A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Tornio

Tornio liegt schon fast am Bottnischen Meerbusen, direkt an der schwedischen Grenze. Das Besondere an Tornio ist der Golfplatz. Wenn man hier einen Ball abschlägt, braucht er eine Stunde bis er landet. Wieso? Na ja, der Golfplatz liegt auf finnischem und auf schwedischem Gebiet. Wird der Ball von Finnland nach Schweden geschlagen, dann sorgt die Zeitverschiebung um eine Stunde für dieses Phänomen. Dieser Golfplatz zählt daher zu den kuriosesten Golfplätzen der Welt.

Tornio ist eine moderne Stadt, besitzt kaum ältere Gebäude, obwohl sie 1621 die Stadtrechte erhielt. Das älteste Gebäude ist die Holzkirche aus dem Jahre 1686, die Tornio-Kirche, mit separatem Glockenturm. Beides ist in unglaublicher Weise schindelgedeckt. Die Schindeln haben verschiedene Formen und bilden durch das Verlegen Muster. Das Glanzstück ist der Glockenturm, der jedoch geschlossen ist. Die Kirche konnten wir von innen besichtigen. Wer gerne eine Führung möchte, kann dies haben. Wir besorgten uns für 1,-€ Obolus einen Flyer in Deutsch. Das ist einfacher für uns, um uns über diese einzig erhalten gebliebene Strebepfeilerkirche im nordischen Stil zu informieren.

Zwei der vier Kuppelgewölbe sind mit Malereien geschmückt. Über dem Altarraum sind Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dargestellt. Das zweite Kuppelgewölbe im vorderen Kirchenraum zeigt Engel mit Eichenlaubkränzen und Acanthusblättern. Die Kanzel und weitere Teile des Innenraumes sind mit barocken Schnitzereien verziert. Auffallend ist die Farbigkeit, mit der der Innenraum glänzt.

In einem Reiseführer lasen wir etwas von einer Brauerei. Da wir schon sehr lange keine Brauerei mehr besucht haben waren wir neugierig. Bier aus dem Finnischen Lappland, nach alter Tradition und mit Quellwasser gebraut, das wollten wir uns nicht entgehen lassen.
Die Wirklichkeit sieht anders aus. Eine Brauerei konnten wir nicht finden. Es gibt nur einen kleinen Verkaufsraum, in dem Craft-Biere, Destillate und Liköre angeboten werden, auch Longdrinks und Marmeladen gehören zum Angebot. Wir entschieden uns für ein Red Ale und ein Lagerbier, aber beides ließ für unser Verständnis einen richtigen Biergeschmack vermissen. Dabei kostet eine Büchse 3,-€.

Anschließend gingen wir über eine Fußgängerbrücke auf die kleine Insel, die sich gleich neben der Brauerei befindet. Sie dient als Liegewiese und Badestrand für die Einwohner der Stadt, und natürlich die Gäste.

Zum Schluss spazierten wir zum Nordberg, wie die Promenade südlich der Fachwerkbrücke über den Tornefluss heißt. Ein großer Edelstahl-Obelisk, alle vier Seiten sind unterschiedlich, stellt die lokale Kulturgeschichte dar. Darin sind viele technische Dinge zu einem Ganzen verarbeitet. Mindestens genauso interessant ist der riesige Lachs, der nur aus unzähligen Edelstahlringen besteht, wirklich beeindruckend.

Nach dem Besuch von Tornio suchten wir uns den nächsten Platz für die Übernachtung. Den fanden wir auf der Housukari-Halbinsel kurz hinter Kemi. Es ist ein Parkplatz an einem Badestrand, der allerdings nicht sehr einladend ist, dafür ruhig.

Rovaniemi

Von Kutuniva fuhren wir in Richtung Rovaniemi, zuerst fast immer durch den Pallas-Yllästunturin-Nationalpark. Hier gibt es viele Wanderwege und man kann einigen polaren Freizeitaktivitäten nachgehen, vor allem im Winter. Alles ist jedoch auf die Beobachtung des Nordlichts im Winter ausgelegt. Jetzt im Sommer haben die Nordfinnen und Sami quasi Urlaub. Wir befinden uns immer noch auf über zweihundert Höhenmetern.

Unterwegs überholten wir einen deutschen Radfahrer. Er trug auf dem Rücken die Aufschrift „Freiburg-Nordkapp-Freiburg“, und er war nicht mehr der Jüngste. Respekt und Gute Heimfahrt.

Ab und zu begegnet man am Straßenrand einem Rentier, nur einmal waren es zwei. Wir fuhren am nördlichen Ufer des Jerisjärvi-See´s weiter, dann über Levi, einem großen Wintersportort, über Kittilä bis nach Rovaniemi. Dort hatten wir uns einen Stellplatz am Badestrand ausgesucht. Neben dem Badestrand kann man dort auch verschiedene Wassersportarten betreiben oder in die Sauna gehen. Es gibt eine Freilichtbühne und auf der Insel gegenüber wurde ein Naturpfad angelegt. Jedenfalls ist dort jede Menge Betrieb und es ist entsprechend laut. Selbst in der Nacht blieb von den Straßen her eine unangenehme Geräuschkulisse erhalten.

