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Porto

Wir in Porto

Porto ist die unglaublichste Stadt und in unseren Augen wohl die schönste Stadt, die wir im Laufe unseres über dreißigjährigen Reiselebens je gesehen haben, und wir sahen schon viele schöne Städte. Die Vollständigkeit des gesamten Ensembles der Altstadt, die Brückenbauwerke, der Rio Douro mit seinen traditionellen Booten und das Viertel mit den Portweinkellereien im Südteil der Stadt, all das ergibt ein einmaliges, in allem stimmiges Bild. Dazu kommt, dass alles gut zu Fuß zu erreichen ist. Die Standseilbahn auf der Altstadtseite sowie die Schwebebahn über die Dächer der Portweinkellereien hinweg setzen nochmal einen drauf. Aber von vorne:

Vila Cha im Nebel

Wir stehen drei Nächte nördlich von Porto, auf dem Campingplatz „Parque de Campismo Sol de Vila Chã“ bei Vila do Conde. Der ACSI-Preis liegt bei 15,-€/Nacht. Bis zum felsendurchsetzten Strand sind es 200m. Jeden Morgen um 8.30 Uhr, außer Sonntags, verkaufen die Fischer ihren frischen Fang zu günstigen Preisen.

Metrostation Trindade

3km von Campingplatz entfernt befindet sich der Metro-Bahnhof nach Porto. Eigentlich ist es ganz einfach, ein Ticket aus dem Automaten zu ziehen und in die Metro zu steigen. Wir hatten allerdings mal wieder Pech. Da wir an einem Sonntag fuhren, sind die Züge nur alle halbe Stunden unterwegs, normalerweise wohl alle 20min. Als wir am Bahnsteig das Ticket kaufen wollten, war diese Option am Automaten nicht zu finden. Das Ticket kostet pro Strecke 2,95€. Wir fragten einen jungen Mann, ob er uns helfen kann, aber auch er konnte nichts passendes finden. Er war mit einer Dauerkarte unterwegs, das funktionierte. Uns blieb nichts weiter übrig, als in den nächsten Zug zu steigen und am nächsten Bahnhof wieder auszusteigen. Dort konnten wir Tickets kaufen und mussten eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten. Nach eine knappen dreiviertel Stunde trafen wir in Porto ein, und zwar an der Metrostation Trindade. Das ist ein Superausgangspunkt für einen Stadtrundgang.

Praça da Liberdade

Gleich unterhalb befindet sich der Praça da Liberdade mit dem Rathaus am obersten Ende, Brunnen und weiteren prachtvollen Gebäuden an dessen Seiten. Am unteren Ende fahren die Busse zur Stadtrundfahrt ab.

Bahnhof São Bento

Hält man sich links, steht man gleich vor der Igreja dos Congregados, deren Fassade mit den typischen Azulejos geschmückt ist. Ein Blick ins Innere der Kirche ist angeraten.
Gleich nebenan steht der Bahnhof S
ã
o Bento, ein touristisches Highlight. Der Innenraum der Bahnhofshalle ist ebenfalls mit den allgegenwärtigen blau-weißen Fliesen geschmückt, die allesamt Bilder aus dem ländlichen Leben zeigen.

Blick von der Kathedrale

Schon ist man an der Kathedrale, von deren Vorplatz aus man schön zum Rio Douro und die angrenzenden Wohnhäuser hinunter blicken kann. In einiger Entfernung erhebt sich der Turm der Igreja dos Clérigos. Er gilt als der höchste Turm Portugals und ist auch vom Meer aus zu sehen.

Blick auf die Altstadtseite

Nun spazierten wir über die berühmte Brücke Luis I., die von Gustav Eiffel stammt. Oben fährt die Metro, unten die Autos. Fußgänger sind auf beiden Decks zu finden. Beim Hinüberlaufen auf dem oberen Deck weiß man gar nicht, wohin man sehen soll. Es gibt soviel Interessantes zu entdecken, dass es eine Weile dauert, bis man die andere Seite erreicht hat.
Nur wenige Meter weiter findet sich die Topstation der Schwebebahn, die die Fahrgäste für 6,-€/Person nach unten an das Flussufer bringt. Von hier oben hat man den besten Blick auf die Altstadt von Porto auf der anderen Seite des Rio Douro und die Ponte Luis I., ein unglaublich schöner Blick.

unser Probierpaket

Wir zogen es vor, zu Fuß durch die Gassen und über Treppen nach unten zu kommen. Dabei trafen wir zufällig auf den gemütlichen Verkostungskeller der Portweinkellerei „Royal Oporto“. Dies ist der internationale Name. Der portugiesische Name des Kellers ist Real Companhia Velha. Die Besucher werden auf das herzlichste willkommen geheißen. Wer eine Weinprobe möchte, der erfährt vorher alles über die angebotenen Sorten des Kellers, damit man auch weiß, was man da probiert. Danach sucht man sich ein Angebot für die Weinprobe aus und genießt. Nebenbei läuft ein Film ab, der einen Eindruck von den Weinbergen des Vale do Douro vermittelt. Das Gebiet ist gut mit den Weinanbaugebieten des Rheins zu vergleichen.

der Altstadt gegenüberliegende Seite Portos

Nach der sehr angenehmen Weinprobe spazierten wir zum Flussufer, um dort die Atmosphäre aufzunehmen. Hier findet man andere Portweinkellereien wie Sandeman, Porto Cruz oder Burmester. Einmal ist keinmal und so kosteten wir noch einmal beim Firmenverbund Burmester. Dieser Keller setzt auf Moderne, aber die angebotenen Portweine schmecken genauso gut.

Rio Douro

Vom Flussufer aus sieht Porto schon wieder anders aus, noch beeindruckender, noch einladender. Am Ufer liegen die alten Boote, mit denen vor langer Zeit die Portweinfässer zu den entfernteren Kunden verschifft wurden. Jeder Portweinkeller besitzt eines dieser traditionellen Boote. Eine Flussfahrt ist aber auch möglich, mit moderneren Ausflugsbooten.

Ponte Luis I.

Den Rückweg nahmen wir über das untere Deck der Ponte Luis I.. Blickt man nach rechts, sind noch drei weitere Brücken zu sehen. Eine davon gleicht der Ponte Luis I.. Sie stammt von einem Schüler Eiffels und unterscheidet sich nur durch das fehlende untere Deck.
Ein letztes Mal das Ufer des Rio Douro genießend, fuhren wir mit der Standseilbahn in die Oberstadt und richteten unsere Schritte zur Metrostation Trindade zurück.

Kommentar unserer lieben Womo-Bekanntschaft aus Óbidos – Roswitha und Robert aus Rodgau:

Liebe Angela, lieber Klaus,
ich habe euren Bericht über Porto gelesen und bin ganz überrascht über die Begeisterung. Porto ist schon schön, aber sie als die schönste Stadt zu küren, die ihr je gesehen habt – erstaunlich. Ich für meinen Teil bin von Wien so begeistert. Dein Bericht, liebe Angela, war eine schöne Zeitreise zurück. Ich bewundere deine professionelle literarische Ausdrucksweise und die Fotos erst, wie aus einem Kalender. Das habt ihr Beiden drauf. Einen Blick, wo man sich hinstellen muss um z. B. den Reiter im Vordergrund und das Rathaus vor das Objektiv zu bekommen. Herrliche Bilder von Fluß und Booten und Stadt. Toll.

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Porto Covo da Bandeira

Porto Covo

Von Carrepateira fuhren wir nun weiter auf der Küstenstraße N268/N120 nach Norden. Dabei kommt man durch eine grüne Hügellandschaft, in der Korkeichen, Eukalyptus und die auffälligen Kasuarinen, von denen ich schon im Bericht Costa Blanca erzählte, vorherrschen. In Portugal wachsen auffällig viele Kasuarinen, was immer wieder sehr dekorativ aussieht.
Hinter Aljezur, die Stadt, die sich auf mehreren Hügeln ausbreitet und von einem maurischen Kastell überragt wird, werden die Kasuarinen von den allgegenwärtigen Pinien abgelöst. Immer wieder führen kleine Straßen zu den Stränden der Küste hinunter.
Kurz vor Odemira, im Tal des gleichnamigen Flusses gelegen, bogen wir auf die N393 ab, um an der Küste zu bleiben. Der nächste für uns anfahrbare Stellplatz liegt in Porto Covo da Bandeira. Der Platz ist kostenlos, aber mit Ver- und Entsorgung. Bis zum Meer sind es gut 100m durch den kleinen und gemütlichen Ortskern, in dem es genügend Kneipen gibt. Der maurische Baustil hat nun ausgedient, ab jetzt haben die Häuser wieder normale Dächer. Hier in Porto Covo sind die meisten Häuser weiß mit blauen Akzenten und roten Dachziegeln. Wer Ruhe sucht und für den Zeit keine Rolle spielt, der ist hier genau richtig.

