A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Spaziergang zum Eingang der Levada Nova-Wanderung

Ganz in der Nähe, 1,7 km vom Hotel do Campo entfernt, beginnt die Levada Nova. Natürlich gehen diese 1,7 km immer nach oben. Man kann diese Entfernung direkt auf der moderat ansteigenden, aber viel längeren Straße zurücklegen, oder die Abkürzungen nehmen, die sehr steil sind. Wir haben uns bergauf für die Abkürzungen entschieden. Den Rückweg nahmen wir auf der Straße.

Oben angekommen, waren wir vollkommen fertig. Die herrlichen Aussichten entschädigen für die Anstrengungen. Hier und da stehen kleine Brunnen mit Trinkwasser zur Verfügung, die sehr willkommen sind. Überall blühen Blumen, vom Weihnachtsstern über weiße Schwertlilien bis hin zu Hibiskus und Pfennigbaum (der bei uns auch als Affenbrotbaum bekannt ist). Das viele Grün tut den Augen gut.

Der Eingang zur Levada Nova-Wanderung liegt etwas unterhalb der Hügelspitze. Es ist nur ein schmaler Weg, aber den wollen wir an einem anderen Tag nehmen. Auf dem Weg zurück nach unten, zum Hotel, kam uns ein Bus entgegen. Es war die Linie 7 nach Furna. Das ist gut, so wissen wir wenigstens, welchen Bus wir nehmen müssen. Damit legen wir den Weg bis zum Eingang der Levada Nova zurück und können dann ganz entspannt die Wanderung in Angriff nehmen.

Am Straßenrand wachsen sehr viele Bananenstauden, auch Zuckerrohr haben wir gesehen. Bevor der Zuckerrohr aus Südamerika importiert wurde, war Madeira das Hauptanbaugebiet von Zuckerrohr für Europa. Als der Absatz wegen Südamerika zurück ging, stellte man auf Bananen um. So sind die Bananen seitdem der Hauptexportartikel Madeiras. In Europa werden sie nur nach Portugal exportiert. Die Einfuhr der Madeira-Bananen in den Rest Europas ist verboten, weil sie zu klein sind. Dabei gehören diese Bananen zu den besten weltweit. Paradox.

Am Ende der oberen Abkürzung befindet sich eine kleine Bar. Sie hatte inzwischen geöffnet und wir kehrten ein. Ein Kaffee und ein Eis taten jetzt gut. Das Nationalgetränk auf Madeira ist der Poncha. Den wollten wir bei der Gelegenheit unbedingt probieren. Es ist ein Cocktail aus Zuckerrohrschnaps (am besten 50%ig), Zuckerrohrsaft, Honig und Zitrone. Der Geschmack ist sehr eigen, aber lecker. Den werden wir auf jeden Fall noch ein paarmal trinken. Den Rest des Weges nach unten spazierten wir gemütlich, sahen uns dabei die Häuser und Grundstücke an und genossen die Ausblicke.

Tabua

Heute lenkten wir unsere Schritte gen Westen, über die zweite mögliche Straße vom Hotel aus, nach Tabua. Man läuft gut eine halbe Stunde bis dorthin. Zuerst ist man auf sehr moderaten Steigungen und Gefällen unterwegs, dicht an der Küstenlinie und mit dem Blick zum Meer. Schöne Einfamilienhäuser säumen den Weg, zum Teil sehr neu. Eine Wohnanlage entsteht gerade. Daneben laufen Vorbereitungen für weitere Neubauten.

Auf dem weiteren Weg kommt man an Gärtnereien und Gewächshäusern vorbei. Die Straße biegt ein Stück ins Landesinnere ab. Kurz bevor sie auf der anderen Seite des Tales zurück zur Küste führt, zweigt ein kleiner Weg, der auch als Fahrstraße genutzt wird, ab. Von nun an geht es steil bergab zum Meer hinunter. In der Mitte des Weges sind einige Stufen eingelassen, rechts und links davon hat man Fahrspuren vorgesehen, wieder mit den Querrillen zur besseren Reifenhaftung. In Rumänien dachten wir, dass es dort die besten Auto- und LKW-Fahrer gibt, aber auf Madeira sind die Ansprüche noch viel höher. Hier möchten wir kein Haus haben, das ist viel zu anstrengend.

Unten angekommen, steht man gleich vor zwei Tunneln. Nach Ribeira Brava führt aber auch eine kleine Küstenstraße, die nur in Richtung Ribeira Brava befahrbar ist. Wer in der anderen Richtung unterwegs ist, muss durch den Tunnel. Aber auch die Küstenstraße ist dreimal halb untertunnelt. Der Blick Richtung Meer ist frei. Vor dem ersten Halbtunnel befindet sich eine Tankstelle mit angeschlossenem kleinen Café. Dort kehrten wir ein, um einen Kaffee zu trinken und die Atmosphäre auf uns wirken zu lassen.

Dann spazierten wir weiter nach Ribeira Brava, wo wir uns die kleine Geschäftsstraße R. do Visc. ansahen. Dort gibt es viele Souvenirläden und Bekleidungsgeschäfte. In den Souvenirläden werden überall Waren aus Kork angeboten. Man kann aus diesem Rohstoff von Schuhen über Taschen bis hin zu Bekleidung fast alles herstellen. Ist jedoch nicht ganz billig, sieht dafür sehr gut aus.

