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Reisen rund um die Welt

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St. John River Valley – New Brunswick

4 Tage Ruhe auf dem gemütlichen “Mohawk Camping” in Waterborough am Grand Lake. Champignons sammeln, Angeln, Mücken verjagen, Sonnenuntergänge beobachten, um 22 Uhr die ISS am Nordstern vorziehen sehen, einen abenteuerlichen Strandspaziergang machen, dabei Minze für einen abendlichen Tee finden, bei einer kleinen Rundfahrt Weißkopf-Seeadler und Falken beobachten, sonst Nichtstun. Das Wetter ist dazu bestens. Das Leben kann so schön sein.
Die Kolibris heißen hier Hummingbirds und werden von manchen Campern mit einer hübschen Tränke und Nektarsaft versorgt. Da hat man ausreichend Zeit, ihnen zuzusehen. Am letzten Morgen am Grand Lake hat uns zum Abschied noch einer der Hummingbirds besucht. Wenn das nichts Gutes zu bedeuten hat?

Knapp südlich von Prince William liegt „Kings Landing“. Das ist ein riesiges, weitläufiges Museumsdorf, in dem das Leben noch wie zu Zeiten der ersten Siedler ist, nachempfunden natürlich.

Nackawic ist die Heimat der größten Axt der Welt. 7 Tonnen Edelstahl sind dort verbaut und 20 Meter ist die Axt hoch. Sie erinnert an die Wichtigkeit der kanadischen Forstwirtschaft. Außerdem hat Nackawic einen 2 Kilometer langen Nature Trail zu bieten, der direkt am St. John River und an vielen verwilderten, voll mit Früchten behangenen Apfelbäumen entlang führt. Wunderschöne Picknick-Plätze und die Reste von 2 Kartoffelhäusern der umliegenden Gemeinden sind ebenfalls auf dem Trail zu finden. Anscheinend hat es hier einmal entsprechend viele Kartoffelfelder gegeben. Heute stehen auf dem Gelände Häuser und Bäume. Am Abend fand in Nackawic im Rahmen 5tägiger Gemeindetage eine „Miss Nackawic“-Wahl statt.
Inzwischen hat auch der Herbst im St. John River Valley Einzug gehalten. Wir haben Ende August.

Woodstock ist die 1. Stadt New Brunswicks und kann somit auf eine über 150jährige Geschichte zurückblicken. Für europäische Verhältnisse klingt das direkt lächerlich. In den 1780ern gegründet bekam Woodstock 1856 das Stadtrecht. Manches aus dieser Zeit stammende Haus, wie das Connell-Haus, das alte Courthouse oder die Public Library machen die Altstadt interessant. Vor jedem dieser Häuser stehen erklärende Tafeln, die über die Geschichte der Häuser und ihrer Besitzer aufklären. Empfehlenswert sind außerdem die Trails entlang des St. John River und des Meduxnekeag River

In Hartland steht die längste Covered Bridge, eingehauste Brücke, der Welt. 1901 als normale Brücke gebaut, hat sie eine Länge von 390 Metern. 1922 kam die Umhausung dazu und 1945 wurde der Fußweg angebaut. 1901 war sie mit ihrer Spannweite ein Wunderwerk der Ingenieurskunst. Sie kann mit kleineren Fahrzeugen bis zu 10 Tonnen befahren werden. Für den übrigen Verkehr existiert eine neuere Fachwerkbrücke aus Stahl.

Wir lernten den Eisverkäufer mit dem auffälligen Schnauzbart an der Tourist-Info kennen. Er war mehrere Male in Dresden. Als ich ihm erzählte, dass ich gebürtige Dresdnerin bin, wollte er gleich ein Bild mit uns machen. Er ist begeistert von der Stadt und ihrer Wiederaufbauleistung. Er überreichte uns einen Prospekt, einen Führer der Kunstgalerien zwischen Perth-Andover und Nackawic, den er selbst gestaltet hat. Er kam vor 2 Jahren aus Vancouver nach Woodstock und macht im Winter touristische Werbung für Woodstock. Ein anderer alter Herr, der in Hartland nebenberuflich der „Town Trier“ ist, überreichte uns eine Ansichtskarte der Stadt, auf der er selbst mit seiner „Arbeitsuniform“ abgebildet ist.