Praia Grande

Zwischen der felsigen Steilküste liegen auch zwei Badestrände, zu denen Treppen hinunterführen, aber das Wasser ist kalt und der Wind zieht ziemlich oft darüber hinweg. Wir haben nun schon drei Tage Windstärken zwischen 4 und knapp 7. Immerhin ist es trocken.
Kilometerweit führen Wege durch den Naturpark, in dem Bäume und Sträucher eher selten sind. Seit der Straße von Gibraltar begleiten uns jede Menge Weißstörche auf unserem Weg. Ihre Nester bauen sie auf Strommasten, manchmal sogar in mehreren Etagen, auf Kirchen oder alten Häusern. Es ist schon schön, die großen Vögel auf ihren Flügen auf der Suche nach Nahrung zu beobachten, oder sie in Gruppen auf den Feuchtwiesen stehen zu sehen.

Vila Nova de Milfontes

Auch einen Ausflug wert ist der Ort Vila Nova de Milfontes, an der breiten Mündung des Rio Mira gelegen. Die Altstadt gruppiert sich um ein kleines Castell, welches direkt über dem Ufer des Flusses hängt. Unten drunter werden Rundfahrten mit dem Boot angeboten.
Der unscheinbare Leuchtturm liegt mitten auf einer Felsnase, an der sich der Rio Mira und der Atlantik treffen. Zum Baden sind hier eher die Sandstrände entlang der Flussufer geeignet. Der Blick schweift zu beiden Seiten an den Steilküsten entlang.

Sonnenuntergang in Porto Covo

Porto Covo da Bandeira besitzt ein Naturgeheimnis, von dem wohl kaum jemand weiß. Wir entdeckten es zufällig. Am Nordende der Küste des Ortes befindet sich eine riesengroße Höhle in den Felsen. Wir kamen nach Sonnenuntergang zu der Höhle und hörten ein ohrenbetäubendes Fiepen. Kleine schwarze geflügelte Wesen zeigten sich im Halbdunkel des Höhleneinganges, der Verbindung zum Meer hat. Unmöglich zu erkennen, was es war. Das ohrenbetäubende Geräusch konnten wir weder Vögeln noch Fledermäusen zuordnen. Was war das? Am nächsten Abend kamen wir kurz vor Sonnenuntergang zu der Höhle und warteten auf das, was passieren würde. Sobald die Sonne verschwunden war, fanden sich Schwärme von Staren ein. Einer nach dem anderen stürzten die Vögel in atemberaubenden Tempo und äußerst zielsicher in den schmalen Einlass der Höhle. Bald darauf startete das ohrenbetäubende Geräusch, welches wir am Vorabend vernahmen. Das war ein tolles Schauspiel.

La Spezia

Fast alle, die nach La Spezia kommen, haben ein Ziel: Cinque Terre. Aber auch die Stadt selbst ist recht sehenswert und besitzt viele schöne Details. Zum Beispiel die außergewöhnliche und moderne Kathedrale di Cristo Re mit ihrer absolut runden Form, die auf einem Arkadengang mit Geschäften und Cafés sitzt. Davor befindet sich die großzügige Piazza Europa.

Kathedrale di Cristo Re

Zwischen der Altstadt und dem Hafen dehnt sich ein palmengesäumter Park aus. Von hier aus starten im Sommer die Boote entlang der Küste der Cinque Terre. Jetzt ist es ruhig im Hafen.

Park zwischen Stadt und Hafen

Die Altstadt besteht aus ziemlich hohen Häusern. Entsprechend der Renaissance stehen sich an manchen Straßenecken zwei gleiche Häuser gegenüber. Eines davon (Grattacielo) aus dem Jahre 1927, an der Via Vittorio Veneto, heißt sogar „der Wolkenkratzer“. Ihm gegenüber steht der Regierungspalast.

Grattacielo, der Wolkenkratzer

Sehr schön sind die Jugendstilfassaden, aber auch Neoklassizismus ist zu finden. Viele Arkadengänge laden zum Bummeln darunter ein. Manche von ihnen sind mit schönen Malereien verziert. Die alten, hohen Türen aus Bronze oder Holz lassen kurz innehalten und staunen. Die meisten Häuser sind gepflegt und schön anzusehen.

toll gestalteter Arkadengang

In der Via Chiodo wurde ein kleiner Park mit Brunnen, Magnolien und Sitzgelegenheiten angelegt. Der Hingucker ist aber die Reihe Tore in dessen Mitte, die von einer Seite grellbunt und von der anderen Seite verspiegelt sind. Ein schöner Ruhepol inmitten des Stadtbetriebes.

Spiegelungen im Park an der Via Chiodo

An der Piazza Cavour hat die Markthalle ihren Platz. Die aufwändige Überdachung scheint recht modern. Obst, Gemüse, Käse, Fleisch und Fisch werden hier manchmal lautstark gehandelt.

Markthalle an der Piazza Cavour

Wenn man die Hauptgeschäftsstraßen entlang geht und ab und zu Richtung angrenzenden Berg guckt, dann sieht man die Treppenkonstruktionen, die die Unterstadt mit der Oberstadt verbinden. Dort ist auch das Castello zu finden.

Treppe in die Oberstadt

In der Nähe der Piazza Garibaldi beginnt ein Tunnel, der unter der Oberstadt hindurch verläuft und in der Nähe der Kathedrale wieder heraus kommt. Ein moderner Brunnen mit Marmorskulptur setzt einen tollen Kontrast zu den älteren Gebäuden am Platz. 1943 wurden große Teile von La Spezia durch Luftangriffe zerstört, so dass die meisten Bauten nicht wirklich alt sind.

Brunnen auf der Piazza Garibaldi

La Spezia hat also jede Menge zu bieten, aber die Altstadt besteht fast nur aus Einbahnstraßen. Das heißt, man fährt viele Umwege mit dem Auto und die Busse fahren fast nie wieder dort ab, wo sie angekommen sind. Eine Busfahrt kostet 1,50€, wenn man die Karten im Tabacchi-Shop kauft, 2,50€ im Bus selbst.

Im 18. Jahrhundert wurde der Hafen unter Napoleon zum Militärhafen ausgebaut, der eine große Bedeutung erlangte, die bis in die Gegenwart anhält. Das Arsenale Militare Marittimo hat heute seinen Sitz am Ufer des Kanals an der Via Giovanni Amendola. Dort befindet sich auch das Militär-Museum für Marinetechnik. Im Museum ist ein ganzer Raum den Marine-Kleinkampfmitteln gewidmet (Torpedoreiter, Sprengboote), die in La Spezia entwickelt und eingesetzt wurden.

links Arsenale Militare Marittimo, rechts Via Giovanni Amendola

Einen schönen Bummel kann man auch durch die Marina Porto Mirabello haben, die man über die Hängebrücke Ponte Thaon di Revel für Fußgänger erreicht. Hier liegen kleine und große Yachten. Bei unserem Besuch lag die königliche Segelyacht aus Marokko am Kai, ein riesiges Schiff mit noch größeren Masten. Wahnsinn. Von der Marina aus sieht man auch das Castello von La Spezia.

Marina Porto Mirabello

Unser Wohnmobil steht auf dem Stellplatz am Pagliari-Bassin, für 6,-€ ohne Strom. Mit Strom kostet der Platz 12,-€. Von hier aus sind es mehr als 5km ins Stadtzentrum.

