Gerade als wir Sortland passiert hatten, fiel am Wohnmobil der fünfte Gang aus. Na toll und was jetzt? Im vierten Gang zweieinhalb tausend Kilometer nach Hause schleichen und Gefahr laufen, dass das Getriebe ganz kaputt geht, oder zum Wohnmobilhändler in Sortland zurück fahren, den wir schon einmal besucht haben, um uns über sein Angebot zu informieren. Wir entschieden uns für das Zweite, nur ausgerechnet war heute Samstag und es hatte gerade alles zugemacht. Das hieß, wir müssen zwei Nächte auf dem Hof verbringen, der allerdings direkt am Fjord liegt, und auf Montag warten.
Am nächsten Tag, seit gestern Nachmittag scheint die Sonne vom blauen Himmel, besuchten wir Sortland ein zweites Mal. Während die blauen Gebäude der Stadt im grauen Wetter eher die Sache verdunkeln, strahlen sie im Sonnenlicht und machen Sortland besonders. Zudem sind sehr wenige Leute unterwegs, weil die Geschäfte alle geschlossen sind. Man kann sich also in aller Ruhe umsehen und an der Promenade spazieren gehen.
Am Montag morgen, die Werkstätten haben geöffnet, meldeten wir uns in der auf der anderen Fjordseite befindlichen Fiat-Werkstatt. Diese hatten wir gestern noch gefunden und waren der Meinung, dort besser als beim Wohnmobilhändler aufgehoben zu sein. Wir schilderten dem Werkstattmeister unser Problem mit dem 5. Gang und er meinte, es würde eine große Reparatur geben. Aber er meinte auch gleich im Anschluss, wir könnten genauso gut nur im 4. Gang nach Deutschland zurück fahren. Genau dasselbe hatte unser Werkstattmeister zu Hause gesagt, den wir vorher angerufen hatten. Jetzt waren wir beruhigt und traten den Heimweg an.
Am nächsten Morgen gelangten wir mit Hilfe einer weiteren Brücke zur Insel Andøya und hielten gleich dahinter am Rastplatz von Risøyhamn. Hier befindet sich der kleinste Anleger der Hurtigruten-Linie. Der Ort hat nur ein paar Hundert Einwohner. Ca. 70 Meter hinter dem Rastplatz steht der „Königstein“. Mit goldener Schrift sind die Namen dreier norwegischer Könige und deren Besuchsdatum in den Stein gemeißelt.
Ein kurzes Stück weiter steht ein kleines rotes Haus. Hier gibt es Souvenirs zu kaufen und Marmelade, sowie Bonbons aus Moltebeeren. Hinter dem Haus lädt ein kleines Museum ein, sich mit der Geschichte von Risøyhamn, dem Leben und der Fischerei zu beschäftigen.
Kurz hinter dem Dorf trennen sich die Straßen nach Andenes. Die Hauptstraße führt an der Ostküste entlang, aber die touristische Straße führt an der Westküste der Insel Andøya entlang. Zuerst kommt man durch eine flache Landschaft, zwischen der offenen See und einer nicht so hohen Bergkette eingebettet. Es ist eine Moorlandschaft, in der Moltebeeren ihr Zuhause haben. Sie fangen gerade erst an reif zu werden, so dass wir nur sehr wenige probieren können. Dazwischen haben sich die Bauern ein paar Quadratmeter Wiese und Acker dem Moor abgerungen.
Die Bäume werden immer kleiner, die Birken haben seit einer Weile nur noch Zwergwuchs. Immer noch begleiten uns Orchideen, eine Art Knabenkraut, und viele, sehr kleine arktische Pflanzenarten.
Kurz hinter Nøss wird die Landschaft wieder dramatischer. Hohe Felswände aus verwittertem Gneis reichen bis zum Meer hinunter. Der Stein ist in vielen Farben gestreift, mal dünn, mal dick, sehr interessant. Man kann sich gar nicht daran satt sehen.
Am Sandstrand Børra stellten wir unser Wohnmobil auf dem Rastplatz ab, denn wir wollten uns die wohl schönste Toilette der Welt ansehen, die 1,4 Kilometer weiter zu finden ist. Da auf dieser Straße ziemlich viel los ist, werden wir wohl dort keinen Parkplatz finden. Also laufen wir dorthin und genießen die Aussichten an der Küste und die Gneisfelsen. Die Toilette Bukkekjerka ist wirklich sehenswert. Sie wird von einer tollen Betonkonstruktion gehalten und ist ansonsten mit spiegelndem Material verkleidet, bzw. mit einer spiegelnden Glasfront zum Meer.
