A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Avola

Nach 46 Nächten auf dem Aurora-Parking in Giardini-Naxos verließen wir den Ätna und seine sehr interessante Umgebung. Wir hatten eine schöne Zeit dort, aber im Süden Siziliens ist es zumindest nachts doch ein paar Grad wärmer. Der sizilianische Winter hat Einzug gehalten. Tagsüber bewegen sich die Temperaturen „nur“ noch zwischen 12 und 15°C, nachts sind es gerade einmal 8-9°C. Außerdem müssen wir irgendwann weiter, wenn wir rund um die Insel fahren wollen.
Den Ätna fast immer im Blick, bis hinter Siracusa, kamen wir in Avola an. Die weiße Rauchfahne des Ätna steigt erst steil auf, bis sie der schwache Wind dann waagerecht in den Süden Siziliens trägt, bis weit über das südlichste Ende bei Pachino auf das Meer hinaus. Das ist so genau zu sehen, weil sonst kein Wölkchen am Himmel auszumachen ist. Das wir jetzt wirklich im Süden sind beweisen die vielen Palmen und Agaven in der Küstenregion.

Abschied vom Ätna

Avola ist auch ein sommerlicher Touristenort. Jetzt im Winter ist es ruhig. Von dem Parkplatz am Lido di Avola aus, wo wir übernachten, starten wir unsere Entdeckungstouren in die Umgebung. Zuerst war Avola dran. Die Wurzeln der Stadt liegen Ende des 17. Jahrhunderts, nachdem das antike Avola, auf einer Bergkuppe landeinwärts gelegen, durch das große Erdbeben 1693 zerstört wurde. Man legte zuerst ein sechseckiges Fort an, dessen Konturen bis heute erhalten blieben. Das Fort existiert nicht mehr. Eine Straße hat inzwischen die Fortmauern ersetzt. Innerhalb der sechseckigen Altstadt führen zwei rechtwinklig zueinander verlaufende Hauptstraßen zu jeweils einem Platz am Rande der Altstadt. Wo sich die beiden Straßen kreuzen, befindet sich die zentrale Piazza Umberto I. Die meisten Sehenswürdigkeiten konzentrieren sich in diesem Bereich, wie unzählige Kirchen und das Theater „Garibaldi“. Außerhalb der ehemaligen Stadtmauer sind z.B. Marktplätze, die alte Markthalle (heute Bibliothek und Treffpunkt) und das Mandelmuseum zu finden.

Piazza Umberto I. in Avola

Am Strand, in der Nähe unseres Parkplatzes, stehen spärlich ausgegrabene Reste einer römischen Villa und ein Dolmen. Diese monolithischen Grabanlagen kennen wir eigentlich nur aus dem Norden Europas, deshalb überraschte uns dieser hier. Allerdings wurde er wohl durch die vielen Erdbeben und Erosion beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen.

Dolmen in Avola

Ein schönes Erlebnis hatten wir auf dem Marktplatz Piazza San Sebastiano im Norden Avolas. Es war an diesem Tag kein Markttag, aber ein Gemüsehändler hatte seinen Laden geöffnet. Davor röstete ein Mann leckere rote Paprika, die er verkaufte. Wir bekamen Appetit und kauften zwei Stück zum Probieren. Als wir die 50 Cent dafür bezahlt hatten, legte der Verkäufer noch eine weitere geröstete Paprika dazu. Da sie warm am besten schmecken, aßen wir sie gleich auf einer Bank in der Nähe. Das beeindruckte den Verkäufer so sehr, dass er uns etwas Papier für die fettigen Finger gab. Die Paprika waren so lecker, dass wir noch ein paar holen wollten, aber da war der Verkäufer schon damit beschäftigt, uns eine besondere Pfanne zuzubereiten. Er zog die Paprika selbst ab und träufelte etwas Olivenöl sowie Zitronensaft darüber. Inzwischen hatte sich ein deutschsprechender Freund eingefunden, der übersetzte. Als ich bezahlen wollte, meinte er, das ist ein Geschenk und wir sollen uns die Spezialität schmecken lassen. Wir bedankten uns vielmals und machten uns über die Leckerei her. Mehrmals beteuerten wir, dass es uns sehr geschmeckt hat, was den Verkäufer sehr freute. Nach einer kleinen Unterhaltung traten wir den Rückweg an.

Paprikaverkäufer

Geradezu beschaulich geht es in der Marina di Avola zu. Eine große Ruine dominiert den Hafen. Es war wohl einmal eine Fischfabrik. Mehrere Pizzerien und Cafés laden zur Einkehr ein, im Fischladen bekommt man frischen Fisch und Meeresfrüchte. Das ist nicht selbstverständlich, denn das Angebot in vielen kleinen Fischläden stammt meistens aus mehreren Vortagen.

Marina di Avola

Weitere Ausflüge von Avola:
Noto, Noto Antica, Cavagrande del Cassibile
Siracusa

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Ätna Eruptionen

Der Ätna ist nach dem Kilauea auf Hawaii der zweitaktivste Vulkan der Erde. Das Vulkanmassiv misst ungefähr 40km im Durchmesser und zählt um die 300 Krater und Nebenkrater. Die meisten von Ihnen befinden sich in Richtung Catania, was der Stadt schon oft ziemlich geschadet hat. Die Ringstraße am Fuße des Ätna, der komplett Naturpark ist, ist ca. 185km lang. Die Höhe des höchsten Kraters liegt auf über 3300m über dem Meer. Das sind schon interessante Zahlen.

der Ätna in seiner ganzen Pracht

Als wir am 12. November in Giardini-Naxos ankamen, schlief der Vulkan, nichts passierte. Ein paar Tage später fuhren wir zur Südseite des Ätna, wo uns der Lift auf 2500m Höhe brachte, immer noch nichts. Bald fing der Vulkan jedoch an, dünne Dampfwolken auszustoßen, vollkommen harmlos. Zu dieser Zeit erkundeten wir die Nordflanke des Ätna. Damals vernahmen wir schon ein leises Fauchen aus dem Gebiet des Gipfels.

