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Reisen rund um die Welt

San Vito Lo Capo

Das westlichste Kap im Norden Siziliens ist etwas für Naturliebhaber, im Sommer auch für Badebegeisterte und Taucher. Der Strand der Stadt ist der schönste, den wir bisher in Italien/Sizilien gesehen haben, das Wasser ist tiefblau und glasklar, und die Landschaft ist einfach nur traumhaft. Jetzt im Winter hat man das alles fast für sich alleine. Entweder lässt man in Ruhe die Seele baumeln oder man unternimmt Wanderungen an den felsigen Küsten oder durch die Berge.

traumhafte Landschaft am Capo San Vito

Vom Leuchtturm aus nach Westen führt ein Weg zwischen der Küste und den Steilwänden entlang. In den Steilwänden sind unzählige Höhlen und Grotten zu finden, mal einfach zugänglich, mal nur mit bergsteigerischen Fähigkeiten und der entsprechenden Ausrüstung. Diese senkrecht abfallenden Kalksteinwände sind ein Kletterparadies, obwohl sie naturgemäß sehr bröckelig sind.

jede Menge große und kleine Höhlen und Grotten zieren die Kalksteinwände

In der Grotta di Cala Mancina wurden steinzeitliche Werkzeuge wie Faustkeile und Speerspitzen gefunden, berichtet eine Infotafel. Bis zu dieser Grotte ist ein guter Weg verfügbar. Will man noch bis zur Pferdehöhle weitergehen, muss man einem kleinen Trampelpfad folgen. Die Pferdehöhle und eine gleich links davon liegende große Höhle liegen etwas erhöht, so dass etwas Kletterei vonnöten ist, um dorthin zu gelangen. Wofür die weißen Kalksteine, exakt in länglichen oder runden Gebilden aufgestapelt, gut waren, wissen wir nicht. Es gibt mehrere davon, die sich in einem Gebiet konzentrieren.

mysteriöse Steinhaufen zwischen Meer und Felsen

Zum Wasser kommt man eher nicht, denn das Ufer ist über eine große Breite mit spitzen, hochstehenden Felsnadeln übersät. Auch hier, wie am Monte Cofano, sind wieder Stacheln von Stachelschweinen am Wegesrand zu finden, wenn man die Augen offen hält.

Entweder geht man denselben Weg dann wieder zurück oder man kommt irgendwann am Torre Isulitta aus dem 16. Jahrhundert, welcher auf einer Steilwandecke thront, heraus. Unterhalb des Turmes kann man einem kurzen Naturpfad am Fuße der Steilwand folgen.

Torre Isulitta

Ein anderes Wandergebiet befindet sich im Osten der Halbinsel Capo San Vito. Kostenlos ist der Weg hinauf zum 528 Meter hohen Monte Monaco. Kurz vor dem Gipfel, auf dem ein Kreuz steht, kann man hinunter zum Golfo di Cofano im Westen und zum Golfo di Castellammare im Osten sehen. Dort sind auch noch die Überreste zweier Steinbrüche zu erkennen.

Gipfelkreuz auf dem Monte Monaco

Für Schwindelfreie bietet sich vom Kreuz aus eine sicher aufregende 360°-Sicht, mit der Stadt San Vito Lo Capo zu Füßen. Einen guten Blick auf die Stadt mit Strand, Hafen und Leuchtturm hat man auch von etwas weiter unten.

Blick auf San Vito Lo Capo

Ich bin von der Ostseite des Berges aus gestartet. Von dort aus ist der Weg zum Monte Monaco gut ausgeschildert. Zurück auf die Westseite, zum Parking Camping Giovanni, auf dem wir ein paar Tage lang stehen, musste ich mir mit der App MapsMe den Rückweg suchen. Den kurzen Weg gibt es heute praktisch nicht mehr, wahrscheinlich zu steil und zu gefährlich, also nahm ich den langen Weg und kam direkt auf dem Gelände des Marmorsteinbruches heraus. Der Weg ist zwar auch stellenweise abenteuerlich, aber irgendwie muss man ja wieder herunter kommen.

Der Zugang zum Naturschutzgebiet Zingaro kostet 5,-€ pro Person, ab 65 Jahre ist auch dieses kostenlos.

Eingang zum Naturschutzgebiet Zingaro

Die gute Fee des vorher erwähnten Campingplatzes, Stella, kümmert sich mit viel Hingabe um ihre Gäste und den Platz. Manchmal kommt sie herum und gibt ein Gläschen Marsala-Wein für jeden Gast aus. Der Platz kostet 13,-€ pro Nacht, ab 3 Nächten 10.-€, inkl. Blick auf den Monte Monaco und den weiterführenden Bergrücken.

Sonnenuntergang am Monte Monaco

Stella wies uns darauf hin, dass im Sommer viele tolle Veranstaltungen, wie z.B. ein Ballonfest oder Couscousfest, stattfinden.

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Monte Cofano

Wir haben ein traumhaftes Plätzchen zum Stehen und Übernachten gefunden. Zwischen dem Monte Cofano und San Vito Lo Capo im äußersten Nordwesten Siziliens breitet sich eine kleine Ebene zwischen den Bergen und dem Meer aus. Direkt am Strand liegt ein großer freier Platz mit einem atemberaubenden Panorama. Es ist der schönste Platz auf unserer bisherigen Italien/Sizilienreise, auf dem wir zwei fast windstille und sonnige Tage erleben durften.

traumhafter Stellplatz kurz vor San Vito Lo Capo

Es ist eine felsige Küste mit nur wenigen schmalen sandigen Zugängen ins Meer. Zudem sind Spuren zu finden, dass vor langer Zeit der Kalkstein dieser Ebene von Menschen gebrochen wurde. Die Steine wurden wahrscheinlich für den Häuserbau verwendet.

Spuren menschlichen Wirkens

Unterhalb des großen freien Platzes ist „roter Sand“ zu finden. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass es sich bei den winzigen roten Stücken um Bruchstücke der Roten Koralle handelt. Hier haben wir nun den Beweis dafür, dass es vor der Küste Rote Korallen gibt. Wie ich schon im Bericht für Trapani geschrieben habe, sind die Roten Korallen geschützt. Ich konnte aber nicht umhin, etwas von dem „roten Sand“ zu sammeln, für Dekozwecke. Es war einfach zu verlockend. Da kann ja niemand etwas dagegen haben.

„roter Sand“

Nun lockte uns aber doch das Naturschutzgebiet Monte Cofano. Es führt ein Wanderweg um den Berg herum, der bis nach Cornino am Südende reicht. Auf dem Weg sind viele interessante Dinge zu sehen, wie zwei Wehrtürme, Höhlen und uralte Siedlungsspuren.

Am Eingang zum Naturschutzgebiet steht ein Tickethäuschen, welches jetzt aber nicht besetzt ist. Der Zutritt des Parks ist zwar durch Schilder verboten, wegen Steinschlaggefahr, aber es gibt keine Zugangsbeschränkungen. Man ist wahrscheinlich auf eigene Gefahr unterwegs, aber solange es keine Wetter- oder sonstige Unbilden gibt, ist die Gefahr eines Steinschlags wohl eher gering. Der Wanderweg ist wunderschön und es wäre wirklich schade, wenn man sich nicht dazu durchringen könnte.

badetauglicher Zugang

Zuerst trifft man auf den Torre della tonnara di Cofano, den Turm mit Thunfischschlinge, was immer das heißt. Der Turm aus dem Jahre 1404 ist trotzdem einzigartig auf Sizilien, denn er besitzt konkave Wände. Sie haben eine Dicke von 2,5m im Erdgeschoss, und eine Weite von Ecke zu Ecke von 17,4 Metern. An jeder Seite sind mehrere runde Löcher zu sehen, aus denen zur Verteidigung für die Angreifer ungesunde Dinge hinab geschüttet werden konnten. 1560 landeten Piraten an der Küste, nahmen die Thunfischer gefangen und verkauften sie in die Sklaverei.

