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La Scala dei Turchi

Westlich von Porto Empodocle, am Punta Grande, locken die spektakulären Cliffs aus weißem Kalkstein. Die Scala dei Turchi passen nicht in das an der Küste übliche Bild. Hier hat die Natur etwas ganz besonderes geschaffen. Vom Aussichtspunkt ein paar hundert Meter westlich des Cliffs hat man einen schönen Blick auf die weiße Felsnase. Sie ist allerdings nur bei Sonnenschein gleißend weiß, sonst erscheint sie in fahlem Grau.

La Scala dei Turchi vom Aussichtspunkt gesehen

Scala die Turchi heißt übersetzt „türkische Treppe“. Der Name kommt von einer Legende. Die Schiffe marodierender Araber und Türken fanden in der Bucht mit den weißen Felsen einen schützenden Hafen. Über die natürliche treppenförmige Felsformation erreichten sie die oberhalb liegenden Dörfer und die Stadt Realmonte.

aus der Reihe gefallen

Es gibt keinen direkten Weg nach unten, sondern der Zugang muss östlich des angrenzenden Strandes genommen werden. Von dort aus, es sind einige Stufen nach unten zu steigen, ist es ein Fußweg von etwa 300 Metern zur türkischen Treppe. Der Felsen darf betreten werden und so zieht es viele Touristen dort hinauf. Schon der Anblick der weißen treppenförmigen Felsformation ist unglaublich, die ganz oben von gelbbraunem Sandstein gekrönt wird. Dort wo die Treppe nicht betreten werden kann, ist die sehr interessante Struktur des Felsen sichtbar. Ansonsten haben die Tritte der Touristen den Kalkstein glatt geschliffen.

Naturerlebnis türkische Treppe

Dieser Ort ist so schön, dass man sich kaum wieder von ihm trennen kann. Wenn man die Stufen, die man zum Strand hinunter kam, wieder hochgestiegen ist, wartet ein kleines Café auf den Besuch. Von dessen Terrasse kann man noch einmal die Aussicht über das Meer genießen, allerdings ohne türkische Treppe.

Nach diesem Erlebnis ist ein kleiner Abstecher nach Porto Empodocle empfohlen. Die Stadt sieht recht neu aus. Sie besteht aus einer Unter- und einer Oberstadt. Porto Empodocle ist heute der Hafen von Agrigento. In der Antike hatte diese Funktion der heutige Ort San Leone inne, wo wir auf dem Campingplatz stehen. Der Hafen von Porto Empodocle ist wenig sehenswert, aber von hier starten Fähren zu den vorgelagerten Inseln Lampedusa und Linosa.

am Hafen von Porto Empodocle

Am Hafen steht auch der Torre Karl V., einer der Verteidigungstürme an der sizilianischen Südküste. Dieser hier wurde rekonstruiert und hat ein besonderes Extra. Im 2. Weltkrieg baute man auf das Dach des Turmes einen MG-Bunker. Ob der im Ernstfall seinen Dienst auf einem Turm aus Mauerwerk tun konnte?

Torre Karl V. mit Bunker obendrauf

Die Fußgängerzone von Porto Empodocle, Via Roma, ist dagegen recht nett und im Sommer sicher ein Anziehungspunkt. Bronzeplastiken, Treppen mit Fliesen belegt, nach dem Beispiel der Scala di Caltagirone, die Kirche und die Wohnhäuser mit ihren netten Balkonen säumen die Allee zwischen ihnen.

Eckensteher Klaus mit Unbekanntem

Zwischen der Scala dei Turchi und Porto Empodocle wurden die Überreste einer römischen Villa ausgegraben. Die Villa Romana di Durrueli stammt aus dem 1. Jahrhundert. Das Gelände ist zwar geschlossen, aber von der Straße aus sind die Ruinen zu sehen.

Villa Romana di Durrueli

Auf dem Rückweg nach San Leone kauften wir in einem der Fischläden eine Sepia, um ein Rezept aus dem sizilianischen Kochbuch nachzukochen. Der Verkäufer meinte zwar, er wolle die Sepia küchenfertig machen, aber wir konnten ihm nicht beibringen, dass wir die Tintenblase in heilem Zustand brauchten. So nahmen wir sie im Ganzen mit. So eine Sepia kann man nur zurecht machen, wenn man genug fließendes Wasser hat, ist also nix für Camper außerhalb eines Campingplatzes.

frische Sepia naturell

Es war unsere erste Sepia, die ein Gewicht von fast 1,2kg hatte, also recht groß. Im Internet sagt man, dass sich die Tintenblase zwischen den Tentakeln befindet. Das Heraustrennen des Kopfes mit den Tentakeln war schon eine schwierige Aufgabe. Um die großen Augen herauszubekommen, musste ich mit dem Messer herangehen. Das Entfernen des Schnabels war dann leichter. Als ich bei der Arbeit war, kam der benachbarte Camper. Als er sah, was ich dort veranstaltete, wünschte er mir ganz höhnisch „viel Spaß“.
Nun mussten die Innereien aus der Tube. Hier dachte ich dann, dass die Tintenblase schon im Laden entfernt worden wäre. Das war ein Irrtum. Bei dem Versuch, die Innereien herauszubekommen, zerstörte ich die Tintenblase und eine unendliche Schweinerei nahm ihren Lauf. Ich konnte noch soviel Tinte retten, dass es für zwei Portionen reichte. Nun hatte ich alles auseinander und spülte die Tintenfischteile unter fließendem Wasser ab, was echt schwer war, denn die Tinte hatte sich überall und in alle Ritzen verteilt. Als letztes musste die Haut abgezogen werden. Bei den Kalmaren, die wir einmal zubereiteten, war dies ganz leicht. Anders bei der Sepia. Nachdem ich den Schulp, das Rückgrat der Sepia entfernt hatte, fiel die Tube zusammen, was das Enthäuten nicht gerade erleichterte. Am Rücken blieb also nur noch eine Haut übrig, die ich herausschnitt. Nach gefühlten drei Stunden war die Sepia dann endlich küchenfertig und konnte für unser Rezept „schwarze Spaghetti mit Tintenfisch“ verwendet werden. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal machen würde. Es war echt eine Schweine-Arbeit.

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Palermo

Entgegen unseren kühnsten Vorstellungen haben wir einen Womo-Stellplatz in Palermo gefunden, ohne weiteres anfahrbar und dazu bezahlbar. Es ist der Idea Vacanze Di Giuseppe Di Piazza, der für kleine Womo´s 15,-€, für ab 8m-Mobile 18,-€ kostet, inkl. Strom und Wasser. Der Platz befindet sich am Fuße des Monte Pellegrino und ist am besten über Mondello zu erreichen. Zum Platz gehört auch eine Womo-Werkstatt mit Campingmobil-Bedarf. Per Bus und mit einer 3,50€-Tagesfahrkarte gelangt man einfach ins Stadtzentrum von Palermo, und wieder zurück.

