A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Cecina

Durch die Parmaebene und die nördlichen Appenninenausläufer fuhren wir nun in Richtung Livorno. Um nicht Autobahn fahren zu müssen entschlossen wir uns der ss62 zu folgen. Landschaftlich ist die Strecke schon sehr schön, aber sie braucht auch jede Menge Zeit. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40km/h schafft man nicht wirklich Kilometer.

Bei Berceto fuhren wir dann doch auf die Autobahn nach La Spezia und weiter bis hinter Livorno. Dabei kamen wir am Nationalpark dell`Appennino Tosco-Emiliano und am Naturpark delle Alpi Apuane vorbei, die beide ein alpenländisches Bergpanorama bieten.

An der Abfahrt Cecina nord bogen wir zum Meer ab, um den ACSI-Campingplatz Bocca di Cecina aufzusuchen und eine Pause einzulegen. In den letzten Tagen sind wir fast nur gefahren. Außerdem müssen wir nun entscheiden, ob wir auf die Inseln Korsika und Sardinien fahren, oder doch gleich nach Süditalien.

In der Stadt Cecina besorgten wir dann gleich noch eine italienische Daten-SIM-Karte für das mobile WiFi-Gerät. Die 100GB-Karte kostet 30,-€, jede weitere Aufladung kostet 10,-€. Bei vier Monaten Nutzung macht das eine Monatsgebühr von 15,-€. Für 100GB nicht schlecht. Jetzt haben wir Internet wo und wann wir wollen.
Übrigens: Vor zwei Wochen standen der Campingplatz und das ganze Areal einen halben Meter unter Wasser. Es hatte so viel geregnet, dass der Fluss Cecina über die Ufer trat und alles überschwemmte. Noch immer laufen die großen Bautrockner in den Mobilheimen. Viel früher hätten wir also nicht kommen können.

Parma

Diesmal wollten wir uns ansehen wie die Parmaschinken entstehen. Die meisten Läden bieten nur die Schinken an, vielleicht auch mit Verkostung. Wir wollten jedoch die Produktion sehen, inklusive Verkostung. Dafür suchten wir uns den Hersteller Salumificio La Perla in Quinzano, südlich von Parma heraus. Die Anfahrt ist schon merkwürdig. Das letzte Stück führt eine winzige Straße steil einen Berg hinauf. Kann das richtig sein? Sollen hier die LKW´s mit den Schinken hoch und runter fahren. Eher unwahrscheinlich.

Am Ende der Straße, auf über 600 Metern Höhe, liegt der Park- und Wohnmobil-Stellplatz im Dunkeln. Ohne Sonne ist es in dieser Jahreszeit und in dieser Höhe sehr kalt. Also, übernachten können wir hier nicht. Eigentlich ist die Schinkenproduktion bis 16 Uhr geöffnet. Das wir um 15 Uhr keine Führung an diesem Tag mehr bekommen, war uns fast klar. Wir hätten bei besserem Wetter auch das Wochenende bis Montag abgewartet. Aber es war alles geschlossen, auch der Shop. Was für eine Pleite.

Also drehten wir um und fuhren auf die Hauptstraße zurück. Schon schloss sich die nächste Pleite an: alle Straßen führen als Passstraßen durch die Berge und gleich würde es dunkel werden. Außerdem waren wir schon lange gefahren und wollten uns die Bergstraße heute nicht mehr antun. So mussten wir bis fast nach Parma zurück und fanden in Sala Baganza am Gemeindesportzentrum einen Stellplatz, kostenlos und ruhig.

Da noch etwas Zeit war, spazierten wir in die Altstadt und fanden dort einen Laden, der Parmesankäse und Parmaschinken verkauft. Die Probierstube war geschlossen. So kauften wir 150g fein geschnittenen Parmaschinken und eine kleine grobe Salami dazu, für knapp 10,-€. Das ist nicht zu viel. Mit frischem Brot ließen wir uns den Schinken zum Abend schmecken.

In Sala Baganza steht ein riesengroßes Bauwerk mit einem ebenso großen Garten daran. Das Ganze nennt sich Rocca Sanvitale und beherbergt ein Hotel, eine Bücherei, eine Weinstube und einige andere Einrichtungen.

Die Nacht hatte es schon wieder gefroren. Ob wir nach Korsika oder Sardinien fahren, wir zweifeln immer mehr.

