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Archiv für die Kategorie “Frankreich”

St. Savin

Eine Zwischenübernachtung legten wir im Dorf Chey ein, da wir wieder einmal eine Servicestation für´s Wohnmobil brauchten. Die Gemeinde stellt dort einen kostenlosen Stellplatz zur Verfügung.

Viel gibt es dort nicht zu sehen, nur die einfache Kirche Saint-Pierre und den Brunnen mit Waschstelle von Chey.

Überall wird es nun grün. Himmelsschlüsselchen blühen in Massen an den Straßenrändern. Das tut einfach den Augen gut.

Auf dem Weg nach Deutschland hatten wir keine wirklichen Ziele mehr. Wir mussten uns auch beeilen, denn es stand bald ein Termin an, zu dem wir anwesend sein sollten. So fuhren wir jetzt lange Strecken.
Als wir nach St-Savin kamen, machte uns die Stadtansicht neugierig. Eine große Abtei und eine Römerbrücke ließen uns hier einen Stopp einlegen.

Die heutige Brücke, im Stil einer Römerbrücke, entstand im 13./14. Jahrhundert und verbindet die beiden Städte St-Savin und St-Germain, die durch den Fluss Gartempe getrennt sind. Die Brücke ist zirka einhundert Meter lang und besitzt sechs Bogenfelder. Die Brüstung entlang der Straße hat Ausbuchtungen, wie wir sie schon an der Römerbrücke in Caldas de Reis gesehen haben.

Wir spazierten über die Brücke und kamen so in die Altstadt von St-Savin. So kamen wir zum Platz der Republik.

Durch weitere enge Gassen erreichten wir die Abtei von Saint-Savin. Die Klosteranlage wurde im 9. Jahrhundert um das Grab des Heiligen Savin errichtet. Die Benediktinerabtei spielte bis ins 11. Jahrhundert hinein eine wichtige Rolle in der Klostergeschichte Westfrankreichs.

Bei einem Besuch des Klosterensembles, welches aus der Abtei, heute eine Pfarrkirche, Klostergebäuden und der Abteiresidenz aus dem 17. Jahrhundert besteht, können großflächige Wandmalereien aus dem 11./12. Jahrhundert besichtigt werden. Wie fast immer war auch diese Abtei bei unserem Besuch geschlossen.

Vor der Abtei befindet sich ein großer Garten, der im Moment nicht wirklich schön aussieht, so kahl, wie sich die Bäume zeigen.

St. Jean-d´Angély

Irgendwie hatten wir von der alten Abtei in St. Jean-d´Angély erfahren. Deshalb wollten wir uns das einmal ansehen. Das Wohnmobil stellten wir auf dem Mitfahrerparkplatz ab, der direkt am Stadtrand liegt. Nur ein paar Schritte und man hat das Altstadtzentrum erreicht. Die Häuser wurden aus Kalksandstein erbaut. Viele schöne Details, wie Haustüren, Fachwerk oder architektonische Details aus dem Mittelalter machen den Rundgang interessant.

St. Jean-d`Angély war schon sehr lange bewohnt, aber erst 817, mit der Gründung einer Benediktinerabtei, begann die Stadt an Bedeutung zu gewinnen. 1199 bekam der Ort die städtischen Rechte, die 1204 durch Philipp August bestätigt wurden. 1277 stellte man eine große Glocke auf, das Symbol der kommunalen Rechte. 1332 baute man einen Glockenturm, der bei Unruhen zerstört wurde. Zwischen 1406 und 1410 baute man den Glockenturm anstelle eines ehemaligen Stadttores wieder auf. Im 18. Jahrhundert dann diente der Turm als Gefängnis.

Die Stadt selbst wurde immer wieder durch verschiedene Ursachen zerstört und wieder aufgebaut.

Dann kamen wir zur Rue Grosse Horloge. Das Stadtzentrum hat sich bis heute seinen mittelalterlichen Grundriss bewahrt. Die ältesten Fachwerkhäuser stammen aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurden nie richtig renoviert, so dass die meiste Bausubstanz noch original ist. In der Rue Grosse Horloge stehen zwei der alten Fachwerkhäuser. Archäologische Ausgrabungen belegen, dass die Häuser als Fischmärkte genutzt wurden. Die unterschiedlichen Ausführungen der beiden Häuser zeugen von verschiedenen Zimmerleuten, die sie zügig errichteten.

Fachwerkhäuser waren durch den Einsatz von Holz billiger als Steinhäuser. In den Steinhäusern lebten eher betuchte Bewohner.
Typisch sind auch die auskragenden Obergeschosse. Damit sparte man Grundsteuer, die nach der bebauten Grundfläche berechnet wurde.

Nur ein paar Schritte weiter kommt man zur 1856 erbauten Markthalle.

