A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Archiv für den Monat “Oktober, 2023”

Pergamon

Jetzt wären wir doch fast an einer der wichtigsten Ausgrabungsstätten der Westtürkei vorbeigefahren! Nicht auszudenken!
Da es bis Izmir noch ein Stück hin ist, wollten wir zwischendurch noch einmal irgendwo eine Rast einlegen. Dafür hatten wir uns südlich von Bergama an der Küste einen Platz heraus gesucht. Auf dem Weg dorthin fuhren wir der Einfachheit halber die E87 entlang. Bei Ayvalik sind mehrere Olivenölmühlen zu finden. Gleich an der ersten hielten wir an. Es ist die Özgün-Mühle. Die Fabrikhalle ist nicht zu besichtigen, dafür lädt der Verkaufsraum zum Stöbern und Verkosten ein. Von verschiedenen Olivenölen, über Essig, Marmeladen, eingelegten Oliven gibt es sogar Kosmetikprodukte aus Oliven. Das Angebot ist groß und preislich akzeptabel. Nachdem wir uns durch das Angebot probiert hatten, kauften wir eine Flasche Olivenöl virgin, also auch zum Kochen geeignet, eingelegte gegrillte Oliven mit Knoblauch und Olivenpaste aus grünen und schwarzen Oliven als Aufstrich. Die Olivenernte ist gerade erst gestartet.

Jetzt sind wir eine Weile versorgt und setzten die Fahrt fort.
Kurz vor Bergama biegt die E87 nach Süden ab. Am Kreisverkehr steht ein braunes Touristikschild mit der Aufschrift „Pergamon“. Da machte es sofort klick bei mir. Pergamon muss man doch besucht haben, aber dass es hier zu finden ist, damit hatte ich nicht gerechnet. Also Änderung der Strecke und auf nach Pergamon. Die Anfahrt ist etwas schwierig, denn die engen Straßen der Altstadt, durch die uns das Navi leitete, sind mit Autos vollgestopft. Irgendwann kamen wir an eine Seilbahn, davor ein kleiner Parkplatz. Wir stellten das Wohnmobil ab und gingen zur Seilbahn. Die einfache Fahrt kostet knapp 10,-€, den Rückweg wollten wir zu Fuß bewerkstelligen, an weiteren zahlreichen Ausgrabungsorten vorbei.

Die Seilbahn ist knapp 350m lang, überbrückt einen Höhenunterschied von 203 Metern und führt über viele Ruinen und Grundmauern hinweg. Der Blick über Bergama ist atemberaubend.
Oben angekommen wird man zuerst an den vielen Souvenirständen vorbei geleitet, dann wird für die Akropolis von Pergamon, wie die Ausgrabungsstätte heißt, noch einmal Eintritt verlangt: knapp 15,-€ pro Person.

Inzwischen haben wir schon viele antike Ausgrabungsstätten besucht, aber Pergamon ist mit Abstand die größte und beeindruckendste. Fast der komplette Berg, der alleine in der Landschaft steht, war in der Antike bebaut. Ganz oben auf der Spitze befanden sich die Königspaläste, samt Nebengebäuden und den wichtigen Tempeln. Ein kleiner Teil des Traian-Heiligtums wurde rekonstruiert, so dass man eine wage Vorstellung von dessen Dimensionen bekommt. Pergamon muss einst eine prachtvolle Stadt gewesen sein. Die Oberstadt war von einer Stadtmauer umschlossen.

Unterhalb der Oberstadt lag der Heilige Bezirk für den Herrscherkult. Hier wurde den aktuellen und vergangenen Königen gehuldigt. Es gab den Oberen Markt mit dem großen Altar. Gleich dahinter befindet sich das gewaltige Amfitheater. Es ist das steilste und höchste Amfitheater, welches wir bisher gesehen haben. Da sollte man schon schwindelfrei sein. Es liegt am steilsten Hang des Berges. Nur die künstlich geschaffene Theaterterrasse, wo die Bühne war, trennt die Theaterränge vom restlichen Steilhang, der bis ganz nach unten reicht. Es gibt noch einen Zugang vom Oberen Markt ins Theater, aber der ist sehr eng und man steht dann praktisch vor dem Abgrund. Bei unserem Besuch war der Wind sehr kräftig. Der enge Gang zwischen Markt und Theater wirkte wie ein Kamin, Wir mussten uns wirklich festhalten, um nicht heraus geweht zu werden.

Der offizielle Zugang zu den Theaterrängen war in der Antike von unten. Die Ränge waren in mehrere Sektionen unterteilt. Eine Sektion wurde halbwegs rekonstruiert, so dass man den Originalzustand, mit den abdeckenden Sandsteinplatten erkennen kann.

In der Theaterterrasse sind quadratische Steine im Boden zu erkennen, die in der Mitte ausgehöhlt sind. Dort drinnen standen die Stützen, die die Bühne hielten. Diese wurde jedoch nur zu den Vorstellungen aufgebaut. 10.000 Leute fanden in diesem Theater Platz.

In der Nähe führt dann eine antike Straße nach unten, vorbei an weiteren Ausgrabungen. Hier müssen auch die Zisternen gelegen haben, die später von der Straße teilweise überbaut wurden.

Etwas weiter unten zeigt eine Tafel, dass hier das deutsche archäologische Institut seit 1973 Ausgrabungen durchführt. Es soll ein repräsentatives Areal eines eher ärmlichen Wohnviertels ausgegraben werden. Gefunden wurden unter anderem ein Bad, eine öffentliche Latrine, das Gymnasium und die Agora, also der Marktplatz.

