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Gargano

Die Halbinsel Gargano ragt weit in die Adria hinein und bildet den Stiefelsporn der italienischen Landmasse. Um die Halbinsel, die zur Region Apulien gehört, zu erkunden braucht man allerdings sehr viel Zeit und ein nicht zu großes Gefährt. Die Straßen haben so gut wie keine geraden Abschnitte. Eine Kurve nach der anderen, meist sehr eng, zerren an den Nerven der Autofahrer. Ein Kilometer Luftlinie sind leicht vier Kilometer, die man unter die Räder nehmen muss. Das hatten wir in der Form bisher nur einmal, und zwar im Westen des Peloponnes (Griechenland). Auf der anderen Seite ist jeder Kilometer wunderschön, denn die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und fast immer bergig.

Nach zwei Zwischenübernachtungen am Strand von Petacciato Marina erreichten wir Manfredonia im Süden der Gargano-Halbinsel. Wie ich schon in den vorangegangenen Berichten schrieb, ist jetzt im Herbst an den Stränden nichts mehr los. Petacciato Marina gehört zum gleichnamigen Ort, der oberhalb auf einem Berg thront. Die Stadt ist nichts besonderes, aber es bieten sich schöne Ausblicke über die Küste und das Meer.

Kirche von Petacciato

Am Strand kann man einem Naturpfad durch den Schilfwald und den Dünenbereich folgen. Eine reiche Artenvielfalt der Flora macht diesen Weg interessant. Im Sommer kommt eine reiche Fauna hinzu. Sogar Landschildkröten sollen in den Dünen leben. Spaziergänge am Strand sind immer toll.

Weg durch meterhohes Schilf

Eigentlich wollten wir noch eine Zwischenstation am Lesina-See und dem Varano-See einlegen, die für ihre vielen Vogelarten bekannt sind. Die bisherige Fahrt durch Italien hat uns jedoch gelehrt, dass Vogelbeobachtungen jetzt kein Thema sind. Deshalb fuhren wir an den Seen im Norden der Halbinsel Gargano vorbei nach Manfredonia. Drei Nächte verbrachten wir auf dem Campingplatz Lido Salpi südlich der Stadt. Von hier starteten wir eine Rundfahrt über Gargano.

Sonnenuntergang am Lido Salpi

Für die erste Station Monte Sant Angelo mussten wir knapp 800 Meter Höhenunterschied in vielen Serpentinen überwinden. Am Heck das immer tiefer gelegene Meer und vor der Front die Häuser am Rande des Berghanges, am Straßenrand sind mehrere Höhlen auszumachen. Der weiche Kalkstein, aus dem die Berge des Gargano bestehen, bietet sich für Höhlenwohnungen an. Als Wohnungen werden die Höhlen wohl inzwischen nicht mehr benutzt, aber für die Hirten oder als Lagerräume haben sie immer noch Bedeutung.

Straße nach Monte Sant Angelo

In Monte Sant Angelo angekommen, muss man einige Geduld und Ruhe aufbringen, denn der Verkehr in den engen bis sehr engen Gassen stockt oftmals. Die vielen Einbahnstraßen lassen das Gewirr der Gassen zu einem Labyrinth werden, aus dem man ohne Navi kaum wieder heraus kommt.
Der interessante Teil der 1000 Jahre alten Stadt befindet sich ganz oben auf der Spitze, wo die Kirche San Michele und das Kastell zu finden sind. San Michele ist eine Grottenkirche, das heißt, die eigentliche Kirche befindet sich unter der Erde. Nur die Eingangshalle und der Glockenturm liegen überirdisch. Neben dem Kastell steht eine alte Häuserreihe, die typisch apulisch aussieht.

Grottenkirche San Michele

Beim Stadtbummel fällt vor allem auf, dass Monte Sant Angelo eine weiße Stadt ist. Um die teils großen Höhenunterschiede zu überwinden, sind in vielen Gassen Treppen eingebaut. Die Häuserfassaden sind sehr schlicht, mit nur wenigen Schmuckelementen. Diese Architektur zieht sich durch ganz Italien.

weiße Stadt Monte San Angelo

Nach dem Besuch von Monte Sant Angelo wollten wir eigentlich die Halbinsel Gargano nach Norden überqueren, um uns den Fischerort Peschici anzusehen. Angesichts der dahinfliegenden Zeit und der kurvenreichen Straßen kürzten wir die Rundtour ab und fuhren durch den Forest Umbra direkt nach Vieste. Zuerst fuhren wir durch die Bergwelt mit vielen Steineichen. Je weiter wir uns der Küste näherten, umso höher wurden die Bäume und der dichte Eichenwald wurde von einem lichten Laubwald abgelöst. Irgendwann häuften sich die Picknickplätze.