Deshalb standen wir früher auf, um möglichst schnell wieder Ruhe zu bekommen. Rovaniemi ist die einzige Stadt, die vom nördlichen Polarkreis durchzogen wird. In der Stadt ist davon nichts zu merken. Will man den Polarkreis spüren, muss man 7 Kilometer nordöstlich aus der Stadt fahren, zum Joulupukin Pajakyla. Auf Deutsch heißt das Weihnachtsmanndorf und es ist das ganze Jahr über geöffnet. Es ist ein großes Gelände, vor allem mit Souvenirshops, einem Hotel und einem Restaurant. Dazu gehört die Weihnachtsmann-Hauptpost. Von hier aus kann man entweder Wunschzettel an den Weihnachtsmann schicken, oder einfach nur eine Karte vom Polarzirkel nach Hause. Das dauert wohl so zwei bis drei Wochen.

Zwischen all den Gebäuden, beinahe zur Nebensache degradiert, ist der Polarzirkel auf dem Boden markiert. Damit man die Markierung nicht übersieht, stehen ein paar Säulen mit der Aufschrift „Polarzirkel“ darauf. Die Thermometer zeigen momentan +28°C an.

Im hinteren Teil sind die Rentiere untergebracht. Man kann sie beobachten, füttern oder eine Tour mit ihnen machen. Das kostet allerdings Eintritt. Etwas entfernt befindet sich die Grotte des Weihnachtsmannes. Dort hat er seine Werkstatt. Die ist jedoch nur von November bis Dezember geöffnet.

Nun setzten wir unsere Fahrt in Richtung Süden fort. Das nächste Ziel soll Tornio sein. Da wir nicht die E75 weiterfahren wollten, wechselten wir bald auf die Straße 926, die am linken Ufer des Kemijoki-Flusses entlang führt.
Durch Zufall fanden wir den Sukulanrakka-Gletschertopf. Um den zu erreichen biegt man links von der Straße ab und folgt einem zwei Kilometer langen Waldweg. Ganz unvermittelt, mitten im grünen Wald, steht man vor einer Felsengruppe. Die erinnerte mich sofort an das Elbsandsteingebirge bei Dresden. Davor stehen drei Infotafeln, die darüber aufklären, dass inmitten dieser Felsen 14 Gletschermühlen zu finden sind. Die Größte misst 8 Meter im Durchmesser und ist 15 Meter tief. Sie ist somit eine der größten Gletschermühlen in Finnland. Es gibt noch zwei weitere große Löcher, die 9 und 10 Meter tief sind. Die anderen Löcher sind kleiner. Über Leitern und Pfade kann man die Felsen erkunden und nebenbei Blaubeeren naschen.

Von Gletschermühlen hatten wir damals, auf unserer Reise vom Nordkapp, in der Grønligrotta (Norwegen) zum ersten Mal gehört. Dort waren sie klein, im Durchschnitt einen Meter im Durchmesser. Umso erstaunlicher ist die Größe der Löcher hier.

Gletschermühlen sind nichts weiter, als von Steinen geschaffene Löcher, als sich der eiszeitliche Gletscher über sie hinweg bewegte. Durch den Druck und die Bewegung des Gletschers wurden diese Steine immer im Kreis bewegt, rundeten sich ab und wurden dabei immer tiefer in den Fels getrieben. Die runden Steine finden sich dann immer am Boden der Gletschermühlen.

Nach dieser aufregenden Entdeckung legten wir eine Kaffeepause ein und steuerten den nächsten Übernachtungsplatz an. Den fanden wir am Ufer des Kemijoki-Flusses kurz hinter Mattinen. Es ist ein schöner Grillplatz mit kleinem Strand, und jeder Menge Mücken. Ein rauchendes Feuer hilft ein wenig dagegen.

Mit der Mitternachtssonne ist es seit dem Polarkreis vorbei. Die Nächte werden wieder diffuser, noch nicht dunkel. Außerdem zeigt die Natur wieder ihr gemäßigtes Gesicht, die Bäume sind wieder normal hoch, die Baumarten sind zahlreicher und die Wälder dichter. Jetzt warnen wieder Schilder vor Elchen.

Es sind zwar viele Ortschaften auf Google Maps verzeichnet, aber die allermeisten Einwohner haben ihre Häuser im Wald versteckt gebaut. Man sieht nur die Briefkästen vor den Einfahrten, die sich im Wald verlieren. Nur wenige Ortschaften kann man als solche bezeichnen, eher sind es lockere Ansammlungen von Häusern.

Muonio – ein perfekter Tag

Wir wachten am Strand des Ylinen Utkujärvi-See´s bei strahlenden Sonnenschein auf, frühstückten in Ruhe und machten uns reisefertig. Die ersten Badegäste waren schon da.
Unser nächstes Ziel war die Arctic Sauna World bei Muonio, eine der fünf schönsten Saunen in Finnland. Eine weitere schönste Sauna liegt bei Inari, aber das ist viel zu weit weg. Muonio liegt direkt am Weg, also nichts wie hin.

Die Straße zieht sich und bietet wenig Abwechslung, anders als in Norwegen, wo sich hinter jeder Kurve eine andere Ansicht bietet. Wir fahren durch eine hügelige Landschaft mit lichten Wäldern, Seen und Mooren. Vorherrschende Bäume sind Kiefern und Birken, dazwischen jede Menge Blaubeeren und schwarze Krähenbeeren.