Pergamon war schon vor unserer Zeitrechnung Hauptstadt des Pergamenischen Reiches, vom 1.-4. Jahrhundert dann Teil des römischen Reiches. Später übernahmen die Byzantiner die Stadt, die bis ins 14. Jahrhundert hier lebten. Die schiere Größe von Pergamon und die gewaltigen Mauern, die die Zeit überdauerten, sind einfach nur beeindruckend. Nicht weniger imposant sind die Aussichten auf das Umland, welches gut 200m tiefer liegt. In Pergamon soll auch das Pergament erfunden worden sein.

In Bergama sind viele weitere archäologische Funde zu sehen, wie die Basilika, ein Stück Aquädukt, sogar ein wesentlich älterer Tumulus, ein steinernes Hügelgrab. Um all das zu besuchen, braucht man ein wenig mehr Zeit.

Da wir nicht auf dem Parkplatz an der Seilbahn stehen bleiben wollten, setzten wir unsere Fahrt bis nach Aliaga fort. Am Strand zwischen zwei Polizeieinrichtungen fanden wir einen schönen ruhigen Platz. Leider hatte der Sturm der letzten beiden Tage viele große Quallen an der Strand gespült. Das ist nicht wirklich appetitlich. Auf der anderen Straßenseite breitet sich eine Lagune aus. In dem ca. 20cm tiefen Wasser stehen Flamingos. Schon unterwegs fuhren wir an mehreren Salinen vorbei. Eine davon war ebenfalls von Flamingos besiedelt, aber es gab keine Haltemöglichkeit.

Am nächsten Tag fuhren wir kurz in die Stadt Aliaga, denn wir hatten erfahren, dass morgen am Sonntag der Feiertag „100 Jahre Türkei“ ansteht. Da sind wahrscheinlich selbst hier alle Geschäfte geschlossen. Überall ist schon geflaggt und die Vorbereitungen für die Feierlichkeit laufen. Auf dem großen Parkplatz in der Stadt stellten wir das Wohnmobil ab. Bevor wir jedoch die Stadt erkunden konnten, lud uns der Parkplatzwächter zu Tee und Feta ein. Er machte gerade Frühstück und wollte wohl nicht alleine dabei sein. Nach dieser kurzen Pause spazierten wir erst einmal an der sehr langen und schönen Promenade, mit verschiedenen Bereichen und mehreren Parks, entlang. Hier kann man prächtig entspannen, oder in das ein oder andere Restaurant einkehren. Den kleinen Fischerhafen kann man nur von außen besichtigen, denn der ist eingezäunt.

Dann schlenderten wir durch die Innenstadt, gingen einkaufen und fuhren zum Strand zurück, an dem wir die letzte Nacht verbracht hatten.
Inzwischen hat sich auch die Bepflanzung der Landschaft geändert. Es gibt viele Eukalyptusbäume, Pfefferbäume, Zypressen, Kugelpinien und Baumwollfelder. Das Klima ist merklich wärmer, vor allem nachts.

Akçay

Knapp 70km vom Strand von Assos entfernt liegt die Stadt Akcay, sozusagen der Strand von Edremit, der nächsten größeren Stadt. Auf dem Weg dorthin fuhren wir die kleine Küstenstraße, unterhalb der E87 entlang. Hier befinden sich viele kleine Hotels und Motels und es geht recht eng zu. Die meisten Einrichtungen sind geschlossen, daher befährt man diese Straße fast alleine.

In Kücükkuyu trifft die Küstenstraße auf die E87, der wir bis Akcay folgten. Wir waren noch keinen Kilometer gefahren, als wir unseren neuen Bekannten, den einsamen deutschen Fahrradfahrer, den wir in Geyikli getroffen hatten, überholten. Gleich dahinter befand sich eine Art große Parkbucht. Dort trafen wir uns auf einen Kaffee. Er hatte auf einem der geschlossenen Campingplätze an der Küstenstraße übernachtet. Der Betreiber hatte ihn trotzdem aufgenommen. Jetzt war er auf dem Weg nach Izmir, wo er in den Flieger nach Istanbul steigen wollte, um von dort aus seine weitere Reise zu planen.

Wir fuhren nach Akcay weiter, wo wir uns am Ende des Strandes auf einen großen Parkplatz stellten. Eigentlich wollten wir ein paar Tage bleiben, aber es wurden nur zwei Nächte. Wir erkundeten die Strandpromenade, die richtig einladend für Fußgänger und Radfahrer gestaltet ist. Hier lässt es sich in Ruhe schlendern, einen Kaffee trinken oder einen Snack nehmen. Überdachte Sitzplätze laden zur Rast ein, sogar einen Fitnessbereich gibt es. Viele Leute joggen oder walken, am Strand wird geangelt. Der Sand des Strandes ist recht grobkörnig und das Wasser glasklar. Eigentlich ist es schön hier. An der Straße parallel zur Promenade findet man Läden aller Art, Gemüsestände und noch mehr Restaurants. Fast alles hat jetzt, Ende Oktober, noch geöffnet.

Da wir wieder einmal Strom benötigten, fuhren wir am nächsten Tag auf den Campingplatz „Akcay Cadir & Karavan Kamp“. Als wir am Vortag interessehalber dort ankamen und nach dem Preis fragten, gab es noch Wasser und Duschen, heute weder das eine noch das andere. Nur ein Toilettenblock am anderen Ende des Platzes war noch offen. So hatten wir uns das nicht vorgestellt, so dass wir nur eine Nacht bleiben. Außerdem regnete es heute, gerade richtig für einen Tag Erholung.

Geyikli bis Assos

Wir befinden uns südlich von Canakkale und konnten auf gut 50km vier entspannte Tage genießen. Zwei Nächte standen wir am Strand von Geyikli, hinter den Restaurants auf der linken Seite. Wir spazierten nur ein wenig am Strand entlang, kurz durch den Ort und sein Neubaugebiet, und kehrten in das Fischrestaurant auf der linken Seite ein. Die verschiedenen Restaurants sind auf beiden Seiten des Piers zu finden. Zu dieser Jahreszeit geht es sehr ruhig zu, nur nachmittags und abends kommen ein paar Gäste. Auf dem Pier stehen immer ein paar Angler, und hin und wieder legen größere Fischerboote an.

