A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Suchergebnisse für: “Essen

Essen aus der Natur

– neues Rezept: Pilze

Bei Lebensmitteln weiß man ganz gerne, wo es herkommt und was drin ist. Am besten geht das, wenn man sein Essen und Trinken selbst herstellt. Schon lange nehmen wir dafür auch was die Natur uns bietet. Es ist einfach zu schade, die guten Gaben nicht zu beachten. Gerade jetzt im Frühling, wenn es überall blüht und grünt, bekommt man wieder Appetit auf Frisches. Der Sommer und der Herbst verwöhnen uns dann mit Früchten aller Art. Wir haben schon einiges ausprobiert, wie ein Gemüsebett aus Brennnesseln, oder Miesmuscheln direkt mit Meerwasser gekocht. Ich möchte Euch gerne ein paar Anregungen und Rezepte weitergeben, aber beachtet bitte beim Sammeln und Pflücken, dass das Erntegut in einer sauberen Umgebung wächst.

eine Art Goldröhrlinge

Pilze -neu-

Waldpilze putzen, nicht waschen (bei Goldröhrlingen die schmierige Haut auf dem Hut abziehen), in mundgerechte Stücke schneiden, Schinkenspeck und Zwiebeln würfeln, Butter, Salz, reichlich Pfeffer, Thymian oder andere mediterrane Kräuter, Petersilie

Schinkenspeck anbraten, Zwiebelwürfel dazu, später Butter nach Belieben (hebt den Geschmack), Pilze in die Pfanne, würzen, Kräuter (außer der Petersilie) dazugeben und mindestens 20min bei geschlossenem Deckel dünsten. Wenn zu wenig Wasser, dann mit kochendem Wasser etwas nachgießen. Ganz zum Schluss die geschnittene Petersilie unterheben und sofort servieren. Ein Gedicht.

Herzmuscheln

Herzmuscheln, Olivenöl, feingeschnittene Zwiebel und Knoblauch, etwas Chilli, kleine Zucchiniwürfel, Weißwein, Sahne, Petersilie

Eine Schüssel voll Herzmuscheln sammeln und zusammen mit Meerwasser zwei Tage lang kühl stehen lassen. Wenn sich die Muscheln vom Sand befreit haben, das Wasser abgießen. Nur geschlossene Muscheln verwenden.
Olivenöl in einem großen Topf erhitzen, Zwiebel anschwitzen, Knoblauch, Chilli, Zucchini dazugeben, weiter kurz anschwitzen, dann die Muscheln hineingeben. Mit Weißwein und etwas Sahne ablöschen, Wenn sich die Muscheln geöffnet haben, kurz weiter garen, dann mit Petersilie bestreuen und servieren.

Holundersuppe  

Einen halben 10l-Eimer voll Holunderdolden, Wasser, Rotwein oder Apfelsaft, Prise Salz, Zucker nach Geschmack, Zimt, Zitronensaft, Speisestärke (reicht für 4 Portionen)

Holunderdolden gründlich waschen, Beeren von den Stielen befreien und in einen großen Topf geben. Mit etwa dreiviertel soviel Wasser wie Beeren aufgießen, dazu etwas Rotwein, Salz und Zucker, aufkochen lassen. Zwei Minuten kochen, dabei Vorsicht vor Überkochen, dann die Beeren mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken. Etwas Zitronensaft und Zimt zugeben und mit Speisestärke binden. Fertig. Wir mögen es immer, wenn alle Inhaltsstoffe auf den Teller kommen und haben die Beeren in der Suppe gelassen. Dann sollte man jedoch sehen, dass möglichst wenige Stielansätze in den Topf gelangen. Wer die Beeren aus der Suppe filtert, braucht dabei nicht so gründlich sein.

Wer viel Holunder zur Verfügung hat, kann die Suppe auch heiß in saubere Gläser füllen und für den Winter zurückstellen. Wenn man die Beeren entfernt und die Suppe in Flaschen abfüllt, hat man einen gesunden Holundersaft für die kalte Jahreszeit.

Brotaufstrich mit Beifuß

Beifuß ist für seine Fähigkeit bekannt, fettige Speisen bekömmlicher für den Magen zu machen. Ich habe jetzt eine andere Möglichkeit gefunden, Beifuß zu verwenden, und zwar als leckeren Brotaufstrich.

2 mittelgroße Äpfel, dazu von der Menge her doppelt soviel Zwiebel, 5 Rispen Beifuß (frisch oder getrocknet), 200g Butter

Äpfel waschen, vom Kerngehäuse befreien und raspeln. Beifußrispen vom Stängel streifen. Butter in einem Topf erhitzen, Zwiebel und Beifuß dazu geben, eine halbe Stunde schmoren, bis eine leichte Bräune entstanden ist. Dann die geriebenen Äpfel dazugeben und noch einmal eine halbe Stunde auf der Flamme lassen. Öfter umrühren, damit nichts anbrennt. In saubere, mit kochendem Wasser ausgespülte Gläser geben und diese verschließen. Ergibt ungefähr 250-300ml zum Probieren.

Seekohl, Meerkohl

Seekohl, Meerkohl

Für dieses Rezept können alle Teile der jungen Pflanze verwendet werden. Ist sie schon älter, einfach probieren, was noch nicht so viele Bitterstoffe enthält. Die Blätter schmecken roh ähnlich wie Kohlrabi und man kann Salat daraus machen, z.B. mit Vinaigrette oder Sauce Hollandaise.

Wir haben die weichen Stiele, Blätter und die Blütendolden verwendet, in mundgerechte Stücke geschnitten und für ca. 10min in kochendes Salzwasser gegeben. Danach gießt man den Kohl ab (Wasser auffangen). Olivenöl erhitzen, geschnittene Zwiebel anschwitzen, den geschnittenen Seekohl dazugeben. Mit Knobi, Pfeffer und Muskat würzen, ein Stück Butter dazugeben, drei Minuten durchschwenken. Wir haben dazu Spaghetti gekocht, diese mit in den Kohl gegeben und mit ein wenig Kohlwasser aufgegossen. Fertig und richtig lecker.

Holunderblüten, frittiert

einige Holunderblütendolden (voll in Blüte stehend), 150g Mehl, 2 Eier, 20ml Öl, 250ml Milch, 1 Eßl Zucker, Prise Salz

Holunderblütendolden von Insekten befreien und grob reinigen (nicht waschen), mit dem Schneebesen Mehl, Eigelben, Öl, Milch, Zucker und Salz zu einem glatten, nicht zu dicken Teig verrühren, 20 min quellen lassen, dann das steifgeschlagene Eiweiß unterheben. Die Blütendolden durch den Teig ziehen und im heißen Ölbad ausbacken, bis der Teig goldgelb ist.

Löwenzahnblütenhonig

400 g Löwenzahnblüten, möglichst ohne Stile, 2 Zitronen, 2 kg Zucker, wenig Gelatine oder Agar-Agar

Löwenzahnblüten von evtl. Insekten befreien und zusammen mit entkernten Zitronenscheiben einschl. Schale in 1 Liter Wasser kochen. 24 h stehen lassen. Dann durch ein Sieb drücken und mit dem Zucker 1 Std. lang kochen. Dabei öfter umrühren, zum Schluss Agar-Agar zugeben. In Gläser füllen und Gläser verschließen.

Kaktusfeigengelee

Reife Kaktusfeigen, die roten geben eine sehr schöne Farbe, Gelierzucker

Kaktusfeigen von Stacheln befreien, aufschneiden und aushöhlen. Das Fruchtfleisch in einen Topf geben und kochen, abkühlen und durch ein Sieb streichen. Den Saft mit Gelierzucker, Verhältnis laut Packungsanweisung, aufkochen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Heiß in die Gläser füllen und verschließen.
Die Prozedur ist zwar eine große Sauerei, durch die kleinen Stacheln und die starke Farbe, aber das Ergebnis wiegt alles auf.

