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Fazit Italien-Rundreise und Sizilien

Wir haben bei der Planung der Rundreise überlegt, wie herum wir die Tour machen sollten. Entlang der Ostküste nach Süden und an der Westküste nach Norden zurück, oder umgekehrt. Normalerweise ist das egal, aber wir dachten uns, dass das Wetter der entscheidende Faktor sein könnte. Das Frühjahr ist dafür bekannt, das viele Urlauber und Reisende die Westküste besuchen. Dafür muss es einen Grund geben, der sich auch prompt zu erkennen gab. Während wir im Herbst an der Ostküste nur zwei kurze Stürme und etwas Regen zu überstehen hatten, führten mehrere Unwetter an der Westküste zu katastrophalen Zuständen: Überschwemmungen, Erdrutsche, Sturmschäden, Häfen wurden verwüstet und Flugplätze mussten zeitweise gesperrt werden. Das ist sicher nicht der Normalzustand im italienischen Herbst, aber die Tendenz wird wohl stimmen. Im Frühjahr dagegen ist es an der Westküste wärmer und ruhiger als an der Ostküste Italiens.

Ein Gewitter zieht über dem Po-Delta auf

Eine zweite Sache sollte beachtet werden, wenn man über die Alpen nach Italien fährt: der Winter in den Bergen. Ab dem 15. November sind Winterreifen und meist auch Schneeketten in den Bergen Pflicht. Wenn es früher schneit, auch früher. Winterreifen sind sogar bis in die apulischen Berge ab 15. November Pflicht. Einzig auf den Küstenstraßen sind die entsprechenden Schilder selten zu finden. Man sollte also bei der Planung beachten, dass man sich ab dem 15. November schon weit im Süden befindet, oder aber zumindest Winterreifen aufgezogen hat.

Der Sprit ist in Italien sehr teuer. Der Diesel kostet mindestens 1,50-1,58€, manchmal sogar mehr. Das Superbenzin schlägt mit 1,70-1,85€ zu Buche. Dafür ist die Maut billiger als wir angenommen hatten. Wir bezahlten an der Ostküste rund 10 Cent pro Kilometer Autobahn. An der Westküste, bis Neapel herunter, ist die Maut jedoch zum Teil wesentlich teurer. Von Neapel ab ist die Autobahn mautfrei. Bezahlt werden kann meistens per Kreditkarte, manchmal auch Bar am Automaten oder bei einem der Mitarbeiter in den Häuschen. Bei der Autobahnauffahrt zieht man ein Ticket, welches man bei der Abfahrt bezahlt. Es kommt aber auch vor, vor allem im nördlichen Westen Italiens, dass bestimmte Autobahnabschnitte mautpflichtig sind und man seine Fahrt unterbrechen muss, um die Maut zu zahlen.

Ein Extrathema sind die Fußwege. Wenn überhaupt welche vorhanden sind, werden sie entweder als Parkplatz missbraucht, es wachsen Bäume mittendrin oder das Begehen gerät zum Hindernislauf, denn man muss ständig über die tollsten Einfahrtkonstruktionen, Treppen oder große Löcher steigen.

häufiger Zustand italienischer Fußwege

Im Winter nach Italien/Sizilien zu fahren hat seine Vor- und Nachteile. Da kaum Touristen zu dieser Jahreszeit unterwegs sind, hat fast alles geschlossen. Nur wenige Restaurants und Campingplätze sind noch geöffnet, während die meisten Museen geduldig auf die wenigen Gäste warten. Der Vorteil ist, dass man fast überall einige Freiheiten hat, die im Sommerhalbjahr unmöglich sind. Man kann fast überall stehen und übernachten, und viele Parkgebühren sind ausgesetzt, denn man ist auf die wenigen Touristen angewiesen. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind nicht so überlaufen, die Strände hat man fast für sich alleine.

Im Winter liegen die Strände und Strandanlagen verlassen da

Was uns bisher noch nie passiert ist: wir haben auf der Straße nicht einmal einen Cent gefunden. Sonst liegt fast überall das Geld auf der Straße und wir fanden immer einige Münzen, die sich am Ende der Reise manchmal stattlich summiert haben. In Italien/Sizilien ist dagegen kein Geld auf der Straße zu finden.

In Italien/Sizilien kann man gut essen. Auf Sizilien ist das Einkaufen sehr günstig. Am Besten kauft man bei den Händlern mit den kleinen Autos, die überall ihr Obst und Gemüse oder den Fang des Tages anbieten. Da weiß man, wo es herkommt und wo das Geld hingeht. Die kleinen Fleischereien bieten nur wenig Fleisch an. Meist ist es wie in den arabischen Ländern: bevor ein Schwein, Rind, Schaf oder Ziege nicht gänzlich verkauft ist, wird kaum eine neues Tier geschlachtet. Lamm und Ziege sind mit 8.- bis 10,-€ sehr günstig. Beim restlichen Fleisch sind die Preise so hoch, dass man sich überlegt, wie viel Fleisch man wirklich essen will.

Ziegenfleisch-Händler

Zu empfehlen sind auch die Mozarella-Farmen. Bei den meisten Farmen kann man gleich dazu die Milch- und Fleischlieferanten besichtigen. Es geht dort nicht gerade appetitlich zu, denn die Wasserbüffel lieben Nässe. Die Tiere sind sehr ruhig und jeder Büffel unterscheidet sich von den anderen. Wir haben sogar einmal einen blondgeschopften Büffel gesehen, toll gelockt. Das Büffelfleisch ist sehr teuer, eigentlich auch der Käse, dafür ist er umso leckerer. Da sollte man sich doch von Zeit zu Zeit etwas davon gönnen.

Lieferanten des Mozarella – Wasserbüffel

Was auf Sizilien auch sehr gut ist, ist das Gebäck. Dort haben wir die leckersten Kekse gegessen, die wir je fanden. Die Spezialität Canneloni sollte man unbedingt probieren. Das sind knusprige Waffelröllchen, mit feiner Büffelmilchcreme gefüllt. Auch die andere sizilianische Spezialität Cassata ist lecker, ein Kuchen, gefüllt mit Ricotta und ummantelt mit grünem Marzipan.

sizilianisches Gebäck ist der Knaller

Die berühmtesten Pistazien kommen vom Fuße des Ätna, aus Bronte. Sizilien ist aber das Land der Zitronen. Als wir im November dort ankamen, hingen sie noch halbreif an der Bäumen. Erst im Januar werden sie strahlend gelb und superlecker. Mit Zitronen lassen sich viele Dinge anstellen. Man kann sie zum Kochen verwenden, zum Backen oder zu Marmeladen, Säften und Schnäpsen verarbeiten. Da gibt es kaum Grenzen.

spezielle Zitronenart – Cedri

Außerdem haben wir so viele Orangen und Mandarinen wie noch nie gegessen, nicht einmal in Spanien, wo wir unseren letzten Apfelsinen-Ess-Rekord gebrochen haben. Für 1,-€ das Kilo muss man einfach zugreifen und die Zitrusfrüchte sind so lecker. Als es auf unserer Tour Richtung Norden keine so guten Apfelsinen mehr gab, litten wir direkt an Orangen-Entzugserscheinungen.

Noch nirgendwo auf der Welt haben wir soviel Kulinarisches ausprobiert, wie auf Sizilien. Unser Bus musste am Ende der Reise ganz schön schleppen.

Das Highlight der Reise war jedoch der Ausbruch des Ätna an Heiligabend. Als wir in Giardini-Naxos ankamen, wo wir gut sechs Wochen verbrachten, strahlte der leicht gezuckerte Gipfel des Vulkans noch ungetrübt gen blauen Himmel. Der Gipfel des Ätna mit seinen mehreren Kratern kann von Süden oder von Norden her erreicht werden. Ohne irgendein Spektakel ist das schon ein grandioses Erlebnis. Allerdings darf das Spektakel nicht zu groß werden, denn bei einem richtigen Ausbruch ist der Vulkan für Wanderer gesperrt.

spektakuläre Auffahrt zur Nordseite des Ätna

Jedenfalls ließen sich bald darauf einige kleine weiße Wölkchen über dem Ätna sehen, harmlos und schön. Fast mit jedem neuen Tag vergrößerten sich die Wölkchen, bis sie eine weiße Wolkensäule bildeten, die hin und wieder vom Wind weggetragen wurde. Jeden Morgen richteten wir unseren ersten Blick zum Vulkan, es wurde regelrecht zur Sucht. Der Anblick von unserem Stellplatz aus, 26km Luftlinie vom Krater entfernt ist einfach zu schön. An regnerischen Tagen schneite es auf dem Vulkan und die Schneedecke vergrößerte sich, in der Dicke wie auch in der Fläche.