Nach zweieinhalb Wochen etwa, Ende November, konnten wir abends leichte Ausbrüche am Nordostkrater beobachten, verbunden mit ebenso leichten Lavaströmen. Das war aufregend. Jeden Abend, wenn die Wolken es zuließen, beobachteten wir nun den Vulkan und machten Fotos von den Eruptionen. Seitdem nahm die Intensität stetig zu. An jedem Abend, an dem Aufnahmen gelangen, freuten wir uns mehr. Ab und zu hörte man es kurz grollen und krachen, was aber keine Auswirkungen hatte.

Ätna Eruptionen

Seit ungefähr drei Wochen kommen zudem ununterbrochen Dampf- und Rauchwolken aus einem der vier Hauptkrater. Sie ziehen in Richtung Küste in dem Gebiet zwischen Catania und Giarre. Welche Unmengen an Staub und Gasen mögen das wohl im Laufe der Zeit sein, die aus dem Ätna kommen?

Gipfel des Ätna mit Dampfwolken

Seit ein paar Tagen sind die Ausbrüche am Nordostkrater schon ziemlich spektakulär, wenn man das aus 26km Luftlinie Entfernung so bezeichnen darf. Die Fotos der Eruptionen machen inzwischen schon ganz schön was her.

in der Dämmerung

Um die Mittagszeit des Heiligen Abends dann drang eine große dicke Rauchwolke aus dem Vulkan, erst zaghaft, dann aber immer mächtiger. Schnell wurde das Schauspiel so interessant, dass selbst die Sizilianer aufmerksam wurden. Inzwischen grollte es ununterbrochen, was sich wie ein entferntes Gewitter anhörte. Die Rauchwolken verstärkten sich immer mehr, das Grollen auch. Fast zwei Stunden dauerte das Schauspiel, bevor es wieder abebbte. Statt „Leise rieselt der Schnee“ konnten wir nun singen: „Leise rieselt die Asche“, das etwas andere Weihnachten. Da wird die Geschichte von Pompeii lebendig. Die Einwohner am Fuße des Vesuv sahen damals sicher auch so zum Vulkan wie wir, bis die Katastrophe geschah.

Aschewolke zum Heiligen Abend

die dicken Rauchwolken formen immer wieder tolle Figuren

Als es abends dunkel wurde, sahen wir, dass sich eine lange Spalte an der Ostflanke des Ätna aufgetan hatte, in Höhe von Giarre. Die austretende Lava leuchtete weithin. Leider wurde das Schauspiel immer wieder von Rauchwolken verdeckt, so dass uns kaum ein Foto gelang.

neue Spalte nach dem Ausbruch

Vorgestern, am 22.12.2018 brach in Indonesien der Krakatau aus, was einen Tsunami auslöste. Dabei waren Tote und Verletzte zu beklagen. Das war wohl der Startschuss für viele Vulkane rund um die Welt, denn der Ätna wie auch der Stromboli verstärkten ihre Tätigkeit nur ein bis zwei Tage später.

Am frühen Morgen des 2. Weihnachtsfeiertages ereignete sich ein schweres Erdbeben am Südhang des Ätna und verursachte Schäden von Acireale bis in den Norden Catanias. Es war nur in etwa 10km Umkreis zu spüren und hatte eine Stärke von 4,8 bis 5,1, je nach Quelle. Der Herd befand sich ca. 1km unter der Erdoberfläche. Eigentlich wollen wir morgen in den Süden weiterfahren, aber die Autobahn ist nach dem Erdbeben zwischen Giarre und Acireale teilweise gesperrt. Mal sehen, wie sich die Lage entwickelt, ansonsten müssen wir doch noch ein paar Tage in Naxos bleiben. Seit dem Ausbruch Heilig Abend wurden hunderte kleine Erdbeben aufgezeichnet. Manchmal, wenn wir im Womo sitzen und keiner von uns sich bewegt, schaukelt es kaum merklich. Es ist kaum wahrnehmbar, aber diese Bewegungen sagen uns, dass es wieder eines der winzigen Beben war.

Inzwischen haben wir im Internet Bilder gefunden, die den Ausbruch des Ätna aus dem Süden zeigen. Dort sah man die mächtige Lavasäule, die der Vulkan beim Ausbruch Heilig Abend in die Höhe blies. Wir konnten ja nur die Rauchwolke sehen.

Umgebung von Naxos

Während in Giardini-Naxos jede Menge los ist, geht es in Letojanni gemächlich zu. Man kann in Ruhe die Straße hinter dem Strand entlang spazieren und dabei in die Gassen schauen, die in den Ort führen. Gleich dahinter erheben sich die Berghänge des Küstengebirgszuges. Den Rückweg sollte man durch die Parallelstraße zur Strandstraße nehmen. Nette Vorgärten, Eingänge und Balkone schmücken die eng stehenden Häuser.
Die Kirche San Giuseppe am Francesco Durante-Platz erstrahlt nach mehreren Renovierungen in jüngster Zeit in tollem Glanz. Die in mehrere große Rechtecke geteilte Decke ist mit schönen feinen, mosaikartigen Ornamenten geschmückt. Links vom Eingang erfreut eine kleine Besonderheit die Besucher, ein niedliches Modelldorf, in dem das Leben fast explodiert. Wenn man auf einen Knopf drückt, dann bewegen sich viele Teile davon und eine liebliche Musik erklingt dabei. Es macht viel Spaß, die vielen Details zu entdecken.

