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Santa Fe – New Mexico

Da wir die Interstate nach Albuquerque gefahren sind, um die bergig-kurvige Strecke nach Santa Fe zu umgehen, haben wir Santa Fe mit unserem Truck im Rahmen einer Tagesfahrt besucht. Es waren zwar mehr als 50 Meilen, aber es hat sich gelohnt. Schon auf der Fahrt dorthin, die Straße ist unter dem Namen Turquoise Trail bekannt, boten sich herrliche Aussichten auf die Berglandschaft rundum.

Zuerst kamen wir durch Golden, wo im 19.Jahrhundert Gold abgebaut wurde. Die netteste Ruine, die wir dort fanden, war die „Arschtritt-Ranch“.

 

Im nächsten Ort Madrid wurde bis 1950 herum Kohle abgebaut. Im Minenmuseum kann man sich darüber informieren. Außerdem bietet das Museum weitere Informationen über diesen Ort. Thomas Edison, der Erfinder zahlreicher elektrischer Gerätschaften, war in Madrid und hat dort eine Batterieauflademaschine für die Kopflampen der Grubenarbeiter gebaut. Außerdem wurden zahlreiche Filme in Madrid gedreht, wie z.B. „Convoi“. Madrid ist aber auch berühmt für seine jährliche Weihnachtsbeleuchtung des Ortes. Eigentlich ist der Ort seit 1950 zum Untergang verurteilt gewesen und wurde 1959 zur Geisterstadt erklärt, aber Madrid ist wieder auferstanden und zieht heute jede Menge Besucher an. Warum? Madrid ist eine Künstlerstadt mit verrückt bunten Läden, Kunstwerken, Handarbeiten und genauso bunten Typen. Das hat uns echt überrascht und wir verweilten länger, als wir wollten.

Unser eigentliches Ziel Santa Fe kam dadurch etwas zu kurz. Die Downtown ist das „Adobe Village“ aus den Touristenführern. Vor allem die Canyon Road am Ostrand ist von Adobe Häusern gesäumt, in denen sich Galerien, wie am Schnürchen aufgefädelt, befinden. Wir haben es zwar nicht so mit Kunst, aber da waren echt gute Bronze-Skulpturen dabei. Mir gefällt diese an die Landschaft angepasste, kubisch-einfache Bauweise aus getrockneten Lehmziegeln sehr gut. Im Zentrum von Santa Fe findet man alte Kirchen, den alten Bahnhof, das New Mexico State Capitol und mehrere Museen. Vor allem ist die Downtown aber mit Galerien, Shops und Restaurants auf Touristen ausgerichtet. Im Atomic Grill auf der Water Street probierten wir das Nut Brown Ale aus der Brauerei in Santa Fe. Der Santa Fe River, dessen Bett sich durch die Stadt schlängelt, war bei unserem Besuch absolut trocken. Auf dem Schild zum Fluss steht, dass das Wasser zum Rio Grande fließt, wenn es denn mal da ist.

Mich hätte, nordwestlich von Santa Fe gelegen, das Valles Caldera National Preserve brennend interessiert. Das ist einer der sechs Supervulkane der Erde, zu denen auch Yellowstone, der Krakatau und ein weiterer Vulkan in Sibirien gehören. Wenn die ausbrechen, dann hat das Auswirkungen auf die gesamte Erde. Leider war der Weg dann doch zu weit.

Auf dem Rückweg nach Tijeras, wo wir uns für drei Nächte niedergelassen haben, besuchten wir noch Cerillos. Diese Geisterstadt ist eine Geisterstadt geblieben. Sie hatte ihre Hochzeit in den 1880ern, als noch Gold, Silber, Blei, Zink und Türkise abgebaut wurden. Damals konnten die Minenarbeiter zwischen 21 Saloons wählen, zudem gab es 4 Hotels. Heute sind in einem Gebäude ganz am Ende des Ortes die Touristinfo, die Trading Post und das Minenmuseum untergebracht. Daneben gibt es einen kleinen Streichelzoo. Ansonsten sind die meisten Gebäude, wie sie waren, verlassen. Es gibt nur noch wenige Einwohner in den staubigen Straßen von Cerillos.

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Büffelfarm bei Santa Croce

Fast zwei Tage und Nächte lang stürmte es mächtig. Dazu kamen immer wieder Regenschauer vom Himmel, so dass man kaum vor die Türe gehen konnte. Das Heulen des Windes wuchs sich echt zum Psychoterror aus. Das war nicht lustig. Was soll man an solchen Tagen machen? Da der Wetterbericht meinte, dass es heute um die Mittagszeit doch besser werden sollte, wollten wir einer Empfehlung nachgehen, die wir von Maria und Michael bekommen hatten – die Büffelfarm „Azienda Agricola Magazzé“. Wir hatten zwar schon eine Wasserbüffelfarm in Siponto, südlich der Halbinsel Gargano, besucht, aber dort wurden nur Käseerzeugnisse aus Büffelmilch angeboten.

Die Farm Magazzé befindet sich etwas nördlich von Santa Croce. Als Besucher kann man die Wasserbüffel sehen, im Hofladen Käse, Wurst und Fleisch kaufen, und im Restaurant probieren. Vom Hofladen aus kann man bei der Käseherstellung zusehen. Wir hatten leider Pech, die Tagesproduktion war gerade beendet worden.

Wasserbüffel

2005 bauten zwei Züchterbrüder, die das Geschäft schon in 4. Generation machen, die Büffelfarm hier auf Sizilien auf. Sie fanden an dieser Stelle optimale Bedingungen und wirtschaften im Rhythmus der Natur. Die Jahreszeiten und Gegebenheiten bestimmen die Zucht. Es gibt keine künstlichen Eingriffe.
Die Büffel bieten auch in dieser Farm keinen schönen Anblick. Da sie Nässe mögen, geht es eben sehr dreckig auf dem Gelände zu.

