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Archiv für das Schlagwort “Pilgerweg Ponte de Lima”

Ponte de Lima

Auf dem Weg von Vila do Conde nach Ponte de Lima fuhren wir durch Barcelos. Barcelos soll ganz hübsch sein und ist der „Geburtsort“ des Hahnes, der zu Portugals Nationalsymbol wurde. Zu diesem Hahn gibt es eine Legende. Ein galicischer Pilger wollte nach Santiago de Compostela. In Barcelos wurde er wegen eines vermeintlichen Diebstahls von Silber zum Tode verurteilt. Am Galgen äußerte er seinen letzten Wunsch. Er wolle den Richter sprechen, der gerade dabei war einen gebratenen Hahn zu essen. Als Beweis der Unschuld des Galiciers würde der Hahn vom Teller aufstehen und krähen. Der Richter ignorierte diesen Wunsch und der Galicier wurde gehängt. Als der Gefangene am Strick hing, stand der Hahn wie prophezeit vom Teller auf und krähte. Der Richter eilte zum Galgen. Dank eines losen Knotens überlebte der Galicier. Seither ist der Hahn überall in Portugal zu sehen. In Barcelos steht eine große Hahn-Skulptur am Kreisverkehr Galo-Barcelos.

Leider fanden wir nicht die richtige Straße zu einem großen Parkplatz am Flussufer. Auf der erfolglosen Suche nach einem anderen Weg wollten wir die Stadt verlassen und fuhren uns sogar in den Gassen am südlichen Flussufer fest. Wir mussten rückwärts aus einer Gasse herausmanövrieren, was bei dem endlosen Verkehr kaum möglich ist. Mit etwas Durchsetzungsvermögen schafften wir es dann doch und fuhren Richtung Norden weiter.

In Balugães hielten wir noch einmal, auch um dort zu übernachten. Die Fahrt über die Straßen, die in den Norden Portugals führen, wird immer anstrengender, denn sie werden immer schlechter. Viele große und kleine Schlaglöcher tun sich auf, da ist ständiges Slalomfahren angesagt.

In Balugães angekommen, steuerten wir den Parkplatz vor der Kirche an, zu dem eine ziemlich steile Straße hinaufführt. Der Parkplatz ist so schief, dass wir uns zur Weiterfahrt entschieden. Vorher besichtigten wir jedoch noch die Wallfahrtskirche, die für Pilger auf dem Jakobsweg eine wichtige Station ist. Die einzigartige historische Bedeutung dieses Ortes beruht auf einer Marienerscheinung im 18. Jahrhundert.

Das Gelände ist weitläufig und es bietet sich eine schöne Aussicht über das Land. Gegenüber der Kirche steht eine kleine Kapelle, oberhalb eine Andachtsstätte für die Jungfrau Maria, zu der eine lange Treppe führt.

Jetzt fuhren wir nach Ponte de Lima weiter, noch einmal zwanzig Kilometer schlechte Straße. Geschafft erreichten wir den Parkplatz am Fußballplatz. Drumherum liegen Wiesen mit Bäumen, Weinfelder und Gemüsegärten. Dort wo es grün sein sollte schwimmen jetzt Enten. Das Land ist komplett überflutet. Das liegt aber nicht am Rio Lima, der durch die Stadt fließt und Hochwasser führt, sondern es ist Wasser aus den Bergen. Es regnet und schüttet immer noch jeden Tag.

Wir wollten am Flussufer entlang zur Stadt laufen, aber der Weg durch den Auenwald ist teilweise überflutet. So mussten wir wieder zurück und den Weg an der Messehalle vorbei nehmen.

Heraus kamen wir an der Kapelle São João. Von hier aus hat man einen wunderschönen Blick zur Stadt Ponte de Lima, der alten Römerbrücke und über den Rio Lima zur Kirche de Santo António da Torre Velha.

Ich als Dresdnerin sah sofort eine Parallele. Das Panorama, welches sich bietet, entspricht der Skylinie Dresdens im Kleinen. Das Elbufer, allerdings ohne Brühl´sche Terrasse, die Elbe bei Hochwasser, eine alte Brücke, eine neue Brücke und die Neustadt. Dazu die Barockbauten, selbst die Dimensionen stimmen. Unglaublich.

Die alte Brücke entstand wahrscheinlich im 1. Jahrhundert durch die Römer. Nur ein kleiner Teil der Brücke, der am gegenüberliegenden Flussufer, ist noch halbwegs original. Vielleicht wurde die Brücke irgendwann zerstört, deshalb baute man sie im Mittelalter, wahrscheinlich 1370, nach. Sie bekam 1504 eine Pflasterung und Zinnen auf die Mauern.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts riss man auf Grund des Verkehrs einen Großteil der Verteidigungsanlage der Stadt ab, auch die Zinnen auf der Brücke.

Im Wasser, eigentlich am gegenüberliegenden Ufer des Rio Lima, steht das Standbild des römischen Generals Decius Junius Brutus.

Vor der Kirche de Santo António da Torre Velha steht ein großer Stein mit dem Antlitz von António de Santiago. Genau hier führt ein wichtiges Stück des Jakobsweges durch.

In den alten Gassen hinter einem Pilgerhotel findet sich ein ehemals wunderschönes Haus, heute eine Ruine.

Wenn man rechts in die Rua de Trás-os-Palheiros einbiegt, steht man gleich bei einem Restaurator vor dem Haus. In mühevoller Handarbeit restauriert er alte Dinge und stellt Souvenirs für die Pilger aus Holz her. Der sehr nette Mann, der seine Gäste in vielen Sprachen der Welt begrüßen kann, zeigte uns sein Reich. Gerade baute er ein Bett zu einer Bank um.

Außerdem bietet er alles für die Pilger des Jakobsweges an, wie die Ausweise, Stempel und vieles andere. Von hier nach Santiago de Compostela haben die Pilger noch 159 Kilometer zurück zu legen.

Ganz in der Nähe liegt der Themenpark Arnado. Er bietet viele schöne Ecken zum Verweilen, wie einen Kolonnadengang, ein Gewächshaus aus filigraner Stahlstruktur, Brunnen und mehrere Gärten.

Auffallend in Ponte de Lima sind die vielen Kamelien, die hier blühen wie woanders Rosen. Ihre Blütenfarben reichen von weiß bis rosa, oder auch zweifarbig. Die meisten Bäume haben ihr Laub abgeworfen, aber neben den Kamelien blühen auch die Magnolien herrlich.

Zwischen dem Park und dem Ufer des Rio Lima steht noch eine kleine Kapelle, die Anjo da Guarda-Kapelle. Sie wurde wahrscheinlich im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts nach romanisch-rätischen Muster erbaut. Im Laufe der Jahrhunderte stürzte die Kapelle auf Grund von Hochwassern teilweise ein. Im 18. Jahrhundert baute man sie in ihrer heutigen Form wieder auf.

Jetzt spazierten wir über die alte Brücke wieder zurück in die Altstadt und kamen so zum Hauptplatz mit dem Brunnen. Daran schließen sich die Reste der alten Stadtmauer an, die aus mehreren Türmen bestehen.

Am Ufer des Flusses steht der alte Pranger aus dem 16. Jahrhundert. Im frühen 19. Jahrhundert fügte man noch das Wappen des Vereinigten Königreiches Portugal, Brasilien und Algarve hinzu. 1999 restaurierte man den Pranger.

Weitere Sehenswürdigkeiten am Ufer sind verschiedene Skulpturengruppen, wie die „Legende des Flusses Lethe“, die auch gerade überflutet und von Treibgut umhüllt ist. Sie stellt einen Teil des römischen Heeres dar.

Daran schließt sich eine lange Platanenallee an, die bis zur neuen Brücke Nossa Senhora da Guia reicht.

Jetzt spazierten wir durch die Gassen der Altstadt wieder zurück und kamen so an der Hauptkirche heraus.

In Ponte de Lima sind einige Darstellungen von Stieren zu sehen. Diese gehen auf eine Legende zurück. Die Tradition der „Vaca das Cordas“ stammt wohl aus dem Kult heidnischer Götter, insbesondere Isis, Ceres und Bacchus. Am Nachmittag des Tages vor Fronleichnam bindet man einen Stier an das eiserne Gitter des Glockenturmfensters der Pfarrkirche. Dann wurde der Stier, begleitet von wilden Späßen und allgemeiner Aufregung, dreimal um die Kirche geführt. Nach städtischen Verordnungen aus den Jahren 1646 und 1720 verpflichtete man Müller, die Seile zu handhaben und den Stier zu führen. Heute hat sich der Brauch etwas geändert und der Stier wird von der Pfarrkirche durch die Straßen zum Hauptplatz und an das Flussufer getrieben.

Auf jeden Fall hat uns die Stadt Ponte de Lima begeistert. Sie ist die älteste „Vila“ (Kleinstadt) Portugals. Sie feierte am 4. März 2025 ihren 900. Jahrestag ihrer Stadtrechte, die von Königin Teresa verliehen wurden.

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