A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Vila Nova de Milfontes

Auf Empfehlung eines Bekannten, der schon viele Winter hier verbringt, mieteten wir uns für einen Monat auf dem Campingplatz Milfontes ein. Es ist ein ACSI-Platz für 19,-€ am Tag. Bleibt man einen Monat bekommt man 30% Rabatt. Es ist ein großer Campingplatz mit ausreichend Platz im Winter, allerdings sind die sonnigen Plätze rar gesät. Nach einer Woche Aufenthalt auf einem grünen, aber recht schattigen Platz, wechselten wir auf einen recht freien Platz, auf dem die Sonne länger am Tag scheint. Durch die vielen Bäume, die im Sommer sicher sehr hilfreich sind, hat aber jeder Platz ein tägliches Sonnendefizit.

Der vordere ältere Teil des Campingplatzes ist mit Kiefern bewachsen, der hintere jüngere Teil mit Eukalyptus. Wir finden Eukalyptusbäume spannend, müssen aber inzwischen feststellen, dass sie sehr viel Arbeit machen. Ständig fallen Rindenstücke, Blüten und Samenkapseln herunter. Die Angestellten des Platzes haben jeden Tag zu tun, den Boden sauber zu halten.

Vila Nova de Milfontes liegt an der südlichen Atlantikküste Portugals, direkt an der Mündung des Flusses Mira. Der kleine Erholungsort zählt zu den schönsten Plätzen an der Westküste Portugals, nicht zuletzt, weil die ruhige Flussmündung direkt an der rauen Atlantikküste liegt. Die beiden Gegensätze sind sehr spannend. Ebbe und Flut tragen ihren Teil dazu bei. Wenn die Gezeiten ihren Höhepunkt haben drängt sich das Wasser durch die schmale Mündung des Flusses hinaus oder hinein. Dazu ist das typische Gezeitengeräusch deutlich zu hören.

Bei Ebbe liegen die Sandbänke, die sich im Fluss gebildet haben, frei. Die Flussufer sind sandig, in Milfontes lädt ein Strand zum Verweilen ein. Er breitet sich von der kleinen Burg bis zu einer Felsnase aus, die den Übergang zum Atlantik kennzeichnet. Insgesamt ist das ein sehr beeindruckendes Bild, vor allem, wenn die Sonne scheint.

Etwas weiter im Landesinneren ist die Brücke zu sehen, über die wir nach Milfontes gekommen sind.

Direkt auf der Ecke zwischen Flussmündung und Atlantik liegt ein Aussichtspunkt, von dem man einen wunderbaren Blick nach allen Seiten hat. In der Mitte des Rondells steht eine Skulptur aus Metallteilen. Im Volksmund hat sie den Namen „blauer Mann“. Eine Beschreibung gibt es dazu nicht, aber der Mann hat offensichtlich eine Verbindung zum Wasser und hebt einen Globus über seinen Kopf, von dem ebenfalls Wasser tropft. Die Skulptur ist sehr gut gemacht und das Blau leuchtet in der Sonne, wenn sie scheint.

Von hier aus sieht man auch, dass sich Milfontes mit Hilfe einer breiten Dünenlandschaft vor den Unbilden des Atlantiks schützt. Deshalb ist der Weg vom Campingplatz zum Strand auch einen guten Kilometer lang.

Die Sanddünen enden an einer sehr attraktiven Steilküste, die wie schon im Doñana-Park vielfarbig sind. Es gibt jedoch einen Unterschied: die sandigen Schichten liegen auf schwarzem Basalt, was sehr überraschend ist. Allerdings haben wir Basaltfelsen schon an der Küste von Zambujeira do Mar gesehen.

Die Steilküste wird noch interessanter, weil sich Felsnasen mit einem langen und mehreren kleinen Stränden abwechseln. In einer der kleinen Buchten liegt noch ein Wrack, von dem aber nicht mehr wirklich etwas übrig ist. Eigentlich sind nur noch der Motor und die Antriebswelle neben einigen wenigen anderen Schiffsteilen übrig. Diese Reste fallen immer schneller zusammen. Das hört man, wenn höhere Wellen gegen die Stahlteile schlagen. Dann scheppert es schon mal. Das Wrack war ein Ausflugsboot, welches in den 1960er-Jahren gestrandet ist.

Aber auch das Städtchen Vila Nova de Milfontes ist sehenswert, vor allem die sehr übersichtliche Altstadt mit den engen Gässchen und ruhigen Winkeln. Es gibt mehrere Zugänge zum Flussufer oder zum Strand. Im Sommer starten Bootsfahrten den Mira hinauf und es gibt eine Fähre auf die andere Seite des Flusses. Ein Fischrestaurant hat auch über den Winter geöffnet.

Oberhalb des Fähranlegers thront das kleine Kastell São Clemente, welches sich jedoch in Privatbesitz befindet.

Gleich daneben breitet sich ein kleiner Platz aus, von den sich ein schöner Blick über den Mira bietet. Auf dem Platz steht ein Denkmal für die Flugpioniere.

Am anschließenden Strand Praia da Franquia können wir die Einkehr in das kleine Restaurant „Quebramar“ empfehlen. Wir haben den „schwarzen Reis mit Meeresfrüchten für 2 Personen“ bestellt und damit eine sehr gute Wahl getroffen. Der Reis ist mit viel echter Tintenfisch-Tinte angemacht, deren Eigengeschmack sehr gekonnt kaschiert wird. Darin befindet sich genauso viel Tintenfisch wie Reis. Gekrönt wird das Gericht von vier Gambas. Das ist echt lecker, dazu kommt die Aussicht auf den Fluss, seine Ufer, den Strand und die Wellen des Atlantiks.

Der größte Teil der Stadt Vila Nova de Milfontes ist recht jung. Die Häuser sind weiß gestrichen und mit zumeist blauen Fenster- und Türrahmen oder dekorativen Elementen verziert. Neben blau werden auch oft Ockertöne, grün oder rosa verwendet.

Vor allem an der Hauptstraße reihen sich viele Geschäfte aneinander. Hier bekommt man alles was man zum Leben braucht. Kleine Lebensmittelläden sind jedoch in vielen Nebenstraßen der Stadt zu finden, so dass der Weg nie weit ist. Die Markthalle hat jeden Vormittag geöffnet, außer montags. Dort werden vor allem frischer Fisch, Obst und Gemüse angeboten, auch einen kleinen Bäcker gibt es.

Direkt neben dem Camping Milfontes stehen Neubauten, die für englische Zugewanderte gebaut wurden. Sie zeichnen sich durch einen viktorianisch angehauchten Baustil aus.

Zum Stadtbild gehören ebenso mehrere kleine Kirchen. Am attraktivsten ist die Igreja de Nossa Senhora da Graça in der Altstadt. Eine relativ neue Kirche mit einem schönen Glockenturm steht in der Nähe des Fußballplatzes, die Igreja de Nossa Senhora de Fátima.

Weil ich gerade beim Fußballplatz bin: in Vila Nova de Milfontes verfolgten wir unser erstes Fußballspiel live. Der Eintritt kostet 5,-€. Wir durften einem Fußballspiel beiwohnen, in dem die heimische Mannschaft Praia Milfontes gegen den Regionalliga-Ersten spielte. Die Zuschauermenge blieb dabei sehr übersichtlich, denn es gibt nicht viele Plätze.

Nach dem Einmarsch der Mannschaften wurde zuerst eine Schweigeminute eingelegt, denn vor wenigen Tagen war ein ehemaliger Trainer verstorben. Zu seinem Begräbnis fanden sich sehr viele Leute ein, als wir zufällig an der Fátima-Kirche vorbei kamen.
Dann startete das Spiel. Mehrere Spieler der gegnerischen Mannschaft waren sehr groß, womit diese scheinbar im Vorteil war. Als es „unserer“ Mannschaft gelungen war, den 1:1-Ausgleich zu schießen, fand sie ins Spiel und gewann am Ende 3:2. Bei jedem Tor der Mannschaft von Milfontes nahm man sich die Zeit eine Siegermusik zu spielen, was sehr emotional war. Im Verlauf des Spiels feuerten die Einheimischen ihre Mannschaft mit lauten Rufen an oder pfiffen die Spieler der gegnerischen Mannschaft bei einem Verstoß aus. Auf jeden Fall verteilte der Schiedsrichter einige gelbe Karten. Das war ´mal ein Erlebnis für uns.

Auf unseren Spaziergängen durch die Natur stießen wir auf zwei Neuigkeiten, die wir noch nie gesehen haben. Gerade fangen Pflanzen an zu blühen, die wir Montbretien aussehen. Bei genauerer Betrachtung stellten wir jedoch fest, dass es sich um Chasmanthe Kobra-Lilien handelt. Es sind zwar beides Schwertliliengewächse, haben aber verschiedene Blüten. Sie wachsen hier an fast jeder Ecke. Der viele Regen der letzten Zeit brachte diese schönen Pflanzen jetzt zum Blühen.

Die andere Neuigkeit sind Iberische Elstern, die wir in dem Waldstück hinterm Campingplatz fanden. Beim Flug sehen sie wie Elstern aus, leuchten aber dabei blau. Sie sind sehr scheu und lassen sich so gut wie nicht beobachten. Nur einmal saß eine Elster so lange auf einem Ast, dass ich sie mit der Kamera einfangen konnte. Leider war sie beim Auslösen schon wieder auf und davon.
Dafür konnte ich einen Wiedehopf mit der Kamera einfangen, der sich ebenfalls dort aufhielt.

Ein Ausflug führte uns zum südlichen, gegenüberliegenden Flussufer der Mira. Kurz hinter dem Picknickplatz, der sich am südlichen Brückenende der Ponte de Vila Nova de Milfontes befindet, von der man übrigens auch einen wunderschönen Blick in Richtung Atlantik hat, ist eine kleine Holztüre in den dort befindlichen Zaun eingebaut. Sie ist leicht zu übersehen und gehört zum Wanderweg „Costa Vicentina“.

Durch einen schönen kleinen Mittelmeerwald mit alten Korkeichen, Myrthesträuchern und gelb blühendem Stechginster erreicht man eine große Ruine, die wohl einmal ein Palast werden sollte, und mehrere kleine Ruinen.

Von hier oben bietet sich ein herrlicher Blick auf die weiße Stadt Milfontes, das kleine Kastell bis hin zum Aussichtspunkt mit dem Blauen Mann. Normalerweise befördert eine kleine Personenfähre die Leute über die Mira, aber jetzt im Winter hat sie wohl den Betrieb eingestellt.

Der Wanderweg führt dann hinunter zum Strand und dem Strandrestaurant „Oasis“. Davor breitet sich ein Strand aus, der sich entlang des Flussufers bis zum Atlantik hinzieht. Unterhalb des Aussichtspunktes ist bei Ebbe zu sehen, wie sich das ablaufende Flusswasser und die Wellen des Atlantiks treffen.

Folgt man dem Strand entlang des Atlantiks weiter nach Süden, trifft man wieder auf Felsenklippen, die sich mit kleinen Strandabschnitten abwechseln. Bei Niedrigwasser kann man dort die ganze Küste weiter zu Fuß erkunden. Man sollte dann nur sehen, dass man bei Flut wieder zurück ist.

Noch eine Empfehlung haben wir. Zirka drei Kilometer nördlich von Milfontes liegt der kleine Fischerhafen der Stadt. Es ist das erste Mal, dass wir den Fischerhafen so weit entfernt einer Stadt sehen. Eine kleine Straße führt dort hin. Bevor sie nach unten zum Hafen führt, befinden sich ein Parkplatz, ein kleines Restaurant und ein Aussichtspunkt auf der Höhe. Sonst existiert dort nichts.

So spazierten wir zum Fischerhafen hinunter. Er ist sehr idyllisch gelegen. Auch hier lädt ein Restaurant zum Essen ein.

Die Steine, mit denen die Mole gebaut wurde, erstaunten uns mit ihrer Farbenpracht.

Im Meer schauen mehrere kleinere Felsen aus dem Wasser. Einer davon besitzt ein Loch, ein anderer sieht wie eine Delfinflosse aus.

Unser Aufenthalt in Vila Nova de Milfontes war eine schöne Gelegenheit die nähere Umgebung etwas intensiver zu erleben. Sie hält einige Überraschungen und wunderschöne Küstenabschnitte bereit. Die anfängliche Feststellung des Reiseführers, dass die Mündung des Mira eine der schönsten Landschaften Westportugals ist, können wir nur bestätigen.

Einzelbeitrag-Navigation

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..