Irgendwann biegt die Straße zur Hauptstraße ab und schon ist man am Busbahnhof angekommen. Den hatten wir nun gefunden. Jetzt brauchten wir nur noch den richtigen Bus, der uns zurück zum Hotel bringt. Es herrscht ein heilloses Durcheinander. Es kommen immer wieder Busse an, die in alle möglichen Richtungen fahren, aber alle in einer Richtung stehen. Da wir keine Ahnung von den Zielen haben, die an den Bussen und Fahrplänen stehen, standen wir ganz schön dumm da. Wir hatten Glück und es sollte gleich der richtige Bus eintreffen, eine Linie 7 nach Furna. Da es laut Fahrplänen weitere Ziele Richtung Hotel do Campo gibt, sahen wir zwischen den vielen Bussen nicht durch. In unserer Verzweiflung fragten wir jeden Busfahrer, ob er Richtung Hotel do Campo fährt und bekamen jedes Mal zu hören: es ist der nächste Bus. Ich sah uns schon am Abend immer noch dort stehen. Es war 13.30 Uhr. Zehn Minuten später kam dann die Linie 7 mit dem richtigen Ziel und wir stiegen ein. Im Handumdrehen waren wir zurück am Hotel. Das ist doch wesentlich besser als die ganzen 1,5km bergauf zu laufen. Jetzt wissen wir auch, wo wir vom Hotel aus in Richtung Ribeira Brava einsteigen müssen, theoretisch.

Das Wetter ist ein Sonne-Wolken-Mix bei 23 Grad.

Ankunft auf Madeira

Endlich mal wieder eine Reise in südliche Gefilde. Genauer gesagt, in den ewigen Frühling Madeiras. Dem deutschen Schmuddelwetter in Januar entfliehen, Sonne und Wärme tanken, frisches Grün und bunte Blüten sehen, auf Achse sein.

Sonnenklar.tv, mit denen wir schon in Kenia und Ägypten waren, hatte drei Wochen Madeira für einen unschlagbar günstigen Preis angeboten. Da konnten wir nicht anders als zuschlagen. Per Flugzeug der portugiesischen Fluggesellschaft TAP erreichten wir mit einem Zwischenstopp in Lissabon die kleine Insel Madeira im großen atlantischen Ozean.

Die Anreise war etwas holprig, sowohl im wahrsten Sinne des Wortes als auch mit Verspätungen. Turbulenzen in der Luft ließen uns meinen, wir würden mit einem Auto auf der Landstraße fahren. Die Landungen waren haarig und am Ende kamen wir ohne unsere Koffer auf dem Flughafen in Funchal an. Wir zeigten unseren Verlust, der durch die Verspätung in Lissabon verursacht wurde, am Flughafen an. Die meinten, die Koffer würden mit dem letzten Flugzeug, welches an diesem Tag auf Madeira landet, mitkommen und wir hätten sie am nächsten Tag. Keine Klamotten, keine Hygieneartikel, nichts, nur unser Handgepäck. Klasse.

Der Anflug auf Madeira fand zum Sonnenuntergang statt, bei der Landung war es schon dunkel. Wir wussten inzwischen, dass Madeira aus vielen Bergen besteht, aber was wir nun im Dunkeln sahen, übertraf unsere kühnsten Erwartungen. Die extra beleuchteten Straßen und die Beleuchtungen der Häuser zeigten an, dass es noch viel schlimmer war. Der Fahrer, der uns vom Flughafen zum Hotel brachte hatte alle Hände voll zu tun, seinen kleinen Bus durch die engen und sehr steilen Straßen zu manövrieren. Zuerst fuhr er zwei Hotels in Funchal an, dann brachte er uns über die Autobahn zum Hotel do Campo in Ribeira Brava. Die Stadt im Süden Madeiras liegt ca. 35km vom Flughafen und ca. 20km von Funchal entfernt.

Die Flugverspätungen und die Anzeige wegen der nicht mitgekommenen Koffer hatten soviel Zeit gekostet, dass wir nur eine viertel Stunde vor Abendbrotende im Hotel ankamen. Das war 20.45 Uhr. Schnell noch etwas essen, dann fielen wir müde ins Bett. Wir waren seit 7.30 Uhr unterwegs.

Am nächsten Morgen schauten wir vom Balkon des Hotelzimmerfensters auf das Meer, welches sich allerdings ca. 250m unter uns ausbreitet. Rechts und links liegen Berghänge, die zum Teil terrassiert sind und auf denen ein paar Häuser stehen. Die Sonne scheint, ein paar Wolken zogen vorbei und es ist ruhig. Jetzt kann der dreiwöchige Urlaub beginnen. Temperatur morgens: 17,7 Grad.

Um 9 Uhr fand eine Einweisung durch unsere Reiseleiterin statt. Sie erzählte uns und ein paar anderen Gästen, was für den Aufenthalt wichtig ist: was ist auf Madeira zu sehen und wie kommt man dort hin. Da wir auf Grund der Fahrt hierher und unseren Recherchen betreffs den Straßen und Bergen Madeiras zufolge keine Lust haben, die Insel mit einem Mietwagen zu erkunden, buchten wir gleich drei Ausflüge per Bus zum Sonderpreis. Das ist wesentlich entspannter. Des weiteren steht auch ein 3 Ausflüge-Paket mit Levada-Wanderungen zur Verfügung, aber da müssen wir erst einmal sehen, wann wir die machen können. Levadas sind die alten traditionellen Wasserversorgungsrinnen, die das Wasser aus den Bergen zu den Menschen und in die Gärten bringen. Diese Wanderungen sollen sehr schön sein und man bekommt Gelegenheit, die Landschaft Madeiras zu Fuß zu erkunden.

Nach dem Frühstück spazierten wir zum Stadtzentrum Ribeira Bravas hinunter. Dabei nahmen wir den Weg über die kurvenreiche Straße. Auf halber Höhe sieht man in das Tal hinein, welches aus den Bergen kommt. Ein Fluss fließt dort hindurch, bis er im Meer mündet. Es sind mehrere Tunnel zu sehen und ein schöner Blick auf den Strand und die Promenade eröffnet sich.

