Waren wir von Pergamon schon begeistert, dann sind wir von Ephesus hin und weg. In Ephesus ist so viel erhalten und rekonstruiert, dass man praktisch in der Antike lebt, wären nicht so unglaublich viele Touristen dort unterwegs. Im Minutentakt fahren die Reisebusse vor. Der Eintritt ist nicht günstig, er kostet über 20,-€ pro Person, aber ein Besuch der antiken Stätte lohnt sich auf jeden Fall.
Zuerst einmal: Ephesos steht im Reiseführer, Ephesus steht überall vor Ort, also bleibe ich bei Ephesus. Diese Stadt war einst die Hauptstadt der römischen Provinz Asien. Erste Besiedlungen sind aber schon seit 7000 Jahren nachgewiesen. Vom 3.-1. Jahrhundert vor Christus herrschten die Griechen hier. Als der letzte griechische König von Pergamon starb, übergab er die Stadt laut Testament den Römern, und vom 4.-14. Jahrhundert gehörte Ephesus den Byzantinern. Als der Hafen der Stadt verlandete, er ist heute nur noch auf Satellitenbildern zu erkennen, wurde Ephesus verlassen und verfiel.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts legte man die Ruinen frei und rekonstruierte vieles, so dass sich heute ein ziemlich vollständiges Bild vom antiken Ephesus zeigt. Nur die außerhalb liegenden Bereiche, wie das Hippodrom und ein weiteres Gymnasium sind noch nicht weiter ausgegraben.
Die Ausgrabungsstätte besitzt einen unteren und einen oberen Eingang. Der übliche Rundgang beginnt unten. Damit gelangt man nach dem Theater-Gymnasium direkt zum Großen Theater, welches fast vollständig rekonstruiert ist und 25.000 Besuchern Platz bot. Gleich gegenüber ist die Arkadenstraße zu sehen, einstmals 500 Meter lang, 11 Meter breit. Sie führte direkt zum Hafen hinunter.
Hinter dem Großen Theater führt eine weitere Straße, fast alle Straßen sind mit Marmorplatten gepflastert, zum Marktplatz und zum berühmten Gebäude der Celsus-Bibliothek. Eigentlich ist es ein Ehrengrab für den Vater des Stifters, des römischen Senators Celsus. Deren Fassade wurde aufwändig rekonstruiert und ist weltbekannt.
Rechts daneben schließt sich der Marktplatz an. Folgt man der Kuretenstraße weiter nach oben, kommt man u.a. an mehreren Tempeln, dem Hanghaus, den Nymphaeum und dem öffentlichen Bad mit Latrine vorbei. Die Straßen abseits der Hauptstraßen waren schmal und die Bebauung gewaltig und eng. Wer sich hier nicht auskannte, der hatte sicher so seine Schwierigkeiten mit der Orientierung.
Bevor man die Oberstadt betritt, kommt man durch das Herkulestor. Im oberen Bereich wirkte der Senat. Sein Tagungsort ist zu sehen, davor befindet sich der große Staatsmarkt.
Ganz oben stand eine große Therme. Etwas abseits, dort kommt kaum jemand entlang, steht der große runde Wasserspeicher mit zwei Nebenbecken, von denen die Wasserleitungen in die Stadt abzweigten. Es war also alles vorhanden, was eine richtige Stadt ausmachte.
Bevor wir unser nächstes Ziel Ephesos anfahren, wollten wir kurz vorher noch einmal irgendwo übernachten. Nachdem wir in Teos gestartet waren, fuhren wir die Küstenstraße immer Richtung Kusadasi weiter. Wir waren davon ausgegangen, dass es eine kleinere Straße ist und wir viel zu gucken hätten. Dem ist nicht so, denn die Straße ist in weiten Teilen vierspurig und führt zu allermeist durch bewohnte Gebiete. Kurz vor Ahmetbeyli befindet sich ein großer Platz rechts neben der Straße, von dem aus man einen herrlichen Blick über die Küste hat. Gegenüber ist schon die griechische Insel Samos zu sehen. Auf sie wollen wir bald übersetzen.
Wir hatten eine Kaffeepause auf diesem Platz eingelegt und wie wir so sitzen, kommt die Gandarmerie und will unsere Pässe kontrollieren. Wir zeigten sie ihnen und die Gandarmen befanden alles für in Ordnung. Ohne Visum darf man sich nur 90 Tage in der Türkei aufhalten, das wissen wir. Eine Nachforschung ergab aber, dass es nur 90 Tage innerhalb 180 Tagen sind. Wir müssen also aufpassen, dass wir diese 90 Tage in keinem Fall überschreiten.
Unseren Übernachtungsplatz hatten wir auf dem städtischen Campingplatz von Ahmetbeyli gefunden. Er ist im Winter kostenlos. Der Platz ist großzügig bemessen und Bäume spenden Schatten. Nicht dass es um diese Jahreszeit nötig wäre, sich im Schatten zu verkriechen.
Eigentlich sollte der Aufenthalt nur für eine Nacht sein, aber ich entdeckte, dass ganz in der Nähe das antike Stadtduo Notion/Klaros liegt. So dass es zwei Nächte wurden. Am Hang des Berges gleich neben dem Strand sind alte Ruinen zu finden. Ich dachte erst, die sind neueren Datums, aber sie gehören zu Notion, einer antiken Hafenstadt. Um sie zu besuchen ist allerdings etwas Kletterei nötig, denn es gibt keinen Weg nach oben. Der Pfad auf den Berg beginnt an der Straße nach Kusadasi. Man muss aber etwas nach dem richtigen Schafspfad suchen, um halbwegs gut nach oben zu gelangen. Hier und da liegen Mauerreste frei und eine Unmenge an Tonscherben, von Geschirr bis zu Dachziegeln, liegen auf dem Boden verstreut herum.
Wenn man oben angekommen ist, liegen dort ein paar Reste des Marktplatzes und das war es dann auch schon. Die Aussicht ist natürlich super. Notion gehört heute nur noch den Eichelhähern, Dohlen und Schafen Am Beginn des Pfades steht zwar eine Informationstafel zu Notion, aber die ist so verwittert, dass man kaum noch etwas erkennen kann. Gleich neben dem Campingplatz hat man mit weiteren Ausgrabungen begonnen, ein paar Probegrabungen und ein paar freigelegte Fundamente sind zu sehen.
Ergiebiger ist da schon der Besuch von Klaros.1826 fand man einige antike Stücke, woraufhin man 1886 mit ersten systematischen Grabungen begann. Diese hielten in vier Perioden bis 2019 an. Forschungen haben ergeben, dass Klaros eine weithin bekannte Orakelstätte war. Zentrum war der Apollontempel, in dem wahrscheinlich das Orakel seiner Arbeit nachging.
