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Archiv für die Kategorie “Winterreise 2024/25”

Fier / Boshtova

Zuerst wollten wir uns die Stadt ansehen, anschließend zum Campingplatz beim archäologischen Park Apollonia fahren. Wir mussten schnell feststellen, dass es auch in Fier keine Parkmöglichkeiten gibt. Nur am ETC-Center, am nördlichen Rand Fiers gelegen, fanden wir eine Lücke, um uns wenigstens für die nächsten zwei Tage mit Lebensmitteln einzudecken. Der Campingplatz Apollonia liegt mitten im Nirgendwo.

Fier

Wir hatten jetzt schon in einigen Läden versucht Brot zu kaufen, aber entweder gibt es keines oder nur Luft-Brot. Wenn man draufdrückt bleibt nix mehr übrig. Der Bäcker, den wir bei Google fanden existiert nicht mehr. Bei einer Tankstelle stadtauswärts wurden wir dann doch noch fündig.

Nun steuerten wir den Campingplatz Apollonia, westlich von Fier gelegen, an. Die Straße dorthin wird irgendwann immer enger, führt durch ein Dorf hindurch und dann sind überall antike Grundmauern zu sehen. Die gehören zum archäologischen Park Apollonia.

Nach dem Erklimmen einer ziemlichen Steigung standen wir vor einer Schranke. Campingplatz? Nein, den gibt es hier nicht. Wir wollten hier einige Tage verbringen, um Dinge zu erledigen und heraus zu finden, was es in Albanien an Sehenswürdigkeiten gibt. Na prima.

So fuhren wir weiter Richtung Durrës, zum Strand von Boshtova, zu einem angeblich geöffneten Stellplatz, mit allen Annehmlichkeiten. Vor allem brauchten wir Internet, denn unsere Geräte lassen sich ohne Internet nicht koppeln. Wir haben dies bisher nie gebraucht, denn wir kauften immer nur Datenkarten des jeweiligen Landes. Diesmal hatten wir eine Touristen-SIM-Karte, um auch Nachrichten und Anrufe tätigen zu können, da in Albanien unsere deutschen Karten nicht funktionieren.

Als wir auf dem Platz „Buona Vila“ ankamen, war alles verschlossen und niemand da. Nicht schon wieder, wir brauchen jetzt etwas Ruhe. Wo sollen wir denn hin? Es ist alles so schwierig in Albanien. Inzwischen haben wir gemerkt, dass man mit einem größeren Wohnmobil fast nirgendwo hin kommt, denn die meisten Straßen abseits der Hauptstraßen sind unbefestigt und nach den Regenfällen der letzten Wochen nicht befahrbar. Das sieht nicht gut aus, denn wir wollen uns in Albanien einiges ansehen. So wird es wohl nur eine Durchfahrt werden.

Drei Grundstücke vor „Buona Vila“, im Restaurant „Luko Mare“ waren ein paar Leute zugange. Wir fragten, ob wir bei ihnen stehen könnten, weil auf dem anderen Platz niemand ist. Wir hatten die Frage noch gar nicht beendet, als wir auch schon eingeladen waren, das Wohnmobil abzustellen, an den Strom anzuschließen und auch gleich zu essen. Einer der Männer lebte dreißig Jahre in Wuppertal und sprach deutsch. Er fungierte als Dolmetscher.

Da sie schon beim Essen waren, hatten wir keine Zeit uns einzurichten, sondern saßen gleich am reich gedeckten Tisch. Mehrere Kleinigkeiten, Salat, Gebackenes und frisch gefangener und gebratener Fisch standen darauf. Die Herzlichkeit, mit der wir aufgenommen wurden, war ergreifend. Die Deutschen stehen bei den Albanern in hohem Kurs, erklärte man uns, was mit der Geschichte zu tun hat.

Nach dem Essen ließ man uns allein und wir verbrachten eine angenehme und ruhige Nacht.

Am nächsten Morgen kam dann auch der Besitzer des „Buona Vila“ und wir zogen um. Für 10,-€ pro Nacht mit Allem verbrachten wir mehrere Nächte.

An einem der Abende aßen wir sehr gut im Restaurant: einen großen Salat, Spaghetti mit gegrillten Meeresfrüchten für mich, und eine Platte gegrillte Meeresfrüchte für Klaus. Dazu gab es geröstetes und mit Olivenöl beträufeltes Brot, sowie Getränke und als Abschluss einen Raki, vom Hause spendiert. Alles war super lecker. Dabei war auch ein Teil der Familie des Besitzers, der ebenfalls deutsch spricht.

Leider war das Wetter in den letzten eineinhalb Wochen nicht schön, viel Regen. Alles ist grau und der viele Müll, der die Strände verschandelt, ist doppelt unschön. Man erklärte uns, dass der komplette Müll aus dem Meer kommt. Auf den Grundstücken der Bar´s, die im Winter geöffnet sind, sind die Strände sauber, aber nebenan sieht es echt schlimm aus. Ende März wird in jedem Jahr der Müll in großem Stil weggeräumt. Angesichts der Unmengen Müll, die aus dem Meer kommen, wird einem um die Fauna der Adria Angst und Bange.

