Die Stadt Vagos liegt knapp südlich von Aveiro. Die Römer nannten diese Gegend Vacuus. Der Begriff deutet auf ein ausgedehntes Lagunensystem hin, mit weiten offenen Wasserflächen.
Im Mittelalter existierte die Stadt so noch nicht, da es oft Überflutungen gab und das Meer großen Einfluss hatte. Mit der Zeit schufen Versandung und Meeresrückgang neue trockene Gebiete, die zudem fruchtbar waren. So siedelten sich hier Menschen an. Noch heute ist das Gebiet rechts und links vom Rio Boco Schwemmland und Moor. Es ist ein Vogelparadies, in dem sich sogar der Schwarze Milan aufhält. Fischadler, Falken, Reiher und Regenpfeifer zählen zu den Gästen. Allerdings konnten wir bei unserem Aufenthalt keinen Vogel beobachten. Nur ein Storchenpaar baute gerade sein Nest zwischen Stadt und Uferlandschaft.
Auf einem Brettersteg hat man die Möglichkeit durch die Sumpflandschaft bis hin zum Rio Boco zu laufen.
Beim anschließenden Stadtbummel kamen wir durch einen Arkadengang zum „Amfitheater“ der Stadt. Darüber erfreut eine schöne künstliche Kaskade das Auge.
Neben dem Arkadengang hat man eine alte Feuerwehr ausgestellt, durch ein Glashaus vor Wind und Wetter geschützt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Kreisverkehres hat die Freiwillige Feuerwehr ihr Domizil.
Nur ein paar Schritte weiter steht die Pfarrkirche St. Jakobus von Vagos. Die heutige Kirche ist ein Neubau aus dem Jahre 1974. Auf Grund des Baus der Nationalstraße 109 riss man 1972 die alte Kirche aus dem 16. Jahrhundert ab, die im 18. Jahrhundert noch umfassend renoviert wurde. Nur wenige Teile der alten Kirche, wie die ästhetischen Elemente der alten Fassade, der Glockenturm, ein Kalksteinbogen und ein Grabstein mit Inschrift wurden wiederverwendet. Außerdem änderte man die Ausrichtung der Kirche.
Der Innenraum der Kirche sieht recht modern aus, aber auch hier verwendete man alte Teile, wie die Statuen und andere dekorative Teile wieder.
Sonst hat die Stadt Vagos nicht viel Sehenswertes zu bieten. Die städtische Bibliothek ist recht nett, und die kleine kreisrunde Kapelle des Heiligen Sebastian von Vagos. Laut der eingravierten Chronologie in der Türe stammt die Kapelle aus dem Jahre 1614.
Der Heilige Sebastian wird in Portugal sehr verehrt, vor allem in landwirtschaftlichen Gemeinden. Er schützt vor Hungersnot, Krieg und Pest. Diese drei Unglücksfälle prägten das Bild Portugals seit seiner Gründung. Ständige Eroberungskriege, Machtkämpfe, zwei Pestepidemien im 14. und 16. Jahrhundert und damit verbundene Ernteausfälle setzten dem Land sehr zu.
Auf der Suche nach Ausflugsmöglichkeiten fanden wir bei Google das „Unterirdische Museum“. Das klingt doch mal interessant. Knapp neun Kilometer nördlich von Curia ist das „Aliança Underground Museum“ zu finden.
Dort angekommen stellten wir fest, dass das Museum zur Weinkellerei Aliança gehört, die wiederum Teil der Bacalhȏa-Gruppe ist. Beim Besuch des ersten unterirdischen Museums verbindet man Wein und Kunst in perfekter Harmonie.
Es wird empfohlen eine Führung vorab im Internet zu buchen, was problemlos funktioniert. Bei der Anmeldung hatten wir die Wahl zwischen nur Führung für 7,-€ oder Führung mit Sektprobe für 9,50€. Wir entschieden uns für die Sektprobe, da wir bei solch einer Probe noch nie enttäuscht wurden. Man bekommt dann einfach eine gute Vorstellung von dem, was man später kaufen möchte.
Schon der Verkaufsraum mit der Anmeldung ist ein Hingucker. Drei riesige, fein geschnitzte Holzportale aus Indien dominieren den Raum.
Hinter der Glastüre, wo die Führungen starten, sind weitere Kunstgegenstände zu bestaunen. Da stehen alte Tische, einer davon mit Elfenbein-Intarsien, und Gemälde hängen an den Wänden. Eines davon zeigt die Geschichte der Jungfrau von Nazaré, auf deren Spuren wir schon in Nazaré wandelten. Das war sehr überraschend.
Die nette Führerin unserer Privatführung, da wir die einzigen Gäste dieser Runde waren, begrüßte uns sehr nett und entführte uns anschließend in die große Kunstsammlung. Der Weinkeller wurde 1940 aufgebaut. Der Besitzer der Aliança-Weinkellerei war nebenbei ein begeisterter Sammler. Mit ungefähr dreißig Jahren begann er die Welt zu bereisen, betrieb Ausgrabungen und baute verschiedene Sammlungen auf. Heute ist er zweiundachtzig Jahre alt.
Zuerst kamen wir in die afrikanische ethnologische Sammlung. Dort sind Masken, Musikinstrumente, handwerkliche Arbeiten und eine große Sammlung von Tonskulpturen zu sehen, die wie bei uns als Grabsteine fungieren. Anhand der jeweiligen Form ist zu erkennen, ob es sich um einen Mann, eine Frau oder ein Kind im Grab handelt.
Einige Masken besitzen echtes Haar, um ihnen mehr Lebendigkeit zu verleihen. In eine andere Maske wurde ein kleines Haigebiss eingearbeitet, unglaublich. Die perlenbestickte Krone eines sambischen Königs mit den zugehörigen königlichen Insignien sind ebenfalls zu sehen.
Dann wurden wir in den großen Dinner-Raum geführt. Der ist so exklusiv, dass man das Staunen nicht verbergen kann. In der Mitte des Raumes steht ein Baum, der komplett aus Fassdauben konstruiert wurde. Darunter gruppieren sich runde Tische. Spärliche Beleuchtung sorgt für etwas Privatsphäre.
Die Rückwand des Raumes besteht aus Flaschen mit rosa Sekt, die abwechselnd mit der Öffnung oder dem Boden gestapelt wurden. Das Ganze ist hinterleuchtet. Abgerundet wird der Saal mit alten Azulejo-Bildern.
Durch einen Gang mit modernen Skulpturen aus Sambia, die aus poliertem Stein bestehen, erreichten wir die Mineraliensammlung. Jede Menge großer und seltener Mineralien zieren lange Wände.
Gleich dahinter öffnet sich ein Raum mit versteinertem Holz, und der weltweit größten privaten Sammlung von versteinerten Fischen. Spätestens jetzt ist man einfach nur noch sprachlos. Ein Block aus fossilen Jakobsmuscheln, und einer aus Trilobiten zeigen, dass viele Tiere in der Urzeit wesentlich größer waren als heute.
Im nächsten Raum sind alte Azulejo-Bilder und Ornamentfliesen ausgestellt. Eines der Bilder sieht aus, als bestünde es aus Holz, ist aber tatsächlich Gips, der wie Holz aussieht.
Und wieder wird uns ein Raum gezeigt, der einzigartig in der Gestaltung ist. Das ganze Ambiente ist in Rosa gehalten. Eine Wald besteht aus rosa beleuchteten Quarzsteinen, andere Wände bestehen wieder aus Flaschen mit rosa Sekt. Die Aliança-Weinkellerei war die erste Kellerei, die rosa Sekt, überhaupt Sekt in Portugal herstellte.
Viele Räume liegen im Halbdunkel. Der nächste Gang ist sehr dunkel und führt etwas nach unten, denn hier lagert noch Wein, wie seit eh und je. Um dem Wein nicht zu schaden wird mit Licht sehr zurückhaltend umgegangen. In den bisherigen Räumen lagerte früher ebenfalls Wein. Als der Besitzer seine Sammlung hier einbrachte, musste der Wein weichen.
Am Ende des dunklen Ganges öffnet sich ein Raum mit der Keramiksammlung. Die meisten Stücke stammen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts und zeigen zumeist Tiere, Teller mit Tieren darauf oder Vasen. Solche Motive haben wir noch nie gesehen, und sie besitzen eine unglaubliche Qualität. Hergestellt wurden sie vom berühmtesten portugiesischen Keramikmeister. Leider kann ich mir die portugiesischen Namen nicht merken. Die anderen Stücke wurden nach seinem Vorbild in jüngerer Zeit hergestellt.
In den Zwischenräumen lässt sich ein Blick in einen der Weinkeller werfen.
Vorbei an alten Brennblasen erreichten wir den Raum, in dem der Sekt bis zur Reifung gelagert wird. Alle zwei bis drei Wochen wird jede einzelne Flasche, es sind Zehntausende, um eine viertel Drehung bewegt. Dadurch lagern sich die Schwebstoffe ab, die später eingefroren mitsamt dem Kronkorken entfernt werden. Dadurch entweicht auch ein Teil Sekt aus der Flasche, der mit Likör wieder aufgefüllt und verkorkt wird.
Erhellt werden die Lagerräume mit echten Tiffany-Lampen.
Nun führt ein Gang noch tiefer in den Keller, wo der Brandy lagert, der hier hergestellt wird. Zwei Sorten Brandy lagern in Fässern aus amerikanischer Eiche, während der Wein in französischen Eichenfässern reift. Dieser Keller befindet sich zwanzig Meter unter der Erdoberfläche. Entsprechend kalt ist es, was gut für die Brandy-Reifung ist, zusammen mit der Luftfeuchtigkeit.
Damit hatten wir das Ende der eineinhalbstündigen Führung erreicht. Über eine Treppe gelangten wir wieder nach oben, direkt in den Verkostungs-Raum. Wir durften zwei verschiedene Sekte und zwei Sangria, einen roten und einen grünen, probieren. Der grüne Sangria ist aus grünen Äpfeln und Pfirsich gemacht, auch sehr lecker und ein gutes Sommergetränk. Dazu reicht man zwei kleine Brötchen, die mit in Sekt getränktem Spanferkel gefüllt sind. Diese Spezialität sollen viele Restaurants der Gegend anbieten.
Wir waren von dieser liebevollen Führung und den Sammlungen mehr als begeistert. Wir erfuhren, dass die Sammlungen in diesem Weinkeller nicht die gesamte Sammlung des Besitzers ist. Weitere Teile der Sammlung werden in anderen Weinkellereien Portugals, die zur Bacalhȏa-Gruppe gehören, gezeigt. Der Wert der Sammlungen ist unermesslich. Allein die alten Azulejo-Bilder sind unbezahlbar.
Eigentlich wollten wir noch einmal nach Coimbra fahren, da es uns bei der ersten Portugalreise sehr gut dort gefallen hat. Leider wurde der schöne Stellplatz, den wir damals genutzt haben, für Wohnmobile gesperrt. Alle anderen Parkplätze sind für große Wohnmobile nicht anfahrbar oder zu klein. Also suchten wir ein neues Ziel auf dem Weg nach Norden.
So kamen wir nach Curia, nahe der Stadt Anadia. Auf der Fahrt stellten wir fest, dass dieses Gebiet nur leicht vom Sturm „Kristin“ getroffen wurde. Es gibt nur leichte Schäden, dafür ist die Landschaft immer noch ein Schwamm, Wasser wohin man sieht.
Außerdem haben wir den warmen Mittelmeerbereich verlassen. Die Landschaft ist nicht mehr so grün, es gibt viele laubabwerfende Gehölze, wie zu Hause. Dafür wachsen hier immer noch Zitrusbäume und wärmeliebende Grünpflanzen, auch Plamen gibt es noch. Während zum Beispiel im Süden Portugals die Strelitzien schon verblüht sind, beginnen sie hier erst ihre Blüten zu öffnen. Hier und da blühen Osterglocken, Narzissen und Funkien, sogar Fresien, alles Pflanzen, die in Deutschland erst im März den Frühling einläuten.
Curia ist ein Kurort mit Thermalquellen, die schon die Römer kannten. Es ist eines der ältesten und bekanntesten Kurbäder Portugals. Normalerweise soll das Kurhotel im Winter geöffnet haben. Bei unserem Besuch jetzt war es geschlossen, wahrscheinlich wegen des Wetters. Der Großteil des dreizehn Hektar großen Gartens steht unter Wasser. Er beherbergt zwar einen See, der einer der größten künstlichen See´n Europas ist, jetzt aber noch viel größer ist. Sogar ein Teil des Kurgebäudes steht unter Wasser.
Abgesehen davon sehen die Bäume in Curia aus, als wäre dies eine regenreiche Ecke. Der Kurgarten vermittelt das Bild eines Regenwaldes, überall wachsen Flechten und Moose auf den Bäumen. Sehr ungewöhnlich, nachdem was wir in Portugal sonst gesehen haben.
Auf dem hohen Schornstein des Kurhotels nistet ein Paar Störche.
Eine andere Sehenswürdigkeit ist das Palast-Hotel. Es stammt wohl aus den 1920er/30er-Jahren und wurde vor einer Weile rekonstruiert. Der Empfangsraum versetzt mit seinem Ambiente in diese Zeit, der Fahrstuhl ist noch original.
Der Garten ist gepflegt, um das alte Pool-Gebäude hat sich indes noch niemand gekümmert.
Zum nicht weit entfernt gelegenen Bahnhof führt eine alte Platanenallee, die eine gepflasterte Straße säumt.
Im 1940 erbauten Bahnhofsgebäude Combolos in Curia, welches 2009 renoviert wurde, ist inzwischen eine Touristeninformation mit angeschlossenem Weinverkauf untergebracht, die zum Projekt „Bairrada-Route“ gehört. Sehenswert sind die kleinen Warteräume der 2. und 3. Klasse, mit den alten Wandfliesen.
Das Projekt „Bairrada-Route“ aus dem Jahre 2007 wurde mit dem Ziel gegründet, eine vielfältige Region zu schaffen, bekannt zu machen und zu fördern. Zum Verband gehören acht Gemeinden von Aveiro bis Coimbra, Weinproduzenten, Hotels, Restaurants und verschiedene andere touristische Einrichtungen.
Das Zentrum des Sturmes „Kristin“ zog direkt durch die Landschaft, durch die wir von Batalha nach Figueira da Foz fuhren. Entsprechend schlimm sieht es überall aus. Schneisen der Verwüstung wohin man sieht. Abgedeckte Dächer, sämtliche Werbetafeln sind zerstört, direkt knapp über dem Boden abgeknickt, die Hälfte der Verkehrsschilder wurde umgeknickt, der halbe Wald existiert nicht mehr. Die Bäume, zumeist Kiefern, knickten wie Streichhölzer in der Mitte ab. Viele Bäume wurden aus der Erde gerissen. Es gibt nur wenige Häuser, die nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Nicht ist mehr wie es war.
In einer portugiesischen Meldung wird berichtet, dass es im Gebiet Coimbra Windböen bis zu 208,8 km/h gab. Das ist neuer nationaler Rekord. Der Schaden, den der Sturm hinterlassen hat, wird mit mindestens 2,5 Milliarden Euro beziffert. Dazu kommt der ewige Regen. Ganz Westportugal steht unter Wasser: Flüsse führen Hochwasser, Felder und Wälder sind geflutet. Die ganze Landschaft ist ein Schwamm.
Figuera da Foz ist ein großes Seebad mit Hafen und Stränden. Der Parkplatz auf der nördlichen Seite der Mündung des Rio Mondego bietet einen für Wohnmobile abgetrennten Bereich.
Das erste, was wir bei unserer Ankunft sahen, war ein umgefallenes Riesenrad auf dem nebenan liegenden PKW-Parkplatz, Totalschaden. Das hat wohl einen mächtigen Wumms gegeben, als es vom Sturm umgeworfen wurde.
Zudem beseitigte man die Sturmschäden an den Bäumen. Das Grünzeug lagerte man vorerst auch auf dem Parkplatz.
Am Abend zog dann der zweite Sturm über uns hinweg. Dieser war mit „nur“ 100 km/h recht harmlos.
Am nächsten Tag besichtigten wir einen Teil der Stadt Figueira da Foz. Wir begannen unseren Rundgang am Fort Santa Catarina da Figueira da Foz, 1585 erbaut. Dort verlief wohl auch die Stadtmauer, von der nur noch kurze Reste übrig sind. Um das Fort hat man Wasserbecken gebaut, um es etwas attraktiver zu machen.
Die Festung bildete zusammen mit den Festungen Buarcos und Palheiros einen strategischen Bestandteil des Verteidigungsdreiecks zwischen Porto und Baia da Figueira. Die dreieckige Festung Santa Catarina beherbergt im Inneren eine kleine Kapelle, zwei Kasernen und einen Leuchtturm.
Wir spazierten die Straße am Hafen entlang und kamen zu einer schmalen Querstraße. Dort war man gerade dabei eines der alten Häuser zu rekonstruieren. Der Sturm „Kristin“ warf jedoch den Baukran um, der sich um eines der Häuser wickelte. Das obere Ende des Kranes hing quer über die nächste Querstraße. Mit Hilfe eines anderen Kranes versuchte man den havarierten Kran zu bergen. Dabei war die Presse anwesend, um dieses Ereignis zu dokumentieren. Langsam kommen wir uns wie Katastrophen-Touristen vor. Portugal ist wirklich schwer getroffen.
Etwas weiter befindet sich die Markthalle der Stadt. Als wir dort ankamen waren schon fast alle Stände geschlossen. Nur ein paar Gemüsehändler boten noch ihre Ware an.
Eine der Sehenswürdigkeiten von Figueira da Foz ist die Casa do Paço, ebenfalls an der Uferstraße gelegen. Von außen eher unscheinbar, beherbergt das Gebäude 8000 Delfter Fliesen. Man hatte sie Ende des 17. Jahrhunderts von einem Schiff geborgen, welches Schiffbruch erlitt. Leider hatte es bei unserem Besuch geschlossen.
Dann bogen wir in die Straße Largo Luis de Camões ein. Dort fanden wir hinter dem Denkmal für die Gefallenen des Großen Krieges den alten Pranger aus dem Jahre 1782. Heute nennt man die gedrehte Säule „Das städtische und Gerichtsdenkmal“.
Zuletzt besichtigten wir noch die Katholische Kirche „Igreja Matriz de São Julião“, mit einem schönen Platz davor.
Innen ist die Kirche schlicht, wartet aber mit wunderschönen weiß-blauen Azelejos auf.
Direkt vor der Kirche steht das Gebäude der Feuerwehr.
Auf dem weiteren Rückweg kamen wir am Casino vorbei, einem schönen Altbau von Ende des 19. Jahrhunderts. Es war das erste Casino des Landes. Direkt daneben steht ein modernen Glasbau, worin sich das Casino heute befindet.
Unten am Strand, an der Avenida 25 de Abril steht der Uhrenturm, ein ziemlich neuer Bau, so Mitte des 20. Jahrhunderts.
Was uns bei diesem Rundgang auffiel ist, dass es eine Unmenge großer Paläste in der Stadt gibt. Viele von ihnen auch gut erhalten oder rekonstruiert. Die Einwohner der Stadt müssen einmal sehr reich gewesen sein. Ende des 19. Jahrhunderts war Figueira als mondänes Seebad bekannt.
Wegen der vielen Regengüsse verbrachten wir viel Zeit im Wohnmobil. Dabei konnten wir Möwen beobachten, die sich frische Miesmuscheln aus dem Wasser holten. Sie brachten sie zum Parkplatz, ließen sie aus einiger Höhe fallen und kamen so leicht an das Muschelfleisch heran.
Nordöstlich von Alcobaça liegt Batalha. Kurz vor Batalha wollten wir noch eine ruhige Nacht in dem kleinen Ort Calvaria de Cima verbringen. Dort bietet man einen kostenlosen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung an. Da der Platz jedoch mitten im Wald liegt, am Fußballplatz des Ortes, war uns ein längerer Aufenthalt zu gefährlich. Überall waren Bäume umgefallen, und Äste abgeknickt. Die meisten Bäume des Waldes hatte der Sturm „Kristin“ in Schräglage gebracht. Wir befürchteten, dass der nächste Windstoß einen dieser Bäume auf unser Wohnmobil fallen lässt. Deshalb mussten wir weiter fahren.
Das alles bestimmende Ziel in Batalha ist das Dominikanerkloster Santa Maria da Vitória. Der Grundstein für dieses Kloster wurde 1385 gelegt. Der Bau dauerte zweihundert Jahre. Wir hatten uns dieses Kloster, welches zum UNESCO-Welterbe zählt, für einen Besuch ausgesucht. Es besticht durch seine gotische Architektur. Durch die prunkvollen manuelinischen Elemente, nach König Manuel I. benannt, der im frühen 16. Jahrhundert Portugal zu seiner wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeit führte, bekommt das Kloster einen besonderen Glanz. Der manuelinische Baustil vereint verschiedene europäische Baustile, die mit maritimen Ornamenten erweitert wurden. Eingeordnet wird der Baustil in die Zwischenzeit von Gotik und Renaissance. Auf jeden Fall ist dieses Kloster ein Hingucker. Nur zu besuchen war es gerade nicht. Durch die Sturmschäden von „Kristin“ hat man das Kloster für einige Tage geschlossen, aus Sicherheitsgründen. Das fanden wir mehr als schade, denn die Bilder, die man so sieht, machen neugierig.
So blieb uns nur die Umrundung des Klosters, was auch sehr interessant ist. Auffallend sind mehrere Säulen, die aussehen, als wären dort in früheren Zeiten Turmspitzen oder eine Kuppel darauf gewesen. Eine Informationstafel klärt darüber auf, dass dies der Raum mit sieben Grabkapellen ist. Er wurde 1434 begonnen und nie vollendet.
Nun richteten wir unsere Schritte in die kleine Altstadt von Batalha. Dabei kommt man zuerst zu einer kleinen Kirche, die Kirche der Kreuzerhöhung. Die Einwohner der Stadt hatten den Wunsch nach einer Pfarrkirche. Man entsprach diesem Wunsch und baute 1532 diese kleine Kirche. Sie ist im Ganzen schlicht, zeichnet sich aber durch ein wunderschönes Portal aus. Es weist barocke und manuelinische Elemente auf.
Das alte Holzdach des Kirchenschiffs stürzte 1858 bei einem Erdbeben ein. Man nutzte die Gelegenheit und baute neben einem neuen Kirchendach auch einen neuen Glockenturm, im gleichen Stil wie das Portal.
In den Gassen der kleinen Altstadt sind einige sehr schön erhaltene alte Gebäude zu finden. So auch die Kapelle der Santa Casa da Misericórdia. 1714 als Sitz der Bruderschaft des Hospitals der Heiligen Maria vom Sieg erbaut, wandelte man es später zum Haus der Barmherzigkeit um. Kurz darauf errichtete man daneben eine Kapelle, wo einst eine alte Kirche stand.
Etwas von der Altstadt entfernt befindet sich die Kooperative der Weinhersteller von Batalha. Der Shop war geschlossen, wahrscheinlich hatten sie noch mit dem aufräumen der Sturmschäden zu tun.
Zum Schluss unseres Rundgangs durch Batalha trafen wir auf die winzige Kapelle Nossa Senhora do Caminho. Das Baudatum ist unbekannt. Man vermutet jedoch, dass dieses Marienheiligtum vor zwei- bis dreihundert Jahren von Mönchen des Klosters erbaut wurde. Einer alten Legende nach erschien das Bildnis der Jungfrau Maria mehrmals an dieser Stelle, woraufhin man diese kleine Kapelle baute.
Das Wohnmobil hatten wir auf dem Stellplatz der Stadt abgestellt, wo wir auch übernachteten. So konnten wir, als es draußen dunkel war, die schöne Beleuchtung des Klosters bewundern.
Hinter diesem Parkplatz liegt ein kleiner Park, direkt am Fluss. Dort halten sich Gänse und Flugenten auf. Der Fluss führt so viel Wasser, dass es sogar einen reißenden Wasserfall gibt.
Seit wir am 22. Januar in Milfontes zur Heimreise aufbrachen regnet es jeden Tag. Es bleiben meistens nur ein bis zwei Stunden am Tag, an denen es eine Regenpause gibt. Eine solche Regenpause hatten wir beim Besuch von Alocbaça und Batalha erwischt.
Wir entfernen uns ein wenig von der Atlantikküste und fahren nach Alcobaça. Dort ist der größte Sakralbau Portugals zu besichtigen, das Zisterzienser-Kloster Santa Maria de Alcobaça. Es wurde 1153 gegründet und 1833 von den Mönchen verlassen.
Die Stadt bietet einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz, von dem aus man schnell in der Altstadt und am Kloster ist.
Dafür überquert man den Rio Baça und läuft durch schmale Gassen. Wie in vielen Altstädten in Portugal ist auch hier viel Bausubstanz in schlechtem Zustand. Einige alte Häuser wurden dagegen rekonstruiert.
Vor dem Haupteingang des Klosters breitet sich ein großer freier Platz aus. Das Kloster ist nach Zahlung eines Eintrittspreises von 15,-€ zu besichtigen. Da wir nicht zwei Klöster hintereinander besuchen wollten, entschieden wir uns für den Besuch des Klosters in Batalha, welches uns mit seiner filigranen Architektur besser gefällt.
So beließen wir es bei der äußeren Besichtigung des Klosters in Alcobaça. Von der Treppe des Haupteinganges aus kann man das Kastell von Alcobaça auf der Kuppe des gegenüberliegenden Berges sehen.
Auf dem Rückweg zum Stellplatz spazierten wir noch zum Justizpalast mit seinem Garten.
Fast nebenan steht ein hübsches kleines Schlösschen, das Rathaus von Alcobaça.
Unser nächstes Ziel Nazaré kennt man aus dem Fernsehen. Es ist die Stadt an Portugals Küste mit den extrem hohen Wellen, die sich nur an einer Stelle aufbauen. Aber schon bei näherer Betrachtung hat Nazaré einiges mehr zu bieten.
Direkt neben der N-Bar Concerto, etwas vom Strand entfernt gelegen, bietet ein riesengroßer Platz die Möglichkeit Wohnmobile zu parken.
Von dort aus starteten wir zuerst, trotz Regen, einen Spaziergang zur Markthalle. Leider waren wir etwas zu spät dort, denn sie schließt um 13 Uhr. Der Fischverkauf war schon vorüber, aber man konnte noch Fleisch, Obst und Gemüse kaufen. Die Preisunterschiede bei den Händlern sind enorm, so dass man unbedingt die Preise vergleichen sollte.
Gleich neben einem der Eingänge zur Markthalle befindet sich die Tourist-Information. Da wir seit dem Sturm kein Internet haben, nutzten wir gleich die Gelegenheit, das dortige WLAN für die wichtigsten Dinge zu beanspruchen. Außerdem holten wir uns einen Stadtplan von Nazaré. Darin steht, dass Nazaré ein hervorragendes Urlaubsziel ist, bei dem Tradition und Moderne Hand in Hand gehen. Der Fischerei- und Freizeithafen, der lange Sandstrand und vor allem die größten Wellen der Welt sind nur einige Punkte.
Noch bis in die jüngste Vergangenheit war Nazaré ein Fischerdorf mit Postkartenmotiven. Bunt bemalte Boote wurden mit Ochsen aus dem Wasser gezogen und Frauen, mit knielangen weiten Röcken, trockneten Fische auf Gestellen in der Sonne oder bereiteten sie für den Verkauf auf dem Markt vor. Reste vom alten Nazaré sind noch hinter den Neubauten entlang des Strandes zu sehen, zirka zwei Meter unter dem heutigen Niveau. Daran kann man erkennen wie schnell Dünen wachsen.
Dies alles spielte und spielt sich in der Unterstadt von Nazaré ab. Am nördlichen Ende des Strandes erhebt sich eine Klippe, mit einer kleinen Festung aus dem Jahre 1577 auf deren Spitze. Etwas weiter hinten, auf der Klippe, liegt Sitio, ein alter Wallfahrtsort für die Jungfrau von Nazaré, der ins 12. Jahrhundert zurück geht.
Eine jahrhundertealte Stadtseilbahn verbindet die Unterstadt mit der Oberstadt. Als wir ankamen meinten wir die Bahn sei außer Betrieb, denn der Bahnkörper und die obere Station bieten ein sehr traurigen Anblick. In der Tourist-Info erfuhren wir, dass die Bahn fährt und ständiger Wartung unterliegt. Also spazierten wir durch die Gassen der Unterstadt zur Bahnstation.
Die Eingangshalle ist hell und freundlich gestaltet, auch die wartende Bahn ist neu. Tagsüber fährt die Bahn alle viertel Stunde, nachts alle halbe Stunde. Der Fahrpreis beträgt 2,50€ für eine Fahrt, hin und zurück kostet 4,-€.
Da wir nun schon einmal hier waren entschieden wir, die Bahn zu nutzen und uns Nazaré von oben anzusehen. Wir stiegen also in den Wagen. Als es losging stieg der Fahrer des Wagens ein, schaltete etwas ein und legte die Hände in den Schoss. Der Rest geht automatisch. Der Wagen setzte sich in Bewegung und gleichzeitig startete der Wagen in der oberen Station, um nach unten zu fahren. In der Mitte ist die Strecke zweigleisig, damit die Wagen aneinander vorbeifahren können.
Oben angekommen, stiegen wir aus und wendeten uns zuerst zum Aussichtspunkt, direkt über der oberen Station. Wir wurden mit einer gigantischen Aussicht überrascht, auch wenn das Wetter regnerisch war.
Dann folgten wir dem Weg an der Mauer entlang, die am Rand der senkrecht abfallenden Klippen steht.
Durch eine Gasse gelangten wir zu einem großen Platz, auf dem ein Riesenrad steht. Gleich gegenüber erhebt sich die Wallfahrtskirche der Jungfrau von Nazaré.
Wir wendeten uns jedoch nach links und kamen zu einer kleinen Kapelle. Von außen schlicht anzusehen beeindruckt sie aber im Inneren. Decke und Wände sind mit weiß-blauen Fliesen, den typischen Azulejos, bedeckt. Auch das Dach ist mit Fliesen belegt. Die Kapelle sieht sehr alt aus.
Ein Stück weiter kommt man zum Aussichtspunkt Suberco, wo der Blick von der Stadt über den Strand bis hin zum Klippenende schweift. Dort wollen wir hin, dort will jeder hin, der Nazaré besucht. Denn vor dieser Stelle, dem Big Wave Hot-Spot, sind die größten Wellen der Welt zu finden, wenn die Wetterlage stimmt.
Dafür muss man noch einen knapp einen Kilometer langen Weg bewältigen, der an dem kleinen Fort endet. Leider war das Fort bei unserem Besuch geschlossen, von dessen Dach man die Wellen eigentlich beobachten kann. Uns blieb nur ein Blick an der Seite des Forts vorbei. Von diesem Standpunkt aus ist das Wellenspektakel nicht so gut zu beobachten. Trotzdem bekamen wir eine Vorstellung von dem, was diese Stelle ausmacht.
Verantwortlich für die größten Wellen der Welt ist der größte Unterwassercanyon Europas. Das geologische Phänomen, der Nazaré-Canyon, ist 227 Kilometer lang und 5000 Meter tief. Der Canyon mündet direkt an der Klippe. Gute Chancen, große Wellen zu sehen, bestehen von Oktober bis März, in den Morgenstunden. Dafür muss auch kein starker Wind wehen, er muss nur aus der richtigen Richtung kommen, und die Wasserströmung muss stimmen. Die Wellen werden jedoch nicht nur bestaunt, sondern auch gesurft. Dabei hat es schon viele Tote gegeben, trotzdem versuchen es die besten Surfer immer wieder. Die Surfer von Praia do Norte, also von Nazaré, halten die drei Weltrekorde für die größten jemals gesurften Wellen.
Es war schwer sich von dem Anblick zu trennen, aber es wurde langsam dunkel. Bevor wir mit der Standseilbahn wieder nach unten fuhren besichtigten wir noch die Wallfahrtskirche von Nazaré.
Obere Station der Standseilbahn
Am nächsten Morgen richteten wir unsere Schritte in Richtung Marina und Fischerhafen. Allerdings ist dort nicht viel zu sehen. So kehrten wir um und spazierten am Strand zurück. Jetzt kam sogar die Sonne hervor und alles erschien viel heller und schöner. Der Himmel wurde blau und der Strand golden.
Gestern spazierten wir schon einmal die Strandpromenade entlang. Die Menschen waren dabei, gemeinsam die Sturmschäden zu beseitigen.
Wie schon in São Martinho do Porto hatte der Sturm auch in Nazaré Verwüstungen hinterlassen. Der Sand wurde durch die halbe Stadt getragen und liegt überall auf den Straßen, bis zu 15 Zentimeter dick. Der Strom ist immer noch ausgefallen, auch Internet gibt es nicht. Heute wird weiter aufgeräumt, aber viele Läden haben wieder geöffnet, auch der Strom ist da. Am Nachmittag kam auch das Internet wieder.
In der Mitte des Strandes informiert ein Freilichtmuseum über das Leben der Fischer vor dem Tourismus-Zeitalter. Verschiedene bunte Boote und die Trockengestelle für die Fische sind zu sehen.
Die Tradition des Sonnentrocknens der Fische ist uralt. Die Männer fingen den Fisch, viele verschiedene Arten, und die Frauen verarbeiteten ihn. Gleich gegenüber informiert das „Trockenfischmuseum“ im Kulturzentrum über das Leben von früher, und die schwere Arbeit.
Jetzt war das Wetter unverhofft so schön und warm geworden, dass wir uns ein Eis in der „Gelatomania“ nicht entgehen lassen wollten. Das letzte Eis haben wir vor Monaten gegessen. Wir holten uns einen Becher mit drei Kugeln, die normalerweise die Menge von sechs Kugeln ausmacht. Dieser kostet 5,90€, ist jedoch jeden Cent wert, und reichte gut und gerne für uns Beide. Das Eis ist super lecker und mit richtigen natürlichen Zutaten gemacht. In dem Mangoeis schmeckt man die reine Mangosoße, das Spekulatiuseis beinhaltet richtige Keksstückchen. So etwas bekommt man heute nur noch selten.
Wir genossen den Eisbecher vor der Eisdiele und beobachteten die Aufräumarbeiten, Sand von den Straßen räumen, sowie die Leute, die alle froh waren, das endlich einmal die Sonne schien. Nazaré hat uns wirklich mit seiner Vielfältigkeit überrascht.
Zwischen Foz do Arelho und Nazaré liegt eine fast exakt halbkreisförmige Bucht zwischen den Orten Salir do Porto und São Martinho do Porto. Diese wollten wir uns ansehen.
Direkt an der Düne von Salir do Porto befindet sich ein Parkplatz. Normalerweise für Wohnmobile gesperrt, aber jetzt kann man wenigstens tagsüber dort stehen.
Anhand einer Informationstafel erfuhren wir, dass die Düne, an der wir uns befanden, die größte Düne Portugals ist. Sie hat eine Länge von 200 Metern und eine Höhe von 50 Metern. Sie liegt an der Mündung des Flusses Tornada. Wind und Wellen haben über Jahrtausende an der Küste und am Strand Sand abgelagert.
Heute wachsen hier viele Pflanzen, die mit dem sandigen Boden und dem extremen Wetter der atlantischen Küste gut zurecht kommen, wie Stachelige Binse oder Strand-Goldlack.
Die ruhige Badebucht mit dem langen Strand ist jedoch nicht ganz ungefährlich, denn hin und wieder werden Portugiesische Galeeren in die Bucht gespült. Wer mit dieser Quallenart Bekanntschaft macht, dem vergeht ganz schnell das Lachen.
Die Bucht wird von zwei Landzungen vom Atlantik zu einem großen Teil abgetrennt. Auf der einen Spitze steht die Kapelle Santa Ana, gegenüber befindet sich der Leuchtturm von São Martinho do Porto.
Im Moment werden durch die vielen Regenfälle so viele Sedimente in die Bucht gespült, dass das Wasser braun ist. Wenn das Wasser im Sommer klar und blau ist sieht dieses Stück Land sicher sehr beeindruckend aus.
Bei der Anfahrt über die Höhen konnten wir sehen, dass das Flusstal des Tornada weitläufig überschwemmt ist.
In São Martinho do Porto spazierten wir noch etwas durch die Stadt und am Strand entlang. Hier sind die Spuren des Sturmes am Tag zuvor sehr deutlich: zerbrochene Schaufensterscheiben, kaputte Markisen, abgefallene Schriftzüge von den Geschäften, herunter gefallene Dachziegel und überall Sand. Es sieht schlimm aus. Da kommt eine ganz hübsche Schadenssumme zusammen, und die Aufräumarbeiten sind nicht unerheblich.
Die Promenade am Strand entlang ist jedoch sehr schön, wie auch der Blick über die Bucht hin zur schmalen Öffnung zum Atlantik.
Nachdem es schon eineinhalb Tage geregnet und gestürmt hat suchte ich nach der Live-Webcam von Nazaré. Nazaré ist bekannt für seine gigantischen Wellen, die bei bestimmten Wetterlagen an der Küste auftreten. Trotz vielen Windes, der von See kommt, sind die Wellen dort gerade nicht hoch.
Bei der Suche stieß ich zufällig auf eine Karte, die die aufziehenden Stürme zeigt. Nach dieser mussten wir in den nächsten Stunden, bis zum Mittag des nächsten Tages mit einer starken Sturmfront rechnen. In der portugiesischen Wettervorhersage nennt sich das „Extreme Warnung vor Küstenereignis“. Warnungen vor Küstenereignissen hatten wir auf dieser Reise schon viele, aber extrem? Das nahmen wir ernst und blieben vorerst auf dem Stellplatz in Foz do Arelho, da er etwas entfernt von der atlantischen Küste liegt. Denn es wurden neben großen Windstärken auch Wellen mit 7 bis 14 Metern vorausgesagt.
Der Abend verlief sehr ruhig, die berühmte Ruhe vor dem Sturm. In der Nacht dann, gegen 3.20 Uhr erreichte der Sturm „Kristin“ seinen Höhepunkt. Er fegte fast zweieinhalb Stunden mit Böen von 120 bis 140 km/h über uns hinweg. Zu allem Unglück boten wir ihm, der Stellplatzordnung geschuldet, unsere volle Breitseite. In solchen Fällen drehen wir das Wohnmobil mit der schmalen Seite in den Wind, was hier nicht möglich war.
Nach zweieinhalb Stunden, an Schlaf war nicht zu denken, denn wir wurden mächtig durchgeschüttelt, verlor der Sturm seine Kraft und machte in seinem normalen Tempo weiter. Am nächsten Morgen waren die Wohnmobile alle mit einer dicken Salz- und Schmutzschicht überzogen. Der Stellplatz stand ein weiteres Mal fast komplett unter Wasser. Der Strom war schon während dem Sturm ausgefallen. Wie wir am nächsten Morgen erfuhren hatte die ganze Stadt keinen Strom. Leider auch kein WLAN, so dass ich diesen Beitrag hätte zeitnah veröffentlichen können.
Als wir den Stellplatz verließen erkannten wir, dass wir trotzdem noch relativ geschützt standen, denn wir wurden wenigstens vom angewehten Sand verschont. Der hatte sich bis zum vorm Stellplatz liegenden Parkplatz vorgearbeitet und die geparkten Autos mit Sand zu geweht. Außerdem hatte der Sturm einige Kiefern aus dem Boden gerissen.
Nach der Wettervorhersage soll es noch ein paar Tage weiter stürmen und noch über eine weitere Woche regnen. Hört das denn nie mehr auf?
Das Zentrum des Sturms „Kristin“ lag knapp nördlich von uns, zwischen Nazaré und Porto. Sogar im südlichern gelegenen Lissabon stürzte ein Baum auf ein Auto und tötete einen Mann. Überall wurden Straßen unpassierbar.Am Ende des Sturmes waren sechs Tote zu beklagen.
Dieses Wettergeschehen nennt sich „explosive Zyklogenese“, oder Wetterbombe. Das heißt, die Intensivierung der Wetterereignisse laufen so schnell ab, dass sie eine zerstörerische Kraft entfalten.
Wir haben nun den Sturm überstanden, dafür baut sich ein Orkantief vom Atlantik kommend, durch die Straße von Gibraltar fegend, über dem gesamten Mittelmeerraum auf. Wir fahren erst einmal etwas weiter nach Norden, nach Nazaré.
Von der Halbinsel Setúbal zur Lagune von Obidós fuhren wir durch eine Berglandschaft mit oft sandigem Boden, vielen Kiefern und einigen kleinen Korkeichenwäldern. Die Straßen sind ziemlich schlecht. In den Küstenregionen sind manchmal Salinen und Reisfelder zu finden, auch Weinanbau ist wieder ein Thema.
Die Lagune von Obidós ist ein Erholungsgebiet und wird durch eine Sandbank vom Atlantik getrennt. Dadurch ist das Wasser ruhiger. An der breitesten Stelle misst die Lagune ca. 1,8 km, die Länge beträgt heute noch 5 Kilometer. Jetzt, nach monatelangem Regen ist das Wasser braun, aber wenn man die Lagune von einem etwas erhöhtem Standpunkt aus betrachtet ahnt man schon, dass es ein sehr schönes Gebiet ist.
Wir stehen auf dem Wohnmobilstellplatz in Foz do Arelho, direkt am Ufer der Lagune. Die Nacht kostet 10,-€, inklusive aller Serviceleistungen. Nur eine warme Dusche kostet 1,-€ extra. Steht man in der ersten Reihe, dann zahlt man noch 2,-€ drauf, aber bei dem eher herbstlichen Wetter mit Regen und Sturm ist es besser, man steht etwas geschützter.
Seit wir vor vier Tagen von Milfontes aufgebrochen sind regnet es fast ununterbrochen, meist heftig, seit gestern stürmt es dazu. In der Wettervorhersage zeichnet sich auch in den nächsten eineinhalb Wochen keine Änderung ab. Nicht das, was man sich für eine Erkundungstour wünscht. Egal, wohin man sieht, es herrscht in ganz Europa, bis hin nach Marokko und zur Türkei, das gleiche schlechte Wetter. Die Temperaturen sind auch überall gleich, nur dass es im Süden regnet und im Norden schneit. Solch einen Winter haben wir noch nie erlebt.
Die Stadt Foz do Arelho reicht von der atlantischen Küste weit ins Landesinnere, entlang der Lagune. Die Häuser schmiegen sich an die Hänge. Viele Häuser und Grundstücke lassen auf Eigentümer mit viel Geld schließen. Am Strand entlang reihen sich Restaurants und Strand-Bar´s.
Nicht weit vom Stellplatz ragt ein einsamer Löss-Felsen aus der Landschaft, mit einem großen Loch darin. Er hat den Namen „Penedo Furado“. Normalerweise findet man solche Felsen in Küstennähe, wo Wind und Wellen ihr Werk verrichten. Deshalb geht man davon aus, dass vor mehreren tausend Jahren die Lagune von Obidós zum Meer hin offen war, und weniger verschlammt. Dazu lag der Meeresspiegel etwas höher. Trotzdem ist dieser einzelne Felsen etwas besonderes.
Am Südrand der Altstadt von Foz do Arelho stehen alte Gebäude mit einem vernachlässigten großen Garten und alten Platanen. Es sieht aus, als wäre das einmal eine Abtei gewesen. Im Garten beobachteten wir eine Ziegenfamilie und einen Pfau.
Das Umland von Foz do Arelho ist von Kiefern- und Eukalyptuswäldern umgeben.Eukalyptus ist hier offensichtlich ein wirtschaftlicher Faktor.