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Giardini-Naxos

Antike Quellen berichten, dass Naxos 734 v.Chr. als erste griechische Kolonie auf sizilianischem Boden gegründet wurde. Schon 403 v.Chr. zerstörte der Tyrann Dionysius I. aus Syracus diese Kolonie. Heute nimmt das Archäologische Museum von Naxos einen großen Teil dieser alten Siedlung ein. Für 4,-€ Eintritt kann man sich über die Geschichte von Naxos informieren und über die alten Grundmauern, die allerdings zumeist unter Erde und Vegetation liegen, spazieren gehen.

Verteidigungsmauer von Naxos

Im 12. Jahrhundert war Naxos ein bedeutender Handelshafen, in dem die Schiffe aus und nach Messina kommend Zwischenstopps einlegten. Hier wurden auch Waren aus dem fruchtbaren Hinterland von Giardini-Naxos umgeschlagen.
Seit dem 13./14. Jahrhundert diente eine Festung am Kap Schisó in Naxos mit Beobachtungstürmen dem Schutz der Küste Siziliens, um sich gegen die Angriffe von Mittelmeerpiraten, aus Nordafrika kommend, zu schützen. 1566 wurde diese Festung zerstört und musste wieder aufgebaut werden. Die Festung am Kap Schisó arbeitete z.B. mit der Festung im benachbarten San Marco zusammen. Die Verbindung zwischen den beiden Festungen hielten mehrere Beobachtungstürme, wie der Vignazza-Turm am Kap Schisó. Die Verständigung erfolgte durch Rauch oder Feuer, so dass sich die Festungen über drohende Überfälle gegenseitig informieren konnten. Der Vignazza-Turm gehört heute gemeinsam mit dem alten Fort und der Verteidigungsmauer ebenfalls zum Archäologischen Museum von Naxos. Als die Franzosen 1830 Algier eroberten, hörten die Überfälle der Mittelmeerpiraten auf Sizilien auf.

Vignazza-Turm

Das Wohnhaus der Festung, direkt auf einem Lavafluss errichtet, befindet sich am Rand der Schisó-Bucht. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Seite zur Promenade herausgeputzt und mit Balkonen versehen. Leider ist von der einstigen Pracht kaum noch etwas übrig. Reiche Familien aus verschiedenen Gegenden waren über die Jahrhunderte Besitzer des Wohnhauses.

ehemaliges Wohnhaus der Festung Naxos

Auf der Piazza Apollo Archegeta in Naxos, in der Nähe des Flusses Venera, befand sich ein großes antikes Heiligtum. Sehr viel konnte bei den Ausgrabungen in der Neuzeit nicht mehr zutage gefördert werden, weil die wilden Fluten der Venera das noch zerstört hatten, was die Zeit übrig gelassen hatte. Es erinnert nur eine Tafel mit Lageplan an die antike Stätte. Eckige grüne Anlagen, wahrscheinlich die Lage der religiösen Gebäude kennzeichnend, werden von Freiflächen mit Gehwegplatten umgrenzt. Das Heiligtum widmete man der blutdurstigen Göttin Enyó, die als böser Geist von den Menschen Besitz ergreifen konnte. Sie hielt in der griechischen Mythologie eine enge Verbindung zum Kriegsgott Ares. Wir hatten bisher noch keinen griechischen Tempel für böse Götter kennengelernt.

Das ist in etwa die Geschichte von Naxos. Heutzutage bildet Naxos einen Teil von Giardini-Naxos an der Schisó-Bucht. Der lange Sandstrand, durchsetzt mit Lavabrocken, ist ein beliebtes Ziel für Sommertouristen. Die Stadt hat sich zum Badeort schlechthin gemausert, mit Hotelvierteln wie Recanati. In der warmen Jahreszeit werden viele Aktivitäten wie Ausflüge zum Ätna, Bootsausflüge oder Wassersportmöglichkeiten angeboten. Im Winter ist es da sehr ruhig. Jetzt kann man in Ruhe durch die Gassen oder am Strand entlang spazieren. Von vielen Stellen aus ist der Ätna zu sehen. Mehrere Kunstwerke schmücken den Uferbereich. Am südlichen Ende des Kap Schisó befindet sich der Hafen, dahinter eine Aussichtsplattform, die sich auf dem Ende eines 8000 Jahre alten Lavaflusses ausbreitet. Am nördlichen Ende wird die Bucht vom Kap Taormina abgeschlossen.

Kap Schisó

Zum Überwintern ist Giardini-Naxos ideal, denn es wird von den Bergen Siziliens vor Wetterunbilden geschützt. Es herrscht weniger Wind, so dass das Klima ruhiger und wärmer als auf dem Rest der Insel ist. Die Landschaft ist interessant. Es gibt die Berge, den Vulkan, das Meer und viele interessante Orte, die es zu erkunden gilt.

Gruß an das alte Naxos

Wir stehen auf dem Womo-Stellplatz Aurora. In fast unmittelbarer Umgebung existieren noch ein Campingplatz und der Womo-Stellplatz Eden-Parking. Die Winter-Gebühren liegen zwischen 7,-€ und 10,-€. Nach den Rabattstaffelungen muss man bei der Ankunft beim Betreiber fragen.

 

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Ankunft in Giardini-Naxos

Oi-yoi-yoi, Sizilien ist noch einmal eine andere Hausnummer als der Rest Italiens: es geht noch viel enger auf den Straßen zu, und der Fahrstil ist noch einen Zacken schärfer.

Wir setzten vor drei Tagen mit der Fähre von Villa San Giovanni nach Messina über. Es gibt zwei Fährgesellschaften: Bluferries und Caronte&Tourist. Eine dritte Fähre, Telepass, gibt es auch, aber da wissen wir nicht, ob man ein besonderes Ticket dafür braucht. Telepass ist eine Art Maut, die wir von den Autobahnen her kennen.
Bei Bluferries hätten wir für das Wohnmobil und den Anhänger 114,-€ für die Überfahrt zahlen sollen. Bei Caronte&Tourist bezahlten wir 94,-€. Im Vorfeld hatte ich schon einmal im Internet nachgesehen. Da bekam ich einen Preis von 67,-€. Es lohnt sich anscheinend, doch im Voraus online zu buchen. Diese Preise sind oneway.

Messina voraus

Die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten. Die Straße von Messina ist bis heute eine der gefährlichsten Wasserstraßen der Welt. Viele Schiffe sind seit der Antike schon den unberechenbaren Strömungen zum Opfer gefallen. Odysseus befuhr auch diese Meerenge. Das war an der Stelle mit dem großen Strudel. In Scilla wurden er und seine Mannschaft dann Opfer des mehrköpfigen Ungeheuers Scylla. Nur für diejenigen, die sich für die Odyssee interessieren.

Rückblick nach Italien

In Messina angekommen fuhren wir Richtung Süden weiter. Wir hatten unterwegs einen Tipp bekommen, dass wir uns in Giardini-Naxos knapp südlich von Taormina aufhalten sollten. Eigentlich wollten wir bei Scilla auf dem Festland noch einmal übernachten und uns die Stadt ansehen, aber das hat aus Platzgründen nicht geklappt. Die Fahrstrecke wurde für diesen Tag dann zu lang und so übernachteten wir auf einem Parkplatz direkt am Strand in Nizza di Sicilia. Dort unternahmen wir noch einen kleinen Spaziergang. Auf unseren Reisen haben wir bisher einige Möglichkeiten gesehen, wie die Fischer ihre Boote an Land bekommen. Hier in Nizza ziehen kleine Raupen die Boote aus dem Wasser. So eine Raupe kostet sicher eine Menge Geld, trotzdem hat fast jedes Boot seine eigene Raupe, Wahnsinn. Warum kann man sich nicht eine Raupe für mehrere Boote teilen?

Jedes Boot hat seine eigene Raupe, die es an Land zieht.

Am südlichen Ende von Nizza di Sicilia erkennt man, warum der Ort nach der gleichnamigen Stadt an der Cote d´Azur benannt wurde. Es führt eine relativ breite Straße am Strand entlang, die durch eine Palmenreihe von diesem getrennt ist. Das sieht fast so aus wie im französischen Nizza.

Nizza di Sicilia

Bis dahin fuhren wir die Küstenstraße 114 entlang, was für große Fahrzeuge, wie unser Wohnmobil, zur Katastrophe werden kann. Die Ortsdurchfahrten sind viel zu eng, da passen gerade zwei PKWs aneinander vorbei. Das hieß, dass der Gegenverkehr für uns Platz machen musste. Die allermeisten Autofahrer denken aber gar nicht daran. Sie fahren, solange sie noch irgendeine Chance sehen, sich durch zu quetschen. Wenn dann nichts mehr ging, zeigten sie uns den Vogel oder guckten ungläubig. Es gibt aber auch wenige Autofahrer, die bereitwillig an die Seite fuhren, wenn es eine Möglichkeit gab. Um dem aus dem Wege zu gehen, damit hatten wir wirklich nicht gerechnet, fuhren wir bei Roccalumera auf die Autobahn, um bei Giardini-Naxos wieder abzufahren. Die sizilianische Autobahn ist mautpflichtig.

Der Stellplatz Eden-Parking war für uns jedoch nicht anfahrbar, da im Moment ein Gerüst die ohnehin schon enge Einfahrt unpassierbar für uns machte. Was nun? Wir luden das Auto ab und fuhren in der Gegend herum, um einen anderen günstigen Platz zu finden. Wir waren sogar bis San Marco, wo sich ebenfalls zwei Stellplätze befinden, schön ruhig, aber weit weg von der Stadt. Nachdem wir uns nach den Preisen erkundigt hatten, die angemessen waren, fuhren wir nach Naxos zurück, wo wir den Aurora-Parking fanden. Dort bleiben wir nun für die nächsten wahrscheinlich zwei Wochen, vielleicht länger. Ab 6 Tagen kostet der Platz mit Strom, Wasser und Entsorgung 10,-€ am Tag, Dusche kostet 50 Cent. Der Platzwart ist sehr nett, täglicher Brötchenservice. Zum Strand sind es mehrere hundert Meter.

der Ätna von seiner schönsten Seite

Das schönste am Aurora-Parking ist der direkte Blick zum benachbarten Ätna, dessen Bild sich ständig ändert, wenn er sich nicht hinter Wolken versteckt. Manchmal erheben sich Rauchwolken aus dem obersten Krater. Es ist echt beeindruckend. Hoffentlich verhält sich der Vulkan während unserer Anwesenheit friedlich. In jüngster Vergangenheit hat es mehrere Ausbrüche gegeben.

Fazit Italien-Rundreise und Sizilien

Wir haben bei der Planung der Rundreise überlegt, wie herum wir die Tour machen sollten. Entlang der Ostküste nach Süden und an der Westküste nach Norden zurück, oder umgekehrt. Normalerweise ist das egal, aber wir dachten uns, dass das Wetter der entscheidende Faktor sein könnte. Das Frühjahr ist dafür bekannt, das viele Urlauber und Reisende die Westküste besuchen. Dafür muss es einen Grund geben, der sich auch prompt zu erkennen gab. Während wir im Herbst an der Ostküste nur zwei kurze Stürme und etwas Regen zu überstehen hatten, führten mehrere Unwetter an der Westküste zu katastrophalen Zuständen: Überschwemmungen, Erdrutsche, Sturmschäden, Häfen wurden verwüstet und Flugplätze mussten zeitweise gesperrt werden. Das ist sicher nicht der Normalzustand im italienischen Herbst, aber die Tendenz wird wohl stimmen. Im Frühjahr dagegen ist es an der Westküste wärmer und ruhiger als an der Ostküste Italiens.

Ein Gewitter zieht über dem Po-Delta auf

Eine zweite Sache sollte beachtet werden, wenn man über die Alpen nach Italien fährt: der Winter in den Bergen. Ab dem 15. November sind Winterreifen und meist auch Schneeketten in den Bergen Pflicht. Wenn es früher schneit, auch früher. Winterreifen sind sogar bis in die apulischen Berge ab 15. November Pflicht. Einzig auf den Küstenstraßen sind die entsprechenden Schilder selten zu finden. Man sollte also bei der Planung beachten, dass man sich ab dem 15. November schon weit im Süden befindet, oder aber zumindest Winterreifen aufgezogen hat.

Der Sprit ist in Italien sehr teuer. Der Diesel kostet mindestens 1,50-1,58€, manchmal sogar mehr. Das Superbenzin schlägt mit 1,70-1,85€ zu Buche. Dafür ist die Maut billiger als wir angenommen hatten. Wir bezahlten an der Ostküste rund 10 Cent pro Kilometer Autobahn. An der Westküste, bis Neapel herunter, ist die Maut jedoch zum Teil wesentlich teurer. Von Neapel ab ist die Autobahn mautfrei. Bezahlt werden kann meistens per Kreditkarte, manchmal auch Bar am Automaten oder bei einem der Mitarbeiter in den Häuschen. Bei der Autobahnauffahrt zieht man ein Ticket, welches man bei der Abfahrt bezahlt. Es kommt aber auch vor, vor allem im nördlichen Westen Italiens, dass bestimmte Autobahnabschnitte mautpflichtig sind und man seine Fahrt unterbrechen muss, um die Maut zu zahlen.

Ein Extrathema sind die Fußwege. Wenn überhaupt welche vorhanden sind, werden sie entweder als Parkplatz missbraucht, es wachsen Bäume mittendrin oder das Begehen gerät zum Hindernislauf, denn man muss ständig über die tollsten Einfahrtkonstruktionen, Treppen oder große Löcher steigen.

häufiger Zustand italienischer Fußwege

Im Winter nach Italien/Sizilien zu fahren hat seine Vor- und Nachteile. Da kaum Touristen zu dieser Jahreszeit unterwegs sind, hat fast alles geschlossen. Nur wenige Restaurants und Campingplätze sind noch geöffnet, während die meisten Museen geduldig auf die wenigen Gäste warten. Der Vorteil ist, dass man fast überall einige Freiheiten hat, die im Sommerhalbjahr unmöglich sind. Man kann fast überall stehen und übernachten, und viele Parkgebühren sind ausgesetzt, denn man ist auf die wenigen Touristen angewiesen. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind nicht so überlaufen, die Strände hat man fast für sich alleine.

Im Winter liegen die Strände und Strandanlagen verlassen da

Was uns bisher noch nie passiert ist: wir haben auf der Straße nicht einmal einen Cent gefunden. Sonst liegt fast überall das Geld auf der Straße und wir fanden immer einige Münzen, die sich am Ende der Reise manchmal stattlich summiert haben. In Italien/Sizilien ist dagegen kein Geld auf der Straße zu finden.

In Italien/Sizilien kann man gut essen. Auf Sizilien ist das Einkaufen sehr günstig. Am Besten kauft man bei den Händlern mit den kleinen Autos, die überall ihr Obst und Gemüse oder den Fang des Tages anbieten. Da weiß man, wo es herkommt und wo das Geld hingeht. Die kleinen Fleischereien bieten nur wenig Fleisch an. Meist ist es wie in den arabischen Ländern: bevor ein Schwein, Rind, Schaf oder Ziege nicht gänzlich verkauft ist, wird kaum eine neues Tier geschlachtet. Lamm und Ziege sind mit 8.- bis 10,-€ sehr günstig. Beim restlichen Fleisch sind die Preise so hoch, dass man sich überlegt, wie viel Fleisch man wirklich essen will.

Ziegenfleisch-Händler

Zu empfehlen sind auch die Mozarella-Farmen. Bei den meisten Farmen kann man gleich dazu die Milch- und Fleischlieferanten besichtigen. Es geht dort nicht gerade appetitlich zu, denn die Wasserbüffel lieben Nässe. Die Tiere sind sehr ruhig und jeder Büffel unterscheidet sich von den anderen. Wir haben sogar einmal einen blondgeschopften Büffel gesehen, toll gelockt. Das Büffelfleisch ist sehr teuer, eigentlich auch der Käse, dafür ist er umso leckerer. Da sollte man sich doch von Zeit zu Zeit etwas davon gönnen.

Lieferanten des Mozarella – Wasserbüffel

Was auf Sizilien auch sehr gut ist, ist das Gebäck. Dort haben wir die leckersten Kekse gegessen, die wir je fanden. Die Spezialität Canneloni sollte man unbedingt probieren. Das sind knusprige Waffelröllchen, mit feiner Büffelmilchcreme gefüllt. Auch die andere sizilianische Spezialität Cassata ist lecker, ein Kuchen, gefüllt mit Ricotta und ummantelt mit grünem Marzipan.

sizilianisches Gebäck ist der Knaller

Die berühmtesten Pistazien kommen vom Fuße des Ätna, aus Bronte. Sizilien ist aber das Land der Zitronen. Als wir im November dort ankamen, hingen sie noch halbreif an der Bäumen. Erst im Januar werden sie strahlend gelb und superlecker. Mit Zitronen lassen sich viele Dinge anstellen. Man kann sie zum Kochen verwenden, zum Backen oder zu Marmeladen, Säften und Schnäpsen verarbeiten. Da gibt es kaum Grenzen.

spezielle Zitronenart – Cedri

Außerdem haben wir so viele Orangen und Mandarinen wie noch nie gegessen, nicht einmal in Spanien, wo wir unseren letzten Apfelsinen-Ess-Rekord gebrochen haben. Für 1,-€ das Kilo muss man einfach zugreifen und die Zitrusfrüchte sind so lecker. Als es auf unserer Tour Richtung Norden keine so guten Apfelsinen mehr gab, litten wir direkt an Orangen-Entzugserscheinungen.

Noch nirgendwo auf der Welt haben wir soviel Kulinarisches ausprobiert, wie auf Sizilien. Unser Bus musste am Ende der Reise ganz schön schleppen.

Das Highlight der Reise war jedoch der Ausbruch des Ätna an Heiligabend. Als wir in Giardini-Naxos ankamen, wo wir gut sechs Wochen verbrachten, strahlte der leicht gezuckerte Gipfel des Vulkans noch ungetrübt gen blauen Himmel. Der Gipfel des Ätna mit seinen mehreren Kratern kann von Süden oder von Norden her erreicht werden. Ohne irgendein Spektakel ist das schon ein grandioses Erlebnis. Allerdings darf das Spektakel nicht zu groß werden, denn bei einem richtigen Ausbruch ist der Vulkan für Wanderer gesperrt.

spektakuläre Auffahrt zur Nordseite des Ätna

Jedenfalls ließen sich bald darauf einige kleine weiße Wölkchen über dem Ätna sehen, harmlos und schön. Fast mit jedem neuen Tag vergrößerten sich die Wölkchen, bis sie eine weiße Wolkensäule bildeten, die hin und wieder vom Wind weggetragen wurde. Jeden Morgen richteten wir unseren ersten Blick zum Vulkan, es wurde regelrecht zur Sucht. Der Anblick von unserem Stellplatz aus, 26km Luftlinie vom Krater entfernt ist einfach zu schön. An regnerischen Tagen schneite es auf dem Vulkan und die Schneedecke vergrößerte sich, in der Dicke wie auch in der Fläche.

Beginn des Ätna-Ausbruchs Weihnachten 2018

Aus der weißen Wolkensäule wurde ein paar Tage später eine graue Rauchsäule. Hin und wieder vernahmen wir jetzt ein leichtes Grollen aus der Richtung. Wir hofften, so lange wir in Giardini-Naxos waren, doch noch zu einem Vulkanausbruch zu kommen. Aus Erfahrung wissen wir, dass der Ätna keine große Gefahr darstellt und sich das Hauptszenario auf den Bereich des Naturparks Ätna beschränkt. Nur Catania und die Orte am Fuße des Vulkans bis nach Giarre werden manchmal etwas in Mitleidenschaft gezogen, da sich das Hauptgeschehen in diesem Bereich abspielt. Um richtig gefährlich zu sein, bricht der Ätna zu oft aus, so ein bis zweimal im Jahr.

Kurz vor Heiligabend stand fast fest, dass es einen Ausbruch geben würde, denn die Rauchwolken, die aus dem nordwestlichen Krater aufstiegen, wurden immer größer. Wenn es dunkel geworden war, bezog ich fast jeden Abend mit der Kamera Stellung, um den Lavafluss zu fotografieren, der sich im Laufe der Zeit immer mehr vergrößerte. Leider sind 26km Luftlinie sehr lang, so dass es keine spektakulären Aufnahmen gibt, aber das ein oder andere Bild ist trotzdem gut gelungen.

nächtlicher Lavafluss am Ätna

Am Morgen des Heiligabend stand eine mächtige Rauchwolke über dem Vulkan und gegen 14 Uhr, glaube ich, kam es zum Ausbruch. Leider war die Lavafontäne nur von Catania aus zu sehen, aber die Rauchwolke, die in unsere Richtung zog, war so aufregend, dass selbst die Sizilianer ihre Kameras zückten und den Ausbruch festhielten. Das Grollen war jetzt gut zu hören, welches den Ausbruch begleitete.

Rauchsäule des Ausbruchs

Am Abend, als es dunkel war, sahen wir, dass sich eine lange Spalte in Richtung Giarre aufgetan hatte, aus der es rot glühte. Die Spalte soll zwei Kilometer lang gewesen sein. Wären wir doch nicht so weit weg gewesen!

Der Ausbruch hielt ein paar Tage an. Dreihundert Erdbeben sollen den Ausbruch begleitet haben, die sogar Schäden im Norden Catanias anrichteten. Das Portal einer Barockkirche ist dabei auch eingestürzt. Ein Ascheregen ging am Hang Richtung Südost herunter, der die Ortschaften, die dort am Hang liegen, traf. Spektakuläre Bilder tauchten im Internet auf, Tote gab es jedoch nicht, nur ein paar Verletzte. So etwas erlebt man nur einmal im Leben. Asche vom Ausbruch vor sechs Jahren ist zum Beispiel auf einem ehemaligen Autohändler-Platz am Südrand von Giardini-Naxos noch zu sehen.

Kurz nach Weihnachten verließen wir Giardini-Naxos, um unsere Sizilien-Rundreise fortzusetzen. Aus der grauen Aschewolke war wieder eine weiße Rauchfahne geworden, die bis über den äußersten Südosten der Insel auf´s Meer hinaus reichte. Unglaublich.

wunderschöne Wolkengebilde entstanden durch die Asche in der Luft

Landschaftlich und kulturell hat Sizilien sehr viel zu bieten, worüber wir in diesem Blog berichteten. Es wäre viel zu schade, sich für die Entdeckung der Insel nicht genug Zeit zu nehmen.

Torre del Lago Puccini

Im letzten Beitrag über Lucca habe ich geschrieben, dass hier eine Überraschung auf uns wartet. Den Tipp haben wir von unseren lieben Kiwis Sarah und Jason bekommen, mit denen wir mehrere Wochen in Giardini-Naxos auf Sizilien verbrachten. Thank you so much for this great experience.

Wir standen auf dem großen Parkplatz am Kreisverkehr von Torre del Lago Puccini. Der Ort besteht nur aus Großbädern und Restaurants, keine Hotels, nicht einmal Fereinhäuser. Die Strandstraße ist um einen Kilometer lang. Im Anschluss an diese Straße im Norden führt ein Wanderweg durch die Dünen bis nach Viareggio. Wie es aussieht ist dieser Wanderweg die originale Römerstraße Via Aurelia, mit dem typischen Schotterpflaster, welches wir schon in Roselle gesehen haben.

originale Via Aurelia?

Der Strand hier ist kilometerlang, mit feinem Sand. Treibholzfans finden an diesem Strand ihr Paradies. So viel schönes Treibholz wie in Torre del Lago Puccini haben wir noch nirgends in Italien/Sizilien gesehen.

ein Kunstwerk aus Treibholz

Nun will ich Euch aber nicht länger auf die Folter spannen. Was für eine Überraschung wartete denn nun auf uns? Erst muss es dunkel werden. In den Sonnenuntergang hatte sich mal wieder Saharasand gemischt und alles in difusem goldgelbem Licht erscheinen lassen.

Sonnenuntergang mit Saharsand

Die Nacht hatte gerade begonnen. Leise und unbemerkt lösten sich Schatten aus dem Dunkel. Wir lagen selbstverständlich schon auf der Lauer und warteten. Kein Licht im Wohnmobil, keine Jalousien vor den Fenstern, nur das Licht vom Parkplatz spendete etwas Helligkeit.
Ja, ja, ich sag es ja schon: Es sind Wildschweine, die jeden Abend aus dem kilometerlangen Park zwischen SS1 und Strand kommen. Vorsichtig suchten die Bache mit ihren fünf fast einjährigen Jungen nach Fressbarem, direkt vor unseren Augen. Eine gute viertel Stunde sahen wir uns das Schauspiel an und versuchten zu fotografieren. Leider sind unsere Kameras nicht wirklich für Nachtaufnahmen geeignet, trotzdem konnten wir das ein oder andere brauchbare Foto machen.

Wildschweine als abendlicher Besuch

Dann fuhr ein Auto vor und stoppte fast direkt zwischen uns und den Wildschweinen. Ich war schon sauer, aber schnell stellte sich heraus, dass die Leute die Wildschweine mit Maiskörnern füttern. Während die Schweine vorher bei größeren Bewegungen im Dunkel verschwanden, blieben sie jetzt ruhiger. Der Mann konnte die Bache sogar fast streicheln, kein Wunder bei dieser langen Beziehung. Bald darauf kam ein zweites Auto. Das Paar brachte Brot für die Wildschwine mit, bis kurz darauf ein drittes Auto kam und der Fahrer weiteres Futter verstreute. So haben beide Seiten ihren Vorteil: die Schweine bekommen Futter, denn im Winter ist der Tisch für sie nicht so reich gedeckt, und die Menschen haben ihre Freude daran und versuchen, die Tiere bei sich zu halten.
Nachdem wir dem Treiben eine Weile zugesehen haben, gingen auch wir hinaus, um hautnah dabei zu sein.

wunderschöne Tiere

Das Schauspiel dauerte eine gute dreiviertel Stunde, bis der erste Hunger der Schweine gestillt war und sie wieder im Dickicht des Parks verschwanden, auch die Autos fuhren weg. Die Jungen waren vier weibliche Tiere und ein männliches. Die Bache verstieß den Jungen immer wieder, weil er vielleicht zu aufdringlich wurde. Vielleicht ist jetzt auch bald die Zeit gekommen, da er die Familie verlassen und sich nach einem eigenen Revier umsehen muss. Jedenfalls kam er noch einige Male, um weiter zu futtern.
Es war das beste Abendprogramm, welches wir auf der ganzen Reise hatten, vielleicht auf fast allen unseren Reisen. Es war einfach wunderschön. Da musste ich zurück an meine Kindheit denken, als wir im Winterurlaub im Harz ebenfalls auf halbzahme Wildschweine trafen. Leider hatten wir damals kein Futter dabei.

Zwischen 19 und 20 Uhr bezog ich Stellung am Parkplatz La Dune Beach, einen halben Kilometer nordwärts. Ich sah die Spuren, wo die Wildschweine in die Dünen kommen. Es war jedoch noch nicht spät genug und so ging ich unverrichteter Dinge wieder zurück. Dabei traf ich doch noch auf ein Tier, welches sich vorsichtig und lautlos auf den Weg in die Dünen machte. Es war ein kapitaler Damhirsch. Meine Freude darüber war grenzenlos. Leider ist dieses Foto nichts geworden. Eine zweite Chance bekam ich nicht, da ein Mopedfahrer seine Spaßrunde drehte und vorbeikam. Der Hirsch verschwand im Dunkel.

Essen und Trinken auf sizilianisch

Kartoffelstampf mit Avocado

Das Rezept habe ich von Maria und Michael, die wir in Giardini-Naxos kennengelernt haben:

Kartoffelstampf ganz normal zubereiten. Inzwischen Zwiebel in schmale Spalten schneiden und in der Pfanne braun rösten, eine reife Avocado in kleinere Stücke schneiden. Die braune Zwiebel sowie die Avocadowürfel unter den noch heißen Kartoffelstampf geben. Wie die Beiden habe auch ich das Gericht mit einigen Wackelkleeblüten garniert.

Ob der Name Wackelklee der korrekte Name ist, weiß ich nicht, aber er ist zutreffend. Der schöne Klee blüht überall in Teppichen. Die Blütenstengel sind so lang, dass sie sich im Wind wiegen. Der Geschmack dieser herrlich gelben Blüten ist leicht säuerlich, was mit der süßen Avocado harmoniert.

Kalmar

Bei einem Fischhändler in Letojanni lagen schöne große Kalmare auf dem Ladentisch, das Kilo für 7,-€. Die Tiere hatten ein Gewicht von knapp zwei Kilo und wir ließen sie ausnehmen, weil das doch eine ziemliche Schweinerei ist. Abziehen mussten wir sie jedoch selbst. Das ist nicht weiter schwierig.

Wir schnitten die Tube und die Fangarme in relativ kleine Stücke. Zwiebel, Knoblauch und Chilli klein schneiden. Mediterrane Kräuter wie Thymian oder Rosmarin ergänzen das Gericht. Zuerst die Zwiebel in Olivenöl anschwitzen, dann den Knobi, Chilli und Kräuter in die Pfanne geben. Wenn alles gut angeschwitzt ist, die Kalmarstücke dazugeben. Sofort mit Weißwein ablöschen und zwei bis drei Minuten köcheln, auf keinen Fall länger, dann wird der Kalmar zäh.

Schwarze Spaghetti mit Tintenfisch (für 2 Personen)

1 mittelgroße Sepia (am besten küchenfertig und mit mitgelieferter Tintenblase), Olivenöl, 1 Zwiebel, etwas Chillischote, Tomatenmark, trockener Weißwein, Spaghetti

Die Spaghetti wie gewohnt kochen. Inzwischen in einer Pfanne Olivenöl erwärmen, kleingeschnittene gewürfelte Zwiebel darin anschwitzen. Dann kleingeschnittene Chillischote und Tomatenmark mitschmoren. Wenn alles soweit angeschwitzt ist, das feingeschnittene Fleisch von Kopf und Tentakeln der Sepia in die Pfanne geben. Fast sofort darauf mit Weißwein ablöschen und aufkochen. Nun die Tintenblase vorsichtig direkt in die Pfanne ausquetschen und solange rühren, bis sich alles tiefschwarz gefärbt hat. Die Pfanne vom Herd nehmen und die abgegossenen Spaghetti dazu geben und alles vermengen. Sieht exotisch aus und schmeckt hervorragend, aber Achtung: keine Spritzer auf die Kleidung oder die Tischdecke!

Pansen (Kutteln)

küchenfertiger Pansen, Zwiebel, Knoblauch, Tomaten, Rosmarin, Salz, Pfeffer, Petersilie, Öl zum anbraten

Zwiebel kleinschneiden und im Öl anschwitzen, danach Knobi, kleingeschnittene Tomaten und Rosmarin dazugeben, alles kräftig anbraten, salzen und pfeffern, Petersilie dazugeben und servieren.

Hier noch eine knusprige Variante. So könnten wir Pansen jeden Tag essen:
küchenfertiger Pansen, Gemüsebrühe, Öl, Chili, Wurzelgemüse (weniger als Pansen), Zwiebel, Knoblauch, Butter, Salz, Pfeffer, etwas Zucker

Den Pansen 30 min in Gemüsebrühe köcheln, auch wenn er vorher schon weich erscheint. Danach abtropfen, in Streifen schneiden und in Chiliöl scharf anbraten, solange, bis er schön knusprig ist und Farbe angenommen hat. Inzwischen das Gemüse, Zwiebel und Knobi putzen, kleinschneiden und in Butter schmoren. Wenn es noch bissfest ist, zu den knusprigen Pansen dazugeben, vermengen, würzen und servieren. Sehr einfach, aber lecker.

Cedro

Eine für uns neue Frucht ist die Cedro, auch Zitronatzitrone. Sie sieht wie eine Riesenzitrone aus. Schneidet man sie auf, kommt nur sehr wenig Fruchtfleisch zum Vorschein. Fast die gesamte Frucht besteht aus dicker weißer Schale und ist etwas milder als normale Zitronen. Man bekommt sie nur an wenigen Stellen zu kaufen, da sie nicht wirklich gut in der Küche brauchbar ist. Uns hat sie aber interessiert und so probierten wir ein typisch sizilianisches Rezept: Cedro-Carpaccio.

Dafür wäscht man die Cedro gründlich, denn die äußere Schale wird ebenfalls verwendet. Danach schneidet man die Frucht, am besten mit einem Gemüseschneider, in hauchdünne Scheiben. Die werden zu einem Carpaccio auf dem Teller arrangiert. Das Rezept sagt eigentlich, dass die Scheiben mit Salz, Pfeffer, Zucker und Olivenöl mariniert werden sollen. Wir haben die Gewürze und das Öl einfach dünn über den Cedroscheiben verteilt und dann eine Weile stehen lassen. Am besten isst man das Carpaccio mit Messer und Gabel, da die Schale recht fest ist. Es ist ein erfrischendes und wohlschmeckendes Dessert.

Mandarincello

In aller Munde und in allen Regalen auf Sizilien zu finden ist Limoncello. Was weniger bekannt ist, ist Mandarincello, also nicht aus Zitronen, sondern aus Mandarinen gemacht. Auf dem Markt in Santa Croce bekamen wir einen 3-Kilo-Beutel mit Mandarinen für 1,-€. Das gab uns den Anlass, uns am Mandarincello zu probieren. Das Rezept für Limoncello bekamen wir wieder von Maria und Michael. Wir brauchten es nur umzuwandeln.

1. Tag: 1,2kg Mandarinenschalen (die ganze Schale, nicht nur das Orange) in ein großes Glas geben und mit 1l 96%-Alkohol (erhältlich z.B. im ARD-Markt) auffüllen. Die Schalen müssen bedeckt sein. Nun sieben Tage dunkel stehen lassen, und täglich kräftig schütteln.
7. Tag: 1,2l Wasser mit 1kg Zucker zum Kochen bringen (7 min), abkühlen lassen. Jetzt alles miteinander vermischen, durchsieben und in saubere Glasflaschen abfüllen. Wohl Bekomm´s!

Was macht man nun mit den vielen geschälten Mandarinen? Hier ein Vorschlag:
Mandarinen-Marmelade

Übrige Mandarinen aus der Mandarincello-Herstellung in kleine Stücke schneiden, dabei sorgfältig alle Kerne entfernen. Möglichst die Schalen dreier oder mehr Mandarinen, die man so isst, ebenfalls klein schneiden, dazu 1 kleingeschnittene Zitrone mit Schale, gut gewaschen. Das hebt den Geschmack. Alles in einen Topf geben, aufkochen und 40min weiter köcheln. Das dabei verdunstete Wasser nach und nach mit frischem Wasser auffüllen. Öfters umrühren.

Nach der Kochzeit alles pürieren und durch ein Sieb streichen. Die so entstandene Flüssigkeit mit dreiviertel soviel Zucker und wenig Geliermittel (die Schalen übernehmen den Geliervorgang) nochmals aufkochen. Wer möchte kann etwas Vanillezucker und/oder eine Prise Zimt dazugeben. 5min köcheln und zuletzt in saubere Gläser abfüllen.

Limoncello

15 Zitronen, 1l 96%-Alkohol , 1,25l Wasser, 1kg Zucker
Die Herstellung des Limoncello erfolgt genauso wie die des Mandarincello. Nach dem Abfüllen in Flaschen am besten noch eine Woche ziehen lassen, bevor Ihr ihn genießt.

Was macht man nun mit den vielen geschälten Zitronen?
1. Vorschlag: Zitronen-Ingwer-Sirup
400g frischer Bio-Ingwer, 8 geschälte Zitronen, 700ml Wasser, 500g Honig
Ingwer waschen und ungeschält in kleine Stücke schneiden. Sollte noch etwas Schale an den Zitronen dran sein, dann diese restlos entfernen und zusammen mit dem Ingwer in einen Topf geben. Gut wäre es auch, noch zwei weitere Zitronen mit Schale zu verwenden und deren dünn abgeschälte Schale ebenfalls in den Topf zu geben. Das Ganze mit dem Wasser auffüllen, aufkochen und ca. 20min köcheln lassen.
Inzwischen alle Zitronen auspressen, den Saft mit dem Honig gut vermischen. Die weiße Schale wegwerfen. Wenn die Ingwer-Wasser-Mischung abgekühlt ist, mit dem Zitronensaft-Honig-Gemisch vermengen. In Glasflaschen abfüllen. Dieser Sirup ist ein Donnerwetter an Vitaminen und als Erkältungskiller im Winter oder verdünnt mit Wasser als sommerliches Erfrischungsgetränk gut.

2. Vorschlag: Zitronen-Marmelade
Geht genauso, wie die Mandarinen-Marmelade, aber mit diesem Rezept bin ich nicht zufrieden gewesen. Die Marmelade schmeckt zwar, aber in der gekauften sizilianischen Zitronen-Marmelde sind mehr feste Inhaltsstoffe enthalten. Ich werde also das nächste Mal nach einem entsprechenden Rezept suchen.

3. Vorschlag: Limonade
Das Rezept haben wir zwar aus den USA mitgebracht, aber im Land der Zitronen ist es genauso gut einsetzbar: Je nach Bedarf Zitronen auspressen, Zucker nach Geschmack darin auflösen und gut vermixen, zum Schluss mit Soda-Wasser auffüllen. Ganz einfach und im Sommer ein fantastisches Getränk.

Südfruchtsalat

Auf Sizilien gibt es nichts mehr als Orangen. In den allermeisten Fällen kostet das Kilo 1,-€. Am besten direkt auf dem Markt oder bei den fliegenden Händlern kaufen. Das gilt eigentlich für alles, was man auf dem Markt kaufen kann. Dann bleibt mehr Geld bei den Bauern hängen und es ist in jedem Fall frisch.

Also, mit Orangen lässt sich so ziemlich alles kombinieren, was Südfrucht heißt. Hier einige Beispiele:
– Orangen, Fenchel, Oliven, Kapern, Zwiebeln
– Eichblattsalat oder Rucola, Orangen, Khakis, Fenchel, mit Bananendressing (Öl, Zitronensaft, Senf, Honig, Salz, Pfeffer)
– Orangen, Khakis, Granatapfelkerne
– Orangen, Khakis, Fenchel (hierzu passen ein paar zerkleinerte Kardamomkörner)
Die Mengen könnt Ihr nach Eurem Gusto wählen. Ein gutes Dressing zu vielen Obstsalaten wird aus Limette, Honig, Rohrzucker und einer Prise Zimt gemacht.

Weiße Creme (für 2 Personen)

1/2l Mandelmilch, 50g Zucker, 100g Speisestärke, 1 Prise Zimt
Stärkemehl in der Milch auflösen, Zucker und Zimt zugeben und auf kleinster Flamme köcheln, bis die Creme dick wird. In eine mit kaltem Wasser ausgespülte Schüssel geben, abkühlen und in den Kühlschrank stellen. Zum Anrichten aus der Schüssel stürzen, mit Zitronen- oder Orangenschalen und etwas Zimt dekorieren.

Sizilianische Cassata (für eine runde Auflaufform 17cm mit schrägen Wänden)

Diese grüne Süßspeise hat mich auf der ganzen Tour auf Sizilien interessiert, aber leider hatten wir keine Gelegenheit, die Spezialität zu probieren. Daher weiß ich nicht, wie sie richtig sein muss. Aus dem Rezept, welches ich habe, wurde ich auch nicht schlau. So probierte ich es auf meine Weise. Das Ergebnis sieht zwar nicht professionell aus, aber auch nicht so schlecht. Auf jeden Fall schmeckt es.

Umhüllung: 125g Mandelmehl, 125g Puderzucker, 1 Eßl. Honig, etwas Wasser, grüne Lebensmittelfarbe (oder wenn man hat Pandan-Extrakt aus dem Asiashop)
Biskuitteig: 5 Eier, 250g Zucker, 300g Mehl
Füllung: 500g Schafs-Ricotta, 200g Zucker, Schokoladentropfen, kandierte Früchte

Mandelmehl mit Puderzucker, Honig und etwas Wasser vermengen. Das Wasser dient der leichteren Verarbeitung. Lebensmittelfarbe dazugeben und gut mit einarbeiten. Bei Raumtemperatur stehen lassen.
Für den Biskuit Eier und Zucker schaumig schlagen, dann das Mehl vorsichtig unterheben. Auf ein Backblech geben und bei 180 Grad ca. 20min backen, dann abkühlen lassen. Es ist etwas mehr Teig als benötigt wird.
Die Kruste vom Biskuitteig abschneiden. Nun kleine Rechtecke, so hoch, wie die Cassata werden soll, abzüglich ca. 1cm für den Boden, zurecht schneiden. Mit diesen Stücken die schräge Wand der Auflaufform auslegen, dann den Boden mit dem passend geschnittenen Biskuitteig belegen.
Als nächstes den Schafsricotta mit dem Zucker verrühren und in zwei Portionen teilen. Die eine Hälfte beiseite stellen, in die andere Hälfte die Schokotropfen einrühren. Die Ricottocreme mit den Schokotropfen in die ausgelegte Form füllen und mit einem Biskuitdeckel abdecken. Jetzt habe ich die Süßspeise in den Kühlschrank gestellt, um besser damit weiterarbeiten zu können.
Nach einer Weile die rohe Cassata aus der Form stürzen und mit dem grünen Marzipan oben und an den Seiten bestreichen. Als letztes die erste Ricottahälfte obendrauf verteilen und mit kandierten Früchten nach Belieben belegen.

Kandierte Orangenschale

Orangenschale mit dem Weißen in Streifen schneiden und in einen Topf geben, Wasser dazu und aufkochen. Das Wasser abgießen und den Vorgang wiederholen. So bekommt man die meisten Bitterstoffe aus den Schalen. Leicht antrocknen lassen und wiegen. Genauso viel Zucker, wie die Orangenschalen wiegen, dazugeben. Dann je 100g Zucker 50g Wasser abmessen. Alles zusammen erneut aufkochen und solange köcheln, bis das Wasser verdunstet ist. Aufpassen, dass der Zucker nicht verbrennt. Die so vorbereiteten Orangenschalen auf ein Blech zum Trocknen geben. Wenn man will, kann man die Streifen an einem Ende in flüssige Schokolade tunken. So hat man einen tollen Snack oder eine Dessertgarnitur. Am besten in einem Schraubglas trocken lagern.

Avola

Nach 46 Nächten auf dem Aurora-Parking in Giardini-Naxos verließen wir den Ätna und seine sehr interessante Umgebung. Wir hatten eine schöne Zeit dort, aber im Süden Siziliens ist es zumindest nachts doch ein paar Grad wärmer. Der sizilianische Winter hat Einzug gehalten. Tagsüber bewegen sich die Temperaturen „nur“ noch zwischen 12 und 15°C, nachts sind es gerade einmal 8-9°C. Außerdem müssen wir irgendwann weiter, wenn wir rund um die Insel fahren wollen.
Den Ätna fast immer im Blick, bis hinter Siracusa, kamen wir in Avola an. Die weiße Rauchfahne des Ätna steigt erst steil auf, bis sie der schwache Wind dann waagerecht in den Süden Siziliens trägt, bis weit über das südlichste Ende bei Pachino auf das Meer hinaus. Das ist so genau zu sehen, weil sonst kein Wölkchen am Himmel auszumachen ist. Das wir jetzt wirklich im Süden sind beweisen die vielen Palmen und Agaven in der Küstenregion.

Abschied vom Ätna

Avola ist auch ein sommerlicher Touristenort. Jetzt im Winter ist es ruhig. Von dem Parkplatz am Lido di Avola aus, wo wir übernachten, starten wir unsere Entdeckungstouren in die Umgebung. Zuerst war Avola dran. Die Wurzeln der Stadt liegen Ende des 17. Jahrhunderts, nachdem das antike Avola, auf einer Bergkuppe landeinwärts gelegen, durch das große Erdbeben 1693 zerstört wurde. Man legte zuerst ein sechseckiges Fort an, dessen Konturen bis heute erhalten blieben. Das Fort existiert nicht mehr. Eine Straße hat inzwischen die Fortmauern ersetzt. Innerhalb der sechseckigen Altstadt führen zwei rechtwinklig zueinander verlaufende Hauptstraßen zu jeweils einem Platz am Rande der Altstadt. Wo sich die beiden Straßen kreuzen, befindet sich die zentrale Piazza Umberto I. Die meisten Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich in diesem Bereich, wie unzählige Kirchen und das Theater „Garibaldi“. Außerhalb der ehemaligen Stadtmauer sind z.B. Marktplätze, die alte Markthalle (heute Bibliothek und Treffpunkt) und das Mandelmuseum zu finden.

Piazza Umberto I. in Avola

Am Strand, in der Nähe unseres Parkplatzes, stehen spärlich ausgegrabene Reste einer römischen Villa und ein Dolmen. Diese monolithischen Grabanlagen kennen wir eigentlich nur aus dem Norden Europas, deshalb überraschte uns dieser hier. Allerdings wurde er wohl durch die vielen Erdbeben und Erosion beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen.

Dolmen in Avola

Ein schönes Erlebnis hatten wir auf dem Marktplatz Piazza San Sebastiano im Norden Avolas. Es war an diesem Tag kein Markttag, aber ein Gemüsehändler hatte seinen Laden geöffnet. Davor röstete ein Mann leckere rote Paprika, die er verkaufte. Wir bekamen Appetit und kauften zwei Stück zum Probieren. Als wir die 50 Cent dafür bezahlt hatten, legte der Verkäufer noch eine weitere geröstete Paprika dazu. Da sie warm am besten schmecken, aßen wir sie gleich auf einer Bank in der Nähe. Das beeindruckte den Verkäufer so sehr, dass er uns etwas Papier für die fettigen Finger gab. Die Paprika waren so lecker, dass wir noch ein paar holen wollten, aber da war der Verkäufer schon damit beschäftigt, uns eine besondere Pfanne zuzubereiten. Er zog die Paprika selbst ab und träufelte etwas Olivenöl sowie Zitronensaft darüber. Inzwischen hatte sich ein deutschsprechender Freund eingefunden, der übersetzte. Als ich bezahlen wollte, meinte er, das ist ein Geschenk und wir sollen uns die Spezialität schmecken lassen. Wir bedankten uns vielmals und machten uns über die Leckerei her. Mehrmals beteuerten wir, dass es uns sehr geschmeckt hat, was den Verkäufer sehr freute. Nach einer kleinen Unterhaltung traten wir den Rückweg an.

Paprikaverkäufer

Geradezu beschaulich geht es in der Marina di Avola zu. Eine große Ruine dominiert den Hafen. Es war wohl einmal eine Fischfabrik. Mehrere Pizzerien und Cafés laden zur Einkehr ein, im Fischladen bekommt man frischen Fisch und Meeresfrüchte. Das ist nicht selbstverständlich, denn das Angebot in vielen kleinen Fischläden stammt meistens aus mehreren Vortagen.

Marina di Avola

Weitere Ausflüge von Avola:
Noto, Noto Antica, Cavagrande del Cassibile
Siracusa

Ätna Eruptionen

Der Ätna ist nach dem Kilauea auf Hawaii der zweitaktivste Vulkan der Erde. Das Vulkanmassiv misst ungefähr 40km im Durchmesser und zählt um die 300 Krater und Nebenkrater. Die meisten von Ihnen befinden sich in Richtung Catania, was der Stadt schon oft ziemlich geschadet hat. Die Ringstraße am Fuße des Ätna, der komplett Naturpark ist, ist ca. 185km lang. Die Höhe des höchsten Kraters liegt auf über 3300m über dem Meer. Das sind schon interessante Zahlen.

der Ätna in seiner ganzen Pracht

Als wir am 12. November in Giardini-Naxos ankamen, schlief der Vulkan, nichts passierte. Ein paar Tage später fuhren wir zur Südseite des Ätna, wo uns der Lift auf 2500m Höhe brachte, immer noch nichts. Bald fing der Vulkan jedoch an, dünne Dampfwolken auszustoßen, vollkommen harmlos. Zu dieser Zeit erkundeten wir die Nordflanke des Ätna. Damals vernahmen wir schon ein leises Fauchen aus dem Gebiet des Gipfels.

Nach zweieinhalb Wochen etwa, Ende November, konnten wir abends leichte Ausbrüche am Nordostkrater beobachten, verbunden mit ebenso leichten Lavaströmen. Das war aufregend. Jeden Abend, wenn die Wolken es zuließen, beobachteten wir nun den Vulkan und machten Fotos von den Eruptionen. Seitdem nahm die Intensität stetig zu. An jedem Abend, an dem Aufnahmen gelangen, freuten wir uns mehr. Ab und zu hörte man es kurz grollen und krachen, was aber keine Auswirkungen hatte.

Ätna Eruptionen

Seit ungefähr drei Wochen kommen zudem ununterbrochen Dampf- und Rauchwolken aus einem der vier Hauptkrater. Sie ziehen in Richtung Küste in dem Gebiet zwischen Catania und Giarre. Welche Unmengen an Staub und Gasen mögen das wohl im Laufe der Zeit sein, die aus dem Ätna kommen?

Gipfel des Ätna mit Dampfwolken

Seit ein paar Tagen sind die Ausbrüche am Nordostkrater schon ziemlich spektakulär, wenn man das aus 26km Luftlinie Entfernung so bezeichnen darf. Die Fotos der Eruptionen machen inzwischen schon ganz schön was her.

in der Dämmerung

Um die Mittagszeit des Heiligen Abends dann drang eine große dicke Rauchwolke aus dem Vulkan, erst zaghaft, dann aber immer mächtiger. Schnell wurde das Schauspiel so interessant, dass selbst die Sizilianer aufmerksam wurden. Inzwischen grollte es ununterbrochen, was sich wie ein entferntes Gewitter anhörte. Die Rauchwolken verstärkten sich immer mehr, das Grollen auch. Fast zwei Stunden dauerte das Schauspiel, bevor es wieder abebbte. Statt „Leise rieselt der Schnee“ konnten wir nun singen: „Leise rieselt die Asche“, das etwas andere Weihnachten. Da wird die Geschichte von Pompeii lebendig. Die Einwohner am Fuße des Vesuv sahen damals sicher auch so zum Vulkan wie wir, bis die Katastrophe geschah.

Aschewolke zum Heiligen Abend

die dicken Rauchwolken formen immer wieder tolle Figuren

Als es abends dunkel wurde, sahen wir, dass sich eine lange Spalte an der Ostflanke des Ätna aufgetan hatte, in Höhe von Giarre. Die austretende Lava leuchtete weithin. Leider wurde das Schauspiel immer wieder von Rauchwolken verdeckt, so dass uns kaum ein Foto gelang.

neue Spalte nach dem Ausbruch

Vorgestern, am 22.12.2018 brach in Indonesien der Krakatau aus, was einen Tsunami auslöste. Dabei waren Tote und Verletzte zu beklagen. Das war wohl der Startschuss für viele Vulkane rund um die Welt, denn der Ätna wie auch der Stromboli verstärkten ihre Tätigkeit nur ein bis zwei Tage später.

Am frühen Morgen des 2. Weihnachtsfeiertages ereignete sich ein schweres Erdbeben am Südhang des Ätna und verursachte Schäden von Acireale bis in den Norden Catanias. Es war nur in etwa 10km Umkreis zu spüren und hatte eine Stärke von 4,8 bis 5,1, je nach Quelle. Der Herd befand sich ca. 1km unter der Erdoberfläche. Eigentlich wollen wir morgen in den Süden weiterfahren, aber die Autobahn ist nach dem Erdbeben zwischen Giarre und Acireale teilweise gesperrt. Mal sehen, wie sich die Lage entwickelt, ansonsten müssen wir doch noch ein paar Tage in Naxos bleiben. Seit dem Ausbruch Heilig Abend wurden hunderte kleine Erdbeben aufgezeichnet. Manchmal, wenn wir im Womo sitzen und keiner von uns sich bewegt, schaukelt es kaum merklich. Es ist kaum wahrnehmbar, aber diese Bewegungen sagen uns, dass es wieder eines der winzigen Beben war.

Inzwischen haben wir im Internet Bilder gefunden, die den Ausbruch des Ätna aus dem Süden zeigen. Dort sah man die mächtige Lavasäule, die der Vulkan beim Ausbruch Heilig Abend in die Höhe blies. Wir konnten ja nur die Rauchwolke sehen.

Umgebung von Naxos

Während in Giardini-Naxos jede Menge los ist, geht es in Letojanni gemächlich zu. Man kann in Ruhe die Straße hinter dem Strand entlang spazieren und dabei in die Gassen schauen, die in den Ort führen. Gleich dahinter erheben sich die Berghänge des Küstengebirgszuges. Den Rückweg sollte man durch die Parallelstraße zur Strandstraße nehmen. Nette Vorgärten, Eingänge und Balkone schmücken die eng stehenden Häuser.
Die Kirche San Giuseppe am Francesco Durante-Platz erstrahlt nach mehreren Renovierungen in jüngster Zeit in tollem Glanz. Die in mehrere große Rechtecke geteilte Decke ist mit schönen feinen, mosaikartigen Ornamenten geschmückt. Links vom Eingang erfreut eine kleine Besonderheit die Besucher, ein niedliches Modelldorf, in dem das Leben fast explodiert. Wenn man auf einen Knopf drückt, dann bewegen sich viele Teile davon und eine liebliche Musik erklingt dabei. Es macht viel Spaß, die vielen Details zu entdecken.

Straßentunnel in Letojanni

Ein weiteres Ziel ist das Calatabiano-Castle, dass heißt die Ruinen desselben. Es liegt auf einem 220m hohen Lößhügel hinter der Stadt, in der Nähe des Alcantara-Flusses. Der Alcantara bezeichnet die Grenze zwischen den Regionen Messina und Catania. Der heutige Ort Calatabiano existiert erst seit 1693, nachdem ein verheerendes Erdbeben im Noto-Tal die alte Siedlung zerstört hatte. Die Festung selbst ist römisch-griechischen Ursprungs und wurde später von den Normannen und Arabern genutzt. Die Araber erwähnten die Festung erstmals schriftlich. Sie bauten auch das kleine Schloss unterhalb der Festung.
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Festung zu besuchen. Einmal die Nutzung des Liftes, oder zu Fuß per kurzer Wanderung den Berg hinauf, wobei man an mehreren Ruinen alter Wohnhäuser und später am arabischen Schloss vorbeikommt. Von dort oben hat man eine herrliche Aussicht auf Calatabiano, die Küste sowie Taormina. Das Eintrittsgeld in die Burg beträgt 5,-€, für den Lift bezahlt man noch einmal 2,-€.
Ist man wieder im Ort, sollte man einen kleinen Spaziergang durch die verwinkelten Gassen unternehmen.

Castello Calatabiano

Der schönste Ort, den wir auf dieser Reise gesehen haben, ist Castelmola. Wir finden, es ist ein „Muss“, diesen Ort zu besuchen. Schon allein die Fahrt nach dort oben ist ein Abenteuer, erst durch Taormina und dann in engen Serpentinen die Berghänge hinauf, bis auf 529 Meter.

auf dem Weg nach Castelmola

Castelmola wurde im Laufe seiner 2800-jährigen Geschichte mehrmals zerstört, nicht durch Naturkatastrophen, sondern durch die verschiedenen Eroberer. Das heutige Gesicht des Ortes stammt wohl aus dem Mittelalter. Es macht Spaß, durch die engen Gassen zu spazieren, die zum Teil aus Treppen bestehen, um die großen Höhenunterschiede zu überwinden. Wunderschöne Aussichten auf die Küste, die unterhalb liegende Stadt Taormina und den Ätna bieten sich von vielen Stellen Castelmolas. Vor allem von den Ruinen der mittelalterlichen Festung aus, die über Castelmola thronen. Dort bietet sich eine 360°-Rundumsicht. Die Anfänge der Burg liegen wohl in der griechisch-byzantinischen oder römischen Zeit.

Blick vom Castell Castelmolas auf den Hauptplatz des Ortes

Achtung! Dieser Abschnitt ist nicht Jugendfrei. Der Hauptgrund, warum die meisten Touristen Castelmola besuchen, ist die Bar Turrisi. Sie hat von 9-2 Uhr nachts geöffnet und befindet sich an der Piazza del Duomo. In mehreren Etagen, liebevoll und stilecht eingerichtet, werden die Gäste vom sehr netten, mehrsprachigen Barbesitzer mit Essen und Trinken vom Feinsten verwöhnt. Das Thema der Bar? Alles rund um den Penis. Tischbemalungen, Wand- und Bodenfliesen, Lampen, Flaschen, Gläser, als Plastiken, was auch immer, überall sieht man Penisse, vollkommen verrückt.

Eingang zur Bar Turrisi

Und bitte, auf keinen Fall versäumen, die Toiletten aufzusuchen. Dort zieren die Wände schwarz-goldene Bilderfliesen mit Sexstellungen aus dem alten Griechenland, die dem Kamasutra alle Ehre machen.

Fliesendarstellung in der Toilette der Bar Turrisi

Auf dem Rückweg nach unten sollte man noch einmal zum Castello di Taormina fahren. Die Festung selbst kann nicht besucht werden, aber vom Aussichtsbalkon an deren Fuß kann man noch einmal toll über Taormina blicken. Sogar der Blick in das griechische Theater, Teatro Antico, ist frei.

Taormina mit Tetro Greco

Sehenswert hier ist auch die Kapelle „Madonna della Rocca“, der Patronin Taorminas. Die im 14. Jahrhundert halb in den Fels gebaut wurde. Der Innenraum mit der rohen Felsdecke ist mit zarten, gemalten Ornamenten geschmückt. Die zwei kleinen Altäre sind liebevoll gestaltet. Fast kommt man sich wie in einer Puppenstube vor, sehr schön.

Kapelle „Madonna della Rocca“

Zu einem der schönsten Orte Italiens zählt auch das kleine Bergdorf Savoca bei Santa Teresa. Es ist gleichzeitig ein Ort der Kunst. Gleich am Ortseingang hat sich ein Atelier niedergelassen, in dem Edelstahl zu Kunstwerken verarbeitet wird. In der näheren Umgebung sind einige dieser Kunstwerke ausgestellt, die man bewundern kann. Irgendwo in Savoca muss auch ein Keramik- und Tonkünstler zu Hause sein, denn allerorten sind kleine und große Reliefs in die Häuserwände eingelassen, sehr schön gearbeitet. Fast alle zeigen kirchliche Darstellungen.

Kunstwerk aus Edelstahl in Savoca

Während wir eigentlich eine bedrückende Enge in den Bergdörfern gewohnt sind, hat man in Savoca genug Luft zum Atmen. Wie Krakenarme gruppieren sich schmale Häuserzeilen entlang der Berggrate, die um den Zentralplatz herum liegen. Dort befindet sich einer der Parkplätze, ein Aussichtspunkt und die Bar Vitelli.
Die Bar Vitelli ist berühmt, weil dort 1972 einige Szenen des Meisterstücks von Francis Ford Coppola „Der Pate“ gedreht wurden. Marlon Brando und Al Pacino spielten in den Hauptrollen. Einige Fotos von den Arbeiten damals hängen in einem Raum der Bar, in dem sich sogar der hauseigene Brunnen befindet. Wahrscheinlich der Berühmtheit der Bar Vitelli ist es geschuldet, dass der Kaffee ganze 4,-€ kostet, inkl. zeitgenössischer Musikbeschallung.

Bar Vitelli

Wer Savoca besucht, sollte sich auf den Rundweg um die Burg Castello Pentefur machen, die über dem Ort thront. Drei schwere Erdbeben haben seit 1693 nicht mehr viel von dem Bauwerk übriggelassen. Die Burg wurde wohl zu römisch-byzantinischer Zeit errichtet, später von den Arabern übernommen und ausgebaut. Um 1070 zogen die Normannen ein, die daraus eine Sommerresidenz machten. Seitdem bewohnten weitere Eigentümer die Burg, bis zu den großen Erdbeben. Heutzutage sind Bemühungen im Gange, die Reste der Burg der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Von jeder Ecke des Rundweges bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die umliegende Landschaft. Mehrere Kirchen säumen zudem den Weg.

Teilansicht von Savoca

Eine weitere Sehenswürdigkeit soll die Krypta des Convento del Cappuccini sein, in der Mumien aus dem 18. Jahrhundert aufbewahrt werden. Es waren reiche und mächtige Aristokraten, die durch natürliche Austrocknung in der Gruft der Kirche mumifizierten. Seit 1876 werden sie in ihrer zeitgenössischen Kleidung der Öffentlichkeit präsentiert. Eigentlich soll die Krypta von Donnerstag bis Sonntag geöffnet sein, aber bei unserem sonntäglichen Besuch war geschlossen. Wer will, kann per Telefon sein Interesse bekunden, dann wird wahrscheinlich geöffnet werden.

Seit fünf Wochen stehen wir nun schon in Naxos. Zeit genug, endlich einmal eine Wanderung in Angriff zu nehmen. Unsere Stellplatznachbarn Sarah und Jason, Kiwis, die seit vier Jahren in Wales ihre Wahlheimat gefunden haben, gaben uns den Tipp. Sie waren zu Fuß in Taormina, eine 12km-Wanderung. Sie berichteten von einem Ziegenpfad den Berg hinauf. Das machte mich neugierig. Auf einer Wanderung lernt man doch viel mehr von der schönen Landschaft kennen. Von Naxos aus sieht man den gesamten Gebirgszug vom Kap Taormina, über Taormina selbst, Castelmola bis hin zum Monte Veneretta (Veneri). Dort hinauf zog es mich. Die Tour bis zum ersten Aussichtspunkt am Monte Veneretta ist 8,8km lang, wobei auf 5,6km rund 800 Höhenmeter bewältigt werden müssen. Das bedeutete, dass ich, ich machte die Wanderung alleine, ganze drei Stunden ausschließlich steil bergan steigen musste, teilweise über Treppen. Es war eine echte Herausforderung, aber die Tour selbst und die Aussichten waren die Anstrengung wert. Der Weg führt durch Taormina, an Castelmola vorbei und dann den Hang des Monte Veneretta hinauf.

auf dem Weg zum Monte Veneretta ist schon Frühling

Kurz vor dem Aussichtspunkt traf ich auf eine große schwarze Schlange. Ich hörte zuerst nur ein Geräusch. Als ich dem mit den Augen nachging, verschwand die Schlange gerade mit dem Kopf voran in einer Bruchsteinmauer. Der Umfang der tiefschwarzen Schlange maß ungefähr ein Dreiviertel meines Handgelenkumfanges, die Länge gut über einen Meter. Es war eine Prachtschlange. Sarah und Jason trafen bei ihrer Wanderung ebenfalls auf solch eine schwarze Schlange, die jedoch lange nicht so groß war. Meine Nachforschung ergab, dass es sich bei dieser schwarzen Schlange um eine Zornnatter handelt. Die normale Färbung ist gelbgrün, aber in Italien/Sizilien lebt eine schwarze Variante dieser Zornnatter. Sie ist nicht giftig und nicht aggressiv, aber bei Bedrohung beißt sie schnell zu und führt dann auch noch Kaubewegungen aus, was zu schweren Verletzungen führt.

am Hang des Monte Veneretta

Endlich war ich oben und genoss die Aussichten hoch über allem in Richtung Küste. Der Ätna hatte sich an diesem Tag dick in Wolken gehüllt, sonst schien die Sonne. Nachdem ich mich erholt hatte, nahm ich den Abstieg in Angriff, bis Castelmola den gleichen Weg, den ich gekommen war, dann wand ich mich in Richtung Giardini. Taormina passierte ich dabei fast ausschließlich über Treppen, Treppen ohne Ende, Wahnsinn. Irgendwann kam ich am namenlosen Fluss heraus, der in Giardini ins Meer fließt. Am Ende war ich gut fünf Stunden plus Pause auf den 17,6 Kilometern unterwegs.

hoch über der Küste und Giardini-Naxos

Catania

Zuerst wollten wir eine Zwischenstation auf dem Weg in den Süden Siziliens einlegen und von dort aus mit dem Smart nach Catania fahren. Man riet uns jedoch dazu, mit dem Bus nach Catania zu fahren, was dann doch die bessere Entscheidung war. Für nur 8,60 € pro Person Hin- und Rückfahrt von Recanati (Giardini-Naxos) aus fährt der Bus nur wenige Schritte vom Stellplatz entfernt ab. Ohne Zwischenstopp fuhr der Bus, nicht ganz pünktlich abgefahren und mit fast einer halben Stunde Verspätung in Catania angekommen, ins das Zentrum der Stadt. Vom Busbahnhof steuert man am besten zuerst den berühmten Fischmarkt von Catania an, denn der ist nur bis zum Vormittag besuchenswert. Das ist ein Fußweg von 1,3km.

Fischmarkt in Catania

Am Domplatz steht ein grau-weißes Gebäude. Passiert man dieses an der rechten Seite, steht man auf dem Fischmarkt, welcher sich ein paar Stufen tiefer befindet. So hat man gleich einen schönen Blick über alles. Das Handeln, die Fischer, die ihre Ware anpreisen, das ganze Ambiente erinnert an einen orientalischen Markt. Die Preise sind niedrig, die Fische und Meerestiere frisch. Hier kauft man gerne ein. Leider standen wir am Anfang unseres Stadtrundganges, so dass wir keinen Fisch mitnehmen konnten. Auf der Empore bietet ein kleiner Laden in Zitronensud gegarten Baby-Oktopus an, den wir unbedingt probieren mussten. So zarten Tintenfisch hatten wir noch nie gegessen, der war einfach lecker.

Baby-Oktopus in Zitronensud

Egal, welche Gasse wir weiter gingen, überall stehen Marktstände, an denen Obst, Gemüse und Fleisch angeboten werden. Sogar Zicklein bekommt man, für nur 8,-€ das Kilo. Einer der Stände bot einen Salat aus verschiedenen Wurst- und Käsesorten an, auch davon probierten wir. Frischer als hier bekommt man die Sachen nicht.

Markt in allen Gassen rund um den Fischmarkt

Irgendwann kamen wir an die Via Emanuele II. Nur ein paar Meter nach links kommt man zum Teatro Antico und das Odeon. Beide Theater liegen nebeneinander und sind ein Museum. Anfang des 8. Jahrhunderts vor Christus gründeten Griechen die Kolonie Catania. Möglicherweise errichteten schon die Griechen ein Theater an dieser Stelle, welches die Römer später übernahmen und ausbauten. Wenn man um den Block läuft, kann man auch die Rückseite mit den Eingängen der Theater sehen.
Etwas weiter oberhalb der Theater ist die Römische Therme zu finden.

Eingangstor zum Teatro Antico

Spaziert man die Via Emanuele II wieder zurück zum Domplatz, steht man vor der berühmten Elefantensäule. Der Elefant ist das Symbol von Catania. Dieser aus Lava gefertigte Elefant auf dem Domplatz stammt aus römischer Zeit. Er wurde nach der Zerstörung durch ein verheerendes Erdbeben 1693 aus den Trümmern geborgen. 1669 wurde Catania schon einmal durch eine Ätna-Eruption dem Erdboden gleichgemacht. Der auf dem Elefanten stehende Obelisk stammt aus Ägypten und wurde wohl im alten Amphitheater als Zielsäule verwendet. Ein Künstler aus Catania kam dann auf die Idee, aus diesen beiden Teilen die Elefantensäule zu kreieren.

Elefantensäule

Der Palazzo degli Elefanti ist heute das Rathaus. Er stammt aus der Zeit nach dem großen Erdbeben von 1693. Ebenfalls am Domplatz steht die beeindruckende Kathedrale Sant`Agata. Fast alle großen Gebäude Catanias sind im prunkvollen Barockstil erbaut, was mich an meine Heimatstadt Dresden erinnert. Geschwungene Formen, pralle Figuren, prachtvolle Verzierungen, der Barock macht einfach Spaß.

Domplatz mit der Kathedrale Sant`Agata

Leider ist die Bausubstanz Catanias ansonsten unter aller Kanone. In ganz Italien sind sehr viele Bauten dem Verfall preisgegeben, weil das Geld für die Renovierung fehlt. In Catania ist dieser Zustand sehr erdrückend.

Die Flaniermeile Catanias ist die Via Etnea, die sich vom Domplatz in Richtung Ätna ausdehnt, den man in einiger Entfernung sieht. Mehrere große Plätze lockern die Straße auf, die von vielen Geschäften und mancher Kirche gesäumt wird. Schon bald kommt man am Gymnasium links und der gegenüberliegenden Universität rechts vorbei.

Via Etnea

Folgt man der Via Etnea weiter, liegt irgendwann auf der linken Seite die Ausgrabungsstätte des Amphitheaters. Es wurde beim großen Erdbeben verschüttet und nur zum Teil wieder freigelegt. Dieses Amphitheater war eines der größten auf Sizilien, fasste 15.000 Zuschauer, die in 32 Sitzreihen Platz nahmen. Es hatte eine elliptische Form und maß 125×105 Meter. Es wurde im 2. Jahrhundert erbaut und Ende des 5. Jahrhunderts aufgegeben. Die Normannen nutzten beim Bau der Kathedrale im 11. Jahrhundert teilweise Steine und Säulen des Theaters.

Ausgrabungsstätte Amphitheater

Unser letztes Ziel in Catania war der Hafen der Stadt. Von hier aus fahren Fähren z.B. nach Neapel, Genua oder Malta. Es herrscht Ruhe im Hafen, die wir für eine Kaffeepause nutzten. Von hier aus blickt man über die Stadt hinweg zum Ätna, der der Stadt schon so manches Leid bescherte.

Fontana di Proserpina

Am Busbahnhof steht ein sehr schöner barocker Brunnen, der „Fontana di Proserpina“. Der Bus zurück nach Recanati fährt im Busbahnhof des Interbus (blaue Busse) ab, direkt hinter der Mauer, vor der wir abgesetzt wurden. Der Eingang befindet sich in der Via Archimede. Sollte jemand kein Rückfahrticket haben: das Ticketbüro von Interbus ist in der Parallelstraße Via D´Amico schräg gegenüber zu finden. Man bekommt allerdings auch direkt im Busbahnhof Tickets. Auf Verspätungen sollte man sich jedoch einstellen.

Windspiele aus Schilf

An manchen Mittelmeerstränden liegen jede Menge abgestorbene und angeschwemmte Schilfstängel herum. Viel zu schade, aus diesen nicht etwas zu basteln. Wir haben daraus ein Windspiel gemacht, nach dem Vorbild derer aus Bambus. Schilf funktioniert genauso gut und es ist einfach zu bearbeiten.

Schilfstängel, am besten die dicksten, also auf Länge schneiden. Ob alle gleich lang sind, oder unterschiedliche Länge haben, ist egal. Wir haben sieben Stangen in Längen von 35cm bis 70cm geschnitten. Als nächstes jede Stange etwa in der Mitte unter 45 Grad bis auf die Hälfte des Durchmessers einsägen, dann beidseitig bis zum Ende der Stange mit einem Messer aufschneiden. So erhält man eine Art Orgelpfeife. Ganz oben zwei kleine Löcher bohren, um die „Orgelpfeifen“ aufzuhängen.
Jetzt benötigt man ein rundes Brett, oder irgendetwas anderes, was greifbar ist und passt, etwa 12-15cm im Durchmesser. Darin bohrt man sieben gleichmäßig verteilte kleine Löcher am Rand entlang. Jetzt kann man die „Orgelpfeifen“ daran befestigen.
Nun fehlt noch ein runder flacher Stein in der Mitte, etwa 8-9cm im Durchmesser, und ein beliebiger Stein darunter. Beide Steine werden in der Mitte des Windspieles mit einem wetterfesten Faden, Angelsehne o.ä., am oberen Brett festgemacht (siehe Foto). Dafür ist ein weiteres kleines Loch in der Mitte des Brettes nötig. Wir haben ein am Strand gefundenes Plastikteil verwendet, welches mit Sprühkleber und Sand beschichtet wurde. Leider war nur grauer Sand verfügbar.
Mit einem Tragfaden kann das selbstgemachte Windspiel dann aufgehängt werden. Der Klang ist angenehm holzig.

Windspiel aus Schilf

Durch Zufall entdeckte ich, dass sich aus den Samenkapseln einer Mimosenart (wahrscheinlich Jacaranda), die direkt vor unserem Stellplatz in Giardini-Naxos (Sizilien) herumliegen, ein Windspiel basteln lässt. Schilf hatten wir noch genug übrig, welches wir am Strand gesammelt hatten. Daraus schnitten wir eine 44cm lange Stange und schrägten die beiden Enden nach unten hin ab. Nun bohrten wir sieben kleine Löcher durch die Stange hindurch. Als nächstes bindet man die Samenkapseln mit einem dünnen Faden am Stiel fest, fädelt den Faden durch die Schilfstange und befestigt diesen oben. Dann noch einen Aufhänger basteln und schon ist das außergewöhnliche Windspiel fertig. Es hat in etwa den selben Klang wie das vorher beschriebene Windspiel, nur dass es viel einfacher herzustellen ist.

Windspiel aus Jakaranda-Samenkapseln und Schilf

 

 

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