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Essen aus der Natur

– neues Rezept: Pilze

Bei Lebensmitteln weiß man ganz gerne, wo es herkommt und was drin ist. Am besten geht das, wenn man sein Essen und Trinken selbst herstellt. Schon lange nehmen wir dafür auch was die Natur uns bietet. Es ist einfach zu schade, die guten Gaben nicht zu beachten. Gerade jetzt im Frühling, wenn es überall blüht und grünt, bekommt man wieder Appetit auf Frisches. Der Sommer und der Herbst verwöhnen uns dann mit Früchten aller Art. Wir haben schon einiges ausprobiert, wie ein Gemüsebett aus Brennnesseln, oder Miesmuscheln direkt mit Meerwasser gekocht. Ich möchte Euch gerne ein paar Anregungen und Rezepte weitergeben, aber beachtet bitte beim Sammeln und Pflücken, dass das Erntegut in einer sauberen Umgebung wächst.

eine Art Goldröhrlinge

Pilze -neu-

Waldpilze putzen, nicht waschen (bei Goldröhrlingen die schmierige Haut auf dem Hut abziehen), in mundgerechte Stücke schneiden, Schinkenspeck und Zwiebeln würfeln, Butter, Salz, reichlich Pfeffer, Thymian oder andere mediterrane Kräuter, Petersilie

Schinkenspeck anbraten, Zwiebelwürfel dazu, später Butter nach Belieben (hebt den Geschmack), Pilze in die Pfanne, würzen, Kräuter (außer der Petersilie) dazugeben und mindestens 20min bei geschlossenem Deckel dünsten. Wenn zu wenig Wasser, dann mit kochendem Wasser etwas nachgießen. Ganz zum Schluss die geschnittene Petersilie unterheben und sofort servieren. Ein Gedicht.

Herzmuscheln

Herzmuscheln, Olivenöl, feingeschnittene Zwiebel und Knoblauch, etwas Chilli, kleine Zucchiniwürfel, Weißwein, Sahne, Petersilie

Eine Schüssel voll Herzmuscheln sammeln und zusammen mit Meerwasser zwei Tage lang kühl stehen lassen. Wenn sich die Muscheln vom Sand befreit haben, das Wasser abgießen. Nur geschlossene Muscheln verwenden.
Olivenöl in einem großen Topf erhitzen, Zwiebel anschwitzen, Knoblauch, Chilli, Zucchini dazugeben, weiter kurz anschwitzen, dann die Muscheln hineingeben. Mit Weißwein und etwas Sahne ablöschen, Wenn sich die Muscheln geöffnet haben, kurz weiter garen, dann mit Petersilie bestreuen und servieren.

Holundersuppe  

Einen halben 10l-Eimer voll Holunderdolden, Wasser, Rotwein oder Apfelsaft, Prise Salz, Zucker nach Geschmack, Zimt, Zitronensaft, Speisestärke (reicht für 4 Portionen)

Holunderdolden gründlich waschen, Beeren von den Stielen befreien und in einen großen Topf geben. Mit etwa dreiviertel soviel Wasser wie Beeren aufgießen, dazu etwas Rotwein, Salz und Zucker, aufkochen lassen. Zwei Minuten kochen, dabei Vorsicht vor Überkochen, dann die Beeren mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken. Etwas Zitronensaft und Zimt zugeben und mit Speisestärke binden. Fertig. Wir mögen es immer, wenn alle Inhaltsstoffe auf den Teller kommen und haben die Beeren in der Suppe gelassen. Dann sollte man jedoch sehen, dass möglichst wenige Stielansätze in den Topf gelangen. Wer die Beeren aus der Suppe filtert, braucht dabei nicht so gründlich sein.

Wer viel Holunder zur Verfügung hat, kann die Suppe auch heiß in saubere Gläser füllen und für den Winter zurückstellen. Wenn man die Beeren entfernt und die Suppe in Flaschen abfüllt, hat man einen gesunden Holundersaft für die kalte Jahreszeit.

Brotaufstrich mit Beifuß

Beifuß ist für seine Fähigkeit bekannt, fettige Speisen bekömmlicher für den Magen zu machen. Ich habe jetzt eine andere Möglichkeit gefunden, Beifuß zu verwenden, und zwar als leckeren Brotaufstrich.

2 mittelgroße Äpfel, dazu von der Menge her doppelt soviel Zwiebel, 5 Rispen Beifuß (frisch oder getrocknet), 200g Butter

Äpfel waschen, vom Kerngehäuse befreien und raspeln. Beifußrispen vom Stängel streifen. Butter in einem Topf erhitzen, Zwiebel und Beifuß dazu geben, eine halbe Stunde schmoren, bis eine leichte Bräune entstanden ist. Dann die geriebenen Äpfel dazugeben und noch einmal eine halbe Stunde auf der Flamme lassen. Öfter umrühren, damit nichts anbrennt. In saubere, mit kochendem Wasser ausgespülte Gläser geben und diese verschließen. Ergibt ungefähr 250-300ml zum Probieren.

Seekohl, Meerkohl

Seekohl, Meerkohl

Für dieses Rezept können alle Teile der jungen Pflanze verwendet werden. Ist sie schon älter, einfach probieren, was noch nicht so viele Bitterstoffe enthält. Die Blätter schmecken roh ähnlich wie Kohlrabi und man kann Salat daraus machen, z.B. mit Vinaigrette oder Sauce Hollandaise.

Wir haben die weichen Stiele, Blätter und die Blütendolden verwendet, in mundgerechte Stücke geschnitten und für ca. 10min in kochendes Salzwasser gegeben. Danach gießt man den Kohl ab (Wasser auffangen). Olivenöl erhitzen, geschnittene Zwiebel anschwitzen, den geschnittenen Seekohl dazugeben. Mit Knobi, Pfeffer und Muskat würzen, ein Stück Butter dazugeben, drei Minuten durchschwenken. Wir haben dazu Spaghetti gekocht, diese mit in den Kohl gegeben und mit ein wenig Kohlwasser aufgegossen. Fertig und richtig lecker.

Holunderblüten, frittiert

einige Holunderblütendolden (voll in Blüte stehend), 150g Mehl, 2 Eier, 20ml Öl, 250ml Milch, 1 Eßl Zucker, Prise Salz

Holunderblütendolden von Insekten befreien und grob reinigen (nicht waschen), mit dem Schneebesen Mehl, Eigelben, Öl, Milch, Zucker und Salz zu einem glatten, nicht zu dicken Teig verrühren, 20 min quellen lassen, dann das steifgeschlagene Eiweiß unterheben. Die Blütendolden durch den Teig ziehen und im heißen Ölbad ausbacken, bis der Teig goldgelb ist.

Löwenzahnblütenhonig

400 g Löwenzahnblüten, möglichst ohne Stile, 2 Zitronen, 2 kg Zucker, wenig Gelatine oder Agar-Agar

Löwenzahnblüten von evtl. Insekten befreien und zusammen mit entkernten Zitronenscheiben einschl. Schale in 1 Liter Wasser kochen. 24 h stehen lassen. Dann durch ein Sieb drücken und mit dem Zucker 1 Std. lang kochen. Dabei öfter umrühren, zum Schluss Agar-Agar zugeben. In Gläser füllen und Gläser verschließen.

Kaktusfeigengelee

Reife Kaktusfeigen, die roten geben eine sehr schöne Farbe, Gelierzucker

Kaktusfeigen von Stacheln befreien, aufschneiden und aushöhlen. Das Fruchtfleisch in einen Topf geben und kochen, abkühlen und durch ein Sieb streichen. Den Saft mit Gelierzucker, Verhältnis laut Packungsanweisung, aufkochen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Heiß in die Gläser füllen und verschließen.
Die Prozedur ist zwar eine große Sauerei, durch die kleinen Stacheln und die starke Farbe, aber das Ergebnis wiegt alles auf.

Tannenspitzenlikör

3-4 handvoll hellgrüne frische Tannenspitzen, 0,7l Gin 40%, 120-130g brauner oder weißer Kandiszucker

Tannenspitzen in ein Gefäß mit weitem Hals einfüllen, Kandiszucker dazu (dunkler Kandis macht dunklen Likör), mit Gin auffüllen, Gefäß verschließen. Jeden Tag durchschütteln. 6-8 Wochen, besser ein halbes Jahr, ziehen lassen. Wenn der Likör fertig ist, filtern und in Flaschen abfüllen. Gut gekühlt servieren. Das Aroma passt gut zur Winterzeit.
PS: Endlich haben wir den Likör in Flaschen abgefüllt. Es ist November und er ist sehr gut. Das Warten hat sich gelohnt.

Brennnesseln

Brennnesseln sind sehr beliebt in der alternativen Küche. Man kann die jungen Triebe oder auch im Sommer die Triebe mitsamt den Blütenständen verwenden. Die Pflanzen sollten jedoch nicht zu alt sein. Vorsicht, mit Handschuhen arbeiten!

Blätter und Blüten von den Stängeln streifen, Stängel wegwerfen. In einer Pfanne kleingeschnittene Zwiebel in Butter glasig dünsten, dann die Brennnesseln dazugeben. Ca. 10 min mit geschlossenem Deckel gar dünsten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Das Ergebnis kann man als Gemüsebett unter einer heißen Fleischwurst essen.

Miesmuscheln

Im Norden Skandinaviens gibt es sauberes Meerwasser und jede Menge Miesmuscheln an den Küsten. Die Muscheln sind schnell gesammelt, gesäubert (nur die geschlossenen Muscheln verwenden) und direkt im Meerwasser gekocht. Da braucht es nicht mehr. Wer möchte kann gerne Zwiebeln und Petersilie dazugeben. Fertig ist das schnelle und kostenlose Gericht.