Im Inneren der Toiletten spiegelt die Rückfront, nach vorne kann man komplett nach draußen sehen, und die Einrichtung ist aus Edelstahl. Man sieht nicht, wo ist innen, wo ist schon außen, unglaublich. Man verliert sich buchstäblich auf dem Klo. Da jeder Benutzer das auch fotografieren will, dauert es entsprechend lange, bis eine Toilette wieder frei wird. Es ist dann schon angebracht, mal darauf aufmerksam zu machen, dass andere auch mal rein müssen.
Da man schon einmal dort ist, kann man auch gleich über einige Trampelpfade zu dem kleinen Leuchtturm spazieren. Wenn man in Richtung Norden blickt, sieht man den „Isar Weltraumbahnhof“. Am 2. November 2023 eröffnete Kronprinz Haakon hier eine Satelliten-Startrampe, von der aus Satelliten in polare und sonnensynchrone Umlaufbahnen gestartet werden.
Seit die erste norwegische Forschungsrakete 1962 in den Weltraum geschossen wurde, ist dieser Stützpunkt ein offenes Weltraum-Forschungszentrum. Hier können sich Kinder, Schüler und ihre Lehrer z.B. über das Phänomen der Nordlichter und die Interaktion zwischen Erde und Sonne informieren.
Am Strand unterhalb des Børra-Rastplatzes liegen viele Gneisbrocken, mit denen man direkt eine Studie betreiben kann. Sie liegen in den verschiedensten Formen und Farben herum. Die meisten haben wunderschöne Streifen und Zeichnungen.
Wir verbrachten die Nacht auf dem Rastplatz, denn er liegt geschützt und ist recht groß. Wie wir so sitzen und auf das Meer schauen, sehen wir eine kleine Insel, die wir bei Google Maps noch nicht gesehen haben. Das nördlichste Ende der Insel Langøya, wo die Orte Nyksund und Stø liegen, konnten wir gut sehen. Bei Vergrößerung von Google Maps tauchte eine kleine Insel namens Anda auf, die die wir ebenfalls sehen konnten. Gleich nördlich der Insel Anda taucht eine winzige Insel auf, die „United Kingdom Of Lambania“ heißt, also Vereinigtes Königreich Lambania. Wow, was hatten wir denn da entdeckt? Dieses Königreich besitzt sogar eine eigene Flagge, ansonsten konnten wir keinerlei Informationen dazu bekommen. Von Stø aus kann man diese Insel sicher in Natura sehen. Das war mal eine Überraschung.
Am Abend klopfte es an unserer Tür und zwei junge deutsche Männer standen davor. Sie meinten, sie hätten eine ungewöhnliche Bitte. Einer von ihnen hat am letzten Zeltplatz seine Gürteltasche mitsamt aller Dokumente und Geld liegen lassen. Sie waren mit dem Fahrrad unterwegs und müssten damit auch wieder die ungefähr dreißig Kilometer zurück fahren. Ob wir nicht mit ihm zurück fahren könnten um nachzusehen, ob die Tasche noch da ist. Eigentlich hatten wir schon Feierabend gemacht und keine Lust mehr zum Fahren, aber man will ja helfen. Also fuhren wir die rund dreißig Kilometer zurück, bis kurz hinter dem Campingplatz, auf dem wir die letzte Nacht verbracht hatten. Zum Glück war die Tasche noch da und der junge Mann heilfroh und unendlich dankbar. Die Straße war abends kaum noch befahren, so dass wir ziemlich schnell wieder zurück waren.
Die nächste Station war der Fischerort Bleik. Von hier aus werden Bootstouren zum Vogelfelsen vor der Küste angeboten. Dort lebt von Juni bis Ende August eine große Kolonie Papageientaucher, sowie Seeadler. Eine eineinhalbstündige Tour kostet 70,-€. Man muss aber vorbuchen oder Zeit mitbringen, denn die Fahrten sind immer ausgebucht. Wir haben mit dem Fernglas die Insel mit dem hohen spitzen Felsen abgesucht, aber es tat sich nichts. Das Boot blieb auch immer an den zwei vorgelagerten flachen Inseln liegen, mit einem kurzen Abstecher zum Felsen. Obwohl der Seegang nicht wirklich stark war, schaukelte das Boot ganz schön. Wer seekrank wird, sollte sich dagegen wappnen.
Ansonsten ist Bleik recht nett. Viele Häuser sind schön zurecht gemacht, manche haben kleine Gärten davor. Man sieht hier mehr Farben also anderswo an den Fassaden. Auf einem der Dächer saß ein Brachvogel und rief immerzu in die Weite hinaus.
Am Ende von Bleik befinden sich ein Campingplatz, ein Stadion und ein Golfplatz, dahinter steigen steile Berghänge auf.
Nun war es an der Zeit sich Gedanken über die Fähre von Andenes nach Gryllefjord zu machen. Wir hatten schon einmal nachgesehen und fanden recht akzeptable Preis dafür. Jetzt aber bekamen wir einen Preis für unser Womo von acht Metern Länge von 225,-€ angezeigt. Außerdem sind die Bewertungen für die Fähre unter aller Kanone. Also entschieden wir uns kurzerhand, auf der Ostseite der Insel Andøya zurück zu fahren und über Sortland in Richtung Narvik zu steuern.
Auf dem Weg nach Andenes kommt man noch am „Spaceship Aurora“ vorbei. Das ist ein Besucherzentrum zur Andøya Weltraumforschung, dem Leben in solch einer Station, die Satellitenraketen und die Forschung über die Nordlichter und die Sonne.
Als wir auf der Ostseite der Insel ankamen, konnten wir zum norwegischen Festland hinüber sehen. Während es hier fast immer tiefliegende Wolken gab, strahlte dort drüben gerade die Sonne vom blauen Himmel. Da wollen wir hin, haben die Nase voll vom grauen, nassen Wetter der Lofoten/Vesterålen, obwohl sie landschaftlich großartig sind.
Ein weiteres Mal bogen wir nach der Überfahrt nach links, auf die kleine Straße ab, die an der Westseite der Insel entlang führt. Wieder Ruhe, Einsamkeit, tolle Aussichten und entspanntes Fahren. Nach mehreren Halts fuhren wir am Eidsfjord entlang und fanden einen Parkplatz zwischen zwei aus den Bergen kommenden Bächen, mit Blick auf den Fjord und das gegenüber liegende Ufer. Im Eidsfjord findet man mehrere Fischzuchtanlagen. Seit dem Mittag kam die Sonne immer mehr zum Vorschein und am Abend schien sie fast immer. Wenn die Sonne einmal scheint, dann steigen die Temperaturen gleich auf gut zwanzig Grad. Wir genossen also die Abendstunden in vollen Zügen.
Zum Abend machten wir uns die Schnecken, die wir an einem Strand auf Hadseløya gesammelt hatten, und richteten sie auf einem Bett aus Blasentang, an Bratkartoffeln an. Hmm, das war lecker. Von dem Blasentang aßen wir nur ein paar Stängel. Auf Grund des hohen Jodgehaltes und mehrere spezieller Inhaltsstoffe sollte man nicht viel von dem Blasentang essen. Zudem besitzt er so viele Ballaststoffe, dass ein paar Stängel ausreichend sind. Dazu gab es Mädesüss-Tee.
Bis spät in den Abend hinein saßen wir draußen, bis die Sonne hinter den Bergen verschwand. Einfach nur genial. Warum kann es nicht wenigstens zu einem Großteil der Reise so schön sein?
Im Norden der Insel Langøya findet sich der Ort Jennestad. Anfang des 20. Jahrhunderts war dies ein großer Handelsort, der mit allem Lebensnotwendigen Geschäfte machte. Dazu trug eine Graphitgrube zum Aufstieg von Jennestad bei. Es gab einen Gemischtwarenladen und eine Werkstatt. Die wichtigsten Gebäude von damals stehen noch und können im Rahmen eines Museumsbesuches von Freitag bis Sonntag besichtigt werden, ebenso eine Galerie. Da wir Donnerstag dort waren, standen wir vor verschlossenen Türen. Hinter dem Haupthaus liegt ein kleiner Skulpturengarten. Leider sind uns die Bilder der Anlage verloren gegangen.
Nur ca. zehn Kilometer weiter kommt man nach Sortland. Diese Stadt ist ein weiterer Anlegehafen der Hurtigruten. Tatsächlich besuchte eines der Schiffe bei unserem Aufenthalt gerade die Stadt. Ansonsten ist die Stadt ziemlich unattraktiv, es ist eher eine Industriestadt. Um doch den Tourismus ein wenig anzukurbeln, kam man im Rahmen eines Kunstprojektes auf die Idee, viele der Gebäude blau anzumalen. Seitdem trägt Sortland den Beinamen „Die blaue Stadt“. Sogar die Gebäude der Küstenwache, in Sortland liegt der Hauptstützpunkt, ist blau. Viele Einkaufszentren ziehen ebenfalls die Besucher an.
Über die Sortland-Brücke kommt man auf die Insel Hinnøya. Dann folgten wir der Stra0e 82 nach Norden und steuerten den Campingplatz „Andøy Friluftssenter“ an, um wieder einmal das Nötigste zu erledigen.
Nach einer ruhigen Nacht fuhren wir zum Fähranleger, den wir bei der Hinfahrt gestern Abend entdeckt hatten. Mit dieser Fähre, die nach Melbu auf der Insel Hadseløya fährt, sparen wir eineinhalb Stunden Autofahrt. Wir wissen nicht genau, was die Überfahrt kostete, aber im Internet ist die Rede um die 15,-€. Der Mann, der die Autos sortierte, scannte das Kennzeichen, alles andere geht automatisch.
