Nein, nicht das Palau in der Südsee, wo wir unbestritten auch gerne wären. Wir haben die Costa Smeralda verlassen, aber noch nicht die einzigartige Granitlandschaft im Nordosten Sardiniens.
Auf dem Bärenkap, östlich von Palau, erhebt sich der berühmte Bärenfelsen. Auf den haben wir uns schon gefreut. Der wie ein Bär geformte Fels, der auf dem Kap thront, war in der Antike als „schlechter Ort“ verschrien und die Seeleute umrundeten den Fels mit großem Abstand. Leider ist das gesamte Kap im Winterhalbjahr verschlossen. Kein Auto erreicht den Parkplatz, kein Fußgänger darf auf dem Kap wandern, auch der Leuchtturm ist nicht zu erreichen. Das ist sehr enttäuschend. Wir mussten uns mit einem Blick von weiter unten auf den Bärenfels begnügen.
Im touristischen Hafen von Palau fanden wir ein Foto des Felsens, wenn man direkt davor steht.
Auf dem Weg nach Palau gibt es einen Aussichtspunkt an der Straße, von dem man einen Blick auf die vorgelagerte Insel La Maddalena werfen kann. Eine Autofähre verbindet den Ort Palau mit der Insel.
In Palau selbst parkten wir das Wohnmobil im touristischen Hafen, direkt zwischen der Marina und dem langen Sandstrand. Von hier aus starteten wir einen Spaziergang durch den Ort. Zuerst immer am Wasser entlang: an der Marina, am Fähranleger, weiter die Promenade entlang, wo wieder schöne Felsformationen zu finden sind, bis hin zum Stadtstrand. Die Fähren pendeln oft zwischen Palau und La Maddalena. Das Wasser ist glasklar, sogar im Hafen ist es sauber.
Den Rückweg nahmen wir durch die Gassen, wo jetzt überall Ruhe herrscht und die Einheimischen ungestört ihrem Tagwerk nachgehen können. Ein paar Geschäfte und Restaurants haben vereinzelt geöffnet.
Folgt man dem Sandstrand kommt man bald an dessen Ende an, wo sich ein Pinienwald mit Picknickplätzen befindet. Durch diesen Wald erreicht man ein kleines Kap, von dem aus die Nachbarinsel Santo Stefano zu sehen ist, und der Bärenfels. Immer wieder liegen große, rundgeschliffene Granitfelsen in der Landschaft herum.
Wenn man auf einer der zahlreichen Bänke am Strand sitzt kommt man sich tatsächlich ein bisschen wie in der Südsee vor: blauer Himmel, blaues sauberes Wasser und die großen Felsen. Der Sturm der letzten drei Tage hat endlich aufgehört.
Überall wachsen die Erdbeerbäume mit den jetzt reif werdenden Früchten, die so lecker sind.
Auf dem Weg entlang der Costa Smeralda legten wir noch einen Stopp in Baja Sardinia ein. Seit wir vor drei Tagen auf Sardinien gelandet sind stürmt es bis Windstärke 8. Das ist unangenehm und lästig, wenigstens zeigt das Thermometer noch 16 Grad an. Seit heute Mittag ist der Himmel wieder blau, was es auch noch einmal einfacher macht.
Der Urlaubsort Baja Sardinia ist zu dieser Jahreszeit ausgestorben. Wir begegneten nur ein paar Sicherheitsleuten und Personal, welches sich um die Hotels und Ferienhäuser kümmern. Es ist eine Schande, das die vielen schönen Häuser nur über das Sommerhalbjahr bewohnt sind.
Beeindruckend ist der Aussichtspunkt von Baja Sardinia. Ein größeres Plateau wird von Granitfelsen gesäumt, die von Wind und Wetter geformt wurden. Zudem bietet sich eine schöne Aussicht auf die Smaragdküste. Einen schönen feinen Strand hat der Ort ebenfalls zu bieten.
Vom Parkplatz des Einkaufszentrums aus sieht man alte Ruinen auf einem Berg. Diese gehören zu einem Club und werden gerade ausgebaut.