Fahrt zum Gardasee

Auf den letzten Drücker, es wird in Kürze ein Wintereinbruch in Deutschland erwartet, machten wir uns auf den Weg in den sonnigen Süden. Diesmal wollen wir uns Korsika und Sardinien ansehen. Mal sehen, ob es dort warm genug wird, um den Winter auf den Inseln zu verbringen. Wenn nicht, werden wir weiter südlich fahren.

Den Weg über die Alpen nahmen wir wieder über den Brennerpass. Ganz Deutschland lag schon eine lange Zeit unter einer dicken Nebelsuppe. Seit zwei Wochen sahen wir so gut wie keine Sonne mehr.

Kurz vor der österreichischen Grenze lockerten die Wolken auf und die Sonne begleitete uns entlang des Inntales bis nach Innsbruck. Gleich hinter der Stadt beginnt die Brenner-Autobahn mit einem langen Anstieg. Der höchste Punkt des Brenners liegt an der Grenze Österreich-Italien. Hinter dem Scheitelpunkt auf 1391 Metern geht es viele Kilometer wieder bergab. Inzwischen war es schon dunkel und wir mussten die Nacht auf der Autobahn-Raststätte bei Brixen verbringen. Die Nacht war sehr kalt, es hatte gefroren, obwohl die Raststätte „nur“ noch auf gut 600 Metern liegt. Nix wie weiter in den Süden. Der Himmel ist jetzt wolkenlos, herrlich. Das Thermometer zeigt um die 10 Grad. Kurz hinter Brixen verließen wir die Autobahn und folgten der Landstraße über Bozen. Es ist die Südtiroler Weinstraße, im Tal der Etsch. Weinanbau soweit das Auge reicht, aber auch viele Äpfel wachsen hier. Es ist eine sehr schöne Landschaft. Das Tal wird von hohen Bergen flankiert.

Bei Trento bogen wir zum Gardasee ab und legten eine Rast in Torbole ein. An der Surfschule stellten wir das Wohnmobil ab. Es ist eine sehr schöne und grüne Ecke, aber bis zum 15. November soll der Platz für 7 Stunden 15,-€ kosten, mit nichts, nur dass man dort stehen darf.

Wir bemerkten zu spät, dass es erst der 13. November war. Deshalb erkundeten wir den Ort ohne schlechtes Gewissen. Der Bereich, in dem im Sommer noch Parkplätze am Straßenrand waren, wird gerade komplett erneuert. Dort befindet sich auch der Anlegesteg für die Ausflugsboote, aber jetzt ist alles geschlossen. Torbole ist ein recht netter Touristenort.

In einer versteckten Ecke erinnern eine Tafel und ein Medaillon an den Besuch von Goethe im Jahre 1786. Hier wurde er im Angesicht des Gardasees zu seiner „Iphigenie“ inspiriert.

Als wir auf dem Parkplatz zurück an der Surfschule waren wurde uns bewusst, dass wir doch noch die horrenden Parkgebühren bezahlen müssten. Deshalb entschieden wir uns zur Weiterfahrt. Irgendwo muss es doch ein billigeres Plätzchen geben.

Kurz vor Malcesine wurden wir fündig. Dort standen schon mehrere Wohnmobile. Der Platz ist groß und grün und direkt am Seeufer. Das Beste daran, er ist jetzt kostenlos, seit Mitte November. Es ist so schön dort, dass wir zwei Tage blieben. Der Sonnenuntergang war kaum zu schlagen, die Morgenstimmung herrlich. Es ist wirklich schön hier, die Nachttemperaturen sind erträglich.

Eine Promenade führt nach Malcesine, direkt am Seeufer entlang. Kleine Hotels und Ferienappartements säumen den Weg, künstliche Kiesstrände locken bei entsprechenden Temperaturen zum Baden. Viele Bänke laden zum Träumen ein.

Am Ende der Promenade erhebt sich die Scaligero-Burg. Diese ist leider über den Winter geschlossen. Am Fuße der Burg breitet sich die mittelalterliche Altstadt von Malcesine aus. Kleine verwinkelte Gassen, die mit Flusskieseln gepflastert sind, machen sie malerisch. Hier und da finden sich sehr schöne Details an den Häuserfassaden, die tiefstehende Sonne beleuchtet nur hier und da ein paar Ecken.

Der kleine Hafen, die Restaurant-Terrassen direkt am Wasser und der Kapitänspalast sind schöne Sehenswürdigkeiten. Am Platz vor den Rathaus fanden wir sogar ein kleines geöffnetes Café mit Sitzplätzen in der Sonne.