So kehrten wir zum Mittagessen in das Restaurant ein. Aus Berichten wussten wir, dass das komplette Menü für 23,-€ pro Person, welches dort angeboten wird, sehr reichhaltig und kaum zu schaffen ist. Deshalb versuchten wir, dem Kellner klarzumachen, dass wir gerne nur kleine Probierportionen hätten. Da der kein Deutsch oder Englisch verstand, holte er eine Angestellte, mit der wir uns auf deutsch verständigen konnten. Es kam heraus, dass es in diesem Restaurant nur dieses eine Menü gibt. Wir einigten uns dann dahingehend, dass einige Komponenten weggelassen werden und wir für 20,-€ pro Person verschiedene Käsesorten und zwei Fleischgerichte bekommen.
Zum Menü gehören weiterhin Hauswein, Wasser, Brot, ein Dessert und ein abschließendes Getränk wie Kaffee, Limoncello oder Grappa. Sogar die sonst übliche Serviersteuer ist enthalten.
Die Vorspeise besteht aus einem großen Mozzarella sowie zwei weiteren Käsesorten, eingelegten Tomaten und Oliven, außerdem einigen Scheiben Büffelsalami. Allein die Vorspeise hätte uns schon vollkommen gereicht. Als Hauptgericht stehen Ofenkartoffeln, Gulasch und dünne gegrillte Fleischscheiben auf dem Tisch. Das Büffelfleisch ist sehr fein im Geschmack. Man sieht nur an der Maserung, dass es Rindfleisch ist. Es war das erste Mal, dass wir Wasserbüffelfleisch probierten.

Für das Dessert, zwei Mandarinen und je zwei Cannoli, eine typisch sizilianische Süßspeise, war dann so gut wie kein Platz mehr im Magen. Die Cannoli, die wir schon in Castelmola probiert hatten, sind kleine Waffelröllchen, mit Büffel-Ricotta oder Büffel-Milchcreme gefüllt.
Als abschließendes Getränk entschieden wir uns für den Grappa als Absacker, den wir nach diesem reichhaltigen Menü mehr als nötig hatten. Wie wir mitbekamen, gehören zum normalen Menü auch noch Pizza und wer weiß was noch.

Nach dem guten „Gelage“ vertraten wir uns die Beine, indem wir ein wenig durch die Umgebung liefen. Halbhohe Kalksteinmauern umgeben die verschiedenen Grundstücke, die hauptsächlich als Weideland für die Rinder dienen. Frisches Grün und Kräuter bilden einen schönen Kontrast zu dem Weiß der Mauern und dienen gleichzeitig als bestes Viehfutter. Von mancher Stelle aus konnten wir sogar das Castello di Donnefugata sehen.

sehr schön anzusehen, aber offensichtlich nicht genießbar

Für Womo-Freunde: Die Farm bietet auch einige Stellplätze mit Strom, Wasser und WC an. Die Anfahrt sind 500m Singleway, aber machbar. Einen Preis können wir leider nicht sagen.

Santander

entlang des Jakobsweges

Von Ponferrada aus fuhren wir nun immer am Jakobsweg entlang, zuerst auf der A6, später auf der N120 nach León, um der mautpflichtigen Autobahn zu entgehen. Genau neben der N120 verläuft der meist als Trampelpfad sichtbare Jakobsweg. Da müssen hunderte, wenn nicht über tausend Leute am Tag auf diesem Weg unterwegs sein. Alle haben das selbe Ziel: Santiago de Compostela. Fünf bis sechs Wochen ist man da wohl auf dem spanischen Abschnitt zu Fuß unterwegs. Bis zur spanischen Grenze ist jeder Weg, den jemand von zu Hause aus nimmt, der Jakobsweg. In Spanien treffen sich alle auf dem selben Weg.

Hochebene mit Picos de Europa

Von León aus folgten wir der A231 bis kurz vor Osorno, wo die A67 nach Norden, nach Santander abbiegt. Lange Zeit hat man den Blick auf die schroffen zweitausender-Gipfel der Picos de Europa.
Auf dem ersten Parkplatz übernachteten wir. Um die 180km lagen an diesem Tag hinter uns. Dafür brauchten wir 5 Stunden. Nachdem wir hinter Ponferrada noch einmal einen sehr langen Anstieg mit 5% hinter uns gebracht hatten, kamen wir zum Pass Puerto de Manzanal, der auf 1221m liegt. Danach ging es wieder ein Stück bergab und wir fuhren den Rest der Strecke bis kurz vor Santander auf einer Hochebene, die auf über 800m liegt, immer noch den Blick auf die beeindruckenden Picos de Europa. Die Temperaturen sind auf der Hochebene wesentlich niedriger, als wir es in den letzten Wochen gewohnt sind.

Palacio de la Magdalena

Wir stehen für zwei Nächte auf dem Womo-Stellplatz Somo-Park in Somo, einem kleinen Ort östlich von Santander. Es ist jetzt deutlich zu merken, dass wir im Norden Spaniens sind. Die Zeiten mit knapp 30 Grad sind vorbei. Jetzt bringt die Sonne selbst auf Meereshöhe nur noch 20 Grad, aber der Wind drückt die Temperaturen auf gefühlte 17 Grad.
Die Stadt Santander ließen wir diesmal links liegen und besichtigten lieber die ruhigeren Ecken drumherum. Vom Fährhafen legen Autofähren nach Südengland ab. Fährt man die Straße bis zum Ende weiter, kommt man zu der breiten Promenade. Dann wird es langsam immer ruhiger, bis die Straße zu Ende ist. Dort liegt eine Halbinsel mit dem Palacio de la Magdalena. Die ganze Halbinsel ist als Park angelegt. Auf einem Rundweg lassen sich viele schöne Aussichten genießen. Der Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete große Palast im englischen Stil ist der Blickfang. Von der Terrasse hinter dem Palast blickt man zur Leuchtturminsel draußen vor der Bucht. Am Ende des Rundweges wurden mehrere Gehege angelegt, in denen Pinguine, Seehunde und Seelöwen leben und schwimmen. Es gibt jedoch noch einiges mehr zu sehen oder man sonnt sich am Strand.
Ein weiterer Strand, der Primera Playa del Sardinero, befindet sich nördlich der Halbinsel, mit Blick auf einen weiteren Leuchtturm, den Faro de Cabo Mayor.

verwunschenes Haus

Auf dem Kap am anderen Ende dieses Strandes befindet sich ein Golfplatz. Dann fährt man noch ein Stück weiter nördlich und kommt so bald zum Leuchtturm am Cabo Mayor. Kurz davor steht ein altes Herrenhaus, von dem nichts mehr zu sehen ist. Die komplette Fassade ist mit Grün zugewachsen. So macht es einen sehr verwunschenen Eindruck.