Unser nächstes Ziel sollte Capo d´Orso sein, das Bärenkap östlich von Palau gelegen. Vorher fanden wir einen schönen, abseits gelegenen Parkplatz, der zum Spiaggia Le Piscine gehört. Dort wollten wir unsere Kaffeepause einlegen. Ein Fußweg führt zum Strand hinunter, der wirklich herrlich ist. Überall liegen Granitfelsen in der Landschaft herum, an Land und im Wasser. Eigentlich sind es mehrere Strände, die gleich nebeneinander liegen. Klaus nutzte die Gelegenheit für ein erfrischendes Bad im klaren Wasser. Für mich war es interessant dem Spiel der Wellen zwischen den Felsformationen zuzusehen. Der Sand ist recht grob und macht auch Geräusche, wenn die Wellen darüber fließen. Ich habe da etwas von einem Reiskornstrand gelesen. Das passt ganz gut.
Da es so schön ist beschlossen wir, auch die Nacht hier zu verbringen.
Um immer auf der Küstenseite der Straße unterwegs zu sein fahren wir gegen den Uhrzeigersinn um Sardinien herum. Unser erstes Ziel war somit die Costa Smeralda, die Smaragdküste.
Im kleinen Bergdorf San Pantaleo spazierten wir in aller Ruhe durch die Gassen. Sehr angenehm ist, das die allermeisten Häuser nur eine Etage haben. Dadurch bekommt jeder genug frische Luft und Sonne, wenn sie denn mal scheint.
San Pantaleo scheint ein Künstlerort zu sein. Überall verweisen Schilder auf Studios, in denen verschieden geartete Kunst angeboten wird. Allerdings ist jetzt, Ende November alles geschlossen. Nur ein kleines Café bewirtet die Einheimischen, die unter sich sind.
So hielten wir uns nicht lange auf und fuhren zurück an die Küste, in den „städtischen“ Ort Porto Cervo. Das Wohnmobil stellten wir auf dem großen und fast leeren Parkplatz an der Marina Porto Cervo ab. Im Sommerhalbjahr wahrscheinlich unmöglich, aber jetzt haben wir den Platz fast für uns alleine und kostenlos. Alle Schranken und Parkautomaten sind abgebaut oder außer Betrieb.
Was in diesem Ort erstaunt, ist die Bauweise der Häuser. Man kommt sich vor, als würde man sich in einer Mischung aus Apulien und Kappadokien aufhalten, sogar ein bisschen New Mexico ist dabei. Sehr interessant, man kann sich kaum sattsehen. Oberhalb des Parkplatzes breitet sich eine „Einkaufsstadt“ aus. Auf mehreren Etagen befinden sich verschiedene Boutiquen, Läden und Restaurants. Man weiß gar nicht wo man zuerst hinsehen soll, es gibt so viele schöne Details und Bepflanzungen.
Folgt man einen kleinen Fußweg rund um die Bucht, gelangt man über eine Holzbrücke in das nächste Einkaufszentrum, im New Mexico-Stil. Davor liegt ein kleiner Strand, von großen Granitsteinen gesäumt. Die ganze Nordost-Ecke von Sardinien besteht aus ockerfarbenem Granit. Die blanken Felsen bilden herrliche Landschaften.
Oberhalb des Yachthafens auf der anderen Seite von Porto Cervo steht die kleine Kirche Stella Maris. Auch sie ist ein architektonisches Schmuckstück, mit Blick über ganz Porto Cervo.
Der ganze Ort ist wunderschön, aber kein Bauwerk ist älter als fünfzig Jahre, laut einem Reiseführer. Kaum zu glauben. Die Architekten konnten sich jedenfalls in Porto Cervo richtig austoben.
Um 10 Uhr startete die Fähre von Livorno aus. Sie fuhr an den kleinen Inseln Capri, Elba, Pianosa (die im Gegensatz zu allen anderen Inseln sehr flach ist) und Monte Christo vorbei. Natürlich begleitete uns die große Insel Korsika eine ganze Weile. Als wir Sardinien erreichten war es schon dunkel.
