A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Archiv für den Monat “Juli, 2024”

Saltstraumen

Bald ein Muss, wenn man durch Norwegen tourt, ist der Besuch des Saltstraumen. Vor 22 Jahren hatte uns dieser Gezeitenstrom schon beeindruckt. Er gilt als der größte Gezeitenstrom der Welt. Er ist Vorbild des Malstroms, der in verschiedenen Geschichten auftaucht, wie z.B. bei Odysseus.

Alle sechs Stunden strömen 400 Millionen Kubikmeter Wasser bei Ebbe seewärts, bei Flut landwärts unter der hohen Saltstraumenbrücke hindurch. Da sich das Gewässer unter der Brücke sehr verengt, und das Flussbett dazu noch relativ flach ist, wird das Wasser bei den Gezeitenströmungen mit einer Geschwindigkeit bis zu 20 Knoten (37 km/h) dort durchdrückt. Dabei entstehen gewaltige Strudel, die einen Durchmesser bis zu zehn Metern haben können. Das Schauspiel ist einfach nur gewaltig. Man kann sich das Spektakel hoch oben von der Brücke aus ansehen, oder man steht direkt am Ufer. Am besten sieht es bei Sonnenschein aus, denn dann sind die weißen Strudel in dem blauen Wasser ein schöner Kontrast. Im Hintergrund erhebt sich eine Bergkette mit spitzen Gipfeln, und im Grün der Ufer stehen vereinzelte Hütten. Das Ganze ergibt ein traumhaftes Bild.

Manche Angler ziehen richtig große Fische aus dem Wasser, denn durch die starke Strömung finden die hier viel Nahrung.

Etwas abseits steht das Königsdenkmal auf einem Hügel. Es wurde im Juni 1873 zum Anlass des Besuches des norwegischen Königs Oscar II. errichtet. Seither waren 1926 und 1982 weitere zwei norwegische Könige hier. Die Daten sind in der Säule eingraviert. Von hier oben hat man noch einmal einen schönen Blick über die gesamte Brücke mit der Bergkette im Hintergrund.

Übernachtet haben wir auf dem Saltstraumen-Campingplatz. Mit Strom kostet er 45,-€, aber dafür ist alles vom Feinsten. Die allermeisten Stellplätze besitzen sogar Holzterrassen für komfortables Sitzen.

Mo I Rana und das Saltfjell

Schon wieder steigt die E6 in die Höhe, wenig aber stetig. Kurz vor Korgen fuhren wir durch den mit 8,6 Kilometern bisher längsten Tunnel.
Mo I Rana ist die letzte Stadt vor dem Polarkreis und lockte uns mit dem „Hafenmann“, der nahe am Ufer im Finnelappefjord steht. Die Promenade lockt mit vielen Sonnenliegen und Sitzmöglichkeiten zum Verweilen ein, zumindest bei schönem Wetter. Wir mussten uns warm anziehen, denn es ist Anfang Juli kalt und regnerisch.

Deshalb steuerten wir das Zentrum an, wo der Wind etwas gebremst wird. Eine Altstadt konnten wir nicht finden, alles ist neu und das meiste sind eigentlich Einkaufsmöglichkeiten.
Am südlichen Ende der Stadt stehen einige kleinere Schanzen am Hang. Auf dem großen Parkplatz kann man für 3,-€ vierundzwanzig Stunden stehen. Bis in die Stadt ist es nicht weit.

Mo i Rana ist die Stadt der Kreisverkehre, keine Kreuzung, nur Kreisverkehre.
So fuhren wir weiter, in Richtung Polarkreis. Zuvor kann man der Stjernen Kunst- und Silber-Galerie zwischen Eiteråga und Dunderland einen Besuch abstatten. In einer kleinen alten Holzhütte der einheimischen Sami sind verschiedene Kunst- und Gebrauchsgegenstände ausgestellt. Dazu wird in einer Werkstatt traditioneller Silberschmuck hergestellt und verkauft. Die Stücke werden auf verschiedenen Natursteinplatten ausgestellt, die dazu noch mit naturbelassenen Halbedelsteinen dekoriert werden.

In der Hütte ist nicht viel Platz, aber wenn man bedenkt, dass das alles in den langen kalten Wintern mit einem Kamin beheizt werden muss, dann ist das gerade richtig.

Immer weiter geht die Fahrt bergauf, bis man auf 662m Höhe zum Polarkreis kommt. Die Landschaft ist schon tundraverdächtig. Trotzdem das Saltfjell, auf dem man sich hier befindet, nur auf knapp 700 Metern liegt, ist es richtig kalt. Vom großen Parkplatz aus liegen links zwei höhere Berge, vor dessen Kulisse das wunderschön gestaltete Gebäude des Souvenirshops steht. Hier waren wir auch schon 2002, nur sah es damals noch ganz anders aus, und es war noch nicht so viel Betrieb. Das Shopgebäude stand da schon, aber der Parkplatz wurde neu gestaltet und das große Denkmal zum Polarkreis war noch nicht vorhanden. Wenigstens regnete es heute nicht, nur die Wolken hängen tief.

