Wir hatten schon nicht mehr daran geglaubt, aber nun sind wir doch noch zu den Trollen gekommen. Auf dem Weg nach Kalmar (E22) kamen wir in Gamleby zum Trollpark Garpes Vänner. Vom großen Parkplatz führt ein siebenhundert Meter langer Wanderweg hoch in den Wald. Am Fuße des Wanderweges steht der Riese Garpe, der seine Gäste einlädt, seine ca. achtzig Trolle und Gefährten kennenzulernen, die auf dem Garpedansberget wohnen. Der Wald ist ursprünglich erhalten und mit vielen Verstecken trollgerecht.
Überall verstecken sich kleine und große, ganz verschiedene Gestalten. Es macht Spaß sie zu entdecken, aber Ihr wisst ja, nicht schlecht über die Trolle reden. Die können sich ganz fürchterlich dafür rächen. Jedenfalls sind dies die längsten siebenhundert Meter, die wir je gelaufen sind. Es ist einfach zu schön, sich die einzelnen Gestalten anzusehen. Da hat sich jemand sehr viel Arbeit und Mühe gemacht. Wer möchte, und wem diese Wanderung gefallen hat, kann elektronisch eine Spende hinterlassen.
Oben auf dem Berg angekommen, kann man auf einem felsigen Picknickplatz und mit Aussicht auf einen See die Trolle noch einmal Revue passieren lassen. Oder man genießt einfach die Sonne und die Aussicht, bevor es an den Abstieg zurück zum Parkplatz geht.
In Påskallavik, kurz vor Kalmar, fanden wir einen kleinen, aber schönen Picknickplatz für die Nacht. Zwischen Kirche und Ostsee steht man im Grünen, zwischen Kiefern und mit Blick auf den Badestrand und die Bucht.
Ein Spaziergang führt zur Marina, einem Café in einer alten Scheune, und zu einem alten Lagergebäude. In diesem ist heute das Museum untergebracht, welches die Besucher über die Geschichte des Ortes informiert.
Draußen auf einer kleinen Insel steht ein Mann mit einer roten Jacke, schwarzen Hosen und einem Zylinder. Was es mit dem auf sich hat, konnten wir nicht feststellen.
Gegenüber dem Picknickplatz liegt eine Privatinsel im Wasser, auf die eine Holzbrücke führt, sehr idyllisch. Es ist echt schön in Påskallavik.
Nach dem Besuch von Norrköping ging es nur einige Kilometer weiter Richtung Süden, bis zur kleinen Stadt Söderköping. Die erste Nacht verbrachten wir auf dem Wanderparkplatz Ramunderberget. Das Felsgebiet liegt am gegenüberliegenden Ufer des Göta-Kanals, der durch Söderköping führt. Der Kanal ist ca. zweihundert Jahre alt, 190 Kilometer lang und 58 Schleusen sorgen für den Ausgleich des Höhenniveaus.
Von diesem Parkplatz gehen mehrere Wanderwege ab, die entweder zu Aussichtspunkten oder hinunter zum Göta-Kanal führen. Wir wollten uns den Aussichtspunkt Söderköping ansehen. Der Weg ist nicht weit und führt an einer Sportanlage vorbei und dann durch Wald. Es sind nur gut fünfzig Meter Höhenunterschied zu bewältigen.
Am Aussichtspunkt angekommen, dieser liegt 57 Meter über der Stadt, hat man einen schönen Überblick über Söderköping. Man bekommt eine Vorstellung von dem, was einen beim Spaziergang durch die kleine Stadt erwartet.
Von dort oben führt ein Weg mit vielen Stufen hinunter zum Kanal. Wir spazierten zum Parkplatz zurück und fuhren zum Campingplatz Skeppsdockan. Der Platz ist großzügig und offen gestaltet und liegt direkt am Göta-Kanal. Ein Trockendock wird vom Platz umschlossen. Gerade liegt ein altes Kanalboot aufgedockt darin.
Vom Campingplatz sind es nur ca. eineinhalb Kilometer bis in das Zentrum von Söderköping, zuerst über die Klappbrücke und dann immer am Ufer des Kanals entlang. Kurz bevor der Trubel am Ufer losgeht, überrascht eine kleine Gruppe Kaninchen am Ufer. Es ist ein Kunstwerk mit dem Namen „Kaninchen-Überquerung“. Am diesseitigen Ufer helfen die angekommenen Kaninchen einem anderen, welches gerade das Ufer erreicht hat, heraus. Am gegenüberliegenden Ufer springt gerade eines ins Wasser, andere wollen folgen, ganz niedlich.
