A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Liepaja

Traumwetter

Schon haben wir Litauen wieder verlassen und sind in Lettland. Seit knapp zwei Monaten ist das Wetter uns gewogen. Mit nur ganz kurzen Unterbrechungen wie Schauer, Gewitter oder Nebel erfreut uns die Sonne. Zum letzten Mal durften wir uns auf unserer USA-Rundreise 2012/2013 darüber freuen. Dazu sind die Tage jetzt richtig lang. Noch um 23.30 Uhr ist es halbwegs hell, dank der einen Stunde Zeitverschiebung. Nach zwei Jahren, in denen uns das schlechte Wetter, Kälte und Regen verfolgten, können wir uns nun kein bisschen mehr beschweren. Es geht uns richtig gut.

Blindschleiche

Eigentlich wollten wir uns ein paar Tage am Papesee kurz hinter der litauisch-lettischen Grenze aufhalten. In einem Fernsehbericht hatten wir erfahren, dass sich an diesem See abends Wildpferde und Auerochsen zum Trinken einfinden. Dieses Schauspiel wollten wir uns nicht entgehen lassen. Leider führt eine zwölf Kilometer lange, unbefestigte Waschbrettpiste der übelsten Sorte zu den Campingplätzen am Papesee. Wir haben es versucht, aber beim besten Willen, da bleibt ja keine Schraube an ihrem Platz.
Also fuhren wir nach Liepaja. Drei Kilometer vor der Stadtgrenze fanden wir den Campingplatz „Verbelnieki“. Für 19,-€ inkl. ADAC-Rabatt blieben wir aber nur eine Nacht. Der Platz liegt an der Ostseeküste, zu Fuß ca. 150m entfernt. Da wir früh genug ankamen, blieb vor der Stadtbesichtigung in Liepaja noch etwas Zeit zum Sonnen am Strand.

Markthalle von Liepaja

Liepaja ist eine große Stadt, die sich durch ein unglaubliches Durcheinander von Architekturstilen auszeichnet. Über das gesamte Stadtzentrum verteilen sich die alten Holzhäuser: vom einstöckigen, kleinen Wohnhaus, über zweistöckige, sehr schmucklose Wohnhäuser, bis hin zu dreistöckigen Villen mit Erkern und Türmchen. Dazwischen tummeln sich Steinhäuser im Jugendstil und Barock, Gebäude in Backsteingotik, sowie öffentliche Gebäude und Wohnblöcke aus sozialistischen Zeiten. Viele dieser Wohnblöcke sehen aus, als wurden sie durch die DDR errichtet. Dem nicht genug, ergänzen modernste Glaspaläste, wie der Konzertsaal, das zusammengewürfelte Stadtbild. Noch nie sahen wir ähnliches. An vielen der Bauten nagt der Zahn der Zeit, sie sind renovierungsbedürftig oder schon verfallen. Andere strahlen in neuem Glanz. Sehenswert sind die Markthalle und die Kathedrale.
Liepaja besitzt jedoch auch einen sehr großen Park mit Spielplätzen, Sportstätten, und auch ruhigen Ecken, der praktisch der Lebensmittelpunkt der Einwohner ist. Der Liepaja Jurmala Park grenzt zudem an den Strand.
Durch die Stadt führt ein Handelskanal, der die Ostsee mit dem Liepajasee verbindet, und über den drei Brücken führen.

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Klaipeda (Memel)

Fähre in Klaipeda

Die Stadt Klaipeda interessierte uns nicht, aber sie ist ein prima Ausgangspunkt für die Kurische Nehrung, die das Kurische Haff von der Ostsee trennt. Einen Blick aus der Ferne konnten wir bereits von Venté aus werfen. Nun wollten wir die Nehrung selbst entdecken.
Normalerweise fahren Fähren von Klaipeda an der Kurischen Nehrung entlang nach Nida, dem letzten litauischen Ort vor der Exklave Kaliningrad, auf die die südliche Hälfte der Kurischen Nehrung entfällt. 2018 existiert diese Fährverbindung nicht, aus welchem Grund auch immer. Erst 2019 soll die Verbindung wieder aufgenommen werden. Also haben wir die Fähre vom neuen Terminal in Klaipeda nach Smiltyné genommen. Mit dem Auto kostet die kurze Überfahrt 12,30€. Auf der Nehrung (Neringa) angekommen, fuhren wir erst ein kurzes Stück nach Norden, bis zum Yachthafen. Von dort kann man in Ruhe nach Klaipeda hinüberschauen. Allerdings sieht man auf Kilometer nur Hafen und Schiffe.

Strand der Kurischen Nehrung

Deshalb lenkten wir unser Auto Richtung Süden. Bis Nida beträgt die Strecke 43km. Wo der „Naturpark Neringa“ beginnt, bezahlt man Maut. Bis zum 19.6. sind es noch 5,-€ pro PKW, ab 20.6. werden 20,-€ fällig. Auf den Kilometern nach Nida gibt es jedoch jede Menge zu sehen. Immer wieder zweigen Fußwege rechts und links von der Straße ab, die zu Aussichten über das Haff oder die Ostsee führen. Auf der gesamten Länge an der Ostsee entlang breitet sich ein herrlicher, ruhiger Sandstrand aus, der hinter einer ebenso langen Düne liegt.

Skulptur aus Sand

Auf knapp halbem Weg liegt der Ort Juodkranté. Während Nida stark beworben wird, ist von Juodkranté kaum die Rede, aber ein kurzer Halt lohnt sich trotzdem. Vor allem zwei Kunstprojekte an der Promenade, oder auch der „Hexenpfad“, machen von sich Reden. Hübsche Holz- oder auch Fachwerkhäuser prägen den Ort.

Der außergewöhnlichste Ort auf der Nehrung ist die Kolonie von Reihern und Kormoranen. Seit dem 18. Jahrhundert besteht diese Kolonie. Früher hatten die Graureiher die Oberhand. Seit irgendwann die Kormorane aufgetaucht sind, schwindet die Population der Reiher in gleichem Maße wie die Kormorane an Zahl zunehmen. Heute gibt es nur noch wenige Reiherpaare in dem Gebiet. Das Auto kann man auf dem Parkplatz abstellen. Verlässt man es, steigt ein ziemlich kräftiger Fischgeruch in die Nase. Die Luft ist vom Stimmengewirr der Kormorane erfüllt, die Bäume sind weithin vom Kot der Kormorane abgestorben. Es müssen tausende Vögel sein, die den Wald bevölkern. Es ist einfach nur grandios. Ganz dicht ist man am Geschehen, wenn man die Aussichtsplattform erklimmt. Hin und wieder lässt sich auch ein Reiher sehen.

Kormoran-Kolonie

in den Dünen Neringas

Nur ein Stück weiter, die Straße steigt steil an, weist eine Tafel auf einen der schönsten Panoramablicke auf der Kurischen Nehrung hin. Ein kurzer Weg führt zum Ausguck. Leider ist man weit vom Wasser weg und die Bäume versperren den größten Teil des Blickes. Schade.
Hier beginnt auf der Haffseite die „Tote Düne“. Sie ist für Wanderungen gesperrt. Es gibt aber einen Zugang, den man zum höchsten Punkt der Düne (48m), nutzen kann. Der Weg dorthin beträgt 1,3km. Die Düne wandert nicht mehr. Als sie es noch tat, begrub sie vier Dörfer unter sich.
Ein kurzer Abstecher nach Pervalko sollte noch drin sein. Der Ort gehört ganz den Feriengästen. An dessen nördlichem Ende steht ein kleiner Leuchtturm im Wasser, der jedoch nur zu Fuß zu erreichen ist.

Weitere Dünen können auf dem Weg nach Nida bestiegen werden. Darunter sind die höchsten Dünen Europas. Die wirklich beste Aussicht nach fast allen Seiten bekommt man aber von der Parnidžio Düne südlich von Nida. Sie ist zwar nicht zu vergleichen mit der Düne in Leba, aber mit 61m ist sie doppelt so hoch. Die Aussicht ist wunderschön. Wer mag, kann durch die Dünen bis zum „Tal des Todes“ an ihrem Fuß laufen. Einige Teile der Parnidžio Düne sind aber schon bewachsen.