Marsala

Inzwischen haben wir den Westen der Insel Sizilien erreicht. Je weiter man sich nach Westen bewegt, umso windiger wird es. Die oft starken Böen sind schon manchmal unangenehm, vor allem wenn man am Strand steht oder geht.
Wir sind seit Gela immer auf der ss115 gefahren, die sich die Sud-occidentale Sicula nennt. Diese Straße führt durch abwechslungsreiche sizilianische Landschaften, mal Berge, mal Hügel und mal flach. Um die zahlreichen Flusstäler zu überqueren, wurden viele neue Brücken gebaut, die zum Teil ziemlich hoch und auch ziemlich lang sind. Manchmal fährt man aber auch durch Tunnel. Ab und zu sind, meistens auf Bergspitzen sitzend, antike Überbleibsel zu sehen.

auf dem Weg Richtung Westen

Vor allem seit Selinunte breiten sich wieder viele Weinanbaugebiete rechts und links der Straße aus. Auf der Suche nach einem Stellplatz bei Marsala stießen wir auf den Platz am Beach Sibiliano Village. Der sah sehr gut aus und mit 7,-€ inkl. Strom und Wasser wäre er auch billig gewesen. Der Platz ist für Wohnmobile bis 12m ausgewiesen, aber die Zufahrten sind wieder viel zu eng. Da hatten wir mit unseren 10m schon fast Probleme. Als wir den Platz endlich erreichten, war er geschlossen, obwohl geöffnet sein sollte. Offensichtlich ist dies schon länger so. Da wir dort keine Möglichkeit mehr zum Wenden hatten und dazu noch Diesel bei laufendem Motor verloren, mussten wir uns den nebenan liegenden Parkplatz am Strand als Stellplatz aussuchen. Da war zwar eine Kette davor, aber was sollten wir machen? Es dauerte auch nicht lange, bis der Besitzer kam und meinte, wir könnten dort nicht stehen. Er war sehr nett und als wir ihm anboten, für die Übernachtung zu bezahlen, hellte sich sein Gesicht auf. Für 5,-€ pro Nacht können wir jetzt in Ruhe stehen bleiben. Wenn wir Wasser brauchen, könnten wir uns das bei ihm holen. So haben wir eine schöne Ausgangsbasis für Ausflüge nach Marsala und Mazara.
Das Problem mit dem auslaufenden Diesel stellte sich zum Glück als minimal heraus: es hatte sich nur eine Leitung gelöst, die Klaus austauschte.
Die Sonne ging am Abend in diffusem goldenen Licht unter, welches reichlich Saharasand verursachte. Der Wind wehte heftig.

goldener Sonnenuntergang dank Saharasand

Marsala ist für seinen Wein weltberühmt. Vor allem in die englischsprachigen Staaten, allen voran USA und Australien, wird der Marsala-Wein (Portwein) exportiert. Mit Hilfe von Google Maps fanden wir die Cantine Pellegrino 1880. Sofort fuhren wir hin, um zu sehen, ob wir uns einer Führung oder wenigstens einem Tasting anschließen könnten. Wie wir erfuhren, war dies der erste Tag, an dem das Tor wieder für Besucher geöffnet ist. Im Januar war allgemein geschlossen und im Februar ist nur vormittags jeweils eine Führung möglich. Ab März gelten dann wieder die offiziellen Öffnungszeiten. Für eine Führung muss man sich jedoch anmelden, so dass wir am nächsten Morgen zu 11 Uhr noch einmal hinfahren mussten.

Besuchergebäude der Cantine Pellegrino 1880

Die Führung kostet 10,-€ pro Person und dauert ca. 1 Stunde. Im Preis enthalten sind ein Weinglas, drei verschiedene Kleingebäcke und drei Weinproben. Unsere Gruppe bestand aus einem Australier, drei Italienern und uns beiden, also sehr überschaubar. Die Führung übernahm Frau Neff, eine Bayerin, die mit einem Sizilianer aus Marsala verheiratet ist und nun selbst in Marsala lebt. Sie spricht also deutsch, englisch und italienisch. Bei unserer kleinen Gruppe kam also jeder auf seine Kosten, Fragen konnten jederzeit gestellt werden. Ob dass im Rahmen einer Reisegruppe ebenso möglich ist, wage ich zu bezweifeln.
Schon die Phönizier siedelten im 6. Jahrhundert v. Chr. in Marsala, was verschiedene Ausgrabungen zutage förderten. Im Garten der Cantine Pellegrino sind Kindergräber einer Nekropole zu besichtigen, die aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. stammen.

Teil einer punischen Nekropole mit Kindergräbern

Dann kamen bald die Römer, die in Marsala begannen, Wein zu kultivieren. Die Engländer brachten 1833 den bis dahin sehr beliebten Portwein nach Marsala. Der erste Weinkeller für Marsala-Wein war die Cantine Florio, die am Hafen zu finden ist. Vor deren Tor sind noch Reste des Anlegers für die Transportschiffe zu sehen.

Eingangstor der Cantine Florio

Der Ursprung von Portwein liegt auf Madeira. Irgendwann brachte man die Produktion nach Porto in Portugal, wo der Wein seinen Namen bekam. Als dritte Portwein-Produktionsstätte wählte man Jerez de la Frontera in Südspanien aus, und dann kam man 1833 nach Marsala. An allen Standorten ist die Weinherstellung dieselbe. Da der meiste Wein zu Anfang in England verkauft wurde, nannte man ihn Portwein, da dort sowieso niemand wusste, von welchem Standort der Wein kam. Heute ist der Name Portwein rechtlich geschützt, so dass er also Madeira-Wein, Portwein, Sherry und Marsala-Wein heißt.

Zuerst bekamen wir erklärt, welche Trauben im Marsala-Wein verarbeitet werden. Es sind drei weiße Trauben und eine rote Traube. Die weißen Trauben heißen Grillo (eine Kreuzung Ende des 19. Jahrhunderts aus der Catarratto und Zibibbo-Traube), Inzolia (einst von den Griechen nach Sizilien gebracht), und Zibibbo (brachten die Araber mit). Von der roten Traube Nero d´Avola (die es seit dem Ende des 17. Jahrhunderts auf Sizilien gibt) hörten wir schon in Avola. Aus diesen vier Trauben werden in der Cantine Pellegrino 1880 zwölf Weine hergestellt. Zum Betrieb gehören nur 150 Hektar Weinreben, der Rest des Bedarfs wird von Genossenschaften im Raum Trapani zugekauft. Außerdem werden Moscato-Trauben (von der Insel Pantelleria) verarbeitet. Die Palette reicht aber auch von Grappa über Limoncello bis hin zu Kräuterlikör. Da findet jeder Weinliebhaber etwas für sich.

Garten mit den vier Weinsorten Marsalas

Der Wein wird also gelesen, vermostet und in riesigen Fässern gelagert, die es in verschiedenen Größen (z.B. 50hl, 65hl oder gar 110hl) gibt. Für die endgültige Reifung wird der Wein in kleinere 125l-Fässer umgefüllt. Dort bleibt er, bis er in Flaschen abgefüllt werden kann.
Bei der Führung durch die Weinlager kann man die Fässer besichtigen. Aus den großen Fässern werden dann die drei Weinproben gezapft, die zur Führung gehören. Dazu wird jeweils das richtige Kleingebäck/Schokolade gegessen.

Wein zapfen aus den Riesenfässern

Berühmt für Sizilien sind auch die kleinen, buntbemalten und mit Schnitzereien verzierten Karren, die von Eseln gezogen wurden. Vier noch originale Karren, zählen zum UESCO-Weltkulturerbe, sind für die Besucher ausgestellt. Mit den buntbemalten Karren wurden Menschen zu besonderen Anlässen gefahren. Für den normalen Betrieb, auch im Weinbau, benutzte man schlichte Karren.

traditionelle sizilianische Karren

Zu besichtigen sind ebenfalls ein Arbeitsplatz und Werkzeuge für die Küfer (Fassbau), sowie alte Fotografien.

Die Cantine Pellegrino 1880 beteiligte sich auch an der Rekonstruktion eines punischen Schiffes, welches in den seichten Salinen Marsalas gefunden wurde. Die Rekonstruktion fand direkt in einem der Weinlager statt. Das fertige Schiff steht seitdem im Museo Archeologico Regionale Lilibeo Marsala. Fotos, Erklärungen und ein paar Kopien von Teilen des punischen Schiffes zeugen an dieser Stelle von der Arbeit der Cantine.