Unten angekommen steuerten wir unsere Schritte zuerst zum schwarzen Badestrand. Nur ein kleines Ende besteht aus Sand, allermeistens muss man sich jedoch über ziemlich große runde Steine kämpfen. Zum Liegen oder Sitzen stehen kleine hölzerne Plattformen mit Sonnenschirmen zur Verfügung. Das Wasser hat so um die 17 Grad und eine kräftige Brise wehte.

Nun folgten wir der Promenade bis ins kleine Zentrum mit dem Marktgebäude, kleinen Geschäften und Kneipen/Bars. In der Markthalle fanden wir exotische Früchte wir Mini-Avocados, Papayas und Cherimoyas, die sehr lecker und die nahrhafteste Frucht nach der Mandel sein soll. Wir kauften eine Cherimoya, eine recht große Frucht, für 1,85€ und probierten sie auf unserem Hotelbalkon. Sie schmeckt wie eine Mischung aus Birne und Melone. Die ersten Stücke waren etwas gewöhnungsbedürftig, auch von der Konsistenz her, aber jeder Bissen wurde leckerer. Da holen wir bestimmt noch mehr davon.

Der Rückweg hoch zum Hotel war schon sehr herausfordend. Wir wollten nicht wieder die ganze Straße zurück, sondern bogen irgendwann nach dem ersten Drittel des Weges in eine Abkürzung ein. Ich zählte 345 Stufen, dazu kommen wohl noch einmal so viele gedachte als Steigung. Um eine Haftung der Autoreifen bei der zum Teil extremen Steigung zu garantieren, wurden sehr tiefe grobe Rillen in den Belag gefräst, die zum Laufen kaum geeignet sind. Ich glaube, dann laufen wir das nächste Mal doch wieder die Straße, das ist einfacher. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Strecke für 1,30€ pro Person und Fahrt mit den Bus zurückzulegen. Dafür müssen wir jedoch erst die Haltestellen kennen.

Die Sonne und der inzwischen wolkenlose Himmel sorgten für eine Temperatur weit über 20 Grad. Herrlich.

Den Nachmittag verbrachten wir am Pool auf der Außenterrasse und in der Sauna, deren Nutzung im Hotelpreis inkludiert ist. Während es zu Hause im Moment schon gegen 16.45 Uhr finster ist, wird es hier auf Madeira erst um 18.40 Uhr dunkel. Es steht uns also ein wenig mehr Zeit zur Verfügung, um etwas bei Tageslicht zu erleben.

Das Abendbrot steht als Büfett zur Verfügung und ist reichhaltig sowie abwechslungsreich. Die Getränke zum Abend sind in der gebuchten Halbpension allerdings nicht enthalten.

Kastell Lazar

Als letztes Ziel dieser Fahrt durch Rumänien suchten wir uns die Wehrburg Lazar in Lazarea aus. Wenn man in Siebenbürgen ist, sollte man unbedingt eine der zahlreichen Wehrburgen besuchen, die typisch sind, für diesen Landstrich. Lazarea lag auf unserem Weg, so dass wir nicht anders konnten. Wir fanden sogar einen Parkplatz für das Wohnmobil vor der Burg.

die Wehrburg Lazar

Eine Frau kam uns beim Betreten entgegen und hieß uns willkommen. Wir sprachen sie in Englisch an, aber sie meinte, dass sie kein Englisch versteht, nur Deutsch. Das war eine Überraschung. In Siebenbürgen sollen noch einige deutschstämmige Leute leben, aber Deutsch sprach bisher noch niemand auf unserem Weg. Umso unverständlicher war das für uns, als wir gerade in einem Gebiet unterwegs waren, in welchem fast alles zuerst in Ungarisch und dann in Rumänisch geschrieben ist. In Rumänien leben über 2 Millionen Ungarn. Sie bilden damit die größte Minderheit im Land.
Wir bezahlten den Eintritt von 3,-€ bei ihr und sie lieh uns ein Büchlein, in dem die Geschichte der Burg geschrieben steht. Der Besuch der Burg ist erst seit wenigen Jahren möglich. Vorher wurde soviel rekonstruiert, dass sich ein Besuch lohnt.

Innenansicht des Torgebäudes

Man betritt die Burg durch den ältesten Teil, dem Tor aus dem Jahre 1302. Die Burg selbst ist von einer Mauer umgeben, mit drei Beobachtungstürmen an den Ecken, einem Damenhaus, dem Herrenhaus auf der vierten Ecke und einem kleinen Gefängnisbau. Die Burg wurde gebaut und bis Ende des 18. Jahrhundert hindurch bewohnt, von der reichen ungarischen, weit bekannten und einflussreichen katholischen Familie Szarhegy. Im Laufe der Jahrhunderte baute man die Burg mehrfach um. Dann verfiel sie und nun wird sie rekonstruiert.

Innenhof der Wehrbrg Lazar

Wir besichtigten zuerst das Torgebäude. Hier ist auf zwei Etagen eine kleine Ausstellung untergebracht, über die Lebensweise der Menschen in diesem Gebiet zu früheren Zeiten. Stickereien waren, und sind, traditionell sehr in Mode. Die Öfen sind mit bunt bemalten Kacheln oder Kacheln mit dem Relief eines Reiters verkleidet. Die Fenster sind mit kunstvoll verzierten schmiedeeisernen Gittern versehen und die hölzernen Decken mit Malereien ausgestattet.

Ausstellung im Torgebäude

Im Innenhof steht das Gefängnisgebäude. Die obere Etage diente dem Wachpersonal. Vom Erdgeschoss aus stieß man die Gefangenen hinunter ins Verlies. Das war bestimmt nicht lustig dort unten.

