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Gela

Gela stand nicht auf unserer Zielliste auf Sizilien, war aber ein guter Ausgangspunkt für den Ausflug nach Caltagirone. Wir übernachteten auf dem Parkplatz vorm Gericht am östlichen Stadtende. Dort befindet sich auch eine große Raffinerie. In der Umgebung von Gela, und vor der Küste, wird nach Öl gebohrt. Pferdekopfpumpen, Bohrmaschinen und Molchstationen gehören zum Landschaftsbild.

Erdölpumpen

Die Stadt selbst lädt nicht gerade Gäste ein, denn sie zeigt sich ziemlich dreckig. Man kann kaum drei Schritte gehen, ohne durch vom Winde verteilten Müll zu laufen. Das trifft auch auf die Umgebung zu. Viele Parkplätze oder Ausbuchtungen an Straßen sind Müllabladeplätze. Wind und streunende Hunde nehmen diese Haufen dann gerne auseinander. Im Hafenbecken zeigt sich das gleiche Bild. Wenn man ins Wasser schaut, wird einem übel, so dass wir den Hafen bald wieder verließen.
Das ist nicht das Einzige: als Fußgänger hat man es echt schwer in Gela. Während Autos auf den Fußwegen geparkt sind, soweit überhaupt welche vorhanden sind, oder Kneipen den Fußweg als Erweiterung ihres „Reviers“ missbrauchen, müssen die Fußgänger auf der Straße laufen. Sind dann mal Fußwege nutzbar, ist es eher ein Hindernislauf, weil man ständig tiefergelegte und schräge Auffahrten passieren muss.

Fußwege, die keine sind

Trotzdem hat Gela, welches sich auf dem Kamm einer hohen Dünenkette hinzieht, einige interessante Ziele. Nur die Altstadt reicht bis an den Strand heran.

Altstadt Gela

Vor allem die alten Griechen haben in Gela ihre Spuren hinterlassen. Da wären z.B. die Akropolis, an die das Archäologische Museum angeschlossen ist, und das griechische Thermalbad, das 1967 entdeckt wurde. Genau über diesem Bad steht heute das Krankenhaus, so dass nur wenig ausgegraben werden konnte.

Griechisches Thermalbad

Wenn man auf der Hauptstraße Corso Vittorio Emanuele auf dem Dünenkamm unterwegs ist, sieht man ab und zu durch die Gassen, wie tief die angrenzende Landschaft im Vergleich liegt. Dabei kommt man irgendwann an der Kirche Santa Maria Assunta vorbei.

Kirche Santa Maria Assunta

Noch weiter im Westen erreicht man einen schönen Park, den Gemeinschaftsgarten Villa Comunale Guiseppe Garibaldi. Er bietet einen guten Aussichtspunkt mit Blick hinüber zur Altstadt und zur Küste. In der Nachbarschaft steht ein Kirchenkomplex mit der riesigen Statue Madonna delle Grazie auf dem Dach.
Unterhalb des Aussichtspunkts sind noch Reste des unteren Gemeinschaftsparks zu erkennen, die jedoch vollkommen überwuchert sind. Eine englische Treppe verband einst die beiden Parkteile.

im Gemeinschaftsgarten Villa Comunale Guiseppe Garibaldi

Am Strand unten legte man eine schöne Promenade an, an der sich Geschäfte und Restaurants reihen. Der Pier, der weit ins Wasser ragt, ist anscheinend wegen Baufälligkeit gesperrt. Auch ein ehemaliges rundes Strandrestaurant, einst wohl abgebrannt, glänzt nur noch als Ruine.

Promenade von Gela

Es ist echt schade, dass Gela, mit soviel Potenzial ausgestattet, ein so trauriges Bild abgibt. Da wirkt das moderne Gerichtsgebäude, vor dem wir stehen, wie aus der Zukunft.

Gerichtsgebäude von Gela

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Dumm gelaufen

Wer meint, dass wir schon über alle Berge sind, der irrt. Seit drei Tagen sitzen wir in Ettenheim bei Freiburg fest. Ein letzter Versuch, doch noch an die ACSI Campingcard zu gelangen, ist ebenso daneben gegangen, wie die anderen. Diese Campingcard soll uns Vorteile auf der Reise durch Frankreich, Spanien und Portugal bringen. Beim Vorlegen der Karte soll man bis zu 50% der Preise auf den entsprechenden Campingplätzen sparen können. Also bestellte ich die Campingcard am Donnerstag Abend per Expresslieferung. Der Absender schickte sie auch gleich am Donnerstag Abend noch los. Da wir bis Samstag früh umsonst warteten, forschten wir anhand der Sendungsnummer, wo unsere Lieferung ist. Das Paket traf am Samstag um 6.16 Uhr im Paketzentrum in Lahr ein, was ganz in der Nähe liegt. Bis zum Mittag bewegte sich das Paket von dort nicht mehr weg. Nach langem Suchen fanden wir endlich eine Servicenummer der DHL. Dort trugen wir unseren Fall vor. Der Mann am anderen Ende, meinte nur lapidar: er könnte nicht erkennen, warum das Paket nicht mehr am Freitag Abend ausgeliefert wurde. Außerdem wäre für solch einen Fall eine Samstagslieferung nicht dazu gebucht worden. Das ist eben ein Fall von „Dumm gelaufen“. Was soll man dazu noch sagen? Die nicht geringe Expressgebühr könnte sich der Absender von der DHL wiederholen, woraufhin wir diese Gebühr wiederum vom Absender zurückbekommen sollten.

Ettenheim

Ettenheim

Na ja, jedenfalls hatten wir nun drei Tage Zeit, uns in der Umgebung umzusehen. Ettenheim an sich wirbt mit einer barocken Altstadt. Neugierig fuhren wir hin, aber außer der auf einem Hügel stehenden Kirche, dem Rathaus und vielleicht zwei, drei Häusern konnten wir kein Barock entdecken. Geschäfte hat die Altstadt Ettenheims nicht zu bieten, gerade einen Bäcker und einen Fleischer, die zudem Mittags geschlossen sind, werben um Kunden. Enttäuscht verließen wir Ettenheim wieder.

Rheinfähre bei Rhinau

Rheinfähre bei Rhinau

Auf der anderen Seite der Autobahn ist es interessanter. Der Doppelort Kappel-Grafenhausen lädt da eher zu einem Besuch ein. Hier finden sich richtig schöne und rekonstruierte Fachwerkbauten, sowie Restaurants und Geschäfte. Fährt man durch die Orte hindurch, erreicht man bald die Rheinfähre nach Rhinau auf der französischen Seite des Rheins. Auf der deutschen Seite breiten sich hinter dem Damm, der den Rhein in seinem Bett hält, die Rheinauen aus. Alte Rheinarme und Seen teilen das waldbestandene Gebiet, welches ein Naturparadies für verschiedene Wildtiere ist.

alte Markthalle Freiburg

alte Markthalle Freiburg

Freiburg bei Nebel und 9°C zu besuchen, ist nicht gerade ein Vergnügen. Bisher löste sich der schon Tage andauernde Nebel um die Mittagszeit auf, aber nicht so bei unserem Freiburgbesuch. So spazierten wir eher kurz und knapp, als die schöne Stadt genießend, durch die Straßen. Die oberste Spitze des Münsters war kaum noch im Nebel auszumachen. Innen ist der Münster sehr dunkel. Es fällt kaum Licht in die dunkel gehaltenen bleiverglasten Fenster. Beeindruckend sind neben dem Münster auch das große Stadttor und die alte Markthalle am Münster.
Aber nun geht es los, Richtung Süden.