Langsam lenkten wir unsere Schritte in Richtung Abtei. Dabei kamen wir zum Pilori-Brunnen, der am Rande eines kleinen Parks steht. Er stammt aus dem Jahre 1546 und wurde im Zuge der Verschönerung dieses Viertels an Stelle des Prangers errichtet.

Die Abtei von St. Jean-d´Angély war zum Ende des Mittelalters einer der bedeutendsten und schönsten Abteien im Westen. Sie wurde vermutlich ab dem 10. Jahrhundert erbaut, aber schon 1562 wieder zerstört. So verschwanden auch die Benediktinermönche. Später baute man nur die Kirche wieder auf.

Die Abtei beherbergte bei ihrer Gründung eine bedeutende Reliquie, den Kopf Johannes des Täufers. Dadurch lockte die Abtei Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela an. Auch dies trug zur Entwicklung der Stadt bei. In den späteren Wirren ging der Kopf verloren.
Auf jeden Fall ist die Ruine der Abtei, mit den zwei erhaltenen Türmen, immer noch sehenswert und man bekommt eine Vorstellung von ihrer ursprünglichen Größe.

Meschers-sur-Gironde

Unser nächstes Ziel war nun Meschers-sur-Gironde, das wir schon von Talmont aus gesehen haben.
Hier gibt es einen Stellplatz am Hafen, den wir nutzten. Bei Ebbe erreicht man das Hafenviertel direkt über das Schleusentor, ansonsten muss man um das Hafenbecken herum laufen.

Auch Meschers ist ein gemütliches Örtchen, zumindest zu dieser Jahreszeit.

Zuerst richteten wir unsere Schritte in Richtung Kirche „Saint-Saturnin de Meschers-sur-Gironde“. Dabei kommt man an einem neu angelegten Park vorbei, mit einem gewundenen Weg, Wasserflächen, die bei Ebbe trocken fallen, und einem Spielplatz.

Die Kirche ist innen auch sehr schlicht, besitzt jedoch eine Decke, die mit Holzplanken verkleidet ist, oder nur so aussieht. Seitlich besitzt die Kirche einen ungewöhnlichen Anbau im neoklassizistischen Stil.

Hinter der Kirche befindet sich der Wochenmarkt. Eigentlich sollte heute Markttag sein, aber es war alles ruhig.

So spazierten wir weiter durch die Stadt, vorbei am Rathaus, dem Touristbüro und dem Wappen der Stadt Meschers.

Das wirkliche Ziel in Meschers sind die Höhlenwohnungen in der Steilküste. Dafür spazierten wir weiter zum Nonnenstrand, und zum Strand „Conche des Cadets“. Umrahmt werden die Strände von Sandsteinklippen.

Eine Straße führt nun zurück zum Hafen, immer an der Steilküste entlang. Als nächstes lädt ein Aussichtspunkt zu einem Besuch ein. Von hier aus hat man einen schönen Blick zum Conche des Cadets zurück, auf der anderen Seite sieht man einen Teil der Höhlenwohnungen. Die Holzstatuette eines unbekannten gutbürgerlichen Mannes, der auf See blickt, verziert den schönen Aussichtspunkt.

Dann erreicht man die Höhlenwohnungen. Es gibt zwei Komplexe: die „Grottes de Régulus“ und die „Les Grottes de Matata“. Leider sind die Grotten im Winter geschlossen. Sie öffnen erst wieder Ende März/Anfang April. Dann können einige dieser Höhlenwohnungen besichtigt werden. Uns blieben nur Blicke von oben herab.

Die Grotten sind schon seit uralten Zeiten bewohnt. 1888 wurden sie zur ersten Sommerresidenz im Felsen, 1924 funktionierte man einen Teil von ihnen zu einem Restaurant und einem Hotel um. Der Rest der Grotten kann im Rahmen eines Museumsbesuches besichtigt werden.

Unseren Rundgang beendeten wir, indem wir auf der Küstenstraße weiter spazierten. Auf der einen Seite stehen schöne Villen, auf der anderen Seite wieder die Fischerhütten auf Stelzen. Es ist wirklich sehr schön in Meschers-sur-Gironde.

Talmont-sur-Gironde

Von Arcachon aus umfuhren wir Bordeaux, die Stadt besuchten wir schon vor neun Jahren, und hielten uns nun am östlichen Ufer der Gironde-Mündung. Als nächstes hatten wir den Küstenort Meschers-sur-Gironde auf dem Plan. Da wir jedoch viel Landstraße fuhren, verging die Zeit und wir legten einen Zwischenstopp in Le Pontet, östlich von Blaye gelegen. Es ist ein winziges Dorf mitten in der Weingegend von Bordeaux. Unzählige Weingüter säumen die Landstraßen, hier und da fanden wir Hinweise auf Cognac-Destillerien. Weidewirtschaft ist das zweite Standbein in der ganz leicht hügeligen Landschaft.