Nun reihen sich Restaurants und Café´s aneinander. Jeder bietet hausgemachte Köstlichkeiten an, aber der Trubel ist sehr groß.
So gingen wir weiter am Ufer entlang, kamen an einer Schleuse vorbei und am Anleger der Ausflugsschiffe. Oben auf den Felsen ist die Hütte des Aussichtspunktes zu sehen.
Dann drehten wir in das Stadtzentrum ab. Wir folgten kleinen gepflasterten Straßen, kamen an schönen Holzhäusern vorbei und schließlich zum Marktplatz, der allerdings etwas Charme vermissen lässt.
Die St.Laurentii-Kirche ist recht sehenswert. Im Inneren konnten wir uns gerade nicht richtig umsehen, denn es waren schon Gäste für eine Hochzeit versammelt. Außergewöhnlich ist der separat stehende Glockenturm aus Holz und Holzschindeln, alles geteert.
Die Geschichte Söderköpings beginnt im 12. Jahrhundert. Im Mittelalter war sie eine der größten Städte Schwedens, heute glänzt sie als kleines gemütliches Städtchen. Leider konnten wir an diesem Tag kein einziges Boot den Göta-Kanal entlangfahren sehen, kein Schleusenbetrieb, nichts. Schade.
Am Stadtteil Himmelstalund, wo sich die Sportanlagen befinden, fließt ein Fluss vorbei. Auf der anderen Seite des Flusses fanden wir zufällig ein paar Felszeichnungen, die ca. 3000 Jahre alt sein sollen. Ganz deutlich ist zu erkennen, dass diese Zeichnungen von den Vorfahren der Wikinger in den Fels geritzt wurden. Es sind Tiere, ein Hundeschlitten, Schwerter und bemannte Langboote zu erkennen. Quer über den glatt geschliffenen Felsen verläuft zudem eine Bärenfährte. Es sind viele Zeichnungen erhalten. So weit im Süden hatten wir nicht mit so etwas gerechnet.
Am Ufer des Flusses kann man Aqua-Golf spielen, haben wir auch noch nie gehört. Der Abschlag erfolgt von einem Steg aus. Der Ball muss dann über das Wasser in schwimmende Ziele geschlagen werden, die sich durch die Strömung auch noch bewegen. Keine Ahnung, ob da überhaupt jemand irgendein Ziel trifft.
Die Bälle, die daneben gehen, fallen ins Wasser und werden durch eine schwimmende Barriere aufgehalten. Das Jackpot-Ziel schwimmt irgendwo weit vom Abschlag entfernt in der Flussmitte. Auf was man unterwegs alles so trifft, unglaublich.
Etwa zwei Kilometer Richtung Stadtzentrum ist der alte Wasserspeicher noch zu finden. Eine gewaltige Mauer, die ein Quadrat umschließt, hielt das Wasser im Becken. Inzwischen wurde die Mauer geöffnet, so dass man auf die Mauer steigen und darauf entlang laufen kann. Es gibt jedoch keine Infotafel dazu.
Die Altstadt von Norrköping hat uns wahrlich überrascht. In der Nähe des Zentrums gibt es einen Parkplatz für Wohnmobile, von wo aus man die Entdeckungstour starten kann.
Überrascht hat uns in Norrköping die Architektur. Altes und Neues sowie verschiedene Architekturrichtungen sind in der Stadt vereint und harmonieren prächtig miteinander. Die Straßen sind relativ breit und es ist viel Platz zum Atmen. Viel Grün sorgt für eine schöne Atmosphäre.
Wenn man am Fluss angekommen ist warten weitere Überraschungen. Der Fluss wird durch ein Wehr unterbrochen. Eine Infotafel klärt über die vielen Fischarten auf, die es im Fluss geben soll. Sogar Lachse sollen dabei sein. Damit diese den Fluss weiter nach oben passieren können, legte man am Flussufer in einem kleinen Park einen Bachlauf an, der in einer Fischtreppe endet.
Während wir dort so spazieren gingen, landete eine Möwe am Ufer, die gerade einen schönen Flusskrebs erbeutet hatte. Es war aber nicht ganz einfach für sie, an das Krebsfleisch zu kommen. Wann sieht man schon einmal so etwas, dazu noch in einer Stadt?
Am Konzert- und Kongresszentrum Louis de Geer erspähten wir noch etwas Überraschendes. Vor dem alten Gebäude von 1750 legte man ein Wasserbassin an. Auf der einen Seite mit Stufen aus architektonischen Gründen, auf der anderen Seite scheint die Einfahrt in das unterirdische Parkhaus auf dem Wasser zu schweben. Auf solch eine Idee muss man ja erst einmal kommen, großartig.