Womo-Stellplatz in Palermo

Mit der Linie 107 fährt man bis zur Endstation Stazione Centrale. Von dort aus wendet man sich zur Piazza Cesare. Links um den Platz herum erreicht man die Via Maqueda, der man bis zur Piazza Quadro Canti folgt. Bis dahin ist man an mehreren Tourist-Infos vorbei gekommen, in denen man sich mit Stadtplänen und einem Buslinienplan eindecken kann.
Aber schon kurz hinter der Piazza Cesare stößt man auf den Mercato Ballaró, der sich in den Gassen der Altstadt verteilt. Die Gebäude sehen zum Erbarmen aus, aber der Markt bietet gute, frische Waren zu sehr günstigen Preisen, von Obst und Gemüse, über Fleisch bis hin zu Fisch.

Mercato Ballaró

Irgendwann sollte man sich jedoch wieder auf die Via Maqueda begeben, um den Faden nicht zu verlieren. Die Gassen sind eng und verwinkelt, schnell verliert man sich darin.
An der Piazza Quadro Canti, die durch vier gleiche barocke Fassaden auffällt, die die vier gegenüberliegenden Häuserblockecken zieren, muss man sich entscheiden, was man von Palermo sehen möchte. Kurz vorher ist die Fontana Pretoria zu bewundern, ein barocker Brunnen mit weißen Marmorstatuen, der von mehreren Kirchen und dem Rathaus umringt ist.

Fontana Pretoria

Um die Kathedrale zu sehen, muss man nun nach links abbiegen. Die Via Vittorio Emanuele ist eine Fußgängerzone, in der man endlich mal entspannt gehen kann. Hier finden sich jede Menge Souvenirläden. Hin und wieder sollte man einen Blick in die Eingänge der Paläste werfen. Die Innenhöfe sind meist recht schön gestaltet.
Rechter Hand kommt man dann an der National-Bibliothek vorbei, dem Gebäude, in dem am 19.07.1812 die Unabhängigkeit Siziliens proklamiert und die radikale Reform der Staatsstruktur beschlossen wurde.

Innenhof der National-Bibliothek

Ziemlich unvermittelt öffnet sich etwas später rechts ein Platz, an dem sich die wunderschöne und filigrane Kathedrale aus dem Jahre 1185 erhebt. Mit feinsten Verzierungen, normannische und arabische Einflüsse sind in der Gestaltung der Fassade zu erkennen, verzaubert dieser Bau. Der Uhrturm erinnert an Big Ben in London. Am nördlichen Ende verbinden zwei Bögen die Kathedrale mit einem benachbarten Bau auf der anderen Straßenseite.

Eingang zur Kathedrale Palermos

Der Eintritt in die Kathedrale ist kostenpflichtig und gestaffelt, je nach dem, was man sehen möchte. Es ist auch möglich, auf das Dach zu steigen. In der Kathedrale hat der Staufferkaiser Friedrich II., von dem wir überall in Sizilien schon gehört haben, seine letzte Ruhestätte gefunden, zusammen mit weiteren Familienmitgliedern. Die Kaiserkrone Friedrichs II. ist in der Schatzkammer zu sehen.

Wenn man nun der Via Vittorio Emanuele weiter folgt, gelangt man zum Palazzo Reale, oder Palazzo Normanni, seit 1947 Regierungssitz Siziliens. Vor dem Gebäude wurde ein schöner Garten angelegt.

Palazzo Reale, oder Palazzo Normanni

Gleich rechts daneben steht das alte Stadttor Porta Nuova, ebenfalls ein prachtvoller Bau, an dem die Jahreszahl 1668 prangt.

Porta Nuova

Hinter der Porta Nuova haben wir uns nun rechts gehalten und sind der Via Cappucchini gefolgt. Unser Ziel waren die berühmten Kapuziner-Katakomben von Palermo unter dem Nonnenkloster dei Cappucchini. Wie viele Einrichtungen Siziliens gibt es auch hier eine Mittagspause, von 13-15 Uhr. Wir waren zehn Minuten zu spät, aber eine kleine Gruppe Neugieriger erreichte es, dass für Sie kurz geöffnet wurde. Ihnen schlossen wir uns an und bekamen so für zehn Minuten Gelegenheit, uns in den Katakomben umzusehen. Für 4,-€ Eintritt bekommt man um die 8000 Mumien aus mehreren Jahrhunderten zu sehen. Zu Lebzeiten gehörten diese Menschen allen gesellschaftlichen Schichten an, sogar Kinder sind dabei. Die Mumien sind entweder immer noch in ihren Särgen bestattet, liegen in den Aussparungen der Wände oder wurden einfach aufrecht an die Wand gehängt. Der Zustand der Mumien, vor allem der der Kleidung, ist meist sehr schlecht, trotzdem löst dieses, wie einige Besucher meinen: „Gruselkabinett“, gemischte Gefühle aus. Für uns waren es nicht die ersten Mumien, die wir gesehen haben, aber bei den anderen Besuchern kann man alle Arten von Gefühlsregungen beobachten.

Kapuziner-Katakomben

Nun lenkten wir unsere Schritte zum Castello della Zisa, welches eindeutig normannische Züge trägt. Davor kann man durch den gleichnamigen Garten, der sehr modern angelegt wurde, spazieren.

Castello della Zisa mit gleichnamigem Garten

Nun gingen wir Richtung Hafen zurück, vorbei am modernen Gerichtsgebäude zum Teatro Massimo. Das attraktive Opernhaus Palermos wurde 1897 eröffnet und war nach der Mailänder Scala die zweitbedeutendste Bühne Italiens.

Teatro Massimo (Rückansicht)

Das war eine schöne Runde für einen Tag. Palermo hat noch viel mehr zu bieten, wie den Antikmarkt Il Mercato delle Pulci in der Nähe der Kathedrale, des Teatro Politeama, archäologische Museen oder den Botanischen Garten. Nachdem, was wir im Vorfeld über Palermo gehört hatten, überraschte uns diese Stadt. Außer in der innersten Altstadt, wo es aussieht, als würden viele Häuser bald zusammenfallen, ist der Zustand recht ordentlich. Palermo ist nicht so groß, wie man denkt und es gibt auch Ecken, in denen man Luft holen kann, wie an der Terrazza Mare oder der Straße am Fährhafen entlang. Wer nicht so viel laufen will, kann entweder den Hoppon-Hoppoff-Bus nehmen, mit der Kleinbahn fahren oder die Kutsche nehmen.

