A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Tallinn

aus Marzipan gemacht

Schon vieles haben wir über Tallinn gelesen und gesehen, aber: Was hat Tallinn mit Marzipan zu tun? Tatsächlich streiten sich die beiden Hansestädte Tallinn und Lübeck darüber, wer das Recht darauf hat, die Süßigkeit erfunden zu haben. Schon im Mittelalter wurde Marzipan in der Tallinner Ratsapotheke als Arznei hergestellt und verkauft. Wie damals wird Marzipan, heute eine Süßigkeit, nach Jahrhunderten nach dem gleichen Rezept hergestellt. Probieren und kaufen kann man die Leckerei z.B. im Stirnhaus an der Großen Gilde oder in der Nähe des KGB-Gefängnisses in der oberen Pikkstraße. Dort ist auch ein kleines Museum untergebracht, freier Zutritt. Es ist unglaublich, was man alles mit Marzipan machen kann. Ich liebe sowieso Marzipan.

Die Ratsapotheke ist die älteste Apotheke in Europa, die seit 1422 ununterbrochen in dieser Funktion besteht. Der Großteil der Räume wird inzwischen allerdings als Antik-Geschäft genutzt.

Blick vom Domberg

Tallinn erinnert ein bisschen an Riga, ist aber doch anders. Die Altstadt Tallinns, UNESCO-Weltkulturerbe, ist immer noch weitestgehend von einer Stadtmauer umgeben. Ein kleines Stück davon, am östlichen Tor in der Virustraße, kann begangen werden. Das kostet 3,-€. Viele der Beobachtungstürme sind ebenfalls noch erhalten. Die Stadtmauer umgab die Unterstadt, die seit Gründung 1230 bis Februar 1918 noch Reval hieß. Hier hielten sich die Einwohner, Handwerker und Kaufleute auf. Die deutsche Hanse ließ Reval erblühen. Der Domberg Toompea bildete die Oberstadt, die eher eine kirchliche Welt war. Seit dem 11. Jahrhundert steht die Ordensburg dort, die 1770 Zarin Katharina II. zum Barockschloss umgestaltete. Hier tagt das estnische Parlament. In einem anderen Komplex hat die estnische Regierung ihren Sitz. Verschiedene Botschaften sind auf dem Domberg auch ansässig.

Alexander-Newski-Kathedrale

Es gibt drei Aussichtspunkte, von denen aus man auf verschiedene Stadtteile Tallinns blicken kann. Den besten Überblick hat man wahrscheinlich vom Turm der Olaikirche aus, der jedoch nicht umsonst zu haben ist.
Ebenfalls auf dem Domberg steht die Alexander-Newski-Kathedrale. Wie alle orthodoxen Kirchen ist auch diese üppig mit goldenen und silbernen Ikonen ausgeschmückt. Die oberste Kuppel scheint sehr hoch.

hübsche kleine Ecken

Das Zentrum der Unterstadt ist der Rathausplatz, aber es lohnt sich, durch die alten Gassen zu schlendern und durch die offenen Türen der alten Gebäude zu schauen. Noch nie haben wir hinter so viele Türen gesehen wie in Tallinn. Das schönste Gebäude, auf einer Tafel davor ist zu lesen: „14 Stufen ins 15. Jahrhundert“, ist die Olde Hansa“. Das Gebäude, die Innenräume, das Essen, die „Diener“, alles original. Wer das nötige Kleingeld dabei hat, wird in der Olde Hansa auch mit Bären- und Elchfleisch bewirtet. Man sollte jedoch ein Eichhörnchenfell dabei haben, dann spart man sich das Trinkgeld.

Drei Schwestern

In der Pikkstraße sind Gildehäuser ausländischer Händler, das Schwarzhäupterhaus, ein kleiner Park und die Gefängniszellen des KGB zu finden. Sechs Zellen im Keller für 9,-€ Eintritt fanden wir dann doch etwas zu viel. Ein schönes Ensemble bilden die Drei Schwestern, drei Speicherhäuser aus dem Jahre 1362. Heute ist darinnen ein Hotel untergebracht.

außerhalb der Stadtmauer

Am nördlichen Ende von Tallinns Altstadt steht die Dicke Margarethe, ein gewaltiger Wehrturm, der das Stadttor von See her schützte. Eine Aussichtsplattform und das Maritime Museum können besichtigt werden. Bei unserem Besuch war es leider geschlossen.
Die westliche Seite der Stadtmauer begeht man am besten an der Außenseite, wo ein Gartengelände zu finden ist. Verschiedene Gartenbauarchitekten stellen hier ihre blumigen Kreationen vor.

Balti Jaama Turk

Die Nunnestraße, an dieser Seite aus der Altstadt kommend, führt direkt zur Markthalle Balti Jaama Turk, hinter dem Bahnhof. Es ist nicht der Zentralmarkt und es herrscht auch kein Marktgewimmel. Unter den Dächern des Marktes wird in mehreren Räumen, großen und kleinen, alles angeboten, was man von einem Markt erwartet. Dazu bieten einige Stände Essen und Trinken in verschiedenen Varianten an, so dass man sich nach einem langen Stadtspaziergang etwas stärken kann.

abendliches Tallinn

Wir haben für unser Womo einen großen, leeren und kostenlosen Parkplatz direkt an der Tallinnbucht gefunden, gleich südlich des Yachthafens Pirita, während die beiden Womo-Stellplätze dort sehr teuer und völlig überlaufen sind. Von hier aus kann man unglaubliche Sonnenuntergänge beobachten, hat man einen schönen Blick auf die Skyline Tallinns und sieht die Fähren und Kreuzfahrtschiffe ankommen und abfahren. Auf der langen Promenade kann man die Seele baumeln lassen. Wie immer, hat auch Tallinn viel zu viel für einen Tag zu bieten. Da sind z.B. das Barockschloss im Kadriorg-Park, das Filmmuseum an der Tallinnbucht und der Strand nördlich des Piritahafens.
Von Pirita aus fährt der Bus in die Innenstadt. Eine Fahrt kostet 2,-€ und die Station (Endstation) heißt Viru Keskus. Von dort ist es nicht mehr weit zur Altstadt. Für die Rücktour befinden sich die Haltestellen im Untergeschoss des großen Gebäudes, auf dem Viru Keskus steht.

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Haapsalu (Haapsal)

Bahnhof Haapsalu

Wir hatten überlegt, über die Insel Hiiumaa nach Haapsalu zu fahren. Bevor wir Ende April zu unserer Baltikumtour aufbrachen, fragten wir uns, was wir wohl die ganze Zeit machen sollen, denn bis Tallinn sind es nur rund 1200km. Jetzt sind schon zweieinhalb Monate vergangen und wir sind immer noch nicht in Tallinn. Deshalb ließen wir die ursprünglichste estnische Insel aus und fuhren wieder mit der Fähre über die Väikestraße zurück auf´s Festland. Es war mit Abstand die längste Etappe bisher, 171km.
Haapsalu wurde uns unterwegs wegen seines alten Bahnhofs ans Herz gelegt. Dieser war dann auch gleich die erste Station unseres Stadtbummels durch das baltische Seebad. Eigentlich ist es ein Eisenbahnmuseum, denn vor dem sehr hübschen und langen Bahnhofsgebäude, 1893 ganz aus Holz gebaut, stehen verschiedene Lokomotiven und Waggons, um die sich leider niemand mehr kümmert. Viele Loks und Waggons befinden sich schon in einem erbärmlichen Zustand. Wegen der Länge des Bahnhofsgebäudes wurde es Kegelbahn genannt. Es ist inzwischen ein Museum und tadellos rekonstruiert.

