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Trapani

Nach fast drei Tagen Sauwetter mit Regen, Sturm, Kälte und Dunkelheit, die wir auf dem Parking Le Saline im Südosten Trapanis zubrachten, kommt nun endlich die Sonne wieder zum Vorschein. Viel konnten wir in der Zeit nicht unternehmen, es war einfach zu eklig. Auf den Fotos kommt das auch nicht gut. Also guckten wir Videos, spielten Karten, fuhren mal zum Einkaufen oder was man sonst so macht.

Am Nachmittag des dritten Tages klarte sich der Himmel kurzzeitig auf und wir nutzten die Zeit, um den Salinen von Trapani und Paceco einen Besuch abzustatten, die ein Naturschutzgebiet sind. Mit dem Auto kann man sich nur am äußeren Rand der Salinen bewegen, aber es führen viele Fußwege hindurch. Der zentrale Punkt ist das Salzmuseum, welches auch Exkursionen durch die Salzpfannen anbietet.

Blick über die Salinen zum Monte Erice

Überall liegen Salzhügel verteilt, die statt schneeweiß eher grau sind, so lange liegen sie schon. Manche sind mit einer Schicht Dachpfannen geschützt. Die Salzproduktion läuft in Trapani nur von April bis Ende September, da die Wetterbedingungen keinen Abbau im restlichen Jahr zulassen, wegen fehlender Verdunstung. Im Winter werden die Becken gereinigt und mit dem inzwischen gesammelten Schlamm abgedichtet. Dann werden im Frühjahr die Salzpfannen wieder geflutet und der Zyklus geht von vorne los.

mit Dachziegeln geschützte Salzhügel

Die Salinen, wie überall in der Welt, sind ein Paradies für Vögel. Während wir auf der bisherigen Fahrt durch Italien und Sizilien noch nicht gerade verwöhnt wurden, was Vogelbeobachtungen angeht, haben sich in den Salinen von Trapani und Paceco schon einige Arten eingefunden. Mehrere Entenarten wie Löffelente, Brandgans und Spießente, Rotschenkel und vor allem die immer wieder faszinierenden Rosaflamingos tummeln sich in der geschützten Wasserlandschaft. Die tollen Farben der Flamingos kommen erst richtig im Sonnenlicht zur Geltung, erst recht wenn sie ihre Flügel ausbreiten. Ich kann mich kaum an ihnen sattsehen.

immer wieder faszinierend: Rosaflamingos

Endlich wieder ein Tag mit mehr Sonne als Wolken, so dass wir eine Fahrt im Uhrzeigersinn rund um das Bergmassiv machen konnten, auf dem Erice liegt. Die Straße führt bis nach Valderice meist bergan. Ab und zu hat man einen schönen Blick auf Trapani und die Küste mit den Salinen. Dann biegt man nach Norden ab und bekommt tolle Ausblicke auf diese Küste. Trapani liegt auf einer langen Landzunge und ist eigentlich überall von Wasser umgeben. Bei Sonnenschein leuchtet das Meer herrlich blau, nur die Strände sind jetzt überall mit Müll und abgestorbenem Seegras übersät, was wenig appetitlich ist.

Blick von Tonnare di Bonagia zum Monte Cofano

Klaus hat mich dann 10km vor dem Hafen Trapanis abgesetzt und ich bin zu Fuß zurück gelaufen, immer am Wasser entlang. Dabei kommt man an mehreren Sandstränden, Ruinen einer alten Thunfischfabrik und der stillen Rückfront Nordtrapanis vorbei. Der alte Fischmarkt, eine alte Festung (Bastione Conco) und ein alter Turm sorgen außerdem für Abwechslung auf dem Weg.

alter Fischmarkt

Ein Stadtbummel durch Trapani lohnt eigentlich nur entlang des Corso Vittorio Emanuele, wo sich sehr schöne Barockbauten ein Stelldichein geben. Sie als Flanier- und Einkaufsmeile zu bezeichnen, ist allerdings etwas übertrieben.