Der Strand von Boshtova ist fast drei Kilometer lang und wird an beiden Seiten von ins Meer mündenden Flüssen begrenzt. Hinter dem Strand breitet sich ein Streifen aus Kiefernwald und Wacholder aus, dann folgt eine flache Ebene, bis im Hintergrund die Berge auftauchen. Eigentlich ist es ganz schön hier und im Sommerhalbjahr ist die Hölle los, versicherte man uns.

Gesellschaft leisteten uns die hübschen Haubenlerchen, Bluthänflinge, Spatzen, Stieglitze und zwei ganz liebe Hunde.

Kurz vor Boshtova-Strand steht eine Burg. Was für eine das ist, können wir nicht sagen. Ein Besuch ist gerade nicht möglich, da sie restauriert wird. Die Arbeiten sollen aber bald abgeschlossen sein.

Östlich von Boshtova befindet sich das „Kodra e Godonve Bio Resort“. Der jetzige Betreiber zieht es gerade neu auf, aber das meiste ist schon fertig. Es liegt auf einem Hügel mit toller Rundum-Sicht, ist schneeweiß, besitzt einen Pool und schöne Außenanlagen. Der kleine Shop, in dem die Eigenprodukte verkauft werden sollen, ist bald fertig.

Gegenüber liegt eine kleine Farm. Hier leben Hühner, Gänse, Schafe und Ziegen.

Ein paar Pferde stehen für Ausritte in die schöne Umgebung bereit. Alles ist Bio und steht dem Hotelbetrieb und dem Restaurant zur Verfügung. Der Kaffee ist jedenfalls sehr gut.

Unterhalb der Farm breitet sich ein See aus, in dem geangelt oder Kanu gefahren werden darf.

Bald soll es auch einen Wohnmobil-Stellplatz geben. Im Moment werden die wenigen Parkmöglichkeiten vor dem Resort genutzt. Der nette junge Betreiber heißt seine Gäste herzlich willkommen. Wer hier her kommt findet Ruhe und Entspannung in einer wunderschönen Umgebung.
Die schlechte Straße, die im Moment noch zum Resort führt soll in diesem Jahr gemacht werden.

Ich schäme mich ein Mensch zu sein

Was tun wir Menschen nur der Natur an? Wir haben schon viele für unser Verständnis vermüllte Ecken gesehen. Was ich aber bei einem Spaziergang entlang des Strandes von Boshtova erleben musste, macht mich wütend.

Leute: Warum müsst ihr euren Müll im Meer entsorgen? Er ist damit nicht verschwunden, denn er taucht garantiert an irgendeinem Stück Land wieder auf. Unterwegs tötet er die im Meer lebenden Tiere. Wollt ihr das wirklich???

Das abschreckenste Beispiel fand ich am Strand von Boshtova an der Küste Albaniens. Da ist unter der Mülldecke kaum noch Sand zu sehen, unglaublich! Man sieht nur noch Müll. Das ist einfach nur ekelhaft!

Die Menschen an Albaniens Küste müssen den Müll dann mit großem Aufwand beseitigen. Bitte nehmt eure Müll einfach wieder mit nach Hause oder werft ihn „IN“ eine Mülltonne. Vielen Dank.

Vlora

Um 7 Uhr kam die Fähre im albanischen Fährhafen Vlora an. Das Anlegemanöver dauerte eine geschlagene dreiviertel Stunde. Eine gute Stunde nach der Ankunft verließen wir die Fähre, um uns am Zoll anzustellen. Für Albanien reicht der Reisepass aus, wenn man nicht länger als 90 Tage bleiben will.

Fast alle, Albaner und auch der Schweizer, der mit auf der Fähre war, wurden kontrolliert. Bei manchen kontrollierten die Zöllner auch die Autos. Bei uns schaute man nur kurz in die Papiere, winkte uns freundlich weiter, und schon waren wir durch. Nur hat das alles so lange gedauert, dass es in der Stadt Vlora voll war und wir keinen einzigen Parkplatz mehr fanden.

Als erstes mussten wir uns eine SIM-Karte für das Telefon besorgen, denn in Albanien funktionieren unsere nicht. Zudem brauchten wir einen Geldautomaten, denn die Albaner haben ihr eigenes Geld.

Entlang der Hauptstraße Rruga Sadik Zotaj sind genügend Geldautomaten und Telefonläden ansässig, aber die Straße war gerammelt voll, parken in zweiter Reihe normal. Uns blieb dann auch nichts weiter übrig, als auf der Rruga Perlat Rexhepi ebenfalls in der zweiten Reihe zu parken. Da das Besorgen einer Telefonkarte nicht so schnell geht und draußen viel gehupt wurde, tauchte irgendwann die Polizei auf. Klaus war im Wohnmobil geblieben und war auf einen solchen Fall vorbereitet. Als ich dann glücklich alles hatte kam ich zurück und entschuldigte mich bei den beiden Polizisten, die freundlich blieben.

Jetzt wollten wir nur noch aus Vlora heraus und zum Parkplatz des Klosters Shën Mërisë (Heilige Maria) fahren. Das Kloster liegt auf einer Insel, aber dummerweise erwischten wir die falsche Straße und fuhren uns fest. Die westliche Straße führt einen Berg hinauf und wird dabei immer enger. Die noch steiler nach oben führende 90°-Kurve schafften wir dann nicht mehr. Nur mit Mühe konnte Klaus umdrehen und wir fuhren zurück. Die anstrengende Nacht steckte uns in den Gliedern und für solche Manöver hatten wir gerade keine Nerven.

So fuhren wir nach Vlora zurück und parkten an der großen Ausfallstraße. Wir hatten ja keine Ahnung, wie wir weiter fahren sollten, denn die Reiseplanung wollten wir nach den Ankunft in Albanien machen. Uns gegenüber stand ein Zitrusfrüchtehändler, bei dem wir einen 5kg-Beutel Apfelsinen und drei riesige Pampelmusen kauften, zusammen für 7,-€.

Nach dem Kaffee wollten wir einen Übernachtungsplatz ansteuern, aber so sehr wir auch suchten, außer einem großen Parkplatz an der Kastrati-Tankstelle Richtung Fier fanden wir nichts. Entweder sind die Plätze für uns nicht anfahrbar oder geschlossen.

Brindisi

Apulien (ital.: Puglia), zumindest die Halbinsel Salento, ist sehr flach. Seit wir hier unterwegs waren, hatten wir schönes Wetter. Typisch für diese Region sind die flachen Feldsteinmauern, die die Grundstücke begrenzen, und die überall verteilten kleinen pulischen Natursteinhütten auf den Feldern. Die hatte ich schon im Beitrag „Nardo“ erwähnt.

Wie schon im Bereich von Taranto über Gallipoli bis nach Santa Maria di Leuca im Süden der Halbinsel, ist es auch im Bereich von Torre dell´Orso bis nach Brindisi schwierig, einen vernünftigen Stellplatz für größere Wohnmobile zu finden. Viele der Wege zu den Stränden sind unbefestigt und im Winter durch die großen Pfützen in den Löchern kaum passierbar.

Wir fanden nur auf dem großen Parkplatz von Torre Chianca und am Torre Rinalda Übernachtungsmöglichkeiten. Die Gegenden sind jetzt im Winter sehr vernachlässigt und vermüllt. Da kaum Touristen hierher finden, hält man es wohl auch nicht für nötig, sich um die Sauberkeit zu kümmern.

Inzwischen haben wir unsere Reisepläne geändert. Da wir jemanden im Nordosten Italiens besuchen möchten, beschlossen wir unsere Fahrt über Albanien und Kroatien fortzusetzen. Die Kilometer sind die gleichen, es kommt nur die Fährüberfahrt dazu.

Wir buchten eine Starline-Fähre von Brindisi nach Vlora in Südalbanien. Es gibt jedoch nur eine nächtliche Verbindung, von 23.59 Uhr bis 7.00 Uhr. Diesmal buchten wir keine Kabine, denn wir hofften irgendwo eine Möglichkeit zu finden, wenigstens die Beine hochzulegen, um ein wenig schlafen zu können. Das lehrte uns die Erfahrung. Die Kabinenpreise bei Starlines sind doppelt so hoch wie wir sie bisher hatten. Selbst für einen Air-Seat, so eine Art Flugzeugsessel, muss man 55,-€ berappen.

Am Abreisetag fuhren wir zum Colonne-Einkaufszentrum im Westen von Brindisi. Die haben einen riesigen Parkplatz und wir konnten uns die Zeit vertreiben. Am Nachmittag suchten wir den kostenlosen Parkplatz unterhalb der Cristo-Kirche auf, um dort auf den Check-in auf die Fähre zu warten.

Um 21.00 Uhr fuhren wir zum Check-in. Normalerweise warten dort viele Autos und Wohnmobile. Hier waren wir fast alleine. Am gleichen Ort legen auch die Fähren nach Griechenland ab. Dorthin gibt es vier Fahrspuren. Auf die albanische Fähre führt nur eine Fahrspur.

Mit unserer elektronischen Buchung gingen wir zum Ticketschalter, um die Fährtickets abzuholen. Auch hier, kaum Fußgänger oder Autos. Nach kurzer Wartezeit passierten wir mehrere Zoll- und Kontrollstationen, denn Albanien ist kein EU-Mitglied. Dann durften wir auf die Fähre fahren, die European Star, in Panama zugelassen. Sie ist wesentlich kleiner als die Fähren, die wir bisher benutzten. Alles ist sehr überschaubar und es fand sich genug Platz, um die Füße hochzulegen oder sich sogar flach zu legen. So konnten wir einige Zeit halbwegs schlafen, bevor uns das unbekannte Albanien mit einem neuen Tag erwartete.

Lecce

Betritt man die Altstadt von Lecce wird man vom Hauch des 17. Jahrhunderts eingehüllt. Viele der Bauten sind im Barockstil errichtet, manche zeigen nur einzelne Elemente des Barock, wie Balkonkonsolen oder Torrahmen. Es gibt aber auch Bauten aus der Renaissance. Allen gemein ist die Tatsache, dass sie aus hellgelbem Stein bestehen. Bisher kannten wir nur Sandstein als hellgelbes Baumaterial, in Lecce wurde aber auch mit Tuffstein gebaut. Farblich sind die beiden Steinarten nicht zu unterscheiden. Eine Berührung bringt jedoch Aufschluss. Während der Sandstein warm und weich ist, fasst sich der Tuffstein kalt und scharfkantig an. Daher hat Tuffstein auch den Vorteil, dass sich damit wesentlich feinere Ornamente und Figuren fertigen lassen. Beim genauen Hinsehen kann man die beiden Steinarten also ebenfalls unterscheiden.

Die prächtigsten Bauten sind die vielen Kirchen der Altstadt von Lecce, wie die Basilika Santa Croce aus dem 16. Jahrhundert. Gleich nebenan steht der Palazzo die Celestini, der gerade rekonstruiert wird und vollkommen verhangen ist. Die herrliche Fassade ist auf dem Foto, welches auf den Vorhang aufgebracht ist, zu sehen.

Der obere Teil der Giebel mehrerer Kirchen scheint zu fehlen. Kaum vorstellbar, dass der abrupt endende Giebel so original sein soll. Wir wissen nicht, was die Zerstörung verursacht hat. Auf jeden Fall sehen die Kirchen damit recht verstümmelt aus, was sehr schade ist.

Der große Platz Sant´Oronzo wird von einer Säule mit der Statue von Sant´Oronzo, dem Schutzpatron von Lecce dominiert.

Hier ist auch das etwas tiefer liegende antike Amphitheater zu finden, welches einen Teil des Platzes einnimmt. Leider ist davon gerade nichts zu sehen, denn es ist eingezäunt. Das Theater wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts ausgegraben. Vielleicht werden die Grabungen jetzt fortgesetzt. Nur durch eine abgebrochene Ecke des Bauzaunes konnten wir einen Blick ins Theater riskieren. Wir hatten uns gerade darauf sehr gefreut, jetzt waren wir sehr enttäuscht.

So schlenderten wir noch ein paar Gassen weiter. In vielen Läden konnten wir die alten Gewölbedecken sehen, die erhalten und neu in Szene gesetzt wurden. Der ein oder andere Hinterhof ist auch zu bewundern, darunter ein sehr verwunschener.

Irgendwann kamen wir zur Piazza del Duomo. Es ist ein großer viereckiger Platz, der von der Kathedrale, dem Campanile (Glockenturm) und mehreren Palazzi umrahmt wird. Leider wurde der obere Teil des Glockenturms auch durch ein Gerüst verschandelt.

Über die Altstadt von Lecce stehen viele schöne Paläste verteilt, wie der Palazzo Loffredo Adorno, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als prestigeträchtiges Adelshaus erbaut. Über die Jahrhunderte wechselten die Besitzer und heute gehört es der Stadt Lecce, die dort Präsidentschaftsbüros und eine Aufsichtsbehörde untergebracht hat.

Lecce besaß einmal vier Stadttore, zwei davon sind noch erhalten: das Porta Rudice und das Porta Napoli.

Der Name Karls V., letzter deutscher Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, ist eng mit der Stadt Lecce verbunden. Er ließ die Stadt im 16. Jahrhundert mit einem Verteidigungsring versehen, um sie vor den Angriffen der Türken zu schützen, die schon einhundert Jahre früher in Otranto einen Sieg zu verzeichnen hatten. Neben einer Bastion, der Mauer, den Stadttoren ließ er auch einen Wassergraben anlegen.

Um die vielen Kirchen von innen zu sehen muss man Eintritt zahlen. Es gibt jedoch ein Kombiticket für 12,-€, in dem acht Einrichtungen enthalten sind. Um den Aufzug auf den Glockenturm zu nutzen, zahlt man noch einmal extra.
Wir wollten im Touristbüro einen einfachen Stadtplan haben, den man sonst überall gratis bekommt. In Lecce muss man einen Stadtplan kaufen. Diese zwei Sachen haben uns den Aufenthalt schon etwas vermiest.

Unser Wohnmobil wollten wir auf dem Parkplatz Ex-Foro Boario abstellen. Dieser war aber überfüllt. Als wir etwas ratlos herumfuhren, lud uns ein netter Herr auf den angrenzenden Busparkplatz ein. Er verlangte 1,-€ pro Stunde, was sehr annehmbar war. Als wir allerdings nach vier Stunden zurück kamen, war der Herr weg und niemand fragte mehr nach einem Parkticket.

Torre dell´Orso

Auf dem Weg zwischen Otranto und Torre dell´Orso legten wir einen Stopp an der Lagune Alimini ein. Die Küstenstraße führt mit Hilfe einer Brücke über den Auslass der Lagune, die anscheinend auch für Fischereizwecke genutzt wird. Auf der einen Seite steht ein Fischgeschäft, auf der anderen Seite breitet sich ein herrlich weißer Strand aus. Der Ort ist sehr sehenswert.

Bärenturm, so heißt der Badeort Torre dell´Orso auf der Halbinsel Salento auf deutsch. Warum, keine Ahnung, aber er ist sehr schön. Die Küsten bestehen aus hellem Sandstein, der hier und da auch kleine attraktive Steilküsten mit Grotten ausbildet. Vielfach stehen ausgespülte Sandsteinformationen bis ins glasklare Wasser hinein. Sicher ist der Anblick per Boot um einiges schöner als vom Land aus.

Der Torre dell´Orso ist zwar zum großen Teil zerstört, aber der helle Stein leuchtet in der Sonne gegen den herrlich blauen Himmel. Drumherum lädt eine schöne Promenade zum Bummeln ein, die auch einen Zugang zum tiefer gelegenen Strand bietet. Café´s und Restaurants sorgen für das leibliche Wohl.

Spaziert man gen Norden an der Küste entlang hat man schöne Aussichten über die Klippen, bis zu deren Rand Wohn- und Ferienhäuser stehen. Leider ist der Stein so bröselig, dass jedes Jahr einige Brocken aus der Steilwand brechen. Deshalb sind die direkten Wege an der Küste entlang auch manchmal gesperrt. Den Häusern bleibt wohl nicht mehr viel Zeit, bevor sie im Meer verschwinden. Keine schöne Vorstellung, zumal diese auch nicht sehr alt scheinen.

