A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Ponte de Lima

Auf dem Weg von Vila do Conde nach Ponte de Lima fuhren wir durch Barcelos. Barcelos soll ganz hübsch sein und ist der „Geburtsort“ des Hahnes, der zu Portugals Nationalsymbol wurde. Zu diesem Hahn gibt es eine Legende. Ein galicischer Pilger wollte nach Santiago de Compostela. In Barcelos wurde er wegen eines vermeintlichen Diebstahls von Silber zum Tode verurteilt. Am Galgen äußerte er seinen letzten Wunsch. Er wolle den Richter sprechen, der gerade dabei war einen gebratenen Hahn zu essen. Als Beweis der Unschuld des Galiciers würde der Hahn vom Teller aufstehen und krähen. Der Richter ignorierte diesen Wunsch und der Galicier wurde gehängt. Als der Gefangene am Strick hing, stand der Hahn wie prophezeit vom Teller auf und krähte. Der Richter eilte zum Galgen. Dank eines losen Knotens überlebte der Galicier. Seither ist der Hahn überall in Portugal zu sehen. In Barcelos steht eine große Hahn-Skulptur am Kreisverkehr Galo-Barcelos.

Leider fanden wir nicht die richtige Straße zu einem großen Parkplatz am Flussufer. Auf der erfolglosen Suche nach einem anderen Weg wollten wir die Stadt verlassen und fuhren uns sogar in den Gassen am südlichen Flussufer fest. Wir mussten rückwärts aus einer Gasse herausmanövrieren, was bei dem endlosen Verkehr kaum möglich ist. Mit etwas Durchsetzungsvermögen schafften wir es dann doch und fuhren Richtung Norden weiter.

In Balugães hielten wir noch einmal, auch um dort zu übernachten. Die Fahrt über die Straßen, die in den Norden Portugals führen, wird immer anstrengender, denn sie werden immer schlechter. Viele große und kleine Schlaglöcher tun sich auf, da ist ständiges Slalomfahren angesagt.

In Balugães angekommen, steuerten wir den Parkplatz vor der Kirche an, zu dem eine ziemlich steile Straße hinaufführt. Der Parkplatz ist so schief, dass wir uns zur Weiterfahrt entschieden. Vorher besichtigten wir jedoch noch die Wallfahrtskirche, die für Pilger auf dem Jakobsweg eine wichtige Station ist. Die einzigartige historische Bedeutung dieses Ortes beruht auf einer Marienerscheinung im 18. Jahrhundert.

Das Gelände ist weitläufig und es bietet sich eine schöne Aussicht über das Land. Gegenüber der Kirche steht eine kleine Kapelle, oberhalb eine Andachtsstätte für die Jungfrau Maria, zu der eine lange Treppe führt.

Jetzt fuhren wir nach Ponte de Lima weiter, noch einmal zwanzig Kilometer schlechte Straße. Geschafft erreichten wir den Parkplatz am Fußballplatz. Drumherum liegen Wiesen mit Bäumen, Weinfelder und Gemüsegärten. Dort wo es grün sein sollte schwimmen jetzt Enten. Das Land ist komplett überflutet. Das liegt aber nicht am Rio Lima, der durch die Stadt fließt und Hochwasser führt, sondern es ist Wasser aus den Bergen. Es regnet und schüttet immer noch jeden Tag.

Wir wollten am Flussufer entlang zur Stadt laufen, aber der Weg durch den Auenwald ist teilweise überflutet. So mussten wir wieder zurück und den Weg an der Messehalle vorbei nehmen.

Heraus kamen wir an der Kapelle São João. Von hier aus hat man einen wunderschönen Blick zur Stadt Ponte de Lima, der alten Römerbrücke und über den Rio Lima zur Kirche de Santo António da Torre Velha.

Ich als Dresdnerin sah sofort eine Parallele. Das Panorama, welches sich bietet, entspricht der Skylinie Dresdens im Kleinen. Das Elbufer, allerdings ohne Brühl´sche Terrasse, die Elbe bei Hochwasser, eine alte Brücke, eine neue Brücke und die Neustadt. Dazu die Barockbauten, selbst die Dimensionen stimmen. Unglaublich.

Die alte Brücke entstand wahrscheinlich im 1. Jahrhundert durch die Römer. Nur ein kleiner Teil der Brücke, der am gegenüberliegenden Flussufer, ist noch halbwegs original. Vielleicht wurde die Brücke irgendwann zerstört, deshalb baute man sie im Mittelalter, wahrscheinlich 1370, nach. Sie bekam 1504 eine Pflasterung und Zinnen auf die Mauern.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts riss man auf Grund des Verkehrs einen Großteil der Verteidigungsanlage der Stadt ab, auch die Zinnen auf der Brücke.

Im Wasser, eigentlich am gegenüberliegenden Ufer des Rio Lima, steht das Standbild des römischen Generals Decius Junius Brutus.

Vor der Kirche de Santo António da Torre Velha steht ein großer Stein mit dem Antlitz von António de Santiago. Genau hier führt ein wichtiges Stück des Jakobsweges durch.

In den alten Gassen hinter einem Pilgerhotel findet sich ein ehemals wunderschönes Haus, heute eine Ruine.

Wenn man rechts in die Rua de Trás-os-Palheiros einbiegt, steht man gleich bei einem Restaurator vor dem Haus. In mühevoller Handarbeit restauriert er alte Dinge und stellt Souvenirs für die Pilger aus Holz her. Der sehr nette Mann, der seine Gäste in vielen Sprachen der Welt begrüßen kann, zeigte uns sein Reich. Gerade baute er ein Bett zu einer Bank um.

Außerdem bietet er alles für die Pilger des Jakobsweges an, wie die Ausweise, Stempel und vieles andere. Von hier nach Santiago de Compostela haben die Pilger noch 159 Kilometer zurück zu legen.

Ganz in der Nähe liegt der Themenpark Arnado. Er bietet viele schöne Ecken zum Verweilen, wie einen Kolonnadengang, ein Gewächshaus aus filigraner Stahlstruktur, Brunnen und mehrere Gärten.

Auffallend in Ponte de Lima sind die vielen Kamelien, die hier blühen wie woanders Rosen. Ihre Blütenfarben reichen von weiß bis rosa, oder auch zweifarbig. Die meisten Bäume haben ihr Laub abgeworfen, aber neben den Kamelien blühen auch die Magnolien herrlich.

Zwischen dem Park und dem Ufer des Rio Lima steht noch eine kleine Kapelle, die Anjo da Guarda-Kapelle. Sie wurde wahrscheinlich im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts nach romanisch-rätischen Muster erbaut. Im Laufe der Jahrhunderte stürzte die Kapelle auf Grund von Hochwassern teilweise ein. Im 18. Jahrhundert baute man sie in ihrer heutigen Form wieder auf.