Parnidžio Düne

Sonnenuhr/Kalender

Auf der Düne, überraschenderweise kann mit dem Auto bis fast ganz nach oben gefahren werden, steht seit 1995 eine riesige Sonnenuhr, mit einem Kalender kombiniert. Sie ist ein wahres Kunstwerk aus Granit, welches teilweise mit sehr fremdem Zeichen geschmückt ist. Die Stundenanzeigen sind in Stufen angeordnet, die bis zum Mittag ansteigen. Der Zeiger ist ein 12m hoher Obelisk, dessen Fußpunkt sich 53m über dem Meeresspiegel befindet. Die hellsten Steinreihen stellen die Monate dar, die grauen Reihen die Tagundnachtgleiche sowie die Sonnenwenden, und die dunklen Steinreihen sind die Nachtstunden. Wie ließt man bloß in den Nachtstunden die Uhrzeit ab?

Nida

Bevor wir nach Nida hineinfuhren, nahmen wir den Grenzübergang nach Kaliningrad in Augenschein. Hier verlässt man die EU und ohne Visum bleibt die Grenze dicht.
Im alten Nida lässt es sich gut bummeln. Die alten Holzhäuschen und Vorgärten mit ihren Schmuckelementen sind liebevoll gepflegt. Kleine Restaurants laden zur Einkehr ein. Überall strecken sich Wetterfahnen in den Himmel, die aussehen, als würde jeder „Clan“ sein eigenes Wetterfahnendesign besitzen.
Von dem kleinen Hafen aus starten verschiedene Ausflugsboote zu einstündigen Touren über das Haff zur Windenberger Insel. Die Tour kostet 10,-€.

Damit hatten wir eine wunderschöne Tour hinter uns gebracht, die wir nur weiterempfehlen können.

Seebrücke Palanga

Ein anderer Ausflug führte uns nach Palanga. Der Kurort hat uns nicht begeistert. Ein Kurort ist kaum noch auszumachen, Palanga ist eigentlich nur noch eine Touristenstadt. Die Preise sind doppelt so hoch wie auf der bisherigen Route durch Litauen.
Die 450m lange Seebrücke beeindruckt nur durch ihre Länge, die im letzten Viertel um 90° abgewinkelt ist. Keine Bude befindet sich darauf, kein Anleger wartet auf Schiffe, nicht einmal ein Yachthafen, wie in Sopot, wurde angebaut.

Unser Wohnmobil steht in Karklé, zwischen Klaipeda und Palanga, auf dem Campingplatz „Karklecamp“, für 15,-€ pro Nacht mit allem. Es gibt hier mehrere Campingplätze, die alle so um die 15,-€ nehmen, sehr ungewöhnlich in Anbetracht der Lage. Zum Strand sind es nur ein paar hundert Meter.

Etwas nördlich von Karklé liegt der Plocis Lake im Wald, der jedoch nur zu Fuß oder per Fahrrad zu erreichen ist. Das sind 2km Weg. An diesem See soll man eigentlich Vögel beobachten können. Wie sich herausgestellt hat, ist das aber nur in den Vogelzugzeiten möglich. Jetzt im Frühsommer ist außer Kormoranen, die dort in einer Kolonie leben, nichts los. Trotzdem ist der Weg durch den Wald ein Erlebnis.

Memeldelta

Brücke über die Minija

Es ist in Litauen nicht so einfach, einen Stellplatz unter 20,-€ zu bekommen, der auch noch groß genug für unser Wohnmobil ist. Eine Nacht standen wir auf einem freien Platz an der Minija, dort wo die Straße 4217 den Fluss kreuzt, südlich von der Brücke. Da es Wochenende war, war der Platz sehr gut von Tagesgästen besucht. Deshalb wollten wir auf den Campingplatz am Hotel Kintai-Ventainé. Es gibt überhaupt nur einen Campingplatz in der Nähe von Venté. Als wir dort ankamen, der Platz ist für Wohnmobile bis 10m ausgewiesen, wollte man den doppelten Stellplatzpreis von uns haben. Der liegt mit 25,-€ sowieso schon hoch. Unser Wohnmobil ist nicht länger als 10m, trotzdem hätten wir den doppelten Preis zahlen sollen. Das ist einfach nur unverschämt. Zu unserem Glück fanden wir auf der anderen Seite der vorher erwähnten Brücke einen schönen kleinen und ruhigen Stellplatz, für 14,-€, am Restaurant Mélynasis Karpis. Zwischen der Minija und einer riesigen Fischteichlandschaft hat der Besitzer ein wahres Imperium aufgebaut: Restaurant mit eigenem Fisch (das teuerste Gericht mit Stör kostet 11,50€), Angelteichen, Wasserwanderrastplatz, Bootsverleih, im Hochsommer Kreuzfahrten auf dem Kurischen Haff, Zimmervermietung, kleiner Campingplatz und Spielplatz. Es ist ein guter Platz, um das Memeldelta zu erkunden. Mit dem Kurischen Haff, eigentlich Frisches Haff, hatten wir schon in Elbląg und Frombork Bekanntschaft gemacht.

Ornithologische Station Venté

Am weitesten in das Kurische Haff hinein ragt die Halbinsel mit dem Ort Venté. Von dem weit ins Wasser ragenden Anleger aus fährt zweimal am Tag eine Fähre nach Nida auf der kurischen Nehrung. Im Juni fährt mittwochs auch vom Hotel Kintai-Ventainé eine Fähre. Die Fahrpreise liegen bei 17,-€ pro Person plus 4.-€ pro Fahrrad. Autos werden nicht mitgenommen. Damit entfällt die Gebühr für den Nationalpark Kurische Nehrung.
An der Halbinselspitze bei Venté steht ein Leuchtturm, den man besteigen kann. Der größte Teil des Geländes ist jedoch von einer ornithologischen Station in Beschlag genommen. Schon seit dem frühen 20. Jahrhundert werden hier Vögel mit großen Netzen gefangen und registriert.

Hinweis auf die Moorkolonie Bismarck

Im Memeldelta wurden ab 1835 vier Moorkolonien gegründet. Die größte und bekannteste Kolonie hieß Bismarck. Auf deren Spuren kann man sich begeben, wenn man ein bisschen sucht. Drei der Kolonien sind auf einer Infotafel in Kintai lokalisiert. Zu der Pakalné-Kolonie gibt es keinen weiteren Hinweis. Von der Bismarck-Kolonie, ich hatte vor kurzer Zeit einen Fernsehbericht über diese Kolonie gesehen und kam deshalb auf das Thema, erinnert nur noch das Straßennamensschild „Oto Bismarck g.“ an die Vergangenheit. Vier der alten Gehöfte, halb verfallen, aber bewohnt, stehen noch im Wald bei der Ortschaft Žalgiriai an der Straße 206. Es wurde einmal ein Lehrpfad über die Geschichte der Kolonie angelegt, aber leider nicht gepflegt. Hinter der ersten, halb verblassten Infotafel ist Schluss, der Weg ist zugewachsen. Dieser Lehrpfad hätte uns wirklich interessiert, aber wer die interessante Geschichte der Moorkolonien nachlesen möchte, dem empfehle ich die Seite: www.wiki.de/genealogy.net.

typische Ostpreußenhäuser

Rusné (das alte Ruß) ist ein nettes kleines Städtchen, welches auf der Windenberger Insel zwischen den Flüssen Atmata und Rusné liegt. Die dritte Seite wird vom Kurischen Haff begrenzt. Auf der südwestlichen Spitze der Insel steht ein Grenzpfahl, denn dort, wo sich die zwei Flüsse treffen, verläuft die Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Atmata heißt das letztes Stück der Memel, bevor sie in das Haff mündet.

am Leuchtturm Uostadvaris

Gegenüber von Rusné befindet sich der Ort Uostadvaris, im Norden der Insel. Dort kann man den kleinen Hafen ansehen, von dem ein Boot über mehrere Flüsse durch das Memeldelta und über das Haff zur Kurischen Nehrung fährt. Die Fahrzeiten kennen wir nicht. Der kleine Leuchtturm aus den 70ern des 19. Jahrhunderts tut zwar keinen Dienst mehr, aber von seiner Plattform aus kann man weit über das Land blicken.

Torfgewinnung

Šiluté (das alte Heydekrug) ist die größte Stadt der Region, aber wenig interessant. Die alte Gründung war etwas weiter westlich gelegen, ist aber nicht mehr erhalten.
Zwischen Šiluté und der Straße nach Minija findet man rechts im Wald ein riesengroßes Gelände, auf dem man Torf in einer Art Tagebau gewinnt. Wie es aussieht, wird es mit Maschinen einfach nur in dünnen Schichten abgeschabt. Große Haufen Torfmehl liegen zum Abtransport bereit.

rundblättriger Sonnentau

Am westlichen Ende dieses Torfgebietes befand sich die Moorkolonie Augstumal. Von dieser Kolonie ist auch nichts mehr übrig, aber hier hat man einen wunderschönen Lehrpfad eingerichtet, und erhält ihn auch. Es lohnt sich, die 1,2km in das Moor zu laufen. Auf Infotafeln wird von der Kolonie berichtet, sowie von den heimischen Tieren und Pflanzen, wovon viele seltene Arten geschützt sind. Es soll sogar Elche geben. Kein Wunder bei dieser wasserreichen, einsamen Natur. Zuerst läuft man durch Wald, der nach und nach immer lichter wird. Später gibt es nur noch niedrige Pflanzen, zwischen denen sich der seltene Sonnentau wohlfühlt. Es sind zwar nur sehr kleine Formen dieser fleischfressenden Pflanze, dafür kommen hier beide Arten vor: der rundblättrige wie auch der langblättrige Sonnentau.

Hochmoor Augstumal

Von zwei Aussichtsplattformen hat man schöne Blicke über das Hochmoor von Augstumal. Um den letzten Aussichtsturm liegen ein paar Wasserlöcher, im Hintergrund recken abgestorbene Birken ihre weißen Stämme in den Himmel. Die ehemaligen Einwohner der Moorkolonien hatten die Moore mühevoll entwässert, um sich ein Leben auf Grundlage der Landwirtschaft aufzubauen. Seit die Kolonien untergegangen sind, erobert sich das Wasser weite Teile der Moore zurück.

Trakai/Vilnius

Meerschaumpfeife mit Bernsteinmundstück

Wir sind in Litauen angekommen. Zuerst: die Uhr eine Stunde vorstellen, Zeitzonenüberschreitung. Wir durften auf dem Grundstück der Schwester einer Bekannten stehen, 10km südlich von Marijampolé. Von hier aus unternahmen wir unsere Tour nach Trakai und Vilnius. Nach zwei kalten Tagen und Nächten ist es nun wieder warm und sonnig.
Seit 1409 steht die Burg Trakai auf einer Insel und war Wohnsitz der litauischen Herzöge. Nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg baute man die Burg über Jahrzehnte komplett wieder auf. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Entsprechend groß ist der Andrang.
Zu betreten ist die Burg über eine hölzerne Brücke. Hinter dem Tor öffnet sich ein Hof, um den sich verschiedene Bauwerke gruppieren. In den Kasematten links vom Eingang befinden sich verschiedene historische Ausstellungen. Wir fanden die Sammlung von Meerschaumpfeifen sehr interessant.

Innenhof

Über eine weitere Holzbrücke kommt man zum Wohntrakt. Hier kann man verschiedene Räume wie den großen Saal und den Gerichtssaal bewundern. Der Innenhof ist mit seinen hölzernen Umgängen und gemusterten Mauerfriesen um die Eingänge recht imposant. Erwähnenswert ist hier die Schatzsammlung. Viele der früher versteckten kleinen Schätze, in Beuteln, Krügen oder Kästchen verstaut, sind von ihren Besitzern nie wieder ans Tageslicht geholt worden. Sie fand man bei den Rekonstruktionsarbeiten. Viele Stücke sind aus Münzen und Medaillen gefertigt, was wir bisher noch nie gesehen haben.
Der Eintritt in die Wasserburg Trakai kostet 7,-€, für Senioren 3,50€.

Berg der Drei Kreuze

Vilnius ist die Hauptstadt Litauens. Auf dem Weg zur Altstadt kommt man an den nagelneuen gläsernen Hochhäusern des Geschäftsviertels vorbei, welches am Ufer des Flusses Neris liegt.
Unser erster Punkt, den wir in Vilnius besuchten, war der Berg der Drei Kreuze. Kurz unterhalb des Gipfels kann man das Auto stehen lassen, kostenlos. Es ist nur ein kurzer Fußweg bis zu den leuchtend weißen Kreuzen und einer tollen Aussicht über die Stadt.
Der Legende nach sollen 14 Franziskaner in diese Gegend gekommen sein, um die Einheimischen zu bekehren. Die hatten jedoch etwas dagegen und kreuzigten die Franziskaner auf diesem Berg, weithin sichtbar. 1613 baute man dann hölzerne Kreuze auf, die immer wieder rekonstruiert wurden. 1863 entfernte die russische Regierung jedoch die Kreuze nach einer Revolte. 1916 baute man neue Kreuze auf, die wiederum von den Russen zerstört wurden. Seit der Unabhängigkeit Litauens baute man die heutigen massiven Kreuze 1989 an der originalen Stelle auf. Seitdem leuchten sie über die Stadt Vilnius. Archäologische Ausgrabungen Ende des 20. Jahrhundert zeigten, dass der Berg schon seit dem 3.-2. Jahrhundert vor Christus bewohnt wurde.

Verfassung von Užupis in 28 Sprachen

Unser nächstes Ziel war das älteste Viertel von Vilnius, Užupis. Der kleine Stadtteil liegt auf einer Art Halbinsel, die vom Flüsschen Vilnia umschlossen wird. Früher ein Armenviertel ist es heute eine beliebte Gegend, vor allem bei Künstlern. Die waren sogar so begeistert davon, dass sie eine „unabhängige Republik Užupis“ gründeten. Die Gründung und Niederlegung der Verfassung fanden in der „Užupis Kavina“ statt. Das alte Café befindet sich an der Brücke über die Vilnia, auf der man in die neuere Altstadt Senamiestis kommt. In einer Fernsehreportage hatten wir gesehen, dass in diesem Kaffee die Bronzetafeln mit der Verfassung in 28 Sprachen an den Wänden hingen. Wahrscheinlich war dadurch keine Gästebedienung mehr möglich, weil alle die Tafeln sehen wollten. Deshalb hängen sie heute gut zugänglich an einer Wand in der Paupio Gatve in der Nähe des „Užupis Kavina“. Nach einem Kaffee oder Bier kann man ein wenig durch die alten Gassen schlendern. Zu der Verfassung, mit der man sich sofort identifizieren kann, besitzt die „unabhängige Republik Užupis“ natürlich auch eine Hymne und einen Präsidenten.

Kathedrale St. Stanislaus

Die neuere Altstadt Senamiestis wurde komplett rekonstruiert und gilt heute als die schönste Barockstadt Nordeuropas. Viele Kirchen, Cafés und Restaurants prägen das Stadtbild, welches durch schmiedeeiserne Balkongeländer und kunstvolle Erker ergänzt wird.
Die Kathedrale St. Stanislaus sticht mit ihrer Optik aus dem allgemeinen Kirchenarchitekturschema heraus. Zuerst steht ihr Glockenturm separat und ist gleichzeitig Aussichtsturm. Dadurch erscheint der dreischiffige Kirchenbau wie ein Palast, oder eher wie ein griechischer Tempel. Die ehemals gotische Kirche besitzt dieses Erscheinungsbild erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Hohe dorische Säulen schmücken den dreieckigen, nach vorne gezogenen Giebel des Eingangsbereiches. Große, in die Wand eingelassene Statuen von kirchlichen Vertretern sind im griechischen Stil gearbeitet. Die ganze Kathedrale ist strahlend weiß. Im Inneren ist die Kathedrale eher schlicht. Ein Tonnengewölbe wird von dicken quadratischen Pfeilern gestützt.

im Stadtteil Senamiestis

Um zurück zum Parkplatz zu kommen, spazierten wir am 130m langen, leicht gewölbten Gebäude des Nationalmuseums entlang. Dahinter erhebt sich der Burgberg. Die Burg wurde abgetragen, aber ein Wehrturm steht noch. Anscheinend wird daran gearbeitet, die Burg wieder zugänglich zu machen.
Am Ufer der Neris entlang kommt man bald zu einer kleinen Brücke über die Vilnia, die hier in die Neris mündet. Jetzt muss nur noch der Berg zum Parkplatz erklommen werden.
Vilnius hat uns mit seiner Vielfalt überrascht. Es ist eine interessante und junge Stadt, wofür auch die Universität sorgt.

