A+K Weltenbummler

Reisen rund um die Welt

Saltstraumen

Bald ein Muss, wenn man durch Norwegen tourt, ist der Besuch des Saltstraumen. Vor 22 Jahren hatte uns dieser Gezeitenstrom schon beeindruckt. Er gilt als der größte Gezeitenstrom der Welt. Er ist Vorbild des Malstroms, der in verschiedenen Geschichten auftaucht, wie z.B. bei Odysseus.

Alle sechs Stunden strömen 400 Millionen Kubikmeter Wasser bei Ebbe seewärts, bei Flut landwärts unter der hohen Saltstraumenbrücke hindurch. Da sich das Gewässer unter der Brücke sehr verengt, und das Flussbett dazu noch relativ flach ist, wird das Wasser bei den Gezeitenströmungen mit einer Geschwindigkeit bis zu 20 Knoten (37 km/h) dort durchdrückt. Dabei entstehen gewaltige Strudel, die einen Durchmesser bis zu zehn Metern haben können. Das Schauspiel ist einfach nur gewaltig. Man kann sich das Spektakel hoch oben von der Brücke aus ansehen, oder man steht direkt am Ufer. Am besten sieht es bei Sonnenschein aus, denn dann sind die weißen Strudel in dem blauen Wasser ein schöner Kontrast. Im Hintergrund erhebt sich eine Bergkette mit spitzen Gipfeln, und im Grün der Ufer stehen vereinzelte Hütten. Das Ganze ergibt ein traumhaftes Bild.

Manche Angler ziehen richtig große Fische aus dem Wasser, denn durch die starke Strömung finden die hier viel Nahrung.

Etwas abseits steht das Königsdenkmal auf einem Hügel. Es wurde im Juni 1873 zum Anlass des Besuches des norwegischen Königs Oscar II. errichtet. Seither waren 1926 und 1982 weitere zwei norwegische Könige hier. Die Daten sind in der Säule eingraviert. Von hier oben hat man noch einmal einen schönen Blick über die gesamte Brücke mit der Bergkette im Hintergrund.

Übernachtet haben wir auf dem Saltstraumen-Campingplatz. Mit Strom kostet er 45,-€, aber dafür ist alles vom Feinsten. Die allermeisten Stellplätze besitzen sogar Holzterrassen für komfortables Sitzen.

Mo I Rana und das Saltfjell

Schon wieder steigt die E6 in die Höhe, wenig aber stetig. Kurz vor Korgen fuhren wir durch den mit 8,6 Kilometern bisher längsten Tunnel.
Mo I Rana ist die letzte Stadt vor dem Polarkreis und lockte uns mit dem „Hafenmann“, der nahe am Ufer im Finnelappefjord steht. Die Promenade lockt mit vielen Sonnenliegen und Sitzmöglichkeiten zum Verweilen ein, zumindest bei schönem Wetter. Wir mussten uns warm anziehen, denn es ist Anfang Juli kalt und regnerisch.

Deshalb steuerten wir das Zentrum an, wo der Wind etwas gebremst wird. Eine Altstadt konnten wir nicht finden, alles ist neu und das meiste sind eigentlich Einkaufsmöglichkeiten.
Am südlichen Ende der Stadt stehen einige kleinere Schanzen am Hang. Auf dem großen Parkplatz kann man für 3,-€ vierundzwanzig Stunden stehen. Bis in die Stadt ist es nicht weit.

Mo i Rana ist die Stadt der Kreisverkehre, keine Kreuzung, nur Kreisverkehre.
So fuhren wir weiter, in Richtung Polarkreis. Zuvor kann man der Stjernen Kunst- und Silber-Galerie zwischen Eiteråga und Dunderland einen Besuch abstatten. In einer kleinen alten Holzhütte der einheimischen Sami sind verschiedene Kunst- und Gebrauchsgegenstände ausgestellt. Dazu wird in einer Werkstatt traditioneller Silberschmuck hergestellt und verkauft. Die Stücke werden auf verschiedenen Natursteinplatten ausgestellt, die dazu noch mit naturbelassenen Halbedelsteinen dekoriert werden.

