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Riga

Vollmond über Riga

So langsam merken wir, dass die ewigen Sandlandschaften langsam auf´s Gemüt gehen. Sand, Sand und immer nur Sand. Wenn es keinen Sand gibt, hat das Moor die Herrschaft übernommen. Ein Königreich für einen Felsen und festen Boden. 🙂
Dafür: Kaiserwetter beim Besuch von Riga. Neben Danzig ist Riga die wohl schönste Stadt im Baltikum. Die Skyline sieht aus wie eine Mischung aus Kopenhagen und Moskau. Von Kopenhagen scheint die Stadt die schlanken Türme übernommen zu haben, von Moskau die goldenen Kuppeln und den Hauptturm der Lomonossow-Universität.

Blick über Riga

An der Daugava gelegen und von einem Kanal durchflossen, mit viel Grün, spannenden Gebäuden und tollen Plätzen beeindruckt die Altstadt, die inzwischen UNESCO-Weltkulturerbe ist.
Es gibt zwei Möglichkeiten, diese schöne Stadt von oben zu sehen: den Turm der Petri-Kirche, das kostet allerdings inkl. Besichtigung der Kirche selbst, 9,-€ Eintritt. Einen Gratisblick bekommt man jedoch von der Skyline Bar im Radisson Blu, gleich hinter der orthodoxen Kirche. Man muss nicht gleich etwas konsumieren, wenn man aus dem 26. Stockwerk der Skyline Bar auf Riga hinabsehen will.

orthodoxe Kirche

Ein Glanzstück ist die orthodoxe Kirche von außen und von innen. Die goldenen Kuppeln glänzen weit ins Land. Der Innenraum der Kirche, mit der Kuppelkonstruktion, den starken Pfeilern und dem runden Grundriss, erinnert stark an die Haghia Sophia in Istanbul. Diese muss vor der osmanischen Herrschaft einmal genauso ausgesehen haben. Die Malereien, die goldstrotzenden Ikonen und der goldene Altar der orthodoxen Kirche von Riga sind einfach nur großartig.

deutsche Botschaft

Um von hier aus zur Altstadt zu gelangen, passiert man das Freiheitsdenkmal aus dem Jahre 1935. Es wurde mit Volksspenden finanziert. In der Umgebung stehen viele schön restaurierte Jugendstilgebäude. Das Gebäude der deutschen Botschaft sieht jedoch eher orientalisch aus.

Schwarzhäupterhaus

Ist man in die Rigaer Altstadt eingetaucht, läuft die Zeit anders. Enge Gassen mit Pflasterstraßen verbinden die Sehenswürdigkeiten wie den Pulverturm, das Schwedentor, die Große und Kleine Gilde, den Rigaer Dom und das Schloss, von dem aus der lettische Präsident regiert. Dazwischen der Domplatz und der Rathausplatz mit dem beeindruckenden Schwarzhäupterhaus.

Moonshine-Bar

Ein sehr gemütlicher Platz mit vielen Einkehrmöglichkeiten ist der Livu Platz. Auch sonst laden unzählige Kneipen und Cafés mit Außenplätzen und leckerem Angebot ein. Da möchte man doch alles ausprobieren. Uns hat es vor allem das „Moonshine“ angetan. Wer sich für das nostalgische Amerika begeistern kann, der ist in dieser Bar ganz richtig. Authentischer geht es nicht mehr und wir haben die besten Spareribs ever (jemals) gegessen. Das „Moonshine“ wirbt mit den besten Spareribs der Welt, und sie haben nicht übertrieben. Für ein Kilo zarteste Ribs mit Peperoni und frittierten Zwiebelringen, in einer Pfanne serviert, haben wir 16,-€ bezahlt.
Wer sich dazu mit Amerika auskennt, der weiß auch, dass „Moonshine“ nicht vom Mond herrührt, sondern der Schwarzgebrannte so genannt wird. Da der wirkliche Moonshine gerade nicht verfügbar war, musste der Rigaer Samogon zum Essen herhalten. Den hatten wir schon in der Markthalle kennengelernt, der wir am Abend zuvor einen Besuch abstatteten.

Zeppelinhallen

Der Zentralmarkt von Riga ist der größte Markt Lettlands. Der Markt nutzt heute die Zeppelinhallen am Ufer der Daugava. In jeder Halle ist ein anderes Angebot zu finden, eine Halle mit Fisch, eine Halle mit Fleisch und so weiter. Auf dem Außengelände wird zum größten Teil Obst und Gemüse angeboten. Kirschen gibt es jetzt ohne Ende. Nie haben wir so viele Kirschen gesehen, schön schwarz, groß und süß. Das Kilo kostet bis zu 2,50€. Da greift man gerne zu. Es werden aber auch weitere Gebäude für den Markt genutzt. Man kann hier stundenlang schlendern und einkaufen.
Wie schon erwähnt, wird der russische Selbstgebrannte Samogon angeboten. Er hat zwar nur 43%, aber schmeckt wie in alten Zeiten, reinster Schnaps von bester Qualität. Dieser Samogon wird im Rigaer Stadtviertel Mezaparks aus lettischem Blütenhonig hergestellt, ganz legal. Er ist zweimal destilliert und anschließend durch Moos und Aktivkohle gefiltert. Privat Selbstgebrannter, offiziell eigentlich verboten, hat irgendetwas zwischen 60 und 90% Alkohol.
Noch einen Hinweis: bloß nicht mit dem Auto in die Stadt fahren. Die Parkgebühren sind enorm. An der Markthalle haben wir für 1,5 Stunden 4,90€ bezahlt. Bisher kostete eine Stunde Parken in den baltischen Staaten 60 oder 90 Cent.

Aida cara vor Riga-Silhouette

Das Wohnmobil haben wir auf dem Riverside Camping auf der Insel Kipsala stehen. Zweihundert Meter entfernt befindet sich die Station für den Autobus in die Stadt. Eine Fahrt kostet 2,-€, egal wohin, egal wie lange. Der Campingplatz besitzt eine schöne große Terrasse direkt am Ufer der Daugava, mit einem tollen Blick auf den Fluss, das Speicherviertel und die Altstadt, sowie ankommende und abfahrende Kreuzfahrtschiffe. Die Aida cara stattete gestern Riga einen Besuch ab.

Den besten Blick auf Rigas Skyline hat man übrigens abends und bei schönem Wetter. Dann ist die Beleuchtung super. Den besten Standpunkt findet man am gegenüberliegenden Ufer, gleich neben der Hängebrücke.

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Rückblick Baltikum-Rundreise

Knapp vier Monate verbrachten wir in Nordpolen und den Baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland. Auf dem Weg nach Tallinn hielten wir uns zumeist an der Küstenlinie auf, nur um Kaliningrad mussten wir einen Bogen fahren. Die Visa- und Einreiseformalitäten für die russische Enklave waren uns für die kurze Zeit, die uns dort blieb, viel zu aufwändig. Ohne Zeitdruck erreichten wir nach zweieinhalb Monaten Tallinn, den Wendepunkt der Reise.

Innenhof der Malbork (Marienburg)

Als wir losfuhren, fragten wir uns, was wir bloß den ganzen Sommer über machen sollen. Die kürzeste Route bis Tallinn ist ca. 1200km lang. Die Strecke an der Küste entlang ist aber um einiges länger, und dann gab es so viele schöne Ziele auf der Strecke, dass wir immer nur Teilstrecken zwischen 50 und 80km zu fahren hatten, manchmal sogar weniger. Oftmals verbrachten wir mehrere Tage an einem Ort, weil auch die Umgebung einiges zu bieten hatte. So kam es, dass aus unserem zweiten großen Ziel, den Lofoten in Norwegen, nichts mehr wurde. So entschieden wir uns, von Tallinn aus nach Narva an der russischen Grenze zu fahren und am Peipussee entlang die Rückreise Richtung Süden anzutreten. Während im Osten Estlands noch mehrere Stell- und Campingplätze zur Verfügung stehen, sieht es im Landesinneren von Lettland und Litauen mehr als mau aus. So mussten wir an vielen interessanten Zielen vorbeifahren, weil wir keinen Platz für unser großes Wohnmobil fanden. Tagestouren von 200km und mehr kamen da schnell zusammen, und Tankstellen boten als einzige Platz zum Übernachten. Da muss noch dran gearbeitet werden, wenn auch diese Bereiche von Lettland und Litauen mehr Besucher haben wollen. An den gut besuchten Küsten gibt es dahingehend keine Probleme.

Gefahrene Kilometer gesamt mit dem Wohnmobil: 4900. Dazu kommen unzählige Kilometer, die wir wegen der Wohnmobilgröße mit dem Smart zurücklegten.

