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Archiv für die Kategorie “USA – Südwesten”

White Sands – New Mexico

am Rande des Tularosabeckens

am Rande des
Tularosabeckens

White Sands bezeichnet viele Dinge, die zwischen den San Andres und Sacramento Mountains im Tularosa Becken liegen. Fast alles davon gehört zur White Sands Missile Range, einem aktiven Testgelände für Raketen, Bomben und Lasertechnik, das seit 1949 besteht und das größte militärische Testgelände Amerikas ist. Zwei mal in der Woche wird die Straße ein bis zwei Stunden für den öffentlichen Verkehr gesperrt, immer dann, wenn Tests durchgeführt werden.Überhaupt dreht sich in dem Gebiet zwischen Las Cruces und Alamogordo alles um Weltraum- und Raketentechnik. Den neuen Weltraumbahnhof für Touristen nördlich von Las Cruces kann man allerdings nur nach Absprache besuchen. Wir hatten im Fernsehen einmal einen Bericht über den Spaceport America gesehen. Von hier aus sollen Flüge in den Orbit mit einer neuen Generation von Flugzeugen für jedermann möglich sein, der so um die 250.000,-Euro übrig hat. Das ist doch glatt ein Schnäppchen.
Das Testgelände für die erste Atombombe, Trinity Site, liegt im Norden der Range.

White Sands Missile Museum

White Sands
Missile Museum

Das Missile Museum der White Sands Missile Range war sogar für uns als Ausländer zugänglich. Von der A4 (V2) Wernher von Brauns über viele andere Exponate wird hier die Weiterentwicklung der militärischen Raketentechnik dargestellt. So ist auch die Fat Man Atombombe, die auf Nagasaki abgeworfen wurde, zu besichtigen. Sie war nach Little Boy, die auf Hiroshima niederging, die zweite Atombombe, die in der Kriegsführung eingesetzt wurde.
1945 wurden im Rahmen der Operation Paperclip deutsche Wissenschaftler und Techniker, die mit der Entwicklung der Raketentechnik zu tun hatten, hierher gebracht. Sie waren unter der Führung von Wernher von Braun maßgeblich an der Weiterentwicklung der zivilen und militärischen Raketentechnik der USA beteiligt. Wir durften sogar fotografieren, jedoch keine Anlagen und Gebäude.

White Sands National Monument

White Sands
National Monument

Weswegen wir jedoch hauptsächlich in diese Gegend kamen, ist das White Sands National Monument. Auf 275 Quadratmeilen breiten sich gleißend weiße Gipsdünen aus. Es ist das größte Gipsdünenfeld der Welt. Nur wenige Pflanzenarten wie die Soaptree Yuccas oder das Reisgras wachsen schnell genug, um gegen die ständige Bewegung der Dünen, die die starken Winde der Region verursachen, zu bestehen. Die wenigen kleinen Tiere, die in den Dünen leben können wie Füchse, Kaninchen oder Eidechsen, haben sich der Farbe der Dünen angepasst. Sie alle kommen meist nur nachts hervor, wenn die Sonne nicht mehr so brennt.

wir mittendrin

wir mittendrin

Gips ist nur sehr selten in Form von Sand zu finden. Regen und Schnee spülen seit etwa zehntausend Jahren die Gipspartikel aus den umliegenden Bergen in das Tularosa Basin. Damals senkte sich das Gebiet des Beckens und legte die in Millionen von Jahren abgelagerten Gipsschichten frei. Einen anderen Zufluss gibt es nicht. Wenn die Nässe verdunstet ist, bleibt der Sand übrig. In den ganz tief gelegenen Gebieten wie dem Lake Luzero und in den Alkali Flats entstehen durch die länger vorhandene Feuchtigkeit Selenitkristalle, die bis zu 90cm lang werden können. Diese zerfallen dann irgendwann ebenfalls zu Sand. So bauen sich die Dünen auf. Warum der Gipssand nicht weggeweht wird? Durch die Eigenschaften des Gips kann sich das Grundwasser bis knapp unter die Oberfläche halten. So ist die Konsistenz der Dünen recht fest. Nur die ausgedörrte Oberfläche kann dann von den Winden weggetragen werden, die dann schon 17 Meilen in der Stunde erreichen müssen. Wenn es regnet, ist auch die Oberfläche vor den Winden geschützt.
Es ist jedenfalls ein unglaubliches Erlebnis, sich mitten in den schneeweißen Dünen zu befinden und den Trails zu folgen oder Picknick zu machen.

