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Essen und Trinken auf sizilianisch

Kartoffelstampf mit Avocado

Das Rezept habe ich von Maria und Michael, die wir in Giardini-Naxos kennengelernt haben:

Kartoffelstampf ganz normal zubereiten. Inzwischen Zwiebel in schmale Spalten schneiden und in der Pfanne braun rösten, eine reife Avocado in kleinere Stücke schneiden. Die braune Zwiebel sowie die Avocadowürfel unter den noch heißen Kartoffelstampf geben. Wie die Beiden habe auch ich das Gericht mit einigen Wackelkleeblüten garniert.

Ob der Name Wackelklee der korrekte Name ist, weiß ich nicht, aber er ist zutreffend. Der schöne Klee blüht überall in Teppichen. Die Blütenstengel sind so lang, dass sie sich im Wind wiegen. Der Geschmack dieser herrlich gelben Blüten ist leicht säuerlich, was mit der süßen Avocado harmoniert.

Kalmar

Bei einem Fischhändler in Letojanni lagen schöne große Kalmare auf dem Ladentisch, das Kilo für 7,-€. Die Tiere hatten ein Gewicht von knapp zwei Kilo und wir ließen sie ausnehmen, weil das doch eine ziemliche Schweinerei ist. Abziehen mussten wir sie jedoch selbst. Das ist nicht weiter schwierig.

Wir schnitten die Tube und die Fangarme in relativ kleine Stücke. Zwiebel, Knoblauch und Chilli klein schneiden. Mediterrane Kräuter wie Thymian oder Rosmarin ergänzen das Gericht. Zuerst die Zwiebel in Olivenöl anschwitzen, dann den Knobi, Chilli und Kräuter in die Pfanne geben. Wenn alles gut angeschwitzt ist, die Kalmarstücke dazugeben. Sofort mit Weißwein ablöschen und zwei bis drei Minuten köcheln, auf keinen Fall länger, dann wird der Kalmar zäh.

Schwarze Spaghetti mit Tintenfisch (für 2 Personen)

1 mittelgroße Sepia (am besten küchenfertig und mit mitgelieferter Tintenblase), Olivenöl, 1 Zwiebel, etwas Chillischote, Tomatenmark, trockener Weißwein, Spaghetti

Die Spaghetti wie gewohnt kochen. Inzwischen in einer Pfanne Olivenöl erwärmen, kleingeschnittene gewürfelte Zwiebel darin anschwitzen. Dann kleingeschnittene Chillischote und Tomatenmark mitschmoren. Wenn alles soweit angeschwitzt ist, das feingeschnittene Fleisch von Kopf und Tentakeln der Sepia in die Pfanne geben. Fast sofort darauf mit Weißwein ablöschen und aufkochen. Nun die Tintenblase vorsichtig direkt in die Pfanne ausquetschen und solange rühren, bis sich alles tiefschwarz gefärbt hat. Die Pfanne vom Herd nehmen und die abgegossenen Spaghetti dazu geben und alles vermengen. Sieht exotisch aus und schmeckt hervorragend, aber Achtung: keine Spritzer auf die Kleidung oder die Tischdecke!

Pansen (Kutteln)

küchenfertiger Pansen, Zwiebel, Knoblauch, Tomaten, Rosmarin, Salz, Pfeffer, Petersilie, Öl zum anbraten

Zwiebel kleinschneiden und im Öl anschwitzen, danach Knobi, kleingeschnittene Tomaten und Rosmarin dazugeben, alles kräftig anbraten, salzen und pfeffern, Petersilie dazugeben und servieren.

Hier noch eine knusprige Variante. So könnten wir Pansen jeden Tag essen:
küchenfertiger Pansen, Gemüsebrühe, Öl, Chili, Wurzelgemüse (weniger als Pansen), Zwiebel, Knoblauch, Butter, Salz, Pfeffer, etwas Zucker

Den Pansen 30 min in Gemüsebrühe köcheln, auch wenn er vorher schon weich erscheint. Danach abtropfen, in Streifen schneiden und in Chiliöl scharf anbraten, solange, bis er schön knusprig ist und Farbe angenommen hat. Inzwischen das Gemüse, Zwiebel und Knobi putzen, kleinschneiden und in Butter schmoren. Wenn es noch bissfest ist, zu den knusprigen Pansen dazugeben, vermengen, würzen und servieren. Sehr einfach, aber lecker.

Cedro

Eine für uns neue Frucht ist die Cedro, auch Zitronatzitrone. Sie sieht wie eine Riesenzitrone aus. Schneidet man sie auf, kommt nur sehr wenig Fruchtfleisch zum Vorschein. Fast die gesamte Frucht besteht aus dicker weißer Schale und ist etwas milder als normale Zitronen. Man bekommt sie nur an wenigen Stellen zu kaufen, da sie nicht wirklich gut in der Küche brauchbar ist. Uns hat sie aber interessiert und so probierten wir ein typisch sizilianisches Rezept: Cedro-Carpaccio.

Dafür wäscht man die Cedro gründlich, denn die äußere Schale wird ebenfalls verwendet. Danach schneidet man die Frucht, am besten mit einem Gemüseschneider, in hauchdünne Scheiben. Die werden zu einem Carpaccio auf dem Teller arrangiert. Das Rezept sagt eigentlich, dass die Scheiben mit Salz, Pfeffer, Zucker und Olivenöl mariniert werden sollen. Wir haben die Gewürze und das Öl einfach dünn über den Cedroscheiben verteilt und dann eine Weile stehen lassen. Am besten isst man das Carpaccio mit Messer und Gabel, da die Schale recht fest ist. Es ist ein erfrischendes und wohlschmeckendes Dessert.

Mandarincello

In aller Munde und in allen Regalen auf Sizilien zu finden ist Limoncello. Was weniger bekannt ist, ist Mandarincello, also nicht aus Zitronen, sondern aus Mandarinen gemacht. Auf dem Markt in Santa Croce bekamen wir einen 3-Kilo-Beutel mit Mandarinen für 1,-€. Das gab uns den Anlass, uns am Mandarincello zu probieren. Das Rezept für Limoncello bekamen wir wieder von Maria und Michael. Wir brauchten es nur umzuwandeln.

1. Tag: 1,2kg Mandarinenschalen (die ganze Schale, nicht nur das Orange) in ein großes Glas geben und mit 1l 96%-Alkohol (erhältlich z.B. im ARD-Markt) auffüllen. Die Schalen müssen bedeckt sein. Nun sieben Tage dunkel stehen lassen, und täglich kräftig schütteln.
7. Tag: 1,2l Wasser mit 1kg Zucker zum Kochen bringen (7 min), abkühlen lassen. Jetzt alles miteinander vermischen, durchsieben und in saubere Glasflaschen abfüllen. Wohl Bekomm´s!

Was macht man nun mit den vielen geschälten Mandarinen? Hier ein Vorschlag:
Mandarinen-Marmelade

Übrige Mandarinen aus der Mandarincello-Herstellung in kleine Stücke schneiden, dabei sorgfältig alle Kerne entfernen. Möglichst die Schalen dreier oder mehr Mandarinen, die man so isst, ebenfalls klein schneiden, dazu 1 kleingeschnittene Zitrone mit Schale, gut gewaschen. Das hebt den Geschmack. Alles in einen Topf geben, aufkochen und 40min weiter köcheln. Das dabei verdunstete Wasser nach und nach mit frischem Wasser auffüllen. Öfters umrühren.

Nach der Kochzeit alles pürieren und durch ein Sieb streichen. Die so entstandene Flüssigkeit mit dreiviertel soviel Zucker und wenig Geliermittel (die Schalen übernehmen den Geliervorgang) nochmals aufkochen. Wer möchte kann etwas Vanillezucker und/oder eine Prise Zimt dazugeben. 5min köcheln und zuletzt in saubere Gläser abfüllen.

Limoncello

15 Zitronen, 1l 96%-Alkohol , 1,25l Wasser, 1kg Zucker
Die Herstellung des Limoncello erfolgt genauso wie die des Mandarincello. Nach dem Abfüllen in Flaschen am besten noch eine Woche ziehen lassen, bevor Ihr ihn genießt.

Was macht man nun mit den vielen geschälten Zitronen?
1. Vorschlag: Zitronen-Ingwer-Sirup
400g frischer Bio-Ingwer, 8 geschälte Zitronen, 700ml Wasser, 500g Honig
Ingwer waschen und ungeschält in kleine Stücke schneiden. Sollte noch etwas Schale an den Zitronen dran sein, dann diese restlos entfernen und zusammen mit dem Ingwer in einen Topf geben. Gut wäre es auch, noch zwei weitere Zitronen mit Schale zu verwenden und deren dünn abgeschälte Schale ebenfalls in den Topf zu geben. Das Ganze mit dem Wasser auffüllen, aufkochen und ca. 20min köcheln lassen.
Inzwischen alle Zitronen auspressen, den Saft mit dem Honig gut vermischen. Die weiße Schale wegwerfen. Wenn die Ingwer-Wasser-Mischung abgekühlt ist, mit dem Zitronensaft-Honig-Gemisch vermengen. In Glasflaschen abfüllen. Dieser Sirup ist ein Donnerwetter an Vitaminen und als Erkältungskiller im Winter oder verdünnt mit Wasser als sommerliches Erfrischungsgetränk gut.

2. Vorschlag: Zitronen-Marmelade
Geht genauso, wie die Mandarinen-Marmelade, aber mit diesem Rezept bin ich nicht zufrieden gewesen. Die Marmelade schmeckt zwar, aber in der gekauften sizilianischen Zitronen-Marmelde sind mehr feste Inhaltsstoffe enthalten. Ich werde also das nächste Mal nach einem entsprechenden Rezept suchen.

3. Vorschlag: Limonade
Das Rezept haben wir zwar aus den USA mitgebracht, aber im Land der Zitronen ist es genauso gut einsetzbar: Je nach Bedarf Zitronen auspressen, Zucker nach Geschmack darin auflösen und gut vermixen, zum Schluss mit Soda-Wasser auffüllen. Ganz einfach und im Sommer ein fantastisches Getränk.

