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La Charité-sur-Loire

Wir fuhren durch die Mitte Frankreichs und der Frühling ist immer noch weit fortgeschritten, was sich wohl Richtung Osten ändern wird. Seit Westfrankreich begleiten uns Forsythien und Zierquitten, Magnolien sowieso, sogar der Raps blüht schon. In Westfrankreich wird auch schon Spargel verkauft, der Wahnsinn.

Nach einer sehr langen Etappe, über Bourges, erreichten wir die Loire. Vor vielen Jahren fuhren wir schon einmal an der Loire entlang, von St. Nazaire aus flussaufwärts. Deshalb wollten wir unbedingt noch ein Stück Loire sehen und legten einen Aufenthalt in La Charité-sur-Loire ein.

Schon die Anfahrt ist spektakulär. Zuerst überquert man einen Seitenarm der Loire, dann die Vorortinsel „Le Faubourg“, und zuletzt die Loire selbst. Gleich danach beginnt die Altstadt von La Charité.

Das Wohnmobil ließen wir vor dem Seitenarm, hinter dem Deich, stehen und spazierten zu Fuß weiter. Die Loire ist hier ebenso wenig schiffbar wie wir sie damals schon erlebt haben. Sie ist immer noch flach und mit vielen Sandbänken durchsetzt.

Über die Insel führt eine schmale Straße, so dass der Verkehr nur wechselseitig fließt.

Die Brücke, die die Insel mit der Altstadt verbindet, stammt aus dem Jahr 1520. Die Gehsteige auf der Brücke sind sehr schmal, die Brüstung ist sehr niedrig. Das eine ist bei dem vielen Verkehr heutzutage nicht gut, das andere bei stärkerem Wind nicht. Da verliert man schnell das Gleichgewicht. Deshalb baute man 2017 einen luftig leichten Fußgängersteg aus Metall an, um den Fußgängern ein gefahrloses Überqueren zu ermöglichen. Er wurde so konzipiert, dass er, in welchem Fall auch immer, komplett abnehmbar ist.

Hat man die Loire überquert führt direkt eine Straße in die Altstadt weiter, zum Klosterkomplex. Mitte des 11. Jahrhunderts gründete die Abtei von Cluny das Priorat von La Charité.

Der sich dann öffnende Platz zeigt immer noch ein schönes altes Ensemble an Bauwerken.

Auf der gegenüberliegenden Seite betritt man durch ein gotisches Portal, mit dem Glockenturm aus dem 12. Jahrhundert darüber, den Heilig-Kreuz-Platz. Hier findet sich die Touristinformation, dann schließt sich die Kirche Notre Dame an. Vor dem großen Brand 1559, der große Teile der bis dahin florierenden Stadt zerstörte, sah das Ensemble noch anders aus. Das was heute noch steht, wurde erst 1695 wieder aufgebaut. Vor allem die Kirche war ein ganzes Stück größer. Die Kirche Unserer Lieben Frau war 120 Meter lang, der Heilig-Kreuz-Glockenturm 72 Meter hoch und das Kirchenschiff maß 27 Meter Höhe. Sie war die bedeutendste mittelalterliche Kirche Europas.

Das Priorat endete jedoch mit der französischen Revolution. Privatleute der Stadt übernahmen den Komplex. Sie wandelten die Räume der Abtei in Wohn-und Geschäftsräume um.
Seit 1998 gehört die Kirche Notre Dame zum Weltkulturerbe der UNESCO. Sie ist ein bedeutendes Etappenziel auf einem der wichtigsten Jakobswege Frankreichs nach Santiago de Compostela.

Nach der Besichtigung der Kirche Notre Dame spazierten wir weiter durch die Gassen der Altstadt, und erreichten durch den Garten des Benediktinerklosters die Festungsmauern. Sie wurden zum Schutz der Stadt ab 1181 errichtet, aber mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Heute steht nur noch der nördliche Teil der Mauer. In der Stadt selbst sind nur noch wenige Reste davon sichtbar.

Folgt man der Mauer in Richtung Loire, hat man einen schönen Blick auf den gesamten Klosterkomplex, der ein wenig unterhalb liegt.

Am Ende der Mauer, in der sich ein eckiger und ein runder Turm befinden, führt ein Weg hinunter zum Adamspark.

Von der Terrasse des ehemaligen vornehmen Privathauses bietet sich dann ein ebenfalls schöner Blick auf den Fluss und die Dächer des Stadtviertels, in dem früher die Schiffer lebten. Im 18. Jahrhundert legte man eine Kaimauer rechts und links der Brücke an, sowie einen Hafen. Damals muss die Loire noch schiffbar gewesen sein.

Über eine Treppe gelangt man vom Adamspark zum Loireufer hinunter. Somit schloss sich der Kreis des Rundganges durch La Charité-sur-Loire.

Ein Ziel ist jedoch noch sehenswert. Es liegt am anderen, dem südlichen Ende der Stadt. Zwischen den alten Häusern führen 84 Stufen den Hang hinauf. Seit dem 12. Jahrhundert, bis heute, ist es die Pflicht der Pilger des Jakobswegs, diese Stufen auf ihrem Weg zu erklimmen.

PS: Auf dem Weg nach La Charité fuhren wir das längste schnurgerade Stück Straße, das wir je gefahren sind: es liegt zwischen Bourges und Sancergues. Das müssen über dreißig Kilometer sein. Kein Dorf, kein Kreisverkehr stört den Verkehrsfluss.

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