Vila do Conde
Eigentlich wollten wir Gaia, dem Weinkellerviertel von Porto, noch einen Besuch abstatten. Dafür parkten wir im westlich gelegenen Stadtteil Afurada auf einem großen Supermarktparkplatz. Dort frischten wir unsere Vorräte auf und hofften darauf, dass es einen Moment geben würde, in dem der Dauerregen aufhören würde. Oft hatten wir jetzt Glück, dass wir die meisten Spaziergänge halbwegs trocken über die Bühne bekamen. Leider funktionierte das nicht in Porto. Es regnet ja nicht nur, es schüttet und dazu Windböen und Nebel, echt widerlich. Da ist man schnell bis auf die Haut nass.

Trotzdem musste ich einen Abstecher zur Douro-Marina machen, die gerade einen guten Kilometer entfernt liegt. Durch eine enge Gasse gelangte ich unten zum Flussufer. Das gegenüberliegende Flussufer konnte man durch den Nebel kaum erkennen. Die nahe Douro-Mündung in den Atlantik war gerade so auszumachen.
So ging ich in Richtung Autobahnbrücke und bog davor in die kleine Altstadt ab. Bei schönem Wetter ist das sicher sehr nett, aber ich sah, dass ich möglichst schnell wieder zum Wohnmobil kam.


Unverrichteter Dinge fuhren wir deshalb nach Vila do Conde weiter. Die Stadt liegt nördlich von Porto am Atlantik. Die Beschreibung im Reiseführer veranlasste uns zu diesem Ziel.
Parken konnten wir auf dem langen Parkplatz entlang des Strandes, nahe des Forte de São João Baptista de Vila do Conde.

Das Fort ist geschlossen und in dem gegenwärtigen Nieselregen ziemlich trist. Es steht direkt an der Küste. Der Sandstrand ist mit Felsen durchsetzt.

An der anschließenden Mole stehen eine Kapelle und der Leuchtturm. Diesen Weg sparten wir uns und gingen in Richtung Hafen weiter.
An einer alten Hallenwand prangt eine Malerei, die die Verarbeitung und Trocknung des Kabeljaus aus Neufundland zeigt. Das Endprodukt wird dann als Bacalhão überall verkauft.

Vorbei am städtischen Hallenbad und am Fischereihafen gelangten wir zum Platz D. João II, der liebevoll und modern gestaltet wurde. Die Stadt hat offensichtlich viel für Kunst übrig, denn überall finden sich Skulpturen und künstlerische Elemente.


Über eine kleine Holzbrücke über den Stichkanal erreicht man die auf einem Felsen gelegene Capela de Nossa Senhora do Socorro. Ungewöhnlich ist das Kuppeldach der Kapelle.

Die Socorro-Kapelle wurde im Auftrag des hochrangigen Marinepiloten Gaspar Manuel Carneiro und seiner Frau erbaut. Der Bau wurde 1603 abgeschlossen. Der Marinepilot bereiste die Routen nach Indien, China und Japan. Die Kuppel erinnert an die typischen Gebäude des Nahen Ostens, die auf dem Weg nach Asien lagen.
Im Inneren ist die Kapelle kreisrund und die Wände sind mit wunderschönen Fliesenarbeiten aus dem 18. Jahrhundert verziert, die Szenen aus dem täglichen Leben Christi darstellen.
Im Hafen unterhalb liegt ein Museumsschiff, der Nachbau einer Karavelle aus dem 16. Jahrhundert. Da bekommt man eine Vorstellung wie winzig die Schiffe damals waren, mit denen die Welt bereist wurde.

Nun spazierten wir weiter durch die alten Gassen. Der Straßenbelag aus Naturstein erinnert an die Beschaffenheit der römischen Straßen, die wir in Italica gesehen haben.

Zurück am Fluss Ave kamen wir zum Platz der Republik, der als schöner Garten angelegt ist, wenn im Sommerhalbjahr alles grün ist. In dessen Mitte steht ein Brunnen.
Am Ufer der Ave zeigt eine Bronzeskulptur eine Spitzenklöpplerin.

In direkter Nachbarschaft des von schönen alten Häusern umrahmten Parks thront das imposante Kloster de Santa Maria. Es wurde vor Kurzem aufwändig renoviert und dient jetzt als Hotel.

Wenn man am Fluss entlang am Kloster vorbeiläuft biegt eine kleine Straße nach links ab. Die führt nach oben, auf die Höhe des Klostereinganges.
Direkt auf dem Klosterhof beginnt der Aquädukt Santa Clara, der sich durch Vila do Conde zieht. Das Bauwerk wurde 1705 bis 1714 errichtet, bestand aus 999 Bögen und ist fünf Kilometer lang. Heute fehlen einige Stücke des Aquädukts, aber es beeindruckt noch immer. Im Gegensatz zu den römischen Aquädukten ist dieser hier sehr schlank gehalten.

Zum Kloster, welches heute ein Hotel ist, gehört auch eine Kirche, um die herum das Aquädukt zum Kloster führt.
Unterhalb des Klostergeländes steht das Nonnenkloster São Francisco.

Von hier aus spazierten wir zurück zur Altstadt und kamen zu einem Parkplatz, auf dem ein Wald aus geisterhaft aussehenden Platanen steht.

Gleich nebenan befindet sich das Wochenmarktgelände mit Außenbereich und Verkaufshallen.

Von hier aus gibt es einen Zugang zur katholischen Kirche Igreja Matriz de São João Baptista. Vor allem das wunderschöne manuelinische Portal ist sehenswert.


Im Inneren strahlt die Kirche in Gold. Selten sahen wir eine Kirche mit so vielen großen und vergoldeten Altären. Es laufen gerade Restaurierungsarbeiten an diesen Altären, die unter anderem eine neue Goldauflage bekommen. Schöne Glasfenster vervollständigen das Bild.

Gegenüber der Kirche steht das Rathaus von Vila do Conde aus dem 16. Jahrhundert. Auf dem Platz Vasco da Gama davor steht der alte Pranger, der genauso alt ist.

Über die Avenida Dr. João Canavarro, an der das Kino und der Justizpalast stehen, beendeten wir unseren feuchten Rundgang durch Vila do Conde.