Südfruchtsalat

Auf Sizilien gibt es nichts mehr als Orangen. In den allermeisten Fällen kostet das Kilo 1,-€. Am besten direkt auf dem Markt oder bei den fliegenden Händlern kaufen. Das gilt eigentlich für alles, was man auf dem Markt kaufen kann. Dann bleibt mehr Geld bei den Bauern hängen und es ist in jedem Fall frisch.

Also, mit Orangen lässt sich so ziemlich alles kombinieren, was Südfrucht heißt. Hier einige Beispiele:
– Orangen, Fenchel, Oliven, Kapern, Zwiebeln
– Eichblattsalat oder Rucola, Orangen, Khakis, Fenchel, mit Bananendressing (Öl, Zitronensaft, Senf, Honig, Salz, Pfeffer)
– Orangen, Khakis, Granatapfelkerne
– Orangen, Khakis, Fenchel (hierzu passen ein paar zerkleinerte Kardamomkörner)
Die Mengen könnt Ihr nach Eurem Gusto wählen. Ein gutes Dressing zu vielen Obstsalaten wird aus Limette, Honig, Rohrzucker und einer Prise Zimt gemacht.

Weiße Creme (für 2 Personen)

1/2l Mandelmilch, 50g Zucker, 100g Speisestärke, 1 Prise Zimt
Stärkemehl in der Milch auflösen, Zucker und Zimt zugeben und auf kleinster Flamme köcheln, bis die Creme dick wird. In eine mit kaltem Wasser ausgespülte Schüssel geben, abkühlen und in den Kühlschrank stellen. Zum Anrichten aus der Schüssel stürzen, mit Zitronen- oder Orangenschalen und etwas Zimt dekorieren.

Sizilianische Cassata (für eine runde Auflaufform 17cm mit schrägen Wänden)

Diese grüne Süßspeise hat mich auf der ganzen Tour auf Sizilien interessiert, aber leider hatten wir keine Gelegenheit, die Spezialität zu probieren. Daher weiß ich nicht, wie sie richtig sein muss. Aus dem Rezept, welches ich habe, wurde ich auch nicht schlau. So probierte ich es auf meine Weise. Das Ergebnis sieht zwar nicht professionell aus, aber auch nicht so schlecht. Auf jeden Fall schmeckt es.

Umhüllung: 125g Mandelmehl, 125g Puderzucker, 1 Eßl. Honig, etwas Wasser, grüne Lebensmittelfarbe (oder wenn man hat Pandan-Extrakt aus dem Asiashop)
Biskuitteig: 5 Eier, 250g Zucker, 300g Mehl
Füllung: 500g Schafs-Ricotta, 200g Zucker, Schokoladentropfen, kandierte Früchte

Mandelmehl mit Puderzucker, Honig und etwas Wasser vermengen. Das Wasser dient der leichteren Verarbeitung. Lebensmittelfarbe dazugeben und gut mit einarbeiten. Bei Raumtemperatur stehen lassen.
Für den Biskuit Eier und Zucker schaumig schlagen, dann das Mehl vorsichtig unterheben. Auf ein Backblech geben und bei 180 Grad ca. 20min backen, dann abkühlen lassen. Es ist etwas mehr Teig als benötigt wird.
Die Kruste vom Biskuitteig abschneiden. Nun kleine Rechtecke, so hoch, wie die Cassata werden soll, abzüglich ca. 1cm für den Boden, zurecht schneiden. Mit diesen Stücken die schräge Wand der Auflaufform auslegen, dann den Boden mit dem passend geschnittenen Biskuitteig belegen.
Als nächstes den Schafsricotta mit dem Zucker verrühren und in zwei Portionen teilen. Die eine Hälfte beiseite stellen, in die andere Hälfte die Schokotropfen einrühren. Die Ricottocreme mit den Schokotropfen in die ausgelegte Form füllen und mit einem Biskuitdeckel abdecken. Jetzt habe ich die Süßspeise in den Kühlschrank gestellt, um besser damit weiterarbeiten zu können.
Nach einer Weile die rohe Cassata aus der Form stürzen und mit dem grünen Marzipan oben und an den Seiten bestreichen. Als letztes die erste Ricottahälfte obendrauf verteilen und mit kandierten Früchten nach Belieben belegen.

Kandierte Orangenschale

Orangenschale mit dem Weißen in Streifen schneiden und in einen Topf geben, Wasser dazu und aufkochen. Das Wasser abgießen und den Vorgang wiederholen. So bekommt man die meisten Bitterstoffe aus den Schalen. Leicht antrocknen lassen und wiegen. Genauso viel Zucker, wie die Orangenschalen wiegen, dazugeben. Dann je 100g Zucker 50g Wasser abmessen. Alles zusammen erneut aufkochen und solange köcheln, bis das Wasser verdunstet ist. Aufpassen, dass der Zucker nicht verbrennt. Die so vorbereiteten Orangenschalen auf ein Blech zum Trocknen geben. Wenn man will, kann man die Streifen an einem Ende in flüssige Schokolade tunken. So hat man einen tollen Snack oder eine Dessertgarnitur. Am besten in einem Schraubglas trocken lagern.

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Essen aus der Natur

– neues Rezept: Kiefernzapfensirup

Bei Lebensmitteln weiß man ganz gerne, wo es herkommt und was drin ist. Am besten geht das, wenn man sein Essen und Trinken selbst herstellt. Schon lange nehmen wir dafür auch was die Natur uns bietet. Es ist einfach zu schade, die guten Gaben nicht zu beachten. Gerade jetzt im Frühling, wenn es überall blüht und grünt, bekommt man wieder Appetit auf Frisches. Der Sommer und der Herbst verwöhnen uns dann mit Früchten aller Art. Wir haben schon einiges ausprobiert, wie ein Gemüsebett aus Brennnesseln, oder Miesmuscheln direkt mit Meerwasser gekocht. Ich möchte Euch gerne ein paar Anregungen und Rezepte weitergeben, aber beachtet bitte beim Sammeln und Pflücken, dass das Erntegut in einer sauberen Umgebung wächst.

Kiefernzapfensirup -neu-

Grüne Kiefernzapfen bis 3cm Länge (können Ende Mai bis Ende Juni gesammelt werden), brauner Rohrzucker

Kiefernzapfen waschen und gründlich reinigen, danach mit einem scharfen Messer vierteln. Jedes Stück in Zucker wälzen und in ein Glas schichten. Zwischenräume mit Zucker ausfüllen. Die Zapfenstücke müssen mit einer 2cm hohen Zuckerschicht abschließend bedeckt werden. Glas verschließen und möglichst in die Sonne stellen. Durch die Hitze im Glas sollte der Zucker schmelzen. Nun sind die Nährstoffe von den Zapfen in den Sirup übergegangen und er kann abgefüllt werden. Die Zapfen entsorgen. Wer den Geschmack mag, der wird von diesem Sirup begeistert sein.

Bei mir hat sich der Zucker nicht ganz aufgelöst, deshalb gab ich alles in einen Topf und half mit der Hitze des Herdes ganz kurz nach, um nicht die wertvollen Inhaltsstoffe zu zerstören.

Achtung: Der Sirup ist eigentlich ein Heilmittel mit vielerlei Anwendungsmöglichkeiten, vor allem der Stärkung des Immunsystems. Durch die Stärke der Inhaltsstoffe sollte die tägliche Dosis nicht mehr als einen Teelöffel betragen!

eine Art Goldröhrlinge

Pilze

Waldpilze putzen, nicht waschen (bei Goldröhrlingen die schmierige Haut auf dem Hut abziehen), in mundgerechte Stücke schneiden, Schinkenspeck und Zwiebeln würfeln, Butter, Salz, reichlich Pfeffer, Thymian oder andere mediterrane Kräuter, Petersilie

Schinkenspeck anbraten, Zwiebelwürfel dazu, später Butter nach Belieben (hebt den Geschmack), Pilze in die Pfanne, würzen, Kräuter (außer der Petersilie) dazugeben und mindestens 20min bei geschlossenem Deckel dünsten. Wenn zu wenig Wasser, dann mit kochendem Wasser etwas nachgießen. Ganz zum Schluss die geschnittene Petersilie unterheben und sofort servieren. Ein Gedicht.

Herzmuscheln

Herzmuscheln, Olivenöl, feingeschnittene Zwiebel und Knoblauch, etwas Chilli, kleine Zucchiniwürfel, Weißwein, Sahne, Petersilie

Eine Schüssel voll Herzmuscheln sammeln und zusammen mit Meerwasser zwei Tage lang kühl stehen lassen. Wenn sich die Muscheln vom Sand befreit haben, das Wasser abgießen. Nur geschlossene Muscheln verwenden.
Olivenöl in einem großen Topf erhitzen, Zwiebel anschwitzen, Knoblauch, Chilli, Zucchini dazugeben, weiter kurz anschwitzen, dann die Muscheln hineingeben. Mit Weißwein und etwas Sahne ablöschen, Wenn sich die Muscheln geöffnet haben, kurz weiter garen, dann mit Petersilie bestreuen und servieren.

Holundersuppe  

Einen halben 10l-Eimer voll Holunderdolden, Wasser, Rotwein oder Apfelsaft, Prise Salz, Zucker nach Geschmack, Zimt, Zitronensaft, Speisestärke (reicht für 4 Portionen)

Holunderdolden gründlich waschen, Beeren von den Stielen befreien und in einen großen Topf geben. Mit etwa dreiviertel soviel Wasser wie Beeren aufgießen, dazu etwas Rotwein, Salz und Zucker, aufkochen lassen. Zwei Minuten kochen, dabei Vorsicht vor Überkochen, dann die Beeren mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken. Etwas Zitronensaft und Zimt zugeben und mit Speisestärke binden. Fertig. Wir mögen es immer, wenn alle Inhaltsstoffe auf den Teller kommen und haben die Beeren in der Suppe gelassen. Dann sollte man jedoch sehen, dass möglichst wenige Stielansätze in den Topf gelangen. Wer die Beeren aus der Suppe filtert, braucht dabei nicht so gründlich sein.