Das Wohnmobil hatten wir auf dem riesengroßen Parkplatz am nordöstlichen Stadtrand stehen, wo wir auch in aller Ruhe übernachteten.

Von hier aus führt ein ca. 2 Kilometer langer Weg nach Madonna di Roca Vecchia. Auf dem einen der zwei Kaps, die sich ins Meer erstrecken, liegen zwei Grotten. Sie entstanden durch den Einsturz der Höhlendecken. Die kleinere Grotte della Poesia piccola gleicht einer mexikanischen Cenote. Man hört in dem tiefen, dunklen kleinen Loch das Meerwasser plätschern. Bis vor einiger Zeit konnte man dort drinnen noch baden. Inzwischen ist die Höhle gesperrt.

Die große Grotte della Poesia ist dagegen riesig und man kann sie einmal umrunden. In natura ist sie größer als sie auf dem Bild erscheint.

Das ganze Gelände weist rechteckige Strukturen auf, die man vor sehr langer Zeit als Fundamente für Häuser in den Sandstein gehauen hat. Auch Gräber, mit reichlich Beigaben sollen gefunden worden sein. Hier und da zeigt sich eine schöne Muschel im Stein.

Auf dem zweiten Kap liegt eine Ausgrabungsstätte, die jedoch bei unserem Besuch geschlossen war. Das war nicht weiter schlimm, denn es führt ein Trampelpfad um einen Teil des Bereiches, so dass man die antiken Grundmauern auch so sehen kann.

Frei zugänglich ist zudem ein Stück der nördlichen antiken Stadtmauer, die einst eineinhalb Kilometer lang war und ein Kastell sowie die Stadt eingeschlossen hat. Das Gebiet innerhalb der Stadtmauer soll etwa 30 Hektar groß gewesen sein. Die Mauer war ca. drei Meter dick, besaß zwei monumentale Stadttore und stammt aus dem 4.-3. Jahrhundert v.Chr..

Der Torre di Maradico ist jedoch neueren Datums, 16. Jahrhundert.

Auch hier ist wieder eine beeindruckende felsige Küstenlandschaft zu bewundern. Diese setzt sich bis nach San Foca fort und wird nur selten durch kleine Strände unterbrochen. Es ist bei dem Einheimischen ein beliebtes Fangrevier für Oktopusse.

Auch San Foca ist recht hübsch, mit seiner Promenade, dem rekonstruierten Torre di San Foca, der geschäftigen Marina und den Stränden. Auch hier liegen wieder einzelne Felsen im Wasser.

Das Wohnmobil kann man auf dem großen freien Platz am südlichen Stadtrand stehen lassen, direkt am Wasser.

Seit wir in Le Castella zum ersten Mal eine Zwergohreule hörten, konnten wir ihren Ruf noch einige weitere Male vernehmen. Eine der Eulen rief sogar jede Sekunde, während sonst zwei Sekunden zwischen den Rufen liegen. Auf jeden Fall zieht uns dieser Ruf in ihrem Bann, man müsste nur einmal eine Zwergohreule sehen können.

Otranto

Auf dem Weg von Nardo nach Otranto statteten wir dem Ort Botrugno noch einen kurzen Besuch ab. Im Palazzo Castriota Scanderbeg kann man ein kleines Militärmuseum besuchen, allerdings hat es nur am Donnerstag Abend für zwei Stunden geöffnet. Als wir dort ankamen standen gerade die Türen offen und jede Menge Leute gingen aus und ein. Als sie die Räume des kleinen Museums verließen durfte Klaus sich dort umsehen, trotzdem offiziell geschlossen war, sehr nett. Ausstellungsstücke sind Uniformen und Waffen aus mehreren Jahrzehnten.

Außer dem großen Schloss stehen auch eine kleine Kirche und ein weiterer Palast am großen Platz in der Stadtmitte. Viel mehr hat Botrugno kaum zu bieten.

Otranto dagegen besitzt eine sehr sehenswerte Altstadt. Vom Parkplatz Renis aus ist es nicht weit bis dorthin. Zuerst kommt man am aragonesischen Kastell heraus, welches eine beeindruckende Größe besitzt. Manche Außenbereiche sind kostenlos zu besichtigen. Von dort aus bieten sich schöne Aussichten auf die Stadt und die Marina. Andere Bereiche kosten Eintritt.

Ist man am nördlichen Ende der Burg angekommen sieht man, dass die Altstadt ebenso zur Befestigung gehört. Sie steht auf gewaltigen Mauern, die sie zum Meer hin abschließen.

Man kann also ein Stück auf der Mauer um die Altstadt herum laufen, oder auch mitten durch die Gassen, und verlässt sie dann irgendwann durch eines der Stadttore. Die Häuser sind alle weiß, mit Details aus hellem Sandstein, wie Türrahmen, Fensterbänke oder Treppen, verziert.

An einem der Häuser fanden wir ein Relief mit dem Schlangenturm, den wir auf einer Rundwanderung um das Capo Otranto gesehen haben.