Ein weißes Rentier graste am Straßenrand. Ganz Finnisch Lappland ist Rentierzuchtgebiet und die Tiere können sich frei bewegen. Deshalb trifft man auch hin und wieder eines am Straßenrand. Zwei Rentier-Verladestationen haben wir auch schon auf der Fahrt gesehen. Das sind große Gatter mit einer Rampe in Höhe des Transporters, der sie abholt.

In Muonio gingen wir noch einkaufen. In der Tiefkühltruhe fanden wir eine neue und sehr leckere Stieleissorte – Salzkaramell. Wir dachten, es wird günstiger, aber Lebensmittel sind auch in Finnland sehr teuer. Daneben bietet ein Händler Schneemobile und Quads an, in vielen verschiedenen Größen.

Die Arctic Sauna World ist ca. 20 Kilometer östlich von Muonio zu finden, in Kutuniva am Jerisjärvi-See. Sie öffnet erst um 15 Uhr. Vorherige Online-Anmeldung ist erforderlich. Da wir schon zur Mittagszeit dort waren, suchten wir uns einen Parkplatz und gingen Blaubeeren und Moltebeeren pflücken, die hier in Mengen wachsen. Inzwischen sind auch manche Moltebeeren schon reif, so dass wir uns nicht nur auf eine Kostprobe beschränken mussten. Wenn die Moltebeeren richtig reif sind, haben sie einen etwas gewöhnungsbedürftigen Geschmack. Sie sind eben etwas besonderes.

Der Saunabesuch ist auf zwei Stunden beschränkt und kostet 25,-€ pro Person. Dafür bekommt man ein Saunaerlebnis, welches man nicht gleich wieder findet. Vor allem waren wir auf die Rauchsauna gespannt, die in Finnland fast überall zu finden ist. Sie ist der älteste Saunatyp in Finnland und wird durch ein besonderes Verfahren erhitzt. Dafür wird Holz angezündet und verbrannt, aber es gibt keinen Schornstein oder anderen Abzug. Erst wenn die richtige Temperatur erreicht ist, wird der Rauch aus dem Raum abgeführt und es bleibt ein rauchiger Duft zurück. Alles ist verrußt, daher werden Bretter zum Sitzen angeboten, um sich nicht mit dem Ruß zu verschmutzen. In jedem Saunaraum stehen Wassereimer und große Schöpfkellen, damit die Saunagäste nach Belieben selbst aufgießen können.

Neben der Rauchsauna gibt es eine echte finnische Sauna, die ebenfalls fensterlos ist, und zwei Panorama-Saunen. Die Temperaturen sind nicht sehr hoch. Sie steigen erst mit dem Aufgießen an.

Abkühlen kann man direkt im See, wofür es einen bequemen Einstieg gibt. Liegen und Bänke bieten die Möglichkeit zum Ausruhen. Alles ist perfekt und durch die Anmeldung immer nur weniger Gäste auch nicht überfüllt. Zum Saunieren werden Handtücher und Papiertücher zum Sitzen gestellt, für den Durst gibt es Quellwasser, alles im Preis enthalten. Das ist Entspannung pur, dazu herrlicher Sonnenschein und warme Luft.

Das Besondere an der Arctic Sauna World ist, dass die vier Saunen nach finnischen Volksgöttern benannt sind. Die Rauchsauna gehört Ukko. Er ist der König aller Götter und Herr über Licht, Feuer und Luft. Die finnische Sauna oder Erdsauna ist Tapio gewidmet. Er trägt ein Geweih und ist der König des Waldes und Beschützer der Tiere. In dieser Sauna sind vier Öfen um einen Mittelpfeiler angebracht, für die vier Himmelsrichtungen. Man kann durch die strömende warme Luft die Erde und den Wald spüren.

Die Wassersauna, im Obergeschoss gelegen, mit einer großen Glaswand, die den Blick auf den darunterliegenden Ruheraum und den Einstieg in den See freigibt, herrscht Vellamo, die Göttin des Wassers.

Die vierte Sauna, die Nordlichtsauna, wird Repo genannt. Repo heißt der Fuchs auf finnisch. Das Nordlicht heißt im finnischen Fuchsfeuer. Im Erdgeschoss des zweistöckigen Gebäudes ist die Panoramasauna mit Sicht in drei Richtungen, umrahmt von Grün und einem kleinen Birkenwäldchen. Die Lounge im Obergeschoss besitzt ein riesiges Oberlicht, durch welches man im Winter das Nordlicht beobachten kann.

Gleich an die Sauna angeschlossen, die ganze Anlage gehört übrigens zum Jeris-Hotel, ist ein kleines Restaurant. Auf der Speisekarte steht Elchentrecŏte mit gebackenen Kartoffeln, saisonalem Gemüse und Zitronen-Kapern-Butter. Das Gericht kostet 28,-€, für unser Verständnis eher günstig für ein Elchgericht. Deshalb nahmen wir unser Abendessen heute im Restaurant ein und bestellten Elchentrecŏte. Nachdem wir schon mit Elch- und Rentiergerichten hereingefallen sind, weil der Fleischanteil sehr gering oder mit anderem Fleisch versetzt war, waren wir skeptisch. Wir müssen sagen, diese Investition hat sich echt gelohnt. Bei einem Entrecŏte kann man nichts verfälschen, und es war die Hauptsache auf dem Teller. Das Gericht war vom Optischen her einer Sterneküche würdig. Auch das Essen war perfekt. Elch schmeckt kein bisschen nach Hirsch, sondern sehr nach Rind. Das Wasser, welches wir bestellten, und das als Vorspeise gereichte Brot mit Butter gab es gratis dazu. Wir saßen auf der Terrasse des Restaurants und genossen die Sonne, den See und das herrliche Essen.