Am nächsten Tag spazierten wir knapp vier Kilometer nach Dalyan. Wie sich später herausstellte, befand sich in der Antike der Hafen der alten Stadt Alexandria Troas, deren Ruinen in den Hügeln oberhalb Dalyans liegen, dort. Davon ist aber nichts mehr zu sehen.
Auf halbem Weg dorthin befindet sich das kleine Fischrestaurant „Makara“. Es liegt so toll und ist so einladend und liebevoll gestaltet, dass wir nicht anders konnten, als dort für einen Kaffee einzukehren und das Ambiente zu genießen. Nicht weit entfernt liegt die vorgelagerte Insel Bozcaada, die durch eine Fähre mit dem Festland verbunden ist. Ein traumhaft schönes Fleckchen Erde.


Als wir dort ankamen, trafen wir auf einen einsamen deutschen Radfahrer, der sich gerade für den Start zur nächsten Etappe fertig machte. Wir unterhielten uns einen Schlag und erfuhren, dass er gerade aus Israel flüchten musste, nach dem Angriff der Hamas durch Granaten. Eine Granate schlug sehr nahe an seinem Gästehaus ein. Mit Müh´ und Not fanden er und sein schwer beladenes Fahrrad noch einen Flug nach Istanbul. Jetzt ist er in der Türkei unterwegs, später will er nach Südafrika und Südamerika. Es ist sein Sabbatjahr.

Auf dem Rückweg nach Geyikli trafen wir uns erneut und wir verabredeten uns zum Kaffee, um die Unterhaltung fortzusetzen.
Zum Abend hin radelte ein junges Pärchen bei uns vorbei, mit denen unser neuer Bekannter schon ein paar Tage zusammen geradelt war. Er rief die Beiden herbei. Sie berieten sich dann und blieben mit ihren Rädern und Zelten in der kommenden Nacht bei uns. Zu Fünft verbrachten wir einen schönen Abend, etwas später brachte uns jemand aus dem Fischrestaurant eine Runde Tee, was uns alle sehr freute. Klaus sorgte für ein gemütliches Feuer, der Abend war angenehm warm.
Am nächsten Morgen frühstückten alle zusammen, dann verabschiedeten wir uns und jeder fuhr seines Weges.

Unser nächstes Ziel waren die archäologischen Stätten von Alexandria Troas. Eigentlich sind es drei, aber wir besuchten nur die beiden größeren: das Forum und das Bad des Herodes Atticus. Der Eintritt ist jetzt frei und wir waren begeistert. Es ist fast mehr erhalten als in Troja. In der Ferne sieht man ebenfalls das Meer, also auch ein sehr schöner Platz. Ein paar Marmorteile mit unglaublich zarten Reliefs können bestaunt werden. Das Mauerwerk weist eine Besonderheit auf, wie wir es schon einmal bei griechisch-römischen Ruinen gesehen haben: Die quadratischen Steine liegen auf einer der Spitzen. Das Mauerwerk sieht daher aus wie ein Strickmuster.

Die Stadt wurde 311 vor Christus durch Alexander dem Großen als Antigoneia gegründet. Ihre Glanzzeit erreichte die Stadt später als Kolonie des römischen Reiches, da bekam sie auch ihren heutigen Namen. Bis in die byzantinische Zeit war die Stadt besiedelt.
Im 16. und 17. Jahrhundert missbrauchte man die Überreste als Steinbruch. Erst 1993 starteten systematische archäologische Ausgrabungen.
Achthundert Meter weiter stehen noch sehr imposante Ruinen des Bades des Herodes Atticus. Die Anlage maß einst ca. 123 x 82 Meter. Durch die sehr kräftige Konstruktion des Bades blieb vieles davon noch bis vor 200 Jahren stehen. Dann zerstörte ein starkes Erdbeben die meisten Wände und Bögen. Trotzdem kann man sich die einstige Dimension des Bauwerkes noch lebhaft vorstellen. Ein Besuch lohnt allemal.

Anschließend fuhren wir zu den Heißen Quellen kurz vor Tuzla. Sie liegen direkt an der linken Straßenseite. Der Berg besteht aus weiß-rot gemustertem Sandstein, dahinter der Berg muss ein Vulkan gewesen sein, denn auch Lava ist zu finden. Vielleicht ist er die Ursache für die Heißen Quellen, die leider gerade ziemlich trocken liegen. Nur an 2 oder 3 Stellen drängt das heiße Wasser durch Löcher an die Oberfläche. Die Temperatur liegt gefühlt bei ca. 45°C, also ganz schön warm. Man hatte ein kleines Badebecken angelegt, aber das ist inzwischen versandet und nicht mehr zu gebrauchen.

Auf der rechten Straßenseite direkt gegenüber lagert sich das Wasser dann ab. Der Bereich ist so groß, dass man davon ausgehen muss, dass es Zeiten gibt, in denen wesentlich mehr heißes Wasser aus dem Untergrund zutage tritt. Da haben wir wohl gerade etwas Pech. Die Anlage ist übrigens frei zugänglich.

Nun wollten wir nach Assos, um einen Stellplatz am Strand zu finden. Der Weg führte uns durch tiefstes Hinterland, die Straße ist nicht mehr die Beste. An einer der zahlreichen Wasserstellen, die wir bisher in der Türkei gesehen haben, füllten wir unseren Wassertank auf.

Zwischen Yukariköy und Balabanli führt die Straße über einen kleinen Fluss. Plötzlich tauchen überall riesige Felsen auf und die Landschaft ist so unglaublich schön, dass wir einfach anhalten mussten. Ein großer, und vor allem sauberer Parkplatz veranlasste uns, hier die Nacht zu verbringen. Dieser Flecken Erde ist so schön und so unglaublich friedlich, dass wir uns sehr wohl fühlten. Es sind nur das Rauschen des Baches und das Zwitschern der Vögel zu hören. Autos kommen nur sehr selten vorbei.

Am Bachufer sonnen sich Sumpfschildkröten, Frösche hüpfen überall ins Wasser, wenn man vorbei kommt, sogar einen Eisvogel sahen wir. Für das schöne Grün sorgen ganze Oleanderwälder, Kiefern und kleine stachelig aussehende Eichenbüsche, die große Flecken mit vertrocknetem Gras freilassen. Es ist zu schön hier.

Wenn man eine Weile still sitzt oder langsam durch die Landschaft spaziert, sieht man noch viel mehr: kleine Vögel mit weißer oder roter Brust, ein Star hielt Ausschau von einem Felsen aus, Libellen fliegen überall, eine Eidechse sonnte sich in unserer Nähe und sogar eine kleine Landschildkröte ließ sich am gegenüberliegenden Ufer sehen, die kopfüber am Felsen hängend aus dem Bach trank. Wunderschön.

Ungern verließen wir dieses schöne Fleckchen Erde und fuhren Richtung Assos, wo wir einen günstigen Stellplatz am Strand zu finden hofften. Nur gibt es diesen Platz nicht mehr und wir parkten einfach am Strand. Die meisten Einrichtungen haben geschlossen, den schönsten Platz am westlichen Strandende nimmt ein großes Hotel in Beschlag. Von dort aus ist auch die griechische Insel Lesbos in ihren ganzen Pracht zu sehen.
So spazierten wir nur einmal den Strand hoch und runter, und verbrachten den Rest des Nachmittags am Strand sitzend.

Als wir durch Assos fuhren, konnten wir einen Blick auf den Burgberg werfen, wo verschiedene archäologische Bauten und eine alte Festung zu finden sind.
An der Kreuzung, an der rechts eine Straße auf den Berg führt, steht ein gewaltiger Sarkophag.

Auf dem Weg von dem wunderschönen Stellplatz am Bach in Richtung Assos zeigte unser Navi eine Straße an, die es gar nicht gab. Jedenfalls, als uns die Straße komisch vorkam, auf der wir gerade unterwegs waren, mal war sie gepflastert, mal unbefestigt, mit engen Kurven durch die Ortschaften, schaute ich auf das Navi und stellte fest, dass wir völlig woanders entlang fuhren. Aber bald würden wir wieder auf die normale Straße kommen, an der nächsten Kreuzung.
Laut Navi sollten wir nun an dieser Kreuzung sein, aber es gab dort keine Straße, nichts. So mussten wir die merkwürdige Straße weiterfahren, bis wir durch einen Ort kamen, in dem es immer enger wurde. An einer Einmündung war dann kein Weiterkommen mehr. Die Häuser standen so eng zusammen, dass wir rechts und links kaum noch Platz hatten.

Zwei Autos parkten dazu so, dass wir nicht durch kamen. Klaus hupte erst, aber nichts regte sich. Dann kam ein Mann aus dem Haus und holte denjenigen, dem eines der Autos gehörte. Der Fahrer des anderen Autos saß in der Kneipe. Jetzt war die Kurve frei für uns und wir konnten die Fahrt auf einer halbwegs normalen Straße fortsetzen.

Troja (Truva)

Ein Ziel, welches ich seit über 40 Jahren besuchen wollte, seit ich von Troja, dem 10jährigen Krieg der Griechen gegen Troja, Schliemann und dem Schatz des Priamos gehört habe, ist diese Ausgrabungsstätte. Unzählige Reportagen verfolgte ich, und endlich habe ich es geschafft. Auf unserer Winterreise 2023/24 über Ungarn, Rumänien, Bulgarien und jetzt über die Westtürkei, sind wir nun in Troja gelandet.

Vom Wohnmobilstellplatz der Troia Pension und Camping sind es nur ein paar hundert Meter bis zur Ausgrabungsstätte. Der Eintritt kostet ca. 10,-€ und beinhaltet normalerweise die Erklimmung des legendären Trojanischen Pferdes im Eingangsbereich der Ausgrabungsstätte. Dieses befindet sich allerdings gerade in der Rekonstruktion und ist deshalb in seine Einzelteile zerlegt. Trotzdem wurde der Eintrittspreis nicht reduziert.

das Trojanische Pferd der Ausgrabungsstätte Troja bei unserem Besuch

Die Ausgrabungsstätte des alten Troja wird mit Hilfe eines Rundweges auf Holzbrettern erkundet, Informationstafeln liefern den Besuchern alles, was man zu dem Thema weiß.

Zuerst ein bisschen Geschichte: 1856 begann ein Britischer Navy-Offizier John Brunton, auf diesem Hügel hier in der Landschaft zu graben. Ein Frank Calvert hatte sich in Hisarlik, wie der Ort in der Nähe hieß, niedergelassen und erfahren, dass der Hügel wohl mehrere Jahrhunderte Geschichte enthält. Es könnte sich sogar um das bei Homer erwähnte Troja handeln. Beide zusammen führten von 1863 – 1865 einige Sondierungen auf dem Hügel durch. 1868 stieß Heinrich Schliemann dazu. Er grub erst an einem anderen Ort und war von den zutage beförderten Artefakten enttäuscht. Calvert meinte dann, er solle sich ihnen in Hisarlik anschließen, dass wäre die richtige Stelle. Bis 1890 fanden mehrere Ausgrabungen statt, bei denen Schliemann dann den Schatz des Priamos aus Homers Ilias fand, wie er meinte. Erst nach Schliemanns Tod stellte der Architekt Wilhelm Dörpfeld, Schliemanns Assistent, fest, dass sich Schliemann um ganze 1200 Jahre vertan hat. Der Schatz war viel älter, denn er wurde in einer der älteren Schichten des Hügels von Hisarlik gefunden.