Forest Umbra

Nach einer schier endlosen Fahrt, 60 Kilometer nur Kurven, landeten wir in Vieste. Der Hafen der Stadt ist groß, hübsch angelegt und sicher in der Form noch nicht alt. Von dort werden im Sommer Bootsfahrten zu den Tremiti-Inseln angeboten.
Was jedoch die Sehenswürdigkeit in Vieste ist, findet man am südlichen Strand. Wir sahen es und fühlten uns sofort nach Etretat in der Normandie versetzt. Gleißend weiße Steilwände aus Kreide, zumindest wenn die Sonne scheint, mit Häusern direkt bis an deren Kante, ragen mehr als zwanzig Meter senkrecht in den Himmel. Zwischen der Steilwand und dem Strand steht ein Monolith, der sich wie eine Nadel zwanzig Meter über dem Strand erhebt. Das hatten wir hier nicht erwartet. Das ist schon beeindruckend.

Kreide-Monolith von Vieste

Schon fing es an dunkel zu werden, aber die Straße zurück nach Manfredonia wurde nicht besser. Noch einmal 60 Kilometer Kurvenstrecke verlangten den Rest unserer Kondition ab. Nur ein kurzes Stück wurde durch eine Fernstraße ersetzt, ein weiteres Stück ist in Arbeit. Fast alles der neuen Straße besteht aus Tunneln.

Einen Geheimtipp haben wir noch zwischen dem Lido Salpi und Manfredonia gefunden. An der kleinen Straße durch Siponto befindet sich eine Wasserbüffelfarm. Der Geruch, der einem dort in die Nase steigt, ist nicht eben angenehm, dafür ist der Käse aus Büffelmilch umso besser. Das alles bietet die Azienda Agricola Zootecnica – Caseificio die Pini. Man darf sogar vor dem Kauf probieren, denn die Auswahl ist groß. Vom Frischkäse über den Mozarella bis hin zum Hartkäse, da fällt die Entscheidung nicht leicht. Dies war die erste Büffelfarm, die uns auf unseren Reisen bisher begegnete. Die Preise sind zudem bezahlbar.

Wasserbüffelfarm bei Siponto

 

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Tropea

Den hohen Spritpreisen und den vielen Kilometern geschuldet ist die nächste Abkürzung der Strecke. Anstatt weiter an der Ostküste Kalabriens bis nach Reggio di Calabria entlangzufahren, bogen wir bei Corigliano Calabro nach Westen auf die Autobahn A3 (A2) ab. Zumeist verläuft die Strecke durch die Täler des Apenninen-Gebirgszuges, nur hinter Cosenza steigt die Autobahn auf 636m Höhe an. Danach geht es wieder abwärts in Richtung Tyrrhenisches Meer. Seit Neapel ist die Autobahn mautfrei, was uns um die 15,-€ ersparte.

Autobahn Richtung Apenninen

Da es von der Abfahrt in Pizzo bis nach Tropea noch mehr als 30km sind und wir in Pizzo wieder auf die Autobahn fahren müssen, wenn wir zur Fähre nach Sizilien wollen, suchten wir uns einen Stellplatz in Pizzo. Den fanden wir unten am Strand am Lido Delfino. Da jetzt im Herbst das Strandbad geschlossen hat, ist das kein Problem. Gleich nebenan steht eine Pizzeria, aus der es am Abend lecker duftet. In Sichtweite ragt der Vulkan Stromboli aus dem Meer, der Teil der Liparischen Inseln ist. Am Ankunftsabend zeigte sich der Vulkan wolkenlos. Mit dem Fernglas war sogar auszumachen, dass von der rechten Hinterseite Rauchwolken aufsteigen. Da tut sich was im Stromboli. Wir werden sehen, dass wir irgendeine Bootsfahrt dorthin bekommen.

Stromboli im Sonnenuntergang

Eine Möglichkeit dafür bietet sich in Tropea, aber da uns auf Grund der Entfernung vom Stellplatz nach Tropea nur ein paar Stunden in der Stadt blieben, hatten wir keine Zeit für die Bootsfahrt. Dann werden wir es von Sizilien aus versuchen.