Tannenspitzenlikör

3-4 handvoll hellgrüne frische Tannenspitzen, 0,7l Gin 40%, 120-130g brauner oder weißer Kandiszucker

Tannenspitzen in ein Gefäß mit weitem Hals einfüllen, Kandiszucker dazu (dunkler Kandis macht dunklen Likör), mit Gin auffüllen, Gefäß verschließen. Jeden Tag durchschütteln. 6-8 Wochen, besser ein halbes Jahr, ziehen lassen. Wenn der Likör fertig ist, filtern und in Flaschen abfüllen. Gut gekühlt servieren. Das Aroma passt gut zur Winterzeit.
PS: Endlich haben wir den Likör in Flaschen abgefüllt. Es ist November und er ist sehr gut. Das Warten hat sich gelohnt.

Brennnesseln

Brennnesseln sind sehr beliebt in der alternativen Küche. Man kann die jungen Triebe oder auch im Sommer die Triebe mitsamt den Blütenständen verwenden. Die Pflanzen sollten jedoch nicht zu alt sein. Vorsicht, mit Handschuhen arbeiten!

Blätter und Blüten von den Stängeln streifen, Stängel wegwerfen. In einer Pfanne kleingeschnittene Zwiebel in Butter glasig dünsten, dann die Brennnesseln dazugeben. Ca. 10 min mit geschlossenem Deckel gar dünsten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Das Ergebnis kann man als Gemüsebett unter einer heißen Fleischwurst essen.

Miesmuscheln

Im Norden Skandinaviens gibt es sauberes Meerwasser und jede Menge Miesmuscheln an den Küsten. Die Muscheln sind schnell gesammelt, gesäubert (nur die geschlossenen Muscheln verwenden) und direkt im Meerwasser gekocht. Da braucht es nicht mehr. Wer möchte kann gerne Zwiebeln und Petersilie dazugeben. Fertig ist das schnelle und kostenlose Gericht.

Wir werden diese Reihe unbedingt fortsetzen.

Advertisements

Giardini-Naxos

Oi-yoi-yoi, Sizilien ist noch einmal eine andere Hausnummer als der Rest Italiens: es geht noch viel enger auf den Straßen zu, und der Fahrstil ist noch einen Zacken schärfer.

Wir setzten vor drei Tagen mit der Fähre von Villa San Giovanni nach Messina über. Es gibt zwei Fährgesellschaften: Bluferries und Caronte&Tourist. Eine dritte Fähre, Telepass, gibt es auch, aber da wissen wir nicht, ob man ein besonderes Ticket dafür braucht. Telepass ist eine Art Maut, die wir von den Autobahnen her kennen.
Bei Bluferries hätten wir für das Wohnmobil und den Anhänger 114,-€ für die Überfahrt zahlen sollen. Bei Caronte&Tourist bezahlten wir 94,-€. Im Vorfeld hatte ich schon einmal im Internet nachgesehen. Da bekam ich einen Preis von 67,-€. Es lohnt sich anscheinend, doch im Voraus online zu buchen. Diese Preise sind oneway.

Messina voraus

Die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten. Die Straße von Messina ist bis heute eine der gefährlichsten Wasserstraßen der Welt. Viele Schiffe sind seit der Antike schon den unberechenbaren Strömungen zum Opfer gefallen. Odysseus befuhr auch diese Meerenge. Das war an der Stelle mit dem großen Strudel. In Scilla wurden er und seine Mannschaft dann Opfer des mehrköpfigen Ungeheuers Scylla. Nur für diejenigen, die sich für die Odyssee interessieren.

Rückblick nach Italien

In Messina angekommen fuhren wir Richtung Süden weiter. Wir hatten unterwegs einen Tipp bekommen, dass wir uns in Giardini-Naxos knapp südlich von Taormina aufhalten sollten. Eigentlich wollten wir bei Scilla auf dem Festland noch einmal übernachten und uns die Stadt ansehen, aber das hat aus Platzgründen nicht geklappt. Die Fahrstrecke wurde für diesen Tag dann zu lang und so übernachteten wir auf einem Parkplatz direkt am Strand in Nizza di Sicilia. Dort unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang. Auf unseren Reisen haben wir bisher einige Möglichkeiten gesehen, wie die Fischer ihre Boote an Land bekommen. Hier in Nizza ziehen kleine Raupen die Boote aus dem Wasser. So eine Raupe kostet sicher eine Menge Geld, trotzdem hat fast jedes Boot seine eigene Raupe, Wahnsinn. Warum kann man sich nicht eine Raupe für mehrere Boote teilen?

Jedes Boot hat seine eigene Raupe, die es an Land zieht.

Am südlichen Ende von Nizza di Sicilia erkennt man, warum der Ort nach der gleichnamigen Stadt an der Cote d´Azur benannt wurde. Es führt eine relativ breite Straße am Strand entlang, die durch eine Palmenreihe von diesem getrennt ist. Das sieht fast so aus wie im französischen Nizza.

Nizza di Sicilia

Bis dahin fuhren wir die Küstenstraße 114 entlang, was für große Fahrzeuge, wie unser Wohnmobil, zur Katastrophe werden kann. Die Ortsdurchfahrten sind viel zu eng, da passen gerade zwei PKWs aneinander vorbei. Das hieß, dass der Gegenverkehr für uns Platz machen musste. Die allermeisten Autofahrer denken aber gar nicht daran. Sie fahren, solange sie noch irgendeine Chance sehen, sich durch zu quetschen. Wenn dann nichts mehr ging, zeigten sie uns den Vogel oder guckten ungläubig. Es gibt aber auch wenige Autofahrer, die bereitwillig an die Seite fuhren, wenn es eine Möglichkeit gab. Um dem aus dem Wege zu gehen, damit hatten wir wirklich nicht gerechnet, fuhren wir bei Roccalumera auf die Autobahn, um bei Giardini-Naxos wieder abzufahren. Die sizilianische Autobahn ist mautpflichtig.

Der Stellplatz Eden-Parking war für uns jedoch nicht anfahrbar, da im Moment ein Gerüst die ohnehin schon enge Einfahrt unpassierbar für uns machte. Was nun? Wir luden das Auto ab und fuhren in der Gegend herum, um einen anderen günstigen Platz zu finden. Wir waren sogar bis San Marco, wo sich ebenfalls zwei Stellplätze befinden, schön ruhig, aber weit weg von der Stadt. Nachdem wir uns nach den Preisen erkundigt hatten, die angemessen waren, fuhren wir nach Naxos zurück, wo wir den Aurora-Parking fanden. Dort bleiben wir nun für die nächsten wahrscheinlich zwei Wochen, vielleicht länger. Ab 6 Tagen kostet der Platz mit Strom, Wasser und Entsorgung 10,-€ am Tag, Dusche kostet 50 Cent. Der Platzwart ist sehr nett, täglicher Brötchenservice. Zum Strand sind es mehrere hundert Meter.

der Ätna von seiner schönsten Seite

Das schönste am Aurora-Parking ist der direkte Blick zum benachbarten Ätna, dessen Bild sich ständig ändert, wenn er sich nicht hinter Wolken versteckt. Manchmal erheben sich Rauchwolken aus dem obersten Krater. Es ist echt beeindruckend. Hoffentlich verhält sich der Vulkan während unserer Anwesenheit friedlich. In jüngster Vergangenheit hat es mehrere Ausbrüche gegeben.