Für 10,-€ konnten wir sogar auf einer großen Wiese am Seeufer über Nacht stehen bleiben. Wir saßen am Ufer und beobachteten den Sonnenuntergang und die Wellen auf dem See. Am Abend kam uns dann noch ein Rentier besuchen. Es kam vom Hügel herunter und wollte sicher im See saufen.

Die Nacht war sehr ruhig und vollkommen mückenfrei, während wir letzte Nacht am Ylinen Utkujärvi-See quasi überfallen wurden. Sie kamen sogar ins Wohnmobil, obwohl überall Fliegengitter davor sind, unglaublich.

Übrigens besitzt die Region Muonio die sauberste Luft Finnlands, und es leben die glücklichsten Menschen Finnlands hier.

Hallo Finnland

Nun besuchen wir ein für uns neues Land. Vor 22 Jahren durchquerten wir zwar Finnland schon an dieser Stelle in Richtung Kautokeino in Norwegen, aber das zählt praktisch nicht als Besuch.

Landschaftlich hat sich die Felsenlandschaft vor einer Weile verabschiedet und einer lichten Waldlandschaft auf Sandboden Platz gemacht. Die Bäume sind klein, man kommt sich fast wie Gulliver in Liliput vor. Wie es aussieht befinden wir uns außerdem weit nördlich des Elch-Verbreitungsgebietes. Es gibt keine Warnschilder mehr. Die Wälder sind einfach zu licht für Elche, die Seen beinhalten keine leckeren Wasserpflanzen mehr. Wir brauchen also erst einmal keine Ausschau mehr nach den Tieren zu halten.

Wir folgten nun der E8 ost- und südwärts. Bei Sonkamuotka legten wir bei der Sannan Putiikki eine Rast ein. Zu beiden Seiten der Straße gibt es einen Souvenirshop. Auf der einen Seite werden außerdem Kaffee und Kuchen angeboten. Die andere Seite wirbt mit Kaffee und einem Donut für 50 Eurocent. Das können wir nicht glauben. Tatsächlich bezahlte ein Kunde vor uns dafür 5,-€. Finnland hat den Euro als Währung. Endlich entfällt die lästige Umrechnerei. Zudem ist es in Finnland eine Stunde später, das heißt, die Uhren bei Grenzüberfahrt eine Stunde vorstellen.

Ein anderes Angebot an der Theke beinhaltet einen Kaffee mit einem Rentiersandwich für 5,-€. Das interessierte uns. Das Sandwich war mit geräuchertem Rentierfleisch belegt und in der Mikrowelle warm gemacht. Wir probierten ein Stück von dem Fleisch ohne Sandwich. Es schmeckt sehr angenehm.

Im Laden kann man neben Souvenirs Büchsenfleisch vom Rentier, vom Elch und vom Bären kaufen. Ich glaube, da sind 250 Gramm in der Büchse. Rentier und Elch kosten 13,90€, das Bärenfleisch gibt es für schlappe 29,90€, mit jeweils 86% Fleischanteil. Es gibt auch günstigeres Fleisch, aber da ist nur 64% Fleischanteil drin.

Nun suchten wir ein Plätzchen zum übernachten. Nach einem Fehlanlauf fanden wir den Rastplatz Utkujärvi am Ylinen Utkujärvi-See. Hier überrascht ein wirklicher Sandstrand, richtig lang. Der Rastplatz war zwar voll, aber er leerte sich bald und wir fanden ein gutes Plätzchen.

Zuerst erkundeten wir den herrlichen Strand bis zum Ende, wo wir sogar Trittsiegel fanden. Rentier oder Elch? Das war hier die Frage. Die Nachforschung ergab, es waren nur Rentiere.

Nach dem Abendessen sonnten wir uns noch ein bisschen, Klaus ging baden.

Von Jukkasjärvi nach Karesuando

Eigentlich wollten wir heute bis zur finnischen Grenze nach Karesuando fahren, aber zur Kaffeepause steuerten wir den Rastplatz Torne am Kokkajärvi-See an. Die Beschreibung bei park4night war schon schön, aber gefunden haben wir ein kleines Paradies. Sofort war klar, hier bleiben wir diese Nacht. Die Wildblumen, die überall blühen begeistern uns jeden Tag.

Durch ein kleines Stück Wald erreicht man einen Picknickplatz mit Sitzgelegenheit über dem Wasser. Da wir die Ersten an diesem Platz waren, annektierten wir die Sitzgelegenheit bis in den Abend hinein. Wir tranken dort Kaffee, genossen die Sonne und den Blick über den See, chillten, aßen Abendbrot und spielten Rummy. Es gibt ja noch zwei weitere Stege mit Grillplatz, jedoch ohne Tisch und Bänke.