Viele kleine weitere Details machen den Stadtrundgang durch Norrköping zu einem wahren Erlebnis.
In Katrineholm fanden wir einen Womo-Stellplatz in unmittelbarer Nähe zum Stadtpark. So bleiben die Wege kurz, um sich das schöne Städtchen anzusehen. Katrineholm wirbt mit dem Slogan „der Lustgarten Schwedens“ und tatsächlich ist das Stadtzentrum sehr grün. Überall wurden Blumen gepflanzt. Viele lauschige Ecken laden zum Verweilen ein. Das Stadtzentrum ist nicht sehr groß, so dass alles gut zu Fuß zu erreichen ist.
In Katrineholm sind auch viele Skulpturen verschiedenster Art zu finden. Mit neun Metern Höhe ist die größte Figur ein Mädchen, welches von der Hüfte aufwärts dargestellt ist. Sie bietet eine Blume dar. Für unsere Begriffe hat sie einen sehr ernsten Gesichtsausdruck. Zusammen mit einhundert japanischen Kirschbäumen fand sie aus Anlass des 100-jährigen Stadtjubiläums ihren Platz auf einem Kreisverkehr im Südosten von Katrineholm. Das war 2017.
Sehenswert ist auch der Bahnhof, in dem sich die Touristinfo befindet. Vor dem Eingang steht ein altes Reichstelefon, jedoch ohne Telefon.
Der Stadtpark ist sehr bunt bepflanzt, ebenfalls mit Kunstwerken versehen. Am schönsten ist der Teich mit dem Krokodil, aus Reifen gemacht, und der Bachlauf, der sich durch einen Teil des Parks zieht.
In der Fußgängerzone kann man einkaufen und bummeln.
Am Abend fuhren wir nach Norrköping weiter. Im Bereich der Sportanlagen Himmelstalund, wo auch ein Campingplatz ist, parkten und übernachteten wir auf einem großen freien Platz.
Inzwischen erhielten wir die Rechnung für die Maut in Norwegen. Deshalb wollen wir in Schweden möglichst ohne Maut auskommen und umfuhren großzügig die Stockholmer Gegend. Das heißt, unsere Tour brachte uns auf kleinen Straßen südlich an Uppsala vorbei, über Knivsta und Eriksund, weiter in Richtung Enköping.
Die Moränenlandschaft Finnlands setzt sich in Schweden fort. Überall sind Felshügel zu sehen, die Straßen durchschneiden Felshügel, große Findlinge sind keine Seltenheit. Die ganze Gegend ist Pferdeland, Koppeln und Gestüte wohin man sieht. Dazwischen große Felder mit Getreide, Soja und Bohnen. Sogar ein Fasan kreuzte vor uns die Straße.
In Övergran legten wir an der Kirche eine Kaffeepause ein. Die Kirche selbst war geschlossen, aber auf und am Friedhof fanden wir mehrere Runensteine. Kurz vor Översund, direkt an der Straße 263 standen schon zwei Runensteine am Straßenrand, nur das wir diese noch nicht als solche erkannten. Bei Google Maps haben die zwei Steine sogar Nummern, U654 und U671. Das klingt wie U-Bootnamen, merkwürdig.
Auf dem Runenstein am Kircheneingang klärt ein Schild über die Inschrift und den Fundort des Steins auf. Eine Frau namens Gillög ließ den Stein zum Gedenken an ihren Vater errichten. Der Stein ist von dem Runenschnitzer Balle graviert worden, der im westlichen Uppland viele Runensteine beschriftet hat. Vierzig Stück sind bekannt. Gefunden wurde der Stein 1964, als Schwelle von der Waffenkammer zur Kirche zweckentfremdet. Was allerdings eine Waffenkammer mit der Kirche zu tun haben soll, keine Ahnung.
In Enköping fanden wir endlich jemanden, der unsere LPG-Tankflasche und die Propan-Gasflasche füllte. Die Firma heißt Gasolfyllarna. In Finnland gibt es kein LPG und zum Flaschen füllen fanden wir auch niemanden. Nach dem Lösen dieses großen Problems konnten wir endlich aufatmen und wir steuerten den nächsten Übernachtungsplatz an, den Oknö-Badeplatz bei Aspö, kurz vor Strängnes.