Irischer Pub in Tallinn

Die drei Baltischen Staaten sind eigentlich sehr unterschiedlich. Jedes Land hat seine eigene Sprache. Das Litauisch und Lettisch hat wohl etwas mit einem indogermanischen Ursprung zu tun, deshalb gibt es auch keine Parallelen zu den slawischen Sprachen, von denen wir dank unserer bruchstückhaften Russischkenntnisse wenigstens hin und wieder etwas verstehen. Auffallend sind die vielen Anlehnungen an das Griechische, zumindest vom Gefühl her. Vor allem im Litauischen enden viele Wörter mit …as. Im Estnischen hängt man gerne mal ein i an, zudem ist in dieser Sprache der finnische Einfluss nicht zu übersehen. Die vielen Doppelvokale sind ein eindeutiges Zeichen dafür.
Dank der verschiedenen Sprachen dieser drei Länder können sich die Einwohner untereinander nicht verständigen. Da ist es doch ganz praktisch, dass durch die russische Besatzung das Russisch als Amtssprache in allen drei Ländern eingeführt wurde. So konnten auch wir uns etwas verständlich machen, wo wir mit Englisch nicht weiterkamen. Deutsch spricht dort so gut wie niemand, wenn er nicht unmittelbar mit deutschen Touristen zu tun hat.

Die Preise sind ebenso unterschiedlich. Das teuerste Land ist Estland, es ist auch das fortschrittlichste der drei Baltischen Staaten. Die niedrigsten Preise findet man in Lettland, welches das ärmste Land des Baltikums ist. Nur die Spritpreise liegen in Lettland höher als in Litauen. Litauen liegt irgendwo im Mittelfeld, ist aber immer noch billiger als Polen. Es macht also mehr Spaß im Baltikum einen Kaffee zu trinken oder in einem Restaurant essen zu gehen. Diese Preise sind da recht einheitlich. Das Baltikum ist also ein ziemlich günstiges Reiseziel.

Was die Straßen angeht, da nehmen sich die polnischen und litauischen Straßen kaum etwas. Abseits der großen Fernstraßen sind viele Straßen ziemlich schlecht. Es sind jedoch Anstrengungen im Gange, da etwas zu ändern. Die besten Straßen sind in Estland zu finden, wenigstens soweit dies keine untergeordneten Nebenstraßen sind. Das Schlusslicht bildet Lettland, wo es eigentlich nur asphaltierte Hauptstraßen gibt. Die allermeisten Nebenstraßen sind Schotterpisten, wovon die meisten dazu noch einen sehr hässlichen Waschbretteffekt besitzen. Diese Pisten sollte man mit mindestens 80km/h befahren, damit man den Waschbretteffekt nicht so merkt. Allerdings wird wohl das Auto früher oder später protestieren. Gerade am Kap Kolka und im Gauja Nationalpark sorgten die Waschbrettpisten dafür, dass wir viele Ziele nicht anfahren konnten.

Landschaftlich lassen die Baltischen Staaten keine Wünsche offen. Vor allem Naturfreunde kommen dort voll auf ihre Kosten. Die großen Sanddünen bei Łeba und auf der Kurischen Nehrung sind genauso beeindruckend wie die Steilwände auf Saaremaa. Je weiter man nach Norden und Osten vorankommt, umso waldreicher werden die zumeist flachen Landschaften. Von Elchen, Wölfen und Bären ist die Rede, aber nicht eines dieser Tiere konnten wir zu Gesicht bekommen. In Estland soll es sogar mehr Elche als Menschen geben. Das wären dann mindestens 1,3 Millionen. Um eine Chance auf Sichtung zu bekommen, müsste man aber weit in die tiefen Urwälder vordringen, was wiederum von den Heerscharen an Pferdefliegen (Bremsen) unmöglich gemacht wird, wenigstens ohne besonderen Schutz. Man kommt keine fünf Meter in den Wald hinein, ohne attackiert zu werden.

Große Sanddüne bei Nida

Wenn man wie wir bei über dreißig Grad Außentemperatur unterwegs ist, will man beim besten Willen nicht mehr als nötig anziehen. Bei solchen Temperaturen kommt man sich im Baltikum auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit sowieso schon wie in den Südstaaten der USA vor. Es ist das reinste Treibhausklima. Eine gute Idee wäre da vielleicht ein Hut mit sehr breiter Krempe, von dem ein Ganzkörperkondom aus Gaze bis auf den Boden reicht. Das Thema Mücken ist dafür kaum eines, außer ca. vierzehn Tage im Mai und vierzehn Tage im August, wenn die Plagegeister vermehrt auftreten. Warum das so ist, keine Ahnung, jedenfalls funktioniert die Natur in der meisten Zeit des Jahres noch und hält die Mückenpopulation in Schach.

Zu den tiefen Wäldern des Baltikums kommen noch die großen Gebiete der Moorlandschaften. Estland besteht zu einem Viertel aus Mooren und Sümpfen, in denen eine besondere Natur zu Hause ist. Man sagt, von keinem Punkt in Estland aus ist der Weg bis zum nächsten Sumpf oder Moor weiter als 10km. Das könnte in etwa stimmen.

Suwalkipark

Wir hatten uns sehr auf die reiche Blaubeer- und Pilzernte gefreut. Wälder von Blaubeerkraut verhießen reiche Beute. Geblieben waren uns nur ein paar Handvoll, denn die Einwohner der Baltischen Staaten sind noch sehr naturverbunden und leben vielfach auch von dem, was die Wälder ihnen bieten. Einen Teil ihrer Ernte verkaufen sie am Straßenrand an vorbeifahrende Kunden und verdienen sich damit ein Zubrot. Da blieb für uns nichts mehr übrig. Der heiße und trockene Sommer, der ganz Europa im Griff hatte, trug sicher auch dazu bei, dass der Ertrag nicht ganz so üppig ausfiel.
Vor allem Honig wird sehr oft und überall angeboten. Der Preis für Honig liegt nicht weit unter den üblichen Honigpreisen im Rest Europas.

Was gibt es noch? Wer Stadtbesichtigungen liebt, der ist in den drei Hauptstädten des Baltikums sehr gut aufgehoben. Vilnius, Riga und Tallinn beeindrucken jede auf ihre eigene Weise, wohl vor allem, weil die Innenstädte noch original erhalten sind. Die schönste Skyline hat Riga zu bieten, die vollständigste Stadtmauer ist in Tallinn zu finden. Die schönste Aussicht auf die Stadt bietet sich über Vilnius. Die engen mittelalterliche Gassen, die hübschen Häuser und Fassaden haben alle drei Städte gemeinsam. Man kann wunderbar bummeln oder sich ein hübsches Plätzchen in einem der vielen Cafés oder Restaurants suchen.

Skyline Riga

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Maut. In den Baltischen Staaten sind Wohnmobile von der Maut ausgenommen. In Polen ist es dagegen ziemlich kompliziert und es ist sehr angeraten, sich ausgiebig mit dem Mautthema zu beschäftigen, wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist. Es gibt zwei Kategorien: Fahrzeuge unter 3,5t und über 3,5t. Die Mautstrecken für Fahrzeuge unter 3,5t beschränken sich auf wenige Strecken. Auskunft darüber erhält man beim ADAC. Allerdings haben wir unterwegs erfahren, dass man auch mit einem leichten Wohnmobil in die über 3,5t-Kategorie rutscht, wenn man über eine bestimmte Länge kommt, z.B. durch einen Anhänger. Wo diese Grenze liegt, können wir nicht sagen, aber wir trafen jemanden, der abkassiert wurde, weil er einen Motorradanhänger hinter dem unter 3,5t-Wohnmobil herzog.

Alle Fahrzeuge über 3,5t müssen eine ViaToll-Box haben, womit die Probleme schon anfangen. Um die ViaToll-Box zu bekommen, muss man einen ViaToll-Punkt anfahren, z.B. manche Orlen-Tankstellen. Auskunft darüber, und welche Strecken von der über 3,5t-Maut betroffen sind, bekommt man über die Internetseite von ViaToll. Wir haben jedenfalls geschlagene zwei Stunden auf der Tankstelle zugebracht, weil das System von ViaToll einfach mal abgestürzt war. Man muss also die persönlichen Daten hinterlegen, sowie 120,-Zl Kaution für die ViaToll-Box und 120,-Zl Vorkasse zahlen. Das sind zusammen ca. 60,-€. Das Gerät kommt an eine bestimmte Stelle an der Frontscheibe und dann kann man problemlos die Mautstrecken fahren. Wir wollten uns das eigentlich nicht antun und nur Landstraßen fahren, aber gerade wenn man an der Küste entlang fährt, kommt man um eine Mautstraße garantiert nicht herum, nämlich die einfache Landstraße 6 nördlich von Danzig, die auch mautpflichtig ist, was jedoch vorher niemand weiß. Es heißt, dass bestimmte Autobahnen und die S-Straßen mautpflichtig sind, aber auch normale Landstraße können mautpflichtig sein. Das bekommt man jedoch zu spät mit und schon ist man in die Mautfalle getappt. Dazu kommt, dass immer wieder neue Mautstrecken dazu kommen, die nirgends aufgeführt sind. Also am besten gleich eine ViaToll-Box zulegen, dann geht man allen Problemen dahingehend aus dem Weg.

Ein anderes Problem bekommt man, wenn man die ViaToll-Box wieder abgeben will. Während man das Gerät fast flächendeckend bekommt, gibt es im Land selbst nur um die fünf Stellen, wo man sie wieder los wird. Wir kamen über Bydgoszcz nach Wollin zurück. In Wollin riefen wir bei ViaToll an, wo wir die Box wieder abgeben könnten. Da bekamen wir zur Auskunft, das dies in Bydgoszcz möglich wäre. Wenn man aber von Bydgoszcz Richtung Stettin fährt, kommt man garantiert noch einmal in Mautstrecken hinein, so dass die Box bis dorthin noch gebraucht wird. Wie soll das gehen? Eine andere Möglichkeit ist, die Box an die Zentralstelle in Poznan per Post zu schicken und dann auf das Geld zu warten. Das sollte man von Polen aus tun, weil sonst die Postgebühren viel zu hoch sind. Also wir finden, dass dieses System viel zu kompliziert ist. Wir fuhren mit dem PKW ein weiteres Mal nach Polen und gaben das ViaToll-Gerät auf der Post ab. Mal sehen, was weiter passiert.

Es war jedenfalls eine weitere tolle Tour, die wir erleben durften. Die ganze Route könnt Ihr Euch auf der Tourkarte ansehen. Vielleicht seid Ihr jetzt auch so neugierig auf das Baltikum wie wir es bei unserem Aufbruch waren. Es lohnt sich.

Lebensraum einer Kormorankollonie auf der Kurische Nehrung

Ich möchte noch anmerken, dass diese Ausführungen unsere persönlichen Eindrücke sind. Wir haben aber schon mehrfach gehört, dass es da durchaus auch andere Meinungen über bestimmte Dinge gibt. Habt Ihr noch Änderungen oder Ergänzungen, die Ihr uns mitteilen möchtet, dann bitte gern als Kommentar hinterlassen. 

Vöru

Katharinenallee

Die Stadt Võru liegt herrlich am Ufer des Tamulasees. Obwohl der Ort schon seit mindestens fünftausend Jahren besiedelt ist, existiert die Stadt Võru erst seit dem 21. August 1784. Sie wurde auf Wunsch der Zarin Katharina II, zusammen mit dem Generalgouverneur von Riga errichtet. Das Zurechtfinden in Võru ist einfach, denn alle Straßen verlaufen rechtwinklig zueinander. Das kennen wir doch woher? Ja richtig, in Amerika ist das ein sehr beliebtes Schema. Viele der ursprünglichen Holzhäuser sind bis heute erhalten geblieben. Dabei besinnt man sich inzwischen wieder auf das Traditionelle und an manchen der alten Fassaden werden die Verkleidungen entfernt, so dass die dicken Holzbalken wieder zum Vorschein kommen. Die moderne Wärmedämmung muss dann wohl innen erfolgen.
Für den Bau der Katharinenkirche, die am 24. Juli 1793 eingeweiht wurde, spendete die Zarin 28.000 Silberrubel. Auch eine Katharinenallee gibt es in Võru. Sie führt vom Kreutzwaldpark hinter dem Strand bis zum Marktplatz. Die 50 alten Bäume, die die Allee säumten, wurden 2013 im Zuge der Renovierung durch jüngere Bäume ersetzt.

Kreutzwaldpark

Ein Name taucht in Võru immer wieder auf: Kreutzwald. Dr. Fr.R. Kreutzwald hat sich um die estnische Literatur verdient gemacht und ist der Autor eines Nationalepos. Dazu verstand er etwas von Medizin und Physik und machte sich beim mentalen Aufbau Estlands einen Namen. 44 Jahre lebte Kreutzwald in Võru. Er starb 1882 und wurde in Tartu begraben.

Brücke zur Roseninsel

Der Tamulasee ist, wie der Peipussee, auch ziemlich warm und angenehm zum Baden gehen. Die Stadt verfügt über einen großen Strand mit vielen Freizeitmöglichkeiten. In den See hinein ragt die Halbinsel Roosisaar, Roseninsel. Im Sommer 1938 fand eine Frau aus Võru ein Auerochsenhorn und verschiedene andere Dinge aus längst vergangener Zeit, als sie ihren Ring suchte, der in den Fluss gefallen war. 1958 wurde eine Brücke über den Fluss am Westende des Sees gebaut. Dabei fand man weitere Stücke wie Steinwerkzeuge, Tonscherben, noch mehr Hörner und Bernsteinschmuckstücke, sowie 24 Skelette. Untersuchungen ergaben, dass die Siedlung 4500 Jahre alt ist.
Seit dem 23.12.1998 ersetzt die längste Hängebrücke Estlands, die eine Länge von 111m hat, die alte Brücke über den Fluss. Durch einen gelben Rahmen, wie es viele in Estland gibt, es ist ein Kunstprojekt, wird die Hängebrücke ins rechte Licht gesetzt.

Suur Munnamägi

16km südlich von Võru erhebt sich der Suur Munnamägi, der höchste Berg des Baltikums. Das klingt gut und spannend, aber der Berg misst gerade einmal 318m. Auf dem Gipfel steht ein Aussichtsturm. Nachdem man das Eintrittsgeld bezahlt hat, darf man den Rundumblick über das weite Umland genießen.

Aussichtsturm in Rõuge

Einen Besuch lohnt auch der Ort Rõuge, westlich vom Suur Munnamägi. Hier lockt ein besonderer Aussichtsturm mit zwei Plattformen. Bis 2015 stand ein hölzerner Turm an der Stelle, bevor er 2016 ersetzt wurde. Der neue Turm sieht aus, als würde er zwei Storchennester tragen.
In der Nähe des Turmes begannen Studenten der Tartu Universität mit der Rekonstruktion einer Wikingersiedlung, auf Grundlage der Ausgrabungen an dieser Stelle. Sie lebten und arbeiteten sogar eine Woche lang in dieser Siedlung, einer sehr kalten Woche im Winter, Über den Ausgang steht nichts geschrieben.
Auf dem Hügel nebenan, direkt über dem Nachtigallental, stand im 5. Jahrhundert ein Dorf, welches zu einer Siedlung mit mehreren hundert Einwohnern anwuchs. Der Handel blühte auf und ein Fort wurde gebaut. Ende des 11. Jahrhunderts gingen die Siedlung und das Fort unter. Erst 1613 lebte Rõuge wieder auf.

Das waren unsere letzten Erlebnisse in Estland. Nun kehren wir wieder nach Lettland zurück. Die letzte Nacht verbrachten wir übrigens auf dem Parkplatz direkt an der längsten Hängebrücke Estlands am Tamulasee.

Tallinn

aus Marzipan gemacht

Schon vieles haben wir über Tallinn gelesen und gesehen, aber: Was hat Tallinn mit Marzipan zu tun? Tatsächlich streiten sich die beiden Hansestädte Tallinn und Lübeck darüber, wer das Recht darauf hat, die Süßigkeit erfunden zu haben. Schon im Mittelalter wurde Marzipan in der Tallinner Ratsapotheke als Arznei hergestellt und verkauft. Wie damals wird Marzipan, heute eine Süßigkeit, nach Jahrhunderten nach dem gleichen Rezept hergestellt. Probieren und kaufen kann man die Leckerei z.B. im Stirnhaus an der Großen Gilde oder in der Nähe des KGB-Gefängnisses in der oberen Pikkstraße. Dort ist auch ein kleines Museum untergebracht, freier Zutritt. Es ist unglaublich, was man alles mit Marzipan machen kann. Ich liebe sowieso Marzipan.

Die Ratsapotheke ist die älteste Apotheke in Europa, die seit 1422 ununterbrochen in dieser Funktion besteht. Der Großteil der Räume wird inzwischen allerdings als Antik-Geschäft genutzt.

Blick vom Domberg

Tallinn erinnert ein bisschen an Riga, ist aber doch anders. Die Altstadt Tallinns, UNESCO-Weltkulturerbe, ist immer noch weitestgehend von einer Stadtmauer umgeben. Ein kleines Stück davon, am östlichen Tor in der Virustraße, kann begangen werden. Das kostet 3,-€. Viele der Beobachtungstürme sind ebenfalls noch erhalten. Die Stadtmauer umgab die Unterstadt, die seit Gründung 1230 bis Februar 1918 noch Reval hieß. Hier hielten sich die Einwohner, Handwerker und Kaufleute auf. Die deutsche Hanse ließ Reval erblühen. Der Domberg Toompea bildete die Oberstadt, die eher eine kirchliche Welt war. Seit dem 11. Jahrhundert steht die Ordensburg dort, die 1770 Zarin Katharina II. zum Barockschloss umgestaltete. Hier tagt das estnische Parlament. In einem anderen Komplex hat die estnische Regierung ihren Sitz. Verschiedene Botschaften sind auf dem Domberg auch ansässig.

