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Kap Kolka

Kreuzsee am Kap Kolka

Im äußersten Norden des Bezirkes Kurland befindet sich der Slitere Nationalpark, der das Kap Kolka einschließt. Es ist eine kleine Landzunge, die wie das Kap Skagen (Dänemark) in zwei Meere hineinragt und seine Form ständig ändert. Kap Kolka ist zwar nicht so spektakulär, aber auch beeindruckend. Auf der linken Seite branden die Ostseewellen ans Ufer, an der rechte Seite grenzt die Rigaer Bucht an das Kap. Beide Meere treffen sich an dieser Stelle und bilden auch hier eine kleine Kreuzsee. Am Ufer liegen die letzten Reste eines alten Leuchtturms, dessen Geschichte 500 Jahre zurückreicht. Der neue Leuchtturm steht weit draußen vor der Küste, am Ende einer Sandbank, die immer wieder Seefahrern zum Verhängnis wurde.

Entzündung des Sonnenwendfeuers

Genau hier wollten wir das Sommer-Sonnenwendfest mit den Einheimischen feiern. Schon zwei Tage vorher traf man Vorbereitungen für ein großes Feuer am Kap und Musik. Seit zwei Monaten begleitete uns schönstes Wetter. Ausgerechnet an diesem Tag, regnete es immer wieder. Genau eine Stunde, bevor das Fest um 21 Uhr losgehen sollte, setzte ein furchtbarer Dauerregen ein, gekoppelt mit einem steifen Wind. Die Leute kamen trotzdem, in Regencapes gehüllt und mit Blumen- oder Blätterkränzen auf dem Kopf. Der Organisator, mit einem dicken Eichenlaubkranz auf dem Kopf, verteilte Texte, damit die Leute zusammen singen konnten. Trotz strömenden Regens, begrüßte man den Sommer und begann zu singen. Nach einer Weile entzündete man das große Feuer. Da die Musik bei dem Regen nicht einsetzbar war, sangen die Leute eben selbst. Das Fest dauerte bis nach Mitternacht, aber wir waren mit unseren Schirmen so durchgeweicht, das wir uns bald verabschieden mussten.

Camping bei livischer Familie

Eine Nacht standen wir auf dem kostenlosen Parkplatz auf der linken Kapseite, von wo aus wir das ganze Kap Kolka erkunden konnten. Ein Aussichtsturm und ein Kiefern-Pfad sorgen für mehr Übersicht und Aufklärung. Am nächsten Morgen zogen wir zum Ferienhaus und Campingplatz „Ūši“ in Kolka um. Die Anlage wird von einer livischen Familie betrieben. Der Volksstamm der Liven lebt schon ewig hier, zählt jedoch mit nur noch ca. 230 Mitgliedern zu den aussterbenden Völkern. Die Familie begrüßt auch Reisebusreisende, um sie mit ihren livischen Spezialitäten zu bewirten. Das sind zum einen Sklandrausis (Karottenkuchen), wirklich sehr lecker, und Graupengrütze, die über offenem Feuer vom Opa gekocht wird.

„nasser Strand“

Im Norden Kurlands ist einiges zu sehen und zu erleben. Leider ist nur die Küstenstraße asphaltiert. Deshalb wandten wir uns zuerst der Küste an der Rigaer Bucht zu. Bei Evazi führt ein kurzer Weg (300m) durch den Wald zum einzigen „nassen Strand“ in Lettland. Klingt komisch, aber es ist eigentlich das Riff gemeint, welches vor der Küste liegt. An der Wasserlinie selbst wachsen einige kleine Pflanzen, die sicher ein Hinweis auf die Vielfalt im Wasser sind.

„weiße Düne“ von Pūrciems

Ein paar Kilometer weiter gibt es einen anderen Pfad. Der führt zur „Weißen Düne“ von Pūrciems. Der Bretterweg führt zuerst nach unten und überquert das Flüsschen Pilsupe, dann steigt man wieder ein paar Stufen nach oben auf die Düne und läuft ein wenig durch den Wald. Das Flüsschen wird noch einmal überquert, danach steigt man noch einmal ein paar Stufen nach oben, bevor man an der „Weißen Düne“ steht. Im Laufe vieler tausend Jahre grub sich das Flüsschen in die Düne. Die Düne ist so hoch und deren Hang so steil, dass dieser nie wieder Pflanzen einen Halt gab. Der Sand liegt in Form eines Amphitheaters offen, direkt an einer Kehre der Pilsupe.