Suwalki (Suwalken)

typisches Bild in Ostpolen

Am östlichen Rand der Masurischen Seenplatte liegt die Stadt Suwalki. Es ist die letzte große Station auf dem Weg nach Litauen.
Zwischen Orzysz und Ełk beginnt die Region der Elche. Warnschilder am Straßenrand weisen auf deren Anwesenheit hin. Zu Gesicht wird man hier sicher aber keinen bekommen, dafür ist zu viel Verkehr. Wisente gibt es nur im Urwald von Augustow, sagte man uns in einem der Infozentren.
Von Suwalki aus kann man zwei große Ziele erkunden: den Wigry Naturpark und den Suwalki Naturpark.

Wigry Naturpark

Insektenhotels

In der kleinen Stadt Krzywe, 6km östlich von Suwalki, befindet sich eine der Parkverwaltungen. Dort bekommt man Infomaterial sowie Eintrittskarten in den Park, die 5,-Zl pro Person kosten.
Direkt neben dem Gebäude der Parkverwaltung beginnt der Lehrpfad „Las“. Er ist 1,5km lang und erklärt an 12 Stationen die Natur und die Vergangenheit dieser Region. Verschiedene Waldarten treffen sich hier, mehrere kleine Seen lassen sich erkunden, viele verschiedenen Pflanzen- und Tierarten leben im Park. Harz wurde gewonnen, Wildbienen gaben Honig und Torf konnte gestochen werden. Heute wird die Natur in Ruhe gelassen. Alles kommt, wie es kommen muss.
Wer Lust an einer längeren Wanderung hat, kann zwischendurch auf den zweiten Lehrpfad „Suchary“ wechseln. Auf 2,5km Länge sind 7 Stopps eingebaut.
Am Ende des Rundweges steht ein altes Bauernhaus mit vier Räumen. Es ist frei zugänglich und enthält Gegenstände des täglichen Lebens.

Płociczno Schmalspurbahn

Unsere Rundfahrt um den Wigrysee starteten wir von Krzywe aus Richtung Süden. Durch eine offene Landschaft mit relativ wenig Wald erreicht man den Ort Płociczno Tartak. Dies ist der Ausgangspunkt für eine 10km lange Strecke der dortigen Schmalspurbahn. Der kleine Bahnhof ist gleichzeitig ein kleines Museum im weitesten Sinne. Früher benutzte man die Bahn für den Holztransport und die Strecke war 36km lang. Heute ist sie nur noch eine Touristenattraktion. Eine Fahrt dauert 2,5 Stunden und führt Richtung Osten. Unserer Information nach ist in dem Ticket für den Naturpark die Fahrt mit der Schmalspurbahn enthalten.

Wigrysee

Wir setzten unsere Fahrt am Südufer des Wigrysees fort. An mehreren Stellen sind Zugänge zum Seeufer und zu Aussichtspunkten. Von jedem dieser Punkte sieht der See anders aus. Der Wigrysee zeichnet sich durch unzählige kleine Buchten und Inseln aus, was die Aussichten auf den See sehr abwechslungsreich und spannend macht. An allen Haltepunkten stehen Übersichtstafeln mit den Wegen und interessanten Orten.
Den schönsten, weil erhöhten Blick, bietet sich vom Camperpark „Widok“ in Bryzgiel. Terrassenartig fällt das Privatgelände zum Seeufer ab. Das Restaurant bietet Essen und Getränke, die Pension Zimmer, Kajaks und Tretboote können ausgeliehen werden. Kutschfahrten werden organisiert. Für Naturliebhaber ist dieser Ort genau das Richtige.

helle Wildkirschen

Kurz hinter Bryzgiel folgt man der kleinen Straße nach links und bleibt so weiter am Wigrysee. Bald hört der Asphaltbelag auf und die Straße wird unbefestigt. Hier kann man ab und zu den Wegen nach links folgen und trifft so auf weitere Uferstellen und einen neuen Aussichtsturm.
Durch Wald hindurch, jetzt sind die Walderdbeeren reif, hmm lecker, dreht der Fahrweg nach Norden und kommt irgendwann zum Piski-Platz. Ein kleiner Fußweg führt 200m zum Seeufer hinunter. Dies ist die Badestelle am Goldstrand. Das Wasser soll so flach sein, dass man weit in den See laufen kann, wenn man baden will. Ein Strand im üblichen Sinn ist es jedoch nicht, sondern nur eine Wiese. In der Nähe des oberen Klohäuschens steht ein Wildkirschbaum, dessen Früchte gerade ebenfalls reif und lecker sind. Da dies noch niemand entdeckt hat, konnten wir uns an den gut erreichbaren Ästen bedienen. Walderdbeeren und Kirschen, da braucht man kaum etwas anderes zu essen.

Idylle pur

In Czerwony Folwark, die Straße ist wieder asphaltiert, sollte man links am Hinweisschild nach Rosochaty Róg abbiegen. Den Amphibien-Lehrpfad haben wir zwar nicht gefunden, aber die Lage des Ortes ist einmalig schön, mehr Idylle geht nicht. Wir kamen uns dort fast wie im weiten Russland vor, Birken, sattes grünes Gras, Fischteiche und ein See, dazu verschiedene Tiere bis hin zu den Polnischen Pferden. Da muss man einfach eine Weile verbringen und den Anblick genießen.

Kamaldulenserkloster Wigry

Langsam kommt man nun wieder in die Zivilisation zurück. Wigry liegt auf einer Halbinsel im Nordosten des gleichnamigen Sees. Der Parkplatz kostet 5,-Zl, aber der Besuch des ehemaligen Kamaldulenser-Klosters ist im Naturparkticket enthalten. Bis 1796 behielt das Kloster seine Funktion, bevor die Preußen die Einwohner vertrieben. Im 2. Weltkrieg wurde das Kloster weitestgehend zerstört, nach dem Krieg baute man es wieder auf. 1999 besuchte der alte Papst, Johannes Paul II. den Komplex drei Tage lang. Überall findet man Zeugnisse aus dieser Zeit. Inzwischen kann man sich in alten Einsiedeleien einmieten.
Vom Uhrturm aus hat man einen schönen Blick über das Kloster und die Umgebung.
Kleine Kreuzfahrten über den See werden angeboten, Kajaks verliehen und ein schöner Womo-Stellplatz ist auch vorhanden.
In Krzywe schließt sich der Kreis dann wieder. Es war ein unglaublich abwechslungsreiche Rundfahrt und wir haben Neues gelernt.

Findling als Mahlstein genutzt

Suwalki Naturpark

Wie schon erwähnt, lässt sich nördlich von Suwalki der gleichnamige Naturpark erkunden. In dieser Gegend im äußersten Nordosten Polens hat sich das Landschaftsbild wieder geändert. Gletscher aus Skandinavien gestalteten eine anmutige Hügellandschaft. Felder und Weideflächen halten die Vegetation offen. Lockere Ansiedlungen verteilen sich darin. Man kommt sich wie im Voralpenland vor. Außerdem ist die Gegend nördlich von Suwalki der „Kältepol Polens“. In Ostpolen, bis zu den Masuren, herrscht Kontinentalklima. Das heißt, Sommer ist Sommer, und die Winter sind kalt, mit viel Schnee. Die niedrigsten Temperaturen liegen im Schnitt bei ca. -25°.
Wir starteten unsere Rundfahrt mit dem Findlingsfeld Bachanowo im Westen des Suwalki Naturparks. Auf einer Fläche von knapp einem Hektar liegen viele Findlingen verteilt. Am Bachufer unterhalb liegt ein Findling, der offensichtlich von Steinzeitmenschen als Mahlstein verwendet wurde. Im Bachbett liegen viele Steine, auf denen die schon auf der Kruttinna erwähnte Rote Alge lebt. Damit ist das Wasser absolut sauber. Hier stellten wir wieder fest, dass im Umfeld solcher sauberen Gewässer keine Mücken zu finden sind, außer in den erwähnten zwei Zeiten im Jahr. Wenn wir sonst in den Wäldern Ostpolens unterwegs sind, ist ohne Mückenschutzmittel gar nichts zu wollen.
Die Findlinge mit einem Durchmesser von 8m, die in der Übersicht über den Suwalki Naturpark erwähnt werden, haben wir allerdings nicht gefunden.