Wir werden diese Reihe unbedingt fortsetzen.

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Policoro

Quer durch das apulische Hügelland fuhren wir weiter nach Süden, immer unserem Ziel Sizilien entgegen. Inzwischen stellte sich heraus, dass es ganz schön viele Kilometer bis in den Süden Italiens sind. Dazu ist der Sprit sehr teuer (Diesel 1,50-1,58€, Super 1,77-1,85). Deshalb entschieden wir nun, doch nicht, wie geplant, die gesamte Ostküste Italiens entlang zu fahren, sondern hier und da abzukürzen. Das erste Opfer war der Stiefelabsatz, den wir kappten, indem wir die Straße von Fasano nach Taranto nahmen.
Taranto liegt ausgebreitet an der Küste, wenn man aus den Bergen Apuliens kommt. Die Stadt sieht nicht einladend aus, schon gar nicht mit den vielen Industrie- und Hafenanlagen. Deshalb setzten wir die Fahrt an der Küste des Taranto-Golfes fort. Auf der Suche nach einem kostenlosen Stellplatz landeten wir am Strand von Policoro.

Die Küstenstadt Policoro gründet sich auf der antiken Stadt Herakleia, die im 5. Jahrhundert v.Chr. eine griechische Kolonie war. Später übernahmen die Römer die Macht, bevor die Stadt irgendwann zerstört und verlassen wurde. Einige Ruinen befinden sich ein paar Kilometer landeinwärts am Fluss Agri.
Der Sand des Strandes von Policoro ist grau statt gelb, die Strandbäder und Bar´s sind meist nicht mehr sehr einladend, die schicke Promenade war vor ungefähr zwanzig Jahren einmal schick. Da sind wir von der Adriaküste anderes gewohnt.

Promenade am Strand von Policoro

Der Wald hinter dem Stra

nd ist Naturpark, mal licht, mal Urwald, in dem offensichtlich Wildschweine leben, vor Schlangen wird gewarnt. Pilze schießen gerade in Massen aus dem Boden, da das Wetter nass und warm ist. Da werden wir doch gleich einmal eine Pilzmahlzeit aus einer Art Goldröhrlingen zubereiten. Frisches Grün zeigt sich überall, ein Herbst wie in Deutschland ist hier unbekannt. Zeichen, dass wir jetzt wirklich den sonnigen und warmen Süden erreicht haben, sind die vielen Apfelsinen- und Mandarinenbäume.

Seit über einer Woche wüten Unwetter in Nord- und Westitalien. Nun hat es auch Sizilien getroffen. Da werden wir wohl noch ein paar Tage warten, bis sich die Lage beruhigt hat und wir mit der Fähre übersetzen. Wir selbst sind auf der Ostseite Italiens kaum betroffen, hatten nur zwei Stürme, einigen Regen und leichte Gewitter.

Po-Delta

Kaum hatten wir den Stellplatz im Delta des italienischen Flusses Po erreicht, empfing uns das Wetter mit einem ausgewachsenen Sturm und Regen, welches stundenlang und bis tief in die Nacht anhielt. Deshalb mussten wir unseren gerade begonnenen Rundgang durch den Fischereihafen von Goro-Gorino, dem wir einen Besuch des gleichnamigen Ortes anschließen wollten, schnell wieder beenden.
Wir stehen direkt zwischen dem Po-Goro und der Lagune am südlichen Deltarand. Durch den Sturm stieg der Wasserpegel schnell und drückte noch mehr Wasser durch die enge Schleuse zwischen beiden Gewässern, an der wir stehen. Es wurde etwas beängstigend. Müssen wir den schönen Stellplatz gleich wieder verlassen und tiefer ins Landesinnere, nach Goro, umziehen? Ein Auge hielten wir immer auf das Wasser gerichtet. Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne.

Unwetter über dem Po-Delta

Das Po-Delta ist die Heimat von Nutrias. Eine Gruppe von ihnen lebt kurz vor Goro-Gorino an einen Wasserloch. Mal schwimmen sie, mal fressen sie das satte Grün am Wasserrand. Sie sind sehr scheu und lassen sich nur aus der Entfernung fotografieren. Die nahe an ihnen vorbeifahrenden Autos stören sie dagegen nicht. Nutrias haben wir jedoch überall gesehen, wo Wasser in der Nähe ist. Leider werden viele von ihnen hier im Park des Po-Delta überfahren.

Nutrias

Das Po-Delta wird stark landwirtschaftlich genutzt. Von Möhren, Rüben und Salat bis hin zu Haselnüssen wird auf dem fruchtbaren Boden manches geerntet. Jetzt im Herbst sind aber die meisten Felder umgepflügt. Deshalb sind kaum noch Vögel im Delta unterwegs, außer den üblichen vier Reiherarten (Grau-, Silber-, Seiden-, Kuh-), Möwen, Elstern und ein paar Singvögeln. Im Ebro-Delta ist da schon mehr los um diese Jahreszeit.
Goro und Gorino sind zwei ruhige Orte. Hier hat man Zeit, hier regiert die Natur. Nur in den zwei großen Häfen sieht man so etwas wie Geschäftigkeit. Allerdings fragt man sich, angesichts der unzähligen Fischerboote: Was fangen die? Soviel Fisch kann es im Po und der Lagune gar nicht geben. Viele Boote haben Ausrüstung zum Muschelfang dabei. Vor allem Miesmuscheln und Venusmuscheln werden in den Lagunen gezüchtet. Im Sommer werden Bootstouren zu den Muschelbänken angeboten.

Von unserem Stellplatz im Fischereihafen von Gorino sehen wir einen Leuchtturm. Leider ist dieser nur mit einem Boot zu erreichen. Wir fuhren über eine Behelfsbrücke kurz vor Gorino über den Po-Goro. Diese Behelfsbrücke kostet für PKWs 2,50€ Zoll pro Überfahrt und basiert auf mehreren Betonschiffen, die nebeneinander im Po-Goro liegen. Mit lautem Gerappel, die meisten Bohlen sind lose, erreichten wir das andere Ufer und folgten der Straße auf dem Damm, bis zu deren Ende. Den Rest bis zur Po-Mündung in die Adria muss man zu Fuß gehen, allerdings mit Hindernissen und nassen Füßen am Po-Ufer entlang. Auf den letzten 50m stapelt sich das Treibholz meterhoch, so dass das Ufer der Adria unerreichbar bleibt. Einen schönen Blick auf den Leuchtturm hat man trotzdem.

Mündung des Po-Goro

Comacchio ist die heimliche Hauptstadt des Po-Deltas und war im Mittelalter ein erfolgreicher Handelshafen. Die großen Erwerbszweige sind hier das Salz und der Aal. Die Salzproduktion begann schon in der Antike, als die Etrusker die Stadt Spina gründeten, deren Reste in der Nähe von Comacchio ausgegraben wurden. Schon Spina war ein wichtiger Handelshafen. Die Etrusker, an denen man nicht vorbeikommt, wenn es um Italien geht, legten die Salinen an, die über die Jahrhunderte bis 1985 genutzt wurden. Dann wurde die Produktion eingestellt und die Natur bekam ihr Recht zurück. Nur wenige kleine Salzbauern gibt es noch. Flamingos sollen hier brüten, aber im Moment sind sie nicht da.
Die Lagunen von Comacchio sind ebenso Lebensraum der Aale, wenn sie aus der Sargassosee, östlich von Florida im Atlantik, kommen. In der Zeit von Oktober bis Dezember ziehen die Aale wieder dorthin zurück. Seit Jahrhunderten werden die Aale dann mit Hilfe von Schrankensystemen aus Holz und Weidenruten in den Kanälen gefangen. Es gab viele dieser Schrankensysteme im Delta. Die dazugehörigen Bauwerke, Wohn- und Arbeitsraum der Fischer, sind heute meist nur noch Ruinen. Aale gibt es kaum noch, deshalb ging auch dieser Erwerbszweig auf ein Minimum zurück. In der Manifattura dei Marinati, der Fischfabrik, auch Haus des Aales genannt, kann man sich auf die Spuren der Aalverarbeitung begeben. Von Oktober bis Dezember, wenn die Aale gefangen werden, ist das Museum wieder als Fabrik tätig. Dann werden die Aale angeliefert, der Kopf entfernt, und der Rest wird auf lange Spieße gefädelt. Diese werden vor große Feuer gehängt, es gibt zwölf Kamine, bis sie gut gebraten sind. Dann schichtet man sie in Fässer, die zum Abschluss mit Marinade aufgefüllt werden. Für 3,-€ Eintritt ist man dann hautnah dabei. Wir jedoch waren wohl etwas zu früh, denn die Kamine blieben kalt und die Spieße leer. Mehrere Filme erklären dann die Funktionsweise der Fischfabrik. Es wurde sogar ein Film mit Sophia Loren gedreht, der sich mit dem Aalfang und der Fischfabrik beschäftigt. Anfang Oktober findet jedes Jahr das „Aalfestival“ statt. Deshalb kamen wir mit der Erwartung nach Comacchio, dass wir überall an Ständen oder so Aal probieren könnten. Stattdessen wird der Aal für teures Geld als Konserve in Spezialitätenläden oder als teure Gerichte in den Restaurants und Trattorias angeboten.

Fischfabrik oder „Haus des Aals“ in Comacchio

Die Lagunenstadt Comacchio ist trotzdem sehr sehenswert und eine echte Konkurrenz zu Venedig. Hier ist es zu dieser Jahreszeit sehr ruhig. In aller Ruhe und Gemütlichkeit lässt es sich an den vielen schönen Kanälen und bunten Häusern entlang spazieren. Ziegelbrücken ermöglichen den Seitenwechsel. An fast jeder Ecke erhebt sich eine Kirche. Im Stadtzentrum stehen ein Uhrturm und der Weizenspeicher.