Insel Elba mit Pianosa davor
Mit einer halben Stunde Verspätung kamen wir nach neun Stunden Fahrt in Olbia auf Sardinien an. Gleich auf dem Parkplatz der Nachbarmole übernachteten wir, um nicht noch weit fahren zu müssen. Als wir uns eingerichtet hatten spazierten wir ein kleines Stück die Fußgängerzone von Olbia, durch die Altstadt hinauf. Die liegt gleich gegenüber der Mole. Es hatten nur noch ein paar Bar´s und Restaurants geöffnet. Das Wetter war schön und die Temperaturen recht warm.
wunderschön illuminiertes Riesenrad in Olbia
Am nächsten Morgen erkundeten wir die Altstadt noch einmal in Ruhe und etwas ausgedehnter. Gleich am Eingang der Fußgängerzone liegt das alte Pflaster aus Römerzeiten frei. In diesem Bereich befand sich einst das Forum.
das alte Pflaster des Forums
Etwas weiter und versteckt steht die kleine Kirche für den Apostel San Paolo. Das Dach des Kirchturms fehlt, dafür macht die bunte Deckung der kleinen Kuppel einiges her.
Auf einem Hügel am Ende der Altstadt steht die Basilika San Simplicio aus dem 11.-12. Jahrhundert. Innen und außen ist sie mit Sandsteinen verkleidet und sehr schlicht.
Innenraum der Basilika San Simplicio
Vorbei am Parco Fausto Noce, wo wir viele Erdbeerbäume mit den wunderschönen, reifen und essbaren Früchten entdeckten, spazierten wir am Römerhafen entlang zurück zum Wohnmobil.
Erdbeerbaum
Wenn man in Richtung Süden am Wasser entlang läuft, kann man die schön und großzügig gestalteten Promenaden genießen, mit Sitzgelegenheiten und Badestellen.
Nach reiflicher Überlegung und checken der Wettervorhersage entschieden wir uns nun doch, nach Sardinien überzusetzen. Korsika lassen wir aus, denn dort ist es definitiv zu kalt. Wie fast immer buchten wir eine Fähre über Direct Ferries, von Livorno aus mit Zielhafen Olbia auf Sardinien. Die Überfahrt wird 8,30 Stunden dauern.
Auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Livorno mussten wir leider feststellen, dass auf den meisten Plätzen schon Wohnmobile ausgeräumt wurden. Außerdem verbringen die Jugendlichen auf den größeren Plätzen bis in den frühen Morgen hinein ihre Abende mit Lärm machen und Rollermanövern. An Schlafen ist da nicht zu denken.
Deshalb orientierten wir uns auf den Stadtrand von Livorno und wurden im südlichen Vorort Montenero, neben dem Friedhof fündig. Dort ist es zwar nicht schön, aber sicher und ruhig. Bis zum Hafen ist es nur eine viertel Stunde Fahrt.
Einen knappen Kilometer zu Fuß steht der antike Leuchtturm von Montenero. Für uns sieht er jedoch eher wie ein nur ein paar Jahrhunderte alter Verteidigungsturm aus. Ein Spaziergang dorthin ist trotzdem recht schön.
Den Friedhof, neben dem wir stehen, besichtigten wir ebenfalls. Es sind fast prunkvolle Grabanlagen, zumeist Familiengruften oder Hallen mit Urnengräbern in den Wänden. Viele liebevoll gepflegt und fast alles in Marmor. Die Leute, die sich solch einen Luxus nicht leisten können, werden in Armengräbern entlang einer Mauer, gerade mit einem Holzkreuz versehen, bestattet.
Viele der hier zur Ruhe gebetteten sind nur gute zwanzig Jahre alt geworden. Die meisten wurden 80 bis 90 Jahre alt. Dazwischen gibt es wenig.
Durch die Parmaebene und die nördlichen Appenninenausläufer fuhren wir nun in Richtung Livorno. Um nicht Autobahn fahren zu müssen entschlossen wir uns der ss62 zu folgen. Landschaftlich ist die Strecke schon sehr schön, aber sie braucht auch jede Menge Zeit. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40km/h schafft man nicht wirklich Kilometer.
Bei Berceto fuhren wir dann doch auf die Autobahn nach La Spezia und weiter bis hinter Livorno. Dabei kamen wir am Nationalpark dell`Appennino Tosco-Emiliano und am Naturpark delle Alpi Apuane vorbei, die beide ein alpenländisches Bergpanorama bieten.