Dort verbrachten wir eine ruhige Nacht in Gesellschaft weiterer Wohnmobile. Um uns die Stadt Strängnes anzusehen, parkten wir am gegenüberliegenden Ufer, auf einem großen Parkplatz in Nord-Strängnäs. Zur Altstadt sind es nur knapp zwei Kilometer zu Fuß. Wir spazierten zuerst über die Drehbrücke. Gerade als wir zum Drehteil kamen meldeten ein Hupsignal und das rote Blinklicht die Schließung der Brücke. Die Schranke schloss sich und so kamen wir zu dem Schauspiel der Drehbrücken-Öffnung. Es ging alles ziemlich schnell. Als das Drehteil offen stand fuhren zwei Segelboote hindurch, und anschließend schloss sich die Brücke wieder.
Währenddessen hatten wir Gelegenheit uns den Uferbereich von Strängnes anzusehen. Das Bild, das sich uns bot machte neugierig auf mehr. Zuerst liefen wir rechts von der Brücke am Ufer entlang, kamen dabei am Badestrand vorbei und dann zur Marina. Von vielen Stellen aus kann man eine schöne Windmühle oberhalb der ersten Häuserreihe sehen.
Die Marina ist gut besucht, Restaurants am großzügig gestalteten Platz vor der Marina sorgen für das leibliche Wohl.
Durch eine Gasse kamen wir in den ältesten Bereich von Strängnes. Die alten Holzhäuser versetzen die Besucher in eine längst vergangene Zeit zurück. Die Gassen steigen leicht an und irgendwann kommt man zur Windmühle auf dem Hügel über der Stadt, 1855 als Holländer-Windmühle gebaut.
Der Zustand ist sehr gut, auch von innen, soweit man sehen kann. Eine Besichtigung ist möglich, es ist aber auch eine Art Touristinfo untergebracht. Wir waren gerade eingetreten, als die Türen geschlossen wurden, Punkt 12.00 Uhr, Mittagspause. Die Besucher standen somit vor geschlossener Tür. Das hatten wir auch noch nicht.
Also spazierten wir weiter, jetzt in Richtung Kirche. Dabei kamen wir zu einem der ältesten Holzhäuser von Strängnes, dem heutigen Café Grassagården. Im frühen 17. Jahrhundert wurde es als bürgerlicher Bauernhof mit einem Innenhof, mit Wohnhaus und Ställen errichtet. Es ist eines der wenigen alten Gebäude, die den großen Stadtbrand 1871 überlebten.
Im 18. Jahrhundert übernahm die Familie Grass den Hof und nutzte ihn als Taverne. Heute ist es ein sehr gemütliches Café mit hausgemachtem Kuchen, Pfannkuchen und Salaten. Auch ein kleiner Mittagstisch wird angeboten. In dem winzigen Verkaufsraum findet alles statt, was den Betrieb am Laufen hält. Nur die Küche ist wohl ausgelagert.
Im Nebenraum holt man sich das Besteck und Kaffee. Dabei hat man die Möglichkeit, sich in dem Wohnhaus umzusehen. Es ist voll eingerichtet, auch die alte Küche ist zu sehen. Die Türrahmen sind sehr niedrig und die Räume ebenfalls winzig. Alles ist sehr interessant.
Im gemütlichen Innenhof genießt man dann seine Bestellung. Das Essen sieht sehr gut aus, der Kaffee schmeckt und die Pfannkuchen sind erste Sahne. Die Bedienung ist trotz des Dauerstresses und der Beengtheit sehr freundlich. Dieser Besuch im Café Grassagården ist ein echtes Erlebnis.
Zum Schluss sahen wir uns den Dom von Strängnes an, der ebenfalls auf einem Hügel steht. Es ist ein gewaltiger Bau für die kleine Stadt. Im Inneren gibt es viele Parallelen zur Nikolaikirche in Anklam, echt schwedisch. Es wurde viel mit Klinkern gearbeitet, an den Säulen und auf dem Fußboden. Die Kreuzgewölbe weisen gut erhaltene Fresken auf. Karl IX. wurde hier 1612 bestattet, dem ehemaligen schwedischen König Gustav III., 1792 ermordet, gedachte man in diesem Dom mit einem Scheinsarkophag.
Ebenfalls zu besichtigen sind die Bestattungsjuwelen Krone, Königsapfel und Zepter Karls IX. und seiner zweiten Frau Kristina Holstein Gottorp, die 1625 starb.
Strängnes ist wirklich ein interessantes Städtchen. Etwas südlich der Stadt gelegen befindet sich das größte Fahrzeugmuseum Skandinaviens, das Arsenalen. Eigentlich ist es ein Panzermuseum, die größte private Sammlung von Militärfahrzeugen aus dem Warschauer Pakt. Der Eintritt kostet 10,-€ pro Person.
