A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Baile Herculane (Herkulesbad)

Nach einem kurzen Abstecher in die Region Walachei, der größte Teil der Transalpina bis westlich von Targu Jiu gehören dazu, sind wir nun in der Region Banat angelangt. Um nach Herkulesbad zu gelangen, fuhren wir auf der 67D über Tismana und Baia de Arama in das Tal des Flusses Cerna. Wir hatten auf eine entspannte Fahrt ohne große Berge gehofft, aber es kam wieder anders. Bevor man in das Cerna-Tal fährt, muss man erst einmal wieder auf Serpentinen über Berge klettern. Die Landschaft und die Aussichten sind ein weiteres Mal großartig.
Am Ufer der Cerna sind laut Google mehrere Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, wie Wasserfälle und Höhlen, aber das meiste ist nicht mit dem Auto erreichbar. Die erfordern lange Wanderungen.

Langsam näherten wir uns Herkulesbad. Das Tal wird schmaler und ist waldreich. Alles ist nass, da es jede Nacht regnet. Wenigstens ist das Wetter tagsüber in Ordnung und es sind immer noch 17 Grad, ohne Sonne.
Zuerst kommt man am „öffentlichen Bad“ vorbei. Autos parken am Straßenrand, Leute in Bademänteln laufen über die Straße. Holzbuden mit Werbung für Massagen stehen zwischen Straße und Fluss. Wenn man diese passiert hat, sieht man die Leute in zwei Bassins baden, für einen Obolus. Wie es aussieht, muss man sich die Becken mit vielen Leuten teilen. Das ist nicht unser Ding.

Laut Reiseführer soll dieser Kurort auch in Deutschland bekannt sein, aber seine besten Tage sind lange vorbei. Schade um die schönen alten Kurhotels, in denen sich im 19. Jahrhundert die feine Österreichisch-Ungarische Gesellschaft tummelte.
Der Ort ist jedoch schon mehr als 2000 Jahre als Heilgebiet bekannt. Die Römer zogen die Badekultur in Herkulesbad richtig groß auf. Sie fanden zuerst heraus, dass das schwefel- und jodhaltige Wasser gut für die Gesundheit ist und schickten ihre Verwundeten dort hin. Sie bauten die ersten Badetempel.
Die Nutzung setzte sich in den folgenden Jahrhunderten fort, bis die Osmanen vom 16.-18. Jahrhundert kamen. Sie hatten kein Interesse an der römischen Badekultur, denn sie steigen nicht komplett ins Wasser.

Erst seit 1718 kam der Badebetrieb in Herkulesbad wieder in Betrieb. Die Österreicher bauten die verfallenen Anlagen wieder auf, nach altem römischem Vorbild. 1806 kamen im Apollo-Bad die kleinen Badezimmer, 28 Stück sollten es sein, dazu. Diese waren jedoch wohl an die königliche Familie, die hohen Herrschaften und Generäle vermietet. Sogar Sissi soll hier gebadet haben. Irgendwann war das römische Apollo-Bad dann ca. 1km lang.

Um 1972 herum sorgte Nicolae Ceausescu für das Vorankommen von Herkulesbad, in dem er mehrere Hotels bauen ließ, die so überhaupt nicht in das alte Bild passen wollen. Die meisten von ihnen sind heute ebenfalls verlassen.
Einen Teil des Apollo-Bades kann man heute als Museum besichtigen, für ein kleines Eintrittsgeld von 2,-€ Seniorenticket. Im Inneren wird laut Wiener-Walzer Musik gespielt, die zum Tanzen animiert. Sie soll über den erbärmlichen Zustand des Bades hinwegtäuschen, denken wir.
Das Apollo-Bad befindet sich im alten Teil des Herkulesbades weiter Tal auf. Hier stehen auch Hotels und eine Kirche. Auf dem heutigen langgestreckten Platz erhebt sich eine Herkulesstatue.

Zentrum des alten Herkulesbad

Wenn man weiter talaufwärts geht, stößt man auf das Hotel Roman. Es stammt offensichtlich ebenfalls aus den 70er Jahren, wie die meisten Bausünden hier. Das Hotel Roman wurde direkt auf ein römisches Bad gebaut, welches vom Hotel bis heute genutzt wird. Hinter dem Hotel stehen Badebecken mit Thermalwasser für die Hotelgäste zur Verfügung, direkt an der Cerna gelegen.

Hotel Roman in Herkulesbad

Kurz dahinter führt ein schmaler Weg den Berghang hinauf. In 5 Minuten erreicht man zu Fuß die Grotte Haiducilor (Gesetzlosen-Höhle), die aus mehreren Räumen besteht, und einer Terrasse mit Blick in den Wald. Schon zu Römerzeiten versteckten die Diebe wohl ihre Schätze hier drinnen.

Grotte Haiducilor

Nun waren wir am nördlichen Ende von Herkulesbad angelangt und spazierten wieder zurück, auf der anderen Seite des Flusses. Nun konnten wir uns den Prachtbau des Imperialen Österreichischen Neptun-Bades aus der Nähe ansehen, zumindest, was davon noch übrig ist. Es scheint jedoch, als ob jemand dabei ist, das alte Bauwerk wieder instand zu setzen. Es tut weh, solch eine ehemalige Pracht in solch schlechtem Zustand zu sehen. So geht es allen alten Hotels vom alten Herkulesbad. Manche werden jetzt wieder in mühevoller Kleinarbeit hergerichtet, manche verfallen weiter, weil einfach das Geld fehlt.

Neptun-Bad in Herkulesbad

Zum Neptun-Hotel führt eine historische, gusseiserne, aber inzwischen baufällige Brücke über die Cerna.
Noch ein Stück südwärts, Richtung neues Herkulesbad sind die beiden Neptun-Quellen umbaut worden. Hier kann man das Wasser kosten, das ziemlich heißt aus der Wand kommt, aber es ist eigentlich nicht trinkbar. Zu viel Schwefel verdirbt den Genuss.