Tropea

Den hohen Spritpreisen und den vielen Kilometern geschuldet ist die nächste Abkürzung der Strecke. Anstatt weiter an der Ostküste Kalabriens bis nach Reggio di Calabria entlangzufahren, bogen wir bei Corigliano Calabro nach Westen auf die Autobahn A3 (A2) ab. Zumeist verläuft die Strecke durch die Täler des Apenninen-Gebirgszuges, nur hinter Cosenza steigt die Autobahn auf 636m Höhe an. Danach geht es wieder abwärts in Richtung Tyrrhenisches Meer. Seit Neapel ist die Autobahn mautfrei, was uns um die 15,-€ ersparte.

Autobahn Richtung Apenninen

Da es von der Abfahrt in Pizzo bis nach Tropea noch mehr als 30km sind und wir in Pizzo wieder auf die Autobahn fahren müssen, wenn wir zur Fähre nach Sizilien wollen, suchten wir uns einen Stellplatz in Pizzo. Den fanden wir unten am Strand am Lido Delfino. Da jetzt im Herbst das Strandbad geschlossen hat, ist das kein Problem. Gleich nebenan steht eine Pizzeria, aus der es am Abend lecker duftet. In Sichtweite ragt der Vulkan Stromboli aus dem Meer, der Teil der Liparischen Inseln ist. Am Ankunftsabend zeigte sich der Vulkan wolkenlos. Mit dem Fernglas war sogar auszumachen, dass von der rechten Hinterseite Rauchwolken aufsteigen. Da tut sich was im Stromboli. Wir werden sehen, dass wir irgendeine Bootsfahrt dorthin bekommen.

Stromboli im Sonnenuntergang

Eine Möglichkeit dafür bietet sich in Tropea, aber da uns auf Grund der Entfernung vom Stellplatz nach Tropea nur ein paar Stunden in der Stadt blieben, hatten wir keine Zeit für die Bootsfahrt. Dann werden wir es von Sizilien aus versuchen.

Von Pizzo nach Tropea kommt man durch mehrere Orte, wenn man direkt an der Küste bleibt. Es gibt aber auch eine Umgehungsstraße, die wir befuhren. Durch die enge, kurvige Straße der Unterstadt von Pizzo muss man trotzdem. Mit dem Wohnmobil sollte man dann doch durch die Oberstadt von Pizzo fahren, auch wenn die Straße steil bergauf geht. Immer wieder hielten wir an, um die schönen Aussichten zu genießen.

in Pizzos Unterstadt

Die Altstadt von Tropea steht hoch oben auf dem Rand eines Felsplateaus. Zuerst sahen wir uns jedoch unten am Strand um und bestiegen den einzelnen Felsen, der dort steht. Auf dessen Spitze steht seit 1780 eine Kirche, zu der ein Garten mit tollen Aussichten gehört. Die Kirche kann kostenlos besucht werden. Für den kleinen Garten werden normalerweise 2,-€ fällig. Wir brauchten die 2,-€ nicht bezahlen, vielleicht weil uns nur ca. 10 Minuten blieben, bevor der Garten für die Mittagspause geschlossen wurde.
Über eine Treppe in der Nähe des westlichen Strandes erreicht man die Altstadt von Tropea. Von einem großen „Balkon“ sieht man nun auf den einzelnen Felsen mit der Kirche obendrauf. Eine zweite Treppe auf den Berg existiert an der gegenüberliegenden Seite.

Felsen mit dem Santuario Santa Maria dell’Isola

Nun waren wir neugierig auf die Gassen. Der Spaziergang gerät zum Erlebnis und an vielen Ecken muss man staunen. „Eng, enger, am engsten“ ist wohl das Motto. Manchmal sieht man nicht einmal, ob es an der nächsten Ecke überhaupt weiter geht. Dabei sind die Häuser recht hoch. Viele Häuser sind in einem sehr schlechten Zustand, andere erfuhren schon eine Renovierung. Es tut sich etwas. Zu allem zwängen sich die Autos der Anwohner durch die Gassen, bei denen kaum 5cm auf beiden Seiten des Autos Luft bleiben. Die Fußgänger müssen sich dann in einem Hauseingang oder einer abzweigenden Gasse in Sicherheit bringen.
Für das leibliche Wohl sorgen viele Restaurants, Cafés und einige Spezialitätenläden. In der Mitte der runden Altstadt Tropeas befindet sich der Marktplatz. Von dort aus ist es in keiner Richtung weit bis zur nächsten Aussicht. Dieser Spaziergang ist einfach etwas Besonderes.

Lauschige Ecke in der Altstadt Tropeas

Nach dem Besuch Tropeas kann man weiter zum Capo Vaticano fahren. Das raue Ende der Halbinsel mit Tropea versprüht eine eigene Atmosphäre. Die Vegetation ist nicht mehr so hoch und üppig. Der Weg zum Capo Vaticano ist ohne Google Maps kaum zu finden, weil an vielen Kreuzungen und Abzweigungen kein Hinweis zu finden ist. Nur sporadisch zeigen Schilder die Richtung an.
Am Kap angekommen, steht man vor dem Leuchtturm, der jedoch militärische Sperrzone ist. Kurz vorher zweigt ein Weg nach unten zu einem Aussichtspunkt ab. Von dort aus sieht man links die Steilküste mit einem Strand. Gegenüber liegt Sizilien, allerdings war die Sicht ziemlich diesig, so dass wir nicht ausmachen konnten, was noch italienisches Festland ist und was zu Sizilien gehört. Auf der rechten Seite ist wieder der Stromboli zu sehen, der heute eine Wolkenhaube trug. Heute früh war der Vulkan ganz in Wolken gehüllt. Hätte die Pizzeria am Aussichtspunkt geöffnet, wäre das ein sehr schönes Plätzchen, um wenigstens einen Kaffee zu trinken. Von dort aus gelangt man auf einen tiefer gelegenen Fußweg, von dem aus man sicher einen schöneren Blick auf die einzelnen Felsen an der Küstenlinie hat. Leider hat die Pizzeria im Winterhalbjahr geschlossen, wie viele andere Einrichtungen an den Küsten Italiens.

Aussicht am Capo Vaticano

Um nach Pizzo zurück zu fahren, nahmen wir einige Alternativrouten zu der Strecke, die wir gekommen waren. Laut Karte ist die Straße auf der Westseite der Halbinsel schmal und sehr kurvenreich, was wir uns nach Gargano nicht schon wieder antun wollten. Dazu kommt, dass es jetzt schon um 17 Uhr dunkel ist und die Tage damit viel zu kurz sind.

Diese Gegend Kalabriens ist Zwiebelgebiet. Vor allem rote Zwiebeln werden allerorten angeboten. Natürlich kauften wir uns auch welche in einem der Spezialitätengeschäfte am Straßenrand. Wir hatten den Laden noch gar nicht ganz betreten, da wurden wir auch schon mit Kostproben verwöhnt, hübsch angerichtet in glasierten Keramikschalen: Brot mit verschiedenen Pesti oder Salaten, dazu Oliven oder Zwiebelsalat. Da fällt die Wahl schwer, die dann auf ein Pesto aus getrockneten Tomaten fiel. Dazu kauften wir einige der roten Zwiebeln.
Eine andere regionale Spezialität ist Mandelmilch mit 11% Mandelanteil. Ein halber Liter kostet 2,99€.

