A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Carbonia

Diese ist, wie schon Arborea, eine Reißbrettstadt vom Anfang des 20. Jahrhunderts, von Mussolini initiiert. In der Umgebung wurde Kohle abgebaut, daher leitet sich auch der Name der Stadt ab, Carbonia. Viele Straßen im Zentrum verlaufen parallel, es gibt große Plätze und jede Menge große Wohn- und Geschäftshäuser aus Beton. Dieses Konzept sorgt für viel Licht und Freiheit zum Atmen. Viel Grün wurde angepflanzt und die Plätze schön gestaltet. Eine Ähnlichkeit zur sozialistischen Architektur ist hier durchaus zu erkennen.

Sogar ein modernes Amphitheater ist an der Piazza Marmilla zu finden. Dessen Westseite wird von noch moderneren „Genusstempeln“ flankiert.

Die Gestaltung der Kirche San Ponziano auf der Piazza Roma ist ebenfalls sehr eigen. Zum größten Teil verwendete man für den Bau roten Trachyt.

Carbonia ist eine der reichsten Städte der Insel, was sie der Kohle- und Aluminiumindustrie verdankt.

Der Mercato Civico, die Markthalle, hat jeden Tag außer Sonntags geöffnet. Hier bekommt man Fleisch
(auch Spanferkel, Pferd, Schaf und Ziege), Käse, Honig, Brot, Obst und Gemüse. Seit unserem Aufenthalt auf Sizilien vor sechs Jahren war es das erste Mal, dass wir wieder Ziegenfleisch bekommen konnten.

Portoscuso

Auf dem Weg nach Portoscuso erheben sich die Reste der Nuraghe Seruci. Leider ist sie über den Winter geschlossen, aber man kann sich den Komplex auch von außen her ansehen. Sicher ist der Blick von der vom Museum errichteten Plattform viel besser, aber was nicht ist ist nicht.
Auf jeden Fall ist der Komplex riesengroß. Die Nuraghe Palmevera, die wir bei Alghero besucht hatten, passt gut allein in den Turmbau der Nuraghe Seruci hinein, der einst aus fünf Türmen bestand. Dazu kommt der Dorfbereich mit mehr als einhundert Rundhütten.

Ganz in der Nähe ist das zum Dorf gehörende Großsteingrab zu erkennen. Einen Weg dorthin gibt es nicht. Man muss sich durch das Gestrüpp kämpfen.

Der ehemalige Fischerort Portoscuso ist recht hübsch. Viele der alten Häuser erstrahlen in neuem Glanz. Wenn man durch die kleine Altstadt schlendert eröffnet sich so manches Mal der Blick zum Meer.

Gleich neben der Marina stehen noch die Reste der alten Thunfischfangstation. Die Anlage ist abgeschlossen, aber man kann an der Küste einen Blick über die Mauer werfen, wo die großen Bögen der Station zu sehen sind. Ein altes Fangboot liegt noch unter einem der Bögen.

In der Nähe steht ein großer spanischer Turm, auf dem man in der Neuzeit einen Aufbau gesetzt hat.

Die kleine Kirche Santa Maria d`Itria mit dem separat stehenden Glockenturm ist auch nett anzusehen, wie auch der kleine Platz davor.

Kommt man vom spanischen Turm gelangt man durch einen Torbogen, der an die Thunfischfabrik anschließt, auf den Kirchplatz.

Die Strände Paleturri und Portopaglietto laden bei entsprechendem Wetter zum Baden ein. Sie werden beide von Felsen umschlossen.

Lenkt man seine Schritte nördlich aus Portoscuso heraus, in Richtung Capo Altano, dann gelangt man durch eine wunderschöne Landschaft, die gut dazu geeignet ist, seinen Blutdruck herunter zu fahren. Mit vollen Zügen kann man die Natur genießen, die Ausblicke auf die Felsformationen rechter Hand und das Meer mit der Insel San Pietro auf der linken Seite.

Wir wollten gar nicht so weit gehen, aber die Neugier trieb uns immer weiter, bis zum unglaublich schönen Capo Altano. Die letzten 1,5km sind nur noch zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen. Auto´s müssen vorher geparkt werden.

In den Felsformationen sind merkwürdig ausgehöhlte Felsbrocken zu sehen. Der eine sieht aus wie ein „Dickmann“. Dies zieht sich bis zum oberen Rand des Berges. Dort stand einmal die Nuraghe Baccu Ollastra.

Am Ende des Radweges liegt das Capo Altano. Zuerst kommt man an einem gemauerten Bogen vorbei, der den Weg zum Kap überspannt. Allerdings sahen wir beim Durchgehen immer nach oben, denn das Gewölbe hat schon etliche Löcher.

In Sichtweite liegt eine Küstenbatterie aus dem 2. Weltkrieg, mit einem Kommandoturm, mehreren Geschützstellungen und einem Haus etwas entfernt. Von hier aus kann man zurück nach Nebida und Porto Flavia sehen.

Eine kleine Kletterpartie durch die oberhalb liegenden Felsen, viele haben inzwischen schöne Formen erhalten, ist bestimmt auch toll. Es ist schwer sich von diesem wundervollen Ort zu trennen. Zurück bis zum Parkplatz in Portoscuso sind es knapp vier Kilometer.