Wir kamen auch gleich zur richtigen Zeit an, denn die Fähre hatte gerade angelegt. Sie fährt wohl alle zwei Stunden und braucht ca. 40 Minuten bis auf die andere Seite.
Da wir inzwischen gelernt haben, dass es keine gute Idee ist, der Hauptverkehrsstraße, in dem Fall der 82, zu folgen, entschieden wir uns, die westlichen kleinen Straßen um die Inseln zu nehmen. Dort fahren wir fast alleine als Wohnmobilisten. Die Straße ist zwar eng und man muss oft langsamer fahren, um am Gegenverkehr vorbei zu kommen, aber es ist herrlich. Auf diesem Weg sieht man das wahre, ursprüngliche Inselleben. Da grasen Kühe und Schafe, die Häuser liegen zum Teil traumhaft und es gibt jede Menge traumhafte Aussichten. Die Parkmöglichkeiten sind begrenzt, aber es gibt keine Verbotsschilder und keine Gebühren, alles ist entspannt.
Am westlichen Ende war ein Parkplatz oberhalb eines Strandes. Den sahen wir uns an. Herrlich weißer Sand, die Sonne kam tatsächlich ab und zu heraus, und viele große Steine machen den Strand aus. Dazwischen liegt der Blasentang gerade trocken, da es Ebbe ist. Sogar Napfschnecken und Meeresschnecken fanden wir. Das ist doch unser Abendessen, dachten wir, und wir holten uns ein paar von den beiden Schneckenarten und dem Blasentang.
Dann kamen wir nach Stokmarknes. Am Hurtigruten-Museum fanden wir einen Parkplatz. Von dort aus erkundeten wir die kleine Stadt. Der große verglaste Bau des Hurtigruten-Museums beherbergt das Hurtigruten-Schiff „MS Finnmarken“ aus dem Jahr 1956.
Der norwegische Kapitän Richard With gründete 1893 die „Hurtig Ruten“ als Postschifflinie, zuerst nur zwischen Trondheim und Hammerfest. Im Laufe vieler Jahre baute man die Linie immer weiter aus, so dass sie heute von Bergen bis nach Kirkenes reicht. Das sind mehr als 4500 Kilometer, auf denen die Schiffe 34 Häfen anlaufen. Inzwischen ist die Linie eine beliebte Reiseroute.
Gleich neben dem Hurtigruten-Museum steht ein altes Gebäude „Rødbrygga“, rot angestrichen mit weißen Fenster- und Türrahmen, ganz traditionell. Es stammt aus dem Jahre 1906 und ist ein Pub. Wenn man dort eintritt reist man in der Zeit zurück. Wie in einem richtigen Pub gibt es überall etwas zu sehen. Decken und Wände sind mit alten Dingen, Fanartikeln oder Souvenirs dekoriert. Die Bestellung wird am Tresen abgegeben und später an den Tisch gebracht. Bezahlt wird im Voraus. Bei uns war gerade wieder eine Kaffeepause dran, also bestellten wir Waffeln mit Erdbeeren und Sauercreme. Die Erdbeeren waren zwar Marmelade, aber die Waffeln und auch der Kaffee schmeckten super. Auch vom Preis her kann man sich nicht beschweren, denn die Waffeln kosten nicht mehr als in Deutschland.
Nach dieser tollen Erfahrung schlenderten wir noch etwas am Ufer entlang und durch die Einkaufsstraße zurück zum Parkplatz. Es gibt nicht viel Altes zu sehen, aber der Komplex des Hurtigruten-Museums, des Hurtigruten-Hauses und des Richard With-Hotels überstrahlen das kleine Stokmarknes.
Links neben dem Hurtigruten-Museum steht die Büste des Gründers Richard With. Gerade machte auch das gleichnamige Schiff am Kai fest. Schiff und Gründer an einem Ort zur gleichen Zeit.
Über eine weitere große hoch gebogene Brücke erreichten wir die nächste Insel, Langøya.
Unser nächstes Ziel war die Lofoten-Kathedrale in Vågan bei Kabelvåg. Vågan haben wir doch schon einmal gehört, ja richtig, auf Værøy. Dort hatten wir die älteste Kirche der Lofoten besucht. Diese stand einmal gegenüber der heutigen Kathedrale neben dem Friedhof. Da ist heute nur eine Wiese.
Nachdem es drei oder vier weitere kleine Kirchen in Vågan gab, baute man die Kathedrale von 1895 bis 1898 an der heutigen Stelle. Es ist eine kreuzförmige Holzkirche mit 1200 Sitzplätzen. Sie ist somit die größte Holzkirche in Nordnorwegen. Das älteste Stück, welches man in der Kathedrale besichtigen kann, ist die Bibel von Frederik II. aus dem Jahre 1589. Das Innere der Kirche ist relativ schlicht, aber elegant. Der Besuch kostet 5,-€ Eintritt.
Was die Preise, die wir angeben, angeht, so rechnen wir großzügig 1:10. Das ist für uns am einfachsten und nicht so weit weg vom exakten Preis.
Es war schon ziemlich spät und wir waren auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz. Den fanden wir erst kurz hinter Fiskebøl an einem Strand.
Es gab viele Übernachtungsgäste, die meisten waren aber mit dem PKW da und zelteten am Strand. Wie jeden Tag regnete es ständig. Nur gut, dass wir ein festes Dach über dem Kopf haben. Aber bei 13 Grad mussten wir doch einmal die Heizung in Betrieb nehmen. Das macht nicht wirklich Spaß, das nasskalte Wetter und die Unmengen von Touristen, von denen fast die Hälfte Wohnmobilisten sind.
Nach einem kurzen Stopp in Leknes, wo es für uns eher uninteressant war, fuhren wir weiter Richtung Norden, immer auf der E10. Kurz hinter Borg erhebt sich ein gewaltiges Langhaus der Wikinger auf einem Hügel. Es gehört zum Lofoten-Wikingermuseum. Dort war der Parkplatz so voll, dass wir nur ein Bild vom Langhaus machten und dann weiterfuhren.
Irgendwann kamen wir zum Gimsøystraumen, der die Insel Gimsøya und die Insel Austvågøya voneinander trennt. In diesem Gebiet kann man bei den Gezeiten an verschiedenen Verengungen zwischen den Inseln die Strömungen und Strudel sehen. Wir wollten uns am Gimsøystraumen, über den eine Bogenbrücke spannt, Zeit nehmen, um die Sache zu beobachten. Da es schon spät war, wollten wir auf dem Rastplatz übernachten. Dies war ein weiteres Mal nicht möglich.
Per Brücke setzten wir von Moskenesøya nach Flakstadoya über. In Ramberg gingen wir noch einkaufen, dann wollten wir die nächsten Ziele ansteuern. Zum einen den Ort Sund mit seinem Fischereimuseum und der Kunstschmiede. Leider ist dort kein Parkraum vorhanden, der groß genug wäre, um alle Interessenten aufzunehmen. Aus Erfahrung wissen wir nun, dass wir es auch gar nicht zu versuchen brauchen. Genauso verhält es sich mit dem Museumsdorf Nusfjord und mit verschiedenen Stränden, die wir uns ansehen wollten.
So durchfuhren wir die Insel und stoppten erst wieder in Napp, wo ein Seegras-Laden zu finden ist. Zwei junge Frauen verkaufen dort alles, was man aus Seegras und Algen herstellen kann, wie z.B. getrocknete Algen als Snack und in Gewürzen verarbeitet bis hin zu Kosmetik. Wir kauften dort getrockneten Kelp als Snack und zwei Gewürzmischungen mit Algen. Dort ist zwar nichts günstig, aber man hat etwas, was man nicht an jeder Ecke bekommt.
Kurz hinter Napp beginnt ein 1,8 Kilometer langer Tunnel, der den Verkehr unter dem Fjord hinüber auf die nächste Insel Vestvågøy führt.
Nachts kurz vor 24 Uhr legte die Fähre, mit einer knappen halben Stunde Verspätung, von Værøy in Moskenes an. Es war trotz der Mitternachtssonne recht dunkel, denn es hatte sich eine gewaltige Nebelbank auf die Berge der Lofoten gelegt. Genau um 0.01 Uhr verließen wir die Fähre und merkten sehr schnell, dass es von Wohnmobilen nur so wimmelt. Wir wollten schnellstmöglich einen Übernachtungsplatz finden, was aber nicht möglich war. Der Campingplatz direkt an der Fähre war voll, die nächsten Parkplätze und Parkbuchten ebenso. Eigentlich wollten wir uns die westlichste Stadt der Lofoten, namens Å, ansehen, aber auf keinem der Parkplätze bis dorthin ist das Übernachten erlaubt. Also fuhren wir in Richtung Reine, bis wir ein paar Kilometer dahinter eine noch freie Parkbucht an der Straße fanden. Sofort besetzten wir sie, keinen Meter mehr weiter. Da nachts nicht viel Betrieb auf der Straße ist, war das auch kein Problem.
Reine wollten wir besuchen, weil es da den Hausberg gibt, zu dem man auf 1056 Stufen emporsteigen kann und von dort oben einen tollen Blick über Reine und die Inseln haben soll. Am nächsten Morgen, fuhren wir nach Reine zurück, weil es dort noch Platz auf dem Wohnmobil-Stellplatz geben soll. Das Wetter war fürchterlich, es regnete und die Nebelbank bedeckte die Berge. Hier reichen die Schneereste jetzt Anfang Juli tatsächlich noch bis auf Meereshöhe herunter. Auf den Berg zu klettern kam deshalb nicht in Frage und wir fuhren unverrichteter Dinge weiter, immer auf der E10 entlang. Diese Straße durchquert die Lofoten der Länge nach und führt dann zurück zum norwegischen Festland bei Narvik.
An der Abzweigung nach Fredvang hielten wir kurz und genossen die Aussicht auf die zwei Bogenbrücken, die hinüber nach Fredvang und zum Strand von Ytresand führen. Die Infotafel verhieß uns eine ruhige Ecke und sie hatte Recht. Wir fanden einen Stellplatz, zwar ohne Service, aber für nur 10,-€ und Ruhe. Von hier aus starten einige Wanderwege in die Berge oder am Strand entlang.
Wir folgten dem Weg am Ytresand-Strand entlang. Die Häuser stehen in lockerer Anordnung und der Strand ist lang und sandig. Es kam sogar kurz die Sonne heraus. Da wir schon auf dem Weg waren, wollten wir dem Wanderweg nach Mulstøa folgen, aber bald wurde aus der Straße ein Fahrweg, dann ein Fußpfad und schon stand man wieder vor einer kaum sichtbaren Spur am steinigen Hang entlang.
Im Wassergraben des Straßenrandes fanden wir wunderschöne Blumen, die sich nach Bestimmung mit Hilfe von Google als Gauklerblumen herausstellten. Außerdem fanden wir am Hang Schwarze Krähenbeeren. Die Früchte sind roh und gegart essbar, aber man sollte nicht zu viele davon nehmen. Sie lösen dann Schwindel aus. Die Norweger machen aus den Beeren Wein, die anderen nordischen Einheimischen frieren sie in Milch ein, um sie zu konservieren. Die Beeren schmecken säuerlich und enthalten viel Vitamin C.
Wir drehten um und machten unsere Kaffeepause, und schon regnete es wieder wie in Strömen. Wir möchten keiner der vielen Wanderer in den Bergen sein. Den Norwegern müssen doch schon Schwimmhäute wachsen. Manche sind sogar noch kurzärmelig oder mit kurzen Hosen unterwegs, während wir zwei Jacken anhaben. Man merkt ihnen an, dass der Regen ihr ständiger Begleiter ist.
Nach der Kaffeepause lockerte der Himmel kurz auf, gerade so lange, wie der Spaziergang zum Campingplatz und zurück dauerte. Zum Campingplatz gehört an anderer Strand, zu dem der Weg für Nichtbesucher des Campingplatzes jedoch gesperrt ist.
Gleich nebenan befindet sich der Friedhof mit einer kleinen Kapelle. Kurz davor biegt ein Weg nach links ab, der an einem breiten Zufluss ins Meer endet. Das Wasser ist glasklar und schimmert sicher auch blau bei Sonnenschein.
Die Lerchen spielten mit uns und ließen sich gerne fotografieren. Sie flogen auf und tanzten über unserer Köpfen, oder setzten sich auf die Zaunpfähle. Die Mantelmöwen dagegen, von denen ich sehr gerne auch ein Foto hätte, lachten uns dagegen aus. Keine Chance für eine Ablichtung. Am kleinen Steilufer des Zuflusses brüten Mehlschwalben und sind ständig auf der Suche nach Futter. Es ist wirklich eine friedvolle Ecke der Lofoten.
Eigentlich wollten wir die Fähre von Bodø nach Moskenes nehmen. Unterwegs trafen wir auf Wohnmobilisten, die meinten, dass man mindestens zwei Tage im Voraus dafür buchen muss. Sie würden die Fähre von Bodø auf die Insel Værøy nehmen und von dort aus am nächsten Tag nach Moskenes übersetzen. Das wäre günstiger. Gut das zu wissen. Sofort setzten wir uns daran, nachzuforschen, was da dran ist. Wir fanden sogar heraus, dass seit Juli 2019 alle Fähren in Norwegen, die weniger als einhunderttausend Passagiere im Jahr befördern, kostenlos sind. Dazu gehört auch die Fährverbindung Bodø-Røst-Værøy-Moskenes. Sicher sind wir jedoch nicht gewesen, da bei der Fährgesellschaft immer noch Preise für diese Überfahrt stehen. Die sind zwar nicht so hoch wie auf der direkten Verbindung, aber es wäre nicht kostenlos. Für irgendetwas mussten wir uns nun entscheiden. Wir hatten noch drei Tage zu fahren. Da die Tickets für die Inselfähren für mindestens eine Woche ausgebucht waren, sollten wir einfach zum Anleger kommen und dort warten, bis wir mitgenommen werden. Das könnte so zwei, drei Fähren später sein. Das hieße, unter Umständen steht man dort einen guten Tag. Egal, wir haben Zeit und keine über 200,-€ zu verschenken.
So kamen wir in Bodø an und standen gleich in der zweiten Reihe. Die nächste Fähre würde in gut fünf Stunden fahren. Am Straßenrand standen Schilder, mit dessen QR-Code man sich für die Überfahrt nach Værøy registrieren kann. Das ist in Norwegen für Fährüberfahrten mit mehr als zwanzig Seemeilen vorgeschrieben, und es ging auch sehr einfach. Überflüssig, sich ständig Tage vorher das Hirn zu zermartern, wie man am Besten zu irgend etwas kommt. Das einfachste ist es, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen. Das war bisher immer so.
Während wir warteten, legte ein Schiff der Hurtigruten an. Das ist schon ein Schauspiel, wie elegant das große Schiff am Kai anlegt und festgemacht wird. Währenddessen öffnen sich automatisch die Luken für die Passagiere und die Fracht an der Anlegeseite. Nach einer guten Stunde legte es wieder ab.
Inzwischen kamen drei Fähren, die nach Moskenes auf den Lofoten ablegten. Da gibt es wohl sieben oder acht Verbindungen am Tag, während es nach Værøy nur zwei gibt, früh morgens und spät am Nachmittag.
Dann war es soweit, unsere Fähre kam, wurde entladen und wir konnten im ersten Schwung mitfahren. Wir nahmen aus dem Wohnmobil was wir brauchten und suchten uns einen Platz auf dem geräumigen Passagierdeck. Die Überfahrt dauert über fünf Stunden, die man in gemütlichen Sesseln verbringen kann. Achtern gibt es ein großes Freideck.
Nach dreieinhalb Stunden legte die Fähre auf der kleinen Insel Røst an. Um sie herum liegen jede Menge kleine und größere Felsinseln, allesamt sehr flach. Vom Freideck aus beobachteten wir die Ankunft und die Abfahrt, wunderschön. Aber, was macht man, wenn man hier lebt. Es gibt nichts, außer vielleicht den Fischfang. Man kann nirgendwo hin. Eventuell reicht die Menge der Inseln, um jeden Tag eine zu besuchen, auch wenn es dort nichts gibt.
Dann legte die Fähre in Richtung Værøy ab und nach eineinhalb Stunden etwa kamen wir dort an. Hier empfing uns das vertraute norwegische Bild der hohen Berge.
Im Vorfeld erfuhren wir, dass die 750 Einwohner der Insel ganz und gar nicht von den immer mehr werdenden Wohnmobilen begeistert sind, die ihre Insel überfluten. Das drücken sie auch darin aus, dass sämtliche Parkmöglichkeiten für Wohnmobile gesperrt sind. Die einzigen Möglichkeiten der Übernachtung sind ein Campingplatz in der Nähe des Fähranlegers und ein Stellplatz am ehemaligen Flugfeld. Dieses war nur vier Jahre von 1986 bis 1990 in Betrieb, bis ein Flugzeug durch zu starke Winde direkt nach dem Start ins Meer stürzte und fünf Menschen umkamen. Seither ist es geschlossen.Eine Gedenktafel mit den fünf Namen am Strand erinnert daran.
Wir fuhren dorthin, um die Nacht dort zu verbringen. Die Fähre landete um 22.45 Uhr und wir kamen erst spät an. Da das Wetter sehr schön war, wollten wir es wissen. Wir wollten die Mitternachtssonne sehen. Auf der anderen Seite des Wassers erheben sich die schroffen Felsen der Insel Mosken und der Lofoten, hinter dem Flugfeld die Berge von Værøy. Eine Traumkulisse, gerade recht zum Beobachten der Mitternachtssonne. Zwischen Sonne und Meer bleibt sogar noch Platz, bevor sie wieder aufgeht. Damals am Nordkap hatten wir das Glück nicht. Die Mitternachtssonne dort blieb hinter den bis auf den Meeresspiegel reichenden Wolken verdeckt. Umso größer war die Freude jetzt.
Den ganzen nächsten Tag regnete es.Am Abend unternahmen wir einen kurzen Spaziergang zur Kirche des Ortsteils Nordland. Wie sich herausstellte, ist dies die älteste Kirche der Lofoten. Sie wurde ungefähr 1740 in Vågan, bei Kabelvåg gelegen, gebaut. Warum auch immer, demontierte man die Kirche 1799 und versetzte sie nach Værøy. Um das Jahr 1900 strich man die Kirche weiß an, bevor sie 1974 wieder ihre originale rote Farbe zurück bekam. Der Altar stammt aus dem Jahre 1750 und es soll mehrere Alabasterstatuen geben, die 1430 aus Nottingham, England, stammen. Leider war die Kirche geschlossen, als wir sie besuchten. Die Kirche bietet zweihundert Personen Platz.
Auf dem Weg zur Kirche konnten wir einen Seeadler beobachten, der auf einem der Küstenfelsen saß. Ein Brachvogel gab seine Anwesenheit auf einem Hausdach kund.
Am nächsten Tag wollten wir etwas wandern, um die Insel noch weiter kennenzulernen. Dafür fuhren wir zum Wanderparkplatz Håen. Wir hatten gehofft, dieser würde etwas höher als auf Meereshöhe liegen, damit der Aufstieg zum auf 438 Meter hoch gelegenen Aussichtspunkt nicht so weit ist. Es führte einmal eine Straße nach oben, aber die ist gesperrt und der Weg durch den Tunnel ist auch für Fußgänger gesperrt. Das heißt, man muss die ersten Serpentinen der Straße über einen sehr steilen und steinigen Pfad bergauf abkürzen. Das kann man dann bei der ersten erreichbaren Serpentine weiter tun oder man folgt der Straße. Beides ist gleich anstrengend. Immer wenn wir dachten, wir wären oben und könnten zum großen Sandstrand Puinn sand und der Geisterstadt Måstad hinunter sehen, war wieder ein höherer Hügel im Weg.
Der Weg vom Parkplatz bis zum Aussichtspunkt ist mit ca. 3km angegeben. Für die braucht man allerdings mehr als zwei Stunden, immer bergauf. Irgendwann streikten wir. Wir genossen die Aussicht, die sich uns bot, zwischen einem Einschnitt im Bergkamm zur Insel Mosken.
Dort irgendwo in dem Einschnitt, auf knapp 400 Metern Höhe, soll auch ein Walskelett liegen und zu bewundern sein. Die Alten wussten noch zu berichten, dass das Skelett vor einhundert Jahren komplett war und zwanzig Meter maß. Mit Hilfe der Radiocarbon-Methode verortet man das Alter des Wals irgendwo zwischen 1571 und 1763. Wie das Skelett da hoch kam, kann niemand sagen. Vielleicht wurden die fettreichen Knochen dort hoch gebracht, um sie zu verbrennen und mit dem Rauch Feinden anzuzeigen, dass dieses Land schon besetzt ist. Keiner weiß es. Absurd ist es allemal.
Am Abend fuhren wir zum Fähranleger, vom dem aus uns die Fähre nach Moskenes auf den Lofoten bringen soll, um 22.15 Uhr. Auf dem Weg dorthin hielten wir noch einmal an einem Aussichtspunkt über der Stadt.
Bald ein Muss, wenn man durch Norwegen tourt, ist der Besuch des Saltstraumen. Vor 22 Jahren hatte uns dieser Gezeitenstrom schon beeindruckt. Er gilt als der größte Gezeitenstrom der Welt. Er ist Vorbild des Malstroms, der in verschiedenen Geschichten auftaucht, wie z.B. bei Odysseus.
Alle sechs Stunden strömen 400 Millionen Kubikmeter Wasser bei Ebbe seewärts, bei Flut landwärts unter der hohen Saltstraumenbrücke hindurch. Da sich das Gewässer unter der Brücke sehr verengt, und das Flussbett dazu noch relativ flach ist, wird das Wasser bei den Gezeitenströmungen mit einer Geschwindigkeit bis zu 20 Knoten (37 km/h) dort durchdrückt. Dabei entstehen gewaltige Strudel, die einen Durchmesser bis zu zehn Metern haben können. Das Schauspiel ist einfach nur gewaltig. Man kann sich das Spektakel hoch oben von der Brücke aus ansehen, oder man steht direkt am Ufer. Am besten sieht es bei Sonnenschein aus, denn dann sind die weißen Strudel in dem blauen Wasser ein schöner Kontrast. Im Hintergrund erhebt sich eine Bergkette mit spitzen Gipfeln, und im Grün der Ufer stehen vereinzelte Hütten. Das Ganze ergibt ein traumhaftes Bild.
Manche Angler ziehen richtig große Fische aus dem Wasser, denn durch die starke Strömung finden die hier viel Nahrung.
Etwas abseits steht das Königsdenkmal auf einem Hügel. Es wurde im Juni 1873 zum Anlass des Besuches des norwegischen Königs Oscar II. errichtet. Seither waren 1926 und 1982 weitere zwei norwegische Könige hier. Die Daten sind in der Säule eingraviert. Von hier oben hat man noch einmal einen schönen Blick über die gesamte Brücke mit der Bergkette im Hintergrund.
Übernachtet haben wir auf dem Saltstraumen-Campingplatz. Mit Strom kostet er 45,-€, aber dafür ist alles vom Feinsten. Die allermeisten Stellplätze besitzen sogar Holzterrassen für komfortables Sitzen.