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Elbląg (Elbing)

Nikolauskirche Elblag

Wir haben die Woiwodschaft Pommern verlassen und sind nun im Ermland, zur Woiwodschaft Ermland-Masuren gehörig.
In Elbląg steht nicht mehr viel, was an die Zeit vor dem 2. Weltkrieg erinnert. Vereinzelte Bauwerke über die Altstadt verteilt vermitteln noch etwas von dem Eindruck, den diese Stadt einst gemacht haben muss. Wie in Pommern auch, herrschte die Backsteinbauweise vor. Heute erstrahlt die Altstadt von Elbląg in neuem Glanz. Die neuen Fassaden sind mit modernen Mitteln den alten nachempfunden und zeigen wohl das Bild, welches die Stadt vor dem Krieg besaß. Dabei ist der Gesamteindruck sehr hell gehalten, teilweise ist Fachwerk ein Thema. Wie in Danzig legt man auch hier Wert auf die Beischläge, die Terrassen vor den Häusern, zu denen mehrere Stufen hinaufführen.
Vor der Nikolauskirche breitet sich ein großer Platz aus, an den die Promenade und das Ufer der Elbląg grenzen. Folgt man diesem Fluss nach Norden, kommt man zum Frischen Haff. Wendet man sich an seinem Ufer nach Süden, gelangt man bald zum Elbląg-Kanal, oder besser bekannt als Oberländischer Kanal (ihm werde ich den nächsten Beitrag widmen).

am Frischen Haff

Von Elbląg aus kann man eine Rundreise zum Frischen Haff auf der Landstraße 503 starten. Kurz hinter Kamionek Wielki biegt eine kleine Straße nach links ab. Ein Hinweisschild weist zu einem Campingplatz. Dem sind wir gefolgt und haben dabei ein sehr schönes Fleckchen Erde gefunden. Eigentlich ist es ein Wasserwanderrastplatz mit der Möglichkeit zum Campen und Kajakfahren, mit kleinem Strand und absoluter Ruhe. Hier beginnt der Fjord nach Elbląg. Gegenüber dem Strand ist das Ende der schmalen Landzunge zu sehen, die den Fjord auf der anderen Seite begrenzt. In der Ferne erheben sich die Berge der Nehrung Wiślana, die bis nach Kaliningrad reicht.

Gestüt Kadyny

Den nächsten Halt sollte man in Kadyny einlegen. In deutschen Zeiten hieß die Stadt Cadinen und besaß ein berühmtes Gestüt. 1898 übernahm der deutsche Kaiser Wilhelm II. das Objekt und baute es aus. Er baute eine Trakehner-Zucht auf und machte das Schloss zu seiner Sommerresidenz. Heute haben die neuen Eigentümer Mühe, das Anwesen zu erhalten. Das Haupthaus des Gestüts ist inzwischen ein Hotel „Kadyny Folwark Hotel&Spa“. Das Schloss gehört zum Gedenkpark.

Frauenburger Kathedrale

Das große Ziel der Rundreise war Frombork (Frauenburg). Die Stadt liegt ebenfalls am Frischen Haff und hatte einen berühmten Bewohner. 1497 wurde der Astronom und Arzt Nikolaus Kopernikus Domherr von Ermland mit Sitz in der Frauenburger Kathedrale. 1543 starb Kopernikus und wurde in der gleichen Kathedrale beigesetzt. Niemand weiß, wo genau das Grab zu finden ist, aber an vier Stellen im Innenraum verteilt wird auf verschiedene Weisen an Kopernikus erinnert.
Die Frauenburger Kathedrale thront auf einem Hügel über der Stadt und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Der Innenraum ist einer der schönsten, den wir bisher in Kirchen gesehen haben. Die Pfeiler und Gewölbe sind mit ihrem Malereien beeindruckend. Viele mächtige Altäre, aus Holz geschnitzt und teilweise vergoldet, ziehen die Besucher in ihren Bann. Der Chorraum, die Orgel, alles bildet eine großartige und wunderschöne Einheit.