Zum Picknickplatz gehören drei noble Plumsklo´s und eine größere Hütte mit Kamin und Tischgruppe. Laut Gästebuch übernachten dort drinnen vor allem Leute mit Zelt, denn draußen wird man von den Mücken gefressen. Dabei muss ich sagen, vielleicht lag es am etwas stärkeren Wind, wir wurden von den Mücken verschont. Nur in den Wald durften wir nicht ohne Mückenschutz gehen, aber da sind gerade die Blaubeeren und die schwarzen Krähenbeeren reif. Auf der Fahrt sahen wir überall Pilze am Straßenrand stehen. An einem Parkplatz hielten wir und suchten selbst Pilze. Klaus fand ein paar schöne Birkenpilze für das Abendessen, dazu Blaubeeren als Vorspeise, was will man mehr?

Es war jedenfalls ein rundum gelungener und entspannter Tag. Die Nacht war sehr ruhig. Als Gesellschaft hatten wir ein Wohnwagengespann aus Finnland und zwei deutsche junge Männer mit einem T3-Pritschenwagen, auf dem sie ihr Zeug hatten, dazu ein Moped und ein Dachzelt.

Das Frühstück nahmen wir wieder auf unseren Platz am Steg ein, alles war so perfekt. Die Trennung fiel uns ziemlich schwer.

Auf dem Weg nach Karesuando kamen wir noch an drei alten Stein-Bogenbrücken vorbei, die 1909 bis 1912 als Teil der Verbindungsstraße zwischen Nedre Soppero und Karesuando gebaut wurden. Sie war bis in die 1960er in Betrieb, dann wurde sie wohl von der heutigen Straße abgelöst. Die Brücken blieben stehen und sind zu besichtigen: die 1. findet man kurz vor Idivuoma, die 2. in Idivuoma und die dritte Brücke kurz dahinter. Die Brücke in Idivuoma besitzt drei Bögen, die anderen beiden nur einen.

In Karesuando überquert man den Grenzfluss zwischen Schweden und Finnland. Direkt vor der Brücke steht ein Gebäude, in dem wir vor 22 Jahren einen schönen geschnitzten Troll gekauft hatten. Heute gibt es hier keine Souvenirs mehr, nur einen Laden für Schneiderbedarf und die Touristinfo. Davor steht ein großer Wegweiser mit vielen Orten auf der Erde. Rechter Hand ist die schöne Kirche von Karesuando zu sehen.

Es war diesmal nur ein kurzer Besuch Schwedens. In Jukkasjärvi hatten wir beschlossen, diesmal doch über Finnland nach Hause zu fahren, da wir viele Sehenswürdigkeiten in Schweden damals schon besucht haben.

Übrigens befinden wir uns immer noch zwischen 300 und 400 Höhenmetern. Der Grenzübergang in Karesuando liegt auf 322 Metern Höhe.

Jukkasjärvi

Schon vor 22 Jahren besuchten wir Jukkasjärvi wegen des Eishotels, welches in alle Munde ist. Damals war da noch nicht viel los. Es standen nur ein paar Hütten, die im Sommer vermietet wurden. Das Eishotel selbst wurde in jedem Frühjahr abgebaut, weil es sowieso schmolz. Die besten Stücke, die man aus Eis geformt hatte, bewahrte man in einer großen Halle für das nächste Jahr auf. Dann baute man das Eishotel wieder neu auf. An der Stelle, an der es stand, ragte nur eine igluähnliche Konstruktion in den Himmel.

Heute besuchten wir das Eishotel noch einmal. Wir hatten schon erwartet, dass mehr los wäre, aber unsere Erwartungen wurden weit übertroffen. Erst einmal gibt es nicht genug Parkplätze, weil sich jeder dort umsehen möchte. Dann hatte man eine Art Eingangsportal gebaut, durch welches man das Gelände des Eishotels betritt. Dahinter erwarten die Besucher viel mehr und größere Hütten als früher. Es gibt ein Rezeptionsgebäude und die Riverside-Lobby, in der unter anderem auch Freizeitaktivitäten je nach Jahreszeit angeboten werden.

Dort war früher die igluähnliche Konstruktion stand, erhebt sich heute eine kunstvolle Art von Iglu, mit einer Schaukel unten drunter.

Aber, jetzt kommt´s: wir glaubten unseren Augen nicht zu trauen. Im Fernsehen wird immer noch gezeigt, wie man das Eishotel aus Eisquadern aus dem Fluss zusammen baut. Inzwischen steht hier ein festes, das ganze Jahr zu nutzendes Eishotel. Das Hotel selbst besteht nicht mehr aus Eis, nur das Innere mit den achtzehn Zimmern und den Gemeinschaftsräumen, wie die Bar, ist aus Eis gemacht. Plakate mit Aufnahmen aus dem Inneren stehen vor dem Hotel. Will man sich das Innere des Eishotels ansehen kostet das 26,-€ pro Person, Kinder zahlen weniger.

Am Ufer des Torneflusses stehen dazu drei Glambing-Zelte mit großen Terrassen.

Nachdem wir uns das angesehen hatten, fuhren wir nach Esrange weiter, um uns das schwedische Raumfahrtzentrum anzusehen. Es liegt 25 Kilometer nördlich von Jukkasjärvi mitten im Wald. Leider ist die Straße im Moment in einen desolaten Zustand. Teilweise wird auch daran gearbeitet. Die Fahrt nach Esrange ist also gerade kein Vergnügen. Wenn man es dann endlich geschafft hat, steht man vor einem großen Tor. Dahinter befindet sich der geheime Bereich des Raumfahrtzentrums. Fotografieren ist hier nirgendwo erlaubt.