Das bestimmende Gebäude in Le Pontet ist das „Château Pontet d´Eyrans“, ein Hotel in typisch französischen Stil. Eine Vorstellung der vergangenen Pracht des Ortes liefert das wohl seit langem geschlossene „Hotel des Voyageurs“.

Am nächsten Tag fuhren wir nach Meschers-sur-Gironde weiter. Kurz davor erregten geparkte Wohnmobile und eine Kirche unsere Aufmerksamkeit. Grund genug abzubiegen und dieses Ziel zu erkunden.
Ganz überraschend landeten wir in einem der schönsten Dörfer Frankreichs: Talmont-sur-Gironde. Bevor man das Dorf erreicht, stellt man das Auto auf dem großen Parkplatz davor ab.

Ein kurzer Fußweg führt dann zum Dorfeingang, wo ein kleines Restaurant einlädt. Auf der anderen Seite hat die Weinkellerei „Talmont“ ihr zu Hause.

Dann taucht man in eine lange vergangene Zeit ein. In diesen Gassen ist die Zeit stehengeblieben. Durch andauernde Erhaltungsmaßnahmen erstrahlt das Dorf Talmont in neuem Glanz.

Man kann aber auch an der Außenseite, entlang der Stadtmauer spazieren, mit dem Blick über eine Bucht der Gironde-Mündung hinüber nach Meschers-sur-Gironde. Gerade war Ebbe, man hätte auch hinüber laufen können.

Auf der vordersten Spitze der Landzunge, auf der Talmont liegt, steht die Kirche „Sainte-Radegonde de Talmont-sur-Gironde“. Dem Baustil nach ist es eine Basilika.

Der angeschlossene Friedhof ist Jahrhunderte alt. Auffallend sind hier steinerne Särge, die jeweils auf zwei Stützen stehen. Dies sind sogenannte Kenotaphe, mehr oder weniger stilisierte und verzierte Steine in Sargform. Selbstverständlich enthielten sie weder Leichen noch Gebeine. Es waren Grabsteine. Vermutlich wurde dieser Brauch von Reisenden aus Italien mitgebracht. Die Verwendung von Kenotaphen war ein in Rom gängiger Brauch.

Die Pflege und Instandhaltung der alten Gräber wird von den Familien aus Talmont übernommen. 1934 erklärte man den Friedhof zum historischen Denkmal. Die Kirche wurde schon 1890, zusammen mit Notre Dame in Paris unter Denkmalschutz gestellt.
Das Innere der Kirche aus hellem Sandstein ist sehr schlicht, mit einfachen, aber hübschen Verzierungen.

Am anderen Ende von Talmont erreicht man ein altes Stadttor, welches den Zugang zu einer weiteren Bucht gewährt. Heute befinden sich unterhalb einige Fischerhütten auf Stelzen, mit „chinesischen Netzen“. Chinesische Netze deshalb, weil wir sie in Indien unter diesem Namen kennenlernten. Inzwischen sind wir ihnen schon an mehreren Orten in Italien, und jetzt auch hier, begegnet.

Auf der anderen Seite der südlich von Talmont gelegenen Bucht liegt das Dorf „Le Caillaud“. Auch hier findet man eine kleine Weinhandlung und ein Restaurant, beides gerade geschlossen.

Oberhalb des Dorfes führt ein Weg entlang der Klippen von Caillaud, auf der landeinwärts gelegenen Seite des Plateaus breiten sich kleine Weinfelder aus.

Am Fuße der Klippen stehen ebenfalls viele der Fischerhütten auf Stelzen.

Auf der anderen Seite dieser Bucht ist wieder die Kirche Sainte Radegonde zu sehen. Es ist eine friedliche Ecke, in der es sich wunderbar entspannen lässt.

Am Ende unseres Rundganges durch Le Caillaud kamen wir noch an einer alten Villa vorbei, und dem Brunnen de la Fond.

Arcachon

Im Fernsehen sahen wir schon Beiträge über die Austernregion Arcachon. Deshalb wollten wir uns jetzt selbst ein Bild machen. Vorher jedoch machten wir einen Abstecher zur Dune de Pilat (Düne von Pyla). Sie ist mit 110 Metern die höchste Düne Europas. Sie erstreckt sich zwischen dem Meer und dem Kiefernwald, der hier angesiedelt wurde. Allerdings hat man wohl festgestellt, dass der Kiefernwald die heimische Vegetation mit vielen endemischen Pflanzen, ähnlich der Macchia, verdrängt. Deshalb hat man schon große Flächen von den Kiefern befreit und ist dabei, diese Arbeit fortzusetzen.

