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Fes – Ifrane – Midelt – Erfoud

Schnee in Marokko

Nach dem Besuch der Königsstädte Marokkos hatten wir die Kultur hinter uns gelassen. Nun wird die Aufmerksamkeit auf der Natur Marokkos liegen und es geht in den wärmeren Süden. Wir verließen Fes und fuhren nach Ifrane. Der Ort liegt im Mittleren Atlas. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch Steineichen- und Zedernwälder. Die Straße schlängelt sich immer höher die Berge hinauf und je höher wir kamen, umso weißer wurde es. Seit drei Tagen schneite es in Marokkos Gebirgen. Ifrane liegt 1650m hoch und ist das Wintersportgebiet des Landes. Bei unserem Besuch lag aber nicht nur ca. 15cm hoher Schnee, sondern es regnete auch noch dazu. Wir bekamen also wieder einmal Wasser von oben und von unten.

Ifrane

Ifrane, auch Universitätsstadt oder Sommerfrische für die Einheimischen, lockt jedoch nicht nur mit seiner Landschaft, sondern auch mit seiner Architektur. Man glaubt seinen Augen nicht zu trauen oder irgendwie nach Europa gebeamt worden zu sein. Die Häuser sind im europäischen Baustil mit Satteldächern erbaut. Das kommt daher, dass die Franzosen Anfang des 20. Jahrhunderts Ifrane als Garnisonsstadt ausbauten und der Stadt damit den Stempel aufdrückten. Bis heute wird der Baustil in Ifrane und Umgebung beibehalten.
In Ifrane erinnert ein Löwen-Denkmal an den Abschuss des letzten freilebenden Berberlöwen im marokkanischen Atlasgebirge im Jahre 1920.

Hotel Kasbah Asmaa

Nach einer Teepause ging die Fahrt über Azrou und Rimahdite nach Midelt weiter, wo eine Mittagspause eingelegt wurde. Direkt an der Hauptstraße befindet sich das „Hotel Kasbah Asmaa“. Bisher hatten wir immer marokkanisch gegessen. Hier probierten wir die Atlasforelle, die in Alufolie gegart und mit verschiedenen Beilagen serviert wird. Es war ein gutes Essen.
Die Stadt Midelt liegt inmitten einer Steinwüste, in der Unmengen Mineralien, versteinerte Meerestiere und sogar Meteoriten gefunden und verkauft werden.

südlich des Hohen Atlas

Um das Tagesziel Erfoud zu erreichen, musste sich der Bus über ein weiteres Gebirge, den Hohen Atlas quälen. Obwohl der Hohe Atlas höhere Berge besitzt als der Mittlere Atlas, lag in dem Teil des Gebirges keine Schnee. Zu unserer Freude riss jetzt, nach drei Tagen, auch die Wolkendecke auf und der Himmel wurde blau. Die Sonne strahlte endlich vom Himmel. Bisher hatten wir uns gefragt, wofür wir nach Marokko gekommen waren. Des Wetters wegen hätten wir genauso gut zu Hause bleiben können.

Qued Ziz

Dreimal Berg hoch, dreimal Berg runter, dann hatten wir den Hohen Atlas überquert und es schloss sich eine weite und flache Steinwüste an, in der einzelne Berber-Siedlungen verstreut liegen. Der schönste Teil dieses Streckenabschnitts führt immer am Qued Ziz entlang. Der Fluss Ziz schlängelt sich in einem romantischen Tal durch die Landschaft. Bunte Felsformationen, Dattelpalmen und Dörfer wechseln sich ab. Hin und wieder sieht man pastellfarben angemalte Gebäude und Mauern. Wie sich herausstellte sind dies Schulen. Die zarten Farben erfreuen die Augen und bilden einen schönen Kontrast zu den einheitlichen Erdfarben, in denen alles andere erscheint.
An verschiedenen Stellen des Qued Ziz hielten wir, um die Schönheit des Canyons zu bewundern.

Beispiel für die Berbersprache

Immer öfter tritt die Schrift der Berber in Erscheinung. Das Erscheinungsbild der „Berberschift“ Tifinagh ähnelt dem der griechischen Schrift. Allerdings taugt die Schrift nicht für lange Texte, sondern wird eigentlich nur für Namen und kurze Mitteilungen genutzt. Die Hauptschrift der Berber ist das Arabisch, daneben wird das Französisch verwendet. Die meisten Schilder an öffentlichen Einrichtungen sind also dreisprachig.

Kurz vor Erfoud liegt eine Wanderdüne mitten in der Steinwüste. Nach Angabe unseres Reiseführers existiert sie erst seit 8 Jahren und wächst seitdem.

Hotel Club Palms

Erfoud ist eine große Oase und als „Dattelstadt“ bekannt. Eine Besichtigung der Stadt stand nicht auf dem Plan. Wir übernachteten im weit vor der Stadt befindlichen Hotel Club Palms.

Es bestand hier die Möglichkeit eines Ausfluges zu den Sanddünen und dem Berberdorf von Merzouga, inkl. Kamelritt in den Sonnenuntergang. Normalerweise soll der Trip in den Sonnenuntergang gehen, aber zu dieser Jahreszeit kommt der Sonnenuntergang zu früh. Deshalb startet dieser Ausflug früh morgens um 4 Uhr, aber niemand wollte innerhalb dieser anstrengenden Rundreise so früh aufstehen. Wir mussten ohnehin schon jeden Tag zwischen 6 und 7 Uhr aus den Betten. Einen Kamelritt in den Sonnenuntergang durften wir vor Jahren schon einmal in Tunesien erleben, einen Ausflug in die roten Sanddünen Südmarokkos machten wir bei unserem ersten Besuch des Landes. Es war also kein großer Verlust für uns, diesen Ausflug nicht gemacht zu haben.

Fes

Vor der Stadtbesichtigung fuhr der Bus zu einem Aussichtspunkt nahe der Meriniden-Gräber in den Hügeln im Norden von Fes. Dort oben befinden sich alte Mauer- und Gebäudereste, denen wir jedoch keine weitere Beachtung schenkten. In den Sandsteinfelsen sind viele Höhlen auszumachen. Waren das einmal Felsenwohnungen? Die Gegend allein ist schon interessant, aber der Blick von dort oben über die Medina von Fes ist atemberaubend. In vielen Reiseführern wird geschrieben, dass die Stadt inmitten einer weiten Ebene liegt. Offensichtlich liegt sie eher auf sieben Hügeln, wie Rom oder Istanbul.

Panoramablick über Fes

Tor zur Medina

Nachdem wir uns einen Überblick verschafft hatten, setzte uns der Bus vor einem der zahlreichen Stadttore ab. Durch ein kleines, unbedeutendes Tor betraten wir die mittelalterliche Welt Fes el Bali, so vollkommen anders als die Welt außerhalb der alten Stadtmauer. Die Medina, so wie eigentlich alle arabischen Medinas, ist in viele Viertel aufgeteilt. Gleich neben einem Tor findet man eine Moschee, um die sich die Geschäfts- und Wohnhäuser gruppieren. Wird der Weg zur Moschee zu weit, gibt es wieder eine Moschee. Die alte Medina von Fes besitzt vierhundert Moscheen, die meist nur zu sehen sind, wenn man direkt vor dem Eingang steht. Knapp eine halbe Million Menschen sollen in der Medina Fes el Bali auf engsten Raum wohnen und arbeiten. Wie viele genau es sind, weiß niemand.