Da wir die Rücktour aus dem Norden Skandinaviens ohne 5. Gang bewerkstelligen, wollen wir die zu fahrenden Kilometer etwas geringer halten. Deshalb fällt die Fahrt nach Hause über das Baltikum aus. Stattdessen entschieden wir uns für die Fährüberfahrt von Turku nach Stockholm. Eigentlich hatten wir gedacht einen mehrtägigen Zwischenstopp auf den Åland-Inseln einzulegen, aber auch das verwarfen wir. Die Fährüberfahrt wird deswegen nicht wirklich günstiger, außerdem ist es nicht möglich eine Rundfahrt zu machen, denn die Åland-Inseln sind eben Inseln und man muss letztendlich immer wieder zum Mittelpunkt zurückfahren, um eine andere Ecke des Archipels kennenzulernen.
Bei der Recherche, wie wir am günstigsten von Finnland nach Schweden kommen, stießen wir auf die Fährverbindung Naantali (bei Turku) nach Kapellskär (bei Stockholm). Das Fährticket für ein 8m-Wohnmobil kostet 220,-€. Dazu muss für die ca. 8-stündige Überfahrt eine Kabine gebucht werden. Eine Außenkabine kostet noch einmal 70,-€, zzgl. Servicegebühr. Alles zusammen kam uns die Fährüberfahrt ganz knapp 300,-€, online.
Die Nacht vor der Fährüberfahrt verbrachten wir auf dem großen Parkplatz des Hafens von Taimo, nördlich von Naantali. Über die kleine Brücke in der Nähe erreicht man den Badestrand.
Am nächsten Morgen brachen wir früh auf, denn wir sollten spätestens 9.45 Uhr am Terminal sein. Wir waren schon um 8.45 Uhr dort und bald darauf begann das Boarding. Um 9.45 Uhr war dann schon alles abgefertigt. Bis 10.45 Uhr, die planmäßige Abfahrt kamen nur noch Nachzügler.
An Bord packten wir alles zusammen, was wir für die 8-Stündige Überfahrt brauchten, dann suchten wir unsere Kabine. Die Nummer steht auf dem Ticket, welches man beim Check-In erhält. Dies ist gleichzeitig der Zimmerschlüssel. Die Kabine ist ausreichend, mit großem Bad und eigenem WLAN. Was will man mehr?
Dann gingen wir auf Entdeckungstour. Die Fähre besitzt zwei Kabinendecks, darüber zwei Aufenthaltsdecks, mit Restaurants und Shops. Die Außendecks sind großzügig bemessen, mit vielen Sitzmöglichkeiten. Es fühlt sich wie auf einem Kreuzfahrtschiff an.
Da das Wetter sehr schön war, hielten wir uns meistens draußen auf. Ein Großteil der Fahrt führt durch die Schären, die bis zu den Åland-Inseln reichen. Manchmal fährt die Fähre so dicht an den Inseln vorbei, dass man fast hinüber springen kann. Es ist einfach nur atemberaubend schön.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Långnäs ging es Richtung schwedische Küste weiter. So konnten wir uns ein Bild von den Åland-Inseln machen, Felsen und Wald, dazwischen ganz viel Wasser.
Am späten Nachmittag erreichten wir Kappelskär. Wir fuhren von der Fähre und fanden einen Platz für die Nacht am Roslags-Strand in Norrtälje. Wir sind wieder in Schweden.
Nun wandten wir uns wieder der Küste des Bottnischen Meerbusens zu, in der Hoffnung irgendwo auf offenes Wasser zu stoßen. Wir mussten aber feststellen, dass vor der Küste ein kilometerbreiter Schärengürtel liegt. Es ist also nicht möglich ohne Boot und ganz viel Zeit an das offene Wasser zu kommen. Die Wasserqualität lässt hier zu wünschen übrig.
Zuerst fuhren wir den Campingplatz Poroholman im Norden von Rauma an. Auf dem Weg dorthin fanden wir noch den Aussichtsturm Rauma, den wir uns ansehen wollten. Der Turm steht auf einem Felshügel südöstlich der Altstadt von Rauma. Drumherum verläuft ein Lehrpfad mit Natur und Kunst als Wegpunkte.
Zur Aussichtsplattform des Turmes, die auf 66,5 Metern liegt, gelangt man mit dem Aufzug. Eine verglaste Galerie führt um alle vier Seiten, in der Mitte befindet sich unter anderem ein Café. Von dort oben hat man einen schönen Rundblick auf das Hinterland und die etwas weiter entfernt liegende Küste.
Der heutige Turm besteht aus dem alten Turm, der 1934 errichtet wurde, und den ihn umgebenden neuen Turm, der 1964 fertiggestellt wurde.