Rückfahrt über die Schweiz

Also, in Norditalien selbst Ende März einen Stellplatz oder Campingplatz zu finden, der geöffnet und auch noch groß genug ist, ist sehr schwierig. Immer wieder versuchten wir, irgendwo einen Platz zu finden, wo wir noch ein paar Nächte bleiben konnten, bevor wir zurück nach Deutschland fahren. Das funktionierte nicht und so fuhren wir über Genua, Mailand und Como (290km) in die Schweiz. Entlang der Riviera di Levante, also von Cinque Terre bis Genua war es eigentlich eine Tunnelfahrt. Von der Landschaft bekommt man dort nur wenig zu sehen.

Vor dem Grenzübertritt mussten wir uns schlau machen, was für die Maut in der Schweiz nötig ist. Für unser Womo über 3,5t brauchten wir eine Schwerverkehrsabgabe, für den kleinen Anhänger eine Vignette. Beides zusammen bekamen wir am Grenzübergang und kostete ca. 60,-€.

auf dem Weg zum Gotthard-Tunnel

Auf der ersten Raststätte hinter der Schweizer Grenze übernachteten wir, kostenlos. Wie sich auf der Durchfahrt durch die Schweiz herausstellte, werden normalerweise auf den Parkplätzen der Raststätten 15,-€ für die Zeit von 19-5 Uhr fällig. Da hatten wir nochmal Glück.

Die Preise in den Läden und Tankstellen der Schweiz sind unsagbar teuer. Als wir die Preise sahen, war uns klar, dass wir uns nicht lange in der Schweiz aufhalten werden. Eine Nacht wollten wir aber doch noch irgendwo übernachten, wo es schön wäre. Genauso wenig wie schon in Italien fanden wir auch in der Schweiz nahe der Autobahn keinen Platz. Nur vorm Gotthard-Tunnel legten wir eine Pause am Parkplatz der Seilbahn ein, wo wir eigentlich eine Übernachtung geplant hatten. Das Panorama ist wunderschön, mit den schneebedeckten schroffen Gipfeln der Alpen. Ich konnte nicht umhin, wenigstens einmal durch den Schnee zu stapfen. Die Seilbahn mit zwei gegenläufigen großen Kabinen bringt die Leute hoch in die weiße Winterwelt. Es stand am Schalter kein Preis für die Seilbahnfahrt, den ich hier nennen könnte.

letzter Parkplatz vorm Gotthard-Tunnel, an der Seilbahn

Eine Käserei mit Restaurant wartet auf Gäste. Bis zum Gotthard-Tunnel scheint die Schweiz noch zu Italien zu gehören, denn die Schilder sind auf italienisch und es wird italienisch gesprochen. Die Preise in der Käserei sind doppelt so hoch, wie wir sie von Italien her gewohnt sind.

Die Kälte der Alpen, der Schnee reichte bis an die Tunneleinfahrt heran und der Raureif der Nacht lag noch auf den Bäumen, ließ uns dann doch weiterfahren.

Die Durchfahrt durch den Gotthard-Tunnel ist in der Vignette/Schwerverkehrsabgabe enthalten, kostet also nicht extra. Als wir nachsahen, wie wir am besten über die Alpen kommen, blieb nur der Gotthard-Tunnel. Auf der Strecke über Turin in die Schweiz liegen der Fréjus-Tunnel und der Mont Blanc-Tunnel. Beide dürfen nicht von Fahrzeugen mit Emissionsklasse 0 befahren werden. So blieb uns nur die Strecke mit dem Gotthard-Tunnel. Die Steigungen sind moderat, da war die Überquerung des Brenner wesentlich kniffliger. Der Gotthard-Pass ist bis Mitte Mai geschlossen.

derzeitige Einfahrt in den Gotthard-Tunnel von Süden

Der Gotthard-Tunnel ist mit 16,9km der viertlängste Tunnel der Welt. Die LKWs werden nur einzeln, per Ampel gesteuert, in den Tunnel gelassen. Sie müssen einen Sicherheitsabstand von 150m zueinander einhalten. Da Überholverbot im Tunnel herrscht, müssen sich die PKWs einordnen und im Tempo der LKWs mitfahren. Erst in einigen Jahren wird es möglich sein, beide Tunnelröhren und dann jeweils beide Fahrspuren zu nutzen. Nach vielen schrecklichen Unfällen im Tunnel wurde viel für die Sicherheit unternommen. Mit den großen Abständen und dem relativ geringen Verkehr zur Zeit, fühlten wir uns schon ziemlich sicher. Nach 16 Minuten kamen wir endlich wieder ans Tageslicht.

Am Vierwaldstätter See wartet ein 9,25km langer Tunnel. Es folgen dann noch viele Tunnel. Die meisten zwischen 1-3km lang, aber auch längere Tunnel. Irgendwann hat man dann einfach keine Lust mehr auf die Dinger. Schade um die schöne Bergwelt, die ständig aus dem Blickfeld verschwindet. Lange wird man von den schneebedeckten Gipfeln begleitet. Leider ist das Tal, welches sich vom Gotthard bis zum Vierwaldstätter See anschließt, von Stromtrassen verschandelt.

am Vierwaldstätter See

Irgendwann passiert man den Sempacher See, wo wir eine Pause auf dem Parkplatz einlegten, und schon bald ist man in Basel. Am Grenzübergang nach Deutschland nahmen wir die Busspur, weil wir ja kein PKW sind, und standen vor einer roten Ampel. Die Ampel wurde nicht grün und es kam auch niemand, der sich um uns kümmerte. So ging ich ins Büro und fragte, ob wir weiterfahren könnten. Als dann der deutsche Zollbeamte zu sprechen war, fragte er nur, ob wir aus der Schweiz etwas zu verzollen hätten. Ich sagte ihm, dass wir aus Italien kommen. Dann könnten wir durchfahren, Gute Fahrt. So weit wollten wir am Stück (330km) gar nicht fahren, aber was soll man machen.

Ausflug von Müllheim nach Neuenburg – Narrenbrunnen

Erst in Müllheim-Hügelheim, am Kräuterhof, fanden wir ein Plätzchen zum Stehen und Übernachten. In dem großen freundlichen Laden wird alles was mit und aus Kräutern gemacht ist verkauft. Die Preise sind in Ordnung. Beim Fleischer, nicht weit weg, konnten wir etwas gegen unseren Heißhunger für Fleischsalat, Leberwurst und Sülze tun. In Italien gibt es nur an die 50 Sorten Salami und Schinken, aber sonst nix. Das wird für Abwechslungs-Fetischisten wie uns zur Tortur. Jetzt werden wir uns erst einmal wieder mit richtigen deutschen Gerichten verwöhnen. Immer nur Pasta wird auf die Dauer auch langweilig. Auf der anderen Seite muss ich dazu sagen, dass wir auf Sizilien sehr viele gute Gerichte probiert haben, weil dort alles sehr günstig ist.

Carrara

Im Hinterland zwischen Lucca und Carrara türmen sich die Apuanischen Alpen schroff gen Himmel. Die höchsten Gipfel erreichen knapp 2000 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Kommt man nach Carrara, dann sieht man schon die kahlen Gipfel, die aussehen, als würden sie immer noch Schnee vom letzten Winter tragen. Diese weißen Narben sind Marmorsteinbrüche, die schon zu römischen Zeiten genutzt wurden. Entlang der Via Aurelia haben marmorverarbeitende Betriebe ihren Sitz. Ihre Höfe sind vollgestopft mit großen Marmorblöcken, die auf ihre Auslieferung oder Verarbeitung warten.

Marmor wohin man blickt

Es gibt drei große Steinbrüche: Ravaccione, Colonnata und Fantiscritti. Von Carrara aus am besten zu erreichen ist Fantiscritti, eine gigantische Kulisse schon aus der Ferne. Die schmale Straße, durch die Stadt Carrara kommend, windet sich die Berghänge hinauf, bis direkt ins Zentrum des Geschehens. Man sollte jedoch als Tourist beachten, dass die Lastwagen Vorfahrt haben, denn die haben es immer eilig, um von einem Punkt zum anderen zu kommen. Mit fast wahnwitziger Geschwindigkeit befahren sie die Serpentinen.

Straße zur Grube Fantiscritti

Am Ende der Straße befindet sich der Parkplatz der Grube Fantiscritti. Man kann die Relationen kaum fassen, in denen hier gearbeitet wird. In schwindelerregenden Höhen und auf schmalen Wegen, die Abgründe sind tief, arbeiten die gigantischen Maschinen. Die Geräusche von Presslufthämmern, Baggerschaufeln und LKW-Motoren erfüllen die Luft ringsherum. Manchmal wurden sogar Stollen in die Hänge getrieben. Unglaublich.

Riesenmaschinen erscheinen winzig klein im gewaltigen Berg

Um alles hautnah zu erleben, werden „Marmor-Touren“ im Geländewagen angeboten: 50 Minuten für 12,-€. Oder man sieht sich das kleine Marmor-Museum „Cava Museo“ für 2,-€ Eintritt an. Hier wird die Geschichte des Marmorabbaus von Anbeginn dargestellt.
In der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v.Chr. begann man, den Marmor abzubauen. Die Römer und Griechen benutzten ihn für ihre Thermen, Häuser oder für Möbel. Jede Menge Sklaven schufteten für den Wohlstand der beherrschenden Mittelmeerländer. Bis ins 19. Jahrhundert hinein änderte sich wenig an der Abbautechnik. Zuerst wurden die Blöcke mit Holz, welches sich unter Wasserzugabe ausdehnte und den Marmor aus der Wand sprengte, aus dem Berg gebrochen. Später übernahmen Stahlkeile die Funktion des Abspaltens. Heutzutage wird dem Marmor mit Bohrern und Sägen zu Leibe gerückt. Die Arbeit war und ist bis heute schwierig und gefährlich.

Steine spalten mit Stahlkeilen

Den Abtransport der Blöcke übernahmen zu Römerzeiten Menschen, die sie mit Hilfe von Seilen, Flaschenzügen und Holzbohlen den Berg hinunter schafften. Später übernahmen diese Arbeit Esel und Ochsengespanne mit bis zu 24 Tieren. Manche Blöcke wurden an Ort und Stelle von sogenannten Quadratoren mit Hammer und Meißel in viereckige Formen gehauen.

der Quadrator

Im 19. Jahrhundert kam die Eisenbahn und erleichterte wenigstens den Abtransport des Marmors. Der Abraum blieb liegen und behinderte irgendwann die normale Arbeit. Niemand wusste wohin damit. Marmor zersetzt sich ja nicht mit der Zeit. Inzwischen wird auch dieser genutzt, z.B. in der Pharma- und Kosmetikindustrie, die Marmormehl in Zahnpasta, Cremes und sogar in die Sahne geben. Außerdem wird es als Futterzusatz für Hühner und in der Wäscherei verwendet. Das klingt etwas befremdlich, aber Marmor ist nichts anderes als eine Form von Kalk, und zwar zu 99%. Eine andere Möglichkeit den Abraum zu verarbeiten, ist, den Stein mehlfein zu mahlen und zu pressen und damit z.B. Skulpturen zu erschaffen. Früher war das wohl auch noch Handarbeit. Heutzutage übernehmen CNC-Maschinen die Grobarbeit, bis hin zu einer Feinheit, dass der Mensch eigentlich nur nur die Kanten wegschleifen muss. So entstehen Skulpturen, Brunnen und was auch immer.

so werden Skulpturen heute gemacht

Im Shop der Grube Fantiscritti kann man tolle Sachen aus diesem Pressmarmor, aber auch aus echtem Marmor, Onyx aus Pakistan oder der Türkei, und anderen Marmorarten kaufen. Aus überall in der Welt kommen die Materialien, die hier in Carrara zu Platten, Nutzgegenständen und vielem mehr werden. Es wird also nicht nur einheimischer Marmor verarbeitet.
Vor allem das „Marmorobst“ ist der Knaller. Es ist von echtem Obst nicht zu unterscheiden.

Das ist doch echt, klar! – Nein, ist es nicht, alles Marmor.

Wie entstand eigentlich der Marmor selbst? Vor zweihundert Millionen Jahren breitete sich im Bereich der Apuanischen Alpen ein flaches tropisches Meer aus. Korallen besiedelten damals die Meere, starben ab und bildeten Kalkablagerungen. Das Kalk wurde immer mehr und schwerer, so dass sich der Boden absank und sich die unteren Schichten verdichteten. Hoher Druck und Temperaturen bis zu 450 Grad sorgten dafür, dass aus den Kalkskeletten der Korallen, aus Muschelschalen und Kalkskeletten anderer Tiere Millionen Jahre später Marmor wurde. Je nachdem, was für Beimischungen im Kalk enthalten waren, besitzt der Marmor heute viele verschiedene Farben und Maserungen. Auch die Qualitäten sind unterschiedlich.

Von weißgrau bis bunt ist alles vertreten.

Zu dem Museum gehört auch die Hütte des Grubenverantwortlichen. Sie besaß nur einen Raum, in dem er lebte, arbeitete und schlief, inmitten der vielen lauten Geräusche des Steinbruchs. Nachts war er dann praktisch in Bereitschaft.

Es gibt sogar eine Verbindung von Carrara zu Abu Simbel. Schweden bekam 1964 bis 1968 den Auftrag, die Tempel von Abu Simbel vor den Wasser des neu anzulegenden Nasser-Stausees zu retten und zu versetzen. Eine Gruppe aus Carrara leitete die über 3000 Männer, die diese Leistung vollbrachten, bei ihrer wichtigen Arbeit an.

Voller neuer und gewaltiger Eindrücke fuhren wir zum Stellplatz, ein Parkplatz am Carrarafiere in Marina di Carrara zurück. Die Gemeinde kann sich sogar Parkplatzabgrenzungen aus Marmor leisten. Überall, wo man hinsieht, sieht man Marmor. Mehrere große Skulpturen zieren den Strand und die Promenade des Ortes, Mauern und Böden sind mit Marmorplatten belegt. Sogar die Wellenbrecher an der Mole bestehen aus Marmor. Wo hat man das schon?

Marmorskulptur am Strand von Marina di Carrara

Marina di Carrara ist ein Ferienort mit einer kleinen Stadt dahinter. Von vielen Stellen, und ganz besonders vom Strand aus, kann man die grandiose Kulisse des Fantiscritti-Steinbruchs bewundern. Da muss man einfach immer wieder hinsehen.

Carraras Kulisse vom Strand aus

Lucca

Von Pisa aus starteten wir zu einer Tages-Rundtour über San Giuliano Terme nach Lucca. Auf dem Rückweg besuchten wir die Marina von Viareggio und sahen uns den nächsten Stellplatz in Torre del Lago Puccini an.

Nur knapp 5km von Pisa entfernt liegt San Giuliano Terme. Es ist ein kleiner Ort mit dem Palazzo delle Terme, ein Hotel, als Mittelpunkt. Oberhalb der Bagni di Pisa ist eine Art kleiner Kolonadenbau zu sehen. Schon die Römer nutzten die Thermalquelle. Im Sommer sieht das alles wahrscheinlich viel schöner aus, wenn alles grün ist. Die Natur erwacht hier erst aus dem Winterschlaf, ist aber immerhin schon gut eineinhalb Monate dem deutschen Frühling voraus.

San Giuliano Terme

In Lucca fanden wir am heutigen Sonntag, gerade noch einen frei werdenden Parkplatz vor der Porta S. Pietri, dem großen Stadttor im Süden Luccas. Sonntags ist immer schlecht für Ausflüge, weil dann alle Italiener unterwegs sind.
Lucca geht auf eine etruskische Gründung zurück, Die Römer bauten zu ihrer Zeit das Straßennetz aus, welches zumeist rechtwinklig ausgerichtet ist. Ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts baute man eine Stadtmauer, deren Fertigstellung fast 150 Jahre brauchte. Sie ist so breit, dass auf dem Kamm der Mauer eine baumbestandene Allee Platz hat. Angeblich soll die Stadt nach dem Bau der Mauer niemals eingenommen worden sein.
Unser Spaziergang durch die Stadt begann also an der Porta S. Pietri.