Loch zum Verlies des Gefängnisses

Das Damenhaus in der rechten hinteren Ecke der Burg ist noch eine Ruine. Es wurde mit Feldsteinen und Ziegeln errichtet und man kann stellenweise noch die Verzierungen im Putz erkennen.

Die Gestaltung der Fassade des Damenhauses ist noch zu erahnen.

Das Herrenhaus ist vollständig rekonstruiert und beherbergt auch einen Rittersaal oder Versammlungsraum mit zwei langen Tischreihen. Der Boden ist mit weißen und roten Marmorplatten ausgelegt. Eine Holzbalkendecke bildet den Abschluss.
Durch die hintere Wand gelangt man in einen weiteren Raum, von dem eine Holztreppe nach oben führt. Dort befindet sich ein weiterer langer Raum, in dem eigentlich die Dachkonstruktion die Hauptrolle spielt.

der Rittersaal

Über eine letzte Treppe erreicht man die Beobachtungsplattform, von der der Blick in alle vier Richtungen schweifen kann. Man überblickt die gesamte Burg, das Umland und das naheliegende Franziskanerkloster von Lazarea. Da hat sich die Familie Szarhegy ein schönes Stück Land ausgesucht.
Ich muss noch erwähnen, dass die Beschilderungen der Ausstellungsstücke komplett in ungarisch sind, was uns ein weiteres Mal staunen ließ. Rumänisch? Fehlanzeige.

Nach diesem Besuch setzten wir unsere Fahrt zurück nach Bistritz fort. Bei Google fand ich noch einen Wasserfall in Toplitz, der ebenfalls an unserer Route lag. Den wollte ich mir noch ansehen.
Es stellte sich heraus, dass dieser Wasserfall von Thermalwasser gebildet wurde und wird. Es soll eine Temperatur von 27 Grad Celsius haben, aber als wir die Hand ins Wasser hielten, merkten wir nichts davon.

Thermal-Wasserfall in Toplitz

Das Thermalwasser fließt über Travertingestein. Beides zusammen bewirkt, dass der Wasserfall „wächst“. Das haben wir schon bei Hillesheim in der Eifel gesehen. Die Mineralien im Wasser lagern sich im und auf dem Travertin ab und der Wasserfall nimmt stetig an Volumen zu. Auf einer Informationstafel sieht man, dass es an dieser Stelle 1868 noch eine Wassermühle gab. 1913 war diese abgebaut und seitdem fließt das Wasser frei und tut sein Werk. Unglaublich, in welcher Schnelligkeit der Wasserfall seine heutige Größe erreicht hat. Inzwischen haben sich auch seltene Pflanzen dort angesiedelt.

Von Toplitz nach Reghin (Reen) fährt man immer am Fluss Mieresch entlang, durch eine schöne Landschaft. In Reghin bogen wir nach Bistritz ab, via Teaca. Die Landschaft ist hügelig, übersichtlich, manchmal karg, also abwechslungsreich.

die Mieresch

Vor gut zwei Wochen starteten wir unsere Rundreise durch Rumänien in Bistritz. Nach 8872 Kilometern sind wir nun wieder zurück. Rumänien ist ein erstaunliches Land: Das Leben läuft in aller Ruhe ab, es ist landschaftlich sehr abwechslungsreich und schön, die Menschen sind hilfsbereit und freundlich, die Wirtschaft ist im Aufbruch begriffen. Die Infrastruktur für Wohnmobile lässt noch den ein oder anderen Wunsch offen, aber man kann überall stehen und übernachten. Wir waren neugierig auf das Land Rumänien und waren überrascht von dem, was wir gesehen und erlebt haben. Die Fahrt war oft anstrengend, wegen der vielen Serpentinen in den zahlreichen Bergen, den Auf- und Abfahrten, aber die Landschaften haben uns immer wieder entschädigt.

Leider haben wir nur die Hälfte von dem gesehen, was wir auf der Karte vermerkt hatten. Deshalb wollen wir versuchen, noch eine zweite Rundreise zu unternehmen, z.B. mit dem Besuch des Donaudeltas.

Bicaz-Klamm

Ganz großes Kino, so viel schon mal vorneweg. Westlich von Piatra Neamt (Kreuzburg an der Bistritz) liegt die kleine Stadt Bicaz. Sie ist der Eintritt in eine Welt, die wir in Rumänien nicht mehr erwartet hatten. Wir sind inzwischen durch einige Hügel- und Berglandschaften dieses Landes gefahren und haben dabei vieles gesehen. Hier nun wurde uns die „Bicaz-Klamm“ angekündigt und wir waren gespannt, was uns erwarten würde.

Auf dem Weg in die Bicaz-Klamm

Zuerst fährt man immer an dem Flüsschen Bicaz entlang, manchmal das Wasser über Brücken kreuzend, in Richtung Gheorghieni (Niklasmarkt). Das Tal ist nicht mehr so breit. Der Herbst zeigt sich inzwischen mit Hilfe der Sonne in seinen schönsten Farben. Die Tour macht Spaß.
Hier und da werden Sand und Kies abgebaut. Die deutsche Firma Heidelberg-Zement ist an mehreren Stellen ansässig. Deren Anwesenheit und Arbeiten zerstören die Idylle, die ansonsten in dem Tal herrscht. Hat man das hinter sich gelassen, ist die Welt wieder in Ordnung und man staunt weiter. Langsam geht es auch immer weiter bergauf. Es ist zwar eine Klamm, aber der Pass liegt auf 1256m Höhe.