Konzertsaal

Als nächste Station steuerten wir die alte Bischofsburg Piiskopilinnus an. Seit dem 13. Jahrhundert Sitz des Bischofs von Ösel-Wiek, ist sie heute nur noch eine Ruine. Man ist allerdings dabei, einen Teil der Burg wieder herzustellen. Nur die zur gleichen Zeit (1270) gebaute Domkirche strahlt noch in altem Glanz.
Man sollte ein wenig durch die Altstadt schlendern und die alten, schönen Holzhäuser bewundern, die uns inzwischen schon fast die ganze Reise durch das Baltikum begleiten. Sehr schön ist auch die Promenade mit dem alten Kurhaus und dem Konzertsaal aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Zar Peter der Große war zu Gast

Haapsalu hat in den letzten Jahrhunderten berühmte Gäste begrüßen dürfen. 1715 war der russische Zar Peter der Große zu Gast. Damals bewohnte er das Haus in der Rüütli 4. Man findet es, wenn man vom im Wasser stehenden Pavillon aus die Straße bergauf geht, gleich an der nächsten Kreuzung. Die Zarenfamilie Romanow war wegen der Schlammbäder hier zur Kur, und der Komponist Peter Tschaikowsky verbrachte den Sommer 1867 in der Stadt, um an seinem ersten großen Musical zu arbeiten.

Das Wohnmobil steht auf dem Parkplatz am Strand, in der Nähe der Marina.

 

Saaremaa (Ösel)

Werk der Riesen?

Die estnische Insel ist knapp dreimal so groß wie Rügen. Sie besitzt so viele Sehenswürdigkeiten, dass man sicher mehr als zwei Wochen braucht, um sie alle zu erleben. Zum größten Teil sind es natürliche Szenarien, wie Steilwände aus Kalkstein, Seen, Quellen und Wanderwege. Über unsere Entdeckungen in und um Orissaare und Kuressaare habe ich schon berichtet. Inzwischen haben wir uns die Halbinsel Sölve im Südwesten Saaremaas angesehen und waren in Panga im Norden der Insel. Irgendwie kommt man sich auch nach Schottland versetzt vor, denn hier begrenzen, wie dort, kleine Steinmäuerchen die Grundstücke.

Leuchtturm am Kap Sölve

Im Süden Sölves ist das gleichnamige Kap mit dem Leuchtturm zu finden. Genau dieses Land konnten wir vom Leuchtturm in Slitere aus sehen. Nun guckten wir in die andere Richtung und sahen Kap Kolka in der Ferne. Genau wie dort hat sich am Kap Sölve auch eine Landzunge gebildet, nur dass diese hier aus Kies besteht. Kreuzseen gibt es jedoch keine. Auf Saaremaa gibt es wohl keine Sandstrände, da die Küsten alle aus Kalkstein bestehen, wie die gesamte Insel.
In der Nähe des Leuchtturms sind die Reste einer sowjetischen Militärstation zu besuchen. Eintritt kostet 4,-/2,-€. Dazu gehören Bunker von außen, Geschützfundamente, verschiedene Gebäude und viele verschiedene und verrostete Technikteile sowie Utensilien.

Visitorcenter Vilsandi Park

Da wir die Straße an der Ostseite hinunterfuhren, wollten wir an der Westseite wieder nach Tehumardi zurück fahren. Leider sind auch dort die meisten Straßen unbefestigt. Dazu kommt, dass an dieser Halbinselseite die Sehenswürdigkeiten versteckt sind, wie Steilwände, Aussichten und Wanderwege. Wir wollen unseren Autos die Tortur nicht immer antun, deshalb fuhren wir nach Loona weiter. Der Ort liegt kurz vor Kihelkonna. Dort befindet sich die Parkverwaltung des Vilsandi Nationalparks, in der wir erfuhren, dass der allergrößte Teil dieses erlebenswerten Parks nur zu Fuß oder per Fahrrad zu erreichen ist. Mit dem E-Bike kein Problem, doch wir besitzen nur normale Fahrräder und sind zudem untrainiert. Es existiert sogar ein Wander-/Fahrradweg auf die Insel Vilsandi, der bis dorthin über mehrere weitere Inseln führt. Hin und zurück fährt man da schon um die 50km.

letzter Glockenturm Estlands

So fuhren wir noch nach Kihelkonna hinein, um uns die Fährstation nach Vilsandi anzusehen. Wieder führt eine 5km lange Schotterpiste dorthin. Im Visitorcenter in Loona hatten wir erfahren, dass die Fähre eigentlich ein Wassertaxi ist, das auf Abruf bereit steht. Hin- und Rückfahrt kostet 50,-€, ob man nun allein, zu zweit oder mit einer Großfamilie kommt.
Nahe der Kirche von Kihelkonna steht ein alter Glockenturm. Die meisten Kirchen auf Saaremaa und anderen Inseln Westestlands wurden als Burgkirchen ohne Turm gebaut. Sie dienten der Bevölkerung als Schutzraum bei Überfällen. Daher standen die Glockentürme etwas abseits. Im 17. Jahrhundert noch aus Holz, ersetzte man sie im 18. Jahrhundert durch Steinbauten. Früher gab es viele dieser Glockentürme. Dieser in Kihelkonna ist der letzte in Estland überhaupt.

Panga Cliff

Als letzte Station unserer Rundfahrt auf Saaremaa suchten wir uns das Pangacliff aus. Wie sich herausstellte, ist es wohl der schönste Platz auf der ganzen Insel. Der große Parkplatz Panga pank wurde erneuert. Er liegt direkt am Cliff. Der höchste Punkt der Steilküste misst 21,3m über dem Meeresspiegel. Senkrecht fällt die Küste ab. Dabei sind die verschiedenen Schichten des Silurzeitalters zu erkennen. Eine Infotafel am Parkplatz klärt darüber auf, was man vor sich hat. Während an anderen Steilküsten Saaremaas viele Fossilien aus dem Silur zu finden sind, hält sich die Ausbeute in Panga sehr in Grenzen. Es ist trotzdem ein unglaublich schöner Ort. Die Steilwand selbst ist 3km lang und umfasst die gesamte Spitze der Halbinsel Panga. Man kann an der oberen Kante der Steilwand entlanglaufen, durch einen niedrigen Kiefernwald mit Wäldern aus Storchenschnabel und vielen Orchideen, oder man genießt die Aussicht von unten die Wand hinauf. Neben zwei abenteuerlichen Abstiegen über Stricke und eine angelehnte Holzleiter, links vom Parkplatz, kann man auch den Weg vom kurz vorher befindlichen Kamtschatka Camp aus nehmen. Das Wasser ist glasklar.

„Mustjala Mustard“

Übernachtet haben wir auf dem sehr schönen Campingplatz in Tehumardi, kurz vor der Sölve Halbinsel, und auf dem Parkplatz am Cliff, der kostenfrei ist. Es ist wieder ein Punkt, von dem aus Sonnenauf- und Sonnenuntergang zu beobachten sind. Uns wurde ein Sonnenuntergang zuteil, der blutrot war, kein bisschen gold oder orange, nur blutrot. Unglaublich, aber er wirkte dadurch schon fast etwas bedrohlich. Trotzdem gab es einen wunderschönen nächsten Tag.
6km östlich von Panga, dort wo die Nebenstraße bei Pahapilli auf die größere Straße trifft, hat sich ein deutsches Paar niedergelassen. Sie verdienen sich ihre Brötchen mit dem Verkauf von selbstgemachtem Senf, Chutneys und Wacholdersirup. Ihre Marke heißt „Mustjala Mustard“ und probieren ist selbstverständlich. Wir interessierten uns für den Senf. Da werden Sorten mit Wacholder, Preiselbeeren, Aronia und vielem mehr angeboten, was in der Natur zu finden ist. Lecker sind alle Sorten und die Wahl fällt schwer.

Seekohl

Apropos Natur: die hat uns wieder einmal eine Bereicherung unseres Speiseplans beschert. Am kiesigen Strand bei Panga wachsen Wiesenkerbel, Sauerampfer, Wacholder und … Seekohl. Vom Seekohl, Meerkohl, die Pflanze hat viele Namen, hörten wir zum ersten Mal in dem englischen Buch „Food for Free“. Schon auf den Britischen Inseln hielten wir Ausschau, aber ohne Erfolg. Hier in Panga wächst der Seekohl vollkommen unerwartet. Die Pflanzen sind zu dieser Jahreszeit schon ziemlich alt und viele Teile sind bitter, aber die kleinen Blätter nahe der Blütenstände schmecken echt lecker. Wenn die Pflanzen jung sind, können alle Teile verwendet werden. Wir haben uns mit den jüngeren Blättern begnügt und ein schmackhaftes Essen daraus gemacht. Dieser Link führt zum Rezept.