Von Pizzo nach Tropea kommt man durch mehrere Orte, wenn man direkt an der Küste bleibt. Es gibt aber auch eine Umgehungsstraße, die wir befuhren. Durch die enge, kurvige Straße der Unterstadt von Pizzo muss man trotzdem. Mit dem Wohnmobil sollte man dann doch durch die Oberstadt von Pizzo fahren, auch wenn die Straße steil bergauf geht. Immer wieder hielten wir an, um die schönen Aussichten zu genießen.

in Pizzos Unterstadt

Die Altstadt von Tropea steht hoch oben auf dem Rand eines Felsplateaus. Zuerst sahen wir uns jedoch unten am Strand um und bestiegen den einzelnen Felsen, der dort steht. Auf dessen Spitze steht seit 1780 eine Kirche, zu der ein Garten mit tollen Aussichten gehört. Die Kirche kann kostenlos besucht werden. Für den kleinen Garten werden normalerweise 2,-€ fällig. Wir brauchten die 2,-€ nicht bezahlen, vielleicht weil uns nur ca. 10 Minuten blieben, bevor der Garten für die Mittagspause geschlossen wurde.
Über eine Treppe in der Nähe des westlichen Strandes erreicht man die Altstadt von Tropea. Von einem großen „Balkon“ sieht man nun auf den einzelnen Felsen mit der Kirche obendrauf. Eine zweite Treppe auf den Berg existiert an der gegenüberliegenden Seite.

Felsen mit dem Santuario Santa Maria dell’Isola

Nun waren wir neugierig auf die Gassen. Der Spaziergang gerät zum Erlebnis und an vielen Ecken muss man staunen. „Eng, enger, am engsten“ ist wohl das Motto. Manchmal sieht man nicht einmal, ob es an der nächsten Ecke überhaupt weiter geht. Dabei sind die Häuser recht hoch. Viele Häuser sind in einem sehr schlechten Zustand, andere erfuhren schon eine Renovierung. Es tut sich etwas. Zu allem zwängen sich die Autos der Anwohner durch die Gassen, bei denen kaum 5cm auf beiden Seiten des Autos Luft bleiben. Die Fußgänger müssen sich dann in einem Hauseingang oder einer abzweigenden Gasse in Sicherheit bringen.
Für das leibliche Wohl sorgen viele Restaurants, Cafés und einige Spezialitätenläden. In der Mitte der runden Altstadt Tropeas befindet sich der Marktplatz. Von dort aus ist es in keiner Richtung weit bis zur nächsten Aussicht. Dieser Spaziergang ist einfach etwas Besonderes.

Lauschige Ecke in der Altstadt Tropeas

Nach dem Besuch Tropeas kann man weiter zum Capo Vaticano fahren. Das raue Ende der Halbinsel mit Tropea versprüht eine eigene Atmosphäre. Die Vegetation ist nicht mehr so hoch und üppig. Der Weg zum Capo Vaticano ist ohne Google Maps kaum zu finden, weil an vielen Kreuzungen und Abzweigungen kein Hinweis zu finden ist. Nur sporadisch zeigen Schilder die Richtung an.
Am Kap angekommen, steht man vor dem Leuchtturm, der jedoch militärische Sperrzone ist. Kurz vorher zweigt ein Weg nach unten zu einem Aussichtspunkt ab. Von dort aus sieht man links die Steilküste mit einem Strand. Gegenüber liegt Sizilien, allerdings war die Sicht ziemlich diesig, so dass wir nicht ausmachen konnten, was noch italienisches Festland ist und was zu Sizilien gehört. Auf der rechten Seite ist wieder der Stromboli zu sehen, der heute eine Wolkenhaube trug. Heute früh war der Vulkan ganz in Wolken gehüllt. Hätte die Pizzeria am Aussichtspunkt geöffnet, wäre das ein sehr schönes Plätzchen, um wenigstens einen Kaffee zu trinken. Von dort aus gelangt man auf einen tiefer gelegenen Fußweg, von dem aus man sicher einen schöneren Blick auf die einzelnen Felsen an der Küstenlinie hat. Leider hat die Pizzeria im Winterhalbjahr geschlossen, wie viele andere Einrichtungen an den Küsten Italiens.

Aussicht am Capo Vaticano

Um nach Pizzo zurück zu fahren, nahmen wir einige Alternativrouten zu der Strecke, die wir gekommen waren. Laut Karte ist die Straße auf der Westseite der Halbinsel schmal und sehr kurvenreich, was wir uns nach Gargano nicht schon wieder antun wollten. Dazu kommt, dass es jetzt schon um 17 Uhr dunkel ist und die Tage damit viel zu kurz sind.

