A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Brenner

Es geht hoch her auf dem Brenner, dem Highway über die Alpen. Für diese verkehrsreiche Verbindung über Kufstein-Innsbruck-Brenner hatten wir uns nach einiger Recherche entschieden, weil sie die moderatesten Anstiege aufweist. Die Inntal-Autobahn ist sehr gut zu befahren, weil flach und landschaftlich sehr reizvoll. Ist man an Innsbruck vorbei, folgt das steilste Stück der Brenner-Autobahn, welches sich noch dazu lang hinzieht. Das hieß für unser Womo, den Berg mit 30km/h hoch zu kriechen. Alle LKWs zogen problemlos an uns vorbei. Auf dem ersten Rasthof mussten wir unserem Womo erst einmal eine lange Pause gönnen, weil der Motor zu heiß geworden war und einen großen Teil des Kühlwassers herausgedrückt hatte.

Brenner-Autobahn

Diese Pause nutzte ich, um mich in der Umgebung umzusehen. Auf dem Weg zur Kapelle, auf dem angrenzenden Berg, kommt man an einem Stück alter römischer Straße vorbei. Dieses kleine Stück hatte man auf der Brennerpass-Höhe ausgegraben und hier neu verlegt. Also nutzten schon die Römer diesen Alpen-Übergang.
Von der Kapelle aus kann man die Europabrücke sehen, über die man kurz vor dem Rastplatz fährt. Außerdem hat man einen schönen Blick auf die umliegenden Berge. Gerade jetzt im Herbst ist dies ein toller Anblick.

Europabrücke

Nachdem Klaus endlich neues Kühlwasser aufgefüllt hatte, starteten wir zur zweiten Etappe der Brenner-Autobahn, bis zum nächsten Rastplatz Matrei. Dort geht es etwas ruhiger zu und er ist nicht so schräg, eine gute Stelle zum Übernachten. Als es dunkel geworden war, ließ auch langsam der endlose Verkehr auf der Autobahn nach.
Am nächsten Morgen sahen wir dem zweiten Anstieg mit gemischten Gefühlen entgegen. Bis dahin gibt es keine bis wenige Anstiege. Die letzten Kilometer bis Brenner geht es dann stetig, aber nicht mehr gar so steil bergan, so dass wir keine größeren Probleme hatten. Es war also wohl die richtige Entscheidung, die Brenner-Autobahn für die Alpenüberquerung zu nutzen.

Da unser Womo über 3,5t wiegt, mussten wir uns auch noch eine GoBox für Österreich beschaffen. Alle Informationen dafür findet man auf der Asfinag-Seite oder bei go-maut im Internet. Bei vier Raststätten zwischen München und Kiefersfelden werden die GoBoxen verkauft. Die entsprechenden Stellen werden aber auch vor den jeweiligen Raststätten angezeigt. Die GoBox selbst kostet 5,-€ Pfand und muss mit mindestens 75,-€ aufgeladen werden. Das reicht, um von Kiefersfelden bis nach Brenner zu kommen. Abgeben wollten wir die GoBox an der Raststätte Brennersee. Dafür müsste man kurz vorher die Autobahn verlassen und auf den Parkplatz des Outlet-Centers kurz hinter der Grenze fahren. Von dort aus kann man zu Fuß die Raststätte Brennersee erreichen. Wir verpassten jedoch die Abfahrt und müssen nun sehen, dass wir die GoBox von Italien aus mit der Post zurück schicken können. Den Restbetrag bekommt man bei Rückgabe zurück.

Ab der italienischen Grenze geht es fast nur noch abwärts, durch das wunderschöne Eisack-Tal mit vielen Festungen, über Brixen und Bozen nach Trento. Beeindruckend sind die Bergwelten rechts und links der Autobahn, die das Tal mal weiter, mal enger werden lassen. Wein- und Apfelanbau geben im Tal den Ton an. Almwiesen ziehen sich weit die Berghänge hinauf, auch viele Häuser.

Eisack-Tal

Die Maut kann nun bar bezahlt werden. Wir bezahlten 14,-€ für die ganze Strecke. In Trento bogen wir nach Osten auf die Straße 47 ab, der wir bis Bassano del Grappa folgten. Zum Übernachten wählten wir den Parkplatz am Sportkomplex in Cartigliano.

Übrigens: Es wurde für uns Zeit, über die Alpen zu kommen, denn für nächste Woche ist dort Schnee angesagt und dann gilt Schneekettenpflicht.

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Rückblick Baltikum-Rundreise

Knapp vier Monate verbrachten wir in Nordpolen und den Baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland. Auf dem Weg nach Tallinn hielten wir uns zumeist an der Küstenlinie auf, nur um Kaliningrad mussten wir einen Bogen fahren. Die Visa- und Einreiseformalitäten für die russische Enklave waren uns für die kurze Zeit, die uns dort blieb, viel zu aufwändig. Ohne Zeitdruck erreichten wir nach zweieinhalb Monaten Tallinn, den Wendepunkt der Reise.

Innenhof der Malbork (Marienburg)

Als wir losfuhren, fragten wir uns, was wir bloß den ganzen Sommer über machen sollen. Die kürzeste Route bis Tallinn ist ca. 1200km lang. Die Strecke an der Küste entlang ist aber um einiges länger, und dann gab es so viele schöne Ziele auf der Strecke, dass wir immer nur Teilstrecken zwischen 50 und 80km zu fahren hatten, manchmal sogar weniger. Oftmals verbrachten wir mehrere Tage an einem Ort, weil auch die Umgebung einiges zu bieten hatte. So kam es, dass aus unserem zweiten großen Ziel, den Lofoten in Norwegen, nichts mehr wurde. So entschieden wir uns, von Tallinn aus nach Narva an der russischen Grenze zu fahren und am Peipussee entlang die Rückreise Richtung Süden anzutreten. Während im Osten Estlands noch mehrere Stell- und Campingplätze zur Verfügung stehen, sieht es im Landesinneren von Lettland und Litauen mehr als mau aus. So mussten wir an vielen interessanten Zielen vorbeifahren, weil wir keinen Platz für unser großes Wohnmobil fanden. Tagestouren von 200km und mehr kamen da schnell zusammen, und Tankstellen boten als einzige Platz zum Übernachten. Da muss noch dran gearbeitet werden, wenn auch diese Bereiche von Lettland und Litauen mehr Besucher haben wollen. An den gut besuchten Küsten gibt es dahingehend keine Probleme.

