A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Winterspaziergang

Endlich erfreuen uns mehrere Tage Sonne am Stück. Es ist das erste Mal seit eineinhalb Jahren, dass uns dieses Glück widerfährt. Schon ewig verfolgte uns das schlechte Wetter, es war wie ein Fluch, der auf uns lastete. Jetzt ist es zwar kalt, aber das hält uns nicht mehr davon ab, hinaus in die sonnige Natur zu gehen und uns endlich in der Umgebung unseres derzeitigen Aufenthaltsortes Wismar umzusehen. Ein gut zweistündiger Spaziergang rund um den Mühlenteich und den Jungfernteich ist da ein besonderes Vergnügen. Das Gebiet gehört zum Einzugsgebiet des Wallensteingrabens. Da es seit mehreren Tagen friert, vor allem nachts, ist der See zum größten Teil zugefroren. Es halten sich jedoch große Scharen Enten, Gänse und Schwäne darauf auf, die einen Teil der Wasseroberfläche offen halten. Sie sind schon von weitem zu hören. Die Gänse suchen sich aber auch auf den nahen Feldern ihre Nahrung. Lautstark wechseln sie fliegend ihren Aufenthaltsort zwischen See und Feld.

Man durchquert, im Uhrzeigersinn gehend, zwei im Winterschlaf liegende Kleingartenanlagen und läuft oft zwischen Feldern und Seeufer entlang. Der Weg, auf einem kurzen Stück ist dieser ein Bretterweg, führt hin und wieder durch Überflutungsbereiche des Mühlenteichs. Im Wasser stehende, zum Teil umgekippte Bäume, sowie abgestorbenes Schilf und kahle Büsche sorgen für geheimnisvolle Bilder in der tiefstehenden Sonne. Von einem Abschnitt des Seeufers aus kann man den Turm der Marienkirche in Wismar sehen. Ein Teil des Rundweges liegt im Naturschutzgebiet „Teichgebiet Wismar-Kluß“

Bald darauf kommt man am Jungfernsee vorbei und zurück in die Stadt. Man sollte um diese Jahreszeit nicht gerade die besten Schuhe anziehen, denn der Weg ist oft sehr matschig. Es ist trotzdem ein schöner Spaziergang, um die Natur zu genießen und ein wenig abzuschalten.

 

 

Advertisements

Tourkarte Marokko

Dies sind die Routen, auf denen wir schon in Marokko unterwegs waren:

Tourkarte Marokko

 

 

Immouzer

Paradise Valley

Eine andere Tagestour mit dem Mietauto führte uns zur Bergoase Immouzer, im Hohen Atlas gelegen. Der Ort heißt eigentlich Imouzzer des Ida-Outanane. Nimmt man von Agadir aus den Weg über Aourir und folgt dann der Beschilderung nach Immouzer, erreicht man ziemlich schnell die ersten Ausläufer des Hohen Atlas und man fährt durch eine spektakuläre Landschaft, über Berge und durch Täler. Der Höhepunkt der Tour ist wohl die Durchfahrt durch das Paradise Valley, das Paradiestal. Die Straße, die teilweise keine mehr ist, weil sie vom Wasser weggespült wurde, schlängelt sich immer am Bach entlang durch das sehr enge Tal. Die hellen Felswände aus geschichtetem Sandstein ragen fast senkrecht gen Himmel. Vereinzelt stehende Palmen, Bananenstauden und Oleander sorgen für das Paradiesfeeling. Nach jeder Kurve zeigt sich eine andere Seite des Tales. Die Straße ist oft so eng, dass kaum zwei PKW´s aneinander vorbeikommen. Im Hotel wird die Fahrtzeit mit einer Stunde angegeben, dazu diese enge Straße, das kann nicht der Weg sein, den die Reisebusse nach Immouzer nehmen. Diese Strecke ist zwar nur knapp 50km lang, aber man braucht gut und gerne zwei Stunden dafür. Es ist eine wirklich kurvenreiche, aber sehr schöne Strecke.

Blick von der Auberge Panoramique

Das letzte Teilstück der Straße nach Immouzer führt wieder oben an den Berghängen entlang, teilweise mit engen Passagen und steilen Kurven. Oft gibt es keinen Randstreifen, keine Brüstung, und der Berghang fällt steil ab. Jetzt im Januar gab es nicht viel Gegenverkehr, aber wenn, dann wird es gefährlich.
An einer wirklich idyllischen Ecke zwischen dem Paradise Valley und Immouzer hat sich jemand angesiedelt und betreibt dazu ein kleines Hotel „Auberge Panoramique“ mit angeschlossenem Panorama-Restaurant, sowie eine Imkerei. Die vielen bunten Blumen, eine Augenweide in dem ewigen rot-braun-grün der Landschaft, versprühen ihren Duft. Es ist ein perfekter Ort für Ruhe suchende Naturliebhaber.

Olivenhain in Immouzer

Dann endlich erreicht man die auf der Höhe gelegene, neue Stadt Imouzzer des Ida-Outanane. Wir wollten aber zu den Wasserfällen „Les Cascades“, mit denen Immouzer wirbt. In den Prospekten wird ein Bild der Bergoase gezeichnet, welches den Touristen suggeriert, unbedingt dorthin fahren zu müssen. Es würde Wasser im Überfluss geben. Deswegen waren wir gekommen.
Um den Wasserfall zu erreichen, muss man am anderen Ende der neuen Stadt wieder hinunter ins Tal, über eine noch engere Straße als schon bis hierher. Im Tal liegt die wirkliche Bergoase. Das Auto stellten wir auf dem „freiwillig“-kostenpflichtigen Parkplatz ab, der sich in einem alten Olivenhain befindet. Wasserrinnen und alte Mauerreste zeigen an, dass hier wohl einmal der Ursprung der Oase lag.

Wasserfall von Immouzer

Durch diesen Olivenhain muss man hindurch, um zum Wasserfall zu gelangen. Ungefragt schließen sich einem wieder selbsternannte Führer an. Wer sich alleine nicht traut, den Weg zum Wasserfall zu suchen, der sollte diesen Dienst annehmen. Es ist jedoch durchaus möglich, alleine auf den angedeuteten Trampelpfaden zum Ziel zu kommen.
Nach einem etwa 5-minütigen Fußweg erreicht man den Wasserfall. Man hört es zwar rauschen, aber als wir den Wasserfall erreichten, kam da kein Tropfen Wasser herunter. Es ist nur ein steinerner Vorhang zu sehen, der sich im Laufe einer langen Zeit durch den Kalk im Sandstein gebildet hat. Damit die Enttäuschung nicht zu groß wird, hat man sich für diese Kalksteinformation den Namen „Brautschleier der Fatima“ ausgedacht, was die Situation aber nicht besser macht.
Am Fuße des Wasserfalls gibt es allerdings Wasser. Es kommt aus einem Wasserschlauch, den man wohl von einer Quelle aus nach dorthin verlegt hat.

im Dorf Immouzer

Wir suchten uns also einen Weg zurück ins Dorf und erkundeten es ein wenig. Viele Touristen streifen wohl nicht durch die Gassen und Wege. Stellenweise sieht es aus, als hätte sich seit Jahrhunderten nichts mehr getan. Ursprüngliche Wege, Wasserrinnen, Tore, Lehmhäuser und kleine Felder prägen das Bild des Dorfes.

ausgetrocknetes Flussbett

Unweigerlich kommt man wieder zum steinigen Flussbett, welches seinen Ursprung am Pool des Wasserfalls hat. Dann kann man erst einmal für einen Kaffee oder Minztee auf der Terrasse des Hotels „Amalou“ einkehren und die Landschaft auf sich wirken lassen, bevor man sich auf den Weg zum Pool macht.
Man kann über die Steine im Flussbett steigen, bis große Felsbrocken den Weg versperren. Dann muss man links am Restaurant einen kleinen Hang hinaufklettern und dem Weg weiter zum Pool folgen. Souvenirstände säumen den Weg bis dahin. Es gibt wohl auch einen bequemeren Weg am Flussbett entlang, aber der Eingang zu diesem Weg muss erst einmal gefunden werden.