Torre della tonnara di Cofano

Nahe des Turms sind auch Spuren einer römischen Siedlung sowie aus dem Felsen gehauene Becken aus dem 4.-3. Jahrhundert v.Chr. zu finden. Zu dieser Zeit wurde „Garum“, die berühmte römische Fischsoße, produziert.

Als nächstes stößt man auf die Überreste zweier alter Kalkbrennöfen. Solche Öfen kennen wir von unseren Reisen rund um die Welt. Hier erfuhren wir jedoch das erste Mal, dass die abgebauten Kalksteine eine ganze Woche im Ofen „backen“ mussten. Danach verschloss man die Öffnung des Ofens und der Kalk kühlte eine Woche lang darin ab. Nach dieser Zeit entnahm man den gebrannten Kalk und übergoss ihn mit Wasser. Dadurch brach das Gestein auf. Den so entstandenen Kalk verwendete man dann für verschiedene Bautätigkeiten.

Kalkbrennofen (teilweise rekonstruiert)

Eine Spur, die noch weiter in der Zeit zurück führt, nämlich in das 5.-4. Jahrhundert v.Chr., als die Griechen hier lebten, ist auf dem Plateau ganz oben zu finden. Es ist eine Zisterne, in die Stufen hinunter führen. Darin wurde wahrscheinlich Regenwasser gesammelt, welches für die Versorgung der hiesigen Einwohner diente. Allerdings währte deren Zeit nicht lange, denn bald beendeten die Karthager ihre Herrschaft, wie an so vielen Plätzen in Sizilien. Diese Info entnahmen wir den Infotafeln am Wegrand, denn gesehen haben wir die Zisterne nicht.

Am „Weg der Braut“ stößt man auf den Schrein des Heiligen Nikolaus. Ein Relief aus weißem Marmor stellt den Heiligen Nikolaus, Bischof von Bari, mit drei Jungen auf einem Boot dar. Durch die römische Inschrift lässt sich das Relief datieren.

Schrein des Heiligen Nikolaus

Um den „Weg der Braut“ rankt sich die Legende um eine Familientragödie. Der heutige Wanderweg war vor langer Zeit die kürzeste Verbindung zwischen den Ortschaften an der Küste. Eine junge Braut starb an dieser Stelle durch den Sturz über das Cliff ins Meer. Der bei sonnigem Wetter hellblau scheinende Teil im Wasser unterhalb der Stelle soll der Schleier der Braut sein. Niemand weiß jedoch, wann sich dies zugetragen hat.

Den Weg immer weiter gehend, erreicht man bald darauf die „Grotte des Heiligen Kreuzes“. Der Eingang zur Höhle ist riesig und von unten nach oben spitz zulaufend, eine natürliche Form im Kalksteinfelsen. Es wurden Artefakte gefunden, dass diese Höhle schon vor 11.000 Jahren von Tieren und später von Menschen genutzt wurde. Die Menschen lebten von Wildschweinen, Hirschen und Muscheln, wie Funde bei Ausgrabungen zeigten. Diese Höhle wurde anscheinend noch bis in jüngere Zeit genutzt, was die rußgeschwärzten Wände der Höhle belegen. Den Rauchabzug übernahm ein natürliches Loch in der Felswand oberhalb des Höhleneinganges.
In der hintersten Ecke der großen Höhle ist der Zugang zu einer weiteren Höhle zu sehen.

Grotte des Heiligen Kreuzes

Das Ziel dieser interessanten Wanderung war der Saint John-Turm, welcher im Juni 1595 errichtet wurde. Dieser Turm wurde im späten 16. Jahrhundert teil des Verteidigungssystems der sizilianischen Küste gegen die türkischen Angreifer, welches im Auftrag des spanischen Königs aufgebaut wurde. Wie schon bei den Römern wurden Signale über Feuer, Geschütze oder Flaggen von Turm zu Turm getragen, wenn Gefahr bestand. Die Besatzung solch eines Turms bestand normalerweise nur aus einem Kommandanten und zwei Schützen.

Saint John-Turm, im Hintergrund der Berg mit Erice

Hier drehten wir um und stolperten den ganzen Weg wieder zurück. Der Wanderweg ist eher ein Hindernisweg, bei dem man jeden Schritt bewusst setzen sollte. Bei den Kalkbrennöfen zweigt ein steiler Weg den Berghang hinauf ab, der zu einem großen Überhang führt, der auch schon immer Tier und Mensch als Schutz diente. Der Weg ist nicht für jedermann zugänglich. Man sollte trittsicher und halbwegs schwindelfrei sein. Ist man endlich oben angelangt, liegen einem das Meer und die Küste mit den Zeichen frühen menschlichen Lebens zu Füßen.

großer Überhang oder Höhle

Laut der App MapsMe führt der Weg, den man nach oben genommen hat, auf der anderen Seite etwas komfortabler wieder nach unten, und zwar zurück zum Torre della tonnara di Cofano. Da gibt es nur ein winziges Problem: die Überwindung einer mehrere Meter hohen senkrechten Felswand. Da wir uns das nicht zutrauten, mussten wir wohl oder übel den abenteuerlichen und steilen Weg wieder nach unten klettern, den wir gekommen waren.

Eine unerwartete Überraschung bietet das Naturschutzgebiet auch noch. Wir fanden, und konnten es nicht glauben, Stachelschweinborsten. Nachforschungen ergaben, dass das Gewöhnliche Stachelschwein tatsächlich in Süditalien und auf Sizilien lebt, wahrscheinlich seit den Zeiten der Römer, die sie eingeführt haben sollen. Wir haben uns über diese Funde gefreut.

unverhoffter Fund im Naturschutzgebiet: Stachelschweinstachel

Erice

In 751 Metern Höhe, auf dem Bergmassiv mit dem Monte Erice, liegt die mittelalterliche Stadt Erice. In den Gassen der Stadt scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Nichts hat sich seit damals geändert. Man spaziert über die alten Pflaster der gewundenen Gassen, an denen die kleinen mittelalterlichen Häuser stehen. Nur die Kirchen nehmen den ihr gebührenden Raum ein, und natürlich das Castello de Venere aus dem 12. Jahrhundert.

eine der Gassen in Erice

In der Antike soll an dieser höchsten Stelle ein Venus-Tempel gestanden haben. Der Legende nach soll Eryx, der Sohn von Aphrodite, den Ort gegründet haben. Das normannische Kastell hat dann den Namen übernommen.

Castello Venere in den tiefhängenden Wolken

Von vielen Stellen aus hat man einen wunderschönen Blick hinunter über die Landschaft, fast in jede Richtung. Allerdings zieht es um diese Jahreszeit ganz schön kalt um die Ecken, ein Nachteil der exponierten Lage und der Höhe. Wir mussten auch vier Tage warten, dass die tief hängenden Wolken die Stadt freigeben. Das hat nicht ganz geklappt, trotzdem schickte die Sonne immer mal wieder für einen kurzen Moment Ihre Strahlen nach Erice.

Blick nach Norden zum Monte Cofano

Eigentlich ist Erice berühmt für sein Marzipan, welches bergeweise darauf wartet, von den Touristen gekauft zu werden. Leider konnten wir nichts dergleichen finden, denn es hatte fast alles geschlossen. Nur einige Souvenirgeschäfte und das kleine hübsche Café San Giuliano laden Gäste ein.

Café San Giuliano

Es lohnt sich trotzdem auch im Winter zu kommen, denn die vielen kleinen architektonischen Details, die vom Arabischen, über das Normannische bis hin zum Barock reichen, machen den Stadtbummel durch das Juwel Erice besonders. Außerdem ist man fast alleine unterwegs und man kann die Ruhe genießen.

außergewöhnliche Kuppel der Kirche San Giovanni Battista

Wir wollten uns die angeblich wunderschöne Fahrt mit der Seilbahn nicht entgehen lassen, aber leider ist diese wegen Revision bis Ende März geschlossen. Die westlich um den Berg führende Straße nach Erice ist jedoch mindestens genauso schön, mit den vielen Aussichten über Trapani und die Salinen, bis hin zu den Ägadischen Inseln, sowie die Fahrt durch die Karstlandschaft selbst.

