Sangalhos
Auf der Suche nach Ausflugsmöglichkeiten fanden wir bei Google das „Unterirdische Museum“. Das klingt doch mal interessant. Knapp neun Kilometer nördlich von Curia ist das „Aliança Underground Museum“ zu finden.
Dort angekommen stellten wir fest, dass das Museum zur Weinkellerei Aliança gehört, die wiederum Teil der Bacalhȏa-Gruppe ist. Beim Besuch des ersten unterirdischen Museums verbindet man Wein und Kunst in perfekter Harmonie.

Es wird empfohlen eine Führung vorab im Internet zu buchen, was problemlos funktioniert. Bei der Anmeldung hatten wir die Wahl zwischen nur Führung für 7,-€ oder Führung mit Sektprobe für 9,50€. Wir entschieden uns für die Sektprobe, da wir bei solch einer Probe noch nie enttäuscht wurden. Man bekommt dann einfach eine gute Vorstellung von dem, was man später kaufen möchte.
Schon der Verkaufsraum mit der Anmeldung ist ein Hingucker. Drei riesige, fein geschnitzte Holzportale aus Indien dominieren den Raum.

Hinter der Glastüre, wo die Führungen starten, sind weitere Kunstgegenstände zu bestaunen. Da stehen alte Tische, einer davon mit Elfenbein-Intarsien, und Gemälde hängen an den Wänden. Eines davon zeigt die Geschichte der Jungfrau von Nazaré, auf deren Spuren wir schon in Nazaré wandelten. Das war sehr überraschend.


Die nette Führerin unserer Privatführung, da wir die einzigen Gäste dieser Runde waren, begrüßte uns sehr nett und entführte uns anschließend in die große Kunstsammlung. Der Weinkeller wurde 1940 aufgebaut. Der Besitzer der Aliança-Weinkellerei war nebenbei ein begeisterter Sammler. Mit ungefähr dreißig Jahren begann er die Welt zu bereisen, betrieb Ausgrabungen und baute verschiedene Sammlungen auf. Heute ist er zweiundachtzig Jahre alt.
Zuerst kamen wir in die afrikanische ethnologische Sammlung. Dort sind Masken, Musikinstrumente, handwerkliche Arbeiten und eine große Sammlung von Tonskulpturen zu sehen, die wie bei uns als Grabsteine fungieren. Anhand der jeweiligen Form ist zu erkennen, ob es sich um einen Mann, eine Frau oder ein Kind im Grab handelt.


Einige Masken besitzen echtes Haar, um ihnen mehr Lebendigkeit zu verleihen. In eine andere Maske wurde ein kleines Haigebiss eingearbeitet, unglaublich. Die perlenbestickte Krone eines sambischen Königs mit den zugehörigen königlichen Insignien sind ebenfalls zu sehen.
Dann wurden wir in den großen Dinner-Raum geführt. Der ist so exklusiv, dass man das Staunen nicht verbergen kann. In der Mitte des Raumes steht ein Baum, der komplett aus Fassdauben konstruiert wurde. Darunter gruppieren sich runde Tische. Spärliche Beleuchtung sorgt für etwas Privatsphäre.

Die Rückwand des Raumes besteht aus Flaschen mit rosa Sekt, die abwechselnd mit der Öffnung oder dem Boden gestapelt wurden. Das Ganze ist hinterleuchtet.
Abgerundet wird der Saal mit alten Azulejo-Bildern.

Durch einen Gang mit modernen Skulpturen aus Sambia, die aus poliertem Stein bestehen, erreichten wir die Mineraliensammlung. Jede Menge großer und seltener Mineralien zieren lange Wände.


Gleich dahinter öffnet sich ein Raum mit versteinertem Holz, und der weltweit größten privaten Sammlung von versteinerten Fischen. Spätestens jetzt ist man einfach nur noch sprachlos. Ein Block aus fossilen Jakobsmuscheln, und einer aus Trilobiten zeigen, dass viele Tiere in der Urzeit wesentlich größer waren als heute.



Im nächsten Raum sind alte Azulejo-Bilder und Ornamentfliesen ausgestellt. Eines der Bilder sieht aus, als bestünde es aus Holz, ist aber tatsächlich Gips, der wie Holz aussieht.


Und wieder wird uns ein Raum gezeigt, der einzigartig in der Gestaltung ist. Das ganze Ambiente ist in Rosa gehalten. Eine Wald besteht aus rosa beleuchteten Quarzsteinen, andere Wände bestehen wieder aus Flaschen mit rosa Sekt. Die Aliança-Weinkellerei war die erste Kellerei, die rosa Sekt, überhaupt Sekt in Portugal herstellte.

Viele Räume liegen im Halbdunkel. Der nächste Gang ist sehr dunkel und führt etwas nach unten, denn hier lagert noch Wein, wie seit eh und je. Um dem Wein nicht zu schaden wird mit Licht sehr zurückhaltend umgegangen.
In den bisherigen Räumen lagerte früher ebenfalls Wein. Als der Besitzer seine Sammlung hier einbrachte, musste der Wein weichen.
Am Ende des dunklen Ganges öffnet sich ein Raum mit der Keramiksammlung. Die meisten Stücke stammen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts und zeigen zumeist Tiere, Teller mit Tieren darauf oder Vasen. Solche Motive haben wir noch nie gesehen, und sie besitzen eine unglaubliche Qualität. Hergestellt wurden sie vom berühmtesten portugiesischen Keramikmeister. Leider kann ich mir die portugiesischen Namen nicht merken. Die anderen Stücke wurden nach seinem Vorbild in jüngerer Zeit hergestellt.



In den Zwischenräumen lässt sich ein Blick in einen der Weinkeller werfen.

Vorbei an alten Brennblasen erreichten wir den Raum, in dem der Sekt bis zur Reifung gelagert wird. Alle zwei bis drei Wochen wird jede einzelne Flasche, es sind Zehntausende, um eine viertel Drehung bewegt. Dadurch lagern sich die Schwebstoffe ab, die später eingefroren mitsamt dem Kronkorken entfernt werden. Dadurch entweicht auch ein Teil Sekt aus der Flasche, der mit Likör wieder aufgefüllt und verkorkt wird.

Erhellt werden die Lagerräume mit echten Tiffany-Lampen.

Nun führt ein Gang noch tiefer in den Keller, wo der Brandy lagert, der hier hergestellt wird. Zwei Sorten Brandy lagern in Fässern aus amerikanischer Eiche, während der Wein in französischen Eichenfässern reift. Dieser Keller befindet sich zwanzig Meter unter der Erdoberfläche. Entsprechend kalt ist es, was gut für die Brandy-Reifung ist, zusammen mit der Luftfeuchtigkeit.

Damit hatten wir das Ende der eineinhalbstündigen Führung erreicht. Über eine Treppe gelangten wir wieder nach oben, direkt in den Verkostungs-Raum. Wir durften zwei verschiedene Sekte und zwei Sangria, einen roten und einen grünen, probieren. Der grüne Sangria ist aus grünen Äpfeln und Pfirsich gemacht, auch sehr lecker und ein gutes Sommergetränk. Dazu reicht man zwei kleine Brötchen, die mit in Sekt getränktem Spanferkel gefüllt sind. Diese Spezialität sollen viele Restaurants der Gegend anbieten.
Wir waren von dieser liebevollen Führung und den Sammlungen mehr als begeistert. Wir erfuhren, dass die Sammlungen in diesem Weinkeller nicht die gesamte Sammlung des Besitzers ist. Weitere Teile der Sammlung werden in anderen Weinkellereien Portugals, die zur Bacalhȏa-Gruppe gehören, gezeigt. Der Wert der Sammlungen ist unermesslich. Allein die alten Azulejo-Bilder sind unbezahlbar.