Pistanzienranch

Pistanzienranch

Nördlich von Alamogordo befinden sich zwei Pistazienfarmen. Diese gehören zu den drei Gebieten, in denen in ganz Amerika überhaupt Pistazienbäume kultiviert werden. Eines liegt im Sacramento Valley, ein Winziges bei Tuscon und das dritte Anbaugebiet befindet sich im Großraum El Paso, zu dem auch Alamogordo gehört. Das PistachioLand wirbt mit der größten Pistazie der Welt, zu der zwei Farmen gehören: die McGinn´s Pistachio Tree Ranch und die Eagle Ranch, die zweimal am Tag kostenlose Führungen durch den Betrieb anbietet. Jedenfalls findet man hier Pistazien in vielen Geschmacksrichtungen. Neben Pistazien wird auch Wein aus der Umgebung angeboten, Gratisverkostungen inklusive.

Hummingbird

Hummingbird

Der Edgington RV Park hat einen schönen Teich angelegt, in dem einige große Fische leben, was Klaus freute. Mich begeisterten die zwei Hummingbirds, die sich den ganzen Tag schwirrend über dem Teich und seiner Umgebung aufhalten. Ihr Flug gleicht dem des Taubenschwänzchens, jene auffälligen Falter, die sich in sehr warmen Sommern inzwischen auch in Deutschland aufhalten. Die Hummingbirds kennen kaum Ruhe, deshalb ist es äußerst schwer, sie vor die Linse zu bekommen. Geduld wird aber belohnt, meistens jedenfalls. Woher nehmen sie nur all diese Energie?

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Las Cruces – New Mexico

Am Rio Grande

Am Rio Grande

In Las Cruces trafen wir den Rio Grande wieder. In Albuquerque führte er noch etwas Wasser, in Las Cruces ist er trocken, nur Sand. Schwalben brüten gerade an der Brücke, die sich über den Rio Grande spannt. Die Trockenheit wird immer schlimmer, bestätigen uns immer wieder Leute, die wir treffen.

Unterkonstruktion der alten Holzbrücke

Unterkonstruktion der
alten Holzbrücke

Da wir Zeit haben und auf der Karte einen Hinweis zu einem Damm bei Radium Springs fanden, fuhren wir die zehn Meilen kurzerhand dorthin. Einen Damm fanden wir nicht, aber eine alte Holzbrücke über den Rio Grande, in dessen Bett sich stellenweise doch noch Wasser befindet. Da die Holzbrücke nicht mehr befahren werden kann, baute man einfach eine neue Brücke daneben. Die Straße nach Radium Springs säumen in vollem Grün stehende Pecan Nussbäume, die im Winter ein sehr trauriges Bild abgeben.

in Mesilla

in Mesilla

In Las Cruces selbst gibt es nicht viel zu sehen, aber ein Abstecher nach Mesilla wird sehr empfohlen, wenn man authentisch mexikanisch essen gehen möchte. Natürlich ließen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen und fuhren nach Mesilla. Uns erwartete ein mexikanisch geprägter Ortskern mit den typischen Adobebauten, die in ganz New Mexico zu finden sind und wirklich das Auge erfreuen. Um einen Platz herum, an dessen einem Ende die Kirche steht, reihen sich kleine Boutiquen, Süßigkeitenläden und Souvenirshops. Zwei Restaurants bieten beste mexikanische Küche. Von außen sehen die Häuser winzig und nichtssagend aus, doch wenn man hineingeht, wird man von einer Pracht und Farbigkeit überrascht, die man nicht erwartet.