Die Düne von Pyla wandert jedes Jahr rund fünf Meter landeinwärts und begräbt Teile des Kiefernwaldes unter sich. Auch die Höhe und die Lage des Gipfels der Düne verändern sich ständig. Die Düne wird daher ständig überwacht.

Der Sand stammt aus dem Zentralmassiv Frankreichs und den Pyrenäen. Über Millionen von Jahren wurden die Sedimente über die Flüsse zum Meer transportiert, dort durch die Naturkräfte geformt und weiter zerkleinert, bis der Sand hier an der Küste Aquitaniens abgelagert wurde. Die Düne ist mit viertausend Jahren geologisch gesehen noch sehr jung.

Parkmöglichkeiten gibt es vor der Düne, allerdings zu überhöhten Preisen. Es ist nur ein Tagesparkplatz, übernachten also verboten, was die Sache nicht besser macht. Wir haben für eine gute Stunde Aufenthalt 10,-€ bezahlt, statt der angegebenen 7,-€. Das ist der Preis für bis zu vier Stunden. Wer länger bleibt zahlt mehr.
Zwischen Parkplatz und Düne locken Snack- und Souvenirbuden die Touristen, auch Infobüro´s und Infotafeln gibt es.

Dann folgt der Aufstieg auf die fast himmelhoch erscheinende Düne. Das letzte Stück ist so steil, dass man es nur auf allen Vieren bewältigen kann: zwei Schritte vor, einer zurück.

Wenn man dann endlich oben ist, bietet sich ein toller Blick über das Bassin d´ Arcachon. Man sieht viele Sandbänke im Wasser, und gegenüber das Cap Ferret. Im Hinterland sind nur Kiefernwälder zu sehen.

Wer die Düne ein zweites Mal erklettern möchte, kann natürlich an den Strand hinunter gehen, oder rutschen. Leider schien die Sonne diesmal nicht, so dass die Düne nicht so beeindruckend erschien, wie sie es könnte. Trotzdem ist sie ein Erlebnis, so mit über einhundert Metern Sand unter den Füßen.

Jetzt fuhren wir nach Arcachon. Der kleine Stellplatz in der Stadt war voll, so dass wir uns auf den Parkplatz des Intermarché im benachbarten La Teste-de-Buch stellen mussten. Ohne es zu wissen, war dies die richtige Entscheidung, denn das Austern-Zentrum befindet sich am Hafen von La Teste-de-Buch.

Der Austernhafen wurde erst 1840 angelegt. Erweiterungen folgten bis 1885, wodurch er sein heutiges Aussehen erhielt. Hütte an Hütte der Austernfischer drängt sich heute auf dem gesamten Hafengelände. Die Austernzucht findet jedoch auf einem großen Gelände östlich des Hafens statt.

Es haben immer mehrere Restaurants offen, die von den Austernfischern betrieben werden. Manche Austernfischer bevorzugen den Direktverkauf der Austern, von denen ein Dutzend für 6,50€ angeboten werden. Bekommt man sie verzehrfertig, mit Zitrone, Brot und Butter, bezahlt man im Durchschnitt 13,-€ für das Dutzend, je nach Größe.

Die heimische Auster, die Gravette, wurde durch eingeschleppte Arten fast völlig verdrängt. Seit der Antike nutzte man die Austern im Arcachon-Becken. Man erntete sie direkt vom Boden. Dann kamen die portugiesischen Austern. Als eine Seuche auch diese Art dezimierte führte man Austern aus Japan und Kanada ein. Seit damals hat sich die japanische Auster „Giga“ im Arcachon-Becken behauptet. Sie ist die einzige Auster, die heute hier gezüchtet wird. Auch ließt man sie nicht mehr vom Boden auf, sondern züchtet sie auf Gestellen. Im Sommer laichen die Austern. Die Larven breiten sich aus und suchen einen Unterschlupf für den Winter. Die Austernfischer stellen ihnen gekalkte Dachziegel dafür zur Verfügung. Im nächsten Frühjahr werden sie eingesammelt und in die Trägergestelle gepflanzt, wo sie drei Jahre lang wachsen können. Dann werden sie geerntet, gereinigt und kommen auf die Teller.

Wir entschieden uns nach einem Rundgang durch den Hafen für das „Le Testut“. Auf einer Terrasse, mit direktem Blick auf eines der Hafenbecken, probierten wir die hiesigen Austern. Allerdings müssen wir sagen, dass sie mit denen aus Cancal in Nordfrankreich, und Bouzigues in Südfrankreich, nicht mithalten können. Ihnen fehlt das Eigenaroma und der Geschmack des Meerwassers. Deshalb waren wir etwas enttäuscht von den Austern Arcachons.