Mulitransport

Die Menschen leben wie eh und je von Handwerk und Handel. Der Transport der Waren erfolgt per Karren, Esel oder Muli durch die engen Gassen. Wenige Menschen besitzen einen Roller. Die Medina Fes el Bali ist wohl die älteste Medina der Welt. Sie hat schon manche Katastrophen wie Brände oder Erdbeben überstanden, weil sie so konstruiert ist, das es zu jeder Zeit Zugang zum Wasser gibt und sich die Häuser gegenseitig abstützen. Die Gassen sind zum Teil überdacht, was der Klimatisierung dient. Man kann die Medina wohl mit einem Ameisenhaufen vergleichen: alles hat seinen Platz und ist für etwas gut.

kunstvolle Elemente

Von außen ist den Fassaden nicht anzusehen, dass die meisten Häuser Atrien besitzen, um die sich die Wohnräume gruppieren. Diese Häuser werden Riads genannt. Manches Riad misst mehrere hundert Quadratmeter Wohnfläche. Solche großen Riads können sich aber nur reiche Bewohner leisten, manche wurden zu Hotels oder Restaurants umgebaut.
Wir liefen kreuz und quer durch die Medina Fes el Bali, sahen in die kleinen Läden und Handwerksstuben und staunten über die vielen kunstvoll gestalteten Details von Türen, Vordächern oder Toren. Uns fiel auf, dass es überall sehr sauber ist. Überall ist gefegt, es liegt nirgendwo Müll herum.

Gerberei

Irgendwann betraten wir durch eine winzige Türe ein Haus und erklommen die schmale Treppe zwei Stockwerke nach oben. Als wir um die Ecke kamen öffnete sich ein großer Raum mit Terrasse. Der Raum gehört zu einer Lederfabrik, die einer Kooperative angehört. Decken, Wände und Fußboden sind hinter Lederwaren verschiedenster Art nicht mehr zu sehen. Die Außenwand ist offen und als wir heraus sahen, erblickten wir das berühmte Gerberviertel Chuwwara. Der ganze große Hof ist mit gemauerten Bottichen bedeckt. Die Bottiche der linken Ecke sind weiß. In ihnen wird gegerbt, und zwar nicht mehr mit Ammoniak und Rinden, wie bis vor kurzem noch, sondern mit ungelöschtem Kalk und Taubenkot. Jetzt im Winter stehen die Männer mit Gummistiefeln in den Lösungen. Im Sommer, wenn es heiß ist, erledigen sie ihre Arbeit mit nackten Beinen. Eine dicke Ölschicht soll verhindern, dass die Haut zu sehr angegriffen wird. Die Häute von Ziegen und Schafen wird hierher geliefert und zuerst in den Bottichen mit der Kalklösung gegerbt, mehrere Tage lang.

letzte Säuberung der Häute

Anschließend werden die gegerbten Häute gewaschen, später auf die verschiedenen Farbbottiche verteilt. Wie seit Urzeiten wird mit Naturfarben gefärbt. Auf meine Frage, ob die Arbeiter auch einmal ihre Arbeitsplätze tauschen, bekam ich ein Nein. Das heißt, ein Gerber darf nicht waschen oder färben oder umgekehrt. Ein Färber für Rot darf nie eine andere Farbe übernehmen, denn er hat keine Ahnung von einer der anderen Farben. Die Arbeiter machen ihr ganzes Leben lang den gleichen Job.

gelb gefärbte Häute

Wie es aussieht, wird erst nach dem Färben das restliche Fleisch von den Häuten gekratzt, für mich eigentlich unverständlich. Nochmal zu den Farben: alle Farben werden in den Bottichen angerührt, einzige Ausnahme macht das Gelb. Die Farbe Gelb wird aus Safran gewonnen. Da Safran sehr teuer ist, wird die Farbe sparsam mit Hand auf die Häute aufgetragen, die anschließend in der Sonne ausgebreitet trocknen.

Gerberviertel

Entgegen unserer Erwartung stinkt es nicht, wie überall zu lesen ist. Es kann nicht allein daran liegen, dass es im Winter nicht so warm ist. Jedenfalls roch es bei unserem Besuch kein bisschen unangenehm. Hängt das vielleicht mit dem Wechseln des Gerbmaterials und ein wenig mehr Sauberkeit zusammen?

Leder in allen Varianten

Nachdem wir den äußerst interessanten Erläuterungen eines Verantwortlichen der Lederfabrik gelauscht hatten, durften wir uns in den Verkaufsräumen umsehen. Man betonte, dass wir kaufen könnten, auf keinen Fall kaufen müssten. Tatsächlich hielten sich die Verkäufer wohltuend im Hintergrund und traten nur in Erscheinung, wenn man Interesse für etwas zeigte. Jacken, Taschen, Babuschen und vieles mehr stapeln sich in den vielen Räumen. Das Leder ist superweich und zum Teil sogar waschbar. Die Preise sind fair.

rekonstruierte Gasse

Nach dem Besuch des Gerberviertels spazierten wir weiter durch die Gassen der Medina, die zum Teil schon komplett restauriert wurden. Wenn restauriert wird, dann unbedingt im alten Stil, so dass das jahrhundertealte Gesamtbild nicht verändert wird. Das wird sehr genau überwacht und das ist auch richtig so. Wir entdeckten eine alte Karawanserei, in der heute Kunsthandwerk verkauft wird. Für den Häutemarkt blieb keine Zeit, aber wahrscheinlich ist das sowieso nichts für europäische Augen.

Restaurant Nejjarine

Am Nachmittag kehrten wir zu einer Teepause ins Restaurant Nejjarine ein. Unser Reiseführer meinte, dass dieses Restaurant von der 1. Restaurantfamilie in Fes geführt wird. Das Restaurant befindet sich in einem sehr schönen Riad, typisch marokkanisch. Der größte Speiseraum ist nach oben hin offen und drei Etagen hoch. Um ihn herum gruppieren sich kleinere Séparées. Leider geht es ziemlich laut zu, da viele Reisegruppen dieses Restaurant aufsuchen. Es ist allerdings auch nicht so groß, dass es unangenehm wäre.

Treppenhaus der Medersa El Cherratine

Das nächste Ziel war eine der Schulen in der Medina Fes el Bali. Die Medersa El Cherratine wurde im 17. Jahrhundert gebaut und bot als größte Schule ihrer Zeit Platz für 150 Schüler, die zum Teil zu dritt in winzigen Kammern schliefen. Kleine Fenster gibt es nur zum großen Atrium mit dem Brunnen in der Mitte oder zu den zwei offenen Treppenhäusern. Das Gebäude ist drei Etagen hoch und man kann sehr schön sehen, dass für die Ausgestaltung die drei traditionellen Baustoffe verwendet wurden: Gips, Zedernholz und die bunten gebrannten Keramikfliesen. Die Schule steht heute leer und wird als Museum genutzt.

im Handwerkerviertel

Seit Stunden waren wir in der Medina Fes el Bali unterwegs und es gab immer wieder neues zu sehen. Die Welt draußen war weit weg und wir fühlten uns inzwischen wie ein Teil der Altstadt im orientalischen Mittelalter. Die Handwerkssparten teilen sich jeweils eigene Viertel, die Drechsler, die Weber, die Messingwerkstätten usw. Dazwischen findet man immer wieder kleine Bäcker oder Lebensmittelhändler, die für die Versorgung im Viertel sorgen.

wunderschöne Leuchter

Das Abendessen nahmen wir wieder in einem Riad ein. Unser Reiseführer bog in eine sehr enge, dunkle Gasse ab: glatte, schmucklose Wände, hin und wieder eine kleine Türe, sonst nichts. Wir setzten unsere Schritte durch eine der kleinen Türen, durch die Licht schien. Ein paar Stufen führen in die Tiefe. Schwere Holztüren, Stuck und Mosaike bilden den Eingang in das typisch marokkanische Restaurant, von dessen Decken wunderschöne, große, fein ziselierte Messinglampen hängen. Leider weiß ich den Namen des Riads nicht. Das marokkanische Essen ist hervorragend und wurde mit dem gewohnten Minztee abgeschlossen, den es zu jeder Gelegenheit gibt. Gegessen haben wir von der blau-weißen Keramik, die in Fes hergestellt wird. Man findet diese Keramik in vielen Restaurants Marokkos.