Die Frage, die wahrscheinlich viele von Euch interessiert ist wohl: Ist Palermo sicher? Das können wir mit einem eindeutigen Ja beantworten. Unserem Gefühl nach sind die Zeiten der Mafia und Gewalt endgültig vorbei, die Stadt ist genauso sicher oder unsicher wie jede andere Stadt auf der Welt auch.

Es gibt jedoch nicht nur die Stadt Palermo zu sehen. Vor allem lohnt ein Abstecher nach Mondello ca. 10 km Richtung Norden. Um 1900 blühte der kleine Fischerort dank seines schönen Strandes und seiner Lage zu einem Belle Epoche-Badeort auf. Die ein oder andere Villa aus dieser Zeit ist noch zu sehen und wurde liebevoll erhalten. Den Blickfang bildet jedoch die Badeanstalt aus dem Jahre 1912, die auf Stelzen im Wasser der Bucht steht, ziemlich in der Mitte des langen Sandstrandes. Die architektonischen Verzierungen sind schon fast kitschig bemalt. Bevor man die Badeanstalt erreicht, in der sich heute ein Restaurant befindet, passiert man einen halbrunden Schmuckbogen.

Badeanstalt von Mondello

Ein alter runder Turm und ein kleiner Fischereihafen gehören ebenso zu Mondello. Wir möchten dringend den Ratschlag geben, nicht sonntags und bei schönem Wetter nach Mondello zu fahren, denn dann sind die Straßen von Autos und Menschen verstopft.

kleiner Fischerhafen von Mondello

Wir wollten anschließend noch den Leuchtturm am Capo Gallo besuchen. Um die Straße dort hinter zu befahren, muss man allerdings 5,-€ berappen. Selbst als Fußgänger muss man bezahlen.

Mich zog es aber auch auf den Monte Pellegrino, um von dort oben einen Blick auf Palermo zu werfen. Leider sind die Aussichtspunkte nicht zu erreichen, da es vor wenigen Jahren auf dem Berg gebrannt hat. Das ist noch zu sehen. Viele Bäume sind umgefallen und versperren die Wege. Die Aufräumarbeiten laufen immer noch.

Serpentinen-Fußweg zum Monte Pellegrino

Da ich schon dort oben war, lief ich den restlichen guten Kilometer zum sehr besonderen Heiligtum der Heiligen Rosalia. Von außen ist die Kirche nichts besonderes, überrascht aber im Inneren. Der kleine Altarraum mit dem Altar und dem Schrein für die Heilige Rosalia befindet sich in einer natürlichen Grotte und ist wunderschön illuminiert.

Altar der Grotte des Heiligtums Santa Rosalia

An dieser Stelle wurden am 15.07.1624 die Gebeine der Heiligen Rosalia gefunden. 1667 errichtete man den Altar. Zwei Reliquien, einen Zahn und ein Knochenfragment, werden in der Grotte aufbewahrt. Die restlichen Gebeine befinden sich in der Kathedrale Palermo.

Da ich ungern den gleichen Weg wieder zurück gehe, nahm ich den direkten Weg Richtung Süden nach unten. Da hatte ich mich auf etwas eingelassen. Der Weg ist 1,1km lang und kommt an der Ausfallstraße nach Mondello heraus. Was ich nicht wusste und erst merkte, als es zu spät war, war, dass der horizontale Weg auf die 1,1km keine 100m beträgt. Das heißt, der Weg ist ein fast senkrechter Klettersteig zwischen zwei Steilwänden, über den eigentlich ein Bach nach unten stürzt. Über eine Stunde kostete mich die „Abkürzung“, die mir so ziemlich alles abverlangte.

durch diese hohle Gasse kam ich

Agrigento Umgebung

Siculiana: Dies ist ein nettes Städtchen westlich von Agrigento. Wie viele der alten Städte breitet sich auch Siculiana auf einem Hügelrücken aus, mit dem Santuario del Santissimo Crocifisso als Blickfang. In dessen Nachbarschaft nimmt das beeindruckende Castello Chiaramonte aus dem 14. Jahrhundert einen großen Raum des Felsplateaus ein. Es ist wohl immer noch im Privatbesitz der gleichnamigen Familie. Es beherbergt ein kleines Museum und stellt Räumlichkeiten für Hochzeiten usw. zur Verfügung.

Eingang zum Castello Chiaramonte

Es macht Spaß, durch die kleinen Gassen zu spazieren, die manchmal so steil sind, dass da nur Treppen weiterhelfen. Hier und da lassen die Gassen Blicke auf das umliegende Land zu. Das kleine Heimatmuseum oben auf der Bergspitze war bei unserem Besuch geschlossen.

Eingang des Heimatmuseums von Siculiana

Schöne An- und Aussichten bieten auch der Platz zwischen dem Uhrturm und der Katholischen Kirche sowie der große Platz vor dem Rathaus mit einer Aussichtsplattform in Richtung Meer.

Santuario del Santissimo Crocifisso vom Rathausplatz aus gesehen

Ebenfalls einen kleinen Abstecher wert ist die Siculiana Marina. In der Antike gab es dort einen Naturhafen, der heute nicht mehr genutzt wird und verlandet ist. Der kleine Ort ist eher ein Ferienort, aber sehr hübsch gelegen und von Felsen überragt. Im Norden schließt sich eine Kalksandstein-Steilküste an.

Siculiana Marina

Auf der Rückfahrt über den Lido Rosello wollten wir nicht die Überlandstraße fahren, sondern eine kleine Küstenstraße. Damit hatten wir uns wieder auf ein Abenteuer eingelassen. Google Maps hatte damit kein Problem, aber die Straße war eher eine Ansammlung von Löchern, manchmal gänzlich unbefestigt oder gar als Sackgasse endend, kurz gesagt: eine Katastrophe. Diese Straße ist jedoch Zufahrtsstraße zu vielen, zum Teil neuen Grundstücken. Wir möchten nicht jeden Tag dort entlang fahren müssen, nicht einmal mit einem Geländewagen.

Felsformation irgendwo zwischen Siculiana Marina und Rosello

Der Besuch von Punta Secca lohnt eher nicht. Die kleine Siedlung ist komplett neu, mit einem im Winter geschlossenen Großbad, wie sie überall in Italien üblich sind. Trotzdem gibt es zwei Pluspunkte für Punta Secca: die von Bohrmuscheln durchlöcherten Kalksteinbänke am Strand und der Blick auf die Steilküste mit dem Torre di Monterosso.