In dem kleinen Besucherzentrum, der Besuch ist kostenlos, erfährt man einiges Wissenswertes zur Arbeit dieses Zentrums. Es ist das weltweit größte Raumfahrtzentrum, welches auch zivile Kunden nutzen dürfen. Hauptthema sind hier Forschungssatelliten und Wetterballone, deren Entwicklung bis hin zum Start in den Weltraum. Ein kurzer Film über die Arbeit der Station und ein paar Ausstellungsstücke sind zu sehen. Zum Besuch gibt es Kaffee oder Tee gratis.

Nachdem wir uns in das Gästebuch eingetragen hatten, fuhren wir nach Jukkasjärvi zurück. Zwischendurch hielten wir mitten im Wald an einem See, um nachzusehen, ob wir Pilze finden. Leider griffen uns gleich die Mücken an, so dass wir das Vorhaben ziemlich schnell aufgeben mussten.

Am Rastplatz Torneälven hielten wir noch einmal. Der Ort in der Nähe heißt Laxforsen. Es ist also ein Lachsfluss. Gerade versuchten ein paar Angler ihr Glück. Die Lachse halten sich vom Frühjahr bis zum Sommerende in den Flüssen Schwedens auf. Eine große Lachswanderung scheint es hier nicht zu geben.

Es war wieder einmal Zeit einen Campingplatz aufzusuchen und wir fuhren das Camp Alta Kiruna in der Nähe an. Das ist ein schöner großzügiger Campingplatz an einem See und wir blieben zwei Nächte. Für die Nacht mit Strom zahlt man 30,-€, Duschen sind gratis. Da kann man sich nicht beschweren.

Ankunft in Schweden

Nachdem wir den tollen Ort Riksgränsen genug genossen haben, setzten wir unsere Fahrt nun in Schweden fort. Wir schreiben den 19. Juli und ich habe das erste Mal auf der ganzen Tour kurze Hosen an, unglaublich, denn der halbe Sommer ist schon fast vorbei.

Es geht weiter auf dem Bjørnfjell, aber jetzt wieder leicht abwärts. Immer wieder sind kleine Wasserfälle zu sehen. Man könnte an jedem Parkplatz wegen der Aussicht anhalten, so schön ist es hier. Die Straße verläuft im Schnitt zwischen 350 und 500 Metern Höhe.

Kurz vor Abisko kommt man an den Torneträsk-See, der sehr groß ist. Ungefähr auf der halben Länge liegt der Bessijåkka-Rastplatz, den wir uns für die Nacht ausgesucht haben. Er liegt etwas abseits der Straße und besitzt einen Zugang zum See. An dieser Stelle kommt ein Fluss aus den Bergen. Der Strand ist steinig und das Wasser eiskalt, aber es ist sehr schön hier. Klaus nutzte gleich die Gelegenheit zum Baden, auch wenn das Wasser kälter als bisher im Atlantik ist.

Abschied von Norwegen

Am 19. Juni kamen wir mit der Fähre von Dänemark nach Norwegen. Seither hatten wir eine schöne Zeit und vieles gesehen und erlebt, auch wenn das Wetter oft nicht mitspielte. Heute, am 19. Juli verlassen wir Norwegen in Richtung Schweden.

Am Morgen vertankten wir die letzten norwegischen Kronen und machten noch ein Bild vom Bahnhof. Hier beginnt die Strecke des „Artic Train“. Die Strecke dieses Touristenzuges ist 43 Kilometer lang und endet im schwedischen Kiruna. Auf der gleichen Strecke ist auch der Eisenerz-Zug unterwegs, der das Erz von Kiruna, wo es abgebaut wird, nach Narvik in den Hafen bringt, und das zwei bis dreimal in der Stunde.

Die E10, der wir nun folgen, verläuft mehr oder weniger parallel zur Eisenbahnstrecke. Von Narvik aus fuhren wir am südlichen Ufer des Fjordes entlang und stießen dann bei Trældal auf die E10. Kurz davor fährt man über eine weitere Hängebrücke, die Rombaks-Brücke.

Ein letzter Blick in Richtung Narvik und die Rombaks-Brücke lässt sich von einem Aussichtspunkt hinter Trældal werfen. Von nun an steigt die Straße immer weiter an, ganz langsam, um das Bjørnfjell, ein Hochland, zu durchqueren. Die höchste Stelle der Straße haben wir auf 513 Meter registriert. Die Landschaft ist wieder beeindruckend, aber sie ist nicht so kahl, da nicht so hoch, wir die anderen Hochebenen, die wir befahren haben. Traumhafte Aussichten, kantige und rund geschliffene Felsen, dazwischen Moore und Seen. Viele haben hier ihre Häuser gebaut. Anhand der Orts-und Flussnamen gehen wir davon aus, dass die allermeisten Einwohner der Hochebene Sami sind.

Irgendwann kommt man zur Reichsgrenze, die zwischen den Königreichen Norwegen und Schweden verläuft. Kurz hinter der Grenze befindet sich ein großer Parkplatz mit einem Supermarkt. Hier setzten wir unser letztes Kleingeld der norwegischen Kronen um und legten dann auf einem der Picknickplätze eine Kaffeepause ein, mit einer tollen Sicht auf Riksgränsen und den Vassijaure-See.