Die Stelle, an der der Schatz des Priamos gefunden wurde, nahe der Rampe

Erst 1938 stellte der amerikanische Archäologe Carl Blegen fest, dass sich der Ausgrabungshügel aus neun verschiedenen Schichten zusammensetzt, die zusammen ca. 15 Meter an Höhe zusammen bringen. Es gab also 9 aufeinanderfolgende Trojas, womit der Hügel schon seit Jahrtausenden besiedelt wurde. Archäologische Funde bestätigten eine Besiedelung seit dem Bronze-Zeitalter, also 12. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Die letzten Siedler waren die Griechen, die Römer und die Byzantiner, ehe Troja in Vergessenheit geriet. Nur durch Homers Ilias blieb die Erinnerung an diese Stadt im Nebel der Zeit hängen. Heute beherrschen die Touristen und viele Eichhörnchen das Ausgrabungsfeld.

Wenn man Troja besucht, dann kann man es Schliemann nicht verübeln, dass er nicht merkte, dass mehrere Städte übereinander liegen. Das Feld ist zu groß und die Funde liegen so durcheinander, dass er unmöglich etwas sortieren konnte. Erst mit den besseren Forschungsbedingungen war es möglich, eine Schicht von der anderen zu unterscheiden. Seinen Graben, den er durch den Hügel gezogen hat, kann man heute noch besichtigen. Gleich in der Nähe liegt eine hervorragend erhaltene Rampe aus dem zweitältesten Troja, die zu einem der Stadttore führte.

Schliemanns Graben durch alle Schichten

Es ist schon gigantisch, was hier an Arbeit geleistet wurde. Dabei liegt nur ein kleiner Teil Trojas frei. In der Nähe sind weitere Ruinen unter der Erdschicht zu erkennen.

Die ausgegrabenen Artefakte liegen zum Teil aufgereiht neben dem Grabungsfeld, die besseren Stücke werden im ultramodernen Museum gegenüber dem neuen Troja-Hisarlik gezeigt. Dieses besuchten wir jedoch nicht, denn im Laufe unserer Reisen haben wir schon mehr als genug davon gesehen.

Einen Besuch wert ist auch das neue Troja-Hisarlik. Es ist eine kleine Siedlung mit kleinen, zum Teil alten Häusern. Sehenswert sind aber die Zeichnungen, die viele Hauswände zum Thema Troja schmücken. Am Marktplatz werden Büsten alter Griechen präsentiert, das Gemeinschaftshaus und ein Café zollen dem Stil der alten Griechen Tribut. Ein Besuch ist das neue Troja auf jeden Fall wert.

Çanakkale

Schon sind wir in der Türkei. Die Abfertigung an der Grenze dauerte eine dreiviertel Stunde. Die Grenzstation liegt auf 650m über dem Meer und es ist empfindlich kalt dort oben. Die südöstlichste Ecke von Bulgarien ist nur dünn besiedelt, mancherorts sitzt das Militär. Eigentlich wollten wir die letzten Lewa in Malo Tarnovo umsetzen, aber das ist nur ein kleiner Ort abseits der Europastraße, so dass wir gleich zur Grenze fuhren, immer bergan.

Hinter der bulgarisch-türkischen Grenze fährt man bis zur Ägäis durch hügeliges Bergland. Die Versuche an Geld oder eine SIM-Karte zu kommen, unser Handy streikte mit dem Grenzübertritt, blieben erfolgslos. Niemand spricht auch nur ein bisschen englisch, damit wir uns verständlich machen konnten. Ohne Handyempfang funktioniert auch kein Übersetzer. So blieb uns nichts weiter übrig, als bis Gelibolu durchzufahren. Das sind fast 300km. Bei Kavakli, an der E87, übernachteten wir in einem Picknickpark, um am nächsten Tag ausgeruht bis kurz vor Geliboglu zu fahren. Dort fanden wir endlich einen Geldautomaten und waren wenigstens dieses Problem los. Noch einmal mussten wir übernachten. Diesmal war es ein großes Denkmal mit Friedhof zu Ehren des medizinischen Personals, welches sich im Dardanellenkrieg 1915 um die Verwundeten der Schlacht kümmerten. Auf dem großen Parklatz steht man in Ruhe, mit WC und Waschbecken, die sogar nachts geöffnet bleiben.

Fast zwei Tage brauchten wir also bis Eceabat, wo wir mit der Autofähre nach Canakkale übersetzten. Bei Gelibolu steht eine neue Hängebrücke, die jedoch zur Autobahn gehört und Maut kostet. Da wir immer noch kein HGS, also Mautstreifen für die Windschutzscheibe haben, fuhren wir die Europastraße bis nach Eceabat. In der Türkei braucht man nur auf den Autobahnen Maut zu zahlen. Dafür benötigt man diesen HGS-Streifen, den man bei manchen Postämtern bekommt.

Erster Kontakt mit der Ägäis

Die Fähre von Eceabat nach Canakkale kostet ca. 6,-€ mit dem Wohnmobil und die Überfahrt dauert eine gute viertel Stunde. Man überquert damit die Dardanellen, wie diese Meerenge heißt, an so ziemlich der engsten Stelle.