Taucboot am Hánczasee

Nun setzten wir unseren Weg am Südufer des Hánczasees fort. Dieser See ist mit 108,5m Tiefe der tiefste See Polens. Das Wasser scheint sehr sauber, aber nach Angaben der Tauchbasis in Blaskowizna betragen die Sichtweiten nur zwischen 4 und 7m. Dort befindet sich auch ein öffentlicher Badestrand.
Folgt man der Straße weiter ostwärts kommt man irgendwann an einem weiteren Findlingsfeld vorbei. Noch ein Stück weiter liegt eine Art Museumsdorf am Straßenrand. Leider war es geschlossen, als wir kamen.

Am Ende der Straße passiert man den „Fudschijama von Suwalki“. Es ist mit 256m der höchste Berg der Suwalkiregion. Sein Beiname kommt von der Form des Hügels, der aus der Landschaft aufsteigt. Eigentlich heißt der Berg „Cisowa Góra“ (Eibenberg). Auf dem Gipfel steht ein großes Kreuz, welches 1999 Besuch von Papst Johannes Paul II, hatte. Am besten ist jedoch die Aussicht auf die Eiszeitlandschaft mit ihren Seen.
An der Einmündung auf die Straße 655 biegt man nach links ab, um dann gleich noch einmal nach links auf die Straße nach Smolniki einzubiegen. Immer wieder kommt man an Seen vorbei. Nach ein paar Kilometern erreicht man den Aussichtspunkt „U Pana Tadeusza“. Um diesen zu besuchen werden allerdings 2,-Zl pro Person fällig. Von einer Plattform aus sieht man nun in Richtung Süden, bis zum „Fudschijama von Suwalki“.

Blick vom Cisowa Góra

Blick vom Cisowa Góra

Dreiländereck bei Bolcie

Das letzte Ziel der Rundfahrt im Suwalki Park war das Dreiländereck Polen-Russland (Exklave Kaliningrad-Litauen) bei Bolcie. Eine Granitsäule markiert die Stelle. Auf ihr sind die Grenzen markiert, die Wappen und Namen der Staaten eingraviert. Selbstverständlich läuft man rund um die Säule herum, ohne sich irgendwelche Gedanken zu machen. Eine Überwachungskamera auf russischer Seite hat alles im Blick. Ganz in der Nähe informiert eine Informationstafel über das Dreiländereck. Dort ist auch ein Bild zu sehen, welches das Betreten des russischen Sektors an der Säule untersagt, auch das fotografieren ist verboten. So ein Quatsch, jeder läuft zuerst zu der Säule und guckt sich dann vielleicht die Tafel an. Wenn das ernst gemeint wäre, sollte der russische Sektor an der Säule gesperrt werden. Die Grenze zwischen Polen und Litauen ist als innere EU-Grenze grün, also offen. Nur Pfähle markieren den Verlauf der Grenze.

Das war eine sehr interessante Fahrt. Diese Gegend Polens ist noch kaum von Touristen besucht. Das ist sehr schade, denn alles steht auf Start. Trotzdem ist diese Region, das gilt auch für die Masuren, nicht mehr von der Zeit vergessen und im Aufbruch. Mit Hilfe der EU wurde schon viel unternommen, um den Anschluss an ein modernes Leben zu bekommen. Zum größten Teil haben die Polen Deutschland in vielen Dingen schon überholt, z.B. der Straßenverkehr, das WLAN-Netz oder der Tourismus. Die alten, traditionellen Holzhäuschen, die ich gerne fotografieren wollte, sind kaum noch zu finden. Viele neue Eigenheime sind entstanden oder werden gebaut, Traktoren haben die Pferdefuhrwerke auf dem Feld abgelöst. Es ist kaum noch etwas vom alten Leben in Polen übrig.

Mikolajki (Nikolaiken)

Fußgängerbrücke Mikolajki

Die Wälder sind nun noch tiefer, die Seen noch größer. Der größte See Polens, der Spirdingsee, grenzt an die Stadt Mikolajki. In der Stadt herrscht Gedrängel von Menschen, auf dem Wasser Gedrängel von Booten. Unzählige Bootsverleihe reihen sich am Ufer des Spirdingsees, dort wo sich die Promenade von Mikolajki befindet. Kleine Boote, große Boote, Ausflugsboote, Segelboote, Tretboote, es ist kaum noch ein freies Fleckchen auf der Wasserfläche in der Nähe der Stadt zu finden. Im Zentrum drängen sich die Touristen an den zahllosen Souvenirständen. Restaurants und Cafés gibt es ebenso viele, die alle nicht über Gäste klagen können. So geht es jedenfalls sonntags und bei schönem Wetter zu. Am Montag, als wir noch einmal in der Stadt waren, wirkte alles wie ausgestorben. Nur wenige Leute sind unterwegs, die Boote haben Ruhetag.
An der schmalen Stelle, wo sich Spirdingsee und Tałtysee treffen, führen drei Brücken von einem Ufer zum anderen. Dies sind eine Fußgängerbrücke, eine Autobrücke und eine Eisenbahnbrücke. Auffallend sind im Stadtbild die neue Fußgängerbrücke und das moderne Hotel Mikolajki.

Enten statt Schwäne

Fünf Kilometer östlich von Mikolajki liegt der Luknainer See, ein Biospährenreservat. Nach unterschiedlichen Angaben sollen auf und am See 1300 bis 2000 Höckerschwäne leben. Dies soll die größte Kolonie Europas sein. Neugierig auf dieses Schauspiel fuhren wir die absolut katastrophale Straße bis nach Luknaino. Neben einem Restaurant steht ca. 100m weiter ein Aussichtsturm. Dieser ist jedoch soweit vom Seeufer entfernt, dass man die Schwäne eigentlich nur als kleine weiße Flecken ausmachen kann. Davon gab es jedoch so wenige, dass wir zum Aussichtsturm am Westufer des Luknainer Sees fuhren. Der Weg ist zwar auch unbefestigt, aber deutlich besser und wesentlich kürzer als die Katastrophenstraße nach Luknaino. Auf den Turm gestiegen, konnten wir aber auch hier nur knapp 30 Schwäne ausmachen. Auch auf den umliegenden Feldern waren keine Schwäne zu finden. Hat sich die Kolonie einen neuen See gesucht?

Polnische Pferde

Ein anderes Ziel im Masuren Park Krajobrazowy ist der Ort Krutyń. Die kleine Rundfahrt dorthin begannen wir an der einzigen Seilfähre der Großen Masurischen Seen bei Popielno. Seit 1. Juni fährt sie, täglich ab 10 Uhr, wochentags ab 11 Uhr.
Ein kurzer Stopp in Popielno brachte uns zu einer Station, die sich für den Schutz der Polnischen Pferde einsetzt. Ich weiß nicht, wie groß die Herde ist, denn auf dem Gelände standen nur vier Tiere. Gleich hinter dem Ortsausgang nach Süden schließt sich ein großer Wald an, in dem die Pferde halbwild leben können.

Schleuse Guzianka

Durch noch mehr Wald fuhren wir nach Wejsuny weiter. Kurz vor dem Ort überquert man eine kleine Brücke. Unter der Brücke befindet sich die Schleuse Guzianka, die zwei Seen miteinander verbindet. Wer Zeit hat, kann sich eine der Schleusungen ansehen.
Gleich neben der Brücke ist ein Restaurant an einen alten Maschinengewehrbunker gebaut worden. Der Bunker weist in drei Etagen nach drei Seiten mehrere Schießscharten auf, durch die Maschinengewehre für die Sicherheit der Schleuse sorgten.