Bohrmuschellöcher im Kalkstein der Küste

Der fast winzige Ort Lido Rosello, auch fast nur aus Ferienwohnungen bestehend, ist sehr schön in einer Bucht gelegen, von hohen weißen und grauen Kalksteinsteilwänden umgeben. Rosello ist zwar klein, besitzt jedoch ein eigenes Amphitheater, das Teatro Costabianca. Ob es schon zu griechischen Zeiten an dieser Stelle solch ein Theater gab oder ob dieses hier nach dem alten Vorbild neu gebaut wurde, wissen wir nicht. Jedenfalls bietet es 1500 Zuschauern Platz, denen in den Sommermonaten Musicals und Theateraufführungen geboten werden.
Auf dem westlichen Felsen steht der Leuchtturm. Der Zugang ist geschlossen, trotzdem ist es als Fußgänger inoffiziell möglich, den Weg nach oben zu benutzen. Der Berg an sich ist ein Naturreservat. Vom Aussichtspunkt unterhalb des Leuchtturms kann man wunderbar auf die Bucht von Rosello blicken, auch auf das Teatro Costabianca. Im Hintergrund ist die Scala dei Turchi zu sehen.

Baia di Rosello

Wir hatten einen Tipp bekommen, die Vulcanelli di Macalube bei Aragona, nördlich von Agrigento zu besuchen. Das sind kleine Schlammvulkane, die mich sehr interessierten. Leider verunglückten 2014 zwei Kinder in einem der Schlammlöcher tödlich. Seitdem ist der Zugang geschlossen und ein Zaun verhindert das Betreten. Es ist also nichts zu sehen, denn das Zentrum der Schlammvulkane liegt tiefer als die umgebende Landschaft.

Vulcanelli di Macalube sind leider dauerhaft geschlossen

Aragona: Die Stadt selbst ist auf unserer Karte als besuchenswert gekennzeichnet. Leider können wir das nicht bestätigen. Nur die Altstadtgassen sind etwas steiler und zahlreicher als anderswo.

Straße in Aragona

Inzwischen wechselten wir auf den Stellplatz Punta Piccola Park, acht Kilometer die Küste Richtung Westen weiter. Damit befinden wir uns zwischen Porto Empodocle und der Scala dei Turchi. Es sind nur zwei Kilometer Fußweg am Strand entlang, bis zu der wunderschönen Kalksteinformation, die zu den schönsten Zielen Siziliens zählt.

toller Stellplatz direkt am Meer

Um diesmal einen besseren Winkel zum fotografieren des Felsens zu bekommen, balancierte ich auf einer Kalksteinzunge, die ins Meer hinein reicht. Genau dort habe ich meinen eigenen Stein gefunden. Wenn das nichts ist.

ein Stein mit meinem Namen am Fuße der Scala dei Turchi

 

Caltagirone

Auf unserer bisherigen Reise durch Sizilien sahen wir inzwischen schon eine Menge schöner Städte, aber wir finden, dass der Besuch von Caltagirone ein Muss ist. Wie die meisten alten Stadtkerne liegt auch der von Caltagirone auf einer Bergspitze. Die Stadt gehört zu den spätbarocken Städten wie Ragusa, Noto oder Scicli und ist ebenfalls UNESCO-Welterbe.

Schon die Anfahrt von Gela aus ist spannend, denn der größte Teil der Strecke führt durch eine dünn besiedelte Berglandschaft. Kurz hinter Gela kommt man aber erst noch an der Burgruine Castelluccio di Gela vorbei. Fast auf gleicher Höhe kreuzt man eine Linie von MG-Bunkern aus dem 2. Weltkrieg, der wir schon auf dem Weg nach Gela begegnet sind. Dann wird es einsamer. Auf der linken Straßenseite erhebt sich eine karge Karstlandschaft, in der man sich in Kroatien wähnt. Sieht man nach rechts, kommt man sich wie in Irland vor, mit zerklüfteten grünen Bergketten und saftigen Weideflächen.

Caltagirone erreicht man dann am oberen Ende der Stadt. Oberhalb der Kirche Santa Maria del Monte ist ein kleiner kostenloser Parkplatz. Der ist ein guter Startpunkt für die Stadtbesichtigung. Vom Vorplatz der Kirche Santa Maria del Monte blickt man über einen Teil der Unterstadt.

Blick vom Vorplatz der Kirche Santa Maria del Monte

Um dorthin zu gelangen, steigt man die berühmte Treppe von Caltagirone, die Scala Santa Maria del Monte, herunter. Das Besondere an dieser Treppe? – Jede Stirnseite der 142 Stufen wurde mit handgemalten Keramikfliesen belegt, die immer andere Motive zeigen. Keine zwei Stufen weisen das gleiche Motiv auf. Die Treppe wurde 1606 gebaut, aber erst 1954/55 bekam sie ihr heutiges Aussehen.

handgemalte Keramikfliesen an der Scala Santa Maria del Monte

Am Ende dieser Treppe liegt die Piazza Municipio mit dem Rathaus. Daneben befindet sich die Stadthalle. Neben einem kleinen Café wird an berühmte Bürger der Stadt gedacht, von der Antike an. Das Innere der Halle wurde wunderschön mit bunten Keramikfliesen oder -mosaiken gestaltet.

in der Stadthalle

Folgt man der Scala Santa Maria del Monte weiter nach unten, folgen weitere Treppen, bis man die Ponte San Francesco, eine Bogenbrücke aus dem 17. Jahrhundert erreicht. Rechts und links des gesamten Weges kann man typische Keramik aus Caltagirone kaufen. Die Stadt ist die Keramikhauptstadt Siziliens, und das ist überall zu sehen. Schon im 15. Jahrhundert war Caltagirone für seine Töpferkunst berühmt. Getöpfert wurde an dieser Stelle jedoch schon seit der Jungsteinzeit.

Ponte San Francesco

Die Ponte San Francesco mit der Via Roma, auch wieder mit Keramikfriesen und -wappen geschmückt, führt nun zur Diözese von Caltagirone. Das Kloster beherbergt ein Museum zu seiner Geschichte. Zum Kloster gehört die Kirche San Francesco d`Assisi aus dem 18. Jahrhundert. Von deren Eingang aus hat man einen schönen Blick in Richtung Oberstadt mit der Ponte San Francesco im Vordergrund. Spätestens jetzt sagt man sich, dass Caltagirone die wohl schönste Stadt Siziliens ist. Man ist einfach begeistert von der barocken Architektur, den Treppen, den Brücken, der Keramik und den vielen schönen An- und Aussichten. Manchmal kommt es sogar vor, dass man gleich drei Kirchen in einem Blickfeld hat. Kirchen hat Caltagirone jedenfalls genug. Das ist jedenfalls jetzt unsere Meinung. Mal sehen, was uns auf der restlichen Strecke um Sizilien herum erwartet.

Blick von der Kirche San Francesco d`Assisi zur Oberstadt

Wer auf farbenfrohes und schmackhaftes Kaffee-Gebäck steht, der wird in der Escalier-Bar an der Piazza Municipio fündig. Das Kilo kostet zwar 30,-€, aber das ein oder andere Häppchen sollte man sich dort schon gönnen. Schließlich braucht es einiges Gebäck, um auf ein Kilo zu kommen. Dazu ein Kaffee und alles ist gut, bis man die Treppen der Scala Santa Maria del Monte wieder hinauf steigen muss, um zum Parkplatz zu kommen. Wenn man sich dabei noch einmal mit der Vielfalt der handbemalten Keramikfliesen beschäftigt oder sich in einem der Keramikläden umsieht, merkt man kaum, dass man schon oben angekommen ist.

leckeres Kaffee-Gebäck in der Escalier-Bar

Für Keramik-Begeisterte sei ein Besuch des Regionalen Keramikmuseums Caltagirone empfohlen.

Den Rückweg nach Gela nahmen wir über die kleine Stadt Niscemi. Die Straße von Caltagirone nach Nescemi ist ebenfalls wunderschön. Zuerst ragt das mit 40 Metern Höhe drittgrößte Kreuz der Welt in den Himmel. Es ist einige Kilometer südwestlich von Caltagirone zu finden, westlich der Gemeinde Crescimanno.

drittgrößte Kreuz der Welt bei Caltagirone

Manche Eisenbahn-Bogenbrücke ist auf der Strecke auszumachen. Der Weg durch oder über dem Valle delle Ferla ist traumhaft.

Abgesehen von der Piazza Vittorio Emanuele mit seinen zwei großen barocken Kirchen hat Niscemi wahrscheinlich nicht mehr viel zu bieten. Trotzdem ist sie besonders, denn während man sich in all den anderen sizilianischen Altstadtlabyrinthen schnell verläuft, ist Nescemi im Schachbrettmuster angelegt. Dies erleichtert die Orientierung ungemein.

Piazza Vittorio Emanuele in Niscemi

Der Grund, weshalb wir die Stadt besuchten, war der Aussichtspunkt Terrazzo del Belvedere. Seit Januar 1997 erlebt man an diesem Punkt eine der schönsten Aussichten Siziliens.

Aussichtspunkt Terrazzo del Belvedere

 

 

Commissario Montalbano

Wir haben diese Krimiserie sehr gerne gesehen, weil das Wetter immer so toll ist, die Farben strahlen, die Schauplätze sehr einladend sind und vor allem, weil der Commissario mit seiner gelassenen, sizilianischen Art ziemlich fesselnd ist.
Durch die Reiseplanung erfuhren wir, dass die meisten Drehorte zwischen Ragusa und Marina di Ragusa im Südosten der Insel zu finden sind. Da wir einige Wochen in diesem Gebiet verbringen, Punta Braccetto, blieb uns genug Zeit, einige der Schauplätze anzusehen.

Über das Castello di Donnafugata haben wir schon berichtet. Das Schloss ist in der Serie der Sitz des Mafiabosses Sinagra, ein Widersacher des Commissario Montalbano.

Einige Szenen entstanden in Ragusa, wo seitdem einige Straßen und Einrichtungen in Montalbano umbenannt wurden. Sehenswert ist vor allem Ragusa Ibla, die Altstadt, die auf einer Bergspitze thront. An vielen Stellen fallen die Felsen fast senkrecht ab. Den besten Blick auf Ragusa Ibla hat man vom Vorplatz der Kirche Maria delle Scale, die am Rande des neuen Ragusa steht.

Ansicht von Ragusa Ibla

In Ragusa Ibla beginnt man am besten den Bummel an der Piazza Duomo. Er ist abschüssig und an seinem oberen Ende steht der barocke Dom. Durch die erhöhte Lage sieht er noch beeindruckender aus. Eine große Treppe führt zum Hauptportal, doch das Tor davor ist geschlossen. Der Zugang zum Dom befindet sich seitlich, links die Treppe hinauf. Das Innere ist schön hell gestaltet und nicht zu protzig.

Domplatz von Ragusa Ibla

Wie viele Städte im Osten Siziliens wurde auch Ragusa durch das schwere Erdbeben 1693 stark zerstört. Im 18. Jahrhundert baute man die Altstadt im Barockstil wieder auf, wenn auch nicht so imposant wie Noto. Seit 2002 gehört die Stadt zum UNESCO-Welterbe. Trotzdem macht es Spaß, durch die Gassen zu schlendern. Bei unserem Besuch, es ist sehr kalt für sizilianische Verhältnisse und Ragusa liegt auf 520 Meter über dem Meer, blies eine eiskalte Brise durch die Stadt.

Brunnen waren im Barock ein wichtiges Stilelement


Vom Domplatz führt der Corso XXV. Aprile hinunter bis zum Garten „Giardino Iblea“. Dabei kommt man an neueren und alten Gebäuden vorbei. Teilweise wurden alte Stücke, die aus den Trümmern des Erdbebens geborgen wurden, in die neuen Fassaden integriert. Das fanden wir eine sehr gute Idee. Viele Souvenirläden, Spezialitätengeschäfte, Kneipen und jede Menge Kirchen säumen die Hauptachse Ragusa Iblas.
Ziemlich am unteren Ende des Corso XXV. Aprile, rechts in einer Gasse versteckt, ist die Trattoria „La Rusticana“ zu finden. Der Eingang ist sehr alt, dahinter sieht alles neu und modern aus. In diese Trattoria kehrt Commissario Montalbano manchmal ein.

Trattoria „La Rusticana“

Der Garten „Giardino Iblea“ bildet den unteren Abschluss Ragusa Iblas und besetzt eine Felsnase hoch über dem Fluss Irminio. Vom Balkon des Gartens blickt man weit in das Tal hinein. Man spaziert durch eine Palmenallee oder durch kleine Wege, an Brunnen und einer Kirche vorbei.

Giardino Iblea

Am besten stellt man das Auto unterhalb der Altstadt ab und erklimmt dann den Felsen über Treppen und Aufgänge. Durch einige unscheinbare Tore betritt und verlässt man Ragusa Ibla.

Eine schöne Fahrradtour hat man entlang der Küste zwischen Punta Secca und Marina di Ragusa. Man kann sie aber auch bis nach Sampieri erweitern. Da wäre zuerst der Torre Scalambri in Punta Secca, der seit 1593 an dieser Stelle steht. Er diente als Verteidigungsturm gegen die Türken, Sarazenen und andere potenzielle Angreifer, die über das Meer kamen. Der Turm gehört zu einer Kette mehrerer Verteidigungstürme. Nach mehrmaligen Renovierungen beherbergt der Torre Scalambri heute ein kleines Café.

Torre Scalambri

Gleich gegenüber steht das Montalbano-Haus, in dem der Commissario in der Serie wohnt. Eine herrliche Terrasse direkt über dem Strand lädt zum Träumen in ruhigen Stunden ein. Allerdings muss der Commissario irgendwo anders schwimmen gehen, denn direkt vor dem Haus ragen viele Felsen aus dem Wasser heraus. Ungetrübtes Schwimmvergnügen geht da nicht.
Das Montalbano-Haus ist in der Realität ein 3-Sterne-Ferienhaus. Im Winter ist es wohl verlassen, denn die Fensterläden sind alle geschlossen.

Casa di Montalbano

Das kleine Örtchen Punta Secca ist sehr hübsch. Es besitzt einen kleinen Hafen, einen Leuchtturm und eine kleine Promenade.

Nun muss man auf die Durchgangsstraße zurück, um bald darauf erneut auf eine kleine Küstenstraße, Lungomare Delle Anticaglie, zurückzukehren. Hier befinden sich mehrere kleine Ausgrabungen, die zur Anlage Camarina gehören. Es waren wohl Wohngebäude. Die meisten von ihnen wären spätestens jetzt im Meer versunken. Einige der Grundmauern wurden freigelegt und säumen die Küstenstraße rechts und links.

Ausgrabungen alter Grundmauern

Weiter geht es durch die Ortsteile Caucana und Santa Barbara nach Marina di Ragusa. In Santa Barbara wurde ein toller Fahrradweg angelegt. Der angrenzende Fußweg ist mit kleinen Buchten versehen, von denen aus man das Ambiente genießen kann. Strand gibt es hier allerdings keinen, sondern nur Sandsteinfelsen, welche den Zugang zum Wasser nicht eben erleichtern.

Santa Barbara

Marina di Ragusa war der Hafen für die im Landesinneren liegende Stadt Ragusa. Heute tummeln sich hier Boote und Yachten im Hafenbecken, welches 2004 neu gestaltet wurde. Alles ist hell und freundlich angelegt und lädt zum Bummeln ein. Über die Promenade, am langen Sandstrand entlang, erreicht man das Zentrum von Marina di Ragusa. Sonntags ist es sehr voll, denn dann sind die Einheimischen in der Stadt unterwegs. Wochentags ist man fast alleine in den Gassen. Da kann man ganz gemütlich auf dem Platz am Torre Cabrera zu Kaffee und Eis einkehren und in der Sonne sitzen.

Torre Cabrera in Marina di Ragusa

In Donnalucata, einem größeren Urlaubsort, ist jetzt im Winter nichts los. Es ist auch nicht wirklich viel zu sehen. Zwischen der Altstadt und dem Meer hat man eine neue breite Promenade angelegt. Der kleine Hafen mit den zwei begrenzenden Molen ist wohl eine Fehlkonstruktion, denn es wird jede Menge abgestorbenes Seegras hinein gespült, welches sich am Ende des Hafenbeckens sammelt. Boote sind da keine zu finden. Der benachbarte lange Sandstrand liegt verlassen da.

Promenade von Donnalucata

Sehr zu empfehlen ist dagegen das kleine ehemalige Fischerdorf Sampieri. Der Ortskern ist wirklich winzig, aber alles strahlt in hellem Sandstein. Die neue Promenade ist sehr hübsch und es stehen sogar Bänke zum Ausruhen und Auf-das-Meer-schauen bereit. In der Ferne ist die alte Ziegelei zu sehen. Dazwischen liegt der Strand von Sampieri, an den eine kleine Wanderdüne grenzt.

ehemaliges Fischerdorf Sampieri

Teile von Sampieri dienen in der Serie Commissario Montalbano als Drehorte. Ein sehr bekannter Schauplatz ist die alte Ziegelei Fornace Penna (im Film alte Thunfischfabrik „Mannara“), deren Besuch vor allem für Baubegeisterte interessant ist. Das Hauptgebäude besteht gänzlich aus weißem Kalkstein. Hohe, schlanke und mehrstöckige Bogenwände lassen staunen. Die Decken existieren nicht mehr und der Verfall der schönen hohen Wände ist auch nur noch eine Frage der Zeit. Von 1909 bis 1912 erbaut, musste die Ziegelherstellung schon im Januar 1924 eingestellt werden. Die Folgen einer Brandstiftung waren so schwerwiegend, dass die Fabrik nie wieder aufgebaut wurde. Heute ist sie ein Objekt der Industriearchäologie.

alte Ziegelfabrik bei Sampieri

Zum Komplex gehört ein kleines Nebengebäude, welches ebenfalls eine Ruine ist. Dies war der Maschinenraum u.a. mit zwei Hammermühlen. Beeindruckend ist der doppelwandige, gemauerte Schornstein mit einer Höhe von 41 Metern. Auf jeden Fall ist es eine schöne Anlage, die nahe der felsigen Kalksteinküste steht.

Ein anderes Ziel, eigentlich das Herz in der Montalbano-Serie, ist die wunderschön gelegene Stadt Scicli, einige Kilometer von der Küste entfernt. Wenn man auf der Straße aus Westen nach Scicli kommt, gibt es eine Stelle, an der man einen herrlichen Blick auf die zwischen mehreren Berghängen eingeklemmte Stadt hat. Es scheint, als würden die Gebäude rund um das Zentrum hilfe- und lichtsuchend an den Hängen hochklettern. Daher werden auch in Scicli viele Höhenunterschiede mit Treppen überwunden.
Das Rathaus im Zentrum von Scicli dient in der Montalbano-Serie als Polizeiwache, also die Arbeitsstätte des Commissario Montalbano.

Rathausplatz von Scicli

Gleich nebenan steht die Kirche San Giovanni Evangelista. Hinter der barocken Fassade verbirgt sich ein sehr attraktives Inneres. Während die meisten Kirchen auf Sizilien eher schlicht ausgestattet sind, besticht diese Kirche durch reiche, filigrane Malereien und Stuckarbeiten in Weiß, Blau und Gold. In der Mitte des Deckengewölbes prangt ein ovales Gemälde.

Innenraum der Kirche San Giovanni Evangelista

In der gleichen Straße, gleiche Seite, nur ein paar Häuser weiter, findet man die Antica Farmacia. Die Apotheke ist an die andere Seite des Rathausplatzes umgezogen, aber die alten Räumlichkeiten existieren noch, seit 2014 als Museum. Auch diese alte Apotheke spielt eine Rolle in der Montalbano-Serie.