Über Florenceville-Bristol, wo die Firma McCain, die Firma mit den Pommes Frites und den Kartoffelchips, einen Sitz hat, erreichten wir Perth-Andover. Die Stadt wirkte etwas ausgestorben. Auf dem Kultur-Trail entlang des St. John River erfährt man etwas über die irischen Siedler, die die Kartoffel nach Amerika brachten, die schottischen Siedler, die aus St. John kamen, die Dampfschiffe dort, die Katastrophen wie 4 große Fluten und den 1970ern und 80ern sowie einen Großbrand 1977. Eis hat in den 1980ern die ehemalige Brücke zerstört, von der noch die Reste von 2 Fundamenten zu sehen sind. Die neue Brücke steht direkt daneben. Das Alles verursachte hohe Millionenschäden.  

Ein paar Kilometer nördlich von Perth-Andover, in Tobique-Narrows, leben die Malisset, Ureinwohner dieser Region, in einem Reservat. Anlässlich des Labor-Day feierten sie ihren Powwow. Sie trafen gerade die Vorbereitungen für das große Fest, bei dem alle Maliseet der Gegend zusammenkommen, trommeln, tanzen und singen. Das ist ein uralter Brauch, den die „Weißen“ lange Zeit aus verschiedenen Gründen verboten hatten. Das Reservat liegt zwischen dem St. John River und dem Tobique-River.

In Grand Falls wollten wir die „Großen Fälle“ des St.John River und des Little River besichtigen, aber leider kamen wir zur falschen Jahreszeit und fanden nur ein Rinnsal vor. Im Frühjahr zur Schneeschmelze stürzen 9/10tel der Wassermassen der Niagara-Fälle über die Felsen nach unten. Das muss ein Getöse sein. Per Zip-Line (an einem Seil) kann man sich über die Schlucht schwingen.

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Fundy Coast – News Brunswick

Es ist kein Joke, es ist Reality, wir haben gesehen einen Kolibri.
Die erste Stadt in Kanada, gegenüber Calais am St. Croix River gelegen,  ist Kanadas Schokoladenstadt St. Stephan. In der dortigen Tourist-Info haben wir uns Prospekte über New Brunswick, die einzige zweisprachige Provinz Kanadas, und Nova Scotia besorgt. Damit konnten wir unsere weitere Reiseplanung vornehmen. Auf dem Parkplatz, direkt am Fluss gelegen, haben wir den Abend und die Nacht verbracht. Das war so ein toller Platz, dass wir beschlossen haben, für diesen Tag nicht weiterzufahren. Dort haben wir an einer Blumenampel unseren zweiten Kolibri auf dieser Tour gesehen. Es gibt im Sommer tatsächlich Kolibris in Amerikas Norden. Das haben wir schon im Fernsehen gesehen. Es sind beeindruckende Vögel, an denen wir uns nie sattsehen können.
Genauso beeindruckend sind Ebbe und Flut, die wir im St. Croix-River beobachten konnten. Bei Ebbe liegt der halbe Fluss samt seinen Buchten trocken. Dann kommen neben interessanten Ansichten auch die hölzernen Überreste der Schiffswerft, die um die 19. Jahrhundertwende an dieser Stelle existierte, zum Vorschein. Vom  anderen Ufer her erreichte uns New Country Music von einem Open Air-Konzert. Es war ein wirklich schöner Abend.