In der Hütte ist nicht viel Platz, aber wenn man bedenkt, dass das alles in den langen kalten Wintern mit einem Kamin beheizt werden muss, dann ist das gerade richtig.

Immer weiter geht die Fahrt bergauf, bis man auf 662m Höhe zum Polarkreis kommt. Die Landschaft ist schon tundraverdächtig. Trotzdem das Saltfjell, auf dem man sich hier befindet, nur auf knapp 700 Metern liegt, ist es richtig kalt. Vom großen Parkplatz aus liegen links zwei höhere Berge, vor dessen Kulisse das wunderschön gestaltete Gebäude des Souvenirshops steht. Hier waren wir auch schon 2002, nur sah es damals noch ganz anders aus, und es war noch nicht so viel Betrieb. Das Shopgebäude stand da schon, aber der Parkplatz wurde neu gestaltet und das große Denkmal zum Polarkreis war noch nicht vorhanden. Wenigstens regnete es heute nicht, nur die Wolken hängen tief.

Auf den Hügeln neben dem Parkplatz bauten die Leute jede Menge Steinmännchen. Leider benutzten sie dafür viele Steine, die zu heiligen Stätten der Sami gehörten und zerstörten sie damit. Das Bauen von Steinmännchen ist deshalb heute hier verboten.

Folgt man der E6 nun weiter, gelangt man zum höchsten Punkt des Saltfjells, der auf 692 Metern liegt. Von nun an geht es wieder nach unten, manchmal sogar recht steil. Rechts neben der Straße bahnt sich ein genauso steil bergab fließender Fluss in einem Felsbett, welches spektakuläre Bilder bietet. Das Wasser ist glasklar, wie in allen Gebirgsflüssen in Norwegen.

Kurz bevor die Straße 77 nach Osten abbiegt, fanden wir einen wunderschönen Rastplatz am Innervatnet. Nachdem wir nun jeden Tag unterwegs waren, verbrachten wir hier zwei Nächte. Einen besseren Platz kann man nicht finden. Er liegt im Grünen, von der Straße weg, an einem See und mit einem auf blanken Felsen liegenden Picknickplatz.

Rechts und links steigen Berge auf. Zudem fanden wir hier zwei Dinge, die wir noch nie vorher gesehen haben: Moltebeeren, leider noch nicht reif, und einen Singschwan, der am Abend auf dem See seine Runden drehte. Er rief immer wieder nach Gesellschaft, legte sogar ein Nickerchen ein. Als keine Gesellschaft kam, wurden seine Rufe traurig und er flog davon. Das ist echte norwegische Wildnis.

Einen Elch allerdings konnten wir noch nicht sichten, obwohl überall an der Straße vor Elchübertritten gewarnt wird. Da hat man wohl zu dieser Jahreszeit und bei dem Betrieb keine Chance.

Mosjøen

Wir befinden uns wieder auf Meereshöhe, am Ende des Vefsnfjordes. Mosjøen liegt im Bezirk Helgeland und besitzt die längste, noch intakte Holzhaussiedlung in Nordnorwegen. Sie ist der Rest der Altstadt Sjøgata und wirklich einen Besuch wert. Die vorderen zwei Reihen, die direkt am Fjord liegen, und ein paar Häuser weiter hinten, stammen aus dem 19. Jahrhundert und sind liebevoll restauriert und instandgehalten. Die Häuser der ersten Reihe wurden teilweise auf Stelzen fast ins Wasser gebaut.

Sjøgata entstand als Handelspunkt zwischen den Bewohnern an der Küste und denen im Hinterland. An der „Seestraße“ wurden inzwischen viele Cafés, Restaurants und Galerien eingerichtet. Außerdem gibt es jedes Jahr viele kulturelle Veranstaltungen. Man kann Bootstouren unternehmen, am Strand baden gehen, wenigstens die, die ein dickes Fell haben, oder in den Bergen wandern gehen.

Die alte Shell-Tankstelle aus dem Jahre 1933 besitzt die typische Architektur der Zeit. Sogar die Glasaufsätze an den alten Tanksäulen sind noch da. Benutzt wurde die Tankstelle bis 1954. Danach nutzte man sie als LKW-Station bis 1980. Heute ist das Vefsn-Museum darin untergebracht.