Erinnerung an die Rekonstruktion des punischen Schiffes von Marsala

Alles in allem war dies eine sehr interessante und entspannte Führung. Im Anschluss hat man die Möglichkeit, weitere Weine zu probieren und diese auch zu kaufen. Die Preise sind recht hoch, aber dafür bekommt man etwas sehr exklusives. Alle Arbeiten bei der Weinherstellung werden per Hand erledigt, keine Maschinenarbeit. Portweine, vor allem die süßen, liegen bei uns ganz vorne.

Auswahl der Marsala-Weine der Cantine Pellegrino 1880

Eine andere Sehenswürdigkeit sind die Salinen nördlich von Marsala. Man kann von der Küstenstraße aus das Gelände überschauen, welches in viele Becken unterteilt ist, in dem sich das Meersalz durch Verdunstung sammelt. Mit Hilfe von Windmühlen wurde früher das Wasser in die Becken gepumpt. Sie sind heute nicht mehr funktionstüchtig. Salz wird aber immer noch gewonnen, wenn auch nicht in großen Mengen. Wer mehr über die Salinen wissen möchte, kann eine Führung für 7,-€ buchen.

Saline im Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala

Die Salinen, Heimat von Rosaflamingos, liegen gemeinsam mit mehreren Inseln im Naturschutzgebiet Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala. Die langgestreckte Insel Isola Grande schützt die Lagune vor den Unbilden der offenen See. Es werden Rundfahrten durch die Lagune für 5,-€ angeboten. Die bekannteste Insel ist San Pantaleo, auf der die antike Stadt Mozia (Mothia) lag. Auch sie wird mit einem Boot zu einer Besichtigung angefahren, was dann 10,-€ kostet. Unter den Phöniziern blühte die Stadt, die die gesamte Insel einnahm, zu einer sehr bedeutenden Handelsstadt im Mittelmeerraum auf. Wie viele punisch/griechische Gründungen auf Sizilien wurde auch Mozia durch die Karthager zerstört und nie wieder aufgebaut. Nur ein paar Ruinen und ein Museum erinnern an die einst mächtige Stadt.

Rosaflamingos fühlen sich in Salinen wohl

Im Infocenter erfuhren wir von einer verschwundenen punischen Straße vom Festland nach Mozia. Vor gut 2000 Jahren lag der Meeresspiegel einige Zentimeter tiefer als heute. So konnte eine Straße gebaut werden, die Mozia mit dem Festland im Bereich Birgi verband, ca. 1,7km lang und 7m breit war. Der Unterbau war ein Damm von bis zu 12,5m Breite. Die Straße wurde bis mindestens 1605 genutzt.

Festlandende der verschwundenen punischen Straße

Seit der Intensivierung des Weinanbaus im 18. Jahrhundert nutzte man die Straße dann wieder regelmäßig, und zwar mit den vorher schon erwähnten Karren. Deren Räder beschädigten die alten Steine der Straße jedoch erheblich, so dass sie irgendwann nicht mehr befahrbar war. Das ist einige Jahrzehnte her. Inzwischen liegt sie bis zu einem Meter unter Wasser, aber auf Google Maps ist sie noch zu erkennen.

Agrigento Umgebung

Siculiana: Dies ist ein nettes Städtchen westlich von Agrigento. Wie viele der alten Städte breitet sich auch Siculiana auf einem Hügelrücken aus, mit dem Santuario del Santissimo Crocifisso als Blickfang. In dessen Nachbarschaft nimmt das beeindruckende Castello Chiaramonte aus dem 14. Jahrhundert einen großen Raum des Felsplateaus ein. Es ist wohl immer noch im Privatbesitz der gleichnamigen Familie. Es beherbergt ein kleines Museum und stellt Räumlichkeiten für Hochzeiten usw. zur Verfügung.

Eingang zum Castello Chiaramonte

Es macht Spaß, durch die kleinen Gassen zu spazieren, die manchmal so steil sind, dass da nur Treppen weiterhelfen. Hier und da lassen die Gassen Blicke auf das umliegende Land zu. Das kleine Heimatmuseum oben auf der Bergspitze war bei unserem Besuch geschlossen.

Eingang des Heimatmuseums von Siculiana

Schöne An- und Aussichten bieten auch der Platz zwischen dem Uhrturm und der Katholischen Kirche sowie der große Platz vor dem Rathaus mit einer Aussichtsplattform in Richtung Meer.

Santuario del Santissimo Crocifisso vom Rathausplatz aus gesehen

Ebenfalls einen kleinen Abstecher wert ist die Siculiana Marina. In der Antike gab es dort einen Naturhafen, der heute nicht mehr genutzt wird und verlandet ist. Der kleine Ort ist eher ein Ferienort, aber sehr hübsch gelegen und von Felsen überragt. Im Norden schließt sich eine Kalksandstein-Steilküste an.

Siculiana Marina

Auf der Rückfahrt über den Lido Rosello wollten wir nicht die Überlandstraße fahren, sondern eine kleine Küstenstraße. Damit hatten wir uns wieder auf ein Abenteuer eingelassen. Google Maps hatte damit kein Problem, aber die Straße war eher eine Ansammlung von Löchern, manchmal gänzlich unbefestigt oder gar als Sackgasse endend, kurz gesagt: eine Katastrophe. Diese Straße ist jedoch Zufahrtsstraße zu vielen, zum Teil neuen Grundstücken. Wir möchten nicht jeden Tag dort entlang fahren müssen, nicht einmal mit einem Geländewagen.

Felsformation irgendwo zwischen Siculiana Marina und Rosello

Der Besuch von Punta Secca lohnt eher nicht. Die kleine Siedlung ist komplett neu, mit einem im Winter geschlossenen Großbad, wie sie überall in Italien üblich sind. Trotzdem gibt es zwei Pluspunkte für Punta Secca: die von Bohrmuscheln durchlöcherten Kalksteinbänke am Strand und der Blick auf die Steilküste mit dem Torre di Monterosso.

Bohrmuschellöcher im Kalkstein der Küste

Der fast winzige Ort Lido Rosello, auch fast nur aus Ferienwohnungen bestehend, ist sehr schön in einer Bucht gelegen, von hohen weißen und grauen Kalksteinsteilwänden umgeben. Rosello ist zwar klein, besitzt jedoch ein eigenes Amphitheater, das Teatro Costabianca. Ob es schon zu griechischen Zeiten an dieser Stelle solch ein Theater gab oder ob dieses hier nach dem alten Vorbild neu gebaut wurde, wissen wir nicht. Jedenfalls bietet es 1500 Zuschauern Platz, denen in den Sommermonaten Musicals und Theateraufführungen geboten werden.
Auf dem westlichen Felsen steht der Leuchtturm. Der Zugang ist geschlossen, trotzdem ist es als Fußgänger inoffiziell möglich, den Weg nach oben zu benutzen. Der Berg an sich ist ein Naturreservat. Vom Aussichtspunkt unterhalb des Leuchtturms kann man wunderbar auf die Bucht von Rosello blicken, auch auf das Teatro Costabianca. Im Hintergrund ist die Scala dei Turchi zu sehen.

Baia di Rosello

Wir hatten einen Tipp bekommen, die Vulcanelli di Macalube bei Aragona, nördlich von Agrigento zu besuchen. Das sind kleine Schlammvulkane, die mich sehr interessierten. Leider verunglückten 2014 zwei Kinder in einem der Schlammlöcher tödlich. Seitdem ist der Zugang geschlossen und ein Zaun verhindert das Betreten. Es ist also nichts zu sehen, denn das Zentrum der Schlammvulkane liegt tiefer als die umgebende Landschaft.

Vulcanelli di Macalube sind leider dauerhaft geschlossen

Aragona: Die Stadt selbst ist auf unserer Karte als besuchenswert gekennzeichnet. Leider können wir das nicht bestätigen. Nur die Altstadtgassen sind etwas steiler und zahlreicher als anderswo.

Straße in Aragona

Inzwischen wechselten wir auf den Stellplatz Punta Piccola Park, acht Kilometer die Küste Richtung Westen weiter. Damit befinden wir uns zwischen Porto Empodocle und der Scala dei Turchi. Es sind nur zwei Kilometer Fußweg am Strand entlang, bis zu der wunderschönen Kalksteinformation, die zu den schönsten Zielen Siziliens zählt.

toller Stellplatz direkt am Meer

Um diesmal einen besseren Winkel zum fotografieren des Felsens zu bekommen, balancierte ich auf einer Kalksteinzunge, die ins Meer hinein reicht. Genau dort habe ich meinen eigenen Stein gefunden. Wenn das nichts ist.

ein Stein mit meinem Namen am Fuße der Scala dei Turchi

 

La Scala dei Turchi

Westlich von Porto Empodocle, am Punta Grande, locken die spektakulären Cliffs aus weißem Kalkstein. Die Scala dei Turchi passen nicht in das an der Küste übliche Bild. Hier hat die Natur etwas ganz besonderes geschaffen. Vom Aussichtspunkt ein paar hundert Meter westlich des Cliffs hat man einen schönen Blick auf die weiße Felsnase. Sie ist allerdings nur bei Sonnenschein gleißend weiß, sonst erscheint sie in fahlem Grau.

La Scala dei Turchi vom Aussichtspunkt gesehen

Scala die Turchi heißt übersetzt „türkische Treppe“. Der Name kommt von einer Legende. Die Schiffe marodierender Araber und Türken fanden in der Bucht mit den weißen Felsen einen schützenden Hafen. Über die natürliche treppenförmige Felsformation erreichten sie die oberhalb liegenden Dörfer und die Stadt Realmonte.

aus der Reihe gefallen

Es gibt keinen direkten Weg nach unten, sondern der Zugang muss östlich des angrenzenden Strandes genommen werden. Von dort aus, es sind einige Stufen nach unten zu steigen, ist es ein Fußweg von etwa 300 Metern zur türkischen Treppe. Der Felsen darf betreten werden und so zieht es viele Touristen dort hinauf. Schon der Anblick der weißen treppenförmigen Felsformation ist unglaublich, die ganz oben von gelbbraunem Sandstein gekrönt wird. Dort wo die Treppe nicht betreten werden kann, ist die sehr interessante Struktur des Felsen sichtbar. Ansonsten haben die Tritte der Touristen den Kalkstein glatt geschliffen.

Naturerlebnis türkische Treppe

Dieser Ort ist so schön, dass man sich kaum wieder von ihm trennen kann. Wenn man die Stufen, die man zum Strand hinunter kam, wieder hochgestiegen ist, wartet ein kleines Café auf den Besuch. Von dessen Terrasse kann man noch einmal die Aussicht über das Meer genießen, allerdings ohne türkische Treppe.

Nach diesem Erlebnis ist ein kleiner Abstecher nach Porto Empodocle empfohlen. Die Stadt sieht recht neu aus. Sie besteht aus einer Unter- und einer Oberstadt. Porto Empodocle ist heute der Hafen von Agrigento. In der Antike hatte diese Funktion der heutige Ort San Leone inne, wo wir auf dem Campingplatz stehen. Der Hafen von Porto Empodocle ist wenig sehenswert, aber von hier starten Fähren zu den vorgelagerten Inseln Lampedusa und Linosa.

am Hafen von Porto Empodocle

Am Hafen steht auch der Torre Karl V., einer der Verteidigungstürme an der sizilianischen Südküste. Dieser hier wurde rekonstruiert und hat ein besonderes Extra. Im 2. Weltkrieg baute man auf das Dach des Turmes einen MG-Bunker. Ob der im Ernstfall seinen Dienst auf einem Turm aus Mauerwerk tun konnte?

Torre Karl V. mit Bunker obendrauf

Die Fußgängerzone von Porto Empodocle, Via Roma, ist dagegen recht nett und im Sommer sicher ein Anziehungspunkt. Bronzeplastiken, Treppen mit Fliesen belegt, nach dem Beispiel der Scala di Caltagirone, die Kirche und die Wohnhäuser mit ihren netten Balkonen säumen die Allee zwischen ihnen.

Eckensteher Klaus mit Unbekanntem

Zwischen der Scala dei Turchi und Porto Empodocle wurden die Überreste einer römischen Villa ausgegraben. Die Villa Romana di Durrueli stammt aus dem 1. Jahrhundert. Das Gelände ist zwar geschlossen, aber von der Straße aus sind die Ruinen zu sehen.

Villa Romana di Durrueli

Auf dem Rückweg nach San Leone kauften wir in einem der Fischläden eine Sepia, um ein Rezept aus dem sizilianischen Kochbuch nachzukochen. Der Verkäufer meinte zwar, er wolle die Sepia küchenfertig machen, aber wir konnten ihm nicht beibringen, dass wir die Tintenblase in heilem Zustand brauchten. So nahmen wir sie im Ganzen mit. So eine Sepia kann man nur zurecht machen, wenn man genug fließendes Wasser hat, ist also nix für Camper außerhalb eines Campingplatzes.

frische Sepia naturell

Es war unsere erste Sepia, die ein Gewicht von fast 1,2kg hatte, also recht groß. Im Internet sagt man, dass sich die Tintenblase zwischen den Tentakeln befindet. Das Heraustrennen des Kopfes mit den Tentakeln war schon eine schwierige Aufgabe. Um die großen Augen herauszubekommen, musste ich mit dem Messer herangehen. Das Entfernen des Schnabels war dann leichter. Als ich bei der Arbeit war, kam der benachbarte Camper. Als er sah, was ich dort veranstaltete, wünschte er mir ganz höhnisch „viel Spaß“.
Nun mussten die Innereien aus der Tube. Hier dachte ich dann, dass die Tintenblase schon im Laden entfernt worden wäre. Das war ein Irrtum. Bei dem Versuch, die Innereien herauszubekommen, zerstörte ich die Tintenblase und eine unendliche Schweinerei nahm ihren Lauf. Ich konnte noch soviel Tinte retten, dass es für zwei Portionen reichte. Nun hatte ich alles auseinander und spülte die Tintenfischteile unter fließendem Wasser ab, was echt schwer war, denn die Tinte hatte sich überall und in alle Ritzen verteilt. Als letztes musste die Haut abgezogen werden. Bei den Kalmaren, die wir einmal zubereiteten, war dies ganz leicht. Anders bei der Sepia. Nachdem ich den Schulp, das Rückgrat der Sepia entfernt hatte, fiel die Tube zusammen, was das Enthäuten nicht gerade erleichterte. Am Rücken blieb also nur noch eine Haut übrig, die ich herausschnitt. Nach gefühlten drei Stunden war die Sepia dann endlich küchenfertig und konnte für unser Rezept „schwarze Spaghetti mit Tintenfisch“ verwendet werden. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal machen würde. Es war echt eine Schweine-Arbeit.

Siracusa

Siracusa wurde 734 v.Chr. von den Griechen gegründet und galt bis 212 v.Chr. als der Nabel der griechischen Welt. Leider war es keine sehr lebenswerte Zeit, denn der Stadtstaat der Antike wurde von Tyrannen regiert. Als dann die Römer kamen, belagerten sie Siracusa zwei Jahre lang und nahmen sie anschließend ein. Der Sage nach soll dabei einer der römischen Soldaten den berühmten Mathematiker Archimedes erschlagen haben. Dies war der vorläufige Untergang der Stadt. Im Archäologischen Park „Neapolis“ wurde ein Großteil des Zentrums des antiken Siracusa ausgegraben. Mit einem Ticket sind das römische Amphitheater, das griechische Theater, das „Ohr des Dionysus“ (eine 60m lange Höhle mit hervorragender Akustik) und weitere Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. Ein Großteil des Geländes sieht wie ein Steinbruch aus. Da wir die meiste Zeit des Tages in der Altstadt verbrachten und dann auch noch zu den Salinen wollten, ließen wir den Besuch des Archäologieparks aus. Wir versuchten noch, am oberen Ende des Geländes einen Blick auf die Theater zu erhaschen, aber das war nichts.

Höhlen im Archäologischen Park Siracusa

Um die Altstadt von Siracusa zu besuchen, parkten wir unser Auto auf dem Parkplatz direkt vor der Brücke zur Insel Ortigia. Die Insel ist durch zwei Brücken mit dem Festland verbunden, zwischen denen kleine Fischerboote einen Hafen gefunden haben. Von hier starten Rundfahrten per Boot an der felsigen, mit Höhlen durchsetzten Küste entlang.

zwischen Festland und Insel Ortigia

Wir lenkten unsere Schritte zuerst über die Promenade, die unterhalb der Altstadt verläuft. Sie wird durch einen kleinen Park am Ende begrenzt, in dem vier uralte Gummibäume mit vielen Luftwurzeln stehen. Gleich nebenan befindet sich ein winziger Strand.

Strand von Ortigia

Nur ein paar Meter weiter gelangt man zur Fonte Arethusa. Dies ist eine große Süßwasserquelle direkt am Meer. Eine Insel aus Papyrusstauden nimmt fast die gesamte Wasserfläche ein, in der sich Karpfen tummeln. Das Quellwasser fließt durch eine Öffnung in der Mauer ins Meer ab. Arethusa war eine schöne Waldnymphe, die sich der Sage nach an dieser Stelle ins Meer stürzte, um dem griechischen Flussgott Alpheios zu entkommen, der ihr nachstellte.

Fonte Arethusa mit Papyrusinsel

Ganz ohne Autoverkehr geht es bis zum Castello Maniace weiter, welches die Insel Ortigia zum Meer hin abschließt. Das Fort kann nur mit einem Eintrittsgeld von 4,-€ besichtigt werden, aber auf dem großen freien Platz davor kann man schön die Seele baumeln lassen, bevor man sich in die Gassen und ins Gewimmel der Altstadt begibt.

Castello Maniace

Die meisten der Gassen gleichen denen aller italienischen Städte, nur das sie in Siracusa mit vielen Barockelementen durchsetzt sind. Die Touristen finden hier alles, was sie „brauchen“. Der Domplatz ist auch in Siracusa ein sehenswertes Zentrum, fast alles im Barockstil gebaut. Die Fassade des Doms dominiert die Szenerie, aber auch das Rathaus und verschiedene andere Palazzi lassen die Besucher staunen. Ich komme mir wie in meiner Heimatstadt Dresden vor.

Domplatz auf Ortigia

Geht man nun wieder in Richtung der Brücken zum Festland, kommt man am Apollo-Tempel heraus. Viel ist nicht mehr übrig von ihm, aber die Ausmaße der Ruinen lassen erahnen, wie riesig der Tempel war.

Gleich nebenan steht die alte Markthalle aus dem Jahre 1900. Es gab schon in der Antike an dieser Stelle einen Markt, aber im Rahmen der Neuorganisation nach der spanischen Besatzung baute man die Markthalle, damit die frischen Waren wie Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse beim Verkauf nicht mehr so der Witterung ausgesetzt sind. Es entstand ein quadratisches Gebäude mit Bogenfenstern und einem Innenhof mit umlaufendem Arkadengang. Die meisten Verkaufsstände bieten ihre Waren jedoch außerhalb, rund um die Markthalle an.

im Atrium der alten Markthalle

Nach dem Stadtbummel in Siracusa fuhren wir noch zur Saline von Siracusa, im Westen des Porto Grande, wie die Bucht südlich von Siracusa heißt. Der Weg ist ausgeschildert, aber das letzte Stück des Weges muss man zu Fuß gehen, denn die Saline ist ein Naturpark. Auf der rechten Seite kann man über die Bucht hinweg die lange Skyline von Siracusa sehen. Links liegen die Wasserbecken der Saline, die heutzutage sich selbst überlassen werden. Wir hatten sogar Glück und sahen in der Ferne Flamingos. Die meisten von ihnen schliefen gerade, nur wenige stakten auf Nahrungssuche durch das flache Wasser.

Flamingos in der Saline von Siracusa

Auf dem Rückweg nach Avola nahmen wir die kleine Straße durch das Marschland und kamen dabei nach Ognina. Dieser kleine Ort liegt fast verlassen da. Es gibt eigentlich nichts, nur felsige Küste und einen hübschen kleinen Hafen. Im Sunset-Café Amyra kehrten wir zu einem Kaffee ein und genossen die winterliche Ruhe im Sonnenschein.

Eigentlich wollten wir uns noch in Fontane Bianche umsehen, aber das ist ein reiner Urlauberort. Zudem fanden wir nicht einen Zugang zum Strand. Der ist anscheinend nur für Hotelgäste oder über die öffentlichen Strandbäder im Sommer zugänglich.

Cesenatico

Zwischen Ravenna und Rimini liegt das schicke Hafenstädtchen Cesenatico. Es ist ein ganz besonderer Ort, denn den kleinen Hafen in der Altstadt hat 1502 niemand geringeres als Leonardo da Vinci entworfen. Im Kanal, der die Altstadt durchfließt und an dem der kleine Hafen liegt, dümpeln die alten Segelboote. Schön bunt bemalt erinnern sie an die ruhigen Zeiten vor dem Tourismus. Früher als Handelsschiffe genutzt, liegen sie heute fest vor Anker.

die alten Schiffe im Kanal von Cesenatico

Links und rechts des Kanals reihen sich Kneipen und kleine Läden. Was uns ziemlich nervt, seit wir in Italien unterwegs sind, ist, dass ausgerechnet zu der Zeit, in der wir unterwegs sind, die meisten Kneipen und Läden geschlossen bleiben. Ab der Mittagszeit bis zum Nachmittag ist Siesta, da bieten nur wenige Geschäftsleute ihre Dienste an. Das nur einmal am Rande.
Die alte Fischhalle öffnete für uns erst wieder um 16 Uhr. Bis dahin spazierten wir zum Leuchtturm am Ende des Kanals, wo sich wieder die rechteckigen großen Netze finden, die nur ins Wasser hinabgelassen und wieder hochgezogen werden. Diese sahen wir unterwegs von Comacchio bis nach Cesenatico immer wieder an vielen Kanälen, die die Küstenregion durchziehen. Der anschließende Besuch in der Fischhalle lohnte sich eher nicht. Den Großteil des Angebotes machen viel zu kleine Fische aus. Knurrhähne, Seezungen, Rotbarben usw. werden schon im „Kindesalter“ aus dem Meer gefischt. Wie soll da etwas nachwachsen?

Blick zum Leuchtturm

Um von einer Seite zur anderen des Kanals in der Altstadt zu gelangen, kann man zwei Brücken oder die kleine Fähre am „Porto Leonardo“, benutzen. Auf der rechten Kanalseite kommt man irgendwann an einem großen gelben Eckhaus mit weißen Fenstern vorbei. Dies ist wohl das Haus, in dem Leonardo da Vinci entweder gewohnt oder sich nur als Durchreisender aufgehalten hat. Ein Bild, welches ihn bei seiner Planungsarbeit am Hafen darstellt, erinnert daran.

Porto Leonardo

Unser Womo haben wir auf dem Area Comunale in Pinarella stehen, kostenlos. Pinarella ist ein Badeort wie viele an der Küste der Emilia Romagna. Jetzt im Herbst ist fast alles geschlossen, die Orte wirken wie ausgestorben. Die Straßen und Strände gehören wieder den Einheimischen.

Am Strand von Pinarella haben wir Herzmuscheln gesammelt, die dort in Massen gestrandet sind. Wir haben sie uns als Abendbrot schmecken lassen. Hier geht es zum Rezept für die selbstgemachten Herzmuscheln.

Po-Delta

Kaum hatten wir den Stellplatz im Delta des italienischen Flusses Po erreicht, empfing uns das Wetter mit einem ausgewachsenen Sturm und Regen, welches stundenlang und bis tief in die Nacht anhielt. Deshalb mussten wir unseren gerade begonnenen Rundgang durch den Fischereihafen von Goro-Gorino, dem wir einen Besuch des gleichnamigen Ortes anschließen wollten, schnell wieder beenden.
Wir stehen direkt zwischen dem Po-Goro und der Lagune am südlichen Deltarand. Durch den Sturm stieg der Wasserpegel schnell und drückte noch mehr Wasser durch die enge Schleuse zwischen beiden Gewässern, an der wir stehen. Es wurde etwas beängstigend. Müssen wir den schönen Stellplatz gleich wieder verlassen und tiefer ins Landesinnere, nach Goro, umziehen? Ein Auge hielten wir immer auf das Wasser gerichtet. Am nächsten Morgen schien wieder die Sonne.

Unwetter über dem Po-Delta

Das Po-Delta ist die Heimat von Nutrias. Eine Gruppe von ihnen lebt kurz vor Goro-Gorino an einen Wasserloch. Mal schwimmen sie, mal fressen sie das satte Grün am Wasserrand. Sie sind sehr scheu und lassen sich nur aus der Entfernung fotografieren. Die nahe an ihnen vorbeifahrenden Autos stören sie dagegen nicht. Nutrias haben wir jedoch überall gesehen, wo Wasser in der Nähe ist. Leider werden viele von ihnen hier im Park des Po-Delta überfahren.

Nutrias

Das Po-Delta wird stark landwirtschaftlich genutzt. Von Möhren, Rüben und Salat bis hin zu Haselnüssen wird auf dem fruchtbaren Boden manches geerntet. Jetzt im Herbst sind aber die meisten Felder umgepflügt. Deshalb sind kaum noch Vögel im Delta unterwegs, außer den üblichen vier Reiherarten (Grau-, Silber-, Seiden-, Kuh-), Möwen, Elstern und ein paar Singvögeln. Im Ebro-Delta ist da schon mehr los um diese Jahreszeit.
Goro und Gorino sind zwei ruhige Orte. Hier hat man Zeit, hier regiert die Natur. Nur in den zwei großen Häfen sieht man so etwas wie Geschäftigkeit. Allerdings fragt man sich, angesichts der unzähligen Fischerboote: Was fangen die? Soviel Fisch kann es im Po und der Lagune gar nicht geben. Viele Boote haben Ausrüstung zum Muschelfang dabei. Vor allem Miesmuscheln und Venusmuscheln werden in den Lagunen gezüchtet. Im Sommer werden Bootstouren zu den Muschelbänken angeboten.

Von unserem Stellplatz im Fischereihafen von Gorino sehen wir einen Leuchtturm. Leider ist dieser nur mit einem Boot zu erreichen. Wir fuhren über eine Behelfsbrücke kurz vor Gorino über den Po-Goro. Diese Behelfsbrücke kostet für PKWs 2,50€ Zoll pro Überfahrt und basiert auf mehreren Betonschiffen, die nebeneinander im Po-Goro liegen. Mit lautem Gerappel, die meisten Bohlen sind lose, erreichten wir das andere Ufer und folgten der Straße auf dem Damm, bis zu deren Ende. Den Rest bis zur Po-Mündung in die Adria muss man zu Fuß gehen, allerdings mit Hindernissen und nassen Füßen am Po-Ufer entlang. Auf den letzten 50m stapelt sich das Treibholz meterhoch, so dass das Ufer der Adria unerreichbar bleibt. Einen schönen Blick auf den Leuchtturm hat man trotzdem.

Mündung des Po-Goro

Comacchio ist die heimliche Hauptstadt des Po-Deltas und war im Mittelalter ein erfolgreicher Handelshafen. Die großen Erwerbszweige sind hier das Salz und der Aal. Die Salzproduktion begann schon in der Antike, als die Etrusker die Stadt Spina gründeten, deren Reste in der Nähe von Comacchio ausgegraben wurden. Schon Spina war ein wichtiger Handelshafen. Die Etrusker, an denen man nicht vorbeikommt, wenn es um Italien geht, legten die Salinen an, die über die Jahrhunderte bis 1985 genutzt wurden. Dann wurde die Produktion eingestellt und die Natur bekam ihr Recht zurück. Nur wenige kleine Salzbauern gibt es noch. Flamingos sollen hier brüten, aber im Moment sind sie nicht da.
Die Lagunen von Comacchio sind ebenso Lebensraum der Aale, wenn sie aus der Sargassosee, östlich von Florida im Atlantik, kommen. In der Zeit von Oktober bis Dezember ziehen die Aale wieder dorthin zurück. Seit Jahrhunderten werden die Aale dann mit Hilfe von Schrankensystemen aus Holz und Weidenruten in den Kanälen gefangen. Es gab viele dieser Schrankensysteme im Delta. Die dazugehörigen Bauwerke, Wohn- und Arbeitsraum der Fischer, sind heute meist nur noch Ruinen. Aale gibt es kaum noch, deshalb ging auch dieser Erwerbszweig auf ein Minimum zurück. In der Manifattura dei Marinati, der Fischfabrik, auch Haus des Aales genannt, kann man sich auf die Spuren der Aalverarbeitung begeben. Von Oktober bis Dezember, wenn die Aale gefangen werden, ist das Museum wieder als Fabrik tätig. Dann werden die Aale angeliefert, der Kopf entfernt, und der Rest wird auf lange Spieße gefädelt. Diese werden vor große Feuer gehängt, es gibt zwölf Kamine, bis sie gut gebraten sind. Dann schichtet man sie in Fässer, die zum Abschluss mit Marinade aufgefüllt werden. Für 3,-€ Eintritt ist man dann hautnah dabei. Wir jedoch waren wohl etwas zu früh, denn die Kamine blieben kalt und die Spieße leer. Mehrere Filme erklären dann die Funktionsweise der Fischfabrik. Es wurde sogar ein Film mit Sophia Loren gedreht, der sich mit dem Aalfang und der Fischfabrik beschäftigt. Anfang Oktober findet jedes Jahr das „Aalfestival“ statt. Deshalb kamen wir mit der Erwartung nach Comacchio, dass wir überall an Ständen oder so Aal probieren könnten. Stattdessen wird der Aal für teures Geld als Konserve in Spezialitätenläden oder als teure Gerichte in den Restaurants und Trattorias angeboten.

Fischfabrik oder „Haus des Aals“ in Comacchio

Die Lagunenstadt Comacchio ist trotzdem sehr sehenswert und eine echte Konkurrenz zu Venedig. Hier ist es zu dieser Jahreszeit sehr ruhig. In aller Ruhe und Gemütlichkeit lässt es sich an den vielen schönen Kanälen und bunten Häusern entlang spazieren. Ziegelbrücken ermöglichen den Seitenwechsel. An fast jeder Ecke erhebt sich eine Kirche. Im Stadtzentrum stehen ein Uhrturm und der Weizenspeicher.

Kanäle überall

Das imposanteste Bauwerk ist die Trepponti-Brücke, die 1630 als monumentales Seetor gebaut wurde. Über mehrere Treppen kann die Trepponti-Brücke passiert werden. Gleich nebenan befindet sich der alte Fischmarkt mit der Fischhalle. Comacchio ist unserer Meinung nach ein Muss, wenn man das Po-Delta besucht.

Trepponti-Brücke

Noch eines muss ich erwähnen. Vollkommen überrascht waren wir, als wir die großen Fischernetze bei Comacchio sahen. Es ist das gleiche Prinzip, wie die chinesischen Netze in Kerala (Indien). Nur das diese dort mit einem Hebel und sechs bis acht Mann bedient werden, und hier in Comacchio mit Hilfe eines Motors funktionieren. Die großen viereckigen Netze sind stationär und werden in das Wasser abgesenkt. Nach kurzer Zeit zieht man sie hoch und der Fang, meist nur kleine Fische, die frittiert werden, werden mit einem Kescher herausgefischt. Dabei müssen die Fischer schnell sein, denn Heerscharen von kleinen Krebsen, die mit dem Netz nach oben kommen, stürzen sich ebenfalls auf die Fische. Natürlich wollen auch die Möwen ihren Anteil.

Fischernetze in Comacchio

Der zweite Stellplatz im Po-Delta, den wir nutzten, war der naturbelassene Platz „Area Sosta Camper“, direkt bei den Lagunen von Comacchio, knapp südlich der Stadt. Die breiten Strände von Porto Garibaldi, Estensi und Spina sind auch gleich in der Nähe. Dort ist inzwischen auch alles in einen Dornröschenschlaf gefallen. Nur ein paar in dicke Jacken gehüllt Spaziergänger bevölkern jetzt den Strand. Die meisten Kneipen haben bis zum Frühjahr geschlossen.

Lissabon

Terreiro do Paço

Die Hauptstadt Portugals ist eine tolle Stadt, eine Stadt mit Seele. Lissabon lädt an allen Ecken zum Entdecken ein. Der Womo-Stellplatz zwischen Metro-Station Santos und dem Rio Tejo ist riesengroß und liegt zentral. Er ist jedoch auch mit Navinicht leicht zu finden, weil immer wieder Baustellen die Wege blockieren und Umwege durch die Gassen der Altstadt nötig werden. Außerdem trennt die Metrotrasse den Hafenbereich vom Rest der Stadt, aber wer dranbleibt, der siegt.
Zuerst steuert man die Touristinfo an. Dafür braucht man nur immer am Wasser entlang zu gehen. Auf dem Weg kommt man am Bootsanleger und dem großen Metrobahnhof vorbei. Gegenüber dem Metrobahnhof befindet sich die Markthalle Mercado da Ribeira, durch die man einmal schlendern sollte. Architektonisch eine Augenweide, enthält sie auf der einen Seite die Marktstände, auf der anderen Seite verschiedene Imbissstände.
Am Ufer weitergehend, erreicht man den Terreiro do Pa
ç
o. Dieser Platz wird von Prachtbauten umrahmt, die vom Arco da Rua Augusta gekrönt werden. In der Mitte des Platzes steht ein prächtiges Reiterdenkmal. Hier befinden sich die Touristinfos.

U-Boot in Caçilhas

Nachdem wir alles beisammen hatten, unternahmen wir zwei Ausflüge. Der erste war eine Fahrradtour auf die gegenüberliegende Seite des Rio Tejo, nach Almada. Dafür setzten wir mit der Personenfähre vom Bootsanleger in der Nähe des Stellplatzes über den Fluss. Das Ticket kostet 1,75€ pro Person, Fahrrad inklusive. In zwei Minuten ist man auf der anderen Seite namens Caçilhas. Schon von hier hat man eine gute Sicht auf Lissabon. Kommt man aus der Fährstation, findet man gleich geradeaus ein altes Barracuda-U-Boot im Trockendock liegen, welches über 40 Jahre lang im Dienst der portugiesischen Navy stand.

Segel-Fregatte „Fernando II e Glória“

Mehr verlockend ist jedoch der Besuch der alten Segel-Fregatte „Fernando II e Glória“. Es war das letzte Segelschiff der portugiesischen Marine, der sie mehr als 30 Jahre lang diente, vor allem auf der Ost-Indien-Route. 1963 zerstörte ein Feuer das Schiff fast völlig. 1990 bis 1998 wurde es komplett restauriert und liegt nun als Museumsschiff in seinem alten Glanz in einem der Docks von Caçilhas. Der Eintritt kostet 4,-€ pro Person. Dafür kann man durch drei Decks laufen, in denen das Leben an Bord deutlich wird. Die Restauration von Grund auf wird in einem interessanten Video dargestellt.

Panorama-Aufzug

Das Hauptziel der Fahrradtour war die Christus-Statue hoch oben in Almada. Dafür folgt man der Straße/Weg direkt am Ufer, vorbei an allerlei Ruinen, bis man zum Panorama-Aufzug kommt. In den Aufzug passen zwei Leute und zwei Fahrräder, was zusammen 1,-€ kostet. Der Aufzug bringt die Leute 62m hoch, die dann 70m über dem Fluss stehen und wieder eine atemberaubende Aussicht genießen können. Im Aufzug ist ein Plan erhältlich, wie man von dort zur Christus-Statue kommt.

Nachdem wir uns sattgesehen haben, schlugen wir den Weg bergauf und bergab zur Statue ein. Dort angekommen, kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus. Vom Plateau aus blickt man über ganz Lissabon. Die Stadt soll auf sieben Hügeln stehen, sagt man, aber man sieht es eigentlich nicht. Das östliche Ende, welches hinter den Rio Tejo sichtbar ist, erinnert mit seinen Kirchen und Palästen an den Canal Grande am Markusplatz in Venedig.

Tejo und Lissabon

Ponte 25 de Abril

Links von der Aussichtsplattform spannt sich die 70m hohe Hängebrücke Ponte 25 de Abril. Die Brücke sieht genauso aus wie die Golden Gate in San Francisco. Der Lärm, der vom Verkehr auf der Brücke ausgeht, ist unglaublich. Es hört sich an wie ein Schwarm von Riesenbienen. Ein Wohnen in der Nähe der Brücke ist kaum möglich. Für die Überfahrt nach Lissabon bezahlten wir übrigens 7,-€ Maut, für Wohnmobil mit Anhänger, zahlbar an der Brücke.

Christus Statue Lissabon

Die 28m hohe Christus-Statue, die auf einem 75m hohen Sockel steht, erinnert an die Christus-Statue in Rio de Janeiro. Jetzt haben wir drei Parallelen auf der Welt gefunden, die in Lissabon vereint sind. Wo findet man sonst so etwas, unglaublich. Im unteren Teil des Sockels ist eine modern eingerichtete Kapelle zu finden, und ein Souvenirshop. Die Statue wurde am 17. Mai 1959 errichtet zum Dank dafür, dass Portugal vom 2. Weltkrieg verschont blieb. Als wir dort waren, wurde sie gerade vom Umweltschmutz gereinigt. Zwei Arbeiter saßen auf dem Daumen der Statue und waren dort kaum zu sehen.

Torre de Belem

Denkmal der Seefahrer

Mit Hilfe des Smartphones fanden wir dann auch den Weg nach Porto Brandão, wo wir auf die Autofähre zurück nach Lissabon stiegen. In dem Ticket für 1,70€ pro Person ist die Fahrt zum Anleger im benachbarten Trafaria und die Überfahrt nach Belém enthalten.
In Belem sind der schlossartige Torre de Belém, einst eine Hafenfestung, und das riesige Denkmal der Seefahrer zu bewundern. An der Spitze derer, die Portugal zu einer Weltmacht werden ließen, steht Heinrich der Seefahrer. Für 4,-€ Eintritt darf man zur Aussichtsplattform hoch. Von hier aus startete Vasco da Gama 1497 seine Entdeckungsreise nach Indien.

Hieronymus-Kloster

Gleich hinter dem Denkmal der Seefahrer steht das Hieronymus-Kloster, ein architektonisches Kunstwerk. Das Innere des Klosters beherbergt das Grabmal von Vasco da Gama. Ursprung des Klosters ist eine Kapelle aus dem 15. Jahrhundert, welche Heinrich der Seefahrer in der damals kleinen Fischersiedlung bauen ließ.
Unter der Hängebrücke hindurch, an Häfen und Werften vorbei, erreichten wir den Stellplatz.

Fahrt mit Tram 28

Eine andere Möglichkeit, Lissabon zu entdecken, ist die Fahrt mit der Tram 28. Die nostalgischen Straßenbahnwagen sind die einzigen, die die unglaublichen, bis zu 13,5%-Steigungen bewältigen können. Es ist die einzige Adhäsionsbahn weltweit, die das schafft. Die Fahrt mit der Tram 28 ist nicht nur eine Stadtrundfahrt, sondern ein Abenteuer, welches einer Achterbahnfahrt gleicht. Es ist eine offizielle Nahverkehrslinie, so dass man auch in den Genuss des portugiesischen Nahverkehrsbetriebes kommt. Die Fahrt der Tram führt bergauf und bergab und man hat das Gefühl, dass Lissabon nicht nur auf sieben, sondern auf mindestens doppelt so vielen Hügeln steht. Kurve links, Kurve rechts, anfahren, alle Nase lang aus irgendwelchen Gründen halten, und sich durch die engsten Gassen schlängeln, da möchten wir kein Straßenbahnfahrer sein. Wie kann dabei nur ein Fahrplan eingehalten werden? Von der Stadt sieht man nur einen kleinen Teil, Fensterplatz vorausgesetzt, weil die Wagen fast immer mit Fahrgästen vollgestopft sind, aber das Erlebnis ist einzigartig. Die Einzelfahrt kostet 2,90€ zahlbar in der Bahn. Es gibt an bestimmten Ticketschaltern in der Stadt auch Tageskarten für die Linie 28. Damit kann man ein- und aussteigen, wo man will und sich dabei die Sehenswürdigkeiten an der Strecke ansehen. Infos über den Streckenverlauf bekommt man in den Touristinfos.

Elevador de Santa Justa

Sehenswert ist auch der „Elevador de Santa Justa“ aus dem Jahre 1901. Die wunderschöne Stahlkonstruktion steht auf der Rua do Ouro in der Altstadt und befördert die Passagiere auf eine Höhe von 45m. Eine Fahrt kostet 5,15€.
Das große Erdbeben aus dem Jahre 1755, welches uns schon seit der westlichen Algarve begleitet, zerstörte auch Lissabon, aber die Stadt wurde mit viel Liebe wieder aufgebaut und ist immer noch eine der schönsten Städte der Welt.

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