Kilometer um Kilometer schlängelt sich die Straße entlang der Bicaz, aber eine Klamm konnten wir nicht erkennen. Wo ist sie nur?
Erst hinter Bicaz-Chei wird das Tal noch enger, die Felsen werden höher. Die Straße steigt weiter an, die inzwischen senkrechten Felsen kommen sich immer näher. Die Sonne erreicht kaum noch die Straße. Teilweise wurden die Felsen ausgeschnitten, damit dort Auto´s und sogar LKW, die auf 10m Länge begrenzt sind, fahren können. Grandiose Bilder zeigen sich jetzt. Um jede Kurve wird die Landschaft noch spektakulärer. Es gibt überall kleine Parkplätze, die aber zu klein für unser Wohnmobil waren. Als wir schon nicht mehr daran glaubten, auch einen Parkplatz zu finden, aussteigen zu können und die Felslandschaft hautnah erleben zu können, tauchte doch noch ein Plätzchen auf, wo wir stehen konnten. Die obligatorischen Souvenirstände durften selbst hier nicht fehlen.

Wir waren an so vielen schönen Stellen vorbeigefahren, dass ich ein Stück zurücklaufen wollte, um Fotos davon zu machen. Da stellte ich fest, dass wir in genau der richtigen Richtung die Klamm befahren, nämlich von Ost nach West. Damit fährt man der Sonne entgegen und sie leuchtet die Lücken in den Felsen genau richtig aus. Mit dem bunten Herbstlaub der Bäume wirkt dies noch viel schöner. Fährt man mit der Sonne im Rücken, dann ist die ganze Klamm nur dunkel und es gibt keine schönen Bilder.

Wir konnten uns kaum trennen von dem großartigen Szenario, aber es ist kalt zwischen den Felsen und so setzten wir uns ins Womo und fuhren weiter. Die Felsen entfernten sich langsam wieder voneinander, die Landschaft öffnete sich etwas und schon bald trafen wir am nächsten schönen Ziel ein, dem Lacul Rosa, dem Roten See.

Entgegen unserem Befürchtungen fanden wir einen großen Parkplatz, so dass wir Zeit hatten, uns den Bergsee anzusehen. Das Besondere an ihm sind die Baumstümpfe, die im ganzen See verteilt sind und die noch bis kurz über die Wasseroberfläche reichen. Es rankt sich eine Legende um den Roten See, die man auf einer Tafel nachlesen kann. In Kurzform lautet sie so: Ein wunderschönes Mädchen namens Estera, mit schwarzen Haaren und smaragdgrünen Augen, traf auf dem Jahrmarkt von Gheorghieni einen gutaussehenden, sehr starken Mann und verliebte sich in ihn. Doch sie konnten zusammen nicht kommen, weil der Jüngling in den Krieg ziehen musste. Während Estera auf ihn wartete und so laut klagte, dass sie überall gehört wurde, kam ein Gesetzloser und entführte sie in die Berge. Er bot ihr Gold und Silber, damit sie ihn heiratete, aber Estera wollte weiter auf ihren Jüngling warten. Eines nachts zog ein solch gewaltiger Gewittersturm auf, dass sich der Hang mit dem Lager des Gesetzlosen vom Berg löste und ins Tal stürzte. So kamen beide um und mit ihnen ein Schäfer mit seiner Herde, seinem Hund und einem Esel. Es soll soviel Blut gegeben haben, dass sich das Wasser in dem entstandenen See blutrot färbte. Seither wird der See Roter See oder Killer-See genannt.
Übrigens: die Legende wurde auch in Runen-Schrift verfasst. Wer kann die noch lesen?

Die natürliche Erklärung für den See ist, dass der frühere Bach durch eine bröckelnde Bergflanke im Laufe der Zeit angestaut wurde. Der Lacul Rosa ist der größte natürliche Bergsee Rumäniens. Er liegt auf 983m Höhe und ist 9,7m tief. Der Name Roter See kommt von dem eintragenden kleinen Fluss, dessen Wasser durch eisenhaltiges Gestein fließt. So sehr wir uns jedoch bemühten, wir konnten kein rotes Wasser entdecken.
Wer möchte kann eine Ruderbootfahrt auf dem See machen, um die aus dem Wasser ragenden Baumstümpfe herum. Auf dem rechten Hang wurde eine Aussichtsplattform gebaut, aber um dorthin zu gelangen, muss man über einen Kletterweg und über Baumstämme, die über den Bach gelegt wurden.

Um seinen Appetit zu stillen, bieten Restaurants oder Imbissbuden verschiedenste Essen und Getränke an. Uns interessierte aber das merkwürdige „Brot“, was wir überall in Rumänien gefunden haben. Es hat den ungarischen Namen Kürtöskalacs und wird am Spieß auf einer dicken Rolle über dem Grill hergestellt. Dafür wickelt man einen Teigstreifen, der eher eine Mischung aus Brot- und Pfannkuchenteig ist, um eine Rolle, belegt ihn mit verschiedenen süßen oder herzhaften Zutaten wie z.B. Zucker und Zimt oder Chilipulver, es gibt viele Möglichkeiten, und lässt das Brot über der Holzkohle bräunen. Es ist wirklich lecker und wir ärgerten uns, nicht früher davon probiert zu haben.

ungarische Spezialität in Rumänien – Kürtöskalacs

Wir überlegten, ob wir die Nacht nicht gleich auf dem geräumigen Parkplatz verbringen sollten, aber es war trotz der scheinenden Sonne relativ kalt. So entschieden wir, uns kurz vor Gheorghieni (Niklasmarkt) auf dem Campingplatz Varalja zu übernachten.
Die Straße hinter dem Lacul Rosa stieg noch weiter an, bis auf die besagten 1256m nach Angabe der Karte, danach ging es in großen Serpentinen und manchmal 9%igen Abfahrten wieder aus den Bergen hinunter.
Als wir auf dem Campingplatz ankamen war niemand da. Da der Platz als das ganze Jahr geöffnet angegeben ist, stellten wir uns auf die Wiese vor dem Tor, welche zu unserer Freude durch eine Reihe junger Fichten von der Straße nicht einsehbar ist. Anscheinend waren wir aber noch nicht weit genug den Berg abgestiegen, denn es erwartete uns eine frostige Nacht.