Alexander-Newski-Kathedrale

Es gibt drei Aussichtspunkte, von denen aus man auf verschiedene Stadtteile Tallinns blicken kann. Den besten Überblick hat man wahrscheinlich vom Turm der Olaikirche aus, der jedoch nicht umsonst zu haben ist.
Ebenfalls auf dem Domberg steht die Alexander-Newski-Kathedrale. Wie alle orthodoxen Kirchen ist auch diese üppig mit goldenen und silbernen Ikonen ausgeschmückt. Die oberste Kuppel scheint sehr hoch.

hübsche kleine Ecken

Das Zentrum der Unterstadt ist der Rathausplatz, aber es lohnt sich, durch die alten Gassen zu schlendern und durch die offenen Türen der alten Gebäude zu schauen. Noch nie haben wir hinter so viele Türen gesehen wie in Tallinn. Das schönste Gebäude, auf einer Tafel davor ist zu lesen: „14 Stufen ins 15. Jahrhundert“, ist die Olde Hansa“. Das Gebäude, die Innenräume, das Essen, die „Diener“, alles original. Wer das nötige Kleingeld dabei hat, wird in der Olde Hansa auch mit Bären- und Elchfleisch bewirtet. Man sollte jedoch ein Eichhörnchenfell dabei haben, dann spart man sich das Trinkgeld.

Drei Schwestern

In der Pikkstraße sind Gildehäuser ausländischer Händler, das Schwarzhäupterhaus, ein kleiner Park und die Gefängniszellen des KGB zu finden. Sechs Zellen im Keller für 9,-€ Eintritt fanden wir dann doch etwas zu viel. Ein schönes Ensemble bilden die Drei Schwestern, drei Speicherhäuser aus dem Jahre 1362. Heute ist darinnen ein Hotel untergebracht.

außerhalb der Stadtmauer

Am nördlichen Ende von Tallinns Altstadt steht die Dicke Margarethe, ein gewaltiger Wehrturm, der das Stadttor von See her schützte. Eine Aussichtsplattform und das Maritime Museum können besichtigt werden. Bei unserem Besuch war es leider geschlossen.
Die westliche Seite der Stadtmauer begeht man am besten an der Außenseite, wo ein Gartengelände zu finden ist. Verschiedene Gartenbauarchitekten stellen hier ihre blumigen Kreationen vor.

Balti Jaama Turk

Die Nunnestraße, an dieser Seite aus der Altstadt kommend, führt direkt zur Markthalle Balti Jaama Turk, hinter dem Bahnhof. Es ist nicht der Zentralmarkt und es herrscht auch kein Marktgewimmel. Unter den Dächern des Marktes wird in mehreren Räumen, großen und kleinen, alles angeboten, was man von einem Markt erwartet. Dazu bieten einige Stände Essen und Trinken in verschiedenen Varianten an, so dass man sich nach einem langen Stadtspaziergang etwas stärken kann.

abendliches Tallinn

Wir haben für unser Womo einen großen, leeren und kostenlosen Parkplatz direkt an der Tallinnbucht gefunden, gleich südlich des Yachthafens Pirita, während die beiden Womo-Stellplätze dort sehr teuer und völlig überlaufen sind. Von hier aus kann man unglaubliche Sonnenuntergänge beobachten, hat man einen schönen Blick auf die Skyline Tallinns und sieht die Fähren und Kreuzfahrtschiffe ankommen und abfahren. Auf der langen Promenade kann man die Seele baumeln lassen. Wie immer, hat auch Tallinn viel zu viel für einen Tag zu bieten. Da sind z.B. das Barockschloss im Kadriorg-Park, das Filmmuseum an der Tallinnbucht und der Strand nördlich des Piritahafens.
Von Pirita aus fährt der Bus in die Innenstadt. Eine Fahrt kostet 2,-€ und die Station (Endstation) heißt Viru Keskus. Von dort ist es nicht mehr weit zur Altstadt. Für die Rücktour befinden sich die Haltestellen im Untergeschoss des großen Gebäudes, auf dem Viru Keskus steht.

Orissaare – Saaremaa (Ösel)

Jahrestag der Unabhängigkeit

Endlich wieder festen Boden unter den Füßen, nach mehr als zwei Monaten. Wir sind auf der estnischen Insel Saaremaa, deutscher Name: Ösel. Sie besteht, wie die Schwesterinsel Muhu, aus versteinertem Meeresboden, also aus Kalkstein. Kein ewiger Sand, wenige Kiefern, dafür viel Wacholder.
Bis 1991 sowjetisches Sperrgebiet und für Außenstehende unzugänglich, ist sie heute eine Insel ohne Bausünden, mit ursprünglichem Leben und ganz viel Natur. Eigentlich sah Saaremaa seit der Ankunft des Deutschen Ritterordens 1227 immerwährend fremde Mächte, als da die Schweden und die Dänen wären. Die Esten hatten seitdem nie etwas zu sagen. Erst 1918 erlangte Saarema, sowie ganz Estland, die Unabhängigkeit. Der Deutsche Ritterorden besaß zu diesem Zeitpunkt immer noch die Hälfte der Insel. Er wurde enteignet und für kurze Zeit war Estland endlich Herr seines eigenen Landes, zumindest solange, bis die Sowjets kamen. Mit der erneuten Unabhängigkeit 1991 gehört nun Estland mitsamt seinen Inseln den Esten. Seitdem feiern die Esten zwei Unabhängigkeitstage im Jahr, wie die Letten, die ziemlich die gleiche Geschichte erzählen. In diesem Jahr feierte man den 100. Jahrestag der Unabhängigkeit vom Zarenreich und den Deutschen. Zur Sonnenwendfeier am Kap Kolka hatten die Leute eine 100 in den Sand gegraben und Teelichte hineingestellt. Jetzt wissen wir warum.

Koguva

Um Saaremaa zu erreichen, muss man mit der Fähre von Virtsu aus übersetzen. Die Überfahrt dauert eine halbe Stunde und kostet knapp 15,-€ für ein Wohnmobil mit zwei Personen. Dann ist man erst auf der kleinen Insel Muhu. Von Muhu nach Saaremaa führt ein Damm durch das sehr flache Wasser der Väike Straße.
Für die meisten Reisenden ist Muhu nur Durchgangsstation. Wir wollten uns zumindest das Museumsdorf Koguva ansehen. In diesem Dorf ist die Zeit im 18. Jahrhundert stehen geblieben. Der Dorfkern ist komplett unter Schutz gestellt. Mit einem 4,-€-Ticket kann man in diese Zeit eintauchen. Die alten Häuser sind fast winzig, die Grundstücke mit flachen Feldsteinmauern umgeben, die inzwischen dicke Moosschichten angesetzt haben. Manche Einwohner stapeln ihre Holzscheite für den Winter auf diesen Mauern.
Koguva war ein Fischerdorf. Die Fischer holten im Winter ihre Boote an Land und legten sie kieloben auf den Mauern ab. Manche Boote, die irgendwann nicht mehr gebraucht wurden, liegen noch heute dort.

Kirche von Liiva

In Liiva, wieder ein Hinweis auf den Volksstamm der Liven, steht die St. Katariina Kirche aus dem 13.-14. Jahrhundert. Sie besitzt als mittelalterliche Burgkirche auf Saaremaa keinen Turm. Der Innenraum wirkt geplündert, nur die schmückenden architektonischen Elemente aus dem Inselgestein Dolomit, und ein paar wenige Wandmalereien, sind erhalten.

Noch ein Wort zu dem aussterbenden Volksstamm der Liven. Immer wieder kommen uns die Namen Liven und deutsch-livonisch unter. Livonisch ist nur ein anderes Wort für livisch. Die Liven siedelten rechts und links der Rigaer Bucht auf lettischem Boden. Daher existieren auch im Gauja Nationalpark Hinweise auf sie. Noch vor ein paar Jahrhunderten zählten die Liven mehrere 10.000 Angehörige, heute sind nur noch gut 200 von ihnen übrig, die im lettischen Bezirk Kurland ansässig sind. Die Wurzeln der Liven liegen in Finnland.

Hain-Wachtelweizen

Wieder auf Saaremaa fuhren wir in den Südosten der Insel, nach Saareküla. Dort gibt es einen gut 2km langen Wanderweg durch Mischwald, mit Lichtungen und altem Moorland. Hier wachsen Orchideen und andere exotische, nordische Pflanzen. Wenn man Glück hat, bekommt man ein Reh zu Gesicht, auch Kraniche. Man sagt, dass es in Estland mehr Elche als Menschen gibt. Daher warten wir in den Wäldern immer auf eine Sichtung, aber bisher erfolglos.

Denkmal

Einen Kilometer hinter dem Wanderparkplatz befindet sich direkt an einer Abzweigung ein Denkmal. Es sieht aus wie ein alter Steinkreis, auf einem stufigen Podest in der Mitte liegt ein gespaltener Felsbrocken. Es erinnert jedoch an die antike estnische Herrlichkeit, als es noch keine Fremdherrscher gab.

In Pöide suchten wir die Brauerei, aus der das Bier stammt, welches wir in der kleinen Hafenkneipe in Orissaare angeboten bekamen. Die Brauerei ist aber in Kuressaare zu finden. Dafür besichtigten wir die Kirche in Pöide. Sie sieht noch jämmerlicher aus als die in Liive, total hinüber. Jetzt wird versucht, noch zu retten, was zu retten ist, aber es wird eine Mammutaufgabe werden. In Anbetracht des fehlenden Geldes eher nicht machbar. Die Bauschäden sind zu groß.