Rohstoff für Agavenseide

Gestärkt und mit ausgeruhten Füßen steuerten wir das letzte Ziel in Fes an, eine Weberei. Hier stellte man uns vor allem die Agavenseide vor, von der wir noch nie etwas gehört hatten. Dafür werden die sehr starken Fasern aus den Agavenblättern gezogen und zu einem glänzenden Faden verarbeitet. Dieser kann in allen Farben eingefärbt und allein oder mit anderen Materialien im Mix verwebt werden. Die Endverarbeitung des Tuches entscheidet, wie weich es zum Schluss ist, von etwas fester bis kuschelweich. Es entstehen unglaublich schöne Tücher aus Agavenseide, die Ausgangsprodukte für Kleidungsstücke, Kissen oder was auch immer sind. Am besten zur Geltung kommen die Farben und Muster in den Tüchern selbst. Die Vielfalt und Schönheit der Tücher ist so groß, dass man sich nicht für eines entscheiden kann. Auch hier blieben wir frei in unseren Entscheidungen, niemand wurde zu etwas gezwungen oder von den Verkäufern belästigt.

Königspalast Fes

Es war ein langer Tag. Der Regen hatte heute fast aufgehört, so dass wir die Medina Fes el Bali in Ruhe und unter ein paar wärmenden Sonnenstrahlen erleben konnten. Durch ein anderes Tor, als wir die Medina betreten hatten, verließen wir dieselbe wieder, wo der Bus auf uns wartete. Als alle irgendwann im Bus zurück waren, fuhren wir zum Königspalast, wo wir noch ein paar Fotos schossen. Die großen bronzebeschlagenen Türen mit den typisch marokkanischen Mustern, die sich in die orientalischen Bögen einfügen, sind ein schönes Fotomotiv. Der Königspalast wird auch heute noch bewohnt, ist aber für die Öffentlichkeit geschlossen.

Zum Abschluss des Tages fuhr der Bus noch einmal an den nördlichen Rand von Fes, wo wir am Morgen schon waren, um den Panoramablick zu genießen. Diesmal fuhren wir noch weiter nach oben, auf die Hügelspitze. Vom dortigen Aussichtspunkt ist der Blick noch viel atemberaubender als schon am Morgen. Es ist ein unglaublich schöner Blick auf die Medina von Fes und die Hügellandschaft, in der sie liegt.

Voll mit den Eindrücken verschiedenster Art, die wir heute in Fes aufnahmen, kamen wir in das Hotel „Golden Tulip“ zurück. Fes ist für uns die schönste aller marokkanischen Städte. Die Lage, die schiere Größe der Medina, die Originalität, das seit Jahrhunderten fast unveränderte Leben, die Menschen, die Abwechslung, das alles ergibt ein einzigartiges Bild, welches wohl so nur in Fes zu finden ist.

Casablanca – Rabat – Meknes – Fes

Die Ursprünge der Stadt Casablanca gehen zwar auf das 8. Jahrhundert zurück, aber Altes hat Casablanca nicht zu bieten. Ein schweres Erdbeben, das sogenannte „Erdbeben von Lissabon“, zerstörte 1755 die Stadt, die bis dahin schon eine wechselvolle Geschichte hatte. Der Name Casablanca stammt von den Spaniern, die sich hier im 19. Jahrhundert niederließen. Es heißt übersetzt „Weißes Haus“ und der Name ist auch heute noch Programm. Über drei Millionen Einwohner zählt die Stadt.

Hassan-II.-Moschee

Wir besichtigten hier nur die Hassan-II.-Moschee, die sich direkt am Ufer der Casablanca Bucht erhebt. Sie wurde erst 1993 fertiggestellt und ist die fünftgrößte Moschee der Welt. Das Minarett ist gewaltige 210m hoch und damit das höchste der Welt. Ein Teil des Gebetsraum-Daches lässt sich bei Bedarf öffnen, indem die beiden Dachhälften nach den Seiten verschoben werden können. Die reich verzierten gewaltigen Tore des Hauptbaus sowie der Bogengang vor dem Haupteingang lassen uns Menschen ziemlich klein aussehen.
Zu dem großzügigen Komplex gehören auch ein Museum und eine Bibliothek.

Strandpromenade Casablanca

Nach der Besichtigung legten wir eine Teepause an der Promenade ein. Während die meisten Reisegäste zu einem Tee einkehrten, spazierten wir ein Stück die Promenade entlang. An den Strand gelangt man nur durch eines der vielen Lokale, kein freier Durchgang. In der Mitte liegt eine Art öffentliche Badeanstalt mit mehreren Pools. Es ist nicht unsere Vorstellung einer Strandpromenade. Am rechten Rand der Bucht ist der Leuchtturm durch die gischterfüllte Luft auszumachen.
Übernachtet haben wir im Le Zenith Hotel & Spa Casablanca. Da der Tag lang und anstrengend war, verließen wir das Hotel nicht, um uns ein wenig in der Umgebung umzusehen. Wie es aussah, gibt es da auch nicht wirklich viel zu erleben.

Königspalast Rabat

Am nächsten Morgen ging es schon weiter, nach Rabat. Rabat ist die heutige Königsstadt und Hauptstadt Marokkos. Zuerst fuhren wir zum Königspalast, der Teil eines riesigen umzäunten Parkgeländes ist, zu dem auch diverse Ministerien gehören. Um Pfützen hüpfend und über einen Wasserfilm laufend erreichten wir vom etwas entfernten Parkplatz den Königspalast. Man darf nicht allzu nah heran. So schossen wir nur ein paar Bilder von Gebäude und von den Wachen. Drei verschiedene Einheiten schieben zusammen Wache vor den Toren: die Polizei, die Armee und die Palastwache. Am äußeren Zaun entlang steht alle um die 75m ein Posten. Das ist nicht nur hier so, sondern um jeden Königspalast in Marokko, und davon gibt es viele, ob der König oder seine Familie sich nun in einem der Paläste aufhält oder nicht. Geld hat der derzeitige König Mohammed VI. ja genug, um das alles zu unterhalten. Mohammed VI. gibt jedoch sein Geld nicht nur für sich aus, sondern investiert intensiv in sein Land und seine Menschen. Es existiert kaum ein Bereich, den er nicht fördert, angefangen von der Bildung über Sozialwohnungen bis hin zur Wasserwirtschaft. Früh erkannte er das Dilemma mit dem knapper werdenden Wasser. Inzwischen halten 132 Talsperren quer durch´s Land das Regen- und Schmelzwasser aus den Bergen zurück, und es werden immer noch mehr. Der König ist bei seinem Volk so beliebt, dass er als einziger Herrscher den arabischen Frühling ziemlich unbeschadet überstand. Das hatte uns damals schon stutzig gemacht, jetzt wissen wir, warum das so ist. Ich bin schon wieder abgeschweift.

Mausoleum Mohammend V.

Sehenswert ist auch das Mausoleum von Mohammed V., dem Großvater des heutigen Königs. Unter der Herrschaft Mohammed V. erreichte Marokko die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien. Er starb 1961 in Rabat und fand in dem von seinem Sohn Hassan II. in Auftrag gegebenen Mausoleum seine letzte Ruhe. Inzwischen sind auch Hassan II. und sein Bruder neben ihrem Vater bestattet. Das Mausoleum ist ein Prachtbau aus weißem Marmor, mit vier Toren auf vier Seiten, reich verziert. Vor jedem Tor steht eine Wache in traditioneller weißer Kleidung. Das Innere ist noch viel prächtiger gestaltet, mit Stuck an den Wänden, Zedernholzdecke mit kleinen Fenstern, durch die ein wenig Tageslicht fällt, messingbeschlagenen großen Türen, und noch mehr Marmor. Auf einer umlaufenden Galerie kann man das Innere des Mausoleums auf sich wirken lassen.

Hassanturm

Direkt vor der großen Freitreppe sollte Ende des 12. Jahrhunderts eine Große Moschee entstehen. Als der damalige Herrscher und Auftraggeber starb, wurden die Bauarbeiten eingestellt. Die Moschee wurde nie fertig. Der Hassanturm ist nur halb so hoch, wie er einst werden sollte. Mit der Zeit verfiel die Moschee. Nur ein paar Ruinen und rekonstruierte Säulenstümpfe zeugen noch von dem Vorhaben.