Porta St. Pietri

Wenn man sich geradeaus hält, kommt man zum Corso Garibaldi. Gerade zu diesem Zeitpunkt blühen die Magnolien über und über, und am Corso Garibaldi stehen diese Bäume zu beiden Seiten, ein spektakulärer Anblick. Ich glaube, die meisten Leute machten heute die meisten Bilder von dieser Straße.

Magnolientraum in der Corso Garibaldi

Wenn man sich weiter geradeaus hält, gelangt man mitten ins Zentrum von Lucca. Vorbei an der Piazza Napoleone erreicht man zwei Blocks weiter die aus weißem Marmor erbaute Kirche San Michele in Foro.

Kirche San Michele in Foro

In der Antike besaß Lucca auch ein Amphitheater. Dies existiert nicht mehr, aber der Platz ist noch da. In genau der gleichen Form des antiken Theaters stehen heute Häuser um die „Arena“ herum. Der Platz mittendrin, die ehemalige Arena, ist heute ein beliebter Aufenthaltsort mit Kneipen und Restaurants rundherum. Es ist der Platz mit der meisten Sonne in der Altstadt. In den engen Gassen ist das da schon schwierig, wie in allen diesen alten Ortskernen.

Piazza Amfiteatro

An unserem Besuchstag fand in Lucca ein Trödelmarkt statt, der von der Piazza Napoleone bis zur Kathedrale reichte. Ein ganzes Altstadtviertel war ein einziger Trödel- und Antikmarkt. Das Angebot reichte von selbstgemachtem Schmuck bis hin zu antiken Möbeln. Man hätte den ganzen Tag stöbern können. Keine Spur von Klamotten aus Fernost.

Trödelmarkt an der Piazzo Napoleone

Zum Abschluss unseres Rundganges kehrten wir in den Irish Pub „The little Folk“ an der Via San Girolamo ein. Der Pub ist sehr klein. An der Straße liegen nur ein Außenverkaufsfenster und eine Türe. Innen ist der Pub urig. An der Bar, die fast den halben Pub einnimmt, werden Guiness und Ales ausgeschenkt. Zur Feier des St. Patrick-Day gab es zu jedem Guiness eine schicke Mütze dazu. St. Patrick ist der Schutzpatron der Iren, der jedes Jahr am 17. März gefeiert wird.

den Hut gab´s zum Bier dazu

In Viareggio fuhren wir zur Marina, in der Hoffnung, von dort aus den Strand und die Promenade zu erreichen. Daraus wurde nichts, weil die Marina riesig ist, die größte auf unserer Italien-Tour, mit den größten Yachten, und einer Werft. Drumherum kann man alles kaufen, was das Bootsbesitzerherz höher schlagen lässt.

Marina von Viareggio

Zuletzt sahen wir uns noch kurz am Strand von Torre del Lago Puccini um, weil wir morgen dorthin umziehen wollen. Da soll es eine Überraschung für uns geben. Mal sehen, ob die noch da ist.? Zum Glück haben wir diese Tour gemacht, denn es steht wieder eine viel zu niedrige Brücke im Weg zum Strand. Da müssen wir wohl eine andere Straße nehmen. An solch einer niedrigen Eisenbahnunterführung scheiterten wir schon in Grosetto, weshalb wir mit einer Tankstelle vorlieb nehmen mussten.

Pisa

Wir fahren weiter auf der Via Aurelia (SS1, E80). Das letzte Stück kurz vor Pisa ist mautpflichtig. Die Via Aurelia wurde 241 v.Chr. von Gaius Aurelius Cotta in Auftrag gegeben und führte ursprünglich von Rom nach Pisa. Erst später wurde sie bis nach Arles in Frankreich verlängert.

Pisa war im Mittelalter eine der italienischen Seerepubliken wie z.B. Genua oder Amalfi. Heute ist sie Universitätsstadt und weltberühmt für ihren schiefen Turm. Der Fluss Arno teilt die Stadt in zwei Teile.

der Arno, rechts und links Pisa

Wir haben unser Womo auf dem Stellplatz Camperisti Pisani stehen. Der Platz befindet sich direkt am römischen Aquädukt, der immer noch bis an die Stadtmauer von Pisa führt, mit wenigen Unterbrechungen. Hier sehen wir zum ersten Mal Bauwerke, die am Aquädukt lehnen, die wahrscheinlich als Kontroll- und Pumpbauwerke dienten. Man braucht also immer nur der alten Wasserleitung folgen und kommt genau in die Altstadt.

Aquädukt in Pisa

Die Stadtmauer ist ebenfalls noch zu einem großen Teil erhalten, allerdings zumeist rekonstruiert. Teilweise kann man auf ihr entlang laufen. Man kann die Altstadt von Pisa aber auch durch andere Stadttore betreten oder verlassen.

eines der kleinen Stadttore

Jeder, der Pisa besucht, steuert die Piazza del Duomo an. Der Platz wird auch Piazza die Miracoli genannt. Hier sind die berühmtesten Bauwerke, allesamt aus weißem Marmor, zu finden: natürlich der Schiefe Turm von Pisa, die Kathedrale und das Baptisterium, das größte in Italien. Der Puttenbrunnen am Platz ist ebenfalls aus weißem Marmor. Um den Platz herum gruppieren sich mehrere Museen und der Friedhof. Ein Teil des Domplatzes wird von der Stadtmauer und mehreren Stadttoren abgeschlossen.

Piazza del Duomo oder auch Piazza die Miracoli

Die drei Hauptgebäude des Ensembles sind nicht nur im Ganzen imposant, sondern beeindrucken auch durch ihre filigranen Details. Das Dach des Baptisteriums wurde übrigens mit zwei verschiedenen Materialien gedeckt: landeinwärts mit Kupferplatten, seeseitig mit Ziegeln. Die Ziegel halten besser dem schlechten Wetter stand, welches meistens vom Meer herüber zieht.

Das Highlight ist und bleibt in jedem Fall der Schiefe Turm von Pisa. Er ist der Glockenturm der Kathedrale. Im Sommer 1173 legte man den Grundstein für den Glockenturm und baute die ersten drei Etagen. Schon während dieser Bauzeit begann sich der Turm zu neigen. Irgendwann baute man dann die restlichen vier Etagen darauf, in einem etwas anderen Winkel, bei dem man versuchte, die Schieflage auszugleichen. Wenn man genau hinsieht, sind die zwei verschiedenen Winkel zu erkennen. Erst viel später setzte man den Raum mit den Glocken darauf.

Eingang zum Schiefen Turm

Auf Grund des instabilen Untergrundes neigte sich der Turm im Laufe der Jahrhunderte immer weiter, bis er im Januar 1990 aus statischen Gründen für die Besucher geschlossen wurde. Irgendwie schaffte man es, den Turm etwas aufzurichten und zu stabilisieren. Im Dezember 2001 durften die Besucher der Turm wieder besteigen. Heute wird für ein Ticket auf den Turm 18,-€ verlangt. Die anderen Eintrittspreise liegen bei 5,- bis 8,-€. Der Platz an sich ist aber frei begehbar.
1987 wurde das Ensemble an der Piazzo del Duomo ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Man sollte sich nicht allein auf das weiße Marmorensemble konzentrieren, sondern sich auch einmal die Zeit nehmen, die Touristen aus aller Welt zu beobachten. Da werden die tollsten Verrenkungen veranstaltet, um mit dem Schiefen Turm von Pisa abgelichtet zu werden.