Parentis-en-Born

Das war wieder eine viel zu lange Etappe. Im französischen Baskenland ist die Situation die Gleiche wie im Spanischen Baskenland – kein Platz, keine Parkmöglichkeiten für Wohnmobile.
Also waren wir gezwungen bis nach Parentis-en-Born zu fahren, wo wir einen schönen und ruhigen Stellplatz am Parentis-Biscarrosse-See fanden. Für 9,50€ pro Nacht mit Service verbrachten wir zwei gute Nächte. Wir befinden uns jetzt in Aquitanien, der südwestlichen Provinz Frankreichs.

Auf der Fahrt dorthin waren Hinweise auf den großen Sturm Ende Februar, der über diesen Landstrich hinweggefegt ist, nicht zu übersehen. Überall laufen Aufräumarbeiten im Wald, außerdem steht fast alles unter Wasser.

Der Parentis-See, mit einer Fläche von 34,5 km², ist ein Gebiet mit einer großen Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Fischotter, mehrere Fledermausarten und sogar Sumpfschildkröten sind hier zu Hause. Die halten jedoch noch bis in den März hinein Winterruhe. Es ist die einzige Süßwasserschildkrötenart in Frankreich, und sie ist bedroht. Die in Europa eingeführte Rotwangen-Schmuckschildkröte aus Amerika ist größer und aggressiver und verdrängt deshalb zunehmend die heimischen Sumpfschildkröten.
Schildkröten lieben Feuchtgebiete, also Bereiche zwischen Wasser und Land. Im Moment herrscht am See Hochwasser, wodurch die Schildkröten mehr Lebensraum haben.

Am Parentis-See, und beim Besuch der Tourist-Info in der Stadt, stießen wir auf zwei völlig unerwartete Überraschungen dieser Gegend. Die eine ist, dass hier Öl gefördert wird, die zweite Überraschung ist die Stierkampfarena in der Stadt.

1960 errichtete man, nach Probebohrungen an Land und in Seen, Pumpstationen. Fast siebzig sind es heute noch. Rund fünfzig Oberflächenförderanlagen (Plattformen), darunter 28 auf Seen, produzieren täglich etwa 240.000 Liter Öl. Das Öl wird aus einer Tiefe von 2.500 Metern gefördert. Zuerst betrieb die ESSO REP das Geschäft, seit 1997 hat die kanadische VERMILLION ENERGY INC. die Hände drauf. Das Unternehmen zeichnet sich durch verantwortungsvolle und nachhaltige Produktion aus, und ist ein wichtiger Arbeitgeber der Region.

Der See birgt noch ein Geheimnis: parallel zum Ufer verlief eine alte Römerstraße, die heute unter Wasser liegt. Auch eine Kirche aus dem 5. Jahrhundert wurde geflutet.

Das war noch immer nicht alles, was den Parentis-Biscorrosse-See betrifft. In Biscarrosse entwickelte und erprobte man von 1930 bis 1955 die Wasserfliegerei. Bis heute finden von diesem See aus Ausbildungen auf Wasserflugzeugen statt.

Das Zentrum von Parentis-en-Born ist ganz hübsch, vor allem die Kirche Saint-Pierre de Parentis-en-Born. Deren Turm wird gerade restauriert, aber man kann sie trotzdem besuchen.

Im südlichen Teil der Stadt befindet sich die Stierkampfarena „Roland Portalier“. Neben den unblutigen Stierkämpfen werden auch bunte Shows gezeigt.

Das war jede Menge Neues auf so kleinem Raum, das uns in Parentis-en-Born erwartete.

Le Barcarès

Dieser Ort, im katalanischen Teil Frankreichs gelegen, ist ein reiner Touristenort. Allerdings unterscheidet er sich von den allermeisten Touristenorten dadurch, dass die Ortsstruktur polyzentralisiert ist. Das heißt, die Angebote verteilen sich auf mehrere Ortsteile.

Le Barcarès liegt nordöstlich von Perpignan, zwischen dem Meer und einer großen Lagune. Die Bergkette der Pyrenäen ist nah.
Die Nehrung, auf der Le Barcarès liegt, ist von vielen Kanälen und Wasserflächen zerrissen, und reicht nördlich bis nach Leucate.

Zu dieser Jahreszeit läuft hier alles sehr ruhig ab. Die meisten Hotels, Residenzen und Campingplätze haben geschlossen. Ein sehr gutes Angebot bietet der Stellplatz „Port Barcarès“. Er ist riesengroß und kostet 8,-€ ohne Strom, mit Strom 13,-€ in der Nebensaison. Ein Nachteil: Es gibt nicht ausreichend Stromsäulen, so dass nicht jeder Gast Strom nutzen kann.

Wir standen die erste Nacht auch ohne Strom. Am nächsten Morgen hatten wir das Glück, sogar in die erste Reihe zu wechseln, mit Stromsäule und direkt am breiten Kanal. Gegenüber befinden sich Lagerhallen, Jetski- und Bootsverleiher und mehrere Bootswerften.

Wir blieben mehrere Tage, die Gegend ist doch recht schön. Strandspaziergänge, Rundgang durch den Ort, Wochenmarkt, Fahrradtouren, da lässt sich die Zeit gut vertreiben.

Der erste Tag war wolkenlos und wunderschön. Dadurch sah alles noch viel schöner aus. Das Wasser der Lagune schimmerte blau. Die beiden anderen Tage ließ sich die Sonne nicht mehr blicken, aber mit 18 Grad ist es noch angenehm.

Eine Fahrradtour führte uns zum Fluss Agly, der gerade nicht das Meer erreicht, weil sich eine Sandbank davor aufgebaut hat. Der Fluss ist naturbelassen, mit vielen Inseln und dicht bewachsenen Ufern.

Direkt neben dem Weg liegt die Anlage „La ferme du Barcarès“. Es ist eine Art Freizeitpark, in dem verschiedene Tiere, von Ziegen über Yaks und weiße Dromedare, in großzügigen Gehegen gehalten werden. Eine große Voliere ist auch dabei, sowie verschiedene Spielmöglichkeiten für Kinder.

In der Nachbarschaft befinden sich jede Menge große Campingplätze.

In der Regel bekommt man von den Gezeiten am nördlichen Mittelmeer nichts mit, so gering ist der Tidenhub. In Le Barcarès fand ich einen Gezeitenstrom. Von der Mündung des Kanals in das Meer bis zur Einengung mit dem Gezeitenstrom liegen mehrere hundert Meter, inklusive zweier Marinen. Trotzdem ist der Strom so stark, dass er mit dem typischen Geräusch eines Gezeitenstromes durch die Einengung fließt und ein beeindruckendes optisches Erlebnis bietet.

Und noch eine zweite Überraschung wartete auf uns: ein Harlekin-Bär, oder Punkt-Bär. Nein, es ist kein Bär, falsch vermutet. Es ist ein Falter. Solch einen außergewöhnlich gemusterten Falter haben wir noch nie gesehen. Er hatte seine Flügel ganz zusammengefaltet und saß auf der Seite unseres Wohnmobils. Heimisch ist er in Nordafrika, aber durch die Klimaerwärmung gelangt er immer weiter nach Norden. Einige soll es auch schon in Deutschland und sogar in England geben.

Beziers

Beziers ist eine sehr alte Stadt. Vor den Römern lebten hier Iberer und Kelten. Nach den Römern gaben sich viele Eroberer die Klinke in die Hand. Im 13. Jahrhundert wurde Beziers französisch.

Der Canal de Midi wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gebaut. Unterhalb der Altstadt von Beziers kreuzt der Kanal mittels einer Brücke den Fluss Orb. Mehrere Schleusen, zwei unterhalb der Altstadt überwinden die großen Höhenunterschiede.

Ein Stück vom Orb entfernt befindet sich eine Schleusentreppe mit neun Schleusen. Leider sind, wie überall, auf dem riesengroßen Parkplatz Schranken davor, so dass ihn nur kleine Fahrzeuge nutzen können. Das hätten wir uns gerne noch angesehen.

Wir haben das Wohnmobil auf dem Stellplatz „Camping cars de Saucliéres“ abgestellt, für 16,72€ pro Nacht mit Strom. Von dort aus spazierten wir am Canal de Midi, der in unmittelbarer Nähe fließt, in Richtung Orb, und anschließend an seinem Ufer weiter, bis wir zum Aufgang zur Kathedrale kamen.

Zuerst erreichten wir die beiden Schleusen „de Beziers“ und „d´Orb“. Der Bereich ist sehr offen und weitläufig gestaltet. Ständig kommen Boote, die in die eine oder andere Richtung geschleust werden möchten.

Dann erreicht man bald die Brücke, über die der Kanal geführt wird. Es ist schon merkwürdig anzusehen, wie das Wasser eines Kanals über einen Fluss geführt wird, aber großartig.

Von hier aus sind drei Brücken über den Orb zu sehen: zwei Autobrücken und eine Eisenbahnbrücke. Die vierte Brücke, die Pont Vieux, ist von hier aus nicht zu sehen. Über allen thront die mächtige Anlage der Kathedrale, die nun unser nächstes Ziel war.

Wir liefen ein paar Straßen entlang, die immer aufwärts führen, bis wir zu einem Aufzug kamen. Man hat dann die Wahl zu laufen oder sich den Aufstieg zu erleichtern, indem man den Aufzug nimmt.
In der Nachbarschaft des Aufzuges steht die Kirche Saint-Jude. Oberhalb dieser Kirche führt ein schöner Weg entlang der großen Mauer, die die Altstadt stützt. Von hier aus bieten sich schon schöne Aussichten auf einen teil der Unterstadt, den Orb und die Brücken.