La Posta de Mesilla

La Posta de Mesilla

Wir entschieden uns für das La Posta de Mesilla. Mesilla war einst die größte Stadt zwischen San Diego, Kalifornien und San Antonio, Texas. Die alte Post war 150 Jahre lang ein beliebter Stop auf der berühmten Butterfield Stagecoach Line. 1939 machte eine junge, dynamische Lady ein Restaurant und Kantine daraus, welches mit vier Tischen, einem schmutzigen Boden und ohne fließendem Wasser begann. Die Dame sammelte Rezepte von den ansässigen Familien, nach denen heute noch die Speisen zubereitet werden. Authentischer geht es nicht mehr. Da wir an diesem Tag unseren 18. Hochzeitstag feierten, bestellten wir uns La Posta´s berühmte Fajitas mit gegrilltem Rind- und Geflügelfleisch, Tortillas und verschiedenen Beilagen. Zum Dessert ließen wir uns einen Cocktail bringen, den man nur im La Posta bekommt. Der Cocktail heißt Smoked Agave und ist ganz ´was Besonderes. Zutaten sind 100%iger Tequila aus der Blauen Agave, Agavennektar und Limonensaft mit einem Schuss Mescal. Der Rand des Glases wird leicht in eine Mischung aus rauchiger Grillsoße und Salz getaucht. Das Ganze ergibt dann einen mehr als außergewöhnlichen Cocktail.

Wiedersehen mit New Mexico

kurz vor Lordsburg

kurz vor Lordsburg

Das Gebiet direkt an der Grenze zu Arizona ist sehr trocken, stellenweise gibt es nur noch trockenes Gestrüpp. Ein großer ausgetrockneter See liegt bei Lordsburg in der Landschaft. Auf weiten Strecken der Interstate 10 wird vor Sandstürmen und Null Sicht gewarnt. Die Sandteufel sind hier sehr zahlreich und unvergleichlich höher. Unser erstes Ziel sollte die Geisterstadt Shakespeare sein. Wir erfuhren, dass die Stadt auf dem Gelände einer bewirtschafteten Ranch liegt, die nur an manchen Wochenenden Führungen durch das Gelände und Shakespeare durchführt. An diesem Wochenende gab es gerade keine Führung, schade.

Gerichtsgebäude in Deming

Gerichtsgebäude in Deming

Deming, früher Mimbres Junction genannt, lag an der Kreuzung der Santa Fe Railway und der Southern Pacific Railway. Später war die Stadt ein wichtiger Umschlagplatz für die Land- und Viehwirtschaft sowie der Minenindustrie. Noch heute spielen Handel und Gewerbe eine wichtige Rolle. Zum ziemlich weit von der Hauptstraße entfernt stehenden Gerichtsgebäude, welches 1910 gebaut wurde, führt eine zwischen zwei Fahrstreifen gelegene Baumreihe. Rechts und links säumen kleine Häuschen die Straßen.

Deming Luna Mimbres Museum

Deming Luna
Mimbres Museum

In der gleichen Straße befindet sich auch das Deming Luna Mimbres Museum. Früher einmal Wohnhaus einer reichen Familie zeigt es den Besuchern eine sehr umfangreiche Sammlung. Ausstellungsstücke vieler Bereiche füllen fast zwei Etagen, angefangen von Töpfer-, Web- und weiteren Handarbeiten der Ureinwohner, über die Ausrüstung der alten Westmänner und -frauen bis hin zu viktorianischen Esszimmereinrichtungen. Steinesammlungen, Oldtimer, Gemälde eines Kriegsgefangenen in Japan, Militaria, die Liste ist endlos. Um sich alles anzusehen, muss man schon einen ganzen Tag einplanen. Eintritt wird nicht verlangt, über eine Spende freut man sich allerdings.

Weitere historische Gebäude wie das Hotel Baker lohnen einen Spaziergang. Im August jeden Jahres kommen tausende Besucher zum größten Entenrennen der Nation mit entsprechendem Rahmenprogramm.

Goodbye Arizona

bei Dragoon

bei Dragoon

Du, Arizona, bist uns fast schon ans Herz gewachsen. Wir haben viel Zeit bei Dir verbracht, bei Deinen Naturschönheiten wie dem Grand Canyon, dem Meteorkrater und dem Patagonia Lake. Tombstone, Tuscon und die Route 66 führten uns in die Vergangenheit, die Berglandschaften und die Wüste verzauberten uns. Allerdings ist die Tierwelt im Winter wesentlich zahlreicher vertreten als jetzt im späten Frühjahr oder gar im Sommer, wenn es unerträglich heiß wird.