Oberhalb befinden sich der Bahnhof der Erzbahn, die Talstation eines Skiliftes und das Riksgränsen-Hotel. Der Hauptbetrieb findet hier aber im Winter statt. Die Schneemobile und Pistenraupen sind jetzt im Sommer abgestellt. Selbst das Parken ist jetzt kostenlos.

Narvik

Die letzte Station unserer Tour durch Norwegen. Durch das kaputte Getriebe, 5. Gang ist verloren gegangen, können wir die Tour nicht mehr weiter ausdehnen. Deshalb entschieden wir uns, uns noch einmal Narvik anzusehen. Vor 22 Jahren waren wir schon einmal hier, aber viel Erinnerung haben wir nicht mehr daran. Wir wissen nur noch, dass das Wetter kalt und grau war. Außerdem sieht es so aus, als hätte damals vieles noch nicht gestanden, vor allem die vielen Einkaufszentren.

Das alte Kriegsgedenkmuseum, welches damals in einem alten Haus in Hafennähe untergebracht war, ist sehr erweitert worden und auf zwei neue Museen aufgeteilt: das Narvik-Museum und das Kriegsmuseum.

Während wir vor 22 Jahren noch einen Tauchtrainer in irgendeiner hinteren Gasse der Stadt suchen mussten, steht heute eine Tauchbasis direkt am Hafen. Dort legen auch Kreuzfahrtschiffe an.
Ein altes Dampfschiff, die „Skogøy“, wurde mit Schlagseite im Wasser liegend in Schweden gefunden und man ist dabei es zu restaurieren.

Wir hatten unser Wohnmobil auf einem der langen Supermarktparkplätze nördlich der Bahnlinie abgestellt und waren am Erzhafen entlang zum Stadthafen gelaufen. Jetzt bogen wir am Narvik-Museum in die Stadt ab und kamen bald an der Seemanns-Kirche vorbei. Der Glockenturm steht separat und man kann die Kirche besichtigen. Im Inneren ist sie sehr schlicht, und gleich nebenan kann man in der Caféteria eines Hostels einen Kaffee trinken.

Dann wandten wir uns weiter Richtung Rathaus und kamen am Kreisverkehr zu den Fischhallen. Wir haben ja auf der ganzen Norwegen-Tour festgestellt, dass die Fjorde und das Meer leer sind. Nicht ein Fisch lässt sich sehen, wenn überhaupt, verstecken sich Jungfische unter irgendwelchen Stegen. So gibt es in den Fischhallen auch nur noch an einem Stand frischen Fisch zu kaufen, der Rest wurde zum Restaurant umfunktioniert.

Am Rathaus steht ein großer Wegweiser mit Zielen in Skandinavien und ein paar in Europa. Bis zum Nordpol sind es von Narvik aus noch 2407 Kilometer. Hier und da peppen ein paar Skulpturen das moderne Stadtbild auf. Narvik war im 2. Weltkrieg komplett zerstört worden.

Jetzt mussten wir dringend die Entsorgungsstation anfahren, die sich hoch oben über Narvik befindet. Außerdem ist dort oben die Talstation der Gondelbahn zu finden, die die Besucher, im Winter die Wintersportler, auf das Narvikfjell bringt.

Die Sonne scheint vom blauen Himmel und das Thermometer zeigt 27 Grad in 220 Metern Höhe an, auf der die Talstation liegt. Jedenfalls hat man von dort oben einen phantastischen Blick über Narvik und seine Umgebung mit den blau schimmernden Fjorden. Man kann sogar die Hålogaland-Brücke sehen, über die wir gekommen sind.

Die filigrane Hängebrücke aus Beton wurde erst 2014, nach vierjähriger Bauzeit, fertiggestellt. Die Planungen dafür begannen 2003. Unter der Brücke, auf Narvikseite, verbrachten wir die Nacht ebenfalls mit toller Aussicht. Das schöne Wetter und das viele Blau machen einfach Spaß. 27 Grad Lufttemperatur gab es vor 22 Jahren sicher auch noch nicht.

Am Abend füllt sich der Parkplatz mit Einheimischen, die alle den Sonnenuntergang sehen wollten. Wir machten auch Bilder ohne Ende, denn es ist die letzte der wenigen Mitternachtssonnen, die wir in Norwegen beobachtet haben.

 

Von Sortland nach Narvik

Von Sortland aus steuerten wir quer über die Insel Hinnøya, vorbei an Lødingen bis kurz vor Gausvik. Die Straße führt durch eine phantastische Landschaft, die bei solch schönem Wetter, wie es heute endlich einmal war, noch viel schöner ist. Der Himmel ist blau, das Wasser ist blau, und die Strände, die immer als karibisch beschrieben werden, sehen tatsächlich karibisch aus. Die Welt ist vollkommen, so hätten wir uns das die letzten zwölf Tage gewünscht.

Kurz hinter Kongsvika liegen ein paar Sandstrände, die wir besuchen wollten, aber alle Parkbuchten waren schon belegt. Enttäuscht fuhren wir weiter, bis Sandtorgholmen. Das ist eine kleine Halbinsel mit einem Hotel. Davor liegt ein großer Parkplatz, von dem aus man das Hotel und einen schönen Sandstrand ansehen kann. Das Gebäudeensemble blickt auf eine 250-jährige Geschichte zurück. Auf einer Infotafel sind zwar die heutigen Gebäude beschrieben, aber nicht, was es einmal war. Jedenfalls gehörten noch mehrere Holzgebäude früher dazu, die es inzwischen nicht mehr gibt.

