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Archiv für die Kategorie “Litauen”

Klaipeda (Memel)

Fähre in Klaipeda

Die Stadt Klaipeda interessierte uns nicht, aber sie ist ein prima Ausgangspunkt für die Kurische Nehrung, die das Kurische Haff von der Ostsee trennt. Einen Blick aus der Ferne konnten wir bereits von Venté aus werfen. Nun wollten wir die Nehrung selbst entdecken.
Normalerweise fahren Fähren von Klaipeda an der Kurischen Nehrung entlang nach Nida, dem letzten litauischen Ort vor der Exklave Kaliningrad, auf die die südliche Hälfte der Kurischen Nehrung entfällt. 2018 existiert diese Fährverbindung nicht, aus welchem Grund auch immer. Erst 2019 soll die Verbindung wieder aufgenommen werden. Also haben wir die Fähre vom neuen Terminal in Klaipeda nach Smiltyné genommen. Mit dem Auto kostet die kurze Überfahrt 12,30€. Auf der Nehrung (Neringa) angekommen, fuhren wir erst ein kurzes Stück nach Norden, bis zum Yachthafen. Von dort kann man in Ruhe nach Klaipeda hinüberschauen. Allerdings sieht man auf Kilometer nur Hafen und Schiffe.

Strand der Kurischen Nehrung

Deshalb lenkten wir unser Auto Richtung Süden. Bis Nida beträgt die Strecke 43km. Wo der „Naturpark Neringa“ beginnt, bezahlt man Maut. Bis zum 19.6. sind es noch 5,-€ pro PKW, ab 20.6. werden 20,-€ fällig. Auf den Kilometern nach Nida gibt es jedoch jede Menge zu sehen. Immer wieder zweigen Fußwege rechts und links von der Straße ab, die zu Aussichten über das Haff oder die Ostsee führen. Auf der gesamten Länge an der Ostsee entlang breitet sich ein herrlicher, ruhiger Sandstrand aus, der hinter einer ebenso langen Düne liegt.

Skulptur aus Sand

Auf knapp halbem Weg liegt der Ort Juodkranté. Während Nida stark beworben wird, ist von Juodkranté kaum die Rede, aber ein kurzer Halt lohnt sich trotzdem. Vor allem zwei Kunstprojekte an der Promenade, oder auch der „Hexenpfad“, machen von sich Reden. Hübsche Holz- oder auch Fachwerkhäuser prägen den Ort.

Der außergewöhnlichste Ort auf der Nehrung ist die Kolonie von Reihern und Kormoranen. Seit dem 18. Jahrhundert besteht diese Kolonie. Früher hatten die Graureiher die Oberhand. Seit irgendwann die Kormorane aufgetaucht sind, schwindet die Population der Reiher in gleichem Maße wie die Kormorane an Zahl zunehmen. Heute gibt es nur noch wenige Reiherpaare in dem Gebiet. Das Auto kann man auf dem Parkplatz abstellen. Verlässt man es, steigt ein ziemlich kräftiger Fischgeruch in die Nase. Die Luft ist vom Stimmengewirr der Kormorane erfüllt, die Bäume sind weithin vom Kot der Kormorane abgestorben. Es müssen tausende Vögel sein, die den Wald bevölkern. Es ist einfach nur grandios. Ganz dicht ist man am Geschehen, wenn man die Aussichtsplattform erklimmt. Hin und wieder lässt sich auch ein Reiher sehen.

Kormoran-Kolonie

in den Dünen Neringas

Nur ein Stück weiter, die Straße steigt steil an, weist eine Tafel auf einen der schönsten Panoramablicke auf der Kurischen Nehrung hin. Ein kurzer Weg führt zum Ausguck. Leider ist man weit vom Wasser weg und die Bäume versperren den größten Teil des Blickes. Schade.
Hier beginnt auf der Haffseite die „Tote Düne“. Sie ist für Wanderungen gesperrt. Es gibt aber einen Zugang, den man zum höchsten Punkt der Düne (48m), nutzen kann. Der Weg dorthin beträgt 1,3km. Die Düne wandert nicht mehr. Als sie es noch tat, begrub sie vier Dörfer unter sich.
Ein kurzer Abstecher nach Pervalko sollte noch drin sein. Der Ort gehört ganz den Feriengästen. An dessen nördlichem Ende steht ein kleiner Leuchtturm im Wasser, der jedoch nur zu Fuß zu erreichen ist.