An der Abfahrt Cecina nord bogen wir zum Meer ab, um den ACSI-Campingplatz Bocca di Cecina aufzusuchen und eine Pause einzulegen. In den letzten Tagen sind wir fast nur gefahren. Außerdem müssen wir nun entscheiden, ob wir auf die Inseln Korsika und Sardinien fahren, oder doch gleich nach Süditalien.
In der Stadt Cecina besorgten wir dann gleich noch eine italienische Daten-SIM-Karte für das mobile WiFi-Gerät. Die 100GB-Karte kostet 30,-€, jede weitere Aufladung kostet 10,-€. Bei vier Monaten Nutzung macht das eine Monatsgebühr von 15,-€. Für 100GB nicht schlecht. Jetzt haben wir Internet wo und wann wir wollen. Übrigens: Vor zwei Wochen standen der Campingplatz und das ganze Areal einen halben Meter unter Wasser. Es hatte so viel geregnet, dass der Fluss Cecina über die Ufer trat und alles überschwemmte. Noch immer laufen die großen Bautrockner in den Mobilheimen. Viel früher hätten wir also nicht kommen können.
Diesmal wollten wir uns ansehen wie die Parmaschinken entstehen. Die meisten Läden bieten nur die Schinken an, vielleicht auch mit Verkostung. Wir wollten jedoch die Produktion sehen, inklusive Verkostung. Dafür suchten wir uns den Hersteller Salumificio La Perla in Quinzano, südlich von Parma heraus. Die Anfahrt ist schon merkwürdig. Das letzte Stück führt eine winzige Straße steil einen Berg hinauf. Kann das richtig sein? Sollen hier die LKW´s mit den Schinken hoch und runter fahren. Eher unwahrscheinlich.
Am Ende der Straße, auf über 600 Metern Höhe, liegt der Park- und Wohnmobil-Stellplatz im Dunkeln. Ohne Sonne ist es in dieser Jahreszeit und in dieser Höhe sehr kalt. Also, übernachten können wir hier nicht. Eigentlich ist die Schinkenproduktion bis 16 Uhr geöffnet. Das wir um 15 Uhr keine Führung an diesem Tag mehr bekommen, war uns fast klar. Wir hätten bei besserem Wetter auch das Wochenende bis Montag abgewartet. Aber es war alles geschlossen, auch der Shop. Was für eine Pleite.
Also drehten wir um und fuhren auf die Hauptstraße zurück. Schon schloss sich die nächste Pleite an: alle Straßen führen als Passstraßen durch die Berge und gleich würde es dunkel werden. Außerdem waren wir schon lange gefahren und wollten uns die Bergstraße heute nicht mehr antun. So mussten wir bis fast nach Parma zurück und fanden in Sala Baganza am Gemeindesportzentrum einen Stellplatz, kostenlos und ruhig.
Da noch etwas Zeit war, spazierten wir in die Altstadt und fanden dort einen Laden, der Parmesankäse und Parmaschinken verkauft. Die Probierstube war geschlossen. So kauften wir 150g fein geschnittenen Parmaschinken und eine kleine grobe Salami dazu, für knapp 10,-€. Das ist nicht zu viel. Mit frischem Brot ließen wir uns den Schinken zum Abend schmecken.
In Sala Baganza steht ein riesengroßes Bauwerk mit einem ebenso großen Garten daran. Das Ganze nennt sich Rocca Sanvitale und beherbergt ein Hotel, eine Bücherei, eine Weinstube und einige andere Einrichtungen.
Die Nacht hatte es schon wieder gefroren. Ob wir nach Korsika oder Sardinien fahren, wir zweifeln immer mehr.
Auf den letzten Drücker, es wird in Kürze ein Wintereinbruch in Deutschland erwartet, machten wir uns auf den Weg in den sonnigen Süden. Diesmal wollen wir uns Korsika und Sardinien ansehen. Mal sehen, ob es dort warm genug wird, um den Winter auf den Inseln zu verbringen. Wenn nicht, werden wir weiter südlich fahren.
Den Weg über die Alpen nahmen wir wieder über den Brennerpass. Ganz Deutschland lag schon eine lange Zeit unter einer dicken Nebelsuppe. Seit zwei Wochen sahen wir so gut wie keine Sonne mehr.