unterer Pool des Wasserfalls

Hat man es dann geschafft, steht man vor einer schönen Kulisse, die die Natur geschaffen hat und man erkennt, dass es eigentlich zwei Pools sind. Man muss allerdings etwas klettern, um den oberen Pool zu erreichen. Einheimische klettern die Felswände noch weiter nach oben, um in diesen Pool zu springen. Es ist weniger das Erlebnis des Springens in das kalte Wasser, als das Hoffen auf einen Obolus von den umstehenden Zuschauern. Fotografiert man die Springer, wird dieser Obolus eingefordert.
Es reicht aber auch, das Naturerlebnis am unteren Pool zu genießen. Das Quellwasser aus dem erwähnten Wasserschlauch fließt in einem dünnen Schleier aus dem oberen Pool über die Grünpflanzen der Felswände, die den unteren Pool säumen, herab.
Im März soll dann endlich wieder Wasser den Wasserfall hinunterstürzen, wenn es genug geregnet hat. Der Winter ist Regenzeit in Marokko. Wir sind etwas skeptisch, ob es in diesem Jahr klappt.

zurück nach Agadir

Um nach Agadir zurück zu kehren, mussten wir erst einmal die schmale steile Straße wieder in das neue Dorf Immouzer des Ida-Outanane hinauf. Etwas später teilt sich die Straße. Da wir auf keinen Fall wieder die gleiche Straße zurückfahren wollten, bogen wir nach links ab. An der Einmündung stand ein Polizeiposten. Den fragten wir, ob diese Straße besser wäre, als die, die wir gekommen waren. Er bestätigte das und wir nahmen die gut 20km längere Strecke über Amskroud. Sie ist wesentlich entspannter zu befahren, wesentlich besser für Reisebusse geeignet, und die Zeitvorgabe von einer Stunde Fahrt kann auch eingehalten werden. Außerdem sieht man noch einen weiteren Teil der Agadirer Umgebung.

Tagesfahrt Essaouira

Kaffee NusNus

Mit dem Mietauto unternahmen wir eine Tagesfahrt nach Essaouira, der „weißen Perle am Atlantik“, wie die Stadt auch beschrieben wird. Schon die Fahrt dorthin, von Agadir aus, ist ein Erlebnis. Die Straße führt fast immer an der Küste entlang, meistens zumindest in Sichtweite davon.
Einen ersten Stopp legten wir in Aourir ein. Im Ort gibt es nicht viel zu sehen, aber der Strand lohnt einen Besuch. Der Sandstrand ist fast menschenleer. In dem Restaurant „La plancha du rocher“ wird der marokkanische Kaffee NusNus serviert. Er schmeckt so gut wie er dekorativ aussieht, allerdings ist er wohl mit 3,60€ der teuerste kleine Kaffee, den man bekommen kann.

Strand bei Aourir

Gleich hinter dem Restaurant erstreckt sich bis hoch an die Hauptstraße ein großer Campingplatz. Hier hat man Ruhe, ist direkt am Strand, aber der Wind pfeift wohl die meiste Zeit über ihn hinweg.
Südlich des Badestrandes schließt sich der Surfstrand an. Zwischen beiden Stränden steht der Devils Rock im Wasser. Der kleine Felsen, auf dem noch die Grundmauern eines alten Gebäudes zu erkennen sind, ist jedoch nur bei Ebbe halbwegs trockenen Fußes zu erreichen.

Küstenstraße

Die Küstenstraße schlängelt sich nun immer am Wasser entlang. Die Landschaft wird immer trockener, obwohl man sich Richtung Norden bewegt. Dann kommt man am Tamri Nationalpark vorbei, wo die Landschaft etwas grüner, als in der Gegend üblich, ist. Die Einheimischen lassen hier ihre Ziegen, Schafe oder auch Kamele weiden.
Kurz hinter dem Nationalpark schwenkt die Straße ins Landesinnere ab, um eine Flussmündung zu umgehen. Palmen, Schilf und Kakteen bestimmen das Bild zu beiden Seiten des Flusses.
Wo die Straße in die Berge abbiegt, sind Sanddünen direkt an der Küste zu erkennen. In dem schmalen Streifen zwischen Straße und Wasser leben einzelne Berberfamilien in meist dürftigen Unterkünften.

Direktvertrieb

Nach ein paar Kilometern am Fluss entlang führt die Straße zurück Richtung Küste, ehe sie wieder nach Norden abbiegt. Nun fährt man durch eine hügelige Landschaft, bis sich die Straße über eine Bergkette windet. Die vorherrschenden Bäume sind auch hier die Arganbäume. Mehrere Ortschaften sind mit der Straße verbunden, in denen das Hauptthema Arganöl ist. Für uns neu war, dass es auch Arganhonig gibt. Eine Spezialität ist Arganhonig mit ganz vielen gemahlenen Mandeln vermischt. Nicht nur in den teuren Geschäften werden die Arganprodukte verkauft. Viele Erzeuger verkaufen sie auch direkt am Straßenrand an die vorbeikommenden Autofahrer. Auch wir hielten auf der Rückfahrt bei einem der Straßenverkäufer an und probierten verschiedene Sachen. Wir kauften ihm ein Glas Arganhonig und ein Glas Arganhonig-Mandel-Mischung ab und bekamen dafür zu dem sowieso schon günstigen Preis noch einen Rabatt. Das Arganöl ist nicht unser Geschmack.

Ziegen im Arganbaum

Was uns sehr freute war, dass wir endlich einmal die berühmten Ziegen in den stacheligen Kronen der Arganbäume sehen durften. Diese Ziegen sind richtige Kletterkünstler. Argannüsse sind ihre Lieblingsspeise.

Fort Essaouira

Nach 175km kamen wir in Essaouira an. Wir stellten das Auto direkt am Hafen ab. Die Tagesgebühr für den Parkplatz beträgt umgerechnet 2,50€. Als wir diese bezahlt hatten, kamen gleich zwei weitere Männer, die ebenfalls Geld von uns kassierten, für was auch immer.

Werftgelände

Zuerst lenkten wir unsere Schritte zur Werft. Dort wird gleichzeitig an mehreren der traditionellen Fischereischiffe gewerkelt, Aufbauten reparieren, Planken ausbessern usw. Wir hatten das Gelände noch gar nicht betreten, als wir auch schon wieder einen Mann an unserer Seite hatten, der uns ungefragt Erklärungen gab. Als wir merkten, was Sache war, bedankten wir uns bei ihm und wollten gehen. Er blieb jedoch hartnäckig und wir mussten ihm seinen Obolus bezahlen. Wir haben noch gut unseren Besuch in der Werft Agadirs von unserer früheren Reise im Gedächtnis und brauchten keine weitere Führung. Gleich zweimal Abzocke in zehn Minuten, na das kann ja heiter werden.

Garküche im Fischereihafen

Jetzt setzten wir unseren Weg alleine fort und besichtigten die Hafenfront des alten Forts, den Fischereihafen und die Mole. An mehreren Ständen wird der frische Fang des Tages verkauft, den man sich auch gleich in einer der kleinen Garküchen grillen lassen kann. Die Preise erschienen uns für marokkanische Verhältnisse allerdings recht hoch.

Vom Kopf der Mole aus sieht man eine kleine Insel mit Ruinen darauf. Sie heißt „kleines Essaouira“. Heute wohnt dort niemand mehr. In der Bucht vor dem langen Sandstrand der Stadt liegt eine weitere Insel namens Mogador. Sie wurde schon zur Zeit der Phönizier bewohnt, seitdem wechselten sich die Nationalitäten ab. Irgendwann war sie wohl auch eine Gefängnisinsel. Inzwischen wird sie kaum mehr betreten und ist ein Naturreservat.

Auslage des Fisch-Grills

Durch das Bab el Marsa, welches zum Fort gehört, betraten wir die Medina von Essaouira. Das heißt, zuerst betritt man einen großen freien Platz, der links von der alten Fortmauer begrenzt wird, rechts befindet sich ein kleiner Park. Ein kleiner Fischgrill davor lockt Gäste mit seiner gut ausgestatteten Auslage. Die verschiedensten Fischarten, von der Sardine bis zur Muräne, Meerestiere wie Seeigel und Tintenfische, mehrere Garnelenarten und große Krabben laden zur Einkehr ein. Der Preis stimmte auch und so nahmen wir Platz, nachdem wir uns ein paar Delikatessen ausgesucht hatten. Dazu wurden Brot und Salat gereicht. Es dauerte ziemlich lange, bis wir den gegrillten Fisch bekamen. Als es dann soweit war, war die Enttäuschung bei uns groß. Genauso wie bei den Garküchen war auch hier alles verbrannt und so trocken, dass kaum noch etwas zum essen übrig war. Das war einfach nur schade um die guten Tiere. Wir waren nur froh, dass wir nicht soviel dafür bezahlt hatten. Marokkaner können anscheinend keinen Fisch grillen, denn auch in den Garküchen am Fischereihafen Agadirs kommt alles verbrannt auf die Teller.