In Canakkale angekommen, mussten wir gleich einen Parkplatz finden. Der Intuition folgend, weil immer noch kein Internet, steuerten wir das Wohnmobil an der ersten Möglichkeit nach Verlassen der Fähre, nach rechts, um am Wasser zu bleiben. Zu unserem Glück fanden wir kurz vor der Inönü Köprüsü-Brücke einen Parkplatz.

Bis ins Stadtzentrum zurück sind es nur ein paar hundert Meter, wo wir endlich alles fanden, was wir brauchten: eine SIM-Karte fürs Internet und einen HGS-Streifen bei der Post. Jetzt konnten wir wieder geplant fahren. Nachdem wir alles erledigt hatten, was einige Anstrengungen bedarf, spazierten wir am Kai und an der Marina entlang, tranken einen Kaffee und kamen zu einem Trojanischen Pferd. Wie sich herausstellte, ist es die Replik der Originalrequisite der Troja-Verfilmung aus dem Jahr 2004, aus alten Schiffsplanken zusammengezimmert. Ja, da passen schon einige Leute hinein. Gleich daneben steht ein Modell, wie Troja zuletzt ausgesehen haben mag.

Spaziert man über die Inönü Köprüsü-Brücke, auf der einige Bronzestatuen und Reliefs zum Thema Fischerei zu bewundern sind, und man biegt gleich dahinter nach rechts ab, gelangt man zu einer kleinen Promenade, die ein Stück weiter zum Stadtstrand führt. Auf der Dardanellen-Wasserstraße fließt reger Schiffsverkehr: Containerschiffe, Kreuzfahrtschiffe und Fähren, dazu die vielen Fischerboote.

Auf beiden Seiten der engsten Stelle der Dardanellen steht jeweils eine Festung, wie wir sie am Bosporus gesehen haben, als wir vor vielen Jahren schon einmal Istanbul besuchten.

Maut in Bulgarien

Nachdem wir bis zur bulgarischen Grenze doch recht problemlos an die Maut-Vignetten und die Go-Box (für Wohnmobile über 3,5t) gekommen sind, fuhren wir optimistisch zur bulgarischen Grenze. In Bulgarien reicht für unser Wohnmobil keine Vignette. Die ist nur für PKW und Wohnmobile unter 3,5t. Die Alternative ist, sich eine Vignette für LKW´s/Busse zu besorgen. Nach der Passkontrolle suchten wir den Schalter für die Vignetten. Es gibt mehrere Häuschen für Vignetten, Wechselstuben und Toiletten. Von jedem hat aber zur Zeit nur noch eines geöffnet. Das offene Vignettenhäuschen steht auf der anderen Seite der Zollstation. Als wir dort ankamen, meinte die Dame, dass bei ihr nur PKW-Vignetten verkauft werden. Wir sollten doch wieder zurück gehen und ein kleines gelbes Häuschen suchen. Dort würde der Automat für die LKW-Vignetten stehen.

Es dauerte eine Weile, bis wir es gefunden hatten. Nun kam der schwierige Teil. Der Automat kann zwar deutsch, wenigstens auf der 1. Seite, wo man aussuchen soll, für welches Fahrzeug und wofür man die Vignette braucht.
Wir machten die entsprechenden Angaben und kamen zur 2. Seite. Dort waren nur noch die Überschriften in Deutsch, der Rest war in kyrillischen Buchstaben anzugeben. Zuerst die Gültigkeit. Da stand das Datum des Tages, und das Ablaufdatum für einen Tag später. Was ist mit den restlichen Tagen, die wir in Bulgarien verbringen wollen?
Dann sollten wir Routenpunkte angeben, wo das Problem begann. Wir konnten machen, was wir wollten, wir kamen nicht weiter. So suchten wir Hilfe bei den Zollbeamten. Die verweigerten allerdings kategorisch jede Hilfe. Wenn sie einen Fehler machten, würden sie dafür verantwortlich gemacht. Ja, aber wir kommen nicht weiter! Sollen wir jetzt an der Grenze übernachten? Wir konnten fragen, wen wir wollten. Niemand sprach englisch oder deutsch oder wollte uns helfen. Zum Verzweifeln.

Dann kamen ein paar rumänische LKW-Fahrer, die genauso hilflos vor dem Automaten standen. Da es aber mehrere waren, versuchten sie, irgendwie klarzukommen. Ich stellte mich neben sie und beobachtete, was sie veranstalteten. Dann hatten sie endlich den Dreh heraus und ich versuchte es selbst auf diese Weise. Ich war davon ausgegangen, dass man die komplette Route, die man in Bulgarien fahren will, eingibt. In unserem Fall ist es die Küstenstraße bis zur türkischen Grenze.
Man muss aber immer nur ein Ziel eingeben, dieses bestätigen, dann das nächste Ziel eingeben usw.

Endlich hatte ich die Route zusammen, die ca. 11,-€ kosten soll. Die Bezahlung mit Kreditkarte war leicht. Nun hatten wir zwar eine Vignette, aber die gilt nur für einen Tag.
Ich wieder zu den Zollbeamten, denen ich erklärte, dass wir länger bleiben wollen und unmöglich an einem Tag durch Bulgarien sind. Da bekam ich doch zu hören, dass ich nur das erste Ziel hätte eingeben sollen, und am nächsten Tag das nächste Ziel und so fort. Ja, konnte mir das jemand nicht früher erklären, als ich schon einmal betonte, dass wir mit dem Wohnmobil ein paar Tage durch Bulgarien fahren wollen und der Automat nur einen Tag zur Verfügung stellt? Wir waren sauer, so viel Unfreundlichkeit haben wir noch nie erlebt. Zumindest konnten wir an diesem Tag losfahren, wie es weiter gehen würde, stand in den Sternen.