Gefahrene Kilometer gesamt mit dem Wohnmobil: 4900. Dazu kommen unzählige Kilometer, die wir wegen der Wohnmobilgröße mit dem Smart zurücklegten.

Irischer Pub in Tallinn

Die drei Baltischen Staaten sind eigentlich sehr unterschiedlich. Jedes Land hat seine eigene Sprache. Das Litauisch und Lettisch hat wohl etwas mit einem indogermanischen Ursprung zu tun, deshalb gibt es auch keine Parallelen zu den slawischen Sprachen, von denen wir dank unserer bruchstückhaften Russischkenntnisse wenigstens hin und wieder etwas verstehen. Auffallend sind die vielen Anlehnungen an das Griechische, zumindest vom Gefühl her. Vor allem im Litauischen enden viele Wörter mit …as. Im Estnischen hängt man gerne mal ein i an, zudem ist in dieser Sprache der finnische Einfluss nicht zu übersehen. Die vielen Doppelvokale sind ein eindeutiges Zeichen dafür.
Dank der verschiedenen Sprachen dieser drei Länder können sich die Einwohner untereinander nicht verständigen. Da ist es doch ganz praktisch, dass durch die russische Besatzung das Russisch als Amtssprache in allen drei Ländern eingeführt wurde. So konnten auch wir uns etwas verständlich machen, wo wir mit Englisch nicht weiterkamen. Deutsch spricht dort so gut wie niemand, wenn er nicht unmittelbar mit deutschen Touristen zu tun hat.

Die Preise sind ebenso unterschiedlich. Das teuerste Land ist Estland, es ist auch das fortschrittlichste der drei Baltischen Staaten. Die niedrigsten Preise findet man in Lettland, welches das ärmste Land des Baltikums ist. Nur die Spritpreise liegen in Lettland höher als in Litauen. Litauen liegt irgendwo im Mittelfeld, ist aber immer noch billiger als Polen. Es macht also mehr Spaß im Baltikum einen Kaffee zu trinken oder in einem Restaurant essen zu gehen. Diese Preise sind da recht einheitlich. Das Baltikum ist also ein ziemlich günstiges Reiseziel.

Was die Straßen angeht, da nehmen sich die polnischen und litauischen Straßen kaum etwas. Abseits der großen Fernstraßen sind viele Straßen ziemlich schlecht. Es sind jedoch Anstrengungen im Gange, da etwas zu ändern. Die besten Straßen sind in Estland zu finden, wenigstens soweit dies keine untergeordneten Nebenstraßen sind. Das Schlusslicht bildet Lettland, wo es eigentlich nur asphaltierte Hauptstraßen gibt. Die allermeisten Nebenstraßen sind Schotterpisten, wovon die meisten dazu noch einen sehr hässlichen Waschbretteffekt besitzen. Diese Pisten sollte man mit mindestens 80km/h befahren, damit man den Waschbretteffekt nicht so merkt. Allerdings wird wohl das Auto früher oder später protestieren. Gerade am Kap Kolka und im Gauja Nationalpark sorgten die Waschbrettpisten dafür, dass wir viele Ziele nicht anfahren konnten.

Landschaftlich lassen die Baltischen Staaten keine Wünsche offen. Vor allem Naturfreunde kommen dort voll auf ihre Kosten. Die großen Sanddünen bei Łeba und auf der Kurischen Nehrung sind genauso beeindruckend wie die Steilwände auf Saaremaa. Je weiter man nach Norden und Osten vorankommt, umso waldreicher werden die zumeist flachen Landschaften. Von Elchen, Wölfen und Bären ist die Rede, aber nicht eines dieser Tiere konnten wir zu Gesicht bekommen. In Estland soll es sogar mehr Elche als Menschen geben. Das wären dann mindestens 1,3 Millionen. Um eine Chance auf Sichtung zu bekommen, müsste man aber weit in die tiefen Urwälder vordringen, was wiederum von den Heerscharen an Pferdefliegen (Bremsen) unmöglich gemacht wird, wenigstens ohne besonderen Schutz. Man kommt keine fünf Meter in den Wald hinein, ohne attackiert zu werden.

Große Sanddüne bei Nida

Wenn man wie wir bei über dreißig Grad Außentemperatur unterwegs ist, will man beim besten Willen nicht mehr als nötig anziehen. Bei solchen Temperaturen kommt man sich im Baltikum auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit sowieso schon wie in den Südstaaten der USA vor. Es ist das reinste Treibhausklima. Eine gute Idee wäre da vielleicht ein Hut mit sehr breiter Krempe, von dem ein Ganzkörperkondom aus Gaze bis auf den Boden reicht. Das Thema Mücken ist dafür kaum eines, außer ca. vierzehn Tage im Mai und vierzehn Tage im August, wenn die Plagegeister vermehrt auftreten. Warum das so ist, keine Ahnung, jedenfalls funktioniert die Natur in der meisten Zeit des Jahres noch und hält die Mückenpopulation in Schach.

Zu den tiefen Wäldern des Baltikums kommen noch die großen Gebiete der Moorlandschaften. Estland besteht zu einem Viertel aus Mooren und Sümpfen, in denen eine besondere Natur zu Hause ist. Man sagt, von keinem Punkt in Estland aus ist der Weg bis zum nächsten Sumpf oder Moor weiter als 10km. Das könnte in etwa stimmen.

