Tomba dei Giganti S´Ena e Thomas – so der volle Name des Großsteingrabes, westlich von Galtelli in der Barbagia gelegen. Es ist eine der wichtigsten Begräbnisstätten der Nuraghen. Die Front des Grabes besteht aus halbmondförmig aufgestellten Granitsteinen. In der Mitte erhebt sich eine 3,70m hohe Stele, 7 Tonnen schwer, mit einem kleinen Loch am unteren Rand, zu klein, den Lebenden den Zugang zu gewähren. Daran schließt sich das Großsteingrab mit einer Länge von 16 Metern und einer Breite von 7 Metern an. Datiert wird die Anlage um ca. 1800 v.Chr.. Das Grab wurde vor langer Zeit von Grabräubern heimgesucht, aber man fand viele Knochen darin. Man rätselt, ob es sich um Bewohner des Dorfes handelte oder es nur ein Grab für die Privilegierten war.
Die Anlage liegt inmitten einer Weidefläche und ist mit einem Tor versehen. Dies lässt sich leicht öffnen. Dann folgt man dem Weg, der zusätzlich mit Pfeilen aus Steinen markiert ist.
Es ist ein kleiner Spaziergang durch eine Art wilden Botanischen Garten. Unglaublich, was wir hier alles gefunden haben. Den größten Anteil nehmen die Mastixsträucher ein. Die kleinen roten, inzwischen sich schwarz verfärbenden Beeren leuchten in der Sonne. Oft winden sich Triebe einer Kletterpflanze mit weißen Blüten an den Sträuchern empor. Das sieht toll aus.
Am Boden wachsen Meerzwiebeln, eine Lilienart, und Schwanen-Seidenpflanzen. Bis vor einem Jahr wussten wir noch nichts von Seidenpflanzen. Inzwischen kennen wir drei, die wir in der Türkei, auf Öland (Schweden) und jetzt hier auf Sardinien gefunden haben. Es sind faszinierende Pflanzen und sofort zu erkennen. Die großen Früchte enthalten viele Samen, deren seidige Anhängsel sich, wenn die Früchte aufplatzen, groß aufblähen und damit zur Verbreitung der Samen beitragen. Auch die Blüten sollen sehr schön sein, aber da kamen wir immer zu spät.
Bosa war vorerst das letzte Ziel im Westen Sardiniens. Jetzt bewegen wir uns gen Osten, durch das Landesinnere der Insel. Der größte Teil der Strecke führt auf einer Hochebene auf ca. 300 Metern entlang. Es ist das Land der Weidewirtschaft, und es gibt viele Korkeichen. Steinmauern ohne Ende prägen das Bild der sowieso an Steinen reichen Gegend.
Außerdem befinden sich sehr viele Nuraghen, teilweise nicht mehr erkennbar, teilweise steht noch der Stumpf des Turmes. Zu jeder Nuraghe muss wohl eine Grabstätte gehört haben, denn diese finden sich fast genauso häufig.
Wir fuhren an dem Bergstädtchen Macomer vorbei, dass sich auf einer Felsnase entlang zieht.
Bei Silanus fällt ein gut erhaltener Nuaghenturm auf, neben dem eine kleine Kirche steht, sehr ungewöhnlich. Es ist die Kirche Santa Sabina. Im 19. Jahrhundert bestand an dieser Stelle noch ein Benediktiner-Kloster.
Zweihundertfünfzig Meter weiter soll es einen Heiligen Brunnen der Nuraghen geben. Leider ist dieser neu und Massiv eingehaust und abgesperrt.
Südwestlich von Benetutti liegt der Ort Terme Aurora. Na ja, nicht wirklich ein Ort, eher ein Thermen-Hotel San Saturnino, jetzt geschlossen, eine Pferderennbahn und mehrere alte Termenbecken. Nur eines davon ist offen und kann jederzeit besucht werden, die Terme Libere. Zwei Personen können darin gut baden und ein klein wenig schwimmen. Es soll der Rest eines römischen Bades sein und liegt offen mitten in der Landschaft. Über einen Fußweg von der Straße aus erreicht man das Becken. Das Wasser hat Badewannentemperatur, ist glasklar und ein bisschen schwefelig. Es quillt aus dem sandigen Boden, zu erkennen an den aufsteigenden Blasen. Zu unserer Badezeit kam sogar ein wenig die Sonne heraus. Es war herrlich und wir waren allein.