Dieses Detail am Corso Vittorio Emanuele erinnert mich an das Dresdner Schloss

Sehenswert ist auch die Front entlang der Fähranleger, wo unter anderem das Denkmal für Giuseppe Garibaldi, der 1890 in Trapani eintraf, zu finden ist. Über den Namen Giuseppe Garibaldi stolperten wir schon auf der ganzen Reise durch Italien/Sizilien. In Marsala erfuhren wir, dass er 1860 mit tausend Freiwilligen mit Schiffen in Marsala landete, um Sizilien von den letzten Besatzern zu befreien und Italien zu einigen.

nettes Detail gegenüber der Fähranleger

In Trapani wurde früher viel Rote Koralle verarbeitet, die immer noch vor den Küsten Siziliens gedeihen soll. Diese Korallenart ist inzwischen streng geschützt und so hat der Handel mit echter Koralle stark nachgelassen. Es gibt zwar immer noch Schmuckgeschäfte, in denen Korallenschmuck angeboten wird, der ist aber fast immer aus Plastik.

Markttag ist jeden Donnerstag auf dem Platz am großen Schwimmbad. Es gibt aber fast nur Klamotten und Krimskrams. Nur wenige Verkäufer bieten Obst, Gemüse oder Spezialitäten an. Der Fischmarkt am Hafen findet dagegen jeden Morgen statt.

Thunfischprodukte und Baccala (Trockenfisch) auf dem Wochenmarkt

Vor Trapani liegen die Ägadischen Inseln. Die drei größten heißen Levanzo, Favignana und Marettimo. Ihre hohen Felsen sind nicht zu übersehen. Die Inseln können vom Fähranleger Trapanis aus besucht werden. Es soll sich lohnen, aber dann wohl doch eher in der warmen Jahreszeit.

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Monte Cofano

Wir haben ein traumhaftes Plätzchen zum Stehen und Übernachten gefunden. Zwischen dem Monte Cofano und San Vito Lo Capo im äußersten Nordwesten Siziliens breitet sich eine kleine Ebene zwischen den Bergen und dem Meer aus. Direkt am Strand liegt ein großer freier Platz mit einem atemberaubenden Panorama. Es ist der schönste Platz auf unserer bisherigen Italien/Sizilienreise, auf dem wir zwei fast windstille und sonnige Tage erleben durften.

traumhafter Stellplatz kurz vor San Vito Lo Capo

Es ist eine felsige Küste mit nur wenigen schmalen sandigen Zugängen ins Meer. Zudem sind Spuren zu finden, dass vor langer Zeit der Kalkstein dieser Ebene von Menschen gebrochen wurde. Die Steine wurden wahrscheinlich für den Häuserbau verwendet.

Spuren menschlichen Wirkens

Unterhalb des großen freien Platzes ist „roter Sand“ zu finden. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass es sich bei den winzigen roten Stücken um Bruchstücke der Roten Koralle handelt. Hier haben wir nun den Beweis dafür, dass es vor der Küste Rote Korallen gibt. Wie ich schon im Bericht für Trapani geschrieben habe, sind die Roten Korallen geschützt. Ich konnte aber nicht umhin, etwas von dem „roten Sand“ zu sammeln, für Dekozwecke. Es war einfach zu verlockend. Da kann ja niemand etwas dagegen haben.

„roter Sand“

Nun lockte uns aber doch das Naturschutzgebiet Monte Cofano. Es führt ein Wanderweg um den Berg herum, der bis nach Cornino am Südende reicht. Auf dem Weg sind viele interessante Dinge zu sehen, wie zwei Wehrtürme, Höhlen und uralte Siedlungsspuren.

Am Eingang zum Naturschutzgebiet steht ein Tickethäuschen, welches jetzt aber nicht besetzt ist. Der Zutritt des Parks ist zwar durch Schilder verboten, wegen Steinschlaggefahr, aber es gibt keine Zugangsbeschränkungen. Man ist wahrscheinlich auf eigene Gefahr unterwegs, aber solange es keine Wetter- oder sonstige Unbilden gibt, ist die Gefahr eines Steinschlags wohl eher gering. Der Wanderweg ist wunderschön und es wäre wirklich schade, wenn man sich nicht dazu durchringen könnte.

badetauglicher Zugang

Zuerst trifft man auf den Torre della tonnara di Cofano, den Turm mit Thunfischschlinge, was immer das heißt. Der Turm aus dem Jahre 1404 ist trotzdem einzigartig auf Sizilien, denn er besitzt konkave Wände. Sie haben eine Dicke von 2,5m im Erdgeschoss, und eine Weite von Ecke zu Ecke von 17,4 Metern. An jeder Seite sind mehrere runde Löcher zu sehen, aus denen zur Verteidigung für die Angreifer ungesunde Dinge hinab geschüttet werden konnten. 1560 landeten Piraten an der Küste, nahmen die Thunfischer gefangen und verkauften sie in die Sklaverei.