Ibisse bei Willcox

Ibisse bei Willcox

In Willcox wollten wir noch eine Nacht am Twin Lake verbingen, aber die Mücken überfielen gleich unseren Bus, als wir dort ankamen. Ein paar dunkel lila-grün schillernde Ibisse suchten sich ihr Futter im ufernahen Wasser, dort wo sich im Dezember noch Mengen von Enten, Gänsen und Kranichen tummelten. Jetzt sind sie alle weg, die Landschaft ist noch ausgetrockneter.

Ganz im Südwesten fanden wir auf der Karte noch einen Meteorkrater, den Paramore Crater. Recherchen ergaben, dass jedoch keine Straße dorthin führt, so dass wir uns den Weg gespart haben.
Auf der Interstate 10 erreichten wir so New Mexico.

Arizonas Wüste

Arizonas Wüste

Immer wieder muss ich beim Betrachten der Landschaft an die ersten Einwanderer denken. Was muss das für eine Anstrengung gewesen sein, mit den beladenen Wagen durch diese Landschaft zu fahren, ohne Wege, fast nie ein glattes Stück, überall sind Huckel und Löcher. Fast überall ist der Boden mit Lava oder Steinen übersät und mit stacheliger Vegetation überzogen. Von den giftigen Schlangen, Spinnen und Skorpionen, mit denen man in dieser Nähe zur Natur unweigerlich Kontakt hat, rede ich erst gar nicht. Das alles für ein besseres Leben, das es dann doch in den seltensten Fällen gab. Arizona machen auch seine Symbole wie die Sonne, der Gecko und der Kokopelli aus, die man überall und in allen Varianten findet, und die Kachinas der Indianer. Für uns ist Arizona jedenfalls einer der schönsten Bundesstaaten der USA.

 

Painted Rock Petroglyph Park – Arizona

 

blühender Saguaro

blühender Saguaro

Da wir uns Südarizona schon im Winter angesehen haben, gibt es jetzt nicht mehr viel, was wir besichtigen können. Bei den Temperaturen machen Besichtigungen auch nicht wirklich Spaß. Wenn man aufsteht, zeigt das Thermometer schon 27 Grad an, aus denen dann zum Nachmittag knapp 40°C werden. Abends kühlt es nur unwesentlich ab. Hilfreich ist der zum Nachmittag einsetzende Wind, der uns die Hitze noch halbwegs ertragen lässt. Touristen gibt es jetzt kaum noch in dieser Gegend. Die Wüste scheint gegenüber dem Winter noch ein wenig trockener, es gibt nicht mehr so viele Vögel und die Nächte sind sehr still. Dafür können wir jetzt die Saguarokakteen blühen sehen, was sehr hübsch ist.

Sandteufel

Sandteufel

Die auch bei uns bekannten Sandteufel, von Windhosen aufgewirbelte trockene Erde oder Sand, haben hier eine enorme Kraft. Einer dieser Wirbel hatte uns auf einer Nebenstraße erwischt und den großen Bus ganz schön durchgeschüttelt. Wenn so eine Windhose direkt neben Dir vorbeizieht, dann hört man die tobende Luft darin. Das hatten wir nicht erwartet.

Painted Rock Petroglyph Site

Painted Rock Petroglyph Site

Am Painted Rock Petroglyph Site findet man auf den Lavabrocken, die den Rest eines Vulkanes darstellen, alte Petroglyphen, die die O´odham dort hinterlassen haben. Heute kann man jedoch kaum noch erkennen, was Original ist und was die ersten Entdecker und ihre Nachfolger dort in die Lava geritzt haben. Auf vielen Brocken ist so viel eingeritzt, dass man kaum noch etwas Einzelnes erkennen kann. Mit dem Petroglyphenpark in Albuquerque ist das nicht zu vergleichen.

Jedenfalls haben wir dort gleich noch unsere letzte Nacht in der Wildnis Arizonas verbracht. Außer ein paar Tauben, kleinen Vögeln, Echsen und einem leisen Grunzen in der Nähe bei der Dämmerung war überhaupt nichts los. Das kennen wir vom Winter her anders.