Wer viel Holunder zur Verfügung hat, kann die Suppe auch heiß in saubere Gläser füllen und für den Winter zurückstellen. Wenn man die Beeren entfernt und die Suppe in Flaschen abfüllt, hat man einen gesunden Holundersaft für die kalte Jahreszeit.

Brotaufstrich mit Beifuß

Beifuß ist für seine Fähigkeit bekannt, fettige Speisen bekömmlicher für den Magen zu machen. Ich habe jetzt eine andere Möglichkeit gefunden, Beifuß zu verwenden, und zwar als leckeren Brotaufstrich.

2 mittelgroße Äpfel, dazu von der Menge her doppelt soviel Zwiebel, 5 Rispen Beifuß (frisch oder getrocknet), 200g Butter

Äpfel waschen, vom Kerngehäuse befreien und raspeln. Beifußrispen vom Stängel streifen. Butter in einem Topf erhitzen, Zwiebel und Beifuß dazu geben, eine halbe Stunde schmoren, bis eine leichte Bräune entstanden ist. Dann die geriebenen Äpfel dazugeben und noch einmal eine halbe Stunde auf der Flamme lassen. Öfter umrühren, damit nichts anbrennt. In saubere, mit kochendem Wasser ausgespülte Gläser geben und diese verschließen. Ergibt ungefähr 250-300ml zum Probieren.

Seekohl, Meerkohl

Seekohl, Meerkohl

Für dieses Rezept können alle Teile der jungen Pflanze verwendet werden. Ist sie schon älter, einfach probieren, was noch nicht so viele Bitterstoffe enthält. Die Blätter schmecken roh ähnlich wie Kohlrabi und man kann Salat daraus machen, z.B. mit Vinaigrette oder Sauce Hollandaise.

Wir haben die weichen Stiele, Blätter und die Blütendolden verwendet, in mundgerechte Stücke geschnitten und für ca. 10min in kochendes Salzwasser gegeben. Danach gießt man den Kohl ab (Wasser auffangen). Olivenöl erhitzen, geschnittene Zwiebel anschwitzen, den geschnittenen Seekohl dazugeben. Mit Knobi, Pfeffer und Muskat würzen, ein Stück Butter dazugeben, drei Minuten durchschwenken. Wir haben dazu Spaghetti gekocht, diese mit in den Kohl gegeben und mit ein wenig Kohlwasser aufgegossen. Fertig und richtig lecker.

Holunderblüten, frittiert

einige Holunderblütendolden (voll in Blüte stehend), 150g Mehl, 2 Eier, 20ml Öl, 250ml Milch, 1 Eßl Zucker, Prise Salz

Holunderblütendolden von Insekten befreien und grob reinigen (nicht waschen), mit dem Schneebesen Mehl, Eigelben, Öl, Milch, Zucker und Salz zu einem glatten, nicht zu dicken Teig verrühren, 20 min quellen lassen, dann das steifgeschlagene Eiweiß unterheben. Die Blütendolden durch den Teig ziehen und im heißen Ölbad ausbacken, bis der Teig goldgelb ist.

Löwenzahnblütenhonig

400 g Löwenzahnblüten, möglichst ohne Stile, 2 Zitronen, 2 kg Zucker, wenig Gelatine oder Agar-Agar

Löwenzahnblüten von evtl. Insekten befreien und zusammen mit entkernten Zitronenscheiben einschl. Schale in 1 Liter Wasser kochen. 24 h stehen lassen. Dann durch ein Sieb drücken und mit dem Zucker 1 Std. lang kochen. Dabei öfter umrühren, zum Schluss Agar-Agar zugeben. In Gläser füllen und Gläser verschließen.

Kaktusfeigengelee

Reife Kaktusfeigen, die roten geben eine sehr schöne Farbe, Gelierzucker

Kaktusfeigen von Stacheln befreien, aufschneiden und aushöhlen. Das Fruchtfleisch in einen Topf geben und kochen, abkühlen und durch ein Sieb streichen. Den Saft mit Gelierzucker, Verhältnis laut Packungsanweisung, aufkochen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Heiß in die Gläser füllen und verschließen.
Die Prozedur ist zwar eine große Sauerei, durch die kleinen Stacheln und die starke Farbe, aber das Ergebnis wiegt alles auf.

Tannenspitzenlikör

3-4 handvoll hellgrüne frische Tannenspitzen, 0,7l Gin 40%, 120-130g brauner oder weißer Kandiszucker

Tannenspitzen in ein Gefäß mit weitem Hals einfüllen, Kandiszucker dazu (dunkler Kandis macht dunklen Likör), mit Gin auffüllen, Gefäß verschließen. Jeden Tag durchschütteln. 6-8 Wochen, besser ein halbes Jahr, ziehen lassen. Wenn der Likör fertig ist, filtern und in Flaschen abfüllen. Gut gekühlt servieren. Das Aroma passt gut zur Winterzeit.
PS: Endlich haben wir den Likör in Flaschen abgefüllt. Es ist November und er ist sehr gut. Das Warten hat sich gelohnt.

Brennnesseln

Brennnesseln sind sehr beliebt in der alternativen Küche. Man kann die jungen Triebe oder auch im Sommer die Triebe mitsamt den Blütenständen verwenden. Die Pflanzen sollten jedoch nicht zu alt sein. Vorsicht, mit Handschuhen arbeiten!

Blätter und Blüten von den Stängeln streifen, Stängel wegwerfen. In einer Pfanne kleingeschnittene Zwiebel in Butter glasig dünsten, dann die Brennnesseln dazugeben. Ca. 10 min mit geschlossenem Deckel gar dünsten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Das Ergebnis kann man als Gemüsebett unter einer heißen Fleischwurst essen.

Miesmuscheln

Im Norden Skandinaviens gibt es sauberes Meerwasser und jede Menge Miesmuscheln an den Küsten. Die Muscheln sind schnell gesammelt, gesäubert (nur die geschlossenen Muscheln verwenden) und direkt im Meerwasser gekocht. Da braucht es nicht mehr. Wer möchte kann gerne Zwiebeln und Petersilie dazugeben. Fertig ist das schnelle und kostenlose Gericht.

Wir werden diese Reihe unbedingt fortsetzen.

La Spezia

Fast alle, die nach La Spezia kommen, haben ein Ziel: Cinque Terre. Aber auch die Stadt selbst ist recht sehenswert und besitzt viele schöne Details. Zum Beispiel die außergewöhnliche und moderne Kathedrale di Cristo Re mit ihrer absolut runden Form, die auf einem Arkadengang mit Geschäften und Cafés sitzt. Davor befindet sich die großzügige Piazza Europa.

Kathedrale di Cristo Re

Zwischen der Altstadt und dem Hafen dehnt sich ein palmengesäumter Park aus. Von hier aus starten im Sommer die Boote entlang der Küste der Cinque Terre. Jetzt ist es ruhig im Hafen.

Park zwischen Stadt und Hafen

Die Altstadt besteht aus ziemlich hohen Häusern. Entsprechend der Renaissance stehen sich an manchen Straßenecken zwei gleiche Häuser gegenüber. Eines davon (Grattacielo) aus dem Jahre 1927, an der Via Vittorio Veneto, heißt sogar „der Wolkenkratzer“. Ihm gegenüber steht der Regierungspalast.

Grattacielo, der Wolkenkratzer

Sehr schön sind die Jugendstilfassaden, aber auch Neoklassizismus ist zu finden. Viele Arkadengänge laden zum Bummeln darunter ein. Manche von ihnen sind mit schönen Malereien verziert. Die alten, hohen Türen aus Bronze oder Holz lassen kurz innehalten und staunen. Die meisten Häuser sind gepflegt und schön anzusehen.

toll gestalteter Arkadengang

In der Via Chiodo wurde ein kleiner Park mit Brunnen, Magnolien und Sitzgelegenheiten angelegt. Der Hingucker ist aber die Reihe Tore in dessen Mitte, die von einer Seite grellbunt und von der anderen Seite verspiegelt sind. Ein schöner Ruhepol inmitten des Stadtbetriebes.

Spiegelungen im Park an der Via Chiodo

An der Piazza Cavour hat die Markthalle ihren Platz. Die aufwändige Überdachung scheint recht modern. Obst, Gemüse, Käse, Fleisch und Fisch werden hier manchmal lautstark gehandelt.

Markthalle an der Piazza Cavour

Wenn man die Hauptgeschäftsstraßen entlang geht und ab und zu Richtung angrenzenden Berg guckt, dann sieht man die Treppenkonstruktionen, die die Unterstadt mit der Oberstadt verbinden. Dort ist auch das Castello zu finden.

Treppe in die Oberstadt

In der Nähe der Piazza Garibaldi beginnt ein Tunnel, der unter der Oberstadt hindurch verläuft und in der Nähe der Kathedrale wieder heraus kommt. Ein moderner Brunnen mit Marmorskulptur setzt einen tollen Kontrast zu den älteren Gebäuden am Platz. 1943 wurden große Teile von La Spezia durch Luftangriffe zerstört, so dass die meisten Bauten nicht wirklich alt sind.

Brunnen auf der Piazza Garibaldi

La Spezia hat also jede Menge zu bieten, aber die Altstadt besteht fast nur aus Einbahnstraßen. Das heißt, man fährt viele Umwege mit dem Auto und die Busse fahren fast nie wieder dort ab, wo sie angekommen sind. Eine Busfahrt kostet 1,50€, wenn man die Karten im Tabacchi-Shop kauft, 2,50€ im Bus selbst.

Im 18. Jahrhundert wurde der Hafen unter Napoleon zum Militärhafen ausgebaut, der eine große Bedeutung erlangte, die bis in die Gegenwart anhält. Das Arsenale Militare Marittimo hat heute seinen Sitz am Ufer des Kanals an der Via Giovanni Amendola. Dort befindet sich auch das Militär-Museum für Marinetechnik. Im Museum ist ein ganzer Raum den Marine-Kleinkampfmitteln gewidmet (Torpedoreiter, Sprengboote), die in La Spezia entwickelt und eingesetzt wurden.

links Arsenale Militare Marittimo, rechts Via Giovanni Amendola

Einen schönen Bummel kann man auch durch die Marina Porto Mirabello haben, die man über die Hängebrücke Ponte Thaon di Revel für Fußgänger erreicht. Hier liegen kleine und große Yachten. Bei unserem Besuch lag die königliche Segelyacht aus Marokko am Kai, ein riesiges Schiff mit noch größeren Masten. Wahnsinn. Von der Marina aus sieht man auch das Castello von La Spezia.