Torre della tonnara di Cofano

Nahe des Turms sind auch Spuren einer römischen Siedlung sowie aus dem Felsen gehauene Becken aus dem 4.-3. Jahrhundert v.Chr. zu finden. Zu dieser Zeit wurde „Garum“, die berühmte römische Fischsoße, produziert.

Als nächstes stößt man auf die Überreste zweier alter Kalkbrennöfen. Solche Öfen kennen wir von unseren Reisen rund um die Welt. Hier erfuhren wir jedoch das erste Mal, dass die abgebauten Kalksteine eine ganze Woche im Ofen „backen“ mussten. Danach verschloss man die Öffnung des Ofens und der Kalk kühlte eine Woche lang darin ab. Nach dieser Zeit entnahm man den gebrannten Kalk und übergoss ihn mit Wasser. Dadurch brach das Gestein auf. Den so entstandenen Kalk verwendete man dann für verschiedene Bautätigkeiten.

Kalkbrennofen (teilweise rekonstruiert)

Eine Spur, die noch weiter in der Zeit zurück führt, nämlich in das 5.-4. Jahrhundert v.Chr., als die Griechen hier lebten, ist auf dem Plateau ganz oben zu finden. Es ist eine Zisterne, in die Stufen hinunter führen. Darin wurde wahrscheinlich Regenwasser gesammelt, welches für die Versorgung der hiesigen Einwohner diente. Allerdings währte deren Zeit nicht lange, denn bald beendeten die Karthager ihre Herrschaft, wie an so vielen Plätzen in Sizilien. Diese Info entnahmen wir den Infotafeln am Wegrand, denn gesehen haben wir die Zisterne nicht.

Am „Weg der Braut“ stößt man auf den Schrein des Heiligen Nikolaus. Ein Relief aus weißem Marmor stellt den Heiligen Nikolaus, Bischof von Bari, mit drei Jungen auf einem Boot dar. Durch die römische Inschrift lässt sich das Relief datieren.

Schrein des Heiligen Nikolaus

Um den „Weg der Braut“ rankt sich die Legende um eine Familientragödie. Der heutige Wanderweg war vor langer Zeit die kürzeste Verbindung zwischen den Ortschaften an der Küste. Eine junge Braut starb an dieser Stelle durch den Sturz über das Cliff ins Meer. Der bei sonnigem Wetter hellblau scheinende Teil im Wasser unterhalb der Stelle soll der Schleier der Braut sein. Niemand weiß jedoch, wann sich dies zugetragen hat.

Den Weg immer weiter gehend, erreicht man bald darauf die „Grotte des Heiligen Kreuzes“. Der Eingang zur Höhle ist riesig und von unten nach oben spitz zulaufend, eine natürliche Form im Kalksteinfelsen. Es wurden Artefakte gefunden, dass diese Höhle schon vor 11.000 Jahren von Tieren und später von Menschen genutzt wurde. Die Menschen lebten von Wildschweinen, Hirschen und Muscheln, wie Funde bei Ausgrabungen zeigten. Diese Höhle wurde anscheinend noch bis in jüngere Zeit genutzt, was die rußgeschwärzten Wände der Höhle belegen. Den Rauchabzug übernahm ein natürliches Loch in der Felswand oberhalb des Höhleneinganges.
In der hintersten Ecke der großen Höhle ist der Zugang zu einer weiteren Höhle zu sehen.