Den Rundweg starteten wir wieder auf unserem Parkplatz, auf dem wir zwei Nächte in aller Ruhe verbracht haben. Das Hauptziel war die nahe gelegene Bauxit-Grube, aber es gibt noch viel mehr auf dieser Wanderung zu sehen.

Zuerst das Kloster Clarisse. Es steht auf einem Hügel und eine Treppe führt zur Kirche hinauf. Am Rande der Treppe steht eine Säule, die aus dem Jahre 1480 stammen soll. An diesem Ort soll durch den Befehlshaber der türkischen Flotte ein Massaker an den Dorfbewohnern stattgefunden haben. Alle Männer über fünfzehn Jahren sollten sich auf dem Hügel versammeln und dem Christentum abschwören. Achthundert von ihnen weigerten sich und wurden umgehend allesamt geköpft. Der Überlieferung zufolge soll einer von ihnen bis zum Ende der Hinrichtungen kopflos stehen geblieben sein. Der sarazenische Henker Berlabei war von dieser Glaubensbekundung so sehr beeindruckt, dass er seine Waffen fallen ließ und sich zum Christen erklärte. Damit unterschrieb er sein eigenes Todesurteil, man pfählte ihn. Die Säule, an der das geschehen sein soll ist dieselbe, die heute neben der Treppe steht. So steht die Geschichte auf der Infotafel neben dem Treppenaufgang geschrieben.

Das nächste Ziel der Rundwanderung ist die Bauxit-Grube. Die Wände der Grube erstrahlen in den schönsten Rot-Gelb-Tönen, dazu das Grün der Vegetation und das Türkis des Wassers. Das ist einfach nur schön. Bauxit ist ein Aluminiumerz, welches sehr eisenhaltig ist. Daher rührt die tiefrote Farbe des Bodens, in dem sich massenweise kleine braune Bauxit-Kugeln befinden.

Auch an anderen Stellen des Kaps treten rote Erdbereiche auf und die braunen Kugeln liegen wie Schotter verstreut auf den Wegen herum.

Hinter der „bunten“ Grube führt der Weg, als Pilgerweg „Via Francigena“ bezeichnet (nach dem Heiligen Francesco da Paola), weiter um das Kap herum. Nun herrscht jedoch die Farbe weiß vor, weißer Kalkstein wohin man sieht, der richtig in der Sonne blendet.

An der Wasserlinie sollen sich mehrere Grotten verbergen, die aber nur vom Boot aus zu sehen sind.

Hier entdeckten wir weitere uns unbekannte Blütenpflanzen, wie das Strauchige Brandkraut oder die Stern-Anemone. Natürlich ist auch der Affodill vertreten, sowie die Meer-Zwiebel, die wir in der Türkei kennenlernten.

Irgendwann kommt man dann zum Torre del Serpe, dem Schlangenturm. Der Sage nach soll es ein Leuchtturm gewesen sein. Man betrieb ihn mit Öllampen, doch nachts kam eine große Meeresschlange, die das Öl immer wieder austrank. Irgendwann töteten die Dorfbewohner die Schlange. Ihr Partner soll sich dann um den oberen Teil des Turmes gewickelt und so den Turm zerstört haben.

Ein Stückchen dem Weg weiter folgend, teilweise ist er sehr steinig und schlecht zu gehen, kommt man zu einer Bunkeranlage der anderen Art. Sie besteht aus mehreren unterirdischen Räumen, die durch genauso viele Eingänge zugänglich sind. Die gewölbte Decke des ein oder anderen Bunkers ist inzwischen zu sehen. Auf jeden Fall war es eine große Anlage, die komplett mit dem weißen Kalkstein getarnt ist, aus dem das Kap besteht.

Auf jeden Fall ist das Panorama atemberaubend und wunderschön.

Nardo

Nardo hatten wir uns für einen Zwischenstopp ausgesucht, damit die Etappe nicht wieder so lang wird, und die Stadt überraschte uns sehr.
Schon auf dem Weg dorthin fuhren wir durch Manduria. In der Innenstadt stehen überall prächtige Barockbauten, die wir aber nur im Durchfahren fotografieren konnten. Vielleicht können wir bei einer nächsten Reise dort Halt machen.

Übrigens befinden wir uns inzwischen in Apulien, und das merkt man. Die Orte strahlen hell und alles ist sauber. Die Häuser tragen meist weiß oder höchstens eine helle Pastellfarbe. Auf den Feldern stehen überall kleine Hütten aus Natursteinen, die meisten davon kaputt. Sie erinnern an die Trullis, die typischen Zipfelmützen-Häuser Apuliens. Sie dienten wohl als Unterschlupf für die Feldarbeiter.

In Nardo parkten wir am Friedhof, wo man ruhig steht. Zur Altstadt ist es nicht weit zu gehen. Uns zog es ausnahmsweise einmal nach dem Abendbrot zu einem Rundgang, denn wir hatten gesehen, dass da etwas im Gange war.

Als wir dort ankamen, hatte die Polizei die komplette Altstadt abgesperrt. Alles war hell und bunt erleuchtet, Marktstände boten ihre Waren feil. Mehrere Menschengruppen trafen sich in religiösen Gewändern, die Kirchen waren alle geöffnet und es fanden Messen statt. Leider konnten wir nicht herausfinden, was da gefeiert wurde, weder an Hand von Aushängen noch im Internet. Auf jeden Fall startete gegen 20 Uhr eine stille Prozession durch die Gassen, mit unbekanntem Ziel. Nur hier und da erklang ein Gebet.