Auf den Hügeln neben dem Parkplatz bauten die Leute jede Menge Steinmännchen. Leider benutzten sie dafür viele Steine, die zu heiligen Stätten der Sami gehörten und zerstörten sie damit. Das Bauen von Steinmännchen ist deshalb heute hier verboten.

Folgt man der E6 nun weiter, gelangt man zum höchsten Punkt des Saltfjells, der auf 692 Metern liegt. Von nun an geht es wieder nach unten, manchmal sogar recht steil. Rechts neben der Straße bahnt sich ein genauso steil bergab fließender Fluss in einem Felsbett, welches spektakuläre Bilder bietet. Das Wasser ist glasklar, wie in allen Gebirgsflüssen in Norwegen.

Kurz bevor die Straße 77 nach Osten abbiegt, fanden wir einen wunderschönen Rastplatz am Innervatnet. Nachdem wir nun jeden Tag unterwegs waren, verbrachten wir hier zwei Nächte. Einen besseren Platz kann man nicht finden. Er liegt im Grünen, von der Straße weg, an einem See und mit einem auf blanken Felsen liegenden Picknickplatz.

Rechts und links steigen Berge auf. Zudem fanden wir hier zwei Dinge, die wir noch nie vorher gesehen haben: Moltebeeren, leider noch nicht reif, und einen Singschwan, der am Abend auf dem See seine Runden drehte. Er rief immer wieder nach Gesellschaft, legte sogar ein Nickerchen ein. Als keine Gesellschaft kam, wurden seine Rufe traurig und er flog davon. Das ist echte norwegische Wildnis.

Einen Elch allerdings konnten wir noch nicht sichten, obwohl überall an der Straße vor Elchübertritten gewarnt wird. Da hat man wohl zu dieser Jahreszeit und bei dem Betrieb keine Chance.

Mosjøen

Wir befinden uns wieder auf Meereshöhe, am Ende des Vefsnfjordes. Mosjøen liegt im Bezirk Helgeland und besitzt die längste, noch intakte Holzhaussiedlung in Nordnorwegen. Sie ist der Rest der Altstadt Sjøgata und wirklich einen Besuch wert. Die vorderen zwei Reihen, die direkt am Fjord liegen, und ein paar Häuser weiter hinten, stammen aus dem 19. Jahrhundert und sind liebevoll restauriert und instandgehalten. Die Häuser der ersten Reihe wurden teilweise auf Stelzen fast ins Wasser gebaut.

Sjøgata entstand als Handelspunkt zwischen den Bewohnern an der Küste und denen im Hinterland. An der „Seestraße“ wurden inzwischen viele Cafés, Restaurants und Galerien eingerichtet. Außerdem gibt es jedes Jahr viele kulturelle Veranstaltungen. Man kann Bootstouren unternehmen, am Strand baden gehen, wenigstens die, die ein dickes Fell haben, oder in den Bergen wandern gehen.

Die alte Shell-Tankstelle aus dem Jahre 1933 besitzt die typische Architektur der Zeit. Sogar die Glasaufsätze an den alten Tanksäulen sind noch da. Benutzt wurde die Tankstelle bis 1954. Danach nutzte man sie als LKW-Station bis 1980. Heute ist das Vefsn-Museum darin untergebracht.

Leider werden gerade viele Straßen durch die Altstadt erneuert, aber es macht trotzdem Spaß, darin spazieren zu gehen.
Mit Erstaunen stellten wir fest, dass die Schneereste hier bis auf zweihundert Meter herunter reichen.

Namsdalen

Langsam wird Norwegen schmal und der allermeiste Verkehr läuft nun über die E6, was deutlich zu merken ist. Dafür gibt es nicht mehr so viele Berg- und Talfahrten. Wir kommen gut voran und auch die Tankfüllung hält wesentlich länger.

Um die 150 Kilometer fährt man nun durch das Namstal, immer am Fluss entlang, durch eine gemäßigte Berglandschaft. Nur drei Gebiete sind so hoch, dass dort noch immer Schneereste liegen. Es muss in diesem Jahr wirklich viel geschneit haben in Norwegen, so wie es in Deutschland unverhältnismäßig viel geregnet hat in diesem Winter.

Die Ortschaften werden weniger, die Servicestellen für Wohnmobile ebenfalls, wie auch die Tankstellen. Außerdem wird in weiten Teilen eine neue E6 gebaut, da die aktuelle auch hier nicht mehr den Anforderungen entspricht. Die neue E6 hat wesentlich weniger Kurven.
Der Straßenbau in Norwegen muss Milliarden kosten, wenn man sieht, wie Berge weggesprengt werden, Steinbrüche angelegt werden und Material bewegt wird. Einen Vorteil gibt es allerdings: das Material kommt aus der Umgebung der jeweiligen Baustelle, denn es ist überall vorhanden. Zudem fällt viel Material beim Tunnelbau an, welches beim Straßenbau weiterverwendet wird.

Kurz vor Fiskem kamen wir am Namsen Laksakvarium vorbei. Dieses hatten wir vor 22 Jahren schon besucht. Nur ein paar Kilometer weiter erregte ein Stauwerk unsere Aufmerksamkeit und wir hielten an, um uns das anzusehen. Es ist das Øvre Fiskumfoss Kraftwerk. Es wurde an einer Stromschnelle errichtet. Ein Teil des ankommenden Wassers wird durch eine Staustufe reguliert, der andere Teil dient der Stromerzeugung. Es fließt gerade sehr viel Wasser durch die Flüsse Norwegens, so dass die Strömung enorm ist. Die zwei Tore der Staustufe öffnen und schließen sich ohne Vorwarnung automatisch, je nach dem, wie viel Wasser ankommt. Deshalb ist der Aufenthalt in diesem Bereich weiträumig verboten. Eine Hängebrücke überspannt den Fluss, so das man sich alles gut ansehen kann.

Zwischen Smalåsen und Majavatn verläuft die Grenze zwischen Mittel- und Nordnorwegen. Hier hat man zwei Bögen aus Holz errichtet, die man mit einem künstlerisch gestalteten Nordlicht versehen hat. Darunter steht „NordNorge“. Daneben steht ein Souvenirshop, dem ein großer Parkplatz angeschlossen ist. Leider beginnt direkt dahinter schon wieder eine Baustelle, so dass der Übergang zur Zeit etwas verunstaltet wird.

Trondheimfjord

Immer weiter folgen wir der E6. Trondheim selbst hatten wir schon auf unserer Norwegentour 2002 besucht, deshalb fuhren wir an der Stadt vorbei.

Bei Skogen bogen wir zur Alstadhaug-Kirche ab, die hoch auf einem Hügel am Trondheimfjord liegt. Schon in grauer Vorzeit sollen hier kleinere Kirchen gestanden haben. Das heutige Kirchenschiff wurde 1150-80 erbaut. Später folgten Anbauten wie das Oktagon, in dem heute der Altar steht, um 1250, die Sakristei um 1500 und die Taufkapelle um 1640. Zum Teil wurden in der neuen Kirche Steine aus den Vorgängerkirchen verwendet.

Am Bogen vor dem Oktagon sind noch originale Fresken zu sehen, die um 1250 entstanden sein sollen. In der Decke des Oktagons sind weitere Fresken zu sehen, in den Fensternischen sollen einmal die Apostel dargestellt worden sein. Davon sind jedoch nur noch winzige Reste zu erkennen.

Die Kanzel stammt aus dem Jahre 1626 und das Taufbecken aus dem Jahre 1650.

Zur Kirche gehören noch der Pfarrhof und die „Ammenstube“. Die „Ammenstube“ diente wahrscheinlich als Gästehaus und stammt aus dem 17. Jahrhundert. Hier wurden die von weither angereisten Gäste mit ihren zu taufenden Kindern untergebracht.

Gleich neben der Kirche, auf dem gepflegten Friedhofsgelände, erhebt sich der größte Grabhügel Mittelnorwegens. Der Sage nach soll in heidnischer Zeit ein Gaufürst, also Gebietsvorsteher, hier begraben worden sein.

Auf dem Parkplatz an der Kirche legten wir mit Blick auf den Ort Levanger, der am anderen Ufer eines Nebenarmes des Trondheimfjordes liegt, eine Kaffeepause ein.

Das nächste Ziel liegt in Steinkjer. Gleich neben dem Tingvold Park-Hotel ist der Rest eines Wikingergrabes zu sehen. 38 Steine sind in Form eines Schiffes angeordnet. Ursprünglich waren es 45 Steine, die ein 40m mal 9m schiffsförmiges Areal umrissen. Diese Grabstätte war ein Teil von zwanzig solcher Grabanlagen, die sich entlang des alten Königsweges befanden.

Die Grabstätte in Steinkjer war einst viel größer und umfasste mehrere Grabanlagen/Grabhügel in verschiedenen Formen. Davon ist jedoch nichts mehr übrig, bis auf diese 38 Steine, die man heute noch sieht.

Steinkjer liegt am Ende des Beitstadfjordes, der ein Nebenarm des Trondheimfjordes ist. Unterhalb der Steinkjer-Brücke liegt die kleine Insel (Holmen). Hier steht ein Denkmal für die Lachsfischer aus früheren Zeiten. Sie versenkten große, mit Steinen gefüllte Holzkästen im Fluss, die sie mit Stegen verbanden. An diesen befestigten die Fischer Netze, mit denen sie die Fische fingen. Diese Steinkästen waren dann auch namensgebend für die Stadt.

Auf dem Holmen wurde ein kleiner Park mit Picknickecke eingerichtet. Hier kann man gut entspannen.

Leider erfuhren wir zu spät vom größten Gartenstuhl der Welt, dem Skotvoldgruva, der östlich von Steinkjer auf einem Berg steht. Nach den Bildern, die wir fanden, ist es ein Adirondak-Stuhl, benannt nach dem gleichnamigen Gebirge in den USA. Ich liebe diese Stühle, die wir dort kennen gelernt hatten. Sie sind so bequem und sehen super aus. Keine Ahnung wie groß dieser Riesenstuhl insgesamt ist, aber nach dem Foto ist allein der Abstand zwischen dem höchsten Punkt der Sitzfläche bis zur Armlehne über einen Meter hoch.

Dovrefjell

In Otta kamen wir auf die Fernstraße E6, der wir nun nach Norden weiter folgen. Kurz vor Dombås steigt die Straße, die sich seit dem Ottatal auf gut 300 Höhenmetern befindet, auf zwölf Kilometer stetig bergan. So gelangt man auf die Hochebene Dovjefjell. Die Straße liegt hier zwischen ca. 900 und über 1000m Höhe.

Auf dem Rastplatz Storrhusranden hielten wir zum ersten Mal. Dort steht auf dem Rullesteinen eine Aussichtsplattform, von der aus man einen tollen Rundumblick über das Dovrefjell hat, mit seinen Seen, weiten Flächen und den mit Schneeresten geschmückten Bergen. Allerdings lag die Temperatur bei unserem Aufenthalt gefühlt knapp über dem Gefrierpunkt. Vor allem der Wind blies kalt.

Am Aussichtspunkt hängt ein Plakat, auf dem vom 20. Juni bis 20. August für allabendliche Moschusochsen- und Elchsafaris geworben wird. Unseren Nachforschungen zufolge kosten solche Safaris zwischen 50,- und 70,-€. Wir wollten uns hier jedoch nicht länger aufhalten, dafür war es einfach zu kalt.

Den nächsten Stopp legten wir am Botanischen Garten Kongsvoll ein. Am Hang des an den Parkplatz grenzenden Berges wurde ein alpiner Garten angelegt, mit Holzstegen, Wegen und einem steil bergab fließenden Bach. Die allermeisten Pflanzen sind nur wenige Zentimeter hoch, die Schilder mit den Nahmen der Pflanzen stecken in der Erde. Man muss sich also alle Nase lang bücken. Trotzdem ist der Garten sehr interessant, denn man findet genau die Pflanzen, die überall auf den Hochebenen wachsen.

Am hinteren Ende des Botanischen Gartens sind Türen in den Zaun eingelassen, durch die man einen Pilgerpfad erreicht. Über Stock und Stein führt der Pfad zum Teil über Bäche durch die Hochebenenwildnis. Die Bäume sind klein und überall hat man schöne Aussichten. Ein Besucher hat geschrieben, dass man nur lang und weit genug wandern muss, um fast garantiert Moschusochsen zu sehen. Ein ganz und gar kostenloses Vergnügen, man muss nur Zeit mitbringen und wirklich gut zu Fuß sein.

Was uns sehr wundert: es fahren Züge über das Dovrefjell. Die haben eine genauso steile An- und Abfahrt wie die Auto´s. Sind da Strecken mit Zahnradantrieb dabei?
Noch etwas fällt auf. Das ganze Gebiet besteht aus Schiefer, in vielen Farben: weiß, grau, grün und manchmal sogar rot. Auf dem Weg abwärts Richtung Norden gibt es viele Schieferabbaubetriebe. Sie stellen z.B. große Terrassenplatten her, aber auch Schieferplatten für Dächer. Wir haben ein Haus mit Nebengebäuden gesehen, welches mit bunten Schieferplatten gedeckt ist. Das sieht echt gut aus.

Den letzten Stopp machten wir am Mågålaupet. Das ist eine Engstelle im Fluss, die wirklich sehenswert ist. Das Wasser zwängt sich hier durch enge Felsspalten. Man kann sich das über die Felsen kletternd ansehen, oder man läuft den kleinen Trampelpfad entlang. Rafting ist an dieser Stelle jedenfalls ausgeschlossen. Das Schauspiel ist einfach nur gewaltig.

Bis Oppdal geht es dann immer weiter bergab, wieder kilometerweit.

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