Grotte des Heiligen Kreuzes

Das Ziel dieser interessanten Wanderung war der Saint John-Turm, welcher im Juni 1595 errichtet wurde. Dieser Turm wurde im späten 16. Jahrhundert teil des Verteidigungssystems der sizilianischen Küste gegen die türkischen Angreifer, welches im Auftrag des spanischen Königs aufgebaut wurde. Wie schon bei den Römern wurden Signale über Feuer, Geschütze oder Flaggen von Turm zu Turm getragen, wenn Gefahr bestand. Die Besatzung solch eines Turms bestand normalerweise nur aus einem Kommandanten und zwei Schützen.

Saint John-Turm, im Hintergrund der Berg mit Erice

Hier drehten wir um und stolperten den ganzen Weg wieder zurück. Der Wanderweg ist eher ein Hindernisweg, bei dem man jeden Schritt bewusst setzen sollte. Bei den Kalkbrennöfen zweigt ein steiler Weg den Berghang hinauf ab, der zu einem großen Überhang führt, der auch schon immer Tier und Mensch als Schutz diente. Der Weg ist nicht für jedermann zugänglich. Man sollte trittsicher und halbwegs schwindelfrei sein. Ist man endlich oben angelangt, liegen einem das Meer und die Küste mit den Zeichen frühen menschlichen Lebens zu Füßen.

großer Überhang oder Höhle

Laut der App MapsMe führt der Weg, den man nach oben genommen hat, auf der anderen Seite etwas komfortabler wieder nach unten, und zwar zurück zum Torre della tonnara di Cofano. Da gibt es nur ein winziges Problem: die Überwindung einer mehrere Meter hohen senkrechten Felswand. Da wir uns das nicht zutrauten, mussten wir wohl oder übel den abenteuerlichen und steilen Weg wieder nach unten klettern, den wir gekommen waren.

Eine unerwartete Überraschung bietet das Naturschutzgebiet auch noch. Wir fanden, und konnten es nicht glauben, Stachelschweinborsten. Nachforschungen ergaben, dass das Gewöhnliche Stachelschwein tatsächlich in Süditalien und auf Sizilien lebt, wahrscheinlich seit den Zeiten der Römer, die sie eingeführt haben sollen. Wir haben uns über diese Funde gefreut.

unverhoffter Fund im Naturschutzgebiet: Stachelschweinstachel

Erice

In 751 Metern Höhe, auf dem Bergmassiv mit dem Monte Erice, liegt die mittelalterliche Stadt Erice. In den Gassen der Stadt scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Nichts hat sich seit damals geändert. Man spaziert über die alten Pflaster der gewundenen Gassen, an denen die kleinen mittelalterlichen Häuser stehen. Nur die Kirchen nehmen den ihr gebührenden Raum ein, und natürlich das Castello de Venere aus dem 12. Jahrhundert.

eine der Gassen in Erice

In der Antike soll an dieser höchsten Stelle ein Venus-Tempel gestanden haben. Der Legende nach soll Eryx, der Sohn von Aphrodite, den Ort gegründet haben. Das normannische Kastell hat dann den Namen übernommen.

Castello Venere in den tiefhängenden Wolken

Von vielen Stellen aus hat man einen wunderschönen Blick hinunter über die Landschaft, fast in jede Richtung. Allerdings zieht es um diese Jahreszeit ganz schön kalt um die Ecken, ein Nachteil der exponierten Lage und der Höhe. Wir mussten auch vier Tage warten, dass die tief hängenden Wolken die Stadt freigeben. Das hat nicht ganz geklappt, trotzdem schickte die Sonne immer mal wieder für einen kurzen Moment Ihre Strahlen nach Erice.

Blick nach Norden zum Monte Cofano

Eigentlich ist Erice berühmt für sein Marzipan, welches bergeweise darauf wartet, von den Touristen gekauft zu werden. Leider konnten wir nichts dergleichen finden, denn es hatte fast alles geschlossen. Nur einige Souvenirgeschäfte und das kleine hübsche Café San Giuliano laden Gäste ein.

Café San Giuliano

Es lohnt sich trotzdem auch im Winter zu kommen, denn die vielen kleinen architektonischen Details, die vom Arabischen, über das Normannische bis hin zum Barock reichen, machen den Stadtbummel durch das Juwel Erice besonders. Außerdem ist man fast alleine unterwegs und man kann die Ruhe genießen.

außergewöhnliche Kuppel der Kirche San Giovanni Battista

Wir wollten uns die angeblich wunderschöne Fahrt mit der Seilbahn nicht entgehen lassen, aber leider ist diese wegen Revision bis Ende März geschlossen. Die westlich um den Berg führende Straße nach Erice ist jedoch mindestens genauso schön, mit den vielen Aussichten über Trapani und die Salinen, bis hin zu den Ägadischen Inseln, sowie die Fahrt durch die Karstlandschaft selbst.

