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Gela

Gela stand nicht auf unserer Zielliste auf Sizilien, war aber ein guter Ausgangspunkt für den Ausflug nach Caltagirone. Wir übernachteten auf dem Parkplatz vorm Gericht am östlichen Stadtende. Dort befindet sich auch eine große Raffinerie. In der Umgebung von Gela, und vor der Küste, wird nach Öl gebohrt. Pferdekopfpumpen, Bohrmaschinen und Molchstationen gehören zum Landschaftsbild.

Erdölpumpen

Die Stadt selbst lädt nicht gerade Gäste ein, denn sie zeigt sich ziemlich dreckig. Man kann kaum drei Schritte gehen, ohne durch vom Winde verteilten Müll zu laufen. Das trifft auch auf die Umgebung zu. Viele Parkplätze oder Ausbuchtungen an Straßen sind Müllabladeplätze. Wind und streunende Hunde nehmen diese Haufen dann gerne auseinander. Im Hafenbecken zeigt sich das gleiche Bild. Wenn man ins Wasser schaut, wird einem übel, so dass wir den Hafen bald wieder verließen.
Das ist nicht das Einzige: als Fußgänger hat man es echt schwer in Gela. Während Autos auf den Fußwegen geparkt sind, soweit überhaupt welche vorhanden sind, oder Kneipen den Fußweg als Erweiterung ihres „Reviers“ missbrauchen, müssen die Fußgänger auf der Straße laufen. Sind dann mal Fußwege nutzbar, ist es eher ein Hindernislauf, weil man ständig tiefergelegte und schräge Auffahrten passieren muss.

Fußwege, die keine sind

Trotzdem hat Gela, welches sich auf dem Kamm einer hohen Dünenkette hinzieht, einige interessante Ziele. Nur die Altstadt reicht bis an den Strand heran.

Altstadt Gela

Vor allem die alten Griechen haben in Gela ihre Spuren hinterlassen. Da wären z.B. die Akropolis, an die das Archäologische Museum angeschlossen ist, und das griechische Thermalbad, das 1967 entdeckt wurde. Genau über diesem Bad steht heute das Krankenhaus, so dass nur wenig ausgegraben werden konnte.

Griechisches Thermalbad

Wenn man auf der Hauptstraße Corso Vittorio Emanuele auf dem Dünenkamm unterwegs ist, sieht man ab und zu durch die Gassen, wie tief die angrenzende Landschaft im Vergleich liegt. Dabei kommt man irgendwann an der Kirche Santa Maria Assunta vorbei.

Kirche Santa Maria Assunta

Noch weiter im Westen erreicht man einen schönen Park, den Gemeinschaftsgarten Villa Comunale Guiseppe Garibaldi. Er bietet einen guten Aussichtspunkt mit Blick hinüber zur Altstadt und zur Küste. In der Nachbarschaft steht ein Kirchenkomplex mit der riesigen Statue Madonna delle Grazie auf dem Dach.
Unterhalb des Aussichtspunkts sind noch Reste des unteren Gemeinschaftsparks zu erkennen, die jedoch vollkommen überwuchert sind. Eine englische Treppe verband einst die beiden Parkteile.

im Gemeinschaftsgarten Villa Comunale Guiseppe Garibaldi

Am Strand unten legte man eine schöne Promenade an, an der sich Geschäfte und Restaurants reihen. Der Pier, der weit ins Wasser ragt, ist anscheinend wegen Baufälligkeit gesperrt. Auch ein ehemaliges rundes Strandrestaurant, einst wohl abgebrannt, glänzt nur noch als Ruine.

Promenade von Gela

Es ist echt schade, dass Gela, mit soviel Potenzial ausgestattet, ein so trauriges Bild abgibt. Da wirkt das moderne Gerichtsgebäude, vor dem wir stehen, wie aus der Zukunft.

Gerichtsgebäude von Gela

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Dumm gelaufen

Wer meint, dass wir schon über alle Berge sind, der irrt. Seit drei Tagen sitzen wir in Ettenheim bei Freiburg fest. Ein letzter Versuch, doch noch an die ACSI Campingcard zu gelangen, ist ebenso daneben gegangen, wie die anderen. Diese Campingcard soll uns Vorteile auf der Reise durch Frankreich, Spanien und Portugal bringen. Beim Vorlegen der Karte soll man bis zu 50% der Preise auf den entsprechenden Campingplätzen sparen können. Also bestellte ich die Campingcard am Donnerstag Abend per Expresslieferung. Der Absender schickte sie auch gleich am Donnerstag Abend noch los. Da wir bis Samstag früh umsonst warteten, forschten wir anhand der Sendungsnummer, wo unsere Lieferung ist. Das Paket traf am Samstag um 6.16 Uhr im Paketzentrum in Lahr ein, was ganz in der Nähe liegt. Bis zum Mittag bewegte sich das Paket von dort nicht mehr weg. Nach langem Suchen fanden wir endlich eine Servicenummer der DHL. Dort trugen wir unseren Fall vor. Der Mann am anderen Ende, meinte nur lapidar: er könnte nicht erkennen, warum das Paket nicht mehr am Freitag Abend ausgeliefert wurde. Außerdem wäre für solch einen Fall eine Samstagslieferung nicht dazu gebucht worden. Das ist eben ein Fall von „Dumm gelaufen“. Was soll man dazu noch sagen? Die nicht geringe Expressgebühr könnte sich der Absender von der DHL wiederholen, woraufhin wir diese Gebühr wiederum vom Absender zurückbekommen sollten.

Ettenheim

Ettenheim

Na ja, jedenfalls hatten wir nun drei Tage Zeit, uns in der Umgebung umzusehen. Ettenheim an sich wirbt mit einer barocken Altstadt. Neugierig fuhren wir hin, aber außer der auf einem Hügel stehenden Kirche, dem Rathaus und vielleicht zwei, drei Häusern konnten wir kein Barock entdecken. Geschäfte hat die Altstadt Ettenheims nicht zu bieten, gerade einen Bäcker und einen Fleischer, die zudem Mittags geschlossen sind, werben um Kunden. Enttäuscht verließen wir Ettenheim wieder.

Rheinfähre bei Rhinau

Rheinfähre bei Rhinau

Auf der anderen Seite der Autobahn ist es interessanter. Der Doppelort Kappel-Grafenhausen lädt da eher zu einem Besuch ein. Hier finden sich richtig schöne und rekonstruierte Fachwerkbauten, sowie Restaurants und Geschäfte. Fährt man durch die Orte hindurch, erreicht man bald die Rheinfähre nach Rhinau auf der französischen Seite des Rheins. Auf der deutschen Seite breiten sich hinter dem Damm, der den Rhein in seinem Bett hält, die Rheinauen aus. Alte Rheinarme und Seen teilen das waldbestandene Gebiet, welches ein Naturparadies für verschiedene Wildtiere ist.

alte Markthalle Freiburg

alte Markthalle Freiburg

Freiburg bei Nebel und 9°C zu besuchen, ist nicht gerade ein Vergnügen. Bisher löste sich der schon Tage andauernde Nebel um die Mittagszeit auf, aber nicht so bei unserem Freiburgbesuch. So spazierten wir eher kurz und knapp, als die schöne Stadt genießend, durch die Straßen. Die oberste Spitze des Münsters war kaum noch im Nebel auszumachen. Innen ist der Münster sehr dunkel. Es fällt kaum Licht in die dunkel gehaltenen bleiverglasten Fenster. Beeindruckend sind neben dem Münster auch das große Stadttor und die alte Markthalle am Münster.
Aber nun geht es los, Richtung Süden.

Palermo

Entgegen unseren kühnsten Vorstellungen haben wir einen Womo-Stellplatz in Palermo gefunden, ohne weiteres anfahrbar und dazu bezahlbar. Es ist der Idea Vacanze Di Giuseppe Di Piazza, der für kleine Womo´s 15,-€, für ab 8m-Mobile 18,-€ kostet, inkl. Strom und Wasser. Der Platz befindet sich am Fuße des Monte Pellegrino und ist am besten über Mondello zu erreichen. Zum Platz gehört auch eine Womo-Werkstatt mit Campingmobil-Bedarf. Per Bus und mit einer 3,50€-Tagesfahrkarte gelangt man einfach ins Stadtzentrum von Palermo, und wieder zurück.