Suwalkipark

Wir hatten uns sehr auf die reiche Blaubeer- und Pilzernte gefreut. Wälder von Blaubeerkraut verhießen reiche Beute. Geblieben waren uns nur ein paar Handvoll, denn die Einwohner der Baltischen Staaten sind noch sehr naturverbunden und leben vielfach auch von dem, was die Wälder ihnen bieten. Einen Teil ihrer Ernte verkaufen sie am Straßenrand an vorbeifahrende Kunden und verdienen sich damit ein Zubrot. Da blieb für uns nichts mehr übrig. Der heiße und trockene Sommer, der ganz Europa im Griff hatte, trug sicher auch dazu bei, dass der Ertrag nicht ganz so üppig ausfiel.
Vor allem Honig wird sehr oft und überall angeboten. Der Preis für Honig liegt nicht weit unter den üblichen Honigpreisen im Rest Europas.

Was gibt es noch? Wer Stadtbesichtigungen liebt, der ist in den drei Hauptstädten des Baltikums sehr gut aufgehoben. Vilnius, Riga und Tallinn beeindrucken jede auf ihre eigene Weise, wohl vor allem, weil die Innenstädte noch original erhalten sind. Die schönste Skyline hat Riga zu bieten, die vollständigste Stadtmauer ist in Tallinn zu finden. Die schönste Aussicht auf die Stadt bietet sich über Vilnius. Die engen mittelalterliche Gassen, die hübschen Häuser und Fassaden haben alle drei Städte gemeinsam. Man kann wunderbar bummeln oder sich ein hübsches Plätzchen in einem der vielen Cafés oder Restaurants suchen.

Skyline Riga

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Maut. In den Baltischen Staaten sind Wohnmobile von der Maut ausgenommen. In Polen ist es dagegen ziemlich kompliziert und es ist sehr angeraten, sich ausgiebig mit dem Mautthema zu beschäftigen, wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist. Es gibt zwei Kategorien: Fahrzeuge unter 3,5t und über 3,5t. Die Mautstrecken für Fahrzeuge unter 3,5t beschränken sich auf wenige Strecken. Auskunft darüber erhält man beim ADAC. Allerdings haben wir unterwegs erfahren, dass man auch mit einem leichten Wohnmobil in die über 3,5t-Kategorie rutscht, wenn man über eine bestimmte Länge kommt, z.B. durch einen Anhänger. Wo diese Grenze liegt, können wir nicht sagen, aber wir trafen jemanden, der abkassiert wurde, weil er einen Motorradanhänger hinter dem unter 3,5t-Wohnmobil herzog.

Alle Fahrzeuge über 3,5t müssen eine ViaToll-Box haben, womit die Probleme schon anfangen. Um die ViaToll-Box zu bekommen, muss man einen ViaToll-Punkt anfahren, z.B. manche Orlen-Tankstellen. Auskunft darüber, und welche Strecken von der über 3,5t-Maut betroffen sind, bekommt man über die Internetseite von ViaToll. Wir haben jedenfalls geschlagene zwei Stunden auf der Tankstelle zugebracht, weil das System von ViaToll einfach mal abgestürzt war. Man muss also die persönlichen Daten hinterlegen, sowie 120,-Zl Kaution für die ViaToll-Box und 120,-Zl Vorkasse zahlen. Das sind zusammen ca. 60,-€. Das Gerät kommt an eine bestimmte Stelle an der Frontscheibe und dann kann man problemlos die Mautstrecken fahren. Wir wollten uns das eigentlich nicht antun und nur Landstraßen fahren, aber gerade wenn man an der Küste entlang fährt, kommt man um eine Mautstraße garantiert nicht herum, nämlich die einfache Landstraße 6 nördlich von Danzig, die auch mautpflichtig ist, was jedoch vorher niemand weiß. Es heißt, dass bestimmte Autobahnen und die S-Straßen mautpflichtig sind, aber auch normale Landstraße können mautpflichtig sein. Das bekommt man jedoch zu spät mit und schon ist man in die Mautfalle getappt. Dazu kommt, dass immer wieder neue Mautstrecken dazu kommen, die nirgends aufgeführt sind. Also am besten gleich eine ViaToll-Box zulegen, dann geht man allen Problemen dahingehend aus dem Weg.

Ein anderes Problem bekommt man, wenn man die ViaToll-Box wieder abgeben will. Während man das Gerät fast flächendeckend bekommt, gibt es im Land selbst nur um die fünf Stellen, wo man sie wieder los wird. Wir kamen über Bydgoszcz nach Wollin zurück. In Wollin riefen wir bei ViaToll an, wo wir die Box wieder abgeben könnten. Da bekamen wir zur Auskunft, das dies in Bydgoszcz möglich wäre. Wenn man aber von Bydgoszcz Richtung Stettin fährt, kommt man garantiert noch einmal in Mautstrecken hinein, so dass die Box bis dorthin noch gebraucht wird. Wie soll das gehen? Eine andere Möglichkeit ist, die Box an die Zentralstelle in Poznan per Post zu schicken und dann auf das Geld zu warten. Das sollte man von Polen aus tun, weil sonst die Postgebühren viel zu hoch sind. Also wir finden, dass dieses System viel zu kompliziert ist. Wir fuhren mit dem PKW ein weiteres Mal nach Polen und gaben das ViaToll-Gerät auf der Post ab. Mal sehen, was weiter passiert.

Es war jedenfalls eine weitere tolle Tour, die wir erleben durften. Die ganze Route könnt Ihr Euch auf der Tourkarte ansehen. Vielleicht seid Ihr jetzt auch so neugierig auf das Baltikum wie wir es bei unserem Aufbruch waren. Es lohnt sich.

Lebensraum einer Kormorankollonie auf der Kurische Nehrung

Ich möchte noch anmerken, dass diese Ausführungen unsere persönlichen Eindrücke sind. Wir haben aber schon mehrfach gehört, dass es da durchaus auch andere Meinungen über bestimmte Dinge gibt. Habt Ihr noch Änderungen oder Ergänzungen, die Ihr uns mitteilen möchtet, dann bitte gern als Kommentar hinterlassen. 