Wie wir schon erwähnt haben, findet man an manchen Steilwänden Saaremaas Fossilien aus dem Silurzeitalter. Hier ein paar Beispiele, wie Muscheln, Korallen und Quarzknollen.

Fähre Piret

Nach neun wundervollen Tagen auf Saaremaa verließen wir die Insel mit der Fähre Töll. Auf halbem Weg begegnete uns die Fähre Piret, mit der wir auf die Insel kamen. Da war doch noch was? Der Große Töll und seine Frau Piret, das Riesenpärchen, welches auf Saarema lebte und den Menschen hilfreich war. Sie hinterließen sogar Spuren auf der Insel, wie Legenden berichten. Die Odalätsi Quellen im Nordosten sollen entstanden sein, als Töll mit dem Teufel kämpfte. Dort wo sie mit ihren Füßen auftraten, entstanden die Quellenlöcher. Der Koltsi See auf der Halbinsel Sölve entstand, nachdem sich Töll nach einem schweren Arbeitstag an dieser Stelle zum Ausruhen ins Moos legte. Zwei schöne Geschichten.

Kuressaare (Arensburg)

Um von Orissaare nach Kuressaare zu fahren, kann man die Hauptstraße 10 nehmen, oder die abwechslungsreichere und interessantere alte Straße, die in einem Bogen südlich der Straße 10 verläuft. Kurz nach der Auffahrt von der alten Straße auf die neue Straße zweigt rechts die Straße nach Kaali ab. Dort findet man einen Meteoritenkrater. Vor gut 3000 Jahren ist an dieser Stelle ein Meteorit eingeschlagen und riss dieses Loch mit einem Durchmesser von 105m. Neben dem Meteor Crater in Arizona, mit einem Kilometer Umfang, den wir schon besuchten, ist dieser hier in Kaali gerade einmal eine kreisrunde Kieskuhle.

Strand von Kuressaare

Die Hauptstadt der Insel Saaremaa ist sehr einladend. Man hat viel Platz zum Atmen, alles läuft gemütlich und die Altstadt ist ganz hübsch. Kuressaare hat eine interessante Gebietsteilung. Die Stadt liegt an der Kuressaare-Bucht, die mit einem sehr schönen und großen Sandstrand abschließt. Daneben findet man den Yachthafen.

Bischofsburg

Zwischen Strand und der Altstadtachse erhebt sich die deutsche Bischofsburg aus dem 13.-14. Jahrhundert. Sie ist die besterhaltene mittelalterliche Burg im ganzen Baltikum, das heißt, auch sie fiel Zerstörungen anheim, aber sie wurde hervorragend wiederhergestellt. Die Schweden seinerzeit ergänzten die Burg durch eine Wehrmauer mit Kanonenstellungen, Kasematten und Pulvertürmen. Das ganze steht auf einer Insel, von einem Wassergraben umgeben. Auf diesem werden Gondelboote verliehen.

Waagenhaus

In der gleichen Linie von Strand und Burg verläuft die Lossi Straße, die Hauptstraße durch die Altstadt, bis hin zum Rathaus. Fast alle wichtigen Sehenswürdigkeiten liegen an dieser Straße. Den Anfang macht das Haus des Feldwächters. Hier begann ehemals die Stadt Kuressaare. Die Aufgabe des Feldwächters war es, darauf zu achten, dass die städtischen Tiere nicht auf die umliegenden Güter liefen.
An der orthodoxen Kirche vorbei erreicht man den Marktplatz mit dem Rathaus, dem Waagenhaus, der ehemaligen Feuerwehrstation und der Laurentiuskirche. Im Waagenhaus aus dem Jahre 1663, heute ein Pub, befanden sich Referenzwaagen, nach denen alle anderen Waagen eingerichtet wurden. Das war sehr wichtig für die Berechnung der Steuern auf die Waren des Marktes, und den Handel im allgemeinen. Es ist das einzig erhaltene Gebäude diesen Typs, mit Stufengiebel, in Estland.
Etwas abseits gelegen steht eine Holländerwindmühle aus dem Jahre 1899, die bis zum zweiten Weltkrieg in Betrieb war. Das kleine Restaurant bietet leckere kleine Speisen, die aber relativ teuer sind.

Großer Töll und Piret

In der Nähe des Yachthafen steht seit 2002 eine Skulptur. Die beiden Figuren stellen den Riesen Großer Töll und seine Frau Piret dar. Sie tragen ein Boot voller Fische. Die beiden wohnten vor langer Zeit auf Saaremaa und beschützten deren Einwohner vor allerlei Ungemach. Sie waren immer gut und gerecht, so dass sich die Inselbewohner die Erinnerung an den Großen Töll und Piret allezeit wachhalten. Schöne Geschichte.

In Pöide bei Orisaare suchten wir die Brauerei gleichen Namens. Dort fanden wir sie nicht, aber hier in Kuressaare. Leider war diese bei unserem Besuch geschlossen.

Orissaare – Saaremaa (Ösel)

Jahrestag der Unabhängigkeit

Endlich wieder festen Boden unter den Füßen, nach mehr als zwei Monaten. Wir sind auf der estnischen Insel Saaremaa, deutscher Name: Ösel. Sie besteht, wie die Schwesterinsel Muhu, aus versteinertem Meeresboden, also aus Kalkstein. Kein ewiger Sand, wenige Kiefern, dafür viel Wacholder.
Bis 1991 sowjetisches Sperrgebiet und für Außenstehende unzugänglich, ist sie heute eine Insel ohne Bausünden, mit ursprünglichem Leben und ganz viel Natur. Eigentlich sah Saaremaa seit der Ankunft des Deutschen Ritterordens 1227 immerwährend fremde Mächte, als da die Schweden und die Dänen wären. Die Esten hatten seitdem nie etwas zu sagen. Erst 1918 erlangte Saarema, sowie ganz Estland, die Unabhängigkeit. Der Deutsche Ritterorden besaß zu diesem Zeitpunkt immer noch die Hälfte der Insel. Er wurde enteignet und für kurze Zeit war Estland endlich Herr seines eigenen Landes, zumindest solange, bis die Sowjets kamen. Mit der erneuten Unabhängigkeit 1991 gehört nun Estland mitsamt seinen Inseln den Esten. Seitdem feiern die Esten zwei Unabhängigkeitstage im Jahr, wie die Letten, die ziemlich die gleiche Geschichte erzählen. In diesem Jahr feierte man den 100. Jahrestag der Unabhängigkeit vom Zarenreich und den Deutschen. Zur Sonnenwendfeier am Kap Kolka hatten die Leute eine 100 in den Sand gegraben und Teelichte hineingestellt. Jetzt wissen wir warum.

Koguva

Um Saaremaa zu erreichen, muss man mit der Fähre von Virtsu aus übersetzen. Die Überfahrt dauert eine halbe Stunde und kostet knapp 15,-€ für ein Wohnmobil mit zwei Personen. Dann ist man erst auf der kleinen Insel Muhu. Von Muhu nach Saaremaa führt ein Damm durch das sehr flache Wasser der Väike Straße.
Für die meisten Reisenden ist Muhu nur Durchgangsstation. Wir wollten uns zumindest das Museumsdorf Koguva ansehen. In diesem Dorf ist die Zeit im 18. Jahrhundert stehen geblieben. Der Dorfkern ist komplett unter Schutz gestellt. Mit einem 4,-€-Ticket kann man in diese Zeit eintauchen. Die alten Häuser sind fast winzig, die Grundstücke mit flachen Feldsteinmauern umgeben, die inzwischen dicke Moosschichten angesetzt haben. Manche Einwohner stapeln ihre Holzscheite für den Winter auf diesen Mauern.
Koguva war ein Fischerdorf. Die Fischer holten im Winter ihre Boote an Land und legten sie kieloben auf den Mauern ab. Manche Boote, die irgendwann nicht mehr gebraucht wurden, liegen noch heute dort.

Kirche von Liiva

In Liiva, wieder ein Hinweis auf den Volksstamm der Liven, steht die St. Katariina Kirche aus dem 13.-14. Jahrhundert. Sie besitzt als mittelalterliche Burgkirche auf Saaremaa keinen Turm. Der Innenraum wirkt geplündert, nur die schmückenden architektonischen Elemente aus dem Inselgestein Dolomit, und ein paar wenige Wandmalereien, sind erhalten.