Jeden Tag auf´s Neue mussten wir eine Tankstelle suchen, die im Besitz eines Mautautomaten ist. Ich weiß nicht, wie viele Tankstellen wir besucht haben, bevor wir heraus bekamen, dass nur die letzte Tankstelle in einem Ort, die vor einer Mautstrecke steht, solch einen Automaten besitzt. Und das stimmt auch nicht immer. Manchmal sind wir ein Stück Mautstrecke gefahren, bevor wir einen Mautautomaten fanden. Keine Ahnung, was die Zollbeamten an der Grenze beim Verlassen von Bulgarien, sagen werden. Dort wird wohl auch die Mautgebühr kontrolliert.

Fazit: Nie wieder Bulgarien mit einem Fahrzeug über 3,5t !!!! Die Suche nach einem Mautautomaten ist einfach nur anstrengend, zeitraubend und nervtötend. Touristenfreundlich ist anders! Man kann die Maut auch online bei BGToll bezahlen, aber da werden nur die Grenzorte angegeben. Ist man mitten im Lande unterwegs, findet man die auszuwählenden Orte dort nicht.

Ein anderes Problem ist: Von wo bis wo gilt die angegebene Maut? Manchmal reicht die Gültigkeit auch bis zur Oblastgrenze (Kreisgrenze). Da sieht doch niemand durch. Wir hoffen nur, dass wir keinen Ärger an der Grenze bekommen.

Ravadinovo

Am Rande dieses Ortes, nicht weit von Sosopol entfernt, hat sich jemand seinen Kindheitstraum erfüllt. Dieser Kindheitstraum kostete mindestens Millionen. Seit 1996 wird an dem Schloss „In Liebe mit dem Wind“ gebaut. Das Schloss ist wohl fertig, aber am Außengelände wird immer noch gewerkelt.

Wie es aussieht, ist die hintere Hälfte des Schlosses nur Kulisse, die vordere Hälfte ist Gästehaus. Das Außengelände bietet Plätze verschiedener Art für große Feiern, wie Pavillons, Freiplätze, Wasserbassins und eine Außenküche. Der Thronsaal und die große Tafel für Gelage sind in einem Gewölbe abseits des Schlosses untergebracht und vom Feinsten.

An allen Ecken stehen Fantasie-Rüstungen, teilweise alienähnlich. Es gibt mehrere Imbisse, die für das leibliche Wohl der Besucher sorgen und einen kleinen Bereich, in dem Enten, Truthühner, Tauben und auch Esel gehalten werden. Auf dem großen Teich kann man im Sommer Ruderboot oder Tretschwan fahren. Es ist also für jeden etwas dabei. Vor allem staunt man über den Einfallsreichtum des Schlosserbauers und die vielen Details am Schloss wie im Garten.

Neben dem Schloss gibt es einen großen Parkplatz, auf dem man in Ruhe auch übernachten kann. Übrigens: Der Eintritt in das Schloss kostet gut 10,-€.
Gleich daneben ist ein riesiger, genauso fantasiereich gestalteter Wasserpark zu finden, der allerdings im Oktober schon geschlossen ist.

Sosopol

Die Altstadt von Sosopol ist praktisch das Pendant zu Nessebar, nur südlich der Großstadt Burgas gelegen. Die Altstadt ist ebenso auf römischen Ruinen gebaut, nur ist es hier nicht so offensichtlich. Nur an wenigen Stellen sind die Ausgrabungen zu sehen, dafür ist Sosopol grüner als Nessebar. Überall wachsen Blumen, Büsche, Bäume, es gibt sogar kleine Gärten, die die Bewohner in ihren traditionellen Häuschen angelegt haben. Die Souvenirläden und Restaurants sind nur am vorderen Ende der Altstadt zu finden, im hinteren, ruhigen Ende stehen kleine Gästehäuser.

Am Ende der Marina und des Fischerhafens befindet sich ein kleiner felsiger Strand, der „Muschelstrand“ genannt. Tatsächlich liegen überall leere Muschelschalen im Sand. Wir genossen die Aussicht und die Ruhe auf einer Bank, als unser Blick auf eine merkwürdige kleine Pflanze fiel. Unsere Recherche mit Hilfe von Google ergab, dass es sich bei dieser Pflanze um eine Spritzgurke handelt. Die Samenkapseln sind noch grün, aber eine war schon aufgeplatzt. Diese Gurke erhielt ihren Namen, weil das Innere der Samenkapseln unter sehr hohem Druck steht. Platzt die Kapsel dann auf, werden die Samen durch den hohen Druck, es sollen 6 Bar sein, weit in die Umgebung gespritzt. Was es nicht Alles gibt?

Da wir ein Problem mit unserer Wasserpumpe, die das Frischwasser im Wohnmobil verteilt, hatten, und es mal wieder Sonntag war, mussten wir eine Nacht auf der Parkplatz der Marina verbringen. Man stellte uns sogar Strom zur Verfügung, und Wasser gab es auch. WC und Dusche durften wir ebenfalls benutzen. Die Nacht kostete mit allem 12,-€, ein Preis, den wir an der ganzen bulgarischen Schwarzmeerküste nicht bekamen. Da liegen die Preise auf den Stellplätzen immer so um die 18,-€. Man kann aber auch frei stehen, ist gar kein Problem.

Am nächsten Tag öffnete der Shop der Marina. Dort bekamen wir die Auskunft, dass wir eine neue Wasserpumpe bei einen Boots-/Wohnmobilhändler auf dem halben Weg nach Burgas bekämen. Die Dame war so nett, dort anzurufen, bevor wir umsonst den Weg dorthin antreten. Da die Auskunft positiv war, fuhren wir zu dem Händler zurück und bekamen die neue Wasserpumpe. Das war ja mal problemlos.

Nur, wie jeden Tag auf´s Neue: Wo bekommen wir eine Streckenkarte für die Maut her? Nachdem ich fünf Tage lang versucht habe, herauszufinden, welche Tankstelle diese Mautautomaten hat, fand ich im Internet eine Karte mit den richtigen Tankstellen. Danach gab es nur im Süden von Burgas zwei, und dann erst wieder im letzten bulgarischen Ort vor der türkischen Grenze. Nun, wir können es nicht ändern, auf diese Weise fährt man eben einige Stücke ohne Streckenkarte auf den Mautstraßen. Allerdings hörten wir, dass an der Grenze auch die Mautzahlungen kontrolliert werden.

Nordtor der römischen F
estung, welches zum Hafen führte

Nur einige Kilometer hinter Sosopol, im Landesinneren, lag unser nächstes Ziel, Ravadinovo.

Nessebar

Diese Stadt ist in Deutschland durch den Tourismus bekannt. Die Altstadt, die auf einer Felsnase thront, ist wunderschön und Weltkulturerbestadt der UNESCO. Die meisten Häuser sind mit Holz verkleidet, die oberen Etagen stehen oft weit über dem Untergeschoss hinaus. Die Gassen sind zum Teil eng und verwinkelt. An vielen Stellen wurden römische Überreste gefunden und rekonstruiert, so dass eine tolle Kombination aus mehreren Zeiten entstanden ist. Überall laden kleine Geschäfte und Kneipen zum Bummeln ein. Die Gegenwart ist in diesen Gassen fast verschwunden. Jetzt, in der Nachsaison, ist das Treiben recht entspannt und man kann das alte Nessebar genießen.

Etwas weiter hinten in der Altstadt, wo weniger Betrieb ist, steht das Restaurant „THE OLD TREE“, direkt neben der teilweise rekonstruierten großen Basilika. Dort kehrten wir für ein Fischgericht ein und kamen uns vor, als würden wir im alten Rom sitzen. Gleich daneben steht ein kleiner alter Brunnen, aus dem schönes kühles Wasser strömt.

römische basilika von Nessebar

Parken und im Wohnmobil übernachten kann man auf dem riesengroßen Parkplatz auf der Westseite vom alten Nessebar. Die vielen Angler zogen dort einen nach dem anderen kleinen Hornhecht aus dem Wasser.

Gleich nördlich von Nessebar befindet sich der Sonnenstrand, auch sehr bekannt bei deutschen Urlaubern. Dort spazierten wir den halben Strand entlang, immer die nackten Füße an der Wasserlinie. Das Wasser ist viel wärmer, als wir es bisher auf dieser Tour erlebt haben.
Der südliche Teil des Sonnenstrandes ist kaum verbaut, weil sich dort ein Feuchtgebiet ausbreitet.
Auf der nördlichen Hälfte reihen sich die Hotels und Appartementhäuser. Vor einem Monat war hier wohl noch die Hölle los, jetzt ist man fast allein am Strand.

Sonnenstrand bei Nessebar

Am ebenso bekannten Goldstrand fuhren wir nur weiträumig vorbei. Wie wir bei Google gesehen haben, steigt gleich hinter einer schmalen Hotelkette eine Berglandschaft auf. Das heißt wohl, gegen Abend liegt der Strand im Schatten, während der Sonnenstrand ein flaches Hinterland besitzt und die Sonne fast bis zum Untergang den Strand bescheint.

Madara

Westlich des „Steinwaldes“ liegt der kleine Ort Madara am Rande einer schönen Hügellandschaft. Hier wollten wir uns das nationale archäologische Reservat ansehen. Der Eintritt kostet 5,-Lewa pro Person. Das Kernstück ist ein Relief, welches einen Reiter mit Hund und einem erlegten Löwen in Lebensgröße zeigt. Es soll aus dem 8. oder 9. Jahrhundert stammen. Allerdings befindet sich dieses Relief hoch oben an einer senkrechten Sandsteinwand, so dass es schwierig ist, etwas genaues zu erkennen. Um dort hin zu gelangen, muss man aber erst einmal gut 110 Stufen erklimmen. Am Abend ist die Felswand am besten durch die Sonne beleuchtet.

Wendet man sich dann nach links und folgt einem Weg, kommt man zu einem noch viel älteren Felsengrab und zu einem Schrein, den wir nicht besuchten, weil die Sonne in einer Stunde untergehen würde. Stattdessen folgte ich, Klaus wollte nicht mehr mit, dem weiteren Weg, von dem ich annahm, dass der Rundweg auf einer Höhe liegt. Dann stand ich vor einigen Stufen, denen folgten weitere Stufen und ehe ich mich versah, war ich schon auf halber Höhe der Felswand. Die Treppe, die die Stufen irgendwann bildeten, windet sich fast senkrecht die Felswand hinauf. Die Aussicht auf das Umland wurde immer grandioser, der Atem immer weniger. Nach gefühlten über 500 unregelmäßigen und krummen Stufen hatte ich das obere Ende der Felswand erreicht.

Madara lag weit unter mir, auf dem Felsen befinden sich die Ruinen des alten Matora-Forts, welches 1388 von den Türken erobert wurde. So erzählt es die Informationstafel.

Nun musste ich mich beeilen, um vor dem Dunkel werden die ollen schiefen Stufen wieder hinab zu steigen. Das war fast so anstrengend wie das Hochklettern.
In der anderen Richtung führt noch ein Weg zu mehreren Höhlen, aber die konnte ich nicht mehr besichtigen.

Übernachtet haben wir auf einem großen Parkplatz etwas unterhalb des archäologischen Museums. Durch den Schutz der vielen Bäume drum herum war die Nacht im Wohnmobil nicht so kalt, wie sie hier auf dem Berg gewesen sein musste. Es waren 4 Grad angesagt.

Am Rande des Ortes Madara wurde auch noch eine römische Villa ausgegraben, die zu besichtigen ist.

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