Das kennen wir so aus Delfi, dem weitaus bekannteren Orakel der Antike. Eine Art Thron hat man gefunden und aufgestellt, und einige Skulpturen, z.B. von Homer, oder ein Kopf von Apollon sind zu sehen.
Auf dem Gelände, der Eintritt ist übrigens kostenlos, haben sich viele Becken mit Wasser gefüllt. Das sorgt für eine wahre Mückenplage, aber sie sind auch Aufenthaltsort für Wasserschildkröten, jede Menge davon.
Wir hätten uns gerne mehr mit den Informationstafeln beschäftigt, aber die Mücken haben uns im wahrsten Sinne des Wortes vertrieben. Wer zu Fuß zur Ausgrabungsstätte Klaros geht, der kommt durch Plantagen, in denen Apfelsinen, Mandarinen, Granatäpfel und letzte Feigen wachsen. Oft sind keine Zäune davor oder die Früchte wachsen über den Zaun, jedenfalls haben wir ein paar davon als Wegzehrung gepflückt. Vom Baum sind die Früchte doch am schmackhaftesten.
Die Zentren von Klaros und Notion liegen ca. 3 km voneinander entfernt.
Gut eine Woche verbrachten wir auf der herrlichen Cesme-Halbinsel, bevor wir sie wieder verließen, um uns Teos zuzuwenden. Dafür fuhren wir auf der D300 bis kurz vor Urla zurück und bogen in Richtung Seferihisar ab. Von dort aus führt eine Straße nach Sigacik und die antike Ausgrabungsstätte Teos. Ganz in der Nähe verbrachten wir zwei Nächte auf den Womo-Stellplatz „Teos Sanat Kampi“. Schon die Anfahrt von Seferihisar war eine Klasse für sich: Die letzten 200-300 Meter sind unbefestigte enge Straße mit überstehenden Büschen und Baumgeäst. Dann erreichten wir den Stellplatz, sehr naturbelassen, wie man sich heutzutage ausdrückt. Man wohnt in einer Gemeinschaft mit einem Hund, Katzen und Hühnern. Das Betreiberpaar ist ein Paradebeispiel für Aussteiger: alles bleibt sich selbst überlassen, es wird kaum ein Handschlag getan. Sie verkauft selbstgemalte Bilder und Tonskulpturen, wahrscheinlich veranstaltet sie auch Workshops für diese Art von Kunst. Die Toiletten sind massiv und sauber. Die Duschen dafür das ganze Gegenteil. Da stehen zwei windschiefe Holzkabinen ohne Dach, der Boden ist gefließt, auf dem sich das Grünzeug von draußen ausbreitet, die Duschköpfe verdienen den Ausdruck nicht, aber das Wasser ist warm. Mehr Naturcamping geht nicht.
Bis in die kleine Altstadt von Sigacik sind es 15 Minuten zu laufen, gleich nebenan befindet sich eine große Marina. Das Ganze liegt an einer kleinen Bucht. In die Altstadt gelangt man durch ein altes Steintor und dann verliert man sich im Gassengewirr. Alles ist liebevoll zurecht gemacht, Souvenirläden und kleine Kneipen sorgen für das Wohl der Gäste.
Wir kamen an einer Mini-Tiki-Kaffee-Bar vorbei. Die ist so schön, dass wir für einen Kaffee einkehrten. Die Wand gegenüber ist mit Dschungelmalereien gestaltet, davor stehen kleine Sitzgruppen. Vor dem Kaffee steht eine kleine Tiki-Figur, lustige Blechschilder und andere liebevolle Details verleiten einfach zur Einkehr. Durch eine sehr kleine Gasse gelangt man in einen kleinen Innenhof, wo man auch sitzen kann, nachts verspricht das Werbeschild vor dem Laden Live-Musik. Im Laden bekommt man eine Vorstellung von der Enge in den kleinen Häusern mit Natursteinwänden. Es ist sehr dunkel drinnen.
Dafür sind die Gassen durch die weiß angestrichenen Fassaden sehr hell. Man kann sich gar nicht satt sehen. Ein Besuch lohnt sich in jeden Fall.
Irgendwann erreichten wir ein weiteres Stadttor, durch das man in einen alten Festungshof gelangt, dann durch einen runden Turm, und schon steht man am Hafen. Die Altstadt von Sigacik war zu ottomanischen Zeiten einmal eine Medina, das verraten die Reste der Stadtmauer.
Im Hafen liegen jede Menge große Ausflugsboote, was einmal mehr auf die Masse an Sommertouristen hinweist. Eisdielen und Restaurants drängen sind am Kai entlang, sogar einen kleinen Rummel gibt es, bis man zur Marina kommt. Sie ist auch wieder umzäunt, aber man kann auf einem Zick-Zack-Weg an ihr vorbeischlendern. Das ist mal etwas Neues.
Ein anderes Ziel von hier aus ist die Ausgrabungsstätte der antiken Stadt Teos .Hier soll in der Antike der größte Dionysos-Tempel gestanden haben. Da wir schon genügend solcher Stätten besucht haben, ließen wir diesen Besuch aus.
Noch viel schöner als die Karaburun-Halbinsel ist die Cesme-Halbinsel. Sie ist einfach nur traumhaft. Zu schade, dass die deutschen Urlauber diese herrliche Gegend noch nicht gefunden haben. Die allermeisten Hotel stehen im Winter, also ab Oktober leer. Für uns heißt das natürlich, dass wir überall ungestört hin können, was im Sommer auf diese Weise ganz sicher nicht möglich ist. Aber ein paar Winterurlauber wären sicher willkommen.
Jedenfalls haben wir unser Paradies gefunden: traumhafte Landschaft, glasklares Wasser, Geschäfte, Restaurants und Cafés, alles, was den Urlauber glücklich macht. Vor allem Ruhe jetzt in den Wintermonaten, nichts ist überlaufen, nirgends sind zu viele Leute, einfach super. Unser Paradies liegt in Ilica, sozusagen der Strand der kleinen Stadt Alacati. Die Bucht ist groß, besitzt Promenade, zum Teil mit Badeleitern, Strandabschnitte und genug Platz. Vor allem im westlichsten Teil, dort wo nur noch zwei mediterran gestaltete Restaurants, sowie die Fischhalle und der kleine Fischerhafen liegen. Dank der Badeleitern stieg ich sogar bei 21°C Wassertemperatur ins Nass. Das klare Wasser und die warme Luft waren einfach zu verlockend.
Es gibt aber noch eine Besonderheit, die am Ende der äußeren Mole zu finden ist: eine warme Quelle, die direkt ins Meer mündet. Allerdings ist die Badestelle nicht sehr einladend, da viele Steine und kleine Felsen im Wasser liegen. Zudem ist diese Badestelle sehr gut besucht. Über die Nacht ist sie unzugänglich, da wird das Tor verschlossen.
Wir spazierten ein wenig durch die Innenstadt, wo viele Hotels zu finden sind, und kamen am Vormittag gegen 10.45 Uhr gerade zu einer Fischauktion zurecht. Wir bekamen die Vorbereitungen mit und warteten auf das große Trara, aber nichts, alles lief sehr ruhig und geordnet ab. Die gefangenen Fische wurden in kleine Häufchen aufgeteilt, zumeist Doraden und Brassen, die dann den Besitzer wechselten.
Uns sind auf der Tour an mehreren Stellen Fischzuchten aufgefallen. Die Türkei ist großer Exporteur für Doraden, Wolfsbarsch und Lachs. Man lernt nie aus. Geparkt und übernachtet haben wir kurz vor dem Fischerhafen, direkt am Ende der Promenade.
Am nächsten Morgen fuhren wir bis kurz vor das Top Burnu nördlich der Stadt Cesme. Da ist auch ein Stellplatz am Meer, aber das war nicht so toll dort. Deshalb spazierten wir nur die letzten zwei Kilometer zum Kap. Das letzte Ende ist jedoch versperrt, da sitzt natürlich wieder das Militär. Die Halbinsel ist trotzdem sehr schön, aber mit wenig Stränden. Hier sind Badeleitern und Badestege angesagt. Gegenüber, auf der anderen Seite der Bucht stehen zwei große Nobelhotels.
Cesme besuchten wir zuletzt. Eine große Straße führt bis in die Stadt. Vor der Cesme-Bucht teilt sie sich. Links geht es zum Fährhafen und in den Süden der Cesme-Halbinsel, rechts kommt man in die Altstadt. Zuerst führt ein Fußweg immer an der riesigen Marina vorbei. Hier kann man millionenschwere Yachten bewundern. Die gesamte Marina ist jedoch nur für die Bootsbesitzer zugänglich. Der Fußgängerbereich ist sehr einladend gestaltet und genügt den Ansprüchen der marinen Klientel.
Kommt man in die Altstadt, fällt sofort die Burg auf. Sie wurde 1508 von einem ottomanischen Eroberer erbaut. Gleich davor wurde die alte Karavansarei rekonstruiert. Sie dient heute als Hotel, das erste Hotel am Platze.
Die Altstadt von Cesme glänzt mit ihren kleinen engen Gassen, vieles erinnert an den ottomanischen Baustil. Es soll 18 alte Brunnen in der Stadt geben, zwei haben wir gefunden. Es ist natürlich alles auf Tourismus ausgerichtet, trotzdem ist es toll, dort durch zu spazieren.
Zuletzt gingen wir noch die Promenade bis zum Strand entlang. Hier liegen viele Ausflugsboote. Oh je, was mag hier bloß im Sommer los sein. Der Strand ist recht klein, aber fein.
Wenn man dem Strand noch weiter um die Ecke folgt, die Küste ist hier wieder steinig und geht bald in eine Steilküste über, steht man auf der Ecke, von der aus man die ganze Größe der griechischen Insel Chios erfassen kann, wenn sie denn einmal zu sehen ist. Fast immer liegt sie im Dunst verborgen. Es ist einmal mehr sehr schön hier, wie die ganze Cesme-Halbinsel. Man wird nicht müde, dies zu erwähnen, einfach, weil es so ist.
Nach einem aufregenden Tag in Izmir hatten wir uns wieder ein wenig Ruhe verdient. Die suchten und fanden wir in Mordogan an der Ostküste der Karaburun-Halbinsel. Auf der Suche nach einem guten Stellplatz, der mal wieder nötig war, fanden wir einen ganz Neuen in Mordogan. Die einzelnen Stellplätze sind 20m² groß, mit jeweils eigener Ver- und Entsorgung. So etwas kennen wir eigentlich nur von amerikanischen Plätzen, wo das Standard ist. Wir konnten wieder duschen und Wäsche waschen, und der Platz ist relativ ruhig, etwas abseits der Straße gelegen. Nur die Einfahrt ist ziemlich eng und unbefestigt. Vor allem die tief hängenden Stromleitungen sind für größere Wohnmobile ein Problem. Mit Hilfe unserer Kurbelstange für die Markise mussten wir die Kabel so hoch halten, dass die Aufbauten des Womos nicht daran hängen blieben. Die Einfahrt ist also etwas mühsam, aber der Platz entschädigt. Ercan, der mit seinem Bruder diesen Stellplatz betreibt, ist sehr nett und hilfsbereit. Er spricht halbwegs deutsch, weil er zehn Jahre in Deutschland arbeitete.
Die Stadt Mordogan ist wohl bei ausländischen Urlaubern noch nicht auf dem Schirm, aber ein Hotspot bei türkischen Urlaubern. Und das zu Recht. Die Stadt ist hell, freundlich, man kann atmen und sie hat einen schönen Küstenbereich mit Fischerhafen und Stadtstrand. Das Wasser ist glasklar. Hier hat es uns sehr gut gefallen. Südlich schließt sich ein Yachthafen mit Werft an und daran ein weiterer Strand. Überall werden neue Wohn- und Ferienhäuser gebaut. In den Gärten blühen die Pflanzen in den schönsten Farben. In Mordogan hält man es aus.
Nun überquerten wir die Karaburun-Halbinsel bei Balikliova. In der Hügellandschaft ist die Natur noch sich selbst überlassen. Es sieht aus, wie die Karstlandschaft in Kroatien, weiße Felsen und Gestrüpp.
Kurz vor Ildir führt die Straße wieder an die Küste. Plötzlich standen wir im kleinen Fischerhafen von Ildir und es ging nicht mehr weiter. Irgendwo hatten wir jetzt die falsche Straße erwischt. Es geht dort sehr eng zu, sieht aber sehr idyllisch aus. Nur dreißig Meter vorher bog die richtige Straße nach links ab. Klaus drehte mühsam das Wohnmobil um und bog in diese Straße ein. Die ist aber auch nicht wirklich breiter, so dass wir uns durch die Gassen zwängen mussten. An einer Stelle ging es nicht mehr weiter, weil von oben ein Polizeiauto und ein PKW kamen. Auf unserer Seite hatte jemand sein Auto geparkt. Es dauerte nicht lange, da machte die Polizei eine Durchsage. Anschließend ging es weiter, aber alle Leute guckten, was da los wäre und wir hatten freie Fahrt. Die Durchsage war wohl eine Aufforderung, uns mal durchzulassen. Sehr nett.
Oben, am Ortsausgang gibt es einen Parkplatz und wir nutzten die Gelegenheit, das Womo abzustellen, um uns Ildir anzusehen. Es ist ein wirklich schickes Dorf. Im Außenbereich wohnen wohl viele Künstler, der Innenbereich ist den Fischern vorbehalten. Dazwischen stehen kleine Hotels. Es ist wirklich hübsch hier.
Auf dem Rückweg tranken wir einen Kaffee im kleinen Restaurant am Ortsausgang. Es bietet eine überdachte Terrasse mit einem weiten Blick über die Bucht, in der mehrere Inseln liegen.
Zufrieden steuerten wir jetzt den Stellplatz an, den wir über park4night, über diese App finden wir fast alle unsere Stellplätze, gefunden haben. Die Einfahrt befindet sich kurz hinter dem Ortseingangsschild von Yali.Es ist eine freie Stelle, groß genug, mit Blick über die Bucht, etwas oberhalb des Meeresspiegels. Am Wasser befindet sich ein kleiner Strand. Der Abstieg dorthin ist etwas abenteuerlich, aber machbar, und er lohnt sich auf jeden Fall. Die aufragenden Felsen, die den kleinen Strand rechts begrenzen, sehen wie die großen runden Felsen auf den Seychellen aus, nur das dies keine echten Felsen sind, sondern ein Konglomerat aus Flusssteinen und Sediment. Der Strand besteht aus kleinen Kieseln und das Wasser ist glasklar. Der Wahnsinn.
An einem anderen Tag, wir verbrachten drei Nächte hier, unternahmen wir einen Spaziergang durch den Ort. Er ist nicht besonders attraktiv, vieles ist neu gebaut, das meiste sind schicke Ferienhäuser. Dafür lohnt der Besuch des Ardic-Strandes und der anschließenden Picknick-Halbinsel.
Langsam verstehen wir, warum diese Halbinsel westlich von Izmir ein Ferienparadies der türkischen Urlauber ist. Hier würden sich auf jeden Fall auch die ausländischen Urlauber wohl fühlen, es ist wirklich eine fantastische Landschaft.
Auf dem Weg nach Izmir verbrachten wir drei Nächte in Aliaga, einer Kleinstadt, die an einer kleinen Bucht liegt. Am nördlichen Ende der Bucht liegt eine Halbinsel, die als Polizei-Halbinsel bekannt ist. Die Polizei, auch deren Taucher, sind hier in zwei Objekten stationiert. Dazwischen liegen zwei Parkplätze. Auf einem davon standen wir zwei Tage lang, direkt am Strand. Der allerdings ist ziemlich dreckig, auch hatte der Sturm gerade viele dicke Quallen an der Strand gespült. Baden ist hier eher unangebracht. Aber ein Stück die Straße weiter befindet sich der Aga-Park, ein großer öffentlicher Picknick-Park mit großem Strand. Wir bezahlten mit dem Wohnmobil 100,-TL (gut 3,-€), um dort hinein zu fahren. Es gibt zwei noch geöffnete Restaurants und Toiletten, die Duschen sind abgestellt. Der Strand ist nicht ganz so dreckig und man hält es schon mal einen Tag lang dort aus. Eine große Ecke ist mit Picknick-Tischen ausgestattet, auch angeln kann man. Um 22.00 Uhr müssen die Besucher den Park wieder verlassen, dann wird geschlossen.
An einem der Tage sahen wir uns das Zentrum von Aliaga an. An der Küste entlang ist wieder eine schöne lange Promenade angelegt, teilweise von Palmen gesäumt. Anschließend schlenderten wir ein paar Gassen durch die Stadt und kauften etwas ein. Am Samstag fand eine Großveranstaltung auf dem Platz neben dem Regierungsgebäude zum 100. Geburtstag der Türkischen Republik statt. Die türkische Fahne ziert dann die Straßen, Häuser, Boote und zum Teil auch Autos.
Nun fuhren wir nach Izmir. Eigentlich umfahren wir die Großstädte, aber irgendetwas in uns meinte, dass wir Izmir nicht links liegen lassen sollten. Tatsächlich hat die Stadt viele Fassetten und hat einiges zu bieten. Es ist nicht schwer, mit einem großen Auto bis zum Fähranleger zu fahren, denn eine große vierspurige Straße führt immer am Kai entlang, Kurz hinter dem Fähranleger befinden sich zwei Parkplätze. Der Weg in die Innenstadt ist von dort aus nicht weit.
Nachdem wir Google gefragt hatten, was es in Izmir zu sehen gibt, stellten wir eine Route zusammen, die uns durch viele Bereiche führte. Zuerst spazierten wir in Richtung Süden am Kai entlang. Die Türken lieben anscheinend Promenaden, denn die, die wir besucht haben, waren ausnahmslos schön gestaltet. Nach etwa einem Kilometer findet sich der historische Aufzug Asansör. Er wurde 1907 gebaut, um leichter vom unteren Teil der Stadt in das jüdische Viertel oberhalb zu gelangen. Bis dahin musste man 155 Stufen nach oben steigen.
Wir erklimmten die Stufen, da der Eingang zum Aufzug schlecht zu finden ist. Wir fuhren einmal nach unten, um uns das anzusehen. Eine kleine Gasse führt durch zwei Häuser hindurch und trifft in ca. 50 Metern auf den Aufzug.
Von der Plattform des Aufzuges bietet sich eine gigantische Sicht über Izmir und die Bucht. Ein kleines Restaurant lädt zur Einkehr ein.
Während Klaus sich eher an der Promenade aufhielt, lenkte ich meine Schritte vom oberen Ende des Aufzuges zurück in die Stadt. Mein Ziel war die Ausgrabungsstätte Smyrna. Um dort hin zu gelangen, musste ich weitere Stufen steigen, um derart drei höher gelegene Straßen zu überqueren. So kam ich durch die Gassen der Oberstadt.
Über die Esrefpasa-Straße, die langsam wieder nach unten führt, kommt man nach Smyrna. Diese Ausgrabungsstätte zeigt jedoch nur die antike Agora, also den Marktplatz. Gut erhalten sind noch einige Kolonnaden, teilweise gibt es Rekonstruktionen. Das Gebiet ist nicht groß und man kann, immer am Zaun entlang, von allen vier Seiten nach innen sehen. Besucht habe ich Smyrna nicht, da wir gerade Troja und Pergamon besucht hatten.
Nun spazierte ich durch die Altstadt von Izmir, die wie ein riesiger Basar anmutet. Geschäfte über Geschäfte, Kneipen und Restaurants, alles mehr oder weniger überdacht und eng beieinander. Hier fühlt man sich wie im Orient. Man muss nur die Orientierung behalten. Da die Sonne schien, hielt ich mich an sie. Um zur Küste zu gelangen, musste ich sie im Rücken haben. Im Außenbereich der Altstadt, Richtung Küstenstraße, ist zu sehen, dass sehr alte Gebäude in die Bebauung integriert wurden. Das hat einen sehr eigenen Reiz.