Alle anderen wollen den Turm stützen, Klaus aber…?

Nun schließt sich ein Stadtbummel durch die Altstadt von Pisa an, entweder durch die Fußgängerzonen oder durch die Gassen. Unbedingt einen Abstecher muss man zur Piazza dei Cavelieri machen. Dort ist wohl das schönste Gebäude in Pisa zu finden, die Scuola Normale Superiore. Die gesamte Fassade ist wunderschön bemalt und mit Büsten verziert. Davor steht ein Brunnen. Der großzügige Platz wird aber auch von Palästen und Kirchen umrahmt.

Scuola Normale Superiore

Folgt man nun den meisten Menschen, gelangt man irgendwann auf die Fußgängerzone Borgo Stretto, die am Garibaldi-Platz endet.

Borgo Stretto

Dort angekommen, fließt der Arno vorbei und man steht vor der Ponte di Mezzo. Sie führt zur südlichen Hälfte Pisas, mit der alten Markthalle. Unter der Säulenhalle wurde gehandelt und Geld gewechselt. Den Auftrag für den Bau der Markthalle gab Ferdinando I. von Medici. Ausgeführt wurde er 1603-1605. Seither wurde das Gebäude mehrmals renoviert.

ehemalige Markthalle

Wer jetzt noch Zeit und Lust hat, sollte durch den Giardino Scotto spazieren, im Osten des südlichen Stadtteils. Dieser Teil Pisas war schon zu römischen Zeiten besiedelt und wurde im 11. Jahrhundert verlassen. Im 13. Jahrhundert stellte man hier weltberühmte Keramik her, im 15. Jahrhundert baute man dann das Fort an dieser Stelle. Nur Jahre später wurde es jedoch schon wieder zerstört. Reste davon sind am Arnoufer noch erhalten. Anfang des 16. Jahrhundert baute man ein neues Fort und 1785 funktionierte man es in einen Garten um, mit einem Palast, einem Wandelgang und einem öffentlichen Park.

Wandelgang und Mauer des Giardino Scotto

Ich habe Pisa schon einmal vor etwa 20 Jahren besucht. Damals war ich sehr enttäuscht von der Stadt, denn sie bot ein Bild zum Erbarmen. Die Fassaden waren heruntergekommen, es war schmutzig und der Arno war zu einer Kloake verkommen. Das ist heute alles anders. Heute ist die Stadt sauber und heißt ihre Gäste willkommen. Pisa ist wirklich schön geworden.

Roselle

Nachdem wir nun die wohl besterhaltene Nekropole der Etrusker (Monterozzi in Tarquinia) gesehen haben, wollten wir auch die besterhaltene Stadt dieses vorrömischen Volkes kennenlernen. Die ist bei Roselle zu finden, in der toskanischen Provinz Maremma.

Kurz hinter Rom befuhren wir die römische Straße Via Aurelia, die entlang der Mittelmeerküste ans westliche Ende ihres Reiches führte. Das heißt, man kann auf der Via Aurelia (SS1) heute noch bis Frankreich und an dessen Küste entlang weiterfahren. Bei Grosetto biegt dann eine Straße nach Roselle ab, der man noch etwa 5km weit folgt. Sie endet irgendwo in der Landschaft, am Fuße eines Hügels.

Auf den letzten zweihundert Metern durchquert man die Nekropole von Roselle. Diese Straße liegt in etwa über der originalen etruskischen Straße. Oberhalb des Museumseinganges liegt das originale Pflaster offen. Es gehört zu einem Fernwanderweg durch das ehemalige etruskische Land.

In Roselle fanden wir, was wir in Tarqiunia vermisst hatten: ein Tumulus-Grab. Das Innere ist jedoch nicht begehbar. Einige Meter weiter liegen am Straßenrand, unter Baumwurzeln begraben, weitere etruskische Grabkammern, die freigelegt wurden. Sie sind viel kleiner und fast alle zerstört, von Grabmalereien keine Spur. Das Prinzip dahinter ist jedoch klar zu erkennen.

unscheinbar am Straßenrand – etruskische Grabkammern

Die Nekropole soll die gesamte Stadt außerhalb der Stadtmauer umschließen. Alle Arten von Gräbern sind da zu finden, das berichtet eine aufgestellte Tafel am Tumulus.

Der Eintritt in die wohl eindrucksvollsten Ruinen einer ganzen Stadt, samt 3km langer, fast gänzlich erhaltener Stadtmauer, kostet 4,-€. Im Gegensatz zu den 6,- bis 10,-€, die normalerweise verlangt werden, ist das ein Schnäppchen. Es ist eine wirklich unglaublich schöne und interessante Ausgrabungsstätte. Sie führt allerdings in zwei Vergangenheiten, die römische und die etruskische.

Die Stadtmauer ist ca. 5m hoch, umschließt auf 3km Länge zwei Hügel und besteht aus einem gewaltigen Zyklopenmauerwerk. Wie haben die damals nur diese riesigen Steine bewegt? In einigen dieser Kalksteine sind größere Einschlüsse von Eisenerz und Kupfererz zu finden.

Zyklopenmauerwerk als gigantische Stadtmauer

Die Etrusker handelten damals mit diesen und anderen Metallen, die sie aus dem Boden holten und verarbeiteten. In Roselle geschah das im Handwerkerviertel oberhalb der alten Stadt, aber innerhalb der Stadtmauer. Bisher grub man nur einen kleinen Abschnitt davon aus, bei dem man auch Brennöfen fand. Die Römer überbauten bei ihrer Ankunft im 4. Jahrhundert das etruskische Handwerkerviertel mit einer Schotterstraße und Wohngebäuden rechts und links davon. Mehrere Brunnen gehören zum Gelände.

Teil des etruskischen Handwerkerviertels mit Brennofen (runde Form)

Zwischen dem Handwerkerviertel und der Stadt befand sich die relativ große Zisterne. Sie bestand aus zwei unterirdischen Bogengängen. In der Mittelwand sind Öffnungen eingelassen. Die Bögen der Decke setzen sich aus vielen kleinen eckig behauenen Steinen zusammen, die mit Mörtel verbunden wurden. Keine Ahnung, wie das gehalten hat. Heute benutzt man Schlusssteine und zumindest Ziegel, um Halt in den Bogen zu bekommen.

eine Hälfte der Zisterne

Unterhalb der Zisterne beginnt das ausgegrabene antike Stadtzentrum, beginnend mit einem riesigen römischen Wohnhaus. Es besitzt unzählige Zimmer mit Mosaikfußböden, Gängen und zwei Badezimmern, die sich rund um ein Atrium gruppieren.

römischer Mosaikfußboden

Sogar ein eigener kleiner Tempel gehört zu solch einen typischen römischen Wohnhaus. Die Aussicht vom Garten auf die unterhalb liegende Ebene und die Küste ist atemberaubend.

Tempel und Garten des Wohnhauses

Im Pflaster der Straße, die an dem Wohnhaus entlang führt, sind noch die Spurrillen der Wagen zu sehen, die sich den Berg hinauf quälten.

Straße am Wohnhaus vorbei

Vom oberen Ende des Wohnhauses aus hat man einen schönen Blick über fast die gesamte Ausgrabungsstätte, den südlichen Hügel hinunter in das Tal, wo sich das Forum befand, und auf der anderen, der nördlichen Seite wieder hinauf.

Unterhalb des Wohnhauses schloss sich das römische Forum an, der Platz, auf dem sich das öffentliche Leben abspielte und große Entscheidungen für die Stadt getroffen wurden. Dieser Platz wurde von Tempeln und öffentlichen Gebäuden umschlossen.

Blick vom Wohnhaus auf das römische Forum und die darunterliegenden etruskischen Strukturen

Jetzt kommt man zum nördlichen Forum mit der Basilika und öffentlichen Versammlungsräumen. Hier hat man etwas tiefer gegraben und etruskische Mauern gefunden, die vom römischen Forum überbaut wurden. Die meisten römischen Bauten stammen aus dem 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Die Etruskerbauten sind dagegen aus dem 7.-6. Jahrhundert v.Chr.

etruskische Strukturen unterhalb des römischen Forums

Rechter Hand, nachdem man sich am nördlichen Forum umgesehen hat, sind die Thermen zu finden. Ein großes Wasserbecken ist noch komplett erhalten.

Wasserbecken der Therme

Auf dem Weg zu den Thermen kommt man an den Kaufmannsläden vorbei, an denen wiederum eine mit Wagenradspuren gezeichnete Pflasterstraße verläuft. Ist das alles aufregend! Fast hat man das Gefühl mittendrin im römischen Leben zu sein.

Kaufmannsläden

Nun steigt man den nördlichen Hügel hinauf, genießt noch einmal die Aussicht über die Stadt von der anderen Seite aus, und erreicht dann zuerst eine Art Empfangsgebäude für das Amphitheater. Man zieht Parallelen mit dem heutigen Kino, in dem man zuerst an allerlei Kiosken und Souvenirgeschäften vorbei muss, bevor man die eigentlichen Räume betreten darf.

Überblick über das antike Roselle und die Lage auf zwei Hügeln

Dann betritt man durch ein Tor das große elliptische Amphitheater. Direkt gegenüber befindet sich ein gleiches Tor. Rechts und links sind Einfahrten zu erkennen. Über der 7m hohen umlaufenden Mauer, mit kleinen diagonal stehenden Kopfsteinen verziert, waren die Zuschauerränge. Auf 7 Rängen fanden 1200 Zuschauer Platz. Die Arena ist fast 40m lang und 25m breit.

Amphitheater

Schon die Etruksker hatten an dieser Stelle ein Theater errichtet, welches die Römer dann überbauten. Das „Empfangsgebäude“ stammt noch aus dem 7. Jahrhundert v.Chr.

Wenn man vom Forum aus in Richtung Museumseingang geht, spaziert man an der originalen Römerstraße entlang, die in die Stadt Roselle führte. Am unteren Ende der Straße stand ein großer rechteckiger Brunnen. Gegenüber liegen noch die Überreste einer weiteren kleinen Therme.

antike Römerstraße in die Stadt

Wir haben also für nur 4.-€ eine ganze antike Stadt besichtigt, Geschichte erfasst und Aussichten genossen. Es war ein großartiges Erlebnis.

Unser Womo haben wir bei der großen Eni-Tankstelle im Osten von Grosetto an der SP154 stehen. Für eine Nacht war das ok.

Tarquinia

Seit wir Salerno verlassen haben, legten wir unzählige Kilometer zurück, ohne einen Stellplatz zu finden. Einzige Ausnahme war der völlig überteuerte Campingplatz in Pompei, auf dem wir nur eine Nacht verbrachten. Die Westküste Mittelitaliens ist sehr Wintercamper-unfreundlich. Alle offiziellen Plätze sind noch bis mindestens Ende März geschlossen. Inoffizielle Plätze, die nur annähernd groß genug wären, gibt es nicht. Eine ganze Gemeinde, Marina di Cerveteri, nördlich von Ladispoli, verbietet sogar jegliche Art von Camping. Man darf nicht einmal mit dem Wohnmobil auf dem riesigen Strandparkplatz stehen. Große, breite Straßen, ein riesengroßer Parkplatz, aber kein Camper darf dort hinein. Das ist schon diskriminierend. So etwas haben wir noch nie erlebt. Im Hochsommer können wir das verstehen, aber jetzt im Winter ist uns das ein Rätsel.

Das hieß für uns, weitere mehr als 70km fahren, um endlich in Montalto Marina Ruhe zu finden. Ein herrlicher großer Platz, geschützt durch Kiefern und, außer in der Hochsaison, kostenfrei, bot uns Zuflucht. Ver- und Entsorgung sind ebenfalls möglich, nur Strom gibt es jetzt nicht. Man sieht also, dass es auch anders geht. Wie man weiß, bringen die Wohnmobilfahrer mit das meiste Geld, aber wer nicht will, der hat schon.

Montalto Marina

Nach einem Ruhetag, um unsere Batterien wieder aufzuladen, fuhren wir nach Tarquinia. Wir sind im Etrusker-Land. Als die eingewanderten Gründer von Rom in diesem Gebiet im 5. Jahrhundert v.Chr. ankamen (südliche Toskana und nördliches Latium), verschwand das Volk der Etrusker langsam aus der Geschichte. Sie lösten sich quasi im römischen Reich auf, hinterließen jedoch reichlich Spuren, wie z.B. die zahlreichen Nekropolen. Eine davon ist die Nekropole Monterozzi in Tarquinia.

Nekropole Monterozzi

Erste Grabfunde der Etrusker stammen aus dem 9. Jahrhundert v.Chr. Damals verbrannte man die Toten und bestattete sie in großen steinernen Urnen, die in die Erde eingelassen wurden. Als Grabbeigaben fand man bronzene Schmuckstücke und Figuren sowie Keramikgefäße.

steinerne Urnen der frühen Etrusker

Im 8. Jahrhundert v.Chr. bestattete man die Toten in Erdmulden, die dann mit großen Steinplatten versiegelt wurden. Im 6. Jahrhundert v.Chr. befanden sich die Etrusker auf der Höhe ihrer Macht, sie beherrschten das westliche Mittelmeer, und die Reichen dieser Gesellschaft konnten sich große Grabanlagen leisten. So entstanden die unterirdischen Grabkammern, wie man sie heute besichtigen kann. Sie erinnern stark an die ägyptischen Grabkammern, nur dass die etruskischen viel kleiner sind. Die in Tarquinia stammen aus der Zeit vom 7.-3. Jahrhundert v.Chr.

originaler Zugang zu einer der Grabkammern

Die Grabkammern der Nekropole Monterozzi sind von den Wandmalereien her am besten erhalten, so dass die Anlage 2004 ins UNESCO-Welterbe aufgenommen wurde. Bis zum heutigen Tag sind über 6000 Grabanlagen bekannt. Zirka 20 von ihnen können im Rahmen eines Museumsbesuches (6,-€ ohne Ausstellung) besichtigt werden. Die Eingänge wurden in der Neuzeit mit kleinen Häuschen überbaut. Der Aushub aus den Tagen, als die Grabkammern freigelegt wurden, liegen heute noch an Ort und Stelle. Es wird immer von Tumuli, also aus Steinen aufgeschütteten Hügeln über den Grabanlagen berichtet, aber davon konnten wir nichts sehen. Die meisten der ausgegrabenen Kammern wurden aus Gründen der Konservierung wieder zugeschüttet.

Zugang zu einer der Grabkammern

Über angelegte Treppen sind die Grabkammern zu erreichen, die jedoch mit Glaswänden abgeschirmt sind, um die Wandmalereien zu schützen. Klimaanlagen sorgen in den Kammern für optimale Temperatur und Feuchtigkeit. Die Gänge zu den Kammern hinunter haben verschiedene Längen. Die meisten Grabanlagen bestehen nur aus einer Kammer. Es gibt aber auch welche mit 2, 3 oder 4 Kammern. Die Wandmalereien zeigen sehr realistisch Szenen des täglichen Lebens, aber auch des Todes. Es sind z.B. Bankette, Tänze, Jagdszenen, athletische Spiele oder Bestattungsriten dargestellt.

Tomba dei Leopardi

Die Grabkammern tragen alle Namen der Personen, die sich der etruskischen Geschichte verdient gemacht haben. Auf Tafeln stehen die Grabnummer, aus welcher Zeit das Grab stammt und wann es entdeckt wurde, dazu wie es aufgebaut ist und was die Wandmalereien darstellen. So wird der Rundgang durch die Nekropole zum echten Zeiterlebnis.

fröhliche Alltagsszene

Wenn man landeinwärts blickt, sieht man den Hügel, auf dem die antike Stadt Tarquinia lag. Sie wurde im 8. Jahrhundert durch die Sarazenen zerstört und nie wieder aufgebaut. Das heutige Tarquinia stammt aus dem Mittelalter. Die Altstadt zeigt ein völlig anderes Bild, als wir es bis jetzt gesehen haben. Es herrscht ungewöhnlich viel Platz und irgendwie passt nichts zum anderen. Gebäude aus vielen Epochen und daher in vielen unterschiedlichen Stilen lassen eine gewisse Unruhe aufkommen, wenn man dort unterwegs ist. Kirchen gibt es aber auch in Tarquinia an jeder Ecke.

Altstadt Tarquinia

Auffallend sind die vielen hohen rechteckigen Türme, die wir so auch noch nicht gesehen haben. Es sind Geschlechtertürme, die für die Toskana typisch sein sollen. Sie dienten reichen Familien im Mittelalter zu Wohn- und Verteidigungszwecken.

Ansicht mit Geschlechterturm

Eine Stadtmauer und mehrere Stadttore umgeben die Altstadt von Tarquinia, aber auch mitten in der Altstadt sind überbaute Tore zu finden.

überbautes Tor

Terracina

Dank der Tatsache, dass es den riesengroßen Parkplatz an der Marina in Terracina gibt, bekamen wir die Gelegenheit, doch ein Stück von der Via Appia zu sehen. Die Mutter der Straßen Italiens, so etwas wie die Route 66 in den USA, wurde von den Römern gebaut, um schnell durch das riesige Reich zu kommen. Zuerst waren es Eroberungen, dann diente sie der Erhaltung des Reiches und irgendwann war sie eine wichtige Handelsroute. In den meisten Fällen verlief sie schnurgerade, so wie zwischen Cisterna di Latina, südlich von Rom, bis kurz vor Terracina. Das sind ca. 40km. Sie wurde jedoch in der Neuzeit überbaut und ist heute die Staatsstraße 7.

Die Via Appia begann in Rom am Circus Maximus und führte bis nach Brindisi im Süden des heutigen Italien, dem Tor zum Orient. Die Straße war 539 Kilometer lang. 312 v.Chr. begann man mit dem ersten Abschnitt der Via Appia. Den Namen bekam die Straße von ihrem Initiator, Appius Claudius, der auch Cesar der Blinde genannt wurde.

Es gibt mehrere Teilabschnitte, die noch heute im Originalzustand besichtigt werden können. Dazu gehört das durch die historische Altstadt Terracinas, oben auf einem Hügel. Der Platz vor der Kathedrale war einst das Aemilius Forum mit einem Theater. Daran schloss sich im Südosten ein großes Tor an, der Vier-Gesichter-Bogen. Im Mittelalter überbaute man die römischen Relikte, die nach dem Bombardement 1943 wieder zum Vorschein kamen. Aurus Aemilius war der lokale Magistrat der Stadt Terracina, der den Bau des Platzes in Auftrag gab. Das war um den Beginn unserer Zeitrechnung.

römisches Aemilius Forum mit dem Theater im Vordergrund

Das Theater wird gerade freigelegt, so dass seine interessanten Strukturen zum Vorschein kommen. Direkt davor verläuft ein Stück originale Via Appia.

originale Via Appia in Terrecina

Dominiert wird der Platz von der Kathedrale, die im Jahre 1074 auf den Ruinen eines römischen Tempels errichtet wurde. Sie wurde dem heiligen Ceasareus geweiht, der 251 n.Chr. als Märthyrer starb. Ihr heutiges Erscheinungsbild stammt aus dem 13. Jahrhundert. Es ist eine Kombination aus christlichen und römischen Elementen, sehr dekorativ.

Kathedrale St. Ceasareus

Das kleine Café „Café del Duomo“ stammt aus dem Jahre 1793. Es ist ein guter Ort zum Entspannen, einen guten Kaffee zu trinken und die Szenerie auf sich wirken zu lassen. Auf dem Platz spürt man hautnah die vergangenen Jahrhunderte und Jahrtausende, befindet man sich irgendwo zwischen dem Mittelalter und dem alten Rom.

Café del Duomo

Geht man durch das erhaltene Tor direkt neben der Kathedrale, trifft man auf das Capitol aus dem Jahre 50 v.Chr. Es war war einmal ein Tempel für die drei Götter Jupiter, Juno und Minerva. Es steht noch einiges von dem Gebäude. Interessant ist aber die Verkleidung der Wände mit kleinen quadratischen Steinen aus schwarzer Lava und weißem Marmor. Hinter dem Capitol verläuft eine weitere originale Straße, die von der Via Appia abzweigte.

Capitol

Überall gehen kleine Gassen ab, z.B. auf den Weg an der Stadtmauer entlang. Wir spazierten jedoch durch einen weiteren Bogen und kamen so am Porta Romana heraus. Das monumentale Tor ließ Papst Pius VI. Ende des 18. Jahrhunderts erbauen. Hier endet die historische Altstadt und man gelangt wieder ins 21. Jahrhundert.

Porta Romana

Die Via Appia erlangte traurige Berühmtheit, als im Jahre 71 v.Chr. der Spartacus-Aufstand durch die Römer niedergeschlagen wurde. 6000 Überlebende Spartacus-Anhänger wurden anschließend zwischen Rom und Capua entlang der Via Appia gekreuzigt.

Ein weiteres Ausflugsziel in Terracina ist der Tempel des Jupiter Anxur, der auf einer Felsnase hoch über der Stadt zu sehen ist. Er stammt aus dem 1. Jahrhundert v.Chr. und war wohl einmal eine Orakelstätte.

Tempel des Jupiter Anxur

Weitere römische Überbleibsel liegen direkt neben dem großen Parkplatz an der Marina. Durch eine große Hecke sichtgeschützt, nimmt sie kaum jemand wahr.

römische Grundmauern an der Marina

Die meisten Leute konzentrieren sich auf den Hafen, über den man auch die kilometerlange Promenade zum Capo Circeo erreicht.

Promenade von Terracina

In der Ferne, links neben dem Felsen des Capo Circeo sind die Pontinischen Inseln zu sehen. Fähren bringen die Besucher von Terracina zu den Inseln hinüber und wieder zurück.

Salerno und Amalfi

Salerno wollten wir als Ausgangspunkt für einen Ausflug entlang der Amalfiküste nehmen. Als wir Salerno besuchten, spielte das Wetter nicht mit, es regnete. Einen kurzen Stadtbummel ließen wir uns durch die Hauptstadt der Provinz Salerno in Kampanien nicht nehmen. Es ist zwar nur eine von vielen italienischen Städten, aber die Altstadt und die Promenade laden zum Bummeln und Shoppen ein.

Shoppingmeile von Salerno

Gerade ist Faschingszeit und am Faschingsdienstag kamen wir zu einem kleinen Umzug durch den Vorort Pontecagnano zurecht. Es waren nicht viele Wagen und keine extra Fußgruppen, aber es ging echt italienisch sehr laut und bunt her.

Faschingsumzug

An der Küstenstraße etwas weiter nach Süden, in Battipaglia, fiel uns ein schickes Gutshaus auf, dass ziemlich alleine inmitten von Wiesen steht. Es ist die Mozarella-Farm „Tenuta Doria“, die schon seit dem Jahre 1927 existiert. Die Büffel sind im Winter irgendwo im Stall. Sie werden erst im April wieder auf die Wiese gelassen, wo sie von den Besuchern gesehen werden können. Käse wird aber das ganze Jahr über verkauft. Es sind verschiedene Käsesorten aus Büffelmilch, vom Frischkäse über Mozarella und Schnittkäse bis hin zu geräuchertem Käse.

Mozarella-Farm „Tenuta Doria“

Das Hauptziel blieb jedoch die Amalfiküste (UNESCO-Weltkulturerbe), der wir schon lange entgegengefiebert haben. Wir hatten gerade einen sehr schönen Frühlingstag erwischt, und die meisten Leute hatten wegen Aschermittwoch frei. Deshalb war der Betrieb in den Straßen groß. Die Küstenstraße an der Amalfiküste gehört zu den schönsten Straßen der Welt. Das können wir nur bestätigen. Man kann sie aber nur genießen, wenn man gefahren wird. Selbst zu fahren ist sehr anstrengend, denn es geht keine zehn Meter geradeaus. Eine Kurve oder Biegung folgt auf die nächste und viele Italiener fahren, als wären sie alleine unterwegs. Ständig kommt einem jemand auf der eigenen Spur um die Ecke entgegen. Zudem ist es sehr eng.

Küstenstraße nach Amalfi

Dafür sind die Ortschaften, die an der Straße liegen und sich in größeren Buchten mit Sandstränden die Berghänge hinauf ziehen, sehr schön. Dazwischen sind viele Abschnitte felsige Steilküste mit kleinen Buchten und Stränden, die tief unterhalb der Küstenstraße liegen. Immer wieder bieten sich unterwegs schöne Ausblicke auf die Küste und das blaue Wasser, die man eher auf der Fahrt zurück nach Salerno genießen sollte. Die Parkbuchten sind klein und immer auf der Wasserseite zu finden.

viele Orte säumen die Straße

Leider ist man als Tourist mit eigenem Auto nicht so gern gesehen, denn Parkplätze sind echt Mangelware, was dem naturgegebenen Platzmangel zu schulden ist. Die allermeisten Parkplätze am Straßenrand sind für Anwohner oder Hotelgäste reserviert. Alle anderen Parkplätze sind hoffnungslos überfüllt. So konnten wir uns die Orte wie Maiori und andere nicht weiter ansehen.

In Amalfi angekommen, wird man zum Parkplatz am Hafen dirigiert. Dumm nur, wenn man mittwochs kommt und Markttag ist. Dann ist der einzige Parkplatz der Stadt mit Marktständen belegt. Also wieder zurück durch das Gewühl zum Parkhaus „Lunarossa“ am Ortseingang von Amalfi. Dort wird man vor der Schranke angehalten und alle Passagiere müssen aussteigen. Nur der Fahrer darf das Auto im Parkhaus abstellen. Also wartete ich, bis Klaus irgendwann aus den Tiefen des Parkhauses wieder auftauchte. Ein großer und langer Tunnel führt nach unten irgendwohin, den immer wieder Leute herauf kamen. Klaus kam dann aber doch aus der nahegelegenen Tür in der Wand. Parkgebühr sind 2,-€ pro Stunde.

Ortseingang Amalfi

Nun spazierten wir ca. hundert Meter an der Küste zurück nach Amalfi, das wunderschön liegt und mit verschiedenen baulichen Details für Neugier bei den Besuchern sorgt. Der Stadtstrand liegt jetzt verlassen, daran schließt sich ein kleiner Hafen an, von dem Boote starten, entweder an der Amalfiküste entlang oder gleich zur berühmten Insel Capri. Zu dieser Jahreszeit gibt es nur drei Abfahrtszeiten zur Insel.

Blick auf Amalfi

Wir bogen in die Gassen der Altstadt ab und verloren uns teilweise in der waschechten arabischen Medina. So enge und verschlungene Gassen, fast alle treppenförmig, haben wir auf all unseren Reisen in arabische Städte jedoch nicht gesehen. Die erste Gasse, der wir folgten, führte uns zur Kathedrale. Der schmale Gewölbegang führt um mehrere Ecken und durch mehrere Tore, bis sich der große Platz vor der Kathedrale öffnet.

hier geht´s zur Kathedrale

Die Kathedrale von Amalfi ist wunderschön. Sie wurde im 10. Jahrhundert errichtet und seither mehrfach erweitert und umgestaltet. Eine große Freitreppe führt zum Haupteingang.

Kathedrale Amalfi

Auf dem Weg zur Kathedrale fanden wir dann den Ausgang des langen Tunnels vom Parkhaus. Er ist der Verbindungsweg in die Stadt. So muss man nicht außen herum laufen.

Entlang der verkehrsberuhigten Hauptstraße Via Lorenzo D´Amalfi reihen sich Geschäfte und Kneipen. Die vielen Bögen, die die Häuser miteinander verbinden, sind auffallend. Manche von denen tragen selbst Häuser. Das haben wir schon in vielen italienischen Städten gesehen. Dienen sie der Stabilität bei Erdbeben?

verkehrsberuhigte Zone

Ständig zweigen enge Gassen rechts und links ab, Treppen, die zu Hotels, Geschäften oder nur zu Wohnungen führen. Die Gassen sind oft kaum breiter als die Schultern eines Menschen.

eine nette breitere Gasse

An vielen Stellen sind an den Häuserfassaden Fliesenbilder angebracht, die von der Geschichte Amalfis erzählen. Die meisten Häuser sind weiß, auch ungewöhnlich für italienische Verhältnisse.
Man mag sich gar nicht wieder lösen und in die Wirklichkeit zurückkehren. Amalfi nimmt seine Besucher quasi gefangen.

Panorama von Amalfi

Der Ursprung Amalfis ist nicht belegt, aber im 9. Jahrhundert stieg die Stadt zur ersten Seerepublik auf dem heutigen italienischen Gebiet auf, so wie später z.B. Genua oder Venedig. Sarazenen und Normannen hinterließen ihre Spuren, z.B. in Form von Beobachtungstürmen. Der Handel erlebte mehrere Höhen und Tiefen, bis ein Tsunami Ende November 1343 einen Teil Amalfis im Meer versinken ließ. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Stadt nur per Seeweg zu erreichen. Erst ab dieser Zeit erwachte Amalfi aus seinem Dornröschenschlaf, dank einzelner Künstler, die die Schönheit der Amalfiküste für sich entdeckten. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts legte der Tourismus massiv zu, der bis heute boomt.

Sarazenen-Turm

Ein Tag ist definitiv zu wenig, um die Amalfiküste kennenzulernen, dafür braucht man einfach zu lange, um vorwärts zu kommen. So haben wir es auch nicht mehr bis zur Künstlerstadt Positano geschafft, die ebenfalls sehr schön sein soll.

Die Amalfiküste ist Zitronenland, Limoncelloland. In fast jeder kleinen Ecke wurden Terrassen angelegt, auf denen Zitronenbäume wachsen. Um diese Jahreszeit sind sie mit Gewebeplanen abgedeckt, um sie vor den kalten Winden zu schützen. Wo doch ein paar Bäume frei stehen, leuchten die gelben Früchte mit der Sonne um die Wette. Jetzt sind sie erst richtig reif. Als wir im Dezember ankamen, begannen die Zitronen gerade zu reifen, waren meist noch grün. Da bekommt man Appetit, die sind richtig lecker.

Auf dem Rückweg nach Salerno ist die Bergkette der Apenninen zu sehen, die sich hinter der Küste in einigem Abstand erhebt. Einige der Berggipfel sind immer noch schneebedeckt, so ab 1900 Metern Höhe.

Da wir in Salerno keinen Stellplatz gefunden haben, verbringen wir die Nächte auf dem Camping „Lido di Salerno“, ca. 10km südlich der Stadt. Der ACSI-Platz liegt direkt am Strand von Pontecagnano Faiano. Jeden Morgen kommen einige Sulki-Fahrer den Strand entlang, um ihre Pferde zu trainieren. Die Amalfiküste ist zwar in Sichtweite, aber meist im Dunst verschwunden. Dafür sind die Sonnenuntergänge super.

tägliches Pferdetraining am Strand

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