Noch ein Wort zu dem aussterbenden Volksstamm der Liven. Immer wieder kommen uns die Namen Liven und deutsch-livonisch unter. Livonisch ist nur ein anderes Wort für livisch. Die Liven siedelten rechts und links der Rigaer Bucht auf lettischem Boden. Daher existieren auch im Gauja Nationalpark Hinweise auf sie. Noch vor ein paar Jahrhunderten zählten die Liven mehrere 10.000 Angehörige, heute sind nur noch gut 200 von ihnen übrig, die im lettischen Bezirk Kurland ansässig sind. Die Wurzeln der Liven liegen in Finnland.

Hain-Wachtelweizen

Wieder auf Saaremaa fuhren wir in den Südosten der Insel, nach Saareküla. Dort gibt es einen gut 2km langen Wanderweg durch Mischwald, mit Lichtungen und altem Moorland. Hier wachsen Orchideen und andere exotische, nordische Pflanzen. Wenn man Glück hat, bekommt man ein Reh zu Gesicht, auch Kraniche. Man sagt, dass es in Estland mehr Elche als Menschen gibt. Daher warten wir in den Wäldern immer auf eine Sichtung, aber bisher erfolglos.

Denkmal

Einen Kilometer hinter dem Wanderparkplatz befindet sich direkt an einer Abzweigung ein Denkmal. Es sieht aus wie ein alter Steinkreis, auf einem stufigen Podest in der Mitte liegt ein gespaltener Felsbrocken. Es erinnert jedoch an die antike estnische Herrlichkeit, als es noch keine Fremdherrscher gab.

In Pöide suchten wir die Brauerei, aus der das Bier stammt, welches wir in der kleinen Hafenkneipe in Orissaare angeboten bekamen. Die Brauerei ist aber in Kuressaare zu finden. Dafür besichtigten wir die Kirche in Pöide. Sie sieht noch jämmerlicher aus als die in Liive, total hinüber. Jetzt wird versucht, noch zu retten, was zu retten ist, aber es wird eine Mammutaufgabe werden. In Anbetracht des fehlenden Geldes eher nicht machbar. Die Bauschäden sind zu groß.

Burg Maasilinn

Eine andere Rundtour von Orissaare aus brachte uns Richtung Westen an der Küste entlang. Das erste Ziel ist dabei die Ruine der deutschen Ordensburg Maasilinn aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde aus dem heimischen Kalkstein erbaut. Die dicken Mauern und die Gewölbe der Kellerräume bestanden aus einer Art grobem Ziegelmauerwerk. Das muss eine immense Aufgabe gewesen sein, dieses Mauerwerk hochzuziehen. Die Burg bestand einstmals aus drei Stockwerken. Schon 1576 zerstörten die Dänen, die die Insel Saaremaa eroberten, die Burg. Heute sind nur noch die Kellerräume zu besichtigen. Die Gewölbe waren so stabil, dass sie bis heute halten. Von der ersten Etage sind nur noch Reste übrig. Die Burg Maasilinn kann kostenfrei besucht werden. In der näheren Umgebung befinden sich weitere Ruinen und Burgwälle.

Pulli pank

Nun folgten wir immer der Küstenstraße Richtung Leisi. Die nächste Sehenswürdigkeit ist Pulli pank, eine kleine Steilküste mit Felsaufschlüssen. Es soll die repräsentativste Steilküste auf Saaremaa sein, aber sie ist nicht die größte. An diesen Stellen sieht man schön die verschiedenen Schichten, die die Meeresorganismen über Jahrmillionen seit dem Silur-Zeitalter gebildet haben, dazu die Verwerfungen durch die Tektonik. Um diese Pulli pank zu erreichen, bedarf es allerdings etwas Kletterarbeit, denn einen geeigneten Weg dorthin hat man nicht angelegt.

Jaani Kirche

Auf dem weiteren Weg nach Leisi kann man ab und zu zur Küste abbiegen. Etwa auf halbem Weg kommt man an der kleinsten Kirche Saaremaas vorbei, der Jaani Kiriku, die vom Ende des 17. Jahrhunderts stammt. Sie wurde für Aussätzige gebaut, war daher keine Burgkirche und besitzt deshalb einen Turm. Leider ist sie verschlossen.

Da wir überlegen, den Weg weiter nach Tallinn über die Insel Hiiumaa zu nehmen, fuhren wir zum Fährhafen in Triigi. Außer dem Fährhafen ist dort jedoch nichts weiter. Der besteht aus der Rampe, der Hafenaufsicht und einem kleinen Café. Viermal am Tag verkehrt die Autofähre zwischen den Inseln.

Ein Zwischenstopp in Leisi (Laisberg) ist nicht von langer Dauer. Man ist in fünf Minuten durch den äußerst ruhigen Ort gelaufen. Die kleine orthodoxe Kirche am Südrand Leisis ist auch verschlossen.

Bockwindmühle auf Saaremaa

Den letzten großen Stopp auf der Rundfahrt legten wir in Angla ein, südlich von Leisi gelegen. 1925 standen auf dem dortigen Hügel noch neun Windmühlen. Es soll ein besonders windiger Ort auf der Insel sein. Überlebt haben vier typische Bockwindmühlen und eine Holländermühle, die von innen zu besichtigen ist. Zum Gelände gehört auch das Kulturzentrum Angla, in dem ein Museum über die Geschichte der Gegend eingerichtet ist. Auf dem Außengelände stehen noch alte landwirtschaftliche Maschinen und Kutschen. Der Eintritt in dieses Ensemble kostet 3,50€ pro Person. Landestypische Handwerkskunst wird angeboten, die hier aus Kalkstein gefertigt wird, welche wir bisher auf den Märkten aus dekorativem Wacholderholz gemacht sahen, wie Dosen, Untersetzer, Mörser und andere Gebrauchsgegenstände.

Farbtupfer

Was macht man mit einem toten Baum, der frei zwischen anderen einzelnen Bäumen in der Landschaft steht? Klar, man malt ihn an und sorgt so für gute Laune. Diesen Baum findet man an der Straße 10 auf dem Rückweg nach Orissaare, rechte Seite.

Pärnu

Steg für Fischzaun

Auf dem Weg nach Pärnu, das liegt schon in Estland, übernachteten wir im noch lettischen Salacgriva. Touristisches Infomaterial brachte uns in diese Küstenstadt. Quer über den Fluss Salaca steht hinter dem Stadtgebiet ein hölzerner Steg. Hier und im 6km südlicher gelegenen Fluss Svétupe stehen zusammen drei dieser Stege. Wofür sind die? Es sind die drei letzten Fischzäune für den Neunaugenfang, der auf diese Weise schon seit 150 Jahren funktioniert. Wenn die Neunaugen die Flüsse aufwärts ziehen, werden an den Fischzäunen bis zu 200m lange Reusen befestigt, mit denen die Neunaugen gefangen werden. Die lebenden Fossile sind zwar weltweit vom Aussterben bedroht, aber in Lettland gehören sie seit alters her auf den Speiseplan. Im August findet in jedem Jahr das Neunaugenfest statt. Hätten wir schon in Riga gewusst, dass dort die Neunaugen im Zentralmarkt angeboten werden, hätten wir garantiert einmal probiert.

Altstadt Pärnu

Pärnu ist eine Kurstadt, ein Ostseebad mit langem Sandstrand und die Sommerfrische der Esten allgemein. Die Stadt liegt an der Pärnu-Bucht, die Teil der Rigaer Bucht ist. Das Kurviertel Pärnus liegt mit dem ehemaligen Kurhaus, heute Hotel, direkt hinter dem Strand. Im großzügigen Kurpark kann man die Seele baumeln lassen. Hinter dem Kurpark befindet sich die schöne Altstadt Pärnus. Viele der alten Holzhäuser sind noch erhalten und schön rekonstruiert. Dazwischen stehen vereinzelt Backsteinbauten. Der größte Teil der Altstadt ist autofrei und viele kleine Kneipen und Cafés laden zu einer kleinen Pause ein. Eines der ältesten Häuser ist das ehemalige Hospital, in dessen direkter Nachbarschaft das Hotel St. Peterburg steht.
Außerdem ziert die Stadt das einzig erhaltene Stadttor im Baltikum. Es stammt aus der Schwedenzeit.