Straßentunnel in Letojanni

Ein weiteres Ziel ist das Calatabiano-Castle, dass heißt die Ruinen desselben. Es liegt auf einem 220m hohen Lößhügel hinter der Stadt, in der Nähe des Alcantara-Flusses. Der Alcantara bezeichnet die Grenze zwischen den Regionen Messina und Catania. Der heutige Ort Calatabiano existiert erst seit 1693, nachdem ein verheerendes Erdbeben im Noto-Tal die alte Siedlung zerstört hatte. Die Festung selbst ist römisch-griechischen Ursprungs und wurde später von den Normannen und Arabern genutzt. Die Araber erwähnten die Festung erstmals schriftlich. Sie bauten auch das kleine Schloss unterhalb der Festung.
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Festung zu besuchen. Einmal die Nutzung des Liftes, oder zu Fuß per kurzer Wanderung den Berg hinauf, wobei man an mehreren Ruinen alter Wohnhäuser und später am arabischen Schloss vorbeikommt. Von dort oben hat man eine herrliche Aussicht auf Calatabiano, die Küste sowie Taormina. Das Eintrittsgeld in die Burg beträgt 5,-€, für den Lift bezahlt man noch einmal 2,-€.
Ist man wieder im Ort, sollte man einen kleinen Spaziergang durch die verwinkelten Gassen unternehmen.

Castello Calatabiano

Der schönste Ort, den wir auf dieser Reise gesehen haben, ist Castelmola. Wir finden, es ist ein „Muss“, diesen Ort zu besuchen. Schon allein die Fahrt nach dort oben ist ein Abenteuer, erst durch Taormina und dann in engen Serpentinen die Berghänge hinauf, bis auf 529 Meter.

auf dem Weg nach Castelmola

Castelmola wurde im Laufe seiner 2800-jährigen Geschichte mehrmals zerstört, nicht durch Naturkatastrophen, sondern durch die verschiedenen Eroberer. Das heutige Gesicht des Ortes stammt wohl aus dem Mittelalter. Es macht Spaß, durch die engen Gassen zu spazieren, die zum Teil aus Treppen bestehen, um die großen Höhenunterschiede zu überwinden. Wunderschöne Aussichten auf die Küste, die unterhalb liegende Stadt Taormina und den Ätna bieten sich von vielen Stellen Castelmolas. Vor allem von den Ruinen der mittelalterlichen Festung aus, die über Castelmola thronen. Dort bietet sich eine 360°-Rundumsicht. Die Anfänge der Burg liegen wohl in der griechisch-byzantinischen oder römischen Zeit.

Blick vom Castell Castelmolas auf den Hauptplatz des Ortes

Achtung! Dieser Abschnitt ist nicht Jugendfrei. Der Hauptgrund, warum die meisten Touristen Castelmola besuchen, ist die Bar Turrisi. Sie hat von 9-2 Uhr nachts geöffnet und befindet sich an der Piazza del Duomo. In mehreren Etagen, liebevoll und stilecht eingerichtet, werden die Gäste vom sehr netten, mehrsprachigen Barbesitzer mit Essen und Trinken vom Feinsten verwöhnt. Das Thema der Bar? Alles rund um den Penis. Tischbemalungen, Wand- und Bodenfliesen, Lampen, Flaschen, Gläser, als Plastiken, was auch immer, überall sieht man Penisse, vollkommen verrückt.

Eingang zur Bar Turrisi

Und bitte, auf keinen Fall versäumen, die Toiletten aufzusuchen. Dort zieren die Wände schwarz-goldene Bilderfliesen mit Sexstellungen aus dem alten Griechenland, die dem Kamasutra alle Ehre machen.

Fliesendarstellung in der Toilette der Bar Turrisi

Auf dem Rückweg nach unten sollte man noch einmal zum Castello di Taormina fahren. Die Festung selbst kann nicht besucht werden, aber vom Aussichtsbalkon an deren Fuß kann man noch einmal toll über Taormina blicken. Sogar der Blick in das griechische Theater, Teatro Antico, ist frei.

Taormina mit Tetro Greco

Sehenswert hier ist auch die Kapelle „Madonna della Rocca“, der Patronin Taorminas. Die im 14. Jahrhundert halb in den Fels gebaut wurde. Der Innenraum mit der rohen Felsdecke ist mit zarten, gemalten Ornamenten geschmückt. Die zwei kleinen Altäre sind liebevoll gestaltet. Fast kommt man sich wie in einer Puppenstube vor, sehr schön.

Kapelle „Madonna della Rocca“

Zu einem der schönsten Orte Italiens zählt auch das kleine Bergdorf Savoca bei Santa Teresa. Es ist gleichzeitig ein Ort der Kunst. Gleich am Ortseingang hat sich ein Atelier niedergelassen, in dem Edelstahl zu Kunstwerken verarbeitet wird. In der näheren Umgebung sind einige dieser Kunstwerke ausgestellt, die man bewundern kann. Irgendwo in Savoca muss auch ein Keramik- und Tonkünstler zu Hause sein, denn allerorten sind kleine und große Reliefs in die Häuserwände eingelassen, sehr schön gearbeitet. Fast alle zeigen kirchliche Darstellungen.

Kunstwerk aus Edelstahl in Savoca

Während wir eigentlich eine bedrückende Enge in den Bergdörfern gewohnt sind, hat man in Savoca genug Luft zum Atmen. Wie Krakenarme gruppieren sich schmale Häuserzeilen entlang der Berggrate, die um den Zentralplatz herum liegen. Dort befindet sich einer der Parkplätze, ein Aussichtspunkt und die Bar Vitelli.
Die Bar Vitelli ist berühmt, weil dort 1972 einige Szenen des Meisterstücks von Francis Ford Coppola „Der Pate“ gedreht wurden. Marlon Brando und Al Pacino spielten in den Hauptrollen. Einige Fotos von den Arbeiten damals hängen in einem Raum der Bar, in dem sich sogar der hauseigene Brunnen befindet. Wahrscheinlich der Berühmtheit der Bar Vitelli ist es geschuldet, dass der Kaffee ganze 4,-€ kostet, inkl. zeitgenössischer Musikbeschallung.