Policoro

Quer durch das apulische Hügelland fuhren wir weiter nach Süden, immer unserem Ziel Sizilien entgegen. Inzwischen stellte sich heraus, dass es ganz schön viele Kilometer bis in den Süden Italiens sind. Dazu ist der Sprit sehr teuer (Diesel 1,50-1,58€, Super 1,77-1,85). Deshalb entschieden wir nun, doch nicht, wie geplant, die gesamte Ostküste Italiens entlang zu fahren, sondern hier und da abzukürzen. Das erste Opfer war der Stiefelabsatz, den wir kappten, indem wir die Straße von Fasano nach Taranto nahmen.
Taranto liegt ausgebreitet an der Küste, wenn man aus den Bergen Apuliens kommt. Die Stadt sieht nicht einladend aus, schon gar nicht mit den vielen Industrie- und Hafenanlagen. Deshalb setzten wir die Fahrt an der Küste des Taranto-Golfes fort. Auf der Suche nach einem kostenlosen Stellplatz landeten wir am Strand von Policoro.

Die Küstenstadt Policoro gründet sich auf der antiken Stadt Herakleia, die im 5. Jahrhundert v.Chr. eine griechische Kolonie war. Später übernahmen die Römer die Macht, bevor die Stadt irgendwann zerstört und verlassen wurde. Einige Ruinen befinden sich ein paar Kilometer landeinwärts am Fluss Agri.
Der Sand des Strandes von Policoro ist grau statt gelb, die Strandbäder und Bar´s sind meist nicht mehr sehr einladend, die schicke Promenade war vor ungefähr zwanzig Jahren einmal schick. Da sind wir von der Adriaküste anderes gewohnt.

Promenade am Strand von Policoro

Der Wald hinter dem Stra

nd ist Naturpark, mal licht, mal Urwald, in dem offensichtlich Wildschweine leben, vor Schlangen wird gewarnt. Pilze schießen gerade in Massen aus dem Boden, da das Wetter nass und warm ist. Da werden wir doch gleich einmal eine Pilzmahlzeit aus einer Art Goldröhrlingen zubereiten. Frisches Grün zeigt sich überall, ein Herbst wie in Deutschland ist hier unbekannt. Zeichen, dass wir jetzt wirklich den sonnigen und warmen Süden erreicht haben, sind die vielen Apfelsinen- und Mandarinenbäume.

Seit über einer Woche wüten Unwetter in Nord- und Westitalien. Nun hat es auch Sizilien getroffen. Da werden wir wohl noch ein paar Tage warten, bis sich die Lage beruhigt hat und wir mit der Fähre übersetzen. Wir selbst sind auf der Ostseite Italiens kaum betroffen, hatten nur zwei Stürme, einigen Regen und leichte Gewitter.

Cesenatico

Zwischen Ravenna und Rimini liegt das schicke Hafenstädtchen Cesenatico. Es ist ein ganz besonderer Ort, denn den kleinen Hafen in der Altstadt hat 1502 niemand geringeres als Leonardo da Vinci entworfen. Im Kanal, der die Altstadt durchfließt und an dem der kleine Hafen liegt, dümpeln die alten Segelboote. Schön bunt bemalt erinnern sie an die ruhigen Zeiten vor dem Tourismus. Früher als Handelsschiffe genutzt, liegen sie heute fest vor Anker.

die alten Schiffe im Kanal von Cesenatico

Links und rechts des Kanals reihen sich Kneipen und kleine Läden. Was uns ziemlich nervt, seit wir in Italien unterwegs sind, ist, dass ausgerechnet zu der Zeit, in der wir unterwegs sind, die meisten Kneipen und Läden geschlossen bleiben. Ab der Mittagszeit bis zum Nachmittag ist Siesta, da bieten nur wenige Geschäftsleute ihre Dienste an. Das nur einmal am Rande.
Die alte Fischhalle öffnete für uns erst wieder um 16 Uhr. Bis dahin spazierten wir zum Leuchtturm am Ende des Kanals, wo sich wieder die rechteckigen großen Netze finden, die nur ins Wasser hinabgelassen und wieder hochgezogen werden. Diese sahen wir unterwegs von Comacchio bis nach Cesenatico immer wieder an vielen Kanälen, die die Küstenregion durchziehen. Der anschließende Besuch in der Fischhalle lohnte sich eher nicht. Den Großteil des Angebotes machen viel zu kleine Fische aus. Knurrhähne, Seezungen, Rotbarben usw. werden schon im „Kindesalter“ aus dem Meer gefischt. Wie soll da etwas nachwachsen?

Blick zum Leuchtturm

Um von einer Seite zur anderen des Kanals in der Altstadt zu gelangen, kann man zwei Brücken oder die kleine Fähre am „Porto Leonardo“, benutzen. Auf der rechten Kanalseite kommt man irgendwann an einem großen gelben Eckhaus mit weißen Fenstern vorbei. Dies ist wohl das Haus, in dem Leonardo da Vinci entweder gewohnt oder sich nur als Durchreisender aufgehalten hat. Ein Bild, welches ihn bei seiner Planungsarbeit am Hafen darstellt, erinnert daran.

Porto Leonardo

Unser Womo haben wir auf dem Area Comunale in Pinarella stehen, kostenlos. Pinarella ist ein Badeort wie viele an der Küste der Emilia Romagna. Jetzt im Herbst ist fast alles geschlossen, die Orte wirken wie ausgestorben. Die Straßen und Strände gehören wieder den Einheimischen.

Am Strand von Pinarella haben wir Herzmuscheln gesammelt, die dort in Massen gestrandet sind. Wir haben sie uns als Abendbrot schmecken lassen. Hier geht es zum Rezept für die selbstgemachten Herzmuscheln.

Po-Delta

Kaum hatten wir den Stellplatz im Delta des italienischen Flusses Po erreicht, empfing uns das Wetter mit einem ausgewachsenen Sturm und Regen, welches stundenlang und bis tief in die Nacht anhielt. Deshalb mussten wir unseren gerade begonnenen Rundgang durch den Fischereihafen von Goro-Gorino, dem wir einen Besuch des gleichnamigen Ortes anschließen wollten, schnell wieder beenden.
Wir stehen direkt zwischen dem Po-Goro und der Lagune am südlichen Deltarand. Durch den Sturm stieg der Wasserpegel schnell und drückte noch mehr Wasser durch die enge Schleuse zwischen beiden Gewässern, an der wir stehen. Es wurde etwas beängstigend. Müssen wir den schönen Stellplatz gleich wieder verlassen und tiefer ins Landesinnere, nach Goro, umziehen? Ein Auge hielten wir immer auf das Wasser gerichtet. Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne.

Unwetter über dem Po-Delta

Das Po-Delta ist die Heimat von Nutrias. Eine Gruppe von ihnen lebt kurz vor Goro-Gorino an einen Wasserloch. Mal schwimmen sie, mal fressen sie das satte Grün am Wasserrand. Sie sind sehr scheu und lassen sich nur aus der Entfernung fotografieren. Die nahe an ihnen vorbeifahrenden Autos stören sie dagegen nicht. Nutrias haben wir jedoch überall gesehen, wo Wasser in der Nähe ist. Leider werden viele von ihnen hier im Park des Po-Delta überfahren.

Nutrias

Das Po-Delta wird stark landwirtschaftlich genutzt. Von Möhren, Rüben und Salat bis hin zu Haselnüssen wird auf dem fruchtbaren Boden manches geerntet. Jetzt im Herbst sind aber die meisten Felder umgepflügt. Deshalb sind kaum noch Vögel im Delta unterwegs, außer den üblichen vier Reiherarten (Grau-, Silber-, Seiden-, Kuh-), Möwen, Elstern und ein paar Singvögeln. Im Ebro-Delta ist da schon mehr los um diese Jahreszeit.
Goro und Gorino sind zwei ruhige Orte. Hier hat man Zeit, hier regiert die Natur. Nur in den zwei großen Häfen sieht man so etwas wie Geschäftigkeit. Allerdings fragt man sich, angesichts der unzähligen Fischerboote: Was fangen die? Soviel Fisch kann es im Po und der Lagune gar nicht geben. Viele Boote haben Ausrüstung zum Muschelfang dabei. Vor allem Miesmuscheln und Venusmuscheln werden in den Lagunen gezüchtet. Im Sommer werden Bootstouren zu den Muschelbänken angeboten.

