Saint-Claude
Das nächste Ziel ist die Pfeifenmacherstadt Saint-Claude im Haute Jura. Dafür stellten wir das Wohnmobil auf dem Stellplatz in Jeurre, am Südende des Vouglan-Stausee´s ab. Die Nacht kostet hier mit Strom 9,-€.

Zuerst machten wir jedoch einen Spaziergang zum Douvre-Wasserfall. Auf den Bildern, die wir gesehen haben, stürzt das Wasser über viele Meter in die Tiefe. Nach der Erfahrung am Vouglan-Stausee dämpften wir unsere Erwartungen etwas.
Auf dem Weg dorthin, links vom Weg fließt das Flüsschen Bienne durch das Tal, rechts steigen die Felswände steil auf, trafen wir auf einen Geisterwald. Die kahlen Baumstämme sind dick mit Moos bewachsen. Das erinnerte uns sofort an die Lorbeerwälder auf Madeira.

Nach gut einem Kilometer kamen wir am Wasserfall an. Kein Tropfen Wasser kam herunter. Nur die vom Wasser blank geschliffene Kalksteinwand strahlt durch den Herbstwald, aber auch ein trockener Wasserfall hat seinen Reiz.

Am Nachmittag fuhren wir mit dem Smart nach Saint-Claude, um die größte Pfeife der Welt zu sehen. Sie ist aber nicht rauchbar. Die größte rauchbare Pfeife der Welt soll in Deutschland sein.
Das Auto stellten wir an der weiß strahlenden Kathedrale ab und liefen zum Pfeifen- und Diamantmuseum.

Der Eintritt ins Museum kostet 6,-€ pro Person und lohnt sich. Pfeifen aller Art, einfach, kunstvoll mit Naturmotiven oder den Köpfen von Berühmtheiten verziert, Pfeifen aus aller Welt und aus vielen Materialien. Dazu eine Sammlung Tabaksdosen.


In einem der Räume sind Diamanten und Edelsteine ausgestellt und die Arbeitsplätze der Edelsteinschleifer nachgestellt. Rohe Steine, geschliffene Steine, Edelsteine, Halbedelsteine, einfach großartig. Sogar Kopien der Britischen Kronjuwelen werden gezeigt.


Es gibt sogar die Möglichkeit sich Filme anzusehen, einen über die Pfeifenherstellung, einen über die Edelsteinschleifer.
Wir entschieden uns für den Film über die Edelsteinschleifer. Im Mittelalter wurden die in der Westschweiz ansässigen Pfeifenmacher und Edelsteinschleifer verfolgt, die daraufhin nach Saint Claude flohen. Hier bauten sie sich ein neues Berufsleben auf, welches Saint-Claude zu großem Ruhm verhalf.

Wir erfuhren, dass es Diamantschleifer und Edelsteinschleifer gibt. Kein Edelsteinschleifer wird je einen Diamanten schleifen und umgekehrt. Beide Berufe sind strikt getrennt. Trotzdem sind beide Berufe ein hartes Brot, denn das Schleifen ist mühsam, auch wenn heute Maschinen helfen. Die gewünschte Präzision kann nur durch einen Menschen erreicht werden.
Interessant ist auch, dass, wer sich keine echten Edelsteine leisten kann, auf die preiswerten Synthesen zurück greifen kann. Sie bestehen aus den gleichen Substanzen wie die echten Edelsteine, nur das diese natürlich gewachsen sind und die Synthesen durch einen 2000° heißen Brand ihre Struktur bekommen. Sehen kann man den Unterschied nur mit der Lupe.

Im Pfeifenmuseum stießen wir dann sehr unverhofft auf die kleinste, rauchbare Pfeife der Welt. Sie hat eine Länge von 10,1mm, einen Feuerraumdurchmesser von 3,6mm und wiegt ganze 39 Milligramm. Sie ist also winzig und man muss aufpassen, dass sie nicht im Mund verschwindet.

Hergestellt hat dieses Pfeifchen, das im Guinessbuch der Rekorde gelistet ist, der Zahnprothetiker Jacques Muyard. Durch seinen Beruf ist er an die Arbeit mit Kleinstwerkzeugen gewöhnt, trotzdem war die Herstellung des Pfeifchens eine Herausforderung. Sie besteht aus zwei Teilen, die wie bei normalen Pfeifen zusammengesetzt werden. Muyard probierte verschiedene Materialien aus, bis das Pfeifchen am Ende aus mediterranem Heidekraut und Acrylharz entstand.
So, nun haben wir jede Menge Pfeifen, auch die kleinste rauchbare Pfeife der Welt gesehen, aber noch nicht die größte Pfeife der Welt, wegen der wir eigentlich nach Saint Claude kamen. Ein Mitarbeiter des Museums beschrieb uns den Weg. Danach mussten wir nur der Geschäftsstraße Rue du Pré folgen, die vor der Kathedrale ihren Anfang nimmt.

An ihrem Ende findet man die größte Pfeife der Welt, zusammen mit einem Brillantmodell.
Diese Pfeife ist 7,5 Meter lang und wiegt 600 Kilogramm. Der Pfeifenkopf hat einen Durchmesser von 2,6 Metern. Sie stammt aus dem Jahre 1998 und ist schon imposant.





























































