Bar Vitelli

Wer Savoca besucht, sollte sich auf den Rundweg um die Burg Castello Pentefur machen, die über dem Ort thront. Drei schwere Erdbeben haben seit 1693 nicht mehr viel von dem Bauwerk übriggelassen. Die Burg wurde wohl zu römisch-byzantinischer Zeit errichtet, später von den Arabern übernommen und ausgebaut. Um 1070 zogen die Normannen ein, die daraus eine Sommerresidenz machten. Seitdem bewohnten weitere Eigentümer die Burg, bis zu den großen Erdbeben. Heutzutage sind Bemühungen im Gange, die Reste der Burg der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Von jeder Ecke des Rundweges bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die umliegende Landschaft. Mehrere Kirchen säumen zudem den Weg.

Teilansicht von Savoca

Eine weitere Sehenswürdigkeit soll die Krypta des Convento del Cappuccini sein, in der Mumien aus dem 18. Jahrhundert aufbewahrt werden. Es waren reiche und mächtige Aristokraten, die durch natürliche Austrocknung in der Gruft der Kirche mumifizierten. Seit 1876 werden sie in ihrer zeitgenössischen Kleidung der Öffentlichkeit präsentiert. Eigentlich soll die Krypta von Donnerstag bis Sonntag geöffnet sein, aber bei unserem sonntäglichen Besuch war geschlossen. Wer will, kann per Telefon sein Interesse bekunden, dann wird wahrscheinlich geöffnet werden.

Seit fünf Wochen stehen wir nun schon in Naxos. Zeit genug, endlich einmal eine Wanderung in Angriff zu nehmen. Unsere Stellplatznachbarn Sarah und Jason, Kiwis, die seit vier Jahren in Wales ihre Wahlheimat gefunden haben, gaben uns den Tipp. Sie waren zu Fuß in Taormina, eine 12km-Wanderung. Sie berichteten von einem Ziegenpfad den Berg hinauf. Das machte mich neugierig. Auf einer Wanderung lernt man doch viel mehr von der schönen Landschaft kennen. Von Naxos aus sieht man den gesamten Gebirgszug vom Kap Taormina, über Taormina selbst, Castelmola bis hin zum Monte Veneretta (Veneri). Dort hinauf zog es mich. Die Tour bis zum ersten Aussichtspunkt am Monte Veneretta ist 8,8km lang, wobei auf 5,6km rund 800 Höhenmeter bewältigt werden müssen. Das bedeutete, dass ich, ich machte die Wanderung alleine, ganze drei Stunden ausschließlich steil bergan steigen musste, teilweise über Treppen. Es war eine echte Herausforderung, aber die Tour selbst und die Aussichten waren die Anstrengung wert. Der Weg führt durch Taormina, an Castelmola vorbei und dann den Hang des Monte Veneretta hinauf.

auf dem Weg zum Monte Veneretta ist schon Frühling

Kurz vor dem Aussichtspunkt traf ich auf eine große schwarze Schlange. Ich hörte zuerst nur ein Geräusch. Als ich dem mit den Augen nachging, verschwand die Schlange gerade mit dem Kopf voran in einer Bruchsteinmauer. Der Umfang der tiefschwarzen Schlange maß ungefähr ein Dreiviertel meines Handgelenkumfanges, die Länge gut über einen Meter. Es war eine Prachtschlange. Sarah und Jason trafen bei ihrer Wanderung ebenfalls auf solch eine schwarze Schlange, die jedoch lange nicht so groß war. Meine Nachforschung ergab, dass es sich bei dieser schwarzen Schlange um eine Zornnatter handelt. Die normale Färbung ist gelbgrün, aber in Italien/Sizilien lebt eine schwarze Variante dieser Zornnatter. Sie ist nicht giftig und nicht aggressiv, aber bei Bedrohung beißt sie schnell zu und führt dann auch noch Kaubewegungen aus, was zu schweren Verletzungen führt.

am Hang des Monte Veneretta

Endlich war ich oben und genoss die Aussichten hoch über allem in Richtung Küste. Der Ätna hatte sich an diesem Tag dick in Wolken gehüllt, sonst schien die Sonne. Nachdem ich mich erholt hatte, nahm ich den Abstieg in Angriff, bis Castelmola den gleichen Weg, den ich gekommen war, dann wand ich mich in Richtung Giardini. Taormina passierte ich dabei fast ausschließlich über Treppen, Treppen ohne Ende, Wahnsinn. Irgendwann kam ich am namenlosen Fluss heraus, der in Giardini ins Meer fließt. Am Ende war ich gut fünf Stunden plus Pause auf den 17,6 Kilometern unterwegs.

hoch über der Küste und Giardini-Naxos

Alles Gute

Wir wünschen Euch, unseren treuen Lesern, ein tolles und friedliches Weihnachtsfest sowie einen Guten Rutsch ins Neue Jahr 2019.

Das vergangene Jahr 2018 brachte uns einen schönen Sommer im Baltikum. Seit Oktober sind wir in Italien bzw. Sizilien unterwegs, wo wir wohl bis zum Februar bleiben werden, um dann langsam die Heimreise nach Deutschland anzutreten. Weihnachten auf Sizilien bedeutet warmes Wetter, viel Sonnenschein und Orangen/Zitronen bis zum Abwinken. Schnee? Was ist das? Wenn wir Schnee wollen, fahren wir einfach den Ätna hinauf. Wenn nicht, lassen wir es bleiben. So stellen wir uns einen Winter vor.

Wir hoffen, dass Ihr ein schönes Jahr 2019 habt, mit vielen schönen Erlebnissen, gleich welcher Art diese für Euch auch sein sollen. Alles liebe und gute für Euch.