Burg Maasilinn

Eine andere Rundtour von Orissaare aus brachte uns Richtung Westen an der Küste entlang. Das erste Ziel ist dabei die Ruine der deutschen Ordensburg Maasilinn aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde aus dem heimischen Kalkstein erbaut. Die dicken Mauern und die Gewölbe der Kellerräume bestanden aus einer Art grobem Ziegelmauerwerk. Das muss eine immense Aufgabe gewesen sein, dieses Mauerwerk hochzuziehen. Die Burg bestand einstmals aus drei Stockwerken. Schon 1576 zerstörten die Dänen, die die Insel Saaremaa eroberten, die Burg. Heute sind nur noch die Kellerräume zu besichtigen. Die Gewölbe waren so stabil, dass sie bis heute halten. Von der ersten Etage sind nur noch Reste übrig. Die Burg Maasilinn kann kostenfrei besucht werden. In der näheren Umgebung befinden sich weitere Ruinen und Burgwälle.

Pulli pank

Nun folgten wir immer der Küstenstraße Richtung Leisi. Die nächste Sehenswürdigkeit ist Pulli pank, eine kleine Steilküste mit Felsaufschlüssen. Es soll die repräsentativste Steilküste auf Saaremaa sein, aber sie ist nicht die größte. An diesen Stellen sieht man schön die verschiedenen Schichten, die die Meeresorganismen über Jahrmillionen seit dem Silur-Zeitalter gebildet haben, dazu die Verwerfungen durch die Tektonik. Um diese Pulli pank zu erreichen, bedarf es allerdings etwas Kletterarbeit, denn einen geeigneten Weg dorthin hat man nicht angelegt.

Jaani Kirche

Auf dem weiteren Weg nach Leisi kann man ab und zu zur Küste abbiegen. Etwa auf halbem Weg kommt man an der kleinsten Kirche Saaremaas vorbei, der Jaani Kiriku, die vom Ende des 17. Jahrhunderts stammt. Sie wurde für Aussätzige gebaut, war daher keine Burgkirche und besitzt deshalb einen Turm. Leider ist sie verschlossen.

Da wir überlegen, den Weg weiter nach Tallinn über die Insel Hiiumaa zu nehmen, fuhren wir zum Fährhafen in Triigi. Außer dem Fährhafen ist dort jedoch nichts weiter. Der besteht aus der Rampe, der Hafenaufsicht und einem kleinen Café. Viermal am Tag verkehrt die Autofähre zwischen den Inseln.

Ein Zwischenstopp in Leisi (Laisberg) ist nicht von langer Dauer. Man ist in fünf Minuten durch den äußerst ruhigen Ort gelaufen. Die kleine orthodoxe Kirche am Südrand Leisis ist auch verschlossen.

Bockwindmühle auf Saaremaa

Den letzten großen Stopp auf der Rundfahrt legten wir in Angla ein, südlich von Leisi gelegen. 1925 standen auf dem dortigen Hügel noch neun Windmühlen. Es soll ein besonders windiger Ort auf der Insel sein. Überlebt haben vier typische Bockwindmühlen und eine Holländermühle, die von innen zu besichtigen ist. Zum Gelände gehört auch das Kulturzentrum Angla, in dem ein Museum über die Geschichte der Gegend eingerichtet ist. Auf dem Außengelände stehen noch alte landwirtschaftliche Maschinen und Kutschen. Der Eintritt in dieses Ensemble kostet 3,50€ pro Person. Landestypische Handwerkskunst wird angeboten, die hier aus Kalkstein gefertigt wird, welche wir bisher auf den Märkten aus dekorativem Wacholderholz gemacht sahen, wie Dosen, Untersetzer, Mörser und andere Gebrauchsgegenstände.

Farbtupfer

Was macht man mit einem toten Baum, der frei zwischen anderen einzelnen Bäumen in der Landschaft steht? Klar, man malt ihn an und sorgt so für gute Laune. Diesen Baum findet man an der Straße 10 auf dem Rückweg nach Orissaare, rechte Seite.

Pärnu

Steg für Fischzaun

Auf dem Weg nach Pärnu, das liegt schon in Estland, übernachteten wir im noch lettischen Salacgriva. Touristisches Infomaterial brachte uns in diese Küstenstadt. Quer über den Fluss Salaca steht hinter dem Stadtgebiet ein hölzerner Steg. Hier und im 6km südlicher gelegenen Fluss Svétupe stehen zusammen drei dieser Stege. Wofür sind die? Es sind die drei letzten Fischzäune für den Neunaugenfang, der auf diese Weise schon seit 150 Jahren funktioniert. Wenn die Neunaugen die Flüsse aufwärts ziehen, werden an den Fischzäunen bis zu 200m lange Reusen befestigt, mit denen die Neunaugen gefangen werden. Die lebenden Fossile sind zwar weltweit vom Aussterben bedroht, aber in Lettland gehören sie seit alters her auf den Speiseplan. Im August findet in jedem Jahr das Neunaugenfest statt. Hätten wir schon in Riga gewusst, dass dort die Neunaugen im Zentralmarkt angeboten werden, hätten wir garantiert einmal probiert.

Altstadt Pärnu

Pärnu ist eine Kurstadt, ein Ostseebad mit langem Sandstrand und die Sommerfrische der Esten allgemein. Die Stadt liegt an der Pärnu-Bucht, die Teil der Rigaer Bucht ist. Das Kurviertel Pärnus liegt mit dem ehemaligen Kurhaus, heute Hotel, direkt hinter dem Strand. Im großzügigen Kurpark kann man die Seele baumeln lassen. Hinter dem Kurpark befindet sich die schöne Altstadt Pärnus. Viele der alten Holzhäuser sind noch erhalten und schön rekonstruiert. Dazwischen stehen vereinzelt Backsteinbauten. Der größte Teil der Altstadt ist autofrei und viele kleine Kneipen und Cafés laden zu einer kleinen Pause ein. Eines der ältesten Häuser ist das ehemalige Hospital, in dessen direkter Nachbarschaft das Hotel St. Peterburg steht.
Außerdem ziert die Stadt das einzig erhaltene Stadttor im Baltikum. Es stammt aus der Schwedenzeit.

Teil des Denkmals (zum Blättern)

Die Stadt Pärnu hat einen berühmten Sohn. Vor dem Pärnuu Museum steht ein Denkmal für ihn. Es handelt sich um Gustav Peter Fabergé, dem Schöpfer der berühmten Eier für den russischen Zaren. Er wurde am 18. Februar 1814 in Pärnu geboren. 1842 gründete er in St. Petersburg sein eigenes Juwelieratelier. Ich bin Dresdnerin, aber das Gustav Peter Fabergé 1893 in Dresden starb, das wusste ich nicht, ziemlich peinlich.

Quesadillas mit Pulled Pork

Das Wohnmobil steht am Yachthafen auf dem Parkplatz, der 2,-€ für 24 Stunden kostet. Der Platz liegt in der Nähe der Altstadt und der Promenade am Fluss Pärnu. Eine Empfehlung fürs Abendessen: „Sheriffs Saloon“, ca. 200m vom Parkplatz entfernt, rechts halten. Neben einer breiten Burger-Palette werden auch verschiedene Rib-Gerichte sowie mexikanische Gerichte angeboten. Gleich nebenan befindet sich das Tex-Mex.

Gauja Nationalpark

Wir sind nun schon eine Weile in den baltischen Staaten unterwegs. Jeder Staat hat seine eigene Sprache, so dass sich die Bewohner untereinander nicht verstehen können. Durch die russische Zeit, in der die nationalen Sprachen „unerwünscht“ waren, sprechen die meisten Menschen immer noch russisch. Russisch ist daher die Verständigungssprache und neben Deutsch die wichtigste Fremdsprache in den baltischen Staaten. Da wir vor über dreißig Jahren auf Montage (Erdgastrasse) in der ehemaligen Sowjetunion waren, und in der Schule Russisch-Unterricht hatten, liegen bei uns im allerhintersten Hirnbereich noch ein paar Brocken Russisch herum. Es ist erstaunlich, wie viel davon wiederkommt, wenn man damit längere Zeit konfrontiert wird.

die Gauja

Wir besuchten den Gauja Nationalpark. Die Hauptattraktion dieses Parks ist der gleichnamige Fluss. Die Gauja ist knapp 500km lang, aber sie ist so sehr gewunden, dass Anfang und Ende viel weniger als die Hälfte Luftlinie auseinander liegen.
Der Gauja Nationalpark deckt einen Großteil der sogenannten lettischen Schweiz ab, eine waldreiche Hügellandschaft mit idyllischen Flusstälern. Der Nationalpark ist jedoch eigentlich nur für Fahrradfahrer und Wanderer so zu erleben, wie es ihm gebührt. Die meisten Straßen sind unbefestigte Schotterpisten. Viele Sehenswürdigkeiten sind trotzdem nur zu Fuß zu erreichen, mehr oder weniger Kilometer von den Schotterpisten entfernt.
Trotzdem kann man auch per Auto einiges sehen. Zwei interessante Ziele sind die Orte Līgatne und Cēsis.

Fähre über die Gauja

Wir standen zwei Nächte auf einem Parkplatz am Ungurssee. Von dort aus ist Līgatne nur über eine 13km Schotterpiste zu erreichen, wenn man nicht unendliche Zusatzkilometer in Kauf nehmen will. Am Ende der Schotterpiste wartet eine kleine Fähre, die Fußgänger, Fahrräder und Autos über die Gauja bringt. Ein PKW mit zwei Passagieren kostet 3,50€. Diese Fähre ist im Baltikum einzigartig und die einzig erhaltene Fähre von ehemals vielen über die Gauja. Auf zwei Bootskörpern liegt eine Plattform aus Brettern. Der Antrieb erfolgt aus einer Kombination aus Muskelkraft und Strömung an einem Seil entlang. Beim Übersetzen hat man etwas Zeit, einen ersten Eindruck von der Gauja mit ihren sandigen Ufern zu bekommen.

alte Papierfabrik

Zwei Kilometer weiter lädt Līgatne zu vielen verschiedenen Entdeckungen ein. Im Ort selbst steht alles unter dem Zeichen der Papierherstellung. Seit 1815 produzierte man 200 Jahre lang große Mengen Papier in einer riesigen Fabrik, deren Gebäude sich über ganz Līgatne verteilen. Im Rahmen einer Führung bekommt man Einblick in das Leben der Arbeiter, die Herstellung des Papiers und die Fabrik. Sogar einige originale Wohnhäuser, hölzerne Reihenhäuser aus den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts, stehen noch und sind nach wie vor bewohnt.
An der Hauptstraße durch den Ort, in Richtung Skalupes, sind zwei Sandstein-Felswände zu bewundern, in die große Löcher gegraben wurden. Diese Räume dienten als Kellerräume für die Einwohner Līgatnes. Vor dem 16m hohen Felsen auf der rechten Seite findet man eine Fischtreppe, die 2011 gebaut wurde.

Sandsteinfelsen

Auf dem Weg zu dem Felsen auf der linken Straßenseite kommt man an weiteren Kellern vorbei, die zum Teil heute noch genutzt werden. Handwerkliche Arbeiten, ein Weinkeller und ein Stand, an dem gesunde Süßigkeiten aus Breitwegerich und Kiefernzapfen angeboten werden, sind dort zu finden. Kiefernzapfen kann man essen? Nie wären wir auf die Idee gekommen, aber die Dame, die das anbietet, lud uns zum Probieren ein. Da werden Zapfenlikör, Zapfenmarmelade, Zapfensirup für medizinische Zwecke und in Sirup getränkte Kiefernzapfen am Stiel angeboten. Wir kauften ihr Kiefernzapfen am Stiel und Zapfenmarmelade ab. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Ob wir so etwas auch selbst hinkriegen?

Tarneingang zum Bunker

Der schon erwähnte Ort Skalupes ist hauptsächlich Rehabilitationszentrum, und das schon seit sowjetischen Zeiten. Seit dem ist anscheinend nie wieder etwas am Gebäude gemacht worden. Die Atmosphäre ist ziemlich erdrückend. Das Hauptgebäude bewahrte aber bis 2003 ein großes Geheimnis. In neun Metern Tiefe breitet sich ein 2000m² großer, ultrageheimer sowjetischer Bunker aus. Wie der solange geheim bleiben konnte, ist uns ein Rätsel.
Eine Führung kostet 8,80€ pro Person und dauert eineinhalb Stunden. Im Preis inbegriffen ist ein sowjetisches Essen, Pelmeni mit Hackfleischfüllung und ein Glas Saft dazu. Der Grundriss des Bunkers ist fast quadratisch und symmetrisch. In der Mitte liegen die Wohnräume des Bunkerchefs und des Generals. Drumherum gruppieren sich Arbeitsräume, Dekontaminationsräume, Sanitärräume, Küche und Speiseraum, sowie Klimaanlage und Notstromgeneratoren. Da die Leute, die den Bunker nutzen sollten, auch irgendwo schlafen mussten, gehen wir davon aus, dass es noch mehr Etagen gibt. Sogar ein artesischer Brunnen, 150m tief, ist vorhanden.
Dieser Bunker wurde für die Regierung in Riga gebaut, die im Ernstfall hierhin abgeholt wurde. Er wurde für 250 Leute kalkuliert, die darin leben und arbeiten sollten. Wie lange solch ein Fall dauern sollte oder konnte, weiß man nicht. Tatsächlich wurde der Bunker nur wenige Male von wenigen Menschen genutzt. Nur einmal kamen 300 Menschen hier zusammen, aus der Regierung und dem Sicherheitskommitee. Sie trainierten 1984 drei Tage lang den Ernstfall. Noch heute sind alle Anlagen voll funktionsfähig und werden ein paarmal im Monat überprüft.

Gaujakurve

Hinter der Rehabilitationsklinik führen mehrere Wege durch den Wald an das Ufer der Gauja. Wenn man dem Weg „Gauja“ folgt und am Ufer nach links abbiegt, kommt man an ein traumhaftes Plätzchen. Hier macht die Gauja eine Kurve. Über viele tausend Jahre wurde an dieser Stelle eine Sandsteinwand ausgewaschen und der nackte Fels zeigt sich.

Āraišu Inselsiedlung

Südlich von Cēsis liegt der Archäologiepark „Āraišu“, Eintritt 2,-€. Hier sind drei Teile zu bewundern. Auf der rechten Seite stehen Rekonstruktionen von stein- und bronzezeitlichen Häusern am Ufer des Āraiši-Sees. Von 1965-1979 fanden zehn archäologische Ausgrabungen statt. Anhand der Funde und Erkenntnissen von anderen Ausgrabungsorten baute man nach bestem Wissen und Gewissen diese Häuser nach. Schon die Steinzeitmenschen wussten, wo es schön ist.
In der Mitte des Geländes thronte im 14.-17. Jahrhundert eine steinerne Burg des Livonischen Ritterordens. Nach der Zerstörung der Burg im Schwedisch-Polnischen Krieg verfiel die Burg. Inzwischen stehen nur noch ein paar Grundmauern.
Links von der Burg entstand die Rekonstruktion einer Inselsiedlung aus dem 9.-10. Jahrhundert. Zehn dieser Inselsiedlungen sind inzwischen auf dem Gebiet Lettlands bekannt. Diese hier im Āraiši-See wurde von dem altlettischen Stamm der Lettgalen erbaut. Es ist die einzige Rekonstruktion solch einer Inselsiedlung, bei deren Errichtung man sich Daten und Fundstücke aus allen zehn Ausgrabungen zu Hilfe genommen hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die ganze Siedlung steht auf einer Plattform aus Rundhölzern, die auf einer Sandbank im See ruht. Darauf wurden die kleinen Wohnhäuser aus Rundhölzern gebaut, die nur einen Raum und einen kleinen Vorbau hatten. Vermutlich wurden die Fußböden mit Lehm begradigt, denn auf den Rundhölzern lässt es sich nicht wirklich gut gehen. Kleine Lehmöfen in den Wohnräumen dienten als Heizung und Herd.

Zentrum von Cesis

Die kleine Stadt Cēsis scheint auf den ersten Blick ganz schön mitgenommen. Der Zahn der Zeit nagt an den Häusern, aber es wird inzwischen einiges für die Erhaltung des Altstadtkerns getan. Die alten Holzhäuser entführen in frühere Zeiten. Von der mittelalterlichen Burg aus dem Jahre 1207 ist nicht mehr viel übrig. Irgendwann diente sie dem Deutschen Orden in Livland als Residenz. Die St. Johanniskirche, ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert, diente dem Orden als Dom, in dem die Ordensmeister und Ritter beerdigt wurden.

Spiegel-Cliff

Da wir die dritte Nacht auf dem Campingplatz Žagarkalns verbringen, erkundeten wir den angrenzenden Wanderweg „Cīrulīšu“. Zuerst führt er an die Gauja, bevor er zum alten Bett der Gauja führt. Über 60 Millionen Jahre hat sich die Gauja durch die Sandsteinfelsen gegraben und dabei ein Tal mit Wänden in fünf Terrassen geschaffen. Am alten Bett der Gauja ragt das Spiegelcliff 140m lang und bis zu 10m hoch senkrecht in den Himmel. Das Wasser am Fuße des Felsens ist glasklar. Es wird durch eine Quelle gespeist, die 5-10l pro Sekunde hervorbringt. Praktischerweise hängt ein Becher an der Felswand, damit man das Quellwasser in vollen Zügen genießen kann.

Skipiste im Gauja NP

Wenn man der Verlängerung des Weges durch den Urwald des Gauja Nationalparks folgt, kommt man bald an einem Zeltplatz heraus. Dieser befindet sich zwischen der Gauja und einem Wintersportgebiet. Es führen ein Sessellift und ein Skilift auf den Eichenberg, von dem man die Abfahrt per Ski, Rodel oder was auch immer, starten kann. Am Ende der Piste wartet das Wasser der Gauja. Es ist die längste Skipiste Lettlands. Wenn man Glück hat, ist sie gefroren. Früher existierte einmal eine Bobbahn aus Beton an diesem Berg. Von der sind aber nur noch Überreste vorhanden.
Dann beginnt man den Rückweg, auf dem die „Rote Höhle“, ein von Menschen gemachtes Loch im Felsen, der Freundschaftsbaum und eine weitere, unzugängliche Höhle liegen.

Freundschaftsbaum

In der Hauptsache wird der Urwald des Gauja Nationalparks aus Kiefern und Fichten gebildet. Beide Arten brauchen unterschiedliche Wachstumsbedingungen, und trotzdem wachsen eine Kiefer und eine Fichte an der exakt gleichen Stelle. Deshalb wird dieser Zwillingsbaum „der Freundschaftsbaum“ genannt.
Im Moment wird der Cīrulīšu-Weg mit wilden roten Johannisbeeren und Blaubeeren versüßt. Die Pilze lassen noch auf sich warten. An wenigen Stellen gedeiht sogar wilder Hopfen, wie an den kleinen Weg an der Einfahrt zum Campingplatz.

Es gibt unzählige Sehenswürdigkeiten im Gauja Nationalpark, von Bauernhöfen, Wanderwegen, Kanufahrten, bis hin zu Höhlen, Felswänden und Quellen. Da braucht man schon einige Wochen, um alles zu erkunden. Wir haben leider nicht so viel Zeit, deshalb pickten wir uns nur ein paar interessante Orte heraus.

Während in Deutschland über 30 Grad herrschen, super, müssen wir inzwischen mit 13-15 Grad und Wind leben. Brrr.

Engure-See

Ried

Seit fünf Tagen regnet es mehr als die Sonne scheint, dazu ist es mit ca. 15 Grad kalt. Hoffentlich bleibt das nicht so.
Zwischen Roja und Jurmala, an der Küste der Rigaer Bucht, liegt der Engure-See. Er ist der drittgrößte See Lettlands, allerdings mit 2,50m an der tiefsten Stelle doch recht flach. Im See haben sich viele Inseln gebildet, die Seevögeln sichere Plätze zum Aufenthalt bieten. In der Sprache der Prussen und Liven heißt Engure „Aal“. Anfang des 20. Jahrhunderts fischte man hauptsächlich Aale. Im Laufe des 1. Weltkrieges war die Fischerei eingestellt und der Bestand der Aale explodierte. 1929 starb der Aal dann aus ungeklärten Gründen im Engure-See aus. Der See wurde 1957 unter Schutz gestellt, seit 1998 gibt es den gleichnamigen Naturpark. Inzwischen werden im Park 186 Vogelarten, davon viele in Lettland auf der Roten Liste stehend, beobachtet. Dazu kommt eine reiche Fauna, mit vielen Orchideenarten.

Beobachtungsturm

Rund um den See stehen mehrere Aussichtstürme, die eine Beobachtung der Tierwelt am und auf dem Engure-See möglich machen. Am mittleren West- und auch Ostufer sollen Wildpferde und wilde Rinder beobachtet werden können. Wir fuhren zum östlichen Ufer. Ein Wanderweg führt durch den Wald immer am Ufer entlang. Zwischen diesem Wanderweg und dem Aussichtsturm befindet sich ein großzügig eingezäuntes Gelände, in dem die wilden Pferde und Rinder unter Beobachtung gehalten werden. Wahrscheinlich aber gehört auch noch ein großes Stück Wald dazu, in den sich die Tiere zurückziehen können.

Koni-Pferde

Am meisten waren wir auf die lettischen blauen Kühe gespannt, die hier eine Heimat haben. Leider konnten wir nicht ein Exemplar finden. Seit wir in Lettland unterwegs sind, sahen wir jedoch mehr oder weniger vereinzelte Tiere dieser alten Rasse auf den Weiden stehen, meist zusammen mit den allgegenwärtigen schwarz-weißen Hausrindern. Die blauen Kühe haben ein blaugraues Fell und fallen sofort ins Auge. Sie werden wegen der Fellfarbe auch „Meereskühe“ genannt. Der Engure-See war für uns wohl die letzte Gelegenheit, diese Kühe zu beobachten und vielleicht noch ein Foto zu machen.
Dafür trafen wir vier der polnischen Koni-Pferde, und eines ihrer Fohlen, an. Sie standen direkt am Weg zum Aussichtsturm und nahmen Kontakt mit uns auf, ein tolles Erlebnis.

Orchidee

Bevor man zum Aussichtsturm abbiegt, kann man dem Orchideen-Pfad folgen. Mückenspray nicht vergessen! Auf diesem Weg sind tatsächlich jede Menge Orchideen zu sehen, aber eher die von der Art des Knabenkrauts. Es soll jedoch auch die Arten geben, bei denen man anhand der charakteristischen Blüten sofort erkennt, dass es sich um Orchideen handelt.

Der Engure-See ist durch einen Kanal mit der Rigaer Bucht verbunden. In Mērsrags kann man sich z.B. im Yachtclub Kajaks ausleihen und den 4km langen Kanal abfahren. Im Engure-See angekommen, sollte man sich unbedingt eine Landmarke aussuchen, damit man um die vielen Inseln herum die Einfahrt zum Kanal wiederfindet. Der Yachtclub bietet ein paar Womo-Stellplätze, die auch wir nutzen.

Strand bei Mersrags

Ein anderes Ausflugsziel in Mērsrags ist der kleine Leuchtturm. Er ist zwar nicht öffentlich, aber hübsch anzusehen. Er steht in einer Ferienanlage. Der Strand ist an diesem Küstenabschnitt sehr steinig. Große runde Steinbrocken zieren in Massen den Strand bis ins Wasser hinein. In der Nähe des Leuchtturms liegen ein paar Steine in einer Zick-Zack-Linie im Wasser, an deren Ende der Teufelsfelsen liegt. Der Legende nach soll der Teufel hier eine Brücke gebaut haben, dies sind die Überbleibsel.
Von zwei Aussichtstürmen aus hat man einen schönen Blick über die Schilfwiesen zur Rigaer Bucht.

Kap Kolka

Kreuzsee am Kap Kolka

Im äußersten Norden des Bezirkes Kurland befindet sich der Slitere Nationalpark, der das Kap Kolka einschließt. Es ist eine kleine Landzunge, die wie das Kap Skagen (Dänemark) in zwei Meere hineinragt und seine Form ständig ändert. Kap Kolka ist zwar nicht so spektakulär, aber auch beeindruckend. Auf der linken Seite branden die Ostseewellen ans Ufer, an der rechte Seite grenzt die Rigaer Bucht an das Kap. Beide Meere treffen sich an dieser Stelle und bilden auch hier eine kleine Kreuzsee. Am Ufer liegen die letzten Reste eines alten Leuchtturms, dessen Geschichte 500 Jahre zurückreicht. Der neue Leuchtturm steht weit draußen vor der Küste, am Ende einer Sandbank, die immer wieder Seefahrern zum Verhängnis wurde.

Entzündung des Sonnenwendfeuers

Genau hier wollten wir das Sommer-Sonnenwendfest mit den Einheimischen feiern. Schon zwei Tage vorher traf man Vorbereitungen für ein großes Feuer am Kap und Musik. Seit zwei Monaten begleitete uns schönstes Wetter. Ausgerechnet an diesem Tag, regnete es immer wieder. Genau eine Stunde, bevor das Fest um 21 Uhr losgehen sollte, setzte ein furchtbarer Dauerregen ein, gekoppelt mit einem steifen Wind. Die Leute kamen trotzdem, in Regencapes gehüllt und mit Blumen- oder Blätterkränzen auf dem Kopf. Der Organisator, mit einem dicken Eichenlaubkranz auf dem Kopf, verteilte Texte, damit die Leute zusammen singen konnten. Trotz strömenden Regens, begrüßte man den Sommer und begann zu singen. Nach einer Weile entzündete man das große Feuer. Da die Musik bei dem Regen nicht einsetzbar war, sangen die Leute eben selbst. Das Fest dauerte bis nach Mitternacht, aber wir waren mit unseren Schirmen so durchgeweicht, das wir uns bald verabschieden mussten.

Camping bei livischer Familie

Eine Nacht standen wir auf dem kostenlosen Parkplatz auf der linken Kapseite, von wo aus wir das ganze Kap Kolka erkunden konnten. Ein Aussichtsturm und ein Kiefern-Pfad sorgen für mehr Übersicht und Aufklärung. Am nächsten Morgen zogen wir zum Ferienhaus und Campingplatz „Ūši“ in Kolka um. Die Anlage wird von einer livischen Familie betrieben. Der Volksstamm der Liven lebt schon ewig hier, zählt jedoch mit nur noch ca. 230 Mitgliedern zu den aussterbenden Völkern. Die Familie begrüßt auch Reisebusreisende, um sie mit ihren livischen Spezialitäten zu bewirten. Das sind zum einen Sklandrausis (Karottenkuchen), wirklich sehr lecker, und Graupengrütze, die über offenem Feuer vom Opa gekocht wird.

„nasser Strand“

Im Norden Kurlands ist einiges zu sehen und zu erleben. Leider ist nur die Küstenstraße asphaltiert. Deshalb wandten wir uns zuerst der Küste an der Rigaer Bucht zu. Bei Evazi führt ein kurzer Weg (300m) durch den Wald zum einzigen „nassen Strand“ in Lettland. Klingt komisch, aber es ist eigentlich das Riff gemeint, welches vor der Küste liegt. An der Wasserlinie selbst wachsen einige kleine Pflanzen, die sicher ein Hinweis auf die Vielfalt im Wasser sind.

„weiße Düne“ von Pūrciems

Ein paar Kilometer weiter gibt es einen anderen Pfad. Der führt zur „Weißen Düne“ von Pūrciems. Der Bretterweg führt zuerst nach unten und überquert das Flüsschen Pilsupe, dann steigt man wieder ein paar Stufen nach oben auf die Düne und läuft ein wenig durch den Wald. Das Flüsschen wird noch einmal überquert, danach steigt man noch einmal ein paar Stufen nach oben, bevor man an der „Weißen Düne“ steht. Im Laufe vieler tausend Jahre grub sich das Flüsschen in die Düne. Die Düne ist so hoch und deren Hang so steil, dass dieser nie wieder Pflanzen einen Halt gab. Der Sand liegt in Form eines Amphitheaters offen, direkt an einer Kehre der Pilsupe.

Bootsfriedhof im Wald

Dann wollten wir von Gipka aus durch das Tal des Flüsschens Pilsupe nach Westen fahren, um nach Slitere zu gelangen. Leider sind wohl alle Straßen im Norden Kurlands unbefestigt, jedenfalls alle, die wir zu sehen bekamen, außer wie gesagt der Küstenstraße. So fuhren wir nach Kap Kolka zurück und fuhren nun die Ostseeküstenstraße nach Süden. In Mazirbe ist der „Bootsfriedhof im Wald“ zu finden. 1976 nahmen die Russen den einheimischen Fischern ihre Boote weg, um deren Fischerei einzudämmen. Die Fischerboote landeten im Wald hinter der Stranddüne, wo sie seitdem verrotten. Heute sind nur noch zwei Boote zu erkennen, wenige Reste zweier weiterer Boote sind kaum noch auszumachen.

am Leuchtturm gefunden

Der Leuchtturm von Slitere steht weit im Landesinneren, obwohl er erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Heute dient er als Aussichtsturm, aus dessen vielen Fenstern im obersten Geschoss nach allen Seiten sehen kann. Blickt man über die Meerenge zwischen Ostsee und Rigaer Bucht entdeckt man bei schönem Wetter die estnische Insel Saaremaa.
Den Weg nach oben verkürzt eine Ausstellung zum Nationalpark, Leuchttürmen und die Kultur in diesem Landstrich. In dem Gebäude neben dem Leuchtturm zeigt eine Ausstellung, welche Pflanzen und Tiere im Slitere Nationalpark zu finden sind.

am See Pēterezers

Ein sehr schöner Wanderweg, der 3,4km lange Naturpfad des Sees Pēterezers, gelegen zwischen Slitere und Mazirbe, zeigt die unterschiedliche Natur des Nationalparks. Der Pfad führt über viele Dünen durch einen Kiefernwald, an mehreren Sumpf- und Wasserlöchern vorbei, durch einen Wald von Schachtelhalmen weiter zum Pēterezers, in einer großen Lichtung gelegen. Dessen Wasser ist durch den Moorboden, in dem er liegt, schwarz. In diesem Moorland fühlen sich Orchideen und Sonnentau wohl. Es ist der abwechslungsreichste Weg, den wir in den Baltischen Staaten gegangen sind.

Bärlauchsuppe

Versüßt hat uns diesen Ausflug ein Wildkirschbaum am Leuchtturm Slitere, wo wir uns den Bauch vollschlugen. Hmm, waren die lecker. Bei einem Spaziergang durch den feuchten Wald fanden wir eine Stelle mit ganz viel Bärlauch. Davon nahmen wir uns zwei Hände voll mit, um eine schöne Bärlauchsuppe daraus zu machen. Das Rezept:
2 Hände voll Bärlauch, 3 große Kartoffeln, 1 Zwiebel, 1/2l Gemüsebrühe, Sahne oder Creme fraiche nach Belieben, Salz, Pfeffer, Muskat. Die Zwiebel in Butter anbraten, geschnittenen Bärlauch (ein paar Blätter für Deko aufheben) und gewürfelte Kartoffeln dazugeben und mit der Brühe ablöschen. Kochen, bis die Kartoffeln weich sind, dann pürieren. Mit Sahne und den Gewürzen verfeinern. Die Suppe in einen Teller füllen und mit den beiseite gelegten Bärlauchblättern garnieren. Wir gaben noch einige Garnelenschwänze obendrauf. Superlecker.

Sado-Mündung

Gemüsegärten in Comporta

Ein uralter Zeitungsbericht führte uns zur Mündung des Rio Sado. In dem Gewässer leben Flaschennasen-Delfine. Es ist die einzige Gruppe dieser Art in Portugal und einer der sehr wenigen Gruppen in Europa. So groß ist die Sado-Mündung nicht, aber auch diesmal hielten wir erfolglos Ausschau nach Delfinen. Am besten macht man eine Bootsfahrt, aber heute wurde keine angeboten.
Ein Ausgangspunkt, um den Naturpark Sado-Mündung zu erkunden, kann Comporta sein. Der Ort liegt zwischen der Sado-Mündung und der Bucht von Setúbal. Er bietet einen großen kostenlosen Wohnmobil-Stellplatz und authentisches portugiesisches Leben. Zudem ist Comporta eines der Lieblingsorte der Schwarzstörche. Die Welt besteht aus Sand, zumindest von Sines aus bis nach Tr
óia. Ausnahmen sind die Einzugsgebiete zahlreicher Flüsse, die sehr fruchtbaren Boden hinterlassen haben. Die meisten Einwohner bauen ihr Gemüse dort selbst an und es gedeiht prächtig. Weite Flächen werden für den Reisanbau genutzt.

Adega da Herdade da Comporta

Auf der Halbinsel Setúbal spielt Weinanbau eine große Rolle. Gekeltert, gelagert und abgefüllt wird der Wein z.B. in der Adega da Herdade da Comporta. Das Gebäude ist einer römischen Villa nachempfunden. Eine alte Pflasterfläche im Innenhof könnte darauf hindeuten, dass genau an dieser Stelle einmal eine römische Villa stand. In der Adega werden bei Bedarf Führungen angeboten und im Shop wird der Wein verkauft.

Porto Palafitico da Carrasqueira

Östlich von Comporta liegt der kleine Fischerhafen Porto Palafitico da Carrasqueira. Da das Wasser flach ist und die Fischer auch bei Ebbe hinausfahren wollen, bauten sie eine kleine Welt auf Pfählen. Über die schwebenden Bretterwege können sie damit ihre Anleger und die Boote erreichen.

braune Sichler

Auf den Feldern auf der anderen Seite halten sich braune Sichler in Scharen auf, wenn sie sich zum Fressen einfinden. Ein schönes Schauspiel.

Stran von Tróia

Von Comporta nach Norden führt eine schmale Landzunge nach Tróia. Dieser Ort ist rein touristisch. Was sich dort lohnt ist ein Spaziergang von der Marina immer am Strand entlang. Der Sand ist weiß, das Wasser sauber und Sandbänke liegen zwischen der Sado-Mündung und der Bucht von Setúbal. Von der Marina Tróia fährt eine Fußgängerfähre hinüber nach Setúbal.

Reste von Cetóbriga

Jeden Sonntag ist die Besichtigung der Ruinen der römischen Stadt Cetóbriga möglich. Hier befand sich die größte Fisch-Einsalzungsfabrik im römischen Reich. Außerhalb der Besuchszeiten kann man die Ausgrabungsstätte auf einem 2,7km langen Weg zu Fuß erreichen. Das Gelände ist dann zwar abgeschlossen, aber einiges ist auch von außen zu sehen. Interessant ist es auch, sich rechts herum zu wenden und ein Stück weit am Strand entlangzugehen. Das ist zwar nur bei Ebbe möglich, aber dann sieht man viele Wandreste am Waldrand, die nach und nach durch das Wasser des Rio Sado weggespült werden. Der ganze Strand ist mit den alten Mauersteinen und Ziegeln übersät. Wie es aussieht, bedeckte Cetóbriga die komplette Landzunge.
Comporta und seine Umgebung sind es durchaus wert, auch weiträumiger erkundet zu werden. Unsere Zeit wird nun knapp und wir müssen sehen, dass wir vorwärts kommen.

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