Blick über Trapani zu den Ägadischen Inseln

Hinunter nahmen wir die ostwärts verlaufende, sehr kleine, sehr kurvige, eigentlich gesperrte Straße. Da hat es wohl einige Unfälle gegeben, bei denen die Autos von der Straße abkamen und den meist senkrechten Hang abstürzten. Einige Spuren zeugen von den Tragödien. Da kann man nur der Technik des eigenen Autos vertrauen. Wir wurden nicht enttäuscht.

Marsala

Inzwischen haben wir den Westen der Insel Sizilien erreicht. Je weiter man sich nach Westen bewegt, umso windiger wird es. Die oft starken Böen sind schon manchmal unangenehm, vor allem wenn man am Strand steht oder geht.
Wir sind seit Gela immer auf der ss115 gefahren, die sich die Sud-occidentale Sicula nennt. Diese Straße führt durch abwechslungsreiche sizilianische Landschaften, mal Berge, mal Hügel und mal flach. Um die zahlreichen Flusstäler zu überqueren, wurden viele neue Brücken gebaut, die zum Teil ziemlich hoch und auch ziemlich lang sind. Manchmal fährt man aber auch durch Tunnel. Ab und zu sind, meistens auf Bergspitzen sitzend, antike Überbleibsel zu sehen.

auf dem Weg Richtung Westen

Vor allem seit Selinunte breiten sich wieder viele Weinanbaugebiete rechts und links der Straße aus. Auf der Suche nach einem Stellplatz bei Marsala stießen wir auf den Platz am Beach Sibiliano Village. Der sah sehr gut aus und mit 7,-€ inkl. Strom und Wasser wäre er auch billig gewesen. Der Platz ist für Wohnmobile bis 12m ausgewiesen, aber die Zufahrten sind wieder viel zu eng. Da hatten wir mit unseren 10m schon fast Probleme. Als wir den Platz endlich erreichten, war er geschlossen, obwohl geöffnet sein sollte. Offensichtlich ist dies schon länger so. Da wir dort keine Möglichkeit mehr zum Wenden hatten und dazu noch Diesel bei laufendem Motor verloren, mussten wir uns den nebenan liegenden Parkplatz am Strand als Stellplatz aussuchen. Da war zwar eine Kette davor, aber was sollten wir machen? Es dauerte auch nicht lange, bis der Besitzer kam und meinte, wir könnten dort nicht stehen. Er war sehr nett und als wir ihm anboten, für die Übernachtung zu bezahlen, hellte sich sein Gesicht auf. Für 5,-€ pro Nacht können wir jetzt in Ruhe stehen bleiben. Wenn wir Wasser brauchen, könnten wir uns das bei ihm holen. So haben wir eine schöne Ausgangsbasis für Ausflüge nach Marsala und Mazara.
Das Problem mit dem auslaufenden Diesel stellte sich zum Glück als minimal heraus: es hatte sich nur eine Leitung gelöst, die Klaus austauschte.
Die Sonne ging am Abend in diffusem goldenen Licht unter, welches reichlich Saharasand verursachte. Der Wind wehte heftig.

goldener Sonnenuntergang dank Saharasand

Marsala ist für seinen Wein weltberühmt. Vor allem in die englischsprachigen Staaten, allen voran USA und Australien, wird der Marsala-Wein (Portwein) exportiert. Mit Hilfe von Google Maps fanden wir die Cantine Pellegrino 1880. Sofort fuhren wir hin, um zu sehen, ob wir uns einer Führung oder wenigstens einem Tasting anschließen könnten. Wie wir erfuhren, war dies der erste Tag, an dem das Tor wieder für Besucher geöffnet ist. Im Januar war allgemein geschlossen und im Februar ist nur vormittags jeweils eine Führung möglich. Ab März gelten dann wieder die offiziellen Öffnungszeiten. Für eine Führung muss man sich jedoch anmelden, so dass wir am nächsten Morgen zu 11 Uhr noch einmal hinfahren mussten.