Antica Farmacia

Schon in der Antike ein wichtiges Zentrum, erfuhr Scicli 1693 das gleiche Schicksal wie alle anderen Städte im Osten Siziliens. Heute gehört die Stadt wie Ragusa, Modica und Noto zum UNESCO-Welterbe. Der Anteil der Barockbauten ist zwar etwas geringer, aber ein Besuch ist unbedingt empfehlenswert. Ein schönes Detail, welches das Stadtzentrum auflockert, ist der noch nicht so sehr alte, ausgemauerte Kanal, der teilweise überbaut ist. Bevor es diesen Kanal gab, haben nach starken Regenfällen ungebändigte Wassermassen große Zerstörungen in der Stadt angerichtet.

Kanal als architektonisches Detail

 

 

Noto

Das heutige Noto stammt erst aus der Zeit nach dem großen Erdbeben 1693. Damals verließen die Einwohner des antiken Noto ihre zerstörte Stadt und bauten sie 10km in Richtung Küste neu auf. Innerhalb weniger Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts entstand dann die schicke Altstadt im schönen Barockstil. Sie wurde auf dem Reißbrett geplant und mit gelbem Sandstein aus der Nähe verwirklicht. Inzwischen ist Noto Welterbe-Barockstadt und das zurecht. Entlang des Corso Vitt. Emanuele spielt sich die Hauptsache in Noto ab. An dieser Fußgängerzone, im Osten steht das Stadttor Porta Ferdinandea, sind die Kathedrale San Nicoló und das Theater zu finden.
Eine breite Freitreppe führt zum Eingang der Kathedrale nach oben. Gleich gegenüber steht der Palazzo Ducezio, das Rathaus. Für die meisten Sehenswürdigkeiten wird ein Eintrittsgeld von ca. 3,-€ verlangt.

Kathedrale San Nicoló in Noto

Für uns ist die schönste Kirche San Domenico an der Piazza XVI Maggio, gleich gegenüber des Theaters. Von außen ist sie ein echtes Juwel des Barock. Innen eher schlicht beherbergt sie ein wunderschönes Stück Handwerkskunst. Die Front der Kirche wurde bis ins kleinste Detail aus Bast nachgestaltet. Da hat sich jemand echt Mühe gemacht.

Portal der Kirche San Domenico

Wer die gelbe Stadt, was uns an die englische Stadt Bath erinnert, von oben sehen möchte, der steigt die enge Wendeltreppe der Campanile di San Marco nach oben. Die 2,-€ Eintritt dafür sind sehr gut angelegt. Es lohnt sich wirklich. Man kann nicht nur über fast das gesamte Noto sehen, sondern auch bis zum Meer.

über den Dächern von Noto

Es wäre aber schade, wenn man sich nur auf dem Corso Vitt. Emanuele aufhalten würde. Man sollte unbedingt auch abseits durch die Straßen und Gassen spazieren. Noto hat sehr viel mehr zu bieten.

Nun hatten wir das neue Noto gesehen und waren auf das alte Noto, Noto Antica, neugierig. Während die von uns ausgewählte Straße auf der Karte gelb gekennzeichnet ist, ist sie in Wirklichkeit eher eine Straße für Geländewagen, inklusive zwei Furten. An vielen Ecken dachten wir, es geht nicht mehr weiter, aber auch hier haben sich Leute mit ihren Wohnhäusern versteckt. Es sieht alles etwas verwildert aus. An der ersten Furt stehen Apfelsinen- und Zitronenbäume so frei, dass wir uns gerne daran bedienten.

Durchfahrt einer Furt auf dem Weg nach Noto Antico

Von hier ab führt die Straße wieder aufwärts, die Befestigung der Straße verschwand bald ganz. Zum Teil kommt der uralte Steinbelag zum Vorschein, manchmal ist aber nur noch loser Kalkstein-Schotter da. Uns kam sogar eine Schafherde entgegen, ohne Schäfer. Anscheinend kennen die Tiere ihren Weg. Die einsame Bergwelt und Karstlandschaft ist wunderschön. Es wachsen allerorten Salbei, Thymian und Rosmarin, aber im Winter haben sie wohl ihr Aroma verloren. Die Kräuter schmecken nach gar nichts.

Begegnung mitten in den Bergen Notos

Hin und wieder sind Grabhöhlen der Ureinwohner Siziliens, der Sikuler, in den Kalksteinfelsen zu sehen. Sie wurden noch vor der Ankunft der griechischen Kolonisatoren angelegt.

Kurz vor der Bergkuppe beginnt ein Ruinenfeld. Zumeist sind nur noch die niedrigen Bruchsteinmauern aus Kalkstein übrig, die die Grundstücke begrenzten. Dazwischen ragen ab und zu Ruinen der ehemaligen Häuser des antiken Noto heraus. Das antike Noto wurde durch das verheerende Erdbeben im Januar 1693, auf dessen Spuren wir nun schon unterwegs sind, seit wir auf Sizilien ankamen, ausgelöscht. Immer weiter fuhren wir durch eine Ruinenlandschaft, bis wir zu einem Platz kamen, an dem mehrere Wegweiser stehen. Dies war einmal der zentrale Platz des antiken Noto, die Piazza Maggiore. Hier befanden sich die repräsentativen Gebäude wie die Kirche. Ob die große Ruine, die den Platz bestimmt, die Kirche war, wissen wir nicht.

größte Ruine in Noto Antico

Wir folgten dem Schild „Cava del Carosello“. Auch hier wieder Mauern, Ruinen und sogar ein Brunnen. Dann kamen wir an einen eingezäunten Bereich. Der Eingang ist aber offen. Dieser Bereich liegt am Rande einer tiefen Schlucht. Ein abenteuerlicher Weg führt in das Tal hinunter. Wir folgten dem Weg nur ein kurzes Stück und kamen an eine kleine, künstlich geschaffene Höhle mit Nischen und einem Abzug. War sie Teil einer Wohnhöhle oder eine Grabhöhle? Es steht nichts dazu geschrieben. Wir gehen davon aus, dass am Weg nach unten weitere Höhlen zu finden sind.

abenteuerlicher Weg zu den Cava del Carosello

Wir fuhren die Straße, die eigentlich ein Weg ist, nach Norden weiter und kamen an mehreren ehemaligen Palästen vorbei. Tafeln erklären, was vor dem Betrachter liegt. Irgendwann steht man vor dem Castello Reale aus dem 11. Jahrhundert. Es wurde mehrfach erweitert und renoviert, bis das Erdbeben auch dem Fort den Garaus machte. Das Castello reicht bis an das Stadttor heran. Dort erkennt man, dass das Fort direkt auf andere Höhlen gebaut wurde.

uralte Höhle unter dem Castello Reale

Das war ein ausgesprochen interessanter Ausflug. Das antike Noto war riesig. Wie es ausgesehen hat, zeigt eine Tafel am Stadttor.

Nun setzten wir unseren Weg fort, um zum Cavagrande del Cassibile zu kommen. Gleich hinter der ersten Serpentine werden weitere Grabhöhlen der Sikuler sichtbar, die in mehreren Etagen vor dem Forteingang im Fels liegen.

