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Reisen rund um die Welt

Archiv für den Monat “Dezember, 2024”

Panoramastraße Alghero nach Bosa

Es ist wirklich eine wunderschöne Tour. Hinter jeder Kurve eröffnet sich eine neue Aussicht. Die Straße führt einmal auf Meereshöhe, dann wieder auf einer Höhe zwischen 200 und 300 Metern.

Wir hatten ja schon in der Kathedrale von Alghero von dem Lavagestein Trachyt gehört. Kurz hinter Alghero, bis nach Bosa, besteht fast die komplette Landschaft aus Trachyt. Vielerorts ist aber auch die bekannte normale Lava zu erkennen, in mehreren Schichten und verschiedenen Varianten. In den Trachytströmen sind auffallend viele Grotten, Höhlen und Lavatunnel zu sehen. Hier und da liegen Lavablasen offen. Das ist einfach nur sehr interessant und herrlich anzusehen. Einige rundgeschliffene Trachythügel liegen an der Küste entlang verteilt.

Auf der zweiten Hälfte der Tour nach Bosa befinden sich mehrere kleine und uralte Bauernhöfe, die Viehwirtschaft betreiben. Das Gelände sind teilweise so steil, dass die Schafe unbedingt schwindelfrei sein müssen.

Auf dem Parkplatz Su Ferru de Su Caddu machten uns dann ein paar Gänsegeier ihre Aufwartung. Majestätisch zogen sie ihre Kreise über uns und die Küste. Viele Teile der Landschaft an der Panoramastraße sind Naturreservate, so dass die Geier ungestört sind. Das war eine tolle Überraschung, denn mit ihnen hatten wir nicht gerechnet.

Den Tag beendeten wir in Bosa Marina, dem jetzt fast ausgestorbenen Küstenort der Stadt Bosa. Er gruppiert sich um einen großen halbmondförmigen Sandstrand, an dessen Ende ein runder Turm steht. Dahinter hat der italienische Zoll den Rest der Mole abgesperrt.

Die Lieblingsbeschäftigung der Einheimischen am Abend ist Sonnenuntergang gucken. Auf dem großen Platz südlich des Strandes stehen viele Bänke, die dann fast alle belegt sind. Leider gab es heute keinen spektakulären Sonnenuntergang, aber er war ganz nett.

 

Alghero

Da kommt uns aber etwas spanisch vor! Alghero soll die schönste Stadt Sardiniens sein. Das können wir nicht beurteilen, der Besuch der Altstadt und der Promenaden, die sich zu beiden Seiten daran anschließen, ist schon ein Erlebnis.

Vierhundert Jahre lang hielten die Spanier ihre Hand über der Stadt, und das ist teilweise noch an den Pflasterungen der Altstadtgassen und an architektonischen Details zu sehen. Alghero wird zu den beiden Seiten, die dem Meer zugewandt sind, immer noch von einer großen und dicken Stadtmauer umgeben. Einige runde Türme ergänzen diese. Durch mehrere Stadttore gelangt man in die historische Altstadt.

Man kann die Altstadt auf der Mauer entlang erleben oder man spaziert durch die engen und dunklen Gassen. Durch das Laufen auf dem Kieselpflaster ist es allerdings etwas schwierig, sich rechts und links umzusehen.

Viele kleine Läden laden zum Bummeln ein. Mehrere Kirchen und die Kathedrale lockern das Bild auf, ebenso wie die kleinen Plätze, die in dem Gewirr der Gassen zu finden sind.

Die Kirche des Heiligen Michael glänzt mit einer großen Kuppel, die mit bunt lackierten Dachziegeln gedeckt ist.

In der Kathedrale dominiert grauer Trachyt, ein Vulkangestein, welches aus einiger Entfernung wie Kalkstein aussieht. Einzelne Elemente, wie die Kanzel und der Altarraum, bestehen aus Marmor, der mit Marmorintarsien belegt ist. Diese stammen aus dem 12. Jahrhundert.

Der heutige monumentale Eingang ist klassizistisch und stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Die Aussicht von der westlichen Stadtmauer aus ist wunderschön. Gegenüber sind die hohen Klippen des Capo Caccia zu sehen. Auf der Mauer stehen mehrere Katapulte aus grauer Vorzeit, und einige verrostete Kanonen aus etwas jüngerer Zeit.

Am Südende, vom Torre de l`Espero Reial, einem Rundturm aus, beginnt eine Promenade mit vielen Sitzgelegenheiten und einem wunderbaren Blick auf die Sonnenseite der Altstadt Algheros.

Auffallend sind hier die Bäume. Sämtliche Äste sind grün, gleichen zum Teil entfernt Kakteenblättern. Der Stamm ist eher Palmholz. Es handelt sich hier um Korallenbäume, die wunderschöne große, rote Blüten hervorbringen. Leider ist es jetzt gerade nicht die Zeit für diese Blüten, aber einzigartig sehen diese Korallenbäume doch schon aus.

Beim Spazieren gehen trafen wir auf ein Restaurant, in dem Spanferkel angeboten wird. Das ist etwas, was ganz und gar sardisch ist und man auf jeden Fall probiert haben sollte. Der Kellner machte auch gleich das Angebot, dass wir uns eine Portion teilen könnten, dazu Kartoffelspalten und ein Gläschen Prosecco. Wir nahmen in der ersten Reihe, mit Blick auf das Meer, Platz. Das Spanferkel war vom allerfeinsten, wunderbar zart mit knuspriger Schwarte. Vier Stunden hat es im Ofen gegart. Die Portion (25,-€) war so reichlich, dass wir beide davon satt geworden sind. Der kühle Prosecco passte sehr gut dazu.

Alghero Umgebung

Zehn Kilometer nördlich von Alghero ist die Nekropole Anghelu Ruju zu finden und zu besichtigen. Mit 38 Gräbern ist sie die größte Nekropole Sardiniens. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckten die Gründer des ganz in der Nähe liegenden Weingutes Sella & Mosca beim Abbruch von Kalksteinen für ihre Wohnhäuser die Nekropole. Von 1904 bis 1908 fanden dann erste Ausgrabungen statt, gefolgt von weiteren in den 30er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Dabei wurden Mehrkammergräber und Korridorgräber gefunden, meist über Treppen erreichbar. Die maximale Zahl der Grabkammern in einem Grab beträgt elf. In einigen Gräbern sollen Dekorationen in Form von Stierköpfen angebracht sein, aber solche haben wir nicht gefunden. Die Eingänge zu den Grabkammern sind sehr klein und oft schwierig zu erreichen. Die Bestattung muss bei der Größe der Zugänge und Kammern doch recht anstrengend gewesen sein. Zumindest war die Anlage der Grabkammern in den weichen Kalkstein nicht so schwer.

Auf Tafeln gibt es zu jedem Grab einige Informationen über Form und Zeitraum der Entstehung. Die ältesten Gräber sollen von der Ozieri-Kultur zwischen 4200 und 3300 v.Chr. erschaffen worden sein, manche werden ein- bis zweitausend Jahre jünger datiert.
Der Eintritt kostet 5,-€ pro Person.


Nur ein paar hundert Meter weiter befindet sich das schon erwähnte Weingut Sella & Mosca, das Älteste auf Sardinien. Das Weingut wurde 1899 von zwei Abenteurern aus dem Piemont in Norditalien gegründet. Die beiden waren der Ingenieur Sella und der Anwalt Mosca.
Sie machten dieses Land fruchtbar, aber es dauerte 35 Jahre, bis sie richtig guten Wein produzieren konnten. Der alte Weinkeller stammt aus dem Jahre 1903. In den wurden riesige Tanks aus Beton eingebaut, die die kompletten Längswände bedecken. Diese werden heute kaum noch genutzt, nur für Weine, die speziell werden sollen.

Die Ernte der Trauben erfolgt von Anfang August bis Anfang Oktober, per Hand oder Maschine. Der Erntezeitpunkt wird davon bestimmt, wie viel Süße die Weine am Ende haben sollen. Alles ist genau ausgeklügelt. Der Traubensaft reift entweder in Edelstahltanks oder in den Betontanks, später wird der Wein in Fässer abgefüllt. Die allermeisten Fässer sind aus französischer Eiche und fassen 225 Liter. Sie werden nur fünf bis sechs Jahre genutzt. Die Franzosen meinen, dass darin die besten Bedingungen für die Weinreife vorhanden sind. So wird die Tradition in diesem Sinne heute noch weiter geführt.

Im alten Keller lagern aber auch sehr alte, viel größere Fässer, die bis zu neunzehntausend Liter fassen.

Im Boden des alten Kellers ist ein Zugang zu einer Art Zisterne. Das Wasser darin kommt aus dem Untergrund des Marschlandes, auf dem das Weingut steht, aber auch aus Quellen der nahe gelegenen Berge. Es ist sehr klar und sauber und hat Trinkwasserqualität, allerdings mit einer leichten Salznote. Früher kühlte man den Keller mit diesem Wasser, heute bewässert man die Weinberge damit. Die umfassen insgesamt 500 Hektar. Davon entfallen 350 Hektar auf die Region Alghero und 150 Hektar befinden sich in der Region Gallura, um Tempio herum, im Nordosten Sardiniens.

Produziert werden Weißweine, Rotweine und ein Spumante-Rosé-Perlwein. Die Spezialität des Weingutes Sella & Mosca ist der Anghelu Ruju, ein Dessertwein, der sehr dem Portwein ähnelt. Ihm fehlt jedoch der kleine Anteil Cognac, der die Portweine auszeichnet. Für diesen Wein werden die Trauben geerntet und zwei bis drei Wochen unter dem Rebstock zum Trocknen liegen gelassen. Dadurch wird ihnen das Wasser entzogen und die große Süße entsteht beim Keltern. Während die meisten Weine von Stella & Mosca zwischen 11 und 13,5 Volumenprozent Alkohol haben, besitzt der Anghelu Ruju ganze 19%. Dieser Wein ist genau unser Ding.

In dem alten Wohnhaus des Marquise de Villamarina, der aus der Lombardei stammte und einen großen Anteil am Entstehen des Weingutes hatte, befindet sich jetzt ein Lager für die langfristig reifenden Weine. In den Nischen der Räume sind die Weinflaschen direkt aufeinander gestapelt, in fünf Reihen hintereinander. Die Weinflaschen stabilisieren sich dadurch selbst. Sollte einmal eine Flasche kaputt gehen, würde das eine Kettenreaktion auslösen. Unter anderen guten Tropfen lagert auch der Anghelu Ruju dort. 4333 Flaschen, eingestaubt, für das Entstehen eines besonderen Aromas, lagern dort seit 1979. Am Ende einer 60 bis 70 Jahre währenden Lagerzeit wird eine Flasche mehrere hundert Euro wert sein. Zur Zeit kostet eine Flasche über 100,-€.

Woher wir das alles wissen? Wir buchten eine zweistündige Führung mit anschließender Verkostung von drei verschiedenen Weinen, zu denen eine Platte mit regionalen Produkten gereicht wird. Darauf sind Schinken, Salami, zwei verschiedene Pecorinokäse und zwei Marmeladen aus Myrte mit Apfel bzw. Feigen. Die Führung kostet 35,-€ pro Person, die sich jedoch lohnen. Wir bekamen sogar eine Privatführung, weil zu dieser Jahreszeit nicht viel los ist.

Noch ein Wort zu den Reben, die auf dem Weingut hauptsächlich angebaut werden. Die Sorten heißen Vermentino, Cannonau und Torbato, von denen wir vorher noch nie etwas gehört haben. Cabernet Sauvignon wird als Begleitrebe für verschiedene Weine ebenfalls angebaut.

In der Nekropole Anghelu Ruju, die übrigens auch zum Eigentum des Weinkellers Sella & Mosca gehört, hatten wir ein Kombiticket gekauft, in dem der Besuch der Nuraghe di Palmavera enthalten ist. Dadurch spart man 2,-€ pro Person, denn der Eintritt in die Nuraghe kostet normalerweise 5,-€.

Die Nuraghen sind antike Turmbauten, die von der Bonnanaro-Kultur vor gut 4000 Jahren begonnen und später vom Nuraghenvolk fortgeführt wurden. Ist man auf Sardinien kommt man an den Nuraghen nicht vorbei. Es soll mehrere Tausend auf der Insel davon geben. Die kleinsten bewachten wohl einen Kilometer Land um sich herum, andere sind wesentlich größer. Von den allermeisten Anlagen ist kaum noch etwas zu sehen. Einige wenige vermitteln einen Eindruck davon, wie solch ein Nuraghendorf aufgebaut war.
Die Nuraghe di Palmevera bestand einmal aus zwei Türmen, den Grundmauern eines Versammlungsraumes und 50 runden Wohnhütten drum herum. Die ganze Anlage war von einer Wehrmauer umgeben, die hier jedoch nicht sichtbar ist. Alles wurde mit großen Kalksteinblöcken gebaut. Die Nuraghentürme besaßen jeweils eine gemauerte Kuppel.

Reste von Dekorationselementen, Kochmulden oder einem Sessel machen die Ausgrabungsstätte noch interessanter.

Folgt man der Straße weiter Richtung Westen gelangt man zum Capo Caccia mit der berühmten Neptunsgrotte. Das ist eine Tropfsteinhöhle in einer sehr hohen Klippe. Sie soll nicht die schönste Höhle sein, aber der Zugang ist spektakulär. Über 650 Stufen steigt man hinab zur Höhle. Wir ließen den Besuch aus.

Auf dem Weg liegt dann noch die Stadt Fertilia, Dort stehendie Reste, knapp die Hälfte, einer alten römischen Brücke, die einmal 24 Bögen aufwies.

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