Kasbah des Oudaia

Unbedingt besuchen sollte man die Kasbah des Oudaia in Rabat. Hoch oben, direkt auf der Spitze zwischen Hafen und Flussmündung stehen die mächtigen Mauern einer verborgenen Altstadt. Die Kasbah wurde im 12. Jahrhundert als Wehrfestung angefangen, später um Wohnhäuser, Palast und andalusischen Garten erweitert. Heute ist sie ein Ensemble, in dem man sich der realen Welt entrückt fühlt. Eindrucksvoll sind die weißen Häuser mit ihren blauen Akzenten. Vor allem im Winter hat man gute Chancen, in Ruhe durch die engen Gassen zu schlendern. Manche Wege sind steil und mit Stufen durchsetzt. Liebevoll gestaltete Ecken laden zum Verweilen und Staunen ein.

Blick nach Salé

Am Flussufer kann man in Ruhe einen Kaffee oder Tee genießen und sich frisches Gebäck schmecken lassen. Von der Terrasse aus schweift der Blick an der Kasbahmauer entlang zum Hafen. Am gegenüberliegenden Flussufer liegt Salé, die zusammen mit Rabat eine Zwillingsstadt bildet. Die Kasbah des Oudaia hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Nun setzten wir die Rundfahrt nach Meknes fort. Die Aussprache Meknes geht auf die Franzosen zurück. Die Araber nennen die Stadt Maknas. Wie wir erfuhren, werden fast alle „e“ im arabischen als „a“ gesprochen, wie zum Beispiel al (el), Fas (Fes), Arfoud (Erfoud) usw. Ich bleibe jedoch beim „e“, da die Ortsnamen auf den Karten alle französisch geschrieben stehen. Man möge mir verzeihen, ich möchte keine Verwirrung stiften.

Bab el-Khemis

Während wir mit dem Regen in Marrakesch und Casablanca noch etwas Glück hatten, kam er während unserer Rabat-Meknes-Fes-Tour den ganzen Tag in Strippen herunter. Dazu war es unangenehm kalt und windig. Regen bedeutet in Marokko eine ziemliche Sauerei, da viele Straßen und Wege kaum richtig befestigt sind. In den Löchern sammelt sich das Wasser, so dass wir von oben und von unten nass wurden. Dazu kam, dass es weder im Reisebus noch in den Hotels, die wir besuchten, wirklich warm wurde. Die Straßenverkäufer stellten im Handumdrehen von Sonnenbrillen auf Regenschirme um, die meisten schön kariert. Das nur am Rande.
Das erste Ziel in Meknes war ein kurzer Fotostopp beim Bab el-Khemis. Das große Tor wurde im 17. Jahrhundert erbaut und führte in das Judenviertel.

Bassin Souani

Als nächstes hielten wir am Bassin Souani, einem riesigen Wasserbecken. Es sollte Teil der neuen Palaststadt sein, denn im 17. Jahrhundert verlegte der damalige Herrscher den Königssitz von Fes nach Meknes. Die Palaststadt wurde jedoch nie vollendet. Übrig blieben das Wasserbecken und die Ruinen von Vorratsbauten sowie der ehemaligen königlichen Pferdeställe.

Bab al Mansour

Im Zuge der Entstehung der neuen Palaststadt Meknes entstand das Bab al Mansour. Es ist das beeindruckendste Tor der Stadt und das schönste Tor Marokkos. Es sollte den Übergang zwischen der alten Medina und der neuen Palaststadt durch die Stadtmauer ermöglichen.

Fleischer im Souk

Gegenüber des Tores liegt der Place Lahdim, in dessen linker Flanke sich die Zugänge zum Souk befinden. Der Souk ist nicht groß, dafür sehr überraschend. Neben dem wirklich tollen Angebot konnten wir einen Fleischer beobachten, der sich gerade an Rinderköpfen zu schaffen machte. Ich möchte hier aber nicht weiter ins Detail gehen, um nicht zart besaiteten Lesern den Appetit zu verderben. Schafs- und Ziegenköpfe werden gleich im Ganzen angeboten. Hätte ich mir das Treiben des Fleischers noch länger angesehen, hätte wahrscheinlich auch mein Magen rebelliert.

Das letzte Ziel des Tages war Fes, wo wir im Hotel „Golden Tulip“ abgesetzt wurden. Da es noch immer regnete und wir vollkommen durchgeweicht und frierend dort ankamen, beließen wir es für diesen Abend beim Abendessen, ohne noch einmal vor die Türe zu gehen. Wir werden sicher morgen Abend noch einmal die Möglichkeit dafür haben, denn wir bleiben zwei Nächte in Fes.

Reisen mit dem Wohnmobil – die beliebtesten Reiseziele

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Reisen mit dem Wohnmobil bedeutet für viele Menschen Freiheit, Flexibilität und Abenteuer. Mit dem Wohnmobil müssen Sie sich nicht für ein festes Ziel entscheiden, sondern können in aller Ruhe alle Facetten des Landes hautnah und entspannt kennenlernen. Je nach Vorliebe gibt es unzählige Orte, die Sie mit dem Wohnmobil entdecken können. Im Folgenden erfahren Sie, welche Reiseziele mit dem Wohnmobil am beliebtesten sind und welche Besonderheiten dieser Regionen sehenswert sind.

Deutschland

Um einen unvergesslichen Urlaub zu erleben, müssen Sie nicht weit fahren. Denn Deutschland ist aufgrund seiner Vielfältigkeit das ideale Reiseziel. Für Kletterfreunde bietet sich die Sächsische Schweiz mit den steilen Felsen und einem tollen Ausblick an. Wer die frische Luft der Berge genießen möchte, sollte sich für die Allgäuer Alpen entscheiden. Planen Sie eine Fahrradtour entlang romantischer Seelandschaften, dann ist der Naturpark Uckermärkische Seen das Richtige für Sie. Ferner ist die Ostsee das perfekte Reiseziel, wenn Sie die Meeresbrise auf der Haut spüren und in der Sonne entspannen möchten. Mit dem Wohnmobil sind Sie flexibel und können mehrere Orte sehen und in zahlreichen Städten Deutschland kurze Halte machen, um kulturelle Angebote und die Landschaften zu erleben. Um auf dem Laufenden zu bleiben und gemütliche Abende zu verbringen, ist ein Wohnmobil-Fernseher anzuraten. Der Fernseher sollte dabei eine gute Bild- und Tonqualität aufweisen und kompakt sein. Je nach Ihren Vorstellungen gibt es noch weitere Merkmale, die ein Wohnmobil-Fernseher haben sollte. Deshalb sollten Sie im Handel oder online die Fernseher für Wohnmobile vergleichen.

Emmendingen

Italien

Italien ist eines der beliebtesten Reiseziele Europas und eignet sich ideal für Reisen mit dem Wohnmobil. Italien zeichnet sich durch seine interessante und einzigartige römische Vergangenheit und seine 2000 Jahre alte Geschichte aus. Wer sich für Kunst, Kultur und Architektur begeistert, sollte unbedingt die Städte Rom, Neapel und Venedig mit dem Wohnmobil bereisen. In Italien gibt es mehr als 50 sehenswerte UNESCO-Welterbestätten. Darüber hinaus ist Italien für sein mediterranes Klima, schöne Natur und für den italienischen Lebensstil (La Dolce Vita) bekannt. Schöne Landschaften finden Sie in der Toskana, in den Bergen Südtirols, an der Adriaküste oder im Vulkanland rund um den Vesuv. Neben dem Festland bieten sich auch die wunderschönen Inseln Sardinien und Sizilien an, die definitiv einen Besuch wert sind. Machen Sie einen Roadtrip quer durch Italien, entdecken Sie neue Orte und sammeln schöne Erinnerungen.