Wächter über die Petroglyphen

Wächter über die Petroglyphen

verwaister Campingplatz

verwaister Campingplatz

 

 

 
 

Rinnenpaneele für solarthermisches Kraftwerk

Rinnenpaneele für
solarthermisches
Kraftwerk

Auf dem Weg zu diesem Platz steht ein großes solarthermisches Kraftwerk mit Parabolrinnen, eine sehr interessante Sache. In Marana, nordwestlich von Tuscon, standen wir vor einer Firma, die Raumfahrtlösungen anbietet und in deren Nachbarschaft Flugzeuge abgestellt sind, ähnlich dem Platz am Pima Air & Space Museum im Süden von Tuscon.

Übrigens: Während wir in Kalifornien für die Gallone Benzin um die 4,-$ hinblättern mussten, bezahlten wir in Yuma um die 3,50$ und in Tuscon 3,17$. Das ist ein ganz schöner Unterschied. Der Sprit ist allerdings nur in Kalifornien so immens teuer.

Yuma – Arizona

Imperial Sanddünen

Imperial Sanddünen

Im Artikel Death Valley-Kalifornien berichtete ich über eine einzelne Sanddüne, die wie von Geisterhand aufgeschüttet wirkte. Jetzt haben wir vielleicht die Erklärung, wie sie dorthin gekommen sein könnte. Südöstlich der Salton Sea liegen die Imperial Sanddünen, eine relativ schmale Sandwelt, die sich über 40 Meilen in der Länge erstreckt. Von hier könnte der Sand gekommen sein. Man nimmt an, dass sich die Imperial Sanddünen zu der Zeit gebildet haben, als der Lake Cahuilla (habe im Artikel Salton Sea-Kalifornien davon berichtet) fast ausgetrocknet war. So konnten die Wüstenwinde den Sand forttragen und an anderer Stelle neue Dünen formen.

Diese Imperial Sanddünen durchquerten wir auf dem Weg nach Yuma. In Yuma sollte man das Yuma Quartermaster Depot und das Yuma Territorial Prison, also das Gefängnis, besuchen. Beides liegt direkt am Colorado River, der kurz vor seiner Mündung in den Golf von Kalifornien immer noch kein Strom geworden ist.

Yuma Quartermaster Depot

Yuma Quartermaster Depot

Das Quartermaster Depot wurde in den 1860ern von der amerikanischen Armee aufgebaut, um das Material zu beschaffen, zu lagern und zu verteilen, welches von den Militärposten benötigt wurde. Es wurde per Dampfschiff von San Francisco bis hierher gebracht. Der Posten bestand damals unter anderem aus einem kleinen Hafen, Lagerhallen, Ställen für die Zugtiere, einem Wasserspeicher, dem Wohnhaus des Kommandanten mit angeschlossenen Räumen für die Bediensteten und dem Office. Heute kann man zudem noch einen der alten Eisenbahnwaggons, Planwagen, einen alten LKW und einen wunderschönen rot-gold glänzenden Ford T bewundern.

Yuma Territorial Prison

Yuma Territorial Prison

Das fast nebenan liegende Gefängnis leistete seinen Dienst 33 Jahre lang von 1876 bis 1909. 3069 Gefangene, Weiße, Mexikaner, Indianer, Menschen jeden Schlages, die aus verschiedenen Gründen von Diebstahl bis hin zu Mord einsaßen, lernten die Bedingungen dort kennen. 111 von Ihnen verließen das Gefängnis nicht lebend und sind auf dem Gefängnisfriedhof ganz in der Nähe begraben. Die Zellen sind eng, waren dicht belegt und wer nicht spurte, machte mit der Dunkelzelle Bekanntschaft. Manch ein Gefangener konnte wohl davon nicht genug bekommen. Gesichter, Namen, Geschichten, alles findet man im Museum, das nicht in einem Originalbau untergebracht ist, sondern auf dem Platz des abgebrannten Hospitals und der Messhalle aufgebaut wurde.

