Nach einem kurzen Stopp in Leknes, wo es für uns eher uninteressant war, fuhren wir weiter Richtung Norden, immer auf der E10. Kurz hinter Borg erhebt sich ein gewaltiges Langhaus der Wikinger auf einem Hügel. Es gehört zum Lofoten-Wikingermuseum. Dort war der Parkplatz so voll, dass wir nur ein Bild vom Langhaus machten und dann weiterfuhren.
Irgendwann kamen wir zum Gimsøystraumen, der die Insel Gimsøya und die Insel Austvågøya voneinander trennt. In diesem Gebiet kann man bei den Gezeiten an verschiedenen Verengungen zwischen den Inseln die Strömungen und Strudel sehen. Wir wollten uns am Gimsøystraumen, über den eine Bogenbrücke spannt, Zeit nehmen, um die Sache zu beobachten. Da es schon spät war, wollten wir auf dem Rastplatz übernachten. Dies war ein weiteres Mal nicht möglich.
Per Brücke setzten wir von Moskenesøya nach Flakstadoya über. In Ramberg gingen wir noch einkaufen, dann wollten wir die nächsten Ziele ansteuern. Zum einen den Ort Sund mit seinem Fischereimuseum und der Kunstschmiede. Leider ist dort kein Parkraum vorhanden, der groß genug wäre, um alle Interessenten aufzunehmen. Aus Erfahrung wissen wir nun, dass wir es auch gar nicht zu versuchen brauchen. Genauso verhält es sich mit dem Museumsdorf Nusfjord und mit verschiedenen Stränden, die wir uns ansehen wollten.
So durchfuhren wir die Insel und stoppten erst wieder in Napp, wo ein Seegras-Laden zu finden ist. Zwei junge Frauen verkaufen dort alles, was man aus Seegras und Algen herstellen kann, wie z.B. getrocknete Algen als Snack und in Gewürzen verarbeitet bis hin zu Kosmetik. Wir kauften dort getrockneten Kelp als Snack und zwei Gewürzmischungen mit Algen. Dort ist zwar nichts günstig, aber man hat etwas, was man nicht an jeder Ecke bekommt.
Kurz hinter Napp beginnt ein 1,8 Kilometer langer Tunnel, der den Verkehr unter dem Fjord hinüber auf die nächste Insel Vestvågøy führt.
Nachts kurz vor 24 Uhr legte die Fähre, mit einer knappen halben Stunde Verspätung, von Værøy in Moskenes an. Es war trotz der Mitternachtssonne recht dunkel, denn es hatte sich eine gewaltige Nebelbank auf die Berge der Lofoten gelegt. Genau um 0.01 Uhr verließen wir die Fähre und merkten sehr schnell, dass es von Wohnmobilen nur so wimmelt. Wir wollten schnellstmöglich einen Übernachtungsplatz finden, was aber nicht möglich war. Der Campingplatz direkt an der Fähre war voll, die nächsten Parkplätze und Parkbuchten ebenso. Eigentlich wollten wir uns die westlichste Stadt der Lofoten, namens Å, ansehen, aber auf keinem der Parkplätze bis dorthin ist das Übernachten erlaubt. Also fuhren wir in Richtung Reine, bis wir ein paar Kilometer dahinter eine noch freie Parkbucht an der Straße fanden. Sofort besetzten wir sie, keinen Meter mehr weiter. Da nachts nicht viel Betrieb auf der Straße ist, war das auch kein Problem.
Reine wollten wir besuchen, weil es da den Hausberg gibt, zu dem man auf 1056 Stufen emporsteigen kann und von dort oben einen tollen Blick über Reine und die Inseln haben soll. Am nächsten Morgen, fuhren wir nach Reine zurück, weil es dort noch Platz auf dem Wohnmobil-Stellplatz geben soll. Das Wetter war fürchterlich, es regnete und die Nebelbank bedeckte die Berge. Hier reichen die Schneereste jetzt Anfang Juli tatsächlich noch bis auf Meereshöhe herunter. Auf den Berg zu klettern kam deshalb nicht in Frage und wir fuhren unverrichteter Dinge weiter, immer auf der E10 entlang. Diese Straße durchquert die Lofoten der Länge nach und führt dann zurück zum norwegischen Festland bei Narvik.
An der Abzweigung nach Fredvang hielten wir kurz und genossen die Aussicht auf die zwei Bogenbrücken, die hinüber nach Fredvang und zum Strand von Ytresand führen. Die Infotafel verhieß uns eine ruhige Ecke und sie hatte Recht. Wir fanden einen Stellplatz, zwar ohne Service, aber für nur 10,-€ und Ruhe. Von hier aus starten einige Wanderwege in die Berge oder am Strand entlang.
Wir folgten dem Weg am Ytresand-Strand entlang. Die Häuser stehen in lockerer Anordnung und der Strand ist lang und sandig. Es kam sogar kurz die Sonne heraus. Da wir schon auf dem Weg waren, wollten wir dem Wanderweg nach Mulstøa folgen, aber bald wurde aus der Straße ein Fahrweg, dann ein Fußpfad und schon stand man wieder vor einer kaum sichtbaren Spur am steinigen Hang entlang.
Im Wassergraben des Straßenrandes fanden wir wunderschöne Blumen, die sich nach Bestimmung mit Hilfe von Google als Gauklerblumen herausstellten. Außerdem fanden wir am Hang Schwarze Krähenbeeren. Die Früchte sind roh und gegart essbar, aber man sollte nicht zu viele davon nehmen. Sie lösen dann Schwindel aus. Die Norweger machen aus den Beeren Wein, die anderen nordischen Einheimischen frieren sie in Milch ein, um sie zu konservieren. Die Beeren schmecken säuerlich und enthalten viel Vitamin C.
Wir drehten um und machten unsere Kaffeepause, und schon regnete es wieder wie in Strömen. Wir möchten keiner der vielen Wanderer in den Bergen sein. Den Norwegern müssen doch schon Schwimmhäute wachsen. Manche sind sogar noch kurzärmelig oder mit kurzen Hosen unterwegs, während wir zwei Jacken anhaben. Man merkt ihnen an, dass der Regen ihr ständiger Begleiter ist.
Nach der Kaffeepause lockerte der Himmel kurz auf, gerade so lange, wie der Spaziergang zum Campingplatz und zurück dauerte. Zum Campingplatz gehört an anderer Strand, zu dem der Weg für Nichtbesucher des Campingplatzes jedoch gesperrt ist.
Gleich nebenan befindet sich der Friedhof mit einer kleinen Kapelle. Kurz davor biegt ein Weg nach links ab, der an einem breiten Zufluss ins Meer endet. Das Wasser ist glasklar und schimmert sicher auch blau bei Sonnenschein.
Die Lerchen spielten mit uns und ließen sich gerne fotografieren. Sie flogen auf und tanzten über unserer Köpfen, oder setzten sich auf die Zaunpfähle. Die Mantelmöwen dagegen, von denen ich sehr gerne auch ein Foto hätte, lachten uns dagegen aus. Keine Chance für eine Ablichtung. Am kleinen Steilufer des Zuflusses brüten Mehlschwalben und sind ständig auf der Suche nach Futter. Es ist wirklich eine friedvolle Ecke der Lofoten.
Eigentlich wollten wir die Fähre von Bodø nach Moskenes nehmen. Unterwegs trafen wir auf Wohnmobilisten, die meinten, dass man mindestens zwei Tage im Voraus dafür buchen muss. Sie würden die Fähre von Bodø auf die Insel Værøy nehmen und von dort aus am nächsten Tag nach Moskenes übersetzen. Das wäre günstiger. Gut das zu wissen. Sofort setzten wir uns daran, nachzuforschen, was da dran ist. Wir fanden sogar heraus, dass seit Juli 2019 alle Fähren in Norwegen, die weniger als einhunderttausend Passagiere im Jahr befördern, kostenlos sind. Dazu gehört auch die Fährverbindung Bodø-Røst-Værøy-Moskenes. Sicher sind wir jedoch nicht gewesen, da bei der Fährgesellschaft immer noch Preise für diese Überfahrt stehen. Die sind zwar nicht so hoch wie auf der direkten Verbindung, aber es wäre nicht kostenlos. Für irgendetwas mussten wir uns nun entscheiden. Wir hatten noch drei Tage zu fahren. Da die Tickets für die Inselfähren für mindestens eine Woche ausgebucht waren, sollten wir einfach zum Anleger kommen und dort warten, bis wir mitgenommen werden. Das könnte so zwei, drei Fähren später sein. Das hieße, unter Umständen steht man dort einen guten Tag. Egal, wir haben Zeit und keine über 200,-€ zu verschenken.
So kamen wir in Bodø an und standen gleich in der zweiten Reihe. Die nächste Fähre würde in gut fünf Stunden fahren. Am Straßenrand standen Schilder, mit dessen QR-Code man sich für die Überfahrt nach Værøy registrieren kann. Das ist in Norwegen für Fährüberfahrten mit mehr als zwanzig Seemeilen vorgeschrieben, und es ging auch sehr einfach. Überflüssig, sich ständig Tage vorher das Hirn zu zermartern, wie man am Besten zu irgend etwas kommt. Das einfachste ist es, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen. Das war bisher immer so.
Während wir warteten, legte ein Schiff der Hurtigruten an. Das ist schon ein Schauspiel, wie elegant das große Schiff am Kai anlegt und festgemacht wird. Währenddessen öffnen sich automatisch die Luken für die Passagiere und die Fracht an der Anlegeseite. Nach einer guten Stunde legte es wieder ab.
Inzwischen kamen drei Fähren, die nach Moskenes auf den Lofoten ablegten. Da gibt es wohl sieben oder acht Verbindungen am Tag, während es nach Værøy nur zwei gibt, früh morgens und spät am Nachmittag.
Dann war es soweit, unsere Fähre kam, wurde entladen und wir konnten im ersten Schwung mitfahren. Wir nahmen aus dem Wohnmobil was wir brauchten und suchten uns einen Platz auf dem geräumigen Passagierdeck. Die Überfahrt dauert über fünf Stunden, die man in gemütlichen Sesseln verbringen kann. Achtern gibt es ein großes Freideck.
Nach dreieinhalb Stunden legte die Fähre auf der kleinen Insel Røst an. Um sie herum liegen jede Menge kleine und größere Felsinseln, allesamt sehr flach. Vom Freideck aus beobachteten wir die Ankunft und die Abfahrt, wunderschön. Aber, was macht man, wenn man hier lebt. Es gibt nichts, außer vielleicht den Fischfang. Man kann nirgendwo hin. Eventuell reicht die Menge der Inseln, um jeden Tag eine zu besuchen, auch wenn es dort nichts gibt.
Dann legte die Fähre in Richtung Værøy ab und nach eineinhalb Stunden etwa kamen wir dort an. Hier empfing uns das vertraute norwegische Bild der hohen Berge.
Im Vorfeld erfuhren wir, dass die 750 Einwohner der Insel ganz und gar nicht von den immer mehr werdenden Wohnmobilen begeistert sind, die ihre Insel überfluten. Das drücken sie auch darin aus, dass sämtliche Parkmöglichkeiten für Wohnmobile gesperrt sind. Die einzigen Möglichkeiten der Übernachtung sind ein Campingplatz in der Nähe des Fähranlegers und ein Stellplatz am ehemaligen Flugfeld. Dieses war nur vier Jahre von 1986 bis 1990 in Betrieb, bis ein Flugzeug durch zu starke Winde direkt nach dem Start ins Meer stürzte und fünf Menschen umkamen. Seither ist es geschlossen.Eine Gedenktafel mit den fünf Namen am Strand erinnert daran.
Wir fuhren dorthin, um die Nacht dort zu verbringen. Die Fähre landete um 22.45 Uhr und wir kamen erst spät an. Da das Wetter sehr schön war, wollten wir es wissen. Wir wollten die Mitternachtssonne sehen. Auf der anderen Seite des Wassers erheben sich die schroffen Felsen der Insel Mosken und der Lofoten, hinter dem Flugfeld die Berge von Værøy. Eine Traumkulisse, gerade recht zum Beobachten der Mitternachtssonne. Zwischen Sonne und Meer bleibt sogar noch Platz, bevor sie wieder aufgeht. Damals am Nordkap hatten wir das Glück nicht. Die Mitternachtssonne dort blieb hinter den bis auf den Meeresspiegel reichenden Wolken verdeckt. Umso größer war die Freude jetzt.
Den ganzen nächsten Tag regnete es.Am Abend unternahmen wir einen kurzen Spaziergang zur Kirche des Ortsteils Nordland. Wie sich herausstellte, ist dies die älteste Kirche der Lofoten. Sie wurde ungefähr 1740 in Vågan, bei Kabelvåg gelegen, gebaut. Warum auch immer, demontierte man die Kirche 1799 und versetzte sie nach Værøy. Um das Jahr 1900 strich man die Kirche weiß an, bevor sie 1974 wieder ihre originale rote Farbe zurück bekam. Der Altar stammt aus dem Jahre 1750 und es soll mehrere Alabasterstatuen geben, die 1430 aus Nottingham, England, stammen. Leider war die Kirche geschlossen, als wir sie besuchten. Die Kirche bietet zweihundert Personen Platz.
Auf dem Weg zur Kirche konnten wir einen Seeadler beobachten, der auf einem der Küstenfelsen saß. Ein Brachvogel gab seine Anwesenheit auf einem Hausdach kund.
Am nächsten Tag wollten wir etwas wandern, um die Insel noch weiter kennenzulernen. Dafür fuhren wir zum Wanderparkplatz Håen. Wir hatten gehofft, dieser würde etwas höher als auf Meereshöhe liegen, damit der Aufstieg zum auf 438 Meter hoch gelegenen Aussichtspunkt nicht so weit ist. Es führte einmal eine Straße nach oben, aber die ist gesperrt und der Weg durch den Tunnel ist auch für Fußgänger gesperrt. Das heißt, man muss die ersten Serpentinen der Straße über einen sehr steilen und steinigen Pfad bergauf abkürzen. Das kann man dann bei der ersten erreichbaren Serpentine weiter tun oder man folgt der Straße. Beides ist gleich anstrengend. Immer wenn wir dachten, wir wären oben und könnten zum großen Sandstrand Puinn sand und der Geisterstadt Måstad hinunter sehen, war wieder ein höherer Hügel im Weg.
Der Weg vom Parkplatz bis zum Aussichtspunkt ist mit ca. 3km angegeben. Für die braucht man allerdings mehr als zwei Stunden, immer bergauf. Irgendwann streikten wir. Wir genossen die Aussicht, die sich uns bot, zwischen einem Einschnitt im Bergkamm zur Insel Mosken.
Dort irgendwo in dem Einschnitt, auf knapp 400 Metern Höhe, soll auch ein Walskelett liegen und zu bewundern sein. Die Alten wussten noch zu berichten, dass das Skelett vor einhundert Jahren komplett war und zwanzig Meter maß. Mit Hilfe der Radiocarbon-Methode verortet man das Alter des Wals irgendwo zwischen 1571 und 1763. Wie das Skelett da hoch kam, kann niemand sagen. Vielleicht wurden die fettreichen Knochen dort hoch gebracht, um sie zu verbrennen und mit dem Rauch Feinden anzuzeigen, dass dieses Land schon besetzt ist. Keiner weiß es. Absurd ist es allemal.
Am Abend fuhren wir zum Fähranleger, vom dem aus uns die Fähre nach Moskenes auf den Lofoten bringen soll, um 22.15 Uhr. Auf dem Weg dorthin hielten wir noch einmal an einem Aussichtspunkt über der Stadt.
Bald ein Muss, wenn man durch Norwegen tourt, ist der Besuch des Saltstraumen. Vor 22 Jahren hatte uns dieser Gezeitenstrom schon beeindruckt. Er gilt als der größte Gezeitenstrom der Welt. Er ist Vorbild des Malstroms, der in verschiedenen Geschichten auftaucht, wie z.B. bei Odysseus.
Alle sechs Stunden strömen 400 Millionen Kubikmeter Wasser bei Ebbe seewärts, bei Flut landwärts unter der hohen Saltstraumenbrücke hindurch. Da sich das Gewässer unter der Brücke sehr verengt, und das Flussbett dazu noch relativ flach ist, wird das Wasser bei den Gezeitenströmungen mit einer Geschwindigkeit bis zu 20 Knoten (37 km/h) dort durchdrückt. Dabei entstehen gewaltige Strudel, die einen Durchmesser bis zu zehn Metern haben können. Das Schauspiel ist einfach nur gewaltig. Man kann sich das Spektakel hoch oben von der Brücke aus ansehen, oder man steht direkt am Ufer. Am besten sieht es bei Sonnenschein aus, denn dann sind die weißen Strudel in dem blauen Wasser ein schöner Kontrast. Im Hintergrund erhebt sich eine Bergkette mit spitzen Gipfeln, und im Grün der Ufer stehen vereinzelte Hütten. Das Ganze ergibt ein traumhaftes Bild.
Manche Angler ziehen richtig große Fische aus dem Wasser, denn durch die starke Strömung finden die hier viel Nahrung.
Etwas abseits steht das Königsdenkmal auf einem Hügel. Es wurde im Juni 1873 zum Anlass des Besuches des norwegischen Königs Oscar II. errichtet. Seither waren 1926 und 1982 weitere zwei norwegische Könige hier. Die Daten sind in der Säule eingraviert. Von hier oben hat man noch einmal einen schönen Blick über die gesamte Brücke mit der Bergkette im Hintergrund.
Übernachtet haben wir auf dem Saltstraumen-Campingplatz. Mit Strom kostet er 45,-€, aber dafür ist alles vom Feinsten. Die allermeisten Stellplätze besitzen sogar Holzterrassen für komfortables Sitzen.
Schon wieder steigt die E6 in die Höhe, wenig aber stetig. Kurz vor Korgen fuhren wir durch den mit 8,6 Kilometern bisher längsten Tunnel. Mo I Rana ist die letzte Stadt vor dem Polarkreis und lockte uns mit dem „Hafenmann“, der nahe am Ufer im Finnelappefjord steht. Die Promenade lockt mit vielen Sonnenliegen und Sitzmöglichkeiten zum Verweilen ein, zumindest bei schönem Wetter. Wir mussten uns warm anziehen, denn es ist Anfang Juli kalt und regnerisch.
Deshalb steuerten wir das Zentrum an, wo der Wind etwas gebremst wird. Eine Altstadt konnten wir nicht finden, alles ist neu und das meiste sind eigentlich Einkaufsmöglichkeiten. Am südlichen Ende der Stadt stehen einige kleinere Schanzen am Hang. Auf dem großen Parkplatz kann man für 3,-€ vierundzwanzig Stunden stehen. Bis in die Stadt ist es nicht weit.
Mo i Rana ist die Stadt der Kreisverkehre, keine Kreuzung, nur Kreisverkehre. So fuhren wir weiter, in Richtung Polarkreis. Zuvor kann man der Stjernen Kunst- und Silber-Galerie zwischen Eiteråga und Dunderland einen Besuch abstatten. In einer kleinen alten Holzhütte der einheimischen Sami sind verschiedene Kunst- und Gebrauchsgegenstände ausgestellt. Dazu wird in einer Werkstatt traditioneller Silberschmuck hergestellt und verkauft. Die Stücke werden auf verschiedenen Natursteinplatten ausgestellt, die dazu noch mit naturbelassenen Halbedelsteinen dekoriert werden.
In der Hütte ist nicht viel Platz, aber wenn man bedenkt, dass das alles in den langen kalten Wintern mit einem Kamin beheizt werden muss, dann ist das gerade richtig.
Immer weiter geht die Fahrt bergauf, bis man auf 662m Höhe zum Polarkreis kommt. Die Landschaft ist schon tundraverdächtig. Trotzdem das Saltfjell, auf dem man sich hier befindet, nur auf knapp 700 Metern liegt, ist es richtig kalt. Vom großen Parkplatz aus liegen links zwei höhere Berge, vor dessen Kulisse das wunderschön gestaltete Gebäude des Souvenirshops steht. Hier waren wir auch schon 2002, nur sah es damals noch ganz anders aus, und es war noch nicht so viel Betrieb. Das Shopgebäude stand da schon, aber der Parkplatz wurde neu gestaltet und das große Denkmal zum Polarkreis war noch nicht vorhanden. Wenigstens regnete es heute nicht, nur die Wolken hängen tief.
Auf den Hügeln neben dem Parkplatz bauten die Leute jede Menge Steinmännchen. Leider benutzten sie dafür viele Steine, die zu heiligen Stätten der Sami gehörten und zerstörten sie damit. Das Bauen von Steinmännchen ist deshalb heute hier verboten.
Folgt man der E6 nun weiter, gelangt man zum höchsten Punkt des Saltfjells, der auf 692 Metern liegt. Von nun an geht es wieder nach unten, manchmal sogar recht steil. Rechts neben der Straße bahnt sich ein genauso steil bergab fließender Fluss in einem Felsbett, welches spektakuläre Bilder bietet. Das Wasser ist glasklar, wie in allen Gebirgsflüssen in Norwegen.
Kurz bevor die Straße 77 nach Osten abbiegt, fanden wir einen wunderschönen Rastplatz am Innervatnet. Nachdem wir nun jeden Tag unterwegs waren, verbrachten wir hier zwei Nächte. Einen besseren Platz kann man nicht finden. Er liegt im Grünen, von der Straße weg, an einem See und mit einem auf blanken Felsen liegenden Picknickplatz.
Rechts und links steigen Berge auf. Zudem fanden wir hier zwei Dinge, die wir noch nie vorher gesehen haben: Moltebeeren, leider noch nicht reif, und einen Singschwan, der am Abend auf dem See seine Runden drehte. Er rief immer wieder nach Gesellschaft, legte sogar ein Nickerchen ein. Als keine Gesellschaft kam, wurden seine Rufe traurig und er flog davon. Das ist echte norwegische Wildnis.
Einen Elch allerdings konnten wir noch nicht sichten, obwohl überall an der Straße vor Elchübertritten gewarnt wird. Da hat man wohl zu dieser Jahreszeit und bei dem Betrieb keine Chance.
Wir befinden uns wieder auf Meereshöhe, am Ende des Vefsnfjordes. Mosjøen liegt im Bezirk Helgeland und besitzt die längste, noch intakte Holzhaussiedlung in Nordnorwegen. Sie ist der Rest der Altstadt Sjøgata und wirklich einen Besuch wert. Die vorderen zwei Reihen, die direkt am Fjord liegen, und ein paar Häuser weiter hinten, stammen aus dem 19. Jahrhundert und sind liebevoll restauriert und instandgehalten. Die Häuser der ersten Reihe wurden teilweise auf Stelzen fast ins Wasser gebaut.
Sjøgata entstand als Handelspunkt zwischen den Bewohnern an der Küste und denen im Hinterland. An der „Seestraße“ wurden inzwischen viele Cafés, Restaurants und Galerien eingerichtet. Außerdem gibt es jedes Jahr viele kulturelle Veranstaltungen. Man kann Bootstouren unternehmen, am Strand baden gehen, wenigstens die, die ein dickes Fell haben, oder in den Bergen wandern gehen.
Die alte Shell-Tankstelle aus dem Jahre 1933 besitzt die typische Architektur der Zeit. Sogar die Glasaufsätze an den alten Tanksäulen sind noch da. Benutzt wurde die Tankstelle bis 1954. Danach nutzte man sie als LKW-Station bis 1980. Heute ist das Vefsn-Museum darin untergebracht.
Leider werden gerade viele Straßen durch die Altstadt erneuert, aber es macht trotzdem Spaß, darin spazieren zu gehen. Mit Erstaunen stellten wir fest, dass die Schneereste hier bis auf zweihundert Meter herunter reichen.
Langsam wird Norwegen schmal und der allermeiste Verkehr läuft nun über die E6, was deutlich zu merken ist. Dafür gibt es nicht mehr so viele Berg- und Talfahrten. Wir kommen gut voran und auch die Tankfüllung hält wesentlich länger.
Um die 150 Kilometer fährt man nun durch das Namstal, immer am Fluss entlang, durch eine gemäßigte Berglandschaft. Nur drei Gebiete sind so hoch, dass dort noch immer Schneereste liegen. Es muss in diesem Jahr wirklich viel geschneit haben in Norwegen, so wie es in Deutschland unverhältnismäßig viel geregnet hat in diesem Winter.
Die Ortschaften werden weniger, die Servicestellen für Wohnmobile ebenfalls, wie auch die Tankstellen. Außerdem wird in weiten Teilen eine neue E6 gebaut, da die aktuelle auch hier nicht mehr den Anforderungen entspricht. Die neue E6 hat wesentlich weniger Kurven. Der Straßenbau in Norwegen muss Milliarden kosten, wenn man sieht, wie Berge weggesprengt werden, Steinbrüche angelegt werden und Material bewegt wird. Einen Vorteil gibt es allerdings: das Material kommt aus der Umgebung der jeweiligen Baustelle, denn es ist überall vorhanden. Zudem fällt viel Material beim Tunnelbau an, welches beim Straßenbau weiterverwendet wird.
Kurz vor Fiskem kamen wir am Namsen Laksakvarium vorbei. Dieses hatten wir vor 22 Jahren schon besucht. Nur ein paar Kilometer weiter erregte ein Stauwerk unsere Aufmerksamkeit und wir hielten an, um uns das anzusehen. Es ist das Øvre Fiskumfoss Kraftwerk. Es wurde an einer Stromschnelle errichtet. Ein Teil des ankommenden Wassers wird durch eine Staustufe reguliert, der andere Teil dient der Stromerzeugung. Es fließt gerade sehr viel Wasser durch die Flüsse Norwegens, so dass die Strömung enorm ist. Die zwei Tore der Staustufe öffnen und schließen sich ohne Vorwarnung automatisch, je nach dem, wie viel Wasser ankommt. Deshalb ist der Aufenthalt in diesem Bereich weiträumig verboten. Eine Hängebrücke überspannt den Fluss, so das man sich alles gut ansehen kann.
Zwischen Smalåsen und Majavatn verläuft die Grenze zwischen Mittel- und Nordnorwegen. Hier hat man zwei Bögen aus Holz errichtet, die man mit einem künstlerisch gestalteten Nordlicht versehen hat. Darunter steht „NordNorge“. Daneben steht ein Souvenirshop, dem ein großer Parkplatz angeschlossen ist. Leider beginnt direkt dahinter schon wieder eine Baustelle, so dass der Übergang zur Zeit etwas verunstaltet wird.
Immer weiter folgen wir der E6. Trondheim selbst hatten wir schon auf unserer Norwegentour 2002 besucht, deshalb fuhren wir an der Stadt vorbei.
Bei Skogen bogen wir zur Alstadhaug-Kirche ab, die hoch auf einem Hügel am Trondheimfjord liegt. Schon in grauer Vorzeit sollen hier kleinere Kirchen gestanden haben. Das heutige Kirchenschiff wurde 1150-80 erbaut. Später folgten Anbauten wie das Oktagon, in dem heute der Altar steht, um 1250, die Sakristei um 1500 und die Taufkapelle um 1640. Zum Teil wurden in der neuen Kirche Steine aus den Vorgängerkirchen verwendet.
Am Bogen vor dem Oktagon sind noch originale Fresken zu sehen, die um 1250 entstanden sein sollen. In der Decke des Oktagons sind weitere Fresken zu sehen, in den Fensternischen sollen einmal die Apostel dargestellt worden sein. Davon sind jedoch nur noch winzige Reste zu erkennen.
Die Kanzel stammt aus dem Jahre 1626 und das Taufbecken aus dem Jahre 1650.
Zur Kirche gehören noch der Pfarrhof und die „Ammenstube“. Die „Ammenstube“ diente wahrscheinlich als Gästehaus und stammt aus dem 17. Jahrhundert. Hier wurden die von weither angereisten Gäste mit ihren zu taufenden Kindern untergebracht.
Gleich neben der Kirche, auf dem gepflegten Friedhofsgelände, erhebt sich der größte Grabhügel Mittelnorwegens. Der Sage nach soll in heidnischer Zeit ein Gaufürst, also Gebietsvorsteher, hier begraben worden sein.
Auf dem Parkplatz an der Kirche legten wir mit Blick auf den Ort Levanger, der am anderen Ufer eines Nebenarmes des Trondheimfjordes liegt, eine Kaffeepause ein.
Das nächste Ziel liegt in Steinkjer. Gleich neben dem Tingvold Park-Hotel ist der Rest eines Wikingergrabes zu sehen. 38 Steine sind in Form eines Schiffes angeordnet. Ursprünglich waren es 45 Steine, die ein 40m mal 9m schiffsförmiges Areal umrissen. Diese Grabstätte war ein Teil von zwanzig solcher Grabanlagen, die sich entlang des alten Königsweges befanden.
Die Grabstätte in Steinkjer war einst viel größer und umfasste mehrere Grabanlagen/Grabhügel in verschiedenen Formen. Davon ist jedoch nichts mehr übrig, bis auf diese 38 Steine, die man heute noch sieht.
Steinkjer liegt am Ende des Beitstadfjordes, der ein Nebenarm des Trondheimfjordes ist. Unterhalb der Steinkjer-Brücke liegt die kleine Insel (Holmen). Hier steht ein Denkmal für die Lachsfischer aus früheren Zeiten. Sie versenkten große, mit Steinen gefüllte Holzkästen im Fluss, die sie mit Stegen verbanden. An diesen befestigten die Fischer Netze, mit denen sie die Fische fingen. Diese Steinkästen waren dann auch namensgebend für die Stadt.
Auf dem Holmen wurde ein kleiner Park mit Picknickecke eingerichtet. Hier kann man gut entspannen.
Leider erfuhren wir zu spät vom größten Gartenstuhl der Welt, dem Skotvoldgruva, der östlich von Steinkjer auf einem Berg steht. Nach den Bildern, die wir fanden, ist es ein Adirondak-Stuhl, benannt nach dem gleichnamigen Gebirge in den USA. Ich liebe diese Stühle, die wir dort kennen gelernt hatten. Sie sind so bequem und sehen super aus. Keine Ahnung wie groß dieser Riesenstuhl insgesamt ist, aber nach dem Foto ist allein der Abstand zwischen dem höchsten Punkt der Sitzfläche bis zur Armlehne über einen Meter hoch.
In Otta kamen wir auf die Fernstraße E6, der wir nun nach Norden weiter folgen. Kurz vor Dombås steigt die Straße, die sich seit dem Ottatal auf gut 300 Höhenmetern befindet, auf zwölf Kilometer stetig bergan. So gelangt man auf die Hochebene Dovjefjell. Die Straße liegt hier zwischen ca. 900 und über 1000m Höhe.
Auf dem Rastplatz Storrhusranden hielten wir zum ersten Mal. Dort steht auf dem Rullesteinen eine Aussichtsplattform, von der aus man einen tollen Rundumblick über das Dovrefjell hat, mit seinen Seen, weiten Flächen und den mit Schneeresten geschmückten Bergen. Allerdings lag die Temperatur bei unserem Aufenthalt gefühlt knapp über dem Gefrierpunkt. Vor allem der Wind blies kalt.
Am Aussichtspunkt hängt ein Plakat, auf dem vom 20. Juni bis 20. August für allabendliche Moschusochsen- und Elchsafaris geworben wird. Unseren Nachforschungen zufolge kosten solche Safaris zwischen 50,- und 70,-€. Wir wollten uns hier jedoch nicht länger aufhalten, dafür war es einfach zu kalt.
Den nächsten Stopp legten wir am Botanischen Garten Kongsvoll ein. Am Hang des an den Parkplatz grenzenden Berges wurde ein alpiner Garten angelegt, mit Holzstegen, Wegen und einem steil bergab fließenden Bach. Die allermeisten Pflanzen sind nur wenige Zentimeter hoch, die Schilder mit den Nahmen der Pflanzen stecken in der Erde. Man muss sich also alle Nase lang bücken. Trotzdem ist der Garten sehr interessant, denn man findet genau die Pflanzen, die überall auf den Hochebenen wachsen.
Am hinteren Ende des Botanischen Gartens sind Türen in den Zaun eingelassen, durch die man einen Pilgerpfad erreicht. Über Stock und Stein führt der Pfad zum Teil über Bäche durch die Hochebenenwildnis. Die Bäume sind klein und überall hat man schöne Aussichten. Ein Besucher hat geschrieben, dass man nur lang und weit genug wandern muss, um fast garantiert Moschusochsen zu sehen. Ein ganz und gar kostenloses Vergnügen, man muss nur Zeit mitbringen und wirklich gut zu Fuß sein.
Was uns sehr wundert: es fahren Züge über das Dovrefjell. Die haben eine genauso steile An- und Abfahrt wie die Auto´s. Sind da Strecken mit Zahnradantrieb dabei? Noch etwas fällt auf. Das ganze Gebiet besteht aus Schiefer, in vielen Farben: weiß, grau, grün und manchmal sogar rot. Auf dem Weg abwärts Richtung Norden gibt es viele Schieferabbaubetriebe. Sie stellen z.B. große Terrassenplatten her, aber auch Schieferplatten für Dächer. Wir haben ein Haus mit Nebengebäuden gesehen, welches mit bunten Schieferplatten gedeckt ist. Das sieht echt gut aus.
Den letzten Stopp machten wir am Mågålaupet. Das ist eine Engstelle im Fluss, die wirklich sehenswert ist. Das Wasser zwängt sich hier durch enge Felsspalten. Man kann sich das über die Felsen kletternd ansehen, oder man läuft den kleinen Trampelpfad entlang. Rafting ist an dieser Stelle jedenfalls ausgeschlossen. Das Schauspiel ist einfach nur gewaltig.
Bis Oppdal geht es dann immer weiter bergab, wieder kilometerweit.