Pisa

Spanien

Spanien ist ein weiteres beliebtes Reiseziel mit dem Wohnmobil. Warmes Wetter, Sonne sowie günstige Preise sind einige der vielen Gründe, warum Spanien ideal zum Reisen ist. Während Ihrer Reise mit dem Wohnmobil können Sie in die Berge fahren, sich am Strand sonnen und zusätzlich einen Zwischenstopp in einer Stadt Ihrer Wahl machen. Spanien verfügt über eine kulturelle und landschaftliche Vielfalt, so dass das Land sehenswert und abwechslungsreich ist. Im Nordosten finden Sie Katalonien, welches eine beliebte Urlaubsregion ist. Insbesondere die Stadt Barcelona ist aufgrund der bekannten Bauwerke des Architekten Antoni Gaudi bei Touristen gefragt. Das Wohnmobil sollte am besten außerhalb der Stadt geparkt werden. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln lässt sich die Stadt bequem erkunden. In Spanien erwartet Sie eine 5000 Kilometer lange Küstenlinie, die sich optimal für einen Trip entlang der Küste mit dem Wohnmobil anbietet. Das Reiseziel Spanien ist etwas für Strandurlauber, Surfer und Genießer, denn Sie können sich auf leckere Tapas, Wellenrauschen und ein vielfältiges Küstenpanorama freuen. Je nach Ihrer geplanten Reisedauer können Sie das ganze Land oder bestimmte Regionen erkunden.

Barcelona

 

 

 

Fazit Italien-Rundreise und Sizilien

Wir haben bei der Planung der Rundreise überlegt, wie herum wir die Tour machen sollten. Entlang der Ostküste nach Süden und an der Westküste nach Norden zurück, oder umgekehrt. Normalerweise ist das egal, aber wir dachten uns, dass das Wetter der entscheidende Faktor sein könnte. Das Frühjahr ist dafür bekannt, das viele Urlauber und Reisende die Westküste besuchen. Dafür muss es einen Grund geben, der sich auch prompt zu erkennen gab. Während wir im Herbst an der Ostküste nur zwei kurze Stürme und etwas Regen zu überstehen hatten, führten mehrere Unwetter an der Westküste zu katastrophalen Zuständen: Überschwemmungen, Erdrutsche, Sturmschäden, Häfen wurden verwüstet und Flugplätze mussten zeitweise gesperrt werden. Das ist sicher nicht der Normalzustand im italienischen Herbst, aber die Tendenz wird wohl stimmen. Im Frühjahr dagegen ist es an der Westküste wärmer und ruhiger als an der Ostküste Italiens.

Ein Gewitter zieht über dem Po-Delta auf

Eine zweite Sache sollte beachtet werden, wenn man über die Alpen nach Italien fährt: der Winter in den Bergen. Ab dem 15. November sind Winterreifen und meist auch Schneeketten in den Bergen Pflicht. Wenn es früher schneit, auch früher. Winterreifen sind sogar bis in die apulischen Berge ab 15. November Pflicht. Einzig auf den Küstenstraßen sind die entsprechenden Schilder selten zu finden. Man sollte also bei der Planung beachten, dass man sich ab dem 15. November schon weit im Süden befindet, oder aber zumindest Winterreifen aufgezogen hat.

Der Sprit ist in Italien sehr teuer. Der Diesel kostet mindestens 1,50-1,58€, manchmal sogar mehr. Das Superbenzin schlägt mit 1,70-1,85€ zu Buche. Dafür ist die Maut billiger als wir angenommen hatten. Wir bezahlten an der Ostküste rund 10 Cent pro Kilometer Autobahn. An der Westküste, bis Neapel herunter, ist die Maut jedoch zum Teil wesentlich teurer. Von Neapel ab ist die Autobahn mautfrei. Bezahlt werden kann meistens per Kreditkarte, manchmal auch Bar am Automaten oder bei einem der Mitarbeiter in den Häuschen. Bei der Autobahnauffahrt zieht man ein Ticket, welches man bei der Abfahrt bezahlt. Es kommt aber auch vor, vor allem im nördlichen Westen Italiens, dass bestimmte Autobahnabschnitte mautpflichtig sind und man seine Fahrt unterbrechen muss, um die Maut zu zahlen.

Ein Extrathema sind die Fußwege. Wenn überhaupt welche vorhanden sind, werden sie entweder als Parkplatz missbraucht, es wachsen Bäume mittendrin oder das Begehen gerät zum Hindernislauf, denn man muss ständig über die tollsten Einfahrtkonstruktionen, Treppen oder große Löcher steigen.

häufiger Zustand italienischer Fußwege

Im Winter nach Italien/Sizilien zu fahren hat seine Vor- und Nachteile. Da kaum Touristen zu dieser Jahreszeit unterwegs sind, hat fast alles geschlossen. Nur wenige Restaurants und Campingplätze sind noch geöffnet, während die meisten Museen geduldig auf die wenigen Gäste warten. Der Vorteil ist, dass man fast überall einige Freiheiten hat, die im Sommerhalbjahr unmöglich sind. Man kann fast überall stehen und übernachten, und viele Parkgebühren sind ausgesetzt, denn man ist auf die wenigen Touristen angewiesen. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind nicht so überlaufen, die Strände hat man fast für sich alleine.

Im Winter liegen die Strände und Strandanlagen verlassen da

Was uns bisher noch nie passiert ist: wir haben auf der Straße nicht einmal einen Cent gefunden. Sonst liegt fast überall das Geld auf der Straße und wir fanden immer einige Münzen, die sich am Ende der Reise manchmal stattlich summiert haben. In Italien/Sizilien ist dagegen kein Geld auf der Straße zu finden.

In Italien/Sizilien kann man gut essen. Auf Sizilien ist das Einkaufen sehr günstig. Am Besten kauft man bei den Händlern mit den kleinen Autos, die überall ihr Obst und Gemüse oder den Fang des Tages anbieten. Da weiß man, wo es herkommt und wo das Geld hingeht. Die kleinen Fleischereien bieten nur wenig Fleisch an. Meist ist es wie in den arabischen Ländern: bevor ein Schwein, Rind, Schaf oder Ziege nicht gänzlich verkauft ist, wird kaum eine neues Tier geschlachtet. Lamm und Ziege sind mit 8.- bis 10,-€ sehr günstig. Beim restlichen Fleisch sind die Preise so hoch, dass man sich überlegt, wie viel Fleisch man wirklich essen will.

Ziegenfleisch-Händler

Zu empfehlen sind auch die Mozarella-Farmen. Bei den meisten Farmen kann man gleich dazu die Milch- und Fleischlieferanten besichtigen. Es geht dort nicht gerade appetitlich zu, denn die Wasserbüffel lieben Nässe. Die Tiere sind sehr ruhig und jeder Büffel unterscheidet sich von den anderen. Wir haben sogar einmal einen blondgeschopften Büffel gesehen, toll gelockt. Das Büffelfleisch ist sehr teuer, eigentlich auch der Käse, dafür ist er umso leckerer. Da sollte man sich doch von Zeit zu Zeit etwas davon gönnen.

Lieferanten des Mozarella – Wasserbüffel

Was auf Sizilien auch sehr gut ist, ist das Gebäck. Dort haben wir die leckersten Kekse gegessen, die wir je fanden. Die Spezialität Canneloni sollte man unbedingt probieren. Das sind knusprige Waffelröllchen, mit feiner Büffelmilchcreme gefüllt. Auch die andere sizilianische Spezialität Cassata ist lecker, ein Kuchen, gefüllt mit Ricotta und ummantelt mit grünem Marzipan.

sizilianisches Gebäck ist der Knaller

Die berühmtesten Pistazien kommen vom Fuße des Ätna, aus Bronte. Sizilien ist aber das Land der Zitronen. Als wir im November dort ankamen, hingen sie noch halbreif an der Bäumen. Erst im Januar werden sie strahlend gelb und superlecker. Mit Zitronen lassen sich viele Dinge anstellen. Man kann sie zum Kochen verwenden, zum Backen oder zu Marmeladen, Säften und Schnäpsen verarbeiten. Da gibt es kaum Grenzen.

spezielle Zitronenart – Cedri

Außerdem haben wir so viele Orangen und Mandarinen wie noch nie gegessen, nicht einmal in Spanien, wo wir unseren letzten Apfelsinen-Ess-Rekord gebrochen haben. Für 1,-€ das Kilo muss man einfach zugreifen und die Zitrusfrüchte sind so lecker. Als es auf unserer Tour Richtung Norden keine so guten Apfelsinen mehr gab, litten wir direkt an Orangen-Entzugserscheinungen.