Eine der beiden Neptun-Quellen

Überhaupt liegt über dem ganzen Tal ein leicht schwefeliger Geruch.
Das südliche, neue Herkulesbad ist heute der Dreh- und Angelpunkt des Kurbetriebes. Es wurden neue Hotels hochgezogen, in die das Thermalwasser über dicke Schläuche gepumpt wird. Restaurants und Souvenirbuden vervollständigen das Bild der Neuzeit.

Das neue Herkulesbad

Das Womo haben wir im Camping Herkules abgestellt, an der E70 nach Temeschwar.

Transalpinastraße Rumänien


Nun steht das Highlight Rumäniens auf dem Programm, der Pass durch die Karpaten, die Transalpina-Straße. Ausgangspunkt ist Sebes, etwas südlich von Alba Iulia. Dieser Abschnitt, der nun kommt, ist nur für Fahrzeuge bis 7,5t befahrbar, und das auch nur von 7-21 Uhr. Nachts ist die Transalpina geschlossen. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Sollte jemand verunfallen, kommt keine Hilfe. Wie auch, bei der Straßenführung und der Dunkelheit.
Die Straße ist insgesamt, von Sebes bis Novaci, 130km lang. Sie steigt erst stetig leicht an, später mehren sich die Kurven und Serpentinen. Gegenüber den Pässen in Maramures, die wir gefahren sind, ist die Transalpina direkt eine Erholung.

Das erste Sehenswerte auf dieser Strecke ist die Talsperre Oase. Hier wollten wir eigentlich eine Kaffeepause einlegen, aber es gibt keine vernünftigen Parkplätze. Man kann das Auto nur irgendwo am Straßenrand abstellen, einen Blick über die Talsperre schweifen lassen oder sich die Stände mit Essen, Trinken und Souvenirs ansehen.

Talsperre Oase

Dann fährt man über die Staumauer weiter in Richtung Süden. Baumlücken geben immer wieder einen Blick auf die Talsperre frei. Bei Sonnenschein sieht das toll aus.
Kurz vor der Mitte geht es wieder etwas nach unten, die Asphaltdecke verschwindet für ein Stück und dann ist man in Obarsia Lotrului. Hier fanden wir einen Stellplatz beim Forellen-Restaurant, mit allem, was wir brauchten. Die Übernachtung kostet 8,-€. Auch hier stehen die touristischen Stände und viele Transalpina-Fahrer legen eine Rast ein.

Forellenrestaurant in Obarsia Lotrului

Am nächsten Morgen frühstückten wir im Restaurant und setzten unsere Fahrt auf der Transalpina fort. Ab hier ist es allerdings nur noch Fahrzeugen bis 3,5t gestattet, die Straße zu befahren.
Nun wird es endlich ernst. Bisher war noch nichts von alpin zu merken. Das soll sich bald ändern. Die Straße führt wieder nach oben, immer weiter nach oben. Langsam verhüllen Wolken die Aussichten und der Wind legt zu. Langsam verschwinden die Laubbäume und die Nadelbäume übernehmen die Herrschaft, bis auch diese kleiner werden und ganz verschwinden.
An Fotomotiven mangelt es nicht. Das Gras ist inzwischen vom Herbst braun geworden, es sind jetzt Ende September nur noch wenige Weidetiere unterwegs.

Irgendwann waren die Wolken so dicht, dass man stellenweise kaum 30m weit sehen konnte. In dieser Wolkensuppe soll sich ein Restaurant befinden, in das wir einkehren wollten. Erst ganz kurz vorher konnten wir es erkennen. Wir stiegen aus, der Wind war zum Sturm geworden. Die Pension ist schon länger geschlossen, aber das kleine Restaurant war gerade geöffnet worden. Es war kurz nach 10 Uhr. Man feuerte den Ofen an, wir waren die ersten Gäste. Mit Tee wärmten wir uns auf und hofften auf Aufklarung, um die tollen Aussichten genießen zu können. Die Restaurantbesitzerin nahm uns aber alle Illusionen. Die nächsten vier Tage würde sich das nicht ändern.
So kauften wir eine Flasche Palinka, den rumänischen Selbstgebrannten. Dieser war aus Quitten gemacht. Man hatte aber auch die Wahl zwischen Pflaume, Birne und Mehlbeere sowie Kognak.

Pension, Restaurant und Grill auf Passhöhe

Der Wind war jetzt so stark geworden, dass er sogar die Dixie-Klo´s umwarf. Einen kleinen Spaziergang machen war nicht mehr drin. So setzten wir uns ins Womo und fuhren weiter, in der Annahme, dass es jetzt wieder nach unten gehen würde. Im Gegenteil, es ging noch weiter nach oben. Leider fehlt das Schild, auf dem steht, dass der Pass erreicht ist und auf welcher Höhe man sich dort befindet. Die höchste Stelle soll sich auf über 2200m über Null befinden.
Etwas weiter kommt man an einer Quelle vorbei. Wir hielten dort, weil kurz vorher ein schönes Fotomotiv lockte. Die Wolken hatten sich aufgelockert und gaben den Blick in ein schönes Tal frei. Keine Minute später war wieder alles wolkenverhangen und kein Foto mehr möglich. Das ging sehr schnell, leider.

Halt an einer Quelle

Nun hatten wir den Pass überquert und die Transalpina richtet sich bergab, wieder sachte und in Serpentinen. Die nächste Ortschaft an der Transalpina ist Ranca, ein Skiort. Zahlreiche Skilifte und unzählige Hotels und Pensionen zeugen von der Beliebtheit bei den Skifahrern. Überall wird neu gebaut.
Die Wolkendecke hatten wir hinter uns gelassen. Sie lag jetzt wie ein dickes Tuch über den Berggipfeln, über die wir gerade gekommen sind. Am Aussichtsplateau von Ranca stehen wieder die touristischen Stände. Dazu werden Fleisch, Schinken, Käse und verschiedene Konserven von den hiesigen Bauern angeboten.

Rückblick von Ranca aus

Kurz vor Ranca wollten wir auf einem Parkplatz an den Serpentinen aussteigen, um Fotos von der umwerfenden Umgebung zu machen. Der Sturm war aber gerade so stark, dass wir nicht einmal aus dem Womo kamen und dieses wie verrückt durchgeschüttelt wurde. Das hatten wir nicht erwartet.
Vom Aussichtsplateau ist schon Novaci zu sehen. Hier hat man es geschafft. Es ist nicht übertrieben, wenn behauptet wird, dass das Befahren der Transalpina ein Abenteuer ist, bei schönem Wetter, aber auch im Herbst.
Noch anzumerken ist, dass der Pass nur 3-4 Monate (Juni/Juli bis September), je nach Wetterlage, befahren werden darf.
Leider fanden wir keinen Camping- oder Stellplatz. So übernachteten wir auf einem Parkplatz im Osten Targu Jiu´s.

Alba Iulia

Gut 60km südwärts von Turda liegt Alba Iulia (Karlsburg). Mitten in der Stadt erhebt sich die mächtige Karlsburg. Unser Reiseführer spricht dabei von einer Stadt in der Stadt und wir waren gespannt. Das Wohnmobil stellten wir auf einem der zahlreichen Parkplätze rund um die Burg ab. Dort ist zwar gleich ein Eingang in der mächtigen Mauer mit den Kasematten, aber dann gelangten wir in eine Art Außenring, an den eine weitere Mauer anschließt.

Aussenring der Karlsburg

Wir waren schon um die halbe Burg gegangen, nur ein Stadttor konnten wir nicht finden. Eine riesengroße Holztreppe führt zu einem Restaurant. Wir sahen uns das an und bemerkten, dass das Restaurant zur anderen Seite offen ist. Jetzt standen wir wirklich in der Stadt Karlsburg. Nur eine Stadt in der Stadt konnten wir nicht erkennen. In unserer Vorstellung sahen wir Häuserzeilen, Läden und Kneipen. Stattdessen stehen mindestens zwei große Kirchen dort, eine Universität, ein Ministerium und solche Sachen. Irgendwann trafen wir auf das Historische Museum, vor dem alte Uniformen präsentiert wurden. Ein Herr im schwarzen Anzug stellte die Uniformen vor und erzählte einiges dazu. Dabei waren auch zwei Krankenschwestern und ein Kriegsberichterstatter. Leider verstanden wir nichts von dem, was der Mann erzählte.

Vorführung alter Uniformen auf der Karlsburg

Wir setzten unseren Spaziergang fort, Nun trafen wir auf die horizontale Achse von Karlsburg und sahen die zwei sich gegenüberstehenden Stadttore. Es soll einmal sechs davon gegeben haben. Wir hielten auf das Dritte Stadttor zu, welches als Triumphbogen gestaltet wurde. Durch dies hindurch sieht man die Stele, die die Geburtsstunde Rumäniens symbolisiert. Man erreicht sie, indem man Karlsburg über eine Zugbrücke verlässt.

Das Dritte Stadttor der Karlsburg

Von der Terrasse der Stele aus hat man einen schönen Blick auf Alba Iulia. Um 12 Uhr soll dort auch jeden Tag eine Wachablösung stattfinden.

Wir hatten uns von der Festung Karlsburg mehr versprochen. Was jedoch sehenswert ist, sind die Bronze-Statuen, die überall in der Festung verteilt stehen. Die Frauen und Männer Tragen Kleider aus dem 18. Jahrhundert. Es sind aber auch Soldaten dabei.

Kurz vor dem Dritten Stadttor wurde ein Stück der alten Römerstraße, die einmal im 90°-Winkel zur heutigen Achse verlief, ausgegraben und konserviert. Sehr fortschrittlich war die unter der Straßendecke verlaufende Entwässerung.

Rest der alten Römerstraße mit unterirdischer Entwässerung

 

 

 

Turda

Endlich konnten wir Kilometer machen, denn wir haben diesmal nicht unbegrenzt Zeit. Auf dieser Tour überquerten wir die Grenze zwischen der Region Maramures und der Region Siebenbürgen.
Unser nächstes Ziel war Turda (Thorenburg), besser gesagt das Salzbergwerk. Im Reiseführer, gleich auf der ersten Seite steht: Riesenrad unter Tage. Das wollten wir unbedingt sehen.
Stellt man sich auf den etwas entfernteren Parkplatz, kostet das nichts. Der Weg ist nicht weit bis zum neuen Eingang in die ehemalige Mine.

Neuer Eingang zum Salzbergwerk Turda

Schon 1075 erwähnte man die Salzvorkommen urkundlich. Bis 1832 wurde das Salz hier abgebaut. Für 30,-Lei (Seniorenticket) betritt man die stattliche Salzmine, die inzwischen zum touristischen Spektakel umgebaut ist.
Zuerst führen gut 100 Stufen in die Tiefe. Daran schließt sich der Franz-Josef Tunnel an, über den damals das abgebaute Salz nach draußen befördert wurde. Nach einer späteren Verlängerung ist er heute 917m lang. Seit 1910 gibt es elektrischen Strom.

Das Salz wurde in verschiedenen Stollen abgebaut. Heute gibt es zwei große Hallen. Der Boden der einen Halle liegt bei 90m unter der Erde, die tiefere Halle, die Terezia-Mine endet in 112m Tiefe. In dieser Tiefe füllte sich die Mine dann mit Wasser, welches heute bis zu 8m hoch steht. In der Mitte der Halle erhebt sich eine Salzinsel, die heute als Anleger für Ruderboote dient. Es ist recht dunkel dort unten.

Was die beiden Salzhallen auszeichnet ist die Maserung an den Wänden. Helle und dunkle Salzschichten wechseln sich ab, liegen manchmal gerade und manchmal vollziehen sie wunderschöne Wellenzeichnungen. Das allein lohnt schon den Besuch in der Salzmine von Turda. Aber es geht noch besser. Fahrstühle bringen die Besucher in die Tiefe und auch wieder hinauf. Das Ganze geht auch per Treppe. Man muss sich dann allerdings 13 Etagen hinauf- oder herunter bemühen.