Teil des Denkmals (zum Blättern)

Die Stadt Pärnu hat einen berühmten Sohn. Vor dem Pärnuu Museum steht ein Denkmal für ihn. Es handelt sich um Gustav Peter Fabergé, dem Schöpfer der berühmten Eier für den russischen Zaren. Er wurde am 18. Februar 1814 in Pärnu geboren. 1842 gründete er in St. Petersburg sein eigenes Juwelieratelier. Ich bin Dresdnerin, aber das Gustav Peter Fabergé 1893 in Dresden starb, das wusste ich nicht, ziemlich peinlich.

Quesadillas mit Pulled Pork

Das Wohnmobil steht am Yachthafen auf dem Parkplatz, der 2,-€ für 24 Stunden kostet. Der Platz liegt in der Nähe der Altstadt und der Promenade am Fluss Pärnu. Eine Empfehlung fürs Abendessen: „Sheriffs Saloon“, ca. 200m vom Parkplatz entfernt, rechts halten. Neben einer breiten Burger-Palette werden auch verschiedene Rib-Gerichte sowie mexikanische Gerichte angeboten. Gleich nebenan befindet sich das Tex-Mex.

Gauja Nationalpark

Wir sind nun schon eine Weile in den baltischen Staaten unterwegs. Jeder Staat hat seine eigene Sprache, so dass sich die Bewohner untereinander nicht verstehen können. Durch die russische Zeit, in der die nationalen Sprachen „unerwünscht“ waren, sprechen die meisten Menschen immer noch russisch. Russisch ist daher die Verständigungssprache und neben Deutsch die wichtigste Fremdsprache in den baltischen Staaten. Da wir vor über dreißig Jahren auf Montage (Erdgastrasse) in der ehemaligen Sowjetunion waren, und in der Schule Russisch-Unterricht hatten, liegen bei uns im allerhintersten Hirnbereich noch ein paar Brocken Russisch herum. Es ist erstaunlich, wie viel davon wiederkommt, wenn man damit längere Zeit konfrontiert wird.

die Gauja

Wir besuchten den Gauja Nationalpark. Die Hauptattraktion dieses Parks ist der gleichnamige Fluss. Die Gauja ist knapp 500km lang, aber sie ist so sehr gewunden, dass Anfang und Ende viel weniger als die Hälfte Luftlinie auseinander liegen.
Der Gauja Nationalpark deckt einen Großteil der sogenannten lettischen Schweiz ab, eine waldreiche Hügellandschaft mit idyllischen Flusstälern. Der Nationalpark ist jedoch eigentlich nur für Fahrradfahrer und Wanderer so zu erleben, wie es ihm gebührt. Die meisten Straßen sind unbefestigte Schotterpisten. Viele Sehenswürdigkeiten sind trotzdem nur zu Fuß zu erreichen, mehr oder weniger Kilometer von den Schotterpisten entfernt.
Trotzdem kann man auch per Auto einiges sehen. Zwei interessante Ziele sind die Orte Līgatne und Cēsis.

Fähre über die Gauja

Wir standen zwei Nächte auf einem Parkplatz am Ungurssee. Von dort aus ist Līgatne nur über eine 13km Schotterpiste zu erreichen, wenn man nicht unendliche Zusatzkilometer in Kauf nehmen will. Am Ende der Schotterpiste wartet eine kleine Fähre, die Fußgänger, Fahrräder und Autos über die Gauja bringt. Ein PKW mit zwei Passagieren kostet 3,50€. Diese Fähre ist im Baltikum einzigartig und die einzig erhaltene Fähre von ehemals vielen über die Gauja. Auf zwei Bootskörpern liegt eine Plattform aus Brettern. Der Antrieb erfolgt aus einer Kombination aus Muskelkraft und Strömung an einem Seil entlang. Beim Übersetzen hat man etwas Zeit, einen ersten Eindruck von der Gauja mit ihren sandigen Ufern zu bekommen.

alte Papierfabrik

Zwei Kilometer weiter lädt Līgatne zu vielen verschiedenen Entdeckungen ein. Im Ort selbst steht alles unter dem Zeichen der Papierherstellung. Seit 1815 produzierte man 200 Jahre lang große Mengen Papier in einer riesigen Fabrik, deren Gebäude sich über ganz Līgatne verteilen. Im Rahmen einer Führung bekommt man Einblick in das Leben der Arbeiter, die Herstellung des Papiers und die Fabrik. Sogar einige originale Wohnhäuser, hölzerne Reihenhäuser aus den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts, stehen noch und sind nach wie vor bewohnt.
An der Hauptstraße durch den Ort, in Richtung Skalupes, sind zwei Sandstein-Felswände zu bewundern, in die große Löcher gegraben wurden. Diese Räume dienten als Kellerräume für die Einwohner Līgatnes. Vor dem 16m hohen Felsen auf der rechten Seite findet man eine Fischtreppe, die 2011 gebaut wurde.

Sandsteinfelsen

Auf dem Weg zu dem Felsen auf der linken Straßenseite kommt man an weiteren Kellern vorbei, die zum Teil heute noch genutzt werden. Handwerkliche Arbeiten, ein Weinkeller und ein Stand, an dem gesunde Süßigkeiten aus Breitwegerich und Kiefernzapfen angeboten werden, sind dort zu finden. Kiefernzapfen kann man essen? Nie wären wir auf die Idee gekommen, aber die Dame, die das anbietet, lud uns zum Probieren ein. Da werden Zapfenlikör, Zapfenmarmelade, Zapfensirup für medizinische Zwecke und in Sirup getränkte Kiefernzapfen am Stiel angeboten. Wir kauften ihr Kiefernzapfen am Stiel und Zapfenmarmelade ab. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Ob wir so etwas auch selbst hinkriegen?

Tarneingang zum Bunker

Der schon erwähnte Ort Skalupes ist hauptsächlich Rehabilitationszentrum, und das schon seit sowjetischen Zeiten. Seit dem ist anscheinend nie wieder etwas am Gebäude gemacht worden. Die Atmosphäre ist ziemlich erdrückend. Das Hauptgebäude bewahrte aber bis 2003 ein großes Geheimnis. In neun Metern Tiefe breitet sich ein 2000m² großer, ultrageheimer sowjetischer Bunker aus. Wie der solange geheim bleiben konnte, ist uns ein Rätsel.
Eine Führung kostet 8,80€ pro Person und dauert eineinhalb Stunden. Im Preis inbegriffen ist ein sowjetisches Essen, Pelmeni mit Hackfleischfüllung und ein Glas Saft dazu. Der Grundriss des Bunkers ist fast quadratisch und symmetrisch. In der Mitte liegen die Wohnräume des Bunkerchefs und des Generals. Drumherum gruppieren sich Arbeitsräume, Dekontaminationsräume, Sanitärräume, Küche und Speiseraum, sowie Klimaanlage und Notstromgeneratoren. Da die Leute, die den Bunker nutzen sollten, auch irgendwo schlafen mussten, gehen wir davon aus, dass es noch mehr Etagen gibt. Sogar ein artesischer Brunnen, 150m tief, ist vorhanden.
Dieser Bunker wurde für die Regierung in Riga gebaut, die im Ernstfall hierhin abgeholt wurde. Er wurde für 250 Leute kalkuliert, die darin leben und arbeiten sollten. Wie lange solch ein Fall dauern sollte oder konnte, weiß man nicht. Tatsächlich wurde der Bunker nur wenige Male von wenigen Menschen genutzt. Nur einmal kamen 300 Menschen hier zusammen, aus der Regierung und dem Sicherheitskommitee. Sie trainierten 1984 drei Tage lang den Ernstfall. Noch heute sind alle Anlagen voll funktionsfähig und werden ein paarmal im Monat überprüft.

Gaujakurve

Hinter der Rehabilitationsklinik führen mehrere Wege durch den Wald an das Ufer der Gauja. Wenn man dem Weg „Gauja“ folgt und am Ufer nach links abbiegt, kommt man an ein traumhaftes Plätzchen. Hier macht die Gauja eine Kurve. Über viele tausend Jahre wurde an dieser Stelle eine Sandsteinwand ausgewaschen und der nackte Fels zeigt sich.

Āraišu Inselsiedlung

Südlich von Cēsis liegt der Archäologiepark „Āraišu“, Eintritt 2,-€. Hier sind drei Teile zu bewundern. Auf der rechten Seite stehen Rekonstruktionen von stein- und bronzezeitlichen Häusern am Ufer des Āraiši-Sees. Von 1965-1979 fanden zehn archäologische Ausgrabungen statt. Anhand der Funde und Erkenntnissen von anderen Ausgrabungsorten baute man nach bestem Wissen und Gewissen diese Häuser nach. Schon die Steinzeitmenschen wussten, wo es schön ist.
In der Mitte des Geländes thronte im 14.-17. Jahrhundert eine steinerne Burg des Livonischen Ritterordens. Nach der Zerstörung der Burg im Schwedisch-Polnischen Krieg verfiel die Burg. Inzwischen stehen nur noch ein paar Grundmauern.
Links von der Burg entstand die Rekonstruktion einer Inselsiedlung aus dem 9.-10. Jahrhundert. Zehn dieser Inselsiedlungen sind inzwischen auf dem Gebiet Lettlands bekannt. Diese hier im Āraiši-See wurde von dem altlettischen Stamm der Lettgalen erbaut. Es ist die einzige Rekonstruktion solch einer Inselsiedlung, bei deren Errichtung man sich Daten und Fundstücke aus allen zehn Ausgrabungen zu Hilfe genommen hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die ganze Siedlung steht auf einer Plattform aus Rundhölzern, die auf einer Sandbank im See ruht. Darauf wurden die kleinen Wohnhäuser aus Rundhölzern gebaut, die nur einen Raum und einen kleinen Vorbau hatten. Vermutlich wurden die Fußböden mit Lehm begradigt, denn auf den Rundhölzern lässt es sich nicht wirklich gut gehen. Kleine Lehmöfen in den Wohnräumen dienten als Heizung und Herd.

Zentrum von Cesis

Die kleine Stadt Cēsis scheint auf den ersten Blick ganz schön mitgenommen. Der Zahn der Zeit nagt an den Häusern, aber es wird inzwischen einiges für die Erhaltung des Altstadtkerns getan. Die alten Holzhäuser entführen in frühere Zeiten. Von der mittelalterlichen Burg aus dem Jahre 1207 ist nicht mehr viel übrig. Irgendwann diente sie dem Deutschen Orden in Livland als Residenz. Die St. Johanniskirche, ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert, diente dem Orden als Dom, in dem die Ordensmeister und Ritter beerdigt wurden.

Spiegel-Cliff

Da wir die dritte Nacht auf dem Campingplatz Žagarkalns verbringen, erkundeten wir den angrenzenden Wanderweg „Cīrulīšu“. Zuerst führt er an die Gauja, bevor er zum alten Bett der Gauja führt. Über 60 Millionen Jahre hat sich die Gauja durch die Sandsteinfelsen gegraben und dabei ein Tal mit Wänden in fünf Terrassen geschaffen. Am alten Bett der Gauja ragt das Spiegelcliff 140m lang und bis zu 10m hoch senkrecht in den Himmel. Das Wasser am Fuße des Felsens ist glasklar. Es wird durch eine Quelle gespeist, die 5-10l pro Sekunde hervorbringt. Praktischerweise hängt ein Becher an der Felswand, damit man das Quellwasser in vollen Zügen genießen kann.

Skipiste im Gauja NP

Wenn man der Verlängerung des Weges durch den Urwald des Gauja Nationalparks folgt, kommt man bald an einem Zeltplatz heraus. Dieser befindet sich zwischen der Gauja und einem Wintersportgebiet. Es führen ein Sessellift und ein Skilift auf den Eichenberg, von dem man die Abfahrt per Ski, Rodel oder was auch immer, starten kann. Am Ende der Piste wartet das Wasser der Gauja. Es ist die längste Skipiste Lettlands. Wenn man Glück hat, ist sie gefroren. Früher existierte einmal eine Bobbahn aus Beton an diesem Berg. Von der sind aber nur noch Überreste vorhanden.
Dann beginnt man den Rückweg, auf dem die „Rote Höhle“, ein von Menschen gemachtes Loch im Felsen, der Freundschaftsbaum und eine weitere, unzugängliche Höhle liegen.

Freundschaftsbaum

In der Hauptsache wird der Urwald des Gauja Nationalparks aus Kiefern und Fichten gebildet. Beide Arten brauchen unterschiedliche Wachstumsbedingungen, und trotzdem wachsen eine Kiefer und eine Fichte an der exakt gleichen Stelle. Deshalb wird dieser Zwillingsbaum „der Freundschaftsbaum“ genannt.
Im Moment wird der Cīrulīšu-Weg mit wilden roten Johannisbeeren und Blaubeeren versüßt. Die Pilze lassen noch auf sich warten. An wenigen Stellen gedeiht sogar wilder Hopfen, wie an den kleinen Weg an der Einfahrt zum Campingplatz.

Es gibt unzählige Sehenswürdigkeiten im Gauja Nationalpark, von Bauernhöfen, Wanderwegen, Kanufahrten, bis hin zu Höhlen, Felswänden und Quellen. Da braucht man schon einige Wochen, um alles zu erkunden. Wir haben leider nicht so viel Zeit, deshalb pickten wir uns nur ein paar interessante Orte heraus.

Während in Deutschland über 30 Grad herrschen, super, müssen wir inzwischen mit 13-15 Grad und Wind leben. Brrr.

Riga

Vollmond über Riga

So langsam merken wir, dass die ewigen Sandlandschaften langsam auf´s Gemüt gehen. Sand, Sand und immer nur Sand. Wenn es keinen Sand gibt, hat das Moor die Herrschaft übernommen. Ein Königreich für einen Felsen und festen Boden. 🙂
Dafür: Kaiserwetter beim Besuch von Riga. Neben Danzig ist Riga die wohl schönste Stadt im Baltikum. Die Skyline sieht aus wie eine Mischung aus Kopenhagen und Moskau. Von Kopenhagen scheint die Stadt die schlanken Türme übernommen zu haben, von Moskau die goldenen Kuppeln und den Hauptturm der Lomonossow-Universität.

Blick über Riga

An der Daugava gelegen und von einem Kanal durchflossen, mit viel Grün, spannenden Gebäuden und tollen Plätzen beeindruckt die Altstadt, die inzwischen UNESCO-Weltkulturerbe ist.
Es gibt zwei Möglichkeiten, diese schöne Stadt von oben zu sehen: den Turm der Petri-Kirche, das kostet allerdings inkl. Besichtigung der Kirche selbst, 9,-€ Eintritt. Einen Gratisblick bekommt man jedoch von der Skyline Bar im Radisson Blu, gleich hinter der orthodoxen Kirche. Man muss nicht gleich etwas konsumieren, wenn man aus dem 26. Stockwerk der Skyline Bar auf Riga hinabsehen will.

orthodoxe Kirche

Ein Glanzstück ist die orthodoxe Kirche von außen und von innen. Die goldenen Kuppeln glänzen weit ins Land. Der Innenraum der Kirche, mit der Kuppelkonstruktion, den starken Pfeilern und dem runden Grundriss, erinnert stark an die Haghia Sophia in Istanbul. Diese muss vor der osmanischen Herrschaft einmal genauso ausgesehen haben. Die Malereien, die goldstrotzenden Ikonen und der goldene Altar der orthodoxen Kirche von Riga sind einfach nur großartig.

deutsche Botschaft

Um von hier aus zur Altstadt zu gelangen, passiert man das Freiheitsdenkmal aus dem Jahre 1935. Es wurde mit Volksspenden finanziert. In der Umgebung stehen viele schön restaurierte Jugendstilgebäude. Das Gebäude der deutschen Botschaft sieht jedoch eher orientalisch aus.