Bistritz-Tal

Von Targu Ocna fuhren wir nun über Bacau ins Bistritz-Tal, in Richtung Piatra Neamt. Es sollte ein gemütlicher Tag werden. Fast die ganze Strecke verläuft über flaches Land, nur kurz vor Bacau muss man noch einmal über ein paar Hügel.
Im Bistritz-Tal ist dann wieder alles flach. Rechts und links erstrecken sich weitere Hügellandschaften. Kurven sind im Bistritz-Tal selten. Es geht meistens kilometerweit geradeaus. Wir hätten nicht gedacht, dass wir dies noch in Rumänien erleben würden.

durch das Bistritztal

Ein Ort reiht sich an den anderen. Die Häuser stehen meistens weiter von der Straße weg, als gewohnt. Langsam wurde die Fahrt etwas langweilig, zumal von der Bistritz nichts zu sehen ist. Man überquert sie nur einmal.
Kurz von Piatra Neamt (Kreuzburg an der Bistritz) stellten wir das Wohnmobil hinter der Pension „Octogon“ ab. Dies ist ein ausgewiesener Wohnmobilstellplatz. Die Zufahrt erfolgt über das Hintertor. Hier steht man ruhig und geschützt auf einer grünen Wiese, mit sanitären Anlagen und Pool. Der Besitzer ist sehr nett und hilfsbereit.

Wir waren zum Glück schon Mittags da. Als er uns eingewiesen hatte, meinte er, er würde jetzt nach Hause fahren und erst morgen Nachmittag wiederkommen, So lange sind wir allein auf dem Grundstück. Okay, aber er ließ uns seine Telefonnummer da, für den Fall, das etwas sein sollte.
Über einen halbstündigen Spaziergang erreicht man hinter dem Grundstück den Fluss Bistritz. Gleich dahinter erhebt sich schon wieder eine Hügellandschaft. Rechts ist die Stadt Piatra Neamt zu sehen, und die Einfahrt in die Bicaz-Klamm, unserem nächsten Ziel.

Die Bistritz kurz vor Piatra Neamt

Targu Ocna

Von Marienburg aus über den nicht so hohen Oituz-Pass (865m) fuhren wir nach Targu Ocna. Hier besuchten wir das Salzbergwerk. Der Eintritt kostet am Wochenende 8,-€. Man muss ein bisschen suchen, wo der Eingang zur Salzmine ist. Irgendwann steht man dann vor einem großen Eingang, aber nix da zu Fuß! Ein Bus bringt die Besucher erst ca. 500m weit in die Mine, dann im Rampenprinzip von Parkhäusern 6 Etagen tief in den Berg. Die Fahrt dauert gute 7 Minuten. Am Ende ist man 3080m weit gefahren und 240m tief.

Nun steigt man aus dem Bus und durch eine hölzerne Tür in die Stollen von gewaltiger Größe. Gleich zu Beginn des Rundganges besucht man die weltweit einzige Salzkirche. Diese hat man in einem Hohlraum der Mine untergebracht, mit Altar, mit Kuppel, mit Chören und Gestühl, mit allem, was dazugehört.

weltweit einzige Salzkirche

Dann geht man weiter in das Stollensystem. Platz ist hier kein Problem, alles ist riesengroß. Eigentlich ist es ein riesiger Hohlraum, der von nicht abgebauten Salzsäulen gestützt wird, mehrere Tunnel breit und mehrere Tunnel lang. Am Ende stehen ein LKW-Kipper, eine kleine Lorenbahn und ein Bohrgerät, um eine Vorstellung von dem zu bekommen, was hier vor einiger Zeit ablief. Danach bohrte man viele Löcher in die Stirnwand des Stollens, ca. 2m tief, füllte sie mit Dynamit, sprengte das Salz ab und verlud es auf einen Kipper, der das Salz nach oben brachte.

Bohrmaschine

Im 19. Jahrhundert gab es aber noch keine Loren und Kipper. In der Decke der Stollen sind große Löcher zu sehen. Die Männer bauten unten das Salz ab, verluden es, in wahrscheinlich wieder büffellederne Säcke, und ließen es über ein Rollensystem an der Oberfläche von Pferden nach oben ziehen.So zeigt es jedenfalls eine der Darstellungen in der Fotoausstellung. Um 1908 transportierte eine kleine Bahn das Salz ab. Der Salzabbau lief wohl bis 1968.
Jetzt werden die Räume, in die übrigens die ganze Stadt Targu Ocna passen soll, touristisch genutzt. Nicht so professionell wie in Turda, aber Schaukeln, Tischtennis, eine Kartbahn und sogar ein Volleyballnetz sind zu finden. In einem der Räume ist offensichtlich auch ein Varieté untergebracht
Die schiere Größe der Salzmine von Targu Ocna ist schon beeindruckend. Auch hier findet man wieder die verschlungenen Salzlagen in weiß und schwarz.

Auf dem Gelände der Salzmine befindet sich ein mit Salzwasser gespeistes Freibad. Leider hatte es am 01.09. geschlossen und öffnet erst wieder im nächsten Frühjahr.