Ganz in der Nähe steht ein kleines Kirchlein auf einer Anhöhe, die Chiesa di San Saturnino. Sie liegt jedoch auf einem abgesperrten Grundstück.
Wir fanden ein Plätzchen an der Fußgängerbrücke gegenüber der Altstadt von Bosa. Bosa soll der schönste Ort auf Sardinien sein. Das stimmt nur was die Ansicht vom Fluss her betrifft. Auffallend sind die vielen bunten Häuserfassaden, die Bosa so besonders machen. Schlendert man durch die Gassen, der neueren Unterstadt wie auch der Altstadt, die sich den Hang zum Kastell hochzieht, dann ist der Anblick eher erschütternd. Graue, ungepflegte Fassaden prägen das Straßenbild.
In der Altstadt am Hang ist sehr viel zu verkaufen, manches wird schon restauriert. Das Problem ist: wer will heute schon im Dunkel der schmalen Gassen, für Autos kaum befahrbar, wohnen? Trotzdem gibt es hin und wieder liebevoll gestaltete Häuser und Eingänge.
Während die Häuser am Hang weniger Geschosse aufweisen, sind die Gebäude in der Unterstadt ziemlich hoch. Hier befinden sich mehrere Plätze, Paläste, einige Museen und ganz viel Gastronomie.
Die Kathedrale im Osten der Stadt ist ganz sehenswert. Wie die ehemaligen Paläste ist auch die Kathedrale vom Barock geprägt. Innen ist viel Marmor zu sehen, aber nicht alles, was nach Marmor aussieht, ist auch Marmor. Da wurde viel mit dem Pinsel nachgeholfen.
Wenn man durch das Gewirr der Altstadt einen Weg nach oben gefunden hat bietet sich ein herrlicher Blick über die bunte Stadt, bis zum Meer hin.
Ganz oben thront das Castello Malaspina, welches wir jedoch nicht besucht haben. Von einem Aussichtspunkt aus sahen wir den Wochenmarkt unten in der Stadt, zudem wir gleich aufbrachen. Der ist nur Dienstags. Neben Klamotten und Haushaltswaren werden frisches Obst und Gemüse wie auch Wurst, Käse und Honig angeboten. Von dort unten aus hat man das Kastell wieder im Blick.
Bosa liegt am Fluss Temo. Auf der nördlichen Seite breitet sich die Stadt aus, mit einem genauso langen Weg am Flussufer entlang. Gegenüber stehen die alten Gerbereigebäude. Im 19. Jahrhundert war Bosa das Zentrum der Lederverarbeitung.
Als wir Bosa über die Fußgängerbrücke erreichten und in die gegenüber liegende Straße blickten, kam uns ein Gedanke des Vergleichs: Palermo. Das bestätigte sich auch in den weiteren Straßen und Plätzen. Die hohen, eng beieinander stehenden Häuser, das Gewusel der Menschen und Autos, wie in Palermo. Das war vormittags. Nach unserer Kaffeepause spazierten wir noch einmal durch die Unterstadt, um andere Bereich zu sehen, da waren wir ganz allein unterwegs. Nur hier und da saß jemand in einer Bar oder einem Imbiss. Das ist uns schon mehrfach aufgefallen, dass bis etwa 13.30 Uhr jede Menge Betrieb auf den Straßen herrscht und um 14.30 Uhr alles ausgestorben ist. Um 15 Uhr zieht wieder Leben ein, bis spät abends.
Es ist wirklich eine wunderschöne Tour. Hinter jeder Kurve eröffnet sich eine neue Aussicht. Die Straße führt einmal auf Meereshöhe, dann wieder auf einer Höhe zwischen 200 und 300 Metern.
Wir hatten ja schon in der Kathedrale von Alghero von dem Lavagestein Trachyt gehört. Kurz hinter Alghero, bis nach Bosa, besteht fast die komplette Landschaft aus Trachyt. Vielerorts ist aber auch die bekannte normale Lava zu erkennen, in mehreren Schichten und verschiedenen Varianten. In den Trachytströmen sind auffallend viele Grotten, Höhlen und Lavatunnel zu sehen. Hier und da liegen Lavablasen offen. Das ist einfach nur sehr interessant und herrlich anzusehen. Einige rundgeschliffene Trachythügel liegen an der Küste entlang verteilt.