Mit Hilfe des zweiten Aufzuges gelangt man zu einem kleinen Garten, auch mit Aussicht.

Ein dritter Aufzug bringt die Besucher auf die Ebene der Kathedrale Saint-Nazaire. Gleich nebenan steht das ehemalige Gefängnis, welches heute als Hotel dient.

Von dort oben bietet sich ein fantastischer Ausblick auf das tief liegende Umland, den Orb und die alte Mühle de Bagnols, die wir jedoch nicht besuchten. Das ist einfach atemberaubend.

Die ersten Abschnitte der Kathedrale stammen aus dem 12. Jahrhundert. Im Juli 1209 brannte sie nieder. 1215 begann der Wiederaufbau mit einem Kreuzrippengewölbe. Die großen Fenster baute man erst um 1300 herum ein. Sie brachten viel Licht in die früher so dunkle Kathedrale.

Die mit Nussbaumholz gestaltete Orgel ist wunderschön.

Die gestalterischen Elemente im Inneren stammen aus mehreren Jahrhunderten und weisen verschiedenen Stile auf. Alles in allem ist die Kathedrale ein Prachtstück.

Nach diesem Besuch spazierten wir durch die Gassen der Altstadt in Richtung Bahnhof. Ein Stück römischer Geschichte ist jedoch noch erhalten: das Amfitheater. Versteckt in den verwinkelten Gassen fristet es ein abgeschiedenes Dasein. Die Besichtigung ist kostenlos.

Zwischen dem Bahnhof und dem Womo-Stellplatz steht das Einkauftszentrum „Polygone“. Es ist wunderschön und offen gestaltet. Im riesigen Patio stehen große Kiefern, Palmen und Olivenbäume. Viel Grün sorgt für eine schöne Atmosphäre. In einem langgezogenen Oval sind die vielen Geschäfte untergebracht. Ganz oben sorgen Restaurants und Bars für das leibliche Wohl. Terrassenähnliche Sitzbereiche machen das Ganze attraktiv. Selten haben wir solch ein schönes Einkaufszentrum gesehen.

Auf unserem Bummel stießen wir auf die Handwerks-Brauerei „La Gorge Fraiche“. Auf der ersten Etage stehen die Braukessel, im Erdgeschoss lädt ein Tresen zum Bier probieren ein. Das Angebot der verschiedenen Biere ist reichhaltig.

Bouzigues (Sete)

Wir haben die Camargue verlassen und sind auf dem Weg nach Sete. Da die Stadt Sete keinen Parkplatz für unser Wohnmobil zur Verfügung stellt, fuhren wir an den Nordrand der Lagune Étong de Thau. Die komplette Lagune dient der Austernzucht. Um sie herum dreht sich alles um Austern, Muscheln und Meeresschnecken.

Unsere erste und letzte Austern-Erfahrung liegt schon ewig zurück. Das war in Cancale, in der Bretagne. Diese Austern waren frisch aus dem Meer und super lecker. Jetzt waren wir auf die Sete-Austern gespannt. Wir fanden einen Parkplatz bei Bouzigues. Bis zur kleinen Marina des sehr hübschen Ortes sind es ca. eineinhalb Kilometer. Dabei spaziert man auf der liebevoll angelegten Promenade direkt am Strand, immer mit Blick auf die hübschen Häuschen in der ersten Reihe.

Restaurants, mit Austerngerichten auf der Speisekarte, und Austern-Produzenten sind zahlreich und buhlen um die Gäste.
Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir die Atmosphäre und Gemütlichkeit, die in Bouzigues herrscht. Jeder, der hier her kommt, will Austern essen. Touristische Geschäfte sind hier nicht zu finden.

Den Rückweg nahmen wir durch die Gassen von Bouzigues, die sich schmal und verwinkelt durch die Altstadt ziehen. Die kleine Kirche, deren Turmspitze nur aus einem Stahlgestell mit aufgehängter Glocke besteht, ist außen wir innen schlicht gestaltet.

Am Nachmittag lenkten wir unsere Schritte in die andere Richtung entlang der Lagune. Hier geht es eher fabrikmäßig zu, es geht nicht nach Schönheit, sondern nach Zweckmäßigkeit. Das hat jedoch ebenso seinen Reiz. Man kann die Austernfischer bei der Arbeit über die Schultern schauen. Geputzt werden die Schalentiere allerdings mit Hilfe von Maschinen. Unerwarteterweise riecht es überall stark nach Pilzen, was vom Bewuchs auf den Austernschalen herrührt.