Schwarzhäupterhaus

Ist man in die Rigaer Altstadt eingetaucht, läuft die Zeit anders. Enge Gassen mit Pflasterstraßen verbinden die Sehenswürdigkeiten wie den Pulverturm, das Schwedentor, die Große und Kleine Gilde, den Rigaer Dom und das Schloss, von dem aus der lettische Präsident regiert. Dazwischen der Domplatz und der Rathausplatz mit dem beeindruckenden Schwarzhäupterhaus.

Moonshine-Bar

Ein sehr gemütlicher Platz mit vielen Einkehrmöglichkeiten ist der Livu Platz. Auch sonst laden unzählige Kneipen und Cafés mit Außenplätzen und leckerem Angebot ein. Da möchte man doch alles ausprobieren. Uns hat es vor allem das „Moonshine“ angetan. Wer sich für das nostalgische Amerika begeistern kann, der ist in dieser Bar ganz richtig. Authentischer geht es nicht mehr und wir haben die besten Spareribs ever (jemals) gegessen. Das „Moonshine“ wirbt mit den besten Spareribs der Welt, und sie haben nicht übertrieben. Für ein Kilo zarteste Ribs mit Peperoni und frittierten Zwiebelringen, in einer Pfanne serviert, haben wir 16,-€ bezahlt.
Wer sich dazu mit Amerika auskennt, der weiß auch, dass „Moonshine“ nicht vom Mond herrührt, sondern der Schwarzgebrannte so genannt wird. Da der wirkliche Moonshine gerade nicht verfügbar war, musste der Rigaer Samogon zum Essen herhalten. Den hatten wir schon in der Markthalle kennengelernt, der wir am Abend zuvor einen Besuch abstatteten.

Zeppelinhallen

Der Zentralmarkt von Riga ist der größte Markt Lettlands. Der Markt nutzt heute die Zeppelinhallen am Ufer der Daugava. In jeder Halle ist ein anderes Angebot zu finden, eine Halle mit Fisch, eine Halle mit Fleisch und so weiter. Auf dem Außengelände wird zum größten Teil Obst und Gemüse angeboten. Kirschen gibt es jetzt ohne Ende. Nie haben wir so viele Kirschen gesehen, schön schwarz, groß und süß. Das Kilo kostet bis zu 2,50€. Da greift man gerne zu. Es werden aber auch weitere Gebäude für den Markt genutzt. Man kann hier stundenlang schlendern und einkaufen.
Wie schon erwähnt, wird der russische Selbstgebrannte Samogon angeboten. Er hat zwar nur 43%, aber schmeckt wie in alten Zeiten, reinster Schnaps von bester Qualität. Dieser Samogon wird im Rigaer Stadtviertel Mezaparks aus lettischem Blütenhonig hergestellt, ganz legal. Er ist zweimal destilliert und anschließend durch Moos und Aktivkohle gefiltert. Privat Selbstgebrannter, offiziell eigentlich verboten, hat irgendetwas zwischen 60 und 90% Alkohol.
Noch einen Hinweis: bloß nicht mit dem Auto in die Stadt fahren. Die Parkgebühren sind enorm. An der Markthalle haben wir für 1,5 Stunden 4,90€ bezahlt. Bisher kostete eine Stunde Parken in den baltischen Staaten 60 oder 90 Cent.

Aida cara vor Riga-Silhouette

Das Wohnmobil haben wir auf dem Riverside Camping auf der Insel Kipsala stehen. Zweihundert Meter entfernt befindet sich die Station für den Autobus in die Stadt. Eine Fahrt kostet 2,-€, egal wohin, egal wie lange. Der Campingplatz besitzt eine schöne große Terrasse direkt am Ufer der Daugava, mit einem tollen Blick auf den Fluss, das Speicherviertel und die Altstadt, sowie ankommende und abfahrende Kreuzfahrtschiffe. Die Aida cara stattete gestern Riga einen Besuch ab.

Den besten Blick auf Rigas Skyline hat man übrigens abends und bei schönem Wetter. Dann ist die Beleuchtung super. Den besten Standpunkt findet man am gegenüberliegenden Ufer, gleich neben der Hängebrücke.

Engure-See

Ried

Seit fünf Tagen regnet es mehr als die Sonne scheint, dazu ist es mit ca. 15 Grad kalt. Hoffentlich bleibt das nicht so.
Zwischen Roja und Jurmala, an der Küste der Rigaer Bucht, liegt der Engure-See. Er ist der drittgrößte See Lettlands, allerdings mit 2,50m an der tiefsten Stelle doch recht flach. Im See haben sich viele Inseln gebildet, die Seevögeln sichere Plätze zum Aufenthalt bieten. In der Sprache der Prussen und Liven heißt Engure „Aal“. Anfang des 20. Jahrhunderts fischte man hauptsächlich Aale. Im Laufe des 1. Weltkrieges war die Fischerei eingestellt und der Bestand der Aale explodierte. 1929 starb der Aal dann aus ungeklärten Gründen im Engure-See aus. Der See wurde 1957 unter Schutz gestellt, seit 1998 gibt es den gleichnamigen Naturpark. Inzwischen werden im Park 186 Vogelarten, davon viele in Lettland auf der Roten Liste stehend, beobachtet. Dazu kommt eine reiche Fauna, mit vielen Orchideenarten.

Beobachtungsturm

Rund um den See stehen mehrere Aussichtstürme, die eine Beobachtung der Tierwelt am und auf dem Engure-See möglich machen. Am mittleren West- und auch Ostufer sollen Wildpferde und wilde Rinder beobachtet werden können. Wir fuhren zum östlichen Ufer. Ein Wanderweg führt durch den Wald immer am Ufer entlang. Zwischen diesem Wanderweg und dem Aussichtsturm befindet sich ein großzügig eingezäuntes Gelände, in dem die wilden Pferde und Rinder unter Beobachtung gehalten werden. Wahrscheinlich aber gehört auch noch ein großes Stück Wald dazu, in den sich die Tiere zurückziehen können.

Koni-Pferde

Am meisten waren wir auf die lettischen blauen Kühe gespannt, die hier eine Heimat haben. Leider konnten wir nicht ein Exemplar finden. Seit wir in Lettland unterwegs sind, sahen wir jedoch mehr oder weniger vereinzelte Tiere dieser alten Rasse auf den Weiden stehen, meist zusammen mit den allgegenwärtigen schwarz-weißen Hausrindern. Die blauen Kühe haben ein blaugraues Fell und fallen sofort ins Auge. Sie werden wegen der Fellfarbe auch „Meereskühe“ genannt. Der Engure-See war für uns wohl die letzte Gelegenheit, diese Kühe zu beobachten und vielleicht noch ein Foto zu machen.
Dafür trafen wir vier der polnischen Koni-Pferde, und eines ihrer Fohlen, an. Sie standen direkt am Weg zum Aussichtsturm und nahmen Kontakt mit uns auf, ein tolles Erlebnis.

Orchidee

Bevor man zum Aussichtsturm abbiegt, kann man dem Orchideen-Pfad folgen. Mückenspray nicht vergessen! Auf diesem Weg sind tatsächlich jede Menge Orchideen zu sehen, aber eher die von der Art des Knabenkrauts. Es soll jedoch auch die Arten geben, bei denen man anhand der charakteristischen Blüten sofort erkennt, dass es sich um Orchideen handelt.

Der Engure-See ist durch einen Kanal mit der Rigaer Bucht verbunden. In Mērsrags kann man sich z.B. im Yachtclub Kajaks ausleihen und den 4km langen Kanal abfahren. Im Engure-See angekommen, sollte man sich unbedingt eine Landmarke aussuchen, damit man um die vielen Inseln herum die Einfahrt zum Kanal wiederfindet. Der Yachtclub bietet ein paar Womo-Stellplätze, die auch wir nutzen.

Strand bei Mersrags

Ein anderes Ausflugsziel in Mērsrags ist der kleine Leuchtturm. Er ist zwar nicht öffentlich, aber hübsch anzusehen. Er steht in einer Ferienanlage. Der Strand ist an diesem Küstenabschnitt sehr steinig. Große runde Steinbrocken zieren in Massen den Strand bis ins Wasser hinein. In der Nähe des Leuchtturms liegen ein paar Steine in einer Zick-Zack-Linie im Wasser, an deren Ende der Teufelsfelsen liegt. Der Legende nach soll der Teufel hier eine Brücke gebaut haben, dies sind die Überbleibsel.
Von zwei Aussichtstürmen aus hat man einen schönen Blick über die Schilfwiesen zur Rigaer Bucht.

