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Marsala

Inzwischen haben wir den Westen der Insel Sizilien erreicht. Je weiter man sich nach Westen bewegt, umso windiger wird es. Die oft starken Böen sind schon manchmal unangenehm, vor allem wenn man am Strand steht oder geht.
Wir sind seit Gela immer auf der ss115 gefahren, die sich die Sud-occidentale Sicula nennt. Diese Straße führt durch abwechslungsreiche sizilianische Landschaften, mal Berge, mal Hügel und mal flach. Um die zahlreichen Flusstäler zu überqueren, wurden viele neue Brücken gebaut, die zum Teil ziemlich hoch und auch ziemlich lang sind. Manchmal fährt man aber auch durch Tunnel. Ab und zu sind, meistens auf Bergspitzen sitzend, antike Überbleibsel zu sehen.

auf dem Weg Richtung Westen

Vor allem seit Selinunte breiten sich wieder viele Weinanbaugebiete rechts und links der Straße aus. Auf der Suche nach einem Stellplatz bei Marsala stießen wir auf den Platz am Beach Sibiliano Village. Der sah sehr gut aus und mit 7,-€ inkl. Strom und Wasser wäre er auch billig gewesen. Der Platz ist für Wohnmobile bis 12m ausgewiesen, aber die Zufahrten sind wieder viel zu eng. Da hatten wir mit unseren 10m schon fast Probleme. Als wir den Platz endlich erreichten, war er geschlossen, obwohl geöffnet sein sollte. Offensichtlich ist dies schon länger so. Da wir dort keine Möglichkeit mehr zum Wenden hatten und dazu noch Diesel bei laufendem Motor verloren, mussten wir uns den nebenan liegenden Parkplatz am Strand als Stellplatz aussuchen. Da war zwar eine Kette davor, aber was sollten wir machen? Es dauerte auch nicht lange, bis der Besitzer kam und meinte, wir könnten dort nicht stehen. Er war sehr nett und als wir ihm anboten, für die Übernachtung zu bezahlen, hellte sich sein Gesicht auf. Für 5,-€ pro Nacht können wir jetzt in Ruhe stehen bleiben. Wenn wir Wasser brauchen, könnten wir uns das bei ihm holen. So haben wir eine schöne Ausgangsbasis für Ausflüge nach Marsala und Mazara.
Das Problem mit dem auslaufenden Diesel stellte sich zum Glück als minimal heraus: es hatte sich nur eine Leitung gelöst, die Klaus austauschte.
Die Sonne ging am Abend in diffusem goldenen Licht unter, welches reichlich Saharasand verursachte. Der Wind wehte heftig.

goldener Sonnenuntergang dank Saharasand

Marsala ist für seinen Wein weltberühmt. Vor allem in die englischsprachigen Staaten, allen voran USA und Australien, wird der Marsala-Wein (Portwein) exportiert. Mit Hilfe von Google Maps fanden wir die Cantine Pellegrino 1880. Sofort fuhren wir hin, um zu sehen, ob wir uns einer Führung oder wenigstens einem Tasting anschließen könnten. Wie wir erfuhren, war dies der erste Tag, an dem das Tor wieder für Besucher geöffnet ist. Im Januar war allgemein geschlossen und im Februar ist nur vormittags jeweils eine Führung möglich. Ab März gelten dann wieder die offiziellen Öffnungszeiten. Für eine Führung muss man sich jedoch anmelden, so dass wir am nächsten Morgen zu 11 Uhr noch einmal hinfahren mussten.

Besuchergebäude der Cantine Pellegrino 1880

Die Führung kostet 10,-€ pro Person und dauert ca. 1 Stunde. Im Preis enthalten sind ein Weinglas, drei verschiedene Kleingebäcke und drei Weinproben. Unsere Gruppe bestand aus einem Australier, drei Italienern und uns beiden, also sehr überschaubar. Die Führung übernahm Frau Neff, eine Bayerin, die mit einem Sizilianer aus Marsala verheiratet ist und nun selbst in Marsala lebt. Sie spricht also deutsch, englisch und italienisch. Bei unserer kleinen Gruppe kam also jeder auf seine Kosten, Fragen konnten jederzeit gestellt werden. Ob dass im Rahmen einer Reisegruppe ebenso möglich ist, wage ich zu bezweifeln.
Schon die Phönizier siedelten im 6. Jahrhundert v. Chr. in Marsala, was verschiedene Ausgrabungen zutage förderten. Im Garten der Cantine Pellegrino sind Kindergräber einer Nekropole zu besichtigen, die aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. stammen.