Jetzt spazierten wir über die alte Brücke wieder zurück in die Altstadt und kamen so zum Hauptplatz mit dem Brunnen. Daran schließen sich die Reste der alten Stadtmauer an, die aus mehreren Türmen bestehen.

Am Ufer des Flusses steht der alte Pranger aus dem 16. Jahrhundert. Im frühen 19. Jahrhundert fügte man noch das Wappen des Vereinigten Königreiches Portugal, Brasilien und Algarve hinzu. 1999 restaurierte man den Pranger.

Weitere Sehenswürdigkeiten am Ufer sind verschiedene Skulpturengruppen, wie die „Legende des Flusses Lethe“, die auch gerade überflutet und von Treibgut umhüllt ist. Sie stellt einen Teil des römischen Heeres dar.

Daran schließt sich eine lange Platanenallee an, die bis zur neuen Brücke Nossa Senhora da Guia reicht.

Jetzt spazierten wir durch die Gassen der Altstadt wieder zurück und kamen so an der Hauptkirche heraus.

In Ponte de Lima sind einige Darstellungen von Stieren zu sehen. Diese gehen auf eine Legende zurück. Die Tradition der „Vaca das Cordas“ stammt wohl aus dem Kult heidnischer Götter, insbesondere Isis, Ceres und Bacchus. Am Nachmittag des Tages vor Fronleichnam bindet man einen Stier an das eiserne Gitter des Glockenturmfensters der Pfarrkirche. Dann wurde der Stier, begleitet von wilden Späßen und allgemeiner Aufregung, dreimal um die Kirche geführt. Nach städtischen Verordnungen aus den Jahren 1646 und 1720 verpflichtete man Müller, die Seile zu handhaben und den Stier zu führen. Heute hat sich der Brauch etwas geändert und der Stier wird von der Pfarrkirche durch die Straßen zum Hauptplatz und an das Flussufer getrieben.

Auf jeden Fall hat uns die Stadt Ponte de Lima begeistert. Sie ist die älteste „Vila“ (Kleinstadt) Portugals. Sie feierte am 4. März 2025 ihren 900. Jahrestag ihrer Stadtrechte, die von Königin Teresa verliehen wurden.

Vila do Conde

Eigentlich wollten wir Gaia, dem Weinkellerviertel von Porto, noch einen Besuch abstatten. Dafür parkten wir im westlich gelegenen Stadtteil Afurada auf einem großen Supermarktparkplatz. Dort frischten wir unsere Vorräte auf und hofften darauf, dass es einen Moment geben würde, in dem der Dauerregen aufhören würde. Oft hatten wir jetzt Glück, dass wir die meisten Spaziergänge halbwegs trocken über die Bühne bekamen. Leider funktionierte das nicht in Porto. Es regnet ja nicht nur, es schüttet und dazu Windböen und Nebel, echt widerlich. Da ist man schnell bis auf die Haut nass.

Trotzdem musste ich einen Abstecher zur Douro-Marina machen, die gerade einen guten Kilometer entfernt liegt. Durch eine enge Gasse gelangte ich unten zum Flussufer. Das gegenüberliegende Flussufer konnte man durch den Nebel kaum erkennen. Die nahe Douro-Mündung in den Atlantik war gerade so auszumachen.
So ging ich in Richtung Autobahnbrücke und bog davor in die kleine Altstadt ab. Bei schönem Wetter ist das sicher sehr nett, aber ich sah, dass ich möglichst schnell wieder zum Wohnmobil kam.

Unverrichteter Dinge fuhren wir deshalb nach Vila do Conde weiter. Die Stadt liegt nördlich von Porto am Atlantik. Die Beschreibung im Reiseführer veranlasste uns zu diesem Ziel.
Parken konnten wir auf dem langen Parkplatz entlang des Strandes, nahe des Forte de São João Baptista de Vila do Conde.

Das Fort ist geschlossen und in dem gegenwärtigen Nieselregen ziemlich trist. Es steht direkt an der Küste. Der Sandstrand ist mit Felsen durchsetzt.

An der anschließenden Mole stehen eine Kapelle und der Leuchtturm. Diesen Weg sparten wir uns und gingen in Richtung Hafen weiter.
An einer alten Hallenwand prangt eine Malerei, die die Verarbeitung und Trocknung des Kabeljaus aus Neufundland zeigt. Das Endprodukt wird dann als Bacalhão überall verkauft.

Vorbei am städtischen Hallenbad und am Fischereihafen gelangten wir zum Platz D. João II, der liebevoll und modern gestaltet wurde. Die Stadt hat offensichtlich viel für Kunst übrig, denn überall finden sich Skulpturen und künstlerische Elemente.

Über eine kleine Holzbrücke über den Stichkanal erreicht man die auf einem Felsen gelegene Capela de Nossa Senhora do Socorro. Ungewöhnlich ist das Kuppeldach der Kapelle.

Die Socorro-Kapelle wurde im Auftrag des hochrangigen Marinepiloten Gaspar Manuel Carneiro und seiner Frau erbaut. Der Bau wurde 1603 abgeschlossen. Der Marinepilot bereiste die Routen nach Indien, China und Japan. Die Kuppel erinnert an die typischen Gebäude des Nahen Ostens, die auf dem Weg nach Asien lagen.
Im Inneren ist die Kapelle kreisrund und die Wände sind mit wunderschönen Fliesenarbeiten aus dem 18. Jahrhundert verziert, die Szenen aus dem täglichen Leben Christi darstellen.

Im Hafen unterhalb liegt ein Museumsschiff, der Nachbau einer Karavelle aus dem 16. Jahrhundert. Da bekommt man eine Vorstellung wie winzig die Schiffe damals waren, mit denen die Welt bereist wurde.

Nun spazierten wir weiter durch die alten Gassen. Der Straßenbelag aus Naturstein erinnert an die Beschaffenheit der römischen Straßen, die wir in Italica gesehen haben.

Zurück am Fluss Ave kamen wir zum Platz der Republik, der als schöner Garten angelegt ist, wenn im Sommerhalbjahr alles grün ist. In dessen Mitte steht ein Brunnen.
Am Ufer der Ave zeigt eine Bronzeskulptur eine Spitzenklöpplerin.

In direkter Nachbarschaft des von schönen alten Häusern umrahmten Parks thront das imposante Kloster de Santa Maria. Es wurde vor Kurzem aufwändig renoviert und dient jetzt als Hotel.

Wenn man am Fluss entlang am Kloster vorbeiläuft biegt eine kleine Straße nach links ab. Die führt nach oben, auf die Höhe des Klostereinganges.
Direkt auf dem Klosterhof beginnt der Aquädukt Santa Clara, der sich durch Vila do Conde zieht. Das Bauwerk wurde 1705 bis 1714 errichtet, bestand aus 999 Bögen und ist fünf Kilometer lang. Heute fehlen einige Stücke des Aquädukts, aber es beeindruckt noch immer. Im Gegensatz zu den römischen Aquädukten ist dieser hier sehr schlank gehalten.

Zum Kloster, welches heute ein Hotel ist, gehört auch eine Kirche, um die herum das Aquädukt zum Kloster führt.
Unterhalb des Klostergeländes steht das Nonnenkloster São Francisco.

Von hier aus spazierten wir zurück zur Altstadt und kamen zu einem Parkplatz, auf dem ein Wald aus geisterhaft aussehenden Platanen steht.

Gleich nebenan befindet sich das Wochenmarktgelände mit Außenbereich und Verkaufshallen.

Von hier aus gibt es einen Zugang zur katholischen Kirche Igreja Matriz de São João Baptista. Vor allem das wunderschöne manuelinische Portal ist sehenswert.

Im Inneren strahlt die Kirche in Gold. Selten sahen wir eine Kirche mit so vielen großen und vergoldeten Altären. Es laufen gerade Restaurierungsarbeiten an diesen Altären, die unter anderem eine neue Goldauflage bekommen. Schöne Glasfenster vervollständigen das Bild.

Gegenüber der Kirche steht das Rathaus von Vila do Conde aus dem 16. Jahrhundert. Auf dem Platz Vasco da Gama davor steht der alte Pranger, der genauso alt ist.

Über die Avenida Dr. João Canavarro, an der das Kino und der Justizpalast stehen, beendeten wir unseren feuchten Rundgang durch Vila do Conde.

Aveiro

Die Stadt, nach der die riesige Lagunenlandschaft benannt wurde, liegt im Süden derselben. Neben dem Ria de Aveiro fließen aber auch die Vouga und der Boco River in die Lagune. Zu Römerzeiten hatte Aveiro noch Anschluss an den Atlantik. 1575 lagerte ein Sturm so viele Sedimente vor der Küste ab, dass sich eine Lagune bildete. Damit verlor die Stadt ihre Bedeutung als Handelsort für Salz und Kabeljau, den man vor Neufundland fing. Erst im 19. Jahrhundert durchbrach man die Sandbarriere, so dass der Hafen von Aveiro wieder angefahren werden konnte. Vor allem die Keramikindustrie und Azulejo-Herstellung verhalfen seitdem der Stadt wieder auf die Beine.

Heute wird Aveiro als „Venedig Portugals“ bezeichnet. Mehrere Kanäle durchziehen die Altstadt, über die viele Brücken führen.

Auf den Kanälen fahren die früheren Boote, die das Salz aus den Salinen zu den Abnehmern transportierten, heute Touristen. Eine Rundfahrt kostet 15,-€.

Das Wohnmobil stellten wir auf dem großen Parkplatz zwischen dem Zugbahnhof und dem Busbahnhof ab, wo einige Plätze für Wohnmobile reserviert sind. Von hier aus gelangt man durch eine Unterführung vom Zugbahnhof auf die Avenida Dr. Lourenço Peixinho, die ins Stadtzentrum führt. Die Architektur zu beiden Seiten der Straße stammt aus mehreren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Die bunte Mischung macht den Bummel ganz interessant. Auch eine schöne Villa ist zu sehen.
Die Fußwege sind mit schwarzen maritimen Darstellungen auf weißem Grund gepflastert.

Über die Ponte dos Laços de Amizade überquerten wir den Canal Central. Auf der gegenüberliegenden Seite steht das Einkaufszentrum „Forum“.

Am Ufer des Kanals entlang spazierten wir in Richtung Küste, bis wir auf einen kleinen Hafen trafen, in dem traditionelle Boote liegen. Dort steht auch ein schönes älteres städtisches Gebäude.
Gleich hinter der Erweiterung des Canal Central wurde ein großer Kreisverkehr über den Kanal gebaut. An vier Ecken stehen Skulpturen, die traditionelle Einheimische zeigen.

Nun sind wir auch in der Altstadt von Aveiro angekommen. Schicke traditionelle Häuser schmücken die Gassen. Einige von ihnen wurden im Jugendstil errichtet.

Vor allem das Major-Pessoa-Haus am Moliceiros-Kai ist außergewöhnlich schön. Einst ein Wohnhaus beherbergt es heute ein Jugendstil-Museum.

Auf dem freien Platz am Moliceiros-Kai steht eine Bronzeskulptur von João Afonso de Aveiro. Er steht stellvertretend für die portugiesische Beteiligung an der Entdeckung von Seewegen nach Indien, und Afrikas. Das Denkmal wurde anlässlich des Milleniums von Aveiro 1959 eingeweiht. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem Jahre 959, in Zusammenhang mit der Salzgewinnung.

In direkter Nachbarschaft der Skulptur wurden Grundmauern aus der Römerzeit freigelegt. Wegen des vielen Regens sehen sie gerade wie antike Schwimmbecken aus.

Nun lenkten wir unsere Schritte durch die alten Gassen zum Stichkanal Botirões, in dem weitere der alten bunten Boote liegen. Viele der alten Häuser am Kanal sind bunt bemalt. An der Einmündung des Stichkanals in den Aveiro-Kanal ist die Ponte dos Botirões zu sehen.

Am Ende des Stichkanals befindet sich die Fischhalle aus dem Jahre 1904. Es ist ein leichter transparenter Eisenbau, dessen Architektur von Eiffel beeinflusst wurde. Seit 2014 wird die Halle für bemerkenswerte kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Jetzt war es für uns Zeit für einen Kaffee. Dafür suchten wir uns die Pastelaria Rossio am Canal Central heraus. Neben dem Kaffee probierten wir auch einige Gebäckstücke mit einer orangen Creme. Ohne es zu wissen hatten wir damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Beim Probieren rätselten wir, aus was die Creme bestehen könnte. Der Farbe nach konnten es Möhren oder Kürbis sein, aber vom Geschmack her auf keinen Fall. Auf jeden Fall schmeckte es.

So spazierten wir langsam wieder zurück und besichtigten zuletzt den alten Bahnhof von Aveiro. Wie in Curia ist auch er für den Bahnverkehr stillgelegt, und wird jetzt als Touristinfo und Souvenirverkauf genutzt.

Hier lief ein Video über die Herstellung der lokalen Spezialität „Ovos Moles“, was übersetzt „weiche Eier“ heißt. Die Masse besteht aus Eigelb, Zucker und Wasser. Die Zutaten werden aufwändig vermischt, erhitzt, abgekühlt und gerührt. Heraus kommt das was wir in der Pastelaria probiert hatten. Aha, da wurden wir doch noch erhellt. Durch Zufall trafen wir auf eine lokale Spezialität, die es nur im Raum Aveiro gibt, denn sie kann nicht lange gelagert werden.

Die Eiercreme, deren Rezept aus den Frauenklöstern Aveiros stammen, wird entweder in Waffeln gefüllt, die maritime Motive wie Muscheln oder Schnecken darstellen, oder in kleine Fässchen aus Holz oder Porzellan abgefüllt. Man kann sie für vieles verwenden, wie zum Beispiel in Backwaren. Der Vorteil dieser Süßigkeit: sie harmoniert hervorragend mit dem Wein, der in der Gegend produziert wird.

Aber nochmal zurück zum Bahnhof. Während er im Inneren wenig interessant ist sind seine Außenwände reichlich mit alten Azulejos verziert. Auf einer kleinen Tafel steht geschrieben, dass dies sehr alte Fliesen sind. Sollte jemand auf die Idee kommen, diese zu stehlen, werden die Bilder ins Internet gestellt und damit unverkäuflich.

Am Ende des Cȏjo-Kanals, der die Verlängerung des Canal Central darstellt, steht die alte Keramikfabrik Jerónimo Pereira de Campos. Das imposante Gebäude wurde zwischen 1915 bis 1917 am Rande des alten Töpferviertels errichtet und ist zu einer Ikone des Stadtbildes von Aveiro geworden. Bis 1960 war es die Hauptproduktionsstätte und Motor der lokalen Wirtschaft.
1995 wurde die Fabrik erneuert und fungiert seitdem als Kongresszentrum. Das Institut für Berufsbildung und Ausbildung ist hier ebenfalls untergebracht. Die alten Öfen wurden bei der Erneuerung erhalten und können besichtigt werden.

Der Cȏjo-Kanal diente als Transportweg für die Keramik und Ziegel der alten Fabrik. Das Ende des Kanals, der Cais de Fonte Nova, dient heute als Wendestelle für die Moliceiros, die bunten Boote mit den Touristen.

Am Rande des alten Hafenbeckens stehen auffällige Gebäude wie das moderne Hotel „Melía Ria“, ein „Prachtbau“ aus den 1970er-Jahren und der alte Schornstein der heute nicht mehr existierenden ersten Keramikfabrik.

Im Garten Fonte Nova steht ein Denkmal für die Spezialität Aveiro´s, die Ovos Moles.

Als letztes Ziel in Aveiro fuhren wir noch zu den Salinen. Die Salinen links des Kanals, der hier in den Atlantik mündet, sind die städtischen Salinen. Die werden kaum noch bewirtschaftet. Mehrere kleine Salzbauern verkaufen hier ihr Salz, aber zu sehr hohen Preisen. Ein halbes Kilo reines Meersalz kostet 4,-€.

In den alten Salinenbecken tummeln sich junge Flamingos, Regenpfeifer, Enten und Stelzenläufer.

Auf der Seite gegenüber befinden sich weitere Salinen, die sich hinter einer kleinen Marina ausbreiten.

Dort stehen drei kleine weiße Hütten, die zur Marinha da Noeirinha gehören. Der Verkaufsraum ist reichhaltig ausgestattet. Neben dem reinen Meersalz werden auch Salzspezialitäten, Olivenöl, Ovos Moles und Kunstgewerbe angeboten. Die Preise stimmen auch.

Gleich dahinter liegt ein kleiner Strand mit natürlichem Badebecken, an dem sich die anderen Salinen anschließen, die noch richtig in Betrieb sind und besichtigt werden können. Allerdings ist das jetzt bei den aufgeweichten Böden kaum möglich.

Praia da Barra

Wegen des ewig schlechten Wetters sind unsere Solarpaneele so gut wie nutzlos. Deshalb suchten wir den ACSI-Campingplatz „Praia da Barra“ auf. Auf dem Weg dorthin fuhren wir mehr als zehn Kilometer auf der Landzunge, die in Areão beginnt und im Norden an der Mündung des Ria de Aveiro endet.

Auf dem Weg dorthin kommt man durch den Ort Costa Nova do Prado. Die Häuser an der Promenade, die am Ufer des Ria de Aveiro verläuft, machten uns neugierig auf den Ort. Deshalb parkten wir am Straßenrand, wo die Parkplätze gerade verwaist sind, und starteten zu einem Bummel.

Die bunt-weiß-gestreiften Häuser des Ortes, Palheiros genannt, sehen herzallerliebst aus. Sie sind liebevoll restauriert und mit hübschen Akzenten geschmückt. Die meisten Fassaden bestehen heute aus Stein, aber das ein oder andere originale Holzhaus ist noch ausfindig zu machen. Sie waren einst Lagerhäuser für Fischereigeräte oder Salzlager für Sardinen. Heute sind es begehrte Wohnhäuser.

Leider darf man nicht hinter die Kulissen sehen, denn dort sind die Hauswände grauschwarz und verwittert.
Vor der meerseitigen Häuserfront erhebt sich ein Dünenkamm, hinter dem sich weite Strände ausbreiten.

Auf der Promenadenseite liegen Schiffe und Boote im Wasser. Etwas entfernt sind Muschelbänke auszumachen.

Am Ende der langen Landzunge liegt der Ort Praia da Barra, mit dem gleichnamigen Campingplatz. Hier kann man einen schönen Rundgang machen, den wir am Strand begannen. Die Winterstürme haben den Sand weiter die Dünen hinaufgetragen. Holzzäune versuchen ihn festzuhalten. Ein Holzweg erleichtert das Gehen und verbindet mehrere Strandbar´s und Restaurants miteinander.

Auf der Ecke zur Ria de Aveiro-Mündung steht der Leuchtturm. Dann biegt man in Richtung Lagune ab und kommt zu einem Aussichtspunkt. Gegenüber liegt der Ort Forte da Barra, anscheinend ein alter Hafen, mit Marina und einem hübschen Leuchtturm.

Von hier ab führt ein Radweg entlang der Lagune Ria de Aveira bis hinunter nach Areão. Im Sommer wahrscheinlich vollkommen überfüllt ist die Gegend jetzt ein Ort der Erholung.

Vagos

Die Stadt Vagos liegt knapp südlich von Aveiro. Die Römer nannten diese Gegend Vacuus. Der Begriff deutet auf ein ausgedehntes Lagunensystem hin, mit weiten offenen Wasserflächen.

Im Mittelalter existierte die Stadt so noch nicht, da es oft Überflutungen gab und das Meer großen Einfluss hatte. Mit der Zeit schufen Versandung und Meeresrückgang neue trockene Gebiete, die zudem fruchtbar waren. So siedelten sich hier Menschen an.
Noch heute ist das Gebiet rechts und links vom Rio Boco Schwemmland und Moor. Es ist ein Vogelparadies, in dem sich sogar der Schwarze Milan aufhält. Fischadler, Falken, Reiher und Regenpfeifer zählen zu den Gästen. Allerdings konnten wir bei unserem Aufenthalt keinen Vogel beobachten. Nur ein Storchenpaar baute gerade sein Nest zwischen Stadt und Uferlandschaft.

Auf einem Brettersteg hat man die Möglichkeit durch die Sumpflandschaft bis hin zum Rio Boco zu laufen.

Beim anschließenden Stadtbummel kamen wir durch einen Arkadengang zum „Amfitheater“ der Stadt. Darüber erfreut eine schöne künstliche Kaskade das Auge.

Neben dem Arkadengang hat man eine alte Feuerwehr ausgestellt, durch ein Glashaus vor Wind und Wetter geschützt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Kreisverkehres hat die Freiwillige Feuerwehr ihr Domizil.

Nur ein paar Schritte weiter steht die Pfarrkirche St. Jakobus von Vagos. Die heutige Kirche ist ein Neubau aus dem Jahre 1974. Auf Grund des Baus der Nationalstraße 109 riss man 1972 die alte Kirche aus dem 16. Jahrhundert ab, die im 18. Jahrhundert noch umfassend renoviert wurde. Nur wenige Teile der alten Kirche, wie die ästhetischen Elemente der alten Fassade, der Glockenturm, ein Kalksteinbogen und ein Grabstein mit Inschrift wurden wiederverwendet. Außerdem änderte man die Ausrichtung der Kirche.

Der Innenraum der Kirche sieht recht modern aus, aber auch hier verwendete man alte Teile, wie die Statuen und andere dekorative Teile wieder.

Sonst hat die Stadt Vagos nicht viel Sehenswertes zu bieten. Die städtische Bibliothek ist recht nett, und die kleine kreisrunde Kapelle des Heiligen Sebastian von Vagos. Laut der eingravierten Chronologie in der Türe stammt die Kapelle aus dem Jahre 1614.

Der Heilige Sebastian wird in Portugal sehr verehrt, vor allem in landwirtschaftlichen Gemeinden. Er schützt vor Hungersnot, Krieg und Pest. Diese drei Unglücksfälle prägten das Bild Portugals seit seiner Gründung. Ständige Eroberungskriege, Machtkämpfe, zwei Pestepidemien im 14. und 16. Jahrhundert und damit verbundene Ernteausfälle setzten dem Land sehr zu.

Sangalhos

Auf der Suche nach Ausflugsmöglichkeiten fanden wir bei Google das „Unterirdische Museum“. Das klingt doch mal interessant. Knapp neun Kilometer nördlich von Curia ist das „Aliança Underground Museum“ zu finden.

Dort angekommen stellten wir fest, dass das Museum zur Weinkellerei Aliança gehört, die wiederum Teil der Bacalhȏa-Gruppe ist. Beim Besuch des ersten unterirdischen Museums verbindet man Wein und Kunst in perfekter Harmonie.

Es wird empfohlen eine Führung vorab im Internet zu buchen, was problemlos funktioniert. Bei der Anmeldung hatten wir die Wahl zwischen nur Führung für 7,-€ oder Führung mit Sektprobe für 9,50€. Wir entschieden uns für die Sektprobe, da wir bei solch einer Probe noch nie enttäuscht wurden. Man bekommt dann einfach eine gute Vorstellung von dem, was man später kaufen möchte.

Schon der Verkaufsraum mit der Anmeldung ist ein Hingucker. Drei riesige, fein geschnitzte Holzportale aus Indien dominieren den Raum.

Hinter der Glastüre, wo die Führungen starten, sind weitere Kunstgegenstände zu bestaunen. Da stehen alte Tische, einer davon mit Elfenbein-Intarsien, und Gemälde hängen an den Wänden. Eines davon zeigt die Geschichte der Jungfrau von Nazaré, auf deren Spuren wir schon in Nazaré wandelten. Das war sehr überraschend.

Die nette Führerin unserer Privatführung, da wir die einzigen Gäste dieser Runde waren, begrüßte uns sehr nett und entführte uns anschließend in die große Kunstsammlung. Der Weinkeller wurde 1940 aufgebaut. Der Besitzer der Aliança-Weinkellerei war nebenbei ein begeisterter Sammler. Mit ungefähr dreißig Jahren begann er die Welt zu bereisen, betrieb Ausgrabungen und baute verschiedene Sammlungen auf. Heute ist er zweiundachtzig Jahre alt.

Zuerst kamen wir in die afrikanische ethnologische Sammlung. Dort sind Masken, Musikinstrumente, handwerkliche Arbeiten und eine große Sammlung von Tonskulpturen zu sehen, die wie bei uns als Grabsteine fungieren. Anhand der jeweiligen Form ist zu erkennen, ob es sich um einen Mann, eine Frau oder ein Kind im Grab handelt.

Einige Masken besitzen echtes Haar, um ihnen mehr Lebendigkeit zu verleihen. In eine andere Maske wurde ein kleines Haigebiss eingearbeitet, unglaublich. Die perlenbestickte Krone eines sambischen Königs mit den zugehörigen königlichen Insignien sind ebenfalls zu sehen.

Dann wurden wir in den großen Dinner-Raum geführt. Der ist so exklusiv, dass man das Staunen nicht verbergen kann. In der Mitte des Raumes steht ein Baum, der komplett aus Fassdauben konstruiert wurde. Darunter gruppieren sich runde Tische. Spärliche Beleuchtung sorgt für etwas Privatsphäre.

Die Rückwand des Raumes besteht aus Flaschen mit rosa Sekt, die abwechselnd mit der Öffnung oder dem Boden gestapelt wurden. Das Ganze ist hinterleuchtet.
Abgerundet wird der Saal mit alten Azulejo-Bildern.

Durch einen Gang mit modernen Skulpturen aus Sambia, die aus poliertem Stein bestehen, erreichten wir die Mineraliensammlung. Jede Menge großer und seltener Mineralien zieren lange Wände.

Gleich dahinter öffnet sich ein Raum mit versteinertem Holz, und der weltweit größten privaten Sammlung von versteinerten Fischen. Spätestens jetzt ist man einfach nur noch sprachlos. Ein Block aus fossilen Jakobsmuscheln, und einer aus Trilobiten zeigen, dass viele Tiere in der Urzeit wesentlich größer waren als heute.

Im nächsten Raum sind alte Azulejo-Bilder und Ornamentfliesen ausgestellt. Eines der Bilder sieht aus, als bestünde es aus Holz, ist aber tatsächlich Gips, der wie Holz aussieht.

Und wieder wird uns ein Raum gezeigt, der einzigartig in der Gestaltung ist. Das ganze Ambiente ist in Rosa gehalten. Eine Wald besteht aus rosa beleuchteten Quarzsteinen, andere Wände bestehen wieder aus Flaschen mit rosa Sekt. Die Aliança-Weinkellerei war die erste Kellerei, die rosa Sekt, überhaupt Sekt in Portugal herstellte.

Viele Räume liegen im Halbdunkel. Der nächste Gang ist sehr dunkel und führt etwas nach unten, denn hier lagert noch Wein, wie seit eh und je. Um dem Wein nicht zu schaden wird mit Licht sehr zurückhaltend umgegangen.
In den bisherigen Räumen lagerte früher ebenfalls Wein. Als der Besitzer seine Sammlung hier einbrachte, musste der Wein weichen.

Am Ende des dunklen Ganges öffnet sich ein Raum mit der Keramiksammlung. Die meisten Stücke stammen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts und zeigen zumeist Tiere, Teller mit Tieren darauf oder Vasen. Solche Motive haben wir noch nie gesehen, und sie besitzen eine unglaubliche Qualität. Hergestellt wurden sie vom berühmtesten portugiesischen Keramikmeister. Leider kann ich mir die portugiesischen Namen nicht merken. Die anderen Stücke wurden nach seinem Vorbild in jüngerer Zeit hergestellt.

In den Zwischenräumen lässt sich ein Blick in einen der Weinkeller werfen.

Vorbei an alten Brennblasen erreichten wir den Raum, in dem der Sekt bis zur Reifung gelagert wird. Alle zwei bis drei Wochen wird jede einzelne Flasche, es sind Zehntausende, um eine viertel Drehung bewegt. Dadurch lagern sich die Schwebstoffe ab, die später eingefroren mitsamt dem Kronkorken entfernt werden. Dadurch entweicht auch ein Teil Sekt aus der Flasche, der mit Likör wieder aufgefüllt und verkorkt wird.

Erhellt werden die Lagerräume mit echten Tiffany-Lampen.

Nun führt ein Gang noch tiefer in den Keller, wo der Brandy lagert, der hier hergestellt wird. Zwei Sorten Brandy lagern in Fässern aus amerikanischer Eiche, während der Wein in französischen Eichenfässern reift. Dieser Keller befindet sich zwanzig Meter unter der Erdoberfläche. Entsprechend kalt ist es, was gut für die Brandy-Reifung ist, zusammen mit der Luftfeuchtigkeit.

Damit hatten wir das Ende der eineinhalbstündigen Führung erreicht. Über eine Treppe gelangten wir wieder nach oben, direkt in den Verkostungs-Raum. Wir durften zwei verschiedene Sekte und zwei Sangria, einen roten und einen grünen, probieren. Der grüne Sangria ist aus grünen Äpfeln und Pfirsich gemacht, auch sehr lecker und ein gutes Sommergetränk. Dazu reicht man zwei kleine Brötchen, die mit in Sekt getränktem Spanferkel gefüllt sind. Diese Spezialität sollen viele Restaurants der Gegend anbieten.

Wir waren von dieser liebevollen Führung und den Sammlungen mehr als begeistert. Wir erfuhren, dass die Sammlungen in diesem Weinkeller nicht die gesamte Sammlung des Besitzers ist. Weitere Teile der Sammlung werden in anderen Weinkellereien Portugals, die zur Bacalhȏa-Gruppe gehören, gezeigt. Der Wert der Sammlungen ist unermesslich. Allein die alten Azulejo-Bilder sind unbezahlbar.

Curia

Eigentlich wollten wir noch einmal nach Coimbra fahren, da es uns bei der ersten Portugalreise sehr gut dort gefallen hat. Leider wurde der schöne Stellplatz, den wir damals genutzt haben, für Wohnmobile gesperrt. Alle anderen Parkplätze sind für große Wohnmobile nicht anfahrbar oder zu klein. Also suchten wir ein neues Ziel auf dem Weg nach Norden.

So kamen wir nach Curia, nahe der Stadt Anadia. Auf der Fahrt stellten wir fest, dass dieses Gebiet nur leicht vom Sturm „Kristin“ getroffen wurde. Es gibt nur leichte Schäden, dafür ist die Landschaft immer noch ein Schwamm, Wasser wohin man sieht.

Außerdem haben wir den warmen Mittelmeerbereich verlassen. Die Landschaft ist nicht mehr so grün, es gibt viele laubabwerfende Gehölze, wie zu Hause. Dafür wachsen hier immer noch Zitrusbäume und wärmeliebende Grünpflanzen, auch Plamen gibt es noch. Während zum Beispiel im Süden Portugals die Strelitzien schon verblüht sind, beginnen sie hier erst ihre Blüten zu öffnen. Hier und da blühen Osterglocken, Narzissen und Funkien, sogar Fresien, alles Pflanzen, die in Deutschland erst im März den Frühling einläuten.

Curia ist ein Kurort mit Thermalquellen, die schon die Römer kannten. Es ist eines der ältesten und bekanntesten Kurbäder Portugals. Normalerweise soll das Kurhotel im Winter geöffnet haben. Bei unserem Besuch jetzt war es geschlossen, wahrscheinlich wegen des Wetters. Der Großteil des dreizehn Hektar großen Gartens steht unter Wasser. Er beherbergt zwar einen See, der einer der größten künstlichen See´n Europas ist, jetzt aber noch viel größer ist. Sogar ein Teil des Kurgebäudes steht unter Wasser.

Abgesehen davon sehen die Bäume in Curia aus, als wäre dies eine regenreiche Ecke. Der Kurgarten vermittelt das Bild eines Regenwaldes, überall wachsen Flechten und Moose auf den Bäumen. Sehr ungewöhnlich, nachdem was wir in Portugal sonst gesehen haben.

Auf dem hohen Schornstein des Kurhotels nistet ein Paar Störche.

Eine andere Sehenswürdigkeit ist das Palast-Hotel. Es stammt wohl aus den 1920er/30er-Jahren und wurde vor einer Weile rekonstruiert. Der Empfangsraum versetzt mit seinem Ambiente in diese Zeit, der Fahrstuhl ist noch original.

Der Garten ist gepflegt, um das alte Pool-Gebäude hat sich indes noch niemand gekümmert.

Zum nicht weit entfernt gelegenen Bahnhof führt eine alte Platanenallee, die eine gepflasterte Straße säumt.

Im 1940 erbauten Bahnhofsgebäude Combolos in Curia, welches 2009 renoviert wurde, ist inzwischen eine Touristeninformation mit angeschlossenem Weinverkauf untergebracht, die zum Projekt „Bairrada-Route“ gehört. Sehenswert sind die kleinen Warteräume der 2. und 3. Klasse, mit den alten Wandfliesen.

Das Projekt „Bairrada-Route“ aus dem Jahre 2007 wurde mit dem Ziel gegründet, eine vielfältige Region zu schaffen, bekannt zu machen und zu fördern. Zum Verband gehören acht Gemeinden von Aveiro bis Coimbra, Weinproduzenten, Hotels, Restaurants und verschiedene andere touristische Einrichtungen.

Figueira da Foz

Das Zentrum des Sturmes „Kristin“ zog direkt durch die Landschaft, durch die wir von Batalha nach Figueira da Foz fuhren. Entsprechend schlimm sieht es überall aus. Schneisen der Verwüstung wohin man sieht. Abgedeckte Dächer, sämtliche Werbetafeln sind zerstört, direkt knapp über dem Boden abgeknickt, die Hälfte der Verkehrsschilder wurde umgeknickt, der halbe Wald existiert nicht mehr. Die Bäume, zumeist Kiefern, knickten wie Streichhölzer in der Mitte ab. Viele Bäume wurden aus der Erde gerissen. Es gibt nur wenige Häuser, die nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Nicht ist mehr wie es war.

In einer portugiesischen Meldung wird berichtet, dass es im Gebiet Coimbra Windböen bis zu 208,8 km/h gab. Das ist neuer nationaler Rekord. Der Schaden, den der Sturm hinterlassen hat, wird mit mindestens 2,5 Milliarden Euro beziffert.
Dazu kommt der ewige Regen. Ganz Westportugal steht unter Wasser: Flüsse führen Hochwasser, Felder und Wälder sind geflutet. Die ganze Landschaft ist ein Schwamm.

Figuera da Foz ist ein großes Seebad mit Hafen und Stränden. Der Parkplatz auf der nördlichen Seite der Mündung des Rio Mondego bietet einen für Wohnmobile abgetrennten Bereich.

Das erste, was wir bei unserer Ankunft sahen, war ein umgefallenes Riesenrad auf dem nebenan liegenden PKW-Parkplatz, Totalschaden. Das hat wohl einen mächtigen Wumms gegeben, als es vom Sturm umgeworfen wurde.

Zudem beseitigte man die Sturmschäden an den Bäumen. Das Grünzeug lagerte man vorerst auch auf dem Parkplatz.

Am Abend zog dann der zweite Sturm über uns hinweg. Dieser war mit „nur“ 100 km/h recht harmlos.

Am nächsten Tag besichtigten wir einen Teil der Stadt Figueira da Foz. Wir begannen unseren Rundgang am Fort Santa Catarina da Figueira da Foz, 1585 erbaut. Dort verlief wohl auch die Stadtmauer, von der nur noch kurze Reste übrig sind. Um das Fort hat man Wasserbecken gebaut, um es etwas attraktiver zu machen.

Die Festung bildete zusammen mit den Festungen Buarcos und Palheiros einen strategischen Bestandteil des Verteidigungsdreiecks zwischen Porto und Baia da Figueira. Die dreieckige Festung Santa Catarina beherbergt im Inneren eine kleine Kapelle, zwei Kasernen und einen Leuchtturm.

Wir spazierten die Straße am Hafen entlang und kamen zu einer schmalen Querstraße. Dort war man gerade dabei eines der alten Häuser zu rekonstruieren. Der Sturm „Kristin“ warf jedoch den Baukran um, der sich um eines der Häuser wickelte. Das obere Ende des Kranes hing quer über die nächste Querstraße. Mit Hilfe eines anderen Kranes versuchte man den havarierten Kran zu bergen. Dabei war die Presse anwesend, um dieses Ereignis zu dokumentieren. Langsam kommen wir uns wie Katastrophen-Touristen vor. Portugal ist wirklich schwer getroffen.

Etwas weiter befindet sich die Markthalle der Stadt. Als wir dort ankamen waren schon fast alle Stände geschlossen. Nur ein paar Gemüsehändler boten noch ihre Ware an.

Eine der Sehenswürdigkeiten von Figueira da Foz ist die Casa do Paço, ebenfalls an der Uferstraße gelegen. Von außen eher unscheinbar, beherbergt das Gebäude 8000 Delfter Fliesen. Man hatte sie Ende des 17. Jahrhunderts von einem Schiff geborgen, welches Schiffbruch erlitt. Leider hatte es bei unserem Besuch geschlossen.

Dann bogen wir in die Straße Largo Luis de Camões ein. Dort fanden wir hinter dem Denkmal für die Gefallenen des Großen Krieges den alten Pranger aus dem Jahre 1782. Heute nennt man die gedrehte Säule „Das städtische und Gerichtsdenkmal“.

Zuletzt besichtigten wir noch die Katholische Kirche „Igreja Matriz de São Julião“, mit einem schönen Platz davor.

Innen ist die Kirche schlicht, wartet aber mit wunderschönen weiß-blauen Azelejos auf.

Direkt vor der Kirche steht das Gebäude der Feuerwehr.

Auf dem weiteren Rückweg kamen wir am Casino vorbei, einem schönen Altbau von Ende des 19. Jahrhunderts. Es war das erste Casino des Landes. Direkt daneben steht ein modernen Glasbau, worin sich das Casino heute befindet.

Unten am Strand, an der Avenida 25 de Abril steht der Uhrenturm, ein ziemlich neuer Bau, so Mitte des 20. Jahrhunderts.

Was uns bei diesem Rundgang auffiel ist, dass es eine Unmenge großer Paläste in der Stadt gibt. Viele von ihnen auch gut erhalten oder rekonstruiert. Die Einwohner der Stadt müssen einmal sehr reich gewesen sein. Ende des 19. Jahrhunderts war Figueira als mondänes Seebad bekannt.

Wegen der vielen Regengüsse verbrachten wir viel Zeit im Wohnmobil. Dabei konnten wir Möwen beobachten, die sich frische Miesmuscheln aus dem Wasser holten. Sie brachten sie zum Parkplatz, ließen sie aus einiger Höhe fallen und kamen so leicht an das Muschelfleisch heran.

Batalha

Nordöstlich von Alcobaça liegt Batalha. Kurz vor Batalha wollten wir noch eine ruhige Nacht in dem kleinen Ort Calvaria de Cima verbringen. Dort bietet man einen kostenlosen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung an. Da der Platz jedoch mitten im Wald liegt, am Fußballplatz des Ortes, war uns ein längerer Aufenthalt zu gefährlich. Überall waren Bäume umgefallen, und Äste abgeknickt. Die meisten Bäume des Waldes hatte der Sturm „Kristin“ in Schräglage gebracht. Wir befürchteten, dass der nächste Windstoß einen dieser Bäume auf unser Wohnmobil fallen lässt. Deshalb mussten wir weiter fahren.

Das alles bestimmende Ziel in Batalha ist das Dominikanerkloster Santa Maria da Vitória. Der Grundstein für dieses Kloster wurde 1385 gelegt. Der Bau dauerte zweihundert Jahre. Wir hatten uns dieses Kloster, welches zum UNESCO-Welterbe zählt, für einen Besuch ausgesucht. Es besticht durch seine gotische Architektur. Durch die prunkvollen manuelinischen Elemente, nach König Manuel I. benannt, der im frühen 16. Jahrhundert Portugal zu seiner wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeit führte, bekommt das Kloster einen besonderen Glanz. Der manuelinische Baustil vereint verschiedene europäische Baustile, die mit maritimen Ornamenten erweitert wurden. Eingeordnet wird der Baustil in die Zwischenzeit von Gotik und Renaissance. Auf jeden Fall ist dieses Kloster ein Hingucker. Nur zu besuchen war es gerade nicht. Durch die Sturmschäden von „Kristin“ hat man das Kloster für einige Tage geschlossen, aus Sicherheitsgründen. Das fanden wir mehr als schade, denn die Bilder, die man so sieht, machen neugierig.

So blieb uns nur die Umrundung des Klosters, was auch sehr interessant ist. Auffallend sind mehrere Säulen, die aussehen, als wären dort in früheren Zeiten Turmspitzen oder eine Kuppel darauf gewesen. Eine Informationstafel klärt darüber auf, dass dies der Raum mit sieben Grabkapellen ist. Er wurde 1434 begonnen und nie vollendet.

Nun richteten wir unsere Schritte in die kleine Altstadt von Batalha. Dabei kommt man zuerst zu einer kleinen Kirche, die Kirche der Kreuzerhöhung. Die Einwohner der Stadt hatten den Wunsch nach einer Pfarrkirche. Man entsprach diesem Wunsch und baute 1532 diese kleine Kirche. Sie ist im Ganzen schlicht, zeichnet sich aber durch ein wunderschönes Portal aus. Es weist barocke und manuelinische Elemente auf.

Das alte Holzdach des Kirchenschiffs stürzte 1858 bei einem Erdbeben ein. Man nutzte die Gelegenheit und baute neben einem neuen Kirchendach auch einen neuen Glockenturm, im gleichen Stil wie das Portal.

In den Gassen der kleinen Altstadt sind einige sehr schön erhaltene alte Gebäude zu finden. So auch die Kapelle der Santa Casa da Misericórdia. 1714 als Sitz der Bruderschaft des Hospitals der Heiligen Maria vom Sieg erbaut, wandelte man es später zum Haus der Barmherzigkeit um. Kurz darauf errichtete man daneben eine Kapelle, wo einst eine alte Kirche stand.

Etwas von der Altstadt entfernt befindet sich die Kooperative der Weinhersteller von Batalha. Der Shop war geschlossen, wahrscheinlich hatten sie noch mit dem aufräumen der Sturmschäden zu tun.

Zum Schluss unseres Rundgangs durch Batalha trafen wir auf die winzige Kapelle Nossa Senhora do Caminho. Das Baudatum ist unbekannt. Man vermutet jedoch, dass dieses Marienheiligtum vor zwei- bis dreihundert Jahren von Mönchen des Klosters erbaut wurde. Einer alten Legende nach erschien das Bildnis der Jungfrau Maria mehrmals an dieser Stelle, woraufhin man diese kleine Kapelle baute.

Das Wohnmobil hatten wir auf dem Stellplatz der Stadt abgestellt, wo wir auch übernachteten. So konnten wir, als es draußen dunkel war, die schöne Beleuchtung des Klosters bewundern.

Hinter diesem Parkplatz liegt ein kleiner Park, direkt am Fluss. Dort halten sich Gänse und Flugenten auf. Der Fluss führt so viel Wasser, dass es sogar einen reißenden Wasserfall gibt.

Seit wir am 22. Januar in Milfontes zur Heimreise aufbrachen regnet es jeden Tag. Es bleiben meistens nur ein bis zwei Stunden am Tag, an denen es eine Regenpause gibt. Eine solche Regenpause hatten wir beim Besuch von Alocbaça und Batalha erwischt.

Alcobaça

Wir entfernen uns ein wenig von der Atlantikküste und fahren nach Alcobaça. Dort ist der größte Sakralbau Portugals zu besichtigen, das Zisterzienser-Kloster Santa Maria de Alcobaça. Es wurde 1153 gegründet und 1833 von den Mönchen verlassen.

Die Stadt bietet einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz, von dem aus man schnell in der Altstadt und am Kloster ist.

Dafür überquert man den Rio Baça und läuft durch schmale Gassen. Wie in vielen Altstädten in Portugal ist auch hier viel Bausubstanz in schlechtem Zustand. Einige alte Häuser wurden dagegen rekonstruiert.

Vor dem Haupteingang des Klosters breitet sich ein großer freier Platz aus. Das Kloster ist nach Zahlung eines Eintrittspreises von 15,-€ zu besichtigen. Da wir nicht zwei Klöster hintereinander besuchen wollten, entschieden wir uns für den Besuch des Klosters in Batalha, welches uns mit seiner filigranen Architektur besser gefällt.

So beließen wir es bei der äußeren Besichtigung des Klosters in Alcobaça. Von der Treppe des Haupteinganges aus kann man das Kastell von Alcobaça auf der Kuppe des gegenüberliegenden Berges sehen.

Auf dem Rückweg zum Stellplatz spazierten wir noch zum Justizpalast mit seinem Garten.

Fast nebenan steht ein hübsches kleines Schlösschen, das Rathaus von Alcobaça.

Beitragsnavigation