Küste und Faro de Cabo Mayor

Vom Leuchtturm Faro de Cabo Mayor aus blickt man auf die Biskaya und hinüber nach Santander. Die Küsten sind hier oftmals Steilküsten. Die Landschaft erinnert uns stark an die britischen Küsten, felsig, rau, grüne Wiesen und blaues Wasser.

Eine Rolle Klebeband und ein Stück Plane besiegelten zwei Freundschaften auf dem Stellplatz in Somo. Nach unserer Ankunft dort kam ein englisches Wohnmobil. Das Pärchen bat uns um Hilfe, weil sie das komplette Fenster über dem Fahrerhaus auf der Autobahn verloren haben, ohne Vorwarnung. Gemeinsam lösten wir das Problem und sie waren so dankbar, dass sie uns gleich zu einem Glas Wein einluden. Etwas später gesellte sich ein zweites englisches Pärchen zu uns und bot seine Unterstützung an. So erweiterte sich die Runde von einer Flasche Wein zu einem geselligen Abend. Nach einem zweiten gemeinsamen Tag tauschten wir unsere Kontaktdaten aus und versprachen, einander zu besuchen, wenn es irgendwie möglich wäre.

Santa Rosa – New Mexico

Die Landschaft hinter Tucumcari hat sich geändert. Aus den flachen Ebenen sind Hügel geworden, die von großen Tiefebenen und darin liegenden Tafelbergen durchzogen sind. Vorbei an weiteren Orten, die mehr schlecht als recht existieren und wo nur noch Ruinen aus der Zeit der Route 66 zu sehen sind, erreichten wir Santa Rosa. Irgendwie sieht diese Stadt anders aus. Einzeln stehende, flache Gebäude säumen die Straße, die aus der Wüste kommt und in die Wüste führt. Die Hälfte davon sind Motels, von denen die meisten nicht mehr in Betrieb sind. Von 35 Motels in Santa Rosa haben wir irgendwo gelesen. Dazwischen finden sich Autowerkstätten und Einkaufsläden. Alle Gebäude und Wohnhäuser sind flach gehalten, nur der Wasserturm auf einem Hügel ist nicht zu übersehen. Die Stadt ist unauffällig. Santa Rosa hat aber auch für die Touristen einige Dinge zu bieten, wie z.B. das Route 66 Auto Museum und das Dinosaurier Museum.

Die Stadt wartet mit etwas sehr Ungewöhnlichem auf. Santa Rosa ist die Stadt der natürlichen Seen. Sie wird von 7 natürlichen Quellen umgeben, die jede von Ihnen einen eigenen See gebildet hat. Der ungewöhnlichste See ist das Blue Hole, das auch betaucht werden kann. Es ist nicht groß, aber über 25 Meter tief und hat glasklares Wasser. 3000 Gallonen Wasser (750 Liter) pro Minute strömen aus einem unterirdischen Fluss an die Oberfläche.

Der Ursprung von Santa Rosa liegt 10 Meilen südlich bei Puerto de Luna. Um dort hin zu gelangen, sind wir durch eine atemberaubende Landschaft gefahren, die wie die Landschaft um Agadir in Marokko herum aussieht. Das ist kein Wunder, denn wir befinden uns auf der Höhe von Mittel-Marokko und die beiden Kontinente waren einmal einer. Nur, dass die Arganbäume hier in New Mexico von Kiefern und anderen Koniferen ersetzt werden. Die rot-weiß-grauen Felsen mit den einzelnen grünen Flecken dazwischen sind jedenfalls sehr sehenswert. Außerdem führt die Straße durch das Moon-Valley, am Pecos River entlang. Dazu das gelbe Laub der Laubbäume, einfach toll. Spanische Eroberer kamen 1541 hierher und besetzten das wunderschöne Gebiet. Billy the Kid, ein weiterer berühmt-berüchtigter Westernheld,  hatte in Puerto de Luna seinen Lieblingsaufenthalt. Südlich seines Hauptsitzes Fort Sumner ist er begraben.

Die Möglichkeit, in der Wüste zu tauchen, haben wir natürlich genutzt. Als Überraschung erzählte uns Stella, die Eigentümerin der Tauchgewässer, dass wir hier auf 1530 Metern Höhe liegen. Das heißt also: Bergseetauchen in der Wüste. Das wird ja immer verrückter. Im Blue Hole soll glasklares Wasser sein. Von oben sieht es auch so aus. Als wir abtauchten, stellten wir schnell fest, dass es nicht so ist. Man kann kaum von einer Wand zu anderen sehen, dazu Überhänge an verschiedenen Stellen und dunkle Ecken. Trotz der dicken Nassanzüge war es auch sehr kalt, so dass unser Tauchgang nicht von langer Dauer war. Im Perch Lake weiter südlich kann man ebenfalls tauchen, aber das blieb bei einem Versuch. Die Sichtweite war eine Katastrophe. Trotzdem hat diese Erfahrung Spaß gemacht und für Binnenseetaucher ist es bestimmt ein Erlebnis. Uns liegen da eher die tropischen Gewässer mit ihren ausgezeichneten Sichtweiten.

 

Wiedersehen mit New Mexico

kurz vor Lordsburg

kurz vor Lordsburg

Das Gebiet direkt an der Grenze zu Arizona ist sehr trocken, stellenweise gibt es nur noch trockenes Gestrüpp. Ein großer ausgetrockneter See liegt bei Lordsburg in der Landschaft. Auf weiten Strecken der Interstate 10 wird vor Sandstürmen und Null Sicht gewarnt. Die Sandteufel sind hier sehr zahlreich und unvergleichlich höher. Unser erstes Ziel sollte die Geisterstadt Shakespeare sein. Wir erfuhren, dass die Stadt auf dem Gelände einer bewirtschafteten Ranch liegt, die nur an manchen Wochenenden Führungen durch das Gelände und Shakespeare durchführt. An diesem Wochenende gab es gerade keine Führung, schade.

Gerichtsgebäude in Deming

Gerichtsgebäude in Deming

Deming, früher Mimbres Junction genannt, lag an der Kreuzung der Santa Fe Railway und der Southern Pacific Railway. Später war die Stadt ein wichtiger Umschlagplatz für die Land- und Viehwirtschaft sowie der Minenindustrie. Noch heute spielen Handel und Gewerbe eine wichtige Rolle. Zum ziemlich weit von der Hauptstraße entfernt stehenden Gerichtsgebäude, welches 1910 gebaut wurde, führt eine zwischen zwei Fahrstreifen gelegene Baumreihe. Rechts und links säumen kleine Häuschen die Straßen.