Zu dieser Zeit haben die meisten Austern-Bar´s geschlossen, aber in einem konnten wir unsere Neugier nach den hiesigen Austern stillen. Direkt am Wasser, zwischen den Austernbooten, Bootsstegen und Verarbeitungshallen, lädt eine Bar mit Piratenflair ein. Das ist genau das, was wir suchen. Die Speisekarte ist auf kleine Holztafeln geschrieben. Da werden frische Austern, überbackene Austern, Gamba´s, Muscheln und Schnecken angeboten. Wir entscheiden uns für ein Dutzend frische Austern und sechs Stück überbackene Austern. Wie in Cancale sind die Meeresfrüchte frisch geerntet, aber das Wasser in den Austern ist sehr salzig. Trotzdem riechen und schmecken sie wunderbar. Ein Dutzend Austern kosten 15,-€, das geht noch.

Alles in allem hatten wir hier eine tolle Zeit in Bouzigues, am Étong de Thau, mit Blick hinüber zum Hügel, auf dem Sete liegt.

Aigues-Mortes

Anhand eines Prospektes, welches uns in die Hände fiel, widmeten wir der Stadt Aigues-Mortes mehr Aufmerksamkeit. Sie befindet sich in der kleinen Camargue, die sich westlich des Naturparks Camargue anschließt. Vom Stellplatz „Les Poissons d´Argent“ aus ist die Stadtmauer zu sehen, was ebenso unsere Neugier weckte.

Aigues-Mortes ist schon ewig besiedelt. Bis zum ersten Jahrhundert befand sich hier eine griechische Kolonie, bis die Römer die Herrschaft übernahmen. Sie begannen auch mit der Gewinnung und dem Handel des Salzes der Camargue.

Im 5. Jahrhundert kamen Benediktinermönche, die eine Abtei gründeten. Im 13. Jahrhundert übernahm Ludwig IX., Ludwig der Heilige, das Gebiet und begann mit dem Bau einer Stadt samt Hafen, die heutige Altstadt von Aigues-Mortes.

Wir betraten die Altstadt durch das Porte de la Gardette, welches jahrhundertelang der einzige Zugang zur Stadt war und von Gardesoldaten bewacht wurde.

Rechts vom Tor erhebt sich der Tour de Constance. Er stammt aus dem 13. Jahrhundert und diente als Leuchtturm, Wohnsitz und berüchtigtes Gefängnis.

Nun kann man durch die relativ breiten und hellen Gassen spazieren. Manche davon sind reine Touristengassen, mit Souvenirgeschäften und jeder Menge Restaurants.

Es gibt aber auch viele ruhige Gassen, in denen sich Häuser der ehemalig reichen Bewohner finden lassen. Manche Häuser sind klein, aber liebevoll gestaltet.

Irgendwann verließen wir kurz die Altstadt durch das Porte de la Marine. Wie der Name schon sagt, lag damals der Hafen von Aigues-Mortes an dieser Seite der Stadt. Der Hafen ist verschwunden, heute breitet sich die Lagune Étong de la ville hier aus.

Insgesamt gibt es zehn Tore in der Stadtmauer, vier davon mit einem Doppelturm. Die meisten Stadttore besitzen Namen. Sie erzählen von den verschiedenen Verwendungen, z.B. Pulverturm, Mühlenturm, Salzturm oder Dochtturm. In diesem bleib immer ein Docht angezündet, um sofort das Pulver zünden zu können, sobald Gefahr droht.

Zwei Kapellen, die Kapuziner-Kapelle und die Kapelle der Bruderschaft der grauen Büßer, stehen in der Altstadt.

Gegen ein Eintrittsgeld hat man sogar die Möglichkeit, sich das alte Aigues-Mortes von oben anzusehen.
Auf jeden Fall ist fast alles vor einer Weile rekonstruiert worden, denn es sieht alles sehr gut aus. Und, wie gesagt, die Gassen sind heller und breiter, als wir es von den meisten Altstädten gewohnt sind.

Auf dem Rückweg zum Intermarché, wo wir parkten und auch Wäsche waschen konnten, spazierten wir am Rhȏne-Sete-Kanal entlang und kamen zu einer alten Destillerie, mit dem Namen Maison Fluide. Natürlich mussten wir sehen, was sie im Angebot haben und kehrten ein. Sie haben Gin, Whisky, Rum und Moonshine im Angebot. In den USA hatten wir Moonshine kennengelernt und waren begeistert. Wir probierten den golden schimmernden Moonshine und kauften dann eine Flasche. Normalerweise ist der Moonshine farblos. Wir verstanden die Dame hinter der Theke nicht richtig, aber wir gehen davon aus, dass der Brand ein Jahr lang in Fässern reift, um die goldene Farbe zu erhalten. Hergestellt wird er aus 60% Reis und 40% französischem Gerstenmalz. Auf jeden Fall ist er lecker, mit jeder Menge Prozenten.



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