Marina Porto Mirabello

Unser Wohnmobil steht auf dem Stellplatz am Pagliari-Bassin, für 6,-€ ohne Strom. Mit Strom kostet der Platz 12,-€. Von hier aus sind es mehr als 5km ins Stadtzentrum.

Carrara

Im Hinterland zwischen Lucca und Carrara türmen sich die Apuanischen Alpen schroff gen Himmel. Die höchsten Gipfel erreichen knapp 2000 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Kommt man nach Carrara, dann sieht man schon die kahlen Gipfel, die aussehen, als würden sie immer noch Schnee vom letzten Winter tragen. Diese weißen Narben sind Marmorsteinbrüche, die schon zu römischen Zeiten genutzt wurden. Entlang der Via Aurelia haben marmorverarbeitende Betriebe ihren Sitz. Ihre Höfe sind vollgestopft mit großen Marmorblöcken, die auf ihre Auslieferung oder Verarbeitung warten.

Marmor wohin man blickt

Es gibt drei große Steinbrüche: Ravaccione, Colonnata und Fantiscritti. Von Carrara aus am besten zu erreichen ist Fantiscritti, eine gigantische Kulisse schon aus der Ferne. Die schmale Straße, durch die Stadt Carrara kommend, windet sich die Berghänge hinauf, bis direkt ins Zentrum des Geschehens. Man sollte jedoch als Tourist beachten, dass die Lastwagen Vorfahrt haben, denn die haben es immer eilig, um von einem Punkt zum anderen zu kommen. Mit fast wahnwitziger Geschwindigkeit befahren sie die Serpentinen.

Straße zur Grube Fantiscritti

Am Ende der Straße befindet sich der Parkplatz der Grube Fantiscritti. Man kann die Relationen kaum fassen, in denen hier gearbeitet wird. In schwindelerregenden Höhen und auf schmalen Wegen, die Abgründe sind tief, arbeiten die gigantischen Maschinen. Die Geräusche von Presslufthämmern, Baggerschaufeln und LKW-Motoren erfüllen die Luft ringsherum. Manchmal wurden sogar Stollen in die Hänge getrieben. Unglaublich.

Riesenmaschinen erscheinen winzig klein im gewaltigen Berg

Um alles hautnah zu erleben, werden „Marmor-Touren“ im Geländewagen angeboten: 50 Minuten für 12,-€. Oder man sieht sich das kleine Marmor-Museum „Cava Museo“ für 2,-€ Eintritt an. Hier wird die Geschichte des Marmorabbaus von Anbeginn dargestellt.
In der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v.Chr. begann man, den Marmor abzubauen. Die Römer und Griechen benutzten ihn für ihre Thermen, Häuser oder für Möbel. Jede Menge Sklaven schufteten für den Wohlstand der beherrschenden Mittelmeerländer. Bis ins 19. Jahrhundert hinein änderte sich wenig an der Abbautechnik. Zuerst wurden die Blöcke mit Holz, welches sich unter Wasserzugabe ausdehnte und den Marmor aus der Wand sprengte, aus dem Berg gebrochen. Später übernahmen Stahlkeile die Funktion des Abspaltens. Heutzutage wird dem Marmor mit Bohrern und Sägen zu Leibe gerückt. Die Arbeit war und ist bis heute schwierig und gefährlich.

Steine spalten mit Stahlkeilen

Den Abtransport der Blöcke übernahmen zu Römerzeiten Menschen, die sie mit Hilfe von Seilen, Flaschenzügen und Holzbohlen den Berg hinunter schafften. Später übernahmen diese Arbeit Esel und Ochsengespanne mit bis zu 24 Tieren. Manche Blöcke wurden an Ort und Stelle von sogenannten Quadratoren mit Hammer und Meißel in viereckige Formen gehauen.

der Quadrator

Im 19. Jahrhundert kam die Eisenbahn und erleichterte wenigstens den Abtransport des Marmors. Der Abraum blieb liegen und behinderte irgendwann die normale Arbeit. Niemand wusste wohin damit. Marmor zersetzt sich ja nicht mit der Zeit. Inzwischen wird auch dieser genutzt, z.B. in der Pharma- und Kosmetikindustrie, die Marmormehl in Zahnpasta, Cremes und sogar in die Sahne geben. Außerdem wird es als Futterzusatz für Hühner und in der Wäscherei verwendet. Das klingt etwas befremdlich, aber Marmor ist nichts anderes als eine Form von Kalk, und zwar zu 99%. Eine andere Möglichkeit den Abraum zu verarbeiten, ist, den Stein mehlfein zu mahlen und zu pressen und damit z.B. Skulpturen zu erschaffen. Früher war das wohl auch noch Handarbeit. Heutzutage übernehmen CNC-Maschinen die Grobarbeit, bis hin zu einer Feinheit, dass der Mensch eigentlich nur nur die Kanten wegschleifen muss. So entstehen Skulpturen, Brunnen und was auch immer.

so werden Skulpturen heute gemacht

Im Shop der Grube Fantiscritti kann man tolle Sachen aus diesem Pressmarmor, aber auch aus echtem Marmor, Onyx aus Pakistan oder der Türkei, und anderen Marmorarten kaufen. Aus überall in der Welt kommen die Materialien, die hier in Carrara zu Platten, Nutzgegenständen und vielem mehr werden. Es wird also nicht nur einheimischer Marmor verarbeitet.
Vor allem das „Marmorobst“ ist der Knaller. Es ist von echtem Obst nicht zu unterscheiden.

Das ist doch echt, klar! – Nein, ist es nicht, alles Marmor.

Wie entstand eigentlich der Marmor selbst? Vor zweihundert Millionen Jahren breitete sich im Bereich der Apuanischen Alpen ein flaches tropisches Meer aus. Korallen besiedelten damals die Meere, starben ab und bildeten Kalkablagerungen. Das Kalk wurde immer mehr und schwerer, so dass sich der Boden absank und sich die unteren Schichten verdichteten. Hoher Druck und Temperaturen bis zu 450 Grad sorgten dafür, dass aus den Kalkskeletten der Korallen, aus Muschelschalen und Kalkskeletten anderer Tiere Millionen Jahre später Marmor wurde. Je nachdem, was für Beimischungen im Kalk enthalten waren, besitzt der Marmor heute viele verschiedene Farben und Maserungen. Auch die Qualitäten sind unterschiedlich.

Von weißgrau bis bunt ist alles vertreten.

Zu dem Museum gehört auch die Hütte des Grubenverantwortlichen. Sie besaß nur einen Raum, in dem er lebte, arbeitete und schlief, inmitten der vielen lauten Geräusche des Steinbruchs. Nachts war er dann praktisch in Bereitschaft.

Es gibt sogar eine Verbindung von Carrara zu Abu Simbel. Schweden bekam 1964 bis 1968 den Auftrag, die Tempel von Abu Simbel vor den Wasser des neu anzulegenden Nasser-Stausees zu retten und zu versetzen. Eine Gruppe aus Carrara leitete die über 3000 Männer, die diese Leistung vollbrachten, bei ihrer wichtigen Arbeit an.

Voller neuer und gewaltiger Eindrücke fuhren wir zum Stellplatz, ein Parkplatz am Carrarafiere in Marina di Carrara zurück. Die Gemeinde kann sich sogar Parkplatzabgrenzungen aus Marmor leisten. Überall, wo man hinsieht, sieht man Marmor. Mehrere große Skulpturen zieren den Strand und die Promenade des Ortes, Mauern und Böden sind mit Marmorplatten belegt. Sogar die Wellenbrecher an der Mole bestehen aus Marmor. Wo hat man das schon?

Marmorskulptur am Strand von Marina di Carrara

Marina di Carrara ist ein Ferienort mit einer kleinen Stadt dahinter. Von vielen Stellen, und ganz besonders vom Strand aus, kann man die grandiose Kulisse des Fantiscritti-Steinbruchs bewundern. Da muss man einfach immer wieder hinsehen.

Carraras Kulisse vom Strand aus

Roselle

Nachdem wir nun die wohl besterhaltene Nekropole der Etrusker (Monterozzi in Tarquinia) gesehen haben, wollten wir auch die besterhaltene Stadt dieses vorrömischen Volkes kennenlernen. Die ist bei Roselle zu finden, in der toskanischen Provinz Maremma.

Kurz hinter Rom befuhren wir die römische Straße Via Aurelia, die entlang der Mittelmeerküste ans westliche Ende ihres Reiches führte. Das heißt, man kann auf der Via Aurelia (SS1) heute noch bis Frankreich und an dessen Küste entlang weiterfahren. Bei Grosetto biegt dann eine Straße nach Roselle ab, der man noch etwa 5km weit folgt. Sie endet irgendwo in der Landschaft, am Fuße eines Hügels.

Auf den letzten zweihundert Metern durchquert man die Nekropole von Roselle. Diese Straße liegt in etwa über der originalen etruskischen Straße. Oberhalb des Museumseinganges liegt das originale Pflaster offen. Es gehört zu einem Fernwanderweg durch das ehemalige etruskische Land.

In Roselle fanden wir, was wir in Tarqiunia vermisst hatten: ein Tumulus-Grab. Das Innere ist jedoch nicht begehbar. Einige Meter weiter liegen am Straßenrand, unter Baumwurzeln begraben, weitere etruskische Grabkammern, die freigelegt wurden. Sie sind viel kleiner und fast alle zerstört, von Grabmalereien keine Spur. Das Prinzip dahinter ist jedoch klar zu erkennen.

unscheinbar am Straßenrand – etruskische Grabkammern

Die Nekropole soll die gesamte Stadt außerhalb der Stadtmauer umschließen. Alle Arten von Gräbern sind da zu finden, das berichtet eine aufgestellte Tafel am Tumulus.

Der Eintritt in die wohl eindrucksvollsten Ruinen einer ganzen Stadt, samt 3km langer, fast gänzlich erhaltener Stadtmauer, kostet 4,-€. Im Gegensatz zu den 6,- bis 10,-€, die normalerweise verlangt werden, ist das ein Schnäppchen. Es ist eine wirklich unglaublich schöne und interessante Ausgrabungsstätte. Sie führt allerdings in zwei Vergangenheiten, die römische und die etruskische.

Die Stadtmauer ist ca. 5m hoch, umschließt auf 3km Länge zwei Hügel und besteht aus einem gewaltigen Zyklopenmauerwerk. Wie haben die damals nur diese riesigen Steine bewegt? In einigen dieser Kalksteine sind größere Einschlüsse von Eisenerz und Kupfererz zu finden.

Zyklopenmauerwerk als gigantische Stadtmauer

Die Etrusker handelten damals mit diesen und anderen Metallen, die sie aus dem Boden holten und verarbeiteten. In Roselle geschah das im Handwerkerviertel oberhalb der alten Stadt, aber innerhalb der Stadtmauer. Bisher grub man nur einen kleinen Abschnitt davon aus, bei dem man auch Brennöfen fand. Die Römer überbauten bei ihrer Ankunft im 4. Jahrhundert das etruskische Handwerkerviertel mit einer Schotterstraße und Wohngebäuden rechts und links davon. Mehrere Brunnen gehören zum Gelände.

Teil des etruskischen Handwerkerviertels mit Brennofen (runde Form)

Zwischen dem Handwerkerviertel und der Stadt befand sich die relativ große Zisterne. Sie bestand aus zwei unterirdischen Bogengängen. In der Mittelwand sind Öffnungen eingelassen. Die Bögen der Decke setzen sich aus vielen kleinen eckig behauenen Steinen zusammen, die mit Mörtel verbunden wurden. Keine Ahnung, wie das gehalten hat. Heute benutzt man Schlusssteine und zumindest Ziegel, um Halt in den Bogen zu bekommen.

eine Hälfte der Zisterne

Unterhalb der Zisterne beginnt das ausgegrabene antike Stadtzentrum, beginnend mit einem riesigen römischen Wohnhaus. Es besitzt unzählige Zimmer mit Mosaikfußböden, Gängen und zwei Badezimmern, die sich rund um ein Atrium gruppieren.

römischer Mosaikfußboden

Sogar ein eigener kleiner Tempel gehört zu solch einen typischen römischen Wohnhaus. Die Aussicht vom Garten auf die unterhalb liegende Ebene und die Küste ist atemberaubend.

Tempel und Garten des Wohnhauses

Im Pflaster der Straße, die an dem Wohnhaus entlang führt, sind noch die Spurrillen der Wagen zu sehen, die sich den Berg hinauf quälten.

Straße am Wohnhaus vorbei

Vom oberen Ende des Wohnhauses aus hat man einen schönen Blick über fast die gesamte Ausgrabungsstätte, den südlichen Hügel hinunter in das Tal, wo sich das Forum befand, und auf der anderen, der nördlichen Seite wieder hinauf.

Unterhalb des Wohnhauses schloss sich das römische Forum an, der Platz, auf dem sich das öffentliche Leben abspielte und große Entscheidungen für die Stadt getroffen wurden. Dieser Platz wurde von Tempeln und öffentlichen Gebäuden umschlossen.

Blick vom Wohnhaus auf das römische Forum und die darunterliegenden etruskischen Strukturen

Jetzt kommt man zum nördlichen Forum mit der Basilika und öffentlichen Versammlungsräumen. Hier hat man etwas tiefer gegraben und etruskische Mauern gefunden, die vom römischen Forum überbaut wurden. Die meisten römischen Bauten stammen aus dem 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Die Etruskerbauten sind dagegen aus dem 7.-6. Jahrhundert v.Chr.

etruskische Strukturen unterhalb des römischen Forums

Rechter Hand, nachdem man sich am nördlichen Forum umgesehen hat, sind die Thermen zu finden. Ein großes Wasserbecken ist noch komplett erhalten.

Wasserbecken der Therme

Auf dem Weg zu den Thermen kommt man an den Kaufmannsläden vorbei, an denen wiederum eine mit Wagenradspuren gezeichnete Pflasterstraße verläuft. Ist das alles aufregend! Fast hat man das Gefühl mittendrin im römischen Leben zu sein.

Kaufmannsläden

Nun steigt man den nördlichen Hügel hinauf, genießt noch einmal die Aussicht über die Stadt von der anderen Seite aus, und erreicht dann zuerst eine Art Empfangsgebäude für das Amphitheater. Man zieht Parallelen mit dem heutigen Kino, in dem man zuerst an allerlei Kiosken und Souvenirgeschäften vorbei muss, bevor man die eigentlichen Räume betreten darf.

Überblick über das antike Roselle und die Lage auf zwei Hügeln

Dann betritt man durch ein Tor das große elliptische Amphitheater. Direkt gegenüber befindet sich ein gleiches Tor. Rechts und links sind Einfahrten zu erkennen. Über der 7m hohen umlaufenden Mauer, mit kleinen diagonal stehenden Kopfsteinen verziert, waren die Zuschauerränge. Auf 7 Rängen fanden 1200 Zuschauer Platz. Die Arena ist fast 40m lang und 25m breit.

Amphitheater

Schon die Etruksker hatten an dieser Stelle ein Theater errichtet, welches die Römer dann überbauten. Das „Empfangsgebäude“ stammt noch aus dem 7. Jahrhundert v.Chr.

Wenn man vom Forum aus in Richtung Museumseingang geht, spaziert man an der originalen Römerstraße entlang, die in die Stadt Roselle führte. Am unteren Ende der Straße stand ein großer rechteckiger Brunnen. Gegenüber liegen noch die Überreste einer weiteren kleinen Therme.

antike Römerstraße in die Stadt

Wir haben also für nur 4.-€ eine ganze antike Stadt besichtigt, Geschichte erfasst und Aussichten genossen. Es war ein großartiges Erlebnis.

Unser Womo haben wir bei der großen Eni-Tankstelle im Osten von Grosetto an der SP154 stehen. Für eine Nacht war das ok.

Lampascioni

Wie schlecht muss es uns gehen, wenn wir schon Blumenzwiebeln essen? So, wie die Dinger im Supermarkt liegen, zwar in der Gemüseabteilung, waren wir der Meinung, die gehören in die Erde.

So liegen die Blumenzwiebelsn im Supermarkt.

Jetzt, am Ende unserer Italien/Sizilien-Rundreise ließen diese Zwiebeln Klaus doch keine Ruhe mehr und er machte sich im Internet schlau. Fast hätten wir die Spezialität Süditaliens verpasst, kam dabei heraus.

Aus diesen unscheinbaren Zwiebeln wachsen normalerweise Schopfige Traubenhyazinthen, sehr schön anzusehen. In Süditalien werden sie jedoch gegessen. Es bedarf einiger Vorarbeit, um sie für die Küche zu verwenden. Die gekauften Zwiebeln abwaschen und eine Nacht lang wässern, um einen Teil der Bitterstoffe abzubauen. Am nächsten Morgen die Wurzeln und Triebe der Zwiebeln abschneiden, Schale entfernen, ½ Stunde köcheln. Nun sind sie küchenfertig und haben eine leicht rosa Farbe. Nach dem Abkühlen oben kreuzweise einschneiden, das gibt nach der Zubereitung ein schönes Bild auf dem Teller.

Lampascioni im Ofen gebacken, mit viel Olivenöl

Nun können sie nach Belieben zubereitet werden: wie normales Gemüse als Beilage, frittieren oder überbacken, beides evtl. mit Panade. Eine andere Möglichkeit ist das Einlegen. Dafür gibt man die küchenfertigen Zwiebeln in ein sauberes Glas, zusammen mit kleingeschnittenem Knoblauch, Salz, Paprika, Minze, Essig und/oder Kräutern. Zuletzt mit Olivenöl auffüllen.

in Olivenöl eingelegt

Keine Ahnung, wie lange das dann stehen kann. Am besten alsbald verbrauchen, denn ist viel zu schade zum Aufheben. Die Zwiebeln sind mit ihrem feinen Geschmack und einer etwas bitteren Note sehr lecker und eine unerwartete Bereicherung.

Scalea

Zuerst dieses: Wir hatten vom Ausbruch des Ätna an Weihnachten 2018 berichtet. Inzwischen haben wir erfahren, dass dieser Ausbruch mehr oder weniger intensiv immer noch andauert. Leichte Ascheregen, Erdbeben rund um den Vulkan und die zeitweilige Schließung des Flughafens in Catania sind die Folge. Schade, dass wir den Ätna von Norden aus nicht noch einmal sehen konnten. Ich hatte es gehofft, aber die Gebirge nördlich des Ätna lassen keine Blicke auf den Vulkan zu.

Nun sind wir aber schon wieder auf dem Weg nach Norden, an der Westküste Italiens entlang. Auf Sizilien ist die Natur definitv grüner und bunter, nur mal nebenbei bemerkt.
Immer wieder sind Ruinen alter Städte oder Kastells auf den Bergspitzen nahe der ss18, die wir an der Küste entlang fahren, zu sehen.

Ruinen irgendwo zwischen Falerna und Scalea

Die nächsten paar Nächte verbringen wir auf dem Womo-Stellplatz Zio Tom in Scalea. Wir sind zusammen mit einem schwedischen Paar allein auf dem großen Platz direkt am Strand. Die Gegend ist flach, aber die Berge sind in greifbarer Nähe. Auf den Bergspitzen ab 1500m liegt Schnee. Endlich hatten wir einen richtig schönen Frühlingstag mit einer warmen leichten Brise und blauem Himmel.

Womo-Stellplatz Zio Tom in Scalea

Wie wir erfuhren, war hier am 24. Februar, als wir gerade am Strand von Milazzo standen, wettermäßig die Hölle los. Zu diesem Zeitpunkt hatte es in Griechenland und sogar auf den Ägäischen Inseln zwei Meter Schnee gegeben. In Milazzo lag morgens bis auf 200m herunter Schnee und es hatte ein starker Wind mit Stärke 7 geweht. In Scalea gab es Sturm mit Böen über 100km/h und das Meer trat über den Strand und überschwemmte die angrenzenden Gebiete. Ein deutscher Dauercamper auf dem Zio Tom Platz berichtete, dass sein Wohnwagen einen halben Meter unter Wasser stand und später vom Sturm auch noch umgekippt wurde. Auf dem Nachbarplatz liegen zwei weitere umgewehte Wohnwagen, die Openair-Waschbecken wurden mitsamt der Holzwand aus der Verankerung gerissen. Einen Kilometer die Straße nach Süden liegt die Überdachungskonstruktion eines Schwimmbeckens zusammengefallen da. Das sind so die offensichtlichsten Schäden in Scalea. Im Internet las ich, dass es in Malta bei diesem Mittelmeertief sogar lebende Fische vom Himmel regnete. Da hat es wohl irgendwo eine Wasserhose gegeben. Als wir das hörten, mussten wir an den letzten Herbst denken, als in Norditalien das große Unwetter tobte und z.B. den Hafen von Genua verwüstete sowie vielerorts für Überschwemmungen sorgte. Damals waren wir an der Ostküste nach Süden unterwegs und bekamen nur die Ausläufer wie starken Wind und Regen zu spüren, so wie dieses Mal. Drei Kreuze, da sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen.

Sturmschaden vom 24.02.2019

Ein Besuch der kleinen Stadt Diamante, auf einem Felsvorsprung gelegen, ist lohnenswert. Schon auf der Herfahrt aus Süden sahen wir das schöne Bild mit der Bogenbrücke und der hoch aufragenden Stadtkulisse. Auffällig sind die vielen gemalten Bilder an den Häuserfassaden der Stadt. Sie entstanden im Jahre 1981. Viele lokale Künstler beteiligten sich an der Aktion. Später kamen die Texte auf den Bildern dazu. Die meisten der Bilder werden in Schuss gehalten, manche verblassen langsam.

eines der Hauswand-Bilder in Diamante

Die zweite Auffälligkeit sind die Chilischoten, die überall als Werbung aufgestellt sind. Es wird sogar seit 1992 jedes Jahr Anfang September ein Chili-Festival veranstaltet, welches an die Einführung der scharfen Schote in Europa und Kalabrien erinnert. Am Straßenrand stand ein Kleinbauer, der getrocknete Chilis im Zopf verkaufte. Es war das erste Mal, das wir auf solch ein Angebot auf dieser Reise stießen. Für 3,-€ kauften wir ihm einen großen Chili-Zopf ab, dazu schenkte er uns einen kleineren zweiten.

Mitbringsel aus Diamante – Chilizopf

Man sollte also ganz in Ruhe einmal durch die engen Gassen der Altstadt, die sich einen kleinen Berg hinaufzieht, schlendern. Wie überall, in solchen alten Städten, thront eine Kirche auf dem höchsten Punkt.

Ansicht von Diamantes Altstadt

Anschließend geht man die schöne Promenade an der Küste entlang, die genügend Plätze zum Verweilen anbietet. Am südlichen Ende schweift der Blick dann über die angrenzenden Strände und Berge. Es ist wirklich hübsch in Diamante.

Promenade von Diamante

Wer sich für Geschichte interessiert, der ist bei Cirella richtig. Schon die Neandertaler lebten in dieser Gegend und jagten Mammuts, was Funde beweisen. Einige Infotafeln berichten von den Funden und dem Leben über Jahrtausende, aber leider nur auf italienisch.

Ureinwohner von Cirella

Zu griechischen Zeiten kreuzten die großen römischen Galeeren an dieser Küste entlang, um das Gebiet zurück zu erobern.
Die Reste der mittelalterlichen Stadt Cirella Vecchia auf der Bergkuppe, die im 10. Jahrhundert aufgebaut wurde, ist nicht zu übersehen. Der Zugang ist zwar offiziell verboten, aber es hindert auch niemand am Zugang. Man muss nur aufpassen, wo man seine Schritte hinsetzt. Viele Mauern stehen noch, es ist ein Kamin zu entdecken, die Reste einer Kirche oder des Kastells. Bis vor 200 Jahren sollen hier noch Menschen gelebt haben.

das alte Cirella

Zum Komplex gehören auch ein Amphitheater, welches heute noch genutzt wird, und eine Klosterruine mit herrlichem Blick über die Bucht nach Scalea und die angrenzende Berglandschaft. Beides ist jedoch im Winter geschlossen.

Scalea liegt an der Riviera del Cedri, der Küste der Zitronatzitronen. Zweimal im Jahr soll diese Zitronenart geerntet werden können. Jetzt ist die Zeit gerade vorbei. Ein kleines Cedri-Museum in einem ehemaligen Palazzo, und ein Chili-Museum geben Auskunft über die beiden Spezialitäten der Gegend. Sie befinden sich zwischen Scalea und Diamante etwas landeinwärts.

Im 16. Jahrhundert Palazzo, im 19. Jahrhundert Zuckerfabrik, heute Cedri-Museum.

Eine andere Sehenswürdigkeit ist der Torre Talao. Er sticht unter all den bisher gesehenen Verteidigungstürmen hervor. Die Aragonesen errichteten diesen massiven Turm im 16. Jahrhundert. Am Fuße des Turmes steht ein kleines Infohäuschen. Dort kann man sich zum Turm informieren und sich einer Führung anschließen, gegen eine Spende. Von der Terrasse des Turmes aus soll man einen tollen Blick über die Strände der Küste und das Hinterland haben.

Torre Talao

Inzwischen habe ich zwei weitere sizilianische Spezialitäten probiert: knuspriger Pansen und sizilianische Cassata, eine Süßspeise.

Falerna Marina

Die Überfahrt von Messina nach Villa San Giovanni hat gut geklappt. Am letzten Morgen auf Sizilien lachte sogar die Sonne. Wir hatten schon nicht mehr dran geglaubt. Das hielt bis kurz vor Pizzo an. Als wir auf dem Parkplatz am Strand von Falerna Marina ankamen, lag da eine große schwarze Wolke über der Gegend. Zudem stellten wir fest, dass es auf Sizilien Ende Februar definitiv grüner ist als in Kalabrien.

Ankunft auf dem Festland in Villa San Giovanni

Auf dem Weg von Milazzo nach Messina-Tremestieri, bis wohin wir mit unserem großen Womo fahren mussten, zählten wir 31 Brücken und 22 Tunnel. Das ist eine Strecke von ca. 35 Kilometern. Auf dem Festland, von Villa San Giovanni bis zur Abfahrt Palmi besteht die Autobahn nur aus Brücken und Tunneln, ausnahmslos.

Maut wird auf der Autobahn bis hinter die Abfahrt Divieto verlangt. Bis nach Messina ist die Autobahn dann mautfrei. Von Villa San Giovanni bis nach Falerna haben wir auch keine Maut bezahlt. Wir haben gehört, dass die Autobahn an der Westküste erst ab Neapel nordwärts mautpflichtig ist.

Endlich wieder ein Tag voller Sonne und wärmer als vorausgesagt. Beste Voraussetzungen für den Besuch eines Paradieses im Winter. Wir sollten doch unbedingt die Therme in Lamezia Terme besuchen, riet man uns unterwegs mehrfach. Es war einer der besten Ratschläge, die wir bekommen haben. Es ist wirklich ein kleines Paradies in der kalten Jahreszeit.

Kleines Paradies im Winter, auch wenn hier einiges Grün fehlt.

Die Terme Caronte in Lamezia Terme, eher im Ortsteil Caronte gelegen, zwischen zwei eng beieinanderstehenden Berghängen, sollte man sich nicht entgehen lassen. Das große Thermalbad ist über den Winter anscheinend geschlossen. Es ist eine neue Anlage, deren Außenbereich gerade renoviert bzw. erneuert wird. Oberhalb des neuen Thermalbades steht noch die alte Anlage, wahrscheinlich aus dem Ende des vorletzten Jahrhunderts. Um dieses Bad zu besuchen, sollte geöffnet sein, wird natürlich Eintritt verlangt.

alte Thermalbad-Anlage Caronte-Terme

Ganz ohne einen Euro bekommt man ein Badeerlebnis der besonderen Art auf der anderen Straßenseite. In dem kleinen Openair-Paradies kann man in schwefelhaltigem Wasser mit Badewannentemperatur relaxen. Der Schwefelanteil ist nicht sehr hoch, so dass sich die Geruchsbelästigung sehr in Grenzen hält. Die umrandete Quelle liefert sehr viel Wasser, so dass das Wasser im Bassin ständig ausgetauscht wird. Man findet kaum ein schöneres Plätzchen: in einer tollen Berglandschaft und bei kaltem Wind um die Nase im warmen Thermalwasser abhängen. Dazu ein Wasserfall gleich nebenan, über den sich das normale Bachwasser in Strömen ergießt, jedenfalls im Spätwinter. Wir waren einfach nur begeistert.

frei zugängliches Thermalwasser-Becken

Aus der Wand, an der das Badebecken anlehnt, sieht man, wie aus mehreren Löchern Wasser und Schwefeldampf austritt. Rund um die Öffnungen haben sich leuchtend gelbe Schwefelkristalle abgesetzt. Es müssen aber noch andere Salze im Wasser gelöst sein, denn der Boden der Löcher und des Bachbettes mit dem ablaufenden Thermalwasser sind mit einer weißen Masse überzogen.

Schwefel- und Salzablagerungen

Nachdem wir das Bad im natürlichen Pool bei Segesta nicht wahrnahmen, waren wir nun froh, es in Lamezia Terme geschafft zu haben.

Am letzten Abend, beim Sonnenuntergang durften wir noch einmal dem Stromboli Adieu sagen. In den letzten zwei Tagen war die Vulkaninsel nicht zu sehen, hinter einer Wolkenbank verschwunden. Nur zum Sonnenuntergang ließ er sich blicken, als wolle er uns auch Lebewohl sagen.

Sonnenuntergang mit Stromboli

Nachtrag zu Milazzo: In den Nachrichten hörten wir, dass es in Griechenland und sogar auf den Ägäischen Inseln geschneit hatte. Der Schnee lag anschließend zwei Meter hoch, dazu nicht geringe Minustemperaturen. Da brauchen wir uns nicht wundern, dass bei unserem Aufenthalt in Milazzo der Winter ausgebrochen war.

Endlich haben wir es doch noch geschafft, mit sizilianischen Zitronen einen Limoncello anzusetzen. Mal sehen wie er wird. 10 Tage müssen wir noch warten. Das Rezept haben wir in unserem Beitrag Sizilianisch Essen und Trinken aufgeschrieben.

Castellammare

Auf dem Weg zum Parkplatz am Strand, wo wir zwei Nächte lang übernachten wollten, ist es nun passiert: Wir hatten uns festgefahren, nichts ging mehr! An der Straße, die das Navi angegeben hatte, fuhren wir vorbei, so dass wir die Alternativroute über die Via Urano nehmen mussten. Mitten in dieser steil nach unten führenden Straße stoppte uns die Spitzkehre. Mit einem Zug kamen wir nicht herum, also wollte Klaus ein Stück zurück setzen. Nun saß das Wohnmobil hinten auf, erst mit dem Auspuff, dann mit dem Gehäuse des Notstromaggregats, welches größeren Schaden an der ebenfalls aufsitzenden Stoßstange verhinderte. Nach jedem Versuch, rückwärts zu fahren, rutschte der Bus weiter nach vorne, so dass die vordere Stoßstange nun ihrerseits am Bordstein aufsaß. Das Getriebe brachte einfach bei dem Gefälle die Kraft nicht auf, uns da rauszubringen. Die Straße war nun für beide Richtungen blockiert. Den Anhänger mit dem Smart hatten wir vorher schon abgekoppelt und beiseite gestellt.
Von den vielen PKW-Fahrern, die kamen, fragten nur zwei, ob wir per Telefon um Hilfe gerufen haben. Laut einem Telefonat sollten wir warten, man würde einen LKW schicken, der uns frei zieht. Es war gerade wieder Mittagspause und es kam niemand. Nachdem wir eineinhalb Stunden gewartet und die Straße blockiert hatten, versuchten wir selbst einen Abschleppdienst zu finden. Inzwischen hatte Klaus auch schon in der Nachbarschaft gefragt, ob jemand einen LKW oder Traktor besorgen könnte. Überall sah er nur Kopfschütteln.

eine abschüssige Spitzkehre wurde uns zum Verhängnis

Klaus blieb beim Bus und ich fuhr in die Stadt, zu der von Google gezeigten Werkstatt. Die schickte mich um die Ecke zu einer anderen Werkstatt, beide für PKWs. Ich versuchte mit dem Google-Übersetzer dem Werkstattchef zu erklären, welche Art von Hilfe ich brauche. Nach italienischer Art schlossen sich noch drei Leute an und ein Palaver begann, allerdings ohne Ergebnis. Sie hätten keine Möglichkeit, und einen Abschleppwagen, LKW oder Traktor, der uns helfen könnte, gäbe es in Castellammare nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit rang sich dann der Werkstattchef dazu durch, mir einen Mitarbeiter zur Seite zu stellen, um sich unser Problem anzusehen. Mit einem klapprigen, alten, kleinen Geländewagen fuhr ich mit ihm zum Womo, wo Klaus immer noch ergebnislos wartete.
Etwas ratlos sah sich der Mann unsere Situation an, brachte dann sein Stahl-Abschleppseil an der Anhängerkupplung an. Der erste Versuch scheiterte kläglich. In dem Moment kam endlich der erste Klein-LKW an. Selbst auf unsere Bitte auf Hilfe hin, und nachdem er gesehen hatte, dass unser Versuch scheiterte, setzte er zurück, drehte um und war weg. Vielen Dank, sehr freundlich.
So startete der Werkstattmann zum zweiten Versuch in einem anderen Winkel. Mit aller Kraft seines klapprigen Geländewagens und unseres Motors schafften es dann beide endlich, den Bus freizubekommen und zurück zuziehen, damit Klaus den Bus weiter durch die Kurve bringen konnte. Nach dreieinhalb Stunden endlich konnte es weitergehen. Wir drückten dem Mann 20,-€ in die Hand und bedankten uns viele Male.

Nach diesem Erlebnis erinnerten wir uns an verschiedene Vorfälle, die sich auf unserer USA/Kanada-Rundreise zugetragen haben. Mit Sicherheit hätte fast jeder geholfen, auf welche Art auch immer. Da hätte es so etwas nicht gegeben.

Den Rest des Tages ruhten wir uns am Strand aus. Wir hatten keine Lust mehr, irgend etwas zu unternehmen, nicht einmal zum Einkaufen.

Küste westlich vom Strand Castellammares

Castellammare hatten wir uns als Ausgangspunkt für einen Ausflug nach Segesta ausgesucht. Bekannt ist die Ausgrabungsstätte von Segesta. Viel zu sehen gibt es auf dem riesigen Gelände nicht, nur einen gut erhaltenen dorischen Tempel und ein großes Amphitheater aus dem 3. Jahrhundert v.Chr. Wir wollten uns die Anlage nicht ansehen, denn wir hatten Agrigento gesehen, sondern nur einen Blick riskieren. Am Eingangstor zur Anlage stehen Wegweiser, auf denen die Entfernungen zum Tempel mit 250m und zum Theater mit 1250m angegeben sind. Eine Ecke des Tempels kann man von außen noch sehen, sonst aber nichts. Die Umgebung ist jedoch sehr schön, mit dem umgebenden Bergen. Die Preise sollen sich wie folgt zusammensetzen: 5,-€ Parkplatz, der ca. 1 km entfernt ist, 1,50€ für das Shuttle zur Ausgrabungsstätte, 6,-€ Besuch der Ausgrabungsstätte.

Tempel von Segesta

Auf dem Weg von San Vito Lo Capo nach Castellammare fährt man an einem Bergmassiv vorbei, in dem an mehreren Stellen weiße Marmorsteinbrüche in den blauen Himmel leuchten. Marmor wird im Nordwesten Siziliens im großen Stil abgebaut.

Marmor-Steinbruch

Segesta hat aber noch eine Sehenswürdigkeit zu bieten: das Thermalbad Segestane. Die Luft um das Thermalbad ist leicht vom Schwefelgeruch erfüllt, welcher aus dem Flusstal herauf steigt. Heiße Schwefelquellen speisen das Bad. Um es, mit seinen drei Badebecken, zu nutzen, muss man 9,-€ Eintritt bezahlen, für max. 3 Stunden Aufenthalt. Die obligatorische Mittagspause unterbricht den Betrieb zusätzlich.

Schlucht unterhalb des Thermalbades Segestane

Unterhalb der Therme lädt ein natürliches Badebecken abseits des Flusses zu einem kostenlosen Bad ein. Die Zufahrt ist jedoch nur von der nördlich verlaufenden Straße möglich. Die letzten ca. 100m müssen dann zu Fuß bewerkstelligt werden. Leider lag das Badebecken kurz nach dem Mittag voll im Schatten und der Wind wehte echt kühl um die Ecken. Einige Leute bevölkerten trotzdem den Rand des Pools, dessen Wasser sehr warm und auch schwefelhaltig sein soll. Im Winter sollte man den Pool eher am Vormittag ansteuern, wenn es in der Sonne liegt.

natürlicher Thermalpool

Castellammare selbst ist ein Ferienort, der an einem ca. 2km langen Sandstrand liegt. Hinter der Stadt ragt eine Bergkette auf, die die Sonne im Winter frühzeitig verschwinden lässt.
Das ist nicht die ganze Wahrheit. Der Ursprung von Castellammare liegt im 14. Jahrhundert, als eine Burg zum Schutz des Hafens gebaut wurde, der zu Segesta gehörte. Um das Kastell und die kleine Bucht herum wuchs die Altstadt Castellammares, die durch eine Felsnase vom neueren Ferienort Castellammare getrennt ist. Die Lage und Übersichtlichkeit der kleinen, aber feinen Altstadt macht sie sehr sehenswert, ein richtig kleines Juwel.

das alte Castellammare

Bei einem Fleischer unterwegs fanden wir ein schon vorbereitetes Pansen (Kutteln)-Gericht, dass nur noch erwärmt werden musste. Ich wollte unbedingt auf Sizilien Pansen probieren, nachdem ich schon oft gehört habe, dass das gar nicht so schlecht schmecken soll. Nun ja, ich muss es nicht jeden Tag haben, aber zur Abwechslung auf dem Speiseplan könnte es schon das ein oder andere Mal stehen. Das Rezept habe ich für Euch in unserem Beitrag  „Essen und Trinken auf sizilianisch“ zusammengestellt.