Grabhöhlen der Sikuler

Ein paar Kilometer weiter passiert man das beeindruckende Kloster Convento della Scala, bevor man durch den Ort Villa Vela kommt. Danach biegt man rechts nach Avola ab, um nach etwa 7km zum Aussichtspunkt über dem Cavagrande del Cassibile einzubiegen. Dies ist einer der größten Canyons in Europa. Die steilen Wände des Canyons fallen über 500 Meter in die Tiefe ab, wo sich der gleichnamige Fluss schlängelt. Das Besondere sind jedoch die natürlichen Pools, in denen man im Sommer baden kann. Für dieses Vergnügen muss man allerdings erst einmal den mühevollen Fußweg nach unten nehmen. Der ist jetzt im Winter geschlossen, aber trotzdem waren Leute dort unten unterwegs. Wie kamen die wohl dort hin? Die Aussicht über den Cavagrande ist jedenfalls grandios. In der Ferne erhebt sich der immer noch rauchende Ätna aus der Landschaft, der mehr als 100km entfernt ist.

Pools des Cavagrande del Cassibile

An der Serpentinenstraße hinunter nach Avola passiert man immer wieder Höhlen oder Reste davon, die dem Straßenbau zum Opfer fielen.

Zyklopenküste

Die Küste um Acireale nennt man auch die Zyklopenküste. Einstige Lavaströme gelangten bis an das Meer heran und bilden heute eine bizarre Küste, mit vielen spitzen Felsen, die einzeln oder in Gruppen vor der Küste stehen. Der Sage nach, wobei wir wieder bei der Odyssee wären, lebte der einäugige Riese Polyphem an den Hängen des Ätna. Er hielt Odysseus und seine Gefährten gefangen. Mit List gelang es Odysseus, Polyphem zu blenden und zu fliehen. Aus lauter Wut schleuderte der Riese große Felsen Odysseus hinterher. So liegen sie heute immer noch dort, wo sie niedergefallen waren.

Lavabrocken bestimmen die Zyklopenküste

Das Zentrum der Zyklopenküste ist Aci Trezzo. Dort liegen gleich hinter der Hafenausfahrt die Isole die Ciclopi, die Zyklopeninseln. Die meisten von ihnen ragen als spitze, schwarze Lavabrocken aus dem Meer. Nur die größte der Inseln ist bewohnt. Die Inseln und das Wasser drumherum sind als Meeresschutzgebiet ausgewiesen. Die auf einer Halbinsel liegende Altstadt ist von einer breiten Promenade eingerahmt. Von dort aus lässt sich die Aussicht auf die Lavaküste gut genießen. Selbst die Häuser an der Wasserkante sind in einem guten Zustand, was in Sizilien nicht eben selbstverständlich ist.

Zyklopeninseln vor Aci Trezzo

Gleich südlich von Aci Trezzo schließt sich das schön gestaltete Kap von Aci Castello an. Die kleine normannische Festung, die auf dem Ende einer Lavazunge aus dem Jahre 1169 steht, ist über das Winterhalbjahr geschlossen. Sie beherbergt ein kleines Museum. Auch hier lässt es sich trefflich an der Promenade, die über einer schwarzen Steilküste liegt, bummeln. Wenn man an der Festung vorbeischaut, sieht man in einiger Entfernung Aci Trezzo mit den Zyklopeninseln.

Piazzo Castello mit dem Castello Svevo in Aci Castello

Ein wahres Kleinod ist der Hafen von Santa Maria la Scala. In die kleine Bucht laufen unverhältnismäßig große Wellen ein, und das im Zeitlupentempo und sehr geräuschvoll. Die hohe Steilwand hinter der Bucht bricht das Geräusch der Wellen und wirft es zurück. Es gibt kaum Touristen, die nicht begeistert von diesem Szenario sind.

Santa Maria la Scala

Links von der Bucht liegt der kleine Fischerort, der sich den Hang hinaufzieht. Rechts baute man eine Aussichtsplattform. Hier ist die Straße zu Ende und man blickt nach Süden, entlang der rauen, schwarzen Steilküste.
Als letztes Haus steht eine alte Mühle. Etwas links davon kommt man zu einem Wasserfall, der die Mühle einst antrieb. Heute wird das herabstürzende Wasser durch Rohre geführt. Nur ein Teil des Wasser erreicht rauschend das Meer. Umgeben ist der Wasserfall, wie der gesamte Hang, von dichtem südländischen Urwald.

die Gischt kriecht an der Steilküste aus Lava nach oben

Es ist ein grandioser Anblick nach beiden Seiten der Aussichtsplattform. Anschließend spaziert man durch die Gassen von Santa Maria la Scala, bis hin zur Mole. Aus diesem Winkel stellt sich der Ort, mit den vielen kleinen Booten davor, noch einmal anders dar. Es hat uns ausnehmend gut dort gefallen und es ist ein echter Geheimtipp. Es führt nur eine kleine kurvige Straße hinunter zu den Parkplätzen.

der kleine Hafen von Santa Maria la Scala

Auf der Hintour fuhren wir auf der ss114 entlang. Man darf keine zwei Sekunden woanders hinsehen, denn ständig muss man ausweichen, anhalten oder sonst wie reagieren. Deshalb folgten wir auf der Rücktour nach Giardini-Naxos der kleinen Küstenstraße. Hier geht es ruhiger zu. Teilweise ist die kleine Straße geräumiger als die Fernstraße. Man hat also Zeit, sich die Gegend anzusehen und die Aussichten zu genießen. Zitrusplantagen, Baumschulen und Gewächshäuser sind die Hauptzutaten auf der Strecke.

Hafen von Stazzo

Bei Santa Tecla und Stazzo bogen wir noch einmal ans Meer und zu den kleinen Häfen ab. Überall zeigt sich die schwarze Lava. Bei Santa Tecla zeigt sich weit oben im Hang das Ende einer Lavazunge, in der mehrere Höhlen, besser gesagt: Lavablasen, zu sehen sind.

das Ende einer Lavazunge

In Riposto mit dem „Hafen am Ätna“ legten wir eine letzte Pause ein. Der Hafen ist gleichzeitig der Hafen der großen Stadt Giarre. Entsprechend groß ist der Hafen und zahlreich sind die Boote in allen Klassen.

Uferstraße von Riposto

Langsam ziehen wieder dunkle Wolken über dem Ätna auf und wir müssen sehen, dass wir zum Stellplatz in Naxos zurückkommen. Von Riposto in Richtung Giardini-Naxos zieht sich ein endloser Strand an der Küste entlang. Nach der Zyklopenküste ist das richtig langweilig.

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