Zuletzt besichtigte ich den Uhrenturm auf dem zentralen Konak-Platz. Der wurde 1907 im maurischen Stil errichtet und zum größten Teil durch Spenden der Bürger von Izmir finanziert. So steht es auf der Informationstafel davor. Der Marco-Polo-Reiseführer schreibt dagegen, dass der Uhrenturm 1901 errichtet wurde und ein Geschenk des Kaisers Wilhelm II. war. Egal welche Geschichte stimmt, er besticht durch seine Schönheit. Abends wird der Uhrenturm rot beleuchtet, was wirklich toll aussieht.
Ganz in der Nähe steht eine kleine alte Moschee, die Konak-Moschee. Sie stammt aus dem Jahre 1748. Während der Jahre des 1. Weltkrieges wurde sie mehrfach restauriert. Eine nochmalige Restauration fand 1964 statt. Jedenfalls ist sie ein wahres Schmuckstück.
Nun spazierte ich am Fähranleger vorbei und gönnte mir noch ein türkisches Eis in den Geschmacksrichtungen Brombeere und Orange. Es schmeckte hervorragend, nur weiß ich nicht, was dem türkischen Eis beigemischt wird, damit es diese ziehende Konsistenz bekommt. Zum ersten Mal aßen wir dieses Eis bei einem früheren Besuch in Pamukkale, wo das komplette Eis im Topf an einem Holzlöffel hing. Der Eisverkäufer machte sich da einen Spaß bei den Touristen. Jedenfalls schmilzt es genauso schnell in der Sonne wie das gewohnte Eis.
Die letzten Meter legte ich wieder an der Promenade zurück, um zum Parkplatz zu kommen, wo wir das Wohnmobil abgestellt haben. Drei Stunden dauerte die Stadttour zu Fuß, die mich durch viele verschiedene Bereiche führte.
Die Nacht war sehr laut, durch den ständigen Verkehr auf der vierspurigen Küstenstraße und der Stadtwirtschaft nebenan.
Jetzt wären wir doch fast an einer der wichtigsten Ausgrabungsstätten der Westtürkei vorbeigefahren! Nicht auszudenken! Da es bis Izmir noch ein Stück hin ist, wollten wir zwischendurch noch einmal irgendwo eine Rast einlegen. Dafür hatten wir uns südlich von Bergama an der Küste einen Platz heraus gesucht. Auf dem Weg dorthin fuhren wir der Einfachheit halber die E87 entlang. Bei Ayvalik sind mehrere Olivenölmühlen zu finden. Gleich an der ersten hielten wir an. Es ist die Özgün-Mühle. Die Fabrikhalle ist nicht zu besichtigen, dafür lädt der Verkaufsraum zum Stöbern und Verkosten ein. Von verschiedenen Olivenölen, über Essig, Marmeladen, eingelegten Oliven gibt es sogar Kosmetikprodukte aus Oliven. Das Angebot ist groß und preislich akzeptabel. Nachdem wir uns durch das Angebot probiert hatten, kauften wir eine Flasche Olivenöl virgin, also auch zum Kochen geeignet, eingelegte gegrillte Oliven mit Knoblauch und Olivenpaste aus grünen und schwarzen Oliven als Aufstrich. Die Olivenernte ist gerade erst gestartet.
Jetzt sind wir eine Weile versorgt und setzten die Fahrt fort. Kurz vor Bergama biegt die E87 nach Süden ab. Am Kreisverkehr steht ein braunes Touristikschild mit der Aufschrift „Pergamon“. Da machte es sofort klick bei mir. Pergamon muss man doch besucht haben, aber dass es hier zu finden ist, damit hatte ich nicht gerechnet. Also Änderung der Strecke und auf nach Pergamon. Die Anfahrt ist etwas schwierig, denn die engen Straßen der Altstadt, durch die uns das Navi leitete, sind mit Autos vollgestopft. Irgendwann kamen wir an eine Seilbahn, davor ein kleiner Parkplatz. Wir stellten das Wohnmobil ab und gingen zur Seilbahn. Die einfache Fahrt kostet knapp 10,-€, den Rückweg wollten wir zu Fuß bewerkstelligen, an weiteren zahlreichen Ausgrabungsorten vorbei.
Die Seilbahn ist knapp 350m lang, überbrückt einen Höhenunterschied von 203 Metern und führt über viele Ruinen und Grundmauern hinweg. Der Blick über Bergama ist atemberaubend. Oben angekommen wird man zuerst an den vielen Souvenirständen vorbei geleitet, dann wird für die Akropolis von Pergamon, wie die Ausgrabungsstätte heißt, noch einmal Eintritt verlangt: knapp 15,-€ pro Person.
Inzwischen haben wir schon viele antike Ausgrabungsstätten besucht, aber Pergamon ist mit Abstand die größte und beeindruckendste. Fast der komplette Berg, der alleine in der Landschaft steht, war in der Antike bebaut. Ganz oben auf der Spitze befanden sich die Königspaläste, samt Nebengebäuden und den wichtigen Tempeln. Ein kleiner Teil des Traian-Heiligtums wurde rekonstruiert, so dass man eine wage Vorstellung von dessen Dimensionen bekommt. Pergamon muss einst eine prachtvolle Stadt gewesen sein. Die Oberstadt war von einer Stadtmauer umschlossen.
Unterhalb der Oberstadt lag der Heilige Bezirk für den Herrscherkult. Hier wurde den aktuellen und vergangenen Königen gehuldigt. Es gab den Oberen Markt mit dem großen Altar. Gleich dahinter befindet sich das gewaltige Amfitheater. Es ist das steilste und höchste Amfitheater, welches wir bisher gesehen haben. Da sollte man schon schwindelfrei sein. Es liegt am steilsten Hang des Berges. Nur die künstlich geschaffene Theaterterrasse, wo die Bühne war, trennt die Theaterränge vom restlichen Steilhang, der bis ganz nach unten reicht. Es gibt noch einen Zugang vom Oberen Markt ins Theater, aber der ist sehr eng und man steht dann praktisch vor dem Abgrund. Bei unserem Besuch war der Wind sehr kräftig. Der enge Gang zwischen Markt und Theater wirkte wie ein Kamin, Wir mussten uns wirklich festhalten, um nicht heraus geweht zu werden.
Der offizielle Zugang zu den Theaterrängen war in der Antike von unten. Die Ränge waren in mehrere Sektionen unterteilt. Eine Sektion wurde halbwegs rekonstruiert, so dass man den Originalzustand, mit den abdeckenden Sandsteinplatten erkennen kann.
In der Theaterterrasse sind quadratische Steine im Boden zu erkennen, die in der Mitte ausgehöhlt sind. Dort drinnen standen die Stützen, die die Bühne hielten. Diese wurde jedoch nur zu den Vorstellungen aufgebaut. 10.000 Leute fanden in diesem Theater Platz.
In der Nähe führt dann eine antike Straße nach unten, vorbei an weiteren Ausgrabungen. Hier müssen auch die Zisternen gelegen haben, die später von der Straße teilweise überbaut wurden.
Etwas weiter unten zeigt eine Tafel, dass hier das deutsche archäologische Institut seit 1973 Ausgrabungen durchführt. Es soll ein repräsentatives Areal eines eher ärmlichen Wohnviertels ausgegraben werden. Gefunden wurden unter anderem ein Bad, eine öffentliche Latrine, das Gymnasium und die Agora, also der Marktplatz.
Pergamon war schon vor unserer Zeitrechnung Hauptstadt des Pergamenischen Reiches, vom 1.-4. Jahrhundert dann Teil des römischen Reiches. Später übernahmen die Byzantiner die Stadt, die bis ins 14. Jahrhundert hier lebten. Die schiere Größe von Pergamon und die gewaltigen Mauern, die die Zeit überdauerten, sind einfach nur beeindruckend. Nicht weniger imposant sind die Aussichten auf das Umland, welches gut 200m tiefer liegt. In Pergamon soll auch das Pergament erfunden worden sein.
In Bergama sind viele weitere archäologische Funde zu sehen, wie die Basilika, ein Stück Aquädukt, sogar ein wesentlich älterer Tumulus, ein steinernes Hügelgrab. Um all das zu besuchen, braucht man ein wenig mehr Zeit.
Da wir nicht auf dem Parkplatz an der Seilbahn stehen bleiben wollten, setzten wir unsere Fahrt bis nach Aliaga fort. Am Strand zwischen zwei Polizeieinrichtungen fanden wir einen schönen ruhigen Platz. Leider hatte der Sturm der letzten beiden Tage viele große Quallen an der Strand gespült. Das ist nicht wirklich appetitlich. Auf der anderen Straßenseite breitet sich eine Lagune aus. In dem ca. 20cm tiefen Wasser stehen Flamingos. Schon unterwegs fuhren wir an mehreren Salinen vorbei. Eine davon war ebenfalls von Flamingos besiedelt, aber es gab keine Haltemöglichkeit.
Am nächsten Tag fuhren wir kurz in die Stadt Aliaga, denn wir hatten erfahren, dass morgen am Sonntag der Feiertag „100 Jahre Türkei“ ansteht. Da sind wahrscheinlich selbst hier alle Geschäfte geschlossen. Überall ist schon geflaggt und die Vorbereitungen für die Feierlichkeit laufen. Auf dem großen Parkplatz in der Stadt stellten wir das Wohnmobil ab. Bevor wir jedoch die Stadt erkunden konnten, lud uns der Parkplatzwächter zu Tee und Feta ein. Er machte gerade Frühstück und wollte wohl nicht alleine dabei sein. Nach dieser kurzen Pause spazierten wir erst einmal an der sehr langen und schönen Promenade, mit verschiedenen Bereichen und mehreren Parks, entlang. Hier kann man prächtig entspannen, oder in das ein oder andere Restaurant einkehren. Den kleinen Fischerhafen kann man nur von außen besichtigen, denn der ist eingezäunt.
Dann schlenderten wir durch die Innenstadt, gingen einkaufen und fuhren zum Strand zurück, an dem wir die letzte Nacht verbracht hatten. Inzwischen hat sich auch die Bepflanzung der Landschaft geändert. Es gibt viele Eukalyptusbäume, Pfefferbäume, Zypressen, Kugelpinien und Baumwollfelder. Das Klima ist merklich wärmer, vor allem nachts.
Knapp 70km vom Strand von Assos entfernt liegt die Stadt Akcay, sozusagen der Strand von Edremit, der nächsten größeren Stadt. Auf dem Weg dorthin fuhren wir die kleine Küstenstraße, unterhalb der E87 entlang. Hier befinden sich viele kleine Hotels und Motels und es geht recht eng zu. Die meisten Einrichtungen sind geschlossen, daher befährt man diese Straße fast alleine.
In Kücükkuyu trifft die Küstenstraße auf die E87, der wir bis Akcay folgten. Wir waren noch keinen Kilometer gefahren, als wir unseren neuen Bekannten, den einsamen deutschen Fahrradfahrer, den wir in Geyikli getroffen hatten, überholten. Gleich dahinter befand sich eine Art große Parkbucht. Dort trafen wir uns auf einen Kaffee. Er hatte auf einem der geschlossenen Campingplätze an der Küstenstraße übernachtet. Der Betreiber hatte ihn trotzdem aufgenommen. Jetzt war er auf dem Weg nach Izmir, wo er in den Flieger nach Istanbul steigen wollte, um von dort aus seine weitere Reise zu planen.
Wir fuhren nach Akcay weiter, wo wir uns am Ende des Strandes auf einen großen Parkplatz stellten. Eigentlich wollten wir ein paar Tage bleiben, aber es wurden nur zwei Nächte. Wir erkundeten die Strandpromenade, die richtig einladend für Fußgänger und Radfahrer gestaltet ist. Hier lässt es sich in Ruhe schlendern, einen Kaffee trinken oder einen Snack nehmen. Überdachte Sitzplätze laden zur Rast ein, sogar einen Fitnessbereich gibt es. Viele Leute joggen oder walken, am Strand wird geangelt. Der Sand des Strandes ist recht grobkörnig und das Wasser glasklar. Eigentlich ist es schön hier. An der Straße parallel zur Promenade findet man Läden aller Art, Gemüsestände und noch mehr Restaurants. Fast alles hat jetzt, Ende Oktober, noch geöffnet.
Da wir wieder einmal Strom benötigten, fuhren wir am nächsten Tag auf den Campingplatz „Akcay Cadir & Karavan Kamp“. Als wir am Vortag interessehalber dort ankamen und nach dem Preis fragten, gab es noch Wasser und Duschen, heute weder das eine noch das andere. Nur ein Toilettenblock am anderen Ende des Platzes war noch offen. So hatten wir uns das nicht vorgestellt, so dass wir nur eine Nacht bleiben. Außerdem regnete es heute, gerade richtig für einen Tag Erholung.
Wir befinden uns südlich von Canakkale und konnten auf gut 50km vier entspannte Tage genießen. Zwei Nächte standen wir am Strand von Geyikli, hinter den Restaurants auf der linken Seite. Wir spazierten nur ein wenig am Strand entlang, kurz durch den Ort und sein Neubaugebiet, und kehrten in das Fischrestaurant auf der linken Seite ein. Die verschiedenen Restaurants sind auf beiden Seiten des Piers zu finden. Zu dieser Jahreszeit geht es sehr ruhig zu, nur nachmittags und abends kommen ein paar Gäste. Auf dem Pier stehen immer ein paar Angler, und hin und wieder legen größere Fischerboote an.