Ein weiteres wunderschönes Ziel war der Irving Nature Park kurz vor St. John, der Hauptstadt New Brunswicks. Nach einer fast 5-stündigen Wanderung durch den Park mit aufregenden Aussichten auf die Bay of Fundy, die Küste und die Inseln in der Bucht. Ganz weit am Horizont haben wir schon Nova Scotia gesehen. Kleine braune Eichhörnchen mit weißem Bauch, exotische Vögel und sogar kleine Robben bereiteten uns viel Spaß. Zum Schluss führte uns ein Steg in die Marsch-Landschaft, wo gerade wieder einmal die Flut mit aller Macht das Ruder in die Hand nahm. Unzählige Kanadagänse reckten ihre schwarzen Hälse über die Grashalme. Die 5 Stunden vergingen wie im Flug, aber in den Beinen merkten wir sie schon. Übernachtet haben wir frei am Strand stehend, wo wir in der Dämmerung noch einen Strandspaziergang entlang des zusehends zurückgehenden Wassers unternahmen. In der Steilküste und am Strand entdeckten wir die Überreste von Häusern, die wohl mit samt einem Teil der Küste ihren Tribut an Wind und Wetter zahlen mussten.

Im Fundy National Park, südlich von Alma, gibt es jede Menge Wanderwege in fast unberührter Natur. Wenn man Glück hat, trifft man sogar auf einen Elch. Wir hatten dieses Glück leider nicht. Auf unserem Caribou Plain Trail, ein kürzerer Wanderweg, haben wir jedoch andere interessante Entdeckungen gemacht wie große fleischfressende Pflanzen in den Sumpflöchern, eine Schlange, weitere Vogelarten und ein, wie für Elche gemachter, lichter Wald. Ab und zu roch es sehr angenehm nach einem süßlichen Harz. Auf Tafeln wird der Wanderer über die heimische Flora und Fauna und deren Zusammenhänge informiert. Anschließend besuchten wir noch den wunderschönen Bennett Lake, der als einziger See im Park mit Ruder- oder Paddelbooten befahren werden und auch beangelt werden darf. Während die meisten kleinen Parks kostenlosen Zutritt bieten, haben wir für den Fundy National Park um die 17,- Dollar bezahlt.

In der Bay of Fundy gibt es den größten Tidenhub der Welt, der bis zu 16 m betragen kann. An deren Küste sind wir in New Brunswick (Neu Braunschweig) und weiter auf Nova Scotia (Neu Schottland) gefahren. Dieser große Gezeitenunterschied legt an manchen Stellen bizarr geformte Felsen frei. Bei den Hopewell Rocks hat man dann die Gelegenheit, auf dem Meeresgrund spazieren zu gehen und die Felsensockel zu berühren. Wenn man dann nach oben sieht, kann man nicht glauben, wie viel Wasser nötig ist, die Buchten wieder zu füllen. In der Bay of Fundy wird soviel Wasser benötigt, wie alle Flüsse der Welt an einem Tag in die Ozeane tragen. Unvorstellbar. Bei Hochwasser gibt es die Möglichkeit, eine Kajak-Tour um die Felseninseln herum zu unternehmen. Immer wieder bieten sich uns wunderschöne Aussichten auf und in die Buchten, wenn Niedrigwasser herrscht.

Auf unserem Weg von Amherst nach Parrsboro sind wir an riesigen Blaubeerfeldern vorbeigefahren. Natürlich mussten wir einmal anhalten und ein paar davon naschen. Groß und süß sind diese Heidelbeeren, die es in allen Varianten fast die ganze Ostküste Nordamerikas entlang gibt.
An der Küste von Partridge Island bei Parrsboro auf Nova Scotia hat das Meer 1984 die ältesten Dinosaurierknochen Kanadas freigespült. Diese kann man heute im Geologischen Museum von Parrsboro bewundern. Außerdem werden dort bis heute neben weiteren Fossilien auch Edelsteine wie Achate und Amethyste aus dem Felsen gespült. Uns beeindruckte ein weiteres Mal, wie tief das Wasser gefallen war. In einem Stellnetz, das komplett aus dem Wasser ragte, fischten Kinder die letzten gefangenen Kalmare.
Zum Abendbrot haben wir heute große, selbst gesammelte Muscheln aus einem See probiert.

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