Diese Gegend Kalabriens ist Zwiebelgebiet. Vor allem rote Zwiebeln werden allerorten angeboten. Natürlich kauften wir uns auch welche in einem der Spezialitätengeschäfte am Straßenrand. Wir hatten den Laden noch gar nicht ganz betreten, da wurden wir auch schon mit Kostproben verwöhnt, hübsch angerichtet in glasierten Keramikschalen: Brot mit verschiedenen Pesti oder Salaten, dazu Oliven oder Zwiebelsalat. Da fällt die Wahl schwer, die dann auf ein Pesto aus getrockneten Tomaten fiel. Dazu kauften wir einige der roten Zwiebeln.
Eine andere regionale Spezialität ist Mandelmilch mit 11% Mandelanteil. Ein halber Liter kostet 2,99€.

Trulli´s

Die Via Adriatica, ss16, brachte uns nun immer an der Adriaküste entlang bis nach Fasano, südlich von Bari. Fasano ist das Tor in eine besondere Welt, deren Zentrum Locorotondo ist. Locorotondo schmiegt sich um einen Hügel, der sich aus der Hochebene namens Itria-Tal erhebt. Die Hochebene liegt um die 410m über NN.

Locorotondo – Ansicht von Süden

Locorotondo wird zurecht als eines der schönsten Dörfer Italiens bezeichnet. Im Gegensatz zu Monte Sant Angelo macht es richtig Laune, durch die Gassen hoch und runter zu laufen. An jeder Ecke gibt es etwas interessantes zu sehen, gibt es liebevoll gestaltete Eingänge oder Balkone. Inmitten der vielen weißen Häuser fällt der rote Palazzo Aprile-Ximenes auf, der Palazzo Morelli brilliert mit seinen barocken Elementen, mehrere Kirchen in verschiedenen Stilen tragen ebenfalls zur Abwechslung in den weißen Fassaden bei.

Palazzo Morelli

Der Name Locorotondo weist auf die runde Altstadt hin. Sie ist nicht groß und so kommt man früher oder später an den Rand der gleichen. Fast von jedem Punkt aus schweift der Blick weit über das Itria-Tal. Dort erblickt man auch an vielen Stellen die für die Gegend typischen Zipfelmützenhäuser, die Trullis von Apulien.
Die „Hauptstadt der Trullis“ ist Alberobello, 9km westlich von Locorotondo gelegen. Schon auf dem Weg sind viele dieser lustigen Häuser zu sehen. In Alberobello angekommen, folgt man dem braunen Schild zum Trullizentrum. Hier kann man nur noch staunen. Ein ganzes Stadtviertel besteht fast ausschließlich aus Trullis. Es gibt sogar ein siamesisches Trulli, selbst die Kirche wurde im Trullistil erbaut.

Trullis soweit das Auge reicht

Neben den viel begangenen Hauptwegen, an denen sich die Souvenirbuden reihen, sollte man auch in die ruhigen Gassen abbiegen. Dort kommt man zwar meist nicht weit, weil viele von ihnen Sackgassen sind, aber es lohnt sich. Viele der Trullis tragen weiße, aufgemalte Zeichen. Sie alle haben eine Bedeutung, wie auch die Schmucksteine auf den Dachspitzen. Sogar manche Rauchabweiser auf den Schornsteinen stellen Figuren dar.

mittendrin in den Trullis

Ein paar Geschäfte bieten die Möglichkeit, auf das Dach zu steigen und sich die ganze Szenerie von oben anzusehen. Diese Trullis sind wohl einmalig auf der Welt. Leider sind die Preise in den verschiedenen Geschäften sehr hoch, wie auch die Parkgebühren. Während die meisten Orte in Italien jetzt von den Touristen fast verlassen sind, hat Alberobello wohl das ganze Jahr Saison. Jeder will den ungewöhnlichen Ort sehen.
Wenn man Zeit hat, sollte man durch die kleinen Nebenstraßen der Gegend fahren. Trullis in allen Variationen bestimmen das Bild. Manche sind verlassen und verfallen, manche werden immer noch bewohnt. Zumeist sind die alten Trullis jedoch in die modernen Häuser integriert, werden als Lagerraum oder Garage genutzt. Es wurden aber auch neue Häuser gebaut, die die Trullielemente aufgenommen haben. Flache Steinmauern umranden die kleinen Grundstücke, in denen oft Olivenbäume oder Obstbäume wachsen, oder es wird Gemüse angebaut. Es ist eine aufregende Gegend rund um Locorotondo.

Trulli als Schutzhütte

Übernachtet haben wir auf dem großen Parkplatz am Stadion von Locorotono, nicht gegenüber auf dem schrägen Wohnmobilstellplatz. Von dort sind es nur ein paar Schritte in die Altstadt.

Nachtrag: In den Salinen bei Margherita di Savoia, südlich von Manfredonia, sahen wir die ersten Flamingos auf unserer Reise durch Italien. Flamingosichtungen freuen mich immer wieder besonders, denn es sind sehr schöne und majestätische Vögel.

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