Am nächsten Tag spazierten wir knapp vier Kilometer nach Dalyan. Wie sich später herausstellte, befand sich in der Antike der Hafen der alten Stadt Alexandria Troas, deren Ruinen in den Hügeln oberhalb Dalyans liegen, dort. Davon ist aber nichts mehr zu sehen. Auf halbem Weg dorthin befindet sich das kleine Fischrestaurant „Makara“. Es liegt so toll und ist so einladend und liebevoll gestaltet, dass wir nicht anders konnten, als dort für einen Kaffee einzukehren und das Ambiente zu genießen. Nicht weit entfernt liegt die vorgelagerte Insel Bozcaada, die durch eine Fähre mit dem Festland verbunden ist. Ein traumhaft schönes Fleckchen Erde.
Als wir dort ankamen, trafen wir auf einen einsamen deutschen Radfahrer, der sich gerade für den Start zur nächsten Etappe fertig machte. Wir unterhielten uns einen Schlag und erfuhren, dass er gerade aus Israel flüchten musste, nach dem Angriff der Hamas durch Granaten. Eine Granate schlug sehr nahe an seinem Gästehaus ein. Mit Müh´ und Not fanden er und sein schwer beladenes Fahrrad noch einen Flug nach Istanbul. Jetzt ist er in der Türkei unterwegs, später will er nach Südafrika und Südamerika. Es ist sein Sabbatjahr. Auf dem Rückweg nach Geyikli trafen wir uns erneut und wir verabredeten uns zum Kaffee, um die Unterhaltung fortzusetzen. Zum Abend hin radelte ein junges Pärchen bei uns vorbei, mit denen unser neuer Bekannter schon ein paar Tage zusammen geradelt war. Er rief die Beiden herbei. Sie berieten sich dann und blieben mit ihren Rädern und Zelten in der kommenden Nacht bei uns. Zu Fünft verbrachten wir einen schönen Abend, etwas später brachte uns jemand aus dem Fischrestaurant eine Runde Tee, was uns alle sehr freute. Klaus sorgte für ein gemütliches Feuer, der Abend war angenehm warm. Am nächsten Morgen frühstückten alle zusammen, dann verabschiedeten wir uns und jeder fuhr seines Weges.
Unser nächstes Ziel waren die archäologischen Stätten von Alexandria Troas. Eigentlich sind es drei, aber wir besuchten nur die beiden größeren: das Forum und das Bad des Herodes Atticus. Der Eintritt ist jetzt frei und wir waren begeistert. Es ist fast mehr erhalten als in Troja. In der Ferne sieht man ebenfalls das Meer, also auch ein sehr schöner Platz. Ein paar Marmorteile mit unglaublich zarten Reliefs können bestaunt werden. Das Mauerwerk weist eine Besonderheit auf, wie wir es schon einmal bei griechisch-römischen Ruinen gesehen haben: Die quadratischen Steine liegen auf einer der Spitzen. Das Mauerwerk sieht daher aus wie ein Strickmuster.
Die Stadt wurde 311 vor Christus durch Alexander dem Großen als Antigoneia gegründet. Ihre Glanzzeit erreichte die Stadt später als Kolonie des römischen Reiches, da bekam sie auch ihren heutigen Namen. Bis in die byzantinische Zeit war die Stadt besiedelt. Im 16. und 17. Jahrhundert missbrauchte man die Überreste als Steinbruch. Erst 1993 starteten systematische archäologische Ausgrabungen. Achthundert Meter weiter stehen noch sehr imposante Ruinen des Bades des Herodes Atticus. Die Anlage maß einst ca. 123 x 82 Meter. Durch die sehr kräftige Konstruktion des Bades blieb vieles davon noch bis vor 200 Jahren stehen. Dann zerstörte ein starkes Erdbeben die meisten Wände und Bögen. Trotzdem kann man sich die einstige Dimension des Bauwerkes noch lebhaft vorstellen. Ein Besuch lohnt allemal.
Anschließend fuhren wir zu den Heißen Quellen kurz vor Tuzla. Sie liegen direkt an der linken Straßenseite. Der Berg besteht aus weiß-rot gemustertem Sandstein, dahinter der Berg muss ein Vulkan gewesen sein, denn auch Lava ist zu finden. Vielleicht ist er die Ursache für die Heißen Quellen, die leider gerade ziemlich trocken liegen. Nur an 2 oder 3 Stellen drängt das heiße Wasser durch Löcher an die Oberfläche. Die Temperatur liegt gefühlt bei ca. 45°C, also ganz schön warm. Man hatte ein kleines Badebecken angelegt, aber das ist inzwischen versandet und nicht mehr zu gebrauchen.
Auf der rechten Straßenseite direkt gegenüber lagert sich das Wasser dann ab. Der Bereich ist so groß, dass man davon ausgehen muss, dass es Zeiten gibt, in denen wesentlich mehr heißes Wasser aus dem Untergrund zutage tritt. Da haben wir wohl gerade etwas Pech. Die Anlage ist übrigens frei zugänglich.
Nun wollten wir nach Assos, um einen Stellplatz am Strand zu finden. Der Weg führte uns durch tiefstes Hinterland, die Straße ist nicht mehr die Beste. An einer der zahlreichen Wasserstellen, die wir bisher in der Türkei gesehen haben, füllten wir unseren Wassertank auf.
Zwischen Yukariköy und Balabanli führt die Straße über einen kleinen Fluss. Plötzlich tauchen überall riesige Felsen auf und die Landschaft ist so unglaublich schön, dass wir einfach anhalten mussten. Ein großer, und vor allem sauberer Parkplatz veranlasste uns, hier die Nacht zu verbringen. Dieser Flecken Erde ist so schön und so unglaublich friedlich, dass wir uns sehr wohl fühlten. Es sind nur das Rauschen des Baches und das Zwitschern der Vögel zu hören. Autos kommen nur sehr selten vorbei.
Am Bachufer sonnen sich Sumpfschildkröten, Frösche hüpfen überall ins Wasser, wenn man vorbei kommt, sogar einen Eisvogel sahen wir. Für das schöne Grün sorgen ganze Oleanderwälder, Kiefern und kleine stachelig aussehende Eichenbüsche, die große Flecken mit vertrocknetem Gras freilassen. Es ist zu schön hier.
Wenn man eine Weile still sitzt oder langsam durch die Landschaft spaziert, sieht man noch viel mehr: kleine Vögel mit weißer oder roter Brust, ein Star hielt Ausschau von einem Felsen aus, Libellen fliegen überall, eine Eidechse sonnte sich in unserer Nähe und sogar eine kleine Landschildkröte ließ sich am gegenüberliegenden Ufer sehen, die kopfüber am Felsen hängend aus dem Bach trank. Wunderschön.
Ungern verließen wir dieses schöne Fleckchen Erde und fuhren Richtung Assos, wo wir einen günstigen Stellplatz am Strand zu finden hofften. Nur gibt es diesen Platz nicht mehr und wir parkten einfach am Strand. Die meisten Einrichtungen haben geschlossen, den schönsten Platz am westlichen Strandende nimmt ein großes Hotel in Beschlag. Von dort aus ist auch die griechische Insel Lesbos in ihren ganzen Pracht zu sehen. So spazierten wir nur einmal den Strand hoch und runter, und verbrachten den Rest des Nachmittags am Strand sitzend.
Als wir durch Assos fuhren, konnten wir einen Blick auf den Burgberg werfen, wo verschiedene archäologische Bauten und eine alte Festung zu finden sind. An der Kreuzung, an der rechts eine Straße auf den Berg führt, steht ein gewaltiger Sarkophag.
Auf dem Weg von dem wunderschönen Stellplatz am Bach in Richtung Assos zeigte unser Navi eine Straße an, die es gar nicht gab. Jedenfalls, als uns die Straße komisch vorkam, auf der wir gerade unterwegs waren, mal war sie gepflastert, mal unbefestigt, mit engen Kurven durch die Ortschaften, schaute ich auf das Navi und stellte fest, dass wir völlig woanders entlang fuhren.Aber bald würden wir wieder auf die normale Straße kommen, an der nächsten Kreuzung. Laut Navi sollten wir nun an dieser Kreuzung sein, aber es gab dort keine Straße, nichts. So mussten wir die merkwürdige Straße weiterfahren, bis wir durch einen Ort kamen, in dem es immer enger wurde. An einer Einmündung war dann kein Weiterkommen mehr. Die Häuser standen so eng zusammen, dass wir rechts und links kaum noch Platz hatten.
Zwei Autos parkten dazu so, dass wir nicht durch kamen. Klaus hupte erst, aber nichts regte sich. Dann kam ein Mann aus dem Haus und holte denjenigen, dem eines der Autos gehörte. Der Fahrer des anderen Autos saß in der Kneipe. Jetzt war die Kurve frei für uns und wir konnten die Fahrt auf einer halbwegs normalen Straße fortsetzen.
Ein Ziel, welches ich seit über 40 Jahren besuchen wollte, seit ich von Troja, dem 10jährigen Krieg der Griechen gegen Troja, Schliemann und dem Schatz des Priamos gehört habe, ist diese Ausgrabungsstätte. Unzählige Reportagen verfolgte ich, und endlich habe ich es geschafft. Auf unserer Winterreise 2023/24 über Ungarn, Rumänien, Bulgarien und jetzt über die Westtürkei, sind wir nun in Troja gelandet.
Vom Wohnmobilstellplatz der Troia Pension und Camping sind es nur ein paar hundert Meter bis zur Ausgrabungsstätte. Der Eintritt kostet ca. 10,-€ und beinhaltet normalerweise die Erklimmung des legendären Trojanischen Pferdes im Eingangsbereich der Ausgrabungsstätte. Dieses befindet sich allerdings gerade in der Rekonstruktion und ist deshalb in seine Einzelteile zerlegt. Trotzdem wurde der Eintrittspreis nicht reduziert.
Die Ausgrabungsstätte des alten Troja wird mit Hilfe eines Rundweges auf Holzbrettern erkundet, Informationstafeln liefern den Besuchern alles, was man zu dem Thema weiß.
Zuerst ein bisschen Geschichte: 1856 begann ein Britischer Navy-Offizier John Brunton, auf diesem Hügel hier in der Landschaft zu graben. Ein Frank Calvert hatte sich in Hisarlik, wie der Ort in der Nähe hieß, niedergelassen und erfahren, dass der Hügel wohl mehrere Jahrhunderte Geschichte enthält. Es könnte sich sogar um das bei Homer erwähnte Troja handeln. Beide zusammen führten von 1863 – 1865 einige Sondierungen auf dem Hügel durch. 1868 stieß Heinrich Schliemann dazu. Er grub erst an einem anderen Ort und war von den zutage beförderten Artefakten enttäuscht. Calvert meinte dann, er solle sich ihnen in Hisarlik anschließen, dass wäre die richtige Stelle. Bis 1890 fanden mehrere Ausgrabungen statt, bei denen Schliemann dann den Schatz des Priamos aus Homers Ilias fand, wie er meinte. Erst nach Schliemanns Tod stellte der Architekt Wilhelm Dörpfeld, Schliemanns Assistent, fest, dass sich Schliemann um ganze 1200 Jahre vertan hat. Der Schatz war viel älter, denn er wurde in einer der älteren Schichten des Hügels von Hisarlik gefunden.
Erst 1938 stellte der amerikanische Archäologe Carl Blegen fest, dass sich der Ausgrabungshügel aus neun verschiedenen Schichten zusammensetzt, die zusammen ca. 15 Meter an Höhe zusammen bringen. Es gab also 9 aufeinanderfolgende Trojas, womit der Hügel schon seit Jahrtausenden besiedelt wurde. Archäologische Funde bestätigten eine Besiedelung seit dem Bronze-Zeitalter, also 12. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Die letzten Siedler waren die Griechen, die Römer und die Byzantiner, ehe Troja in Vergessenheit geriet. Nur durch Homers Ilias blieb die Erinnerung an diese Stadt im Nebel der Zeit hängen. Heute beherrschen die Touristen und viele Eichhörnchen das Ausgrabungsfeld.
Wenn man Troja besucht, dann kann man es Schliemann nicht verübeln, dass er nicht merkte, dass mehrere Städte übereinander liegen. Das Feld ist zu groß und die Funde liegen so durcheinander, dass er unmöglich etwas sortieren konnte. Erst mit den besseren Forschungsbedingungen war es möglich, eine Schicht von der anderen zu unterscheiden. Seinen Graben, den er durch den Hügel gezogen hat, kann man heute noch besichtigen. Gleich in der Nähe liegt eine hervorragend erhaltene Rampe aus dem zweitältesten Troja, die zu einem der Stadttore führte.
Es ist schon gigantisch, was hier an Arbeit geleistet wurde. Dabei liegt nur ein kleiner Teil Trojas frei. In der Nähe sind weitere Ruinen unter der Erdschicht zu erkennen.
Die ausgegrabenen Artefakte liegen zum Teil aufgereiht neben dem Grabungsfeld, die besseren Stücke werden im ultramodernen Museum gegenüber dem neuen Troja-Hisarlik gezeigt. Dieses besuchten wir jedoch nicht, denn im Laufe unserer Reisen haben wir schon mehr als genug davon gesehen.
Einen Besuch wert ist auch das neue Troja-Hisarlik. Es ist eine kleine Siedlung mit kleinen, zum Teil alten Häusern. Sehenswert sind aber die Zeichnungen, die viele Hauswände zum Thema Troja schmücken. Am Marktplatz werden Büsten alter Griechen präsentiert, das Gemeinschaftshaus und ein Café zollen dem Stil der alten Griechen Tribut. Ein Besuch ist das neue Troja auf jeden Fall wert.