Deming Luna Mimbres Museum

Deming Luna
Mimbres Museum

In der gleichen Straße befindet sich auch das Deming Luna Mimbres Museum. Früher einmal Wohnhaus einer reichen Familie zeigt es den Besuchern eine sehr umfangreiche Sammlung. Ausstellungsstücke vieler Bereiche füllen fast zwei Etagen, angefangen von Töpfer-, Web- und weiteren Handarbeiten der Ureinwohner, über die Ausrüstung der alten Westmänner und -frauen bis hin zu viktorianischen Esszimmereinrichtungen. Steinesammlungen, Oldtimer, Gemälde eines Kriegsgefangenen in Japan, Militaria, die Liste ist endlos. Um sich alles anzusehen, muss man schon einen ganzen Tag einplanen. Eintritt wird nicht verlangt, über eine Spende freut man sich allerdings.

Weitere historische Gebäude wie das Hotel Baker lohnen einen Spaziergang. Im August jeden Jahres kommen tausende Besucher zum größten Entenrennen der Nation mit entsprechendem Rahmenprogramm.

Zurück auf der Route 66 – Arizona

Hatte ich schon erklärt, wieso die Route 66 diesen Namen hat? Thomas Jefferson kreierte das Netzsystem der Straßen durch die USA. Dabei bekamen die Ost/West-Verbindungen gerade Zahlen und die Nord/Süd-Straßen ungerade Zahlen. Da die Route 66 mehr eine Ost/West-Verbindung ist, musste sie eine gerade Zahl bekommen. Die Zahlen 62, 64 und 66 waren noch zu vergeben, wobei Kansas schon die Hand auf der 62 hatte. Der Aufsichtsrat legte deshalb einen Plan für die Route 66 vor, die entsprechende Karte folgte etwa 2 Tage später und die Route 66 war geboren. Das war, wie schon vorher erwähnt, 1926.

Wir stießen bei Ash Fork auf die Route 66. Der kleine Ort hat nicht sehr viel zu bieten. Vernachlässigte Oldtimer, meist verlassene Läden und ein kleiner Bahnhof machen Ash Fork aus. Der Ort entstand mit der Ankunft der Eisenbahn. Der Bergbau war ebenfalls ein wichtiger Punkt. Einige Motels, Tankstellen und Geschäfte operierten hier seit 1926. Sechs Betriebe stellen flache Steinplatten her, die aus großen gebrochenen Steinen gespalten werden. Diese Platten können vielfältig genutzt werden, z.B. als Gehwegplatten, zu Mauern aufgeschichtet oder als Abdeckungen. Der kleine „Siedler-Friedhof“ liegt etwa eine halbe Meile außerhalb Ash Forks und wird heute noch genutzt. Kleine weiße Holzkreuze mit kleinen Steinplatten davor markieren die alten Gräber vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Uns ist inzwischen aufgefallen, dass die frühen Siedler ihre Friedhöfe alle etwa eine halbe bis eine Meile außerhalb der Ortschaften anlegten.
Ash ForkSiedler-Friedhof in Ash Fork

Von Ash Fork aus startet der längste übriggebliebene, ungefähr 140 Meilen lange Abschnitt der Route 66, wobei die ersten 5 Meilen nicht gewartet wurden und daher nicht mehr befahrbar sind. Wir fuhren deshalb auf der Interstate 40 bis nach Seligman, von wo aus wir der alten Route 66 in Richtung Westen folgten. Seligman wurde 1886 gegründet und lag an der Kreuzung zur Santa Fe Railroad-Hauptstrecke. In den frühen Jahren der Route 66 legte man dann das Augenmerk auf die motorisierten Reisenden. Heute fühlt man sich in der kleinen Stadt in die Vergangenheit zurückversetzt. Großen Anteil daran hat der Barbier Angel Delgadillo, der auch ein Gründungsmitglied der Route 66 Association ist. Da Klaus gerade einen Haarschnitt nötig hatte, bemühten wir Angel. Der Mann, der mexikanische Eltern hat, wird im nächsten Monat 86 Jahre alt. Seit 1947 betreibt er dieses Geschäft und will noch möglichst lange seiner internationalen Kundschaft ihren Kopf verschönern. Auf unsere Frage diesbezüglich, antwortete er, dass er noch einhundert Jahre alt werden will. Wenn man ihn allerdings mit dem aufs Schärfste geschliffenen Rasiermesser am Kinn eines Kunden sieht, dann kommt man schon ins Nachdenken. Klaus bekam jedenfalls von ihm einen perfekten Haarschnitt, in aller Ruhe, versteht sich. Die abgeschnittenen Haarreste entfernte Angel dann ganz ungewöhnlich mit einem Staubsauger. Da blieb nichts mehr übrig. Warum ist in Deutschland noch niemand darauf gekommen? Der nette alte Mann wünschte uns eine gute Weiterreise. Er machte uns auch darauf aufmerksam, dass ich, Angela, den gleichen Namen habe wie er. Im Mexikanischen nennt man das Tocatillos oder so, habe ich leider schon wieder vergessen. Sehenswert in Seligman sind weiterhin unter anderem das von Angels Bruder geführte Snow Cap Drive-In und das Roadrunner Café.
Angels Barber Shop in SeligmanRoadrunner Café in Seligman

 

 

 

Valle Vista

Valle Vista

Über die kleinen Orte Peach Springs, Truxton, Valentine mit dem Safari Zoo, und Hackberry gelangten wir nach Valle Vista, wo wir mit dem Blick auf das Westende des Grand Canyon Massivs übernachteten. Unterwegs begegneten uns Züge mit einer Länge von mindestens eineinhalb Kilometern, unglaublich.

Albuquerque –New Mexico

1,5 °C in unserer Wohnung auf 1600 Metern Höhe, Zähneklappern, Brrrr. Santa Fe liegt auf 2135 Metern. Das hatte ich noch zu erwähnen vergessen. Albuquerque ist eine sehr interessante Stadt, die sehr viel zu bieten hat. Leider läuft uns jetzt jeden Tag die Zeit weg, denn es ist schlagartig kurz nach 18.30 Uhr dunkel. Unser erster Ausflug in Albuquerque galt dem Sandia Peak im Cibola National Forest. Eine 14 Meilen lange, kurvenreiche und über 1600 Höhenmeter überwindende Straße führt auf die Spitze des Berges, die auf 3255 Meter liegt. Für Wanderfreunde gibt es viele Kilometer Trails durch den Park. Von ganz oben hat man eine aufregende, beinahe 360° Rundumsicht auf Albuquerque und angrenzende Bergmassive und Täler. Die Höhe ist schwindelerregend. Ich weiß nicht, ob wir schon einmal so hoch waren. Man sollte sich aber warm und windfest anziehen.