Noch nirgendwo auf der Welt haben wir soviel Kulinarisches ausprobiert, wie auf Sizilien. Unser Bus musste am Ende der Reise ganz schön schleppen.

Das Highlight der Reise war jedoch der Ausbruch des Ätna an Heiligabend. Als wir in Giardini-Naxos ankamen, wo wir gut sechs Wochen verbrachten, strahlte der leicht gezuckerte Gipfel des Vulkans noch ungetrübt gen blauen Himmel. Der Gipfel des Ätna mit seinen mehreren Kratern kann von Süden oder von Norden her erreicht werden. Ohne irgendein Spektakel ist das schon ein grandioses Erlebnis. Allerdings darf das Spektakel nicht zu groß werden, denn bei einem richtigen Ausbruch ist der Vulkan für Wanderer gesperrt.

spektakuläre Auffahrt zur Nordseite des Ätna

Jedenfalls ließen sich bald darauf einige kleine weiße Wölkchen über dem Ätna sehen, harmlos und schön. Fast mit jedem neuen Tag vergrößerten sich die Wölkchen, bis sie eine weiße Wolkensäule bildeten, die hin und wieder vom Wind weggetragen wurde. Jeden Morgen richteten wir unseren ersten Blick zum Vulkan, es wurde regelrecht zur Sucht. Der Anblick von unserem Stellplatz aus, 26km Luftlinie vom Krater entfernt ist einfach zu schön. An regnerischen Tagen schneite es auf dem Vulkan und die Schneedecke vergrößerte sich, in der Dicke wie auch in der Fläche.

Beginn des Ätna-Ausbruchs Weihnachten 2018

Aus der weißen Wolkensäule wurde ein paar Tage später eine graue Rauchsäule. Hin und wieder vernahmen wir jetzt ein leichtes Grollen aus der Richtung. Wir hofften, so lange wir in Giardini-Naxos waren, doch noch zu einem Vulkanausbruch zu kommen. Aus Erfahrung wissen wir, dass der Ätna keine große Gefahr darstellt und sich das Hauptszenario auf den Bereich des Naturparks Ätna beschränkt. Nur Catania und die Orte am Fuße des Vulkans bis nach Giarre werden manchmal etwas in Mitleidenschaft gezogen, da sich das Hauptgeschehen in diesem Bereich abspielt. Um richtig gefährlich zu sein, bricht der Ätna zu oft aus, so ein bis zweimal im Jahr.

Kurz vor Heiligabend stand fast fest, dass es einen Ausbruch geben würde, denn die Rauchwolken, die aus dem nordwestlichen Krater aufstiegen, wurden immer größer. Wenn es dunkel geworden war, bezog ich fast jeden Abend mit der Kamera Stellung, um den Lavafluss zu fotografieren, der sich im Laufe der Zeit immer mehr vergrößerte. Leider sind 26km Luftlinie sehr lang, so dass es keine spektakulären Aufnahmen gibt, aber das ein oder andere Bild ist trotzdem gut gelungen.

nächtlicher Lavafluss am Ätna

Am Morgen des Heiligabend stand eine mächtige Rauchwolke über dem Vulkan und gegen 14 Uhr, glaube ich, kam es zum Ausbruch. Leider war die Lavafontäne nur von Catania aus zu sehen, aber die Rauchwolke, die in unsere Richtung zog, war so aufregend, dass selbst die Sizilianer ihre Kameras zückten und den Ausbruch festhielten. Das Grollen war jetzt gut zu hören, welches den Ausbruch begleitete.

Rauchsäule des Ausbruchs

Am Abend, als es dunkel war, sahen wir, dass sich eine lange Spalte in Richtung Giarre aufgetan hatte, aus der es rot glühte. Die Spalte soll zwei Kilometer lang gewesen sein. Wären wir doch nicht so weit weg gewesen!

Der Ausbruch hielt ein paar Tage an. Dreihundert Erdbeben sollen den Ausbruch begleitet haben, die sogar Schäden im Norden Catanias anrichteten. Das Portal einer Barockkirche ist dabei auch eingestürzt. Ein Ascheregen ging am Hang Richtung Südost herunter, der die Ortschaften, die dort am Hang liegen, traf. Spektakuläre Bilder tauchten im Internet auf, Tote gab es jedoch nicht, nur ein paar Verletzte. So etwas erlebt man nur einmal im Leben. Asche vom Ausbruch vor sechs Jahren ist zum Beispiel auf einem ehemaligen Autohändler-Platz am Südrand von Giardini-Naxos noch zu sehen.

Kurz nach Weihnachten verließen wir Giardini-Naxos, um unsere Sizilien-Rundreise fortzusetzen. Aus der grauen Aschewolke war wieder eine weiße Rauchfahne geworden, die bis über den äußersten Südosten der Insel auf´s Meer hinaus reichte. Unglaublich.

wunderschöne Wolkengebilde entstanden durch die Asche in der Luft

Landschaftlich und kulturell hat Sizilien sehr viel zu bieten, worüber wir in diesem Blog berichteten. Es wäre viel zu schade, sich für die Entdeckung der Insel nicht genug Zeit zu nehmen.

Den Vögeln helfen

Wie Ihr wisst, haben wir einiges für unsere Vögel übrig. Wie es aussieht brauchen sie auch dringend unsere Hilfe, denn es werden immer weniger. Im modernen Wohnen gibt es keine Nistmöglichkeiten mehr und die Gärten sind alle aufgeräumt. So halten wir im Winter immer Futter bereit, auch einmal einen Apfel für die Amseln. Im Sommer bieten wir eine Tränke an und im Moment haben wir auch einen Sandbadeplatz. Wir werden uns bemühen, diesen zu erhalten.

Worauf wir aber im Leben nicht gekommen wären, ist, den Vögeln etwas Putz mit möglchst viel Kalk darinnen, anzubieten. Wie wir jetzt sehen, sind die Spatzen sehr erpicht darauf. Anfangs dachte ich, ich bin nicht mehr ganz klar im Kopf, als die grauen Flecken in der weißen Hauswand immer größer wurden. Bis ich eines Tages sah, wie sich ein Spatz immer wieder an der Hauswand festkrallte und den Putz aus der Wand pickte. Inzwischen hat sich das heraumgesprochen und die Löcher erweitern sich weiter.

Nahrungsergänzung für Spatzen – Kalkputz

Also meine Lieben, wenn Ihr irgendeine Möglichkeit seht, unseren Spatzen etwas Kalkputz anzubieten, dann bitte tut es. Ihr seht, es ist eine gute Idee.

Habt Ihr durch Zufall auch etwas herausgefunden, wie man unserer heimischen Tierwelt etwas Gutes tun kann? Dann schreibt es einfach in einem Kommentar. Wir sind gespannt.

 

 

 

Wohnmobilstellplatz bei A+K Weltenbummler

Das Schicksal hat es nun so gewollt, dass wir nach Jahren des Reisens wiedermal einen festen Wohnsitz haben. Es hat uns in Anklam zu einem Häuschen mit einer großen Wiese verholfen. Darauf hat unser Womo nun ebenfalls eine Bleibe gefunden. Während des Hausumbaus wohnen wir weiter im Womo auf der Wiese. Es wäre aber schade, wenn es sich alleine fühlen würde. Deshalb möchten wir Euch Womo-Fahrer ganz herzlich einladen, die Wiese als Stellplatz zu nutzen. Für 6,-€/Nacht bieten wir Euch einen ruhigen und grünen Stellplatz an, mit Wasser, Abwasserentsorgung, WLAN, aber ohne Strom. Chemietoilettenentsorgung ist nicht möglich, aber wir haben einen Vorschlag, wie Ihr auch ohne Chemie auskommt: Soda. Wir praktizieren das jetzt schon ein Jahr lang. Es ist billig und umweltfreundlich. Einfach alle drei Tage einen Teelöffel voll Soda mit in den Tank geben. Das war´s. Dann könnt Ihr auch Euren Toilettentank bei uns entsorgen.

