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Peipussee

Nordufer des Peipussees

Der Peipussee ist das viertgrößte Binnengewässer Europas und siebenmal größer als der Bodensee. Fährt man an seiner Nordküste entlang, kommt man sich wie an die Ostsee versetzt vor. Beide Landschaften sind austauschbar: Sanddünen, Kiefernwald, Strandzugänge, Ferienwohnungen und -häuser sowie Zeltplätze. Der einzige Unterschied ist, dass der Peipussee wärmer als die Ostsee ist, na ja, vom Salzgehalt abgesehen.  Jetzt, Mitte Juli, hat das Wasser des Sees 24 Grad. Da habe selbst ich mich überwinden können, in die Fluten zu steigen. Ein gegenüberliegendes Ufer ist nicht zu sehen.

Mündung des Rannapungerja

Wir haben ein schönes Plätzchen direkt an der Mündung der Rannapungerja im gleichnamigen Ort gefunden. Nicht auf dem Campingplatz, der 25,-€ haben will, sondern direkt am Ufer des Flusses für 5,-€. Es ist wirklich ein sehr schönes Fleckchen. Leider ist es zumindest an den Wochenende eine Hochburg für Motorboot- und Jetskifreunde. Von Mittag bis abends wird die Luft vom Dröhnen der Motoren erfüllt. In dieser Zeit hat die Natur keine Chance. Da bleibt bloß noch, sich aufzumachen und die Gegend zu erkunden.

Strand Kauksi

Es führt immer direkt am Nordufer des Peipussees entlang eine Straße Richtung russische Grenze. Will man am Strand von Kauksi baden gehen, kostet das 15,-€ Parkgebühr für den Tag. Dafür ist der Strand breit, aufgeräumt und eine Imbissbude sorgt für das leibliche Wohl. Für den Rest des Weges kann man überall am Straßenrand parken. Ein paar Meter Fußweg führen dann durch den Kiefernwald zum nicht ganz so breiten Strand.
Der Peipussee ist mit durchschnittlich 8m sehr flach. Da muss man schon ganz schön weit rein laufen, wenn man schwimmen will. Baden macht aber in jedem Fall Laune.

in Vasknarva ist Schluss

Am Ende der Norduferstraße liegt der kleine Grenzort Vasknarva. Vor dem Krieg zählte der Ort 840 Einwohner, danach waren es nur wenige, heute vierzig. Hauptsächlich Rentner und Sommerurlauber beleben Vasknarva, das doch sehr abgeschieden liegt. Von der Vasknarvafestung ist nur noch eine kleine Ecke übrig. Von hier aus sieht man über die Narva, die wir schon in der Stadt Narva kennenlernten, nach Russland hinüber. Es gibt allerdings keine Verbindung mit der anderen Seite, keine Brücke, keine Fähre. Es ist einfach nur idyllisch und sehr russisch. Überhaupt wird es immer russischer, je näher man der Grenze kommt. Die Autos haben alle estnische Nummern, aber es wird zu 95% russisch gesprochen. Die Häuschen, das Drumherum, alles erinnert uns an vor über dreißig Jahren, als wir vier Jahre lang in der Sowjetunion an der Erdgastrasse arbeiteten.

Kallaste liivakivipaljand

Den zweiten Halt am Peipussee legten wir kurz vor Kallaste ein. Direkt zwischen der Straße 43 und dem Kiesstrand liegt der Campingplatz „Nemo“. Ein wunderschöner Platz, frei und ruhig. Nur 6km weiter liegt Kallaste. Im Gegensatz zu den Dörfern, die wir bisher am Peipussee kennenlernten, ist Kallaste direkt groß. Die Stadt besitzt sogar so etwas wie ein Kaufhaus, wo man alle Waren des täglichen Bedarfs bekommt. Das sah in den letzten Tagen anders aus. Da mussten wir uns in den winzigen Lädchen unsere Einkäufe zusammensuchen.
Während der Nordstrand des Peipussees sandig ist, gibt es am Westufer nur wenige Stellen, die zum Baden geeignet sind. Eigentlich hat hier das Schilf die Oberhand. Kallaste ist da wieder bevorteilt. An dem ausreichend großen Sandstrand kann man gut baden gehen, auch einen Aussichtsturm gibt es.
Am südlichen Ufer der Stadt gibt es sogar eine kleine Steilküste, Kallaste liivakivipaljand, nicht groß und nicht hoch, aber rot, mit Höhlen darin. Steigt man auf den Felsen, hat man eine schöne Sicht auf die Küste des Sees. Sieht irgendwie wie an der Cote d´Azur aus, mit kleinen Buchten, die durch Steinreihen voneinander getrennt sind, mit viel Grün.

ausgedient

Liebhaber von Süßwasserfischen kommen am Peipussee auf ihre Kosten. Sehr lecker sind die frischen maränenähnlichen Fische. Geräuchert sind diese Fische mit 15,-€ pro Kilo kaum zu bezahlen.
Den Peipussee teilen sich übrigens die Esten mit den Russen. Die Grenze verläuft mitten durch den See, daher gibt es bestimmte Regeln für den Bootsverkehr. Private estnische Boote dürfen sich bis zu einem Kilometer vom Ufer entfernt aufhalten. Estnischen Berufsfischern steht die ganze Seite bis 200m vor der Grenze zur Verfügung. Wird diese Grenze überschritten, kann es schnell vorkommen, dass die russische Marine die Sünder aufgreift und in Russland inhaftiert. Dann dürfen sich die Botschaften beider Länder mit dem Fall beschäftigen. So haben wir es jedenfalls von mehreren Einheimischen erzählt bekommen. Wie es auf der russischen Seite aussieht, wissen wir jedoch nicht.

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Vöru

Katharinenallee

Die Stadt Võru liegt herrlich am Ufer des Tamulasees. Obwohl der Ort schon seit mindestens fünftausend Jahren besiedelt ist, existiert die Stadt Võru erst seit dem 21. August 1784. Sie wurde auf Wunsch der Zarin Katharina II, zusammen mit dem Generalgouverneur von Riga errichtet. Das Zurechtfinden in Võru ist einfach, denn alle Straßen verlaufen rechtwinklig zueinander. Das kennen wir doch woher? Ja richtig, in Amerika ist das ein sehr beliebtes Schema. Viele der ursprünglichen Holzhäuser sind bis heute erhalten geblieben. Dabei besinnt man sich inzwischen wieder auf das Traditionelle und an manchen der alten Fassaden werden die Verkleidungen entfernt, so dass die dicken Holzbalken wieder zum Vorschein kommen. Die moderne Wärmedämmung muss dann wohl innen erfolgen.
Für den Bau der Katharinenkirche, die am 24. Juli 1793 eingeweiht wurde, spendete die Zarin 28.000 Silberrubel. Auch eine Katharinenallee gibt es in Võru. Sie führt vom Kreutzwaldpark hinter dem Strand bis zum Marktplatz. Die 50 alten Bäume, die die Allee säumten, wurden 2013 im Zuge der Renovierung durch jüngere Bäume ersetzt.

Kreutzwaldpark

Ein Name taucht in Võru immer wieder auf: Kreutzwald. Dr. Fr.R. Kreutzwald hat sich um die estnische Literatur verdient gemacht und ist der Autor eines Nationalepos. Dazu verstand er etwas von Medizin und Physik und machte sich beim mentalen Aufbau Estlands einen Namen. 44 Jahre lebte Kreutzwald in Võru. Er starb 1882 und wurde in Tartu begraben.

Brücke zur Roseninsel

Der Tamulasee ist, wie der Peipussee, auch ziemlich warm und angenehm zum Baden gehen. Die Stadt verfügt über einen großen Strand mit vielen Freizeitmöglichkeiten. In den See hinein ragt die Halbinsel Roosisaar, Roseninsel. Im Sommer 1938 fand eine Frau aus Võru ein Auerochsenhorn und verschiedene andere Dinge aus längst vergangener Zeit, als sie ihren Ring suchte, der in den Fluss gefallen war. 1958 wurde eine Brücke über den Fluss am Westende des Sees gebaut. Dabei fand man weitere Stücke wie Steinwerkzeuge, Tonscherben, noch mehr Hörner und Bernsteinschmuckstücke, sowie 24 Skelette. Untersuchungen ergaben, dass die Siedlung 4500 Jahre alt ist.
Seit dem 23.12.1998 ersetzt die längste Hängebrücke Estlands, die eine Länge von 111m hat, die alte Brücke über den Fluss. Durch einen gelben Rahmen, wie es viele in Estland gibt, es ist ein Kunstprojekt, wird die Hängebrücke ins rechte Licht gesetzt.

Suur Munnamägi

16km südlich von Võru erhebt sich der Suur Munnamägi, der höchste Berg des Baltikums. Das klingt gut und spannend, aber der Berg misst gerade einmal 318m. Auf dem Gipfel steht ein Aussichtsturm. Nachdem man das Eintrittsgeld bezahlt hat, darf man den Rundumblick über das weite Umland genießen.

Aussichtsturm in Rõuge

Einen Besuch lohnt auch der Ort Rõuge, westlich vom Suur Munnamägi. Hier lockt ein besonderer Aussichtsturm mit zwei Plattformen. Bis 2015 stand ein hölzerner Turm an der Stelle, bevor er 2016 ersetzt wurde. Der neue Turm sieht aus, als würde er zwei Storchennester tragen.
In der Nähe des Turmes begannen Studenten der Tartu Universität mit der Rekonstruktion einer Wikingersiedlung, auf Grundlage der Ausgrabungen an dieser Stelle. Sie lebten und arbeiteten sogar eine Woche lang in dieser Siedlung, einer sehr kalten Woche im Winter, Über den Ausgang steht nichts geschrieben.
Auf dem Hügel nebenan, direkt über dem Nachtigallental, stand im 5. Jahrhundert ein Dorf, welches zu einer Siedlung mit mehreren hundert Einwohnern anwuchs. Der Handel blühte auf und ein Fort wurde gebaut. Ende des 11. Jahrhunderts gingen die Siedlung und das Fort unter. Erst 1613 lebte Rõuge wieder auf.

Das waren unsere letzten Erlebnisse in Estland. Nun kehren wir wieder nach Lettland zurück. Die letzte Nacht verbrachten wir übrigens auf dem Parkplatz direkt an der längsten Hängebrücke Estlands am Tamulasee.

Alutaguse

Herbststimmung in Kuramäe- Ende Juli

Die ganze Gegend in Nordosten Estlands, zwischen Jõhvi und dem Peipussee wird Alutaguse genannt. Es ist die Gegend für Bärenbeobachtungen. Da man jedoch keine Ahnung hat, wo sich die Tiere bevorzugt aufhalten, hat es auch wenig Zweck, sich irgendwo auf die Lauer zu legen. Es gibt zwar Anbieter für Bärenbeobachtungstouren, aber da kostet eine Nacht um die 105,-€. Von einer Hütte aus können Bären, Marderhunde, Füchse usw. beobachtet werden. Sie werden mit Futter in der Nähe gehalten, so dass Sichtungen fast garantiert werden.
Wir fuhren frohen Mutes, vielleicht doch ganz zufällig irgend etwas vors Gesicht zu bekommen, nach Alutaguse. Schon der erste Versuch, in der Wildnis aus dem Auto zu steigen und sich im Wald zu bewegen, scheiterte kläglich an den Myriaden von Pferdefliegen. Da hilft auch kaum ein Antimückenmittel. Bei Temperaturen um 28 Grad will man nicht mehr als nötig anziehen. Da wäre ein Ganzkörperkondom aus Gaze eine glänzende Idee. Wir übernachteten auf dem Parkplatz des Kuramäe-Klosters. Von dort wollten wir uns die Kurtna-Seen ansehen. Gerade einmal zwei von ihnen konnten wir besuchen, dann waren uns die Bremsen zu viel. Das macht einfach keinen Spaß.

Kuramäe-Kloster

Dafür besichtigten wir das Kuramäe-Kloster, oder wie es richtig heißt: Nonnenkloster des Einschlafens der Gottesmutter in Püchtitz. Es ist das letzte noch arbeitende Frauenkloster in Estland und steht auf dem mit 91m höchsten Hügel der Umgebung. Bauern dieser Gegend sollen im 16. Jahrhundert auf diesem Hügel eine Vision gehabt haben. Wenig später fanden sie bei der alten Eiche eine Ikone. Diese Szene wird auf einem Wandgemälde am Haupteingangstor des Klosters abgebildet. Zuerst bauten die Bauern eine Kapelle, später wurde ein Kloster daraus. 150 Nonnen leben und arbeiten heute noch autark innerhalb der Mauer, die das Klostergelände umfasst. Neben der orthodoxen Kirche gehören weitere Kirchen, Wohnhäuser und ein Park zum Kloster. Der Besuch ist kostenfrei, aber es werden Souvenirs, Ikonen, Süßigkeiten usw. zum Kauf angeboten. Alles ist in einem einwandfreien Zustand.

altes Apothekengebäude

Zum Dorf gehören neben dem Kloster u.a. die alten Gebäude der Schule, des Hospitals, der Apotheke und das Haus des Arztes. Im Hospital sind heute die Post und die Internetstelle untergebracht. Die Apotheke wird inzwischen als Hostel genutzt. In dem kleinen einfachen Restaurant, welches dazugehört, wird original estnisch-russische Küche angeboten. Da stehen Soljanka, Borschtsch und Pelmeni auf der Speisekarte. Wir entschieden uns für die hausgemachten Pelmeni, gefüllt mit Hackfleisch, zu denen Smetana, Salat und Brot gereicht wurden.

heilige Quelle von Kuramäe

Etwas abseits des Klosters, in der anderen Richtung vom Parkplatz aus, ist die heilige Quelle zu finden. Es gibt ein primitives Badehaus, um im heiligen Wasser zu baden. Noch etwas weiter befindet sich ein Quelltopf, in dem man das heilige Wasser schöpfen kann. Kanisterweise schleppen es die Leute nach Hause. Natürlich nutzten auch wir die Gelegenheit, unsere Wasserreserven mit gutem Quellwasser aufzubessern.

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