Weitere Dünen können auf dem Weg nach Nida bestiegen werden. Darunter sind die höchsten Dünen Europas. Die wirklich beste Aussicht nach fast allen Seiten bekommt man aber von der Parnidžio Düne südlich von Nida. Sie ist zwar nicht zu vergleichen mit der Düne in Leba, aber mit 61m ist sie doppelt so hoch. Die Aussicht ist wunderschön. Wer mag, kann durch die Dünen bis zum „Tal des Todes“ an ihrem Fuß laufen. Einige Teile der Parnidžio Düne sind aber schon bewachsen.

Parnidžio Düne

Sonnenuhr/Kalender

Auf der Düne, überraschenderweise kann mit dem Auto bis fast ganz nach oben gefahren werden, steht seit 1995 eine riesige Sonnenuhr, mit einem Kalender kombiniert. Sie ist ein wahres Kunstwerk aus Granit, welches teilweise mit sehr fremdem Zeichen geschmückt ist. Die Stundenanzeigen sind in Stufen angeordnet, die bis zum Mittag ansteigen. Der Zeiger ist ein 12m hoher Obelisk, dessen Fußpunkt sich 53m über dem Meeresspiegel befindet. Die hellsten Steinreihen stellen die Monate dar, die grauen Reihen die Tagundnachtgleiche sowie die Sonnenwenden, und die dunklen Steinreihen sind die Nachtstunden. Wie ließt man bloß in den Nachtstunden die Uhrzeit ab?

Nida

Bevor wir nach Nida hineinfuhren, nahmen wir den Grenzübergang nach Kaliningrad in Augenschein. Hier verlässt man die EU und ohne Visum bleibt die Grenze dicht.
Im alten Nida lässt es sich gut bummeln. Die alten Holzhäuschen und Vorgärten mit ihren Schmuckelementen sind liebevoll gepflegt. Kleine Restaurants laden zur Einkehr ein. Überall strecken sich Wetterfahnen in den Himmel, die aussehen, als würde jeder „Clan“ sein eigenes Wetterfahnendesign besitzen.
Von dem kleinen Hafen aus starten verschiedene Ausflugsboote zu einstündigen Touren über das Haff zur Windenberger Insel. Die Tour kostet 10,-€.

Damit hatten wir eine wunderschöne Tour hinter uns gebracht, die wir nur weiterempfehlen können.

Seebrücke Palanga

Ein anderer Ausflug führte uns nach Palanga. Der Kurort hat uns nicht begeistert. Ein Kurort ist kaum noch auszumachen, Palanga ist eigentlich nur noch eine Touristenstadt. Die Preise sind doppelt so hoch wie auf der bisherigen Route durch Litauen.
Die 450m lange Seebrücke beeindruckt nur durch ihre Länge, die im letzten Viertel um 90° abgewinkelt ist. Keine Bude befindet sich darauf, kein Anleger wartet auf Schiffe, nicht einmal ein Yachthafen, wie in Sopot, wurde angebaut.

Unser Wohnmobil steht in Karklé, zwischen Klaipeda und Palanga, auf dem Campingplatz „Karklecamp“, für 15,-€ pro Nacht mit allem. Es gibt hier mehrere Campingplätze, die alle so um die 15,-€ nehmen, sehr ungewöhnlich in Anbetracht der Lage. Zum Strand sind es nur ein paar hundert Meter.

Etwas nördlich von Karklé liegt der Plocis Lake im Wald, der jedoch nur zu Fuß oder per Fahrrad zu erreichen ist. Das sind 2km Weg. An diesem See soll man eigentlich Vögel beobachten können. Wie sich herausgestellt hat, ist das aber nur in den Vogelzugzeiten möglich. Jetzt im Frühsommer ist außer Kormoranen, die dort in einer Kolonie leben, nichts los. Trotzdem ist der Weg durch den Wald ein Erlebnis.