Der Gardasee ist so groß, dass er seit eigenes Wetter produziert: milde Winter und im Sommer nicht zu heiß. Das mit den milden Wintern spürten wir schon in den nächsten Nächten. Ansonsten ist der Gardasee im nördlichen, bergigen Teil wunder-wunderschön.

Mit dem Wohnmobil durch Skandinavien

Das allererste Thema, wenn man nach Norwegen fährt, ist das Thema der Mautabrechnung. Es gibt keine festgelegten Mautstrecken. Da in Norwegen die Maut für neue Straßen, Brücken oder Tunnel kassiert wird und die Abzahlung der Investitionen irgendwann abgeschlossen ist, entfällt dann auch wieder die Mautzahlung. Deshalb kann man immer und überall in eine Mautstrecke geraten. Deshalb ist es unumgänglich, sich mit dem Thema Mautzahlung auseinanderzusetzen. Ich habe dafür vor dem Antritt unserer Skandinavientour im Internet geforscht, was es da für Möglichkeiten gibt. Gerade für Wohnmobile über 3,5t ist es schwierig geworden. Jedenfalls habe ich Stunden und Tage mit der Recherche zugebracht und bin zu keinem vernünftigen Ergebnis gekommen. Das hat mich echt Nerven gekostet.

Nun lehrte mich die Erfahrung, dass es am besten ist, wenn man einfach losfährt und vor Ort sieht, was man tun kann. Und ich hatte Recht. Nach sehr kurzer Zeit viel mir der EPass ins Auge. Damit soll man in ganz Skandinavien gut fahren. Man muss sich nur im Internet unter EPass24 registrieren, alles andere passiert automatisch. Der Vorteil in Norwegen ist, dass die Mautgebühren vor jeder Mautstrecke angezeigt werden. So behält man die volle Kontrolle. Allerdings ist die Abrechnung bei EPass nicht so schnell. Es dauert ewig, bis eine Rechnung kommt, aber es funktioniert. So kann man das Thema Mautgebühren in Norwegen und Schweden abhaken. In Finnland gibt es keine Maut.

Norwegen ist das Land der Wohnmobile. Überall kann man Wohnmobile kaufen, finden sich Werkstätten, gibt es zumeist kostenlose Ver- und Entsorgungsstationen, Stell- und Campingplätze. Entsprechend voll ist es überall, vor allem im Sommer. Die Hälfte aller Wohnmobilfahrer sind allerdings die Skandinavier selbst. Es ist eine gute Idee, immer früh genug den Platz anzufahren, auf dem man übernachten möchte. Das funktioniert aber leider auf den Lofoten kaum. Da findet schon morgens ein fliegender Wechsel statt. Deshalb sollte man dort weg von der E10 und sich auf den Nebenstraßen bewegen. Das ist wesentlich entspannter. Die meisten Wohnmobilisten haben wenig Zeit und fahren nur auf der E10.

Das Übernachten, vor allem an den Küsten, ist in Skandinavien schwierig geworden, denn fast alle Stell- und Parkplätze sind für Wohnmobile von 20-6 Uhr gesperrt. Das ist eindeutig ausgewiesen. Es gibt aber auch Schilder „Camping verboten“. Die sind vor allem an die Leute mit Zelt gerichtet. Das Zelten ist in Norwegen sehr beliebt und findet überall statt. Mit dem Wohnmobil sollte man dort stehen können, solange man kein Campingverhalten an den Tag legt. Man kann verstehen, dass die Einheimischen von den vielen Wohnmobilen genervt sind, die ihnen den Platz wegnehmen und die Sicht versperren. Viele bekommen aber auch ein Stück vom finanziellen Kuchen ab, denn die Wohnmobilisten lassen ja ihr Geld da. Um dem aus dem Weg zugehen, fährt man am besten ein Stück landeinwärts und hat seine Ruhe.

Wenn man durch Norwegen fährt muss man Zeit mitbringen, denn die meisten Strecken sind mit nur 60-80 km/h zu befahren. Das ist einfach den übermäßig vielen Kurven geschuldet. Dazu kommen die Aussichten, die sich nach jeder Kurve ändern und immer wieder atemberaubend sind. Die norwegische Landschaft ist einfach unglaublich schön. Park- und Picknickplätze gibt es in ausreichender Zahl, um die Landschaften einfach mal auf sich wirken zu lassen und diese zu genießen. Schon allein deshalb sollte man sich Zeit für die Fahrt nehmen.