Der Campingplatz Poroholman ist als 5-Sterne-Platz ausgezeichnet, aber doch lässt einiges zu wünschen übrig, z.B. die sanitären Anlagen und das Wasser in der großen Badebucht. Es gibt auch eine Sauna, aber die ist nicht wirklich einladend.
Zu Fuß erreicht man gen Norden die Syvärauman-Bucht mit einer großen Marina, Restaurants und Café´s. Dort steht auch ein kleiner Aussichtsturm aus Holz, der allerdings schon geschlossen hatte, als wir am Abend kamen.
Am nächsten Tag sahen wir uns Rauma an, die drittälteste Stadt Finnlands. Die Altstadt besteht fast ausschließlich aus Holzhäusern. Die ältesten dürften nach dem zweiten großen Stadtbrand 1682 entstanden sein. 1991 wurde die Altstadt Rauma in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Wenn man dort durch schlendert kommt man sich in der Zeit zurück versetzt vor. Die allermeisten Häuser haben nur ein Stockwerk, selten kommt noch ein Dachgeschoss dazu. Außerdem stehen die Häuser nicht so eng zusammen, wie man es sonst kennt. Es gibt also genügend Licht, Luft und Sonne für alle.
Die Kirche des Heiligen Kreuzes stammt aus dem 16. Jahrhundert, auch die Deckengemälde im Inneren der Kirche. In der Kirchenbank sitzt eine Frau mit dem Gesangsbuch in der Hand, obwohl schon alle anderen gegangen sind. Nach zweimaligem Hinsehen ist sie nicht echt, aber sehr hübsch gemacht.
Wir besuchten Rauma an einem Sonntag, was sehr angenehm war, da man sich eher auf die Häuser als auf die Menschen konzentrieren kann.
Im Reiseführer ist eine Bogenkirche in Orivesi aufgeführt. Das interessierte uns und wir fuhren hin. Das erste, was auffällt ist, dass der Glockenturm auf der anderen Straßenseite steht. Er hat die traditionelle Form, die wir schon mehrfach in Finnland gesehen haben.
Gegenüber befindet sich die Bogenkirche, die vom Friedhof umgeben ist. Bis 1958 stand an dieser Stelle noch die alte Holzkirche. Die ist leider abgebrannt. Dafür steht heute eine moderne, im Grundriss fast runde Kirche, weiß angestrichen. Im Eingangsbereich ist die Bogenform unterbrochen und es sind Glaselemente in der ganzen Höhe verbaut.
Leider war die Kirche bei unserem Besuch, Freitags und Samstags, geschlossen. Das Innere der Kirche hätte uns schon auch interessiert.
Ansonsten ist im Zentrum vom Orivesi viel DDR-Architektur der 1970er-Jahre auszumachen. Ab und zu hübschte man diese Bauten inzwischen etwas auf. Diese DDR-Architektur fiel uns schon in anderen Städten Finnlands auf.
Nun fuhren wir nach Tampere, um noch einen Versuch zu starten, an LPG-Gas für unsere Tankflasche zu kommen. Leider wieder ohne Erfolg, obwohl im Internet dafür geworben wird. Jedenfalls fanden wir an dieser Tankstelle, außer Tankautomaten, nichts.
Dafür warnen kurz hinter der viel befahrenen Kreuzung mit einer vierspurigen Straße die gewohnten Schilder vor Elchen. Unterwegs dachten wir immer schon, die finnischen Elche müssen sehr lärmresistent sein, wenn die sich überall dort bewegen, wo wir sie nie vermuten würden. Aber hier, fast in der Großstadt, an dieser Kreuzung, nie und nimmer. Die Schilder stammen wahrscheinlich noch von vor 20 Jahren und wurden einfach nicht abmontiert, ist eher unsere Meinung.
Für die Übernachtung fanden wir einen ruhigen Parkplatz im Grünen, in der Nähe des Alinenjärvi-See´s, am Rande von Nokia, östlich von Tampere. Zum See führt ein Schotterweg, an dessen Ende ein schöner Badestrand liegt, der mit großen glatt geschliffenen Felsen, die bis zum Ufer reichen, quasi dekoriert ist. Rund um den See sind diese Felsen zu finden, auch im See ragen einige Felsen aus dem Wasser. Er kann also nicht tief sein.
Der Parkplatz ist sehr beliebt bei Badewilligen, Pilzesuchern und Blaubeersammlern.