Zellentrakt

Zellentrakt

Das Gefängnis an sich war fortschrittlich, hatte sanitäre Einrichtungen, 1x wöchentlich Baden war Pflicht, wenn nötig auch öfters. Medizinische Versorgung gab es und sogar eine Bücherei. Im Volksmund nannte man das Gefängnis „Countryclub“. Der Beiname „Höllentor“ kommt von den klimatischen Bedingungen, unter denen die Gefangenen leben mussten. In den 33 Jahren gelang es nur zwei Gefangenen zu fliehen, die anderen wurden wieder eingefangen oder bei der Flucht erschossen. 1909 schloss man das Gefängnis und verlegte die restlichen Gefangenen nach Florence in der Nähe von Phoenix. Dann stand es leer oder wurde während der Zeit der großen Depression anderen Nutzungen unterzogen. Da es jedoch immer noch Besucher anzog, wurde das Gefängnis zum Museum.

Brücke ins Nirgendwo

Brücke ins Nirgendwo

Knapp nördlich von Yuma entdeckten wir durch Zufall die McPhauls Bridge, auch die Brücke ins Nirgendwo genannt. Diese wurde 1929 über den Gila River gespannt, hat eine sehr wechselvolle Geschichte und war das Vorbild für den Bau der Golden Gate Bridge in San Francisco. Inzwischen ist die Brücke für den Verkehr gesperrt und auch heran kommt man nicht wirklich.

 

Bewässerungskanal

Bewässerungskanal

Noch immer trotzt der Mensch der Wüste Land für seine Äcker ab. Getreide, Melonen, Futterpflanzen für die Tiere und andere Früchte werden über ein dichtes Kanalnetz bewässert, durch das Unmengen von Wasser fließt. Die Klarheit des Wassers spricht für Grundwasser. Manche Felder sind direkt überflutet. Was einmal in den Kanälen landet, ist zum großen Teil für immer verloren.

Im asiatischen Supermarkt in Los Angeles hatten wir uns recht günstig auch eine Ziegenschulter mit Bein gekauft. Nach einem Rezept aus dem Internet zubereitet, ist das ein sehr leckeres und fein schmeckendes Fleisch. Man muss eben wissen, wie man es macht.

Kingman – Arizona

Kingman - Wandgemälde Route 66Kingman - Erinnerung an die alte EisenbahnKingman bezeichnet sich selbst als das Herz der Route 66. Über 40 Gebäude und Anlagen werden im Nationalen Register für Historische Plätze geführt. Im Powerhouse, der ehemaligen Schaltzentrale der Eisenbahn, sind heute das Besucherzentrum und ein weiteres Route 66 Museum untergebracht. In der historischen Shoppingmeile findet der Besucher viele Antikläden. In einigen Autowerkstätten möbelt man alte Autos wieder auf. Im 5-Minutentakt fahren die Züge durch die Stadt. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die Waggons eines dieser Züge zu zählen. Es waren unbeschreibliche 132 Stück. Bei einer durchschnittlichen Länge der Waggons von 20 Metern kommt man auf eine Zuglänge von über 2,6 Kilometern.

Golden Valley - RiesenyuccaIm Golden Valley etwas westlich von Kingman, einem weitläufigen Tal an den Black Mountains, entdeckten wir eine Art Riesenyucca.

Zurück auf der Route 66 – Arizona

Hatte ich schon erklärt, wieso die Route 66 diesen Namen hat? Thomas Jefferson kreierte das Netzsystem der Straßen durch die USA. Dabei bekamen die Ost/West-Verbindungen gerade Zahlen und die Nord/Süd-Straßen ungerade Zahlen. Da die Route 66 mehr eine Ost/West-Verbindung ist, musste sie eine gerade Zahl bekommen. Die Zahlen 62, 64 und 66 waren noch zu vergeben, wobei Kansas schon die Hand auf der 62 hatte. Der Aufsichtsrat legte deshalb einen Plan für die Route 66 vor, die entsprechende Karte folgte etwa 2 Tage später und die Route 66 war geboren. Das war, wie schon vorher erwähnt, 1926.

Wir stießen bei Ash Fork auf die Route 66. Der kleine Ort hat nicht sehr viel zu bieten. Vernachlässigte Oldtimer, meist verlassene Läden und ein kleiner Bahnhof machen Ash Fork aus. Der Ort entstand mit der Ankunft der Eisenbahn. Der Bergbau war ebenfalls ein wichtiger Punkt. Einige Motels, Tankstellen und Geschäfte operierten hier seit 1926. Sechs Betriebe stellen flache Steinplatten her, die aus großen gebrochenen Steinen gespalten werden. Diese Platten können vielfältig genutzt werden, z.B. als Gehwegplatten, zu Mauern aufgeschichtet oder als Abdeckungen. Der kleine „Siedler-Friedhof“ liegt etwa eine halbe Meile außerhalb Ash Forks und wird heute noch genutzt. Kleine weiße Holzkreuze mit kleinen Steinplatten davor markieren die alten Gräber vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Uns ist inzwischen aufgefallen, dass die frühen Siedler ihre Friedhöfe alle etwa eine halbe bis eine Meile außerhalb der Ortschaften anlegten.
Ash ForkSiedler-Friedhof in Ash Fork

Von Ash Fork aus startet der längste übriggebliebene, ungefähr 140 Meilen lange Abschnitt der Route 66, wobei die ersten 5 Meilen nicht gewartet wurden und daher nicht mehr befahrbar sind. Wir fuhren deshalb auf der Interstate 40 bis nach Seligman, von wo aus wir der alten Route 66 in Richtung Westen folgten. Seligman wurde 1886 gegründet und lag an der Kreuzung zur Santa Fe Railroad-Hauptstrecke. In den frühen Jahren der Route 66 legte man dann das Augenmerk auf die motorisierten Reisenden. Heute fühlt man sich in der kleinen Stadt in die Vergangenheit zurückversetzt. Großen Anteil daran hat der Barbier Angel Delgadillo, der auch ein Gründungsmitglied der Route 66 Association ist. Da Klaus gerade einen Haarschnitt nötig hatte, bemühten wir Angel. Der Mann, der mexikanische Eltern hat, wird im nächsten Monat 86 Jahre alt. Seit 1947 betreibt er dieses Geschäft und will noch möglichst lange seiner internationalen Kundschaft ihren Kopf verschönern. Auf unsere Frage diesbezüglich, antwortete er, dass er noch einhundert Jahre alt werden will. Wenn man ihn allerdings mit dem aufs Schärfste geschliffenen Rasiermesser am Kinn eines Kunden sieht, dann kommt man schon ins Nachdenken. Klaus bekam jedenfalls von ihm einen perfekten Haarschnitt, in aller Ruhe, versteht sich. Die abgeschnittenen Haarreste entfernte Angel dann ganz ungewöhnlich mit einem Staubsauger. Da blieb nichts mehr übrig. Warum ist in Deutschland noch niemand darauf gekommen? Der nette alte Mann wünschte uns eine gute Weiterreise. Er machte uns auch darauf aufmerksam, dass ich, Angela, den gleichen Namen habe wie er. Im Mexikanischen nennt man das Tocatillos oder so, habe ich leider schon wieder vergessen. Sehenswert in Seligman sind weiterhin unter anderem das von Angels Bruder geführte Snow Cap Drive-In und das Roadrunner Café.
Angels Barber Shop in SeligmanRoadrunner Café in Seligman

 

 

 

Valle Vista

Valle Vista

Über die kleinen Orte Peach Springs, Truxton, Valentine mit dem Safari Zoo, und Hackberry gelangten wir nach Valle Vista, wo wir mit dem Blick auf das Westende des Grand Canyon Massivs übernachteten. Unterwegs begegneten uns Züge mit einer Länge von mindestens eineinhalb Kilometern, unglaublich.