Kanäle überall

Das imposanteste Bauwerk ist die Trepponti-Brücke, die 1630 als monumentales Seetor gebaut wurde. Über mehrere Treppen kann die Trepponti-Brücke passiert werden. Gleich nebenan befindet sich der alte Fischmarkt mit der Fischhalle. Comacchio ist unserer Meinung nach ein Muss, wenn man das Po-Delta besucht.

Trepponti-Brücke

Noch eines muss ich erwähnen. Vollkommen überrascht waren wir, als wir die großen Fischernetze bei Comacchio sahen. Es ist das gleiche Prinzip, wie die chinesischen Netze in Kerala (Indien). Nur das diese dort mit einem Hebel und sechs bis acht Mann bedient werden, und hier in Comacchio mit Hilfe eines Motors funktionieren. Die großen viereckigen Netze sind stationär und werden in das Wasser abgesenkt. Nach kurzer Zeit zieht man sie hoch und der Fang, meist nur kleine Fische, die frittiert werden, werden mit einem Kescher herausgefischt. Dabei müssen die Fischer schnell sein, denn Heerscharen von kleinen Krebsen, die mit dem Netz nach oben kommen, stürzen sich ebenfalls auf die Fische. Natürlich wollen auch die Möwen ihren Anteil.

Fischernetze in Comacchio

Der zweite Stellplatz im Po-Delta, den wir nutzten, war der naturbelassene Platz „Area Sosta Camper“, direkt bei den Lagunen von Comacchio, knapp südlich der Stadt. Die breiten Strände von Porto Garibaldi, Estensi und Spina sind auch gleich in der Nähe. Dort ist inzwischen auch alles in einen Dornröschenschlaf gefallen. Nur ein paar in dicke Jacken gehüllt Spaziergänger bevölkern jetzt den Strand. Die meisten Kneipen haben bis zum Frühjahr geschlossen.

Rückblick Baltikum-Rundreise

Knapp vier Monate verbrachten wir in Nordpolen und den Baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland. Auf dem Weg nach Tallinn hielten wir uns zumeist an der Küstenlinie auf, nur um Kaliningrad mussten wir einen Bogen fahren. Die Visa- und Einreiseformalitäten für die russische Enklave waren uns für die kurze Zeit, die uns dort blieb, viel zu aufwändig. Ohne Zeitdruck erreichten wir nach zweieinhalb Monaten Tallinn, den Wendepunkt der Reise.

Innenhof der Malbork (Marienburg)

Als wir losfuhren, fragten wir uns, was wir bloß den ganzen Sommer über machen sollen. Die kürzeste Route bis Tallinn ist ca. 1200km lang. Die Strecke an der Küste entlang ist aber um einiges länger, und dann gab es so viele schöne Ziele auf der Strecke, dass wir immer nur Teilstrecken zwischen 50 und 80km zu fahren hatten, manchmal sogar weniger. Oftmals verbrachten wir mehrere Tage an einem Ort, weil auch die Umgebung einiges zu bieten hatte. So kam es, dass aus unserem zweiten großen Ziel, den Lofoten in Norwegen, nichts mehr wurde. So entschieden wir uns, von Tallinn aus nach Narva an der russischen Grenze zu fahren und am Peipussee entlang die Rückreise Richtung Süden anzutreten. Während im Osten Estlands noch mehrere Stell- und Campingplätze zur Verfügung stehen, sieht es im Landesinneren von Lettland und Litauen mehr als mau aus. So mussten wir an vielen interessanten Zielen vorbeifahren, weil wir keinen Platz für unser großes Wohnmobil fanden. Tagestouren von 200km und mehr kamen da schnell zusammen, und Tankstellen boten als einzige Platz zum Übernachten. Da muss noch dran gearbeitet werden, wenn auch diese Bereiche von Lettland und Litauen mehr Besucher haben wollen. An den gut besuchten Küsten gibt es dahingehend keine Probleme.

Gefahrene Kilometer gesamt mit dem Wohnmobil: 4900. Dazu kommen unzählige Kilometer, die wir wegen der Wohnmobilgröße mit dem Smart zurücklegten.

Irischer Pub in Tallinn

Die drei Baltischen Staaten sind eigentlich sehr unterschiedlich. Jedes Land hat seine eigene Sprache. Das Litauisch und Lettisch hat wohl etwas mit einem indogermanischen Ursprung zu tun, deshalb gibt es auch keine Parallelen zu den slawischen Sprachen, von denen wir dank unserer bruchstückhaften Russischkenntnisse wenigstens hin und wieder etwas verstehen. Auffallend sind die vielen Anlehnungen an das Griechische, zumindest vom Gefühl her. Vor allem im Litauischen enden viele Wörter mit …as. Im Estnischen hängt man gerne mal ein i an, zudem ist in dieser Sprache der finnische Einfluss nicht zu übersehen. Die vielen Doppelvokale sind ein eindeutiges Zeichen dafür.
Dank der verschiedenen Sprachen dieser drei Länder können sich die Einwohner untereinander nicht verständigen. Da ist es doch ganz praktisch, dass durch die russische Besatzung das Russisch als Amtssprache in allen drei Ländern eingeführt wurde. So konnten auch wir uns etwas verständlich machen, wo wir mit Englisch nicht weiterkamen. Deutsch spricht dort so gut wie niemand, wenn er nicht unmittelbar mit deutschen Touristen zu tun hat.

Die Preise sind ebenso unterschiedlich. Das teuerste Land ist Estland, es ist auch das fortschrittlichste der drei Baltischen Staaten. Die niedrigsten Preise findet man in Lettland, welches das ärmste Land des Baltikums ist. Nur die Spritpreise liegen in Lettland höher als in Litauen. Litauen liegt irgendwo im Mittelfeld, ist aber immer noch billiger als Polen. Es macht also mehr Spaß im Baltikum einen Kaffee zu trinken oder in einem Restaurant essen zu gehen. Diese Preise sind da recht einheitlich. Das Baltikum ist also ein ziemlich günstiges Reiseziel.

Was die Straßen angeht, da nehmen sich die polnischen und litauischen Straßen kaum etwas. Abseits der großen Fernstraßen sind viele Straßen ziemlich schlecht. Es sind jedoch Anstrengungen im Gange, da etwas zu ändern. Die besten Straßen sind in Estland zu finden, wenigstens soweit dies keine untergeordneten Nebenstraßen sind. Das Schlusslicht bildet Lettland, wo es eigentlich nur asphaltierte Hauptstraßen gibt. Die allermeisten Nebenstraßen sind Schotterpisten, wovon die meisten dazu noch einen sehr hässlichen Waschbretteffekt besitzen. Diese Pisten sollte man mit mindestens 80km/h befahren, damit man den Waschbretteffekt nicht so merkt. Allerdings wird wohl das Auto früher oder später protestieren. Gerade am Kap Kolka und im Gauja Nationalpark sorgten die Waschbrettpisten dafür, dass wir viele Ziele nicht anfahren konnten.

Landschaftlich lassen die Baltischen Staaten keine Wünsche offen. Vor allem Naturfreunde kommen dort voll auf ihre Kosten. Die großen Sanddünen bei Łeba und auf der Kurischen Nehrung sind genauso beeindruckend wie die Steilwände auf Saaremaa. Je weiter man nach Norden und Osten vorankommt, umso waldreicher werden die zumeist flachen Landschaften. Von Elchen, Wölfen und Bären ist die Rede, aber nicht eines dieser Tiere konnten wir zu Gesicht bekommen. In Estland soll es sogar mehr Elche als Menschen geben. Das wären dann mindestens 1,3 Millionen. Um eine Chance auf Sichtung zu bekommen, müsste man aber weit in die tiefen Urwälder vordringen, was wiederum von den Heerscharen an Pferdefliegen (Bremsen) unmöglich gemacht wird, wenigstens ohne besonderen Schutz. Man kommt keine fünf Meter in den Wald hinein, ohne attackiert zu werden.

Große Sanddüne bei Nida

Wenn man wie wir bei über dreißig Grad Außentemperatur unterwegs ist, will man beim besten Willen nicht mehr als nötig anziehen. Bei solchen Temperaturen kommt man sich im Baltikum auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit sowieso schon wie in den Südstaaten der USA vor. Es ist das reinste Treibhausklima. Eine gute Idee wäre da vielleicht ein Hut mit sehr breiter Krempe, von dem ein Ganzkörperkondom aus Gaze bis auf den Boden reicht. Das Thema Mücken ist dafür kaum eines, außer ca. vierzehn Tage im Mai und vierzehn Tage im August, wenn die Plagegeister vermehrt auftreten. Warum das so ist, keine Ahnung, jedenfalls funktioniert die Natur in der meisten Zeit des Jahres noch und hält die Mückenpopulation in Schach.

Zu den tiefen Wäldern des Baltikums kommen noch die großen Gebiete der Moorlandschaften. Estland besteht zu einem Viertel aus Mooren und Sümpfen, in denen eine besondere Natur zu Hause ist. Man sagt, von keinem Punkt in Estland aus ist der Weg bis zum nächsten Sumpf oder Moor weiter als 10km. Das könnte in etwa stimmen.

