Fahrt nach Toul
Das letzte große Ziel in Frankreich, bevor wir unsere Winterreise 2025/26 in Deutschland beenden, lag noch viele Kilometer weit weg. Deshalb fuhren wir an diesem Tag, soweit wir kamen. Wir fuhren durch viele kleine Dörfer, umfuhren die Stadt Auxerre, und konnten die schneeweiße Kirche von Saint-Florentine sehen.

Bei dieser Fahrt fiel uns etwas merkwürdiges auf. In einem Ort hatte man das Ortseingangs- und das Ortsausgangsschild auf dem Kopf stehend angebracht. Ein Scherz, wir wissen es nicht. Aber dann kamen wir durch noch mehr Dörfer, bei denen die Schilder auf dem Kopf stehen. Inzwischen haben wir heraus bekommen, dass es sich dabei um eine Protestaktion französischer Landwirte handelt. Die umgedrehten Schilder zeigen, dass nach Meinung der Bauern „die Politik und der Markt auf dem Kopf stehen“.

Zwischen Auxerre und Troyes weckte ein Turm mit einer Figur auf der Spitze unser Interesse. In Villeneuve-au-Chemin bogen wir zur Kapelle Saint-Joseph-des-Anges ab, die auf einem Hügel steht.
Die Kapelle wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut. Bauherr war der Abt Cardot, damals Pfarrer des Dorfes Villeneuve-au-Chemin, der sie mit seinen privaten Mitteln auf seinem eigenen Land errichten ließ. Die Marienstatue auf der Turmspitze ist sieben Meter hoch, besteht aus Gusseisen und wiegt achteinhalb Tonnen.


Die Kapelle selbst dient heute keinen religiösen Veranstaltungen mehr. Sie wird für gesellschaftliche Ereignisse genutzt. Nur einmal im Jahr, am 1. Mai, werden Pilgerreisen organisiert. Bei unserem Besuch war die Kapelle geschlossen. Vom Vorplatz aus kann man den Blick weit übers Land schweifen lassen.

Hinter dem Kalvarienkreuz, welches sich neben der Kapelle erhebt, ist das Grab des Abtes Cardot versteckt.

Nun fuhren wir weiter, über Troyes und St. Dizier, bis kurz hinter Toul. Zwischen Troyes und St. Dizier stehen viele Fachwerkbauten. Ganze alte Ensemble säumen die Fernstraße.

Unterwegs hatte sich am Himmel eine Rollwolke, oder „Wolkenwalze“, aufgebaut. Solch eine Wolke kannten wir nur aus einer Filmserie im Fernsehen, die an einer Küste spielt. Um so überraschter waren wir, solch eine seltene Wolke mitten auf dem Land zu treffen. Wie wir feststellen mussten, sieht sie nicht nur bedrohlich aus, sondern sie ist ein Zeichen für Gewitter oder Kaltfronten. In unserem Fall hatte sie gerade einen Graupelschauer gebracht. Über alles hatte sich eine dünne Schicht Graupelkörner gelegt.

Endziel für diesen Tag war der Ort Gondreville, östlich von Toul. Zu unserer neuerlichen Überraschung trafen wir hier auf die Mosel, die von Süden kommt und in Toul eine Schleife bildet. Der Fluss hat hier noch die Möglichkeit, sich ungehindert ausbreiten zu können. Weite Auenlandschaften begleiten die Mosel auf ihrem Weg.