Auf dem Parkplatz unterhalb des Freibades parkten wir und übernachteten auch gleich dort.
Zum Abend spazierten wir in die Stadt und aßen bei La Michele eine leckere Pizza. Dazu hatten wir ein Guiness bestellt. Beides war sehr lecker.

Was uns hier aufgefallen ist, wie schon in der Gegend um Brasov: es gibt keine Straßenhunde. Hundefänger sorgen dafür, dass keine herrenlose Hunde zu finden sind.

Maierus (Marienburg)

Unser nächstes Ziel sollte der historische Stadtteil Schei von Brasov (Kronburg) sein. Leider war für das Wohnmobil kein Parkplatz zu finden und so fuhren wir kurzerhand nach Marienburg weiter. Marienburg liegt zwischen Kronburg und Sighisoara (Schässburg).
Während sich überall sonst die Touristen über die Füße laufen, schieben die Kassiererin und der Wachmann der Marienburg eine äußerst ruhige Kugel. Wir waren kurz nach 13 Uhr da und waren für den Rest des Tages die einzigen Besucher. Wie sich herausstellte, ist das wirklich schade. Außerdem haben sich die Verantwortlichen sehr viel Mühe bei der Gestaltung der Tickets und der Beschreibung der Burg gegeben. Die sind echt nett.

Marienburg

Der Ort, auf dem die Burg steht, ist schon seit Urzeiten besiedelt. Archäologische Funde von der Steinzeit bis zum Mittelalter bezeugen das. Anfang des 2. Jahrtausends gab es dann eine Erdburg, die wahrscheinlich von Palisaden umgeben war. Im Mittelalter war Marienburg ein sehr bedeutender Ort. Wahrscheinlich im 16. oder 17. Jahrhundert befestigte man die Burg, aber sie verfiel auch schnell wieder. Anscheinend ist über die Geschichte der Burg nicht viel bekannt. Jedenfalls war die Burg zu unserer Zeit nur noch eine Ruine. Von 2013 bis 2017 restaurierte man die Burg weitestgehend in ihrer Form aus dem 17. Jahrhundert, nach alten Aufzeichnungen.

Innenhof der Marienburg

Wir finden, dass dies gut gelungen ist. In den beiden Türmen hat man Ausstellungen untergebracht. Im westlichen Turm sind die archäologischen Funde ausgestellt, im östlichen Turm ist die jüngere Geschichte des Ortes Marienburg dargestellt. Im obersten Geschoss des westlichen Turmes wird auf die Teutonischen Ritter, die wir bisher als Ordensritter kannten, eingegangen. Im 13. Jahrhundert hatten sie die Herrschaft über die Marienburg übernommen. Ihnen zu Ehren wird heutzutage jedes Jahr ein Festival veranstaltet.

den Ordensrittern ist auch ein Kapitel gewidmet

Von den Burgmauern aus kann man rundum über die Ebene sehen, bis hin zum Gebirgszug der Karpaten.

Übernachtet haben wir aus Ermangelung von Alternativen gleich auf dem ruhigen Parkplatz vor der Burg, unter dem „Schutz“ eines Nachtwächters.

Bran – Die Törzburg

Wer nach Rumänien fährt hat auf jeden Fall ein Ziel: Schloss Bran, das Dracula-Schloss. Bram Stoker, der irische Autor des Romans „Dracula“ hatte zwei Vorbilder: dieses Schloss, jedenfalls sind sich darin die meisten Leute einig, und Vlad Tepes, der Pfähler. Seine Person ist allerdings von zwei Seiten zu sehen. Er war im 15. Jahrhundert in Transsilvanien aufgewachsen und wurde später zum Fürsten der Walachei. In dieser Funktion kam ihm zu, sein Land gegen die Feinde zu verteidigen, die schon immer versuchten, das rumänische Territorium zu vereinnahmen, wie die Römer, die Osmanen usw. Mit seinen gefangengenommenen Feinden ging er nicht eben sanft um. Am liebsten pfählte Vlad sie. Dies brachte ihm den Beinamen“Tepes“, den Pfähler ein. Den zweiten Beinamen, Dracula erhielt Vlad Tepes von seinem Vater, der wegen der Verteidigung seines Landes im Besitz des Drachenordens war.

Bildnis von Vlad Tepes

Ein weiteres Detail für „Dracula“ war der fast grenzenlose Aberglaube der Einwohner Transsilvaniens. Der Umgang mit ihren Toten brachte sie dazu, zu glauben, dass wenn jemand nicht verweste, er irgendwie zu Blut kommen müsste, er untot sei. Das beste Mittel dagegen, war dem „Untoten“ einen Pflock ins Herz zu stoßen. Knoblauch und das heilige Kreuz konnten dann auch nicht falsch sein. Dieser Aberglaube hielt sich in den Tiefen Transsilvaniens bis in die Neuzeit.

Der Eintritt ins Schloss Bran oder auch die „Törzburg“ kostet 9,-€. Bevor man zur Kasse kommt, muss man sich allerdings erst durch die Souvenirstände kämpfen. Das Schloss liegt auf einer Felsspitze, deren Fuß von einem Garten umgeben ist.

Schloss Bran (Törzburg)

Gebaut wurde Mitte des 14. Jahrhunderts zuerst eine Burg zur Verteidigung Siebenbürgens gegen die Osmanen. Anfang des 15. Jahrhunderts gelangte die Burg in den Besitz des Fürsten der angrenzenden Walachei, der die Verteidigung gegen die Osmanen fortsetzte. 1459 übernahm dann Vlad Tepes die Burg. Es folgten weitere Eigentümer, die Bedrohungen schwanden und die Burg verlor an Bedeutung.
Inzwischen hatte sich die Grenze zwischen Siebenbürgen und der Walachei etwas nach Süden verschoben, nach dort, wo sie heute noch ist.
Am 1. Dezember 1920 verschenkten die damaligen Eigentümer die Burg an die neuen Landesherren Großrumäniens. Königin Maria ließ die Burg zum Schloss umgestalten, den Garten neu anlegen, die Nebengebäude neu herrichten und machte Schloss Bran zum königlichen Wohnsitz, der er heute wieder ist. Zu sozialistischen Zeiten gehörte das Schloss dem Staat.
Am 1. Juni 2009 wurde das Schloss den Kindern von Königin Maria zurückgegeben und den Besuchern geöffnet. Man kann es fast so bestaunen, wie es die königliche Familie bewohnt hat. Im Erdgeschoss befinden sich die Wachstube, die Küche, das Esszimmer und der Brunnen. Das erste Geschoss gehörte Königin Maria, das zweite Geschoss König Ferdinand I.. Beide Etagen sind durch eine sehr schmale Geheimtreppe, die man ebenfalls besichtigen und hinaufsteigen kann, verbunden. Das dritte Geschoss diente der Bibliothek, dem Musikzimmer und anderen Gemeinschaftszimmern. Die vierte Etage war wahrscheinlich den Kindern des Königspaares vorbehalten.

Um dem Mythos von Dracula dann doch noch gerecht zu werden, hat man Bram Stoker ein Zimmer gewidmet. Nebenan spuken Geister durch die Mauern oder werden Ausschnitte aus Dracula, dem Wehrwolf und anderen Schauergeschichten gezeigt. Dazu ist es fast stockdunkel.

Das meiste des Schlosses ist den Besuchern zugänglich. Für zusätzliches Eintrittsgeld kann man die Folterkammer besichtigen. Hier wurden 50 Folterinstrumente verschiedenster Art aus 40 Ländern zusammengetragen.
Für ein weiteres Eintrittsgeld besucht man einen Tunnel 31 Meter unter dem Schloss. Hier befinden sich z.B. die Zisterne und „ruht“ Dracula.

Das Teehaus und der Garten mit dem großen Teich laden vor der Kulisse des Schlosses Bran zum Verweilen ein.

Freilichtmuseum Trovanten

Was zur Hölle … sind Trovanten? Das Wort haben wir noch nie gehört. Kurz hinter Horezu, rechts von der Straße, direkt in einer Kurve, liegen diese seltsamen Gebilde. Es ist ein 2004 unter Schutz gestellter Bereich.
TROVANT ist ein rumänisches Wort für diese Art von geologischen Vorkommen. Vor 6,5 Millionen Jahren bildete sich in diesem Gebiet Sediment. In einer dieser Schichten verdichteten sich einige Sandklumpen und zementierten auf natürliche Weise, mit Hilfe von Wasser und Mineralien, bevor sich weitere Sedimentschichten darüberlegten. Manche von diesen „Lebenden Steinen“, wie sie von den Einheimischen genannt werden, sind sehr hart. Es gibt mehrere solcher Vorkommen in Rumänien, aber diese hier bei Horezu sind wegen ihrer Diversität in Form und Größe, bis zu 5m, die Schönsten.

Die Einheimischen nennen sie, wie gesagt, „Lebende Steine“. Sie berichten davon, dass die Trovanten vor allem nach Regen ihre Lage gewechselt haben oder sogar gewachsen sind. Sie sollen quasi ein Eigenleben haben. Bei manchen Steinen meint man, dass sie ihre Enden abgesprengt haben, sie liegen jetzt daneben. Es ist wirklich ein seltsamer Ort.

Da wir nun nach Bran wollten, hieß das, wieder zurück über einen Karpatenpass. Wir fuhren über Curtea de Arges und Cimbulung weiter auf ca. 1290m Passhöhe. Wieder zeigte kein Schild an, wo sich die höchste Stelle befindet. Die Landschaft ist wieder traumhaft. Auf den höchsten Gipfeln liegt immer noch eine dünne Schneedecke, ab 2000m.

Kurz vor Dragoslavele, an der E574, trafen wir auf einen gewaltigen Sandsteinbau. Wir hielten an, um uns das anzusehen. Wie sich herausstellte, ist es ein Mausoleum für die im 1. Weltkrieg gefallenen Soldaten, die gegen die österreichisch-ungarischen auf der einen und der russischen Besatzer auf der anderen Seite, gefallen sind.

Es gibt zwei Etagen in dem Bau. Im unteren Bereich sind die Soldaten alle namentlich aufgeführt. Beide Räume sind über und über mit Mosaiken, gestaltet. Das Glas der Mosaiksteine stammt aus Murano, erzählte uns der Mann am Einlass, also sehr teuer.Von der Plattform vor dem Mausoleum aus schweift der Blick weit hinaus in die Hügellandschaft. Leider zerstört eine Zementfabrik den Zauber.
Erst später fügte man die riesengroße Außentreppe hinzu, um den Bau noch imposanter zu machen.

Wir wollten noch vor Bran einen Campingplatz finden, aber Park- und Campingplätze sind selten. Wenn dann einer ist, dann ist die Zufahrt viel zu steil oder die Kritiken sind zu schlecht. Also fuhren wir einen privaten Platz an, an der Ortseinfahrt nach Bran gelegen. Gegen eine Spende nimmt der Eigentümer gerne Camper auf. Seine Frau hat die alte Mühle geerbt. Er hat sie um- und ausgebaut und plant nun, einen offiziellen Campingplatz einzurichten. Jedenfalls wurden wir sehr nett aufgenommen und wir suchten uns ein Plätzchen auf einer großen Wiese.

Beitragsnavigation

%d Bloggern gefällt das: