Nazaré
Unser nächstes Ziel Nazaré kennt man aus dem Fernsehen. Es ist die Stadt an Portugals Küste mit den extrem hohen Wellen, die sich nur an einer Stelle aufbauen. Aber schon bei näherer Betrachtung hat Nazaré einiges mehr zu bieten.
Direkt neben der N-Bar Concerto, etwas vom Strand entfernt gelegen, bietet ein riesengroßer Platz die Möglichkeit Wohnmobile zu parken.

Von dort aus starteten wir zuerst, trotz Regen, einen Spaziergang zur Markthalle. Leider waren wir etwas zu spät dort, denn sie schließt um 13 Uhr. Der Fischverkauf war schon vorüber, aber man konnte noch Fleisch, Obst und Gemüse kaufen. Die Preisunterschiede bei den Händlern sind enorm, so dass man unbedingt die Preise vergleichen sollte.

Gleich neben einem der Eingänge zur Markthalle befindet sich die Tourist-Information. Da wir seit dem Sturm kein Internet haben, nutzten wir gleich die Gelegenheit, das dortige WLAN für die wichtigsten Dinge zu beanspruchen. Außerdem holten wir uns einen Stadtplan von Nazaré. Darin steht, dass Nazaré ein hervorragendes Urlaubsziel ist, bei dem Tradition und Moderne Hand in Hand gehen. Der Fischerei- und Freizeithafen, der lange Sandstrand und vor allem die größten Wellen der Welt sind nur einige Punkte.

Noch bis in die jüngste Vergangenheit war Nazaré ein Fischerdorf mit Postkartenmotiven. Bunt bemalte Boote wurden mit Ochsen aus dem Wasser gezogen und Frauen, mit knielangen weiten Röcken, trockneten Fische auf Gestellen in der Sonne oder bereiteten sie für den Verkauf auf dem Markt vor. Reste vom alten Nazaré sind noch hinter den Neubauten entlang des Strandes zu sehen, zirka zwei Meter unter dem heutigen Niveau. Daran kann man erkennen wie schnell Dünen wachsen.

Dies alles spielte und spielt sich in der Unterstadt von Nazaré ab. Am nördlichen Ende des Strandes erhebt sich eine Klippe, mit einer kleinen Festung aus dem Jahre 1577 auf deren Spitze. Etwas weiter hinten, auf der Klippe, liegt Sitio, ein alter Wallfahrtsort für die Jungfrau von Nazaré, der ins 12. Jahrhundert zurück geht.

Eine jahrhundertealte Stadtseilbahn verbindet die Unterstadt mit der Oberstadt. Als wir ankamen meinten wir die Bahn sei außer Betrieb, denn der Bahnkörper und die obere Station bieten ein sehr traurigen Anblick. In der Tourist-Info erfuhren wir, dass die Bahn fährt und ständiger Wartung unterliegt. Also spazierten wir durch die Gassen der Unterstadt zur Bahnstation.
Die Eingangshalle ist hell und freundlich gestaltet, auch die wartende Bahn ist neu. Tagsüber fährt die Bahn alle viertel Stunde, nachts alle halbe Stunde. Der Fahrpreis beträgt 2,50€ für eine Fahrt, hin und zurück kostet 4,-€.

Da wir nun schon einmal hier waren entschieden wir, die Bahn zu nutzen und uns Nazaré von oben anzusehen. Wir stiegen also in den Wagen. Als es losging stieg der Fahrer des Wagens ein, schaltete etwas ein und legte die Hände in den Schoss. Der Rest geht automatisch. Der Wagen setzte sich in Bewegung und gleichzeitig startete der Wagen in der oberen Station, um nach unten zu fahren. In der Mitte ist die Strecke zweigleisig, damit die Wagen aneinander vorbeifahren können.

Oben angekommen, stiegen wir aus und wendeten uns zuerst zum Aussichtspunkt, direkt über der oberen Station. Wir wurden mit einer gigantischen Aussicht überrascht, auch wenn das Wetter regnerisch war.

Dann folgten wir dem Weg an der Mauer entlang, die am Rand der senkrecht abfallenden Klippen steht.

Durch eine Gasse gelangten wir zu einem großen Platz, auf dem ein Riesenrad steht. Gleich gegenüber erhebt sich die Wallfahrtskirche der Jungfrau von Nazaré.

Wir wendeten uns jedoch nach links und kamen zu einer kleinen Kapelle. Von außen schlicht anzusehen beeindruckt sie aber im Inneren. Decke und Wände sind mit weiß-blauen Fliesen, den typischen Azulejos, bedeckt. Auch das Dach ist mit Fliesen belegt. Die Kapelle sieht sehr alt aus.



Ein Stück weiter kommt man zum Aussichtspunkt Suberco, wo der Blick von der Stadt über den Strand bis hin zum Klippenende schweift. Dort wollen wir hin, dort will jeder hin, der Nazaré besucht. Denn vor dieser Stelle, dem Big Wave Hot-Spot, sind die größten Wellen der Welt zu finden, wenn die Wetterlage stimmt.


Dafür muss man noch einen knapp einen Kilometer langen Weg bewältigen, der an dem kleinen Fort endet. Leider war das Fort bei unserem Besuch geschlossen, von dessen Dach man die Wellen eigentlich beobachten kann. Uns blieb nur ein Blick an der Seite des Forts vorbei. Von diesem Standpunkt aus ist das Wellenspektakel nicht so gut zu beobachten. Trotzdem bekamen wir eine Vorstellung von dem, was diese Stelle ausmacht.


Verantwortlich für die größten Wellen der Welt ist der größte Unterwassercanyon Europas. Das geologische Phänomen, der Nazaré-Canyon, ist 227 Kilometer lang und 5000 Meter tief. Der Canyon mündet direkt an der Klippe. Gute Chancen, große Wellen zu sehen, bestehen von Oktober bis März, in den Morgenstunden. Dafür muss auch kein starker Wind wehen, er muss nur aus der richtigen Richtung kommen, und die Wasserströmung muss stimmen. Die Wellen werden jedoch nicht nur bestaunt, sondern auch gesurft. Dabei hat es schon viele Tote gegeben, trotzdem versuchen es die besten Surfer immer wieder. Die Surfer von Praia do Norte, also von Nazaré, halten die drei Weltrekorde für die größten jemals gesurften Wellen.
Es war schwer sich von dem Anblick zu trennen, aber es wurde langsam dunkel. Bevor wir mit der Standseilbahn wieder nach unten fuhren besichtigten wir noch die Wallfahrtskirche von Nazaré.



Am nächsten Morgen richteten wir unsere Schritte in Richtung Marina und Fischerhafen. Allerdings ist dort nicht viel zu sehen. So kehrten wir um und spazierten am Strand zurück. Jetzt kam sogar die Sonne hervor und alles erschien viel heller und schöner. Der Himmel wurde blau und der Strand golden.


Gestern spazierten wir schon einmal die Strandpromenade entlang. Die Menschen waren dabei, gemeinsam die Sturmschäden zu beseitigen.


Wie schon in São Martinho do Porto hatte der Sturm auch in Nazaré Verwüstungen hinterlassen. Der Sand wurde durch die halbe Stadt getragen und liegt überall auf den Straßen, bis zu 15 Zentimeter dick. Der Strom ist immer noch ausgefallen, auch Internet gibt es nicht. Heute wird weiter aufgeräumt, aber viele Läden haben wieder geöffnet, auch der Strom ist da. Am Nachmittag kam auch das Internet wieder.
In der Mitte des Strandes informiert ein Freilichtmuseum über das Leben der Fischer vor dem Tourismus-Zeitalter. Verschiedene bunte Boote und die Trockengestelle für die Fische sind zu sehen.


Die Tradition des Sonnentrocknens der Fische ist uralt. Die Männer fingen den Fisch, viele verschiedene Arten, und die Frauen verarbeiteten ihn.
Gleich gegenüber informiert das „Trockenfischmuseum“ im Kulturzentrum über das Leben von früher, und die schwere Arbeit.
Jetzt war das Wetter unverhofft so schön und warm geworden, dass wir uns ein Eis in der „Gelatomania“ nicht entgehen lassen wollten. Das letzte Eis haben wir vor Monaten gegessen. Wir holten uns einen Becher mit drei Kugeln, die normalerweise die Menge von sechs Kugeln ausmacht. Dieser kostet 5,90€, ist jedoch jeden Cent wert, und reichte gut und gerne für uns Beide. Das Eis ist super lecker und mit richtigen natürlichen Zutaten gemacht. In dem Mangoeis schmeckt man die reine Mangosoße, das Spekulatiuseis beinhaltet richtige Keksstückchen. So etwas bekommt man heute nur noch selten.

Wir genossen den Eisbecher vor der Eisdiele und beobachteten die Aufräumarbeiten, Sand von den Straßen räumen, sowie die Leute, die alle froh waren, das endlich einmal die Sonne schien.
Nazaré hat uns wirklich mit seiner Vielfältigkeit überrascht.





















































































