Vor allem im Frühjahr steht man morgens mit dem Gezwitscher verschiedener Vögel auf. Den Schwalben kann man bei Ihren Flugmanövern zuschauen. Gänse und Kraniche, die sich auf ihren Flug in den warmen Süden vorbereiten, beeindrucken dann im Herbst.

Nestlinge der Schwalben

Bis ins Zentrum von Anklam, dem Tor zu Usedom im Nordosten Deutschlands, ist man zu Fuß in einer halben Stunde. Zum Einkaufen sind es fünf Minuten Fußweg. Freizeitmöglichkeiten in der Natur wie Radfahren, Kanufahren auf der Peene und viel Kultur werden reichlich geboten. Anklam ist zudem die Heimat von Otto Lilienthal, dem deutschen Flugpionier, auf dessen Spuren man im gleichnamigen Museum wandeln kann.

(Bild: Günter Schröder)

Otto Lilienthal-Ausstellung in der Nikolaikirche (Bild: Günter Schröder)

Wenn Ihr jetzt neugierig geworden seid, seht Euch den Platz bei uns einfach mal an. Bitte die Einfahrt am LIDL benutzen, den Kleinbahnweg. Sonst müsst Ihr durch die Siedlung und es könnte eng werden.
Einige nette Gäste durften wir schon bei uns begrüßen. Sie kamen sogar aus Wales und der englischen Grafschaft Yorkshire. Die meisten von Ihnen kommen gerne wieder.

Es gibt leider eine Einschränkung: da die Wiese am Rande einer Siedlung liegt, ist die Durchfahrt für Fahrzeuge über 3,5t verboten. Wir wären Euch auch dankbar, wenn Ihr keine Hunde hättet.

Also, wir freuen uns schon auf Euch. Damit Ihr auch zu uns findet, hier noch die Koordinaten:

N 53° 50´ 48″  O 13° 42´ 50″ 

 

Gotthard oder Brenner?

Wir haben festgestellt, dass ganz viele Wohnmobilfahrer nicht wissen, wie sie am besten über die Alpen kommen. Wir hatten uns ebenso diese Frage gestellt. Inzwischen haben wir die Antworten, aus eigener Erfahrung:

Die Strecken über den Brenner (Österreich) und den Gotthard-Tunnel (Schweiz) sind die angenehmsten. Ich möchte an der Stelle auf unsere entsprechenden Beiträge verweisen: Brenner und Rückfahrt über die Schweiz. Dort haben wir unsere beiden Alpenüberquerungen beschrieben, inkl. der notwendigen Mautzahlungen. Wir hoffen, die darin enthaltenen Angaben helfen Euch bei den Planungen Eurer Touren über die Alpen ein wenig weiter.

in Richtung Brenner

 

Scalea

Zuerst dieses: Wir hatten vom Ausbruch des Ätna an Weihnachten 2018 berichtet. Inzwischen haben wir erfahren, dass dieser Ausbruch mehr oder weniger intensiv immer noch andauert. Leichte Ascheregen, Erdbeben rund um den Vulkan und die zeitweilige Schließung des Flughafens in Catania sind die Folge. Schade, dass wir den Ätna von Norden aus nicht noch einmal sehen konnten. Ich hatte es gehofft, aber die Gebirge nördlich des Ätna lassen keine Blicke auf den Vulkan zu.

Nun sind wir aber schon wieder auf dem Weg nach Norden, an der Westküste Italiens entlang. Auf Sizilien ist die Natur definitv grüner und bunter, nur mal nebenbei bemerkt.
Immer wieder sind Ruinen alter Städte oder Kastells auf den Bergspitzen nahe der ss18, die wir an der Küste entlang fahren, zu sehen.

Ruinen irgendwo zwischen Falerna und Scalea

Die nächsten paar Nächte verbringen wir auf dem Womo-Stellplatz Zio Tom in Scalea. Wir sind zusammen mit einem schwedischen Paar allein auf dem großen Platz direkt am Strand. Die Gegend ist flach, aber die Berge sind in greifbarer Nähe. Auf den Bergspitzen ab 1500m liegt Schnee. Endlich hatten wir einen richtig schönen Frühlingstag mit einer warmen leichten Brise und blauem Himmel.

Womo-Stellplatz Zio Tom in Scalea

Wie wir erfuhren, war hier am 24. Februar, als wir gerade am Strand von Milazzo standen, wettermäßig die Hölle los. Zu diesem Zeitpunkt hatte es in Griechenland und sogar auf den Ägäischen Inseln zwei Meter Schnee gegeben. In Milazzo lag morgens bis auf 200m herunter Schnee und es hatte ein starker Wind mit Stärke 7 geweht. In Scalea gab es Sturm mit Böen über 100km/h und das Meer trat über den Strand und überschwemmte die angrenzenden Gebiete. Ein deutscher Dauercamper auf dem Zio Tom Platz berichtete, dass sein Wohnwagen einen halben Meter unter Wasser stand und später vom Sturm auch noch umgekippt wurde. Auf dem Nachbarplatz liegen zwei weitere umgewehte Wohnwagen, die Openair-Waschbecken wurden mitsamt der Holzwand aus der Verankerung gerissen. Einen Kilometer die Straße nach Süden liegt die Überdachungskonstruktion eines Schwimmbeckens zusammengefallen da. Das sind so die offensichtlichsten Schäden in Scalea. Im Internet las ich, dass es in Malta bei diesem Mittelmeertief sogar lebende Fische vom Himmel regnete. Da hat es wohl irgendwo eine Wasserhose gegeben. Als wir das hörten, mussten wir an den letzten Herbst denken, als in Norditalien das große Unwetter tobte und z.B. den Hafen von Genua verwüstete sowie vielerorts für Überschwemmungen sorgte. Damals waren wir an der Ostküste nach Süden unterwegs und bekamen nur die Ausläufer wie starken Wind und Regen zu spüren, so wie dieses Mal. Drei Kreuze, da sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen.

Sturmschaden vom 24.02.2019

Ein Besuch der kleinen Stadt Diamante, auf einem Felsvorsprung gelegen, ist lohnenswert. Schon auf der Herfahrt aus Süden sahen wir das schöne Bild mit der Bogenbrücke und der hoch aufragenden Stadtkulisse. Auffällig sind die vielen gemalten Bilder an den Häuserfassaden der Stadt. Sie entstanden im Jahre 1981. Viele lokale Künstler beteiligten sich an der Aktion. Später kamen die Texte auf den Bildern dazu. Die meisten der Bilder werden in Schuss gehalten, manche verblassen langsam.

eines der Hauswand-Bilder in Diamante

Die zweite Auffälligkeit sind die Chilischoten, die überall als Werbung aufgestellt sind. Es wird sogar seit 1992 jedes Jahr Anfang September ein Chili-Festival veranstaltet, welches an die Einführung der scharfen Schote in Europa und Kalabrien erinnert. Am Straßenrand stand ein Kleinbauer, der getrocknete Chilis im Zopf verkaufte. Es war das erste Mal, das wir auf solch ein Angebot auf dieser Reise stießen. Für 3,-€ kauften wir ihm einen großen Chili-Zopf ab, dazu schenkte er uns einen kleineren zweiten.

Mitbringsel aus Diamante – Chilizopf

Man sollte also ganz in Ruhe einmal durch die engen Gassen der Altstadt, die sich einen kleinen Berg hinaufzieht, schlendern. Wie überall, in solchen alten Städten, thront eine Kirche auf dem höchsten Punkt.

