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Reisen rund um die Welt

Aveiro

Die Stadt, nach der die riesige Lagunenlandschaft benannt wurde, liegt im Süden derselben. Neben dem Ria de Aveiro fließen aber auch die Vouga und der Boco River in die Lagune. Zu Römerzeiten hatte Aveiro noch Anschluss an den Atlantik. 1575 lagerte ein Sturm so viele Sedimente vor der Küste ab, dass sich eine Lagune bildete. Damit verlor die Stadt ihre Bedeutung als Handelsort für Salz und Kabeljau, den man vor Neufundland fing. Erst im 19. Jahrhundert durchbrach man die Sandbarriere, so dass der Hafen von Aveiro wieder angefahren werden konnte. Vor allem die Keramikindustrie und Azulejo-Herstellung verhalfen seitdem der Stadt wieder auf die Beine.

Heute wird Aveiro als „Venedig Portugals“ bezeichnet. Mehrere Kanäle durchziehen die Altstadt, über die viele Brücken führen.

Auf den Kanälen fahren die früheren Boote, die das Salz aus den Salinen zu den Abnehmern transportierten, heute Touristen. Eine Rundfahrt kostet 15,-€.

Das Wohnmobil stellten wir auf dem großen Parkplatz zwischen dem Zugbahnhof und dem Busbahnhof ab, wo einige Plätze für Wohnmobile reserviert sind. Von hier aus gelangt man durch eine Unterführung vom Zugbahnhof auf die Avenida Dr. Lourenço Peixinho, die ins Stadtzentrum führt. Die Architektur zu beiden Seiten der Straße stammt aus mehreren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Die bunte Mischung macht den Bummel ganz interessant. Auch eine schöne Villa ist zu sehen.
Die Fußwege sind mit schwarzen maritimen Darstellungen auf weißem Grund gepflastert.

Über die Ponte dos Laços de Amizade überquerten wir den Canal Central. Auf der gegenüberliegenden Seite steht das Einkaufszentrum „Forum“.

Am Ufer des Kanals entlang spazierten wir in Richtung Küste, bis wir auf einen kleinen Hafen trafen, in dem traditionelle Boote liegen. Dort steht auch ein schönes älteres städtisches Gebäude.
Gleich hinter der Erweiterung des Canal Central wurde ein großer Kreisverkehr über den Kanal gebaut. An vier Ecken stehen Skulpturen, die traditionelle Einheimische zeigen.

Nun sind wir auch in der Altstadt von Aveiro angekommen. Schicke traditionelle Häuser schmücken die Gassen. Einige von ihnen wurden im Jugendstil errichtet.

Vor allem das Major-Pessoa-Haus am Moliceiros-Kai ist außergewöhnlich schön. Einst ein Wohnhaus beherbergt es heute ein Jugendstil-Museum.

Auf dem freien Platz am Moliceiros-Kai steht eine Bronzeskulptur von João Afonso de Aveiro. Er steht stellvertretend für die portugiesische Beteiligung an der Entdeckung von Seewegen nach Indien, und Afrikas. Das Denkmal wurde anlässlich des Milleniums von Aveiro 1959 eingeweiht. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem Jahre 959, in Zusammenhang mit der Salzgewinnung.

In direkter Nachbarschaft der Skulptur wurden Grundmauern aus der Römerzeit freigelegt. Wegen des vielen Regens sehen sie gerade wie antike Schwimmbecken aus.

Nun lenkten wir unsere Schritte durch die alten Gassen zum Stichkanal Botirões, in dem weitere der alten bunten Boote liegen. Viele der alten Häuser am Kanal sind bunt bemalt. An der Einmündung des Stichkanals in den Aveiro-Kanal ist die Ponte dos Botirões zu sehen.

Am Ende des Stichkanals befindet sich die Fischhalle aus dem Jahre 1904. Es ist ein leichter transparenter Eisenbau, dessen Architektur von Eiffel beeinflusst wurde. Seit 2014 wird die Halle für bemerkenswerte kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Jetzt war es für uns Zeit für einen Kaffee. Dafür suchten wir uns die Pastelaria Rossio am Canal Central heraus. Neben dem Kaffee probierten wir auch einige Gebäckstücke mit einer orangen Creme. Ohne es zu wissen hatten wir damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Beim Probieren rätselten wir, aus was die Creme bestehen könnte. Der Farbe nach konnten es Möhren oder Kürbis sein, aber vom Geschmack her auf keinen Fall. Auf jeden Fall schmeckte es.

So spazierten wir langsam wieder zurück und besichtigten zuletzt den alten Bahnhof von Aveiro. Wie in Curia ist auch er für den Bahnverkehr stillgelegt, und wird jetzt als Touristinfo und Souvenirverkauf genutzt.

Hier lief ein Video über die Herstellung der lokalen Spezialität „Ovos Moles“, was übersetzt „weiche Eier“ heißt. Die Masse besteht aus Eigelb, Zucker und Wasser. Die Zutaten werden aufwändig vermischt, erhitzt, abgekühlt und gerührt. Heraus kommt das was wir in der Pastelaria probiert hatten. Aha, da wurden wir doch noch erhellt. Durch Zufall trafen wir auf eine lokale Spezialität, die es nur im Raum Aveiro gibt, denn sie kann nicht lange gelagert werden.

Die Eiercreme, deren Rezept aus den Frauenklöstern Aveiros stammen, wird entweder in Waffeln gefüllt, die maritime Motive wie Muscheln oder Schnecken darstellen, oder in kleine Fässchen aus Holz oder Porzellan abgefüllt. Man kann sie für vieles verwenden, wie zum Beispiel in Backwaren. Der Vorteil dieser Süßigkeit: sie harmoniert hervorragend mit dem Wein, der in der Gegend produziert wird.

Aber nochmal zurück zum Bahnhof. Während er im Inneren wenig interessant ist sind seine Außenwände reichlich mit alten Azulejos verziert. Auf einer kleinen Tafel steht geschrieben, dass dies sehr alte Fliesen sind. Sollte jemand auf die Idee kommen, diese zu stehlen, werden die Bilder ins Internet gestellt und damit unverkäuflich.

Am Ende des Cȏjo-Kanals, der die Verlängerung des Canal Central darstellt, steht die alte Keramikfabrik Jerónimo Pereira de Campos. Das imposante Gebäude wurde zwischen 1915 bis 1917 am Rande des alten Töpferviertels errichtet und ist zu einer Ikone des Stadtbildes von Aveiro geworden. Bis 1960 war es die Hauptproduktionsstätte und Motor der lokalen Wirtschaft.
1995 wurde die Fabrik erneuert und fungiert seitdem als Kongresszentrum. Das Institut für Berufsbildung und Ausbildung ist hier ebenfalls untergebracht. Die alten Öfen wurden bei der Erneuerung erhalten und können besichtigt werden.

Der Cȏjo-Kanal diente als Transportweg für die Keramik und Ziegel der alten Fabrik. Das Ende des Kanals, der Cais de Fonte Nova, dient heute als Wendestelle für die Moliceiros, die bunten Boote mit den Touristen.

Am Rande des alten Hafenbeckens stehen auffällige Gebäude wie das moderne Hotel „Melía Ria“, ein „Prachtbau“ aus den 1970er-Jahren und der alte Schornstein der heute nicht mehr existierenden ersten Keramikfabrik.

Im Garten Fonte Nova steht ein Denkmal für die Spezialität Aveiro´s, die Ovos Moles.

Als letztes Ziel in Aveiro fuhren wir noch zu den Salinen. Die Salinen links des Kanals, der hier in den Atlantik mündet, sind die städtischen Salinen. Die werden kaum noch bewirtschaftet. Mehrere kleine Salzbauern verkaufen hier ihr Salz, aber zu sehr hohen Preisen. Ein halbes Kilo reines Meersalz kostet 4,-€.

In den alten Salinenbecken tummeln sich junge Flamingos, Regenpfeifer, Enten und Stelzenläufer.

Auf der Seite gegenüber befinden sich weitere Salinen, die sich hinter einer kleinen Marina ausbreiten.

Dort stehen drei kleine weiße Hütten, die zur Marinha da Noeirinha gehören. Der Verkaufsraum ist reichhaltig ausgestattet. Neben dem reinen Meersalz werden auch Salzspezialitäten, Olivenöl, Ovos Moles und Kunstgewerbe angeboten. Die Preise stimmen auch.

Gleich dahinter liegt ein kleiner Strand mit natürlichem Badebecken, an dem sich die anderen Salinen anschließen, die noch richtig in Betrieb sind und besichtigt werden können. Allerdings ist das jetzt bei den aufgeweichten Böden kaum möglich.

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