Für uns war es einfach nur schön. Die bunte und sehr aufwändige Beleuchtung ließ die Gassen und Marktstände erstrahlen. Auch hier stehen viele Barockbauten und sehr viele Kirchen.

Auf der „Piazza delle Legne“ (Wasserfallplatz) steht eine neunzehn Meter hohe Säule, sehr kunstvoll gestaltet und der Unbefleckten Jungfrau gewidmet. Sie stammt aus dem Jahre 1769.

An der Wand einer Kirche ist der „Stierbrunnen“ zu finden. Nach der Überlieferung gründete man Nardo an der Stelle, an der ein Stier mit den Hufen Wasser hervorbrachte. Der Brunnen stammt aus dem Jahre 1930.

Natürlich wollten wir uns Nardo noch einmal bei Tageslicht ansehen. Leider verdeckten die am Vorabend so herrlich leuchtenden Konstruktionen die meisten Gebäude, so dass kaum schöne Fotos zu bekommen waren. Zudem waren sehr viele Leute unterwegs. Trotzdem ist die verwinkelte Altstadt von Nardo sehr sehenswert.

Am nordöstlichen Stadtrand steht eine Ölmühle, die verschiedene Sorten Olivenöl und andere Spezialitäten anbietet, und das noch zu akzeptablen Preisen.

Das Gartencenter „Nardo Garden“, direkt am Friedhofs-Parkplatz, ist ebenfalls sehr sehenswert. Es bietet viele schöne Dinge für Haus und Garten an.

Und noch etwas: Die Straße vom Friedhof in die Innenstadt ist mit für uns neuen, sehr auffälligen Bäumen bepflanzt. Der Stamm sieht aus wie von einem Nadelbaum, aber es sind feingliedrige Laubblätter daran. Die Nachforschung hat ergeben, dass es Australische Silbereichen sind. Sehr dekorativ.

Metaponto

Inzwischen haben wir einen 200km-Sprung gemacht. Normalerweise fahren wir nicht so viele Kilometer am Stück, aber entlang der Küste des Golfs von Tarent ist es schwierig einen vernünftigen Stellplatz für größere Wohnmobile zu finden. Streckenweise ist der Tourismus noch kein Thema, was ja auch gut ist, andererseits versperrt wieder die Bahnstrecke viele Zufahrten zum Strand mit zu niedrigen Unterführungen.

Eigentlich wollten wir einen Zwischenstopp an der La Grotta delle Ninfe in der Nähe von Villapiana einlegen. Das Thermalbad hat anscheinend nur in den drei Sommermonaten geöffnet und ist jetzt definitiv geschlossen.

Das nächste Ziel, an dem es etwas zu entdecken gibt, findet sich erst wieder in Metaponto, kurz vor Taranto. Es zählt wie Capo Colonna zur Magna Grecia (Groß-Griechenland) und hieß in der Antike Metapontion. Es war eine sehr große Stadt, die sich vom Strand bis weit ins Landesinnere erstreckte. Einige ausgegrabene Überreste sind im Rahmen des archäologischen Museums zu besuchen, aber viel mehr als Grundmauern und dem kleinen Amphitheater ist da nicht zu sehen. Auf einer der schlecht erhaltenen Infotafeln sind Rekonstruktionen mehrerer Tempel des Heiligtums, welche Hera und Apollon gewidmet waren, und des Amphitheaters abgebildet.

Die Agora bot Platz für achttausend Menschen. Metaponto war Sitz einer Schule des Pythagoras, der dort nach langem Umherirren und als Flüchtling lebte, lehrte und auch starb.

Interessanter ist da schon der Hera-Tempel aus dem 6. Jahrhundert v.Chr., von dem zwei der Säulenreihen wieder errichtet wurden. Ursprünglich waren es einmal 6×12 Säulen. Ein Teil des Tempelbodens ist ebenfalls erhalten. Ein Oleander-gesäumter Weg führt vom Parkplatz zum Tempel.

Zwischen beiden Stätten sollen noch zwei Nekropolen liegen, die wir nicht besuchten.

Das ebenfalls in Metaponto befindliche Schloss Torremare stammt aus dem 12. Jahrhundert. Zwischenzeitlich wurde der Name Metaponto vergessen und der Ort hieß Torre di Mare. Daher leitet sich der Name des Schlosses ab. Eine Adelsfamilie errichtete es auf den Grundmauern eines römischen Kastells, übergab es aber später dem Benediktinerkloster San Michele. Zum Schloss gehörten weitere Gebäude, wie Lager- und Bauernhäuser, oder auch ein Rasthaus für Wanderer. Später wurde das Gebiet vernachlässigt und Mitte des 17. Jahrhunderts rafften Malaria und Pest alles menschliche Leben dahin.

Erst mit dem Bau der Eisenbahn kehrten die Menschen zurück und man baute das Schloss wieder auf. Noch immer sind Rekonstruktionsmaßnahmen im Gange, aber das Schloss wird schon für verschiedene Veranstaltungen über den Sommer genutzt.

Capo Colonna

Jetzt haben wir des Rätsels Lösung: Überall in Kalabrien wächst Fenchel, aber während man den Würzfenchel auf Sardinien mit seinem feinen süßen Aroma genießen kann, schmeckt er in Kalabrien so gar nicht. Er ist auch viel massiver als wir ihn kennen, und er bildet gerade viel höhere Blütenstände aus als normalerweise.
Kurz vor Capo Colonna fanden wir die Lösung. Es ist Riesenfenchel, sehr schön anzusehen, aber nicht schmackhaft. Wieder etwas gelernt.