Blick über Trapani zu den Ägadischen Inseln

Hinunter nahmen wir die ostwärts verlaufende, sehr kleine, sehr kurvige, eigentlich gesperrte Straße. Da hat es wohl einige Unfälle gegeben, bei denen die Autos von der Straße abkamen und den meist senkrechten Hang abstürzten. Einige Spuren zeugen von den Tragödien. Da kann man nur der Technik des eigenen Autos vertrauen. Wir wurden nicht enttäuscht.

Trapani

Nach fast drei Tagen Sauwetter mit Regen, Sturm, Kälte und Dunkelheit, die wir auf dem Parking Le Saline im Südosten Trapanis zubrachten, kommt nun endlich die Sonne wieder zum Vorschein. Viel konnten wir in der Zeit nicht unternehmen, es war einfach zu eklig. Auf den Fotos kommt das auch nicht gut. Also guckten wir Videos, spielten Karten, fuhren mal zum Einkaufen oder was man sonst so macht.

Am Nachmittag des dritten Tages klarte sich der Himmel kurzzeitig auf und wir nutzten die Zeit, um den Salinen von Trapani und Paceco einen Besuch abzustatten, die ein Naturschutzgebiet sind. Mit dem Auto kann man sich nur am äußeren Rand der Salinen bewegen, aber es führen viele Fußwege hindurch. Der zentrale Punkt ist das Salzmuseum, welches auch Exkursionen durch die Salzpfannen anbietet.

Blick über die Salinen zum Monte Erice

Überall liegen Salzhügel verteilt, die statt schneeweiß eher grau sind, so lange liegen sie schon. Manche sind mit einer Schicht Dachpfannen geschützt. Die Salzproduktion läuft in Trapani nur von April bis Ende September, da die Wetterbedingungen keinen Abbau im restlichen Jahr zulassen, wegen fehlender Verdunstung. Im Winter werden die Becken gereinigt und mit dem inzwischen gesammelten Schlamm abgedichtet. Dann werden im Frühjahr die Salzpfannen wieder geflutet und der Zyklus geht von vorne los.

mit Dachziegeln geschützte Salzhügel

Die Salinen, wie überall in der Welt, sind ein Paradies für Vögel. Während wir auf der bisherigen Fahrt durch Italien und Sizilien noch nicht gerade verwöhnt wurden, was Vogelbeobachtungen angeht, haben sich in den Salinen von Trapani und Paceco schon einige Arten eingefunden. Mehrere Entenarten wie Löffelente, Brandgans und Spießente, Rotschenkel und vor allem die immer wieder faszinierenden Rosaflamingos tummeln sich in der geschützten Wasserlandschaft. Die tollen Farben der Flamingos kommen erst richtig im Sonnenlicht zur Geltung, erst recht wenn sie ihre Flügel ausbreiten. Ich kann mich kaum an ihnen sattsehen.

immer wieder faszinierend: Rosaflamingos

Endlich wieder ein Tag mit mehr Sonne als Wolken, so dass wir eine Fahrt im Uhrzeigersinn rund um das Bergmassiv machen konnten, auf dem Erice liegt. Die Straße führt bis nach Valderice meist bergan. Ab und zu hat man einen schönen Blick auf Trapani und die Küste mit den Salinen. Dann biegt man nach Norden ab und bekommt tolle Ausblicke auf diese Küste. Trapani liegt auf einer langen Landzunge und ist eigentlich überall von Wasser umgeben. Bei Sonnenschein leuchtet das Meer herrlich blau, nur die Strände sind jetzt überall mit Müll und abgestorbenem Seegras übersät, was wenig appetitlich ist.

Blick von Tonnare di Bonagia zum Monte Cofano

Klaus hat mich dann 10km vor dem Hafen Trapanis abgesetzt und ich bin zu Fuß zurück gelaufen, immer am Wasser entlang. Dabei kommt man an mehreren Sandstränden, Ruinen einer alten Thunfischfabrik und der stillen Rückfront Nordtrapanis vorbei. Der alte Fischmarkt, eine alte Festung (Bastione Conco) und ein alter Turm sorgen außerdem für Abwechslung auf dem Weg.

alter Fischmarkt

Ein Stadtbummel durch Trapani lohnt eigentlich nur entlang des Corso Vittorio Emanuele, wo sich sehr schöne Barockbauten ein Stelldichein geben. Sie als Flanier- und Einkaufsmeile zu bezeichnen, ist allerdings etwas übertrieben.

Dieses Detail am Corso Vittorio Emanuele erinnert mich an das Dresdner Schloss

Sehenswert ist auch die Front entlang der Fähranleger, wo unter anderem das Denkmal für Giuseppe Garibaldi, der 1890 in Trapani eintraf, zu finden ist. Über den Namen Giuseppe Garibaldi stolperten wir schon auf der ganzen Reise durch Italien/Sizilien. In Marsala erfuhren wir, dass er 1860 mit tausend Freiwilligen mit Schiffen in Marsala landete, um Sizilien von den letzten Besatzern zu befreien und Italien zu einigen.

nettes Detail gegenüber der Fähranleger

In Trapani wurde früher viel Rote Koralle verarbeitet, die immer noch vor den Küsten Siziliens gedeihen soll. Diese Korallenart ist inzwischen streng geschützt und so hat der Handel mit echter Koralle stark nachgelassen. Es gibt zwar immer noch Schmuckgeschäfte, in denen Korallenschmuck angeboten wird, der ist aber fast immer aus Plastik.

Markttag ist jeden Donnerstag auf dem Platz am großen Schwimmbad. Es gibt aber fast nur Klamotten und Krimskrams. Nur wenige Verkäufer bieten Obst, Gemüse oder Spezialitäten an. Der Fischmarkt am Hafen findet dagegen jeden Morgen statt.

Thunfischprodukte und Baccala (Trockenfisch) auf dem Wochenmarkt

Vor Trapani liegen die Ägadischen Inseln. Die drei größten heißen Levanzo, Favignana und Marettimo. Ihre hohen Felsen sind nicht zu übersehen. Die Inseln können vom Fähranleger Trapanis aus besucht werden. Es soll sich lohnen, aber dann wohl doch eher in der warmen Jahreszeit.

Mazara del Vallo

Wir haben die Hafenstadt Mazara besucht, weil im Reiseführer steht, dass die Altstadt durch ihr arabisches Flair besticht. Das einzig arabische, das wir gefunden haben, sind die verschlungenen und engen Gassen. Hier und da sind vielleicht noch arabische Stilelemente zu sehen. Aus der arabischen Zeit stammt jedoch noch die Kasbah, in der heute das Museum „Des tanzenden Satyrs“ untergebracht ist, und der Turm, der inzwischen die Chiesa San Nicolò Regale ist. Der „tanzende Satyr“ ist eine 2,50m hohe antike Bronzestatue, die 1998 von Fischern in den hiesigen Küstengewässern gefunden wurde. Der Figur ist ein kleines Museum gewidmet, das allerdings 6,-€ Eintritt kostet.

Kasbah Mazara

An mancher Hauswand der Altstadt sind schöne Bilder aus Fliesen angebracht, die entweder von der arabischen Geschichte oder dem Christentum erzählen.

Fliesendarstellung der arabischen Zeit in Mazara

Ein altes Relikt ist noch der „normannische Bogen“, der wohl einmal ein Stadttor war. Gleich daneben befindet sich eine breite Treppe mit vielen bunten Fliesen an den jeweiligen Stirnseiten. Diese Treppe ist der Beginn der Fußgängerzone Via Umberto I. mit jeder Menge Restaurants und Boutiquen.

normannischer Bogen

Sehenswert ist auch der Platz zwischen dem Rathaus, mit der künstlerisch gestalteten Fassade, und der beeindruckenden Kathedrale del Santissimo Salvatore. Dies ist der Mittelpunkt der Altstadt von Mazara del Vallo.

Kathedrale del Santissimo Salvatore

Ansonsten stolpert man an fast jeder Ecke über eine Kirche, die allesamt aus dem 17./18. Jahrhundert stammen. Die kreisrunde Chiesa di Sant Ignazio, an der Ostseite der Kasbah, ist zwar nur noch eine Ruine, aber einen Blick hinein sollte man trotzdem riskieren.

Was wir in Mazaro noch entdeckten, war die Marsala-Weinkellerei John Hopps&Söhne, die schon seit 1811 auf Sizilien produziert. Sie ist damit genau 22 Jahre älter als die älteste Marsala-Weinkellerei in Marsala selbst. Sie liegt im Osten der Stadt, direkt hinter einer schön angelegten Promenade.

Marsala-Weinkellerei John Hopps&Söhne

Am Hafen kann man auch gut bummeln, hier und da frischen Fisch kaufen. Dort wo sich der Mercato Ittico (Fischmarkt) ein Stück flussaufwärts befindet, kann man mit einer kleinen Kettenfähre auf die andere Seite übersetzen. Wenn man das nicht möchte, sollte man sich das Gefährt trotzdem kurz ansehen. Wir hatten sie gar nicht gesehen, aber das Rattern der Ketten lenkte unsere Aufmerksamkeit darauf.

Kettenfähre

Der große Parkplatz am Hafen bietet genug Platz für Übernachtungen mit dem Wohnmobil. Von dort aus kann man den Stadtbummel auf der langen schönen Promenade beginnen und dann durch die Gassen der Altstadt spazieren.

Marsala

Inzwischen haben wir den Westen der Insel Sizilien erreicht. Je weiter man sich nach Westen bewegt, umso windiger wird es. Die oft starken Böen sind schon manchmal unangenehm, vor allem wenn man am Strand steht oder geht.
Wir sind seit Gela immer auf der ss115 gefahren, die sich die Sud-occidentale Sicula nennt. Diese Straße führt durch abwechslungsreiche sizilianische Landschaften, mal Berge, mal Hügel und mal flach. Um die zahlreichen Flusstäler zu überqueren, wurden viele neue Brücken gebaut, die zum Teil ziemlich hoch und auch ziemlich lang sind. Manchmal fährt man aber auch durch Tunnel. Ab und zu sind, meistens auf Bergspitzen sitzend, antike Überbleibsel zu sehen.

auf dem Weg Richtung Westen

Vor allem seit Selinunte breiten sich wieder viele Weinanbaugebiete rechts und links der Straße aus. Auf der Suche nach einem Stellplatz bei Marsala stießen wir auf den Platz am Beach Sibiliano Village. Der sah sehr gut aus und mit 7,-€ inkl. Strom und Wasser wäre er auch billig gewesen. Der Platz ist für Wohnmobile bis 12m ausgewiesen, aber die Zufahrten sind wieder viel zu eng. Da hatten wir mit unseren 10m schon fast Probleme. Als wir den Platz endlich erreichten, war er geschlossen, obwohl geöffnet sein sollte. Offensichtlich ist dies schon länger so. Da wir dort keine Möglichkeit mehr zum Wenden hatten und dazu noch Diesel bei laufendem Motor verloren, mussten wir uns den nebenan liegenden Parkplatz am Strand als Stellplatz aussuchen. Da war zwar eine Kette davor, aber was sollten wir machen? Es dauerte auch nicht lange, bis der Besitzer kam und meinte, wir könnten dort nicht stehen. Er war sehr nett und als wir ihm anboten, für die Übernachtung zu bezahlen, hellte sich sein Gesicht auf. Für 5,-€ pro Nacht können wir jetzt in Ruhe stehen bleiben. Wenn wir Wasser brauchen, könnten wir uns das bei ihm holen. So haben wir eine schöne Ausgangsbasis für Ausflüge nach Marsala und Mazara.
Das Problem mit dem auslaufenden Diesel stellte sich zum Glück als minimal heraus: es hatte sich nur eine Leitung gelöst, die Klaus austauschte.
Die Sonne ging am Abend in diffusem goldenen Licht unter, welches reichlich Saharasand verursachte. Der Wind wehte heftig.

goldener Sonnenuntergang dank Saharasand

Marsala ist für seinen Wein weltberühmt. Vor allem in die englischsprachigen Staaten, allen voran USA und Australien, wird der Marsala-Wein (Portwein) exportiert. Mit Hilfe von Google Maps fanden wir die Cantine Pellegrino 1880. Sofort fuhren wir hin, um zu sehen, ob wir uns einer Führung oder wenigstens einem Tasting anschließen könnten. Wie wir erfuhren, war dies der erste Tag, an dem das Tor wieder für Besucher geöffnet ist. Im Januar war allgemein geschlossen und im Februar ist nur vormittags jeweils eine Führung möglich. Ab März gelten dann wieder die offiziellen Öffnungszeiten. Für eine Führung muss man sich jedoch anmelden, so dass wir am nächsten Morgen zu 11 Uhr noch einmal hinfahren mussten.

Besuchergebäude der Cantine Pellegrino 1880

Die Führung kostet 10,-€ pro Person und dauert ca. 1 Stunde. Im Preis enthalten sind ein Weinglas, drei verschiedene Kleingebäcke und drei Weinproben. Unsere Gruppe bestand aus einem Australier, drei Italienern und uns beiden, also sehr überschaubar. Die Führung übernahm Frau Neff, eine Bayerin, die mit einem Sizilianer aus Marsala verheiratet ist und nun selbst in Marsala lebt. Sie spricht also deutsch, englisch und italienisch. Bei unserer kleinen Gruppe kam also jeder auf seine Kosten, Fragen konnten jederzeit gestellt werden. Ob dass im Rahmen einer Reisegruppe ebenso möglich ist, wage ich zu bezweifeln.
Schon die Phönizier siedelten im 6. Jahrhundert v. Chr. in Marsala, was verschiedene Ausgrabungen zutage förderten. Im Garten der Cantine Pellegrino sind Kindergräber einer Nekropole zu besichtigen, die aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. stammen.

Teil einer punischen Nekropole mit Kindergräbern

Dann kamen bald die Römer, die in Marsala begannen, Wein zu kultivieren. Die Engländer brachten 1833 den bis dahin sehr beliebten Portwein nach Marsala. Der erste Weinkeller für Marsala-Wein war die Cantine Florio, die am Hafen zu finden ist. Vor deren Tor sind noch Reste des Anlegers für die Transportschiffe zu sehen.

Eingangstor der Cantine Florio

Der Ursprung von Portwein liegt auf Madeira. Irgendwann brachte man die Produktion nach Porto in Portugal, wo der Wein seinen Namen bekam. Als dritte Portwein-Produktionsstätte wählte man Jerez de la Frontera in Südspanien aus, und dann kam man 1833 nach Marsala. An allen Standorten ist die Weinherstellung dieselbe. Da der meiste Wein zu Anfang in England verkauft wurde, nannte man ihn Portwein, da dort sowieso niemand wusste, von welchem Standort der Wein kam. Heute ist der Name Portwein rechtlich geschützt, so dass er also Madeira-Wein, Portwein, Sherry und Marsala-Wein heißt.

Zuerst bekamen wir erklärt, welche Trauben im Marsala-Wein verarbeitet werden. Es sind drei weiße Trauben und eine rote Traube. Die weißen Trauben heißen Grillo (eine Kreuzung Ende des 19. Jahrhunderts aus der Catarratto und Zibibbo-Traube), Inzolia (einst von den Griechen nach Sizilien gebracht), und Zibibbo (brachten die Araber mit). Von der roten Traube Nero d´Avola (die es seit dem Ende des 17. Jahrhunderts auf Sizilien gibt) hörten wir schon in Avola. Aus diesen vier Trauben werden in der Cantine Pellegrino 1880 zwölf Weine hergestellt. Zum Betrieb gehören nur 150 Hektar Weinreben, der Rest des Bedarfs wird von Genossenschaften im Raum Trapani zugekauft. Außerdem werden Moscato-Trauben (von der Insel Pantelleria) verarbeitet. Die Palette reicht aber auch von Grappa über Limoncello bis hin zu Kräuterlikör. Da findet jeder Weinliebhaber etwas für sich.

Garten mit den vier Weinsorten Marsalas

Der Wein wird also gelesen, vermostet und in riesigen Fässern gelagert, die es in verschiedenen Größen (z.B. 50hl, 65hl oder gar 110hl) gibt. Für die endgültige Reifung wird der Wein in kleinere 125l-Fässer umgefüllt. Dort bleibt er, bis er in Flaschen abgefüllt werden kann.
Bei der Führung durch die Weinlager kann man die Fässer besichtigen. Aus den großen Fässern werden dann die drei Weinproben gezapft, die zur Führung gehören. Dazu wird jeweils das richtige Kleingebäck/Schokolade gegessen.

Wein zapfen aus den Riesenfässern

Berühmt für Sizilien sind auch die kleinen, buntbemalten und mit Schnitzereien verzierten Karren, die von Eseln gezogen wurden. Vier noch originale Karren, zählen zum UESCO-Weltkulturerbe, sind für die Besucher ausgestellt. Mit den buntbemalten Karren wurden Menschen zu besonderen Anlässen gefahren. Für den normalen Betrieb, auch im Weinbau, benutzte man schlichte Karren.

traditionelle sizilianische Karren

Zu besichtigen sind ebenfalls ein Arbeitsplatz und Werkzeuge für die Küfer (Fassbau), sowie alte Fotografien.

Die Cantine Pellegrino 1880 beteiligte sich auch an der Rekonstruktion eines punischen Schiffes, welches in den seichten Salinen Marsalas gefunden wurde. Die Rekonstruktion fand direkt in einem der Weinlager statt. Das fertige Schiff steht seitdem im Museo Archeologico Regionale Lilibeo Marsala. Fotos, Erklärungen und ein paar Kopien von Teilen des punischen Schiffes zeugen an dieser Stelle von der Arbeit der Cantine.

Erinnerung an die Rekonstruktion des punischen Schiffes von Marsala

Alles in allem war dies eine sehr interessante und entspannte Führung. Im Anschluss hat man die Möglichkeit, weitere Weine zu probieren und diese auch zu kaufen. Die Preise sind recht hoch, aber dafür bekommt man etwas sehr exklusives. Alle Arbeiten bei der Weinherstellung werden per Hand erledigt, keine Maschinenarbeit. Portweine, vor allem die süßen, liegen bei uns ganz vorne.

Auswahl der Marsala-Weine der Cantine Pellegrino 1880

Eine andere Sehenswürdigkeit sind die Salinen nördlich von Marsala. Man kann von der Küstenstraße aus das Gelände überschauen, welches in viele Becken unterteilt ist, in dem sich das Meersalz durch Verdunstung sammelt. Mit Hilfe von Windmühlen wurde früher das Wasser in die Becken gepumpt. Sie sind heute nicht mehr funktionstüchtig. Salz wird aber immer noch gewonnen, wenn auch nicht in großen Mengen. Wer mehr über die Salinen wissen möchte, kann eine Führung für 7,-€ buchen.

Saline im Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala

Die Salinen, Heimat von Rosaflamingos, liegen gemeinsam mit mehreren Inseln im Naturschutzgebiet Riserva Naturale Isole dello Stagnone di Marsala. Die langgestreckte Insel Isola Grande schützt die Lagune vor den Unbilden der offenen See. Es werden Rundfahrten durch die Lagune für 5,-€ angeboten. Die bekannteste Insel ist San Pantaleo, auf der die antike Stadt Mozia (Mothia) lag. Auch sie wird mit einem Boot zu einer Besichtigung angefahren, was dann 10,-€ kostet. Unter den Phöniziern blühte die Stadt, die die gesamte Insel einnahm, zu einer sehr bedeutenden Handelsstadt im Mittelmeerraum auf. Wie viele punisch/griechische Gründungen auf Sizilien wurde auch Mozia durch die Karthager zerstört und nie wieder aufgebaut. Nur ein paar Ruinen und ein Museum erinnern an die einst mächtige Stadt.

Rosaflamingos fühlen sich in Salinen wohl

Im Infocenter erfuhren wir von einer verschwundenen punischen Straße vom Festland nach Mozia. Vor gut 2000 Jahren lag der Meeresspiegel einige Zentimeter tiefer als heute. So konnte eine Straße gebaut werden, die Mozia mit dem Festland im Bereich Birgi verband, ca. 1,7km lang und 7m breit war. Der Unterbau war ein Damm von bis zu 12,5m Breite. Die Straße wurde bis mindestens 1605 genutzt.

Festlandende der verschwundenen punischen Straße

Seit der Intensivierung des Weinanbaus im 18. Jahrhundert nutzte man die Straße dann wieder regelmäßig, und zwar mit den vorher schon erwähnten Karren. Deren Räder beschädigten die alten Steine der Straße jedoch erheblich, so dass sie irgendwann nicht mehr befahrbar war. Das ist einige Jahrzehnte her. Inzwischen liegt sie bis zu einem Meter unter Wasser, aber auf Google Maps ist sie noch zu erkennen.

Selinunte

Selinunt ist eine Gründung um das Jahr 650 v.Chr. durch die Griechen. Wie schon Akragas, der antike Vorgänger von Agrigento, wurde auch Selinunte 406 v. Chr. durch die Karthager zerstört. Heute ist das antike Selinunt die größte Ausgrabungsstätte Europas. Das Ausgrabungsgelände befindet sich westlich des heutigen Marinella di Selinunte. Der Besuch des weitläufigen Areals kostet 6,-€ pro Person. Da wir schon so viele griechische Ausgrabungsstätten gesehen haben, ließen wir diesen Besuch aus. Von Marinella aus sieht man auf dem benachbarten Cap die Ruinen des Tempels C. Ansonsten ergibt sich nirgendwo eine Möglichkeit, auch nur einen kleinen Blick auf das Gelände zu werfen.

Reste des Tempels C auf der Akropolis von Selinunt

Die Reiseführer werben mit schönen Sandstränden, welche Marinella di Selinunte haben soll. Der Ort ist recht nett, gepflegt und hell, aber weder Strand noch der kleine Hafen laden zu einem Spaziergang ein. Jetzt im Winter stapelt sich das Seegras am Strand, überall liegt Müll herum und der kleine Kai für die Fischerboote im Hafen hat das Zeitliche gesegnet und ist zur Hälfte im Wasser verschwunden.

Marinella di Selinunte

Im Ortszentrum ist noch zu sehen, dass es einmal einen Bahnhof gab. Überreste der beiden Gleise und Bahnsteige wurden erhalten, sind aber mit der Zeit überwuchert. Das Bahnhofsgebäude und der Wasserkran sind ebenfalls noch da, ansonsten wurde alles mit einem großen Park-/Marktplatz überbaut.

Reste des Bahnhofs

Für eine Nacht stehen wir sehr ruhig auf der Piazzale delle Metobe, kostenlos. Zwischen dem Platz und den angrenzenden Wohnhäusern ragen auch noch ein paar kleine Ruinen aus dem Gestrüpp.

Agrigento Umgebung

Siculiana: Dies ist ein nettes Städtchen westlich von Agrigento. Wie viele der alten Städte breitet sich auch Siculiana auf einem Hügelrücken aus, mit dem Santuario del Santissimo Crocifisso als Blickfang. In dessen Nachbarschaft nimmt das beeindruckende Castello Chiaramonte aus dem 14. Jahrhundert einen großen Raum des Felsplateaus ein. Es ist wohl immer noch im Privatbesitz der gleichnamigen Familie. Es beherbergt ein kleines Museum und stellt Räumlichkeiten für Hochzeiten usw. zur Verfügung.

Eingang zum Castello Chiaramonte

Es macht Spaß, durch die kleinen Gassen zu spazieren, die manchmal so steil sind, dass da nur Treppen weiterhelfen. Hier und da lassen die Gassen Blicke auf das umliegende Land zu. Das kleine Heimatmuseum oben auf der Bergspitze war bei unserem Besuch geschlossen.

Eingang des Heimatmuseums von Siculiana

Schöne An- und Aussichten bieten auch der Platz zwischen dem Uhrturm und der Katholischen Kirche sowie der große Platz vor dem Rathaus mit einer Aussichtsplattform in Richtung Meer.

Santuario del Santissimo Crocifisso vom Rathausplatz aus gesehen

Ebenfalls einen kleinen Abstecher wert ist die Siculiana Marina. In der Antike gab es dort einen Naturhafen, der heute nicht mehr genutzt wird und verlandet ist. Der kleine Ort ist eher ein Ferienort, aber sehr hübsch gelegen und von Felsen überragt. Im Norden schließt sich eine Kalksandstein-Steilküste an.

Siculiana Marina

Auf der Rückfahrt über den Lido Rosello wollten wir nicht die Überlandstraße fahren, sondern eine kleine Küstenstraße. Damit hatten wir uns wieder auf ein Abenteuer eingelassen. Google Maps hatte damit kein Problem, aber die Straße war eher eine Ansammlung von Löchern, manchmal gänzlich unbefestigt oder gar als Sackgasse endend, kurz gesagt: eine Katastrophe. Diese Straße ist jedoch Zufahrtsstraße zu vielen, zum Teil neuen Grundstücken. Wir möchten nicht jeden Tag dort entlang fahren müssen, nicht einmal mit einem Geländewagen.

Felsformation irgendwo zwischen Siculiana Marina und Rosello

Der Besuch von Punta Secca lohnt eher nicht. Die kleine Siedlung ist komplett neu, mit einem im Winter geschlossenen Großbad, wie sie überall in Italien üblich sind. Trotzdem gibt es zwei Pluspunkte für Punta Secca: die von Bohrmuscheln durchlöcherten Kalksteinbänke am Strand und der Blick auf die Steilküste mit dem Torre di Monterosso.

Bohrmuschellöcher im Kalkstein der Küste

Der fast winzige Ort Lido Rosello, auch fast nur aus Ferienwohnungen bestehend, ist sehr schön in einer Bucht gelegen, von hohen weißen und grauen Kalksteinsteilwänden umgeben. Rosello ist zwar klein, besitzt jedoch ein eigenes Amphitheater, das Teatro Costabianca. Ob es schon zu griechischen Zeiten an dieser Stelle solch ein Theater gab oder ob dieses hier nach dem alten Vorbild neu gebaut wurde, wissen wir nicht. Jedenfalls bietet es 1500 Zuschauern Platz, denen in den Sommermonaten Musicals und Theateraufführungen geboten werden.
Auf dem westlichen Felsen steht der Leuchtturm. Der Zugang ist geschlossen, trotzdem ist es als Fußgänger inoffiziell möglich, den Weg nach oben zu benutzen. Der Berg an sich ist ein Naturreservat. Vom Aussichtspunkt unterhalb des Leuchtturms kann man wunderbar auf die Bucht von Rosello blicken, auch auf das Teatro Costabianca. Im Hintergrund ist die Scala dei Turchi zu sehen.

Baia di Rosello

Wir hatten einen Tipp bekommen, die Vulcanelli di Macalube bei Aragona, nördlich von Agrigento zu besuchen. Das sind kleine Schlammvulkane, die mich sehr interessierten. Leider verunglückten 2014 zwei Kinder in einem der Schlammlöcher tödlich. Seitdem ist der Zugang geschlossen und ein Zaun verhindert das Betreten. Es ist also nichts zu sehen, denn das Zentrum der Schlammvulkane liegt tiefer als die umgebende Landschaft.

Vulcanelli di Macalube sind leider dauerhaft geschlossen

Aragona: Die Stadt selbst ist auf unserer Karte als besuchenswert gekennzeichnet. Leider können wir das nicht bestätigen. Nur die Altstadtgassen sind etwas steiler und zahlreicher als anderswo.

Straße in Aragona

Inzwischen wechselten wir auf den Stellplatz Punta Piccola Park, acht Kilometer die Küste Richtung Westen weiter. Damit befinden wir uns zwischen Porto Empodocle und der Scala dei Turchi. Es sind nur zwei Kilometer Fußweg am Strand entlang, bis zu der wunderschönen Kalksteinformation, die zu den schönsten Zielen Siziliens zählt.

toller Stellplatz direkt am Meer

Um diesmal einen besseren Winkel zum fotografieren des Felsens zu bekommen, balancierte ich auf einer Kalksteinzunge, die ins Meer hinein reicht. Genau dort habe ich meinen eigenen Stein gefunden. Wenn das nichts ist.

ein Stein mit meinem Namen am Fuße der Scala dei Turchi

 

Valle dei Templi – Agrigento

Seit Anfang Januar haben wir auf Sizilien wechselhaftes Wetter mit Sonne, Regen und Sturm. Die Temperaturen liegen um die 10 Grad, nur selten auch mal bei 15 Grad. Wir müssen jeden Tag die Heizung laufen lassen. Auf unserer Spanien-Rundreise vor zwei Jahren geschah dies nur zweimal im halben Jahr.

In Agrigento wollten wir auf einem Truck-Parkplatz frei stehen, aber der existiert nicht mehr. Also müssen wir wieder auf einen Campingplatz. Der Camping Valle die Templi in San Leone lockt seine Gäste mit einem Angebot: 100,-€ für 7 Nächte. Zudem stehen wir geschützt vor den oft starken Winden. In Agrigento und Umgebung gibt es einiges zu sehen, außerdem sind einige Regentage im Anmarsch, so dass die 7 Tage Aufenthalt in Agrigento gut angelegt sind.

San Leone unterhalb von Agrigento

Das Highlight in Agrigento ist das Tal der Tempel, das Valle dei Templi, gerade 2,5km vom Campingplatz entfernt. Es ist das größte Ausgrabungsgebiet einer griechischen Stadt, sie hieß Akragas, außerhalb Griechenlands. Seit 1997 wurde es von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Für 10,- Eintritt bekommt viele Tempel zu sehen, die zum Teil noch gut erhalten sind. Aber auch antike Grabanlagen verschiedener Arten sind zu besichtigen.

Der Besuch des Archäologischen Museums kostet noch einmal 5,-€, der Lageplan des Geländes kostet zusätzliche 1,20€. Museen mit griechischen Artefakten haben wir auf unseren Reisen inzwischen genug gesehen. Google Maps ersetzt den Lageplan. Der Besuch des Außengeländes ist jedoch ein Muss für alle, die sich für griechische Kultur begeistern. Wir betraten das Gelände durch das Tor V, aber es gibt mehrere Tore, die den Eingang ermöglichen.

Die Stadt Akragas wurde im 6. Jahrhundert vor Chr. gegründet. Die griechische Zeit dauerte vom 4.-2. Jahrhundert vor Chr. Das Ausgrabungsgelände erstreckt sich ca. 2km entlang eines Sandsteincliffs. Am westlichen Ende steht der Dioskuren- oder Kastor und Pollux-Tempel, der einst aus drei Teilen bestand. Die Rekonstruktion einer Tempelecke aus dem lokalen Sandstein stammt aus dem Jahre 1836.

Dioskuren- oder Kastor und Pollux-Tempel

Auf dem Weg nach oben passiert man das Tor V, die ehemalige Porta Aurea. Die Stadt wurde durch eine Mauer geschützt, die sich teilweise direkt am senkrecht abfallenden Cliff entlang zog. Heute ist nichts mehr davon übrig. Nur noch ein Durchgang zeugt davon, dass es hier einmal ein Stadttor gab.

Als nächstes kommt man zum Zeus-Tempel, der eine Fläche von 56,3×112,7m einnahm und der größte Tempel auf Sizilien war. Es ist kaum mehr zu erkennen, was wo dazugehört. Eigentlich sind es nur noch große Steinhaufen. Einige Wasserbecken sind zu erkennen, sowie zwei stark zerstörte, liegende Figuren (Kopien), den sogenannten Telamonen. Diese 8 Meter hohen Figuren stellten die von Zeus unterjochten Naturgewalten dar. Sie stützten zusammen mit den Säulen des Tempels die Dachkonstruktion. Die originalen Statuen sind im Museum zu besichtigen.

Telamon im Zeus-Tempel

Der Unterbau des Stufenaltars, auf dem Tiere wie Schafe oder Ochsen den Göttern geopfert wurden, ist noch recht gut erhalten. Allerdings soll dieser Altar einmal 180m lang gewesen sein, so dass bis zu 100 Ochsen gleichzeitig geopfert werden konnten.

Unterbau des Oferaltars des Zeus-Tempels

In der näheren Umgebung sind weitere Wasserbecken, Brunnen und Grundmauern zu erkennen. Über eine neue Brücke, unter der die heutige Straße verläuft, erreicht man die höhergelegenen Teile der Ausgrabungsstätte. Als nächstes steht man vor dem Herkules-Tempel. Acht wieder aufgerichtete Säulen vermitteln eine wage Vorstellung von der Größe des Tempels.

Herkules-Tempel

Zwischen dem Herkules-Tempel und dem Cliff ist der Verlauf der antiken Straße zu sehen, mit tiefen Rillen durch die Wagenräder. Hier ist auch zu erkennen, dass im Laufe der Jahrtausende Erdbeben und Erosion stark an dem Felsen genagt haben, denn die Straße hört am Abhang auf. Es fehlt ein ganzes Stück der Felskante.

antike Straße entlang der Tempel

Nun folgt die Villa Aurelia aus dem 19. Jahrhundert, die im Stil des alten Griechenland erbaut wurde. Hinter dem dazugehörigen Grundstück wurde eine Nekropole aus den 5./6. Jahrhundert ausgegraben. Wahrscheinlich siedelten die nachrömischen Einwohner aus dem Tal im 9. Jahrhundert auf den Felsen um und überbauten die Nekropole. So fand man Gräber und die Grundmauern einer nachrömischen Siedlung an einer Stelle. Auch hier ist wieder zu sehen, dass ein ganzes Stück des Felsens abgebrochen ist.

hier befand sich eine Nekropole und eine Siedlung, im Hintergrund der Concordia-Tempel

Jetzt folgt der nächste große Tempel, der Concordia-Tempel. Er ist einer der besterhaltenen Tempel der gesamten griechischen Welt. Dies ist der Tatsache zu verdanken, dass die Christen den Tempel im 6. Jahrhundert in eine Kirche umfunktionierten. Normalerweise zerstörten sie alles heidnische, nicht so den Concordia-Tempel. 1748 restaurierte man den Tempel dann und er bekam sein heutiges Aussehen. Das er einmal eine Kirche war, ist an der Innenwand mit den Bogenfenstern zu erkennen.

Concordia-Tempel

Auf dem Weg zum obersten Punkt des Ausgrabungsfeldes, auf dem der Tempel der Hera Lacina oder Juno-Tempel steht, sind antike Grabhöhlen, zu finden. Es ist eine römische Nekropole, die aus der byzantinischen Zeit stammt. Leider stehen auch hier nur noch die Vorderfronten, alles andere ist ins Tal gestürzt. Die römisch-griechischen Einwohner von Akragas beerdigten in den ausgehöhlten Felsnischen, arcosolia genannt, ihre Toten.

Grabnischen – arcosolia – römische Nekropole

Als letztes auf dem fast zwei Kilometer langen Weg steht der Juno-Tempel. An dessen Fuß befand sich das Stadttor III, durch welches die antike Straße in Richtung Concordia-Tempel und Herkules-Tempel verlief. Die tiefen Wagenrad-Spuren verraten das.

antike Straße durch das Stadttor III

Der Juno-Tempel stammt ebenso aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. und sah wohl einmal wie der Concordia-Tempel aus. Fünf Stufen führen zum Tempel hinauf, der in drei Räume unterteilt war. Nach mehreren Rekonstruktionsetappen, seit dem 18. Jahrhundert, ragen heute wieder ein paar Säulen in den Himmel. An der östlichen Seite des Juno-Tempels sind die Reste des Opferalters zu sehen, die typisch waren.

der Juno-Tempel

Von hier oben aus überblickt man das gesamte Ausgrabungsgelände auf dem Felsrücken, im Hintergrund die heutige Stadt Agrigento im Blick. Das heutige Agrigento breitet sich auch auf einem Bergrücken aus, nur eine Etage höher als in der Antike.

Blick über das Grabungsfeld Valle dei Templi vom Tor III bis zum Concordia-Tempel

Zum Gelände gehören aber nicht nur Ruinen, sondern auch ein paar endemische Ziegen. Man weiß nicht, ob die Griechen oder die Araber diese aus Nordafghanistan stammenden Ziegen eingeführt haben. Sie leben inzwischen schon so lange hier, dass sie eine eigene Art ausgebildet haben. Sie haben ein weißes Fell mit braunen Flecken und lange flache, spiralförmig gedrehte Hörner.

die Ziegen gehören schon ewig zum Gelände

Nach soviel Steinen und Geschichte kann man sich im kleinen Restaurant stärken, bevor man noch einmal eine vorchristliche Nekropole passiert. Sie dehnt das Tal der Tempel im einige Meter aus und war vom 3.-6. Jahrhundert nach Christus in Betrieb. Die mehr als 130 in den Fels gehauenen Grabkammern haben verschiedene Formen in verschiedenen Sektoren. Zu dieser Nekropole gehört die sogenannte Grotta Fragapane. Es ist eine Art Familiengruft, für die eine alte griechische Zisterne umfunktioniert wurde. Leider ist diese nicht zugänglich.

frühchristliche Gräber

Zum Gelände gehört auch das griechisch-römische Viertel. Das Ausgrabungsfeld befindet sich etwas abseits des Hauptwegs, an der nordwestlichsten Ecke. Wir haben leider das Hinweisschild zu diesem Weg nicht gesehen, aber man kann auch von außerhalb durch den Zaun sehen und eine Vorstellung von der Ausgrabung bekommen. Auf der anderen Straßenseite befindet sich das regionale archäologische Museum.

griechisch-römisches Viertel

Das war genug für einen Tag, aber ich wollte die restlichen Tempel auch noch sehen und machte mich auf eine Wanderung. Diese startete am Tomba di Terone, dem Grab des Theron. Es war einmal eine Art Turm, dem heutzutage die Spitze fehlt. Zu besichtigen ist das Grabmonument nicht, wie auch die anderen Tempel und Anlagen, die ich auf dieser Tour besuchten wollte.

Grab des Theron

So setzte ich meinen Weg fort. Der Straße nach Agrigent folgend, hinter dem regionalen archäologischen Museum auf einen inoffiziellen Fahrweg abbiegend. Das Hinweisschild zur Villa San Marco weist den weiteren Weg. Auf dieser Ecke liegt ein Parkplatz und gleich nebenan sind wieder alte Grundmauern zu finden, leider ohne Kommentar.
Der Weg zur Villa San Marco führt durch Mandel- und Olivenbäume. Zu dem Moment war ich noch der Meinung, die Villa San Marco sei eine römische Villa, aber es ist ein Ferienhaus inmitten von Plantagen, mit Blick auf das alte griechische Fort auf dem benachbarten Hügel.

auf diesem Hügel breitete sich einst ein griechisches Fort aus

Immer weiter ging ich den Weg und kam etwas später an der Eisenbahnlinie heraus. Dort stehen zwei geschlossene Tore. Sie führen auf das Museumsgelände oder zum Garten Kolymbethra. Kolymbretha ist griechisch und bedeutet Swimmingpool. Die Anlage liegt in einem Tal zwischen dem Kastor- und Pollux-Tempel sowie dem Hepheistos- oder Vulkan-Tempel. Das Tal haben wir von oben schon gesehen, nur leider ist der Zugang ausgerechnet im Januar geschlossen, warum auch immer. In der Antike beschrieb man das Tal als das irdische Paradies, in dem Orangen, Zitronen und Mandeln gediehen. Wasser gab es im Überfluss, denn es wurde bei Regenfällen von den umliegenden Bergen über 18 Kanäle in das Wasserbecken geleitet und dort gesammelt. Vielleicht gab es noch weitere Zisternen. Heute bildet das abgeschlossene Tal einen eigenen Mikrokosmos mit seltenen Pflanzen. Zitronen-, Mandarinen- und Orangenbäume gibt es heute immer noch und verströmen ihren Duft, der zwischen den Steilwänden eingeschlossen ist.

Garten Kolymbethra

Mit den geschlossenen Toren zum Garten Kolymbethra hatte ich mein Hauptziel verfehlt. Na ja, da bleibt ja noch der Hepheistos- oder Vulkan-Tempel. Kurz nachdem ich die Bahnlinie unterquert hatte, stand ich vor einem weiteren geschlossenen Tor. Oh nein, bis hierher hatte ich schon 2km Weg hinter mir. Ich wollte auf keinen Fall wieder zurück, da sah ich, dass der Zaun niedergetreten war. So nahm auch ich diesen Weg an der Bahnlinie entlang, die, wie sich herausstellte, wohl stillgelegt ist. Direkt an der Bahnstation steht der besagte Tempel. Er ist nicht groß und stammt, wie die meisten Tempel in Valle dei Templi, aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. Der Name Vulkan-Tempel entstammt wohl einer Legende, nach der der Gott Vulkan hier gewesen sein soll. Wahrscheinlich gab es an dieser Stelle einmal eine Schwefelquelle.

Hepheistos- oder Vulkan-Tempel

Auf dem Weg zurück zum Campingplatz blieb noch der Besuch des Esceplios-Tempels übrig. Um dorthin zu kommen, nahm ich den Weg entlang der Straße unterhalb des Felsencliffs mit den großen Tempeln des Valle dei Templi.

der Concordia-Tempel von der Straße unterhalb gesehen

Irgendwann biegt ein Fahrweg zum Tempel ab und schon stand ich wieder vor einem geschlossenen Tor. Von dort aus konnte ich nicht einmal ein Foto machen, denn die sichtbaren Tempelreste stehen zu weit weg.

Im gesamten Tal der Tempel wurden 20 Tempel ausgegraben, dazu Wohngebäude und Nekropolen. Es ist ein einzigartiges Gelände, unter dem wahrscheinlich noch viel mehr Grundmauerreste begraben sind.

La Scala dei Turchi

Westlich von Porto Empodocle, am Punta Grande, locken die spektakulären Cliffs aus weißem Kalkstein. Die Scala dei Turchi passen nicht in das an der Küste übliche Bild. Hier hat die Natur etwas ganz besonderes geschaffen. Vom Aussichtspunkt ein paar hundert Meter westlich des Cliffs hat man einen schönen Blick auf die weiße Felsnase. Sie ist allerdings nur bei Sonnenschein gleißend weiß, sonst erscheint sie in fahlem Grau.

La Scala dei Turchi vom Aussichtspunkt gesehen

Scala die Turchi heißt übersetzt „türkische Treppe“. Der Name kommt von einer Legende. Die Schiffe marodierender Araber und Türken fanden in der Bucht mit den weißen Felsen einen schützenden Hafen. Über die natürliche treppenförmige Felsformation erreichten sie die oberhalb liegenden Dörfer und die Stadt Realmonte.

aus der Reihe gefallen

Es gibt keinen direkten Weg nach unten, sondern der Zugang muss östlich des angrenzenden Strandes genommen werden. Von dort aus, es sind einige Stufen nach unten zu steigen, ist es ein Fußweg von etwa 300 Metern zur türkischen Treppe. Der Felsen darf betreten werden und so zieht es viele Touristen dort hinauf. Schon der Anblick der weißen treppenförmigen Felsformation ist unglaublich, die ganz oben von gelbbraunem Sandstein gekrönt wird. Dort wo die Treppe nicht betreten werden kann, ist die sehr interessante Struktur des Felsen sichtbar. Ansonsten haben die Tritte der Touristen den Kalkstein glatt geschliffen.

Naturerlebnis türkische Treppe

Dieser Ort ist so schön, dass man sich kaum wieder von ihm trennen kann. Wenn man die Stufen, die man zum Strand hinunter kam, wieder hochgestiegen ist, wartet ein kleines Café auf den Besuch. Von dessen Terrasse kann man noch einmal die Aussicht über das Meer genießen, allerdings ohne türkische Treppe.

Nach diesem Erlebnis ist ein kleiner Abstecher nach Porto Empodocle empfohlen. Die Stadt sieht recht neu aus. Sie besteht aus einer Unter- und einer Oberstadt. Porto Empodocle ist heute der Hafen von Agrigento. In der Antike hatte diese Funktion der heutige Ort San Leone inne, wo wir auf dem Campingplatz stehen. Der Hafen von Porto Empodocle ist wenig sehenswert, aber von hier starten Fähren zu den vorgelagerten Inseln Lampedusa und Linosa.

am Hafen von Porto Empodocle

Am Hafen steht auch der Torre Karl V., einer der Verteidigungstürme an der sizilianischen Südküste. Dieser hier wurde rekonstruiert und hat ein besonderes Extra. Im 2. Weltkrieg baute man auf das Dach des Turmes einen MG-Bunker. Ob der im Ernstfall seinen Dienst auf einem Turm aus Mauerwerk tun konnte?

Torre Karl V. mit Bunker obendrauf

Die Fußgängerzone von Porto Empodocle, Via Roma, ist dagegen recht nett und im Sommer sicher ein Anziehungspunkt. Bronzeplastiken, Treppen mit Fliesen belegt, nach dem Beispiel der Scala di Caltagirone, die Kirche und die Wohnhäuser mit ihren netten Balkonen säumen die Allee zwischen ihnen.

Eckensteher Klaus mit Unbekanntem

Zwischen der Scala dei Turchi und Porto Empodocle wurden die Überreste einer römischen Villa ausgegraben. Die Villa Romana di Durrueli stammt aus dem 1. Jahrhundert. Das Gelände ist zwar geschlossen, aber von der Straße aus sind die Ruinen zu sehen.

Villa Romana di Durrueli

Auf dem Rückweg nach San Leone kauften wir in einem der Fischläden eine Sepia, um ein Rezept aus dem sizilianischen Kochbuch nachzukochen. Der Verkäufer meinte zwar, er wolle die Sepia küchenfertig machen, aber wir konnten ihm nicht beibringen, dass wir die Tintenblase in heilem Zustand brauchten. So nahmen wir sie im Ganzen mit. So eine Sepia kann man nur zurecht machen, wenn man genug fließendes Wasser hat, ist also nix für Camper außerhalb eines Campingplatzes.

frische Sepia naturell

Es war unsere erste Sepia, die ein Gewicht von fast 1,2kg hatte, also recht groß. Im Internet sagt man, dass sich die Tintenblase zwischen den Tentakeln befindet. Das Heraustrennen des Kopfes mit den Tentakeln war schon eine schwierige Aufgabe. Um die großen Augen herauszubekommen, musste ich mit dem Messer herangehen. Das Entfernen des Schnabels war dann leichter. Als ich bei der Arbeit war, kam der benachbarte Camper. Als er sah, was ich dort veranstaltete, wünschte er mir ganz höhnisch „viel Spaß“.
Nun mussten die Innereien aus der Tube. Hier dachte ich dann, dass die Tintenblase schon im Laden entfernt worden wäre. Das war ein Irrtum. Bei dem Versuch, die Innereien herauszubekommen, zerstörte ich die Tintenblase und eine unendliche Schweinerei nahm ihren Lauf. Ich konnte noch soviel Tinte retten, dass es für zwei Portionen reichte. Nun hatte ich alles auseinander und spülte die Tintenfischteile unter fließendem Wasser ab, was echt schwer war, denn die Tinte hatte sich überall und in alle Ritzen verteilt. Als letztes musste die Haut abgezogen werden. Bei den Kalmaren, die wir einmal zubereiteten, war dies ganz leicht. Anders bei der Sepia. Nachdem ich den Schulp, das Rückgrat der Sepia entfernt hatte, fiel die Tube zusammen, was das Enthäuten nicht gerade erleichterte. Am Rücken blieb also nur noch eine Haut übrig, die ich herausschnitt. Nach gefühlten drei Stunden war die Sepia dann endlich küchenfertig und konnte für unser Rezept „schwarze Spaghetti mit Tintenfisch“ verwendet werden. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal machen würde. Es war echt eine Schweine-Arbeit.

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