Startpunkt Stakfahrt

Nun fährt man über Ruciane-Nida nach Ukta. Der Ort liegt an einem kleinen Fluss und besteht eigentlich nur aus Kajak- und Kanuverleihen. Das Ziel der allermeisten Touristen ist jedoch Krutyń am idyllischen Flüsschen Krutynia (Kruttinna). Wenn man dort ankommt, wird man aber von den vielen Kajak- und Kanuverleihen regelrecht erschlagen. Unser Ziel war eine Fahrt in einem der Stakboote. Nach einigem Durchfragen fanden wir den Anbieter an der Brücke im Ort. Dort ist auch der Startpunkt der Bootstour. Wir bezahlten 80,-Zl für beide und buchten damit eine Privatfahrt. Hätten wir auf weitere zwei Teilnehmer gewartet, die vielleicht mehr als eine Stunde hätten auf sich warten lassen, hätten wir nur 60,-Zl bezahlt.

seltene Rotalge

Unser deutschsprechender Bootsführer stakte uns zuerst flussaufwärts. Das Wasser ist sehr flach und sehr sauber. Es ist so sauber, dass es Trinkwasserqualität hat. Das hat der Fluss dem Schutz zu danken, der ihm zukommt. Der Mensch darf nicht in die Natur eingreifen. Der Fluss und seine Ufer bis in eine Tiefe von 250m bleiben sich selbst überlassen. Selbst das tote Holz und umgefallene Bäume dürfen nicht weggeräumt werden. Felder liegen soweit entfernt, dass keine Düngemittel in den Fluss gelangen können. Ein Indikator für solch sauberes Wasser ist eine besondere Rotalge, die auf den Kieseln im Fluss lebt.
Jede Menge Fische, sogar einen Hecht sahen wir, Wasserpflanzen und verschiedene Libellenarten sorgen für Kurzweil während der Fahrt, natürlich auch die Erläuterungen des Bootsführers. Sehr angenehm war, dass es keine Mücken an dem Fluss gibt. Nach Auskunft des Bootsführers gibt es eigentlich nur zweimal im Jahr, im Mai und im August, eine 14tägige Mückenplage. Ansonsten halten allerlei Tiere wie Vögel, Libellen und Fledermäuse die Mücken in Schach.

Flüsschen Kruttinna

Irgendwann, im Bereich des goldenen Sandes, eine beliebte Badestelle, ist der Wendepunkt der Bootstour erreicht und der Bootsführer hat mit dem Staken nur noch wenig Arbeit. Die Strömung lässt das Boot ganz ruhig dahingleiten. Nach einer Stunde ist die Tour zu Ende.
Noch einen Tipp: Am besten kommt man in den frühen Morgenstunden oder nach 16 Uhr nach Krutyń, besser noch wochentags. Dann herrscht mehr Ruhe als tagsüber, als wir unterwegs waren.

Übernachtet haben wir auf dem Campingplatz Vagabundo in Mikolajki. Für uns war der billiger als der Stellplatz in der Stadt, wo man dazu noch abgezockt wird. Ein Fußweg führt in 10min zum Strand und in einer viertel Stunde in die Stadt.

Mragowo (Sensburg)

Rastplatz

Eine Hitzewelle hat uns nun im Griff. Für uns ist das super, auch wenn fast alles etwas langsamer geht. Lange Spaziergänge sind kaum drin, ohne Wasser geht gar nichts. Es ist sehr drückend. Hitze macht uns eigentlich nichts aus, aber die drückende Schwüle ist nicht wirklich angenehm. Wir beschweren uns nicht, es ist besser als schlechtes oder kaltes Wetter, aber die Bauern sehen ihre Ernten schon wieder in Gefahr. Man kann gar nicht soviel wässern, wie nötig wäre.
Wälder, Seen, Felder, dazwischen kleine Dörfchen oder lockere Siedlungen, in Masuren hat die Natur noch ihren Platz. Trotz der Trockenheit sprießt es überall, denn die Luft der Nächte ist recht feucht. Vögel singen den ganzen Tag, abends beginnt das Froschkonzert, sonst es ist ruhig in Masuren. Die Landschaft ist ein Idyll für Ruhesuchende und Naturliebhaber.

Mragowo

Die kleine Stadt Mragowo lohnt einen Abstecher. Schön gestaltet ist der Bereich zwischen dem Museum Ermland-Masuren und dem großen Steg am Seeufer. In der Altstadt lässt es sich gut bummeln. Die vielen kleinen Geschäfte lassen keine Langeweile aufkommen. Ein Weiher, ein weiterer kleiner See und mehrere Parks laden zum Entspannen ein.

Stellplatz in Ruska-Wies

Wir übernachteten ca. 8km nördlich von Mragowo, auf dem Agrocamping „Salent Pensjonat“ in Ruska-Wies. Die ganze Anlage sieht sehr neu aus, alles vom feinsten und sehr ruhig. Im großen Fischteich darf geangelt werden. Fängt man etwas, es schwimmen vor allem Karpfen, Schleie und Karauschen im Teich, bezahlt man einen kleinen Preis pro Kilo. Klaus hatte den Fang seines Lebens: einen 4Kilo-Karpfen. Außerdem kann der Platz unter anderem Ausgangspunkt für Ausflüge nach Rastenburg, Heiligelinde und Reszel sein. Ferienwohnungen werden auch angeboten.

Święta Lipka (Heiligelinde)

Orgel in Heiligelinde

Nur wenige Kilometer von Ruska Wies entfernt liegt die kleine Stadt Heiligelinde. Der Name ist Programm. Der schon seit legendären Zeiten existierende Wallfahrtsort besteht eigentlich nur aus der Basilika aus dem Jahre 1730 und Touristeneinrichtungen. Es gibt nur wenige Wohnhäuser. Unterwegs trafen wir auf Leute, die uns eindringlich empfahlen, Heiligelinde nicht auszulassen und uns unbedingt das Orgelkonzert anzuhören. Na, da kann man doch nicht anders, und es war ein einzigartiges Erlebnis. Die Basilika an sich, umschlossen von einem Kreuzgang, ist schon einen Besuch wert. Von außen ein stolzes Bauwerk, überrascht es im Inneren mit einer Schönheit, die ihresgleichen sucht. Kunststück, bei den Einnahmen, der Eintritt ist jedoch frei. Blau, jede Menge Gold und Weiß sind die vorherrschenden Farben, dazu prächtige Deckenmalereien, und erst der riesige Altar. Gegenüber des Altars schwebt praktisch die Orgel über den Köpfen der überwältigten Besucher. Das ist aber immer noch nicht alles. Da war ja noch das Orgelkonzert. Die Orgel ist mit verschiedenen goldenen Elementen geschmückt, Sterne, Figuren, ein Glockenspiel, die sich teilweise zum Musikstück bewegen oder drehen. Zum Finale des Orgelkonzertes bewegt sich dann alles, was sich überhaupt bewegen kann. Es ist einfach nur ein grandioses Schauspiel. Im Anschluss an die „Vorstellung“ sammelt der Priester die Spenden ein, die man nur zu gerne gibt.

Kreuzgang

Ein Spaziergang durch den Kreuzgang sollte man sich auch nicht entgehen lassen. Im vorderen Teil wurden bereits die Deckenmalereien rekonstruiert, ebenso die Malereien in den vier Ecken. Weitere Teile des Kreuzganges wurden begonnen.


Reszel (Rössel)

Rössel

Die kleine Stadt beeindruckt mit ihrer Ordensburg aus dem 13. Jahrhundert, die auf einem Hügel steht. Nach einer wechselvollen Geschichte sind heute ein Museum und ein Hotel in den alten Mauern untergebracht. Die Kirche in der Nachbarschaft der Burg, die hübschen Gassen unterhalb der Burg und die Backsteinbrücke ein Stück abseits des Zentrums sind einen Besuch wert.

Kętrzyn (Rastenburg)

St. Georg Rastenburg

Die Ordensburg, die früher einmal Zentrum Rastenburgs war, ist eher unscheinbar. Den Rang hat ihr inzwischen der wuchtige Bau der Basilika St. Georg abgelaufen, die eigentlich eine Wehrkirche war und aus dem 14. Jahrhundert stammt. Im Inneren der Kirche beeindruckt das netzartige Deckengewölbe. Solch ein fein gegliedertes Gewölbe will erst einmal gebaut werden. Leider ist alles weiß übertüncht und nichts mehr von der vermutlich einstigen Pracht zu sehen.
Wer nach Rastenburg kommt, hat allerdings meist ein anderes Ziel: die „Wolfsschanze“

Wilczy Szaniec (Wolfsschanze)

Bunker Typ A

Das Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ ist die größte von mehreren über Europa verteilten Führerhauptquartieren. Die Einrichtung diente 1940-1944 Hitler und seinen Generälen der Planung eines Angriffs auf Russland, vor allem St. Petersburg und Moskau. Der Komplex tief im masurischen Wald bestand aus sieben riesigen Bunkern des Typs A, deren Decken und Wände bis zu 3,5m dick waren. Später kamen weitere Betonschichten dazu. Hitlers Bunker hatte am Ende eine Deckenstärke von 8m. Dies waren die Unterkünfte und Wirkungsstätten für Hitler, Bormann und Göring, die Funkzentrale, eine Gästeunterkunft sowie Luftschutzbunker. Dazu kamen dutzende leichtere Bunker, gemauerte Gebäude und Baracken. Insgesamt sollen es um die 200 Gebäude gewesen sein. Die Anlage „Wolfsschanze“ wurde durch Stacheldraht und Minenfelder geschützt, war in drei Sicherheitszonen aufgeteilt und von 2000 Mann bewohnt. Am 20. Juli 1944 scheiterte hier das Attentat auf Hitler, welches unter Führung von Oberst Graf von Stauffenberg stattfand. Leider verschob jemand kurz vor der Explosion die sorgfältig platzierte Kofferbombe, so dass sich deren Sprengkraft nicht voll entfalten konnte. Hitler überlebte das Attentat.

Gedenktafel an der Lagerbaracke

Heute ist die Anlage ein Museum. Nach dem Krieg wurden die Bunker und Gebäude gesprengt, allerdings widerstanden die meisten Bunker des Typs A die Aktion und barsten lediglich. Manche unbedeutenden Gebäude, wie das Kasino oder das Gebäude des Reichssicherheitsdienstes überlebten die Verwüstung. Zumeist aber sind die Trümmer über das gesamte Gelände der Sicherheitszone I verteilt. Die Lagerbaracke, in der das Attentat verübt wurde, ist eines der Gebäude, die vollkommen zerstört sind. Eine Gedenktafel erinnert an das Geschehen.

Man kann sich einer Führung anschließen, um die „Wolfsschanze“ zu besuchen, oder man nimmt sich einen Lageplan in die Hand und geht in eigenem Tempo. Für den Eintritt und Parkgebühren PKW bezahlten wir 35,-Zl. Ein Womo-Stellplatz mit Bäumen und unebenen Gelände ist vorhanden.

Olsztyn (Allenstein)

Irgendwann gibt es ein besseres Bild

Woran erkennt man, das man in Masuren ist? …? Mückenalarm!!!! Riesenmücken. Der Körper ist über 1cm lang. So schön die Natur ist, so wenig kann man sie genießen. Das ist sehr schade, aber irgendwie muss man damit leben. Da habe ich gleich ausgiebig Gelegenheit, mein neues DIY-Mückenspray zu testen. Es funktioniert einwandfrei, allerdings sollte man vielleicht den Anteil an Lavendelöl erhöhen, damit die Wirkung länger anhält.

Seit unglaublichen fünf Wochen hatten wir jetzt, bis auf zwei halbe Nebeltage und ein Gewitter, das schönste Wetter. Ich weiß nicht mehr, wann wir das zum letzten Mal hatten. Mindestens drei Jahre ist das mindestens her. Nach eineinhalb Regentagen mit Gewittern setzt sich jedoch das schöne Wetter wieder durch, mit an die 30 Grad.

Stellplatz bei Allenstein

Die Grenze zwischen dem Ermland und Westmasuren überquert man kurz hinter Lukta in Richtung Olsztyn. Dort fanden wir einen schönen Stellplatz in Pelnik, auf Privatgrund, sehr ruhig, direkt am Isag-See und mit viel Natur drumherum. Der nette Besitzer des Grundstücks, er vermietet auch Ferienwohnungen, spricht deutsch, gibt Tipps für Ausflüge und Unternehmungen und ist in allen Dingen sehr hilfsbereit. Gemeinschaft wird bei ihm groß geschrieben, wenn man das möchte.
Tagsüber kann man angeln oder Kajak fahren, abends sitzt man zum Sonnenuntergang am Ufer des Sees. Jetzt, Ende Mai, sind die Abende schon sehr lang, bevor sich langsam die Nacht über den See senkt. Die Vögel gehen schlafen, die Eintagsfliegen legen ihre Eier im Wasser ab und werden dabei von den hungrigen Fischen verfolgt, irgendwo ruft noch der Kuckuck. Idylle pur.

Brauerei Warmia Allenstein

Ein Ausflug nach Allenstein, der Hauptstadt Ermland-Masurens, ist obligatorisch. Die Altstadt ist sehr überschaubar. Wir besuchten zuerst die Brauerei Warmia in der Nähe der Deutschordensburg. Der Bau ist von außen sehr modern gestaltet, innen aber im Stil eines Brauereikellers gehalten, sehr gemütlich. Unter dem Gebäude fließt ein Bach, den man durch im Fußboden eingelassene Glasscheiben sehen kann. Die Beleuchtung erfolgt durch zu Lampenschirmen umgestalteten Bierflaschen. Die Brauerei bietet neun verschiedene Biersorten an. Wenn man sich nicht entscheiden kann, bestellt man das Probenset. Zu Essen gibt es natürlich auch etwas.

Deutschordensburg Allenstein

Somit gut gerüstet, kann man zum Stadtrundgang starten. Die Deutschordensburg, oder wie sie heute heißt, Burg des ermländischen Domkapitels, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Das heißt, die ursprüngliche Burg stammt aus dem 14. Jahrhundert. Brände und Zerstörungen sorgten im Laufe der Jahrhunderte dafür, dass die heutige Burg ein kompletter Nachbau ist, bis auf vielleicht die Grundmauern. Die Burg beherbergt das Museum für Ermland und Masuren (montags geschlossen).

Nikolaus Kopernikus

In Allenstein trafen wir wieder auf die Spuren von Nikolaus Kopernikus, dem wir schon in Frombork begegnet waren. Der Astronom lebte und arbeitete von 1516-1521 in Allenstein und war in dieser Zeit auch Domherr in der Stadt.

Sonnenuhr

Gleich an die Burg grenzt die Altstadt von Allenstein, mit dem Hohen Tor, dem einzigen Überbleibsel der mittelalterlichen Wehranlagen der Stadt. Viele Häuserfassaden zieren Reliefs mit Darstellungen des früheren Lebens. Den Mittelpunkt der Altstadt bilden die Bibliothek und das alte Rathaus.

Fischbrunnen

Wenn man die Fußgängerzone entlang nach unten spaziert, kommt man zum kleinen Fluss Łyna. Am Ufer entlang gelangt man zurück zur Burg und zum Park mit dem Fisch-Brunnen. Damit hat sich der Kreis fast wieder geschlossen.
Allenstein verfügt neben weiteren Einrichtungen auch über ein Planetarium, eine Sternwarte und ein Naturkundemuseum.

Promenade Osterode

Einen weiteren Ausflug ist die Stadt Ostróda (Osterode) wert. Hier locken vor allem die Mole mit der Promenade und der Drewenz-See. Ausflugsfahrten mit dem Schiff, eine Wasserski-Anlage sowie weitere Sport- und Freizeitvergnügen werden hier angeboten.

Kreuzritterburg Osterode

In unmittelbarer Nähe steht die Kreuzritterburg, ein vierflügeliger Backsteinbau. Gegenüber den bisher gesehenen Burgen ist diese in Osterode eher unscheinbar. Dafür beherbergte sie viele große Persönlichkeiten der Geschichte Europas. So lenkte z.B. Napoleon Bonaparte von Februar bis April 1807 in der Osteroder Burganlage die Geschicke Europas. Heute ist die Burg Kulturzentrum und Museum.

Oberländischer Kanal

Bergstrecke

Sowie man ihn zu Gesicht bekommt, hat der Kanal einen auch schon in seinen Bann gezogen. Es ist einfach geniale Technik, dazu sehr einfach und nur durch die Kraft des Wassers betrieben. 1860 in Betrieb genommen, verbindet er Ostróda (Osterode), die oberländischen Seen und Elbląg. Der Kanal ist um die 37km lang. Im zentralen Abschnitt, südwestlich von Pasłęk, wartet der Kanal mit einer Besonderheit auf, eigentlich mit fünf Besonderheiten. An fünf Stellen werden die Schiffe auf Schienen über Berge gezogen. Dafür werden die Schiffe auf Loren verladen, die die Schiffe über Land bis zum nächsten Kanalabschnitt befördern. Der Höhenunterschied beträgt dabei insgesamt 104m.

obere Station des Kanals

Der einzige Campingplatz, am Kanal oder in dessen Nähe, befindet sich am Fuße des obersten Berges. Wir suchten uns einen Stellplatz direkt am Geschehen. Wir richteten uns gerade noch ein, als auch schon Besuch vor der Türe stand. Ein Mann in Schifffahrts-Uniform lud uns zu einer Fahrt ein. Für 70,-Zl pro Person könnten wir gleich heute auf ein Schiff steigen und die Fahrt bergab machen. Später kam er noch einmal und meinte, wir könnten für den gleichen Preis runter und hoch fahren. Das würde vier Stunden dauern. Heute war so schönes Wetter, da würde die Fahrt sicher Spaß machen. Interessant wäre sie in jedem Fall. Wir sagten zu.

Scheitelpunkt der Lorenfahrt

Eine dreiviertel Stunde vor Abfahrt gingen wir den letzten Berg nach oben, um am Startpunkt auf das Schiff, die „Marabut“, zu steigen. So bekamen wir die besten Plätze auf dem Sonnendeck. Um 14.15 Uhr ging es los, rauf auf die Lore, runter den Berg, runter von der Lore. Dann folgt eine gemütliche Fahrt den Kanal entlang, bis zum nächsten Berg. Das geschah dreimal. Nach zwei Stunden drehte das Schiff kurz vor dem vierten Berg um und fuhr die Strecke wieder bergauf zurück.

Windentechnik und Maschinenhaus

Auf dieser Fahrt wird das Funktionsprinzip des Oberländischen Kanals deutlich. Jeder Berg besitzt seine eigene Technik. Die Seile, die die Loren auf Schienen bewegen, werden durch ein großes Wasserrad angetrieben. Dieses wiederum wird durch einen Wasserstrom bewegt, der aus dem Kanal abgezweigt wird. Das Wasser fällt in einem Schacht nach unten und wird zum Wasserrad geleitet. Nachdem es das Wasserrad passiert hat, verlässt es das Maschinenhaus durch einen Bypass, der parallel zum Kanal verläuft. Der Bypass entlässt das Wasser dann unterhalb des Berges in den nächsten Abschnitt des Oberländischen Kanals. Zwei Loren laufen zur gleichen Zeit bergauf bzw. bergab. Wartet ein Schiff auf den Transport, wird es mitgenommen, ist kein Schiff da, fährt die Lore leer. Ist der Transfer abgeschlossen, wird die Wasserzufuhr zum Wasserrad gestoppt und erst wieder in Gang gesetzt, wenn der nächste Transfer ansteht. Die ganze Sache ist so simpel, dass es praktisch keinen technischen Ausfall geben kann.

Die Schifffahrt auf dem Oberländischen Kanal ist eine Mischung aus Action und Entspannung, die direkt in einer tollen Landschaft und Natur abläuft. Es ist wirklich ein Erlebnis.

Elbląg (Elbing)

Nikolauskirche Elblag

Wir haben die Woiwodschaft Pommern verlassen und sind nun im Ermland, zur Woiwodschaft Ermland-Masuren gehörig.
In Elbląg steht nicht mehr viel, was an die Zeit vor dem 2. Weltkrieg erinnert. Vereinzelte Bauwerke über die Altstadt verteilt vermitteln noch etwas von dem Eindruck, den diese Stadt einst gemacht haben muss. Wie in Pommern auch, herrschte die Backsteinbauweise vor. Heute erstrahlt die Altstadt von Elbląg in neuem Glanz. Die neuen Fassaden sind mit modernen Mitteln den alten nachempfunden und zeigen wohl das Bild, welches die Stadt vor dem Krieg besaß. Dabei ist der Gesamteindruck sehr hell gehalten, teilweise ist Fachwerk ein Thema. Wie in Danzig legt man auch hier Wert auf die Beischläge, die Terrassen vor den Häusern, zu denen mehrere Stufen hinaufführen.
Vor der Nikolauskirche breitet sich ein großer Platz aus, an den die Promenade und das Ufer der Elbląg grenzen. Folgt man diesem Fluss nach Norden, kommt man zum Frischen Haff. Wendet man sich an seinem Ufer nach Süden, gelangt man bald zum Elbląg-Kanal, oder besser bekannt als Oberländischer Kanal (ihm werde ich den nächsten Beitrag widmen).

am Frischen Haff

Von Elbląg aus kann man eine Rundreise zum Frischen Haff auf der Landstraße 503 starten. Kurz hinter Kamionek Wielki biegt eine kleine Straße nach links ab. Ein Hinweisschild weist zu einem Campingplatz. Dem sind wir gefolgt und haben dabei ein sehr schönes Fleckchen Erde gefunden. Eigentlich ist es ein Wasserwanderrastplatz mit der Möglichkeit zum Campen und Kajakfahren, mit kleinem Strand und absoluter Ruhe. Hier beginnt der Fjord nach Elbląg. Gegenüber dem Strand ist das Ende der schmalen Landzunge zu sehen, die den Fjord auf der anderen Seite begrenzt. In der Ferne erheben sich die Berge der Nehrung Wiślana, die bis nach Kaliningrad reicht.

Gestüt Kadyny

Den nächsten Halt sollte man in Kadyny einlegen. In deutschen Zeiten hieß die Stadt Cadinen und besaß ein berühmtes Gestüt. 1898 übernahm der deutsche Kaiser Wilhelm II. das Objekt und baute es aus. Er baute eine Trakehner-Zucht auf und machte das Schloss zu seiner Sommerresidenz. Heute haben die neuen Eigentümer Mühe, das Anwesen zu erhalten. Das Haupthaus des Gestüts ist inzwischen ein Hotel „Kadyny Folwark Hotel&Spa“. Das Schloss gehört zum Gedenkpark.

Frauenburger Kathedrale

Das große Ziel der Rundreise war Frombork (Frauenburg). Die Stadt liegt ebenfalls am Frischen Haff und hatte einen berühmten Bewohner. 1497 wurde der Astronom und Arzt Nikolaus Kopernikus Domherr von Ermland mit Sitz in der Frauenburger Kathedrale. 1543 starb Kopernikus und wurde in der gleichen Kathedrale beigesetzt. Niemand weiß, wo genau das Grab zu finden ist, aber an vier Stellen im Innenraum verteilt wird auf verschiedene Weisen an Kopernikus erinnert.
Die Frauenburger Kathedrale thront auf einem Hügel über der Stadt und stammt aus dem 13. Jahrhundert. Der Innenraum ist einer der schönsten, den wir bisher in Kirchen gesehen haben. Die Pfeiler und Gewölbe sind mit ihrem Malereien beeindruckend. Viele mächtige Altäre, aus Holz geschnitzt und teilweise vergoldet, ziehen die Besucher in ihren Bann. Der Chorraum, die Orgel, alles bildet eine großartige und wunderschöne Einheit.

Wasserturm Frombork

Die Kathedrale ist Teil der Domburg, zu der auch der Bischofspalast mit Kopernikus-Museum und ein Glockenturm gehören. Eine Mauer umschließt die Anlage. Der Eintritt in die Kathedrale kostet 9,-Zl, Rentner bezahlen 6,-Zl. Der Glockenturm kann gegen ein zusätzliches Eintrittsgeld bestiegen werden.
Unterhalb der Domburg steht das Nikolaus Kopernikus-Monument. Gleich unterhalb erhebt sich der Wasserturm aus dem 16. Jahrhundert. Eine Förderschnecke entnahm dem Kanal Wasser und hob es auf den Hügel zur Domburg. Es war das zweite Wasserleistungssystem dieser Art nach Augsburg in Europa. Der Kanal brachte das Wasser aus 6km Entfernung aus dem Fluss Baude. Der Wasserturm funktionierte 200 Jahre lang. Von diesem Wasserturm kann man ebenfalls einen Blick über das überschaubare Zentrum Fromborks werfen.

Frombork

Vom Anleger der Stadt legen Fähren ab. Sie bringen Passagiere in die auf der Nehrung liegende Stadt Krynica Morska oder Elbląg. In dem Restaurant „Bratfisch am Hafen“ ist die leckere Fischsuppe sehr zu empfehlen.

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