Tourkarte Baltikum

Begonnen haben wir unsere fast viermonatige Tour immer an der Ostseeküste entlang. Für die Rückfahrt wählten wir aus mehreren Gründen dann doch die Strecke durch das Landesinnere der Baltischen Staaten und Polen.

Tourkarte Baltikum

 

Diese nützlichen Helfer können wir für eine Reise durch das Baltikum empfehlen:

Straßenkarte Baltikum 1:400.000 *

Mit dem Wohnmobil ins Baltikum (Womo-Reihe) *

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Vogelwelt Baltikum

Auf der Rundfahrt durch das Baltikum frönte ich wieder meinen Hobby Vogelbeoachtung. Es fiel mir auf, dass im Frühjahr viel mehr Vögel und Vogelarten zu beobachten sind als im Sommer. Es kamen mir einige für uns neue Vogelarten vor die Linse. Trotz Nachforschungen konnte ich wieder nicht alle Vogelarten bestimmen. Es ist aber auch sehr schwer, sich durch die vielen verschiedenen Gefieder (Sommer, Winter, Alt- oder Jungvogel usw.) durchzuarbeiten. Vielleicht könnt Ihr mir dabei helfen, einige bisher namenlose Vogelarten zu benennen. Ich würde mich sehr freuen. Dies gilt nicht nur für die Vogelarten des Baltikums, sondern für alle Vogelarten in unseren Vogelwelten, die ich auf unseren Reisen bisher noch nicht bestimmen konnte.

Hier nun unsere diesjährige Ausbeute:

Singvögel

Spechte und Häher

Raben und Krähen

Tauben und Hühner

Schreitvögel

Wasservögel

Sonstige

Natürlich begegneten wir auch Amseln, Staren und vielen anderen Vogelarten, aber die kennt jeder oder sie wollten sich nicht fotografieren lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rückfahrt nach Wollin

die schönsten wildwachsenden Äpfel

Von Bromberg aus überlegten wir, wie wir zurück nach Anklam fahren sollten. Die Wahl fiel auf Naugard, die Stadt, in der Klaus´ Vater geboren wurde. Für einen Tag war die Fahrt dorthin jedoch zu weit, so dass wir in Czaplinek, Pommersche Seenplatte, den Campingplatz „Drawtur“ anfuhren. Die Tour ging dabei über die beiden Städte Piła (Schneidemühl) und Wałcz (Deutsch Krone).
Jetzt im Sommer ist der Platz „Drawtur“ sehr voll und der winzige Badestrand eignet sich kaum zum Baden, weil Surfer und Kanuten das Wasser für sich blockieren. Das Café und das Restaurant des Platzes sind wenig einladend. Die Stadt Czaplinek hat kaum etwas zu bieten, so dass wir uns auf eine kleine Rundreise machten und doch noch interessante Ecken entdeckten.
Hervorragend baden kann man an einem kleinen Waldstrand bei Pławno. Das Wasser des Sees ist sauberer als das des Drawsko-Sees, und der Betrieb hält sich in Grenzen. Um den See zu erreichen muss man in Pławno rechts in den Waldweg fahren. Es gibt kein Hinweisschild. Dieser See ist wohl auch das Tauchgewässer der Umgebung.
Fährt man den Waldweg weiter, er ist unbefestigt, gelangt man in eine abgeschiedene Gegend, in der die Zeit keine Rolle zu spielen scheint. Kleine Gehöfte verteilen sich in der Landschaft oder konzentrieren sich in zwei winzigen Orten. Die schönsten Äpfel wachsen hier und niemand will sie haben. Wir konnten nicht widerstehen und mussten einfach welche sammeln. Es wäre zu schade um so schöne Äpfel.

Allee in den Wisentpark

Als nächstes steuerten wir die Stadt Złocieniec an. Sie ist ganz hübsch, vor allem das niedliche Rathaus. Gut spazieren gehen lässt es sich aber am Fluss, der durch Złocieniec fließt. Dort erhebt sich der Schlosshügel. Das Schloss selbst gibt es nicht mehr, nur eine Tafel zeigt ein Bild und erläutert die Geschichte des Schlosses. Irgendwann im 20. Jahrhundert muss es abgerissen worden sein.
Am anderen Flussufer lädt der Wisent-Park ein. Wisente gibt es dort nicht, aber eine Allee, die von gespenstisch aussehenden Bäumen gesäumt wird. Im Park selbst wurde ein Lehrpfad eingerichtet, der über die verschiedenen Baumarten und Tiere im Park und dessen Umgebung Auskunft gibt. Einige sehr alte Bäume könnten wohl viele Geschichten des Parks erzählen.

Siemczyna-Palast

Der kleine Ort Siemczyno, früher ein wichtiger Punkt auf der historischen Route zwischen Brandenburg und der Republik Polen, ist im Prinzip ein Museumsdorf mit einem Herrenhaus mittendrin. Der Siemczyna-Palast befindet sich gerade in der Rekonstruktion. Zu ihm gehören ein Park, ein Teich und mehrere Nebengebäude. Das Landwirtschaftliche Gebäude ist schon erneuert worden und beherbergt inzwischen ein Hotel mit einem Restaurant, welches auch fremde Besucher willkommen heißt.
Durch den Ort selbst führt der „Heinrichsweg“. Er zeigt die verschiedenen Gebäude, die zum Schloss gehörten, wie die alte Sattlerei, Molkerei, Wohnhäuser usw., sogar einen Galgenhügel gab es. Der Weg schließt auch drei Seen in der Umgebung Siemczyno mit ein.