Von unserem Stellplatz im Fischereihafen von Gorino sehen wir einen Leuchtturm. Leider ist dieser nur mit einem Boot zu erreichen. Wir fuhren über eine Behelfsbrücke kurz vor Gorino über den Po-Goro. Diese Behelfsbrücke kostet für PKWs 2,50€ Zoll pro Überfahrt und basiert auf mehreren Betonschiffen, die nebeneinander im Po-Goro liegen. Mit lautem Gerappel, die meisten Bohlen sind lose, erreichten wir das andere Ufer und folgten der Straße auf dem Damm, bis zu deren Ende. Den Rest bis zur Po-Mündung in die Adria muss man zu Fuß gehen, allerdings mit Hindernissen und nassen Füßen am Po-Ufer entlang. Auf den letzten 50m stapelt sich das Treibholz meterhoch, so dass das Ufer der Adria unerreichbar bleibt. Einen schönen Blick auf den Leuchtturm hat man trotzdem.

Mündung des Po-Goro

Comacchio ist die heimliche Hauptstadt des Po-Deltas und war im Mittelalter ein erfolgreicher Handelshafen. Die großen Erwerbszweige sind hier das Salz und der Aal. Die Salzproduktion begann schon in der Antike, als die Etrusker die Stadt Spina gründeten, deren Reste in der Nähe von Comacchio ausgegraben wurden. Schon Spina war ein wichtiger Handelshafen. Die Etrusker, an denen man nicht vorbeikommt, wenn es um Italien geht, legten die Salinen an, die über die Jahrhunderte bis 1985 genutzt wurden. Dann wurde die Produktion eingestellt und die Natur bekam ihr Recht zurück. Nur wenige kleine Salzbauern gibt es noch. Flamingos sollen hier brüten, aber im Moment sind sie nicht da.
Die Lagunen von Comacchio sind ebenso Lebensraum der Aale, wenn sie aus der Sargassosee, östlich von Florida im Atlantik, kommen. In der Zeit von Oktober bis Dezember ziehen die Aale wieder dorthin zurück. Seit Jahrhunderten werden die Aale dann mit Hilfe von Schrankensystemen aus Holz und Weidenruten in den Kanälen gefangen. Es gab viele dieser Schrankensysteme im Delta. Die dazugehörigen Bauwerke, Wohn- und Arbeitsraum der Fischer, sind heute meist nur noch Ruinen. Aale gibt es kaum noch, deshalb ging auch dieser Erwerbszweig auf ein Minimum zurück. In der Manifattura dei Marinati, der Fischfabrik, auch Haus des Aales genannt, kann man sich auf die Spuren der Aalverarbeitung begeben. Von Oktober bis Dezember, wenn die Aale gefangen werden, ist das Museum wieder als Fabrik tätig. Dann werden die Aale angeliefert, der Kopf entfernt, und der Rest wird auf lange Spieße gefädelt. Diese werden vor große Feuer gehängt, es gibt zwölf Kamine, bis sie gut gebraten sind. Dann schichtet man sie in Fässer, die zum Abschluss mit Marinade aufgefüllt werden. Für 3,-€ Eintritt ist man dann hautnah dabei. Wir jedoch waren wohl etwas zu früh, denn die Kamine blieben kalt und die Spieße leer. Mehrere Filme erklären dann die Funktionsweise der Fischfabrik. Es wurde sogar ein Film mit Sophia Loren gedreht, der sich mit dem Aalfang und der Fischfabrik beschäftigt. Anfang Oktober findet jedes Jahr das „Aalfestival“ statt. Deshalb kamen wir mit der Erwartung nach Comacchio, dass wir überall an Ständen oder so Aal probieren könnten. Stattdessen wird der Aal für teures Geld als Konserve in Spezialitätenläden oder als teure Gerichte in den Restaurants und Trattorias angeboten.

Fischfabrik oder „Haus des Aals“ in Comacchio

Die Lagunenstadt Comacchio ist trotzdem sehr sehenswert und eine echte Konkurrenz zu Venedig. Hier ist es zu dieser Jahreszeit sehr ruhig. In aller Ruhe und Gemütlichkeit lässt es sich an den vielen schönen Kanälen und bunten Häusern entlang spazieren. Ziegelbrücken ermöglichen den Seitenwechsel. An fast jeder Ecke erhebt sich eine Kirche. Im Stadtzentrum stehen ein Uhrturm und der Weizenspeicher.

Kanäle überall

Das imposanteste Bauwerk ist die Trepponti-Brücke, die 1630 als monumentales Seetor gebaut wurde. Über mehrere Treppen kann die Trepponti-Brücke passiert werden. Gleich nebenan befindet sich der alte Fischmarkt mit der Fischhalle. Comacchio ist unserer Meinung nach ein Muss, wenn man das Po-Delta besucht.

Trepponti-Brücke

Noch eines muss ich erwähnen. Vollkommen überrascht waren wir, als wir die großen Fischernetze bei Comacchio sahen. Es ist das gleiche Prinzip, wie die chinesischen Netze in Kerala (Indien). Nur das diese dort mit einem Hebel und sechs bis acht Mann bedient werden, und hier in Comacchio mit Hilfe eines Motors funktionieren. Die großen viereckigen Netze sind stationär und werden in das Wasser abgesenkt. Nach kurzer Zeit zieht man sie hoch und der Fang, meist nur kleine Fische, die frittiert werden, werden mit einem Kescher herausgefischt. Dabei müssen die Fischer schnell sein, denn Heerscharen von kleinen Krebsen, die mit dem Netz nach oben kommen, stürzen sich ebenfalls auf die Fische. Natürlich wollen auch die Möwen ihren Anteil.

Fischernetze in Comacchio

Der zweite Stellplatz im Po-Delta, den wir nutzten, war der naturbelassene Platz „Area Sosta Camper“, direkt bei den Lagunen von Comacchio, knapp südlich der Stadt. Die breiten Strände von Porto Garibaldi, Estensi und Spina sind auch gleich in der Nähe. Dort ist inzwischen auch alles in einen Dornröschenschlaf gefallen. Nur ein paar in dicke Jacken gehüllt Spaziergänger bevölkern jetzt den Strand. Die meisten Kneipen haben bis zum Frühjahr geschlossen.

Ferrara

Nach den unterschiedlichen Beschreibungen, die wir über Ferrara gelesen haben, hatten wir irgendwie eine andere Vorstellung von der Stadt. Wir sind von unseren letzten Reisen z.B. prächtige Barock- oder Jugendstilstädte gewöhnt. Ferrara ist eine Renaissance-Stadt. Das heißt, die Architektur ist eher einfach gehalten. Renaissance bedeutet aber „Wiedergeburt der Antike“, das heißt: die nüchternen Fassaden werden durch Friese und Säulen etwas aufgelockert. Kuppeln und Arkaden sind ein anderes Merkmal. Die Renaissance ist eine italienische Erfindung aus dem 14. Jahrhundert und so alt ist Ferrara auch. Der historische Stadtkern ist noch vollkommen erhalten und besitzt deshalb den Titel UNESCO-Weltkulturerbe. Ferrara ist die Hauptstadt der norditalienischen Provinz Emilia-Romagna und liegt westlich des Po-Deltas, in der Po-Ebene. Die Stadt ist noch immer von einer Backsteinmauer umgeben.

Säulengang an der Kathedrale

Das Zentrum Ferraras wird vom Castello Estense bestimmt, welches schon seit 1385 an dieser Stelle steht. Es ist rundum von Wasser umgeben. Die Technik der Zugbrücke war für uns eine Neuigkeit. Sie erinnerte uns sofort an die Ziehbrunnen, die z.B. in der ungarischen Puszta oder auch im Baltikum benutzt werden. Ein riesengroßer Baumstamm dient als Hebel, an dessen einem Ende die Brücke und am anderen Ende eine Kette hängen. Um die Brücke zu bedienen reichen ganz sicher zwei bis drei Mann aus.

Castello Estense

Begonnen haben wir unseren Stadtrundgang am Diamantenpalast aus dem 15. Jahrhundert. Dessen Fassade besteht aus 8000 pyramidenförmigen Steinen, die wie Diamanten aussehen.
In der Verlängerung der Achse vom Diamantenpalast zum Castello Estense kommt man zum Rathaus und der Kathedrale San Giorgio, die gerade renoviert wird. Wie fast überall in Norditalien, wo wir bisher auf dieser Tour waren, steht auch in Ferrara der Glockenturm separat vom Kirchenschiff.

Eingang zum Diamantenpalast

Leider muss man als Fußgänger in der fast autofreien Stadt trotzdem aufpassen, wo man hintritt, denn die allgegenwärtigen Fahrradfahrer kommen von überall her und fahren überall hin. Das fanden wir etwas nervig, aber Ferrara ist nun einmal eine Fahrradstadt.
Man sollte auch ab und zu durch die kleinen Gassen spazieren, in denen man fast immer allein ist. Sehenswert ist vor allem die Via Capo delle Volte, die von vielen Brückenhäusern geprägt wird.

Via Capo delle Volte

Durch das Porta Paula, im Moment ebenfalls verhüllt, verlässt man die Altstadt dann in Richtung Po di Volano, einem Nebenfluss des Po. In der Nähe von dessen Ufer gelangten wir zum kostenlosen Parkplatz an der westlichen Stadtmauer zurück.

Bassano del Grappa

Traumhaft: blauer Himmel, Sonne, 25 Grad, duftende Blüten und Palmen. Südliches Flair schon am Fuße der Alpen. Adé oller deutscher Winter.
Unsere 1. Station dieser Reise war die Heimat des Grappa. In Bassano del Grappa findet man mehrere Destillerien. Eine Führung wie durch die schottischen Whisky-Destillerien oder die spanischen Sherry-Destillerien wird anscheinend in Bassano nicht angeboten. Am östlichen Brückenkopf der Ponte Vecchia, der überdachten Holzbrücke über die Brenta, ist die Destillerie B. Nardini. Für 2,20€ wird an der Bar 0,2cl Nardini-Grappa angeboten, ein sehr weicher Grappa. Natürlich werden ebenso Wasser, Bier oder andere Getränke ausgeschenkt. Für das richtige Ambiente sorgen Kupferkessel, Gläser und vor allem die Kollektion der Brände von B. Nardini.
Am westlichen Brückenkopf kann der Grappa der Destillerie Cavalin probiert werden. Die Proben werden kostenlos ausgeschänkt, über den Kauf ihrer Produkte freut sich der Anbieter.

Schankraum der Destillerie B. Nardini

Bassano del Grappa hat jedoch noch mehr zu bieten. Zu allererst ist die Altstadt, die sich zwischen der Hügelspitze und dem Fluss ausdehnt, sehr hübsch. Ganz oben befindet sich die Festung, die nicht öffentlich ist. Man kann nur auf einem Weg um die halbe Festung herum gehen, der sich am Hang entlang schlängelt. Von dort hat man aber einen schönen Blick über die „Unterstadt“ mit der Ponte Vecchia. Von dieser aus ist der Blick den Hügel hinauf mit den schmucken Häusern und der Festung mindestens ebenso schön.

Ponte Vecchia

Der Spaziergang durch die Gassen der „Oberstadt“ ist ein Erlebnis. An vielen Häuserfassaden sind noch Reste der alten Fresken zu sehen, die das gesamte Stadtbild einmal geschmückt haben. So mancher Balkon ist nett mit Blumen oder Grünpflanzen geschmückt. Mehrere Kirchen verteilen sich in der Altstadt.
Für das leibliche Wohl wird vielerorts gesorgt. Die Waren in den Delikatessenläden sind sehr teuer. Neben Grappa ist Käse ein Hauptthema der Gegend. An einigen Käsereien sind wir schon vorbeigefahren.

am Marktplatz von Bassano del Grappa

Den frühen Sonnenuntergang haben wir am Ufer der Brenta in Cartigliano genossen. Morgen geht es weiter zum Po-Delta.

Rückblick Baltikum-Rundreise

Knapp vier Monate verbrachten wir in Nordpolen und den Baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland. Auf dem Weg nach Tallinn hielten wir uns zumeist an der Küstenlinie auf, nur um Kaliningrad mussten wir einen Bogen fahren. Die Visa- und Einreiseformalitäten für die russische Enklave waren uns für die kurze Zeit, die uns dort blieb, viel zu aufwändig. Ohne Zeitdruck erreichten wir nach zweieinhalb Monaten Tallinn, den Wendepunkt der Reise.

Innenhof der Malbork (Marienburg)

Als wir losfuhren, fragten wir uns, was wir bloß den ganzen Sommer über machen sollen. Die kürzeste Route bis Tallinn ist ca. 1200km lang. Die Strecke an der Küste entlang ist aber um einiges länger, und dann gab es so viele schöne Ziele auf der Strecke, dass wir immer nur Teilstrecken zwischen 50 und 80km zu fahren hatten, manchmal sogar weniger. Oftmals verbrachten wir mehrere Tage an einem Ort, weil auch die Umgebung einiges zu bieten hatte. So kam es, dass aus unserem zweiten großen Ziel, den Lofoten in Norwegen, nichts mehr wurde. So entschieden wir uns, von Tallinn aus nach Narva an der russischen Grenze zu fahren und am Peipussee entlang die Rückreise Richtung Süden anzutreten. Während im Osten Estlands noch mehrere Stell- und Campingplätze zur Verfügung stehen, sieht es im Landesinneren von Lettland und Litauen mehr als mau aus. So mussten wir an vielen interessanten Zielen vorbeifahren, weil wir keinen Platz für unser großes Wohnmobil fanden. Tagestouren von 200km und mehr kamen da schnell zusammen, und Tankstellen boten als einzige Platz zum Übernachten. Da muss noch dran gearbeitet werden, wenn auch diese Bereiche von Lettland und Litauen mehr Besucher haben wollen. An den gut besuchten Küsten gibt es dahingehend keine Probleme.

Gefahrene Kilometer gesamt mit dem Wohnmobil: 4900. Dazu kommen unzählige Kilometer, die wir wegen der Wohnmobilgröße mit dem Smart zurücklegten.

Irischer Pub in Tallinn

Die drei Baltischen Staaten sind eigentlich sehr unterschiedlich. Jedes Land hat seine eigene Sprache. Das Litauisch und Lettisch hat wohl etwas mit einem indogermanischen Ursprung zu tun, deshalb gibt es auch keine Parallelen zu den slawischen Sprachen, von denen wir dank unserer bruchstückhaften Russischkenntnisse wenigstens hin und wieder etwas verstehen. Auffallend sind die vielen Anlehnungen an das Griechische, zumindest vom Gefühl her. Vor allem im Litauischen enden viele Wörter mit …as. Im Estnischen hängt man gerne mal ein i an, zudem ist in dieser Sprache der finnische Einfluss nicht zu übersehen. Die vielen Doppelvokale sind ein eindeutiges Zeichen dafür.
Dank der verschiedenen Sprachen dieser drei Länder können sich die Einwohner untereinander nicht verständigen. Da ist es doch ganz praktisch, dass durch die russische Besatzung das Russisch als Amtssprache in allen drei Ländern eingeführt wurde. So konnten auch wir uns etwas verständlich machen, wo wir mit Englisch nicht weiterkamen. Deutsch spricht dort so gut wie niemand, wenn er nicht unmittelbar mit deutschen Touristen zu tun hat.

Die Preise sind ebenso unterschiedlich. Das teuerste Land ist Estland, es ist auch das fortschrittlichste der drei Baltischen Staaten. Die niedrigsten Preise findet man in Lettland, welches das ärmste Land des Baltikums ist. Nur die Spritpreise liegen in Lettland höher als in Litauen. Litauen liegt irgendwo im Mittelfeld, ist aber immer noch billiger als Polen. Es macht also mehr Spaß im Baltikum einen Kaffee zu trinken oder in einem Restaurant essen zu gehen. Diese Preise sind da recht einheitlich. Das Baltikum ist also ein ziemlich günstiges Reiseziel.

Was die Straßen angeht, da nehmen sich die polnischen und litauischen Straßen kaum etwas. Abseits der großen Fernstraßen sind viele Straßen ziemlich schlecht. Es sind jedoch Anstrengungen im Gange, da etwas zu ändern. Die besten Straßen sind in Estland zu finden, wenigstens soweit dies keine untergeordneten Nebenstraßen sind. Das Schlusslicht bildet Lettland, wo es eigentlich nur asphaltierte Hauptstraßen gibt. Die allermeisten Nebenstraßen sind Schotterpisten, wovon die meisten dazu noch einen sehr hässlichen Waschbretteffekt besitzen. Diese Pisten sollte man mit mindestens 80km/h befahren, damit man den Waschbretteffekt nicht so merkt. Allerdings wird wohl das Auto früher oder später protestieren. Gerade am Kap Kolka und im Gauja Nationalpark sorgten die Waschbrettpisten dafür, dass wir viele Ziele nicht anfahren konnten.

Landschaftlich lassen die Baltischen Staaten keine Wünsche offen. Vor allem Naturfreunde kommen dort voll auf ihre Kosten. Die großen Sanddünen bei Łeba und auf der Kurischen Nehrung sind genauso beeindruckend wie die Steilwände auf Saaremaa. Je weiter man nach Norden und Osten vorankommt, umso waldreicher werden die zumeist flachen Landschaften. Von Elchen, Wölfen und Bären ist die Rede, aber nicht eines dieser Tiere konnten wir zu Gesicht bekommen. In Estland soll es sogar mehr Elche als Menschen geben. Das wären dann mindestens 1,3 Millionen. Um eine Chance auf Sichtung zu bekommen, müsste man aber weit in die tiefen Urwälder vordringen, was wiederum von den Heerscharen an Pferdefliegen (Bremsen) unmöglich gemacht wird, wenigstens ohne besonderen Schutz. Man kommt keine fünf Meter in den Wald hinein, ohne attackiert zu werden.

Große Sanddüne bei Nida

Wenn man wie wir bei über dreißig Grad Außentemperatur unterwegs ist, will man beim besten Willen nicht mehr als nötig anziehen. Bei solchen Temperaturen kommt man sich im Baltikum auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit sowieso schon wie in den Südstaaten der USA vor. Es ist das reinste Treibhausklima. Eine gute Idee wäre da vielleicht ein Hut mit sehr breiter Krempe, von dem ein Ganzkörperkondom aus Gaze bis auf den Boden reicht. Das Thema Mücken ist dafür kaum eines, außer ca. vierzehn Tage im Mai und vierzehn Tage im August, wenn die Plagegeister vermehrt auftreten. Warum das so ist, keine Ahnung, jedenfalls funktioniert die Natur in der meisten Zeit des Jahres noch und hält die Mückenpopulation in Schach.

Zu den tiefen Wäldern des Baltikums kommen noch die großen Gebiete der Moorlandschaften. Estland besteht zu einem Viertel aus Mooren und Sümpfen, in denen eine besondere Natur zu Hause ist. Man sagt, von keinem Punkt in Estland aus ist der Weg bis zum nächsten Sumpf oder Moor weiter als 10km. Das könnte in etwa stimmen.

Suwalkipark

Wir hatten uns sehr auf die reiche Blaubeer- und Pilzernte gefreut. Wälder von Blaubeerkraut verhießen reiche Beute. Geblieben waren uns nur ein paar Handvoll, denn die Einwohner der Baltischen Staaten sind noch sehr naturverbunden und leben vielfach auch von dem, was die Wälder ihnen bieten. Einen Teil ihrer Ernte verkaufen sie am Straßenrand an vorbeifahrende Kunden und verdienen sich damit ein Zubrot. Da blieb für uns nichts mehr übrig. Der heiße und trockene Sommer, der ganz Europa im Griff hatte, trug sicher auch dazu bei, dass der Ertrag nicht ganz so üppig ausfiel.
Vor allem Honig wird sehr oft und überall angeboten. Der Preis für Honig liegt nicht weit unter den üblichen Honigpreisen im Rest Europas.

Was gibt es noch? Wer Stadtbesichtigungen liebt, der ist in den drei Hauptstädten des Baltikums sehr gut aufgehoben. Vilnius, Riga und Tallinn beeindrucken jede auf ihre eigene Weise, wohl vor allem, weil die Innenstädte noch original erhalten sind. Die schönste Skyline hat Riga zu bieten, die vollständigste Stadtmauer ist in Tallinn zu finden. Die schönste Aussicht auf die Stadt bietet sich über Vilnius. Die engen mittelalterliche Gassen, die hübschen Häuser und Fassaden haben alle drei Städte gemeinsam. Man kann wunderbar bummeln oder sich ein hübsches Plätzchen in einem der vielen Cafés oder Restaurants suchen.

Skyline Riga

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Maut. In den Baltischen Staaten sind Wohnmobile von der Maut ausgenommen. In Polen ist es dagegen ziemlich kompliziert und es ist sehr angeraten, sich ausgiebig mit dem Mautthema zu beschäftigen, wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist. Es gibt zwei Kategorien: Fahrzeuge unter 3,5t und über 3,5t. Die Mautstrecken für Fahrzeuge unter 3,5t beschränken sich auf wenige Strecken. Auskunft darüber erhält man beim ADAC. Allerdings haben wir unterwegs erfahren, dass man auch mit einem leichten Wohnmobil in die über 3,5t-Kategorie rutscht, wenn man über eine bestimmte Länge kommt, z.B. durch einen Anhänger. Wo diese Grenze liegt, können wir nicht sagen, aber wir trafen jemanden, der abkassiert wurde, weil er einen Motorradanhänger hinter dem unter 3,5t-Wohnmobil herzog.

Alle Fahrzeuge über 3,5t müssen eine ViaToll-Box haben, womit die Probleme schon anfangen. Um die ViaToll-Box zu bekommen, muss man einen ViaToll-Punkt anfahren, z.B. manche Orlen-Tankstellen. Auskunft darüber, und welche Strecken von der über 3,5t-Maut betroffen sind, bekommt man über die Internetseite von ViaToll. Wir haben jedenfalls geschlagene zwei Stunden auf der Tankstelle zugebracht, weil das System von ViaToll einfach mal abgestürzt war. Man muss also die persönlichen Daten hinterlegen, sowie 120,-Zl Kaution für die ViaToll-Box und 120,-Zl Vorkasse zahlen. Das sind zusammen ca. 60,-€. Das Gerät kommt an eine bestimmte Stelle an der Frontscheibe und dann kann man problemlos die Mautstrecken fahren. Wir wollten uns das eigentlich nicht antun und nur Landstraßen fahren, aber gerade wenn man an der Küste entlang fährt, kommt man um eine Mautstraße garantiert nicht herum, nämlich die einfache Landstraße 6 nördlich von Danzig, die auch mautpflichtig ist, was jedoch vorher niemand weiß. Es heißt, dass bestimmte Autobahnen und die S-Straßen mautpflichtig sind, aber auch normale Landstraße können mautpflichtig sein. Das bekommt man jedoch zu spät mit und schon ist man in die Mautfalle getappt. Dazu kommt, dass immer wieder neue Mautstrecken dazu kommen, die nirgends aufgeführt sind. Also am besten gleich eine ViaToll-Box zulegen, dann geht man allen Problemen dahingehend aus dem Weg.