Kurz vor der österreichischen Grenze lockerten die Wolken auf und die Sonne begleitete uns entlang des Inntales bis nach Innsbruck. Gleich hinter der Stadt beginnt die Brenner-Autobahn mit einem langen Anstieg. Der höchste Punkt des Brenners liegt an der Grenze Österreich-Italien. Hinter dem Scheitelpunkt auf 1391 Metern geht es viele Kilometer wieder bergab. Inzwischen war es schon dunkel und wir mussten die Nacht auf der Autobahn-Raststätte bei Brixen verbringen. Die Nacht war sehr kalt, es hatte gefroren, obwohl die Raststätte „nur“ noch auf gut 600 Metern liegt. Nix wie weiter in den Süden. Der Himmel ist jetzt wolkenlos, herrlich. Das Thermometer zeigt um die 10 Grad. Kurz hinter Brixen verließen wir die Autobahn und folgten der Landstraße über Bozen. Es ist die Südtiroler Weinstraße, im Tal der Etsch. Weinanbau soweit das Auge reicht, aber auch viele Äpfel wachsen hier. Es ist eine sehr schöne Landschaft. Das Tal wird von hohen Bergen flankiert.
Bei Trento bogen wir zum Gardasee ab und legten eine Rast in Torbole ein. An der Surfschule stellten wir das Wohnmobil ab. Es ist eine sehr schöne und grüne Ecke, aber bis zum 15. November soll der Platz für 7 Stunden 15,-€ kosten, mit nichts, nur dass man dort stehen darf.
Wir bemerkten zu spät, dass es erst der 13. November war. Deshalb erkundeten wir den Ort ohne schlechtes Gewissen. Der Bereich, in dem im Sommer noch Parkplätze am Straßenrand waren, wird gerade komplett erneuert. Dort befindet sich auch der Anlegesteg für die Ausflugsboote, aber jetzt ist alles geschlossen. Torbole ist ein recht netter Touristenort.
In einer versteckten Ecke erinnern eine Tafel und ein Medaillon an den Besuch von Goethe im Jahre 1786. Hier wurde er im Angesicht des Gardasees zu seiner „Iphigenie“ inspiriert.
Als wir auf dem Parkplatz zurück an der Surfschule waren wurde uns bewusst, dass wir doch noch die horrenden Parkgebühren bezahlen müssten. Deshalb entschieden wir uns zur Weiterfahrt. Irgendwo muss es doch ein billigeres Plätzchen geben.
Kurz vor Malcesine wurden wir fündig. Dort standen schon mehrere Wohnmobile. Der Platz ist groß und grün und direkt am Seeufer. Das Beste daran, er ist jetzt kostenlos, seit Mitte November. Es ist so schön dort, dass wir zwei Tage blieben. Der Sonnenuntergang war kaum zu schlagen, die Morgenstimmung herrlich. Es ist wirklich schön hier, die Nachttemperaturen sind erträglich.
Eine Promenade führt nach Malcesine, direkt am Seeufer entlang. Kleine Hotels und Ferienappartements säumen den Weg, künstliche Kiesstrände locken bei entsprechenden Temperaturen zum Baden. Viele Bänke laden zum Träumen ein.
Am Ende der Promenade erhebt sich die Scaligero-Burg. Diese ist leider über den Winter geschlossen. Am Fuße der Burg breitet sich die mittelalterliche Altstadt von Malcesine aus. Kleine verwinkelte Gassen, die mit Flusskieseln gepflastert sind, machen sie malerisch. Hier und da finden sich sehr schöne Details an den Häuserfassaden, die tiefstehende Sonne beleuchtet nur hier und da ein paar Ecken.
Der kleine Hafen, die Restaurant-Terrassen direkt am Wasser und der Kapitänspalast sind schöne Sehenswürdigkeiten. Am Platz vor den Rathaus fanden wir sogar ein kleines geöffnetes Café mit Sitzplätzen in der Sonne.
Der Gardasee ist so groß, dass er seit eigenes Wetter produziert: milde Winter und im Sommer nicht zu heiß. Das mit den milden Wintern spürten wir schon in den nächsten Nächten. Ansonsten ist der Gardasee im nördlichen, bergigen Teil wunder-wunderschön.