Wandern in Norwegen ist ein weiteres Thema, mit dem man sich auseinandersetzen sollte, wenn man gerne wandert. Es unterscheidet sich von allem, was wir bisher erwandert haben. In Norwegen muss man auf 98% der Strecken sehr gut zu Fuß und fit sein. Es gibt keinen Wanderweg, der nicht lange und steil nach oben führt. Ausgebaute Wanderwege gibt es so gut wie gar nicht, es sind fast alles Trampelpfade über Stock und Stein. Manchmal sind nicht einmal Trampelpfade zu entdecken. Wenn man Glück hat, weist ein Schild oder ein Steinmännchen noch den Weg.

Zäune, die vielleicht den Weg abschneiden, sollten kein Hindernis darstellen, denn in Skandinavien gilt das Jedermannsrecht. Wenn kein Verbotsschild am Weg prangt, dann ist das Passieren der Zäune, meistens durch ein Tor oder eine Stiege, erlaubt. Die Zäune sollen nur die Gebiete begrenzen, in denen die Haustiere gehalten werden.

Das Wandern in Schweden und Finnland ist da schon wesentlich einfacher, da es dort nicht so viele hohe Berge gibt.

Das Leben und Reisen in Norwegen ist teuer. Im Durchschnitt kostet alles doppelt so viel wie in Deutschland. Das wussten wir schon von unserer Reise zum Nordkap vor zweiundzwanzig Jahren. Damals glich das Preisgefüge in Schweden jedoch dem in Deutschland. Das hat sich inzwischen geändert, auch dort ist alles teuer geworden. Finnland hat sich dem angeschlossen.

Gezahlt wird fast ausschließlich und überall mit Karte. Da wir älter sind halten wir am Bargeld fest, solange es geht. Wir heben einen Betrag ab, der eine Weile reichen muss. Dadurch behalten wir die Kontrolle. Viele Kassen wollen kein Bargeld haben, aber wir sind fast überall damit durchgekommen. Allerdings wird es zusehends schwieriger. Jeden Tag erhöhen sich die Stellen, die kein Bargeld mehr akzeptieren.

Noch eines, wenn man nach Finnland fährt: Es gibt dort kein LPG. Wer also mit LPG fährt oder eine LPG-Gasflasche hat, könnte dort Probleme bekommen. Wir wussten es nicht, hatten aber wenigstens noch eine Propangasflasche mit, die uns über die Runden brachte.

Das Tanken in Finnland ist etwas speziell. Vor dem Tanken muss man an der Säule die Tankmenge festlegen. Es werden da ein paar Möglichkeiten zur Auswahl angegeben. Um nicht eine zu große Tankmenge festzulegen, blieben wir immer im unteren Bereich. Das heißt aber auch, öfters an die Tankstelle zu fahren, da man den Tank nie voll bekommt.

In Finnland gibt es auch keine öffentlichen Entsorgungsstationen für Wohnmobile.

Wer nach Skandinavien fährt, will Elche sehen. Während wir vor zweiundzwanzig Jahren noch einen Elch und später eine Elchkuh mit Kalb gesehen haben, blieben die großen Hirsche bei dieser Reise unsichtbar. Es stehen zwar überall Warnschilder am Straßenrand, aber die sind inzwischen wohl nur im Herbst zur Brunftzeit interessant. Ins Grübeln kommt man jedoch, wenn die Warnschilder an viel befahrenen Straßen stehen, immer und immer wieder. Sind die Elche inzwischen lärmresistent geworden?

Alles in allem war unsere Lofotentour durch die drei skandinavischen Länder sehr schön und interessant. Hier und da sind einige Herausforderungen zu bestehen, aber mit Ruhe und Geduld sind auch diese zu lösen.

Tourkarte Lofotentour 2023/24

Dies war unsere zweite Skandinavientour. Die erste Tour 2002 führte uns durch Schweden bis zum Nordkap. Den Rückweg nahmen wir über Norwegen. Da wir damals aus Zeitgründen die Lofoten/Vesteralen auslassen mussten, holten wir diesmal die Besichtigung der Inseln nach. Den Rückweg nahmen wir über Finnland, da wir dieses Land noch nie besucht hatten.