Besuchergebäude der Cantine Pellegrino 1880

Die Führung kostet 10,-€ pro Person und dauert ca. 1 Stunde. Im Preis enthalten sind ein Weinglas, drei verschiedene Kleingebäcke und drei Weinproben. Unsere Gruppe bestand aus einem Australier, drei Italienern und uns beiden, also sehr überschaubar. Die Führung übernahm Frau Neff, eine Bayerin, die mit einem Sizilianer aus Marsala verheiratet ist und nun selbst in Marsala lebt. Sie spricht also deutsch, englisch und italienisch. Bei unserer kleinen Gruppe kam also jeder auf seine Kosten, Fragen konnten jederzeit gestellt werden. Ob dass im Rahmen einer Reisegruppe ebenso möglich ist, wage ich zu bezweifeln.
Schon die Phönizier siedelten im 6. Jahrhundert v. Chr. in Marsala, was verschiedene Ausgrabungen zutage förderten. Im Garten der Cantine Pellegrino sind Kindergräber einer Nekropole zu besichtigen, die aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. stammen.

Teil einer punischen Nekropole mit Kindergräbern

Dann kamen bald die Römer, die in Marsala begannen, Wein zu kultivieren. Die Engländer brachten 1833 den bis dahin sehr beliebten Portwein nach Marsala. Der erste Weinkeller für Marsala-Wein war die Cantine Florio, die am Hafen zu finden ist. Vor deren Tor sind noch Reste des Anlegers für die Transportschiffe zu sehen.

Eingangstor der Cantine Florio

Der Ursprung von Portwein liegt auf Madeira. Irgendwann brachte man die Produktion nach Porto in Portugal, wo der Wein seinen Namen bekam. Als dritte Portwein-Produktionsstätte wählte man Jerez de la Frontera in Südspanien aus, und dann kam man 1833 nach Marsala. An allen Standorten ist die Weinherstellung dieselbe. Da der meiste Wein zu Anfang in England verkauft wurde, nannte man ihn Portwein, da dort sowieso niemand wusste, von welchem Standort der Wein kam. Heute ist der Name Portwein rechtlich geschützt, so dass er also Madeira-Wein, Portwein, Sherry und Marsala-Wein heißt.

Zuerst bekamen wir erklärt, welche Trauben im Marsala-Wein verarbeitet werden. Es sind drei weiße Trauben und eine rote Traube. Die weißen Trauben heißen Grillo (eine Kreuzung Ende des 19. Jahrhunderts aus der Catarratto und Zibibbo-Traube), Inzolia (einst von den Griechen nach Sizilien gebracht), und Zibibbo (brachten die Araber mit). Von der roten Traube Nero d´Avola (die es seit dem Ende des 17. Jahrhunderts auf Sizilien gibt) hörten wir schon in Avola. Aus diesen vier Trauben werden in der Cantine Pellegrino 1880 zwölf Weine hergestellt. Zum Betrieb gehören nur 150 Hektar Weinreben, der Rest des Bedarfs wird von Genossenschaften im Raum Trapani zugekauft. Außerdem werden Moscato-Trauben (von der Insel Pantelleria) verarbeitet. Die Palette reicht aber auch von Grappa über Limoncello bis hin zu Kräuterlikör. Da findet jeder Weinliebhaber etwas für sich.

Garten mit den vier Weinsorten Marsalas

Der Wein wird also gelesen, vermostet und in riesigen Fässern gelagert, die es in verschiedenen Größen (z.B. 50hl, 65hl oder gar 110hl) gibt. Für die endgültige Reifung wird der Wein in kleinere 125l-Fässer umgefüllt. Dort bleibt er, bis er in Flaschen abgefüllt werden kann.
Bei der Führung durch die Weinlager kann man die Fässer besichtigen. Aus den großen Fässern werden dann die drei Weinproben gezapft, die zur Führung gehören. Dazu wird jeweils das richtige Kleingebäck/Schokolade gegessen.