 

 

 

Eine andere Möglichkeit, diese Höhe zu erreichen ist, die längste Seilbahn der Welt, die Tramway, zu benutzen. Sie ist 2,7 Meilen lang und ist nur für schwindelfreie Menschen zu empfehlen. Das steht jedenfalls so mehr oder weniger in der Beschreibung. Um auf die höchste Höhe zu gelangen, muss man dann jedoch noch 1,8 Meilen bergauf zu Fuß zurücklegen.
Bei unserem zweiten Besuch der Stadt haben wir uns die „Talstation“ der Tramway angesehen, die auch schon einige Meter über der Stadt liegt. Von dort hat man ebenfalls einen wunderschönen Blick über das Land.

 

 

 

Unser nächstes Ziel war der Rio Grande Nature Center Nature Park. Der legendäre Rio Grande fließt von Nord nach Süd durch Albuquerque. Im Besucherzentrum machte man uns gleich auf eine eigene Sehenswürdigkeit aufmerksam: ein Porcupine (Baumstachelschwein). Schon wieder musste ich im Internet forschen, denn auf dem Bild, welches man uns in einem Buch zeigte, konnten wir nicht wirklich etwas erkennen. Das relativ große Tier auf dem Baum hatte uns den Rücken zugedreht und schlief, so dass es uns auch keinen Aufschluss über dessen Aussehen gab. Es sind ausnahmslos nachtaktive Tiere, die von Alaska bis ins nördliche Argentinien vorkommen sollen. Ich habe noch nie etwas von diesen Baumstachlern gehört. Zum Besucherzentrum gehören auch zwei große Teiche, die zur Zeit von vielen Kanadagänsen besucht werden. Schildkröten konnten wir auch beobachten.

 

 

 
Ein kurzer Weg durch das Auland des Rio Grande führte uns direkt zum Fluss. Die Dame im Besucherzentrum meinte, dass der Fluss sehr wenig Wasser hat. Es ist in diesem Jahr eine Katastrophe, denn es gibt noch weniger Wasser als die Jahre zuvor. Schon wieder stimmte die Wirklichkeit nicht mit unseren Vorstellungen überein. Von einem Fluss ist nicht viel übrig. Wir sahen nur Sandbänke mit etwas Wasser dazwischen und waren etwas enttäuscht. Einmal am Rio Grande stehen und dann so ein Bild, aber das ist die Natur. Einige alte und gewaltige Biberspuren an Bäumen haben wir gefunden, auch Eidechsen und Finken. Sonst konnten wir keine Tiere entdecken.

 

 

 

Als nächstes fuhren wir auf die Route 66. Die moderne Route 66-Brücke über den Rio Grande bietet gerade jetzt im tiefen Herbst phantastische Bilder. Viele Bäume, vor allem Pappeln, leuchten golden in der Sonne. Rot ist hier im Herbstlaub nicht zu entdecken, aber dieser gold-grün Kontrast ist auch toll.

Sehenswert in Albuquerque ist der Ursprung der Stadt, die im April 1706 von Francisco Cuervo y Valdez, der von Spanien zum Gouverneur von New Mexico ernannt worden war, gegründet wurde. Dieser Teil der Stadt nennt sich Old Town. 300 Jahre Geschichte stehen dort in ein paar Blocks. Die allermeisten Gebäude sind in Adobe-Bauweise errichtet worden, in denen sich auch hier Galerien und Shops befinden. In ganz Albuquerque ist diese Bauweise vorherrschend, wobei wir feststellten, dass die rekonstruierten und neuen Bauten mit Spritzbeton verkleidet sind, der zumeist den typischen Erdton aufweist. Diese Häuser muten sehr warm, sehr weich und sehr erdverbunden an. In den Originalhäusern wohnt es sich zudem bestimmt sehr gut.

 

 

 

Für Route 66-Fans ist das Nob Hill Viertel interessant. Hier finden sich noch einige Häuser aus der alten Zeit, die allesamt neu aufgemöbelt sind. Wir fanden kurz vor der beschriebenen Brücke zwei alte Motels.

Ein besonderer Leckerbissen, den wir in einem Bonbon-Laden fanden:

Palermo

Entgegen unseren kühnsten Vorstellungen haben wir einen Womo-Stellplatz in Palermo gefunden, ohne weiteres anfahrbar und dazu bezahlbar. Es ist der Idea Vacanze Di Giuseppe Di Piazza, der für kleine Womo´s 15,-€, für ab 8m-Mobile 18,-€ kostet, inkl. Strom und Wasser. Der Platz befindet sich am Fuße des Monte Pellegrino und ist am besten über Mondello zu erreichen. Zum Platz gehört auch eine Womo-Werkstatt mit Campingmobil-Bedarf. Per Bus und mit einer 3,50€-Tagesfahrkarte gelangt man einfach ins Stadtzentrum von Palermo, und wieder zurück.

Womo-Stellplatz in Palermo

Mit der Linie 107 fährt man bis zur Endstation Stazione Centrale. Von dort aus wendet man sich zur Piazza Cesare. Links um den Platz herum erreicht man die Via Maqueda, der man bis zur Piazza Quadro Canti folgt. Bis dahin ist man an mehreren Tourist-Infos vorbei gekommen, in denen man sich mit Stadtplänen und einem Buslinienplan eindecken kann.
Aber schon kurz hinter der Piazza Cesare stößt man auf den Mercato Ballaró, der sich in den Gassen der Altstadt verteilt. Die Gebäude sehen zum Erbarmen aus, aber der Markt bietet gute, frische Waren zu sehr günstigen Preisen, von Obst und Gemüse, über Fleisch bis hin zu Fisch.

Mercato Ballaró

Irgendwann sollte man sich jedoch wieder auf die Via Maqueda begeben, um den Faden nicht zu verlieren. Die Gassen sind eng und verwinkelt, schnell verliert man sich darin.
An der Piazza Quadro Canti, die durch vier gleiche barocke Fassaden auffällt, die die vier gegenüberliegenden Häuserblockecken zieren, muss man sich entscheiden, was man von Palermo sehen möchte. Kurz vorher ist die Fontana Pretoria zu bewundern, ein barocker Brunnen mit weißen Marmorstatuen, der von mehreren Kirchen und dem Rathaus umringt ist.

Fontana Pretoria

Um die Kathedrale zu sehen, muss man nun nach links abbiegen. Die Via Vittorio Emanuele ist eine Fußgängerzone, in der man endlich mal entspannt gehen kann. Hier finden sich jede Menge Souvenirläden. Hin und wieder sollte man einen Blick in die Eingänge der Paläste werfen. Die Innenhöfe sind meist recht schön gestaltet.
Rechter Hand kommt man dann an der National-Bibliothek vorbei, dem Gebäude, in dem am 19.07.1812 die Unabhängigkeit Siziliens proklamiert und die radikale Reform der Staatsstruktur beschlossen wurde.

Innenhof der National-Bibliothek

Ziemlich unvermittelt öffnet sich etwas später rechts ein Platz, an dem sich die wunderschöne und filigrane Kathedrale aus dem Jahre 1185 erhebt. Mit feinsten Verzierungen, normannische und arabische Einflüsse sind in der Gestaltung der Fassade zu erkennen, verzaubert dieser Bau. Der Uhrturm erinnert an Big Ben in London. Am nördlichen Ende verbinden zwei Bögen die Kathedrale mit einem benachbarten Bau auf der anderen Straßenseite.

Eingang zur Kathedrale Palermos

Der Eintritt in die Kathedrale ist kostenpflichtig und gestaffelt, je nach dem, was man sehen möchte. Es ist auch möglich, auf das Dach zu steigen. In der Kathedrale hat der Staufferkaiser Friedrich II., von dem wir überall in Sizilien schon gehört haben, seine letzte Ruhestätte gefunden, zusammen mit weiteren Familienmitgliedern. Die Kaiserkrone Friedrichs II. ist in der Schatzkammer zu sehen.

Wenn man nun der Via Vittorio Emanuele weiter folgt, gelangt man zum Palazzo Reale, oder Palazzo Normanni, seit 1947 Regierungssitz Siziliens. Vor dem Gebäude wurde ein schöner Garten angelegt.

Palazzo Reale, oder Palazzo Normanni

Gleich rechts daneben steht das alte Stadttor Porta Nuova, ebenfalls ein prachtvoller Bau, an dem die Jahreszahl 1668 prangt.

Porta Nuova

Hinter der Porta Nuova haben wir uns nun rechts gehalten und sind der Via Cappucchini gefolgt. Unser Ziel waren die berühmten Kapuziner-Katakomben von Palermo unter dem Nonnenkloster dei Cappucchini. Wie viele Einrichtungen Siziliens gibt es auch hier eine Mittagspause, von 13-15 Uhr. Wir waren zehn Minuten zu spät, aber eine kleine Gruppe Neugieriger erreichte es, dass für Sie kurz geöffnet wurde. Ihnen schlossen wir uns an und bekamen so für zehn Minuten Gelegenheit, uns in den Katakomben umzusehen. Für 4,-€ Eintritt bekommt man um die 8000 Mumien aus mehreren Jahrhunderten zu sehen. Zu Lebzeiten gehörten diese Menschen allen gesellschaftlichen Schichten an, sogar Kinder sind dabei. Die Mumien sind entweder immer noch in ihren Särgen bestattet, liegen in den Aussparungen der Wände oder wurden einfach aufrecht an die Wand gehängt. Der Zustand der Mumien, vor allem der der Kleidung, ist meist sehr schlecht, trotzdem löst dieses, wie einige Besucher meinen: „Gruselkabinett“, gemischte Gefühle aus. Für uns waren es nicht die ersten Mumien, die wir gesehen haben, aber bei den anderen Besuchern kann man alle Arten von Gefühlsregungen beobachten.

Kapuziner-Katakomben

Nun lenkten wir unsere Schritte zum Castello della Zisa, welches eindeutig normannische Züge trägt. Davor kann man durch den gleichnamigen Garten, der sehr modern angelegt wurde, spazieren.

Castello della Zisa mit gleichnamigem Garten

Nun gingen wir Richtung Hafen zurück, vorbei am modernen Gerichtsgebäude zum Teatro Massimo. Das attraktive Opernhaus Palermos wurde 1897 eröffnet und war nach der Mailänder Scala die zweitbedeutendste Bühne Italiens.

Teatro Massimo (Rückansicht)

Das war eine schöne Runde für einen Tag. Palermo hat noch viel mehr zu bieten, wie den Antikmarkt Il Mercato delle Pulci in der Nähe der Kathedrale, des Teatro Politeama, archäologische Museen oder den Botanischen Garten. Nachdem, was wir im Vorfeld über Palermo gehört hatten, überraschte uns diese Stadt. Außer in der innersten Altstadt, wo es aussieht, als würden viele Häuser bald zusammenfallen, ist der Zustand recht ordentlich. Palermo ist nicht so groß, wie man denkt und es gibt auch Ecken, in denen man Luft holen kann, wie an der Terrazza Mare oder der Straße am Fährhafen entlang. Wer nicht so viel laufen will, kann entweder den Hoppon-Hoppoff-Bus nehmen, mit der Kleinbahn fahren oder die Kutsche nehmen.

Die Frage, die wahrscheinlich viele von Euch interessiert ist wohl: Ist Palermo sicher? Das können wir mit einem eindeutigen Ja beantworten. Unserem Gefühl nach sind die Zeiten der Mafia und Gewalt endgültig vorbei, die Stadt ist genauso sicher oder unsicher wie jede andere Stadt auf der Welt auch.

Es gibt jedoch nicht nur die Stadt Palermo zu sehen. Vor allem lohnt ein Abstecher nach Mondello ca. 10 km Richtung Norden. Um 1900 blühte der kleine Fischerort dank seines schönen Strandes und seiner Lage zu einem Belle Epoche-Badeort auf. Die ein oder andere Villa aus dieser Zeit ist noch zu sehen und wurde liebevoll erhalten. Den Blickfang bildet jedoch die Badeanstalt aus dem Jahre 1912, die auf Stelzen im Wasser der Bucht steht, ziemlich in der Mitte des langen Sandstrandes. Die architektonischen Verzierungen sind schon fast kitschig bemalt. Bevor man die Badeanstalt erreicht, in der sich heute ein Restaurant befindet, passiert man einen halbrunden Schmuckbogen.

Badeanstalt von Mondello

Ein alter runder Turm und ein kleiner Fischereihafen gehören ebenso zu Mondello. Wir möchten dringend den Ratschlag geben, nicht sonntags und bei schönem Wetter nach Mondello zu fahren, denn dann sind die Straßen von Autos und Menschen verstopft.

kleiner Fischerhafen von Mondello

Wir wollten anschließend noch den Leuchtturm am Capo Gallo besuchen. Um die Straße dort hinter zu befahren, muss man allerdings 5,-€ berappen. Selbst als Fußgänger muss man bezahlen.

Mich zog es aber auch auf den Monte Pellegrino, um von dort oben einen Blick auf Palermo zu werfen. Leider sind die Aussichtspunkte nicht zu erreichen, da es vor wenigen Jahren auf dem Berg gebrannt hat. Das ist noch zu sehen. Viele Bäume sind umgefallen und versperren die Wege. Die Aufräumarbeiten laufen immer noch.

Serpentinen-Fußweg zum Monte Pellegrino

Da ich schon dort oben war, lief ich den restlichen guten Kilometer zum sehr besonderen Heiligtum der Heiligen Rosalia. Von außen ist die Kirche nichts besonderes, überrascht aber im Inneren. Der kleine Altarraum mit dem Altar und dem Schrein für die Heilige Rosalia befindet sich in einer natürlichen Grotte und ist wunderschön illuminiert.

Altar der Grotte des Heiligtums Santa Rosalia

An dieser Stelle wurden am 15.07.1624 die Gebeine der Heiligen Rosalia gefunden. 1667 errichtete man den Altar. Zwei Reliquien, einen Zahn und ein Knochenfragment, werden in der Grotte aufbewahrt. Die restlichen Gebeine befinden sich in der Kathedrale Palermo.

Da ich ungern den gleichen Weg wieder zurück gehe, nahm ich den direkten Weg Richtung Süden nach unten. Da hatte ich mich auf etwas eingelassen. Der Weg ist 1,1km lang und kommt an der Ausfallstraße nach Mondello heraus. Was ich nicht wusste und erst merkte, als es zu spät war, war, dass der horizontale Weg auf die 1,1km keine 100m beträgt. Das heißt, der Weg ist ein fast senkrechter Klettersteig zwischen zwei Steilwänden, über den eigentlich ein Bach nach unten stürzt. Über eine Stunde kostete mich die „Abkürzung“, die mir so ziemlich alles abverlangte.

durch diese hohle Gasse kam ich

Caltagirone

Auf unserer bisherigen Reise durch Sizilien sahen wir inzwischen schon eine Menge schöner Städte, aber wir finden, dass der Besuch von Caltagirone ein Muss ist. Wie die meisten alten Stadtkerne liegt auch der von Caltagirone auf einer Bergspitze. Die Stadt gehört zu den spätbarocken Städten wie Ragusa, Noto oder Scicli und ist ebenfalls UNESCO-Welterbe.

Schon die Anfahrt von Gela aus ist spannend, denn der größte Teil der Strecke führt durch eine dünn besiedelte Berglandschaft. Kurz hinter Gela kommt man aber erst noch an der Burgruine Castelluccio di Gela vorbei. Fast auf gleicher Höhe kreuzt man eine Linie von MG-Bunkern aus dem 2. Weltkrieg, der wir schon auf dem Weg nach Gela begegnet sind. Dann wird es einsamer. Auf der linken Straßenseite erhebt sich eine karge Karstlandschaft, in der man sich in Kroatien wähnt. Sieht man nach rechts, kommt man sich wie in Irland vor, mit zerklüfteten grünen Bergketten und saftigen Weideflächen.

Caltagirone erreicht man dann am oberen Ende der Stadt. Oberhalb der Kirche Santa Maria del Monte ist ein kleiner kostenloser Parkplatz. Der ist ein guter Startpunkt für die Stadtbesichtigung. Vom Vorplatz der Kirche Santa Maria del Monte blickt man über einen Teil der Unterstadt.

Blick vom Vorplatz der Kirche Santa Maria del Monte

Um dorthin zu gelangen, steigt man die berühmte Treppe von Caltagirone, die Scala Santa Maria del Monte, herunter. Das Besondere an dieser Treppe? – Jede Stirnseite der 142 Stufen wurde mit handgemalten Keramikfliesen belegt, die immer andere Motive zeigen. Keine zwei Stufen weisen das gleiche Motiv auf. Die Treppe wurde 1606 gebaut, aber erst 1954/55 bekam sie ihr heutiges Aussehen.

handgemalte Keramikfliesen an der Scala Santa Maria del Monte

Am Ende dieser Treppe liegt die Piazza Municipio mit dem Rathaus. Daneben befindet sich die Stadthalle. Neben einem kleinen Café wird an berühmte Bürger der Stadt gedacht, von der Antike an. Das Innere der Halle wurde wunderschön mit bunten Keramikfliesen oder -mosaiken gestaltet.

in der Stadthalle

Folgt man der Scala Santa Maria del Monte weiter nach unten, folgen weitere Treppen, bis man die Ponte San Francesco, eine Bogenbrücke aus dem 17. Jahrhundert erreicht. Rechts und links des gesamten Weges kann man typische Keramik aus Caltagirone kaufen. Die Stadt ist die Keramikhauptstadt Siziliens, und das ist überall zu sehen. Schon im 15. Jahrhundert war Caltagirone für seine Töpferkunst berühmt. Getöpfert wurde an dieser Stelle jedoch schon seit der Jungsteinzeit.

Ponte San Francesco

Die Ponte San Francesco mit der Via Roma, auch wieder mit Keramikfriesen und -wappen geschmückt, führt nun zur Diözese von Caltagirone. Das Kloster beherbergt ein Museum zu seiner Geschichte. Zum Kloster gehört die Kirche San Francesco d`Assisi aus dem 18. Jahrhundert. Von deren Eingang aus hat man einen schönen Blick in Richtung Oberstadt mit der Ponte San Francesco im Vordergrund. Spätestens jetzt sagt man sich, dass Caltagirone die wohl schönste Stadt Siziliens ist. Man ist einfach begeistert von der barocken Architektur, den Treppen, den Brücken, der Keramik und den vielen schönen An- und Aussichten. Manchmal kommt es sogar vor, dass man gleich drei Kirchen in einem Blickfeld hat. Kirchen hat Caltagirone jedenfalls genug. Das ist jedenfalls jetzt unsere Meinung. Mal sehen, was uns auf der restlichen Strecke um Sizilien herum erwartet.

Blick von der Kirche San Francesco d`Assisi zur Oberstadt

Wer auf farbenfrohes und schmackhaftes Kaffee-Gebäck steht, der wird in der Escalier-Bar an der Piazza Municipio fündig. Das Kilo kostet zwar 30,-€, aber das ein oder andere Häppchen sollte man sich dort schon gönnen. Schließlich braucht es einiges Gebäck, um auf ein Kilo zu kommen. Dazu ein Kaffee und alles ist gut, bis man die Treppen der Scala Santa Maria del Monte wieder hinauf steigen muss, um zum Parkplatz zu kommen. Wenn man sich dabei noch einmal mit der Vielfalt der handbemalten Keramikfliesen beschäftigt oder sich in einem der Keramikläden umsieht, merkt man kaum, dass man schon oben angekommen ist.

leckeres Kaffee-Gebäck in der Escalier-Bar

Für Keramik-Begeisterte sei ein Besuch des Regionalen Keramikmuseums Caltagirone empfohlen.

Den Rückweg nach Gela nahmen wir über die kleine Stadt Niscemi. Die Straße von Caltagirone nach Nescemi ist ebenfalls wunderschön. Zuerst ragt das mit 40 Metern Höhe drittgrößte Kreuz der Welt in den Himmel. Es ist einige Kilometer südwestlich von Caltagirone zu finden, westlich der Gemeinde Crescimanno.

drittgrößte Kreuz der Welt bei Caltagirone

Manche Eisenbahn-Bogenbrücke ist auf der Strecke auszumachen. Der Weg durch oder über dem Valle delle Ferla ist traumhaft.

Abgesehen von der Piazza Vittorio Emanuele mit seinen zwei großen barocken Kirchen hat Niscemi wahrscheinlich nicht mehr viel zu bieten. Trotzdem ist sie besonders, denn während man sich in all den anderen sizilianischen Altstadtlabyrinthen schnell verläuft, ist Nescemi im Schachbrettmuster angelegt. Dies erleichtert die Orientierung ungemein.

Piazza Vittorio Emanuele in Niscemi

Der Grund, weshalb wir die Stadt besuchten, war der Aussichtspunkt Terrazzo del Belvedere. Seit Januar 1997 erlebt man an diesem Punkt eine der schönsten Aussichten Siziliens.

Aussichtspunkt Terrazzo del Belvedere

 

 

Gela

Gela stand nicht auf unserer Zielliste auf Sizilien, war aber ein guter Ausgangspunkt für den Ausflug nach Caltagirone. Wir übernachteten auf dem Parkplatz vorm Gericht am östlichen Stadtende. Dort befindet sich auch eine große Raffinerie. In der Umgebung von Gela, und vor der Küste, wird nach Öl gebohrt. Pferdekopfpumpen, Bohrmaschinen und Molchstationen gehören zum Landschaftsbild.

Erdölpumpen

Die Stadt selbst lädt nicht gerade Gäste ein, denn sie zeigt sich ziemlich dreckig. Man kann kaum drei Schritte gehen, ohne durch vom Winde verteilten Müll zu laufen. Das trifft auch auf die Umgebung zu. Viele Parkplätze oder Ausbuchtungen an Straßen sind Müllabladeplätze. Wind und streunende Hunde nehmen diese Haufen dann gerne auseinander. Im Hafenbecken zeigt sich das gleiche Bild. Wenn man ins Wasser schaut, wird einem übel, so dass wir den Hafen bald wieder verließen.
Das ist nicht das Einzige: als Fußgänger hat man es echt schwer in Gela. Während Autos auf den Fußwegen geparkt sind, soweit überhaupt welche vorhanden sind, oder Kneipen den Fußweg als Erweiterung ihres „Reviers“ missbrauchen, müssen die Fußgänger auf der Straße laufen. Sind dann mal Fußwege nutzbar, ist es eher ein Hindernislauf, weil man ständig tiefergelegte und schräge Auffahrten passieren muss.

Fußwege, die keine sind

Trotzdem hat Gela, welches sich auf dem Kamm einer hohen Dünenkette hinzieht, einige interessante Ziele. Nur die Altstadt reicht bis an den Strand heran.

Altstadt Gela

Vor allem die alten Griechen haben in Gela ihre Spuren hinterlassen. Da wären z.B. die Akropolis, an die das Archäologische Museum angeschlossen ist, und das griechische Thermalbad, das 1967 entdeckt wurde. Genau über diesem Bad steht heute das Krankenhaus, so dass nur wenig ausgegraben werden konnte.

Griechisches Thermalbad

Wenn man auf der Hauptstraße Corso Vittorio Emanuele auf dem Dünenkamm unterwegs ist, sieht man ab und zu durch die Gassen, wie tief die angrenzende Landschaft im Vergleich liegt. Dabei kommt man irgendwann an der Kirche Santa Maria Assunta vorbei.

Kirche Santa Maria Assunta

Noch weiter im Westen erreicht man einen schönen Park, den Gemeinschaftsgarten Villa Comunale Guiseppe Garibaldi. Er bietet einen guten Aussichtspunkt mit Blick hinüber zur Altstadt und zur Küste. In der Nachbarschaft steht ein Kirchenkomplex mit der riesigen Statue Madonna delle Grazie auf dem Dach.
Unterhalb des Aussichtspunkts sind noch Reste des unteren Gemeinschaftsparks zu erkennen, die jedoch vollkommen überwuchert sind. Eine englische Treppe verband einst die beiden Parkteile.

im Gemeinschaftsgarten Villa Comunale Guiseppe Garibaldi

Am Strand unten legte man eine schöne Promenade an, an der sich Geschäfte und Restaurants reihen. Der Pier, der weit ins Wasser ragt, ist anscheinend wegen Baufälligkeit gesperrt. Auch ein ehemaliges rundes Strandrestaurant, einst wohl abgebrannt, glänzt nur noch als Ruine.

Promenade von Gela

Es ist echt schade, dass Gela, mit soviel Potenzial ausgestattet, ein so trauriges Bild abgibt. Da wirkt das moderne Gerichtsgebäude, vor dem wir stehen, wie aus der Zukunft.

Gerichtsgebäude von Gela

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