Womo-Stellplatz in Palermo

Mit der Linie 107 fährt man bis zur Endstation Stazione Centrale. Von dort aus wendet man sich zur Piazza Cesare. Links um den Platz herum erreicht man die Via Maqueda, der man bis zur Piazza Quadro Canti folgt. Bis dahin ist man an mehreren Tourist-Infos vorbei gekommen, in denen man sich mit Stadtplänen und einem Buslinienplan eindecken kann.
Aber schon kurz hinter der Piazza Cesare stößt man auf den Mercato Ballaró, der sich in den Gassen der Altstadt verteilt. Die Gebäude sehen zum Erbarmen aus, aber der Markt bietet gute, frische Waren zu sehr günstigen Preisen, von Obst und Gemüse, über Fleisch bis hin zu Fisch.

Mercato Ballaró

Irgendwann sollte man sich jedoch wieder auf die Via Maqueda begeben, um den Faden nicht zu verlieren. Die Gassen sind eng und verwinkelt, schnell verliert man sich darin.
An der Piazza Quadro Canti, die durch vier gleiche barocke Fassaden auffällt, die die vier gegenüberliegenden Häuserblockecken zieren, muss man sich entscheiden, was man von Palermo sehen möchte. Kurz vorher ist die Fontana Pretoria zu bewundern, ein barocker Brunnen mit weißen Marmorstatuen, der von mehreren Kirchen und dem Rathaus umringt ist.

Fontana Pretoria

Um die Kathedrale zu sehen, muss man nun nach links abbiegen. Die Via Vittorio Emanuele ist eine Fußgängerzone, in der man endlich mal entspannt gehen kann. Hier finden sich jede Menge Souvenirläden. Hin und wieder sollte man einen Blick in die Eingänge der Paläste werfen. Die Innenhöfe sind meist recht schön gestaltet.
Rechter Hand kommt man dann an der National-Bibliothek vorbei, dem Gebäude, in dem am 19.07.1812 die Unabhängigkeit Siziliens proklamiert und die radikale Reform der Staatsstruktur beschlossen wurde.

Innenhof der National-Bibliothek

Ziemlich unvermittelt öffnet sich etwas später rechts ein Platz, an dem sich die wunderschöne und filigrane Kathedrale aus dem Jahre 1185 erhebt. Mit feinsten Verzierungen, normannische und arabische Einflüsse sind in der Gestaltung der Fassade zu erkennen, verzaubert dieser Bau. Der Uhrturm erinnert an Big Ben in London. Am nördlichen Ende verbinden zwei Bögen die Kathedrale mit einem benachbarten Bau auf der anderen Straßenseite.

Eingang zur Kathedrale Palermos

Der Eintritt in die Kathedrale ist kostenpflichtig und gestaffelt, je nach dem, was man sehen möchte. Es ist auch möglich, auf das Dach zu steigen. In der Kathedrale hat der Staufferkaiser Friedrich II., von dem wir überall in Sizilien schon gehört haben, seine letzte Ruhestätte gefunden, zusammen mit weiteren Familienmitgliedern. Die Kaiserkrone Friedrichs II. ist in der Schatzkammer zu sehen.

Wenn man nun der Via Vittorio Emanuele weiter folgt, gelangt man zum Palazzo Reale, oder Palazzo Normanni, seit 1947 Regierungssitz Siziliens. Vor dem Gebäude wurde ein schöner Garten angelegt.

Palazzo Reale, oder Palazzo Normanni

Gleich rechts daneben steht das alte Stadttor Porta Nuova, ebenfalls ein prachtvoller Bau, an dem die Jahreszahl 1668 prangt.

Porta Nuova

Hinter der Porta Nuova haben wir uns nun rechts gehalten und sind der Via Cappucchini gefolgt. Unser Ziel waren die berühmten Kapuziner-Katakomben von Palermo unter dem Nonnenkloster dei Cappucchini. Wie viele Einrichtungen Siziliens gibt es auch hier eine Mittagspause, von 13-15 Uhr. Wir waren zehn Minuten zu spät, aber eine kleine Gruppe Neugieriger erreichte es, dass für Sie kurz geöffnet wurde. Ihnen schlossen wir uns an und bekamen so für zehn Minuten Gelegenheit, uns in den Katakomben umzusehen. Für 4,-€ Eintritt bekommt man um die 8000 Mumien aus mehreren Jahrhunderten zu sehen. Zu Lebzeiten gehörten diese Menschen allen gesellschaftlichen Schichten an, sogar Kinder sind dabei. Die Mumien sind entweder immer noch in ihren Särgen bestattet, liegen in den Aussparungen der Wände oder wurden einfach aufrecht an die Wand gehängt. Der Zustand der Mumien, vor allem der der Kleidung, ist meist sehr schlecht, trotzdem löst dieses, wie einige Besucher meinen: „Gruselkabinett“, gemischte Gefühle aus. Für uns waren es nicht die ersten Mumien, die wir gesehen haben, aber bei den anderen Besuchern kann man alle Arten von Gefühlsregungen beobachten.

Kapuziner-Katakomben

Nun lenkten wir unsere Schritte zum Castello della Zisa, welches eindeutig normannische Züge trägt. Davor kann man durch den gleichnamigen Garten, der sehr modern angelegt wurde, spazieren.

Castello della Zisa mit gleichnamigem Garten

Nun gingen wir Richtung Hafen zurück, vorbei am modernen Gerichtsgebäude zum Teatro Massimo. Das attraktive Opernhaus Palermos wurde 1897 eröffnet und war nach der Mailänder Scala die zweitbedeutendste Bühne Italiens.

Teatro Massimo (Rückansicht)

Das war eine schöne Runde für einen Tag. Palermo hat noch viel mehr zu bieten, wie den Antikmarkt Il Mercato delle Pulci in der Nähe der Kathedrale, des Teatro Politeama, archäologische Museen oder den Botanischen Garten. Nachdem, was wir im Vorfeld über Palermo gehört hatten, überraschte uns diese Stadt. Außer in der innersten Altstadt, wo es aussieht, als würden viele Häuser bald zusammenfallen, ist der Zustand recht ordentlich. Palermo ist nicht so groß, wie man denkt und es gibt auch Ecken, in denen man Luft holen kann, wie an der Terrazza Mare oder der Straße am Fährhafen entlang. Wer nicht so viel laufen will, kann entweder den Hoppon-Hoppoff-Bus nehmen, mit der Kleinbahn fahren oder die Kutsche nehmen.

Die Frage, die wahrscheinlich viele von Euch interessiert ist wohl: Ist Palermo sicher? Das können wir mit einem eindeutigen Ja beantworten. Unserem Gefühl nach sind die Zeiten der Mafia und Gewalt endgültig vorbei, die Stadt ist genauso sicher oder unsicher wie jede andere Stadt auf der Welt auch.

Es gibt jedoch nicht nur die Stadt Palermo zu sehen. Vor allem lohnt ein Abstecher nach Mondello ca. 10 km Richtung Norden. Um 1900 blühte der kleine Fischerort dank seines schönen Strandes und seiner Lage zu einem Belle Epoche-Badeort auf. Die ein oder andere Villa aus dieser Zeit ist noch zu sehen und wurde liebevoll erhalten. Den Blickfang bildet jedoch die Badeanstalt aus dem Jahre 1912, die auf Stelzen im Wasser der Bucht steht, ziemlich in der Mitte des langen Sandstrandes. Die architektonischen Verzierungen sind schon fast kitschig bemalt. Bevor man die Badeanstalt erreicht, in der sich heute ein Restaurant befindet, passiert man einen halbrunden Schmuckbogen.

Badeanstalt von Mondello

Ein alter runder Turm und ein kleiner Fischereihafen gehören ebenso zu Mondello. Wir möchten dringend den Ratschlag geben, nicht sonntags und bei schönem Wetter nach Mondello zu fahren, denn dann sind die Straßen von Autos und Menschen verstopft.

kleiner Fischerhafen von Mondello

Wir wollten anschließend noch den Leuchtturm am Capo Gallo besuchen. Um die Straße dort hinter zu befahren, muss man allerdings 5,-€ berappen. Selbst als Fußgänger muss man bezahlen.

Mich zog es aber auch auf den Monte Pellegrino, um von dort oben einen Blick auf Palermo zu werfen. Leider sind die Aussichtspunkte nicht zu erreichen, da es vor wenigen Jahren auf dem Berg gebrannt hat. Das ist noch zu sehen. Viele Bäume sind umgefallen und versperren die Wege. Die Aufräumarbeiten laufen immer noch.

Serpentinen-Fußweg zum Monte Pellegrino

Da ich schon dort oben war, lief ich den restlichen guten Kilometer zum sehr besonderen Heiligtum der Heiligen Rosalia. Von außen ist die Kirche nichts besonderes, überrascht aber im Inneren. Der kleine Altarraum mit dem Altar und dem Schrein für die Heilige Rosalia befindet sich in einer natürlichen Grotte und ist wunderschön illuminiert.

Altar der Grotte des Heiligtums Santa Rosalia

An dieser Stelle wurden am 15.07.1624 die Gebeine der Heiligen Rosalia gefunden. 1667 errichtete man den Altar. Zwei Reliquien, einen Zahn und ein Knochenfragment, werden in der Grotte aufbewahrt. Die restlichen Gebeine befinden sich in der Kathedrale Palermo.

Da ich ungern den gleichen Weg wieder zurück gehe, nahm ich den direkten Weg Richtung Süden nach unten. Da hatte ich mich auf etwas eingelassen. Der Weg ist 1,1km lang und kommt an der Ausfallstraße nach Mondello heraus. Was ich nicht wusste und erst merkte, als es zu spät war, war, dass der horizontale Weg auf die 1,1km keine 100m beträgt. Das heißt, der Weg ist ein fast senkrechter Klettersteig zwischen zwei Steilwänden, über den eigentlich ein Bach nach unten stürzt. Über eine Stunde kostete mich die „Abkürzung“, die mir so ziemlich alles abverlangte.

durch diese hohle Gasse kam ich

Castellammare

Auf dem Weg zum Parkplatz am Strand, wo wir zwei Nächte lang übernachten wollten, ist es nun passiert: Wir hatten uns festgefahren, nichts ging mehr! An der Straße, die das Navi angegeben hatte, fuhren wir vorbei, so dass wir die Alternativroute über die Via Urano nehmen mussten. Mitten in dieser steil nach unten führenden Straße stoppte uns die Spitzkehre. Mit einem Zug kamen wir nicht herum, also wollte Klaus ein Stück zurück setzen. Nun saß das Wohnmobil hinten auf, erst mit dem Auspuff, dann mit dem Gehäuse des Notstromaggregats, welches größeren Schaden an der ebenfalls aufsitzenden Stoßstange verhinderte. Nach jedem Versuch, rückwärts zu fahren, rutschte der Bus weiter nach vorne, so dass die vordere Stoßstange nun ihrerseits am Bordstein aufsaß. Das Getriebe brachte einfach bei dem Gefälle die Kraft nicht auf, uns da rauszubringen. Die Straße war nun für beide Richtungen blockiert. Den Anhänger mit dem Smart hatten wir vorher schon abgekoppelt und beiseite gestellt.
Von den vielen PKW-Fahrern, die kamen, fragten nur zwei, ob wir per Telefon um Hilfe gerufen haben. Laut einem Telefonat sollten wir warten, man würde einen LKW schicken, der uns frei zieht. Es war gerade wieder Mittagspause und es kam niemand. Nachdem wir eineinhalb Stunden gewartet und die Straße blockiert hatten, versuchten wir selbst einen Abschleppdienst zu finden. Inzwischen hatte Klaus auch schon in der Nachbarschaft gefragt, ob jemand einen LKW oder Traktor besorgen könnte. Überall sah er nur Kopfschütteln.

eine abschüssige Spitzkehre wurde uns zum Verhängnis

Klaus blieb beim Bus und ich fuhr in die Stadt, zu der von Google gezeigten Werkstatt. Die schickte mich um die Ecke zu einer anderen Werkstatt, beide für PKWs. Ich versuchte mit dem Google-Übersetzer dem Werkstattchef zu erklären, welche Art von Hilfe ich brauche. Nach italienischer Art schlossen sich noch drei Leute an und ein Palaver begann, allerdings ohne Ergebnis. Sie hätten keine Möglichkeit, und einen Abschleppwagen, LKW oder Traktor, der uns helfen könnte, gäbe es in Castellammare nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit rang sich dann der Werkstattchef dazu durch, mir einen Mitarbeiter zur Seite zu stellen, um sich unser Problem anzusehen. Mit einem klapprigen, alten, kleinen Geländewagen fuhr ich mit ihm zum Womo, wo Klaus immer noch ergebnislos wartete.
Etwas ratlos sah sich der Mann unsere Situation an, brachte dann sein Stahl-Abschleppseil an der Anhängerkupplung an. Der erste Versuch scheiterte kläglich. In dem Moment kam endlich der erste Klein-LKW an. Selbst auf unsere Bitte auf Hilfe hin, und nachdem er gesehen hatte, dass unser Versuch scheiterte, setzte er zurück, drehte um und war weg. Vielen Dank, sehr freundlich.
So startete der Werkstattmann zum zweiten Versuch in einem anderen Winkel. Mit aller Kraft seines klapprigen Geländewagens und unseres Motors schafften es dann beide endlich, den Bus freizubekommen und zurück zuziehen, damit Klaus den Bus weiter durch die Kurve bringen konnte. Nach dreieinhalb Stunden endlich konnte es weitergehen. Wir drückten dem Mann 20,-€ in die Hand und bedankten uns viele Male.

Nach diesem Erlebnis erinnerten wir uns an verschiedene Vorfälle, die sich auf unserer USA/Kanada-Rundreise zugetragen haben. Mit Sicherheit hätte fast jeder geholfen, auf welche Art auch immer. Da hätte es so etwas nicht gegeben.

Den Rest des Tages ruhten wir uns am Strand aus. Wir hatten keine Lust mehr, irgend etwas zu unternehmen, nicht einmal zum Einkaufen.

Küste westlich vom Strand Castellammares

Castellammare hatten wir uns als Ausgangspunkt für einen Ausflug nach Segesta ausgesucht. Bekannt ist die Ausgrabungsstätte von Segesta. Viel zu sehen gibt es auf dem riesigen Gelände nicht, nur einen gut erhaltenen dorischen Tempel und ein großes Amphitheater aus dem 3. Jahrhundert v.Chr. Wir wollten uns die Anlage nicht ansehen, denn wir hatten Agrigento gesehen, sondern nur einen Blick riskieren. Am Eingangstor zur Anlage stehen Wegweiser, auf denen die Entfernungen zum Tempel mit 250m und zum Theater mit 1250m angegeben sind. Eine Ecke des Tempels kann man von außen noch sehen, sonst aber nichts. Die Umgebung ist jedoch sehr schön, mit dem umgebenden Bergen. Die Preise sollen sich wie folgt zusammensetzen: 5,-€ Parkplatz, der ca. 1 km entfernt ist, 1,50€ für das Shuttle zur Ausgrabungsstätte, 6,-€ Besuch der Ausgrabungsstätte.

Tempel von Segesta

Auf dem Weg von San Vito Lo Capo nach Castellammare fährt man an einem Bergmassiv vorbei, in dem an mehreren Stellen weiße Marmorsteinbrüche in den blauen Himmel leuchten. Marmor wird im Nordwesten Siziliens im großen Stil abgebaut.

Marmor-Steinbruch

Segesta hat aber noch eine Sehenswürdigkeit zu bieten: das Thermalbad Segestane. Die Luft um das Thermalbad ist leicht vom Schwefelgeruch erfüllt, welcher aus dem Flusstal herauf steigt. Heiße Schwefelquellen speisen das Bad. Um es, mit seinen drei Badebecken, zu nutzen, muss man 9,-€ Eintritt bezahlen, für max. 3 Stunden Aufenthalt. Die obligatorische Mittagspause unterbricht den Betrieb zusätzlich.

Schlucht unterhalb des Thermalbades Segestane

Unterhalb der Therme lädt ein natürliches Badebecken abseits des Flusses zu einem kostenlosen Bad ein. Die Zufahrt ist jedoch nur von der nördlich verlaufenden Straße möglich. Die letzten ca. 100m müssen dann zu Fuß bewerkstelligt werden. Leider lag das Badebecken kurz nach dem Mittag voll im Schatten und der Wind wehte echt kühl um die Ecken. Einige Leute bevölkerten trotzdem den Rand des Pools, dessen Wasser sehr warm und auch schwefelhaltig sein soll. Im Winter sollte man den Pool eher am Vormittag ansteuern, wenn es in der Sonne liegt.

natürlicher Thermalpool

Castellammare selbst ist ein Ferienort, der an einem ca. 2km langen Sandstrand liegt. Hinter der Stadt ragt eine Bergkette auf, die die Sonne im Winter frühzeitig verschwinden lässt.
Das ist nicht die ganze Wahrheit. Der Ursprung von Castellammare liegt im 14. Jahrhundert, als eine Burg zum Schutz des Hafens gebaut wurde, der zu Segesta gehörte. Um das Kastell und die kleine Bucht herum wuchs die Altstadt Castellammares, die durch eine Felsnase vom neueren Ferienort Castellammare getrennt ist. Die Lage und Übersichtlichkeit der kleinen, aber feinen Altstadt macht sie sehr sehenswert, ein richtig kleines Juwel.

das alte Castellammare

Bei einem Fleischer unterwegs fanden wir ein schon vorbereitetes Pansen (Kutteln)-Gericht, dass nur noch erwärmt werden musste. Ich wollte unbedingt auf Sizilien Pansen probieren, nachdem ich schon oft gehört habe, dass das gar nicht so schlecht schmecken soll. Nun ja, ich muss es nicht jeden Tag haben, aber zur Abwechslung auf dem Speiseplan könnte es schon das ein oder andere Mal stehen. Das Rezept habe ich für Euch in unserem Beitrag  „Essen und Trinken auf sizilianisch“ zusammengestellt.

San Vito Lo Capo

Das westlichste Kap im Norden Siziliens ist etwas für Naturliebhaber, im Sommer auch für Badebegeisterte und Taucher. Der Strand der Stadt ist der schönste, den wir bisher in Italien/Sizilien gesehen haben, das Wasser ist tiefblau und glasklar, und die Landschaft ist einfach nur traumhaft. Jetzt im Winter hat man das alles fast für sich alleine. Entweder lässt man in Ruhe die Seele baumeln oder man unternimmt Wanderungen an den felsigen Küsten oder durch die Berge.

traumhafte Landschaft am Capo San Vito

Vom Leuchtturm aus nach Westen führt ein Weg zwischen der Küste und den Steilwänden entlang. In den Steilwänden sind unzählige Höhlen und Grotten zu finden, mal einfach zugänglich, mal nur mit bergsteigerischen Fähigkeiten und der entsprechenden Ausrüstung. Diese senkrecht abfallenden Kalksteinwände sind ein Kletterparadies, obwohl sie naturgemäß sehr bröckelig sind.

jede Menge große und kleine Höhlen und Grotten zieren die Kalksteinwände

In der Grotta di Cala Mancina wurden steinzeitliche Werkzeuge wie Faustkeile und Speerspitzen gefunden, berichtet eine Infotafel. Bis zu dieser Grotte ist ein guter Weg verfügbar. Will man noch bis zur Pferdehöhle weitergehen, muss man einem kleinen Trampelpfad folgen. Die Pferdehöhle und eine gleich links davon liegende große Höhle liegen etwas erhöht, so dass etwas Kletterei vonnöten ist, um dorthin zu gelangen. Wofür die weißen Kalksteine, exakt in länglichen oder runden Gebilden aufgestapelt, gut waren, wissen wir nicht. Es gibt mehrere davon, die sich in einem Gebiet konzentrieren.

mysteriöse Steinhaufen zwischen Meer und Felsen

Zum Wasser kommt man eher nicht, denn das Ufer ist über eine große Breite mit spitzen, hochstehenden Felsnadeln übersät. Auch hier, wie am Monte Cofano, sind wieder Stacheln von Stachelschweinen am Wegesrand zu finden, wenn man die Augen offen hält.

Entweder geht man denselben Weg dann wieder zurück oder man kommt irgendwann am Torre Isulitta aus dem 16. Jahrhundert, welcher auf einer Steilwandecke thront, heraus. Unterhalb des Turmes kann man einem kurzen Naturpfad am Fuße der Steilwand folgen.

Torre Isulitta

Ein anderes Wandergebiet befindet sich im Osten der Halbinsel Capo San Vito. Kostenlos ist der Weg hinauf zum 528 Meter hohen Monte Monaco. Kurz vor dem Gipfel, auf dem ein Kreuz steht, kann man hinunter zum Golfo di Cofano im Westen und zum Golfo di Castellammare im Osten sehen. Dort sind auch noch die Überreste zweier Steinbrüche zu erkennen.

Gipfelkreuz auf dem Monte Monaco

Für Schwindelfreie bietet sich vom Kreuz aus eine sicher aufregende 360°-Sicht, mit der Stadt San Vito Lo Capo zu Füßen. Einen guten Blick auf die Stadt mit Strand, Hafen und Leuchtturm hat man auch von etwas weiter unten.

Blick auf San Vito Lo Capo

Ich bin von der Ostseite des Berges aus gestartet. Von dort aus ist der Weg zum Monte Monaco gut ausgeschildert. Zurück auf die Westseite, zum Parking Camping Giovanni, auf dem wir ein paar Tage lang stehen, musste ich mir mit der App MapsMe den Rückweg suchen. Den kurzen Weg gibt es heute praktisch nicht mehr, wahrscheinlich zu steil und zu gefährlich, also nahm ich den langen Weg und kam direkt auf dem Gelände des Marmorsteinbruches heraus. Der Weg ist zwar auch stellenweise abenteuerlich, aber irgendwie muss man ja wieder herunter kommen.

Der Zugang zum Naturschutzgebiet Zingaro kostet 5,-€ pro Person, ab 65 Jahre ist auch dieses kostenlos.

Eingang zum Naturschutzgebiet Zingaro

Die gute Fee des vorher erwähnten Campingplatzes, Stella, kümmert sich mit viel Hingabe um ihre Gäste und den Platz. Manchmal kommt sie herum und gibt ein Gläschen Marsala-Wein für jeden Gast aus. Der Platz kostet 13,-€ pro Nacht, ab 3 Nächten 10.-€, inkl. Blick auf den Monte Monaco und den weiterführenden Bergrücken.

Sonnenuntergang am Monte Monaco

Stella wies uns darauf hin, dass im Sommer viele tolle Veranstaltungen, wie z.B. ein Ballonfest oder Couscousfest, stattfinden.

Monte Cofano

Wir haben ein traumhaftes Plätzchen zum Stehen und Übernachten gefunden. Zwischen dem Monte Cofano und San Vito Lo Capo im äußersten Nordwesten Siziliens breitet sich eine kleine Ebene zwischen den Bergen und dem Meer aus. Direkt am Strand liegt ein großer freier Platz mit einem atemberaubenden Panorama. Es ist der schönste Platz auf unserer bisherigen Italien/Sizilienreise, auf dem wir zwei fast windstille und sonnige Tage erleben durften.

traumhafter Stellplatz kurz vor San Vito Lo Capo

Es ist eine felsige Küste mit nur wenigen schmalen sandigen Zugängen ins Meer. Zudem sind Spuren zu finden, dass vor langer Zeit der Kalkstein dieser Ebene von Menschen gebrochen wurde. Die Steine wurden wahrscheinlich für den Häuserbau verwendet.

Spuren menschlichen Wirkens

Unterhalb des großen freien Platzes ist „roter Sand“ zu finden. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass es sich bei den winzigen roten Stücken um Bruchstücke der Roten Koralle handelt. Hier haben wir nun den Beweis dafür, dass es vor der Küste Rote Korallen gibt. Wie ich schon im Bericht für Trapani geschrieben habe, sind die Roten Korallen geschützt. Ich konnte aber nicht umhin, etwas von dem „roten Sand“ zu sammeln, für Dekozwecke. Es war einfach zu verlockend. Da kann ja niemand etwas dagegen haben.

„roter Sand“

Nun lockte uns aber doch das Naturschutzgebiet Monte Cofano. Es führt ein Wanderweg um den Berg herum, der bis nach Cornino am Südende reicht. Auf dem Weg sind viele interessante Dinge zu sehen, wie zwei Wehrtürme, Höhlen und uralte Siedlungsspuren.

Am Eingang zum Naturschutzgebiet steht ein Tickethäuschen, welches jetzt aber nicht besetzt ist. Der Zutritt des Parks ist zwar durch Schilder verboten, wegen Steinschlaggefahr, aber es gibt keine Zugangsbeschränkungen. Man ist wahrscheinlich auf eigene Gefahr unterwegs, aber solange es keine Wetter- oder sonstige Unbilden gibt, ist die Gefahr eines Steinschlags wohl eher gering. Der Wanderweg ist wunderschön und es wäre wirklich schade, wenn man sich nicht dazu durchringen könnte.

badetauglicher Zugang

Zuerst trifft man auf den Torre della tonnara di Cofano, den Turm mit Thunfischschlinge, was immer das heißt. Der Turm aus dem Jahre 1404 ist trotzdem einzigartig auf Sizilien, denn er besitzt konkave Wände. Sie haben eine Dicke von 2,5m im Erdgeschoss, und eine Weite von Ecke zu Ecke von 17,4 Metern. An jeder Seite sind mehrere runde Löcher zu sehen, aus denen zur Verteidigung für die Angreifer ungesunde Dinge hinab geschüttet werden konnten. 1560 landeten Piraten an der Küste, nahmen die Thunfischer gefangen und verkauften sie in die Sklaverei.

Torre della tonnara di Cofano

Nahe des Turms sind auch Spuren einer römischen Siedlung sowie aus dem Felsen gehauene Becken aus dem 4.-3. Jahrhundert v.Chr. zu finden. Zu dieser Zeit wurde „Garum“, die berühmte römische Fischsoße, produziert.

Als nächstes stößt man auf die Überreste zweier alter Kalkbrennöfen. Solche Öfen kennen wir von unseren Reisen rund um die Welt. Hier erfuhren wir jedoch das erste Mal, dass die abgebauten Kalksteine eine ganze Woche im Ofen „backen“ mussten. Danach verschloss man die Öffnung des Ofens und der Kalk kühlte eine Woche lang darin ab. Nach dieser Zeit entnahm man den gebrannten Kalk und übergoss ihn mit Wasser. Dadurch brach das Gestein auf. Den so entstandenen Kalk verwendete man dann für verschiedene Bautätigkeiten.

Kalkbrennofen (teilweise rekonstruiert)

Eine Spur, die noch weiter in der Zeit zurück führt, nämlich in das 5.-4. Jahrhundert v.Chr., als die Griechen hier lebten, ist auf dem Plateau ganz oben zu finden. Es ist eine Zisterne, in die Stufen hinunter führen. Darin wurde wahrscheinlich Regenwasser gesammelt, welches für die Versorgung der hiesigen Einwohner diente. Allerdings währte deren Zeit nicht lange, denn bald beendeten die Karthager ihre Herrschaft, wie an so vielen Plätzen in Sizilien. Diese Info entnahmen wir den Infotafeln am Wegrand, denn gesehen haben wir die Zisterne nicht.

Am „Weg der Braut“ stößt man auf den Schrein des Heiligen Nikolaus. Ein Relief aus weißem Marmor stellt den Heiligen Nikolaus, Bischof von Bari, mit drei Jungen auf einem Boot dar. Durch die römische Inschrift lässt sich das Relief datieren.

Schrein des Heiligen Nikolaus

Um den „Weg der Braut“ rankt sich die Legende um eine Familientragödie. Der heutige Wanderweg war vor langer Zeit die kürzeste Verbindung zwischen den Ortschaften an der Küste. Eine junge Braut starb an dieser Stelle durch den Sturz über das Cliff ins Meer. Der bei sonnigem Wetter hellblau scheinende Teil im Wasser unterhalb der Stelle soll der Schleier der Braut sein. Niemand weiß jedoch, wann sich dies zugetragen hat.

Den Weg immer weiter gehend, erreicht man bald darauf die „Grotte des Heiligen Kreuzes“. Der Eingang zur Höhle ist riesig und von unten nach oben spitz zulaufend, eine natürliche Form im Kalksteinfelsen. Es wurden Artefakte gefunden, dass diese Höhle schon vor 11.000 Jahren von Tieren und später von Menschen genutzt wurde. Die Menschen lebten von Wildschweinen, Hirschen und Muscheln, wie Funde bei Ausgrabungen zeigten. Diese Höhle wurde anscheinend noch bis in jüngere Zeit genutzt, was die rußgeschwärzten Wände der Höhle belegen. Den Rauchabzug übernahm ein natürliches Loch in der Felswand oberhalb des Höhleneinganges.
In der hintersten Ecke der großen Höhle ist der Zugang zu einer weiteren Höhle zu sehen.

Grotte des Heiligen Kreuzes

Das Ziel dieser interessanten Wanderung war der Saint John-Turm, welcher im Juni 1595 errichtet wurde. Dieser Turm wurde im späten 16. Jahrhundert teil des Verteidigungssystems der sizilianischen Küste gegen die türkischen Angreifer, welches im Auftrag des spanischen Königs aufgebaut wurde. Wie schon bei den Römern wurden Signale über Feuer, Geschütze oder Flaggen von Turm zu Turm getragen, wenn Gefahr bestand. Die Besatzung solch eines Turms bestand normalerweise nur aus einem Kommandanten und zwei Schützen.

Saint John-Turm, im Hintergrund der Berg mit Erice

Hier drehten wir um und stolperten den ganzen Weg wieder zurück. Der Wanderweg ist eher ein Hindernisweg, bei dem man jeden Schritt bewusst setzen sollte. Bei den Kalkbrennöfen zweigt ein steiler Weg den Berghang hinauf ab, der zu einem großen Überhang führt, der auch schon immer Tier und Mensch als Schutz diente. Der Weg ist nicht für jedermann zugänglich. Man sollte trittsicher und halbwegs schwindelfrei sein. Ist man endlich oben angelangt, liegen einem das Meer und die Küste mit den Zeichen frühen menschlichen Lebens zu Füßen.

großer Überhang oder Höhle

Laut der App MapsMe führt der Weg, den man nach oben genommen hat, auf der anderen Seite etwas komfortabler wieder nach unten, und zwar zurück zum Torre della tonnara di Cofano. Da gibt es nur ein winziges Problem: die Überwindung einer mehrere Meter hohen senkrechten Felswand. Da wir uns das nicht zutrauten, mussten wir wohl oder übel den abenteuerlichen und steilen Weg wieder nach unten klettern, den wir gekommen waren.

Eine unerwartete Überraschung bietet das Naturschutzgebiet auch noch. Wir fanden, und konnten es nicht glauben, Stachelschweinborsten. Nachforschungen ergaben, dass das Gewöhnliche Stachelschwein tatsächlich in Süditalien und auf Sizilien lebt, wahrscheinlich seit den Zeiten der Römer, die sie eingeführt haben sollen. Wir haben uns über diese Funde gefreut.

unverhoffter Fund im Naturschutzgebiet: Stachelschweinstachel

Trapani

Nach fast drei Tagen Sauwetter mit Regen, Sturm, Kälte und Dunkelheit, die wir auf dem Parking Le Saline im Südosten Trapanis zubrachten, kommt nun endlich die Sonne wieder zum Vorschein. Viel konnten wir in der Zeit nicht unternehmen, es war einfach zu eklig. Auf den Fotos kommt das auch nicht gut. Also guckten wir Videos, spielten Karten, fuhren mal zum Einkaufen oder was man sonst so macht.

Am Nachmittag des dritten Tages klarte sich der Himmel kurzzeitig auf und wir nutzten die Zeit, um den Salinen von Trapani und Paceco einen Besuch abzustatten, die ein Naturschutzgebiet sind. Mit dem Auto kann man sich nur am äußeren Rand der Salinen bewegen, aber es führen viele Fußwege hindurch. Der zentrale Punkt ist das Salzmuseum, welches auch Exkursionen durch die Salzpfannen anbietet.

Blick über die Salinen zum Monte Erice

Überall liegen Salzhügel verteilt, die statt schneeweiß eher grau sind, so lange liegen sie schon. Manche sind mit einer Schicht Dachpfannen geschützt. Die Salzproduktion läuft in Trapani nur von April bis Ende September, da die Wetterbedingungen keinen Abbau im restlichen Jahr zulassen, wegen fehlender Verdunstung. Im Winter werden die Becken gereinigt und mit dem inzwischen gesammelten Schlamm abgedichtet. Dann werden im Frühjahr die Salzpfannen wieder geflutet und der Zyklus geht von vorne los.

mit Dachziegeln geschützte Salzhügel

Die Salinen, wie überall in der Welt, sind ein Paradies für Vögel. Während wir auf der bisherigen Fahrt durch Italien und Sizilien noch nicht gerade verwöhnt wurden, was Vogelbeobachtungen angeht, haben sich in den Salinen von Trapani und Paceco schon einige Arten eingefunden. Mehrere Entenarten wie Löffelente, Brandgans und Spießente, Rotschenkel und vor allem die immer wieder faszinierenden Rosaflamingos tummeln sich in der geschützten Wasserlandschaft. Die tollen Farben der Flamingos kommen erst richtig im Sonnenlicht zur Geltung, erst recht wenn sie ihre Flügel ausbreiten. Ich kann mich kaum an ihnen sattsehen.

immer wieder faszinierend: Rosaflamingos

Endlich wieder ein Tag mit mehr Sonne als Wolken, so dass wir eine Fahrt im Uhrzeigersinn rund um das Bergmassiv machen konnten, auf dem Erice liegt. Die Straße führt bis nach Valderice meist bergan. Ab und zu hat man einen schönen Blick auf Trapani und die Küste mit den Salinen. Dann biegt man nach Norden ab und bekommt tolle Ausblicke auf diese Küste. Trapani liegt auf einer langen Landzunge und ist eigentlich überall von Wasser umgeben. Bei Sonnenschein leuchtet das Meer herrlich blau, nur die Strände sind jetzt überall mit Müll und abgestorbenem Seegras übersät, was wenig appetitlich ist.

Blick von Tonnare di Bonagia zum Monte Cofano

Klaus hat mich dann 10km vor dem Hafen Trapanis abgesetzt und ich bin zu Fuß zurück gelaufen, immer am Wasser entlang. Dabei kommt man an mehreren Sandstränden, Ruinen einer alten Thunfischfabrik und der stillen Rückfront Nordtrapanis vorbei. Der alte Fischmarkt, eine alte Festung (Bastione Conco) und ein alter Turm sorgen außerdem für Abwechslung auf dem Weg.

alter Fischmarkt

Ein Stadtbummel durch Trapani lohnt eigentlich nur entlang des Corso Vittorio Emanuele, wo sich sehr schöne Barockbauten ein Stelldichein geben. Sie als Flanier- und Einkaufsmeile zu bezeichnen, ist allerdings etwas übertrieben.

Dieses Detail am Corso Vittorio Emanuele erinnert mich an das Dresdner Schloss

Sehenswert ist auch die Front entlang der Fähranleger, wo unter anderem das Denkmal für Giuseppe Garibaldi, der 1890 in Trapani eintraf, zu finden ist. Über den Namen Giuseppe Garibaldi stolperten wir schon auf der ganzen Reise durch Italien/Sizilien. In Marsala erfuhren wir, dass er 1860 mit tausend Freiwilligen mit Schiffen in Marsala landete, um Sizilien von den letzten Besatzern zu befreien und Italien zu einigen.

nettes Detail gegenüber der Fähranleger

In Trapani wurde früher viel Rote Koralle verarbeitet, die immer noch vor den Küsten Siziliens gedeihen soll. Diese Korallenart ist inzwischen streng geschützt und so hat der Handel mit echter Koralle stark nachgelassen. Es gibt zwar immer noch Schmuckgeschäfte, in denen Korallenschmuck angeboten wird, der ist aber fast immer aus Plastik.

Markttag ist jeden Donnerstag auf dem Platz am großen Schwimmbad. Es gibt aber fast nur Klamotten und Krimskrams. Nur wenige Verkäufer bieten Obst, Gemüse oder Spezialitäten an. Der Fischmarkt am Hafen findet dagegen jeden Morgen statt.

Thunfischprodukte und Baccala (Trockenfisch) auf dem Wochenmarkt

Vor Trapani liegen die Ägadischen Inseln. Die drei größten heißen Levanzo, Favignana und Marettimo. Ihre hohen Felsen sind nicht zu übersehen. Die Inseln können vom Fähranleger Trapanis aus besucht werden. Es soll sich lohnen, aber dann wohl doch eher in der warmen Jahreszeit.

Marsala

Inzwischen haben wir den Westen der Insel Sizilien erreicht. Je weiter man sich nach Westen bewegt, umso windiger wird es. Die oft starken Böen sind schon manchmal unangenehm, vor allem wenn man am Strand steht oder geht.
Wir sind seit Gela immer auf der ss115 gefahren, die sich die Sud-occidentale Sicula nennt. Diese Straße führt durch abwechslungsreiche sizilianische Landschaften, mal Berge, mal Hügel und mal flach. Um die zahlreichen Flusstäler zu überqueren, wurden viele neue Brücken gebaut, die zum Teil ziemlich hoch und auch ziemlich lang sind. Manchmal fährt man aber auch durch Tunnel. Ab und zu sind, meistens auf Bergspitzen sitzend, antike Überbleibsel zu sehen.

auf dem Weg Richtung Westen

Vor allem seit Selinunte breiten sich wieder viele Weinanbaugebiete rechts und links der Straße aus. Auf der Suche nach einem Stellplatz bei Marsala stießen wir auf den Platz am Beach Sibiliano Village. Der sah sehr gut aus und mit 7,-€ inkl. Strom und Wasser wäre er auch billig gewesen. Der Platz ist für Wohnmobile bis 12m ausgewiesen, aber die Zufahrten sind wieder viel zu eng. Da hatten wir mit unseren 10m schon fast Probleme. Als wir den Platz endlich erreichten, war er geschlossen, obwohl geöffnet sein sollte. Offensichtlich ist dies schon länger so. Da wir dort keine Möglichkeit mehr zum Wenden hatten und dazu noch Diesel bei laufendem Motor verloren, mussten wir uns den nebenan liegenden Parkplatz am Strand als Stellplatz aussuchen. Da war zwar eine Kette davor, aber was sollten wir machen? Es dauerte auch nicht lange, bis der Besitzer kam und meinte, wir könnten dort nicht stehen. Er war sehr nett und als wir ihm anboten, für die Übernachtung zu bezahlen, hellte sich sein Gesicht auf. Für 5,-€ pro Nacht können wir jetzt in Ruhe stehen bleiben. Wenn wir Wasser brauchen, könnten wir uns das bei ihm holen. So haben wir eine schöne Ausgangsbasis für Ausflüge nach Marsala und Mazara.
Das Problem mit dem auslaufenden Diesel stellte sich zum Glück als minimal heraus: es hatte sich nur eine Leitung gelöst, die Klaus austauschte.
Die Sonne ging am Abend in diffusem goldenen Licht unter, welches reichlich Saharasand verursachte. Der Wind wehte heftig.

goldener Sonnenuntergang dank Saharasand

Marsala ist für seinen Wein weltberühmt. Vor allem in die englischsprachigen Staaten, allen voran USA und Australien, wird der Marsala-Wein (Portwein) exportiert. Mit Hilfe von Google Maps fanden wir die Cantine Pellegrino 1880. Sofort fuhren wir hin, um zu sehen, ob wir uns einer Führung oder wenigstens einem Tasting anschließen könnten. Wie wir erfuhren, war dies der erste Tag, an dem das Tor wieder für Besucher geöffnet ist. Im Januar war allgemein geschlossen und im Februar ist nur vormittags jeweils eine Führung möglich. Ab März gelten dann wieder die offiziellen Öffnungszeiten. Für eine Führung muss man sich jedoch anmelden, so dass wir am nächsten Morgen zu 11 Uhr noch einmal hinfahren mussten.

Besuchergebäude der Cantine Pellegrino 1880

Die Führung kostet 10,-€ pro Person und dauert ca. 1 Stunde. Im Preis enthalten sind ein Weinglas, drei verschiedene Kleingebäcke und drei Weinproben. Unsere Gruppe bestand aus einem Australier, drei Italienern und uns beiden, also sehr überschaubar. Die Führung übernahm Frau Neff, eine Bayerin, die mit einem Sizilianer aus Marsala verheiratet ist und nun selbst in Marsala lebt. Sie spricht also deutsch, englisch und italienisch. Bei unserer kleinen Gruppe kam also jeder auf seine Kosten, Fragen konnten jederzeit gestellt werden. Ob dass im Rahmen einer Reisegruppe ebenso möglich ist, wage ich zu bezweifeln.
Schon die Phönizier siedelten im 6. Jahrhundert v. Chr. in Marsala, was verschiedene Ausgrabungen zutage förderten. Im Garten der Cantine Pellegrino sind Kindergräber einer Nekropole zu besichtigen, die aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. stammen.

Teil einer punischen Nekropole mit Kindergräbern

Dann kamen bald die Römer, die in Marsala begannen, Wein zu kultivieren. Die Engländer brachten 1833 den bis dahin sehr beliebten Portwein nach Marsala. Der erste Weinkeller für Marsala-Wein war die Cantine Florio, die am Hafen zu finden ist. Vor deren Tor sind noch Reste des Anlegers für die Transportschiffe zu sehen.

Eingangstor der Cantine Florio

Der Ursprung von Portwein liegt auf Madeira. Irgendwann brachte man die Produktion nach Porto in Portugal, wo der Wein seinen Namen bekam. Als dritte Portwein-Produktionsstätte wählte man Jerez de la Frontera in Südspanien aus, und dann kam man 1833 nach Marsala. An allen Standorten ist die Weinherstellung dieselbe. Da der meiste Wein zu Anfang in England verkauft wurde, nannte man ihn Portwein, da dort sowieso niemand wusste, von welchem Standort der Wein kam. Heute ist der Name Portwein rechtlich geschützt, so dass er also Madeira-Wein, Portwein, Sherry und Marsala-Wein heißt.

Zuerst bekamen wir erklärt, welche Trauben im Marsala-Wein verarbeitet werden. Es sind drei weiße Trauben und eine rote Traube. Die weißen Trauben heißen Grillo (eine Kreuzung Ende des 19. Jahrhunderts aus der Catarratto und Zibibbo-Traube), Inzolia (einst von den Griechen nach Sizilien gebracht), und Zibibbo (brachten die Araber mit). Von der roten Traube Nero d´Avola (die es seit dem Ende des 17. Jahrhunderts auf Sizilien gibt) hörten wir schon in Avola. Aus diesen vier Trauben werden in der Cantine Pellegrino 1880 zwölf Weine hergestellt. Zum Betrieb gehören nur 150 Hektar Weinreben, der Rest des Bedarfs wird von Genossenschaften im Raum Trapani zugekauft. Außerdem werden Moscato-Trauben (von der Insel Pantelleria) verarbeitet. Die Palette reicht aber auch von Grappa über Limoncello bis hin zu Kräuterlikör. Da findet jeder Weinliebhaber etwas für sich.

Garten mit den vier Weinsorten Marsalas

Der Wein wird also gelesen, vermostet und in riesigen Fässern gelagert, die es in verschiedenen Größen (z.B. 50hl, 65hl oder gar 110hl) gibt. Für die endgültige Reifung wird der Wein in kleinere 125l-Fässer umgefüllt. Dort bleibt er, bis er in Flaschen abgefüllt werden kann.
Bei der Führung durch die Weinlager kann man die Fässer besichtigen. Aus den großen Fässern werden dann die drei Weinproben gezapft, die zur Führung gehören. Dazu wird jeweils das richtige Kleingebäck/Schokolade gegessen.

Wein zapfen aus den Riesenfässern

Berühmt für Sizilien sind auch die kleinen, buntbemalten und mit Schnitzereien verzierten Karren, die von Eseln gezogen wurden. Vier noch originale Karren, zählen zum UESCO-Weltkulturerbe, sind für die Besucher ausgestellt. Mit den buntbemalten Karren wurden Menschen zu besonderen Anlässen gefahren. Für den normalen Betrieb, auch im Weinbau, benutzte man schlichte Karren.

traditionelle sizilianische Karren

Zu besichtigen sind ebenfalls ein Arbeitsplatz und Werkzeuge für die Küfer (Fassbau), sowie alte Fotografien.

Die Cantine Pellegrino 1880 beteiligte sich auch an der Rekonstruktion eines punischen Schiffes, welches in den seichten Salinen Marsalas gefunden wurde. Die Rekonstruktion fand direkt in einem der Weinlager statt. Das fertige Schiff steht seitdem im Museo Archeologico Regionale Lilibeo Marsala. Fotos, Erklärungen und ein paar Kopien von Teilen des punischen Schiffes zeugen an dieser Stelle von der Arbeit der Cantine.

Erinnerung an die Rekonstruktion des punischen Schiffes von Marsala

Alles in allem war dies eine sehr interessante und entspannte Führung. Im Anschluss hat man die Möglichkeit, weitere Weine zu probieren und diese auch zu kaufen. Die Preise sind recht hoch, aber dafür bekommt man etwas sehr exklusives. Alle Arbeiten bei der Weinherstellung werden per Hand erledigt, keine Maschinenarbeit. Portweine, vor allem die süßen, liegen bei uns ganz vorne.

Auswahl der Marsala-Weine der Cantine Pellegrino 1880

Eine andere Sehenswürdigkeit sind die Salinen nördlich von Marsala. Man kann von der Küstenstraße aus das Gelände überschauen, welches in viele Becken unterteilt ist, in dem sich das Meersalz durch Verdunstung sammelt. Mit Hilfe von Windmühlen wurde früher das Wasser in die Becken gepumpt. Sie sind heute nicht mehr funktionstüchtig. Salz wird aber immer noch gewonnen, wenn auch nicht in großen Mengen. Wer mehr über die Salinen wissen möchte, kann eine Führung für 7,-€ buchen.

Saline im Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala

Die Salinen, Heimat von Rosaflamingos, liegen gemeinsam mit mehreren Inseln im Naturschutzgebiet Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala. Die langgestreckte Insel Isola Grande schützt die Lagune vor den Unbilden der offenen See. Es werden Rundfahrten durch die Lagune für 5,-€ angeboten. Die bekannteste Insel ist San Pantaleo, auf der die antike Stadt Mozia (Mothia) lag. Auch sie wird mit einem Boot zu einer Besichtigung angefahren, was dann 10,-€ kostet. Unter den Phöniziern blühte die Stadt, die die gesamte Insel einnahm, zu einer sehr bedeutenden Handelsstadt im Mittelmeerraum auf. Wie viele punisch/griechische Gründungen auf Sizilien wurde auch Mozia durch die Karthager zerstört und nie wieder aufgebaut. Nur ein paar Ruinen und ein Museum erinnern an die einst mächtige Stadt.

Rosaflamingos fühlen sich in Salinen wohl

Im Infocenter erfuhren wir von einer verschwundenen punischen Straße vom Festland nach Mozia. Vor gut 2000 Jahren lag der Meeresspiegel einige Zentimeter tiefer als heute. So konnte eine Straße gebaut werden, die Mozia mit dem Festland im Bereich Birgi verband, ca. 1,7km lang und 7m breit war. Der Unterbau war ein Damm von bis zu 12,5m Breite. Die Straße wurde bis mindestens 1605 genutzt.

Festlandende der verschwundenen punischen Straße

Seit der Intensivierung des Weinanbaus im 18. Jahrhundert nutzte man die Straße dann wieder regelmäßig, und zwar mit den vorher schon erwähnten Karren. Deren Räder beschädigten die alten Steine der Straße jedoch erheblich, so dass sie irgendwann nicht mehr befahrbar war. Das ist einige Jahrzehnte her. Inzwischen liegt sie bis zu einem Meter unter Wasser, aber auf Google Maps ist sie noch zu erkennen.

Selinunte

Selinunt ist eine Gründung um das Jahr 650 v.Chr. durch die Griechen. Wie schon Akragas, der antike Vorgänger von Agrigento, wurde auch Selinunte 406 v. Chr. durch die Karthager zerstört. Heute ist das antike Selinunt die größte Ausgrabungsstätte Europas. Das Ausgrabungsgelände befindet sich westlich des heutigen Marinella di Selinunte. Der Besuch des weitläufigen Areals kostet 6,-€ pro Person. Da wir schon so viele griechische Ausgrabungsstätten gesehen haben, ließen wir diesen Besuch aus. Von Marinella aus sieht man auf dem benachbarten Cap die Ruinen des Tempels C. Ansonsten ergibt sich nirgendwo eine Möglichkeit, auch nur einen kleinen Blick auf das Gelände zu werfen.

Reste des Tempels C auf der Akropolis von Selinunt

Die Reiseführer werben mit schönen Sandstränden, welche Marinella di Selinunte haben soll. Der Ort ist recht nett, gepflegt und hell, aber weder Strand noch der kleine Hafen laden zu einem Spaziergang ein. Jetzt im Winter stapelt sich das Seegras am Strand, überall liegt Müll herum und der kleine Kai für die Fischerboote im Hafen hat das Zeitliche gesegnet und ist zur Hälfte im Wasser verschwunden.

Marinella di Selinunte

Im Ortszentrum ist noch zu sehen, dass es einmal einen Bahnhof gab. Überreste der beiden Gleise und Bahnsteige wurden erhalten, sind aber mit der Zeit überwuchert. Das Bahnhofsgebäude und der Wasserkran sind ebenfalls noch da, ansonsten wurde alles mit einem großen Park-/Marktplatz überbaut.

Reste des Bahnhofs

Für eine Nacht stehen wir sehr ruhig auf der Piazzale delle Metobe, kostenlos. Zwischen dem Platz und den angrenzenden Wohnhäusern ragen auch noch ein paar kleine Ruinen aus dem Gestrüpp.

Agrigento Umgebung

Siculiana: Dies ist ein nettes Städtchen westlich von Agrigento. Wie viele der alten Städte breitet sich auch Siculiana auf einem Hügelrücken aus, mit dem Santuario del Santissimo Crocifisso als Blickfang. In dessen Nachbarschaft nimmt das beeindruckende Castello Chiaramonte aus dem 14. Jahrhundert einen großen Raum des Felsplateaus ein. Es ist wohl immer noch im Privatbesitz der gleichnamigen Familie. Es beherbergt ein kleines Museum und stellt Räumlichkeiten für Hochzeiten usw. zur Verfügung.

Eingang zum Castello Chiaramonte

Es macht Spaß, durch die kleinen Gassen zu spazieren, die manchmal so steil sind, dass da nur Treppen weiterhelfen. Hier und da lassen die Gassen Blicke auf das umliegende Land zu. Das kleine Heimatmuseum oben auf der Bergspitze war bei unserem Besuch geschlossen.

Eingang des Heimatmuseums von Siculiana

Schöne An- und Aussichten bieten auch der Platz zwischen dem Uhrturm und der Katholischen Kirche sowie der große Platz vor dem Rathaus mit einer Aussichtsplattform in Richtung Meer.

Santuario del Santissimo Crocifisso vom Rathausplatz aus gesehen

Ebenfalls einen kleinen Abstecher wert ist die Siculiana Marina. In der Antike gab es dort einen Naturhafen, der heute nicht mehr genutzt wird und verlandet ist. Der kleine Ort ist eher ein Ferienort, aber sehr hübsch gelegen und von Felsen überragt. Im Norden schließt sich eine Kalksandstein-Steilküste an.

Siculiana Marina

Auf der Rückfahrt über den Lido Rosello wollten wir nicht die Überlandstraße fahren, sondern eine kleine Küstenstraße. Damit hatten wir uns wieder auf ein Abenteuer eingelassen. Google Maps hatte damit kein Problem, aber die Straße war eher eine Ansammlung von Löchern, manchmal gänzlich unbefestigt oder gar als Sackgasse endend, kurz gesagt: eine Katastrophe. Diese Straße ist jedoch Zufahrtsstraße zu vielen, zum Teil neuen Grundstücken. Wir möchten nicht jeden Tag dort entlang fahren müssen, nicht einmal mit einem Geländewagen.

Felsformation irgendwo zwischen Siculiana Marina und Rosello

Der Besuch von Punta Secca lohnt eher nicht. Die kleine Siedlung ist komplett neu, mit einem im Winter geschlossenen Großbad, wie sie überall in Italien üblich sind. Trotzdem gibt es zwei Pluspunkte für Punta Secca: die von Bohrmuscheln durchlöcherten Kalksteinbänke am Strand und der Blick auf die Steilküste mit dem Torre di Monterosso.

Bohrmuschellöcher im Kalkstein der Küste

Der fast winzige Ort Lido Rosello, auch fast nur aus Ferienwohnungen bestehend, ist sehr schön in einer Bucht gelegen, von hohen weißen und grauen Kalksteinsteilwänden umgeben. Rosello ist zwar klein, besitzt jedoch ein eigenes Amphitheater, das Teatro Costabianca. Ob es schon zu griechischen Zeiten an dieser Stelle solch ein Theater gab oder ob dieses hier nach dem alten Vorbild neu gebaut wurde, wissen wir nicht. Jedenfalls bietet es 1500 Zuschauern Platz, denen in den Sommermonaten Musicals und Theateraufführungen geboten werden.
Auf dem westlichen Felsen steht der Leuchtturm. Der Zugang ist geschlossen, trotzdem ist es als Fußgänger inoffiziell möglich, den Weg nach oben zu benutzen. Der Berg an sich ist ein Naturreservat. Vom Aussichtspunkt unterhalb des Leuchtturms kann man wunderbar auf die Bucht von Rosello blicken, auch auf das Teatro Costabianca. Im Hintergrund ist die Scala dei Turchi zu sehen.

Baia di Rosello

Wir hatten einen Tipp bekommen, die Vulcanelli di Macalube bei Aragona, nördlich von Agrigento zu besuchen. Das sind kleine Schlammvulkane, die mich sehr interessierten. Leider verunglückten 2014 zwei Kinder in einem der Schlammlöcher tödlich. Seitdem ist der Zugang geschlossen und ein Zaun verhindert das Betreten. Es ist also nichts zu sehen, denn das Zentrum der Schlammvulkane liegt tiefer als die umgebende Landschaft.

Vulcanelli di Macalube sind leider dauerhaft geschlossen

Aragona: Die Stadt selbst ist auf unserer Karte als besuchenswert gekennzeichnet. Leider können wir das nicht bestätigen. Nur die Altstadtgassen sind etwas steiler und zahlreicher als anderswo.

Straße in Aragona

Inzwischen wechselten wir auf den Stellplatz Punta Piccola Park, acht Kilometer die Küste Richtung Westen weiter. Damit befinden wir uns zwischen Porto Empodocle und der Scala dei Turchi. Es sind nur zwei Kilometer Fußweg am Strand entlang, bis zu der wunderschönen Kalksteinformation, die zu den schönsten Zielen Siziliens zählt.

toller Stellplatz direkt am Meer

Um diesmal einen besseren Winkel zum fotografieren des Felsens zu bekommen, balancierte ich auf einer Kalksteinzunge, die ins Meer hinein reicht. Genau dort habe ich meinen eigenen Stein gefunden. Wenn das nichts ist.

ein Stein mit meinem Namen am Fuße der Scala dei Turchi

 

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