Bei der diesjährigen Tour haben wir versucht, möglichst viel Neues zu sehen und zu erleben. Den ein oder anderen Ort besuchten wir nun zum zweiten Mal. In zweiundzwanzig Jahren hat sich dabei einiges verändert. Was damals noch frei zu besichtigen war, kostet heute Eintritt. Außerdem wurde sehr viel gebaut und auch der Verkehr hat merklich zugenommen.

Trelleborg

Das letzte Ziel unserer Lofotentour, die uns über Norwegen, Nordschweden, Finnland und Südschweden führte, ist Trelleborg. Von hier aus nehmen wir die Fähre nach Swinemünde. Es ist der nächstgelegene Hafen von zu Hause.
Trelleborg ist eine große Stadt, die wir eher meiden. Das Schicksal wollte, dass wir sie trotzdem besuchen. Auf der Suche nach Sehenswertem in Trelleborg fanden wir eine ganze Menge, was einen Abstecher wert ist.

Ganz oben auf der Liste steht die Trelleborg selbst. Es ist die einzige rekonstruierte Wikingerburg der Welt. Deshalb waren wir gespannt. Sie steht genau an der Stelle, wo sie um 980 unserer Zeit von den Dänen errichtet worden war. Südschweden gehörte damals zum Reich der Dänen. König Harald Blauzahn ließ am Ende seiner Regierungszeit mehrere Burgen dieser Art bauen. Zum einen dienten sie als Verteidigungsstellung, zum anderen als Stützpunkt zum Eintreiben von Steuern und Abgaben. Allerdings war es mit der Bedeutung der Burg schon um das Jahr 1000 vorbei, als Blauzahns Sohn die Regierung übernahm, der andere Vorstellungen von der Regierung Dänemarks hatte. So verfiel die Burg und fiel dem Vergessen anheim.

Erst 1988 fand man die Reste der alten Trelleborg. Nun ließ sich auch der Name der Stadt Trelleborg erklären, die schon im 13. Jahrhundert Stadtrechte besaß. Der Fund war so bedeutend, dass man die Burg wieder aufbaute. Leider war nur ein Viertel der Anlage nicht überbaut, die einen Durchmesser von ca. 143 Metern hatte. Der im Innenrand aufgeschüttete Erdwall ist 13 Meter breit.

Beim Ausgraben der Burg stieß man auf Löcher im Boden, die in drei parallelen Reihen angeordnet sind. Darin steckten die Palisaden, die die Burg befestigten. Sie bestanden aus gespaltenen Bäumen, den sogenannten Trellen. Vier Tore waren in die Palisadenreihen eingelassen. Die Tore in Nord-Süd-Richtung lagen direkt auf einer schon bestehenden Straße, so dass alle Transporte überwacht werden konnten. An der Außenseite der Palisaden verliefen flache Wallgräben. Zudem lag die Burg auf einer Anhöhe, die von Sümpfen umgeben war, was die Verteidigung wesentlich vereinfachte.

Um das freiliegende Viertel der Trelleborg rekonstruierte man die Befestigungsanlagen, und auch ein Tor. Es war eine gewaltige und wehrhafte Anlage, in der Häuser, Brunnen und auch Gräber gefunden wurden. Eines der Häuser hat man ebenfalls rekonstruiert. Es ist jedoch nicht zugänglich. Man kann nur einen Blick durch den Glasgiebel ins Innere werfen.
Wenn man auf dem Tor steht, ist die Windenkonstruktion für das Heben und Senken des Tores zu sehen.

Der Besuch der Burg selbst ist frei. Im anschließenden Trelleborgen-Museum, welches Eintritt kostet, wird die Wikingergeschichte anhand von Artefakten anschaulich erlebbar, die zudem in einem Film verarbeitet sind. Auf dem Gelände des Museums befinden sich auch ein „Sumpfgebiet“ sowie die Rekonstruktion eines Langhauses, das zu einer Farm gehörte. In diesem leben im Sommer Freiwillige wie die alten Wikinger. Die Besucher können sich mit ihnen unterhalten und weitere Details der Geschichte erfahren. Mehrere Aktionstage erweitern das Angebot um verschiedene Handwerksarbeiten der alten Wikinger. Ein kleiner Garten und ein Runenstein gehören auch zum Langhaus.

Auf jeden Fall ist der Eintritt sein Geld wert.

Fußläufig von der Burg aus zu erreichen ist die Altstadt von Trelleborg. Dabei erreicht man zuerst die beeindruckende Nikolai-Kirche. Es ist ein Backsteinbau mit mehreren Stufengiebeln. Im Inneren sieht sie aus, als wäre sie kunstvoll mit Backsteinen verschiedener Farben gemauert. Bei näherer Betrachtung ist jedoch alles aufgemalt. Die Fensterlaibungen und Gewölbe sind mit floralen Mustern bemalt.

Der Boden der Kirche wurde mit rotem Ortocer-Kalkstein belegt, den wir auf Öland kennengelernt hatten. Ganz deutlich sind die versteinerten Tintenfische zu sehen. Das war eine echte Überraschung.

Im Eingangsbereich beeindruckt die Kassettendecke mit kleinen Landschaftsmalereien.

Am Hauptplatz Stortorget steht der alte Wasserturm. Die Mitte des Platzes ziert ein Brunnen, der von einer „Seeschlange“ gekrönt wird. Bei unserem Besuch liefen gerade die Vorbereitungen für das Palm-Festival der Stadt, weshalb der Hauptplatz größtenteils abgesperrt war.

In der Innenstadt von Trelleborg wurden 110 Palmen gepflanzt, um das südliche Flair der kontinentalen Atmosphäre zu unterstreichen. Zudem stehen an der Südseite des Platzes zwei Reihen Gingko-Bäume, die die Straße flankieren.

Viele Gebäude aus der 20. Jahrhundertwende machen Trelleborg zusätzlich sehenswert. Die Stadt hat noch sehr viel mehr zu bieten, aber das ist unmöglich an einem Tag zu schaffen.

Auf unserem Weg zurück zum Wohnmobil, welches wir in einer Nebenstraße beim Trelleborgen-Museum abgestellt hatten, kamen wir noch an dem schönen Bahnhofsgebäude in der Nähe des Fährhafens vorbei. Von der äußeren Schönheit ist im Inneren nichts mehr zu spüren.

Am nächsten Morgen mussten wir schon um 4 Uhr aufstehen, denn die Fähre startete um 6.30 Uhr. Die Nacht verbrachten wir an einer ruhigen Stelle eines Gewerbegebietes in der Nähe. Die Fähre hatten wir wie immer schon ein paar Tage im Voraus gebucht. Das Einchecken gestaltete sich reibungslos. Als die Fähre startete ging gerade die Sonne auf.

Auf der Überfahrt gab es nicht viel zu sehen. Eine lange Zeit fuhren wir jedoch an der Ostküste Rügens mit ihren Kreidefelsen vorbei.

Smygehamn

Auf dem Weg nach Trelleborg, etwas westlich von Beddingestrand, liegt der südlichste Punkt von Schweden. Auf dem Wegweiser, der dort steht, ist zu sehen, dass es zwischen diesem Punkt und Berlin 314 Kilometer Luftlinie sind.

Der Smygehuk, der südlichste Punkt Schwedens, wurde als eine Art Windrose in Stein kenntlich gemacht. Die Mitte ziert ein runder Stahlzylinder mit der Aufschrift „Smygehuk“, daran schließen sich mehrere Ringe aus glattgeschliffenem Kalkstein und Kalksteinbrocken an. Auch hier sind mehrere Entfernungsangaben eingearbeitet.
Nur ein paar Meter weiter sind die Koordinaten auf einer Stahltafel zu erkennen.

Das ist aber noch nicht alles, was Smygehamn zu bieten hat. Rechter Hand, etwas weiter entfernt, ist ein Kalkofen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten. An der Südspitze Schwedens ist die Kalksteinschicht bis zu 40 Meter dick. Es entstand eine Großindustrie, die bis 1954 den Kalkstein brach und verarbeitete. Der Kalkstein wurde für den Häuser- und Wegebau verwendet, der gebrannte Kalk diente zum Verputzen und Weißen der Häuser. Vierzig Stunden mussten die Öfen, einst gab es um die zehn Stück davon in der Umgebung, mit Hilfe von Kohle am Brennen gehalten werden. Dann hatte sich der gebrochene Kalkstein in gebrannten Kalk verwandelt.

Anhand einer Infotafel ist zu erkennen, dass dieser Kalkofen in einen Grabhügel gebaut wurde. Dieser hat einen Durchmesser von 27 Metern und eine Höhe von zweieinhalb Metern. Nur mit dieser Information ist er überhaupt auszumachen. Der Grabhügel stammt etwa aus der Zeit 1800 bis 500 v.Chr.. Vor der Zeit der Kalköfen wurde er teilweise als Seezeichen verwendet, indem man Holzhaufen auf ihm entzündete und so den Schiffen den Weg wies.

Und noch eine Sehenswürdigkeit, eine Installation, ist auf der Südspitze Schwedens zu bewundern. Sie trägt den Namen „Sensorische Euphorie“ und ist ein liegender Trichter, der die Geräusche des Meeres verstärkt. Wenn man sein Ohr an das schmale Ende des Trichters hält, hört man das Rauschen des Meeres. An windigen Tagen ist es wohl auch so zu hören.


Allerdings sollte man sich auf dem Gelände vorsichtig bewegen, denn es lebt eine geschützte Population Kreuzottern dort. Also die Augen auf den Boden richten, wenn man unterwegs ist.

Um den kleinen Hafen von Smygehamn herum sind ein Bootsbauer, eine Fischräucherei, ein Café und ein kleiner Shop mit Kunsthandwerk angesiedelt. Es ist ein hübscher kleiner Ort.

 

Beddingestrand

An der schwedischen Südküste, zwischen Ystad und Trelleborg, geht es zu wie in Deutschland an der Ostsee. Alles ist auf Urlauber ausgerichtet. Im 18. Jahrhundert war Beddingestrand noch ein Fischerdorf, welches 1872 durch eine Sturmflut fast vollständig weggespült wurde. Vor einigen Jahrzehnten reihten sich Wochenendhäuser entlang des Sandstrandes, aus denen inzwischen ständige Wohnsitze und Ferienhäuser geworden sind. Sogar einen Golfplatz gibt es.

Da jetzt, Ende August, die Urlaubssaison in Schweden vorbei ist, hatten wir keine Schwierigkeit, einen geeigneten Übernachtungsort zu finden.
In Beddingestrand befindet sich ein kleiner Parkplatz direkt hinter dem Strand. Tagsüber sind bei schönem Wetter zwar immer noch Badewillige unterwegs, aber abends wird es ruhiger und man findet ein Plätzchen mit dem Wohnmobil.

Die Sonne schien zwar, aber es wehte ein recht kühler Wind, so dass ich wieder nicht ins Wasser stieg. Inzwischen haben wir so viele schöne Strände angefahren, aber das Wasser ist mir viel zu kalt. Selbst die flache Ostsee schaffte es in diesem Jahr wieder nicht, eine halbwegs angenehme Temperatur zu erreichen. Die einzige Gelegenheit, ins Wasser zu hüpfen, blieb für mich oberhalb des Polarkreises, als wir in der „Arctic Sauna World“ in Munio zu Gast waren. Nach einem Saunagang springe ich selbst in 2 Grad kaltes Wasser, wenn eine Badeleiter vorhanden ist. Ansonsten muss das Wasser schon wenigstens 24 Grad warm sein.

Als wir 2018 von unserer Baltikumtour zurück kamen, badete ich seit meiner Jungend das erste Mal wieder in der Ostsee. Nach dem ersten heißen Sommer der letzten fünfzig Jahre erreichte das Wasser der südlichen Ostsee ganze 25 Grad, nicht zu glauben. Aber ich schweife ab.

Nach einem Sonnenbad in einer geschützten Ecke von Beddingestrand spazierten wir ein wenig den Strand entlang. Auch hier stehen mehrere Bunker, die uns schon seit Norrköping an den Stränden begleiten. Dann bogen wir zur Straße ab und schlenderten an den Wohn- und Ferienhäusern entlang, die sich unter vielen Bäumen verbergen.

 

Jordberga

In einem der letzten Touristenbüro´s, welche wir besucht haben, fanden wir einen Hinweis auf eine Mikrobrauerei. Schon lange sind wir nicht mehr auf eine solche gestoßen, deshalb wollten wir uns diese in Jordberga nicht entgehen lassen. Wir lieben Craft-Bier, weil es andere Geschmackserlebnisse bietet als die Biere aus dem Supermarkt.

In der Hönsinge Hantwerksbryggeri 2012 eröffnete ein junger Mann in einem Teil des Jordberga-Schlosses eine kleine Brauerei. Er lernte das Handwerk in den USA, wo es solche Mikrobrauereien überall gibt. In den USA haben wir auch das Craft Bier lieben gelernt, wo man Bier zwar auch mit Malz, Hefe und Wasser braut, aber auch verschiedene Geschmacksrichtungen, wie z.B. Kürbisbier zu haben sind.

Der junge Mann betreibt die Brauerei alleine. Aus verschiedenen Malzen, die er in mehreren Ländern einkauft, stellt er 14 verschiedene Biere in all ihren Arbeitsschritten her. Die Biere sind hell, dunkel, klar oder trüb, und vom Pilsener bis zum Ale ist alles dabei.

Gleich neben dem Brauraum liegt der Verkaufsraum, wo er seine Erzeugnisse zum Probieren und Kaufen anbietet. In Schweden ist es allerdings so, dass er nur Biere mit einem Alkoholgehalt von bis zu 3,5% selbst verkaufen darf. Alle stärkeren Sorten müssen in „Alkoholläden“ verkauft werden, zumeist im „Systembolag“. Der nächstgelegene Systembolag ist in Skurup zu finden. Der Ort liegt ca. 9km nordöstlich von Jordberga.

Nach dem Besuch der Mikrobrauerei schlenderten wir noch durch den großen Schlossgarten. Wir wissen nicht, ob das Schloss für die Öffentlichkeit geöffnet ist. Bei unserem Besuch war es jedenfalls geschlossen, aber man kann sich den Park mit seinen vielen Nebengebäuden, den Karpfenteich und den alten Bäumen ansehen.

Hier fanden wir auch die Baumart wieder, die wir schon im Stadtpark von Katrineholm bewundert haben. Da in Jordberga mehrere dieser Bäume stehen, schauten wir nach, was es wohl sein könnte. Auffallend sind die langen grünen, herabhängenden und sehr hübschen Fruchtstände. Es stellte sich heraus, dass es eine kaukasische Flügelnuss ist.

Nun fuhren wir kurz nach Skurup, um ein paar höherprozentrige Hönsinge-Biere zu kaufen und den jungen Brauer zu unterstützen, dann setzten wir unsere Fahrt zurück an die Ostseeküste fort.

Ystad

Auf unserer ersten Skandinavienreise vor 22 Jahren besuchten wir schon einmal Ystad. Damals war es die erste Station auf unserer Reise zum Nordkapp. Da wir uns überhaupt nicht mehr an den Besuch der Altstadt erinnern konnten, besuchten wir sie ein zweites Mal. Das Wohnmobil stellten wir auf dem Stellplatz direkt am Fährhafen ab.

Bisher hatten wir immer Parkplätze, auf denen es möglich war, bar oder per Kreditkarte zu zahlen. Die Bezahlung per App hatten wir bisher immer abgelehnt. Dieser Parkplatz gehört zum Anbieter Aimo, der uns auch schon unterwegs ein paar Mal begegnete. Allerdings muss man in Ystad per App bezahlen, obwohl auch die Kreditkartenmöglichkeit bei park4night angegeben ist. Es war ziemlich kompliziert, sich bei der App anzumelden. Damit standen wir nicht alleine, viele weitere Wohnmobilisten standen vor dem Problem. Gemeinsam schafften wir es dann doch, die Formalitäten und Bezahlung, ca. 3,-€ für 24 Stunden, abzuschließen.

Bis in die Altstadt sind es nur ein paar Schritte und sie ist immer noch so schön wie damals, nur dass heute die meisten Gassen asphaltiert sind. Nur die Gehwege besitzen noch das alte Pflaster. Fast alle Häuser sind Fachwerk- oder Backsteinbauten. Die ältesten Fachwerkhäuser stammen aus dem 17. Jahrhundert. Es gibt aber auch wunderschöne Hinterhöfe. Auffallend sind die vielen Stufengiebel.

Ein schönes Ensemble bildet die Sankt-Marien-Kirche mit dem benachbarten Kloster, welches heute das Stadtmuseum beherbergt. Die Kirche ist im Inneren eher schlicht. Hier und da haben sich alte Fresken erhalten.

Der große Marktplatz mit dem schönen Brunnen verwirrt die Sinne allerdings. So viele verschiedene Baustile sind hier zusammengewürfelt, dass das Gefühl der Harmonie verloren geht.

Das ist auch so, wenn man sich in die Gassen auf der anderen Seite begibt. Dieses Viertel ist neueren Datums und wurde aus alten Häusern, Gebäuden aus der 20. Jahrhundertwende und zum großen Teil aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zusammengewürfelt. So viele verschiedene Baustile in einem Viertel haben wir noch nirgendwo gesehen. Schön geht anders.

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