Marsala

Inzwischen haben wir den Westen der Insel Sizilien erreicht. Je weiter man sich nach Westen bewegt, umso windiger wird es. Die oft starken Böen sind schon manchmal unangenehm, vor allem wenn man am Strand steht oder geht.
Wir sind seit Gela immer auf der ss115 gefahren, die sich die Sud-occidentale Sicula nennt. Diese Straße führt durch abwechslungsreiche sizilianische Landschaften, mal Berge, mal Hügel und mal flach. Um die zahlreichen Flusstäler zu überqueren, wurden viele neue Brücken gebaut, die zum Teil ziemlich hoch und auch ziemlich lang sind. Manchmal fährt man aber auch durch Tunnel. Ab und zu sind, meistens auf Bergspitzen sitzend, antike Überbleibsel zu sehen.

auf dem Weg Richtung Westen

Vor allem seit Selinunte breiten sich wieder viele Weinanbaugebiete rechts und links der Straße aus. Auf der Suche nach einem Stellplatz bei Marsala stießen wir auf den Platz am Beach Sibiliano Village. Der sah sehr gut aus und mit 7,-€ inkl. Strom und Wasser wäre er auch billig gewesen. Der Platz ist für Wohnmobile bis 12m ausgewiesen, aber die Zufahrten sind wieder viel zu eng. Da hatten wir mit unseren 10m schon fast Probleme. Als wir den Platz endlich erreichten, war er geschlossen, obwohl geöffnet sein sollte. Offensichtlich ist dies schon länger so. Da wir dort keine Möglichkeit mehr zum Wenden hatten und dazu noch Diesel bei laufendem Motor verloren, mussten wir uns den nebenan liegenden Parkplatz am Strand als Stellplatz aussuchen. Da war zwar eine Kette davor, aber was sollten wir machen? Es dauerte auch nicht lange, bis der Besitzer kam und meinte, wir könnten dort nicht stehen. Er war sehr nett und als wir ihm anboten, für die Übernachtung zu bezahlen, hellte sich sein Gesicht auf. Für 5,-€ pro Nacht können wir jetzt in Ruhe stehen bleiben. Wenn wir Wasser brauchen, könnten wir uns das bei ihm holen. So haben wir eine schöne Ausgangsbasis für Ausflüge nach Marsala und Mazara.
Das Problem mit dem auslaufenden Diesel stellte sich zum Glück als minimal heraus: es hatte sich nur eine Leitung gelöst, die Klaus austauschte.
Die Sonne ging am Abend in diffusem goldenen Licht unter, welches reichlich Saharasand verursachte. Der Wind wehte heftig.

goldener Sonnenuntergang dank Saharasand

Marsala ist für seinen Wein weltberühmt. Vor allem in die englischsprachigen Staaten, allen voran USA und Australien, wird der Marsala-Wein (Portwein) exportiert. Mit Hilfe von Google Maps fanden wir die Cantine Pellegrino 1880. Sofort fuhren wir hin, um zu sehen, ob wir uns einer Führung oder wenigstens einem Tasting anschließen könnten. Wie wir erfuhren, war dies der erste Tag, an dem das Tor wieder für Besucher geöffnet ist. Im Januar war allgemein geschlossen und im Februar ist nur vormittags jeweils eine Führung möglich. Ab März gelten dann wieder die offiziellen Öffnungszeiten. Für eine Führung muss man sich jedoch anmelden, so dass wir am nächsten Morgen zu 11 Uhr noch einmal hinfahren mussten.

Besuchergebäude der Cantine Pellegrino 1880

Die Führung kostet 10,-€ pro Person und dauert ca. 1 Stunde. Im Preis enthalten sind ein Weinglas, drei verschiedene Kleingebäcke und drei Weinproben. Unsere Gruppe bestand aus einem Australier, drei Italienern und uns beiden, also sehr überschaubar. Die Führung übernahm Frau Neff, eine Bayerin, die mit einem Sizilianer aus Marsala verheiratet ist und nun selbst in Marsala lebt. Sie spricht also deutsch, englisch und italienisch. Bei unserer kleinen Gruppe kam also jeder auf seine Kosten, Fragen konnten jederzeit gestellt werden. Ob dass im Rahmen einer Reisegruppe ebenso möglich ist, wage ich zu bezweifeln.
Schon die Phönizier siedelten im 6. Jahrhundert v. Chr. in Marsala, was verschiedene Ausgrabungen zutage förderten. Im Garten der Cantine Pellegrino sind Kindergräber einer Nekropole zu besichtigen, die aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. stammen.

Teil einer punischen Nekropole mit Kindergräbern

Dann kamen bald die Römer, die in Marsala begannen, Wein zu kultivieren. Die Engländer brachten 1833 den bis dahin sehr beliebten Portwein nach Marsala. Der erste Weinkeller für Marsala-Wein war die Cantine Florio, die am Hafen zu finden ist. Vor deren Tor sind noch Reste des Anlegers für die Transportschiffe zu sehen.

Eingangstor der Cantine Florio

Der Ursprung von Portwein liegt auf Madeira. Irgendwann brachte man die Produktion nach Porto in Portugal, wo der Wein seinen Namen bekam. Als dritte Portwein-Produktionsstätte wählte man Jerez de la Frontera in Südspanien aus, und dann kam man 1833 nach Marsala. An allen Standorten ist die Weinherstellung dieselbe. Da der meiste Wein zu Anfang in England verkauft wurde, nannte man ihn Portwein, da dort sowieso niemand wusste, von welchem Standort der Wein kam. Heute ist der Name Portwein rechtlich geschützt, so dass er also Madeira-Wein, Portwein, Sherry und Marsala-Wein heißt.

Zuerst bekamen wir erklärt, welche Trauben im Marsala-Wein verarbeitet werden. Es sind drei weiße Trauben und eine rote Traube. Die weißen Trauben heißen Grillo (eine Kreuzung Ende des 19. Jahrhunderts aus der Catarratto und Zibibbo-Traube), Inzolia (einst von den Griechen nach Sizilien gebracht), und Zibibbo (brachten die Araber mit). Von der roten Traube Nero d´Avola (die es seit dem Ende des 17. Jahrhunderts auf Sizilien gibt) hörten wir schon in Avola. Aus diesen vier Trauben werden in der Cantine Pellegrino 1880 zwölf Weine hergestellt. Zum Betrieb gehören nur 150 Hektar Weinreben, der Rest des Bedarfs wird von Genossenschaften im Raum Trapani zugekauft. Außerdem werden Moscato-Trauben (von der Insel Pantelleria) verarbeitet. Die Palette reicht aber auch von Grappa über Limoncello bis hin zu Kräuterlikör. Da findet jeder Weinliebhaber etwas für sich.

Garten mit den vier Weinsorten Marsalas

Der Wein wird also gelesen, vermostet und in riesigen Fässern gelagert, die es in verschiedenen Größen (z.B. 50hl, 65hl oder gar 110hl) gibt. Für die endgültige Reifung wird der Wein in kleinere 125l-Fässer umgefüllt. Dort bleibt er, bis er in Flaschen abgefüllt werden kann.
Bei der Führung durch die Weinlager kann man die Fässer besichtigen. Aus den großen Fässern werden dann die drei Weinproben gezapft, die zur Führung gehören. Dazu wird jeweils das richtige Kleingebäck/Schokolade gegessen.

Wein zapfen aus den Riesenfässern

Berühmt für Sizilien sind auch die kleinen, buntbemalten und mit Schnitzereien verzierten Karren, die von Eseln gezogen wurden. Vier noch originale Karren, zählen zum UESCO-Weltkulturerbe, sind für die Besucher ausgestellt. Mit den buntbemalten Karren wurden Menschen zu besonderen Anlässen gefahren. Für den normalen Betrieb, auch im Weinbau, benutzte man schlichte Karren.

traditionelle sizilianische Karren

Zu besichtigen sind ebenfalls ein Arbeitsplatz und Werkzeuge für die Küfer (Fassbau), sowie alte Fotografien.

Die Cantine Pellegrino 1880 beteiligte sich auch an der Rekonstruktion eines punischen Schiffes, welches in den seichten Salinen Marsalas gefunden wurde. Die Rekonstruktion fand direkt in einem der Weinlager statt. Das fertige Schiff steht seitdem im Museo Archeologico Regionale Lilibeo Marsala. Fotos, Erklärungen und ein paar Kopien von Teilen des punischen Schiffes zeugen an dieser Stelle von der Arbeit der Cantine.

Erinnerung an die Rekonstruktion des punischen Schiffes von Marsala

Alles in allem war dies eine sehr interessante und entspannte Führung. Im Anschluss hat man die Möglichkeit, weitere Weine zu probieren und diese auch zu kaufen. Die Preise sind recht hoch, aber dafür bekommt man etwas sehr exklusives. Alle Arbeiten bei der Weinherstellung werden per Hand erledigt, keine Maschinenarbeit. Portweine, vor allem die süßen, liegen bei uns ganz vorne.

Auswahl der Marsala-Weine der Cantine Pellegrino 1880

Eine andere Sehenswürdigkeit sind die Salinen nördlich von Marsala. Man kann von der Küstenstraße aus das Gelände überschauen, welches in viele Becken unterteilt ist, in dem sich das Meersalz durch Verdunstung sammelt. Mit Hilfe von Windmühlen wurde früher das Wasser in die Becken gepumpt. Sie sind heute nicht mehr funktionstüchtig. Salz wird aber immer noch gewonnen, wenn auch nicht in großen Mengen. Wer mehr über die Salinen wissen möchte, kann eine Führung für 7,-€ buchen.

Saline im Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala

Die Salinen, Heimat von Rosaflamingos, liegen gemeinsam mit mehreren Inseln im Naturschutzgebiet Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala. Die langgestreckte Insel Isola Grande schützt die Lagune vor den Unbilden der offenen See. Es werden Rundfahrten durch die Lagune für 5,-€ angeboten. Die bekannteste Insel ist San Pantaleo, auf der die antike Stadt Mozia (Mothia) lag. Auch sie wird mit einem Boot zu einer Besichtigung angefahren, was dann 10,-€ kostet. Unter den Phöniziern blühte die Stadt, die die gesamte Insel einnahm, zu einer sehr bedeutenden Handelsstadt im Mittelmeerraum auf. Wie viele punisch/griechische Gründungen auf Sizilien wurde auch Mozia durch die Karthager zerstört und nie wieder aufgebaut. Nur ein paar Ruinen und ein Museum erinnern an die einst mächtige Stadt.

Rosaflamingos fühlen sich in Salinen wohl

Im Infocenter erfuhren wir von einer verschwundenen punischen Straße vom Festland nach Mozia. Vor gut 2000 Jahren lag der Meeresspiegel einige Zentimeter tiefer als heute. So konnte eine Straße gebaut werden, die Mozia mit dem Festland im Bereich Birgi verband, ca. 1,7km lang und 7m breit war. Der Unterbau war ein Damm von bis zu 12,5m Breite. Die Straße wurde bis mindestens 1605 genutzt.

Festlandende der verschwundenen punischen Straße

Seit der Intensivierung des Weinanbaus im 18. Jahrhundert nutzte man die Straße dann wieder regelmäßig, und zwar mit den vorher schon erwähnten Karren. Deren Räder beschädigten die alten Steine der Straße jedoch erheblich, so dass sie irgendwann nicht mehr befahrbar war. Das ist einige Jahrzehnte her. Inzwischen liegt sie bis zu einem Meter unter Wasser, aber auf Google Maps ist sie noch zu erkennen.

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