Suwalkipark

Wir hatten uns sehr auf die reiche Blaubeer- und Pilzernte gefreut. Wälder von Blaubeerkraut verhießen reiche Beute. Geblieben waren uns nur ein paar Handvoll, denn die Einwohner der Baltischen Staaten sind noch sehr naturverbunden und leben vielfach auch von dem, was die Wälder ihnen bieten. Einen Teil ihrer Ernte verkaufen sie am Straßenrand an vorbeifahrende Kunden und verdienen sich damit ein Zubrot. Da blieb für uns nichts mehr übrig. Der heiße und trockene Sommer, der ganz Europa im Griff hatte, trug sicher auch dazu bei, dass der Ertrag nicht ganz so üppig ausfiel.
Vor allem Honig wird sehr oft und überall angeboten. Der Preis für Honig liegt nicht weit unter den üblichen Honigpreisen im Rest Europas.

Was gibt es noch? Wer Stadtbesichtigungen liebt, der ist in den drei Hauptstädten des Baltikums sehr gut aufgehoben. Vilnius, Riga und Tallinn beeindrucken jede auf ihre eigene Weise, wohl vor allem, weil die Innenstädte noch original erhalten sind. Die schönste Skyline hat Riga zu bieten, die vollständigste Stadtmauer ist in Tallinn zu finden. Die schönste Aussicht auf die Stadt bietet sich über Vilnius. Die engen mittelalterliche Gassen, die hübschen Häuser und Fassaden haben alle drei Städte gemeinsam. Man kann wunderbar bummeln oder sich ein hübsches Plätzchen in einem der vielen Cafés oder Restaurants suchen.

Skyline Riga

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Maut. In den Baltischen Staaten sind Wohnmobile von der Maut ausgenommen. In Polen ist es dagegen ziemlich kompliziert und es ist sehr angeraten, sich ausgiebig mit dem Mautthema zu beschäftigen, wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist. Es gibt zwei Kategorien: Fahrzeuge unter 3,5t und über 3,5t. Die Mautstrecken für Fahrzeuge unter 3,5t beschränken sich auf wenige Strecken. Auskunft darüber erhält man beim ADAC. Allerdings haben wir unterwegs erfahren, dass man auch mit einem leichten Wohnmobil in die über 3,5t-Kategorie rutscht, wenn man über eine bestimmte Länge kommt, z.B. durch einen Anhänger. Wo diese Grenze liegt, können wir nicht sagen, aber wir trafen jemanden, der abkassiert wurde, weil er einen Motorradanhänger hinter dem unter 3,5t-Wohnmobil herzog.

Alle Fahrzeuge über 3,5t müssen eine ViaToll-Box haben, womit die Probleme schon anfangen. Um die ViaToll-Box zu bekommen, muss man einen ViaToll-Punkt anfahren, z.B. manche Orlen-Tankstellen. Auskunft darüber, und welche Strecken von der über 3,5t-Maut betroffen sind, bekommt man über die Internetseite von ViaToll. Wir haben jedenfalls geschlagene zwei Stunden auf der Tankstelle zugebracht, weil das System von ViaToll einfach mal abgestürzt war. Man muss also die persönlichen Daten hinterlegen, sowie 120,-Zl Kaution für die ViaToll-Box und 120,-Zl Vorkasse zahlen. Das sind zusammen ca. 60,-€. Das Gerät kommt an eine bestimmte Stelle an der Frontscheibe und dann kann man problemlos die Mautstrecken fahren. Wir wollten uns das eigentlich nicht antun und nur Landstraßen fahren, aber gerade wenn man an der Küste entlang fährt, kommt man um eine Mautstraße garantiert nicht herum, nämlich die einfache Landstraße 6 nördlich von Danzig, die auch mautpflichtig ist, was jedoch vorher niemand weiß. Es heißt, dass bestimmte Autobahnen und die S-Straßen mautpflichtig sind, aber auch normale Landstraße können mautpflichtig sein. Das bekommt man jedoch zu spät mit und schon ist man in die Mautfalle getappt. Dazu kommt, dass immer wieder neue Mautstrecken dazu kommen, die nirgends aufgeführt sind. Also am besten gleich eine ViaToll-Box zulegen, dann geht man allen Problemen dahingehend aus dem Weg.

Ein anderes Problem bekommt man, wenn man die ViaToll-Box wieder abgeben will. Während man das Gerät fast flächendeckend bekommt, gibt es im Land selbst nur um die fünf Stellen, wo man sie wieder los wird. Wir kamen über Bydgoszcz nach Wollin zurück. In Wollin riefen wir bei ViaToll an, wo wir die Box wieder abgeben könnten. Da bekamen wir zur Auskunft, das dies in Bydgoszcz möglich wäre. Wenn man aber von Bydgoszcz Richtung Stettin fährt, kommt man garantiert noch einmal in Mautstrecken hinein, so dass die Box bis dorthin noch gebraucht wird. Wie soll das gehen? Eine andere Möglichkeit ist, die Box an die Zentralstelle in Poznan per Post zu schicken und dann auf das Geld zu warten. Das sollte man von Polen aus tun, weil sonst die Postgebühren viel zu hoch sind. Also wir finden, dass dieses System viel zu kompliziert ist. Wir fuhren mit dem PKW ein weiteres Mal nach Polen und gaben das ViaToll-Gerät auf der Post ab. Mal sehen, was weiter passiert.

Es war jedenfalls eine weitere tolle Tour, die wir erleben durften. Die ganze Route könnt Ihr Euch auf der Tourkarte ansehen. Vielleicht seid Ihr jetzt auch so neugierig auf das Baltikum wie wir es bei unserem Aufbruch waren. Es lohnt sich.

Lebensraum einer Kormorankollonie auf der Kurische Nehrung

Ich möchte noch anmerken, dass diese Ausführungen unsere persönlichen Eindrücke sind. Wir haben aber schon mehrfach gehört, dass es da durchaus auch andere Meinungen über bestimmte Dinge gibt. Habt Ihr noch Änderungen oder Ergänzungen, die Ihr uns mitteilen möchtet, dann bitte gern als Kommentar hinterlassen. 

Lahemaa Nationalpark

Land der Buchten und Steine

Der größte Nationalpark Estlands ist zugleich der nördlichste Punkt unserer Baltikumreise. Wir brauchten viel zu lange, um hierher zu kommen. Es waren einfach viel zu viele schöne Reiseziele, die auf unserem Weg lagen. Deshalb werden wir nicht über Finnland, Schweden und die Lofoten nach Deutschland zurückfahren, sondern die Baltischen Staaten über das Landesinnere in Richtung Polen verlassen. Es wäre doch zu schade, die vielleicht genauso vielen Reiseziele im Landesinneren auszulassen.
Lahemaa heißt: Land der Buchten. Der Nationalpark umfasst vier Halbinseln, dazu das Land bis zur Fernstraße 1 und der großzügige Teil des Finnischen Meerbusens, der die Halbinseln umspült. Es ist eine Gegend, in der Naturliebhaber voll auf ihre Kosten kommen. Sogar die allermeisten Straßen sind ausgebaut. Bären und Elche zu beobachten, dafür kommen die meisten Touristen in dieses Gebiet, ist aber leider eher unwahrscheinlich.

Wasserfall Nõmmeveski

Von unserem Stellplatz in dem kleinen Hafen Vergi aus, auf der rechten Halbinsel, erkundeten wir einige Orte des Lahemaa Nationalparks. Es ist nicht nur das Land der Buchten, sondern auch das Land der Steine. Unzählige Findlinge aus der letzten Eiszeit liegen in der Gegend herum. Die Kalksteinkante, der wir im Norden Saaremaas begegnet sind und die ihren Anfang auf Gotland nimmt, setzt sich an der Nordküste Estlands fort. Besonders schön sieht man es am Wasserfall Nõmmeveski südlich der Eru Bucht. Das Wasser fällt zwar nur über eine knapp zwei Meter hohe Kante, aber die Lage und die Landschaft drumherum sind toll. Die senkrechten Kalksteinwände sind bis zu zwanzig Meter hoch. Es ist das erste Mal, dass wir abseits der Küste solche Höhenunterschiede gesehen haben. Der Fluss Valgejõgi hat sich da ein schönes Bett gegraben.
Geht man den Weg am Fluss unterhalb des Wasserfalls weiter, stößt man auf die Ruinen eines kleinen Wasserkraftwerkes, welches aus der sowjetischen Zeit stammen könnte. Das Wasser, welches eine Turbine antrieb, wurde über einen auf Stelzen stehenden Betonkanal dorthin gebracht.

Virubog

Ein Hochmoor kann man bei Kolga erleben. Durch das Virubog führt ein 5,5km langer Wanderweg, wovon 2,5km Bretterweg sind. Der Rand des Virumoores setzt sich deutlich vom normalen Wald ab. Auf Schlag stehen nur noch gespenstisch aussehende, kleine Kiefern in der Landschaft, die nach etwa hundert Metern noch kleiner werden. Bald wachsen sie nur noch vereinzelt und es kommen kleine und größere Wasserlöcher ins Spiel. Schon immer waren sie ein wichtiges Wasserreservoir für die hier lebenden Menschen. Der schöne Sonnentau fühlt sich auch hier wohl. Von einem Aussichtsturm kann man über einen großen Teil des Moores sehen.

Landgut Sagadi

Wer eher etwas für Kultur übrig hat, für den sind vielleicht die Landgüter in Sagadi und Palmse etwas. Das Landgut Sagadi steht für die Besucher offen. Nur für das Herrenhaus, zusammen mit dem Waldmuseum, fällt ein Eintrittsgeld von 4,-€ an. Zum Anwesen gehört ein kleiner Park mit Teich, ein Garten und ein Hotel mit Restaurant. Im Restaurant stehen neben Schwein, Rind und Lamm auch Elch und Bär auf dem Speiseplan. Es ist eine sehr schöne Anlage.
Für das gesamte Landgut Palmse werden 9,-€ Eintritt verlangt. Neben dem Gebäudekomplex gehört auch ein riesiger Park mit Wanderwegen, Teichen und Brücken zum Landgut.