Wein zapfen aus den Riesenfässern

Berühmt für Sizilien sind auch die kleinen, buntbemalten und mit Schnitzereien verzierten Karren, die von Eseln gezogen wurden. Vier noch originale Karren, zählen zum UESCO-Weltkulturerbe, sind für die Besucher ausgestellt. Mit den buntbemalten Karren wurden Menschen zu besonderen Anlässen gefahren. Für den normalen Betrieb, auch im Weinbau, benutzte man schlichte Karren.

traditionelle sizilianische Karren

Zu besichtigen sind ebenfalls ein Arbeitsplatz und Werkzeuge für die Küfer (Fassbau), sowie alte Fotografien.

Die Cantine Pellegrino 1880 beteiligte sich auch an der Rekonstruktion eines punischen Schiffes, welches in den seichten Salinen Marsalas gefunden wurde. Die Rekonstruktion fand direkt in einem der Weinlager statt. Das fertige Schiff steht seitdem im Museo Archeologico Regionale Lilibeo Marsala. Fotos, Erklärungen und ein paar Kopien von Teilen des punischen Schiffes zeugen an dieser Stelle von der Arbeit der Cantine.

Erinnerung an die Rekonstruktion des punischen Schiffes von Marsala

Alles in allem war dies eine sehr interessante und entspannte Führung. Im Anschluss hat man die Möglichkeit, weitere Weine zu probieren und diese auch zu kaufen. Die Preise sind recht hoch, aber dafür bekommt man etwas sehr exklusives. Alle Arbeiten bei der Weinherstellung werden per Hand erledigt, keine Maschinenarbeit. Portweine, vor allem die süßen, liegen bei uns ganz vorne.

Auswahl der Marsala-Weine der Cantine Pellegrino 1880

Eine andere Sehenswürdigkeit sind die Salinen nördlich von Marsala. Man kann von der Küstenstraße aus das Gelände überschauen, welches in viele Becken unterteilt ist, in dem sich das Meersalz durch Verdunstung sammelt. Mit Hilfe von Windmühlen wurde früher das Wasser in die Becken gepumpt. Sie sind heute nicht mehr funktionstüchtig. Salz wird aber immer noch gewonnen, wenn auch nicht in großen Mengen. Wer mehr über die Salinen wissen möchte, kann eine Führung für 7,-€ buchen.

Saline im Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala

Die Salinen, Heimat von Rosaflamingos, liegen gemeinsam mit mehreren Inseln im Naturschutzgebiet Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala. Die langgestreckte Insel Isola Grande schützt die Lagune vor den Unbilden der offenen See. Es werden Rundfahrten durch die Lagune für 5,-€ angeboten. Die bekannteste Insel ist San Pantaleo, auf der die antike Stadt Mozia (Mothia) lag. Auch sie wird mit einem Boot zu einer Besichtigung angefahren, was dann 10,-€ kostet. Unter den Phöniziern blühte die Stadt, die die gesamte Insel einnahm, zu einer sehr bedeutenden Handelsstadt im Mittelmeerraum auf. Wie viele punisch/griechische Gründungen auf Sizilien wurde auch Mozia durch die Karthager zerstört und nie wieder aufgebaut. Nur ein paar Ruinen und ein Museum erinnern an die einst mächtige Stadt.

Rosaflamingos fühlen sich in Salinen wohl

Im Infocenter erfuhren wir von einer verschwundenen punischen Straße vom Festland nach Mozia. Vor gut 2000 Jahren lag der Meeresspiegel einige Zentimeter tiefer als heute. So konnte eine Straße gebaut werden, die Mozia mit dem Festland im Bereich Birgi verband, ca. 1,7km lang und 7m breit war. Der Unterbau war ein Damm von bis zu 12,5m Breite. Die Straße wurde bis mindestens 1605 genutzt.

Festlandende der verschwundenen punischen Straße

Seit der Intensivierung des Weinanbaus im 18. Jahrhundert nutzte man die Straße dann wieder regelmäßig, und zwar mit den vorher schon erwähnten Karren. Deren Räder beschädigten die alten Steine der Straße jedoch erheblich, so dass sie irgendwann nicht mehr befahrbar war. Das ist einige Jahrzehnte her. Inzwischen liegt sie bis zu einem Meter unter Wasser, aber auf Google Maps ist sie noch zu erkennen.

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