In direkter Nachbarschaft zum netten Portoscuso liegt Portovesme, das ganze Gegenteil. Es ist ein riesiger Industriehafen, mit einem großen Kraftwerk sowie Blei-, Zink- und Aluminiumindustrie. Schornsteine, Windräder und Chemieanlagen ragen zahlreich in den Himmel.

Fontanamare

Eine herrliche Ecke im Südwesten Sardiniens ist der Fontanamarestrand. In etwa der Mitte des langen Sandstrandes, namens Plagemesu, befindet sich ein großer Parkplatz, ansonsten gibt es nur Natur. Strand, Sand, Dünen und die Berge im Hintergrund bieten ein Bild des Friedens und der Geruhsamkeit, zumindest zu dieser Jahreszeit.

Am allerschönsten ist der Blick die Küste gen Norden entlang. Die Farbigkeit der Steilküste ist einzigartig. Weiß, hell- und dunkelrot wechseln sich stark abgegrenzt voneinander ab. Überall sieht man, dass in früheren Zeiten Mineralien abgebaut wurden. Die Berge sind an vielen Stellen angeknabbert, davor liegt der Abraum. In einen der Berge oberhalb Nebidas hat man sogar eine tiefe Narbe in den Abhang getrieben.

Am Ende des Kaps, welches man sieht, wurde das Bergwerk Porto Flavia in den Fels getrieben. Von außen ist davon nichts zu sehen. Der interessanteste Teil ist der Ausgang des Stollens hoch über dem Wasser. Den sieht man jedoch nur im Rahmen einer Bootsfahrt. Nachdem wir einen Beitrag über das Bergwerk im Fernsehen sahen, wollten wir dorthin. Leider ist der Bereich um den Ausgang für einen Besuch gesperrt. Im Eintrittsgeld von 10,-€ ist im Moment nur eine Führung durch den zweihundert Meter langen dunklen Tunnel enthalten.

Eine Alternative zu Porto Flavia ist die Miniera di Nebida. Nebida ist ein recht kleiner Ferienort, der sich mit seinen bunten Häusern an die Berghänge klammert.

Auf dem wunderschönen Panoramaweg „Belvedere“, der um einen Felsen herum führt und hier und da als Garten gestaltet wurde, sieht man die Reste einer Mineralienwäscherei. Das große Gebäude tief unten am Fels wurde terrassenförmig angelegt, was man jedoch nur aus einiger Entfernung vom Fontanamare-Strand aus sehen kann. Was man von oben sieht ist aber nicht weniger spektakulär. Über eine Fördereinrichtung transportierte man die Mineralien nach oben. Auch davon sind noch Reste zu besichtigen. Bis vor Kurzem konnte man noch eine sehr lange Treppe nach unten steigen, die jedoch inzwischen kaputt und gesperrt ist.

Bei Sonnenschein sind der Weg und die Aussichten spektakulär. Die bunte Steilküste ist ein Hingucker, wie auch das Kap mit Porto Flavia und der Felsen Pan di Zucchero.

Fontanamare am nördlichen Strandende war einmal eine Bergarbeitersiedlung. Die wenigen Häuser sind inzwischen verfallen, nur zwei wurden wieder aufgebaut. In einem davon hat sich eine Pizzeria angesiedelt.
Auf der anderen Straßenseite zieht sich eine merkwürdige Konstruktion aus Stein den Hang hinauf. Auf der Kuppe des Hügels steht eine Art schmaler Turm, zu 2/3 eingefallen. Von ihm aus führt ein mannshoher Tunnel bis zur Straße hinunter. War das einmal eine Wasserleitung? Was war das für ein Turm mitten auf der Hügelspitze. Leider kann ich dazu keine Angaben finden. Es bleibt mysteriös.

Am südlichen Ende des Strandes namens Porto Paglia stehen die Überreste der gleichnamigen Thunfischfabrik. Ganz unten am Strand steht die Fabrik, oberhalb stehen die Unterkünfte der Arbeiter. Die Anlage ist inzwischen rekonstruiert und ganz schön angelegt. Mit ihrer erhöhten Lage bietet sie einen schönen Ausblick auf die Küste. Für Wohnmobile gibt es dort keinen Parkplatz. Das muss man weiter oben stehen lassen.

Ein steiler Weg führt von der Siedlung nach unten an den Strand. Wenn man sich links hält fasziniert eine Steilküste aus Sandstein. Leider liegt sie fast immer von der Sonne abgewendet und ist daher sehr dunkel. Viele Felsbrocken sind aus der Wand gebrochen und liegen verstreut am Strand. Sie besitzen wunderschöne Formen. Sogar offenliegende Tropfsteine sind an ihnen und auch noch an der Wand zu finden. Wo hat man schon so etwas? Allein schon das lohnt den Weg nach unten, und auch wieder nach oben.

Am Ende dieser Wand steht ein kleines Fischerhaus. Inzwischen ist es verlassen, denn das Wasser hat sich das Grundstück geholt. Leider kamen wir nicht nah genug heran, weil der ganze Strand voller Felsbrocken liegt und der Rest mit Unmengen von totem Seegras bedeckt ist. Da sieht man nicht wohin man tritt. Trotzdem war der Besuch ganz schön.

Oberhalb von Porto Paglia ragen einige Bunker aus der Landschaft und wachen über die Küste. Wir verbrachten drei Nächte und erholsame Tage, einschließlich Silvester, am Strand von Fontanamare.

Iglesiente-Berge

Nach einem langen Tag suchten wir einen Stellplatz für die Nacht, der etwas tiefer als 300m liegen sollte. Wir fanden ihn am Stadion von Vallermosa. Der Ort an sich ist nichts besonderes, aber es gibt die Reste einer römischen Therme zu sehen, die sich am Picknick-Park des Ortes befinden. Es war eine kleine Therme, die aus dem 2. Jahrhundert stammt.

Seit dem Verfall wurde die Therme vom Mittelalter an mehrmals überbaut. Das heutige Gebäude, die kleine Kirche Santa Maria, stammt aus dem Jahre 1926. Seit dem 17. Jahrhundert ist die Stelle schon ein Landheiligtum.
Die seitlichen Grundmauern der Therme liegen jedoch offen und man kann die Form des Bauwerks erkennen, sowie eine Ecke, an die direkt die Kirche gebaut wurde.

Nicht weit entfernt steht die Ölmühle Valle Hermosa. Der Liter Ölivenöl wird hier für ganze 13,-€ verkauft.

Das nächste Ziel war Domusnovas. Hier besuchten wir die San Giovanni-Höhle. Das Wohnmobil ließen wir 2,6km vorher auf einem Parkplatz stehen. Von hier aus hat man einen schönen Rundweg zur Höhle und zurück. Den Hinweg kann man über die neue Straße nehmen, mit Blick zu den die Höhle umschließenden Bergen. Den Rückweg geht man die alte Straße zwischen Bachbett und Steineichen-Wald. Zwischen beiden Straßen steht eine Papierfabrik, zum Teil verfallen, zum Teil neueren Datums. An der Wendeschleife oben steht die kleine Kirche San Giovanni.

Die Höhle San Giovanni ist die größte Höhle, die man bis vor ein paar Jahren noch mit dem Auto befahren konnte. Auf der ganzen Welt gibt es sechs weitere davon. Inzwischen ist die Höhle für Fahrzeuge jeder Art gesperrt und kann nur noch zu Fuß besucht werden, was sehr zu begrüßen ist.

Die Beleuchtung ist sehr liebevoll akzentuiert, die leise ruhige Musik bewegt dazu, den Besuch gemäßigten Schrittes zu absolvieren. Jetzt zur Weihnachtszeit ist alles weihnachtlich gestaltet, auch die Musik.

Die Länge der Höhle beträgt 860 Meter. Auf der ehemaligen Straße hat man genug Platz, sich die Höhle anzusehen. Es gibt keine filigranen Tropfsteine, sondern eher große „Figuren“, die mit Tropfsteinen verziert sind. Es sind aber sehr interessante Formationen dabei.
Der Eintritt kostet 8,-€ pro Person, dafür bekommt man ein Informationsblatt über die Höhle und die Umgebung mit. Ein Helm ist obligatorisch.

Oberhalb unseres Parkplatzes stehen noch die Reste der Nuraghe S`Omu e S`Orcu. Der Name geht auf zwei furchterregende Kreaturen mit übermenschlichen Kräften zurück. Es ist die einzige Nuraghe die mit Quarzitgestein gebaut wurde. Die ganze Gegend selbst besteht aus Schiefer. Die Nuraghe soll einmal fünf Türme gehabt haben. Der Zugang ist jedoch gesperrt, weil Rekonstruktionsarbeiten im Gange sind.

Am Parkplatz steht eine registrierte Katzen-Kolonie. Die Katzen haben dort ein schönes Zuhause in einem Baumhaus und bekommen immer ihr Futter. Denen geht es richtig gut. Wir haben zwar auf Sardinien schon mehrere „Katzen-Fütter-Stationen“ gesehen, aber die hier ist echt nobel.

Vor dem Besuch von Iglesias fuhren wir noch zum Stausee Lago Corsi, besser gesagt, ehemaligen Stausee. Den größten Teil des Stausees kann man erwandern, denn es kommt nicht mehr genug Wasser nach. Unterhalb der neuen Straßenbrücke stehen Ruinen eines Gebäudes am Grund des See´s, die bis vor einer Weile noch überflutet waren. Weiter rechts überspannt noch eine uralte kleine Bogenbrücke den Bach. Sie ist gerade so breit wie der Bach. Das heißt also, es ist alles wieder wie vor dem Füllen des Stausees. Diese Überreste vergangener Zeiten machen den Stausee besonders.
Er liegt auf gut 300 Metern Höhe und es hat hier über Nacht gefroren.