Ansicht von Diamantes Altstadt

Anschließend geht man die schöne Promenade an der Küste entlang, die genügend Plätze zum Verweilen anbietet. Am südlichen Ende schweift der Blick dann über die angrenzenden Strände und Berge. Es ist wirklich hübsch in Diamante.

Promenade von Diamante

Wer sich für Geschichte interessiert, der ist bei Cirella richtig. Schon die Neandertaler lebten in dieser Gegend und jagten Mammuts, was Funde beweisen. Einige Infotafeln berichten von den Funden und dem Leben über Jahrtausende, aber leider nur auf italienisch.

Ureinwohner von Cirella

Zu griechischen Zeiten kreuzten die großen römischen Galeeren an dieser Küste entlang, um das Gebiet zurück zu erobern.
Die Reste der mittelalterlichen Stadt Cirella Vecchia auf der Bergkuppe, die im 10. Jahrhundert aufgebaut wurde, ist nicht zu übersehen. Der Zugang ist zwar offiziell verboten, aber es hindert auch niemand am Zugang. Man muss nur aufpassen, wo man seine Schritte hinsetzt. Viele Mauern stehen noch, es ist ein Kamin zu entdecken, die Reste einer Kirche oder des Kastells. Bis vor 200 Jahren sollen hier noch Menschen gelebt haben.

das alte Cirella

Zum Komplex gehören auch ein Amphitheater, welches heute noch genutzt wird, und eine Klosterruine mit herrlichem Blick über die Bucht nach Scalea und die angrenzende Berglandschaft. Beides ist jedoch im Winter geschlossen.

Scalea liegt an der Riviera del Cedri, der Küste der Zitronatzitronen. Zweimal im Jahr soll diese Zitronenart geerntet werden können. Jetzt ist die Zeit gerade vorbei. Ein kleines Cedri-Museum in einem ehemaligen Palazzo, und ein Chili-Museum geben Auskunft über die beiden Spezialitäten der Gegend. Sie befinden sich zwischen Scalea und Diamante etwas landeinwärts.

Im 16. Jahrhundert Palazzo, im 19. Jahrhundert Zuckerfabrik, heute Cedri-Museum.

Eine andere Sehenswürdigkeit ist der Torre Talao. Er sticht unter all den bisher gesehenen Verteidigungstürmen hervor. Die Aragonesen errichteten diesen massiven Turm im 16. Jahrhundert. Am Fuße des Turmes steht ein kleines Infohäuschen. Dort kann man sich zum Turm informieren und sich einer Führung anschließen, gegen eine Spende. Von der Terrasse des Turmes aus soll man einen tollen Blick über die Strände der Küste und das Hinterland haben.

Torre Talao

Inzwischen habe ich zwei weitere sizilianische Spezialitäten probiert: knuspriger Pansen und sizilianische Cassata, eine Süßspeise.

Falerna Marina

Die Überfahrt von Messina nach Villa San Giovanni hat gut geklappt. Am letzten Morgen auf Sizilien lachte sogar die Sonne. Wir hatten schon nicht mehr dran geglaubt. Das hielt bis kurz vor Pizzo an. Als wir auf dem Parkplatz am Strand von Falerna Marina ankamen, lag da eine große schwarze Wolke über der Gegend. Zudem stellten wir fest, dass es auf Sizilien Ende Februar definitiv grüner ist als in Kalabrien.

Ankunft auf dem Festland in Villa San Giovanni

Auf dem Weg von Milazzo nach Messina-Tremestieri, bis wohin wir mit unserem großen Womo fahren mussten, zählten wir 31 Brücken und 22 Tunnel. Das ist eine Strecke von ca. 35 Kilometern. Auf dem Festland, von Villa San Giovanni bis zur Abfahrt Palmi besteht die Autobahn nur aus Brücken und Tunneln, ausnahmslos.

Maut wird auf der Autobahn bis hinter die Abfahrt Divieto verlangt. Bis nach Messina ist die Autobahn dann mautfrei. Von Villa San Giovanni bis nach Falerna haben wir auch keine Maut bezahlt. Wir haben gehört, dass die Autobahn an der Westküste erst ab Neapel nordwärts mautpflichtig ist.

Endlich wieder ein Tag voller Sonne und wärmer als vorausgesagt. Beste Voraussetzungen für den Besuch eines Paradieses im Winter. Wir sollten doch unbedingt die Therme in Lamezia Terme besuchen, riet man uns unterwegs mehrfach. Es war einer der besten Ratschläge, die wir bekommen haben. Es ist wirklich ein kleines Paradies in der kalten Jahreszeit.

Kleines Paradies im Winter, auch wenn hier einiges Grün fehlt.

Die Terme Caronte in Lamezia Terme, eher im Ortsteil Caronte gelegen, zwischen zwei eng beieinanderstehenden Berghängen, sollte man sich nicht entgehen lassen. Das große Thermalbad ist über den Winter anscheinend geschlossen. Es ist eine neue Anlage, deren Außenbereich gerade renoviert bzw. erneuert wird. Oberhalb des neuen Thermalbades steht noch die alte Anlage, wahrscheinlich aus dem Ende des vorletzten Jahrhunderts. Um dieses Bad zu besuchen, sollte geöffnet sein, wird natürlich Eintritt verlangt.

alte Thermalbad-Anlage Caronte-Terme

Ganz ohne einen Euro bekommt man ein Badeerlebnis der besonderen Art auf der anderen Straßenseite. In dem kleinen Openair-Paradies kann man in schwefelhaltigem Wasser mit Badewannentemperatur relaxen. Der Schwefelanteil ist nicht sehr hoch, so dass sich die Geruchsbelästigung sehr in Grenzen hält. Die umrandete Quelle liefert sehr viel Wasser, so dass das Wasser im Bassin ständig ausgetauscht wird. Man findet kaum ein schöneres Plätzchen: in einer tollen Berglandschaft und bei kaltem Wind um die Nase im warmen Thermalwasser abhängen. Dazu ein Wasserfall gleich nebenan, über den sich das normale Bachwasser in Strömen ergießt, jedenfalls im Spätwinter. Wir waren einfach nur begeistert.

frei zugängliches Thermalwasser-Becken

Aus der Wand, an der das Badebecken anlehnt, sieht man, wie aus mehreren Löchern Wasser und Schwefeldampf austritt. Rund um die Öffnungen haben sich leuchtend gelbe Schwefelkristalle abgesetzt. Es müssen aber noch andere Salze im Wasser gelöst sein, denn der Boden der Löcher und des Bachbettes mit dem ablaufenden Thermalwasser sind mit einer weißen Masse überzogen.

Schwefel- und Salzablagerungen

Nachdem wir das Bad im natürlichen Pool bei Segesta nicht wahrnahmen, waren wir nun froh, es in Lamezia Terme geschafft zu haben.

Am letzten Abend, beim Sonnenuntergang durften wir noch einmal dem Stromboli Adieu sagen. In den letzten zwei Tagen war die Vulkaninsel nicht zu sehen, hinter einer Wolkenbank verschwunden. Nur zum Sonnenuntergang ließ er sich blicken, als wolle er uns auch Lebewohl sagen.

Sonnenuntergang mit Stromboli

Nachtrag zu Milazzo: In den Nachrichten hörten wir, dass es in Griechenland und sogar auf den Ägäischen Inseln geschneit hatte. Der Schnee lag anschließend zwei Meter hoch, dazu nicht geringe Minustemperaturen. Da brauchen wir uns nicht wundern, dass bei unserem Aufenthalt in Milazzo der Winter ausgebrochen war.

Endlich haben wir es doch noch geschafft, mit sizilianischen Zitronen einen Limoncello anzusetzen. Mal sehen wie er wird. 10 Tage müssen wir noch warten. Das Rezept haben wir in unserem Beitrag Sizilianisch Essen und Trinken aufgeschrieben.

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