Bootsfriedhof im Wald

Dann wollten wir von Gipka aus durch das Tal des Flüsschens Pilsupe nach Westen fahren, um nach Slitere zu gelangen. Leider sind wohl alle Straßen im Norden Kurlands unbefestigt, jedenfalls alle, die wir zu sehen bekamen, außer wie gesagt der Küstenstraße. So fuhren wir nach Kap Kolka zurück und fuhren nun die Ostseeküstenstraße nach Süden. In Mazirbe ist der „Bootsfriedhof im Wald“ zu finden. 1976 nahmen die Russen den einheimischen Fischern ihre Boote weg, um deren Fischerei einzudämmen. Die Fischerboote landeten im Wald hinter der Stranddüne, wo sie seitdem verrotten. Heute sind nur noch zwei Boote zu erkennen, wenige Reste zweier weiterer Boote sind kaum noch auszumachen.

am Leuchtturm gefunden

Der Leuchtturm von Slitere steht weit im Landesinneren, obwohl er erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Heute dient er als Aussichtsturm, aus dessen vielen Fenstern im obersten Geschoss nach allen Seiten sehen kann. Blickt man über die Meerenge zwischen Ostsee und Rigaer Bucht entdeckt man bei schönem Wetter die estnische Insel Saaremaa.
Den Weg nach oben verkürzt eine Ausstellung zum Nationalpark, Leuchttürmen und die Kultur in diesem Landstrich. In dem Gebäude neben dem Leuchtturm zeigt eine Ausstellung, welche Pflanzen und Tiere im Slitere Nationalpark zu finden sind.

am See Pēterezers

Ein sehr schöner Wanderweg, der 3,4km lange Naturpfad des Sees Pēterezers, gelegen zwischen Slitere und Mazirbe, zeigt die unterschiedliche Natur des Nationalparks. Der Pfad führt über viele Dünen durch einen Kiefernwald, an mehreren Sumpf- und Wasserlöchern vorbei, durch einen Wald von Schachtelhalmen weiter zum Pēterezers, in einer großen Lichtung gelegen. Dessen Wasser ist durch den Moorboden, in dem er liegt, schwarz. In diesem Moorland fühlen sich Orchideen und Sonnentau wohl. Es ist der abwechslungsreichste Weg, den wir in den Baltischen Staaten gegangen sind.

Bärlauchsuppe

Versüßt hat uns diesen Ausflug ein Wildkirschbaum am Leuchtturm Slitere, wo wir uns den Bauch vollschlugen. Hmm, waren die lecker. Bei einem Spaziergang durch den feuchten Wald fanden wir eine Stelle mit ganz viel Bärlauch. Davon nahmen wir uns zwei Hände voll mit, um eine schöne Bärlauchsuppe daraus zu machen. Das Rezept:
2 Hände voll Bärlauch, 3 große Kartoffeln, 1 Zwiebel, 1/2l Gemüsebrühe, Sahne oder Creme fraiche nach Belieben, Salz, Pfeffer, Muskat. Die Zwiebel in Butter anbraten, geschnittenen Bärlauch (ein paar Blätter für Deko aufheben) und gewürfelte Kartoffeln dazugeben und mit der Brühe ablöschen. Kochen, bis die Kartoffeln weich sind, dann pürieren. Mit Sahne und den Gewürzen verfeinern. Die Suppe in einen Teller füllen und mit den beiseite gelegten Bärlauchblättern garnieren. Wir gaben noch einige Garnelenschwänze obendrauf. Superlecker.

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Orissaare – Saaremaa (Ösel)

Jahrestag der Unabhängigkeit

Endlich wieder festen Boden unter den Füßen, nach mehr als zwei Monaten. Wir sind auf der estnischen Insel Saaremaa, deutscher Name: Ösel. Sie besteht, wie die Schwesterinsel Muhu, aus versteinertem Meeresboden, also aus Kalkstein. Kein ewiger Sand, wenige Kiefern, dafür viel Wacholder.
Bis 1991 sowjetisches Sperrgebiet und für Außenstehende unzugänglich, ist sie heute eine Insel ohne Bausünden, mit ursprünglichem Leben und ganz viel Natur. Eigentlich sah Saaremaa seit der Ankunft des Deutschen Ritterordens 1227 immerwährend fremde Mächte, als da die Schweden und die Dänen wären. Die Esten hatten seitdem nie etwas zu sagen. Erst 1918 erlangte Saarema, sowie ganz Estland, die Unabhängigkeit. Der Deutsche Ritterorden besaß zu diesem Zeitpunkt immer noch die Hälfte der Insel. Er wurde enteignet und für kurze Zeit war Estland endlich Herr seines eigenen Landes, zumindest solange, bis die Sowjets kamen. Mit der erneuten Unabhängigkeit 1991 gehört nun Estland mitsamt seinen Inseln den Esten. Seitdem feiern die Esten zwei Unabhängigkeitstage im Jahr, wie die Letten, die ziemlich die gleiche Geschichte erzählen. In diesem Jahr feierte man den 100. Jahrestag der Unabhängigkeit vom Zarenreich und den Deutschen. Zur Sonnenwendfeier am Kap Kolka hatten die Leute eine 100 in den Sand gegraben und Teelichte hineingestellt. Jetzt wissen wir warum.

Koguva

Um Saaremaa zu erreichen, muss man mit der Fähre von Virtsu aus übersetzen. Die Überfahrt dauert eine halbe Stunde und kostet knapp 15,-€ für ein Wohnmobil mit zwei Personen. Dann ist man erst auf der kleinen Insel Muhu. Von Muhu nach Saaremaa führt ein Damm durch das sehr flache Wasser der Väike Straße.
Für die meisten Reisenden ist Muhu nur Durchgangsstation. Wir wollten uns zumindest das Museumsdorf Koguva ansehen. In diesem Dorf ist die Zeit im 18. Jahrhundert stehen geblieben. Der Dorfkern ist komplett unter Schutz gestellt. Mit einem 4,-€-Ticket kann man in diese Zeit eintauchen. Die alten Häuser sind fast winzig, die Grundstücke mit flachen Feldsteinmauern umgeben, die inzwischen dicke Moosschichten angesetzt haben. Manche Einwohner stapeln ihre Holzscheite für den Winter auf diesen Mauern.
Koguva war ein Fischerdorf. Die Fischer holten im Winter ihre Boote an Land und legten sie kieloben auf den Mauern ab. Manche Boote, die irgendwann nicht mehr gebraucht wurden, liegen noch heute dort.

Kirche von Liiva

In Liiva, wieder ein Hinweis auf den Volksstamm der Liven, steht die St. Katariina Kirche aus dem 13.-14. Jahrhundert. Sie besitzt als mittelalterliche Burgkirche auf Saaremaa keinen Turm. Der Innenraum wirkt geplündert, nur die schmückenden architektonischen Elemente aus dem Inselgestein Dolomit, und ein paar wenige Wandmalereien, sind erhalten.

Noch ein Wort zu dem aussterbenden Volksstamm der Liven. Immer wieder kommen uns die Namen Liven und deutsch-livonisch unter. Livonisch ist nur ein anderes Wort für livisch. Die Liven siedelten rechts und links der Rigaer Bucht auf lettischem Boden. Daher existieren auch im Gauja Nationalpark Hinweise auf sie. Noch vor ein paar Jahrhunderten zählten die Liven mehrere 10.000 Angehörige, heute sind nur noch gut 200 von ihnen übrig, die im lettischen Bezirk Kurland ansässig sind. Die Wurzeln der Liven liegen in Finnland.

Hain-Wachtelweizen

Wieder auf Saaremaa fuhren wir in den Südosten der Insel, nach Saareküla. Dort gibt es einen gut 2km langen Wanderweg durch Mischwald, mit Lichtungen und altem Moorland. Hier wachsen Orchideen und andere exotische, nordische Pflanzen. Wenn man Glück hat, bekommt man ein Reh zu Gesicht, auch Kraniche. Man sagt, dass es in Estland mehr Elche als Menschen gibt. Daher warten wir in den Wäldern immer auf eine Sichtung, aber bisher erfolglos.

Denkmal

Einen Kilometer hinter dem Wanderparkplatz befindet sich direkt an einer Abzweigung ein Denkmal. Es sieht aus wie ein alter Steinkreis, auf einem stufigen Podest in der Mitte liegt ein gespaltener Felsbrocken. Es erinnert jedoch an die antike estnische Herrlichkeit, als es noch keine Fremdherrscher gab.

In Pöide suchten wir die Brauerei, aus der das Bier stammt, welches wir in der kleinen Hafenkneipe in Orissaare angeboten bekamen. Die Brauerei ist aber in Kuressaare zu finden. Dafür besichtigten wir die Kirche in Pöide. Sie sieht noch jämmerlicher aus als die in Liive, total hinüber. Jetzt wird versucht, noch zu retten, was zu retten ist, aber es wird eine Mammutaufgabe werden. In Anbetracht des fehlenden Geldes eher nicht machbar. Die Bauschäden sind zu groß.

Burg Maasilinn

Eine andere Rundtour von Orissaare aus brachte uns Richtung Westen an der Küste entlang. Das erste Ziel ist dabei die Ruine der deutschen Ordensburg Maasilinn aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde aus dem heimischen Kalkstein erbaut. Die dicken Mauern und die Gewölbe der Kellerräume bestanden aus einer Art grobem Ziegelmauerwerk. Das muss eine immense Aufgabe gewesen sein, dieses Mauerwerk hochzuziehen. Die Burg bestand einstmals aus drei Stockwerken. Schon 1576 zerstörten die Dänen, die die Insel Saaremaa eroberten, die Burg. Heute sind nur noch die Kellerräume zu besichtigen. Die Gewölbe waren so stabil, dass sie bis heute halten. Von der ersten Etage sind nur noch Reste übrig. Die Burg Maasilinn kann kostenfrei besucht werden. In der näheren Umgebung befinden sich weitere Ruinen und Burgwälle.

Pulli pank

Nun folgten wir immer der Küstenstraße Richtung Leisi. Die nächste Sehenswürdigkeit ist Pulli pank, eine kleine Steilküste mit Felsaufschlüssen. Es soll die repräsentativste Steilküste auf Saaremaa sein, aber sie ist nicht die größte. An diesen Stellen sieht man schön die verschiedenen Schichten, die die Meeresorganismen über Jahrmillionen seit dem Silur-Zeitalter gebildet haben, dazu die Verwerfungen durch die Tektonik. Um diese Pulli pank zu erreichen, bedarf es allerdings etwas Kletterarbeit, denn einen geeigneten Weg dorthin hat man nicht angelegt.

Jaani Kirche

Auf dem weiteren Weg nach Leisi kann man ab und zu zur Küste abbiegen. Etwa auf halbem Weg kommt man an der kleinsten Kirche Saaremaas vorbei, der Jaani Kiriku, die vom Ende des 17. Jahrhunderts stammt. Sie wurde für Aussätzige gebaut, war daher keine Burgkirche und besitzt deshalb einen Turm. Leider ist sie verschlossen.

Da wir überlegen, den Weg weiter nach Tallinn über die Insel Hiiumaa zu nehmen, fuhren wir zum Fährhafen in Triigi. Außer dem Fährhafen ist dort jedoch nichts weiter. Der besteht aus der Rampe, der Hafenaufsicht und einem kleinen Café. Viermal am Tag verkehrt die Autofähre zwischen den Inseln.

Ein Zwischenstopp in Leisi (Laisberg) ist nicht von langer Dauer. Man ist in fünf Minuten durch den äußerst ruhigen Ort gelaufen. Die kleine orthodoxe Kirche am Südrand Leisis ist auch verschlossen.

Bockwindmühle auf Saaremaa

Den letzten großen Stopp auf der Rundfahrt legten wir in Angla ein, südlich von Leisi gelegen. 1925 standen auf dem dortigen Hügel noch neun Windmühlen. Es soll ein besonders windiger Ort auf der Insel sein. Überlebt haben vier typische Bockwindmühlen und eine Holländermühle, die von innen zu besichtigen ist. Zum Gelände gehört auch das Kulturzentrum Angla, in dem ein Museum über die Geschichte der Gegend eingerichtet ist. Auf dem Außengelände stehen noch alte landwirtschaftliche Maschinen und Kutschen. Der Eintritt in dieses Ensemble kostet 3,50€ pro Person. Landestypische Handwerkskunst wird angeboten, die hier aus Kalkstein gefertigt wird, welche wir bisher auf den Märkten aus dekorativem Wacholderholz gemacht sahen, wie Dosen, Untersetzer, Mörser und andere Gebrauchsgegenstände.

Farbtupfer

Was macht man mit einem toten Baum, der frei zwischen anderen einzelnen Bäumen in der Landschaft steht? Klar, man malt ihn an und sorgt so für gute Laune. Diesen Baum findet man an der Straße 10 auf dem Rückweg nach Orissaare, rechte Seite.

Saaremaa (Ösel)

Werk der Riesen?

Die estnische Insel ist knapp dreimal so groß wie Rügen. Sie besitzt so viele Sehenswürdigkeiten, dass man sicher mehr als zwei Wochen braucht, um sie alle zu erleben. Zum größten Teil sind es natürliche Szenarien, wie Steilwände aus Kalkstein, Seen, Quellen und Wanderwege. Über unsere Entdeckungen in und um Orissaare und Kuressaare habe ich schon berichtet. Inzwischen haben wir uns die Halbinsel Sölve im Südwesten Saaremaas angesehen und waren in Panga im Norden der Insel. Irgendwie kommt man sich auch nach Schottland versetzt vor, denn hier begrenzen, wie dort, kleine Steinmäuerchen die Grundstücke.

Leuchtturm am Kap Sölve

Im Süden Sölves ist das gleichnamige Kap mit dem Leuchtturm zu finden. Genau dieses Land konnten wir vom Leuchtturm in Slitere aus sehen. Nun guckten wir in die andere Richtung und sahen Kap Kolka in der Ferne. Genau wie dort hat sich am Kap Sölve auch eine Landzunge gebildet, nur dass diese hier aus Kies besteht. Kreuzseen gibt es jedoch keine. Auf Saaremaa gibt es wohl keine Sandstrände, da die Küsten alle aus Kalkstein bestehen, wie die gesamte Insel.
In der Nähe des Leuchtturms sind die Reste einer sowjetischen Militärstation zu besuchen. Eintritt kostet 4,-/2,-€. Dazu gehören Bunker von außen, Geschützfundamente, verschiedene Gebäude und viele verschiedene und verrostete Technikteile sowie Utensilien.

Visitorcenter Vilsandi Park

Da wir die Straße an der Ostseite hinunterfuhren, wollten wir an der Westseite wieder nach Tehumardi zurück fahren. Leider sind auch dort die meisten Straßen unbefestigt. Dazu kommt, dass an dieser Halbinselseite die Sehenswürdigkeiten versteckt sind, wie Steilwände, Aussichten und Wanderwege. Wir wollen unseren Autos die Tortur nicht immer antun, deshalb fuhren wir nach Loona weiter. Der Ort liegt kurz vor Kihelkonna. Dort befindet sich die Parkverwaltung des Vilsandi Nationalparks, in der wir erfuhren, dass der allergrößte Teil dieses erlebenswerten Parks nur zu Fuß oder per Fahrrad zu erreichen ist. Mit dem E-Bike kein Problem, doch wir besitzen nur normale Fahrräder und sind zudem untrainiert. Es existiert sogar ein Wander-/Fahrradweg auf die Insel Vilsandi, der bis dorthin über mehrere weitere Inseln führt. Hin und zurück fährt man da schon um die 50km.

letzter Glockenturm Estlands

So fuhren wir noch nach Kihelkonna hinein, um uns die Fährstation nach Vilsandi anzusehen. Wieder führt eine 5km lange Schotterpiste dorthin. Im Visitorcenter in Loona hatten wir erfahren, dass die Fähre eigentlich ein Wassertaxi ist, das auf Abruf bereit steht. Hin- und Rückfahrt kostet 50,-€, ob man nun allein, zu zweit oder mit einer Großfamilie kommt.
Nahe der Kirche von Kihelkonna steht ein alter Glockenturm. Die meisten Kirchen auf Saaremaa und anderen Inseln Westestlands wurden als Burgkirchen ohne Turm gebaut. Sie dienten der Bevölkerung als Schutzraum bei Überfällen. Daher standen die Glockentürme etwas abseits. Im 17. Jahrhundert noch aus Holz, ersetzte man sie im 18. Jahrhundert durch Steinbauten. Früher gab es viele dieser Glockentürme. Dieser in Kihelkonna ist der letzte in Estland überhaupt.

Panga Cliff

Als letzte Station unserer Rundfahrt auf Saaremaa suchten wir uns das Pangacliff aus. Wie sich herausstellte, ist es wohl der schönste Platz auf der ganzen Insel. Der große Parkplatz Panga pank wurde erneuert. Er liegt direkt am Cliff. Der höchste Punkt der Steilküste misst 21,3m über dem Meeresspiegel. Senkrecht fällt die Küste ab. Dabei sind die verschiedenen Schichten des Silurzeitalters zu erkennen. Eine Infotafel am Parkplatz klärt darüber auf, was man vor sich hat. Während an anderen Steilküsten Saaremaas viele Fossilien aus dem Silur zu finden sind, hält sich die Ausbeute in Panga sehr in Grenzen. Es ist trotzdem ein unglaublich schöner Ort. Die Steilwand selbst ist 3km lang und umfasst die gesamte Spitze der Halbinsel Panga. Man kann an der oberen Kante der Steilwand entlanglaufen, durch einen niedrigen Kiefernwald mit Wäldern aus Storchenschnabel und vielen Orchideen, oder man genießt die Aussicht von unten die Wand hinauf. Neben zwei abenteuerlichen Abstiegen über Stricke und eine angelehnte Holzleiter, links vom Parkplatz, kann man auch den Weg vom kurz vorher befindlichen Kamtschatka Camp aus nehmen. Das Wasser ist glasklar.

„Mustjala Mustard“

Übernachtet haben wir auf dem sehr schönen Campingplatz in Tehumardi, kurz vor der Sölve Halbinsel, und auf dem Parkplatz am Cliff, der kostenfrei ist. Es ist wieder ein Punkt, von dem aus Sonnenauf- und Sonnenuntergang zu beobachten sind. Uns wurde ein Sonnenuntergang zuteil, der blutrot war, kein bisschen gold oder orange, nur blutrot. Unglaublich, aber er wirkte dadurch schon fast etwas bedrohlich. Trotzdem gab es einen wunderschönen nächsten Tag.
6km östlich von Panga, dort wo die Nebenstraße bei Pahapilli auf die größere Straße trifft, hat sich ein deutsches Paar niedergelassen. Sie verdienen sich ihre Brötchen mit dem Verkauf von selbstgemachtem Senf, Chutneys und Wacholdersirup. Ihre Marke heißt „Mustjala Mustard“ und probieren ist selbstverständlich. Wir interessierten uns für den Senf. Da werden Sorten mit Wacholder, Preiselbeeren, Aronia und vielem mehr angeboten, was in der Natur zu finden ist. Lecker sind alle Sorten und die Wahl fällt schwer.

Seekohl

Apropos Natur: die hat uns wieder einmal eine Bereicherung unseres Speiseplans beschert. Am kiesigen Strand bei Panga wachsen Wiesenkerbel, Sauerampfer, Wacholder und … Seekohl. Vom Seekohl, Meerkohl, die Pflanze hat viele Namen, hörten wir zum ersten Mal in dem englischen Buch „Food for Free“. Schon auf den Britischen Inseln hielten wir Ausschau, aber ohne Erfolg. Hier in Panga wächst der Seekohl vollkommen unerwartet. Die Pflanzen sind zu dieser Jahreszeit schon ziemlich alt und viele Teile sind bitter, aber die kleinen Blätter nahe der Blütenstände schmecken echt lecker. Wenn die Pflanzen jung sind, können alle Teile verwendet werden. Wir haben uns mit den jüngeren Blättern begnügt und ein schmackhaftes Essen daraus gemacht. Dieser Link führt zum Rezept.

Wie wir schon erwähnt haben, findet man an manchen Steilwänden Saaremaas Fossilien aus dem Silurzeitalter. Hier ein paar Beispiele, wie Muscheln, Korallen und Quarzknollen.

Fähre Piret

Nach neun wundervollen Tagen auf Saaremaa verließen wir die Insel mit der Fähre Töll. Auf halbem Weg begegnete uns die Fähre Piret, mit der wir auf die Insel kamen. Da war doch noch was? Der Große Töll und seine Frau Piret, das Riesenpärchen, welches auf Saarema lebte und den Menschen hilfreich war. Sie hinterließen sogar Spuren auf der Insel, wie Legenden berichten. Die Odalätsi Quellen im Nordosten sollen entstanden sein, als Töll mit dem Teufel kämpfte. Dort wo sie mit ihren Füßen auftraten, entstanden die Quellenlöcher. Der Koltsi See auf der Halbinsel Sölve entstand, nachdem sich Töll nach einem schweren Arbeitstag an dieser Stelle zum Ausruhen ins Moos legte. Zwei schöne Geschichten.

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