Wieder auf Tour

Aus der Traum von der ganz großen Rundreise, denn wir haben nur für ein halbes Jahr eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Mit unserem B2-Visum ist kein längerer Aufenthalt möglich, versicherte man uns. Unsere nächste Einreise dürfte dann auch erst nach mindestens einem halben Jahr stattfinden. Da wir für diese Zeit auch Versicherung bezahlen müssten, fällt diese Option aus und unsere Rundreise durch die USA/Kanada endet Mitte September. Kein Seattle, kein Vancouver, kein Yellowstone Park und kein Monument Valley. Wir werden also über Las Vegas durch die Nationalparks in Westkalifornien bis zur nördlichen Grenze von Kalifornien fahren, dann an der Westküste Richtung Süden und im Süden der USA nach Florida zurück, Änderungen vorbehalten.
 Jetzt sind wir aber erst einmal in Phoenix gelandet und haben unser Motorhome wieder. Hier ist es herrlich warm, über 20°C bei blauem Himmel, und vieles ist grün geworden. Es duftet an vielen Stellen wohltuend nach allerlei Blüten und die Vögel zwitschern überall. Vor allem die Apfelsinenbäume, die noch immer pralle Früchte tragen und blühen, duften intensiv. Der Duft erinnert stark an Jasmin, herrlich. Die im Winter tot scheinenden Ocotillos sind jetzt ebenfalls grün und haben sogar schon Knospenrispen angesetzt.
Orangen - Früchte und Blüten an einem BaumGrüner Ocotillo

Ende der 1. Etappe – Arizona

wunderschöner BesuchDer Kreis hat sich in Phoenix geschlossen, wir können nur noch auf den Flug warten. Durch die Kälteeinbrüche unterwegs und die hoch gelegene Landschaft im Südosten Arizonas sind wir früher als gewollt in Phoenix eingetroffen. Jetzt hat hier die Hochsaison begonnen, die bis Ende März andauert. Das heißt, dass das Platzangebot für uns sehr beschränkt ist. Unser erster Anlaufpunkt ist Apache Junction gewesen. Der Ort liegt im Osten von Phoenix und ist quasi schon einverlaibt. Wir haben unser Futterhäuschen für die Vögel wieder vor das Fenster gehängt und es wird den ganzen Tag belagert. Dabei finden sich jeden Tag neue, andere Vögel ein. Das ist wirklich schön, da kann man stundenlang zusehen. Wirkliche Überraschungsgäste sind die Rosella-Sittiche oder wie die richtig heißen. Von diesen Vögeln gibt es in Köln eine große, freilebende Kolonie. Anscheinend haben sich hier in Apache Junction ebenfalls ein paar dieser wunderschönen Vögel angesiedelt. Ansonsten fahren wir Fahrrad oder bringen ein paar Dinge in Ordnung, die bisher liegen geblieben sind.

Arizona MillsSpäter zogen wir in den Nordwesten von Phoenix um, klärten den Stellplatz für unser Motorhome in einem Storage (Lager) ab und bestellten schon einmal das Taxi für den 16. Januar. Zum Zeitvertreib besuchten wir die Arizona Mills, die größte Shopping Mall Arizonas. Da kann man gut einen ganzen Tag verbringen. Vor allem das Rainforest Café ist eine Augenweide. Ganz authentisch dekoriert mit sich bewegenden Tieren, Urwaldgeräuschen, Sternenhimmel und sogar Gewittern. Dazu ein riesengroßes und mehrere kleinere Salzwasseraquarien, Nebel und Regen, das ist einfach Klasse.

Mehr Früchte geht nichtDas Wetter ist wechselhaft, aber es geht mit größeren Schritten auf den Frühling zu. Bourgainvilla, Wandelröschen, Oleander und Co blühen. Das tut richtig gut. Dazu ist es die Zeit der Zitrusfrüchte. Solche Winter, kurz und nicht zu kalt, lassen wir uns gefallen. Für die Einwohner hier ist es jedoch solch ein Winter wie für uns in Deutschland. Alles ist eingemottet, es ist kaum jemand auf der Straße. Naja, wenn im Sommer an die 50°C herrschen und im Rest des Jahres kaum unter 25°C zu verzeichnen sind, kann man das schon verstehen. Das Jahr 2012 ist das mit Abstand wärmste Jahr seit den Aufzeichnungen. Daran hat wohl die wochenlange Hitzewelle, in die wir geraten waren, auch ihren Anteil. Außerdem wurde überall über enormen Wassermangel geklagt. Wie es aussieht, beginnt jetzt auch in den USA das Umdenken im Bezug auf den Klimawandel. Diese Zeichen können nicht mehr übersehen werden.

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