Medina Essaouira

Enttäuscht stürzten wir uns nun in die Gassen der Medina. Die vorherrschenden Farben Essaouiras sind weiß und blau. Viele Cafés, Restaurants und Hotels buhlen um Gäste. Lederwaren, Holzschnitzereien und Arganprodukte sind die vorherrschenden Waren, die verkauft werden.
Die Medina ist nicht sehr groß und so verließen wir sie bald wieder durch eines der großen Stadttore. Ein frisch gepresster Zuckerrohrsaft mit ein wenig Limette und Ingwer stillte unseren Durst. Es ist und bleibt unser Lieblingsgetränk, nachdem wir es in Indien zum ersten Mal probiert hatten.

typische Küstenlandschaft

Nach einem kurzen Blick über den sehr weitläufigen Sandstrand Essaouiras fuhren wir den gleichen Weg zurück nach Agadir, den wir gekommen waren.
An dieser Stelle möchte ich warnen: Bitte auf keinen Fall zu schnell fahren! In Marokko stehen alle paar Kilometer Polizeiposten. Ihre Hauptaufgabe sind zwar Fahrzeugkontrollen im Kampf gegen Drogen- und Waffenschmuggel, aber auch Geschwindigkeitskontrollen. Jeder Verstoß wird mit umgerechnet 15,-€ Bußgeld bestraft. Neben festen Radargeräten wird aber auch gerne mit Radarpistolen aus der Deckung heraus gemessen. Meistens wird sofort kassiert, es kann aber auch sein, dass erst der nächste Posten, wie bei uns in sechs oder sieben Kilometern, das Bußgeld einfordert. Obwohl kaum bewiesen werden kann, ob wirklich der richtige Geschwindigkeitssünder gestoppt wurde, ist eine Diskussion eher zwecklos. Dabei ist es überhaupt nicht einfach, der zahlreichen, nicht immer eindeutigen Beschilderung zu folgen.

Quarzazate – Marrakesch

Passstraße über den Hohen Atlas

Um nach Marrakesch zu gelangen, mussten wir ein weiteres Mal den Hohen Atlas in vielen Kurven überqueren. Diesmal ging die Fahrt über den verschneiten Paß „Col du Tichka“, der auf einer Höhe von 2260m liegt. Noch einmal machten wir Bekanntschaft mit Schnee in Marokko und genossen den Blick über die Berge des Hohen Atlas.

im Färberviertel

Wir konnten uns an dem Schnee und der Schönheit des Hohen Atlas gar nicht satt sehen. Gegen Mittag kamen wir in Marrakesch an. Nachdem wir im Hotel Club Les Idrissidres eingecheckt und zu Mittag gegessen hatten, fuhr uns der Bus zur Medina von Marrakesch. Ihr galt am heutigen Nachmittag unsere ganze Aufmerksamkeit. Zuerst schlenderten wir durch das Färber- und Weberviertel, besichtigten den Innenhof eines Riads, welches einem Amerikaner gehört und der daraus ein Hotel gemacht hat, und kamen an verschiedenen Läden vorbei. Wunderschöne Kleider, mit Schmucksteinen und goldenen Borden verziert, wie aus 1001 Nacht entlehnt, strahlen aus vielen Schneidereien. Leider kann ich kein Beispiel zeigen, da uns das fotografieren versagt wurde.

Arganölmühle

Nach einer ganzen Weile betraten wir eine Apotheke, die einer Kooperative angehört. In witziger und sehr kurzweiliger Form erklärte uns der Inhaber die Wirkung der verschiedenen Kräuter und Gewürze und erklärte, was es mit dem Arganöl auf sich hat. Von unserer früheren Reise wussten wir schon, dass die Arganbäume ausschließlich bis 60km Umkreis (Luftlinie) um Agadir herum wachsen, sonst nirgendwo auf der Welt. Nur hier wird das Arganöl produziert. Es ist eine sehr mühsame Arbeit, die sich letztendlich auch im Preis niederschlägt. Das Öl hat sehr viele gesunde Inhaltsstoffe, leider ist es nicht unser Geschmack. Wir mussten auch hier nichts kaufen, aber es ist unglaublich, dass wirklich für jedes Zipperlein ein Kraut gewachsen ist. Westliche, zudem überteuerte Medizin ist so gut wie überflüssig. Dahinter bin ich schon seit einiger Zeit gekommen, deshalb verwende ich fast nur noch Teebaumöl, Aloe Vera und Tees. Da wir schon mehrfach gehört haben, dass Schwarzkümmel sehr gut ist, um die Atemwege freizumachen, nahmen wir davon etwas mit nach Hause. Dort ausprobiert, entfaltete es sehr schnell seine Wirkung. Das war eine gute Ausgabe.
Fast alle Teilnehmer kauften das marokkanische allround-Gewürz Ras el Hanout, welches wir auch schon mehrfach nachgekauft hatten.

Delikatesse Schafskopf

Endlich kamen wir zum Höhepunkt der ganzen Rundreise, dem Jemaa el Fna, oder auch Gauklerplatz oder Platz der Geköpften. Schon bei unserer ersten Reise nach Marrakesch hatten wir den Platz besucht, nun waren wir ein zweites Mal da.
Als wir auf dem Platz eintrafen, waren die Garküchen schon aufgebaut. Zuerst hatten wir Durst und kauften uns einen frisch gepressten Orangensaft. Klaus hatte sich aber seit Jahren schon vorgenommen, irgendwann einmal einen Schafskopf zu essen. Damals kam das organisierte Abendessen dazwischen. Diesmal suchten wir uns einen der zahlreichen Stände aus, die Schafskopf anbieten, und bestellten einen halben davon. Wir dachten, dass wir die Hälfte eines der ausliegenden Schafsköpfe auf den Teller bekämen, aber so ist es nicht. Die Köpfe werden in großen Kesseln gegart und der Verkäufer löst dann alles essbare vom Schädel, um es kleingeschnitten zu servieren. So landen Hirn, Zunge, Backen und Ohren auf dem Teller. Die Augen werden vorher entfernt und nicht mit serviert. Man muss es einmal probiert haben, aber zum Lieblingsgericht wird Schafskopf dann doch nicht.

Jemaa el Fna

Uns blieb viel Zeit, um das abendliche Treiben auf dem Jemaa el Fna zu erleben. Noch nach Jahrhunderten hat der Platz nichts von seiner Faszination verloren. Noch immer kommen Unmengen von Einheimischen und Touristen, um den Geschichtenerzählern zu lauschen, den Schlangenbeschwörern und verschiedenen Künstlern zu folgen oder sich mit allerlei Hausmittelchen einzudecken. Die rot gekleideten Wasserträger verdienen sich ihr Geld heute eher als Fotomotive. Nach eineinhalb Stunden inmitten verschiedener Musikrichtungen, der Gerüche und Tätigkeiten, die auf einen einströmen, wird die Wahrnehmung ganz schön auf die Probe gestellt.
Man kann sich das Treiben auch von einem der Panorama-Restaurants von oben ansehen, allerdings nur als Kunde. Nur mal gucken ist nicht.

Dar es-Salam

Das Abendessen nahmen wir im Dar es-Salam ein. Das ist ein altes und berühmtes, sehr prächtiges Restaurant. 1956 drehte Alfred Hitchcock in diesen Räumen seinen Film „Der Mann, der zu viel wusste“. Das marokkanische Essen ist sehr gut. Den Abend beschloss eine orientalische Folkloreshow.

Zeitig am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Bus zurück nach Agadir, um die gebuchte Badewoche anzutreten und uns von der doch anstrengenden, aber sehr schönen und interessanten Rundfahrt auszuruhen. Noch einmal vielen Dank an unseren tollen Reiseleiter Abdullah Mazza von Meeting Point Morocco.

Erfoud – Tinerhir – Quarzazate

Saadier-Zisternen

Auf dem Weg zwischen Erfoud und Quarzazate sind manchmal merkwürdige Erhebungen in der Landschaft zu finden, mal mehr, mal weniger viele. Bei näherer Betrachtung befinden sich in der Mitte der Erhebungen schmale, tiefe Löcher. Dies sind ehemalige Zisternen aus der Saadierzeit. Sie stammen also aus dem 16.-17. Jahrhundert und wurden noch lange instandgehalten. In Zeiten, als es mehr Wasser in der Wüste gab, wurde das Regenwasser mit Hilfe solcher Zisternen aufgefangen. Heute sind sie ausgetrocknet und verfallen.

Berberzelt

Es scheint jedoch immer noch im Untergrund Wasser zu geben, denn gerade an solchen Stellen wurden mehr Brunnen als anderswo gebohrt. Deshalb halten sich nomadisierende Berberfamilien in ihren Zelten in der Nähe der Zisternen auf. Man findet diese Familien aber auch überall sonst in Südmarokko, solange sie dort Wasser finden. Sie leben zumeist von ihren Ziegen oder Kamelen, die sie bei Bedarf verkaufen. Viel brauchen die Nomaden nicht zum Leben.

Tinerhir

In Tinerhir legten wir eine Pause ein, um uns auf dem Markt mit Proviant zu versorgen, welcher später für ein Picknick dienen soll. Der Markt gruppiert sich um einen kleinen Häuserblock im Zentrum der Stadt und bietet alles, was man zum Leben braucht. Die Stadt selbst scheint recht schön zu sein. Mehrgeschossige Häuser im Berberstil, die Fassaden besitzen den typischen roten oder braunen Ton der marokkanischen Erde, dominieren das Stadtbild.

In Tinerhir bog der Bus für einen Abstecher nach Norden ab, immer am Qued Todra entlang. Zuerst ist das Tal eine weite Flussoase, aber mit jedem Kilometer weiter nach Norden verengt sich das Tal. Oberhalb des Ortes Ait Snan hat man einen tollen Blick über die südlichen Ausläufer des Hohen Atlas, die Flussoase und den Ort.

Flussoase Qued Todra

Qued Todra

Immer weiter schlängelt sich die Straße durch das Qued Todra, stetig an Höhe gewinnend. Einige Kilometer weiter setzte uns der Bus vor dem Eingang zur Todra-Schlucht ab. Die Felswände steigen senkrecht 300m in die Höhe, die Talsohle liegt auf ca. 1400m über dem Meer. Vor dem Eingang in die Schlucht laden Cafés und kleine Restaurants zur Einkehr ein. Wir packten unseren Proviant vom Markt in Tinerhir aus und suchten uns ein Plätzchen am klaren Wasser des Flüsschens. Ein wenig Brot, Käse, gebratene Würstchen und eine Orange, nichts aufregendes, aber in dieser supertollen Landschaft schmeckte es wie das Mahl eines Kaisers.

Todra-Schlucht

Nach der Stärkung starteten wir unseren Spaziergang ein Stück weit in die enge Schlucht hinein. Die Felswände stehen so eng, dass kaum ein Sonnenstrahl den Boden erreicht. Die allgegenwärtigen Straßenverkäufer stürzen sich auf jeden, der in die Schlucht kommt, aber ein paar hundert Meter weiter kann man sich ganz auf die Schönheit der Todra-Schlucht konzentrieren. Es ist ein unglaublich schönes Stück Land in Marokko. In einer Biegung schmiegt sich ein Hotel an die Felswand, im Winter ist es geschlossen. Ganz weit oben sind hier und dort Kletterer zu beobachten, für die das hier ein Paradies ist. Uns blieb genügend Zeit, das alles zu genießen und den Aufenthalt mit einem Minztee zu beschließen.

Hoher Atlas

Nun ging die Fahrt nach Quarzazate weiter, fast immer mit dem Blick zu den verschneiten Gipfeln des Hohen Atlas. Der Himmel war endlich wolkenlos und blau. Bei Boumalne Dadès trafen wir auf das Qued Dades, dem wir mehr oder weniger nah bis nach Quarzazate folgten. Kurz vor der Stadt breitet sich linker Hand eine große Talsperre aus, die vor allem das Wasser des Dades speichert.

kunstvolle Schilfdecke

Quarzazate ist das Hollywood Marokkos. Vieles ist nur Schein statt Sein, aus Pappmaschee statt Stein. Zuerst besichtigten wir die Kasbah de Taourirt, am östlichen Stadtrand. Sie ist kein Schein, sondern eine der eindrucksvollsten Kasbahs, die zu besichtigen sind. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und ist bis heute bewohnt. Ein Teil der Wohnburg kann besichtigt werden. Endlich durften wir uns solch eine Kasbah von innen ansehen. Von den allermeisten Lehm-Kasbahs sind heute nur noch Ruinen übrig und wir haben uns schon gefragt, wie es dort drinnen ausgesehen haben mag. Nun hatten wir die Gelegenheit, einen Blick in das Innere einer Kasbah zu werfen.

Blick aus dem Fenster

Die Räume sind klein, die Fenster auch, schmale Treppen und noch schmalere Gänge führen durch das Haus, gezielt gesetzte Löcher im Mauerwerk übernehmen die Funktion der Klimaanlage. Die Wände sind aus Lehm, die tragenden Deckenbalken bestehen aus Zedernstämmen, verstärkt mit Olivenholz, kunstvoll verlegtes Schilfrohr bildet den Unterbau für die Fußböden. Eigentlich ist solch eine Kasbah eher ein mehrstöckiges Labyrinth aus Räumen. Repräsentative Räume wie Wohn- oder Empfangsräume sind prächtig mit bunten Fliesen, Stuck und buntbemalten Zedernholzdecken ausgeschmückt. Der Besuch der Kasbah de Taourirt war sehr interessant.

Hotel „Farah al Janoub“

Am Abend bezogen wir unsere Zimmer im Hotel „Farah al Janoub“. Von außen ist dieses Hotel ziemlich hübsch, aber innen ist die Zeit wohl seit dreißig Jahren stehen geblieben, dazu funktionierte fast nichts. Sowohl das Hotel als auch der Service lassen sehr zu wünschen übrig, was sich auch in den vernichtenden Kritiken unserer Bewertungen der Rundreise niederschlug.
Nach dem Abendessen schlenderten wir noch eine Weile durch die nähere Umgebung. Es war die letzte Nacht unserer Rundreise, bevor es morgen zurück nach Marrakesch geht.

Atlas Corporation Studios

Quarzazate war eine alte Karawanenstadt. Viele Karawanen machten hier Zwischenstation auf dem Weg nach Tombouctou, bei uns besser bekannt als Timbuktu, im heutigen Staat Mali. 52 Tage brauchten die Kamele, um den Weg dorthin zu bewältigen. Heute ist Quarzazate eine Filmstadt. Mehrere Filmsets sind rund um die Stadt verteilt. Filme wie „Gladiator“, „Das Jesus-Video“ oder „Der Medicus“ wurden hier gedreht. Die Atlas Corporation Studios, kurz Atlas Studios, sind am nordwestlichen Rand von Quarzazate zu finden. Zwei große Filmklappen kennzeichnen die Einfahrt, den etwas entfernt liegenden Eingang in der umschließenden Mauer zieren mehrere Pharaonen-Statuen aus Pappmaschee.

Kasbah Ben-Haddou

30 Kilometer in Richtung Marrakesch befindet sich die Kasbah Ben-Haddou. Niemand weiß, seit wann es diese Kasbah gibt. Sie ist zwar immer noch teilweise bewohnt, aber eigentlich dient sie nur noch als berühmte Filmkulisse. Nur deshalb werden die Lehmbauten immer wieder instandgehalten. Seit 1962 wurden Filme wie „Lawrence von Arabien“, „Jesus von Nazareth“ oder „Die Jagd nach dem Juwel vom Nil“ in den Mauern gedreht. Nachdem Touristenströme den Verfall der Lehmstadt immer mehr beschleunigten, ist eine Besichtigung heute nicht mehr möglich. Man kann die Kasbah Ben-Haddou nur noch aus der Entfernung betrachten.

Fes – Ifrane – Midelt – Erfoud

Schnee in Marokko

Nach dem Besuch der Königsstädte Marokkos hatten wir die Kultur hinter uns gelassen. Nun wird die Aufmerksamkeit auf der Natur Marokkos liegen und es geht in den wärmeren Süden. Wir verließen Fes und fuhren nach Ifrane. Der Ort liegt im Mittleren Atlas. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch Steineichen- und Zedernwälder. Die Straße schlängelt sich immer höher die Berge hinauf und je höher wir kamen, umso weißer wurde es. Seit drei Tagen schneite es in Marokkos Gebirgen. Ifrane liegt 1650m hoch und ist das Wintersportgebiet des Landes. Bei unserem Besuch lag aber nicht nur ca. 15cm hoher Schnee, sondern es regnete auch noch dazu. Wir bekamen also wieder einmal Wasser von oben und von unten.

Ifrane

Ifrane, auch Universitätsstadt oder Sommerfrische für die Einheimischen, lockt jedoch nicht nur mit seiner Landschaft, sondern auch mit seiner Architektur. Man glaubt seinen Augen nicht zu trauen oder irgendwie nach Europa gebeamt worden zu sein. Die Häuser sind im europäischen Baustil mit Satteldächern erbaut. Das kommt daher, dass die Franzosen Anfang des 20. Jahrhunderts Ifrane als Garnisonsstadt ausbauten und der Stadt damit den Stempel aufdrückten. Bis heute wird der Baustil in Ifrane und Umgebung beibehalten.
In Ifrane erinnert ein Löwen-Denkmal an den Abschuss des letzten freilebenden Berberlöwen im marokkanischen Atlasgebirge im Jahre 1920.

Hotel Kasbah Asmaa

Nach einer Teepause ging die Fahrt über Azrou und Rimahdite nach Midelt weiter, wo eine Mittagspause eingelegt wurde. Direkt an der Hauptstraße befindet sich das „Hotel Kasbah Asmaa“. Bisher hatten wir immer marokkanisch gegessen. Hier probierten wir die Atlasforelle, die in Alufolie gegart und mit verschiedenen Beilagen serviert wird. Es war ein gutes Essen.
Die Stadt Midelt liegt inmitten einer Steinwüste, in der Unmengen Mineralien, versteinerte Meerestiere und sogar Meteoriten gefunden und verkauft werden.

südlich des Hohen Atlas

Um das Tagesziel Erfoud zu erreichen, musste sich der Bus über ein weiteres Gebirge, den Hohen Atlas quälen. Obwohl der Hohe Atlas höhere Berge besitzt als der Mittlere Atlas, lag in dem Teil des Gebirges keine Schnee. Zu unserer Freude riss jetzt, nach drei Tagen, auch die Wolkendecke auf und der Himmel wurde blau. Die Sonne strahlte endlich vom Himmel. Bisher hatten wir uns gefragt, wofür wir nach Marokko gekommen waren. Des Wetters wegen hätten wir genauso gut zu Hause bleiben können.

Qued Ziz

Dreimal Berg hoch, dreimal Berg runter, dann hatten wir den Hohen Atlas überquert und es schloss sich eine weite und flache Steinwüste an, in der einzelne Berber-Siedlungen verstreut liegen. Der schönste Teil dieses Streckenabschnitts führt immer am Qued Ziz entlang. Der Fluss Ziz schlängelt sich in einem romantischen Tal durch die Landschaft. Bunte Felsformationen, Dattelpalmen und Dörfer wechseln sich ab. Hin und wieder sieht man pastellfarben angemalte Gebäude und Mauern. Wie sich herausstellte sind dies Schulen. Die zarten Farben erfreuen die Augen und bilden einen schönen Kontrast zu den einheitlichen Erdfarben, in denen alles andere erscheint.
An verschiedenen Stellen des Qued Ziz hielten wir, um die Schönheit des Canyons zu bewundern.

Beispiel für die Berbersprache

Immer öfter tritt die Schrift der Berber in Erscheinung. Das Erscheinungsbild der „Berberschift“ Tifinagh ähnelt dem der griechischen Schrift. Allerdings taugt die Schrift nicht für lange Texte, sondern wird eigentlich nur für Namen und kurze Mitteilungen genutzt. Die Hauptschrift der Berber ist das Arabisch, daneben wird das Französisch verwendet. Die meisten Schilder an öffentlichen Einrichtungen sind also dreisprachig.

Kurz vor Erfoud liegt eine Wanderdüne mitten in der Steinwüste. Nach Angabe unseres Reiseführers existiert sie erst seit 8 Jahren und wächst seitdem.

Hotel Club Palms

Erfoud ist eine große Oase und als „Dattelstadt“ bekannt. Eine Besichtigung der Stadt stand nicht auf dem Plan. Wir übernachteten im weit vor der Stadt befindlichen Hotel Club Palms.

Es bestand hier die Möglichkeit eines Ausfluges zu den Sanddünen und dem Berberdorf von Merzouga, inkl. Kamelritt in den Sonnenuntergang. Normalerweise soll der Trip in den Sonnenuntergang gehen, aber zu dieser Jahreszeit kommt der Sonnenuntergang zu früh. Deshalb startet dieser Ausflug früh morgens um 4 Uhr, aber niemand wollte innerhalb dieser anstrengenden Rundreise so früh aufstehen. Wir mussten ohnehin schon jeden Tag zwischen 6 und 7 Uhr aus den Betten. Einen Kamelritt in den Sonnenuntergang durften wir vor Jahren schon einmal in Tunesien erleben, einen Ausflug in die roten Sanddünen Südmarokkos machten wir bei unserem ersten Besuch des Landes. Es war also kein großer Verlust für uns, diesen Ausflug nicht gemacht zu haben.

Fes

Vor der Stadtbesichtigung fuhr der Bus zu einem Aussichtspunkt nahe der Meriniden-Gräber in den Hügeln im Norden von Fes. Dort oben befinden sich alte Mauer- und Gebäudereste, denen wir jedoch keine weitere Beachtung schenkten. In den Sandsteinfelsen sind viele Höhlen auszumachen. Waren das einmal Felsenwohnungen? Die Gegend allein ist schon interessant, aber der Blick von dort oben über die Medina von Fes ist atemberaubend. In vielen Reiseführern wird geschrieben, dass die Stadt inmitten einer weiten Ebene liegt. Offensichtlich liegt sie eher auf sieben Hügeln, wie Rom oder Istanbul.

Panoramablick über Fes

Tor zur Medina

Nachdem wir uns einen Überblick verschafft hatten, setzte uns der Bus vor einem der zahlreichen Stadttore ab. Durch ein kleines, unbedeutendes Tor betraten wir die mittelalterliche Welt Fes el Bali, so vollkommen anders als die Welt außerhalb der alten Stadtmauer. Die Medina, so wie eigentlich alle arabischen Medinas, ist in viele Viertel aufgeteilt. Gleich neben einem Tor findet man eine Moschee, um die sich die Geschäfts- und Wohnhäuser gruppieren. Wird der Weg zur Moschee zu weit, gibt es wieder eine Moschee. Die alte Medina von Fes besitzt vierhundert Moscheen, die meist nur zu sehen sind, wenn man direkt vor dem Eingang steht. Knapp eine halbe Million Menschen sollen in der Medina Fes el Bali auf engsten Raum wohnen und arbeiten. Wie viele genau es sind, weiß niemand.

Mulitransport

Die Menschen leben wie eh und je von Handwerk und Handel. Der Transport der Waren erfolgt per Karren, Esel oder Muli durch die engen Gassen. Wenige Menschen besitzen einen Roller. Die Medina Fes el Bali ist wohl die älteste Medina der Welt. Sie hat schon manche Katastrophen wie Brände oder Erdbeben überstanden, weil sie so konstruiert ist, das es zu jeder Zeit Zugang zum Wasser gibt und sich die Häuser gegenseitig abstützen. Die Gassen sind zum Teil überdacht, was der Klimatisierung dient. Man kann die Medina wohl mit einem Ameisenhaufen vergleichen: alles hat seinen Platz und ist für etwas gut.

kunstvolle Elemente

Von außen ist den Fassaden nicht anzusehen, dass die meisten Häuser Atrien besitzen, um die sich die Wohnräume gruppieren. Diese Häuser werden Riads genannt. Manches Riad misst mehrere hundert Quadratmeter Wohnfläche. Solche großen Riads können sich aber nur reiche Bewohner leisten, manche wurden zu Hotels oder Restaurants umgebaut.
Wir liefen kreuz und quer durch die Medina Fes el Bali, sahen in die kleinen Läden und Handwerksstuben und staunten über die vielen kunstvoll gestalteten Details von Türen, Vordächern oder Toren. Uns fiel auf, dass es überall sehr sauber ist. Überall ist gefegt, es liegt nirgendwo Müll herum.

Gerberei

Irgendwann betraten wir durch eine winzige Türe ein Haus und erklommen die schmale Treppe zwei Stockwerke nach oben. Als wir um die Ecke kamen öffnete sich ein großer Raum mit Terrasse. Der Raum gehört zu einer Lederfabrik, die einer Kooperative angehört. Decken, Wände und Fußboden sind hinter Lederwaren verschiedenster Art nicht mehr zu sehen. Die Außenwand ist offen und als wir heraus sahen, erblickten wir das berühmte Gerberviertel Chuwwara. Der ganze große Hof ist mit gemauerten Bottichen bedeckt. Die Bottiche der linken Ecke sind weiß. In ihnen wird gegerbt, und zwar nicht mehr mit Ammoniak und Rinden, wie bis vor kurzem noch, sondern mit ungelöschtem Kalk und Taubenkot. Jetzt im Winter stehen die Männer mit Gummistiefeln in den Lösungen. Im Sommer, wenn es heiß ist, erledigen sie ihre Arbeit mit nackten Beinen. Eine dicke Ölschicht soll verhindern, dass die Haut zu sehr angegriffen wird. Die Häute von Ziegen und Schafen wird hierher geliefert und zuerst in den Bottichen mit der Kalklösung gegerbt, mehrere Tage lang.

letzte Säuberung der Häute

Anschließend werden die gegerbten Häute gewaschen, später auf die verschiedenen Farbbottiche verteilt. Wie seit Urzeiten wird mit Naturfarben gefärbt. Auf meine Frage, ob die Arbeiter auch einmal ihre Arbeitsplätze tauschen, bekam ich ein Nein. Das heißt, ein Gerber darf nicht waschen oder färben oder umgekehrt. Ein Färber für Rot darf nie eine andere Farbe übernehmen, denn er hat keine Ahnung von einer der anderen Farben. Die Arbeiter machen ihr ganzes Leben lang den gleichen Job.

gelb gefärbte Häute

Wie es aussieht, wird erst nach dem Färben das restliche Fleisch von den Häuten gekratzt, für mich eigentlich unverständlich. Nochmal zu den Farben: alle Farben werden in den Bottichen angerührt, einzige Ausnahme macht das Gelb. Die Farbe Gelb wird aus Safran gewonnen. Da Safran sehr teuer ist, wird die Farbe sparsam mit Hand auf die Häute aufgetragen, die anschließend in der Sonne ausgebreitet trocknen.

Gerberviertel

Entgegen unserer Erwartung stinkt es nicht, wie überall zu lesen ist. Es kann nicht allein daran liegen, dass es im Winter nicht so warm ist. Jedenfalls roch es bei unserem Besuch kein bisschen unangenehm. Hängt das vielleicht mit dem Wechseln des Gerbmaterials und ein wenig mehr Sauberkeit zusammen?

Leder in allen Varianten

Nachdem wir den äußerst interessanten Erläuterungen eines Verantwortlichen der Lederfabrik gelauscht hatten, durften wir uns in den Verkaufsräumen umsehen. Man betonte, dass wir kaufen könnten, auf keinen Fall kaufen müssten. Tatsächlich hielten sich die Verkäufer wohltuend im Hintergrund und traten nur in Erscheinung, wenn man Interesse für etwas zeigte. Jacken, Taschen, Babuschen und vieles mehr stapeln sich in den vielen Räumen. Das Leder ist superweich und zum Teil sogar waschbar. Die Preise sind fair.

rekonstruierte Gasse

Nach dem Besuch des Gerberviertels spazierten wir weiter durch die Gassen der Medina, die zum Teil schon komplett restauriert wurden. Wenn restauriert wird, dann unbedingt im alten Stil, so dass das jahrhundertealte Gesamtbild nicht verändert wird. Das wird sehr genau überwacht und das ist auch richtig so. Wir entdeckten eine alte Karawanserei, in der heute Kunsthandwerk verkauft wird. Für den Häutemarkt blieb keine Zeit, aber wahrscheinlich ist das sowieso nichts für europäische Augen.

Restaurant Nejjarine

Am Nachmittag kehrten wir zu einer Teepause ins Restaurant Nejjarine ein. Unser Reiseführer meinte, dass dieses Restaurant von der 1. Restaurantfamilie in Fes geführt wird. Das Restaurant befindet sich in einem sehr schönen Riad, typisch marokkanisch. Der größte Speiseraum ist nach oben hin offen und drei Etagen hoch. Um ihn herum gruppieren sich kleinere Séparées. Leider geht es ziemlich laut zu, da viele Reisegruppen dieses Restaurant aufsuchen. Es ist allerdings auch nicht so groß, dass es unangenehm wäre.

Treppenhaus der Medersa El Cherratine

Das nächste Ziel war eine der Schulen in der Medina Fes el Bali. Die Medersa El Cherratine wurde im 17. Jahrhundert gebaut und bot als größte Schule ihrer Zeit Platz für 150 Schüler, die zum Teil zu dritt in winzigen Kammern schliefen. Kleine Fenster gibt es nur zum großen Atrium mit dem Brunnen in der Mitte oder zu den zwei offenen Treppenhäusern. Das Gebäude ist drei Etagen hoch und man kann sehr schön sehen, dass für die Ausgestaltung die drei traditionellen Baustoffe verwendet wurden: Gips, Zedernholz und die bunten gebrannten Keramikfliesen. Die Schule steht heute leer und wird als Museum genutzt.

im Handwerkerviertel

Seit Stunden waren wir in der Medina Fes el Bali unterwegs und es gab immer wieder neues zu sehen. Die Welt draußen war weit weg und wir fühlten uns inzwischen wie ein Teil der Altstadt im orientalischen Mittelalter. Die Handwerkssparten teilen sich jeweils eigene Viertel, die Drechsler, die Weber, die Messingwerkstätten usw. Dazwischen findet man immer wieder kleine Bäcker oder Lebensmittelhändler, die für die Versorgung im Viertel sorgen.

wunderschöne Leuchter

Das Abendessen nahmen wir wieder in einem Riad ein. Unser Reiseführer bog in eine sehr enge, dunkle Gasse ab: glatte, schmucklose Wände, hin und wieder eine kleine Türe, sonst nichts. Wir setzten unsere Schritte durch eine der kleinen Türen, durch die Licht schien. Ein paar Stufen führen in die Tiefe. Schwere Holztüren, Stuck und Mosaike bilden den Eingang in das typisch marokkanische Restaurant, von dessen Decken wunderschöne, große, fein ziselierte Messinglampen hängen. Leider weiß ich den Namen des Riads nicht. Das marokkanische Essen ist hervorragend und wurde mit dem gewohnten Minztee abgeschlossen, den es zu jeder Gelegenheit gibt. Gegessen haben wir von der blau-weißen Keramik, die in Fes hergestellt wird. Man findet diese Keramik in vielen Restaurants Marokkos.

Rohstoff für Agavenseide

Gestärkt und mit ausgeruhten Füßen steuerten wir das letzte Ziel in Fes an, eine Weberei. Hier stellte man uns vor allem die Agavenseide vor, von der wir noch nie etwas gehört hatten. Dafür werden die sehr starken Fasern aus den Agavenblättern gezogen und zu einem glänzenden Faden verarbeitet. Dieser kann in allen Farben eingefärbt und allein oder mit anderen Materialien im Mix verwebt werden. Die Endverarbeitung des Tuches entscheidet, wie weich es zum Schluss ist, von etwas fester bis kuschelweich. Es entstehen unglaublich schöne Tücher aus Agavenseide, die Ausgangsprodukte für Kleidungsstücke, Kissen oder was auch immer sind. Am besten zur Geltung kommen die Farben und Muster in den Tüchern selbst. Die Vielfalt und Schönheit der Tücher ist so groß, dass man sich nicht für eines entscheiden kann. Auch hier blieben wir frei in unseren Entscheidungen, niemand wurde zu etwas gezwungen oder von den Verkäufern belästigt.

Königspalast Fes

Es war ein langer Tag. Der Regen hatte heute fast aufgehört, so dass wir die Medina Fes el Bali in Ruhe und unter ein paar wärmenden Sonnenstrahlen erleben konnten. Durch ein anderes Tor, als wir die Medina betreten hatten, verließen wir dieselbe wieder, wo der Bus auf uns wartete. Als alle irgendwann im Bus zurück waren, fuhren wir zum Königspalast, wo wir noch ein paar Fotos schossen. Die großen bronzebeschlagenen Türen mit den typisch marokkanischen Mustern, die sich in die orientalischen Bögen einfügen, sind ein schönes Fotomotiv. Der Königspalast wird auch heute noch bewohnt, ist aber für die Öffentlichkeit geschlossen.

Zum Abschluss des Tages fuhr der Bus noch einmal an den nördlichen Rand von Fes, wo wir am Morgen schon waren, um den Panoramablick zu genießen. Diesmal fuhren wir noch weiter nach oben, auf die Hügelspitze. Vom dortigen Aussichtspunkt ist der Blick noch viel atemberaubender als schon am Morgen. Es ist ein unglaublich schöner Blick auf die Medina von Fes und die Hügellandschaft, in der sie liegt.

Voll mit den Eindrücken verschiedenster Art, die wir heute in Fes aufnahmen, kamen wir in das Hotel „Golden Tulip“ zurück. Fes ist für uns die schönste aller marokkanischen Städte. Die Lage, die schiere Größe der Medina, die Originalität, das seit Jahrhunderten fast unveränderte Leben, die Menschen, die Abwechslung, das alles ergibt ein einzigartiges Bild, welches wohl so nur in Fes zu finden ist.

Casablanca – Rabat – Meknes – Fes

Die Ursprünge der Stadt Casablanca gehen zwar auf das 8. Jahrhundert zurück, aber Altes hat Casablanca nicht zu bieten. Ein schweres Erdbeben, das sogenannte „Erdbeben von Lissabon“, zerstörte 1755 die Stadt, die bis dahin schon eine wechselvolle Geschichte hatte. Der Name Casablanca stammt von den Spaniern, die sich hier im 19. Jahrhundert niederließen. Es heißt übersetzt „Weißes Haus“ und der Name ist auch heute noch Programm. Über drei Millionen Einwohner zählt die Stadt.

Hassan-II.-Moschee

Wir besichtigten hier nur die Hassan-II.-Moschee, die sich direkt am Ufer der Casablanca Bucht erhebt. Sie wurde erst 1993 fertiggestellt und ist die fünftgrößte Moschee der Welt. Das Minarett ist gewaltige 210m hoch und damit das höchste der Welt. Ein Teil des Gebetsraum-Daches lässt sich bei Bedarf öffnen, indem die beiden Dachhälften nach den Seiten verschoben werden können. Die reich verzierten gewaltigen Tore des Hauptbaus sowie der Bogengang vor dem Haupteingang lassen uns Menschen ziemlich klein aussehen.
Zu dem großzügigen Komplex gehören auch ein Museum und eine Bibliothek.

Strandpromenade Casablanca

Nach der Besichtigung legten wir eine Teepause an der Promenade ein. Während die meisten Reisegäste zu einem Tee einkehrten, spazierten wir ein Stück die Promenade entlang. An den Strand gelangt man nur durch eines der vielen Lokale, kein freier Durchgang. In der Mitte liegt eine Art öffentliche Badeanstalt mit mehreren Pools. Es ist nicht unsere Vorstellung einer Strandpromenade. Am rechten Rand der Bucht ist der Leuchtturm durch die gischterfüllte Luft auszumachen.
Übernachtet haben wir im Le Zenith Hotel & Spa Casablanca. Da der Tag lang und anstrengend war, verließen wir das Hotel nicht, um uns ein wenig in der Umgebung umzusehen. Wie es aussah, gibt es da auch nicht wirklich viel zu erleben.

Königspalast Rabat

Am nächsten Morgen ging es schon weiter, nach Rabat. Rabat ist die heutige Königsstadt und Hauptstadt Marokkos. Zuerst fuhren wir zum Königspalast, der Teil eines riesigen umzäunten Parkgeländes ist, zu dem auch diverse Ministerien gehören. Um Pfützen hüpfend und über einen Wasserfilm laufend erreichten wir vom etwas entfernten Parkplatz den Königspalast. Man darf nicht allzu nah heran. So schossen wir nur ein paar Bilder von Gebäude und von den Wachen. Drei verschiedene Einheiten schieben zusammen Wache vor den Toren: die Polizei, die Armee und die Palastwache. Am äußeren Zaun entlang steht alle um die 75m ein Posten. Das ist nicht nur hier so, sondern um jeden Königspalast in Marokko, und davon gibt es viele, ob der König oder seine Familie sich nun in einem der Paläste aufhält oder nicht. Geld hat der derzeitige König Mohammed VI. ja genug, um das alles zu unterhalten. Mohammed VI. gibt jedoch sein Geld nicht nur für sich aus, sondern investiert intensiv in sein Land und seine Menschen. Es existiert kaum ein Bereich, den er nicht fördert, angefangen von der Bildung über Sozialwohnungen bis hin zur Wasserwirtschaft. Früh erkannte er das Dilemma mit dem knapper werdenden Wasser. Inzwischen halten 132 Talsperren quer durch´s Land das Regen- und Schmelzwasser aus den Bergen zurück, und es werden immer noch mehr. Der König ist bei seinem Volk so beliebt, dass er als einziger Herrscher den arabischen Frühling ziemlich unbeschadet überstand. Das hatte uns damals schon stutzig gemacht, jetzt wissen wir, warum das so ist. Ich bin schon wieder abgeschweift.

Mausoleum Mohammend V.

Sehenswert ist auch das Mausoleum von Mohammed V., dem Großvater des heutigen Königs. Unter der Herrschaft Mohammed V. erreichte Marokko die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien. Er starb 1961 in Rabat und fand in dem von seinem Sohn Hassan II. in Auftrag gegebenen Mausoleum seine letzte Ruhe. Inzwischen sind auch Hassan II. und sein Bruder neben ihrem Vater bestattet. Das Mausoleum ist ein Prachtbau aus weißem Marmor, mit vier Toren auf vier Seiten, reich verziert. Vor jedem Tor steht eine Wache in traditioneller weißer Kleidung. Das Innere ist noch viel prächtiger gestaltet, mit Stuck an den Wänden, Zedernholzdecke mit kleinen Fenstern, durch die ein wenig Tageslicht fällt, messingbeschlagenen großen Türen, und noch mehr Marmor. Auf einer umlaufenden Galerie kann man das Innere des Mausoleums auf sich wirken lassen.

Hassanturm

Direkt vor der großen Freitreppe sollte Ende des 12. Jahrhunderts eine Große Moschee entstehen. Als der damalige Herrscher und Auftraggeber starb, wurden die Bauarbeiten eingestellt. Die Moschee wurde nie fertig. Der Hassanturm ist nur halb so hoch, wie er einst werden sollte. Mit der Zeit verfiel die Moschee. Nur ein paar Ruinen und rekonstruierte Säulenstümpfe zeugen noch von dem Vorhaben.

Kasbah des Oudaia

Unbedingt besuchen sollte man die Kasbah des Oudaia in Rabat. Hoch oben, direkt auf der Spitze zwischen Hafen und Flussmündung stehen die mächtigen Mauern einer verborgenen Altstadt. Die Kasbah wurde im 12. Jahrhundert als Wehrfestung angefangen, später um Wohnhäuser, Palast und andalusischen Garten erweitert. Heute ist sie ein Ensemble, in dem man sich der realen Welt entrückt fühlt. Eindrucksvoll sind die weißen Häuser mit ihren blauen Akzenten. Vor allem im Winter hat man gute Chancen, in Ruhe durch die engen Gassen zu schlendern. Manche Wege sind steil und mit Stufen durchsetzt. Liebevoll gestaltete Ecken laden zum Verweilen und Staunen ein.

Blick nach Salé

Am Flussufer kann man in Ruhe einen Kaffee oder Tee genießen und sich frisches Gebäck schmecken lassen. Von der Terrasse aus schweift der Blick an der Kasbahmauer entlang zum Hafen. Am gegenüberliegenden Flussufer liegt Salé, die zusammen mit Rabat eine Zwillingsstadt bildet. Die Kasbah des Oudaia hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Nun setzten wir die Rundfahrt nach Meknes fort. Die Aussprache Meknes geht auf die Franzosen zurück. Die Araber nennen die Stadt Maknas. Wie wir erfuhren, werden fast alle „e“ im arabischen als „a“ gesprochen, wie zum Beispiel al (el), Fas (Fes), Arfoud (Erfoud) usw. Ich bleibe jedoch beim „e“, da die Ortsnamen auf den Karten alle französisch geschrieben stehen. Man möge mir verzeihen, ich möchte keine Verwirrung stiften.

Bab el-Khemis

Während wir mit dem Regen in Marrakesch und Casablanca noch etwas Glück hatten, kam er während unserer Rabat-Meknes-Fes-Tour den ganzen Tag in Strippen herunter. Dazu war es unangenehm kalt und windig. Regen bedeutet in Marokko eine ziemliche Sauerei, da viele Straßen und Wege kaum richtig befestigt sind. In den Löchern sammelt sich das Wasser, so dass wir von oben und von unten nass wurden. Dazu kam, dass es weder im Reisebus noch in den Hotels, die wir besuchten, wirklich warm wurde. Die Straßenverkäufer stellten im Handumdrehen von Sonnenbrillen auf Regenschirme um, die meisten schön kariert. Das nur am Rande.
Das erste Ziel in Meknes war ein kurzer Fotostopp beim Bab el-Khemis. Das große Tor wurde im 17. Jahrhundert erbaut und führte in das Judenviertel.

Bassin Souani

Als nächstes hielten wir am Bassin Souani, einem riesigen Wasserbecken. Es sollte Teil der neuen Palaststadt sein, denn im 17. Jahrhundert verlegte der damalige Herrscher den Königssitz von Fes nach Meknes. Die Palaststadt wurde jedoch nie vollendet. Übrig blieben das Wasserbecken und die Ruinen von Vorratsbauten sowie der ehemaligen königlichen Pferdeställe.

Bab al Mansour

Im Zuge der Entstehung der neuen Palaststadt Meknes entstand das Bab al Mansour. Es ist das beeindruckendste Tor der Stadt und das schönste Tor Marokkos. Es sollte den Übergang zwischen der alten Medina und der neuen Palaststadt durch die Stadtmauer ermöglichen.

Fleischer im Souk

Gegenüber des Tores liegt der Place Lahdim, in dessen linker Flanke sich die Zugänge zum Souk befinden. Der Souk ist nicht groß, dafür sehr überraschend. Neben dem wirklich tollen Angebot konnten wir einen Fleischer beobachten, der sich gerade an Rinderköpfen zu schaffen machte. Ich möchte hier aber nicht weiter ins Detail gehen, um nicht zart besaiteten Lesern den Appetit zu verderben. Schafs- und Ziegenköpfe werden gleich im Ganzen angeboten. Hätte ich mir das Treiben des Fleischers noch länger angesehen, hätte wahrscheinlich auch mein Magen rebelliert.

Das letzte Ziel des Tages war Fes, wo wir im Hotel „Golden Tulip“ abgesetzt wurden. Da es noch immer regnete und wir vollkommen durchgeweicht und frierend dort ankamen, beließen wir es für diesen Abend beim Abendessen, ohne noch einmal vor die Türe zu gehen. Wir werden sicher morgen Abend noch einmal die Möglichkeit dafür haben, denn wir bleiben zwei Nächte in Fes.

Marrakesch

Hotel Club Les Idrissidres

Zuerst fuhren wir, aus Agadir kommend, zum Hotel Club Les Idrissidres, in dem wir die erste Nacht verbrachten. Es liegt etwa eine Wegstunde von der Medina entfernt. Nach einem hervorragenden Abend- und Frühstücksbüffet begann die Rundfahrt mit ersten Besichtigungen in Marrakesch. Die Stadt ist eine der fünf Königsstädte. Im Laufe ihrer Geschichte hatte die Stadt mehrere Male die Funktion einer Königsstadt.

Marrakesch wird auch als Stadt aus 1001 Nacht bezeichnet, da in der riesigen Medina das Leben immer noch in altem Rhythmus abläuft. Außerdem sind noch viele Sehenswürdigkeiten aus alten Zeiten erhalten, die ihrer Entdeckung durch die Besucher harren. Den Namen „rote Stadt“ hat Marrakesch erhalten, weil die vorherrschende Farbe der Fassaden in der Farbe der sie umgebenden Erde erstrahlt. Das ist im gleißenden Licht der Sonne wesentlich angenehmer für die Augen als das sonst so beliebte Weiß.

Der „Menara-Garten“ aus dem 12. Jahrhundert ist eine 100ha große Anlage, die eigentlich eine Olivenbaumplantage ist. Zentraler Punkt des heutigen Stadtparks, südöstlich der Medina gelegen, ist ein großes Wasserbecken. Es wird über alte Wasserleitungen durch die Regen- und Schmelzwasser aus dem nahen Atlasgebirge befüllt und für die Bewässerung der Olivenbäume genutzt. Im Becken tummeln sich Karpfen, die auf kleine Leckerbissen von den Gartenbesuchern warten.

Parc Lalla Hasna und Koutoubia Moschee

Durch den Parc Lalla Hasna erreicht man die Koutoubia Moschee, die durch die gesamte Mittelallee des Parks zu sehen ist. Die Moschee stammt aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und ist die größte Moschee Marrakeschs, sowie eine der ältesten Moscheen in Marokko. Wie alle Moscheen in Marokko ist auch sie nicht von innen zu besichtigen. Der Zutritt ist nur gläubigen Muslimen erlaubt. Neben dem schön gestalteten Minarett steht nur eine Hälfte des vielschiffigen Gebetsraumes. Die zweite Hälfte wird nur von den Außenmauern und zahlreichen Pfeilerstümpfen angedeutet. Läuft man in der Achse Parc Lalla Hasna – Koutoubia Moschee weiter gelangt man zum berühmten Gauklerplatz Jemaa el Fna, dessen Besuch am Ende der Rundfahrt auf dem Programm stand.

Bab Agnaou

Am Bab Agnaou legten wir einen weiteren kleinen Stopp ein. Dieses große und einst repräsentative Tor im maurischen Stil stand an der Grenze zwischen der Altstadt und dem ehemaligen Regierungsviertel von Marrakesch. Leider hat es etwas von seiner Schönheit eingebüßt, denn es nagt der Zahn der Zeit an ihm und die Störche haben es in Beschlag genommen.

Saadier-Gräber

Gleich in der Nähe des Bab Agnaou sind die Saadier-Gräber zu finden. Die Saadier oder Saaditen lösten die Mauren in ihrer Herrschaft über Marokko ab. Sie regierten im 16. und 17. Jahrhundert. Ihre bedeutendste Nekropole sind die Saadier-Gräber in Marrakesch. Die Anlage erinnert ein wenig an die Alhambra in Granada, die wir erst vor einem Jahr besichtigten, allerdings ist sie längst nicht so groß. Deshalb kam uns alles ein wenig bekannt vor. Vier Sultane und 62 Familienangehörige fanden auf dem Gelände ihre Ruhestätte. Je höher ihre gesellschaftliche Position war, um so prächtiger fielen ihre Gräber aus. Auffallend sind die vielen bunten, quadratischen Keramiksteine, mit denen alle Gräber belegt sind. Die Mausoleen weisen die typisch maurischen Stuckarbeiten an den Wänden und die wunderschön gestalteten Decken aus Zedernholz auf. Ein kleiner Garten sorgt für ein wenig Grün und bunte Blüten.
Nach zweihundert Jahren Herrschaft folgte eine neue Dynastie. Gleich der erste Sultan umschloss die Nekropole mit einer hohen Mauer, um die Saaditen aus dem Gedächtnis der Menschen zu verbannen. Erst 1917 fand man bei archäologischen Forschungen den engen Gang zu den Saadier-Gräbern wieder.

Nach der Besichtigung des Bahia-Palastes, den wir schon bei unserer ersten Reise nach Marrakesch gesehen haben, setzten wir die Rundfahrt zur zweiten Königsstadt, nach Casablanca fort.

Beitragsnavigation

%d Bloggern gefällt das: