Kantabrische Küste
Laredo
Wir befinden uns in Kantabrien. Um die nächste Etappe nicht zu lang werden zu lassen, suchten wir uns Laredo für einen Zwischenstopp aus. Die Stadt liegt zwischen Santander und Bilbao. Bisher haben wir auf dieser Fahrt nur kleine gemütliche Städtchen an der Nordküste Spaniens kennengelernt. Laredo dagegen ist ein großer Urlaubsort. Von einem zum anderen Ende des langen Sandstrandes sind es mehr als fünf Kilometer.
Zwei Nächte verbrachten wir in der Stadt. Hier erlebten wir den wärmsten Tag dieser gesamten Winterreise. Um 10.30 Uhr zeigte das Thermometer schon 19°C an. Um 19.30 Uhr waren es immer noch 18°C. Selbst um 23.20 Uhr durften wir noch 16°C und einen Vollmond genießen. Unglaublich. Selbst zum Beginn der Reise im Oktober, in Spanien, waren nur die Mittagsstunden warm genug, um kurzärmelig zu gehen. Schon früh abends war es so kalt, dass wir nicht draußen sitzen wollten.
Um so größer war die Freude über die warmen Frühlingstemperaturen jetzt.
Zuerst spazierten wir die Promenade entlang bis zur Landspitze, wo der Ría de Treto ins Meer mündet. Zwischen der Promenade und dem Strand erheben sich Dünen. Wieder sehen wir Hinweise auf den nördlichen Jakobsweg.


Gegenüber der Landspitze von Laredo liegt der Ort Santoña mit dem Fort San Martín und dem Fort San Carlos. Es ist wirklich schön hier.


Das Ende der Landspitze erinnert an das Goldene Horn auf der kroatischen Insel Brač. Im Sand fanden wir von kleinem Holz oder Muscheln ausgespülte Löcher, die wie Gletschermühlen im Gestein Skandinaviens aussehen. Es sind kleine Wunder der Natur.


Die erste Nacht verbrachten wir auf dem Parkplatz am Parque de los Tres Laredos. Um das östliche Ende von Laredo kennenzulernen, wechselten wir den Standort dorthin.

Auf dem kurzen Stück zwischen dem Parkplatz an der Strandpromenade und der Altstadt erfreuen Stahlskulpturen das Auge: „Die Delfine“, „eine Frau mit wehendem Haar“ und „Die drei Fischer“.


Die Altstadt von Laredo ist nicht groß, aber ganz hübsch. Uns interessierte der Aussichtspunkt und das Fort Rastrillar oberhalb der Altstadt.

Dafür muss man durch die Altstadt zu einer Gasse, die den Berg hinauf an der Kirche Santa María aus dem 13. Jarhundert vorbei führt. Die Kirche war gerade geschlossen, ist aber schon von außen interessant anzusehen.

Direkt hinter der Kirche läuft man durch ein altes Stadttor. Der Weg führt dann weiter bergauf zum Friedhof. Von dort oben kann man schon auf beiden Seiten das Meer sehen.
Noch weiter den Berg hinauf kommt man zum Tor des alten Forts Rastrillar, welches nur tagsüber geöffnet ist. Gleich dahinter befindet sich der Aussichtspunkt mit dem Blick über Laredo, dessen Hafen, bis hinüber nach Santoña. Bei Sonnenschein und blauem Wasser einfach unschlagbar schön.


Die Ursprünge des Forts stammen aus dem 9. Jahrhundert. Die heutigen Gebäude, Unterkünfte für die Soldaten und Räume für die Befehlshaber, wurden Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Nach deren Verfall gab es Rekonstruktionsmaßnahmen aus der neuesten Zeit. Das Fort bot Platz für zweihundertfünfzig Soldaten.
Zum Fort gehören zwei offene Batteriestellungen für Kanonen und ein Pulverlager, die aus dem 18. Jahrhundert sind. Die Batterie „Heiliger Thomas“ besteht eigentlich nur aus einer steinernen Brüstung und Quadersteinen, die den Rückstoß der neun Kanonen auf die Lafetten aufhalten sollten, ohne Nebengebäude.

Die zweite Batterie „San Gil“ oder später „San Carlos“ weiter unten, etwa vierzig Meter über dem Meeresspiegel, konnte zwanzig Kanonen aufnehmen. Das Pulverlager ist unter der Vegetation versteckt und somit unsichtbar. Ein bis zwei Tonnen Schießpulver konnten hier gelagert werden. Die Hanglage sollte die Schäden im Falle einer Explosion abmildern.


In der Mitte der Batterie, wo eine Treppe hinunterführte, befand sich eine Quelle zur Versorgung des Forts.
Dieses Fort Rastrillar und die beiden Forts auf der anderen Seite der Bucht von Laredo konnten die Stadt gut verteidigen. Das Leben der Soldaten war hart, aber sie hatten wenigstens schöne Aussichten.
Unterhalb des Forts, auf Höhe des Hafens, führt ein Tunnel durch den Fels, der Atalaya-Tunnel. Er verbindet den Hafen mit einem Aussichtspunkt auf der anderen Felsseite, oberhalb des Playa Soledad. Bei unserem Besuch war er leider geschlossen.

Santillana del Mar
Inzwischen haben wir Ende Februar/Anfang März. Der Frühling in Nordspanien hat Fahrt aufgenommen und ist dem deutschen Frühling immer noch um eineinhalb Monate voraus. Erste Büsche und Bäume werden grün, die ersten Obstbäume blühen, auch der Eukalyptus blüht. Die Wiesen sehen aus wie die Wiesen in Deutschland im Sommer, mit Nesseln und Storchenschnabel. Der Winter in Nordspanien ist kurz und nicht wirklich kalt.
Fast jeder hat wohl schon von den steinzeitlichen Höhlenmalereien im südfranzösischen Lascaux gehört. Leider haben wir es noch nie dorthin geschafft, obwohl mich das sehr interessiert. Inzwischen kann man in Lascaux nur noch eine Kopie der originalen Höhle, inklusive der Malereien, besichtigen. Das Gleiche findet sich in der Altamira-Höhle bei Santillana del Mar. Leider sind lange Anmeldefristen ein Hindernis für uns, da wir nicht planen können, zumal wir auf dem Heimweg sind und uns nur noch zwei Wochen bleiben. Da die Menge an Besuchern den Höhlenmalereien schaden, wird der Besucherstrom stark begrenzt. Dadurch verlängern sich automatisch die Anmeldefristen.
Beim Forschen nach Zielen an der asturisch/kantabrischen Küste stieß ich auf weitere Höhlen, in denen die Malereien, zwanzig- bis vierzigtausend Jahre alt, zwar nicht so zahlreich sind, dafür aber noch original. So zum Beispiel die „Cueva del Pindal“, östlich von Llanes.
Die Parksituation für größere Wohnmobile ist nicht gut, deshalb parkten wir am vorgelagerten Aussichtspunkt „El Picu“. Von dort aus bis zum Eingang der Höhle ist es noch ein guter Kilometer zu Fuß den Berg hinunter, versteckt im Grünen. Leider ist in die „Cueva del Pindal“ auch kein Reinkommen ohne vorherige Anmeldung. Nach einem Check im Internet beträgt die Anmeldefrist für diese Höhle im Moment eineinhalb Wochen.

Wir spazierten trotzdem durch den Wald, bis zum vergitterten Eingang der Höhle. Vor der Höhle liegt ein kleines Plateau, welches durch eine Schlucht in das Meer abfällt.


Gegenüber dem Weg zur Höhle steht die Kapelle „Ermita de San Emeterio“. In dieser abgeschiedenen Gegend vergisst man die Außenwelt. Der Leuchtturm kann allerdings nicht besucht werden.

So fuhren wir nach Santillana del Mar weiter. Die Stadt liegt etwas von der Küste entfernt und zeigt sich wieder vollkommen anders als Cudillero und Llanes. Das komplette mittelalterliche Stadtzentrum steht unter Schutz und ist wunderbar erhalten. Seit 1943 gilt es historisch-künstlerisches Denkmal und ist eines der bekanntesten Touristenzentren Kantabriens.

In der Touristinformation erhält man einen Stadtplan, der die Orientierung in den gepflasterten Gassen erleichtert. Schon auf den ersten Metern sieht man schöne Details an den Häuserfassaden.


Gleich in der ersten Gasse rechts wartet das „Foltermuseum“ auf Besucher. Auf drei Etagen wird gezeigt, zu was für Greueltaten der Mensch fähig ist, was ein Mensch einem anderen Menschen antun kann. Es werden nicht nur Folterwerkzeuge gezeigt, sondern auch bildliche Darstellungen. Viele Stücke stammen aus dem mittelalterlichen deutschen Reich.


Da wendet man sich doch lieber wieder der Schönheit Santillana del Mar´s zu. Viele Geschäfte reihen sich aneinander, mit Souvenirs und typisch kantabrischen Köstlichkeiten sowie Kunsthandwerk. Das Wetter konnte nicht besser sein. Es war warm und der Himmel blau.
Kurz vor der im Mittelpunkt stehenden Kirche „Santa Juliana“, befindet sich die öffentliche Wäscherei und die Viehtränke, deren Becken durch einen Brunnen gespeist werden.

Die heutige Kirche „Santa Juliana“ war ursprünglich ein Kloster aus dem Jahre 870, welches im 11. Jahrhundert in eine Kirche umgewandelt wurde. Bei unserem Besuch war sie gerade geschlossen.

Hinter der Kirche folgen nur noch wenige Häuser. Den Rückweg durch Santillana del Mar kann man über die „Plaza Mayor“ nehmen. Dieser Platz wird von mehreren Türmen und Palästen begrenzt, die zum Teil Arkadengänge aufweisen.

Vor einem der Paläste steht eine Bison-Skulptur aus Sandstein. In der Stadt sind mehrere Bison-Darstellungen zu finden. Sie verweisen auf die Tierwelt der Steinzeit, denn schon damals lebten Menschen in dem Gebiet. Durch deren Höhlenmalereien, auf denen Bisons, Pferde und andere Tiere dargestellt sind, weiß man um die Vielfalt der Natur zu jener Zeit.

Um die Stadt richtig zu genießen, sollte man in eines der Lokale einkehren, die jede Menge Spezialitäten anbieten. Eine Spezialität Kantabriens ist der Sidre, ein Apfelwein. Den hatten wir schon auf unserer Rundreise durch die Normandie kennengelernt. In Kantabrien serviert man den Apfelwein mittels einer speziellen Vorrichtung am Tisch, die zwei Rohre aufweist. Eines der Rohre wird in die Flaschen eingeführt, dann wird Druck aufgebaut, und der Sidre wird durch das zweite Rohr ins Glas gedrückt. So entsteht Luft im Apfelwein, der das Aroma hervorhebt. Eine einfachere Alternative ist das Ausschenken aus der Flasche mit großem Abstand zum Glas. Der Sidre wird in zwei Sorten angeboten: Natural oder Spumante süß. Schmecken tut er auf jeden Fall.

Den Besuch von Santillana del Mar können wir ebenfalls nur wärmstens empfehlen. Wer kann, sollte aber unter der Woche kommen.
Für die Wohnmobile stehen zwei Stellplätze zur Verfügung, mit Service.