Wir sahen uns die Halbinsel an und genossen eine Weile den Strand. Sogar ich hielt heute einmal die Füße ins Wasser. Die Sonne und das klare Wasser sind zu verlockend.

Dann setzten wir die Fahrt nach einer Kaffeepause fort. Hinter Gausvik fährt man über die Tjeldsundbrücke. Die Hängebrücke verweist darauf, dass wir uns dem norwegischen Festland nähern. Auf den Inseln gibt es keine Hängebrücken.
Wir folgten noch ein Stück der E10 Richtung Süden und bogen dann nach Evenes ab, um einen Übernachtungsplatz zu finden. Dabei kamen wir am Flughafen Harstad-Narvik vorbei.

Kurz hinter Evenes liegt ein größerer Parkplatz direkt am Strand. Es ist der schönste Stellplatz, den wir auf der ganzen Tour bisher hatten. Vielleicht liegt das auch am perfekten Wetter. Jedenfalls war gerade Ebbe und das Wasser hatte sich aus der Bucht zurück gezogen. Es war viel los und auch wir wollten das Gefühl der Weite in der Bucht nicht missen. Wir zogen die Schuhe aus und spazierten auf dem Meeresboden bis an die Wasserlinie. In den tieferen Stellen stand noch Wasser, welches sind inzwischen erwärmt hatte. Selbst das Meereswasser ist nicht so kalt, wie man es erwartet.

Es war zu schön, aber uns lockte eine weitere Sehenswürdigkeit. Auf der gegenüberliegenden Landspitze sind noch Reste einer Bunkeranlage aus dem II. Weltkrieg zu sehen, eine ehemalige Küstenbatterie. Davon abgesehen ist der ganze Berg unterbunkert und ist abgesperrter Militärbereich.

Ganz am äußersten Ende der Landzunge steht eine Steinkirche. Es ist nicht wirklich eine Kirche, sondern eher ein Kunstprojekt. Auf den Innenwänden sind Zeichnungen von Menschen, Männern und Frauen, manchmal frivol, und merkwürdige andere Zeichen eingraviert. Es gibt keine Erklärung dazu.

Dann spazierten wir wieder zurück. Zwischendurch genossen wir noch einmal den Anblick der Bucht von einem Picknickplatz aus. Es ist zu schön hier. Zudem ist die Bucht ein beliebter Badeort, ideal mit kleinen Kindern.

Wir entschieden uns, eine weitere Nacht an dieser Bucht zu verbringen. Es ist einfach viel zu schön hier. Am nächsten Morgen, schien immer noch die Sonne, aber es zeigten sich einige Wolken am Himmel. Wir frühstückten in Ruhe und machten dann eine kleine Wanderung. Am Parkplatz steht eine Tafel mit den Wanderwegen in der Nähe, gegenüber, wo der Wanderweg beginnt, stehen Wegweiser mit Kilometerangabe. Das erste Ziel Haugbakken, ca. 1,8 Kilometer entfernt, soll ein kulturelles Erbe sein. Das zweite Ziel, Liakollen, ein Aussichtspunkt mit einem fabelhaften Blick auf 355 Metern Höhe. Für norwegische Verhältnisse ist der Weg direkt komfortabel und leicht ansteigend. Er führt durch einen Wald mit nordischen Weiden und Fichten, am Wegrand wachsen Heidelbeeren, von denen wir naschten.

Es ist eine schöne Wanderung, aus dem Fahrweg wurde später ein Weg und noch später ein Trampelpfad. Schafe kreuzten unseren Weg.
Nach einer Stunde standen wir 160 Meter höher am Ziel Haugbakken. Von kulturellem Erbe keine Spur, nur eine flache Lichtung mit Picknickplatz und Gipfelbuch, in das wir uns eintrugen. Ein kleines Rinnsal kam vom Berg herunter, mit sehr klarem und sehr gutem Wasser.

Von nun an geht es steil weiter bergauf zum Liakollen, aber dafür waren wir nicht ausgerüstet. So kehrten wir um und gingen für eine Kaffeepause zum Parkplatz zurück.

Am Nachmittag erkundeten wir noch den kleinen Ort Evenes. Es gibt nur ein paar Häuser, einen Campingplatz und eine winzige Marina. Von der aus verkehrt jedoch eine Art Wassertaxi zum gegenüberliegenden Ort Kjeldebotn, wo es eine Einkaufsmöglichkeit und ein Café gibt. Am Ende der Mole steht ein Kormoran als Kunstobjekt.

Zum Abschluss des Tages spazierten wir noch einmal durch die trocken gefallene Bucht bis zum Wasser, um unsere Füße zu kühlen.

Eine Besonderheit besitzt die Gegend aber noch: alle paar Stunden kommt die Militärpolizei und sieht nach dem Rechten. Sie schreiben alle Fahrzeuge auf, die sich bei der jeweiligen Runde an der Bucht befinden. Manchmal dauern die Notizen auch etwas länger. Keine Ahnung, was die Polizei da alles noch vermerkt. Man darf jedenfalls keine Drohnen fliegen lassen und keine Fotos in Richtung des Berges mit dem Bunker machen. Da wird aufgepasst, alles ganz geheim, aber sie lassen die Leute in Ruhe.

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