Wasserturm Frombork

Die Kathedrale ist Teil der Domburg, zu der auch der Bischofspalast mit Kopernikus-Museum und ein Glockenturm gehören. Eine Mauer umschließt die Anlage. Der Eintritt in die Kathedrale kostet 9,-Zl, Rentner bezahlen 6,-Zl. Der Glockenturm kann gegen ein zusätzliches Eintrittsgeld bestiegen werden.
Unterhalb der Domburg steht das Nikolaus Kopernikus-Monument. Gleich unterhalb erhebt sich der Wasserturm aus dem 16. Jahrhundert. Eine Förderschnecke entnahm dem Kanal Wasser und hob es auf den Hügel zur Domburg. Es war das zweite Wasserleistungssystem dieser Art nach Augsburg in Europa. Der Kanal brachte das Wasser aus 6km Entfernung aus dem Fluss Baude. Der Wasserturm funktionierte 200 Jahre lang. Von diesem Wasserturm kann man ebenfalls einen Blick über das überschaubare Zentrum Fromborks werfen.

Frombork

Vom Anleger der Stadt legen Fähren ab. Sie bringen Passagiere in die auf der Nehrung liegende Stadt Krynica Morska oder Elbląg. In dem Restaurant „Bratfisch am Hafen“ ist die leckere Fischsuppe sehr zu empfehlen.

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Torun (Thorn)

Gradierwerk

Zwischen Warschau und Thorn war einmal mehr kein großer Parkplatz zu finden, oder die Parkplätze werden viel zu spät angekündigt und es gibt keine Wendemöglichkeit. Das hieß für uns wieder eine Tour von knapp 200km. Erst in Ciechocinek fanden wir den schönen und günstigen Campingplatz Nr. 17, auf dem wir drei Nächte blieben.
Wieder einmal hatten wir zufällig ein überraschendes Ziel angesteuert. Ciechocinek, ca. 20km südöstlich von Thorn gelegen, ist Kurstadt. 1379 erstmals erwähnt, Standort einer der vielen Deutschordensburgen in Polen, ab 1790 Eigentümer der Solequellen der Gegend. Seither eine bewegte Geschichte mit dem Ergebnis, dass der Kurbetrieb seit 1945 wieder durchgängig läuft.
Seit 1827 entstanden drei Gradierwerke, die zu den größten der Welt gehören. Es sind drei Gardierwerke mit einer Gesamtlänge von 1742,3m und einer Höhe von knapp 16m. Dazu gibt es Salzsiedereien. Die Gradierwerke dienen zur Konzentration des Salzgehaltes des Wassers, welches aus mehreren Quellen mit Hilfe einer Mühle in Kanäle auf den Gradierwerken gepumpt wird. Von dort oben rieselt das Wasser über Schlehenreisig. Dabei verteilt sich ein Teil des Solewassers in der Luft und reichert sie mit Salz-, Jod- und Brommolekülen an. Das angereicherte Solewasser, welches im Gradierwerk nach der Passage des Reisigs gesammelt wird, wird über Rohrleitungen zu den Salzsiedereien geleitet.
Der Besuch des Gradierwerkes kostet 5,-Zl Eintritt pro Person, inkl. Besuch des Oberdecks mit Blick über die Umgebung.

das alte Kurhaus

Die Stadt Ciechocinek besitzt mindestens elf Solequellen, denn der „Pilzbrunnen“ steht über der elften Quelle, 415m tief, berichtet eine Tafel. Leider wird der Brunnen gerade überholt und ist verhüllt.
Zur Kurstadt gehören auch mehrere Parks, das alte Kurhaus, heute Tanzsaal mit täglich mehreren Möglichkeiten, selbst das Tanzbein zu schwingen, und mehreren Brunnen. Da findet jeder sein Plätzchen. Viele Kneipen bieten Musik live oder „per Band“. Gerne werden auch diese Möglichkeiten zum Tanzen genutzt.

tolle Architektur

Natürlich waren wir auch neugierig auf Thorn, dessen Geschichte schon im Jahre 1233 durch die Kreuzritter begann. Was wir zu sehen bekamen, übertraf unsere Erwartungen um einiges. Die Altstadt ist noch immer mehr als einen Kilometer lang von einer Stadtmauer umgeben. Drei Tore sind ebenfalls erhalten und liegen direkt am Ufer der Weichsel. Bewegt man sich innerhalb der Stadtmauer fühlt man sich ins Mittelalter zurückversetzt. Prächtige Backsteinbauten, wunderschöne Fassaden in verschiedenen Stilrichtungen, das riesige Altstädtische Rathaus mit einem Innenhof, enge Gassen und die lange Fußgängerzone, alles ist einfach nur stimmig. Vor allem ist alles noch original, denn so viele Kriege und Zerstörungen Thorn überzogen, es wurde nie viel Schaden an den Bauwerken angerichtet.

Flößerbrunnen

Dazu hat Thorn etwas für die kleine Kunst übrig, denn Keramikfiguren zieren viele Fensteröffnungen, Bronzefiguren und Brunnen sorgen für weitere Abwechslung. Zu dem Flößerbrunnen, der auf der einen Seite des Altstädtischen Rathauses steht und durch seine vielen Froschkönige auffällt, gibt es eine Legende. Thorn kämpfte vor Jahrhunderten erfolglos gegen eine Froschplage. Als ein Flößerjunge einmal wieder auf seiner Flöte spielte, umringten ihn die Frösche, die von der Musik verzaubert waren. Also brachte der Flößerjunge die Frösche aus der Stadt, in dem er sie mit seinen schönen Melodien lockte. Die Froschplage war vorbei. Gibt es da eine Parallele zum Rattenfänger in Hameln?

Auf die Partnerschaft mit Göttingen ist Thorn besonders stolz, wie im Innenhof des Altstädtischen Rathauses auf Plakaten gezeigt wird. Das Rathaus ist auch Museum für die Geschichte der Stadt.

im Shop des Pfefferkuchenmuseums

In der Altstadt verteilt bieten kleine Läden selbstgemachte Pfefferkuchen an. Das Museum Torunski Pieniki berichtet über die mehr als 700 jährige Tradition der Pfefferkuchenherstellung in Thorn. Im Eintrittspreis ist die eigene Herstellung von Pfefferkuchen enthalten, ganz auf traditionelle Weise. Kaufen kann man die leckeren Teilchen dort auch gleich. Die Thorner Pfefferkuchen zählen zu den besten der Welt.

Die Reste der deutschen Ordensburg, von den Kreuzrittern erbaut, sind auch zu besichtigen. Im Jahre 1454 zerstörten die Stadtbürger die Burg und bauten mit deren Steinen neue ihnen dienliche Gebäude. Inzwischen haben wir schon viele dieser Burgen aus dem 13. und 14. Jahrhundert gesehen, aber die von Thorn sah vollkommen anders aus.

Nikolaus Kopernikus-Denkmal

Einen berühmten Sohn hat die Stadt auch: Nikolaus Kopernikus. Er wurde 1473 in Thorn geboren und in der Johanneskathedrale getauft. Das er in Fromburg gestorben ist, hatten wir bei unserem Besuch dort erfahren. Das Kopernikus-Denkmal in Thorn steht schon seit 160 Jahren gegenüber dem alten Postgebäude, am Altstädtischen Rathaus.

Das Parken in und um die Altstadt ist eine Katastrophe. Wir waren ausgerechnet am Mariä Himmelfahrtstag in Thorn, dem höchsten Feiertag Polens. Da ist das Parken zwar kostenlos, außer auf den privaten Parkplätzen, aber einen Platz zu finden ist fast unmöglich. Dazu konnte man auf der Hauptstraße der Altstadt kaum ungestört einen Fuß vor den anderen setzen. Trotzdem waren wir von Thorn beeindruckt.
Den Stadtbummel sollte man am Ufer der Weichsel abschließen, wo viele Stände frisches Riesenbrot, hausgemachte Wurst und Schmalz und viele andere leckere Dinge anbieten.

Übernachtet haben wir auf dem Parkplatz einer Tankstelle westlich außerhalb von Bromberg.

Memeldelta

Brücke über die Minija

Es ist in Litauen nicht so einfach, einen Stellplatz unter 20,-€ zu bekommen, der auch noch groß genug für unser Wohnmobil ist. Eine Nacht standen wir auf einem freien Platz an der Minija, dort wo die Straße 4217 den Fluss kreuzt, südlich von der Brücke. Da es Wochenende war, war der Platz sehr gut von Tagesgästen besucht. Deshalb wollten wir auf den Campingplatz am Hotel Kintai-Ventainé. Es gibt überhaupt nur einen Campingplatz in der Nähe von Venté. Als wir dort ankamen, der Platz ist für Wohnmobile bis 10m ausgewiesen, wollte man den doppelten Stellplatzpreis von uns haben. Der liegt mit 25,-€ sowieso schon hoch. Unser Wohnmobil ist nicht länger als 10m, trotzdem hätten wir den doppelten Preis zahlen sollen. Das ist einfach nur unverschämt. Zu unserem Glück fanden wir auf der anderen Seite der vorher erwähnten Brücke einen schönen kleinen und ruhigen Stellplatz, für 14,-€, am Restaurant Mélynasis Karpis. Zwischen der Minija und einer riesigen Fischteichlandschaft hat der Besitzer ein wahres Imperium aufgebaut: Restaurant mit eigenem Fisch (das teuerste Gericht mit Stör kostet 11,50€), Angelteichen, Wasserwanderrastplatz, Bootsverleih, im Hochsommer Kreuzfahrten auf dem Kurischen Haff, Zimmervermietung, kleiner Campingplatz und Spielplatz. Es ist ein guter Platz, um das Memeldelta zu erkunden. Mit dem Kurischen Haff, eigentlich Frisches Haff, hatten wir schon in Elbląg und Frombork Bekanntschaft gemacht.

Ornithologische Station Venté

Am weitesten in das Kurische Haff hinein ragt die Halbinsel mit dem Ort Venté. Von dem weit ins Wasser ragenden Anleger aus fährt zweimal am Tag eine Fähre nach Nida auf der kurischen Nehrung. Im Juni fährt mittwochs auch vom Hotel Kintai-Ventainé eine Fähre. Die Fahrpreise liegen bei 17,-€ pro Person plus 4.-€ pro Fahrrad. Autos werden nicht mitgenommen. Damit entfällt die Gebühr für den Nationalpark Kurische Nehrung.
An der Halbinselspitze bei Venté steht ein Leuchtturm, den man besteigen kann. Der größte Teil des Geländes ist jedoch von einer ornithologischen Station in Beschlag genommen. Schon seit dem frühen 20. Jahrhundert werden hier Vögel mit großen Netzen gefangen und registriert.

Hinweis auf die Moorkolonie Bismarck

Im Memeldelta wurden ab 1835 vier Moorkolonien gegründet. Die größte und bekannteste Kolonie hieß Bismarck. Auf deren Spuren kann man sich begeben, wenn man ein bisschen sucht. Drei der Kolonien sind auf einer Infotafel in Kintai lokalisiert. Zu der Pakalné-Kolonie gibt es keinen weiteren Hinweis. Von der Bismarck-Kolonie, ich hatte vor kurzer Zeit einen Fernsehbericht über diese Kolonie gesehen und kam deshalb auf das Thema, erinnert nur noch das Straßennamensschild „Oto Bismarck g.“ an die Vergangenheit. Vier der alten Gehöfte, halb verfallen, aber bewohnt, stehen noch im Wald bei der Ortschaft Žalgiriai an der Straße 206. Es wurde einmal ein Lehrpfad über die Geschichte der Kolonie angelegt, aber leider nicht gepflegt. Hinter der ersten, halb verblassten Infotafel ist Schluss, der Weg ist zugewachsen. Dieser Lehrpfad hätte uns wirklich interessiert, aber wer die interessante Geschichte der Moorkolonien nachlesen möchte, dem empfehle ich die Seite: www.wiki.de/genealogy.net.

typische Ostpreußenhäuser

Rusné (das alte Ruß) ist ein nettes kleines Städtchen, welches auf der Windenberger Insel zwischen den Flüssen Atmata und Rusné liegt. Die dritte Seite wird vom Kurischen Haff begrenzt. Auf der südwestlichen Spitze der Insel steht ein Grenzpfahl, denn dort, wo sich die zwei Flüsse treffen, verläuft die Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Atmata heißt das letztes Stück der Memel, bevor sie in das Haff mündet.

am Leuchtturm Uostadvaris

Gegenüber von Rusné befindet sich der Ort Uostadvaris, im Norden der Insel. Dort kann man den kleinen Hafen ansehen, von dem ein Boot über mehrere Flüsse durch das Memeldelta und über das Haff zur Kurischen Nehrung fährt. Die Fahrzeiten kennen wir nicht. Der kleine Leuchtturm aus den 70ern des 19. Jahrhunderts tut zwar keinen Dienst mehr, aber von seiner Plattform aus kann man weit über das Land blicken.

Torfgewinnung

Šiluté (das alte Heydekrug) ist die größte Stadt der Region, aber wenig interessant. Die alte Gründung war etwas weiter westlich gelegen, ist aber nicht mehr erhalten.
Zwischen Šiluté und der Straße nach Minija findet man rechts im Wald ein riesengroßes Gelände, auf dem man Torf in einer Art Tagebau gewinnt. Wie es aussieht, wird es mit Maschinen einfach nur in dünnen Schichten abgeschabt. Große Haufen Torfmehl liegen zum Abtransport bereit.

rundblättriger Sonnentau

Am westlichen Ende dieses Torfgebietes befand sich die Moorkolonie Augstumal. Von dieser Kolonie ist auch nichts mehr übrig, aber hier hat man einen wunderschönen Lehrpfad eingerichtet, und erhält ihn auch. Es lohnt sich, die 1,2km in das Moor zu laufen. Auf Infotafeln wird von der Kolonie berichtet, sowie von den heimischen Tieren und Pflanzen, wovon viele seltene Arten geschützt sind. Es soll sogar Elche geben. Kein Wunder bei dieser wasserreichen, einsamen Natur. Zuerst läuft man durch Wald, der nach und nach immer lichter wird. Später gibt es nur noch niedrige Pflanzen, zwischen denen sich der seltene Sonnentau wohlfühlt. Es sind zwar nur sehr kleine Formen dieser fleischfressenden Pflanze, dafür kommen hier beide Arten vor: der rundblättrige wie auch der langblättrige Sonnentau.

Hochmoor Augstumal

Von zwei Aussichtsplattformen hat man schöne Blicke über das Hochmoor von Augstumal. Um den letzten Aussichtsturm liegen ein paar Wasserlöcher, im Hintergrund recken abgestorbene Birken ihre weißen Stämme in den Himmel. Die ehemaligen Einwohner der Moorkolonien hatten die Moore mühevoll entwässert, um sich ein Leben auf Grundlage der Landwirtschaft aufzubauen. Seit die Kolonien untergegangen sind, erobert sich das Wasser weite Teile der Moore zurück.

Olsztyn (Allenstein)

Irgendwann gibt es ein besseres Bild

Woran erkennt man, das man in Masuren ist? …? Mückenalarm!!!! Riesenmücken. Der Körper ist über 1cm lang. So schön die Natur ist, so wenig kann man sie genießen. Das ist sehr schade, aber irgendwie muss man damit leben. Da habe ich gleich ausgiebig Gelegenheit, mein neues DIY-Mückenspray zu testen. Es funktioniert einwandfrei, allerdings sollte man vielleicht den Anteil an Lavendelöl erhöhen, damit die Wirkung länger anhält.

Seit unglaublichen fünf Wochen hatten wir jetzt, bis auf zwei halbe Nebeltage und ein Gewitter, das schönste Wetter. Ich weiß nicht mehr, wann wir das zum letzten Mal hatten. Mindestens drei Jahre ist das mindestens her. Nach eineinhalb Regentagen mit Gewittern setzt sich jedoch das schöne Wetter wieder durch, mit an die 30 Grad.

Stellplatz bei Allenstein

Die Grenze zwischen dem Ermland und Westmasuren überquert man kurz hinter Lukta in Richtung Olsztyn. Dort fanden wir einen schönen Stellplatz in Pelnik, auf Privatgrund, sehr ruhig, direkt am Isag-See und mit viel Natur drumherum. Der nette Besitzer des Grundstücks, er vermietet auch Ferienwohnungen, spricht deutsch, gibt Tipps für Ausflüge und Unternehmungen und ist in allen Dingen sehr hilfsbereit. Gemeinschaft wird bei ihm groß geschrieben, wenn man das möchte.
Tagsüber kann man angeln oder Kajak fahren, abends sitzt man zum Sonnenuntergang am Ufer des Sees. Jetzt, Ende Mai, sind die Abende schon sehr lang, bevor sich langsam die Nacht über den See senkt. Die Vögel gehen schlafen, die Eintagsfliegen legen ihre Eier im Wasser ab und werden dabei von den hungrigen Fischen verfolgt, irgendwo ruft noch der Kuckuck. Idylle pur.

Brauerei Warmia Allenstein

Ein Ausflug nach Allenstein, der Hauptstadt Ermland-Masurens, ist obligatorisch. Die Altstadt ist sehr überschaubar. Wir besuchten zuerst die Brauerei Warmia in der Nähe der Deutschordensburg. Der Bau ist von außen sehr modern gestaltet, innen aber im Stil eines Brauereikellers gehalten, sehr gemütlich. Unter dem Gebäude fließt ein Bach, den man durch im Fußboden eingelassene Glasscheiben sehen kann. Die Beleuchtung erfolgt durch zu Lampenschirmen umgestalteten Bierflaschen. Die Brauerei bietet neun verschiedene Biersorten an. Wenn man sich nicht entscheiden kann, bestellt man das Probenset. Zu Essen gibt es natürlich auch etwas.

Deutschordensburg Allenstein

Somit gut gerüstet, kann man zum Stadtrundgang starten. Die Deutschordensburg, oder wie sie heute heißt, Burg des ermländischen Domkapitels, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Das heißt, die ursprüngliche Burg stammt aus dem 14. Jahrhundert. Brände und Zerstörungen sorgten im Laufe der Jahrhunderte dafür, dass die heutige Burg ein kompletter Nachbau ist, bis auf vielleicht die Grundmauern. Die Burg beherbergt das Museum für Ermland und Masuren (montags geschlossen).

Nikolaus Kopernikus

In Allenstein trafen wir wieder auf die Spuren von Nikolaus Kopernikus, dem wir schon in Frombork begegnet waren. Der Astronom lebte und arbeitete von 1516-1521 in Allenstein und war in dieser Zeit auch Domherr in der Stadt.

Sonnenuhr

Gleich an die Burg grenzt die Altstadt von Allenstein, mit dem Hohen Tor, dem einzigen Überbleibsel der mittelalterlichen Wehranlagen der Stadt. Viele Häuserfassaden zieren Reliefs mit Darstellungen des früheren Lebens. Den Mittelpunkt der Altstadt bilden die Bibliothek und das alte Rathaus.

Fischbrunnen

Wenn man die Fußgängerzone entlang nach unten spaziert, kommt man zum kleinen Fluss Łyna. Am Ufer entlang gelangt man zurück zur Burg und zum Park mit dem Fisch-Brunnen. Damit hat sich der Kreis fast wieder geschlossen.
Allenstein verfügt neben weiteren Einrichtungen auch über ein Planetarium, eine Sternwarte und ein Naturkundemuseum.

Promenade Osterode

Einen weiteren Ausflug ist die Stadt Ostróda (Osterode) wert. Hier locken vor allem die Mole mit der Promenade und der Drewenz-See. Ausflugsfahrten mit dem Schiff, eine Wasserski-Anlage sowie weitere Sport- und Freizeitvergnügen werden hier angeboten.

Kreuzritterburg Osterode

In unmittelbarer Nähe steht die Kreuzritterburg, ein vierflügeliger Backsteinbau. Gegenüber den bisher gesehenen Burgen ist diese in Osterode eher unscheinbar. Dafür beherbergte sie viele große Persönlichkeiten der Geschichte Europas. So lenkte z.B. Napoleon Bonaparte von Februar bis April 1807 in der Osteroder Burganlage die Geschicke Europas. Heute ist die Burg Kulturzentrum und Museum.

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