Palmse Kõrts

Für das leibliche Wohl haben wir einen ganz tollen Tipp: die Taverne Palmse Kõrts. Das Gebäude steht wohl schon seit hunderten von Jahren dort. Wie es aussieht, war es früher eine Poststation mit Taverne. Heute hat die Taverne alle Räume in Beschlag und sieht immer noch so aus wie früher. Das Essen ist echt estnisch und lecker. Das ganze Ambiente ist unverändert rustikal.

Fischerdorf Altja

Sehenswert ist auch das kleine Fischerdorf Altja. Ganz unten an der Spitze stehen uralte Fischerhütten, die Küste ist mit großen und kleinen Findlingen übersät. Von hier aus kann man zum kleinen Hafen Vergi mit dem kleinen Leuchtturm hinübersehen.

Strand von Vösu

Im Lahemaa Nationalpark scheinen sich die Besucherzahlen in Grenzen zu halten. Wenigstens bekommt man diesen Eindruck, wenn man unterwegs ist. Das sieht in Võsu ganz anders aus. Da kommt man sich an die Ostseeküste versetzt vor. Ein langer, wenn auch nicht gerade breiter Sandstrand lockt jede Menge Badelustige an. Wahrscheinlich besitzt jedes Wohnhaus Võsus mindestens eine Ferienwohnung. Der Campingplatz Lepispea ist mit 19,-€ recht preiswert, sehr groß und direkt am Strand gelegen.

Noch ein Hinweis: Wer sich länger in der Natur des Lahemaa Nationalparks aufhalten möchte, sollte sich mit Lebensmitteln eindecken. Es gibt nur zwei Orte, in denen man das Nötigste bekommt. Das sind Võsu und Loksa.

Grillfleisch vom Elch

Auch wenn man keine Elche zu Gesicht bekommt, Dauerthema sind sie trotzdem. Zumal es mehr Elche als Menschen in Estland geben soll. Estland zählt 1,3 Millionen Einwohner. Es gibt aber Elchfleisch im Supermarkt zu kaufen. Wenn „Põdra“ auf der Packung steht, ist Elch drin. Endlich hatten wir Gelegenheit, Elchwurst und -fleisch zu probieren. Es ist vollkommen anders, als man sich das vorstellt. Das Fleisch ist recht hell und liegt geschmacklich zwischen Schwein und Rind. Vielleicht stammt das Fleisch in der Packung des Supermarktes vom Elchkalb, die älteren Tiere haben vielleicht etwas kräftigeres Fleisch. Wir wissen es nicht, können uns das aber vorstellen. Geschmeckt hat es jedenfalls superlecker.

Saaremaa (Ösel)

Werk der Riesen?

Die estnische Insel ist knapp dreimal so groß wie Rügen. Sie besitzt so viele Sehenswürdigkeiten, dass man sicher mehr als zwei Wochen braucht, um sie alle zu erleben. Zum größten Teil sind es natürliche Szenarien, wie Steilwände aus Kalkstein, Seen, Quellen und Wanderwege. Über unsere Entdeckungen in und um Orissaare und Kuressaare habe ich schon berichtet. Inzwischen haben wir uns die Halbinsel Sölve im Südwesten Saaremaas angesehen und waren in Panga im Norden der Insel. Irgendwie kommt man sich auch nach Schottland versetzt vor, denn hier begrenzen, wie dort, kleine Steinmäuerchen die Grundstücke.

Leuchtturm am Kap Sölve

Im Süden Sölves ist das gleichnamige Kap mit dem Leuchtturm zu finden. Genau dieses Land konnten wir vom Leuchtturm in Slitere aus sehen. Nun guckten wir in die andere Richtung und sahen Kap Kolka in der Ferne. Genau wie dort hat sich am Kap Sölve auch eine Landzunge gebildet, nur dass diese hier aus Kies besteht. Kreuzseen gibt es jedoch keine. Auf Saaremaa gibt es wohl keine Sandstrände, da die Küsten alle aus Kalkstein bestehen, wie die gesamte Insel.
In der Nähe des Leuchtturms sind die Reste einer sowjetischen Militärstation zu besuchen. Eintritt kostet 4,-/2,-€. Dazu gehören Bunker von außen, Geschützfundamente, verschiedene Gebäude und viele verschiedene und verrostete Technikteile sowie Utensilien.

Visitorcenter Vilsandi Park

Da wir die Straße an der Ostseite hinunterfuhren, wollten wir an der Westseite wieder nach Tehumardi zurück fahren. Leider sind auch dort die meisten Straßen unbefestigt. Dazu kommt, dass an dieser Halbinselseite die Sehenswürdigkeiten versteckt sind, wie Steilwände, Aussichten und Wanderwege. Wir wollen unseren Autos die Tortur nicht immer antun, deshalb fuhren wir nach Loona weiter. Der Ort liegt kurz vor Kihelkonna. Dort befindet sich die Parkverwaltung des Vilsandi Nationalparks, in der wir erfuhren, dass der allergrößte Teil dieses erlebenswerten Parks nur zu Fuß oder per Fahrrad zu erreichen ist. Mit dem E-Bike kein Problem, doch wir besitzen nur normale Fahrräder und sind zudem untrainiert. Es existiert sogar ein Wander-/Fahrradweg auf die Insel Vilsandi, der bis dorthin über mehrere weitere Inseln führt. Hin und zurück fährt man da schon um die 50km.

letzter Glockenturm Estlands

So fuhren wir noch nach Kihelkonna hinein, um uns die Fährstation nach Vilsandi anzusehen. Wieder führt eine 5km lange Schotterpiste dorthin. Im Visitorcenter in Loona hatten wir erfahren, dass die Fähre eigentlich ein Wassertaxi ist, das auf Abruf bereit steht. Hin- und Rückfahrt kostet 50,-€, ob man nun allein, zu zweit oder mit einer Großfamilie kommt.
Nahe der Kirche von Kihelkonna steht ein alter Glockenturm. Die meisten Kirchen auf Saaremaa und anderen Inseln Westestlands wurden als Burgkirchen ohne Turm gebaut. Sie dienten der Bevölkerung als Schutzraum bei Überfällen. Daher standen die Glockentürme etwas abseits. Im 17. Jahrhundert noch aus Holz, ersetzte man sie im 18. Jahrhundert durch Steinbauten. Früher gab es viele dieser Glockentürme. Dieser in Kihelkonna ist der letzte in Estland überhaupt.

Panga Cliff

Als letzte Station unserer Rundfahrt auf Saaremaa suchten wir uns das Pangacliff aus. Wie sich herausstellte, ist es wohl der schönste Platz auf der ganzen Insel. Der große Parkplatz Panga pank wurde erneuert. Er liegt direkt am Cliff. Der höchste Punkt der Steilküste misst 21,3m über dem Meeresspiegel. Senkrecht fällt die Küste ab. Dabei sind die verschiedenen Schichten des Silurzeitalters zu erkennen. Eine Infotafel am Parkplatz klärt darüber auf, was man vor sich hat. Während an anderen Steilküsten Saaremaas viele Fossilien aus dem Silur zu finden sind, hält sich die Ausbeute in Panga sehr in Grenzen. Es ist trotzdem ein unglaublich schöner Ort. Die Steilwand selbst ist 3km lang und umfasst die gesamte Spitze der Halbinsel Panga. Man kann an der oberen Kante der Steilwand entlanglaufen, durch einen niedrigen Kiefernwald mit Wäldern aus Storchenschnabel und vielen Orchideen, oder man genießt die Aussicht von unten die Wand hinauf. Neben zwei abenteuerlichen Abstiegen über Stricke und eine angelehnte Holzleiter, links vom Parkplatz, kann man auch den Weg vom kurz vorher befindlichen Kamtschatka Camp aus nehmen. Das Wasser ist glasklar.

„Mustjala Mustard“

Übernachtet haben wir auf dem sehr schönen Campingplatz in Tehumardi, kurz vor der Sölve Halbinsel, und auf dem Parkplatz am Cliff, der kostenfrei ist. Es ist wieder ein Punkt, von dem aus Sonnenauf- und Sonnenuntergang zu beobachten sind. Uns wurde ein Sonnenuntergang zuteil, der blutrot war, kein bisschen gold oder orange, nur blutrot. Unglaublich, aber er wirkte dadurch schon fast etwas bedrohlich. Trotzdem gab es einen wunderschönen nächsten Tag.
6km östlich von Panga, dort wo die Nebenstraße bei Pahapilli auf die größere Straße trifft, hat sich ein deutsches Paar niedergelassen. Sie verdienen sich ihre Brötchen mit dem Verkauf von selbstgemachtem Senf, Chutneys und Wacholdersirup. Ihre Marke heißt „Mustjala Mustard“ und probieren ist selbstverständlich. Wir interessierten uns für den Senf. Da werden Sorten mit Wacholder, Preiselbeeren, Aronia und vielem mehr angeboten, was in der Natur zu finden ist. Lecker sind alle Sorten und die Wahl fällt schwer.

Seekohl

Apropos Natur: die hat uns wieder einmal eine Bereicherung unseres Speiseplans beschert. Am kiesigen Strand bei Panga wachsen Wiesenkerbel, Sauerampfer, Wacholder und … Seekohl. Vom Seekohl, Meerkohl, die Pflanze hat viele Namen, hörten wir zum ersten Mal in dem englischen Buch „Food for Free“. Schon auf den Britischen Inseln hielten wir Ausschau, aber ohne Erfolg. Hier in Panga wächst der Seekohl vollkommen unerwartet. Die Pflanzen sind zu dieser Jahreszeit schon ziemlich alt und viele Teile sind bitter, aber die kleinen Blätter nahe der Blütenstände schmecken echt lecker. Wenn die Pflanzen jung sind, können alle Teile verwendet werden. Wir haben uns mit den jüngeren Blättern begnügt und ein schmackhaftes Essen daraus gemacht. Dieser Link führt zum Rezept.