Teil einer punischen Nekropole mit Kindergräbern

Dann kamen bald die Römer, die in Marsala begannen, Wein zu kultivieren. Die Engländer brachten 1833 den bis dahin sehr beliebten Portwein nach Marsala. Der erste Weinkeller für Marsala-Wein war die Cantine Florio, die am Hafen zu finden ist. Vor deren Tor sind noch Reste des Anlegers für die Transportschiffe zu sehen.

Eingangstor der Cantine Florio

Der Ursprung von Portwein liegt auf Madeira. Irgendwann brachte man die Produktion nach Porto in Portugal, wo der Wein seinen Namen bekam. Als dritte Portwein-Produktionsstätte wählte man Jerez de la Frontera in Südspanien aus, und dann kam man 1833 nach Marsala. An allen Standorten ist die Weinherstellung dieselbe. Da der meiste Wein zu Anfang in England verkauft wurde, nannte man ihn Portwein, da dort sowieso niemand wusste, von welchem Standort der Wein kam. Heute ist der Name Portwein rechtlich geschützt, so dass er also Madeira-Wein, Portwein, Sherry und Marsala-Wein heißt.

Zuerst bekamen wir erklärt, welche Trauben im Marsala-Wein verarbeitet werden. Es sind drei weiße Trauben und eine rote Traube. Die weißen Trauben heißen Grillo (eine Kreuzung Ende des 19. Jahrhunderts aus der Catarratto und Zibibbo-Traube), Inzolia (einst von den Griechen nach Sizilien gebracht), und Zibibbo (brachten die Araber mit). Von der roten Traube Nero d´Avola (die es seit dem Ende des 17. Jahrhunderts auf Sizilien gibt) hörten wir schon in Avola. Aus diesen vier Trauben werden in der Cantine Pellegrino 1880 zwölf Weine hergestellt. Zum Betrieb gehören nur 150 Hektar Weinreben, der Rest des Bedarfs wird von Genossenschaften im Raum Trapani zugekauft. Außerdem werden Moscato-Trauben (von der Insel Pantelleria) verarbeitet. Die Palette reicht aber auch von Grappa über Limoncello bis hin zu Kräuterlikör. Da findet jeder Weinliebhaber etwas für sich.

Garten mit den vier Weinsorten Marsalas

Der Wein wird also gelesen, vermostet und in riesigen Fässern gelagert, die es in verschiedenen Größen (z.B. 50hl, 65hl oder gar 110hl) gibt. Für die endgültige Reifung wird der Wein in kleinere 125l-Fässer umgefüllt. Dort bleibt er, bis er in Flaschen abgefüllt werden kann.
Bei der Führung durch die Weinlager kann man die Fässer besichtigen. Aus den großen Fässern werden dann die drei Weinproben gezapft, die zur Führung gehören. Dazu wird jeweils das richtige Kleingebäck/Schokolade gegessen.

Wein zapfen aus den Riesenfässern

Berühmt für Sizilien sind auch die kleinen, buntbemalten und mit Schnitzereien verzierten Karren, die von Eseln gezogen wurden. Vier noch originale Karren, zählen zum UESCO-Weltkulturerbe, sind für die Besucher ausgestellt. Mit den buntbemalten Karren wurden Menschen zu besonderen Anlässen gefahren. Für den normalen Betrieb, auch im Weinbau, benutzte man schlichte Karren.

traditionelle sizilianische Karren

Zu besichtigen sind ebenfalls ein Arbeitsplatz und Werkzeuge für die Küfer (Fassbau), sowie alte Fotografien.

Die Cantine Pellegrino 1880 beteiligte sich auch an der Rekonstruktion eines punischen Schiffes, welches in den seichten Salinen Marsalas gefunden wurde. Die Rekonstruktion fand direkt in einem der Weinlager statt. Das fertige Schiff steht seitdem im Museo Archeologico Regionale Lilibeo Marsala. Fotos, Erklärungen und ein paar Kopien von Teilen des punischen Schiffes zeugen an dieser Stelle von der Arbeit der Cantine.

Erinnerung an die Rekonstruktion des punischen Schiffes von Marsala

Alles in allem war dies eine sehr interessante und entspannte Führung. Im Anschluss hat man die Möglichkeit, weitere Weine zu probieren und diese auch zu kaufen. Die Preise sind recht hoch, aber dafür bekommt man etwas sehr exklusives. Alle Arbeiten bei der Weinherstellung werden per Hand erledigt, keine Maschinenarbeit. Portweine, vor allem die süßen, liegen bei uns ganz vorne.

Auswahl der Marsala-Weine der Cantine Pellegrino 1880

Eine andere Sehenswürdigkeit sind die Salinen nördlich von Marsala. Man kann von der Küstenstraße aus das Gelände überschauen, welches in viele Becken unterteilt ist, in dem sich das Meersalz durch Verdunstung sammelt. Mit Hilfe von Windmühlen wurde früher das Wasser in die Becken gepumpt. Sie sind heute nicht mehr funktionstüchtig. Salz wird aber immer noch gewonnen, wenn auch nicht in großen Mengen. Wer mehr über die Salinen wissen möchte, kann eine Führung für 7,-€ buchen.

Saline im Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala

Die Salinen, Heimat von Rosaflamingos, liegen gemeinsam mit mehreren Inseln im Naturschutzgebiet Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala. Die langgestreckte Insel Isola Grande schützt die Lagune vor den Unbilden der offenen See. Es werden Rundfahrten durch die Lagune für 5,-€ angeboten. Die bekannteste Insel ist San Pantaleo, auf der die antike Stadt Mozia (Mothia) lag. Auch sie wird mit einem Boot zu einer Besichtigung angefahren, was dann 10,-€ kostet. Unter den Phöniziern blühte die Stadt, die die gesamte Insel einnahm, zu einer sehr bedeutenden Handelsstadt im Mittelmeerraum auf. Wie viele punisch/griechische Gründungen auf Sizilien wurde auch Mozia durch die Karthager zerstört und nie wieder aufgebaut. Nur ein paar Ruinen und ein Museum erinnern an die einst mächtige Stadt.

Rosaflamingos fühlen sich in Salinen wohl

Im Infocenter erfuhren wir von einer verschwundenen punischen Straße vom Festland nach Mozia. Vor gut 2000 Jahren lag der Meeresspiegel einige Zentimeter tiefer als heute. So konnte eine Straße gebaut werden, die Mozia mit dem Festland im Bereich Birgi verband, ca. 1,7km lang und 7m breit war. Der Unterbau war ein Damm von bis zu 12,5m Breite. Die Straße wurde bis mindestens 1605 genutzt.

Festlandende der verschwundenen punischen Straße

Seit der Intensivierung des Weinanbaus im 18. Jahrhundert nutzte man die Straße dann wieder regelmäßig, und zwar mit den vorher schon erwähnten Karren. Deren Räder beschädigten die alten Steine der Straße jedoch erheblich, so dass sie irgendwann nicht mehr befahrbar war. Das ist einige Jahrzehnte her. Inzwischen liegt sie bis zu einem Meter unter Wasser, aber auf Google Maps ist sie noch zu erkennen.

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San Vito Lo Capo

Das westlichste Kap im Norden Siziliens ist etwas für Naturliebhaber, im Sommer auch für Badebegeisterte und Taucher. Der Strand der Stadt ist der schönste, den wir bisher in Italien/Sizilien gesehen haben, das Wasser ist tiefblau und glasklar, und die Landschaft ist einfach nur traumhaft. Jetzt im Winter hat man das alles fast für sich alleine. Entweder lässt man in Ruhe die Seele baumeln oder man unternimmt Wanderungen an den felsigen Küsten oder durch die Berge.

traumhafte Landschaft am Capo San Vito

Vom Leuchtturm aus nach Westen führt ein Weg zwischen der Küste und den Steilwänden entlang. In den Steilwänden sind unzählige Höhlen und Grotten zu finden, mal einfach zugänglich, mal nur mit bergsteigerischen Fähigkeiten und der entsprechenden Ausrüstung. Diese senkrecht abfallenden Kalksteinwände sind ein Kletterparadies, obwohl sie naturgemäß sehr bröckelig sind.

jede Menge große und kleine Höhlen und Grotten zieren die Kalksteinwände

In der Grotta di Cala Mancina wurden steinzeitliche Werkzeuge wie Faustkeile und Speerspitzen gefunden, berichtet eine Infotafel. Bis zu dieser Grotte ist ein guter Weg verfügbar. Will man noch bis zur Pferdehöhle weitergehen, muss man einem kleinen Trampelpfad folgen. Die Pferdehöhle und eine gleich links davon liegende große Höhle liegen etwas erhöht, so dass etwas Kletterei vonnöten ist, um dorthin zu gelangen. Wofür die weißen Kalksteine, exakt in länglichen oder runden Gebilden aufgestapelt, gut waren, wissen wir nicht. Es gibt mehrere davon, die sich in einem Gebiet konzentrieren.

mysteriöse Steinhaufen zwischen Meer und Felsen

Zum Wasser kommt man eher nicht, denn das Ufer ist über eine große Breite mit spitzen, hochstehenden Felsnadeln übersät. Auch hier, wie am Monte Cofano, sind wieder Stacheln von Stachelschweinen am Wegesrand zu finden, wenn man die Augen offen hält.

Entweder geht man denselben Weg dann wieder zurück oder man kommt irgendwann am Torre Isulitta aus dem 16. Jahrhundert, welcher auf einer Steilwandecke thront, heraus. Unterhalb des Turmes kann man einem kurzen Naturpfad am Fuße der Steilwand folgen.

Torre Isulitta

Ein anderes Wandergebiet befindet sich im Osten der Halbinsel Capo San Vito. Kostenlos ist der Weg hinauf zum 528 Meter hohen Monte Monaco. Kurz vor dem Gipfel, auf dem ein Kreuz steht, kann man hinunter zum Golfo di Cofano im Westen und zum Golfo di Castellammare im Osten sehen. Dort sind auch noch die Überreste zweier Steinbrüche zu erkennen.

Gipfelkreuz auf dem Monte Monaco

Für Schwindelfreie bietet sich vom Kreuz aus eine sicher aufregende 360°-Sicht, mit der Stadt San Vito Lo Capo zu Füßen. Einen guten Blick auf die Stadt mit Strand, Hafen und Leuchtturm hat man auch von etwas weiter unten.

Blick auf San Vito Lo Capo

Ich bin von der Ostseite des Berges aus gestartet. Von dort aus ist der Weg zum Monte Monaco gut ausgeschildert. Zurück auf die Westseite, zum Parking Camping Giovanni, auf dem wir ein paar Tage lang stehen, musste ich mir mit der App MapsMe den Rückweg suchen. Den kurzen Weg gibt es heute praktisch nicht mehr, wahrscheinlich zu steil und zu gefährlich, also nahm ich den langen Weg und kam direkt auf dem Gelände des Marmorsteinbruches heraus. Der Weg ist zwar auch stellenweise abenteuerlich, aber irgendwie muss man ja wieder herunter kommen.

Der Zugang zum Naturschutzgebiet Zingaro kostet 5,-€ pro Person, ab 65 Jahre ist auch dieses kostenlos.

Eingang zum Naturschutzgebiet Zingaro

Die gute Fee des vorher erwähnten Campingplatzes, Stella, kümmert sich mit viel Hingabe um ihre Gäste und den Platz. Manchmal kommt sie herum und gibt ein Gläschen Marsala-Wein für jeden Gast aus. Der Platz kostet 13,-€ pro Nacht, ab 3 Nächten 10.-€, inkl. Blick auf den Monte Monaco und den weiterführenden Bergrücken.

Sonnenuntergang am Monte Monaco

Stella wies uns darauf hin, dass im Sommer viele tolle Veranstaltungen, wie z.B. ein Ballonfest oder Couscousfest, stattfinden.

Trapani

Nach fast drei Tagen Sauwetter mit Regen, Sturm, Kälte und Dunkelheit, die wir auf dem Parking Le Saline im Südosten Trapanis zubrachten, kommt nun endlich die Sonne wieder zum Vorschein. Viel konnten wir in der Zeit nicht unternehmen, es war einfach zu eklig. Auf den Fotos kommt das auch nicht gut. Also guckten wir Videos, spielten Karten, fuhren mal zum Einkaufen oder was man sonst so macht.

Am Nachmittag des dritten Tages klarte sich der Himmel kurzzeitig auf und wir nutzten die Zeit, um den Salinen von Trapani und Paceco einen Besuch abzustatten, die ein Naturschutzgebiet sind. Mit dem Auto kann man sich nur am äußeren Rand der Salinen bewegen, aber es führen viele Fußwege hindurch. Der zentrale Punkt ist das Salzmuseum, welches auch Exkursionen durch die Salzpfannen anbietet.

Blick über die Salinen zum Monte Erice

Überall liegen Salzhügel verteilt, die statt schneeweiß eher grau sind, so lange liegen sie schon. Manche sind mit einer Schicht Dachpfannen geschützt. Die Salzproduktion läuft in Trapani nur von April bis Ende September, da die Wetterbedingungen keinen Abbau im restlichen Jahr zulassen, wegen fehlender Verdunstung. Im Winter werden die Becken gereinigt und mit dem inzwischen gesammelten Schlamm abgedichtet. Dann werden im Frühjahr die Salzpfannen wieder geflutet und der Zyklus geht von vorne los.

mit Dachziegeln geschützte Salzhügel

Die Salinen, wie überall in der Welt, sind ein Paradies für Vögel. Während wir auf der bisherigen Fahrt durch Italien und Sizilien noch nicht gerade verwöhnt wurden, was Vogelbeobachtungen angeht, haben sich in den Salinen von Trapani und Paceco schon einige Arten eingefunden. Mehrere Entenarten wie Löffelente, Brandgans und Spießente, Rotschenkel und vor allem die immer wieder faszinierenden Rosaflamingos tummeln sich in der geschützten Wasserlandschaft. Die tollen Farben der Flamingos kommen erst richtig im Sonnenlicht zur Geltung, erst recht wenn sie ihre Flügel ausbreiten. Ich kann mich kaum an ihnen sattsehen.

immer wieder faszinierend: Rosaflamingos

Endlich wieder ein Tag mit mehr Sonne als Wolken, so dass wir eine Fahrt im Uhrzeigersinn rund um das Bergmassiv machen konnten, auf dem Erice liegt. Die Straße führt bis nach Valderice meist bergan. Ab und zu hat man einen schönen Blick auf Trapani und die Küste mit den Salinen. Dann biegt man nach Norden ab und bekommt tolle Ausblicke auf diese Küste. Trapani liegt auf einer langen Landzunge und ist eigentlich überall von Wasser umgeben. Bei Sonnenschein leuchtet das Meer herrlich blau, nur die Strände sind jetzt überall mit Müll und abgestorbenem Seegras übersät, was wenig appetitlich ist.

Blick von Tonnare di Bonagia zum Monte Cofano

Klaus hat mich dann 10km vor dem Hafen Trapanis abgesetzt und ich bin zu Fuß zurück gelaufen, immer am Wasser entlang. Dabei kommt man an mehreren Sandstränden, Ruinen einer alten Thunfischfabrik und der stillen Rückfront Nordtrapanis vorbei. Der alte Fischmarkt, eine alte Festung (Bastione Conco) und ein alter Turm sorgen außerdem für Abwechslung auf dem Weg.

alter Fischmarkt

Ein Stadtbummel durch Trapani lohnt eigentlich nur entlang des Corso Vittorio Emanuele, wo sich sehr schöne Barockbauten ein Stelldichein geben. Sie als Flanier- und Einkaufsmeile zu bezeichnen, ist allerdings etwas übertrieben.

Dieses Detail am Corso Vittorio Emanuele erinnert mich an das Dresdner Schloss

Sehenswert ist auch die Front entlang der Fähranleger, wo unter anderem das Denkmal für Giuseppe Garibaldi, der 1890 in Trapani eintraf, zu finden ist. Über den Namen Giuseppe Garibaldi stolperten wir schon auf der ganzen Reise durch Italien/Sizilien. In Marsala erfuhren wir, dass er 1860 mit tausend Freiwilligen mit Schiffen in Marsala landete, um Sizilien von den letzten Besatzern zu befreien und Italien zu einigen.

nettes Detail gegenüber der Fähranleger

In Trapani wurde früher viel Rote Koralle verarbeitet, die immer noch vor den Küsten Siziliens gedeihen soll. Diese Korallenart ist inzwischen streng geschützt und so hat der Handel mit echter Koralle stark nachgelassen. Es gibt zwar immer noch Schmuckgeschäfte, in denen Korallenschmuck angeboten wird, der ist aber fast immer aus Plastik.

Markttag ist jeden Donnerstag auf dem Platz am großen Schwimmbad. Es gibt aber fast nur Klamotten und Krimskrams. Nur wenige Verkäufer bieten Obst, Gemüse oder Spezialitäten an. Der Fischmarkt am Hafen findet dagegen jeden Morgen statt.

Thunfischprodukte und Baccala (Trockenfisch) auf dem Wochenmarkt

Vor Trapani liegen die Ägadischen Inseln. Die drei größten heißen Levanzo, Favignana und Marettimo. Ihre hohen Felsen sind nicht zu übersehen. Die Inseln können vom Fähranleger Trapanis aus besucht werden. Es soll sich lohnen, aber dann wohl doch eher in der warmen Jahreszeit.

Mazara del Vallo

Wir haben die Hafenstadt Mazara besucht, weil im Reiseführer steht, dass die Altstadt durch ihr arabisches Flair besticht. Das einzig arabische, das wir gefunden haben, sind die verschlungenen und engen Gassen. Hier und da sind vielleicht noch arabische Stilelemente zu sehen. Aus der arabischen Zeit stammt jedoch noch die Kasbah, in der heute das Museum „Des tanzenden Satyrs“ untergebracht ist, und der Turm, der inzwischen die Chiesa San Nicolò Regale ist. Der „tanzende Satyr“ ist eine 2,50m hohe antike Bronzestatue, die 1998 von Fischern in den hiesigen Küstengewässern gefunden wurde. Der Figur ist ein kleines Museum gewidmet, das allerdings 6,-€ Eintritt kostet.

Kasbah Mazara

An mancher Hauswand der Altstadt sind schöne Bilder aus Fliesen angebracht, die entweder von der arabischen Geschichte oder dem Christentum erzählen.

Fliesendarstellung der arabischen Zeit in Mazara

Ein altes Relikt ist noch der „normannische Bogen“, der wohl einmal ein Stadttor war. Gleich daneben befindet sich eine breite Treppe mit vielen bunten Fliesen an den jeweiligen Stirnseiten. Diese Treppe ist der Beginn der Fußgängerzone Via Umberto I. mit jeder Menge Restaurants und Boutiquen.

normannischer Bogen

Sehenswert ist auch der Platz zwischen dem Rathaus, mit der künstlerisch gestalteten Fassade, und der beeindruckenden Kathedrale del Santissimo Salvatore. Dies ist der Mittelpunkt der Altstadt von Mazara del Vallo.

Kathedrale del Santissimo Salvatore

Ansonsten stolpert man an fast jeder Ecke über eine Kirche, die allesamt aus dem 17./18. Jahrhundert stammen. Die kreisrunde Chiesa di Sant Ignazio, an der Ostseite der Kasbah, ist zwar nur noch eine Ruine, aber einen Blick hinein sollte man trotzdem riskieren.

Was wir in Mazaro noch entdeckten, war die Marsala-Weinkellerei John Hopps&Söhne, die schon seit 1811 auf Sizilien produziert. Sie ist damit genau 22 Jahre älter als die älteste Marsala-Weinkellerei in Marsala selbst. Sie liegt im Osten der Stadt, direkt hinter einer schön angelegten Promenade.

Marsala-Weinkellerei John Hopps&Söhne

Am Hafen kann man auch gut bummeln, hier und da frischen Fisch kaufen. Dort wo sich der Mercato Ittico (Fischmarkt) ein Stück flussaufwärts befindet, kann man mit einer kleinen Kettenfähre auf die andere Seite übersetzen. Wenn man das nicht möchte, sollte man sich das Gefährt trotzdem kurz ansehen. Wir hatten sie gar nicht gesehen, aber das Rattern der Ketten lenkte unsere Aufmerksamkeit darauf.

Kettenfähre

Der große Parkplatz am Hafen bietet genug Platz für Übernachtungen mit dem Wohnmobil. Von dort aus kann man den Stadtbummel auf der langen schönen Promenade beginnen und dann durch die Gassen der Altstadt spazieren.

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