Die Altstadt von Iglesias ist ebenfalls einen Besuch wert. Sie besitzt eine hohe Kirchendichte und bietet jede Menge Palazzi. Allerdings sind die meisten in erbärmlichem Zustand, aber es wird auch schon viel rekonstruiert. Auffallend ist die Höhe der Häuser, die auf Sardinien sonst kaum zu finden ist. Das liegt daran, dass die Stadt einst, vom 13. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert, in erheblichem Wohlstand lebte. Die ganze Gegend, von Guspini bis Iglesias war Bergbaugebiet. Vor allem baute man Silber ab, später Blei und Zink. Die Überreste vieler Minen, die meisten schloss man erst Mitte des 20. Jahrhunderts, sind überall noch in der Landschaft zu sehen. Zu den meisten Anlagen führen aber nur Pisten hin.

Auf dem Weg von Iglesias nach Fontanamare, bei Monteponi, steht eine Bergbauanlage direkt an der Straße.

Costa Verde

Die Besichtigung der Costa Verde begannen wir in Torre die Corsari. Gleich an den Ort schließt sich der Strand di Torre die Corsari an. Das Besondere an ihm? Es liegen große Dünen dahinter, in denen man sich wie in der Wüste fühlt. Das Besteigen der Dünen ist recht einfach, denn der Sand ist relativ fest. Der Wind hat wundervolle Formen in den Sand gezaubert.

Oben angekommen bietet sich ein schöner Blick über die Küste, den Strand und das grüne Hinterland. Am Ende fallen die Sanddünen ziemlich steil ab. Es ist ein schönes Erlebnis, dort durch zu wandern.

Die Costa Verde, die Grüne Küste, ist kaum mit einem normalen Wohnmobil zu befahren. Es gibt nur steile Stichstraßen von den nicht zu hohen Bergen hinunter. Ansonsten führen nur unbefestigte Wege und Pisten durch das Gebiet. Noch größere Dünen sind am Strand di Piscinas zu finden.

In Marina di Arbus übernachteten wir. Es ist ein Ferienort inmitten einer Steilküste, deren Farben von hell bis dunkel variieren. Zum Strand führen Treppen hinunter. Es ist ganz schön dort, vor allem ruhig.

Auch der nächste Ort Porto Maga liegt sehr schön. Nur die Ferienhaus-Anlagen sind hier und da für die Landschaft etwas zu groß geraden. Direkt am Strand steht ein kleines Hotel, welches über den Winter geschlossen hat, ebenso wie der Supermarkt und das Souvenirgeschäft.

Fährt man die Straße weiter an der Küste entlang in Richtung Süden, beginnt bald die Piste.

Wir mussten jetzt die kurvenreiche Straße nach Guspini nehmen. Sie ist landschaftlich sehr schön und man fährt am Monte Arcuentu-Massiv vorbei. Es beeindruckt mit seinen kantigen, kahlen Zinnen.

Kurz vor Guspini kamen wir durch das Bergdorf Montevecchio, welches uns durch seine Architektur interessierte. Es liegt 375 m hoch und es ist kühl dort oben.
Wie sich herausstellte, war dies der Direktionsbereich der Mine Montevecchio. Um einen grünen Platz herum gruppieren sich mehrere große Paläste aus der Gründerzeit. Etwas abseits befinden sich die Wohnhäuser der Minenarbeiter.

Unterhalb von Montevecchio liegt der Abbaubereich, in dem von 1848 bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts silberhaltiges Blei und Zink abgebaut wurden. Es gehörte zu den wichtigsten Minenorten in Europa. Im Rahmen eines Museumsbesuches können die Anlagen auch besichtigt werden.
Gut von außen zu sehen sind die verschiedenen Bereiche der Mine sowie der Schacht Pozzo Sartori und die Brecheranlage. Große Abraumhalden bestimmen das Bild.

Am Ende der Mine steht die Brauerei Birrificio 4 Mori. Sie stammt allerdings aus der Neuzeit. Sie stellt Craft-Bier her, also genau das was wir suchen. Der Braumeister ist ein Deutscher, erklärte uns die nette Dame am Tresen, die im Winter auf ziemlich verlassenem Posten steht. Das merkt man auch an der Angebotspalette. Es finden dann nur wenige Leute dorthin.

Die Biersorten namens Pozzo, davon viele deutsche Sorten wie Helles, Pilsner, Weißbier oder Bock stehen auf der Brauliste. Das Helle durften wir probieren. Wir glauben, es war das beste Helle, welches wir je getrunken haben, sehr aromatisch und ganz leicht prickelnd.
Natürlich kann man die Biere auch kaufen und wir entschieden uns für drei Sorten: Dunkles Bock, Pale Ale und eine saisonale Sorte, die mit Kastanien gebraut wird.

Jetzt wollten wir uns im Bergdorf Arbus noch das Messermuseum ansehen. Das Wohnmobil kann man auf dem wahrscheinlich nie fertig werdenden Camper-Parkplatz am oberen Dorfrand abstellen. Von dort aus ist es ein guter Kilometer Fußweg bis zu dem versteckt liegenden Museum. Hier werden original sardische Messer hergestellt. Die Griffe werden in den meisten Fällen aus natürlichen Materialien gemacht, wie Geweih, Wildscheinzähne oder Muflonhörner. Einige dieser Messer konnten wir schon in Montevecchio sehen. Das Besondere an diesem Museum ist, dass es das größte Messer der Welt beherbergt. Es ist 3,35m lang und wiegt 80kg. Leider war es trotz Öffnungszeit geschlossen.

Arborea

Bei unserem Besuch im Gefängnis Castiadas erfuhren wir, dass nach der Schließung 1955 die meisten Gefangenen freigelassen wurden. Wenn sie wollten konnten sie auf Sardinien sesshaft werden und bekamen dafür ein Stück Land zum bewirtschaften. Eine solche Siedlung ist Arborea. Die Gegend um Arborea, bis an die Küste heran, wurde in kleine, gleichgroße Felder aufgeteilt. Für die Wasserwirtschaft legte man Gräben an. Die Felder wurden mit Bäumen begrenzt, vor allem Eukalyptus, der die Entwässerung übernahm. Alles bekam gerade Formen, mit rechteckigem Winkel. Noch heute ist diese Aufteilung erhalten, auch wenn sich mehr und mehr landwirtschaftliche Gehöfte ansiedeln. Den größten Anteil haben die Rinderzüchter.

Die Stadt Arborea hebt sich daher vom Rest Italiens ab. Die langen, geraden Straßen und die luftige Bebauung lassen die Stadt sehr offen erscheinen.

Das Zentrum ist der Kirchplatz mit der Kirche Salesiana SS. Redentore. Den Platz begrenzen öffentliche Bauten, wie die Schule, das Theater und die Villa des Direktors. Wie schon San Priamo und Castiadas wurde alles im klassizistischen Stil erbaut, hier und da sind noch dekorative Fresken an den Fassaden erhalten.

Von den alten Wohnhäusern der Bewohner ist kaum noch eines erhalten. Fast alles wurde neu gebaut. Eine alte Fabrikanlage soll rekonstruiert werden und eine Art Gemeinschaftshaus werden, irgendwann.

Wir besuchten auch die Orte Marrubiu, die Stadt der Geominerale, wie es das Ortsschild ausweist, und die Stadt des Weines Terralba. Beide sind recht hübsch und relativ ruhig.

Zwei Nächte verbrachten wir auf dem Wohnmobil-Stellplatz östlich von Marrubiu, bei einem sehr netten deutsch-italienischen Pärchen. In der Nachbarschaft des kleinen Gartens, in dem wir standen, leben Hühner und Enten. Es ist schön, diese zu beobachten.

Schon auf dem Weg nach Fordingianus sind uns Reisfelder aufgefallen. Tatsächlich wird auf Sardinien in größerem Stil Reis angebaut, vor allem im Bereich zwischen Oristano und Cagliari im Südwesten Sardiniens.

Noch immer wollten wir in ein Restaurant einkehren, um Meeräsche und Bottarga zu probieren, bevor wir diese Gegend wieder verlassen. Deshalb fuhren wir in den Fischerort Marceddi und waren sehr überrascht. Es ist der originalste Fischerort, den wir bisher auf Sardinien gesehen haben. Das Leben scheint hier immer noch so verlaufen, wie es schon seit jeher war. Nur die Fische sind viel weniger geworden.

Entlang von vier parallel verlaufenden Straßen stehen die alten Fischerhütten. Sie besitzen nur eine Etage und sind sehr klein. Teilweise sind sie verfallen, teilweise werden sie gerade noch erhalten und manche sind richtig schön rekonstruiert. Befestigte Straßen gibt es nicht, nur am südlichen Ende eine kleine Kirche und ein Schifffahrts-Museum.

Hinter dem Dorf breitet sich eine Lagunen-Landschaft aus. Dort sind außer verschiedenen Seevögeln und Flamingos auch ein spanischer Turm, ein Bunker und eine Beobachtungsstelle für Vögel zu finden. Dahinter öffnet sich das offene Meer. Marceddi liegt am Ende einer tief eingeschnittenen Bucht.

 

Halbinsel Sinis

Der Nordwestzipfel der Sinis-Halbinsel ist landschaftlich ziemlich eindrucksvoll. Das Wohnmobil kann man auf dem Damm zwischen dem Meer und der Lagune Saline Manna abstellen. Allerdings sollte man dabei bedenken, dass das Kap eine sehr windige Ecke ist. Deshalb stellen sich hier viele Surfer ein.

Die Dammstraße ist von Palmen gesäumt und der Salzsee sieht fast wie ein Salzsee aus. Die Salzkonzentration ist hier so hoch, dass der See sehr hell erscheint. Die Flamingos versammeln sich weit weg am anderen Ufer.

An der Südseite wird die Dammstraße vom Ferienort Putzu Idu begrenzt, im Norden von Porto Mandriola. Wenn man durch Mandriola spaziert, dann fällt die Anordnung der Straßen ins Auge. Die Hauptstraße hat zwei mit einem Grünstreifen geteilte Fahrspuren. Davon ab gehen Stichstraßen, bis zum jeweiligen Dorfende. Ein oder zwei Parallelstraßen verlaufen zur Hauptstraße. Die Häuser sind meist eingeschossig und sehr klein, eben die traditionelle Bauweise an einem windumtosten Ort.

Geht man zum Ende von Porto Mandriola geht die Straße in eine Piste über, die zum Leuchtturm und weiter zum Capo Mannu führt.

Schroffe, steil und tief abfallende Sandsteinfelsen prägen das Kap. Dahinter breitet sich eine Ebene aus, von der aus man einen schönen Blick hinunter zur Lagune, dem Damm und der Meeresküste hat. Die Vegetation ist sehr karg, was dem ewigen Wind zu verdanken ist.

Der Leuchtturm dagegen ist weniger attraktiv, zudem militärisches Sperrgebiet.

Gleich unterhalb erhebt sich ein spanischer Turm, der teilweise rekonstruiert wurde. Auf einer Infotafel am Turm wird die Geschichte erläutert. Im 16. und 17. Jahrhundert baute man auf Geheiß der spanischer Krone, zu dem auch das Königreich Sardinien gehörte, etwa einhundert Küstentürme auf der Insel. Auf den größeren Türmen hatte man Artillerie und bis zu zehn Soldaten stationiert. Die allermeisten, kleineren Türme, hatten nur zwei Soldaten. Notwendig waren die Türme, weil die Sarazenen, die aus dem osmanischen Reich und Nordafrika kamen, die spanischen Küsten überfielen.

Seit dem 21. Jahrhundert ist es Aufgabe der sardischen Küstenschutzbehörde, die Türme zu erhalten und wiederzubeleben.

Unterhalb des spanischen Turms liegt die Cala die Tedeschi, die Bucht der Deutschen. Die Wände der Bucht grub das Meer fast künstlerisch tief in den Sandstein. Den Namen hat die Bucht der Überlieferung zufolge daher, dass von hier aus ein deutsches U-Boot versorgt wurde.

An diese Bucht schließt sich eine flache Felszunge an, die im Meer endet.

In den zwei Tagen, die wir am Capo Mannu standen, blies der Wind so heftig, dass alles, was nicht niet- und nagelfest war, davon flog. Überall lagen abgebrochene Äste und heruntergefallene Palmwedel auf den Straßen. Das tote Seegras, welches das Meer an den Strand gespült hatte, verteilte sich überall. Es sah schlimm aus. Die Surfer freuten sich über den Wind, aber als der Wind zum Sturm auffrischte, waren auch sie verschwunden. Wie verstecken sich eigentlich die armen und schutzlosen Flamingos?

Um etwas Schutz vor dem starken Wind zu finden, fuhren wir nach Cabras, um uns die Stadt anzusehen. Sie liegt an der Lagune Stagno di Cabras, eines der fischreichsten Gewässer Italiens. Vor allem die Meeräsche wurde hier gefangen und gezüchtet. Der Fisch, hier Muggine genannt, wird meist über Holzfeuer geröstet. Der Rogen der Meeräschen wird getrocknet und gepresst und als Bottarga verkauft. Dies ist eine sardische Spezialität, die auch auf den hiesigen Wochenmärkten angeboten wird. Allerdings kostet ein Kilo davon um die 75,-€.

Der Ortskern von Cabras ist ein verwinkeltes Wirrwarr von engen Gassen und Sackgassen. An vielen Ecken treffen mehrere Gassen sternförmig zusammen. Fast alles sind Einbahnstraßen. Wer dort mit dem Auto hinein fährt und sich nicht auskennt, hat ein Problem. Als Fußgänger ist es ein Spaß sich einen Weg hindurch zu suchen. Man sollte nur den Stand der Sonne im Auge behalten, der als Richtungsweiser dient.

Ein anderer Anhaltspunkt die Kirche S. Maria Vergine Assunta, die am Seeufer steht.

Da wir Meeräsche mit Bottarga probieren wollten fuhren wir zum Restaurant „Ittiturismo Sa Pischera ´e Mar ´e Pontis, im Feuchtgebiet südlich von Cabras. Leider fand da gerade eine geschlossene Veranstaltung statt, so dass wir keinen Platz mehr bekamen. Das Restaurant hat nur von 13 Uhr bis 14.30 Uhr geöffnet. Es ist gerade Weihnachten und morgen wird es auch nicht anders aussehen. Also übernachteten wir neben der kleinen alten Kirche di San Vincenzo, wo wir etwas windgeschützt standen.

Über eine Brücke ist ein Museum zu erreichen, welches ebenfalls geschlossen hat. Was für ein Museum das ist konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Es besteht aus mehreren Gebäuden, die z.B. als Lagerraum und Küche ausgewiesen sind. Ein altes Fischerboot liegt an Land.

An vielen Stellen der Wasserarme sind Schleusen und Fischfanganlagen zu sehen. Auch hier halten sich Flamingos auf, die jedoch die Menschen gewöhnt sind. Deshalb konnten wir auch welche aus der Nähe beobachten.

Fordongianus

Durch eine weite fruchtbare Ebene fuhren wir in Richtung Oristano weiter. Auf der rechten Seite der E25 liegt eine Kette von Vulkanen, die von Monastir bis nach Villasanta reicht. Die Vulkane bestehen aus verschiedenen Materialien, rotem und weißem Trachyt, sowie normaler eisenhaltiger Lava. Die Ebene ist so fruchtbar und dunkel, weil sie von Vulkanasche bedeckt ist. Ganz anders als wir es bisher auf Sardinien gesehen haben, wo steinige Felder vorherrschen.

Nicht weit von der E25 ist sogar das Hochplateau Giara di Gesturi zu sehen, dessen Kanten steil abfallen. Dort oben leben die letzten halbwilden Pferde Sardiniens, die wir eigentlich besuchen wollten. Leider spielt das Wetter nicht mit. Es ist kalt, regnerisch und stürmisch. In den trockenen Zeiten sind die Pferde oft an den Wasserstellen zu finden. Jetzt aber gibt es überall Wasser und sie werden sich verteilt haben. Da das Plateau 14×7 km groß ist, könnte es schwer werden, ein paar dieser Pferde ausfindig zu machen.

Deshalb fuhren wir nach Fordongianus weiter, um wie die alten Römer in einer Therme zu baden. So war jedenfalls unsere Vorstellung, als wir die Bilder bei Google Maps gesehen haben. Der Ort liegt gut 25 km nordöstlich von Oristano, am Fluss Tirso, in einer hügeligen Landschaft.

Kurz vor Fordongianus steht die kleine Kirche San Lussorio aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist einem römischen Märtyrer gewidmet.

Fährt man ein Stück weiter die Straße hinunter, befinden sich die Reste eines römischen Amphitheaters links unterhalb des Straßenrandes. Es wird durch einen Zaun abgesperrt.

Fordongianus, der Name leitet sich aus der römischen Bezeichnung des Ortes „Forum Traiani“ ab, war ein Stützpunkt der Römer gegen ihre sardischen Feinde. Sie erbauten den Ort genau hier, weil mehrere heiße, schwefelhaltige Quellen aus dem Boden sprudeln, bis heute.
Aus dieser Zeit stammt auch die Therme, von der Reste heute noch stehen. Davor sprudeln mehrere heiße Quellen in zwei neue flache Becken. Das Wasser hat dort jedoch noch fast 50 Grad, also zu heiß um hinein zu steigen.

Das Wasser fließt dann weiter, durch Rohrleitungen in den Tirso. Mit Hilfe von Steinen hat man dort einige Badebecken angelegt. Das Wasser hat dort nur noch Badetemperatur, wenn die Strömung des Flusses nicht zu stark ist. Dann fließt das kalte Wasser des Flusses in die Badebecken und das wird relativ unangenehm. Solche Badebecken am Flussufer kennen wir schon von der Therme Casteldoria im Norden von Sardinien.

Die Ruinen der römischen Therme kann man sich im Rahmen eines Museumsbesuches für 5,-€ Eintritt ansehen. Baden ist dort nicht möglich. Dafür hat man ein modernes Badehaus eingerichtet. Für 6,-€ lässt man das Thermalwasser in Einzelkabinen in richtige Badewannen ein, wo man dann eine halbe Stunde ein warmes Bad genießen kann. Das geht aber nur mit Voranmeldung.

Fordongianus hat noch mehr zu bieten. Im Ortsgebiet steht ein spanisches Adelshaus aus dem 16. Jahrhundert, das Casa Aragonese. Auch dies ist im Rahmen eines Museumsbesuches zu besichtigen.

In der Nähe der Bogenbrücke über den Tirso hat man sogar ein Stück alte Römerstraße freigelegt. Gleich unterhalb führt eine große Freitreppe zum Weg am Flussufer hinunter, wo auch der Wohnmobil-Stellplatz liegt. Davor steht eine alte Wäschewasch-Anlage, gegenüber gibt es eine weitere heiße Quelle für die Bewohner des Ortes.

Der Ortskern von Fordongianus ist ebenfalls sehenswert, denn die traditionellen Häuser aus weißem und rotem Trachyt sind recht hübsch. Manche sind aber verfallen, andere wurden rekonstruiert. Es finden sich anscheinend viele Interessenten, die solche Häuser wieder aufbauen. Vor allem der Tischler hat gut zu tun, denn die Fenster und Haustüren sind alle aus Holz und manchmal sehr dekorativ.

Monastir

Einen ungeplanten Zwischenhalt legten wir südlich von Monastir, an der E25 gelegen, ein. Direkt am Gemeindepark Parco di Santa Lucia befindet sich ein großer grüner Parkplatz, auf dem wir die Nacht verbrachten. Von dort aus kann man zu einer interessanten Wanderung starten, die eine alte Grabstätte der Nuragher, einen Lava-Steinbruch, eine Festung und einen Brunnen vom Anfang des 20. Jahrhunderts beinhaltet. Die Wanderung ist nicht schwer und sehr gut ausgeschildert. An den einzelnen Stationen stehen Erklärungstafeln.

Die Domus de Janas sind mehrere Begräbnisstätten, in einen Fels gehauen. Da gibt es nicht viel mehr zu sehen.

Gleich nebenan steht ein Gebäude, welches einmal das Büro des Steinbruchs gewesen sein muss. Durch die geöffnete Tür kann man das Haus mit mehreren Zimmern und einem Kamin betreten. Es ist aber recht baufällig und der Müll türmt sich.

Das interessanteste ist der Steinbruch selbst. Davor steht noch eine verrostete Verladeanlage.

Dieser Steinbruch lieferte im 20. Jahrhundert Lava des Vulkans Monte Oladri. Das was noch vom Vulkan stehenblieb bietet einen Einblick in die Geschichte des Vulkans. Viele Ausbrüche hat der Vulkan erlebt, sogar pyroclastische Ströme gab es.

Direkt auf dem Vulkan sind noch die Grundmauern des Castello di Baratuli aus dem 12. Jahrhundert zu finden. Der Weg dorthin ist jedoch gesperrt.

Am Fuße des Monte Oladri gab es eine Quelle Funtana`e su Guvernu, die Anfang des 20. Jahrhunderts umbaut wurde. Das oberste Bauwerk umrahmte die Quelle selbst. Ein paar Stufen tiefer steht das dekorative Bauwerk, aus dem das Wasser in einen 64 Meter langen Kanal strömte, der rechts und links von Plattenwegen flankiert wird. Wo das Wasser dann hinlief, kann man nicht sagen. Auf jeden Fall ist die Anlage sehr verwildert und wird nur noch von den Besuchern offengehalten. Durch die Steinbrüche am Vulkan ist die Quelle wohl versiegt.

Vom Brunnen aus sieht man einen weiteren Lava-Steinbruch. Da trug man den kompletten Vulkan bis zum Grundwasser hinunter ab.

Auf dem Hügel neben dem Monte Oladri wird noch eine archäologische Ausgrabungsstätte angezeigt, die wir jedoch nicht mehr besuchten.

Die Landschaft ist wunderschön. Vom Steinbruch aus reicht der Blick sogar bis zum Meer.

Castiadas

Von der Lagune Piscina Rei aus wollten wir nicht mehr weiter der südöstlichen Küste Sardiniens folgen. Von hier aus gibt es nur noch Ferienorte und Sandstrände zu besichtigen. Es ist zum großen Teil das Urlaubsgebiet der Bewohner von Cagliari.
Deshalb bogen wir jetzt wieder Richtung Westküste ab. Wir hatten von dem Ort Castiadas gehört und wollten uns das einmal ansehen.

Parkplätze gibt es an der kleinen Kirche. Schon auf dem Weg dorthin fallen dem Besucher die protzigen Gebäude im klassizistischen Stil auf. Wir waren natürlich schon im Bilde: Castiadas wurde als Strafkolonie gebaut. Von 1875 bis 1955 war das Gefängnis in Betrieb, heute ist im Gebäude der Direktion ein Museum untergebracht.

Für 5,-€ Eintritt erfährt man von einer freundlichen Dame die Geschichte zu diesem Komplex. Um einen Innenhof gruppieren sich an den vier Seiten die Direktion, die beiden Zellenblöcke für jeweils 500 Gefangene, das Hospital und der Trakt mit Küche und den Unterkünften des Wachpersonals. Nur die Direktion, in der auch die Einzelzellen zu finden sind, wurde vor zwei Jahren rekonstruiert, die anderen Gebäude sind in einem sehr schlechten Zustand. Ein weiterer Teil ist für das nächste Jahr für die Rekonstruktion avisiert.

Die Gefangenen (Kriminelle, Politische und Kriegsgefangene) sollten die Gegend urbar machen, denn in dieser Zeit herrschte in weiten Teilen Ost-Sardiniens die Maleria. Sie kostete vielen Menschen das Leben, vor allem das der Gefangenen. In der Zeit des zweiten Weltkrieges, als das verfügbare Chinin ausschließlich an die Soldaten ging, starben jede Woche dreihundert Gefangene daran.

Eine Maßnahme, die Gegend zu entwässern, war Eukalyptusbäume zu pflanzen. Jeder Baum zieht am Tag bis zu 120 Liter Wasser aus dem Boden. Der ersten Bäume auf Sardinien wurden 1875 im Gefängnishof gepflanzt. Sie sind inzwischen sehr stattlich. Den Umfang der Stämme zu erfassen braucht es sechs Mann.

Nach der Urbarmachung sollten die Gefangenen eine Landwirtschaft aufbauen. Sie bauten Getreide an und hielten Vieh. Sogar eine Käserei gab es.

Neben dem Gefängnis stehen noch weitere Gebäude in der Nähe, die nicht besichtigt werden können: das Wohnhaus des Direktors, die Käserei und die Kirche Chiesa di San Basilide.

Nördlich des Gefängnisses befindet sich das Theater sa Mandria. Sein Anblick erinnert nicht an ein Theater, sondern an eine römische Agora, ein viereckiger Platz mit Arkadengängen. Heute steht eine moderne Gitterkonstruktion als Bühne auf dem Platz, die sicher für große Veranstaltungen genutzt wird.

Südlich des Gefängnisses steht ein weiterer quadratischer Bau. Zu diesem sind jedoch keinerlei Auskünfte zu erhalten.

Auf jeden Fall fällt auch der Ortskern Castiadas aus dem typisch italienischen Rahmen, wie auch San Priamo. Der Ort ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

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