Kap Kolka

Kreuzsee am Kap Kolka

Im äußersten Norden des Bezirkes Kurland befindet sich der Slitere Nationalpark, der das Kap Kolka einschließt. Es ist eine kleine Landzunge, die wie das Kap Skagen (Dänemark) in zwei Meere hineinragt und seine Form ständig ändert. Kap Kolka ist zwar nicht so spektakulär, aber auch beeindruckend. Auf der linken Seite branden die Ostseewellen ans Ufer, an der rechte Seite grenzt die Rigaer Bucht an das Kap. Beide Meere treffen sich an dieser Stelle und bilden auch hier eine kleine Kreuzsee. Am Ufer liegen die letzten Reste eines alten Leuchtturms, dessen Geschichte 500 Jahre zurückreicht. Der neue Leuchtturm steht weit draußen vor der Küste, am Ende einer Sandbank, die immer wieder Seefahrern zum Verhängnis wurde.

Entzündung des Sonnenwendfeuers

Genau hier wollten wir das Sommer-Sonnenwendfest mit den Einheimischen feiern. Schon zwei Tage vorher traf man Vorbereitungen für ein großes Feuer am Kap und Musik. Seit zwei Monaten begleitete uns schönstes Wetter. Ausgerechnet an diesem Tag, regnete es immer wieder. Genau eine Stunde, bevor das Fest um 21 Uhr losgehen sollte, setzte ein furchtbarer Dauerregen ein, gekoppelt mit einem steifen Wind. Die Leute kamen trotzdem, in Regencapes gehüllt und mit Blumen- oder Blätterkränzen auf dem Kopf. Der Organisator, mit einem dicken Eichenlaubkranz auf dem Kopf, verteilte Texte, damit die Leute zusammen singen konnten. Trotz strömenden Regens, begrüßte man den Sommer und begann zu singen. Nach einer Weile entzündete man das große Feuer. Da die Musik bei dem Regen nicht einsetzbar war, sangen die Leute eben selbst. Das Fest dauerte bis nach Mitternacht, aber wir waren mit unseren Schirmen so durchgeweicht, das wir uns bald verabschieden mussten.

Camping bei livischer Familie

Eine Nacht standen wir auf dem kostenlosen Parkplatz auf der linken Kapseite, von wo aus wir das ganze Kap Kolka erkunden konnten. Ein Aussichtsturm und ein Kiefern-Pfad sorgen für mehr Übersicht und Aufklärung. Am nächsten Morgen zogen wir zum Ferienhaus und Campingplatz „Ūši“ in Kolka um. Die Anlage wird von einer livischen Familie betrieben. Der Volksstamm der Liven lebt schon ewig hier, zählt jedoch mit nur noch ca. 230 Mitgliedern zu den aussterbenden Völkern. Die Familie begrüßt auch Reisebusreisende, um sie mit ihren livischen Spezialitäten zu bewirten. Das sind zum einen Sklandrausis (Karottenkuchen), wirklich sehr lecker, und Graupengrütze, die über offenem Feuer vom Opa gekocht wird.

„nasser Strand“

Im Norden Kurlands ist einiges zu sehen und zu erleben. Leider ist nur die Küstenstraße asphaltiert. Deshalb wandten wir uns zuerst der Küste an der Rigaer Bucht zu. Bei Evazi führt ein kurzer Weg (300m) durch den Wald zum einzigen „nassen Strand“ in Lettland. Klingt komisch, aber es ist eigentlich das Riff gemeint, welches vor der Küste liegt. An der Wasserlinie selbst wachsen einige kleine Pflanzen, die sicher ein Hinweis auf die Vielfalt im Wasser sind.

„weiße Düne“ von Pūrciems

Ein paar Kilometer weiter gibt es einen anderen Pfad. Der führt zur „Weißen Düne“ von Pūrciems. Der Bretterweg führt zuerst nach unten und überquert das Flüsschen Pilsupe, dann steigt man wieder ein paar Stufen nach oben auf die Düne und läuft ein wenig durch den Wald. Das Flüsschen wird noch einmal überquert, danach steigt man noch einmal ein paar Stufen nach oben, bevor man an der „Weißen Düne“ steht. Im Laufe vieler tausend Jahre grub sich das Flüsschen in die Düne. Die Düne ist so hoch und deren Hang so steil, dass dieser nie wieder Pflanzen einen Halt gab. Der Sand liegt in Form eines Amphitheaters offen, direkt an einer Kehre der Pilsupe.

Bootsfriedhof im Wald

Dann wollten wir von Gipka aus durch das Tal des Flüsschens Pilsupe nach Westen fahren, um nach Slitere zu gelangen. Leider sind wohl alle Straßen im Norden Kurlands unbefestigt, jedenfalls alle, die wir zu sehen bekamen, außer wie gesagt der Küstenstraße. So fuhren wir nach Kap Kolka zurück und fuhren nun die Ostseeküstenstraße nach Süden. In Mazirbe ist der „Bootsfriedhof im Wald“ zu finden. 1976 nahmen die Russen den einheimischen Fischern ihre Boote weg, um deren Fischerei einzudämmen. Die Fischerboote landeten im Wald hinter der Stranddüne, wo sie seitdem verrotten. Heute sind nur noch zwei Boote zu erkennen, wenige Reste zweier weiterer Boote sind kaum noch auszumachen.

am Leuchtturm gefunden

Der Leuchtturm von Slitere steht weit im Landesinneren, obwohl er erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Heute dient er als Aussichtsturm, aus dessen vielen Fenstern im obersten Geschoss nach allen Seiten sehen kann. Blickt man über die Meerenge zwischen Ostsee und Rigaer Bucht entdeckt man bei schönem Wetter die estnische Insel Saaremaa.
Den Weg nach oben verkürzt eine Ausstellung zum Nationalpark, Leuchttürmen und die Kultur in diesem Landstrich. In dem Gebäude neben dem Leuchtturm zeigt eine Ausstellung, welche Pflanzen und Tiere im Slitere Nationalpark zu finden sind.

am See Pēterezers

Ein sehr schöner Wanderweg, der 3,4km lange Naturpfad des Sees Pēterezers, gelegen zwischen Slitere und Mazirbe, zeigt die unterschiedliche Natur des Nationalparks. Der Pfad führt über viele Dünen durch einen Kiefernwald, an mehreren Sumpf- und Wasserlöchern vorbei, durch einen Wald von Schachtelhalmen weiter zum Pēterezers, in einer großen Lichtung gelegen. Dessen Wasser ist durch den Moorboden, in dem er liegt, schwarz. In diesem Moorland fühlen sich Orchideen und Sonnentau wohl. Es ist der abwechslungsreichste Weg, den wir in den Baltischen Staaten gegangen sind.

Bärlauchsuppe

Versüßt hat uns diesen Ausflug ein Wildkirschbaum am Leuchtturm Slitere, wo wir uns den Bauch vollschlugen. Hmm, waren die lecker. Bei einem Spaziergang durch den feuchten Wald fanden wir eine Stelle mit ganz viel Bärlauch. Davon nahmen wir uns zwei Hände voll mit, um eine schöne Bärlauchsuppe daraus zu machen. Das Rezept:
2 Hände voll Bärlauch, 3 große Kartoffeln, 1 Zwiebel, 1/2l Gemüsebrühe, Sahne oder Creme fraiche nach Belieben, Salz, Pfeffer, Muskat. Die Zwiebel in Butter anbraten, geschnittenen Bärlauch (ein paar Blätter für Deko aufheben) und gewürfelte Kartoffeln dazugeben und mit der Brühe ablöschen. Kochen, bis die Kartoffeln weich sind, dann pürieren. Mit Sahne und den Gewürzen verfeinern. Die Suppe in einen Teller füllen und mit den beiseite gelegten Bärlauchblättern garnieren. Wir gaben noch einige Garnelenschwänze obendrauf. Superlecker.

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