Auf Capo Colonna, welches die südliche Begrenzung des Golfs von Tarent darstellt, besuchten wir das Ausgrabungsgelände mit dem Hera-Tempel. Im angeschlossenen archäologischen Museum erfuhren wir, warum die komplette Küste von Le Castella bis zum Capo Colonna zum Marine-Schutzpark „Capo Rizzuto“ gehört.

Dieser Küstenabschnitt ist Teil des „Magna Grecia“, des antiken Groß-Griechenland. Im 8. Jahrhundert v.Chr. verließen viele Griechen ihre Heimat, weil sie dort kein Auskommen mehr hatten. In der Hoffnung auf einen neuen und besseren Anfang fand eine Immigrationswelle nach Westen statt, an die Küsten von Italien. Von Neapel über Reggio bis nach Apulien gründeten die ausgewanderten griechischen Siedler neue Städte und Heiligtümer. Eines davon befindet sich auf Capo Colonna, zu antiken Zeiten Capo Lacinio genannt. Der heutige Name begründet sich auf die letzte noch stehende Säule des Hera-Tempels, die zum Symbol Kalabriens wurde.

Es wurden zwei Hera-Tempel gebaut. Wahrscheinlich wurde der erste Tempel durch Erdbeben oder Angriffe zerstört, so dass ein neuer Tempel gebaut werden musste. Von den Grundmauern des ersten Tempels ist kaum noch etwas übrig, die vom zweiten Tempel sind noch gut sichtbar. Bis 1638 stand wohl noch eine zweite Säule des Hera-Tempels, die dann wahrscheinlich einem weiteren Erdbeben zum Opfer fiel. Die dorischen Säulen waren 8,35m hoch und bestanden aus acht Blöcken. Der unterste Durchmesser beträgt 1,68m, der obere 1,29m. Sie standen jeweils auf einer dreistufigen Plattform, trugen das Kapitell und dann das Dach des Tempels.

Zum Heiligtum gehörte ein Garten, der ebenfalls Hera geweiht wurde. Um das Heiligtum herum breiteten sich die Höfe der Siedler und Bauern aus. Das Ganze nahm das komplette Kap ein.

Als die Römer das Gebiet beanspruchten, übernahmen sie den Hera-Tempel und bauten Wohnhäuser, eine Therme und einen Brennofen für Töpferwaren drum herum. Die Grundmauern mit zwei Bögen des Brennofens sind noch direkt links der neueren Kirche zu sehen.

Das Ganze befestigten sie dann mit einer Mauer, deren Reste noch in der gesamten Länge zu sehen sind, soweit sich das Meer nicht einen Teil des Kaps geholt hat.

Das ist auch der Grund für den Marine-Schutzpark „Capon Rizzuto“. Viele antike Strukturen liegen inzwischen auf dem Meeresgrund, sowie auch Schiffswracks mit Ladungen, die z.B. aus Amphoren oder auch teurem Keramik-Geschirr beladen waren. Sogar einen Münzschatz mit Gold- und Kupfermünzen fand man in einer Kiste am Meeresgrund.

Viele Artefakte sind sehr ansprechend im archäologischen Museum ausgestellt, andere dagegen im Museum in Crotone. Crotone war der Wohn- und Handelsort der alten Griechen, mit einem Hafen. Beides bildete eine Einheit.

Die Ausgrabungen auf Capo Colonna begannen 1910, aber noch immer liegt vieles unberührt im Boden. Das Museum und das Grabungsfeld können kostenlos besichtigt werden, aber man freut sich über jede Spende. Man muss wirklich schätzen, was bisher für das Museum geleistet wurde. Ein Film berichtet von der ganzen Geschichte des Ortes, vom 8. Jahrhundert v.Chr. bis heute, die über die Jahrtausende viele Eroberer gesehen hat.

Die ältesten Teile der erwähnten kleinen Kirche „der Heiligen Jungfrau von Capo Colonna“ stammt aus dem 14. Jahrhundert. Später wurde sie erweitert.

Der Torre Nao stammt aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts und war Teil einer Reihe, die aus zwölf Türmen bestand. Karl V., damals Vizekönig von Neapel, ließ diese Türme als Verteidigungslinie erbauen. Zudem dienten die Türme zur Weitergabe von Nachrichten und Signalen, nachts mit Hilfe von Feuern.

Noch ein Wort zu den Erdbeben, von denen ich gesprochen habe. Kalabrien ist ein Hoch-Erdbebengebiet, da sich hier die afrikanische Platte unter die Adriatische Platte schiebt. Das heißt für das Gebiet, dass sich jedes Jahr ca. 1000 Erdbeben ereignen. Die allermeisten sind nicht zu spüren, da sie nur eine Stärke zwischen 0 und 2 haben. Fünf Beben im Jahr sind stärker als 4, was sich schon bemerkbar macht. Alle 15,6 Jahre tritt ein Erdbeben der Stärke 7 oder mehr auf. 1783 fand das letzte zerstörerische Beben mit einer Stärke von 7,1 auf. 30.000 Menschen starben damals und dreihundert Dörfer wurden verwüstet.

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