Denkmal der Stadtübernahme 1945

Nach zwei Nächten steuerten wir die vorletzte Station unserer diesjährigen Sommerreise an, Novogard (Naugard). Der Stadtmittelpunkt ist der Naugardsee mit langer Promenade, Badestrand und Bootsverleih. Hier findet jeder eine Möglichkeit sich zu entspannen.
Ganz in der Nähe befindet sich das Stadtzentrum mit dem nicht sehr attraktiven Marktplatz. Nur das Rathaus aus dem Jahre 1911 ist ganz schön. Auffallend ist das Denkmal der Stadtübernahme 1945 gleich daneben. Sehenswert ist auch die St. Marienkirche, deren Wurzeln ins 14. Jahrhundert reichen. Ein Teil der alten Stadtbefestigung zwischen Marktplatz und See ist auch noch erhalten, ansonsten hat vom alten Naugard kaum etwas die Befreiungstage im März 1945 überlebt. Wohnblocks aus den 70er Jahren dominieren die Stadt.

Übernachtet haben wir auf dem großen Parkplatz am Hotel Przystań, dem ehemaligen Bismarckhotel, am Seeufer gelegen.

Die letzten Tage verbrachten wir noch einmal auf dem Stellplatz der Familie Lafrentz bei Wollin, wo wir unsere Rundreise Anfang Mai begonnen hatten.

Bydgoszcz (Bromberg)

Neue Oper

Wir geben nicht auf und suchen weiter Stellplätze an unserer Route Richtung Stettin. Nachforschungen nach dem nächsten Ziel hatte ergeben, dass wir uns Bromberg ansehen sollten. Ich hatte von dieser Stadt noch nie etwas gehört, aber das „Venedig Polens“ wollten wir kennenlernen. Den IKEA-Parkplatz im Osten mussten wir wegen zu geringen Brückenhöhen auf dem Weg dorthin aufgeben. Deshalb stellten wir unser Womo auf einem Firmenparkplatz im Süden der Stadt ab, an dem wir vorbeikamen. Man duldete uns dort kurzzeitig, aber was soll man machen, wenn keine Plätze für Wohnmobile vorgesehen sind. Mit dem Smart fuhren wir dann zum Parkplatz an der Neuen Oper. Der liegt relativ zentral.

Mühlenrestaurant

Über eine kleine Fußgängerbrücke erreicht man gleich die Mühleninsel. Wir lenkten unsere Schritte jedoch unterhalb der Neuen Oper am Ufer der Brda (Brahe) entlang, überquerten den Fluss auf der großen Brücke und bogen gleich wieder links in die kleine Straße ein. Nun spaziert man zwischen der Brahe und der Młynówka zum Wehr, welches die zwei Flüsse miteinander verbindet, und man ist auf der Mühleninsel. Nur ein paar Meter weiter findet sich eine Fischtreppe. Die kleine Marina ist an dieser Stelle zu finden. Die alten Rother-Mühlen werden gerade modernisiert und erweitert, aber keine Info, welche neue Funktion der Komplex später einmal haben wird.
Des weiteren befinden sich mehrere Museen und das Europäische Finanzzentrum auf der Mühleninsel. In der alten kleinen Mühle ist heute ein Restaurant untergebracht.

im Zentrum von Bromberg

Am gegenüberliegenden Ufer der Młynówka stehen noch alte, verlassene Industriebauten. Teilweise hat man sie schon in die neue Bebauung integriert, andere warten noch auf ihre Rekonstruktion.
Über eine kleine Brücke gelangt man nun in die Altstadt Brombergs. Leider war bei unserem Besuch gerade gesamte Marktplatz eine Baustelle, aber es blieben noch viele andere und schöne Gassen zum erkunden übrig. Die alte Markthalle ist zwar von außen noch sehenswert, aber innen hat wohl seit der Errichtung kaum mehr jemand Hand angelegt. Da drinnen macht das Einkaufen keinen Spaß mehr.

Kathedrale von Bromberg

Einen Besuch wert ist auch die Kathedrale von Bromberg, Ende des 15. Jahrhunderts errichtet. Von außen nichts besonderes, ist man doch von ihrer inneren Farbgestaltung überrascht. Während die meisten Kirchen schlicht in weiß gehalten sind, oder auch große Malereien aufweisen, hat man sich in der Bromberger Kathedrale für mehr Mut zur Farbe entschieden. Blau, Lila, Rot und Orange sorgen seit den 1920ern für einen gewissen Wow-Effekt. Die Orgel hätte ihren Platz auf einer grünen Empore, ist aber im Moment nicht vorhanden.

„Der Seiltänzer“ über der Brahe

Filigrane Backsteinbauten, Barock und Jugendstil, die meisten attraktiven Gebäude reihen sich an den beiden Ufern der Brahe aneinander, gemischt auch hier mit alten und modernisierten Speichern. Direkt an der Brücke Mostowa, über dem Fluss, hängt eine Attraktion der besonderen Art. „Der Seiltänzer“ ist ein überlebensgroßes Kunstwerk, welches durch seine perfekte Balance auffällt. Der Seiltänzer hält ein Bein unterhalb des Seils, während er sich auf dem zweiten angewinkelten Bein und mit Hilfe einer Balancierstange auf dem Seil hält. Das herunter gehaltene Bein dient also als Schwerpunkt, während die restliche Figur eigentlich nur auf dem Ballen eines Fußes ruht. Die Skulptur enthüllte man am 1. Mai 2004, als Polen der EU beitrat. Die Kulisse hinter dem Seiltänzer könnte nicht besser sein.

Mit Venedig würden wir Bromberg nun nicht unbedingt vergleichen, obwohl man auf und an der Mühleninsel immer wieder auf Wasser trifft, aber eine interessante Stadt ist es trotzdem. Die ungeheure Strömung der Młynówka ist überraschend, obwohl die für Besucher nicht erkennbaren Höhenunterschiede mit Wehren und Schleusen überwunden werden.

Torun (Thorn)

Gradierwerk

Zwischen Warschau und Thorn war einmal mehr kein großer Parkplatz zu finden, oder die Parkplätze werden viel zu spät angekündigt und es gibt keine Wendemöglichkeit. Das hieß für uns wieder eine Tour von knapp 200km. Erst in Ciechocinek fanden wir den schönen und günstigen Campingplatz Nr. 17, auf dem wir drei Nächte blieben.
Wieder einmal hatten wir zufällig ein überraschendes Ziel angesteuert. Ciechocinek, ca. 20km südöstlich von Thorn gelegen, ist Kurstadt. 1379 erstmals erwähnt, Standort einer der vielen Deutschordensburgen in Polen, ab 1790 Eigentümer der Solequellen der Gegend. Seither eine bewegte Geschichte mit dem Ergebnis, dass der Kurbetrieb seit 1945 wieder durchgängig läuft.
Seit 1827 entstanden drei Gradierwerke, die zu den größten der Welt gehören. Es sind drei Gardierwerke mit einer Gesamtlänge von 1742,3m und einer Höhe von knapp 16m. Dazu gibt es Salzsiedereien. Die Gradierwerke dienen zur Konzentration des Salzgehaltes des Wassers, welches aus mehreren Quellen mit Hilfe einer Mühle in Kanäle auf den Gradierwerken gepumpt wird. Von dort oben rieselt das Wasser über Schlehenreisig. Dabei verteilt sich ein Teil des Solewassers in der Luft und reichert sie mit Salz-, Jod- und Brommolekülen an. Das angereicherte Solewasser, welches im Gradierwerk nach der Passage des Reisigs gesammelt wird, wird über Rohrleitungen zu den Salzsiedereien geleitet.
Der Besuch des Gradierwerkes kostet 5,-Zl Eintritt pro Person, inkl. Besuch des Oberdecks mit Blick über die Umgebung.

das alte Kurhaus

Die Stadt Ciechocinek besitzt mindestens elf Solequellen, denn der „Pilzbrunnen“ steht über der elften Quelle, 415m tief, berichtet eine Tafel. Leider wird der Brunnen gerade überholt und ist verhüllt.
Zur Kurstadt gehören auch mehrere Parks, das alte Kurhaus, heute Tanzsaal mit täglich mehreren Möglichkeiten, selbst das Tanzbein zu schwingen, und mehreren Brunnen. Da findet jeder sein Plätzchen. Viele Kneipen bieten Musik live oder „per Band“. Gerne werden auch diese Möglichkeiten zum Tanzen genutzt.

tolle Architektur

Natürlich waren wir auch neugierig auf Thorn, dessen Geschichte schon im Jahre 1233 durch die Kreuzritter begann. Was wir zu sehen bekamen, übertraf unsere Erwartungen um einiges. Die Altstadt ist noch immer mehr als einen Kilometer lang von einer Stadtmauer umgeben. Drei Tore sind ebenfalls erhalten und liegen direkt am Ufer der Weichsel. Bewegt man sich innerhalb der Stadtmauer fühlt man sich ins Mittelalter zurückversetzt. Prächtige Backsteinbauten, wunderschöne Fassaden in verschiedenen Stilrichtungen, das riesige Altstädtische Rathaus mit einem Innenhof, enge Gassen und die lange Fußgängerzone, alles ist einfach nur stimmig. Vor allem ist alles noch original, denn so viele Kriege und Zerstörungen Thorn überzogen, es wurde nie viel Schaden an den Bauwerken angerichtet.

Flößerbrunnen

Dazu hat Thorn etwas für die kleine Kunst übrig, denn Keramikfiguren zieren viele Fensteröffnungen, Bronzefiguren und Brunnen sorgen für weitere Abwechslung. Zu dem Flößerbrunnen, der auf der einen Seite des Altstädtischen Rathauses steht und durch seine vielen Froschkönige auffällt, gibt es eine Legende. Thorn kämpfte vor Jahrhunderten erfolglos gegen eine Froschplage. Als ein Flößerjunge einmal wieder auf seiner Flöte spielte, umringten ihn die Frösche, die von der Musik verzaubert waren. Also brachte der Flößerjunge die Frösche aus der Stadt, in dem er sie mit seinen schönen Melodien lockte. Die Froschplage war vorbei. Gibt es da eine Parallele zum Rattenfänger in Hameln?

Auf die Partnerschaft mit Göttingen ist Thorn besonders stolz, wie im Innenhof des Altstädtischen Rathauses auf Plakaten gezeigt wird. Das Rathaus ist auch Museum für die Geschichte der Stadt.

im Shop des Pfefferkuchenmuseums

In der Altstadt verteilt bieten kleine Läden selbstgemachte Pfefferkuchen an. Das Museum Torunski Pieniki berichtet über die mehr als 700 jährige Tradition der Pfefferkuchenherstellung in Thorn. Im Eintrittspreis ist die eigene Herstellung von Pfefferkuchen enthalten, ganz auf traditionelle Weise. Kaufen kann man die leckeren Teilchen dort auch gleich. Die Thorner Pfefferkuchen zählen zu den besten der Welt.

Die Reste der deutschen Ordensburg, von den Kreuzrittern erbaut, sind auch zu besichtigen. Im Jahre 1454 zerstörten die Stadtbürger die Burg und bauten mit deren Steinen neue ihnen dienliche Gebäude. Inzwischen haben wir schon viele dieser Burgen aus dem 13. und 14. Jahrhundert gesehen, aber die von Thorn sah vollkommen anders aus.

Nikolaus Kopernikus-Denkmal

Einen berühmten Sohn hat die Stadt auch: Nikolaus Kopernikus. Er wurde 1473 in Thorn geboren und in der Johanneskathedrale getauft. Das er in Fromburg gestorben ist, hatten wir bei unserem Besuch dort erfahren. Das Kopernikus-Denkmal in Thorn steht schon seit 160 Jahren gegenüber dem alten Postgebäude, am Altstädtischen Rathaus.

Das Parken in und um die Altstadt ist eine Katastrophe. Wir waren ausgerechnet am Mariä Himmelfahrtstag in Thorn, dem höchsten Feiertag Polens. Da ist das Parken zwar kostenlos, außer auf den privaten Parkplätzen, aber einen Platz zu finden ist fast unmöglich. Dazu konnte man auf der Hauptstraße der Altstadt kaum ungestört einen Fuß vor den anderen setzen. Trotzdem waren wir von Thorn beeindruckt.
Den Stadtbummel sollte man am Ufer der Weichsel abschließen, wo viele Stände frisches Riesenbrot, hausgemachte Wurst und Schmalz und viele andere leckere Dinge anbieten.

Übernachtet haben wir auf dem Parkplatz einer Tankstelle westlich außerhalb von Bromberg.

Warschau

Skyline Warschaus

Wir kamen aus Norden über die Danziger Brücke über die Wisła (Weichsel). Bei der Überquerung eröffnet sich ein toller Blick auf die Skyline Warschaus. Die war für uns so überraschend, dass wir sofort neugierig auf die polnische Hauptstadt wurden. Warschau leistet sich zwei Altstädte, die alte und die neue. Die alte Altstadt breitet sich auf einem Hügel aus. Die Stadtmauer ist teilweise noch erhalten, wenn auch rekonstruiert. Im Hintergrund erheben sich die Glasbauten des Geschäftsviertels.

Schlossgarten

Wir hatten den Smart auf dem Parkplatz in der Wenedówstraße abgestellt. Von dort aus spazierten wir auf dem gemütlichen Boulevard am Weichselufer in Richtung Schloss, zu dem dann ein paar Treppen hochführen. Wenn man sich nach links wendet, kommt man zur großen Terrasse des Schlosses mit dem schönen Garten, der sich quer davor legt. Das Schloss wurde ab 1971 dreizehn Jahre lang rekonstruiert und ist heute der ganze Stolz Warschaus. Der zum Schloss gehörende Vorplatz wird im Moment neu gestaltet.

Zamkowy Platz

Nun ist man bereit, die Altstadt zu entdecken, angefangen am Zamkowy Platz. Hier beginnt der Königsweg, der in die neue Altstadt führt. Die Vorderseite des Schlosses, die St. Anna-Kirche, eine Stele und alte Wohnhäuser säumen den großzügig angelegten Platz.
Am Königsweg sind einige Paläste, auch der Präsidentenpalast, die Universität, mehrere Kirchen und die Akademie der Wissenschaften, vor der ein Denkmal für Nikolaus Kopernikus steht. Auf dem Boden rund um das Denkmal sind die Planeten, als bronzene Reliefplatten dargestellt, und deren Umlaufbahnen abgebildet.

Auf diesem Stück des Königswegs lädt das „Zapiecek“ zu den besten Dumplings (die baltischen Teigtaschen) ein, die in Warschau zu finden sind. Sie werden noch immer nach Großmutters Rezept und jeden Tag frisch per Hand hergestellt. Man kann sie mit verschiedenen herzhaften oder fruchtigen Füllungen, gebraten oder gekocht, bestellen. Wir waren begeistert.

Sirenenbrunnen

Zurück auf dem Zamkowy Platz lenkten wir unsere Schritte in die alte Altstadt, zum Platz mit dem Sirenenbrunnen. Wunderschöne Fassaden zieren den in sich geschlossenen Platz. Irgendwie erinnert uns die Szenerie ein wenig an Danzig, nur der architektonische Stil ist anders.

Königsweg im Hochsommer

Woran man in Warschau nicht vorbei kommt, ist der Komponist Chopin. Vor allem am Königsweg stehen mehrere steinerne Bänke, mit Notenmotiven darauf. Sie können jedoch noch mehr. Sie spielen Musik von Chopin. Beim Nachforschen, was Fryderyk Chopin mit Warschau zu tun hat, ergab sich, dass er 1810 westlich von Warschau geboren wurde. Der französische Vater und die polnische Mutter zogen ein gutes halbes Jahr später mit Fryderyk nach Warschau, wo er seine ersten zwanzig Jahre verlebte und das Klavier spielen lernte. Sie lebten die meiste Zeit am Königsweg, gegenüber der Universität. Ende 1830 verlässt Chopin Warschau und reist über Wien und Deutschland nach Paris, wo er sein restliches Leben bis zum Oktober 1849 verbrachte, mehrere längere Reisen inklusive.
Die kleinen Gässchen, die durch die alte Altstadt führen, sind viel zu eng für die Touristenmassen, die jetzt im Sommer in Warschau unterwegs sind. Da ist selbst der breite Königsweg fast zu eng. So viele Menschen haben wir wohl noch kaum je bei einer Stadtbesichtigung gesehen. Unzählige Reisegruppen kommen dazu.

Auf der Fretastraße und durch das Stadttor verließen wir die Altstadt wieder. Oberhalb des Multimedia Fountain-Parks und am Fort Legionów kamen wir wieder zum Parkplatz.
Warschau ist eine unglaublich interessante und schöne Stadt. Sie bietet zudem viel Freiraum, um sie zu genießen.

Białystok

Mittelpunkt Europas seit 1775

Auf dem Weg von Augustow nach Białystok liegt der Ort Suchowola, direkt an der Straße 8. Genau dort, im Zentrum befindet sich ein Mittelpunkt Europas. Ein Mittelpunkt Europas? Ja, denn es existieren mindestens sechs Orte, die darauf Anspruch erheben. Es kommt darauf an, wie diese Mittelpunkte ermittelt wurden: Zählt nur die Landmasse, zählen die angrenzenden Meere dazu, zählt eine imaginäre Linie, die die äußeren Punkte der Landmasse umfährt usw. Einer der Mittelpunkte Europas wurde 1989 nördlich von Vilnius durch eine Berechnung des Flächenschwerpunktes ermittelt. Andere Mittelpunkte liegen z.B. in Deutschland, Tschechien und der Ukraine. Der älteste geografische Mittelpunkt Europas ist eben seit 1775 der in Suchowola.

Swieta Woda

Auf der Suche nach einem Womo-Stellplatz in der Nähe von Białystok fanden wir einen Platz in Swieta Woda, 10km nördlich von Białystok. Als wir dort ankamen, ist Swieta Woda, auf deutsch Weihwasser, ein Wallfahrtsort. Ein Hotel, eine kleine Kirche, eine heilige Quelle und ein „Berg der Kreuze“ gehören zum Ensemble. Sofort kam uns der litauische „Berg der Kreuze“ in den Sinn, der beim besten Willen auf keiner unserer Route lag. Dort sollen mindestens 50.000 Kreuze stehen und jeden Tag mehr werden. Der Berg der Kreuze in Swieta Woda kann da an Attraktivität nicht mithalten, aber imposant ist er allemal. Sogar Pabst Johannes Paul II, auf dessen Spuren wir in Polen schon mehrfach stießen, ließ hier ein Kreuz aufstellen. Eine Gedenktafel erinnert daran.
Die Quelle wurde erstmals 1719 erwähnt, als ein Edelmann namens Basil durch dieses Wasser eine Wunderheilung erfuhr. Zwei Jahre zuvor war er erblindet. Nachdem er das Wasser der Quelle getrunken hatte, konnte er wieder sehen. Da er dafür so dankbar war, errichtete er eine hölzerne Kapelle. Seitdem wuchs die Bedeutung von Weihwasser. Die Stätte hat jedoch auch viele schlechte Zeiten und Zerstörung gesehen. Man baute sie immer wieder auf und aus, und heute ist sie ein Wallfahrtsort.

Białystok

Um Białystok kennenzulernen, hat man mehrere Möglichkeiten. Entweder drauflos, z.B. durch die Fußgängerzone mit dem Rathausplatz, an der Kathedrale vorbei zum Schloss der seit dem 17. Jahrhundert in der Stadt ansässigen Adelsfamilie Branicki, mit dem schönen Schlosspark, oder auf einer der sechs Themenrouten durch die Innenstadt. Eigentlich begann die neue Geschichte Białystoks erst richtig mit dem Bau des Schlosses. Da sich die Adelsfamilie ohne Stadt kaum ein Leben aufbauen konnte, sorgte sie für den Bau des Rathauses, des Krankenhauses, Hotels, eine Post und das erste Theater Polens. Das Gesundheitssystem geht auf die Familie Branicki zurück, und viele andere Einrichtungen der Stadt ebenso.
Eine Themenroute beschäftigt sich mit dem Erfinder der Kunstsprache Esperanto, Ludwik Zamenhof, der 1859 in Białystok geboren wurde.

Augustow

Schleuse von Przewiez

Wir sind wieder in Polen. Auf der Hinfahrt nach Tallinn hatten wir Augustow ausgelassen, deshalb holten wir den Besuch dieser Gegend jetzt nach. Augustow liegt inmitten mehrerer Seen. Namensgeber ist die Stadt auch für den Kanal, der die Flüsse Biebrza in Polen und Niemen (wie die Memel in Weißrussland heißt) in Weißrussland verbindet. Wirtschaftliche Gründe zwangen Polen, damals noch Königreich, im 19. Jahrhundert zur dieser größten Investition. Die Planungen begannen 1823, die Bauarbeiten starteten 1825. Die 18 Schleusenkammern, bestehend aus Back- und Sandsteinen, überwinden 55 Höhenmeter. Der gesamte Kanal ist 101km lang. Zu den Schleusen gehören aber auch Brücken und Wärterhäuschen. Die Bedienung der Schleusentore geschieht per Hand. Der Schleusenwärter muss also die Schieber für den Wasserdurchfluss öffnen und schließen, sowie die Schleusentore per Muskelkraft bewegen. An jeder Schleuse ist eine Tafel mit dem Namen des Konstrukteurs dieser Schleuse angebracht, bis auf zwei, die mit der Zeit verloren gingen.
Wir besuchten die Schleusen in Augustow, Przewiez, Gorczyca und Paniewo, alle unterschiedlich. Die Schleuse in Paniewo ist eine Doppelschleuse, weil dort ein besonders großer Höhenunterschied überwunden werden muss. Die Ufer des Kanals sind zumeist naturbelassen, so dass man meint, der Wasserlauf wäre schon immer da.

am Ufer des Białesees

In Augustow dreht sich alles um den Kanal und die Seen. Dort wo die große Brücke den Augustowkanal mit der Schleuse und den Kanal Bystry überquert, befindet sich das Kanalmuseum. Gleich gegenüber der Stadt Augustow legen Ausflugsboote zu Rundfahrten über die Seen ab. Aber auch Baden gehen kann man an den zahlreichen angelegten und wilden Stränden. Kajaks, Kanus, Motor- und Tretboote werden an vielen Stellen vermietet. Man kann also gar nicht anders, als sich mit den Seen und Kanälen zu beschäftigen. Jetzt im Hochsommer ist das Wasser auch schön warm.
Wir mieteten uns ein Kajak für rund 10,-€ und konnten dafür den ganzen Tag auf dem Wasser schippern. Wir fanden dabei einen schönen Picknickplatz am linken Ufer des Białesees, der uns sogar mit wilden Mirabellen versorgte. Wie zwei Mirabellenbäume in einen Kiefern- und Erlenwald kommen, ist schon erstaunlich.

Sonnenuntergang in Augustow

Das Zentrum Augustows lädt zum Bummeln ein. Um den großen Rynek Zigmunta Augusta, der zentrale Platz, gruppieren sich kleine Läden. Eine Fußgängerzone verbindet ihn mit dem Ufer des Neckosees, wo weitere Anleger für Ausflugsboote sind und sich viele Kneipen aneinander reihen.

Wir haben auf dem Camping Necko im Norden Augustows übernachtet. Kostenlos geht das aber auch für eine Nacht auf dem Parkplatz am Port Žegluga.

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