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Memeldelta

Brücke über die Minija

Es ist in Litauen nicht so einfach, einen Stellplatz unter 20,-€ zu bekommen, der auch noch groß genug für unser Wohnmobil ist. Eine Nacht standen wir auf einem freien Platz an der Minija, dort wo die Straße 4217 den Fluss kreuzt, südlich von der Brücke. Da es Wochenende war, war der Platz sehr gut von Tagesgästen besucht. Deshalb wollten wir auf den Campingplatz am Hotel Kintai-Ventainé. Es gibt überhaupt nur einen Campingplatz in der Nähe von Venté. Als wir dort ankamen, der Platz ist für Wohnmobile bis 10m ausgewiesen, wollte man den doppelten Stellplatzpreis von uns haben. Der liegt mit 25,-€ sowieso schon hoch. Unser Wohnmobil ist nicht länger als 10m, trotzdem hätten wir den doppelten Preis zahlen sollen. Das ist einfach nur unverschämt. Zu unserem Glück fanden wir auf der anderen Seite der vorher erwähnten Brücke einen schönen kleinen und ruhigen Stellplatz, für 14,-€, am Restaurant Mélynasis Karpis. Zwischen der Minija und einer riesigen Fischteichlandschaft hat der Besitzer ein wahres Imperium aufgebaut: Restaurant mit eigenem Fisch (das teuerste Gericht mit Stör kostet 11,50€), Angelteichen, Wasserwanderrastplatz, Bootsverleih, im Hochsommer Kreuzfahrten auf dem Kurischen Haff, Zimmervermietung, kleiner Campingplatz und Spielplatz. Es ist ein guter Platz, um das Memeldelta zu erkunden. Mit dem Kurischen Haff, eigentlich Frisches Haff, hatten wir schon in Elbląg und Frombork Bekanntschaft gemacht.

Ornithologische Station Venté

Am weitesten in das Kurische Haff hinein ragt die Halbinsel mit dem Ort Venté. Von dem weit ins Wasser ragenden Anleger aus fährt zweimal am Tag eine Fähre nach Nida auf der kurischen Nehrung. Im Juni fährt mittwochs auch vom Hotel Kintai-Ventainé eine Fähre. Die Fahrpreise liegen bei 17,-€ pro Person plus 4.-€ pro Fahrrad. Autos werden nicht mitgenommen. Damit entfällt die Gebühr für den Nationalpark Kurische Nehrung.
An der Halbinselspitze bei Venté steht ein Leuchtturm, den man besteigen kann. Der größte Teil des Geländes ist jedoch von einer ornithologischen Station in Beschlag genommen. Schon seit dem frühen 20. Jahrhundert werden hier Vögel mit großen Netzen gefangen und registriert.

Hinweis auf die Moorkolonie Bismarck

Im Memeldelta wurden ab 1835 vier Moorkolonien gegründet. Die größte und bekannteste Kolonie hieß Bismarck. Auf deren Spuren kann man sich begeben, wenn man ein bisschen sucht. Drei der Kolonien sind auf einer Infotafel in Kintai lokalisiert. Zu der Pakalné-Kolonie gibt es keinen weiteren Hinweis. Von der Bismarck-Kolonie, ich hatte vor kurzer Zeit einen Fernsehbericht über diese Kolonie gesehen und kam deshalb auf das Thema, erinnert nur noch das Straßennamensschild „Oto Bismarck g.“ an die Vergangenheit. Vier der alten Gehöfte, halb verfallen, aber bewohnt, stehen noch im Wald bei der Ortschaft Žalgiriai an der Straße 206. Es wurde einmal ein Lehrpfad über die Geschichte der Kolonie angelegt, aber leider nicht gepflegt. Hinter der ersten, halb verblassten Infotafel ist Schluss, der Weg ist zugewachsen. Dieser Lehrpfad hätte uns wirklich interessiert, aber wer die interessante Geschichte der Moorkolonien nachlesen möchte, dem empfehle ich die Seite: www.wiki.de/genealogy.net.

typische Ostpreußenhäuser

Rusné (das alte Ruß) ist ein nettes kleines Städtchen, welches auf der Windenberger Insel zwischen den Flüssen Atmata und Rusné liegt. Die dritte Seite wird vom Kurischen Haff begrenzt. Auf der südwestlichen Spitze der Insel steht ein Grenzpfahl, denn dort, wo sich die zwei Flüsse treffen, verläuft die Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad. Atmata heißt das letztes Stück der Memel, bevor sie in das Haff mündet.

am Leuchtturm Uostadvaris

Gegenüber von Rusné befindet sich der Ort Uostadvaris, im Norden der Insel. Dort kann man den kleinen Hafen ansehen, von dem ein Boot über mehrere Flüsse durch das Memeldelta und über das Haff zur Kurischen Nehrung fährt. Die Fahrzeiten kennen wir nicht. Der kleine Leuchtturm aus den 70ern des 19. Jahrhunderts tut zwar keinen Dienst mehr, aber von seiner Plattform aus kann man weit über das Land blicken.

Torfgewinnung

Šiluté (das alte Heydekrug) ist die größte Stadt der Region, aber wenig interessant. Die alte Gründung war etwas weiter westlich gelegen, ist aber nicht mehr erhalten.
Zwischen Šiluté und der Straße nach Minija findet man rechts im Wald ein riesengroßes Gelände, auf dem man Torf in einer Art Tagebau gewinnt. Wie es aussieht, wird es mit Maschinen einfach nur in dünnen Schichten abgeschabt. Große Haufen Torfmehl liegen zum Abtransport bereit.

rundblättriger Sonnentau

Am westlichen Ende dieses Torfgebietes befand sich die Moorkolonie Augstumal. Von dieser Kolonie ist auch nichts mehr übrig, aber hier hat man einen wunderschönen Lehrpfad eingerichtet, und erhält ihn auch. Es lohnt sich, die 1,2km in das Moor zu laufen. Auf Infotafeln wird von der Kolonie berichtet, sowie von den heimischen Tieren und Pflanzen, wovon viele seltene Arten geschützt sind. Es soll sogar Elche geben. Kein Wunder bei dieser wasserreichen, einsamen Natur. Zuerst läuft man durch Wald, der nach und nach immer lichter wird. Später gibt es nur noch niedrige Pflanzen, zwischen denen sich der seltene Sonnentau wohlfühlt. Es sind zwar nur sehr kleine Formen dieser fleischfressenden Pflanze, dafür kommen hier beide Arten vor: der rundblättrige wie auch der langblättrige Sonnentau.

Hochmoor Augstumal

Von zwei Aussichtsplattformen hat man schöne Blicke über das Hochmoor von Augstumal. Um den letzten Aussichtsturm liegen ein paar Wasserlöcher, im Hintergrund recken abgestorbene Birken ihre weißen Stämme in den Himmel. Die ehemaligen Einwohner der Moorkolonien hatten die Moore mühevoll entwässert, um sich ein Leben auf Grundlage der Landwirtschaft aufzubauen. Seit die Kolonien untergegangen sind, erobert sich das Wasser weite Teile der Moore zurück.

Trakai/Vilnius

Meerschaumpfeife mit Bernsteinmundstück

Wir sind in Litauen angekommen. Zuerst: die Uhr eine Stunde vorstellen, Zeitzonenüberschreitung. Wir durften auf dem Grundstück der Schwester einer Bekannten stehen, 10km südlich von Marijampolé. Von hier aus unternahmen wir unsere Tour nach Trakai und Vilnius. Nach zwei kalten Tagen und Nächten ist es nun wieder warm und sonnig.
Seit 1409 steht die Burg Trakai auf einer Insel und war Wohnsitz der litauischen Herzöge. Nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg baute man die Burg über Jahrzehnte komplett wieder auf. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Entsprechend groß ist der Andrang.
Zu betreten ist die Burg über eine hölzerne Brücke. Hinter dem Tor öffnet sich ein Hof, um den sich verschiedene Bauwerke gruppieren. In den Kasematten links vom Eingang befinden sich verschiedene historische Ausstellungen. Wir fanden die Sammlung von Meerschaumpfeifen sehr interessant.

Innenhof

Über eine weitere Holzbrücke kommt man zum Wohntrakt. Hier kann man verschiedene Räume wie den großen Saal und den Gerichtssaal bewundern. Der Innenhof ist mit seinen hölzernen Umgängen und gemusterten Mauerfriesen um die Eingänge recht imposant. Erwähnenswert ist hier die Schatzsammlung. Viele der früher versteckten kleinen Schätze, in Beuteln, Krügen oder Kästchen verstaut, sind von ihren Besitzern nie wieder ans Tageslicht geholt worden. Sie fand man bei den Rekonstruktionsarbeiten. Viele Stücke sind aus Münzen und Medaillen gefertigt, was wir bisher noch nie gesehen haben.
Der Eintritt in die Wasserburg Trakai kostet 7,-€, für Senioren 3,50€.

Berg der Drei Kreuze

Vilnius ist die Hauptstadt Litauens. Auf dem Weg zur Altstadt kommt man an den nagelneuen gläsernen Hochhäusern des Geschäftsviertels vorbei, welches am Ufer des Flusses Neris liegt.
Unser erster Punkt, den wir in Vilnius besuchten, war der Berg der Drei Kreuze. Kurz unterhalb des Gipfels kann man das Auto stehen lassen, kostenlos. Es ist nur ein kurzer Fußweg bis zu den leuchtend weißen Kreuzen und einer tollen Aussicht über die Stadt.
Der Legende nach sollen 14 Franziskaner in diese Gegend gekommen sein, um die Einheimischen zu bekehren. Die hatten jedoch etwas dagegen und kreuzigten die Franziskaner auf diesem Berg, weithin sichtbar. 1613 baute man dann hölzerne Kreuze auf, die immer wieder rekonstruiert wurden. 1863 entfernte die russische Regierung jedoch die Kreuze nach einer Revolte. 1916 baute man neue Kreuze auf, die wiederum von den Russen zerstört wurden. Seit der Unabhängigkeit Litauens baute man die heutigen massiven Kreuze 1989 an der originalen Stelle auf. Seitdem leuchten sie über die Stadt Vilnius. Archäologische Ausgrabungen Ende des 20. Jahrhundert zeigten, dass der Berg schon seit dem 3.-2. Jahrhundert vor Christus bewohnt wurde.

Verfassung von Užupis in 28 Sprachen

Unser nächstes Ziel war das älteste Viertel von Vilnius, Užupis. Der kleine Stadtteil liegt auf einer Art Halbinsel, die vom Flüsschen Vilnia umschlossen wird. Früher ein Armenviertel ist es heute eine beliebte Gegend, vor allem bei Künstlern. Die waren sogar so begeistert davon, dass sie eine „unabhängige Republik Užupis“ gründeten. Die Gründung und Niederlegung der Verfassung fanden in der „Užupis Kavina“ statt. Das alte Café befindet sich an der Brücke über die Vilnia, auf der man in die neuere Altstadt Senamiestis kommt. In einer Fernsehreportage hatten wir gesehen, dass in diesem Kaffee die Bronzetafeln mit der Verfassung in 28 Sprachen an den Wänden hingen. Wahrscheinlich war dadurch keine Gästebedienung mehr möglich, weil alle die Tafeln sehen wollten. Deshalb hängen sie heute gut zugänglich an einer Wand in der Paupio Gatve in der Nähe des „Užupis Kavina“. Nach einem Kaffee oder Bier kann man ein wenig durch die alten Gassen schlendern. Zu der Verfassung, mit der man sich sofort identifizieren kann, besitzt die „unabhängige Republik Užupis“ natürlich auch eine Hymne und einen Präsidenten.

Kathedrale St. Stanislaus

Die neuere Altstadt Senamiestis wurde komplett rekonstruiert und gilt heute als die schönste Barockstadt Nordeuropas. Viele Kirchen, Cafés und Restaurants prägen das Stadtbild, welches durch schmiedeeiserne Balkongeländer und kunstvolle Erker ergänzt wird.
Die Kathedrale St. Stanislaus sticht mit ihrer Optik aus dem allgemeinen Kirchenarchitekturschema heraus. Zuerst steht ihr Glockenturm separat und ist gleichzeitig Aussichtsturm. Dadurch erscheint der dreischiffige Kirchenbau wie ein Palast, oder eher wie ein griechischer Tempel. Die ehemals gotische Kirche besitzt dieses Erscheinungsbild erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Hohe dorische Säulen schmücken den dreieckigen, nach vorne gezogenen Giebel des Eingangsbereiches. Große, in die Wand eingelassene Statuen von kirchlichen Vertretern sind im griechischen Stil gearbeitet. Die ganze Kathedrale ist strahlend weiß. Im Inneren ist die Kathedrale eher schlicht. Ein Tonnengewölbe wird von dicken quadratischen Pfeilern gestützt.

im Stadtteil Senamiestis

Um zurück zum Parkplatz zu kommen, spazierten wir am 130m langen, leicht gewölbten Gebäude des Nationalmuseums entlang. Dahinter erhebt sich der Burgberg. Die Burg wurde abgetragen, aber ein Wehrturm steht noch. Anscheinend wird daran gearbeitet, die Burg wieder zugänglich zu machen.
Am Ufer der Neris entlang kommt man bald zu einer kleinen Brücke über die Vilnia, die hier in die Neris mündet. Jetzt muss nur noch der Berg zum Parkplatz erklommen werden.
Vilnius hat uns mit seiner Vielfalt überrascht. Es ist eine interessante und junge Stadt, wofür auch die Universität sorgt.

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