Wie wir schon erwähnt haben, findet man an manchen Steilwänden Saaremaas Fossilien aus dem Silurzeitalter. Hier ein paar Beispiele, wie Muscheln, Korallen und Quarzknollen.

Fähre Piret

Nach neun wundervollen Tagen auf Saaremaa verließen wir die Insel mit der Fähre Töll. Auf halbem Weg begegnete uns die Fähre Piret, mit der wir auf die Insel kamen. Da war doch noch was? Der Große Töll und seine Frau Piret, das Riesenpärchen, welches auf Saarema lebte und den Menschen hilfreich war. Sie hinterließen sogar Spuren auf der Insel, wie Legenden berichten. Die Odalätsi Quellen im Nordosten sollen entstanden sein, als Töll mit dem Teufel kämpfte. Dort wo sie mit ihren Füßen auftraten, entstanden die Quellenlöcher. Der Koltsi See auf der Halbinsel Sölve entstand, nachdem sich Töll nach einem schweren Arbeitstag an dieser Stelle zum Ausruhen ins Moos legte. Zwei schöne Geschichten.

Engure-See

Ried

Seit fünf Tagen regnet es mehr als die Sonne scheint, dazu ist es mit ca. 15 Grad kalt. Hoffentlich bleibt das nicht so.
Zwischen Roja und Jurmala, an der Küste der Rigaer Bucht, liegt der Engure-See. Er ist der drittgrößte See Lettlands, allerdings mit 2,50m an der tiefsten Stelle doch recht flach. Im See haben sich viele Inseln gebildet, die Seevögeln sichere Plätze zum Aufenthalt bieten. In der Sprache der Prussen und Liven heißt Engure „Aal“. Anfang des 20. Jahrhunderts fischte man hauptsächlich Aale. Im Laufe des 1. Weltkrieges war die Fischerei eingestellt und der Bestand der Aale explodierte. 1929 starb der Aal dann aus ungeklärten Gründen im Engure-See aus. Der See wurde 1957 unter Schutz gestellt, seit 1998 gibt es den gleichnamigen Naturpark. Inzwischen werden im Park 186 Vogelarten, davon viele in Lettland auf der Roten Liste stehend, beobachtet. Dazu kommt eine reiche Fauna, mit vielen Orchideenarten.

Beobachtungsturm

Rund um den See stehen mehrere Aussichtstürme, die eine Beobachtung der Tierwelt am und auf dem Engure-See möglich machen. Am mittleren West- und auch Ostufer sollen Wildpferde und wilde Rinder beobachtet werden können. Wir fuhren zum östlichen Ufer. Ein Wanderweg führt durch den Wald immer am Ufer entlang. Zwischen diesem Wanderweg und dem Aussichtsturm befindet sich ein großzügig eingezäuntes Gelände, in dem die wilden Pferde und Rinder unter Beobachtung gehalten werden. Wahrscheinlich aber gehört auch noch ein großes Stück Wald dazu, in den sich die Tiere zurückziehen können.

Koni-Pferde

Am meisten waren wir auf die lettischen blauen Kühe gespannt, die hier eine Heimat haben. Leider konnten wir nicht ein Exemplar finden. Seit wir in Lettland unterwegs sind, sahen wir jedoch mehr oder weniger vereinzelte Tiere dieser alten Rasse auf den Weiden stehen, meist zusammen mit den allgegenwärtigen schwarz-weißen Hausrindern. Die blauen Kühe haben ein blaugraues Fell und fallen sofort ins Auge. Sie werden wegen der Fellfarbe auch „Meereskühe“ genannt. Der Engure-See war für uns wohl die letzte Gelegenheit, diese Kühe zu beobachten und vielleicht noch ein Foto zu machen.
Dafür trafen wir vier der polnischen Koni-Pferde, und eines ihrer Fohlen, an. Sie standen direkt am Weg zum Aussichtsturm und nahmen Kontakt mit uns auf, ein tolles Erlebnis.

Orchidee

Bevor man zum Aussichtsturm abbiegt, kann man dem Orchideen-Pfad folgen. Mückenspray nicht vergessen! Auf diesem Weg sind tatsächlich jede Menge Orchideen zu sehen, aber eher die von der Art des Knabenkrauts. Es soll jedoch auch die Arten geben, bei denen man anhand der charakteristischen Blüten sofort erkennt, dass es sich um Orchideen handelt.

Der Engure-See ist durch einen Kanal mit der Rigaer Bucht verbunden. In Mērsrags kann man sich z.B. im Yachtclub Kajaks ausleihen und den 4km langen Kanal abfahren. Im Engure-See angekommen, sollte man sich unbedingt eine Landmarke aussuchen, damit man um die vielen Inseln herum die Einfahrt zum Kanal wiederfindet. Der Yachtclub bietet ein paar Womo-Stellplätze, die auch wir nutzen.

Strand bei Mersrags

Ein anderes Ausflugsziel in Mērsrags ist der kleine Leuchtturm. Er ist zwar nicht öffentlich, aber hübsch anzusehen. Er steht in einer Ferienanlage. Der Strand ist an diesem Küstenabschnitt sehr steinig. Große runde Steinbrocken zieren in Massen den Strand bis ins Wasser hinein. In der Nähe des Leuchtturms liegen ein paar Steine in einer Zick-Zack-Linie im Wasser, an deren Ende der Teufelsfelsen liegt. Der Legende nach soll der Teufel hier eine Brücke gebaut haben, dies sind die Überbleibsel.
Von zwei Aussichtstürmen aus hat man einen schönen Blick über die Schilfwiesen zur Rigaer Bucht.

Kap Kolka

Kreuzsee am Kap Kolka

Im äußersten Norden des Bezirkes Kurland befindet sich der Slitere Nationalpark, der das Kap Kolka einschließt. Es ist eine kleine Landzunge, die wie das Kap Skagen (Dänemark) in zwei Meere hineinragt und seine Form ständig ändert. Kap Kolka ist zwar nicht so spektakulär, aber auch beeindruckend. Auf der linken Seite branden die Ostseewellen ans Ufer, an der rechte Seite grenzt die Rigaer Bucht an das Kap. Beide Meere treffen sich an dieser Stelle und bilden auch hier eine kleine Kreuzsee. Am Ufer liegen die letzten Reste eines alten Leuchtturms, dessen Geschichte 500 Jahre zurückreicht. Der neue Leuchtturm steht weit draußen vor der Küste, am Ende einer Sandbank, die immer wieder Seefahrern zum Verhängnis wurde.

Entzündung des Sonnenwendfeuers

Genau hier wollten wir das Sommer-Sonnenwendfest mit den Einheimischen feiern. Schon zwei Tage vorher traf man Vorbereitungen für ein großes Feuer am Kap und Musik. Seit zwei Monaten begleitete uns schönstes Wetter. Ausgerechnet an diesem Tag, regnete es immer wieder. Genau eine Stunde, bevor das Fest um 21 Uhr losgehen sollte, setzte ein furchtbarer Dauerregen ein, gekoppelt mit einem steifen Wind. Die Leute kamen trotzdem, in Regencapes gehüllt und mit Blumen- oder Blätterkränzen auf dem Kopf. Der Organisator, mit einem dicken Eichenlaubkranz auf dem Kopf, verteilte Texte, damit die Leute zusammen singen konnten. Trotz strömenden Regens, begrüßte man den Sommer und begann zu singen. Nach einer Weile entzündete man das große Feuer. Da die Musik bei dem Regen nicht einsetzbar war, sangen die Leute eben selbst. Das Fest dauerte bis nach Mitternacht, aber wir waren mit unseren Schirmen so durchgeweicht, das wir uns bald verabschieden mussten.

Camping bei livischer Familie

Eine Nacht standen wir auf dem kostenlosen Parkplatz auf der linken Kapseite, von wo aus wir das ganze Kap Kolka erkunden konnten. Ein Aussichtsturm und ein Kiefern-Pfad sorgen für mehr Übersicht und Aufklärung. Am nächsten Morgen zogen wir zum Ferienhaus und Campingplatz „Ūši“ in Kolka um. Die Anlage wird von einer livischen Familie betrieben. Der Volksstamm der Liven lebt schon ewig hier, zählt jedoch mit nur noch ca. 230 Mitgliedern zu den aussterbenden Völkern. Die Familie begrüßt auch Reisebusreisende, um sie mit ihren livischen Spezialitäten zu bewirten. Das sind zum einen Sklandrausis (Karottenkuchen), wirklich sehr lecker, und Graupengrütze, die über offenem Feuer vom Opa gekocht wird.

„nasser Strand“

Im Norden Kurlands ist einiges zu sehen und zu erleben. Leider ist nur die Küstenstraße asphaltiert. Deshalb wandten wir uns zuerst der Küste an der Rigaer Bucht zu. Bei Evazi führt ein kurzer Weg (300m) durch den Wald zum einzigen „nassen Strand“ in Lettland. Klingt komisch, aber es ist eigentlich das Riff gemeint, welches vor der Küste liegt. An der Wasserlinie selbst wachsen einige kleine Pflanzen, die sicher ein Hinweis auf die Vielfalt im Wasser sind.