Die Sehenswürdigkeiten im Herzen Finnlands, wie Felsschluchten, das Saunadorf bei Jämsä, einen privaten Hirsch- und Elchpark, eine Dampferfahrt, Schleusen und einiges mehr ließen wir dann doch unbesucht, da das Wetter einfach nicht mitspielt. Seit Tagen schauert es ständig, die Temperaturen liegen bei 16-17 Grad, und die Vorhersage für die nächsten Tage sieht auch nicht besser aus. Der Sommer in diesem Jahr macht wirklich keinen Spaß.
Unbedingt ansehen wollten wir uns aber das Siikaneva-Moor, ein großes zusammenhängendes Sumpfgebiet mit naturbelassenen Waldinseln dazwischen. Es liegt gut 20 Kilometer südlich von Ruovesi. Es gibt zwei Parkplätze am Rande dieses Gebietes, wir nahmen den östlichen, da ist die unbefestigte Strecke nicht so lang.
Auf zwei Wanderwegen, 2,5 und 10 Kilometer lang, kann man diese einzigartige Natur genießen. Durch den Sumpf geht es über Bretterstege, im Wald auf Pfaden voran. In diesen alten Waldstücken ist sogar der seltene Lederrücken, eine Art Bockkäfer, noch zu finden. Er braucht sehr zersetzte Baumstämme, die er in den heutigen bewirtschafteten Wäldern nicht mehr findet.
Sogar den rundblättrigen Sonnentau haben wir entdeckt. Es sollen sogar Fischadler in den Baumkronen nisten, und verschiedene Spechtarten sollen hier leben, aber wir mussten feststellen, dass es mit der Fauna in Skandinavien im Sommer nicht gut aussieht. Wir konnten kein Wild sichten, auch die Vögel machen sich sehr rar.
Die Blaubeeren haben ihre beste Zeit fast hinter sich, aber das Sammeln lohnt sich immer noch. Pilze gibt es sehr viele, auch verschiedene Arten. Ein richtiger Pilzsammler würde wahrscheinlich ganze Körbe voll zusammenbekommen. Wir halten uns ja nur an die Röhrenpilze. Zu unserem Leidwesen herrschen hier Gallenröhrlinge vor. Die sehen wie Steinpilze aus, schmecken aber widerlich. Ein paar Hexenpilze, Butterpilze und Pfifferlinge konnten wir für das Abendessen sammeln.
Ganz in der Nähe der letzten Abbiegung zum Parkplatz ist ein großer Findling zu finden, der Ollin-Stein. Solche großen Felsbrocken, vom Gletscher der Eiszeit an dieser Stelle liegen gelassen, regten die Einheimischen zu Geschichten und Volksglauben an. Es gab auch eine Zeit, an der die Hauptstraße der Region, an dem Findling vorbei führte.
Jetzt haben wir nicht nur schöne oder interessante Einzelziele angefahren, sondern sind im „Herzen Finnlands“ gelandet. Eigentlich wollten wir uns in Ruovesi nur die Runeberg-Quelle ansehen, die Marina und den Strand. Unser Weg führte uns beim Stadtrundgang auch in die Touristinfo, die sich in einem alten Haus aus dem 18. Jahrhundert befindet. Zu der Zeit wurde das Gebäude als Getreidespeicher genutzt, bis seit 1950 die Ernten nicht mehr so üppig ausfielen.
Aber zuerst die Runeberg-Quelle, auf deren nebenan gelegenen Parkplatz wir auch die Nacht verbrachten, inmitten von Wald. Sie soll Ende der 1820er-Jahre entstanden sein, als das Gebiet geologischen Veränderungen unterlag. Der Pegel der Seen fiel und so trat diese Quelle zutage. Vorher befand sich weiter oberhalb eine berühmte Heilquelle, die daraufhin versiegte.
Der Nationaldichter Johan Ludvig Runeberg, der im 19. Jahrhundert lebte, widmete eines seiner Gedichte wohl dieser Quelle. In Ruovesi gibt es außerdem einen Gedichtepfad zu Ehren Runebergs, und einen Runeberg-Park. Nach dem Tod Runebergs benannten die Einheimischen diese malerische Quelle nach ihm. In den 1920er-Jahren staute man die Quelle an und baute eine Holzbegrenzung drumherum. Seither ist die Quelle eine beliebte Attraktion.
Von der Quelle führt eine Holztreppe durch einen kleinen Urwald nach oben auf einen Weg, der zur Marina von Ruovesi führt. Am Wegrand wachsen wilde Himbeeren, sehr lecker.
Am Pier der Marina liegt ein Restaurantschiff, aber die Attraktion ist das alte Dampfschiff „Tarjanne“ aus dem Jahre 1908. Es hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich. Sogar die Russen hatten im II. Weltkrieg die Hand drauf und setzten es zur Bekämpfung Nazideutschlands ein. Heute fährt es im Sommer täglich die Route Tampere – Virrat. Eine Fahrt kostet ab 80,-€ aufwärts. Per Bus kommt man dann wieder zurück zum Ausgangshafen.
Um 14.45 Uhr legt es in Ruovesi an, was an sich schon ein Schauspiel ist. Wir haben auf der Fahrt durch Finnland schon oft gesehen, dass Frauen Busse, schwere Baumaschinen und andere Fahrzeuge fahren. Auf der „Tarjanne“ sind Frauen Bootsmänner und kümmern sich unter anderen um die An- und Ablegemanöver. An Land werden die gerade herumstehenden Fahrgäste oder Schaulustigen angehalten, die Taue um die Poller zu legen und sie auch wieder abzunehmen. Sogar die Fender sind aus Holzstämmen, nicht aus Gummi.
Das Schiff ist direkt schnuckelig und wie in alten Zeiten sitzen die Fahrgäste auf den seitlichen Decks des Schiffes oder im Heckbereich, alles überdacht. Aus dem Schornstein kommt heute jedoch saubere Luft heraus. Beim Ablegen wird die Dampfpfeife in Betrieb benommen und der Kapitän steuert das Schiff wie in alten Zeiten mit dem Maschinentelegrafen, sichtbar für alle, denn die Brücke ist nur überdacht. Der Kapitän steht also im Freien.
Hält man sich vom Pier aus rechts und folgt dem Weg, gelangt man zum Badestrand von Ruovesi, der sogar einen stattlichen Sprungturm zu bieten hat.
Beim Spaziergang durch die Stadt kommt man an manchen alten Gebäuden vorbei, die aus dem 18.-19. Jahrhundert stammen. Die Innenstadt, die eigentlich nur aus den Gebäuden an der Hautstraße entlang besteht, stammen aus den 1970er-Jahren, auch das nicht mehr sehr ansehnliche Hotel Liera.
Das größte und schönste Gebäude von Rouvesi ist die Kirche mit dem separat stehenden Glockenturm. Der war übrigens früher da als die Kirche, 1722. Etwa 20 Jahre später wurde die Kirche fertiggestellt. Der Innenraum ist schlicht und hell. Das Kirchengestühl, die Kanzel und andere Teile der Einrichtung sind in einem relativ hellen Blau gehalten. Die Inneneinrichtung stammt aus verschiedenen Zeiten, bildet aber trotzdem eine Einheit. Auch in dieser Kirche gibt es zwei Orgeln, die Hauptorgel auf der Empore und eine kleine Orgel neben dem Altarraum. Die besitzt seitlich sogar Pfeifen aus Kupfer, was wir so noch nie gesehen haben. Der Friedhof ist sehr groß und sehr gepflegt.
Unter einem Holzdach am Rande des Friedhofes steht ein altes Boot, welches wir schon als Teerboote im Freilichtmuseum Turkansaari gesehen haben. Nur dieses hier ist ein Kirchenboot, das 60 Personen transportierte, zu kirchlichen Feiertagen bis zu 100 Personen. Es ist 20,3 Meter lang und besitzt 15 Ruderreihen. Es kam im Juli 1923 an diese Stelle.
Sehenswert ist auch das kulturhistorische Museum Ruovesis. Der Eintritt ist kostenlos. Kulturhistorisch gibt es nur einen Trampelpfad auf den kleinen Hügel hinauf, auf dem verschiedene Holzgebäude aus dem 17.-19. Jahrhundert wieder aufgebaut sind. Das älteste Gebäude, ein kleiner Speicher stammt sogar aus dem 16. Jahrhundert. Unglaublich, alles wurde aus Holz gebaut und es existiert noch heute.
In der Anmeldung bekommt man einen Übersichtsplan, auf dem die Gebäude mit deren Nutzung aufgeführt sind. Es gibt Wohnhäuser, Speicher, Viehställe, ein kombiniertes Frauenwohn- und Speichergebäude, sowie eine Mühle und die Rauchsauna. Vieles Interessante wurde an Einrichtung, Arbeitsgerät und täglichen Gebrauchsdingen zusammengetragen, fast alles in Handarbeit aus Holz hergestellt. Im Schlafzimmer eines Wohnhauses ist sogar noch die Wandbemalung erhalten, die einer Tapete gleicht. Alles wurde sehr liebevoll zusammengetragen. Hat man Fragen, so beantwortet die Dame in der Anmeldung diese.