Ein anderes Problem bekommt man, wenn man die ViaToll-Box wieder abgeben will. Während man das Gerät fast flächendeckend bekommt, gibt es im Land selbst nur um die fünf Stellen, wo man sie wieder los wird. Wir kamen über Bydgoszcz nach Wollin zurück. In Wollin riefen wir bei ViaToll an, wo wir die Box wieder abgeben könnten. Da bekamen wir zur Auskunft, das dies in Bydgoszcz möglich wäre. Wenn man aber von Bydgoszcz Richtung Stettin fährt, kommt man garantiert noch einmal in Mautstrecken hinein, so dass die Box bis dorthin noch gebraucht wird. Wie soll das gehen? Eine andere Möglichkeit ist, die Box an die Zentralstelle in Poznan per Post zu schicken und dann auf das Geld zu warten. Das sollte man von Polen aus tun, weil sonst die Postgebühren viel zu hoch sind. Also wir finden, dass dieses System viel zu kompliziert ist. Wir fuhren mit dem PKW ein weiteres Mal nach Polen und gaben das ViaToll-Gerät auf der Post ab. Mal sehen, was weiter passiert.

Es war jedenfalls eine weitere tolle Tour, die wir erleben durften. Die ganze Route könnt Ihr Euch auf der Tourkarte ansehen. Vielleicht seid Ihr jetzt auch so neugierig auf das Baltikum wie wir es bei unserem Aufbruch waren. Es lohnt sich.

Lebensraum einer Kormorankollonie auf der Kurische Nehrung

Ich möchte noch anmerken, dass diese Ausführungen unsere persönlichen Eindrücke sind. Wir haben aber schon mehrfach gehört, dass es da durchaus auch andere Meinungen über bestimmte Dinge gibt. Habt Ihr noch Änderungen oder Ergänzungen, die Ihr uns mitteilen möchtet, dann bitte gern als Kommentar hinterlassen. 

Rückfahrt nach Wollin

die schönsten wildwachsenden Äpfel

Von Bromberg aus überlegten wir, wie wir zurück nach Anklam fahren sollten. Die Wahl fiel auf Naugard, die Stadt, in der Klaus´ Vater geboren wurde. Für einen Tag war die Fahrt dorthin jedoch zu weit, so dass wir in Czaplinek, Pommersche Seenplatte, den Campingplatz „Drawtur“ anfuhren. Die Tour ging dabei über die beiden Städte Piła (Schneidemühl) und Wałcz (Deutsch Krone).
Jetzt im Sommer ist der Platz „Drawtur“ sehr voll und der winzige Badestrand eignet sich kaum zum Baden, weil Surfer und Kanuten das Wasser für sich blockieren. Das Café und das Restaurant des Platzes sind wenig einladend. Die Stadt Czaplinek hat kaum etwas zu bieten, so dass wir uns auf eine kleine Rundreise machten und doch noch interessante Ecken entdeckten.
Hervorragend baden kann man an einem kleinen Waldstrand bei Pławno. Das Wasser des Sees ist sauberer als das des Drawsko-Sees, und der Betrieb hält sich in Grenzen. Um den See zu erreichen muss man in Pławno rechts in den Waldweg fahren. Es gibt kein Hinweisschild. Dieser See ist wohl auch das Tauchgewässer der Umgebung.
Fährt man den Waldweg weiter, er ist unbefestigt, gelangt man in eine abgeschiedene Gegend, in der die Zeit keine Rolle zu spielen scheint. Kleine Gehöfte verteilen sich in der Landschaft oder konzentrieren sich in zwei winzigen Orten. Die schönsten Äpfel wachsen hier und niemand will sie haben. Wir konnten nicht widerstehen und mussten einfach welche sammeln. Es wäre zu schade um so schöne Äpfel.

Allee in den Wisentpark

Als nächstes steuerten wir die Stadt Złocieniec an. Sie ist ganz hübsch, vor allem das niedliche Rathaus. Gut spazieren gehen lässt es sich aber am Fluss, der durch Złocieniec fließt. Dort erhebt sich der Schlosshügel. Das Schloss selbst gibt es nicht mehr, nur eine Tafel zeigt ein Bild und erläutert die Geschichte des Schlosses. Irgendwann im 20. Jahrhundert muss es abgerissen worden sein.
Am anderen Flussufer lädt der Wisent-Park ein. Wisente gibt es dort nicht, aber eine Allee, die von gespenstisch aussehenden Bäumen gesäumt wird. Im Park selbst wurde ein Lehrpfad eingerichtet, der über die verschiedenen Baumarten und Tiere im Park und dessen Umgebung Auskunft gibt. Einige sehr alte Bäume könnten wohl viele Geschichten des Parks erzählen.

Siemczyna-Palast

Der kleine Ort Siemczyno, früher ein wichtiger Punkt auf der historischen Route zwischen Brandenburg und der Republik Polen, ist im Prinzip ein Museumsdorf mit einem Herrenhaus mittendrin. Der Siemczyna-Palast befindet sich gerade in der Rekonstruktion. Zu ihm gehören ein Park, ein Teich und mehrere Nebengebäude. Das Landwirtschaftliche Gebäude ist schon erneuert worden und beherbergt inzwischen ein Hotel mit einem Restaurant, welches auch fremde Besucher willkommen heißt.
Durch den Ort selbst führt der „Heinrichsweg“. Er zeigt die verschiedenen Gebäude, die zum Schloss gehörten, wie die alte Sattlerei, Molkerei, Wohnhäuser usw., sogar einen Galgenhügel gab es. Der Weg schließt auch drei Seen in der Umgebung Siemczyno mit ein.

Denkmal der Stadtübernahme 1945

Nach zwei Nächten steuerten wir die vorletzte Station unserer diesjährigen Sommerreise an, Novogard (Naugard). Der Stadtmittelpunkt ist der Naugardsee mit langer Promenade, Badestrand und Bootsverleih. Hier findet jeder eine Möglichkeit sich zu entspannen.
Ganz in der Nähe befindet sich das Stadtzentrum mit dem nicht sehr attraktiven Marktplatz. Nur das Rathaus aus dem Jahre 1911 ist ganz schön. Auffallend ist das Denkmal der Stadtübernahme 1945 gleich daneben. Sehenswert ist auch die St. Marienkirche, deren Wurzeln ins 14. Jahrhundert reichen. Ein Teil der alten Stadtbefestigung zwischen Marktplatz und See ist auch noch erhalten, ansonsten hat vom alten Naugard kaum etwas die Befreiungstage im März 1945 überlebt. Wohnblocks aus den 70er Jahren dominieren die Stadt.

Übernachtet haben wir auf dem großen Parkplatz am Hotel Przystań, dem ehemaligen Bismarckhotel, am Seeufer gelegen.

Die letzten Tage verbrachten wir noch einmal auf dem Stellplatz der Familie Lafrentz bei Wollin, wo wir unsere Rundreise Anfang Mai begonnen hatten.

Beitragsnavigation

%d Bloggern gefällt das: