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Lucca

Von Pisa aus starteten wir zu einer Tages-Rundtour über San Giuliano Terme nach Lucca. Auf dem Rückweg besuchten wir die Marina von Viareggio und sahen uns den nächsten Stellplatz in Torre del Lago Puccini an.

Nur knapp 5km von Pisa entfernt liegt San Giuliano Terme. Es ist ein kleiner Ort mit dem Palazzo delle Terme, ein Hotel, als Mittelpunkt. Oberhalb der Bagni di Pisa ist eine Art kleiner Kolonadenbau zu sehen. Schon die Römer nutzten die Thermalquelle. Im Sommer sieht das alles wahrscheinlich viel schöner aus, wenn alles grün ist. Die Natur erwacht hier erst aus dem Winterschlaf, ist aber immerhin schon gut eineinhalb Monate dem deutschen Frühling voraus.

San Giuliano Terme

In Lucca fanden wir am heutigen Sonntag, gerade noch einen frei werdenden Parkplatz vor der Porta S. Pietri, dem großen Stadttor im Süden Luccas. Sonntags ist immer schlecht für Ausflüge, weil dann alle Italiener unterwegs sind.
Lucca geht auf eine etruskische Gründung zurück, Die Römer bauten zu ihrer Zeit das Straßennetz aus, welches zumeist rechtwinklig ausgerichtet ist. Ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts baute man eine Stadtmauer, deren Fertigstellung fast 150 Jahre brauchte. Sie ist so breit, dass auf dem Kamm der Mauer eine baumbestandene Allee Platz hat. Angeblich soll die Stadt nach dem Bau der Mauer niemals eingenommen worden sein.
Unser Spaziergang durch die Stadt begann also an der Porta S. Pietri.

Porta St. Pietri

Wenn man sich geradeaus hält, kommt man zum Corso Garibaldi. Gerade zu diesem Zeitpunkt blühen die Magnolien über und über, und am Corso Garibaldi stehen diese Bäume zu beiden Seiten, ein spektakulärer Anblick. Ich glaube, die meisten Leute machten heute die meisten Bilder von dieser Straße.

Magnolientraum in der Corso Garibaldi

Wenn man sich weiter geradeaus hält, gelangt man mitten ins Zentrum von Lucca. Vorbei an der Piazza Napoleone erreicht man zwei Blocks weiter die aus weißem Marmor erbaute Kirche San Michele in Foro.

Kirche San Michele in Foro

In der Antike besaß Lucca auch ein Amphitheater. Dies existiert nicht mehr, aber der Platz ist noch da. In genau der gleichen Form des antiken Theaters stehen heute Häuser um die „Arena“ herum. Der Platz mittendrin, die ehemalige Arena, ist heute ein beliebter Aufenthaltsort mit Kneipen und Restaurants rundherum. Es ist der Platz mit der meisten Sonne in der Altstadt. In den engen Gassen ist das da schon schwierig, wie in allen diesen alten Ortskernen.

Piazza Amfiteatro

An unserem Besuchstag fand in Lucca ein Trödelmarkt statt, der von der Piazza Napoleone bis zur Kathedrale reichte. Ein ganzes Altstadtviertel war ein einziger Trödel- und Antikmarkt. Das Angebot reichte von selbstgemachtem Schmuck bis hin zu antiken Möbeln. Man hätte den ganzen Tag stöbern können. Keine Spur von Klamotten aus Fernost.

Trödelmarkt an der Piazzo Napoleone

Zum Abschluss unseres Rundganges kehrten wir in den Irish Pub „The little Folk“ an der Via San Girolamo ein. Der Pub ist sehr klein. An der Straße liegen nur ein Außenverkaufsfenster und eine Türe. Innen ist der Pub urig. An der Bar, die fast den halben Pub einnimmt, werden Guiness und Ales ausgeschenkt. Zur Feier des St. Patrick-Day gab es zu jedem Guiness eine schicke Mütze dazu. St. Patrick ist der Schutzpatron der Iren, der jedes Jahr am 17. März gefeiert wird.

den Hut gab´s zum Bier dazu

In Viareggio fuhren wir zur Marina, in der Hoffnung, von dort aus den Strand und die Promenade zu erreichen. Daraus wurde nichts, weil die Marina riesig ist, die größte auf unserer Italien-Tour, mit den größten Yachten, und einer Werft. Drumherum kann man alles kaufen, was das Bootsbesitzerherz höher schlagen lässt.

Marina von Viareggio

Zuletzt sahen wir uns noch kurz am Strand von Torre del Lago Puccini um, weil wir morgen dorthin umziehen wollen. Da soll es eine Überraschung für uns geben. Mal sehen, ob die noch da ist.? Zum Glück haben wir diese Tour gemacht, denn es steht wieder eine viel zu niedrige Brücke im Weg zum Strand. Da müssen wir wohl eine andere Straße nehmen. An solch einer niedrigen Eisenbahnunterführung scheiterten wir schon in Grosetto, weshalb wir mit einer Tankstelle vorlieb nehmen mussten.

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Carrara

Im Hinterland zwischen Lucca und Carrara türmen sich die Apuanischen Alpen schroff gen Himmel. Die höchsten Gipfel erreichen knapp 2000 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Kommt man nach Carrara, dann sieht man schon die kahlen Gipfel, die aussehen, als würden sie immer noch Schnee vom letzten Winter tragen. Diese weißen Narben sind Marmorsteinbrüche, die schon zu römischen Zeiten genutzt wurden. Entlang der Via Aurelia haben marmorverarbeitende Betriebe ihren Sitz. Ihre Höfe sind vollgestopft mit großen Marmorblöcken, die auf ihre Auslieferung oder Verarbeitung warten.

Marmor wohin man blickt

Es gibt drei große Steinbrüche: Ravaccione, Colonnata und Fantiscritti. Von Carrara aus am besten zu erreichen ist Fantiscritti, eine gigantische Kulisse schon aus der Ferne. Die schmale Straße, durch die Stadt Carrara kommend, windet sich die Berghänge hinauf, bis direkt ins Zentrum des Geschehens. Man sollte jedoch als Tourist beachten, dass die Lastwagen Vorfahrt haben, denn die haben es immer eilig, um von einem Punkt zum anderen zu kommen. Mit fast wahnwitziger Geschwindigkeit befahren sie die Serpentinen.

Straße zur Grube Fantiscritti

Am Ende der Straße befindet sich der Parkplatz der Grube Fantiscritti. Man kann die Relationen kaum fassen, in denen hier gearbeitet wird. In schwindelerregenden Höhen und auf schmalen Wegen, die Abgründe sind tief, arbeiten die gigantischen Maschinen. Die Geräusche von Presslufthämmern, Baggerschaufeln und LKW-Motoren erfüllen die Luft ringsherum. Manchmal wurden sogar Stollen in die Hänge getrieben. Unglaublich.

Riesenmaschinen erscheinen winzig klein im gewaltigen Berg

Um alles hautnah zu erleben, werden „Marmor-Touren“ im Geländewagen angeboten: 50 Minuten für 12,-€. Oder man sieht sich das kleine Marmor-Museum „Cava Museo“ für 2,-€ Eintritt an. Hier wird die Geschichte des Marmorabbaus von Anbeginn dargestellt.
In der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v.Chr. begann man, den Marmor abzubauen. Die Römer und Griechen benutzten ihn für ihre Thermen, Häuser oder für Möbel. Jede Menge Sklaven schufteten für den Wohlstand der beherrschenden Mittelmeerländer. Bis ins 19. Jahrhundert hinein änderte sich wenig an der Abbautechnik. Zuerst wurden die Blöcke mit Holz, welches sich unter Wasserzugabe ausdehnte und den Marmor aus der Wand sprengte, aus dem Berg gebrochen. Später übernahmen Stahlkeile die Funktion des Abspaltens. Heutzutage wird dem Marmor mit Bohrern und Sägen zu Leibe gerückt. Die Arbeit war und ist bis heute schwierig und gefährlich.

Steine spalten mit Stahlkeilen

Den Abtransport der Blöcke übernahmen zu Römerzeiten Menschen, die sie mit Hilfe von Seilen, Flaschenzügen und Holzbohlen den Berg hinunter schafften. Später übernahmen diese Arbeit Esel und Ochsengespanne mit bis zu 24 Tieren. Manche Blöcke wurden an Ort und Stelle von sogenannten Quadratoren mit Hammer und Meißel in viereckige Formen gehauen.

der Quadrator

Im 19. Jahrhundert kam die Eisenbahn und erleichterte wenigstens den Abtransport des Marmors. Der Abraum blieb liegen und behinderte irgendwann die normale Arbeit. Niemand wusste wohin damit. Marmor zersetzt sich ja nicht mit der Zeit. Inzwischen wird auch dieser genutzt, z.B. in der Pharma- und Kosmetikindustrie, die Marmormehl in Zahnpasta, Cremes und sogar in die Sahne geben. Außerdem wird es als Futterzusatz für Hühner und in der Wäscherei verwendet. Das klingt etwas befremdlich, aber Marmor ist nichts anderes als eine Form von Kalk, und zwar zu 99%. Eine andere Möglichkeit den Abraum zu verarbeiten, ist, den Stein mehlfein zu mahlen und zu pressen und damit z.B. Skulpturen zu erschaffen. Früher war das wohl auch noch Handarbeit. Heutzutage übernehmen CNC-Maschinen die Grobarbeit, bis hin zu einer Feinheit, dass der Mensch eigentlich nur nur die Kanten wegschleifen muss. So entstehen Skulpturen, Brunnen und was auch immer.

so werden Skulpturen heute gemacht

Im Shop der Grube Fantiscritti kann man tolle Sachen aus diesem Pressmarmor, aber auch aus echtem Marmor, Onyx aus Pakistan oder der Türkei, und anderen Marmorarten kaufen. Aus überall in der Welt kommen die Materialien, die hier in Carrara zu Platten, Nutzgegenständen und vielem mehr werden. Es wird also nicht nur einheimischer Marmor verarbeitet.
Vor allem das „Marmorobst“ ist der Knaller. Es ist von echtem Obst nicht zu unterscheiden.

Das ist doch echt, klar! – Nein, ist es nicht, alles Marmor.

Wie entstand eigentlich der Marmor selbst? Vor zweihundert Millionen Jahren breitete sich im Bereich der Apuanischen Alpen ein flaches tropisches Meer aus. Korallen besiedelten damals die Meere, starben ab und bildeten Kalkablagerungen. Das Kalk wurde immer mehr und schwerer, so dass sich der Boden absank und sich die unteren Schichten verdichteten. Hoher Druck und Temperaturen bis zu 450 Grad sorgten dafür, dass aus den Kalkskeletten der Korallen, aus Muschelschalen und Kalkskeletten anderer Tiere Millionen Jahre später Marmor wurde. Je nachdem, was für Beimischungen im Kalk enthalten waren, besitzt der Marmor heute viele verschiedene Farben und Maserungen. Auch die Qualitäten sind unterschiedlich.

Von weißgrau bis bunt ist alles vertreten.

Zu dem Museum gehört auch die Hütte des Grubenverantwortlichen. Sie besaß nur einen Raum, in dem er lebte, arbeitete und schlief, inmitten der vielen lauten Geräusche des Steinbruchs. Nachts war er dann praktisch in Bereitschaft.

Es gibt sogar eine Verbindung von Carrara zu Abu Simbel. Schweden bekam 1964 bis 1968 den Auftrag, die Tempel von Abu Simbel vor den Wasser des neu anzulegenden Nasser-Stausees zu retten und zu versetzen. Eine Gruppe aus Carrara leitete die über 3000 Männer, die diese Leistung vollbrachten, bei ihrer wichtigen Arbeit an.

Voller neuer und gewaltiger Eindrücke fuhren wir zum Stellplatz, ein Parkplatz am Carrarafiere in Marina di Carrara zurück. Die Gemeinde kann sich sogar Parkplatzabgrenzungen aus Marmor leisten. Überall, wo man hinsieht, sieht man Marmor. Mehrere große Skulpturen zieren den Strand und die Promenade des Ortes, Mauern und Böden sind mit Marmorplatten belegt. Sogar die Wellenbrecher an der Mole bestehen aus Marmor. Wo hat man das schon?

Marmorskulptur am Strand von Marina di Carrara

Marina di Carrara ist ein Ferienort mit einer kleinen Stadt dahinter. Von vielen Stellen, und ganz besonders vom Strand aus, kann man die grandiose Kulisse des Fantiscritti-Steinbruchs bewundern. Da muss man einfach immer wieder hinsehen.

Carraras Kulisse vom Strand aus

Torre del Lago Puccini

Im letzten Beitrag über Lucca habe ich geschrieben, dass hier eine Überraschung auf uns wartet. Den Tipp haben wir von unseren lieben Kiwis Sarah und Jason bekommen, mit denen wir mehrere Wochen in Giardini-Naxos auf Sizilien verbrachten. Thank you so much for this great experience.

Wir standen auf dem großen Parkplatz am Kreisverkehr von Torre del Lago Puccini. Der Ort besteht nur aus Großbädern und Restaurants, keine Hotels, nicht einmal Fereinhäuser. Die Strandstraße ist um einen Kilometer lang. Im Anschluss an diese Straße im Norden führt ein Wanderweg durch die Dünen bis nach Viareggio. Wie es aussieht ist dieser Wanderweg die originale Römerstraße Via Aurelia, mit dem typischen Schotterpflaster, welches wir schon in Roselle gesehen haben.

originale Via Aurelia?

Der Strand hier ist kilometerlang, mit feinem Sand. Treibholzfans finden an diesem Strand ihr Paradies. So viel schönes Treibholz wie in Torre del Lago Puccini haben wir noch nirgends in Italien/Sizilien gesehen.

ein Kunstwerk aus Treibholz

Nun will ich Euch aber nicht länger auf die Folter spannen. Was für eine Überraschung wartete denn nun auf uns? Erst muss es dunkel werden. In den Sonnenuntergang hatte sich mal wieder Saharasand gemischt und alles in difusem goldgelbem Licht erscheinen lassen.

Sonnenuntergang mit Saharsand

Die Nacht hatte gerade begonnen. Leise und unbemerkt lösten sich Schatten aus dem Dunkel. Wir lagen selbstverständlich schon auf der Lauer und warteten. Kein Licht im Wohnmobil, keine Jalousien vor den Fenstern, nur das Licht vom Parkplatz spendete etwas Helligkeit.
Ja, ja, ich sag es ja schon: Es sind Wildschweine, die jeden Abend aus dem kilometerlangen Park zwischen SS1 und Strand kommen. Vorsichtig suchten die Bache mit ihren fünf fast einjährigen Jungen nach Fressbarem, direkt vor unseren Augen. Eine gute viertel Stunde sahen wir uns das Schauspiel an und versuchten zu fotografieren. Leider sind unsere Kameras nicht wirklich für Nachtaufnahmen geeignet, trotzdem konnten wir das ein oder andere brauchbare Foto machen.

Wildschweine als abendlicher Besuch

Dann fuhr ein Auto vor und stoppte fast direkt zwischen uns und den Wildschweinen. Ich war schon sauer, aber schnell stellte sich heraus, dass die Leute die Wildschweine mit Maiskörnern füttern. Während die Schweine vorher bei größeren Bewegungen im Dunkel verschwanden, blieben sie jetzt ruhiger. Der Mann konnte die Bache sogar fast streicheln, kein Wunder bei dieser langen Beziehung. Bald darauf kam ein zweites Auto. Das Paar brachte Brot für die Wildschwine mit, bis kurz darauf ein drittes Auto kam und der Fahrer weiteres Futter verstreute. So haben beide Seiten ihren Vorteil: die Schweine bekommen Futter, denn im Winter ist der Tisch für sie nicht so reich gedeckt, und die Menschen haben ihre Freude daran und versuchen, die Tiere bei sich zu halten.
Nachdem wir dem Treiben eine Weile zugesehen haben, gingen auch wir hinaus, um hautnah dabei zu sein.

wunderschöne Tiere

Das Schauspiel dauerte eine gute dreiviertel Stunde, bis der erste Hunger der Schweine gestillt war und sie wieder im Dickicht des Parks verschwanden, auch die Autos fuhren weg. Die Jungen waren vier weibliche Tiere und ein männliches. Die Bache verstieß den Jungen immer wieder, weil er vielleicht zu aufdringlich wurde. Vielleicht ist jetzt auch bald die Zeit gekommen, da er die Familie verlassen und sich nach einem eigenen Revier umsehen muss. Jedenfalls kam er noch einige Male, um weiter zu futtern.
Es war das beste Abendprogramm, welches wir auf der ganzen Reise hatten, vielleicht auf fast allen unseren Reisen. Es war einfach wunderschön. Da musste ich zurück an meine Kindheit denken, als wir im Winterurlaub im Harz ebenfalls auf halbzahme Wildschweine trafen. Leider hatten wir damals kein Futter dabei.

Zwischen 19 und 20 Uhr bezog ich Stellung am Parkplatz La Dune Beach, einen halben Kilometer nordwärts. Ich sah die Spuren, wo die Wildschweine in die Dünen kommen. Es war jedoch noch nicht spät genug und so ging ich unverrichteter Dinge wieder zurück. Dabei traf ich doch noch auf ein Tier, welches sich vorsichtig und lautlos auf den Weg in die Dünen machte. Es war ein kapitaler Damhirsch. Meine Freude darüber war grenzenlos. Leider ist dieses Foto nichts geworden. Eine zweite Chance bekam ich nicht, da ein Mopedfahrer seine Spaßrunde drehte und vorbeikam. Der Hirsch verschwand im Dunkel.

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