Auf der zweiten Hälfte der Tour nach Bosa befinden sich mehrere kleine und uralte Bauernhöfe, die Viehwirtschaft betreiben. Das Gelände sind teilweise so steil, dass die Schafe unbedingt schwindelfrei sein müssen.
Auf dem Parkplatz Su Ferru de Su Caddu machten uns dann ein paar Gänsegeier ihre Aufwartung. Majestätisch zogen sie ihre Kreise über uns und die Küste. Viele Teile der Landschaft an der Panoramastraße sind Naturreservate, so dass die Geier ungestört sind. Das war eine tolle Überraschung, denn mit ihnen hatten wir nicht gerechnet.
Den Tag beendeten wir in Bosa Marina, dem jetzt fast ausgestorbenen Küstenort der Stadt Bosa. Er gruppiert sich um einen großen halbmondförmigen Sandstrand, an dessen Ende ein runder Turm steht. Dahinter hat der italienische Zoll den Rest der Mole abgesperrt.
Die Lieblingsbeschäftigung der Einheimischen am Abend ist Sonnenuntergang gucken. Auf dem großen Platz südlich des Strandes stehen viele Bänke, die dann fast alle belegt sind. Leider gab es heute keinen spektakulären Sonnenuntergang, aber er war ganz nett.
Da kommt uns aber etwas spanisch vor! Alghero soll die schönste Stadt Sardiniens sein. Das können wir nicht beurteilen, der Besuch der Altstadt und der Promenaden, die sich zu beiden Seiten daran anschließen, ist schon ein Erlebnis.
Vierhundert Jahre lang hielten die Spanier ihre Hand über der Stadt, und das ist teilweise noch an den Pflasterungen der Altstadtgassen und an architektonischen Details zu sehen. Alghero wird zu den beiden Seiten, die dem Meer zugewandt sind, immer noch von einer großen und dicken Stadtmauer umgeben. Einige runde Türme ergänzen diese. Durch mehrere Stadttore gelangt man in die historische Altstadt.
Man kann die Altstadt auf der Mauer entlang erleben oder man spaziert durch die engen und dunklen Gassen. Durch das Laufen auf dem Kieselpflaster ist es allerdings etwas schwierig, sich rechts und links umzusehen.
Viele kleine Läden laden zum Bummeln ein. Mehrere Kirchen und die Kathedrale lockern das Bild auf, ebenso wie die kleinen Plätze, die in dem Gewirr der Gassen zu finden sind.
Die Kirche des Heiligen Michael glänzt mit einer großen Kuppel, die mit bunt lackierten Dachziegeln gedeckt ist.
In der Kathedrale dominiert grauer Trachyt, ein Vulkangestein, welches aus einiger Entfernung wie Kalkstein aussieht. Einzelne Elemente, wie die Kanzel und der Altarraum, bestehen aus Marmor, der mit Marmorintarsien belegt ist. Diese stammen aus dem 12. Jahrhundert.
Der heutige monumentale Eingang ist klassizistisch und stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Die Aussicht von der westlichen Stadtmauer aus ist wunderschön. Gegenüber sind die hohen Klippen des Capo Caccia zu sehen. Auf der Mauer stehen mehrere Katapulte aus grauer Vorzeit, und einige verrostete Kanonen aus etwas jüngerer Zeit.
Am Südende, vom Torre de l`Espero Reial, einem Rundturm aus, beginnt eine Promenade mit vielen Sitzgelegenheiten und einem wunderbaren Blick auf die Sonnenseite der Altstadt Algheros.
Auffallend sind hier die Bäume. Sämtliche Äste sind grün, gleichen zum Teil entfernt Kakteenblättern. Der Stamm ist eher Palmholz. Es handelt sich hier um Korallenbäume, die wunderschöne große, rote Blüten hervorbringen. Leider ist es jetzt gerade nicht die Zeit für diese Blüten, aber einzigartig sehen diese Korallenbäume doch schon aus.
Beim Spazieren gehen trafen wir auf ein Restaurant, in dem Spanferkel angeboten wird. Das ist etwas, was ganz und gar sardisch ist und man auf jeden Fall probiert haben sollte. Der Kellner machte auch gleich das Angebot, dass wir uns eine Portion teilen könnten, dazu Kartoffelspalten und ein Gläschen Prosecco. Wir nahmen in der ersten Reihe, mit Blick auf das Meer, Platz. Das Spanferkel war vom allerfeinsten, wunderbar zart mit knuspriger Schwarte. Vier Stunden hat es im Ofen gegart. Die Portion (25,-€) war so reichlich, dass wir beide davon satt geworden sind. Der kühle Prosecco passte sehr gut dazu.
Zehn Kilometer nördlich von Alghero ist die Nekropole Anghelu Ruju zu finden und zu besichtigen. Mit 38 Gräbern ist sie die größte Nekropole Sardiniens. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckten die Gründer des ganz in der Nähe liegenden Weingutes Sella & Mosca beim Abbruch von Kalksteinen für ihre Wohnhäuser die Nekropole. Von 1904 bis 1908 fanden dann erste Ausgrabungen statt, gefolgt von weiteren in den 30er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Dabei wurden Mehrkammergräber und Korridorgräber gefunden, meist über Treppen erreichbar. Die maximale Zahl der Grabkammern in einem Grab beträgt elf. In einigen Gräbern sollen Dekorationen in Form von Stierköpfen angebracht sein, aber solche haben wir nicht gefunden. Die Eingänge zu den Grabkammern sind sehr klein und oft schwierig zu erreichen. Die Bestattung muss bei der Größe der Zugänge und Kammern doch recht anstrengend gewesen sein. Zumindest war die Anlage der Grabkammern in den weichen Kalkstein nicht so schwer.
Auf Tafeln gibt es zu jedem Grab einige Informationen über Form und Zeitraum der Entstehung. Die ältesten Gräber sollen von der Ozieri-Kultur zwischen 4200 und 3300 v.Chr. erschaffen worden sein, manche werden ein- bis zweitausend Jahre jünger datiert. Der Eintritt kostet 5,-€ pro Person.
Nur ein paar hundert Meter weiter befindet sich das schon erwähnte Weingut Sella & Mosca, das Älteste auf Sardinien. Das Weingut wurde 1899 von zwei Abenteurern aus dem Piemont in Norditalien gegründet. Die beiden waren der Ingenieur Sella und der Anwalt Mosca. Sie machten dieses Land fruchtbar, aber es dauerte 35 Jahre, bis sie richtig guten Wein produzieren konnten. Der alte Weinkeller stammt aus dem Jahre 1903. In den wurden riesige Tanks aus Beton eingebaut, die die kompletten Längswände bedecken. Diese werden heute kaum noch genutzt, nur für Weine, die speziell werden sollen.
Die Ernte der Trauben erfolgt von Anfang August bis Anfang Oktober, per Hand oder Maschine. Der Erntezeitpunkt wird davon bestimmt, wie viel Süße die Weine am Ende haben sollen. Alles ist genau ausgeklügelt. Der Traubensaft reift entweder in Edelstahltanks oder in den Betontanks, später wird der Wein in Fässer abgefüllt. Die allermeisten Fässer sind aus französischer Eiche und fassen 225 Liter. Sie werden nur fünf bis sechs Jahre genutzt. Die Franzosen meinen, dass darin die besten Bedingungen für die Weinreife vorhanden sind. So wird die Tradition in diesem Sinne heute noch weiter geführt.
Im alten Keller lagern aber auch sehr alte, viel größere Fässer, die bis zu neunzehntausend Liter fassen.
Im Boden des alten Kellers ist ein Zugang zu einer Art Zisterne. Das Wasser darin kommt aus dem Untergrund des Marschlandes, auf dem das Weingut steht, aber auch aus Quellen der nahe gelegenen Berge. Es ist sehr klar und sauber und hat Trinkwasserqualität, allerdings mit einer leichten Salznote. Früher kühlte man den Keller mit diesem Wasser, heute bewässert man die Weinberge damit. Die umfassen insgesamt 500 Hektar. Davon entfallen 350 Hektar auf die Region Alghero und 150 Hektar befinden sich in der Region Gallura, um Tempio herum, im Nordosten Sardiniens.
Produziert werden Weißweine, Rotweine und ein Spumante-Rosé-Perlwein. Die Spezialität des Weingutes Sella & Mosca ist der Anghelu Ruju, ein Dessertwein, der sehr dem Portwein ähnelt. Ihm fehlt jedoch der kleine Anteil Cognac, der die Portweine auszeichnet. Für diesen Wein werden die Trauben geerntet und zwei bis drei Wochen unter dem Rebstock zum Trocknen liegen gelassen. Dadurch wird ihnen das Wasser entzogen und die große Süße entsteht beim Keltern. Während die meisten Weine von Stella & Mosca zwischen 11 und 13,5 Volumenprozent Alkohol haben, besitzt der Anghelu Ruju ganze 19%. Dieser Wein ist genau unser Ding.
In dem alten Wohnhaus des Marquise de Villamarina, der aus der Lombardei stammte und einen großen Anteil am Entstehen des Weingutes hatte, befindet sich jetzt ein Lager für die langfristig reifenden Weine. In den Nischen der Räume sind die Weinflaschen direkt aufeinander gestapelt, in fünf Reihen hintereinander. Die Weinflaschen stabilisieren sich dadurch selbst. Sollte einmal eine Flasche kaputt gehen, würde das eine Kettenreaktion auslösen. Unter anderen guten Tropfen lagert auch der Anghelu Ruju dort. 4333 Flaschen, eingestaubt, für das Entstehen eines besonderen Aromas, lagern dort seit 1979. Am Ende einer 60 bis 70 Jahre währenden Lagerzeit wird eine Flasche mehrere hundert Euro wert sein. Zur Zeit kostet eine Flasche über 100,-€.
Woher wir das alles wissen? Wir buchten eine zweistündige Führung mit anschließender Verkostung von drei verschiedenen Weinen, zu denen eine Platte mit regionalen Produkten gereicht wird. Darauf sind Schinken, Salami, zwei verschiedene Pecorinokäse und zwei Marmeladen aus Myrte mit Apfel bzw. Feigen. Die Führung kostet 35,-€ pro Person, die sich jedoch lohnen. Wir bekamen sogar eine Privatführung, weil zu dieser Jahreszeit nicht viel los ist.
Noch ein Wort zu den Reben, die auf dem Weingut hauptsächlich angebaut werden. Die Sorten heißen Vermentino, Cannonau und Torbato, von denen wir vorher noch nie etwas gehört haben. Cabernet Sauvignon wird als Begleitrebe für verschiedene Weine ebenfalls angebaut.
In der Nekropole Anghelu Ruju, die übrigens auch zum Eigentum des Weinkellers Sella & Mosca gehört, hatten wir ein Kombiticket gekauft, in dem der Besuch der Nuraghe di Palmavera enthalten ist. Dadurch spart man 2,-€ pro Person, denn der Eintritt in die Nuraghe kostet normalerweise 5,-€.
Die Nuraghen sind antike Turmbauten, die von der Bonnanaro-Kultur vor gut 4000 Jahren begonnen und später vom Nuraghenvolk fortgeführt wurden. Ist man auf Sardinien kommt man an den Nuraghen nicht vorbei. Es soll mehrere Tausend auf der Insel davon geben. Die kleinsten bewachten wohl einen Kilometer Land um sich herum, andere sind wesentlich größer. Von den allermeisten Anlagen ist kaum noch etwas zu sehen. Einige wenige vermitteln einen Eindruck davon, wie solch ein Nuraghendorf aufgebaut war. Die Nuraghe di Palmevera bestand einmal aus zwei Türmen, den Grundmauern eines Versammlungsraumes und 50 runden Wohnhütten drum herum. Die ganze Anlage war von einer Wehrmauer umgeben, die hier jedoch nicht sichtbar ist. Alles wurde mit großen Kalksteinblöcken gebaut. Die Nuraghentürme besaßen jeweils eine gemauerte Kuppel.
Reste von Dekorationselementen, Kochmulden oder einem Sessel machen die Ausgrabungsstätte noch interessanter.
Folgt man der Straße weiter Richtung Westen gelangt man zum Capo Caccia mit der berühmten Neptunsgrotte. Das ist eine Tropfsteinhöhle in einer sehr hohen Klippe. Sie soll nicht die schönste Höhle sein, aber der Zugang ist spektakulär. Über 650 Stufen steigt man hinab zur Höhle. Wir ließen den Besuch aus.
Auf dem Weg liegt dann noch die Stadt Fertilia, Dort stehendie Reste, knapp die Hälfte, einer alten römischen Brücke, die einmal 24 Bögen aufwies.
Von Castelsardo aus folgten wir nun immer der Küstenstraße in Richtung Porto Torres. Kurz vorher wollten wir uns einen schönen Abend am Strand von Platamona machen. Leider hatten wir uns das etwas anders vorgestellt. Parkplätze gibt es nur entlang einer Einbahnstraße, zwischen Wohnhäusern und dem eingezäunten, nicht wirklich schönen Strand. Der Zugang ist nur über Treppen hier und da möglich. Das gefiel uns nicht und so umfuhren wir Porto Torres und wandten uns in Richtung Stintino, kurz vor dem Capo Falcone, dem nordwestlichsten Ende Sardiniens.
Am Strand von Le Saline wurden wir fündig. Platz gibt es mehr als genug. Der Strand wird als einer der schönsten Sardiniens gerühmt. Nur haben die Herbststürme jede Menge totes Seegras an den Strand gespült, womit die Schönheit verschwunden ist.
Zwischen den Parkplätzen, schön flach und frei, um von morgens bis abends die Sonne zu genießen, breiten sich alte Salinenbecken aus. Hier wird schon lange kein Meersalz mehr produziert.
Die baulichen Anlagen sind verfallen, die Becken der Natur zurück gegeben. Ein paar Flamingos halten sich noch hier auf.
Am nächsten Tag fuhren wir zum Capo Falcone hinauf. Auf dem Kap gibt es Parkplätze und ein Gebäude, welches ein Restaurant, einen Markt und weitere kleine Läden beherbergt. Die Aussicht auf die Insel Asinara ist atemberaubend. Auf der geschützten Insel leben halbwilde Albino-Esel.
Vom Parkplatz aus wollten wir zu den Landzungen wandern, die das Capo Falcone markieren. Die Landschaft wird hier vom Schiefer dominiert, der auch der bevorzugte Baustoff ist. Bäume gibt es nicht mehr, nur Büsche und flaches Gestrüpp. Leider mussten wir ein weiteres Mal feststellen, dass ein ganzes Gelände unzugänglich ist, weil alles von privaten Wohn- und Ferienanlagen blockiert ist.
Also genossen wir die herrlichen Aussichten und fuhren zurück, um in Stintino Halt zu machen. Die kleine Altstadt ist von zwei Marinas, dem touristischen Yachthafen und dem Hafen der Einheimischen umgeben. Sie liegt also auf einer Landzunge. In der Mitte steht eine kleine Kirche, am Ende erhebt sich ein Leuchtturm. Der Heilige San Pietre, Schutzheiliger der Fischer, wacht über das davor liegende Meer. Die meist hübschen Häuser stehen in mehreren parallelen Reihen auf der schmalen Halbinsel.
In Tonnara Saline hielten wir noch einmal, um uns die alte Thunfischfabrik anzusehen. Die Schornsteine sind noch zu sehen, aber die Fabrik wurde rekonstruiert und dient heute anderen Zwecken. Außerdem hat sich auch hier eine Wohnanlage breit gemacht, alles abgesperrt und privat.
Während Klaus zurück zum Parkplatz am Strand Le Saline fuhr, spazierte ich den Rest des Weges zurück. Dabei sah ich mir die Ruinen der alten Salinenfabrik an und spazierte am Strand entlang. Der Sand ist grob und weiß, da er fast nur aus rundgeschliffenem Quarz besteht. Die Strandhütten sind allesamt geschlossen, die Zugänge fast alle marode oder teilweise zerstört. Die Flamingos hielten sich heute in einem anderen Salinenbecken auf, als gestern Abend.
Auf dem Weg begleiteten mich die Stare, die hier ihr Winterquartier aufgeschlagen haben. Deren an Tönen und Geräuschen reichhaltige Unterhaltungen machen richtig Spaß.
Auf der Halbinsel des Capo Falcone, bis hinunter zu den Salinen, liegen überall Bunker aus dem zweiten Weltkrieg verstreut, deren Geschütztürme aus der Landschaft gucken.
Der Abendhimmel brannte heute feuerrot, es sollte morgen wieder schön sein, wie die meisten Tage auf Sardinien. Die Nachttemperaturen liegen hier im Nordwesten 5 Grad höher als im Nordosten Sardiniens, wo wir gestartet sind.
Entlang der Costa Paradiso und der Costa Rossa, durch eine schöne, hügelige und grüne Landschaft, durchfuhren wir die nördliche Küstenlandschaft von Sardinien. Immer wieder eröffnen sich Blicke über das Meer. Korsika ist meistens im Dunst verschwunden und fast nur noch zu erahnen.
Bevor man Castelsardo besucht sollte man einen kleinen Abstecher zum „Elefantenfelsen“ machen. Dies war ein riesengroßer Lavabrocken, der in grauer Vorzeit als „Höhlenwohnung“ ausgebaut wurde. Die Räume sind noch da, obwohl der Brocken sehr verwittert ist. Inzwischen hat er die Form eines Elefanten angenommen, sehr kurios.
Kurz vor der Altstadt von Castelsardo befindet sich ein großer kostenloser Parkplatz, den die Gemeinde zur Verfügung stellt. Er liegt auf einer Terrasse und bietet einen unglaublichen Blick über die Küste, das Meer und die historische Altstadt von Castelsardo auf einem in das Meer geschobenen Fels. Ganz oben thront das Kastell. Die Häuser winden sich um den Fels herum und scheinen zum Meer hin zu fließen. Das ist ein wunderbarer Anblick.
Der Weg ist nicht mehr weit und schon steht man auf dem Hauptplatz Piazza La Pianedda. Rundherum bieten im Sommerhalbjahr viele Geschäfte sardisches Kunsthandwerk an: Körbe, Korallenschmuck und allerlei andere Dinge. Jetzt ist, wie überall, fast alles geschlossen.
Dieser Platz ist Ausgangspunkt für den Aufstieg zum Kastell. Dies kann man auf der sich den Hang entlang windenden Straße tun, oder man nimmt die große, schön bemalte Treppe. Am Ende dieser Treppe geht man ein kleines Stück Straße, bis zu einem Café mit Blick zu den Klippen, mit einem winzigen Strand unterhalb unseres Parkplatzes.
Von nun an spaziert man enge, verwinkelte, mit Flusskieseln gepflasterte Gassen zum Kastell hinauf. Ein paar Schilder weisen den Weg.
Das Kastell kann man für 5,-€ Eintritt pro Person besichtigen. Das Castello Dei Doria wurde im 12. Jahrhundert von der genuesischen Adelsfamilie Doria erbaut. Damit konnten sie die Schiffe im westlichen Mittelmeer kontrollieren. 1438 eroberten die Spanier das Kastell und machten das Castel Aragonese daraus. Im 18. Jahrhundert wurde es sardisch, hatte seine Funktion aber schon verloren. Erst in der Neuzeit gewann es als touristisches Ziel wieder an Bedeutung. Es wurde restauriert und ist heute ein Museum, in dem vor allem Flechtarbeiten rund ums Mittelmeer gezeigt werden. In Sardinien hat die Flechtkunst mit Pflanzenfasern einen hohen Stellenwert. Einer der Korbflechter hatte seine Werkstatt geöffnet und wir durften uns umsehen.
Von ganz oben hat man einen fast Rundum-Blick vom Capo Testa die Küste entlang, über den Turm der unterhalb gelegenen Kathedrale von Castelsardo, und über die Marina bis hin zur Insel Asinara, den nordwestlichsten Punkt von Sardinien.
Etwas unterhalb des Kastells befindet sich die Kirche di Santa Maria delle Grazie, die ebenfalls besichtigt werden kann. Gleich daneben ist das Museum der genuesischen Geschichte zu besuchen. Hierfür ist das Ticket für das Kastell ebenfalls gültig. Bekannt sind die Museen auch unter der Bezeichnung MIM für das Kastell und MOG für das Geschichtsmuseum.
Noch ein paar enge Gassen weiter hinunter und man steht vor der Kathedrale mit dem hohen separat stehenden Glockenturm, der mit bunten Majolika-Ziegeln gedeckt ist.
Vom Vorplatz aus blickt man auf die schroffe Küste, einen Garten und die Grundmauern der Bastioni Manganella.
Bis hierher hatten wir den Weg gut gefunden. Der Rückweg ist nicht so leicht zu finden, wenn man nicht die unterhalb verlaufende Straße nehmen will. Die Gassen durch die historische Altstadt von Castelsardo sind ein echtes Labyrinth. Fast alles sind Treppen, viele Gassen sind Sackgassen. Es geht nach den Schema Versuch und Irrung voran, Hauptsache bergauf. Irgendwann hatten wir dann doch den Ausgang gefunden.
Die Nacht verbrachten wir auf dem Parkplatz und am nächsten Morgen steuerten wir die Marina an, um unsere Wäsche zu waschen. Schnell und problemlos hatten wir das Thema im Waschsalon erledigt. Hier kann man das Geld für die Maschinen wechseln und die Beschriftung ist auch international, alles super.
Nachdem das erledigt war, spazierten wir an verschiedenen Läden und Einrichtungen vorbei bis zum Ende der Mole. Von hier aus hat man noch einmal einen schönen Blick auf die Hinterfront von Castelsardo.
Die Stadt steht auf einem Lavafelsen, davor streckt sich eine Lavazunge ins Meer. Die Begrenzung der Marina besteht aus Lavabrocken. Bisher war ich der Meinung, dass Sardinien aus Grundgestein besteht, eben aus Granit. Die Insel ist erdbebenfrei, während Italien immer wieder von schweren Beben heimgesucht wird. Meinen Nachforschungen zufolge gibt es aber auch hier viele Vulkane, womit sich die heißen Quellen der Insel erklären. Entlang der Nordküste ist dazu sehr viel Lössboden auszumachen.
Durch Zufall erfuhren wir von der Existenz der Thermalquellen von Casteldoria. Wir sind immer auf der Suche nach natürlichen Thermalquellen, die gerade in der kalten Jahreszeit eine Wohltat sind.
In einem engen Tal des Flüsschens Coghinas, etwas unterhalb des Stausees, treten heiße Quellen zutage. Dort befindet sich ein Hotel, welches jetzt geschlossen ist. Im Fluss sind jedoch einige Stellen mit Steinen umrandet, in denen man das warme Wasser, das leicht schwefelhaltig ist, genießen kann. Die Becken sind nicht tief, gerade dass man flach drin liegen kann, aber es ist herrlich. Das Wasser hat dort Badewannentemperatur. Aus den Quellen kommt es wesentlich heißer geströmt. Leider erreicht die Sonne das Wasser jetzt kaum, weil sie so flach steht, deshalb es ist draußen ziemlich kühl.
In der Nähe, zwischen Perfugas und Martis, war ein versteinerter Wald zu finden. Inzwischen kennen wir ein paar wenige versteinerte Wälder, die in Arizona (USA) und der Türkei liegen, aber auf Sardinien, das ist überraschend. Leider wurde der Wald Mitte des 20. Jahrhunderts durch die Einheimischen zerstört, um etwaigen Grundstückenteignungen vorzubeugen. Deshalb gibt es nur noch Relikte, die einen Besuch eher unattraktiv machen. Vor allem im Rio Altana, zwischen den beiden Orten, sollen einige dieser versteinerten Bäume zu finden sein, die dort damals entsorgt wurden.
Santa Teresa di Gallura, knapp östlich von Capo Testa gelegen, ist der nördlichste Ort Sardiniens. Dort spazierten wir durch den Yachthafen. Von überall her sind die Winterflüchlinge gekommen: Malta, San Marino, Polen, London. Da liegen sehr schöne große Yachten im Hafen. Rundherum befinden sich Ferienhäuser und touristische Anlagen, alles verlassen. Nur ein kleines Restaurant wird von den Einheimischen gut besucht. Ein paar Meter weiter verwehrt ein großer Zaun das Weiterkommen. Dort ist der Fährhafen nach Korsika ansässig. Es ist also eine Landesgrenze.
Also fuhren wir zum Capo Testa weiter. Wir waren schon von den Granitfelsen der Costa Smeralda und Palau begeistert, aber die Landschaft auf Capo Testa ist eine Wunderwelt. Auf verschiedenen Pfaden wandelt man von einer beeindruckenden Felsformation zur nächsten. Immer wieder eröffnen sich neue gewaltige Ansichten. Zwischen den riesengroßen, rundgeschliffenen und ausgehöhlten Felsen blitzt das blaue Mittelmeer hindurch.
Gegenüber, fast nur einen Steinwurf entfernt, liegt Korsika mit seinem Fährhafen Bonifacio. Die Ansicht erinnert an die weiße Felsenküste von Dover, nur kleiner. Über das Capo Testa wacht ein großer Leuchtturm, der jedoch abgesperrt ist.
Mit dem Wohnmobil sind Santa Teresa di Gallura und auch das Capo Testa nicht erreichbar. Die Zufahrten sind für Wohnmobile über das Sommerhalbjahr gesperrt. Jedenfalls ist es eine herrliche Landschaft, in der beides liegt.