Weihnachtsbaum aus Kaktusblättern und Orangen

 

 

Catania

Zuerst wollten wir eine Zwischenstation auf dem Weg in den Süden Siziliens einlegen und von dort aus mit dem Smart nach Catania fahren. Man riet uns jedoch dazu, mit dem Bus nach Catania zu fahren, was dann doch die bessere Entscheidung war. Für nur 8,60 € pro Person Hin- und Rückfahrt von Recanati (Giardini-Naxos) aus fährt der Bus nur wenige Schritte vom Stellplatz entfernt ab. Ohne Zwischenstopp fuhr der Bus, nicht ganz pünktlich abgefahren und mit fast einer halben Stunde Verspätung in Catania angekommen, ins das Zentrum der Stadt. Vom Busbahnhof steuert man am besten zuerst den berühmten Fischmarkt von Catania an, denn der ist nur bis zum Vormittag besuchenswert. Das ist ein Fußweg von 1,3km.

Fischmarkt in Catania

Am Domplatz steht ein grau-weißes Gebäude. Passiert man dieses an der rechten Seite, steht man auf dem Fischmarkt, welcher sich ein paar Stufen tiefer befindet. So hat man gleich einen schönen Blick über alles. Das Handeln, die Fischer, die ihre Ware anpreisen, das ganze Ambiente erinnert an einen orientalischen Markt. Die Preise sind niedrig, die Fische und Meerestiere frisch. Hier kauft man gerne ein. Leider standen wir am Anfang unseres Stadtrundganges, so dass wir keinen Fisch mitnehmen konnten. Auf der Empore bietet ein kleiner Laden in Zitronensud gegarten Baby-Oktopus an, den wir unbedingt probieren mussten. So zarten Tintenfisch hatten wir noch nie gegessen, der war einfach lecker.

Baby-Oktopus in Zitronensud

Egal, welche Gasse wir weiter gingen, überall stehen Marktstände, an denen Obst, Gemüse und Fleisch angeboten werden. Sogar Zicklein bekommt man, für nur 8,-€ das Kilo. Einer der Stände bot einen Salat aus verschiedenen Wurst- und Käsesorten an, auch davon probierten wir. Frischer als hier bekommt man die Sachen nicht.

Markt in allen Gassen rund um den Fischmarkt

Irgendwann kamen wir an die Via Emanuele II. Nur ein paar Meter nach links kommt man zum Teatro Antico und das Odeon. Beide Theater liegen nebeneinander und sind ein Museum. Anfang des 8. Jahrhunderts vor Christus gründeten Griechen die Kolonie Catania. Möglicherweise errichteten schon die Griechen ein Theater an dieser Stelle, welches die Römer später übernahmen und ausbauten. Wenn man um den Block läuft, kann man auch die Rückseite mit den Eingängen der Theater sehen.
Etwas weiter oberhalb der Theater ist die Römische Therme zu finden.

Eingangstor zum Teatro Antico

Spaziert man die Via Emanuele II wieder zurück zum Domplatz, steht man vor der berühmten Elefantensäule. Der Elefant ist das Symbol von Catania. Dieser aus Lava gefertigte Elefant auf dem Domplatz stammt aus römischer Zeit. Er wurde nach der Zerstörung durch ein verheerendes Erdbeben 1693 aus den Trümmern geborgen. 1669 wurde Catania schon einmal durch eine Ätna-Eruption dem Erdboden gleichgemacht. Der auf dem Elefanten stehende Obelisk stammt aus Ägypten und wurde wohl im alten Amphitheater als Zielsäule verwendet. Ein Künstler aus Catania kam dann auf die Idee, aus diesen beiden Teilen die Elefantensäule zu kreieren.

Elefantensäule

Der Palazzo degli Elefanti ist heute das Rathaus. Er stammt aus der Zeit nach dem großen Erdbeben von 1693. Ebenfalls am Domplatz steht die beeindruckende Kathedrale Sant`Agata. Fast alle großen Gebäude Catanias sind im prunkvollen Barockstil erbaut, was mich an meine Heimatstadt Dresden erinnert. Geschwungene Formen, pralle Figuren, prachtvolle Verzierungen, der Barock macht einfach Spaß.

Domplatz mit der Kathedrale Sant`Agata

Leider ist die Bausubstanz Catanias ansonsten unter aller Kanone. In ganz Italien sind sehr viele Bauten dem Verfall preisgegeben, weil das Geld für die Renovierung fehlt. In Catania ist dieser Zustand sehr erdrückend.

Die Flaniermeile Catanias ist die Via Etnea, die sich vom Domplatz in Richtung Ätna ausdehnt, den man in einiger Entfernung sieht. Mehrere große Plätze lockern die Straße auf, die von vielen Geschäften und mancher Kirche gesäumt wird. Schon bald kommt man am Gymnasium links und der gegenüberliegenden Universität rechts vorbei.

Via Etnea

Folgt man der Via Etnea weiter, liegt irgendwann auf der linken Seite die Ausgrabungsstätte des Amphitheaters. Es wurde beim großen Erdbeben verschüttet und nur zum Teil wieder freigelegt. Dieses Amphitheater war eines der größten auf Sizilien, fasste 15.000 Zuschauer, die in 32 Sitzreihen Platz nahmen. Es hatte eine elliptische Form und maß 125×105 Meter. Es wurde im 2. Jahrhundert erbaut und Ende des 5. Jahrhunderts aufgegeben. Die Normannen nutzten beim Bau der Kathedrale im 11. Jahrhundert teilweise Steine und Säulen des Theaters.

Ausgrabungsstätte Amphitheater

Unser letztes Ziel in Catania war der Hafen der Stadt. Von hier aus fahren Fähren z.B. nach Neapel, Genua oder Malta. Es herrscht Ruhe im Hafen, die wir für eine Kaffeepause nutzten. Von hier aus blickt man über die Stadt hinweg zum Ätna, der der Stadt schon so manches Leid bescherte.

Fontana di Proserpina

Am Busbahnhof steht ein sehr schöner barocker Brunnen, der „Fontana di Proserpina“. Der Bus zurück nach Recanati fährt im Busbahnhof des Interbus (blaue Busse) ab, direkt hinter der Mauer, vor der wir abgesetzt wurden. Der Eingang befindet sich in der Via Archimede. Sollte jemand kein Rückfahrticket haben: das Ticketbüro von Interbus ist in der Parallelstraße Via D´Amico schräg gegenüber zu finden. Man bekommt allerdings auch direkt im Busbahnhof Tickets. Auf Verspätungen sollte man sich jedoch einstellen.

Tischdeko aus Treibholz

Ein Beispiel, um Treibgut zu verarbeiten, sind Tischdekos. Auf dem ersten Bild dient eine Schilfwurzel als Träger. Darauf habe ich einfach einen flachen Stein befestigt, auf welchem man z.B. Schmuckgläser für Teelichte stellen kann. Ein kleiner Stapel aus flachen Steinen sowie eine vom Wasser rundgeschliffene Fliesenscherbe sind weiterer Schmuck.

Eine zweite Möglichkeit zeigt das nächste Bild. Auf ein schönes Stück Treibholz habe ich Strandglas, einzeln oder als Stapel, platziert. Als Teelichtträger dient eine vom Wasser rundgeschliffene Fliesenscherbe.

Tischdeko aus Schilfwurzel

Tischdeko aus Treibholz

Eine andere Möglichkeit ist, Muscheln oder Schnecken als Dekoelemente auf Treibholz zu verwenden.

Giardini-Naxos

Antike Quellen berichten, dass Naxos 734 v.Chr. als erste griechische Kolonie auf sizilianischem Boden gegründet wurde. Schon 403 v.Chr. zerstörte der Tyrann Dionysius I. aus Syracus diese Kolonie. Heute nimmt das Archäologische Museum von Naxos einen großen Teil dieser alten Siedlung ein. Für 4,-€ Eintritt kann man sich über die Geschichte von Naxos informieren und über die alten Grundmauern, die allerdings zumeist unter Erde und Vegetation liegen, spazieren gehen.

Verteidigungsmauer von Naxos

Im 12. Jahrhundert war Naxos ein bedeutender Handelshafen, in dem die Schiffe aus und nach Messina kommend Zwischenstopps einlegten. Hier wurden auch Waren aus dem fruchtbaren Hinterland von Giardini-Naxos umgeschlagen.
Seit dem 13./14. Jahrhundert diente eine Festung am Kap Schisó in Naxos mit Beobachtungstürmen dem Schutz der Küste Siziliens, um sich gegen die Angriffe von Mittelmeerpiraten, aus Nordafrika kommend, zu schützen. 1566 wurde diese Festung zerstört und musste wieder aufgebaut werden. Die Festung am Kap Schisó arbeitete z.B. mit der Festung im benachbarten San Marco zusammen. Die Verbindung zwischen den beiden Festungen hielten mehrere Beobachtungstürme, wie der Vignazza-Turm am Kap Schisó. Die Verständigung erfolgte durch Rauch oder Feuer, so dass sich die Festungen über drohende Überfälle gegenseitig informieren konnten. Der Vignazza-Turm gehört heute gemeinsam mit dem alten Fort und der Verteidigungsmauer ebenfalls zum Archäologischen Museum von Naxos. Als die Franzosen 1830 Algier eroberten, hörten die Überfälle der Mittelmeerpiraten auf Sizilien auf.

Vignazza-Turm

Das Wohnhaus der Festung, direkt auf einem Lavafluss errichtet, befindet sich am Rand der Schisó-Bucht. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Seite zur Promenade herausgeputzt und mit Balkonen versehen. Leider ist von der einstigen Pracht kaum noch etwas übrig. Reiche Familien aus verschiedenen Gegenden waren über die Jahrhunderte Besitzer des Wohnhauses.

ehemaliges Wohnhaus der Festung Naxos

Auf der Piazza Apollo Archegeta in Naxos, in der Nähe des Flusses Venera, befand sich ein großes antikes Heiligtum. Sehr viel konnte bei den Ausgrabungen in der Neuzeit nicht mehr zutage gefördert werden, weil die wilden Fluten der Venera das noch zerstört hatten, was die Zeit übrig gelassen hatte. Es erinnert nur eine Tafel mit Lageplan an die antike Stätte. Eckige grüne Anlagen, wahrscheinlich die Lage der religiösen Gebäude kennzeichnend, werden von Freiflächen mit Gehwegplatten umgrenzt. Das Heiligtum widmete man der blutdurstigen Göttin Enyó, die als böser Geist von den Menschen Besitz ergreifen konnte. Sie hielt in der griechischen Mythologie eine enge Verbindung zum Kriegsgott Ares. Wir hatten bisher noch keinen griechischen Tempel für böse Götter kennengelernt.

Das ist in etwa die Geschichte von Naxos. Heutzutage bildet Naxos einen Teil von Giardini-Naxos an der Schisó-Bucht. Der lange Sandstrand, durchsetzt mit Lavabrocken, ist ein beliebtes Ziel für Sommertouristen. Die Stadt hat sich zum Badeort schlechthin gemausert, mit Hotelvierteln wie Recanati. In der warmen Jahreszeit werden viele Aktivitäten wie Ausflüge zum Ätna, Bootsausflüge oder Wassersportmöglichkeiten angeboten. Im Winter ist es da sehr ruhig. Jetzt kann man in Ruhe durch die Gassen oder am Strand entlang spazieren. Von vielen Stellen aus ist der Ätna zu sehen. Mehrere Kunstwerke schmücken den Uferbereich. Am südlichen Ende des Kap Schisó befindet sich der Hafen, dahinter eine Aussichtsplattform, die sich auf dem Ende eines 8000 Jahre alten Lavaflusses ausbreitet. Am nördlichen Ende wird die Bucht vom Kap Taormina abgeschlossen.

Kap Schisó

Zum Überwintern ist Giardini-Naxos ideal, denn es wird von den Bergen Siziliens vor Wetterunbilden geschützt. Es herrscht weniger Wind, so dass das Klima ruhiger und wärmer als auf dem Rest der Insel ist. Die Landschaft ist interessant. Es gibt die Berge, den Vulkan, das Meer und viele interessante Orte, die es zu erkunden gilt.

Gruß an das alte Naxos

Wir stehen auf dem Womo-Stellplatz Aurora. In fast unmittelbarer Umgebung existieren noch ein Campingplatz und der Womo-Stellplatz Eden-Parking. Die Winter-Gebühren liegen zwischen 7,-€ und 10,-€. Nach den Rabattstaffelungen muss man bei der Ankunft beim Betreiber fragen.

 

Windspiele aus Schilf

An manchen Mittelmeerstränden liegen jede Menge abgestorbene und angeschwemmte Schilfstängel herum. Viel zu schade, aus diesen nicht etwas zu basteln. Wir haben daraus ein Windspiel gemacht, nach dem Vorbild derer aus Bambus. Schilf funktioniert genauso gut und es ist einfach zu bearbeiten.

Schilfstängel, am besten die dicksten, also auf Länge schneiden. Ob alle gleich lang sind, oder unterschiedliche Länge haben, ist egal. Wir haben sieben Stangen in Längen von 35cm bis 70cm geschnitten. Als nächstes jede Stange etwa in der Mitte unter 45 Grad bis auf die Hälfte des Durchmessers einsägen, dann beidseitig bis zum Ende der Stange mit einem Messer aufschneiden. So erhält man eine Art Orgelpfeife. Ganz oben zwei kleine Löcher bohren, um die „Orgelpfeifen“ aufzuhängen.
Jetzt benötigt man ein rundes Brett, oder irgendetwas anderes, was greifbar ist und passt, etwa 12-15cm im Durchmesser. Darin bohrt man sieben gleichmäßig verteilte kleine Löcher am Rand entlang. Jetzt kann man die „Orgelpfeifen“ daran befestigen.
Nun fehlt noch ein runder flacher Stein in der Mitte, etwa 8-9cm im Durchmesser, und ein beliebiger Stein darunter. Beide Steine werden in der Mitte des Windspieles mit einem wetterfesten Faden, Angelsehne o.ä., am oberen Brett festgemacht (siehe Foto). Dafür ist ein weiteres kleines Loch in der Mitte des Brettes nötig. Wir haben ein am Strand gefundenes Plastikteil verwendet, welches mit Sprühkleber und Sand beschichtet wurde. Leider war nur grauer Sand verfügbar.
Mit einem Tragfaden kann das selbstgemachte Windspiel dann aufgehängt werden. Der Klang ist angenehm holzig.

Windspiel aus Schilf

Durch Zufall entdeckte ich, dass sich aus den Samenkapseln einer Mimosenart (wahrscheinlich Jacaranda), die direkt vor unserem Stellplatz in Giardini-Naxos (Sizilien) herumliegen, ein Windspiel basteln lässt. Schilf hatten wir noch genug übrig, welches wir am Strand gesammelt hatten. Daraus schnitten wir eine 44cm lange Stange und schrägten die beiden Enden nach unten hin ab. Nun bohrten wir sieben kleine Löcher durch die Stange hindurch. Als nächstes bindet man die Samenkapseln mit einem dünnen Faden am Stiel fest, fädelt den Faden durch die Schilfstange und befestigt diesen oben. Dann noch einen Aufhänger basteln und schon ist das außergewöhnliche Windspiel fertig. Es hat in etwa den selben Klang wie das vorher beschriebene Windspiel, nur dass es viel einfacher herzustellen ist.

Windspiel aus Jakaranda-Samenkapseln und Schilf

 

 

Ätna Nordhang

Als wir die Südseite des Ätna besuchten waren wir schon begeistert. Die Nordseite ist noch viel schöner, weil interessanter. Die Auffahrt nach Piano Provenzana beginnt in Linguaglossa. In vielen Serpentinen und oft großen Steigungen windet sich die Straße den Hang des Vulkans hinauf. Den ersten Stopp legten wir bei Rifugio Ragabo ein. Fünfzig Meter vor dem Parkplatz führt ein Fußweg rechts in den Wald, zur Grotta di Corruccio. Der Weg ist nur 250m weit. Am Ende steht man auf einem Lavatunnel. An zwei Stellen ist die Decke nur ein kleines Stück eingebrochen, so dass es aussieht, als wären das Eingänge zu Höhlen. Am Ende des Tunnels ist die Decke komplett verschwunden und eine Art Kanal führt talwärts. Die Aussicht von hier in Richtung Taormina und das Meer ist wunderschön.

Lavatunnel

Immer weiter geht es nach oben, bis sich der Kiefernwald, der den Hang bedeckt, endet. Einige Picknick-Plätze wurden bis dorthin angelegt, von denen Wanderwege ausgehen. Der lichte, jetzt herbstliche Kiefernwald ist von Eichen und Buchen durchsetzt.
Hat man den Wald hinter sich gelassen, ist der Blick auf die nördlichen Gipfel des Ätna frei. Außerdem durchquert man gleich einen breiten schwarzen Lavafluss. Schwarze Bröckellava, einzelne grüne Bäume und der Schnee des Ätna bilden zusammen eine fantastische Kulisse. Kommt am frühen Vormittag dort an und die Sonne spielt mit, ist die Beleuchtung optimal und setzt das Bild bestens in Szene.

hinter dem Kiefernwald

Das nächste Ziel ist Piano Provenzana auf ca. 1800m Höhe. Diese Anlage wurde auf dem Lavastrom von 2002 errichtet. Die Souvenirbuden sind geschlossen, Parkgebühren will keiner haben und man ist fast alleine mit dem Vulkan. Von hier starten mehrere Wanderwege, z.B. zum Monte Nero. Die Schranke kann man ignorieren, außer bei akuten Ausbrüchen. Mit festen Schuhen ist der Weg nach oben gut zu bewältigen. Immer wieder führt der Weg über Lava. Links vom Weg kommt man bald an einem verschütteten Haus vorbei, gegenüber ist der Rest eines Mastes noch zu sehen, den die Lava seinerzeit umgestoßen und teilweise begraben hat. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll, denn man ist von einer Fülle von schönen Motiven umgeben. Nach etwa der Hälfte des Weges drehten wir um und gingen zum Parkplatz zurück.

Fotomotive überall auf dem Weg

Ein Stück weiter hinten startet der Skilift und der Wanderweg zum Hauptkrater des Ätna. Der Weg zum Monte Conca lohnt sich nicht. Das war wohl vor Urzeiten ein Krater, aber der Berg ist nicht mehr als solcher zu erkennen und vollkommen bewaldet.
Dann ist die Straße zu Ende und man muss wieder zurück auf die Ringstraße, um nach Sant Alfio weiter zu fahren. Auf der zweiten Abfahrt nach rechts kommt man zum Rifugio Citelli, das auf 1741 Metern Höhe liegt. Das Restaurant hat wohl über den Winter geschlossen und auch sonst ist nicht viel los auf diesem Platz, aber von hier aus hörten wir, wie der Vulkan arbeitet. Dumpfe, kurze und fauchende Geräusche drangen von den Hauptkratern herunter. Die Rauchwolken, die am Vormittag noch ganz weiß waren, nahmen jetzt eine schmutzige Farbe an. Werden wir heute Abend wieder kleine Eruptionen sehen?

dieser nördliche Krater spukt seit ein paar Abenden Feuer und Lava

Vom Rifugio Citelli geht es fast immer abwärts. Die Serpentinenstraße verbindet weiter unten viele kleine Siedlungen miteinander, so wie am ganzen unteren Hang rund um den Vulkan. Immer wieder wurden alte Lavaströme durchstochen, die inzwischen mit Flechten bewachsen sind, um die Straße bauen zu können. Während viele dieser Ströme irgendwo am Hang enden, floss einer von ihnen bis nach Giarre. Das sieht man sehr gut vom Parkplatz in Höhe des Ortseingangsschildes von Sant Alfio aus.

Lavafluss nach Giarre

In Sant Alfio selbst gibt es eine Sehenswürdigkeit anderer Art. Sie ist nicht bei Google zu finden, aber Hinweisschilder im Ort führen dorthin. Es ist ein Baum, der sich „Kastanie der 100 Pferde“ nennt. Der Hinweis kam gerade gestern von einem österreichischen Paar, die mit ihrem Wohnmobil auch eine Zeit auf dem AuroraParking in Naxos verbringen wollen.
Die gewaltige Kastanie schätzt man auf 3600-4000 Jahre alt. Sie ist so alt, dass von dem ursprünglichen Baum kaum noch etwas übrig ist. Was heute zu sehen ist, sind Seitentriebe aus dem Urbaum. Der Umfang des Stammes, der eigentlich keiner mehr ist, misst 22 Meter, die Höhe beträgt ebenfalls 22m. Es ist somit der älteste Baum in Europa und der größte Baum Italiens. 1965 wurde die Kastanie als Nationales Monument deklariert und 2006 in das UNESCO-Erbe aufgenommen. Woher kommt der Name des Baumes? Eine Legende erzählt, das die mysteriöse Königin Gióvanna I de`Angio, die mitsamt ihren 100 Rittern und genauso vielen Pferden unterwegs war, unter dieser Kastanie Schutz vor einem plötzlich ankommenden Sturm Schutz fand. Das muss sich in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts zugetragen haben. Ein Besuch des uralten Baumes ist in jedem Fall interessant.

wahrscheinlich 4000 Jahre alte Kastanie

Bisher habe ich noch nicht erwähnt, dass das gesamte Vulkanmassiv des Ätna ein Naturpark ist, der von einer Ringstraße umschlossen wird. Auch eine Bahnlinie führt am Fuße des Berges entlang, die man für eine entspannte Rundfahrt nutzen kann.

1. Advent 2018

Jetzt ist doch tatsächlich schon wieder ein Jahr vergangen und Weihnachten 2018 steht vor der Türe. Für uns war es ein gutes Jahr. Den Sommer durften wir im Baltikum verbringen und jetzt sind wir über den Winter in Sizilien. Hier freuen wir uns über den italienischen Winter, der eigentlich ein Frühling ist. Nur wenige Bäume verlieren ihre Blätter und frisches Grün spießt jetzt überall. Es regnet nur alle paar Tage einmal. Wenn die Sonne scheint, ist es gleich wieder warm. Jeden Tag richten wir unseren Blick auf den nahen Ätna, der nie langweilig wird. Wir haben einen guten Platz in Giardini-Naxos und werden nach den bisherigen drei Wochen noch bis nach Weihnachten hier bleiben. Dann werden wir die Insel-Rundfahrt starten und langsam ans nach-Hause-fahren denken.

Wir wünschen Euch Allen eine wundervolle und ruhige Weihnachtszeit mit den Lieben. Wer noch ein Geschenk sucht, für den seien unsere Reiseberichte empfohlen, um ein bisschen Fernweh zu Hause zu versprühen.

Verbringt einen schönen 1. Advent und seid gegrüßt von uns A+K Weltenbummler
Angela und Klaus

 

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