Beginn des Ätna-Ausbruchs Weihnachten 2018

Aus der weißen Wolkensäule wurde ein paar Tage später eine graue Rauchsäule. Hin und wieder vernahmen wir jetzt ein leichtes Grollen aus der Richtung. Wir hofften, so lange wir in Giardini-Naxos waren, doch noch zu einem Vulkanausbruch zu kommen. Aus Erfahrung wissen wir, dass der Ätna keine große Gefahr darstellt und sich das Hauptszenario auf den Bereich des Naturparks Ätna beschränkt. Nur Catania und die Orte am Fuße des Vulkans bis nach Giarre werden manchmal etwas in Mitleidenschaft gezogen, da sich das Hauptgeschehen in diesem Bereich abspielt. Um richtig gefährlich zu sein, bricht der Ätna zu oft aus, so ein bis zweimal im Jahr.

Kurz vor Heiligabend stand fast fest, dass es einen Ausbruch geben würde, denn die Rauchwolken, die aus dem nordwestlichen Krater aufstiegen, wurden immer größer. Wenn es dunkel geworden war, bezog ich fast jeden Abend mit der Kamera Stellung, um den Lavafluss zu fotografieren, der sich im Laufe der Zeit immer mehr vergrößerte. Leider sind 26km Luftlinie sehr lang, so dass es keine spektakulären Aufnahmen gibt, aber das ein oder andere Bild ist trotzdem gut gelungen.

nächtlicher Lavafluss am Ätna

Am Morgen des Heiligabend stand eine mächtige Rauchwolke über dem Vulkan und gegen 14 Uhr, glaube ich, kam es zum Ausbruch. Leider war die Lavafontäne nur von Catania aus zu sehen, aber die Rauchwolke, die in unsere Richtung zog, war so aufregend, dass selbst die Sizilianer ihre Kameras zückten und den Ausbruch festhielten. Das Grollen war jetzt gut zu hören, welches den Ausbruch begleitete.

Rauchsäule des Ausbruchs

Am Abend, als es dunkel war, sahen wir, dass sich eine lange Spalte in Richtung Giarre aufgetan hatte, aus der es rot glühte. Die Spalte soll zwei Kilometer lang gewesen sein. Wären wir doch nicht so weit weg gewesen!

Der Ausbruch hielt ein paar Tage an. Dreihundert Erdbeben sollen den Ausbruch begleitet haben, die sogar Schäden im Norden Catanias anrichteten. Das Portal einer Barockkirche ist dabei auch eingestürzt. Ein Ascheregen ging am Hang Richtung Südost herunter, der die Ortschaften, die dort am Hang liegen, traf. Spektakuläre Bilder tauchten im Internet auf, Tote gab es jedoch nicht, nur ein paar Verletzte. So etwas erlebt man nur einmal im Leben. Asche vom Ausbruch vor sechs Jahren ist zum Beispiel auf einem ehemaligen Autohändler-Platz am Südrand von Giardini-Naxos noch zu sehen.

Kurz nach Weihnachten verließen wir Giardini-Naxos, um unsere Sizilien-Rundreise fortzusetzen. Aus der grauen Aschewolke war wieder eine weiße Rauchfahne geworden, die bis über den äußersten Südosten der Insel auf´s Meer hinaus reichte. Unglaublich.

wunderschöne Wolkengebilde entstanden durch die Asche in der Luft

Landschaftlich und kulturell hat Sizilien sehr viel zu bieten, worüber wir in diesem Blog berichteten. Es wäre viel zu schade, sich für die Entdeckung der Insel nicht genug Zeit zu nehmen.

Rückblick Baltikum-Rundreise

Knapp vier Monate verbrachten wir in Nordpolen und den Baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland. Auf dem Weg nach Tallinn hielten wir uns zumeist an der Küstenlinie auf, nur um Kaliningrad mussten wir einen Bogen fahren. Die Visa- und Einreiseformalitäten für die russische Enklave waren uns für die kurze Zeit, die uns dort blieb, viel zu aufwändig. Ohne Zeitdruck erreichten wir nach zweieinhalb Monaten Tallinn, den Wendepunkt der Reise.

Innenhof der Malbork (Marienburg)

Als wir losfuhren, fragten wir uns, was wir bloß den ganzen Sommer über machen sollen. Die kürzeste Route bis Tallinn ist ca. 1200km lang. Die Strecke an der Küste entlang ist aber um einiges länger, und dann gab es so viele schöne Ziele auf der Strecke, dass wir immer nur Teilstrecken zwischen 50 und 80km zu fahren hatten, manchmal sogar weniger. Oftmals verbrachten wir mehrere Tage an einem Ort, weil auch die Umgebung einiges zu bieten hatte. So kam es, dass aus unserem zweiten großen Ziel, den Lofoten in Norwegen, nichts mehr wurde. So entschieden wir uns, von Tallinn aus nach Narva an der russischen Grenze zu fahren und am Peipussee entlang die Rückreise Richtung Süden anzutreten. Während im Osten Estlands noch mehrere Stell- und Campingplätze zur Verfügung stehen, sieht es im Landesinneren von Lettland und Litauen mehr als mau aus. So mussten wir an vielen interessanten Zielen vorbeifahren, weil wir keinen Platz für unser großes Wohnmobil fanden. Tagestouren von 200km und mehr kamen da schnell zusammen, und Tankstellen boten als einzige Platz zum Übernachten. Da muss noch dran gearbeitet werden, wenn auch diese Bereiche von Lettland und Litauen mehr Besucher haben wollen. An den gut besuchten Küsten gibt es dahingehend keine Probleme.

Gefahrene Kilometer gesamt mit dem Wohnmobil: 4900. Dazu kommen unzählige Kilometer, die wir wegen der Wohnmobilgröße mit dem Smart zurücklegten.

Irischer Pub in Tallinn

Die drei Baltischen Staaten sind eigentlich sehr unterschiedlich. Jedes Land hat seine eigene Sprache. Das Litauisch und Lettisch hat wohl etwas mit einem indogermanischen Ursprung zu tun, deshalb gibt es auch keine Parallelen zu den slawischen Sprachen, von denen wir dank unserer bruchstückhaften Russischkenntnisse wenigstens hin und wieder etwas verstehen. Auffallend sind die vielen Anlehnungen an das Griechische, zumindest vom Gefühl her. Vor allem im Litauischen enden viele Wörter mit …as. Im Estnischen hängt man gerne mal ein i an, zudem ist in dieser Sprache der finnische Einfluss nicht zu übersehen. Die vielen Doppelvokale sind ein eindeutiges Zeichen dafür.
Dank der verschiedenen Sprachen dieser drei Länder können sich die Einwohner untereinander nicht verständigen. Da ist es doch ganz praktisch, dass durch die russische Besatzung das Russisch als Amtssprache in allen drei Ländern eingeführt wurde. So konnten auch wir uns etwas verständlich machen, wo wir mit Englisch nicht weiterkamen. Deutsch spricht dort so gut wie niemand, wenn er nicht unmittelbar mit deutschen Touristen zu tun hat.

Die Preise sind ebenso unterschiedlich. Das teuerste Land ist Estland, es ist auch das fortschrittlichste der drei Baltischen Staaten. Die niedrigsten Preise findet man in Lettland, welches das ärmste Land des Baltikums ist. Nur die Spritpreise liegen in Lettland höher als in Litauen. Litauen liegt irgendwo im Mittelfeld, ist aber immer noch billiger als Polen. Es macht also mehr Spaß im Baltikum einen Kaffee zu trinken oder in einem Restaurant essen zu gehen. Diese Preise sind da recht einheitlich. Das Baltikum ist also ein ziemlich günstiges Reiseziel.

Was die Straßen angeht, da nehmen sich die polnischen und litauischen Straßen kaum etwas. Abseits der großen Fernstraßen sind viele Straßen ziemlich schlecht. Es sind jedoch Anstrengungen im Gange, da etwas zu ändern. Die besten Straßen sind in Estland zu finden, wenigstens soweit dies keine untergeordneten Nebenstraßen sind. Das Schlusslicht bildet Lettland, wo es eigentlich nur asphaltierte Hauptstraßen gibt. Die allermeisten Nebenstraßen sind Schotterpisten, wovon die meisten dazu noch einen sehr hässlichen Waschbretteffekt besitzen. Diese Pisten sollte man mit mindestens 80km/h befahren, damit man den Waschbretteffekt nicht so merkt. Allerdings wird wohl das Auto früher oder später protestieren. Gerade am Kap Kolka und im Gauja Nationalpark sorgten die Waschbrettpisten dafür, dass wir viele Ziele nicht anfahren konnten.

Landschaftlich lassen die Baltischen Staaten keine Wünsche offen. Vor allem Naturfreunde kommen dort voll auf ihre Kosten. Die großen Sanddünen bei Łeba und auf der Kurischen Nehrung sind genauso beeindruckend wie die Steilwände auf Saaremaa. Je weiter man nach Norden und Osten vorankommt, umso waldreicher werden die zumeist flachen Landschaften. Von Elchen, Wölfen und Bären ist die Rede, aber nicht eines dieser Tiere konnten wir zu Gesicht bekommen. In Estland soll es sogar mehr Elche als Menschen geben. Das wären dann mindestens 1,3 Millionen. Um eine Chance auf Sichtung zu bekommen, müsste man aber weit in die tiefen Urwälder vordringen, was wiederum von den Heerscharen an Pferdefliegen (Bremsen) unmöglich gemacht wird, wenigstens ohne besonderen Schutz. Man kommt keine fünf Meter in den Wald hinein, ohne attackiert zu werden.

Große Sanddüne bei Nida

Wenn man wie wir bei über dreißig Grad Außentemperatur unterwegs ist, will man beim besten Willen nicht mehr als nötig anziehen. Bei solchen Temperaturen kommt man sich im Baltikum auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit sowieso schon wie in den Südstaaten der USA vor. Es ist das reinste Treibhausklima. Eine gute Idee wäre da vielleicht ein Hut mit sehr breiter Krempe, von dem ein Ganzkörperkondom aus Gaze bis auf den Boden reicht. Das Thema Mücken ist dafür kaum eines, außer ca. vierzehn Tage im Mai und vierzehn Tage im August, wenn die Plagegeister vermehrt auftreten. Warum das so ist, keine Ahnung, jedenfalls funktioniert die Natur in der meisten Zeit des Jahres noch und hält die Mückenpopulation in Schach.

Zu den tiefen Wäldern des Baltikums kommen noch die großen Gebiete der Moorlandschaften. Estland besteht zu einem Viertel aus Mooren und Sümpfen, in denen eine besondere Natur zu Hause ist. Man sagt, von keinem Punkt in Estland aus ist der Weg bis zum nächsten Sumpf oder Moor weiter als 10km. Das könnte in etwa stimmen.

Suwalkipark

Wir hatten uns sehr auf die reiche Blaubeer- und Pilzernte gefreut. Wälder von Blaubeerkraut verhießen reiche Beute. Geblieben waren uns nur ein paar Handvoll, denn die Einwohner der Baltischen Staaten sind noch sehr naturverbunden und leben vielfach auch von dem, was die Wälder ihnen bieten. Einen Teil ihrer Ernte verkaufen sie am Straßenrand an vorbeifahrende Kunden und verdienen sich damit ein Zubrot. Da blieb für uns nichts mehr übrig. Der heiße und trockene Sommer, der ganz Europa im Griff hatte, trug sicher auch dazu bei, dass der Ertrag nicht ganz so üppig ausfiel.
Vor allem Honig wird sehr oft und überall angeboten. Der Preis für Honig liegt nicht weit unter den üblichen Honigpreisen im Rest Europas.

Was gibt es noch? Wer Stadtbesichtigungen liebt, der ist in den drei Hauptstädten des Baltikums sehr gut aufgehoben. Vilnius, Riga und Tallinn beeindrucken jede auf ihre eigene Weise, wohl vor allem, weil die Innenstädte noch original erhalten sind. Die schönste Skyline hat Riga zu bieten, die vollständigste Stadtmauer ist in Tallinn zu finden. Die schönste Aussicht auf die Stadt bietet sich über Vilnius. Die engen mittelalterliche Gassen, die hübschen Häuser und Fassaden haben alle drei Städte gemeinsam. Man kann wunderbar bummeln oder sich ein hübsches Plätzchen in einem der vielen Cafés oder Restaurants suchen.

Skyline Riga

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Maut. In den Baltischen Staaten sind Wohnmobile von der Maut ausgenommen. In Polen ist es dagegen ziemlich kompliziert und es ist sehr angeraten, sich ausgiebig mit dem Mautthema zu beschäftigen, wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist. Es gibt zwei Kategorien: Fahrzeuge unter 3,5t und über 3,5t. Die Mautstrecken für Fahrzeuge unter 3,5t beschränken sich auf wenige Strecken. Auskunft darüber erhält man beim ADAC. Allerdings haben wir unterwegs erfahren, dass man auch mit einem leichten Wohnmobil in die über 3,5t-Kategorie rutscht, wenn man über eine bestimmte Länge kommt, z.B. durch einen Anhänger. Wo diese Grenze liegt, können wir nicht sagen, aber wir trafen jemanden, der abkassiert wurde, weil er einen Motorradanhänger hinter dem unter 3,5t-Wohnmobil herzog.

Alle Fahrzeuge über 3,5t müssen eine ViaToll-Box haben, womit die Probleme schon anfangen. Um die ViaToll-Box zu bekommen, muss man einen ViaToll-Punkt anfahren, z.B. manche Orlen-Tankstellen. Auskunft darüber, und welche Strecken von der über 3,5t-Maut betroffen sind, bekommt man über die Internetseite von ViaToll. Wir haben jedenfalls geschlagene zwei Stunden auf der Tankstelle zugebracht, weil das System von ViaToll einfach mal abgestürzt war. Man muss also die persönlichen Daten hinterlegen, sowie 120,-Zl Kaution für die ViaToll-Box und 120,-Zl Vorkasse zahlen. Das sind zusammen ca. 60,-€. Das Gerät kommt an eine bestimmte Stelle an der Frontscheibe und dann kann man problemlos die Mautstrecken fahren. Wir wollten uns das eigentlich nicht antun und nur Landstraßen fahren, aber gerade wenn man an der Küste entlang fährt, kommt man um eine Mautstraße garantiert nicht herum, nämlich die einfache Landstraße 6 nördlich von Danzig, die auch mautpflichtig ist, was jedoch vorher niemand weiß. Es heißt, dass bestimmte Autobahnen und die S-Straßen mautpflichtig sind, aber auch normale Landstraße können mautpflichtig sein. Das bekommt man jedoch zu spät mit und schon ist man in die Mautfalle getappt. Dazu kommt, dass immer wieder neue Mautstrecken dazu kommen, die nirgends aufgeführt sind. Also am besten gleich eine ViaToll-Box zulegen, dann geht man allen Problemen dahingehend aus dem Weg.

Ein anderes Problem bekommt man, wenn man die ViaToll-Box wieder abgeben will. Während man das Gerät fast flächendeckend bekommt, gibt es im Land selbst nur um die fünf Stellen, wo man sie wieder los wird. Wir kamen über Bydgoszcz nach Wollin zurück. In Wollin riefen wir bei ViaToll an, wo wir die Box wieder abgeben könnten. Da bekamen wir zur Auskunft, das dies in Bydgoszcz möglich wäre. Wenn man aber von Bydgoszcz Richtung Stettin fährt, kommt man garantiert noch einmal in Mautstrecken hinein, so dass die Box bis dorthin noch gebraucht wird. Wie soll das gehen? Eine andere Möglichkeit ist, die Box an die Zentralstelle in Poznan per Post zu schicken und dann auf das Geld zu warten. Das sollte man von Polen aus tun, weil sonst die Postgebühren viel zu hoch sind. Also wir finden, dass dieses System viel zu kompliziert ist. Wir fuhren mit dem PKW ein weiteres Mal nach Polen und gaben das ViaToll-Gerät auf der Post ab. Mal sehen, was weiter passiert.

Es war jedenfalls eine weitere tolle Tour, die wir erleben durften. Die ganze Route könnt Ihr Euch auf der Tourkarte ansehen. Vielleicht seid Ihr jetzt auch so neugierig auf das Baltikum wie wir es bei unserem Aufbruch waren. Es lohnt sich.

Lebensraum einer Kormorankollonie auf der Kurische Nehrung

Ich möchte noch anmerken, dass diese Ausführungen unsere persönlichen Eindrücke sind. Wir haben aber schon mehrfach gehört, dass es da durchaus auch andere Meinungen über bestimmte Dinge gibt. Habt Ihr noch Änderungen oder Ergänzungen, die Ihr uns mitteilen möchtet, dann bitte gern als Kommentar hinterlassen. 

Polens Dreistadt

Gdynia (Gdingen)

Dar Pomorza

Gdynia ist für seine moderne Architektur bekannt. Uns interessierte in Gdynia der südliche Kai des Stadthafens, in dem die Museumsschiffe liegen, der Großsegler „Dar Pomorza“, ehemaliges Segelschulschiff, und der Zerstörer „Błyskawica“. Bei unserem Besuch lag auch noch das jetzige Segelschulschiff der polnischen Marine „Dar Młodziezy“ am Kai vertäut. Beide Großsegler sind stolze Schiffe, auf denen die Arbeit sicher Spaß macht, obwohl die Tätigkeiten seit dem Mittelalter mit der Größe der Segelschiffe proportional gewachsen sein dürften.

Das Ende der Promenade am Kai entlang, auf der anderen Seite befindet sich das Aquarium, wird von zwei Denkmälern geschmückt. Es ist eine weitläufige und schön gestaltete Anlage, in der man gerne ein Päuschen einlegen kann.

Sopot (Zoppot)

Kurviertel Sopot

Einst ein mondänes Seebad, das Grand Hotel spricht noch aus dieser Zeit, lockt Sopot auch heute noch Menschen aus aller Welt. Das meiste Leben spielt sich jedoch direkt vorm Brückenkopf ab, dort wo das schönste Bauwerksensemble der Stadt steht. Zu beiden Seiten breitete sich einst der Kurpark aus, von dem nur noch wenig übrig ist.
Um die Seebrücke betreten zu dürfen, wird ein Eintrittsgeld von 9,-Zl verlangt. Mit 512 Metern ist die Sopoter Seebrücke die längste Seebrücke aus Holz in Europa. Vom im Meer stehenden Ende blickt man wieder auf das Ensemble am Brückenkopf zurück. Ein Restaurant lädt zur Einkehr ein.
Leider wird die Seebrücke inzwischen von einem Yachthafen verschandelt, der noch nicht da war, als ich als Kind zum ersten Mal Sopot besuchte. Damals kostete der Besuch der Seebrücke auch noch kein Geld.

Krummes Häuschen

Die Fußgängerzone Sopots ist ebenso einen Besuch wert, obwohl auch sie vollkommen überfüllt ist. Man findet dort den ältesten Pub Sopots, übrigens gleich gegenüber vom „Krummen Häuschen“. Seine eigenwillig verformte Architektur lenkt alle Blicke auf sich. Im Café darinnen bestellten wir einen Kaffee, Größe Medium. Bekommen haben wir eine riesen Tasse mit 300ml Kaffee. Auf meine Frage, wie groß denn der große Kaffee wäre, bekam ich zur Antwort: ½ Liter. Für den Medium-Kaffee haben wir wenig mehr als 3,-€ bezahlt.
Wer noch Zeit hat, kann auch gerne durch die kleinen Straßen in der zweiten und dritten Reihe hinter dem Strand spazieren und die schönen, alten Fachwerkhäuser bewundern.

Gdansk (Danzig)

Neptunbrunnen

Danzig besitzt an der Ostsee wohl den ältesten Hafen. Es ist geschichtlich belegt, dass die Stadt schon im Jahre 997 einen Hafen besaß. Seine Blütezeit hatte Danzig jedoch erst im 14. Jahrhundert zur Hansezeit. Ihr Reichtum war legendär, zudem war die fast immer Freie Stadt schon immer multikulti. Zuerst polnisch, wurde sie Ende des 18. Jahrhunderts preußisch, 1939 deutsch und 1945 wieder polnisch.
Heute strahlt die Altstadt wieder im schönsten Glanz. Die meisten Besucher wählen den Weg durch das Goldene Tor, die Langgasse entlang, an schönen Patrizierhäusern vorbei, zum Langen Markt mit dem berühmten Neptunbrunnen, bis hin zum Grünen Tor.

neue Zugbrücke

Dann kann man entweder weiter geradeaus gehen, über die Mottlau zum Milchkannen-Tor, biegt dann hinter der Neuen Mottlau nach links ab und spaziert am Ufer entlang weiter, um über die nächste Brücke die Speicherinsel zu erreichen. Von dieser Seite hat man einen schönen Blick auf die Häuserfront der Altstadt mit dem ebenfalls berühmten Krantor. An Museen und der neuen Philharmonie entlang erreicht man die neue Zugbrücke, die einen wieder auf die Altstadtseite führt. Achtung: die Brücke ist alle halben Stunden für eine halbe Stunde geöffnet, um den großen Ausflugsschiffen die Durchfahrt zu ermöglichen.

Krantor

Am Ufer der Mottlau spaziert man dann am Krantor vorbei zurück. Will man die große Runde nicht machen, kann man auch am Grünen Tor direkt zum Krantor abbiegen. Dann sollte man allerdings durch das Krantor gehen und sich durch die Gasse hinter der Uferfront schlagen.

Häuserzeile mit Beischlägen

Am Archäologischen Museum dreht man nach rechts und kommt dadurch die ul. Mariacka zur Marienkirche. Vor den Häusern befinden sich die sogenannten Beischläge. Das sind kleine Terrassen, zu denen Treppenstufen hinaufführen. Leider ist von diesen Beischlägen nicht viel zu sehen, denn fast überall stehen kleine Verkaufsstände davor. Die Waren sind hier fast alle extrateuer.

Die Marienkirche wird als die größte mittelalterliche Backsteinkirche Europas gehandelt. Gespannt auf ihr Inneres wird man leider sehr enttäuscht. Der Innenraum ist komplett weiß getüncht, vom Boden bis zur Decke. Da hat man es sich sehr einfach gemacht und der Kirche keinen Gefallen getan.

Zeughaus

An der Marienkirche vorbei, die ul. Piwna entlang, stößt man automatisch auf das sehr schmucke Zeughaus. Dreht man nun nach rechts, trifft man bald auf das schöne Gebäude der Markthalle. Leider war diese am Samstag ab 15 Uhr geschlossen. Davor hat sich aber ein kleiner Markt aufgebaut, wo man Obst, Gemüse und Blumen bekommt.

Danzig hat sehr viel mehr zu bieten, aber da sollte man sich doch ein paar Tage mehr Zeit dafür nehmen. Stadtpläne bekommt man in den Touristinfos.

Unser Womo stand auf dem „Camperpark Stogi“ in Stogi, gleich östlich von Danzig. Von dort aus fährt eine Straßenbahn in einer knappen halben Stunde in die Stadt. Tickets bekommt man entweder an der Rezeption des Campingplatzes, oder zur Not auch beim Bahnfahrer. Wenn man ein Tagesticket für 13,-Zl nimmt, kann man problemlos mit allen Bahnen durch die ganze Stadt fahren. Das geht sehr leicht, da an jeder Haltestelle Linienpläne hängen.

Westerplatte

Von Stogi aus erreicht man mit dem Auto in wenigen Minuten die Westerplatte. Sie war ein polnischer Militärposten und der Ausgangspunkt für den 2. Weltkrieg, als Deutschland Polen überfiel. Der erste Schuss kam aus dem deutschen Leuchtturm von Danzig-Neufahrwasser auf der anderen Seite der Hafeneinfahrt, und zwar am 1. September 1939 um 4.45 Uhr.

Zeitball am Leuchtturm Danzig-Neufahrwasser

Der Leuchtturm von Danzig-Neufahrwasser wurde 1894 gebaut und war der erste Leuchtturm des damaligen Deutschland, der eine eigene elektrische Beleuchtung hatte, inkl. E-Werk. Außerdem ist dieser Leuchtturm einer von weltweit drei Leuchttürmen (die anderen stehen in Greenwich, London und Lyttelton, Neuseeland), die einen Zeitball besitzen. Diese Einrichtung gab den Kapitänen die Möglichkeit, ihre Chronometer auf die genaue Zeit zu stellen. Das Signal für den Fall des Zeitballs kam telegrafisch aus der königlichen Sternwarte Berlin.
Heute ist der Zeitball eine Touristenattraktion. Wir hatten gehört, dass der Zeitball mittags um 12 Uhr fällt. Wir waren um 16 Uhr dort und durften dieses Erlebnis auch genießen, zusammen mit einer bekannten englischen Melodie.
Für 10,-Zl darf man den Leuchtturm erklimmen und einen Rundumblick über die Westerplatte, den Danziger Hafen und die Danziger Bucht genießen.

Also, für uns zählt Danzig zu einer der schönsten Städte der Welt.

Große Marokko-Rundreise

Vor fast genau sieben Jahren führte uns der Zufall nach Agadir und wir hatten eine schöne Zeit dort. Viele Wohnmobilisten verbringen inzwischen den Winter in Marokko und bei uns reifte der Entschluss, irgendwann noch einmal in dieses Land zu reisen. Mit dem Womo kamen wir noch nicht dorthin, deshalb buchten wir jetzt eine 14tägige Flugreise über sonnenklar.tv. Wir verreisten schon mehrmals über diesen Anbieter. Sie haben sehr gute Angebote und bisher waren wir immer sehr zufrieden. Da wir den Norden Marokkos noch nicht kannten, entschieden wir uns für die „5-Königsstädte-Rundreise“ plus eine Woche Strandurlaub.

Als wir in Marokko ankamen und es zur Verteilung der Rundfahrtgäste auf die Busse kam, erfuhren wir, dass wir für die „Große Marokko-Rundreise“ umgebucht worden waren. Noch konnten wir es nicht ganz glauben, aber es stimmte. Die Rundfahrt startete in Marrakesch. Wir hatten großes Glück mit dieser Rundreise. Wir bekamen nicht nur die Königsstädte Marokkos zu sehen, sondern lernten auch einige Gebiete südlich des Hohen Atlas kennen. Wir waren nicht böse darüber. Zudem waren wir eine kleine Gruppe von 21 Personen. Normalerweise ist der Bus voll. Dann sind es über vierzig Gäste. Vor allem in den Medinas zahlte sich die kleine Gruppe aus. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie das ganze mit vierzig Mann abgelaufen wäre. Mit dem Reiseleiter und der Organisation hatten wir ebenfalls großes Glück. Sehr angenehm war es, dass wir zu nichts gedrängt wurden. Wir blieben frei in unseren Entscheidungen, was die Verkaufsveranstaltungen anging. Niemand nahm es übel, wenn wir nichts kauften. Da haben wir schon durchaus andere Erfahrungen gemacht. Es war also eine sehr schöne Rundreise, von den ersten drei Tagen Regen und Kälte abgesehen. Niemand der Einheimischen konnte sich daran erinnern, Schnee in der Sandwüste Marokkos gesehen zu haben. Einer der Reiseleiter zeigte uns ein Foto von einer seiner Touren: Schnee auf dem roten Sand der Wüste, halb Sand und halb Schnee. Wahnsinn.

Da der ganze Bericht viel zu lang für einen Beitrag ist, habe ich ihn in die einzelnen Etappen aufgegliedert:

Marrakesch

Casablanca – Rabat – Meknes – Fes

Fes

Fes – Ifrane – Midelt – Erfoud

Erfoud – Tineghir – Quarzazate

Quarzazate – Marrakesch

Fazit 2. Teil unserer Rundreise

Nach mehr als eineinviertel Jahren Rundreise durch die USA und den Osten Kanadas ist unsere Rundreise durch Nordamerika nun zu Ende. Wunderbare Erlebnisse, eine herrliche Natur und natürlich auch nicht so gute Zeiten machten diese Reise aus. Man hat uns schon manchmal gefragt, wo es uns am Besten gefallen hat. Spontan fällt mir da Arizona ein. Das ist unserer Meinung nach der Bundesstaat, der naturmäßig am Meisten zu bieten hat. Da sind Berge, Canyons, Flüsse und Seen und natürlich die Wüste. Dazu läuft dem Reisenden fast überall Geschichte über den Weg wie in Tombstone, die Route 66 oder der Hooverdamm. Die Einwohner Arizonas lieben ihr Land und sind stolz auf das, was sie haben. Dort fühlten wir uns überall willkommen, aber auch die anderen Bundesstaaten, die wir besuchten, machten Eindruck auf uns. Die Vereinigten Staaten sind ein sehr interessantes und geschichtsträchtiges Land, wenn es auch nicht auf Jahrtausende zurückblicken kann. Was uns ein wenig gestört hat ist, dass alles, wirklich alles reglementiert ist. Man kann nicht einen Schritt machen, ohne beobachtet zu werden, nichts tun, ohne das Einverständnis Irgendjemandes. Da ist man in Kanada schon freier, kann an schönen Stellen frei übernachten und es kommt nicht ständig ein Sheriff oder die Parkaufsicht daher gefahren. Alles in allem sind wir froh, diese Rundreise gemacht zu haben, wenn es auch nicht so gelaufen ist, wie wir uns das vorgestellt haben. So ist das eben im Leben, es geht nicht immer nach dem eigenen Willen.

Ich möchte die Gelegenheit jetzt nutzen, um zwei Dinge zu ergänzen. Erstens fielen uns damals am südlichen Ende der Salton Sea, Kalifornien, große Kraftwerke auf, von denen wir glaubten, dass es Chemiebuden wären. In einer Fernsehdokumentation erfuhren wir jetzt, dass dies Geothermische Kraftwerke sind. 24 heiße Quellen hat man dort angebohrt. Auf diese Idee wären wir nie gekommen.
Zweitens berichtete ich mehrere Male von den zahlreichen Flechten, die von den Bäumen in den Südstaaten hängen. Richtigerweise handelt es sich um Spanisches Moos, dass sehr oft mit den Live Oaks, einer Eichenart, in Symbiose lebt, aber auch auf anderen Pflanzen zu finden ist. Es sieht jedenfalls sehr interessant aus.

Bevor wir Jacksonville und die USA per Flugzeug verließen, besuchten wir ein letztes Mal die Küste, um am Strand von Little Talbot Island im Norden Jacksonvilles im Meer zu baden. Das ewig warme Wetter (nicht die feuchte Hitze, der wir zum Großteil der letzten Monate ausgesetzt waren) und das warme Meerwasser werden uns unbedingt in Deutschland fehlen. Die entspannte Fahrweise und die Ruhe sowie die Ausgeglichenheit der Amerikaner wünschen wir uns auch in Deutschland.

In den letzten Tagen wohnten wir im Jacksonville Airport Hotel. Gegen diesen Internationalen Flughafen ist der kleine Flughafen Frankfurt-Hahn ein Bienenstock.
Bald hat uns das Alltagsleben wieder, bis wir irgendwann im nächsten Jahr auf eine neue Tour gehen.

Bald beginnt unsere Nordamerika-Rundreise

Wohnauflieger

Im Mai 2012 ist es endlich soweit. Wir starten zu einer hoffentlich sehr langen und erlebnisreichen Weltreise auf eigene Faust. Unser Wohnmobil, ein Pickup-Truck und der Wohnauflieger wartet in Florida schon auf uns. Nach unserer Haushaltsauflösung und den Abschiedsbesuchen bei Verwandten und Bekannten geht am 20. Mai der Flieger. Alle Vorbereitungen sind inzwischen getroffen. Wir möchten in unserem Blog unsere Erlebnisse, Abenteuer und Begegnungen auf dieser Weltreise mit Euch teilen. Seit 25 Jahren sind wir in den Urlaub gefahren oder auf Reisen gegangen und haben interessante und reichlich bebilderte Reiseberichte geschrieben, die Ihr unter www.urlaubrundumdiewelt-shop.de erhaltet.

 

Kastell Lazar

Als letztes Ziel dieser Fahrt durch Rumänien suchten wir uns die Wehrburg Lazar in Lazarea aus. Wenn man in Siebenbürgen ist, sollte man unbedingt eine der zahlreichen Wehrburgen besuchen, die typisch sind, für diesen Landstrich. Lazarea lag auf unserem Weg, so dass wir nicht anders konnten. Wir fanden sogar einen Parkplatz für das Wohnmobil vor der Burg.

die Wehrburg Lazar

Eine Frau kam uns beim Betreten entgegen und hieß uns willkommen. Wir sprachen sie in Englisch an, aber sie meinte, dass sie kein Englisch versteht, nur Deutsch. Das war eine Überraschung. In Siebenbürgen sollen noch einige deutschstämmige Leute leben, aber Deutsch sprach bisher noch niemand auf unserem Weg. Umso unverständlicher war das für uns, als wir gerade in einem Gebiet unterwegs waren, in welchem fast alles zuerst in Ungarisch und dann in Rumänisch geschrieben ist. In Rumänien leben über 2 Millionen Ungarn. Sie bilden damit die größte Minderheit im Land.
Wir bezahlten den Eintritt von 3,-€ bei ihr und sie lieh uns ein Büchlein, in dem die Geschichte der Burg geschrieben steht. Der Besuch der Burg ist erst seit wenigen Jahren möglich. Vorher wurde soviel rekonstruiert, dass sich ein Besuch lohnt.

Innenansicht des Torgebäudes

Man betritt die Burg durch den ältesten Teil, dem Tor aus dem Jahre 1302. Die Burg selbst ist von einer Mauer umgeben, mit drei Beobachtungstürmen an den Ecken, einem Damenhaus, dem Herrenhaus auf der vierten Ecke und einem kleinen Gefängnisbau. Die Burg wurde gebaut und bis Ende des 18. Jahrhundert hindurch bewohnt, von der reichen ungarischen, weit bekannten und einflussreichen katholischen Familie Szarhegy. Im Laufe der Jahrhunderte baute man die Burg mehrfach um. Dann verfiel sie und nun wird sie rekonstruiert.

Innenhof der Wehrbrg Lazar

Wir besichtigten zuerst das Torgebäude. Hier ist auf zwei Etagen eine kleine Ausstellung untergebracht, über die Lebensweise der Menschen in diesem Gebiet zu früheren Zeiten. Stickereien waren, und sind, traditionell sehr in Mode. Die Öfen sind mit bunt bemalten Kacheln oder Kacheln mit dem Relief eines Reiters verkleidet. Die Fenster sind mit kunstvoll verzierten schmiedeeisernen Gittern versehen und die hölzernen Decken mit Malereien ausgestattet.

Ausstellung im Torgebäude

Im Innenhof steht das Gefängnisgebäude. Die obere Etage diente dem Wachpersonal. Vom Erdgeschoss aus stieß man die Gefangenen hinunter ins Verlies. Das war bestimmt nicht lustig dort unten.

Loch zum Verlies des Gefängnisses

Das Damenhaus in der rechten hinteren Ecke der Burg ist noch eine Ruine. Es wurde mit Feldsteinen und Ziegeln errichtet und man kann stellenweise noch die Verzierungen im Putz erkennen.

Die Gestaltung der Fassade des Damenhauses ist noch zu erahnen.

Das Herrenhaus ist vollständig rekonstruiert und beherbergt auch einen Rittersaal oder Versammlungsraum mit zwei langen Tischreihen. Der Boden ist mit weißen und roten Marmorplatten ausgelegt. Eine Holzbalkendecke bildet den Abschluss.
Durch die hintere Wand gelangt man in einen weiteren Raum, von dem eine Holztreppe nach oben führt. Dort befindet sich ein weiterer langer Raum, in dem eigentlich die Dachkonstruktion die Hauptrolle spielt.

der Rittersaal

Über eine letzte Treppe erreicht man die Beobachtungsplattform, von der der Blick in alle vier Richtungen schweifen kann. Man überblickt die gesamte Burg, das Umland und das naheliegende Franziskanerkloster von Lazarea. Da hat sich die Familie Szarhegy ein schönes Stück Land ausgesucht.
Ich muss noch erwähnen, dass die Beschilderungen der Ausstellungsstücke komplett in ungarisch sind, was uns ein weiteres Mal staunen ließ. Rumänisch? Fehlanzeige.

Nach diesem Besuch setzten wir unsere Fahrt zurück nach Bistritz fort. Bei Google fand ich noch einen Wasserfall in Toplitz, der ebenfalls an unserer Route lag. Den wollte ich mir noch ansehen.
Es stellte sich heraus, dass dieser Wasserfall von Thermalwasser gebildet wurde und wird. Es soll eine Temperatur von 27 Grad Celsius haben, aber als wir die Hand ins Wasser hielten, merkten wir nichts davon.

Thermal-Wasserfall in Toplitz

Das Thermalwasser fließt über Travertingestein. Beides zusammen bewirkt, dass der Wasserfall „wächst“. Das haben wir schon bei Hillesheim in der Eifel gesehen. Die Mineralien im Wasser lagern sich im und auf dem Travertin ab und der Wasserfall nimmt stetig an Volumen zu. Auf einer Informationstafel sieht man, dass es an dieser Stelle 1868 noch eine Wassermühle gab. 1913 war diese abgebaut und seitdem fließt das Wasser frei und tut sein Werk. Unglaublich, in welcher Schnelligkeit der Wasserfall seine heutige Größe erreicht hat. Inzwischen haben sich auch seltene Pflanzen dort angesiedelt.

Von Toplitz nach Reghin (Reen) fährt man immer am Fluss Mieresch entlang, durch eine schöne Landschaft. In Reghin bogen wir nach Bistritz ab, via Teaca. Die Landschaft ist hügelig, übersichtlich, manchmal karg, also abwechslungsreich.

die Mieresch

Vor gut zwei Wochen starteten wir unsere Rundreise durch Rumänien in Bistritz. Nach 8872 Kilometern sind wir nun wieder zurück. Rumänien ist ein erstaunliches Land: Das Leben läuft in aller Ruhe ab, es ist landschaftlich sehr abwechslungsreich und schön, die Menschen sind hilfsbereit und freundlich, die Wirtschaft ist im Aufbruch begriffen. Die Infrastruktur für Wohnmobile lässt noch den ein oder anderen Wunsch offen, aber man kann überall stehen und übernachten. Wir waren neugierig auf das Land Rumänien und waren überrascht von dem, was wir gesehen und erlebt haben. Die Fahrt war oft anstrengend, wegen der vielen Serpentinen in den zahlreichen Bergen, den Auf- und Abfahrten, aber die Landschaften haben uns immer wieder entschädigt.

Leider haben wir nur die Hälfte von dem gesehen, was wir auf der Karte vermerkt hatten. Deshalb wollen wir versuchen, noch eine zweite Rundreise zu unternehmen, z.B. mit dem Besuch des Donaudeltas.

Baile Herculane (Herkulesbad)

Nach einem kurzen Abstecher in die Region Walachei, der größte Teil der Transalpina bis westlich von Targu Jiu gehören dazu, sind wir nun in der Region Banat angelangt. Um nach Herkulesbad zu gelangen, fuhren wir auf der 67D über Tismana und Baia de Arama in das Tal des Flusses Cerna. Wir hatten auf eine entspannte Fahrt ohne große Berge gehofft, aber es kam wieder anders. Bevor man in das Cerna-Tal fährt, muss man erst einmal wieder auf Serpentinen über Berge klettern. Die Landschaft und die Aussichten sind ein weiteres Mal großartig.
Am Ufer der Cerna sind laut Google mehrere Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, wie Wasserfälle und Höhlen, aber das meiste ist nicht mit dem Auto erreichbar. Die erfordern lange Wanderungen.

Langsam näherten wir uns Herkulesbad. Das Tal wird schmaler und ist waldreich. Alles ist nass, da es jede Nacht regnet. Wenigstens ist das Wetter tagsüber in Ordnung und es sind immer noch 17 Grad, ohne Sonne.
Zuerst kommt man am „öffentlichen Bad“ vorbei. Autos parken am Straßenrand, Leute in Bademänteln laufen über die Straße. Holzbuden mit Werbung für Massagen stehen zwischen Straße und Fluss. Wenn man diese passiert hat, sieht man die Leute in zwei Bassins baden, für einen Obolus. Wie es aussieht, muss man sich die Becken mit vielen Leuten teilen. Das ist nicht unser Ding.

Laut Reiseführer soll dieser Kurort auch in Deutschland bekannt sein, aber seine besten Tage sind lange vorbei. Schade um die schönen alten Kurhotels, in denen sich im 19. Jahrhundert die feine Österreichisch-Ungarische Gesellschaft tummelte.
Der Ort ist jedoch schon mehr als 2000 Jahre als Heilgebiet bekannt. Die Römer zogen die Badekultur in Herkulesbad richtig groß auf. Sie fanden zuerst heraus, dass das schwefel- und jodhaltige Wasser gut für die Gesundheit ist und schickten ihre Verwundeten dort hin. Sie bauten die ersten Badetempel.
Die Nutzung setzte sich in den folgenden Jahrhunderten fort, bis die Osmanen vom 16.-18. Jahrhundert kamen. Sie hatten kein Interesse an der römischen Badekultur, denn sie steigen nicht komplett ins Wasser.

Erst seit 1718 kam der Badebetrieb in Herkulesbad wieder in Betrieb. Die Österreicher bauten die verfallenen Anlagen wieder auf, nach altem römischem Vorbild. 1806 kamen im Apollo-Bad die kleinen Badezimmer, 28 Stück sollten es sein, dazu. Diese waren jedoch wohl an die königliche Familie, die hohen Herrschaften und Generäle vermietet. Sogar Sissi soll hier gebadet haben. Irgendwann war das römische Apollo-Bad dann ca. 1km lang.

Um 1972 herum sorgte Nicolae Ceausescu für das Vorankommen von Herkulesbad, in dem er mehrere Hotels bauen ließ, die so überhaupt nicht in das alte Bild passen wollen. Die meisten von ihnen sind heute ebenfalls verlassen.
Einen Teil des Apollo-Bades kann man heute als Museum besichtigen, für ein kleines Eintrittsgeld von 2,-€ Seniorenticket. Im Inneren wird laut Wiener-Walzer Musik gespielt, die zum Tanzen animiert. Sie soll über den erbärmlichen Zustand des Bades hinwegtäuschen, denken wir.
Das Apollo-Bad befindet sich im alten Teil des Herkulesbades weiter Tal auf. Hier stehen auch Hotels und eine Kirche. Auf dem heutigen langgestreckten Platz erhebt sich eine Herkulesstatue.

Zentrum des alten Herkulesbad

Wenn man weiter talaufwärts geht, stößt man auf das Hotel Roman. Es stammt offensichtlich ebenfalls aus den 70er Jahren, wie die meisten Bausünden hier. Das Hotel Roman wurde direkt auf ein römisches Bad gebaut, welches vom Hotel bis heute genutzt wird. Hinter dem Hotel stehen Badebecken mit Thermalwasser für die Hotelgäste zur Verfügung, direkt an der Cerna gelegen.

Hotel Roman in Herkulesbad

Kurz dahinter führt ein schmaler Weg den Berghang hinauf. In 5 Minuten erreicht man zu Fuß die Grotte Haiducilor (Gesetzlosen-Höhle), die aus mehreren Räumen besteht, und einer Terrasse mit Blick in den Wald. Schon zu Römerzeiten versteckten die Diebe wohl ihre Schätze hier drinnen.

Grotte Haiducilor

Nun waren wir am nördlichen Ende von Herkulesbad angelangt und spazierten wieder zurück, auf der anderen Seite des Flusses. Nun konnten wir uns den Prachtbau des Imperialen Österreichischen Neptun-Bades aus der Nähe ansehen, zumindest, was davon noch übrig ist. Es scheint jedoch, als ob jemand dabei ist, das alte Bauwerk wieder instand zu setzen. Es tut weh, solch eine ehemalige Pracht in solch schlechtem Zustand zu sehen. So geht es allen alten Hotels vom alten Herkulesbad. Manche werden jetzt wieder in mühevoller Kleinarbeit hergerichtet, manche verfallen weiter, weil einfach das Geld fehlt.

Neptun-Bad in Herkulesbad

Zum Neptun-Hotel führt eine historische, gusseiserne, aber inzwischen baufällige Brücke über die Cerna.
Noch ein Stück südwärts, Richtung neues Herkulesbad sind die beiden Neptun-Quellen umbaut worden. Hier kann man das Wasser kosten, das ziemlich heißt aus der Wand kommt, aber es ist eigentlich nicht trinkbar. Zu viel Schwefel verdirbt den Genuss.

Eine der beiden Neptun-Quellen

Überhaupt liegt über dem ganzen Tal ein leicht schwefeliger Geruch.
Das südliche, neue Herkulesbad ist heute der Dreh- und Angelpunkt des Kurbetriebes. Es wurden neue Hotels hochgezogen, in die das Thermalwasser über dicke Schläuche gepumpt wird. Restaurants und Souvenirbuden vervollständigen das Bild der Neuzeit.

Das neue Herkulesbad

Das Womo haben wir im Camping Herkules abgestellt, an der E70 nach Temeschwar.

Peenetour 2022

Endlich bekamen wir eine Gelegenheit, die Peene von Anklam aus flussauf in Richtung Kummerower See zu befahren. Das geliehene Boot besitzt eine kleine Kabine und wir wollten eigentlich eine Woche lang auf der Peene schippern. Schon lange planten wir eine Peenetour vom Kummerower See, dem Quellgewässer der Peene, flussab nach Anklam. Klaus hatte das Boot schon mit allem beladen, was wir für eine Woche Bootstour gebraucht hätten. Leider spielte dann das Wetter nicht mit und wir entschieden uns wenigstens für eine Tagestour.

Herbststimmung an der Peene

Der nächtliche Nebel hielt sich bis zum Vormittag. Er sorgte für mystische Bilder an den Ufern der Peene. Das Boot liegt am Schanzenberg, beim Seesportclub Anklam.
Zuerst kamen wir am Neuen Kanal vorbei, der zur Zuckerfabrik führt, etwas später mündet der Arado-Kanal in die Peene. Hinter dem Yachthafen Anklam fährt man unter der Hubbrücke der Deutschen Bahn hindurch.
Nun schließt sich am rechten Ufer der Bereich von „Abenteuer Flusslandschaft“ an. Hier werden Kanus, Schlauch- und Hausboote vermietet, Ausflugsfahrten mit dem großen elektrisch betriebenen Hausboot „Ida“ werden angeboten und das Flusscafé lädt zum Verweilen ein.

Gegenüber recken sich ein alter Speicher und ein alter Ladekran in die Höhe. Am Kai liegt das ausgemusterte Frachtschiff Dömitz. Die Stadt Anklam will den Frachter nutzen, nur ist nach vielen Jahren immer noch nicht klar, wie. In der Planung sind z.B. eine Badeanstalt oder ein Restaurantschiff.

Dieses Bild wird bald Geschichte sein, denn es soll ein neues Wohn- und Geschäftsviertel entstehen.

Nun schließt sich das Stadtbild von Anklam an. Die Kirchturmspitzen waren vom Nebel eingehüllt. Die Stadt atmet Anfang September schon Herbstluft. Nun wird noch die Autobrücke unterquert, der Campingplatz, der Wasserwanderrastplatz sowie die Marina gleiten vorbei, und schon beginnt die Natur. Von nun an bestimmen Schilf und Wälder die Ufer der Peene. Es ist der einzige, in seiner ganzen Länge naturbelassene Fluss Deutschlands. Auf 85km Länge fließt die Peene mit 25cm Gefälle bei Peenemünde in die Ostsee, meistens jedenfalls. Bei Ostwind kommt es schon vor, dass der Fluss aufwärts fließt. Wenn man also mit dem Kanu unterwegs ist, muss man sich auf diesen Umstand einstellen, denn dann kann die Rückfahrt nach Anklam recht schwierig werden.
Der gesamte Peeneverlauf mitsamt dem Peenetal ist seit 2011 Naturpark. Es sind nur wenige Stellen vorhanden, an denen man über Land an die Ufer des Flusses gelangt. Daran ist aber weniger der Naturpark Schuld, als der Umstand, dass das Peenetal ein Niedermoorgebiet ist und dadurch schwierig, Wege hindurch zu bauen.

Auf Grund der Abgeschiedenheit hat sich eine reiche Flora und Fauna angesiedelt. Vor allem im Frühjahr bestimmt eine abwechslungsreiche Vogelwelt das Bild. Kormorane, Grau- und Silberreiher sowie Schwäne sind immer anzutreffen. Das Highlight einer Bootstour auf der Peene ist unbestritten die Sichtung eines Seeadlers, die hier ein Brutgebiet gefunden haben. Wir hatten diesmal das Glück gleich mehrere Seeadler zu beobachten. Es gelang mir sogar, einige Bilder von Ihnen zu schießen. Wir freuen uns jedes Mal wie die Schneekönige, wenn wir einen dieser großen und schönen Vögel zu sehen bekommen.

Weiter flussaufwärts bieten viele kleine Befestigungen Möglichkeiten zum Anlegen. Hier und da führen kurze Kanäle zu alten Torfstichen. Es ist jedoch verboten, dort hinein zu fahren. Das Schilfufer und verschiedene Waldarten begleiten die Bootsfahrt. Immer wieder fliegen Reiher auf, die sich beim Vorbeifahren gestört fühlen. Kormorane sonnen sich auf abgestorbenen Baumwipfeln.

Auf der rechten Seite kommt ein großer Aussichtsturm zum Vorschein. Er zeigt die Einfahrt zum kleinen Hafen von Menzlin an. Hier können Boote festmachen, oder auch Kanus gemietet werden. Von hier aus führt ein Fußweg zu einem antiken Wikingergrab. Wir selbst haben diese Stätte noch nicht besucht, steht aber auf dem Programm.

typisches Peeneufer

Ein paar Kilometer weiter, dann auf der linken Flussseite liegt der kleine Ort Stolpe an der Peene am Ufer. Stolpe ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Ausflugsgaststätte „Fährkrug“, Ruinen eines alten Klosters, ein Hotel in einem ehemaligen Gutshaus und die kleine Kirche sind die wichtigsten Eckpunkte Stolpes. Am großzügigen Anleger stehen Bänke zum Ausruhen. Wenn der Fährmann auf Fährgäste wartet, Fußgänger und Fahrradfahrer, stimmt er schon Mal ein Liedchen an.
Die kleine Marina mit Imbiss lädt die Bootsfahrer zum Rasten ein.
Aber das Beste an Stolpe sind die 11 Kupfermönche, die ein Künstler vor ein paar Jahren an den Sehenswürdigkeiten aufgestellt hat. Am Ortseingang steht ein Mönch in Lebensgröße und empfängt die Gäste des Ortes. Die anderen Mönche sind knapp einen Meter groß und stellen in lustiger Weise verschiedene Lebenssituationen dar. Wir hatten jedenfalls Spaß mit ihnen.

Stolpe an der Peene

Weiter geht die Fahrt auf der Peene nach Westen. Inzwischen war die Sonne herausgekommen und sorgte für ein tolles Licht zum Fotografieren. Man kommt an einem Angelverein vorbei, etwas später an einem kleinen Rastplatz mit Zeltmöglichkeit und einem Lagerfeuer. Irgendwann kam am linken Ufer ein weiterer Aussichtsturm mit Anlegemöglichkeit in Sicht. Das sieht so toll aus, dass wir die Gelegenheit für eine Pause nutzten. Bis hierher waren wir rund drei Stunden unterwegs, in aller Ruhe. Der Aussichtsturm gehört zu Dersewitz.
Auf der gegenüberliegenden Seite der Peene röhrte ein Hirsch inbrünstig, über die ganze Mittagszeit hinweg. Dabei entfernte sich der Hirsch jedoch langsam, denn das Röhren wurde mit der Zeit immer leiser. Ich hatte das bisher noch nie gehört. Es war beeindruckend.

Klaus packte seine Angelgerätschaften aus und fing ein paar kleine Fische, wie Flussbarsche, Rotfedern oder auch eine kleine Groppe. Ich genoss inzwischen die Sonne auf der kleinen Wiese mit Badestelle. Vom Aussichtsturm aus bietet sich ein schöner Blick über die Peene. In der Ferne kamen zwischendurch fünf weiße Punkte auf uns zu, in bester Formation quer über den Fluss verteilt. Beim Näherkommen wurden aus den fünf weißen Punkten stolze Schwäne. Als sie in unsere Nähe kamen lösten sie die Formation auf und schwammen bald hintereinander an uns vorbei.
Wir kochten uns einen Kaffee, genossen unseren Kuchen, und setzten anschließend unsere Fahrt fort.

Aussichtsplattform Dersewitz

Wir fuhren noch eine gute Stunde. Die Ufergestaltung wurde recht eintönig, nur noch Schilf und Wald. In Höhe von Gützkow befindet sich noch ein Rastplatz, dann mündet ein Kanal, der nach Gützkow und zu einer Kanustation führt. Wir fuhren dort hinein, mussten aber feststellen, dass die Zufahrt für ein Motorboot nicht angeraten ist, denn der Seerosenteppich wurde immer dichter, was Gefahr für die Schraube des Bootes bedeutet.

Wir kehrten also um und fuhren gegen 14.30 Uhr zurück nach Anklam. Es war ein schöner und erlebnisreicher Tag mit einem Sonne-Wolken-Mix und 20 Grad geworden. Wir haben viele Vögel gesehen, einen Hirsch röhren gehört und eine Ringelnatter durch das Wasser schwimmen sehen. Das allerbeste war aber ein Seeadler, der direkt am Ufer saß und nach Beute spähte. Als wir ihm zu dicht auf die Pelle rückten, flog er auf und am Ufer entlang weg.

Bis zum Kummerower See haben wir es nun nicht geschafft, aber bis nach Gützkow, was in etwa einem Drittel der gesamten Strecke bedeutet.

Polenztal

Im letzten Jahr wurde ich nach Jahrzehnten wieder auf das Polenztal im sächsischen Elbsandsteingebirge aufmerksam gemacht. Als Kind war ich mit meiner Familie so manches Mal dort, aber dann verlor ich es aus den Augen. Sofort flammte in mir das Verlangen auf, mal wieder dorthin zu fahren und an der Polenz entlang zu wandern.

Polenztalmühle

Klaus fuhr mich zur Polenztalmühle, wo einige der Wanderwege starten. Da Klaus nicht mitlaufen wollte, nahm ich zuerst den Weg im Tal, immer am Flüsschen Polenz entlang. Rechts und links des Weges ragen ca. 300m hohe Felswände aus Sandstein empor. Der Weg ist sehr idyllisch und gut zu gehen.
Nach einer guten halben Stunde erreicht man die Waltersdorfer Mühle, wie die Polenztalmühle ein Ausflugslokal.

Elbsandsteingebirge an der Polenz

Kurz dahinter führt eine kleine Brücke über die Polenz und der Weg führt wieder zurück. Aber oh weh, nicht wieder am Flüsschen entlang, sondern sehr steil die ganzen 300m hoch auf die Oberseite der Sandsteinfelsen. Der Weg ist zwar sehr interessant, was die Landschaft angeht, aber ich bewältigte den Aufstieg mehr stehend als gehend. Die Naturbelassenheit des Weges macht das Gehen auch nicht einfacher. Seit mehr als drei Jahren bin ich eine Flachlandtirolerin ohne jede Kondition. Das war echt hart, aber es ging mir nicht alleine so. Das war ein Trost für mich.

Wo ist der Wanderweg? So geht es bis oben.

Kurz bevor man oben ankommt, sprießt eine kleine Quelle aus dem Fels, die mehr als gelegen kam. Da gibt es nur ein Problem: das Wasser stiebt nach allen Seiten, so dass man nach dem dritten Mal Hände füllen, fast völlig durchnässt ist. Nur gut, dass es an diesem Tag sehr warm war und die Sonne schien. So trocknete alles schnell wieder.

rettende Quelle

Auf dem „Gipfel“ kommt man bald an einer alten Köhlerhütte vorbei, die bis 1945 in Betrieb war. Die Köhlerei war früher im Elbsandsteingebirge ein großer Wirtschaftszweig.

Köhlerhütte

Eigentlich wollte ich den „Malerweg“ am Rande des Plateaus und damit am Rande der Schlucht nehmen, aber irgendwie habe ich ihn nicht gefunden. Stattdessen führt ein anderer Weg quer über das Plateau, bis zur imposanten Burg Hohnstein. Majestätisch thront sie über dem Wanderweg.
Ein Stück der alten Burgmauer unterhalb im Wald ist noch erhalten. Hier startet ein Lehrpfad, der die Wanderer bis nach unten zur Polenztalmühle begleitet.
Auf einem der Schilder ist zu lesen, dass diese Mauer von 1609 bis Mitte des 18. Jahrhunderts die Begrenzung eines Bärengartens war. Die Bären wurden hier im Wald gehalten und für Tierhatzen nach Dresden gebracht, damit sich er kurfürstliche Hof daran ergötzen konnte. Nur gut, dass dies seit langem der Vergangenheit angehört.

Burg Hohnstein

Nun ist es etwas schwierig den Weg zu finden, aber mit ein bisschen Geduld klappt das. Von nun ab geht es genauso steil, wie es hoch ging, wieder hinunter. Man muss sich seinen Weg über Stock und Stein bahnen und auch ein wenig klettern.
Bald kommt man zu einer kleinen Sandstein-Brücke. Die lässt man links liegen und klettert, im wahrsten Sinne des Wortes weiter bergab. Nun führt der Weg immer durch den Schindergraben. Hier entsorgten 1546 die Abdecker, altdeutsch: Schinder, totes und todkrankes Vieh, um keine Seuchen aufkommen zu lassen. Ich will mir nicht vorstellen, wie das hier gestunken haben muss.

Wanderweg zum Schindergraben

Nach gut zweieinhalb Stunden Wanderung erreichte ich wieder den Startpunkt, wo Klaus schon auf mich wartete. Ein erfrischendes Eis schloss den wunderschönen Tag im Elbsandsteingebirge ab.
Das Polenztal wurde 1940 unter Naturschutz gestellt. Daher haben sich hier viele einheimische Vogelarten erhalten, wie die seltene Wasseramsel. Allerdings war ich Ende März unterwegs. Da sind Vögel und Tiere noch sehr selten. Grün ist es auch noch nicht.

Ausgang des Schindergrabens

Ich weiß, dass ich nicht zum letzten Mal dort war, denn auf Infotafeln ist zu sehen, dass dieses Gebiet um das Polenztal riesig ist und noch viele interessante Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Es ist ein tolles Gebiet, um einfach mal eine Woche Urlaub dort zu machen, damit man alles zu sehen bekommt. Es ist wirklich wunderschön.
Ein guter Rat: Am besten unter der Woche dort wandern gehen, denn am Wochenende sind sehr viele Menschen unterwegs und es dürfte mit Naturbeobachtungen schwierig werden.

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