Das allererste Thema, wenn man nach Norwegen fährt, ist das Thema der Mautabrechnung. Es gibt keine festgelegten Mautstrecken. Da in Norwegen die Maut für neue Straßen, Brücken oder Tunnel kassiert wird und die Abzahlung der Investitionen irgendwann abgeschlossen ist, entfällt dann auch wieder die Mautzahlung. Deshalb kann man immer und überall in eine Mautstrecke geraten. Deshalb ist es unumgänglich, sich mit dem Thema Mautzahlung auseinanderzusetzen. Ich habe dafür vor dem Antritt unserer Skandinavientour im Internet geforscht, was es da für Möglichkeiten gibt. Gerade für Wohnmobile über 3,5t ist es schwierig geworden. Jedenfalls habe ich Stunden und Tage mit der Recherche zugebracht und bin zu keinem vernünftigen Ergebnis gekommen. Das hat mich echt Nerven gekostet.
Nun lehrte mich die Erfahrung, dass es am besten ist, wenn man einfach losfährt und vor Ort sieht, was man tun kann. Und ich hatte Recht. Nach sehr kurzer Zeit viel mir der EPass ins Auge. Damit soll man in ganz Skandinavien gut fahren. Man muss sich nur im Internet unter EPass24 registrieren, alles andere passiert automatisch. Der Vorteil in Norwegen ist, dass die Mautgebühren vor jeder Mautstrecke angezeigt werden. So behält man die volle Kontrolle. Allerdings ist die Abrechnung bei EPass nicht so schnell. Es dauert ewig, bis eine Rechnung kommt, aber es funktioniert. So kann man das Thema Mautgebühren in Norwegen und Schweden abhaken. In Finnland gibt es keine Maut.
Norwegen ist das Land der Wohnmobile. Überall kann man Wohnmobile kaufen, finden sich Werkstätten, gibt es zumeist kostenlose Ver- und Entsorgungsstationen, Stell- und Campingplätze. Entsprechend voll ist es überall, vor allem im Sommer. Die Hälfte aller Wohnmobilfahrer sind allerdings die Skandinavier selbst. Es ist eine gute Idee, immer früh genug den Platz anzufahren, auf dem man übernachten möchte. Das funktioniert aber leider auf den Lofoten kaum. Da findet schon morgens ein fliegender Wechsel statt. Deshalb sollte man dort weg von der E10 und sich auf den Nebenstraßen bewegen. Das ist wesentlich entspannter. Die meisten Wohnmobilisten haben wenig Zeit und fahren nur auf der E10.
Das Übernachten, vor allem an den Küsten, ist in Skandinavien schwierig geworden, denn fast alle Stell- und Parkplätze sind für Wohnmobile von 20-6 Uhr gesperrt. Das ist eindeutig ausgewiesen. Es gibt aber auch Schilder „Camping verboten“. Die sind vor allem an die Leute mit Zelt gerichtet. Das Zelten ist in Norwegen sehr beliebt und findet überall statt. Mit dem Wohnmobil sollte man dort stehen können, solange man kein Campingverhalten an den Tag legt. Man kann verstehen, dass die Einheimischen von den vielen Wohnmobilen genervt sind, die ihnen den Platz wegnehmen und die Sicht versperren. Viele bekommen aber auch ein Stück vom finanziellen Kuchen ab, denn die Wohnmobilisten lassen ja ihr Geld da. Um dem aus dem Weg zugehen, fährt man am besten ein Stück landeinwärts und hat seine Ruhe.
Wenn man durch Norwegen fährt muss man Zeit mitbringen, denn die meisten Strecken sind mit nur 60-80 km/h zu befahren. Das ist einfach den übermäßig vielen Kurven geschuldet. Dazu kommen die Aussichten, die sich nach jeder Kurve ändern und immer wieder atemberaubend sind. Die norwegische Landschaft ist einfach unglaublich schön. Park- und Picknickplätze gibt es in ausreichender Zahl, um die Landschaften einfach mal auf sich wirken zu lassen und diese zu genießen. Schon allein deshalb sollte man sich Zeit für die Fahrt nehmen.
Wandern in Norwegen ist ein weiteres Thema, mit dem man sich auseinandersetzen sollte, wenn man gerne wandert. Es unterscheidet sich von allem, was wir bisher erwandert haben. In Norwegen muss man auf 98% der Strecken sehr gut zu Fuß und fit sein. Es gibt keinen Wanderweg, der nicht lange und steil nach oben führt. Ausgebaute Wanderwege gibt es so gut wie gar nicht, es sind fast alles Trampelpfade über Stock und Stein. Manchmal sind nicht einmal Trampelpfade zu entdecken. Wenn man Glück hat, weist ein Schild oder ein Steinmännchen noch den Weg.
Zäune, die vielleicht den Weg abschneiden, sollten kein Hindernis darstellen, denn in Skandinavien gilt das Jedermannsrecht. Wenn kein Verbotsschild am Weg prangt, dann ist das Passieren der Zäune, meistens durch ein Tor oder eine Stiege, erlaubt. Die Zäune sollen nur die Gebiete begrenzen, in denen die Haustiere gehalten werden.
Das Wandern in Schweden und Finnland ist da schon wesentlich einfacher, da es dort nicht so viele hohe Berge gibt.
Das Leben und Reisen in Norwegen ist teuer. Im Durchschnitt kostet alles doppelt so viel wie in Deutschland. Das wussten wir schon von unserer Reise zum Nordkap vor zweiundzwanzig Jahren. Damals glich das Preisgefüge in Schweden jedoch dem in Deutschland. Das hat sich inzwischen geändert, auch dort ist alles teuer geworden. Finnland hat sich dem angeschlossen.
Gezahlt wird fast ausschließlich und überall mit Karte. Da wir älter sind halten wir am Bargeld fest, solange es geht. Wir heben einen Betrag ab, der eine Weile reichen muss. Dadurch behalten wir die Kontrolle. Viele Kassen wollen kein Bargeld haben, aber wir sind fast überall damit durchgekommen. Allerdings wird es zusehends schwieriger. Jeden Tag erhöhen sich die Stellen, die kein Bargeld mehr akzeptieren.
Noch eines, wenn man nach Finnland fährt: Es gibt dort kein LPG. Wer also mit LPG fährt oder eine LPG-Gasflasche hat, könnte dort Probleme bekommen. Wir wussten es nicht, hatten aber wenigstens noch eine Propangasflasche mit, die uns über die Runden brachte.
Das Tanken in Finnland ist etwas speziell. Vor dem Tanken muss man an der Säule die Tankmenge festlegen. Es werden da ein paar Möglichkeiten zur Auswahl angegeben. Um nicht eine zu große Tankmenge festzulegen, blieben wir immer im unteren Bereich. Das heißt aber auch, öfters an die Tankstelle zu fahren, da man den Tank nie voll bekommt.
In Finnland gibt es auch keine öffentlichen Entsorgungsstationen für Wohnmobile.
Wer nach Skandinavien fährt, will Elche sehen. Während wir vor zweiundzwanzig Jahren noch einen Elch und später eine Elchkuh mit Kalb gesehen haben, blieben die großen Hirsche bei dieser Reise unsichtbar. Es stehen zwar überall Warnschilder am Straßenrand, aber die sind inzwischen wohl nur im Herbst zur Brunftzeit interessant. Ins Grübeln kommt man jedoch, wenn die Warnschilder an viel befahrenen Straßen stehen, immer und immer wieder. Sind die Elche inzwischen lärmresistent geworden?
Alles in allem war unsere Lofotentour durch die drei skandinavischen Länder sehr schön und interessant. Hier und da sind einige Herausforderungen zu bestehen, aber mit Ruhe und Geduld sind auch diese zu lösen.
Dies war unsere zweite Skandinavientour. Die erste Tour 2002 führte uns durch Schweden bis zum Nordkap. Den Rückweg nahmen wir über Norwegen. Da wir damals aus Zeitgründen die Lofoten/Vesteralen auslassen mussten, holten wir diesmal die Besichtigung der Inseln nach. Den Rückweg nahmen wir über Finnland, da wir dieses Land noch nie besucht hatten.
Bei der diesjährigen Tour haben wir versucht, möglichst viel Neues zu sehen und zu erleben. Den ein oder anderen Ort besuchten wir nun zum zweiten Mal. In zweiundzwanzig Jahren hat sich dabei einiges verändert. Was damals noch frei zu besichtigen war, kostet heute Eintritt. Außerdem wurde sehr viel gebaut und auch der Verkehr hat merklich zugenommen.