In der oberen Halle steht dann das Riesenrad. Wo kann man schon Riesenrad unter der Erde fahren? Die staunenden Gäste können auch Mini-Golf, Tischtennis und Billard spielen oder die Kinder an Spielgeräten turnen. Es gibt ein kleines Amphitheater oder einen Verkaufsstand mit Dingen, die aus Salz hergestellt wurden.
Immer wieder schweifen die Blicke zu den phantastischen Salzschichten und den kleinen Stalagmiten.

Fährt man dann mit den Fahrstuhl wieder in die Höhe, in der der Franz-Josef-Tunnel liegt, erreicht man auch über eine kleine Treppe noch den Teil des Bergwerkes, der den Salzarbeitern und der Technik im Bergwerk gewidmet ist. Früher gelangten das abgebaute Salz, die Menschen und die Technik durch einen Schacht in die Tiefe, gehalten von dicken Seilen. Pferde trieben den Aufzug, der aus Büffellederkörben bestand, über eine komplizierte Technik an. Das Salzbergwerk in Turda ist die einzige Mine, in der diese Technik noch original erhalten ist.

Modell des alten Aufzugl-Antriebes

Der Besuch der Mine hat auch noch einen positiven Effekt. Die Luft ist nicht zu knapp mit Salz angereichert. Die Salzkristalle legen sich auf alles, was sich in der Mine befindet. Dort unten jahrelang zu arbeiten, war dann wahrscheinlich das Gegenteil von gesund.
Es ist jedenfalls auch für Leute ohne Kinder ein Erlebnis, sich das Salzbergwerk von Turda anzusehen.

Surdesti

Von Sighetu Marmatiei aus wollten wir nach Surdesti. Wir hatten die Wahl zwischen zwei Routen: einmal über Ocna Sugatac, wo ein schöner See liegt, oder aber die Fernstraße 18 über Sat Sugatag, Desesti und Mara nach Mittelstadt. Diese Straße ist bekannt für ihre Holzhäuser und Holzkirchen. Wir besuchten die Holzkirche in Sat Sagutag, da wir dort am Besten einen Zugang fanden. Die Optik der Kirche ist sehr schön, aber die Zimmermannskunst dahinter ist schon beeindruckend. Die Kirche stammt aus dem Jahre 1642 und ist offensichtlich mehrmals rekonstruiert worden. Die Kirche selbst war geschlossen, aber der Friedhof ist auch recht interessant. Manche Gräber sind sehr prunkvoll, anderen sieht man schon die Jahre an. Zu den Kirchhöfen und auch zu den privaten Wohnhäusern gelangt man oftmals durch prächtige Holztore mit zum Teil kostbaren Schnitzereien.

In den alten Holzwohnhäusern wohnt meist niemand mehr, denn die meisten Eigentümer bauten sich moderne Häuser daneben.

In Surdesti lockt die prächtige Eichenholzkirche. Ihr Kirchturm ist 54m hoch und somit eine der höchsten Holzkonstruktionen in Europa. Das Innere soll ebenfalls sehenswert sein, aber auch sie war geschlossen. Zu beiden Kirchen gibt es ein neues Holzhaus mit Informationen, aber die sind wohl nur im Sommer geöffnet. Schade.

Auf der Wiese vor der Kirche von Surdesti wachsen gerade viele Herbstzeitlose. Sie bringen ein wenig Farbe in die triste Herbstwelt, in der wir stecken.

In Mara stießen wir auf einen Forellen-Hof namens Alex, alles vom Feinsten: Holztor, Holzbrücken, Holzhäuser, Teiche. Wir kamen uns vor, wie in einem japanischen Garten. Die Gelegenheit konnten wir uns nicht entgehen lassen und wir bekamen die beste Forelle, die wir je gegessen haben. Für eine Portion mit zwei gegrillten Forellen, Grillgemüse, Salat und Knobi-Soße bezahlten wir beide zusammen 30,-€, dazu das großartige Ambiente.

Gut einen Kilometer weiter kann man sich an einer Quelle erfrischen, bevor ein großer Berganstieg in Richtung Turda folgt.

Sapanta

Auf dem Weg nach Sapanta kamen wir durch Sighetu Marmatiei. Diese Kleinstadt liegt direkt an der ukrainischen Grenze. Das wollten wir uns ansehen. Wir parkten das Wohnmobil bei Jysk und folgten dem Weg zum Fluss Theiß hinunter. Leider ist vom Weg aus nichts zu sehen, aber ein kleiner Trampelpfad gab uns Gelegenheit, zum Flussufer zu gelangen. Die Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine verläuft mitten in der Theiß. Deshalb sind keine Grenzpfähle zu sehen, aber ein Stück weiter links steht ein Beobachtungsturm. Der Weg dient wahrscheinlich der rumänischen Grenzpolizei, die wir unterwegs schon gesehen haben.

Bis nach Sapanta sind es dann noch ca. 15km. Unser Ziel: Cimitirul Vesel, der Fröhliche Friedhof. Schon die Kirche ist beeindruckend. Sie strahlt mit den weißen Wolken und dem blauen Himmel um die Wette. Der Kirchturm ist wunderschön und eine Kombination aus Wehrturm und Kirchturmspitze, die noch zusätzlich mit kleinen Türmchen verziert ist.

Der Eintritt kostet 5,-Lei pro Person, also 1,-€. Die meisten Grabkreuze sind in blau und weiß gestaltet. Auf jeder Vorderseite ist eine Alltagsszene der verstorbenen Person eingeschnitzt, auf der Rückseite wird meistens das Lebensende beschrieben. Unter den Bildern wird in heiteren Geschichten das Leben, aber auch die Tragik des Sterbens erzählt. Ein lokaler Schreinermeister hat hier sein Lebenswerk 1935 begonnen. Sein Nachfolger führt sein Werk fort, aber ich glaube, nicht jeder Rumäne kann sich solch ein Kreuz leisten. Es gibt in Sapanta noch einen zweiten Friedhof.

Ich hätte gerne eine dieser Geschichten als Beispiel hier präsentiert, aber der Google-Übersetzer hat nur Kauderwelsch preisgegeben.

Rund um den Fröhlichen Friedhof säumen Stände die Straße, in denen Volkskunst und Souvenirs verkauft werden.

Übernachtet haben auf dem neuen Campingplatz Pastravul, ca. 3,5km weiter. Für 14,-€ steht man auf einer schönen großen Wiese, mit Strom und einem neuen Sanitärgebäude. Im dazugehörigen Restaurant werden frische Forellen angeboten, die auf dem Nachbargrundstück gezüchtet werden. Forelle heißt auf Rumänisch: Pastrav.

Viseu de Sus

Unser erstes Ziel in Rumänien befindet sich Richtung Norden, im Bezirk Maramures, nahe der ukrainischen Grenze. Die einzig noch existierende Waldbahn, Mocanita Maramures, mit holzbefeuerten Dampflokomotiven lädt zu einer Fahrt durch das wildromantische Wassertal ein. Wer mit dem Wohnmobil da ist, kann direkt auf dem Parkplatz des Bahnhofes übernachten. Es ist gratis, mit Nutzung der öffentlichen Toiletten.

Auf dem Bahnhofsgelände stehen alte Dampfloks verschiedener Fabrikationen. Ein kleines Museum mit traditionellen Wohnhäusern zeigt das Leben in vergangenen Zeiten. Die Gegend Maramures ist die Hochburg des Holzhandels in Rumänien. 1932 baute man deshalb ein Netz von Waldbahnen, um die Flößerei abzulösen, was ein enormer wirtschaftlicher Fortschritt war. Um dem Flusslauf mit manchmal engen Kurven folgen zu können, baute man die Bahnen in Schmalspur (760mm).
In den 1950/60er Jahren kam der Straßentransport auf und die Waldbahnen verloren an Bedeutung. Nur in Rumänien, wo der Fortschritt sehr lange brauchte, um anzukommen, fuhren die Bahnen noch bis mindestens 1986. Bis dahin wurden immer noch neue Dampflokomotiven gebaut.

Heute existiert wie gesagt nur noch diese eine Bahn in Viseu de Sus. Sie fährt fast täglich auf einer Strecke von 21,6km, bis nach Paltin, mitten im Naturpark Muntii Maramuresului. Die gesamte Fahrt dauert 5 Stunden, mit mehreren Pausen. Für 65 Lei Seniorenticket (13,-€) inkl. Verpflegung ruckelt man dann auf ziemlich maroden Schienen durch das Wassertal. Viele Furten durch den Fluss, abenteuerliche Hängebrücken und die Brücken für die Bahn sorgen für Abwechslung. Hohe Berge rechts und links, vor allem jetzt mit der Herbstfärbung, Holzlagerplätze und die Rastplätze für die Bahn machen die Fahrt noch interessanter. Nach zwei Stunden Fahrt ist Paltin erreicht. Während die Fahrgäste mit leckerem Essen und Getränken sowie traditioneller Musik und Tanz zum Mitmachen ihre Pause an der Vaser genießen, verschwindet die Bahn und kehrt erst nach 1,25 Stunden zurück. Die Dampflok hat die Position gewechselt, aber die Fahrgäste steigen wieder dort ein, wo sie auch auf der Hinfahrt saßen. Wir saßen auf der Hinfahrt im ersten Wagon, wo die Dampflok sehr laut zu hören ist. Auf der Rückfahrt war dies dann der letzte Wagon und die Fahrt war wesentlich entspannter.

Gegen 15 Uhr fuhr die Bahn wieder in Viseu de Sus ein. Während der Start um 10 Uhr noch verrregnet war, wie die ganz Nacht, klarte das Wetter mit Beginn der Fahrt auf und die Sonne begleitete uns auf der Fahrt. Es wurde sogar noch recht angenehm von der Temperatur her.

Da wir noch Besorgungen zu machen hatten, übernachteten wir ein weiteres Mal, um am nächsten Morgen die zweite Station unserer Rumänien-Rundfahrt anzugehen.

Bistrita (Bistritz)

Ein guter Zufall verhalf uns zu einer Rumänienreise. Wie ihr wisst, fährt unser eigenes Womo nirgends mehr hin. Dadurch mussten wir auch die geplante nächste Tour auf Eis legen, die uns nach Südost-Europa gebracht hätte.

Nun haben wir das Glück, mit dem Wohnmobil eines ganz netten Bekannten dieses Land zu erkunden, wofür wir ihm sehr dankbar sind. Wir konnten es gleich in Bistrita (Bistritz), in der Region Siebenbürgen, übernehmen. Nach Rumänien sind wir mit einem WizzAir-Flug gelangt, mit dem wir in Cluj-Napoca gelandet sind. Unser Bekannter holte uns vom Flughafen ab und brachte uns nach Bistrita, wo er uns eine Wohnung in seinem gemieteten Haus überließ. Wir hatten nun zwei Tage Zeit, uns auf das Land einzulassen. Er fuhr uns in der näheren Umgebung von Bistritz durch die Hügellandschaft. Oft findet man dort Hirten mit ihren Tierherden, zumeist Schafen, aber auch Pferde und Rinder sind zu finden. Kleine Dörfer und Ortschaften schmiegen sich in die Landschaft.

Siebenbürgen beherbergte in den letzten Jahrhunderten viele Deutsche, die sich hier niedergelassen hatten. Nach und nach verließen die meisten jedoch aus politischen Gründen diese Gegend wieder, aber ihr bauliches Erbe ist immer noch zu sehen. Viele der Häuser zeigen sich in deutscher Architektur, an manchen Kirchen stehen noch deutsche Texte. Aber auch Neubauten sehen deutsch aus. Wir gehen einmal davon aus, dass viele Rumänen lange in Deutschland leben, bevor sie wieder nach Hause kommen und sich ein Haus bauen, eben nach deutschem Vorbild.
Viele der alten Häuser erscheinen aber auch in traditioneller Bauweise, in Holz, mit kleinen Fenstern und Verzierungen. Fast überall befindet sich ein kleiner Garten am Haus, damit die Menschen sich ein bisschen Gemüse anbauen können, oder sich eine Kuh, ein Pferd, Hühner oder andere Tiere für ihren Unterhalt halten können. Es gibt jedenfalls eine Menge neues für uns zu sehen.

Ein Ausflug führte uns nach Colobita. Die Stadt liegt am Ufer der gleichnamigen Talsperre. Vor wenigen Jahren war dies noch eine verschlafene Gegend. Heute hat der Tourismus Einzug gehalten. Überall wird gebaut, vor allem Hotels und Pensionen. Die gegenüberliegenden Berge sind nun, Ende September, schon leicht verschneit.

Unser Bekannter hatte uns dort mit einem seiner Freunde zusammengebracht. Er betreibt am Ufer der Talsperre eine kleine Pension, einen Wohnmobil-Stellplatz, verleiht Boote und schnitzt und gestaltet in seinem Atelier nebenbei wunderschöne Dinge aus Holz, welches er in der Gegend findet.

Außerdem wurden wir zu einem Hirtenessen eingeladen. Die Gastgeber bewirteten uns überreich mit verschiedenen Gerichten wie Brot, gefüllte Paprika in Sahnesoße, Schweinegulasch und Kuchen. Dazu gab es selbstgemachten Wein und Palinka, den rumänischen Selbstgebrannten.

In der Stadt fand dann auch noch ein Zigeuner-Festival statt. An vielen Ständen wurden regionale Produkte, frisch vom Feld oder in verschiedener Weise konserviert, angeboten. Für das leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt. Die kulturelle Umrahmung gestalteten mehrere Volksensemble.

Das waren für zwei Tage viele Erlebnisse, die wir dankend in uns aufsogen. Nun waren wir gerüstet, uns selbst auf Tour zu begeben und möglichst viel von Rumänien zu erkunden.

Eines bekamen wir eindringlich noch mit auf den Weg, die Kreisverkehre betreffend: Wenn man den Kreisverkehr nach links verlassen will, muss man bei der Einfahrt auch links blinken, sonst kommt es unweigerlich zum Unfall. Das wir bloß daran denken!

Peenetour 2022

Endlich bekamen wir eine Gelegenheit, die Peene von Anklam aus flussauf in Richtung Kummerower See zu befahren. Das geliehene Boot besitzt eine kleine Kabine und wir wollten eigentlich eine Woche lang auf der Peene schippern. Schon lange planten wir eine Peenetour vom Kummerower See, dem Quellgewässer der Peene, flussab nach Anklam. Klaus hatte das Boot schon mit allem beladen, was wir für eine Woche Bootstour gebraucht hätten. Leider spielte dann das Wetter nicht mit und wir entschieden uns wenigstens für eine Tagestour.

Herbststimmung an der Peene

Der nächtliche Nebel hielt sich bis zum Vormittag. Er sorgte für mystische Bilder an den Ufern der Peene. Das Boot liegt am Schanzenberg, beim Seesportclub Anklam.
Zuerst kamen wir am Neuen Kanal vorbei, der zur Zuckerfabrik führt, etwas später mündet der Arado-Kanal in die Peene. Hinter dem Yachthafen Anklam fährt man unter der Hubbrücke der Deutschen Bahn hindurch.
Nun schließt sich am rechten Ufer der Bereich von „Abenteuer Flusslandschaft“ an. Hier werden Kanus, Schlauch- und Hausboote vermietet, Ausflugsfahrten mit dem großen elektrisch betriebenen Hausboot „Ida“ werden angeboten und das Flusscafé lädt zum Verweilen ein.

Gegenüber recken sich ein alter Speicher und ein alter Ladekran in die Höhe. Am Kai liegt das ausgemusterte Frachtschiff Dömitz. Die Stadt Anklam will den Frachter nutzen, nur ist nach vielen Jahren immer noch nicht klar, wie. In der Planung sind z.B. eine Badeanstalt oder ein Restaurantschiff.

Dieses Bild wird bald Geschichte sein, denn es soll ein neues Wohn- und Geschäftsviertel entstehen.

Nun schließt sich das Stadtbild von Anklam an. Die Kirchturmspitzen waren vom Nebel eingehüllt. Die Stadt atmet Anfang September schon Herbstluft. Nun wird noch die Autobrücke unterquert, der Campingplatz, der Wasserwanderrastplatz sowie die Marina gleiten vorbei, und schon beginnt die Natur. Von nun an bestimmen Schilf und Wälder die Ufer der Peene. Es ist der einzige, in seiner ganzen Länge naturbelassene Fluss Deutschlands. Auf 85km Länge fließt die Peene mit 25cm Gefälle bei Peenemünde in die Ostsee, meistens jedenfalls. Bei Ostwind kommt es schon vor, dass der Fluss aufwärts fließt. Wenn man also mit dem Kanu unterwegs ist, muss man sich auf diesen Umstand einstellen, denn dann kann die Rückfahrt nach Anklam recht schwierig werden.
Der gesamte Peeneverlauf mitsamt dem Peenetal ist seit 2011 Naturpark. Es sind nur wenige Stellen vorhanden, an denen man über Land an die Ufer des Flusses gelangt. Daran ist aber weniger der Naturpark Schuld, als der Umstand, dass das Peenetal ein Niedermoorgebiet ist und dadurch schwierig, Wege hindurch zu bauen.

Auf Grund der Abgeschiedenheit hat sich eine reiche Flora und Fauna angesiedelt. Vor allem im Frühjahr bestimmt eine abwechslungsreiche Vogelwelt das Bild. Kormorane, Grau- und Silberreiher sowie Schwäne sind immer anzutreffen. Das Highlight einer Bootstour auf der Peene ist unbestritten die Sichtung eines Seeadlers, die hier ein Brutgebiet gefunden haben. Wir hatten diesmal das Glück gleich mehrere Seeadler zu beobachten. Es gelang mir sogar, einige Bilder von Ihnen zu schießen. Wir freuen uns jedes Mal wie die Schneekönige, wenn wir einen dieser großen und schönen Vögel zu sehen bekommen.

Weiter flussaufwärts bieten viele kleine Befestigungen Möglichkeiten zum Anlegen. Hier und da führen kurze Kanäle zu alten Torfstichen. Es ist jedoch verboten, dort hinein zu fahren. Das Schilfufer und verschiedene Waldarten begleiten die Bootsfahrt. Immer wieder fliegen Reiher auf, die sich beim Vorbeifahren gestört fühlen. Kormorane sonnen sich auf abgestorbenen Baumwipfeln.

Auf der rechten Seite kommt ein großer Aussichtsturm zum Vorschein. Er zeigt die Einfahrt zum kleinen Hafen von Menzlin an. Hier können Boote festmachen, oder auch Kanus gemietet werden. Von hier aus führt ein Fußweg zu einem antiken Wikingergrab. Wir selbst haben diese Stätte noch nicht besucht, steht aber auf dem Programm.

typisches Peeneufer

Ein paar Kilometer weiter, dann auf der linken Flussseite liegt der kleine Ort Stolpe an der Peene am Ufer. Stolpe ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Ausflugsgaststätte „Fährkrug“, Ruinen eines alten Klosters, ein Hotel in einem ehemaligen Gutshaus und die kleine Kirche sind die wichtigsten Eckpunkte Stolpes. Am großzügigen Anleger stehen Bänke zum Ausruhen. Wenn der Fährmann auf Fährgäste wartet, Fußgänger und Fahrradfahrer, stimmt er schon Mal ein Liedchen an.
Die kleine Marina mit Imbiss lädt die Bootsfahrer zum Rasten ein.
Aber das Beste an Stolpe sind die 11 Kupfermönche, die ein Künstler vor ein paar Jahren an den Sehenswürdigkeiten aufgestellt hat. Am Ortseingang steht ein Mönch in Lebensgröße und empfängt die Gäste des Ortes. Die anderen Mönche sind knapp einen Meter groß und stellen in lustiger Weise verschiedene Lebenssituationen dar. Wir hatten jedenfalls Spaß mit ihnen.

Stolpe an der Peene

Weiter geht die Fahrt auf der Peene nach Westen. Inzwischen war die Sonne herausgekommen und sorgte für ein tolles Licht zum Fotografieren. Man kommt an einem Angelverein vorbei, etwas später an einem kleinen Rastplatz mit Zeltmöglichkeit und einem Lagerfeuer. Irgendwann kam am linken Ufer ein weiterer Aussichtsturm mit Anlegemöglichkeit in Sicht. Das sieht so toll aus, dass wir die Gelegenheit für eine Pause nutzten. Bis hierher waren wir rund drei Stunden unterwegs, in aller Ruhe. Der Aussichtsturm gehört zu Dersewitz.
Auf der gegenüberliegenden Seite der Peene röhrte ein Hirsch inbrünstig, über die ganze Mittagszeit hinweg. Dabei entfernte sich der Hirsch jedoch langsam, denn das Röhren wurde mit der Zeit immer leiser. Ich hatte das bisher noch nie gehört. Es war beeindruckend.

Klaus packte seine Angelgerätschaften aus und fing ein paar kleine Fische, wie Flussbarsche, Rotfedern oder auch eine kleine Groppe. Ich genoss inzwischen die Sonne auf der kleinen Wiese mit Badestelle. Vom Aussichtsturm aus bietet sich ein schöner Blick über die Peene. In der Ferne kamen zwischendurch fünf weiße Punkte auf uns zu, in bester Formation quer über den Fluss verteilt. Beim Näherkommen wurden aus den fünf weißen Punkten stolze Schwäne. Als sie in unsere Nähe kamen lösten sie die Formation auf und schwammen bald hintereinander an uns vorbei.
Wir kochten uns einen Kaffee, genossen unseren Kuchen, und setzten anschließend unsere Fahrt fort.

Aussichtsplattform Dersewitz

Wir fuhren noch eine gute Stunde. Die Ufergestaltung wurde recht eintönig, nur noch Schilf und Wald. In Höhe von Gützkow befindet sich noch ein Rastplatz, dann mündet ein Kanal, der nach Gützkow und zu einer Kanustation führt. Wir fuhren dort hinein, mussten aber feststellen, dass die Zufahrt für ein Motorboot nicht angeraten ist, denn der Seerosenteppich wurde immer dichter, was Gefahr für die Schraube des Bootes bedeutet.

Wir kehrten also um und fuhren gegen 14.30 Uhr zurück nach Anklam. Es war ein schöner und erlebnisreicher Tag mit einem Sonne-Wolken-Mix und 20 Grad geworden. Wir haben viele Vögel gesehen, einen Hirsch röhren gehört und eine Ringelnatter durch das Wasser schwimmen sehen. Das allerbeste war aber ein Seeadler, der direkt am Ufer saß und nach Beute spähte. Als wir ihm zu dicht auf die Pelle rückten, flog er auf und am Ufer entlang weg.

Bis zum Kummerower See haben wir es nun nicht geschafft, aber bis nach Gützkow, was in etwa einem Drittel der gesamten Strecke bedeutet.

Natur im Garten Frühjahr/Sommer 2022

Es ist aufregend zu sehen, wie die Vögel und anderes Getier im Garten den Frühling verbringen. Für sie ist es eine geschäftige Zeit, denn es ist Zeit für den Nachwuchs. Erst der Nestbau, dann die Hochzeit und wenig später liegen schon die Eier im Nest. Nach dem Schlüpfen der Jungen wird es richtig stressig für die Vogeleltern, denn es muss ununterbrochen Futter herangeschafft werden.

Hauswurz

Zu unserer großen Freude zog ein Pärchen Gartenrotschwänze in unser Winterfuttervogelhaus ein. Klaus hatte extra eine obere Etage für eine Vogelwohnung eingebaut. Bis jetzt brüteten nur die weniger farbenfrohen Hausrotschwänze in unserem Garten. Deshalb freuten wir uns umso mehr über die hübschen Gartenrotschwänze.
Das Männchen übernahm die Rolle des Soldaten, um seine Frau und später seine ganze Familie zu beschützen. Er saß immer direkt gegenüber dem Nest auf dem Kabel, welches wir quer über unseren Garten gespannt haben. Manchmal saßen auch Beide dort.
Nach etwa zwei Wochen Fütterung steckte ein Junges manchmal den Kopf aus dem Nest, um Futter entgegen zu nehmen. Eines Tages war das Nest leer und die Gartenrotschwanz-Familie, ohne sich zu verabschieden, weg. Sie schauten nur sehr selten mal wieder bei uns vorbei. Das fanden wir sehr schade, denn die Jungen der Hausrotschwänze hielten sich immer noch mehrere Wochen im Garten auf, um gefüttert zu werden oder selbst Futter zu suchen.

Als die Gartenrotschwänze beim Brutgeschäft waren, trafen die Rauchschwalben ein. Herr Gartenrotschwanz startete gleich Attacken gegen die Schwalben, bis sich beide Arten darauf verständigten, sich unseren Garten zu teilen.
Ein Schwalbenpärchen zog wieder in unserem Gartenhäuschen ein. Sie versuchten mehrere Tage und an mehreren Stellen, ein Nest zu bauen. Leider hielt das Gebilde irgendwie nicht zusammen. Eines Tages fanden sich mehrere andere Schwalben ein und zeigten dem wohl unerfahrenen Pärchen, wie es geht. Und siehe da, in wenigen Tagen war doch noch ein schönes Nest entstanden. Von solcher Zusammenarbeit hatten wir noch nie gehört. Das junge Pärchen erhielt über die ganze Brutzeit immer wieder Unterstützung durch Artgenossen, die wahrscheinlich zur gleichen Familie gehören. Es brüten schon viele Jahre auf unserem und den Nachbargrundstücken Schwalben.
Nach relativ kurzer Zeit schlüpften die Jungen. Sie hielten sich stets geduckt und ruhig, wenn wir nachsahen. Nur wenn die Eltern mit Nahrung kamen hörte man erst ein leises Piepsen, welches später immer lauter wurde. Dann wurden die Hälse gestreckt und die kleinen Schnäbel mit dem gelben Inneren aufgerissen. Die Futterübergabe geht sehr schnell, fast im Fluge vonstatten.
Wenn die Kleinen groß genug sind, werden sie von den Eltern dazu animiert, das Nest zu verlassen.
In den vergangenen Jahren ließen sich die Jungen auf unserem gespannten Kabel nieder und warteten auf Futter von den Eltern, bis sie sich selbst etwas fangen konnten. Diesmal flogen alle aus und kamen nur sporadisch wieder, um sich im Nest auszuruhen. Merkwürdig.

Im August brütete unser Schwalbenpärchen ein zweites Mal. Als die Kleinen heranwuchsen, schwirrten schon um die 18 Schwalben aus der näheren Nachbarschaft um das Gartenhäuschen herum, in dem sich das Nest befindet. Wir hatten den Eindruck, als könnten sie nicht erwarten, dass die Kleinen flügge werden. Nach ein paar Wochen verließ das erste Junge das Nest und flog schon mit den anderen mit. Bald darauf saßen alle vier Jungen auf der Türe des Gartenhäuschens, wie die Orgelpfeifen. Sie schauten nach den Eltern, die fast im Minutentakt Futter heranschafften. Es war ein Bild für die Götter. Die Kleinen rissen alle gleichzeitig ihre Schnäbel auf, wenn ein Altvogel auch nur in die Nähe kam. Dann konnte man, wenn man genau hinschaute, so etwas wie Enttäuschung in den Gesichtern der Jungen sehen. Dieses Schauspiel dauerte ein paar Tage. Inzwischen war die Schar der Rauchschwalben auf 24 angewachsen. Dazu kamen dann unsere vier. Eines Tages hatten alle das Nest verlassen.

Rauchschwalben sind sehr soziale Tiere. Sich helfen sich gegenseitig, spornen sich an, muntern sich auf und haben Spaß miteinander. Es ist einfach nur eine Freude, den Flugmanövern der Schwalben zuzusehen. Sie sind, wie kaum ein anderer Vogel, für das Fliegen geschaffen. Da braucht man kein Fernsehen oder Kino mehr.

Aber nicht nur Vögel erfordern unsere Aufmerksamkeit. Eines Tages fanden wir eine kleine Kugel am Dachüberstand neben der Haustüre. Bei näherer Betrachtung stellte sich diese Kugel als Wespennest heraus. Schwarze Wespen bauten daran und fügten Schicht für Schicht dazu, so dass die Kugel wuchs. Man konnte nicht lange daneben stehen und beobachten. Die schwarzen Wespen waren ziemlich aggressiv und flogen Scheinangriffe gegen uns. Unter dem Nest fanden wir getötete Wespen und Fliegen.
Irgendwann fiel mir dann auf, dass das Nest in einem anderen Baustil weiter wuchs und sich die Wespenart gewechselt hatte. Es waren jetzt normale gelbe Wespen am Werk und diese bauten kleine Taschen um das Nest, Schicht für Schicht. Was war da passiert? Keine Ahnung. Die gelben Wespen sind friedlich und so lassen wir sie ihr Nest weiter bewirtschaften.

Auf den weiteren Bildern: Hummeln lieben die Blüten der Stockrose, Herr Hausrotschwanz nutzt die Badegelegenheit, geheimnisvolle schwarze Bienen oder Fliegen nisten im Schilfröhricht, Stieglitze schätzen die Samen des Frühlingsblumenbeetes, liebkosende Ringeltauben, bunte Blüten veredeln so manche Mahlzeit.

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