„weiße Düne“ von Pūrciems

Ein paar Kilometer weiter gibt es einen anderen Pfad. Der führt zur „Weißen Düne“ von Pūrciems. Der Bretterweg führt zuerst nach unten und überquert das Flüsschen Pilsupe, dann steigt man wieder ein paar Stufen nach oben auf die Düne und läuft ein wenig durch den Wald. Das Flüsschen wird noch einmal überquert, danach steigt man noch einmal ein paar Stufen nach oben, bevor man an der „Weißen Düne“ steht. Im Laufe vieler tausend Jahre grub sich das Flüsschen in die Düne. Die Düne ist so hoch und deren Hang so steil, dass dieser nie wieder Pflanzen einen Halt gab. Der Sand liegt in Form eines Amphitheaters offen, direkt an einer Kehre der Pilsupe.

Bootsfriedhof im Wald

Dann wollten wir von Gipka aus durch das Tal des Flüsschens Pilsupe nach Westen fahren, um nach Slitere zu gelangen. Leider sind wohl alle Straßen im Norden Kurlands unbefestigt, jedenfalls alle, die wir zu sehen bekamen, außer wie gesagt der Küstenstraße. So fuhren wir nach Kap Kolka zurück und fuhren nun die Ostseeküstenstraße nach Süden. In Mazirbe ist der „Bootsfriedhof im Wald“ zu finden. 1976 nahmen die Russen den einheimischen Fischern ihre Boote weg, um deren Fischerei einzudämmen. Die Fischerboote landeten im Wald hinter der Stranddüne, wo sie seitdem verrotten. Heute sind nur noch zwei Boote zu erkennen, wenige Reste zweier weiterer Boote sind kaum noch auszumachen.

am Leuchtturm gefunden

Der Leuchtturm von Slitere steht weit im Landesinneren, obwohl er erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Heute dient er als Aussichtsturm, aus dessen vielen Fenstern im obersten Geschoss nach allen Seiten sehen kann. Blickt man über die Meerenge zwischen Ostsee und Rigaer Bucht entdeckt man bei schönem Wetter die estnische Insel Saaremaa.
Den Weg nach oben verkürzt eine Ausstellung zum Nationalpark, Leuchttürmen und die Kultur in diesem Landstrich. In dem Gebäude neben dem Leuchtturm zeigt eine Ausstellung, welche Pflanzen und Tiere im Slitere Nationalpark zu finden sind.

am See Pēterezers

Ein sehr schöner Wanderweg, der 3,4km lange Naturpfad des Sees Pēterezers, gelegen zwischen Slitere und Mazirbe, zeigt die unterschiedliche Natur des Nationalparks. Der Pfad führt über viele Dünen durch einen Kiefernwald, an mehreren Sumpf- und Wasserlöchern vorbei, durch einen Wald von Schachtelhalmen weiter zum Pēterezers, in einer großen Lichtung gelegen. Dessen Wasser ist durch den Moorboden, in dem er liegt, schwarz. In diesem Moorland fühlen sich Orchideen und Sonnentau wohl. Es ist der abwechslungsreichste Weg, den wir in den Baltischen Staaten gegangen sind.

Bärlauchsuppe

Versüßt hat uns diesen Ausflug ein Wildkirschbaum am Leuchtturm Slitere, wo wir uns den Bauch vollschlugen. Hmm, waren die lecker. Bei einem Spaziergang durch den feuchten Wald fanden wir eine Stelle mit ganz viel Bärlauch. Davon nahmen wir uns zwei Hände voll mit, um eine schöne Bärlauchsuppe daraus zu machen. Das Rezept:
2 Hände voll Bärlauch, 3 große Kartoffeln, 1 Zwiebel, 1/2l Gemüsebrühe, Sahne oder Creme fraiche nach Belieben, Salz, Pfeffer, Muskat. Die Zwiebel in Butter anbraten, geschnittenen Bärlauch (ein paar Blätter für Deko aufheben) und gewürfelte Kartoffeln dazugeben und mit der Brühe ablöschen. Kochen, bis die Kartoffeln weich sind, dann pürieren. Mit Sahne und den Gewürzen verfeinern. Die Suppe in einen Teller füllen und mit den beiseite gelegten Bärlauchblättern garnieren. Wir gaben noch einige Garnelenschwänze obendrauf. Superlecker.

Klaipeda (Memel)

Fähre in Klaipeda

Die Stadt Klaipeda interessierte uns nicht, aber sie ist ein prima Ausgangspunkt für die Kurische Nehrung, die das Kurische Haff von der Ostsee trennt. Einen Blick aus der Ferne konnten wir bereits von Venté aus werfen. Nun wollten wir die Nehrung selbst entdecken.
Normalerweise fahren Fähren von Klaipeda an der Kurischen Nehrung entlang nach Nida, dem letzten litauischen Ort vor der Exklave Kaliningrad, auf die die südliche Hälfte der Kurischen Nehrung entfällt. 2018 existiert diese Fährverbindung nicht, aus welchem Grund auch immer. Erst 2019 soll die Verbindung wieder aufgenommen werden. Also haben wir die Fähre vom neuen Terminal in Klaipeda nach Smiltyné genommen. Mit dem Auto kostet die kurze Überfahrt 12,30€. Auf der Nehrung (Neringa) angekommen, fuhren wir erst ein kurzes Stück nach Norden, bis zum Yachthafen. Von dort kann man in Ruhe nach Klaipeda hinüberschauen. Allerdings sieht man auf Kilometer nur Hafen und Schiffe.

Strand der Kurischen Nehrung

Deshalb lenkten wir unser Auto Richtung Süden. Bis Nida beträgt die Strecke 43km. Wo der „Naturpark Neringa“ beginnt, bezahlt man Maut. Bis zum 19.6. sind es noch 5,-€ pro PKW, ab 20.6. werden 20,-€ fällig. Auf den Kilometern nach Nida gibt es jedoch jede Menge zu sehen. Immer wieder zweigen Fußwege rechts und links von der Straße ab, die zu Aussichten über das Haff oder die Ostsee führen. Auf der gesamten Länge an der Ostsee entlang breitet sich ein herrlicher, ruhiger Sandstrand aus, der hinter einer ebenso langen Düne liegt.

Skulptur aus Sand

Auf knapp halbem Weg liegt der Ort Juodkranté. Während Nida stark beworben wird, ist von Juodkranté kaum die Rede, aber ein kurzer Halt lohnt sich trotzdem. Vor allem zwei Kunstprojekte an der Promenade, oder auch der „Hexenpfad“, machen von sich Reden. Hübsche Holz- oder auch Fachwerkhäuser prägen den Ort.

Der außergewöhnlichste Ort auf der Nehrung ist die Kolonie von Reihern und Kormoranen. Seit dem 18. Jahrhundert besteht diese Kolonie. Früher hatten die Graureiher die Oberhand. Seit irgendwann die Kormorane aufgetaucht sind, schwindet die Population der Reiher in gleichem Maße wie die Kormorane an Zahl zunehmen. Heute gibt es nur noch wenige Reiherpaare in dem Gebiet. Das Auto kann man auf dem Parkplatz abstellen. Verlässt man es, steigt ein ziemlich kräftiger Fischgeruch in die Nase. Die Luft ist vom Stimmengewirr der Kormorane erfüllt, die Bäume sind weithin vom Kot der Kormorane abgestorben. Es müssen tausende Vögel sein, die den Wald bevölkern. Es ist einfach nur grandios. Ganz dicht ist man am Geschehen, wenn man die Aussichtsplattform erklimmt. Hin und wieder lässt sich auch ein Reiher sehen.

Kormoran-Kolonie

in den Dünen Neringas

Nur ein Stück weiter, die Straße steigt steil an, weist eine Tafel auf einen der schönsten Panoramablicke auf der Kurischen Nehrung hin. Ein kurzer Weg führt zum Ausguck. Leider ist man weit vom Wasser weg und die Bäume versperren den größten Teil des Blickes. Schade.
Hier beginnt auf der Haffseite die „Tote Düne“. Sie ist für Wanderungen gesperrt. Es gibt aber einen Zugang, den man zum höchsten Punkt der Düne (48m), nutzen kann. Der Weg dorthin beträgt 1,3km. Die Düne wandert nicht mehr. Als sie es noch tat, begrub sie vier Dörfer unter sich.
Ein kurzer Abstecher nach Pervalko sollte noch drin sein. Der Ort gehört ganz den Feriengästen. An dessen nördlichem Ende steht ein kleiner Leuchtturm im Wasser, der jedoch nur zu Fuß zu erreichen ist.

Weitere Dünen können auf dem Weg nach Nida bestiegen werden. Darunter sind die höchsten Dünen Europas. Die wirklich beste Aussicht nach fast allen Seiten bekommt man aber von der Parnidžio Düne südlich von Nida. Sie ist zwar nicht zu vergleichen mit der Düne in Leba, aber mit 61m ist sie doppelt so hoch. Die Aussicht ist wunderschön. Wer mag, kann durch die Dünen bis zum „Tal des Todes“ an ihrem Fuß laufen. Einige Teile der Parnidžio Düne sind aber schon bewachsen.

Parnidžio Düne

Sonnenuhr/Kalender

Auf der Düne, überraschenderweise kann mit dem Auto bis fast ganz nach oben gefahren werden, steht seit 1995 eine riesige Sonnenuhr, mit einem Kalender kombiniert. Sie ist ein wahres Kunstwerk aus Granit, welches teilweise mit sehr fremdem Zeichen geschmückt ist. Die Stundenanzeigen sind in Stufen angeordnet, die bis zum Mittag ansteigen. Der Zeiger ist ein 12m hoher Obelisk, dessen Fußpunkt sich 53m über dem Meeresspiegel befindet. Die hellsten Steinreihen stellen die Monate dar, die grauen Reihen die Tagundnachtgleiche sowie die Sonnenwenden, und die dunklen Steinreihen sind die Nachtstunden. Wie ließt man bloß in den Nachtstunden die Uhrzeit ab?

Nida

Bevor wir nach Nida hineinfuhren, nahmen wir den Grenzübergang nach Kaliningrad in Augenschein. Hier verlässt man die EU und ohne Visum bleibt die Grenze dicht.
Im alten Nida lässt es sich gut bummeln. Die alten Holzhäuschen und Vorgärten mit ihren Schmuckelementen sind liebevoll gepflegt. Kleine Restaurants laden zur Einkehr ein. Überall strecken sich Wetterfahnen in den Himmel, die aussehen, als würde jeder „Clan“ sein eigenes Wetterfahnendesign besitzen.
Von dem kleinen Hafen aus starten verschiedene Ausflugsboote zu einstündigen Touren über das Haff zur Windenberger Insel. Die Tour kostet 10,-€.

Damit hatten wir eine wunderschöne Tour hinter uns gebracht, die wir nur weiterempfehlen können.

Seebrücke Palanga

Ein anderer Ausflug führte uns nach Palanga. Der Kurort hat uns nicht begeistert. Ein Kurort ist kaum noch auszumachen, Palanga ist eigentlich nur noch eine Touristenstadt. Die Preise sind doppelt so hoch wie auf der bisherigen Route durch Litauen.
Die 450m lange Seebrücke beeindruckt nur durch ihre Länge, die im letzten Viertel um 90° abgewinkelt ist. Keine Bude befindet sich darauf, kein Anleger wartet auf Schiffe, nicht einmal ein Yachthafen, wie in Sopot, wurde angebaut.

Unser Wohnmobil steht in Karklé, zwischen Klaipeda und Palanga, auf dem Campingplatz „Karklecamp“, für 15,-€ pro Nacht mit allem. Es gibt hier mehrere Campingplätze, die alle so um die 15,-€ nehmen, sehr ungewöhnlich in Anbetracht der Lage. Zum Strand sind es nur ein paar hundert Meter.

Etwas nördlich von Karklé liegt der Plocis Lake im Wald, der jedoch nur zu Fuß oder per Fahrrad zu erreichen ist. Das sind 2km Weg. An diesem See soll man eigentlich Vögel beobachten können. Wie sich herausgestellt hat, ist das aber nur in den Vogelzugzeiten möglich. Jetzt im Frühsommer ist außer Kormoranen, die dort in einer Kolonie leben, nichts los. Trotzdem ist der Weg durch den Wald ein Erlebnis.

Memeldelta

Brücke über die Minija

Es ist in Litauen nicht so einfach, einen Stellplatz unter 20,-€ zu bekommen, der auch noch groß genug für unser Wohnmobil ist. Eine Nacht standen wir auf einem freien Platz an der Minija, dort wo die Straße 4217 den Fluss kreuzt, südlich von der Brücke. Da es Wochenende war, war der Platz sehr gut von Tagesgästen besucht. Deshalb wollten wir auf den Campingplatz am Hotel Kintai-Ventainé. Es gibt überhaupt nur einen Campingplatz in der Nähe von Venté. Als wir dort ankamen, der Platz ist für Wohnmobile bis 10m ausgewiesen, wollte man den doppelten Stellplatzpreis von uns haben. Der liegt mit 25,-€ sowieso schon hoch. Unser Wohnmobil ist nicht länger als 10m, trotzdem hätten wir den doppelten Preis zahlen sollen. Das ist einfach nur unverschämt. Zu unserem Glück fanden wir auf der anderen Seite der vorher erwähnten Brücke einen schönen kleinen und ruhigen Stellplatz, für 14,-€, am Restaurant Mélynasis Karpis. Zwischen der Minija und einer riesigen Fischteichlandschaft hat der Besitzer ein wahres Imperium aufgebaut: Restaurant mit eigenem Fisch (das teuerste Gericht mit Stör kostet 11,50€), Angelteichen, Wasserwanderrastplatz, Bootsverleih, im Hochsommer Kreuzfahrten auf dem Kurischen Haff, Zimmervermietung, kleiner Campingplatz und Spielplatz. Es ist ein guter Platz, um das Memeldelta zu erkunden. Mit dem Kurischen Haff, eigentlich Frisches Haff, hatten wir schon in Elbląg und Frombork Bekanntschaft gemacht.

Ornithologische Station Venté

Am weitesten in das Kurische Haff hinein ragt die Halbinsel mit dem Ort Venté. Von dem weit ins Wasser ragenden Anleger aus fährt zweimal am Tag eine Fähre nach Nida auf der kurischen Nehrung. Im Juni fährt mittwochs auch vom Hotel Kintai-Ventainé eine Fähre. Die Fahrpreise liegen bei 17,-€ pro Person plus 4.-€ pro Fahrrad. Autos werden nicht mitgenommen. Damit entfällt die Gebühr für den Nationalpark Kurische Nehrung.
An der Halbinselspitze bei Venté steht ein Leuchtturm, den man besteigen kann. Der größte Teil des Geländes ist jedoch von einer ornithologischen Station in Beschlag genommen. Schon seit dem frühen 20. Jahrhundert werden hier Vögel mit großen Netzen gefangen und registriert.

Hinweis auf die Moorkolonie Bismarck

Im Memeldelta wurden ab 1835 vier Moorkolonien gegründet. Die größte und bekannteste Kolonie hieß Bismarck. Auf deren Spuren kann man sich begeben, wenn man ein bisschen sucht. Drei der Kolonien sind auf einer Infotafel in Kintai lokalisiert. Zu der Pakalné-Kolonie gibt es keinen weiteren Hinweis. Von der Bismarck-Kolonie, ich hatte vor kurzer Zeit einen Fernsehbericht über diese Kolonie gesehen und kam deshalb auf das Thema, erinnert nur noch das Straßennamensschild „Oto Bismarck g.“ an die Vergangenheit. Vier der alten Gehöfte, halb verfallen, aber bewohnt, stehen noch im Wald bei der Ortschaft Žalgiriai an der Straße 206. Es wurde einmal ein Lehrpfad über die Geschichte der Kolonie angelegt, aber leider nicht gepflegt. Hinter der ersten, halb verblassten Infotafel ist Schluss, der Weg ist zugewachsen. Dieser Lehrpfad hätte uns wirklich interessiert, aber wer die interessante Geschichte der Moorkolonien nachlesen möchte, dem empfehle ich die Seite: www.wiki.de/genealogy.net.

typische Ostpreußenhäuser

Rusné (das alte Ruß) ist ein nettes kleines Städtchen, welches auf der Windenberger Insel zwischen den Flüssen Atmata und Rusné liegt. Die dritte Seite wird vom Kurischen Haff begrenzt. Auf der südwestlichen Spitze der Insel steht ein Grenzpfahl, denn dort, wo sich die zwei Flüsse treffen, verläuft die Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Atmata heißt das letztes Stück der Memel, bevor sie in das Haff mündet.

am Leuchtturm Uostadvaris

Gegenüber von Rusné befindet sich der Ort Uostadvaris, im Norden der Insel. Dort kann man den kleinen Hafen ansehen, von dem ein Boot über mehrere Flüsse durch das Memeldelta und über das Haff zur Kurischen Nehrung fährt. Die Fahrzeiten kennen wir nicht. Der kleine Leuchtturm aus den 70ern des 19. Jahrhunderts tut zwar keinen Dienst mehr, aber von seiner Plattform aus kann man weit über das Land blicken.

Torfgewinnung

Šiluté (das alte Heydekrug) ist die größte Stadt der Region, aber wenig interessant. Die alte Gründung war etwas weiter westlich gelegen, ist aber nicht mehr erhalten.
Zwischen Šiluté und der Straße nach Minija findet man rechts im Wald ein riesengroßes Gelände, auf dem man Torf in einer Art Tagebau gewinnt. Wie es aussieht, wird es mit Maschinen einfach nur in dünnen Schichten abgeschabt. Große Haufen Torfmehl liegen zum Abtransport bereit.

rundblättriger Sonnentau

Am westlichen Ende dieses Torfgebietes befand sich die Moorkolonie Augstumal. Von dieser Kolonie ist auch nichts mehr übrig, aber hier hat man einen wunderschönen Lehrpfad eingerichtet, und erhält ihn auch. Es lohnt sich, die 1,2km in das Moor zu laufen. Auf Infotafeln wird von der Kolonie berichtet, sowie von den heimischen Tieren und Pflanzen, wovon viele seltene Arten geschützt sind. Es soll sogar Elche geben. Kein Wunder bei dieser wasserreichen, einsamen Natur. Zuerst läuft man durch Wald, der nach und nach immer lichter wird. Später gibt es nur noch niedrige Pflanzen, zwischen denen sich der seltene Sonnentau wohlfühlt. Es sind zwar nur sehr kleine Formen dieser fleischfressenden Pflanze, dafür kommen hier beide Arten vor: der rundblättrige wie auch der langblättrige Sonnentau.

Hochmoor Augstumal

Von zwei Aussichtsplattformen hat man schöne Blicke über das Hochmoor von Augstumal. Um den letzten Aussichtsturm liegen ein paar Wasserlöcher, im Hintergrund recken abgestorbene Birken ihre weißen Stämme in den Himmel. Die ehemaligen Einwohner der Moorkolonien hatten die Moore mühevoll entwässert, um sich ein Leben auf Grundlage der Landwirtschaft aufzubauen. Seit die Kolonien untergegangen sind, erobert sich das Wasser weite Teile der Moore zurück.

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