel Kulinarisches ausprobiert, wie auf Sizilien. Unser Bus musste am Ende der Reise ganz schön schleppen.

Das Highlight der Reise war jedoch der Ausbruch des Ätna an Heiligabend. Als wir in Giardini-Naxos ankamen, wo wir gut sechs Wochen verbrachten, strahlte der leicht gezuckerte Gipfel des Vulkans noch ungetrübt gen blauen Himmel. Der Gipfel des Ätna mit seinen mehreren Kratern kann von Süden oder von Norden her erreicht werden. Ohne irgendein Spektakel ist das schon ein grandioses Erlebnis. Allerdings darf das Spektakel nicht zu groß werden, denn bei einem richtigen Ausbruch ist der Vulkan für Wanderer gesperrt.

spektakuläre Auffahrt zur Nordseite des Ätna

Jedenfalls ließen sich bald darauf einige kleine weiße Wölkchen über dem Ätna sehen, harmlos und schön. Fast mit jedem neuen Tag vergrößerten sich die Wölkchen, bis sie eine weiße Wolkensäule bildeten, die hin und wieder vom Wind weggetragen wurde. Jeden Morgen richteten wir unseren ersten Blick zum Vulkan, es wurde regelrecht zur Sucht. Der Anblick von unserem Stellplatz aus, 26km Luftlinie vom Krater entfernt ist einfach zu schön. An regnerischen Tagen schneite es auf dem Vulkan und die Schneedecke vergrößerte sich, in der Dicke wie auch in der Fläche.

Beginn des Ätna-Ausbruchs Weihnachten 2018

Aus der weißen Wolkensäule wurde ein paar Tage später eine graue Rauchsäule. Hin und wieder vernahmen wir jetzt ein leichtes Grollen aus der Richtung. Wir hofften, so lange wir in Giardini-Naxos waren, doch noch zu einem Vulkanausbruch zu kommen. Aus Erfahrung wissen wir, dass der Ätna keine große Gefahr darstellt und sich das Hauptszenario auf den Bereich des Naturparks Ätna beschränkt. Nur Catania und die Orte am Fuße des Vulkans bis nach Giarre werden manchmal etwas in Mitleidenschaft gezogen, da sich das Hauptgeschehen in diesem Bereich abspielt. Um richtig gefährlich zu sein, bricht der Ätna zu oft aus, so ein bis zweimal im Jahr.

Kurz vor Heiligabend stand fast fest, dass es einen Ausbruch geben würde, denn die Rauchwolken, die aus dem nordwestlichen Krater aufstiegen, wurden immer größer. Wenn es dunkel geworden war, bezog ich fast jeden Abend mit der Kamera Stellung, um den Lavafluss zu fotografieren, der sich im Laufe der Zeit immer mehr vergrößerte. Leider sind 26km Luftlinie sehr lang, so dass es keine spektakulären Aufnahmen gibt, aber das ein oder andere Bild ist trotzdem gut gelungen.

nächtlicher Lavafluss am Ätna

Am Morgen des Heiligabend stand eine mächtige Rauchwolke über dem Vulkan und gegen 14 Uhr, glaube ich, kam es zum Ausbruch. Leider war die Lavafontäne nur von Catania aus zu sehen, aber die Rauchwolke, die in unsere Richtung zog, war so aufregend, dass selbst die Sizilianer ihre Kameras zückten und den Ausbruch festhielten. Das Grollen war jetzt gut zu hören, welches den Ausbruch begleitete.

Rauchsäule des Ausbruchs

Am Abend, als es dunkel war, sahen wir, dass sich eine lange Spalte in Richtung Giarre aufgetan hatte, aus der es rot glühte. Die Spalte soll zwei Kilometer lang gewesen sein. Wären wir doch nicht so weit weg gewesen!

Der Ausbruch hielt ein paar Tage an. Dreihundert Erdbeben sollen den Ausbruch begleitet haben, die sogar Schäden im Norden Catanias anrichteten. Das Portal einer Barockkirche ist dabei auch eingestürzt. Ein Ascheregen ging am Hang Richtung Südost herunter, der die Ortschaften, die dort am Hang liegen, traf. Spektakuläre Bilder tauchten im Internet auf, Tote gab es jedoch nicht, nur ein paar Verletzte. So etwas erlebt man nur einmal im Leben. Asche vom Ausbruch vor sechs Jahren ist zum Beispiel auf einem ehemaligen Autohändler-Platz am Südrand von Giardini-Naxos noch zu sehen.

Kurz nach Weihnachten verließen wir Giardini-Naxos, um unsere Sizilien-Rundreise fortzusetzen. Aus der grauen Aschewolke war wieder eine weiße Rauchfahne geworden, die bis über den äußersten Südosten der Insel auf´s Meer hinaus reichte. Unglaublich.

wunderschöne Wolkengebilde entstanden durch die Asche in der Luft

Landschaftlich und kulturell hat Sizilien sehr viel zu bieten, worüber wir in diesem Blog berichteten. Es wäre viel zu schade, sich für die Entdeckung der Insel nicht genug Zeit zu nehmen.

Scalea

Zuerst dieses: Wir hatten vom Ausbruch des Ätna an Weihnachten 2018 berichtet. Inzwischen haben wir erfahren, dass dieser Ausbruch mehr oder weniger intensiv immer noch andauert. Leichte Ascheregen, Erdbeben rund um den Vulkan und die zeitweilige Schließung des Flughafens in Catania sind die Folge. Schade, dass wir den Ätna von Norden aus nicht noch einmal sehen konnten. Ich hatte es gehofft, aber die Gebirge nördlich des Ätna lassen keine Blicke auf den Vulkan zu.

Nun sind wir aber schon wieder auf dem Weg nach Norden, an der Westküste Italiens entlang. Auf Sizilien ist die Natur definitv grüner und bunter, nur mal nebenbei bemerkt.
Immer wieder sind Ruinen alter Städte oder Kastells auf den Bergspitzen nahe der ss18, die wir an der Küste entlang fahren, zu sehen.

Ruinen irgendwo zwischen Falerna und Scalea

Die nächsten paar Nächte verbringen wir auf dem Womo-Stellplatz Zio Tom in Scalea. Wir sind zusammen mit einem schwedischen Paar allein auf dem großen Platz direkt am Strand. Die Gegend ist flach, aber die Berge sind in greifbarer Nähe. Auf den Bergspitzen ab 1500m liegt Schnee. Endlich hatten wir einen richtig schönen Frühlingstag mit einer warmen leichten Brise und blauem Himmel.

Womo-Stellplatz Zio Tom in Scalea

Wie wir erfuhren, war hier am 24. Februar, als wir gerade am Strand von Milazzo standen, wettermäßig die Hölle los. Zu diesem Zeitpunkt hatte es in Griechenland und sogar auf den Ägäischen Inseln zwei Meter Schnee gegeben. In Milazzo lag morgens bis auf 200m herunter Schnee und es hatte ein starker Wind mit Stärke 7 geweht. In Scalea gab es Sturm mit Böen über 100km/h und das Meer trat über den Strand und überschwemmte die angrenzenden Gebiete. Ein deutscher Dauercamper auf dem Zio Tom Platz berichtete, dass sein Wohnwagen einen halben Meter unter Wasser stand und später vom Sturm auch noch umgekippt wurde. Auf dem Nachbarplatz liegen zwei weitere umgewehte Wohnwagen, die Openair-Waschbecken wurden mitsamt der Holzwand aus der Verankerung gerissen. Einen Kilometer die Straße nach Süden liegt die Überdachungskonstruktion eines Schwimmbeckens zusammengefallen da. Das sind so die offensichtlichsten Schäden in Scalea. Im Internet las ich, dass es in Malta bei diesem Mittelmeertief sogar lebende Fische vom Himmel regnete. Da hat es wohl irgendwo eine Wasserhose gegeben. Als wir das hörten, mussten wir an den letzten Herbst denken, als in Norditalien das große Unwetter tobte und z.B. den Hafen von Genua verwüstete sowie vielerorts für Überschwemmungen sorgte. Damals waren wir an der Ostküste nach Süden unterwegs und bekamen nur die Ausläufer wie starken Wind und Regen zu spüren, so wie dieses Mal. Drei Kreuze, da sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen.

Sturmschaden vom 24.02.2019

Ein Besuch der kleinen Stadt Diamante, auf einem Felsvorsprung gelegen, ist lohnenswert. Schon auf der Herfahrt aus Süden sahen wir das schöne Bild mit der Bogenbrücke und der hoch aufragenden Stadtkulisse. Auffällig sind die vielen gemalten Bilder an den Häuserfassaden der Stadt. Sie entstanden im Jahre 1981. Viele lokale Künstler beteiligten sich an der Aktion. Später kamen die Texte auf den Bildern dazu. Die meisten der Bilder werden in Schuss gehalten, manche verblassen langsam.

eines der Hauswand-Bilder in Diamante

Die zweite Auffälligkeit sind die Chilischoten, die überall als Werbung aufgestellt sind. Es wird sogar seit 1992 jedes Jahr Anfang September ein Chili-Festival veranstaltet, welches an die Einführung der scharfen Schote in Europa und Kalabrien erinnert. Am Straßenrand stand ein Kleinbauer, der getrocknete Chilis im Zopf verkaufte. Es war das erste Mal, das wir auf solch ein Angebot auf dieser Reise stießen. Für 3,-€ kauften wir ihm einen großen Chili-Zopf ab, dazu schenkte er uns einen kleineren zweiten.

Mitbringsel aus Diamante – Chilizopf

Man sollte also ganz in Ruhe einmal durch die engen Gassen der Altstadt, die sich einen kleinen Berg hinaufzieht, schlendern. Wie überall, in solchen alten Städten, thront eine Kirche auf dem höchsten Punkt.

Ansicht von Diamantes Altstadt

Anschließend geht man die schöne Promenade an der Küste entlang, die genügend Plätze zum Verweilen anbietet. Am südlichen Ende schweift der Blick dann über die angrenzenden Strände und Berge. Es ist wirklich hübsch in Diamante.

Promenade von Diamante

Wer sich für Geschichte interessiert, der ist bei Cirella richtig. Schon die Neandertaler lebten in dieser Gegend und jagten Mammuts, was Funde beweisen. Einige Infotafeln berichten von den Funden und dem Leben über Jahrtausende, aber leider nur auf italienisch.

Ureinwohner von Cirella

Zu griechischen Zeiten kreuzten die großen römischen Galeeren an dieser Küste entlang, um das Gebiet zurück zu erobern.
Die Reste der mittelalterlichen Stadt Cirella Vecchia auf der Bergkuppe, die im 10. Jahrhundert aufgebaut wurde, ist nicht zu übersehen. Der Zugang ist zwar offiziell verboten, aber es hindert auch niemand am Zugang. Man muss nur aufpassen, wo man seine Schritte hinsetzt. Viele Mauern stehen noch, es ist ein Kamin zu entdecken, die Reste einer Kirche oder des Kastells. Bis vor 200 Jahren sollen hier noch Menschen gelebt haben.

das alte Cirella

Zum Komplex gehören auch ein Amphitheater, welches heute noch genutzt wird, und eine Klosterruine mit herrlichem Blick über die Bucht nach Scalea und die angrenzende Berglandschaft. Beides ist jedoch im Winter geschlossen.

Scalea liegt an der Riviera del Cedri, der Küste der Zitronatzitronen. Zweimal im Jahr soll diese Zitronenart geerntet werden können. Jetzt ist die Zeit gerade vorbei. Ein kleines Cedri-Museum in einem ehemaligen Palazzo, und ein Chili-Museum geben Auskunft über die beiden Spezialitäten der Gegend. Sie befinden sich zwischen Scalea und Diamante etwas landeinwärts.

Im 16. Jahrhundert Palazzo, im 19. Jahrhundert Zuckerfabrik, heute Cedri-Museum.

Eine andere Sehenswürdigkeit ist der Torre Talao. Er sticht unter all den bisher gesehenen Verteidigungstürmen hervor. Die Aragonesen errichteten diesen massiven Turm im 16. Jahrhundert. Am Fuße des Turmes steht ein kleines Infohäuschen. Dort kann man sich zum Turm informieren und sich einer Führung anschließen, gegen eine Spende. Von der Terrasse des Turmes aus soll man einen tollen Blick über die Strände der Küste und das Hinterland haben.

Torre Talao

Inzwischen habe ich zwei weitere sizilianische Spezialitäten probiert: knuspriger Pansen und sizilianische Cassata, eine Süßspeise.

Donnafugata

Donnafugata liegt zwischen der Küste und Ragusa auf 308m Höhe und besteht nur aus dem Castello di Donnafugata und Nebengebäuden, die für den Betrieb des Schlosses notwendig waren. Der Ursprung des Schlosses ist ungewiss. Der Ursprung des Namens ist arabisch, der über die Jahrhunderte in mehreren Schritten in das heutige Donnafugata umgewandelt wurde. Ab 1628 sind die Eigentümer des Schlosses bekannt, die manche Änderungen und Erweiterungen nach ihrem Gefallen vornahmen. Im 19. Jahrhundert bekam das Schloss die heutige Form der Renaissance mit venezianischen Zierelementen. Von 1997 bis 2002 wurde das Castello di Donnafugata renoviert und ist nun Museum. Der Eintritt kostet 6,-€, Rentner bezahlen 3,-€.

heutige Vorderfront des Castello di Donnafugata

Typisch Renaissance ist die Fassade sehr schlicht und strahlt nach der Renovierung in sehr hellem Sandstein. Betritt man das Schloss, kommt man zuerst in einen rechteckigen Innenhof. Von hier aus gelangt man in die Innenräume, die sich in vollem Gegensatz zur Fassade präsentieren. Ca. 28 von ca. 122 Räumen des Schlosses sind für die Besucher zugänglich. Die Einrichtung stammt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Jedes Zimmer ist anders dekoriert. Zum Teil sind die Wände und Decken mit prächtigen Tapeten und Malereien gestaltet. Der Spiegelsaal ist das schönste Zimmer und strahlt in Weiß und Gold. Man kann sehen, wie der Baron und die Gräfin im 19. Jahrhundert lebten, wie ihre Gäste untergebracht waren, wo gegessen und gearbeitet wurde. Die Räume sind u.a. mit Möbeln, Vorhängen, Leuchtern, Kleidung und Dekostücken aus der Zeit angefüllt.

Spiegelsaal

Insgesamt sind Räume und Einrichtung jedoch sehr dunkel gehalten. Leider ist zu sehen, dass vor der Renovierung in die Gemäuer einlaufendes Wasser Schaden an der wertvollen Einrichtung anrichtete. Teilweise wurden auch frühere Wandbemalungen überstrichen, die wohl nach und nach wieder freigelegt werden sollen.

Zum Castello di Donnafugata gehört auch ein großer Park. Um Langeweile vorzubeugen, sind auf dem Gelände ein Labyrinth, eine „Tropfsteinhöhle“, zwei Brunnen, ein Pavillon und eine Art Sommerschlösschen untergebracht. Uralte Gummibäume, Kasuarinen und andere Gehölze und Blumen sorgen für das Grün.

Labyrinth

Vom Park aus führt eine Treppe auf die Terrasse am Schloss, die auf beiden Seiten von kleinen Türmen begrenzt wird, von denen einer eine Glocke aus Catania trägt. Von der Terrasse aus blickt man auf die Nebengebäude, die rechts und links an der auf das Schloss zulaufenden Straße angeordnet sind. Einige davon sind verfallen, in anderen sind Souvenirgeschäfte und Pizzerien untergebracht.

Terrasse am Schloss

An dieser Stelle möchten wir eine Empfehlung weitergeben, die auch wir bekommen haben. Ein besonderes Gericht bietet die Trattoria „Il Gattopardo“, die erste Pizzeria auf der linken Seite an. Das Gericht nennt sich „Zuppa di Cozze in Crosta“ und kostet 13,-€. Auf der Tafel vor der Trattoria ist das Gericht abgebildet. Neugierig, was uns erwartet, kehrten wir ein und bestellten „Zuppa di Cozze in Crosta“ und einen halben Liter regionalen Wein. Nach kurzer Wartezeit servierte die Kellnerin eine Edelstahlplatte mit einer Haube aus gebackenem Pizzateig, sozusagen ein Überraschungspaket. Mit einem scharfen Messer schnitten wir ein Loch in die Pizzateigplatte und zum Vorschein kamen große Miesmuscheln in Tomatensoße. Es ist ein Gericht, welches mit den Fingern gegessen werden möchte. Für Nicht-Muschelesser sei gesagt, dass man mit den Schalen der ersten Muschel, die man gegessen hat, die weiteren Muscheln isst. Aus dem Pizzateig werden immer neue Stücke gebrochen, mit denen die Tomatensoße aufgetunkt wird. Es muss aber noch genug Tomatensoße übrig bleiben, wenn die Muscheln gegessen sind, denn nun kommt die zweite Hälfte des Gerichts, die Spaghetti. Die werden in die Tomatensoße gegeben und man hat ein zweites Gericht in einem. Wir fanden das eine tolle Idee und es schmeckt hervorragend. Es ist ein besonderes Esserlebnis.

Zuppa di Cozze in Crosta

Zufrieden und mit vollem Bauch steuerten wir nun ein weiteres Ziel in Donnafugata an. In nur 700 Meter Entfernung warten die Katakomben von Donnafugata auf Besucher. In einer großen Höhle, mit einer riesigen Steinplatte überdeckt, legte man im 4.-5. Jahrhundert alte Grabstellen an. Die Höhle ist ca. 17 Meter lang und in symmetrischer Form wurden 31 Grabstellen aus dem Kalkstein gehauen. Direkt im Eingangsbereich liegt eine weitere Grabstelle. Von den sieben Gräbern im Außenbereich vor der Höhle ist kaum etwas zu sehen.

Katakomben von Donnafugata

Ätna Eruptionen

Der Ätna ist nach dem Kilauea auf Hawaii der zweitaktivste Vulkan der Erde. Das Vulkanmassiv misst ungefähr 40km im Durchmesser und zählt um die 300 Krater und Nebenkrater. Die meisten von Ihnen befinden sich in Richtung Catania, was der Stadt schon oft ziemlich geschadet hat. Die Ringstraße am Fuße des Ätna, der komplett Naturpark ist, ist ca. 185km lang. Die Höhe des höchsten Kraters liegt auf über 3300m über dem Meer. Das sind schon interessante Zahlen.

der Ätna in seiner ganzen Pracht

Als wir am 12. November in Giardini-Naxos ankamen, schlief der Vulkan, nichts passierte. Ein paar Tage später fuhren wir zur Südseite des Ätna, wo uns der Lift auf 2500m Höhe brachte, immer noch nichts. Bald fing der Vulkan jedoch an, dünne Dampfwolken auszustoßen, vollkommen harmlos. Zu dieser Zeit erkundeten wir die Nordflanke des Ätna. Damals vernahmen wir schon ein leises Fauchen aus dem Gebiet des Gipfels.

Nach zweieinhalb Wochen etwa, Ende November, konnten wir abends leichte Ausbrüche am Nordostkrater beobachten, verbunden mit ebenso leichten Lavaströmen. Das war aufregend. Jeden Abend, wenn die Wolken es zuließen, beobachteten wir nun den Vulkan und machten Fotos von den Eruptionen. Seitdem nahm die Intensität stetig zu. An jedem Abend, an dem Aufnahmen gelangen, freuten wir uns mehr. Ab und zu hörte man es kurz grollen und krachen, was aber keine Auswirkungen hatte.

Ätna Eruptionen

Seit ungefähr drei Wochen kommen zudem ununterbrochen Dampf- und Rauchwolken aus einem der vier Hauptkrater. Sie ziehen in Richtung Küste in dem Gebiet zwischen Catania und Giarre. Welche Unmengen an Staub und Gasen mögen das wohl im Laufe der Zeit sein, die aus dem Ätna kommen?

Gipfel des Ätna mit Dampfwolken

Seit ein paar Tagen sind die Ausbrüche am Nordostkrater schon ziemlich spektakulär, wenn man das aus 26km Luftlinie Entfernung so bezeichnen darf. Die Fotos der Eruptionen machen inzwischen schon ganz schön was her.

in der Dämmerung

Um die Mittagszeit des Heiligen Abends dann drang eine große dicke Rauchwolke aus dem Vulkan, erst zaghaft, dann aber immer mächtiger. Schnell wurde das Schauspiel so interessant, dass selbst die Sizilianer aufmerksam wurden. Inzwischen grollte es ununterbrochen, was sich wie ein entferntes Gewitter anhörte. Die Rauchwolken verstärkten sich immer mehr, das Grollen auch. Fast zwei Stunden dauerte das Schauspiel, bevor es wieder abebbte. Statt „Leise rieselt der Schnee“ konnten wir nun singen: „Leise rieselt die Asche“, das etwas andere Weihnachten. Da wird die Geschichte von Pompeii lebendig. Die Einwohner am Fuße des Vesuv sahen damals sicher auch so zum Vulkan wie wir, bis die Katastrophe geschah.

Aschewolke zum Heiligen Abend

die dicken Rauchwolken formen immer wieder tolle Figuren

Als es abends dunkel wurde, sahen wir, dass sich eine lange Spalte an der Ostflanke des Ätna aufgetan hatte, in Höhe von Giarre. Die austretende Lava leuchtete weithin. Leider wurde das Schauspiel immer wieder von Rauchwolken verdeckt, so dass uns kaum ein Foto gelang.

neue Spalte nach dem Ausbruch

Vorgestern, am 22.12.2018 brach in Indonesien der Krakatau aus, was einen Tsunami auslöste. Dabei waren Tote und Verletzte zu beklagen. Das war wohl der Startschuss für viele Vulkane rund um die Welt, denn der Ätna wie auch der Stromboli verstärkten ihre Tätigkeit nur ein bis zwei Tage später.

Am frühen Morgen des 2. Weihnachtsfeiertages ereignete sich ein schweres Erdbeben am Südhang des Ätna und verursachte Schäden von Acireale bis in den Norden Catanias. Es war nur in etwa 10km Umkreis zu spüren und hatte eine Stärke von 4,8 bis 5,1, je nach Quelle. Der Herd befand sich ca. 1km unter der Erdoberfläche. Eigentlich wollen wir morgen in den Süden weiterfahren, aber die Autobahn ist nach dem Erdbeben zwischen Giarre und Acireale teilweise gesperrt. Mal sehen, wie sich die Lage entwickelt, ansonsten müssen wir doch noch ein paar Tage in Naxos bleiben. Seit dem Ausbruch Heilig Abend wurden hunderte kleine Erdbeben aufgezeichnet. Manchmal, wenn wir im Womo sitzen und keiner von uns sich bewegt, schaukelt es kaum merklich. Es ist kaum wahrnehmbar, aber diese Bewegungen sagen uns, dass es wieder eines der winzigen Beben war.

Inzwischen haben wir im Internet Bilder gefunden, die den Ausbruch des Ätna aus dem Süden zeigen. Dort sah man die mächtige Lavasäule, die der Vulkan beim Ausbruch Heilig Abend in die Höhe blies. Wir konnten ja nur die Rauchwolke sehen.

Umgebung von Naxos

Während in Giardini-Naxos jede Menge los ist, geht es in Letojanni gemächlich zu. Man kann in Ruhe die Straße hinter dem Strand entlang spazieren und dabei in die Gassen schauen, die in den Ort führen. Gleich dahinter erheben sich die Berghänge des Küstengebirgszuges. Den Rückweg sollte man durch die Parallelstraße zur Strandstraße nehmen. Nette Vorgärten, Eingänge und Balkone schmücken die eng stehenden Häuser.
Die Kirche San Giuseppe am Francesco Durante-Platz erstrahlt nach mehreren Renovierungen in jüngster Zeit in tollem Glanz. Die in mehrere große Rechtecke geteilte Decke ist mit schönen feinen, mosaikartigen Ornamenten geschmückt. Links vom Eingang erfreut eine kleine Besonderheit die Besucher, ein niedliches Modelldorf, in dem das Leben fast explodiert. Wenn man auf einen Knopf drückt, dann bewegen sich viele Teile davon und eine liebliche Musik erklingt dabei. Es macht viel Spaß, die vielen Details zu entdecken.

Straßentunnel in Letojanni

Ein weiteres Ziel ist das Calatabiano-Castle, dass heißt die Ruinen desselben. Es liegt auf einem 220m hohen Lößhügel hinter der Stadt, in der Nähe des Alcantara-Flusses. Der Alcantara bezeichnet die Grenze zwischen den Regionen Messina und Catania. Der heutige Ort Calatabiano existiert erst seit 1693, nachdem ein verheerendes Erdbeben im Noto-Tal die alte Siedlung zerstört hatte. Die Festung selbst ist römisch-griechischen Ursprungs und wurde später von den Normannen und Arabern genutzt. Die Araber erwähnten die Festung erstmals schriftlich. Sie bauten auch das kleine Schloss unterhalb der Festung.
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Festung zu besuchen. Einmal die Nutzung des Liftes, oder zu Fuß per kurzer Wanderung den Berg hinauf, wobei man an mehreren Ruinen alter Wohnhäuser und später am arabischen Schloss vorbeikommt. Von dort oben hat man eine herrliche Aussicht auf Calatabiano, die Küste sowie Taormina. Das Eintrittsgeld in die Burg beträgt 5,-€, für den Lift bezahlt man noch einmal 2,-€.
Ist man wieder im Ort, sollte man einen kleinen Spaziergang durch die verwinkelten Gassen unternehmen.

Castello Calatabiano

Der schönste Ort, den wir auf dieser Reise gesehen haben, ist Castelmola. Wir finden, es ist ein „Muss“, diesen Ort zu besuchen. Schon allein die Fahrt nach dort oben ist ein Abenteuer, erst durch Taormina und dann in engen Serpentinen die Berghänge hinauf, bis auf 529 Meter.

auf dem Weg nach Castelmola

Castelmola wurde im Laufe seiner 2800-jährigen Geschichte mehrmals zerstört, nicht durch Naturkatastrophen, sondern durch die verschiedenen Eroberer. Das heutige Gesicht des Ortes stammt wohl aus dem Mittelalter. Es macht Spaß, durch die engen Gassen zu spazieren, die zum Teil aus Treppen bestehen, um die großen Höhenunterschiede zu überwinden. Wunderschöne Aussichten auf die Küste, die unterhalb liegende Stadt Taormina und den Ätna bieten sich von vielen Stellen Castelmolas. Vor allem von den Ruinen der mittelalterlichen Festung aus, die über Castelmola thronen. Dort bietet sich eine 360°-Rundumsicht. Die Anfänge der Burg liegen wohl in der griechisch-byzantinischen oder römischen Zeit.

Blick vom Castell Castelmolas auf den Hauptplatz des Ortes

Achtung! Dieser Abschnitt ist nicht Jugendfrei. Der Hauptgrund, warum die meisten Touristen Castelmola besuchen, ist die Bar Turrisi. Sie hat von 9-2 Uhr nachts geöffnet und befindet sich an der Piazza del Duomo. In mehreren Etagen, liebevoll und stilecht eingerichtet, werden die Gäste vom sehr netten, mehrsprachigen Barbesitzer mit Essen und Trinken vom Feinsten verwöhnt. Das Thema der Bar? Alles rund um den Penis. Tischbemalungen, Wand- und Bodenfliesen, Lampen, Flaschen, Gläser, als Plastiken, was auch immer, überall sieht man Penisse, vollkommen verrückt.

Eingang zur Bar Turrisi

Und bitte, auf keinen Fall versäumen, die Toiletten aufzusuchen. Dort zieren die Wände schwarz-goldene Bilderfliesen mit Sexstellungen aus dem alten Griechenland, die dem Kamasutra alle Ehre machen.

Fliesendarstellung in der Toilette der Bar Turrisi

Auf dem Rückweg nach unten sollte man noch einmal zum Castello di Taormina fahren. Die Festung selbst kann nicht besucht werden, aber vom Aussichtsbalkon an deren Fuß kann man noch einmal toll über Taormina blicken. Sogar der Blick in das griechische Theater, Teatro Antico, ist frei.

Taormina mit Tetro Greco

Sehenswert hier ist auch die Kapelle „Madonna della Rocca“, der Patronin Taorminas. Die im 14. Jahrhundert halb in den Fels gebaut wurde. Der Innenraum mit der rohen Felsdecke ist mit zarten, gemalten Ornamenten geschmückt. Die zwei kleinen Altäre sind liebevoll gestaltet. Fast kommt man sich wie in einer Puppenstube vor, sehr schön.

Kapelle „Madonna della Rocca“

Zu einem der schönsten Orte Italiens zählt auch das kleine Bergdorf Savoca bei Santa Teresa. Es ist gleichzeitig ein Ort der Kunst. Gleich am Ortseingang hat sich ein Atelier niedergelassen, in dem Edelstahl zu Kunstwerken verarbeitet wird. In der näheren Umgebung sind einige dieser Kunstwerke ausgestellt, die man bewundern kann. Irgendwo in Savoca muss auch ein Keramik- und Tonkünstler zu Hause sein, denn allerorten sind kleine und große Reliefs in die Häuserwände eingelassen, sehr schön gearbeitet. Fast alle zeigen kirchliche Darstellungen.

Kunstwerk aus Edelstahl in Savoca

Während wir eigentlich eine bedrückende Enge in den Bergdörfern gewohnt sind, hat man in Savoca genug Luft zum Atmen. Wie Krakenarme gruppieren sich schmale Häuserzeilen entlang der Berggrate, die um den Zentralplatz herum liegen. Dort befindet sich einer der Parkplätze, ein Aussichtspunkt und die Bar Vitelli.
Die Bar Vitelli ist berühmt, weil dort 1972 einige Szenen des Meisterstücks von Francis Ford Coppola „Der Pate“ gedreht wurden. Marlon Brando und Al Pacino spielten in den Hauptrollen. Einige Fotos von den Arbeiten damals hängen in einem Raum der Bar, in dem sich sogar der hauseigene Brunnen befindet. Wahrscheinlich der Berühmtheit der Bar Vitelli ist es geschuldet, dass der Kaffee ganze 4,-€ kostet, inkl. zeitgenössischer Musikbeschallung.

Bar Vitelli

Wer Savoca besucht, sollte sich auf den Rundweg um die Burg Castello Pentefur machen, die über dem Ort thront. Drei schwere Erdbeben haben seit 1693 nicht mehr viel von dem Bauwerk übriggelassen. Die Burg wurde wohl zu römisch-byzantinischer Zeit errichtet, später von den Arabern übernommen und ausgebaut. Um 1070 zogen die Normannen ein, die daraus eine Sommerresidenz machten. Seitdem bewohnten weitere Eigentümer die Burg, bis zu den großen Erdbeben. Heutzutage sind Bemühungen im Gange, die Reste der Burg der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Von jeder Ecke des Rundweges bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die umliegende Landschaft. Mehrere Kirchen säumen zudem den Weg.

Teilansicht von Savoca

Eine weitere Sehenswürdigkeit soll die Krypta des Convento del Cappuccini sein, in der Mumien aus dem 18. Jahrhundert aufbewahrt werden. Es waren reiche und mächtige Aristokraten, die durch natürliche Austrocknung in der Gruft der Kirche mumifizierten. Seit 1876 werden sie in ihrer zeitgenössischen Kleidung der Öffentlichkeit präsentiert. Eigentlich soll die Krypta von Donnerstag bis Sonntag geöffnet sein, aber bei unserem sonntäglichen Besuch war geschlossen. Wer will, kann per Telefon sein Interesse bekunden, dann wird wahrscheinlich geöffnet werden.

Seit fünf Wochen stehen wir nun schon in Naxos. Zeit genug, endlich einmal eine Wanderung in Angriff zu nehmen. Unsere Stellplatznachbarn Sarah und Jason, Kiwis, die seit vier Jahren in Wales ihre Wahlheimat gefunden haben, gaben uns den Tipp. Sie waren zu Fuß in Taormina, eine 12km-Wanderung. Sie berichteten von einem Ziegenpfad den Berg hinauf. Das machte mich neugierig. Auf einer Wanderung lernt man doch viel mehr von der schönen Landschaft kennen. Von Naxos aus sieht man den gesamten Gebirgszug vom Kap Taormina, über Taormina selbst, Castelmola bis hin zum Monte Veneretta (Veneri). Dort hinauf zog es mich. Die Tour bis zum ersten Aussichtspunkt am Monte Veneretta ist 8,8km lang, wobei auf 5,6km rund 800 Höhenmeter bewältigt werden müssen. Das bedeutete, dass ich, ich machte die Wanderung alleine, ganze drei Stunden ausschließlich steil bergan steigen musste, teilweise über Treppen. Es war eine echte Herausforderung, aber die Tour selbst und die Aussichten waren die Anstrengung wert. Der Weg führt durch Taormina, an Castelmola vorbei und dann den Hang des Monte Veneretta hinauf.

auf dem Weg zum Monte Veneretta ist schon Frühling

Kurz vor dem Aussichtspunkt traf ich auf eine große schwarze Schlange. Ich hörte zuerst nur ein Geräusch. Als ich dem mit den Augen nachging, verschwand die Schlange gerade mit dem Kopf voran in einer Bruchsteinmauer. Der Umfang der tiefschwarzen Schlange maß ungefähr ein Dreiviertel meines Handgelenkumfanges, die Länge gut über einen Meter. Es war eine Prachtschlange. Sarah und Jason trafen bei ihrer Wanderung ebenfalls auf solch eine schwarze Schlange, die jedoch lange nicht so groß war. Meine Nachforschung ergab, dass es sich bei dieser schwarzen Schlange um eine Zornnatter handelt. Die normale Färbung ist gelbgrün, aber in Italien/Sizilien lebt eine schwarze Variante dieser Zornnatter. Sie ist nicht giftig und nicht aggressiv, aber bei Bedrohung beißt sie schnell zu und führt dann auch noch Kaubewegungen aus, was zu schweren Verletzungen führt.

am Hang des Monte Veneretta

Endlich war ich oben und genoss die Aussichten hoch über allem in Richtung Küste. Der Ätna hatte sich an diesem Tag dick in Wolken gehüllt, sonst schien die Sonne. Nachdem ich mich erholt hatte, nahm ich den Abstieg in Angriff, bis Castelmola den gleichen Weg, den ich gekommen war, dann wand ich mich in Richtung Giardini. Taormina passierte ich dabei fast ausschließlich über Treppen, Treppen ohne Ende, Wahnsinn. Irgendwann kam ich am namenlosen Fluss heraus, der in Giardini ins Meer fließt. Am Ende war ich gut fünf Stunden plus Pause auf den 17,6 Kilometern unterwegs.

hoch über der Küste und Giardini-Naxos

Ätna Südhang

Seit eineinhalb Wochen blicken wir jeden Tag auf den Ätna und warten darauf, seine Südflanke zu erobern. Eine Woche lang hatte sich der Vulkan jetzt in Wolken gehüllt, aber für unseren Ausflug wollten wir makelloses Wetter haben. Gestern klappte es. Man muss sich allerdings relativ früh auf die Socken machen, denn gegen Mittag kommen die ersten Wolken, die sich im Laufe des Tages weiter verdichten. Äußerst selten ist der Ätna den ganzen Tag wolkenlos.

Blick auf den Ätna von unserem Stellplatz in Giardini-Naxos aus

Der größte Vulkan Europas, der dazu bis heute tätig ist, stand schon seit Jahrzehnten auf meiner To-Do-Liste. Jetzt durfte ich endlich den Berg der Berge, wie die Sizilianer ihn nennen, erklimmen. Sein höchster Krater liegt auf einer Höhe von ca. 3300m. Das ändert sich bei jedem Ausbruch. Ein Erlebnis ist der Besuch des Ätna in jedem Fall. Es stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, zum Gipfel des Ätna zu gelangen. Je komfortabler, umso teurer. Die Betreiber der einzelnen Angebote sind bei ihren Preisen keineswegs zimperlich. Jeder will eben den Ätna sehen oder gar dem Gipfel möglichst nahe sein.
Wir fuhren von Giardini-Naxos aus nach Giarre, um dort in Richtung Zafferana Etnea abzubiegen. Von dort aus führt eine Straße in vielen Serpentinen zur Liftstation Rifugio Sapienza. Immer höher klettert die Straße, so dass im Dunst kaum noch Meer und Land auseinander gehalten werden können. Es ist Herbst am Ätna, was man sonst in Sizilien kaum mitbekommt. Das Laub der Bäume färbt in der Sonne die Hänge des Vulkans herrlich bunt. Immer wieder zweigen Zufahrten zu Gästehäusern und Hotels von der Straße ab, von denen aber jetzt viele geschlossen sind.

auf dem Weg zu Europas höchstem Vulkan

Kurz vor Rifugio Sapienza erhält man die Möglichkeit, den Silvestri-Krater zu Fuß zu umrunden, was kostenlos ist. Dieser liegt auf über 1900m Höhe. Der Krater ist nicht tief und nicht groß, schon gar nicht mehr aktiv, aber die Kulisse rundherum ist wunderschön. Die Lava und der Bimsstein auf den sichtbaren Hängen leuchten in verschiedenen Farben. Das erinnerte uns sofort an die Vulkanlandschaften Lanzarotes.

am Silvestri-Krater

An der gegenüberliegenden Straßenseite erhebt sich ein weiterer Krater. Der Krater Silvestri Superiore ist um einiges höher, aber ebenfalls kostenlos zu besteigen. Von dort oben soll man einen tollen Ausblick haben. Unser Ziel war jedoch der Gipfel des Ätna.

Was für alle Wege am Vulkanhang gilt, ist, dass man festes Schuhwerk dabei haben muss, denn die Lava und der Bimsstein sind scharfkantig. Sehr zu empfehlen ist warme Kleidung, da der Wind um den Vulkan kalt und schneidend weht.

Insgesamt besteht für ganz harte Wanderer die Möglichkeit, den Aufstieg vom Rifugio Sapienza über die ganze Länge zu Fuß zu bestreiten. Damit geht man den horrenden Preisen der Beförderungsmittel aus dem Weg. Der Aufstieg ist durch das lose Material sehr anstrengend und dauert mind. 5 Stunden. Dazu kommt die Höhe von 2000 bis über 3300m. Es ist kein Spaziergang.

Rifugio Sapienza

Wir entschieden uns für die Liftfahrt (30,-€ hin und zurück) zum Terminal Funivia auf 2500m Höhe. Dabei überquert man den Lavastrom vom Ausbruch 2002/03, der später links von Weg liegt. Auf den älteren Lavaflüssen wachsen schon Flechten und niedrige Pflanzen. Weite Teile der Lava- und Bimssteinfelder liegen jedoch immer noch blank. Auf der rechten Seite befinden sich sieben Krater, fast wie an einer Kette aufgereiht. Das sind die, die man vom Lift aus sieht. Dahinter befinden sich anscheinend weitere Krater.

Lift zum Terminal Funivia

In Funivia angekommen verließen wir das Gebäude und waren froh über unsere warme Kleidung. Wer es versäumt diese mitzunehmen, der hat die Möglichkeit sich eine warme Jacke für 6,50€ auszuleihen.
Von der Station aus starten nun Geländebusse, die die Gäste für 25,-€ zur nächsten Station Torre del Filosofo auf 2920m bringen. Wer möchte, kann die Strecke aber auch wandern. Wer dann noch bis zum Rand des Kraters will, muss sich einen Guide für 9,-€ nehmen und ist noch einmal 1,5 Stunden dorthin unterwegs. In verschiedenen Blogs habe ich gelesen, dass es auch möglich ist den Krater ohne Guide zu erreichen. Es wird wohl nicht kontrolliert, obwohl man eine Sperrzone betritt. Der Spaziergang geht allerdings voll auf eigenes Risiko, sollte irgendetwas passieren.
Für uns war am Terminal Funivia Schluss. Von dort aus ist der Krater zu sehen, der für den Ausbruch 2002/03 verantwortlich war und auf den mehrere Wanderwege führen. Von dort oben sieht man ganz sicher die Hauptkrater des Ätna. Richtig, davon gibt es mehrere.

Blick vom Terminal Funivia nach oben


Wir begnügten uns mit einer kurzen Wanderung weiter den Hang hinauf, um wenigstens einen kleinen Blick auf die Hauptkrater zu erhaschen, aus denen es fast immer dampft, manchmal auch qualmt. Reste der nächtlichen dünnen Schneedecke lagen noch auf den schmalen Wegen und glänzten in der Sonne. Im Winter fallen auf dem Ätna mehrere Meter Schnee. Dann fahren wohl auch die Geländebusse nicht mehr. Der Lift funktioniert auch nur, wenn es das Wetter zulässt.
Es ist ein großartiges Erlebnis, dem Berg der Berge, dem Vulkan Ätna, so nahe zu sein. Man kann sich dort oben frei bewegen und seiner Neugier freien Lauf lassen. Es gibt keine festgelegten Wege, jeder kann laufen wo immer er auch möchte und die Vulkanlandschaft genießen.

Hauptkrater des Ätna

Beeindruckt und mit tollen Bildern im Kopf fuhren wir mit dem Lift wieder nach unten, wo die Auslagen etlicher Souvenirbuden auf Käufer warten. Neben jeder Menge Nippes werden auch Schmuck und Skulpturen aus Lava angeboten.
Der Parkplatz kostet übrigens 1,20€ die Stunde oder 3,50€ einen halben Tag. Den Rückweg nahmen wir auf der Straße nach Nicolosi, die sich in Serpentinen nach unten schlängelt. Jetzt bekommt man erst den richtigen Eindruck, was es heißt, wenn der Ätna ausbricht. Die Hauptrichtung der Lavaströme liegt genau in dieser Richtung, an deren Ende sich Catania befindet. Die Farbe der einzelnen Lavaströme lässt erkennen, in welcher Reihenfolge sie geflossen sind. Die jüngsten von ihnen sind noch ganz schwarz. Der gesamte Hangabschnitt ist von Lava bedeckt. Hin und wieder sieht man Teile von Häusern aus der Lava ragen, die unter ihr begraben wurden. Die Stimmung wird nachdenklich. Wie müssen sich die Menschen fühlen, wenn sich solch ein manchmal mehrere Meter hoher Lavastrom auf sie und ihr Haus zubewegt. Um manche Häuser hat die Lava scheinbar einen Bogen gemacht, wie immer die Leute das auch geschafft haben. In jeden Fall lehrt der Ätna dann das Fürchten.

dieses Haus wurde vom Lavastrom begraben

Der Ätna ist normalerweise kein explosiver Vulkan mehr, der bei seinen Ausbrüchen mit Lavabrocken um sich schmeißt und große Ascheregen verursacht. Es bleibt nur bei den Lavaströmen, die relativ zäh sind und sich nicht rasend schnell vorwärts bewegen. Es gibt natürlich den seltenen Fall, dass sich ein neuer Krater öffnet. Dann kann es allerdings schon einmal sein, dass es Lavabomben regnet. Nach jedem Ausbruch heißt es aber, Lifte und Straßen freizulegen und zu erneuern. Wahrscheinlich ist diese Tatsache für die hohen Preise am Vulkan verantwortlich.

Taormina

Den Namen Taormina kennt wohl jeder, der sich schon einmal mit Sizilien beschäftigt hat. Man nennt Taormina auch die „Perle Siziliens“. Die Altstadt befindet sich auf einem Plateau am Hang des Monte Tauro, in 200 Meter Höhe über dem Meer. Man kann entweder über zwei Straßen in die Stadt gelangen, oder mit dem Aufzug von Mazzaró aus. Dieser ist jedoch seit dem 5. November bis auf unbestimmte Zeit wegen Wartungsarbeiten geschlossen.

Kap Taormina von Giardini-Naxos aus

Wenn man mit dem eigenen Auto nach Taormina fährt, ist es sehr schwer einen Parkplatz zu finden, denn die sind Mangelware. Besser fährt man mit dem Linienbus nach oben. Das Zentrum der Altstadt ist die Fußgängerzone Corso Umberto, die von den Stadttoren Porta Messina und Porta Catania begrenzt wird. Der Corso Umberto ist knapp einen Kilometer lang. An vielen Stellen zweigen pittoreske enge Gassen ab, teilweise mit Treppen, um die Höhenunterschiede zu überwinden. Neben mehreren Kirchen und Palazzi finden die Touristen Souvenirgeschäfte, Spezialitätenläden, Cafés und Restaurants.

Via Timoleone

Vom Porta Catania in Richtung Porta Messina spaziert man knapp vor der Mitte des Weges durch den Uhrenturm, nach dem sich die Piazza 9. Aprile öffnet. Von dort aus bietet sich ein wunderschöner Blick auf die Küste.

Piazza Duomo

Von der Piazza Vittorio Emanuele gehen drei Straßen ab. In der linken Straße findet man nur ein paar Meter weiter das Odeon, das alte römische Theater. Es ist nur teilweise freigelegt und wird kaum von jemandem beachtet.

Odeon

In der Verlängerung des Corso Umberto steht das Porta Messina. Wendet man sich nach rechts, gelangt man zum berühmten Teatro Antico, oder auch Teatro Greco genannt, ein Amphitheater. Biegt man vor dem Palazzo die Congressi nach links ab, steht man bald vor den Resten der römischen Therme. Ursprünglich ein öffentliches, griechisches Gebäude, bauten es die Römer wahrscheinlich im 1. Jahrhundert n.Chr. zu einer Therme um.

römische Therme

Will man das Teatro Antico besuchen werden 10,-€ Eintritt fällig, zuzügl. Plan und Audioguide für 5,-€, was fakultativ ist. Für die noch vor Kurzem verlangten 6,-€ für den Eintritt hätten wir uns das Theater angesehen, zumal es für seine herrliche Kulisse mit dem Ätna im Hintergrund berühmt ist. Zudem soll es eines der schönsten antiken Theater weltweit sein. An gleicher Stelle stand bis zum 2. Jahrhundert v.Chr. ein kleines griechisches Theater. Daher der Beiname Teatro Greco, bis es die Römer überbauten. Erst im 2. Jahrhundert n.Chr. errichteten die Römer dieses große Amphitheater.

Eingang zum Teatro Antico

Auch ein schönes Ziel ist der Stadtgarten unterhalb des Teatro Antico. Die Anlage des Gartens erinnert etwas an arabische Einflüsse, die Gebäude aus den typischen flachen Ziegeln der Römer, sowie Natursteinen, sehen wie eine Mischung aus orientalischen Bögen und chinesischen Pagoden aus. Zwischen der exotischen Bepflanzung und den Aussichten auf das Meer und die Küste kann man bestens die Seele baumeln lassen und sich von der Enge und Geschäftigkeit in den Gassen Taorminas erholen.

im Stadtgarten Taorminas

Schon immer wussten die Menschen die traumhafte Lage zu schätzen. Seit der Steinzeit dient der nördliche Hang des Monte Tauro als Nekropole. Die Überreste früherer Begräbnisstätten wurden beim Bau der Straße nach Taormina teilweise freigelegt. Was heute zu sehen ist, sind römische Bauwerke aus Kalkstein, in deren Nischen die Toten beigesetzt wurden. Das sehenswerteste Stück der terrassenförmig angelegten Grabanlagen ist knapp unterhalb des Belvedere-Aussichtspunktes zu finden, direkt am Straßenrand. Die Außenwand der rechten Hälfte wurde rekonstruiert.

antike Grabanlage am Monte Tauro

Nördlich des Kaps von Taormina liegt eine kleine felsige Bucht mit der Isola Bella. Der Kiesstrand und die Insel sind einzig über eine lange Treppe zu erreichen. Die Insel selbst darf nur bis zum Tor betreten werden. Vorher holt man sich jedoch nasse Füße, denn der schmale Damm liegt meist etwas unter Wasser. Dort unten kommt man sich sehr klein vor, wenn man an den hohen Felsen des Kaps entlang nach oben schaut.

kleine Felsenbucht mit der Isola Bella

Der Küstenabschnitt rund um das Kap Taormina zählt wohl zu den schöneren auf der Insel Sizilien. Strand und Felsen bilden eine tolle Kulisse.

PS: Inzwischen waren wir ein zweites Mal in Taormina. Diesmal mit dem Auto. Auf der Suche nach einem Parkplatz fanden wir das riesige Parkhaus unterhalb des Stadttores Porta Catania. Die Parkgebühren sind allerdings gepfeffert (1 h = 2,-€, 2 h = 6,-€, 3 h = 7,-€). Man kann auf jeden Fall davon ausgehen, dass der Stadtbummel länger als eine Stunde dauert. Übrigens: die Seilbahn ist auch wieder in Betrieb. Die Wartungsarbeiten wurden überraschend schnell abgeschlossen.

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