Leider werden gerade viele Straßen durch die Altstadt erneuert, aber es macht trotzdem Spaß, darin spazieren zu gehen.
Mit Erstaunen stellten wir fest, dass die Schneereste hier bis auf zweihundert Meter herunter reichen.

Namsdalen

Langsam wird Norwegen schmal und der allermeiste Verkehr läuft nun über die E6, was deutlich zu merken ist. Dafür gibt es nicht mehr so viele Berg- und Talfahrten. Wir kommen gut voran und auch die Tankfüllung hält wesentlich länger.

Um die 150 Kilometer fährt man nun durch das Namstal, immer am Fluss entlang, durch eine gemäßigte Berglandschaft. Nur drei Gebiete sind so hoch, dass dort noch immer Schneereste liegen. Es muss in diesem Jahr wirklich viel geschneit haben in Norwegen, so wie es in Deutschland unverhältnismäßig viel geregnet hat in diesem Winter.

Die Ortschaften werden weniger, die Servicestellen für Wohnmobile ebenfalls, wie auch die Tankstellen. Außerdem wird in weiten Teilen eine neue E6 gebaut, da die aktuelle auch hier nicht mehr den Anforderungen entspricht. Die neue E6 hat wesentlich weniger Kurven.
Der Straßenbau in Norwegen muss Milliarden kosten, wenn man sieht, wie Berge weggesprengt werden, Steinbrüche angelegt werden und Material bewegt wird. Einen Vorteil gibt es allerdings: das Material kommt aus der Umgebung der jeweiligen Baustelle, denn es ist überall vorhanden. Zudem fällt viel Material beim Tunnelbau an, welches beim Straßenbau weiterverwendet wird.

Kurz vor Fiskem kamen wir am Namsen Laksakvarium vorbei. Dieses hatten wir vor 22 Jahren schon besucht. Nur ein paar Kilometer weiter erregte ein Stauwerk unsere Aufmerksamkeit und wir hielten an, um uns das anzusehen. Es ist das Øvre Fiskumfoss Kraftwerk. Es wurde an einer Stromschnelle errichtet. Ein Teil des ankommenden Wassers wird durch eine Staustufe reguliert, der andere Teil dient der Stromerzeugung. Es fließt gerade sehr viel Wasser durch die Flüsse Norwegens, so dass die Strömung enorm ist. Die zwei Tore der Staustufe öffnen und schließen sich ohne Vorwarnung automatisch, je nach dem, wie viel Wasser ankommt. Deshalb ist der Aufenthalt in diesem Bereich weiträumig verboten. Eine Hängebrücke überspannt den Fluss, so das man sich alles gut ansehen kann.

Zwischen Smalåsen und Majavatn verläuft die Grenze zwischen Mittel- und Nordnorwegen. Hier hat man zwei Bögen aus Holz errichtet, die man mit einem künstlerisch gestalteten Nordlicht versehen hat. Darunter steht „NordNorge“. Daneben steht ein Souvenirshop, dem ein großer Parkplatz angeschlossen ist. Leider beginnt direkt dahinter schon wieder eine Baustelle, so dass der Übergang zur Zeit etwas verunstaltet wird.

Trondheimfjord

Immer weiter folgen wir der E6. Trondheim selbst hatten wir schon auf unserer Norwegentour 2002 besucht, deshalb fuhren wir an der Stadt vorbei.

Bei Skogen bogen wir zur Alstadhaug-Kirche ab, die hoch auf einem Hügel am Trondheimfjord liegt. Schon in grauer Vorzeit sollen hier kleinere Kirchen gestanden haben. Das heutige Kirchenschiff wurde 1150-80 erbaut. Später folgten Anbauten wie das Oktagon, in dem heute der Altar steht, um 1250, die Sakristei um 1500 und die Taufkapelle um 1640. Zum Teil wurden in der neuen Kirche Steine aus den Vorgängerkirchen verwendet.

Am Bogen vor dem Oktagon sind noch originale Fresken zu sehen, die um 1250 entstanden sein sollen. In der Decke des Oktagons sind weitere Fresken zu sehen, in den Fensternischen sollen einmal die Apostel dargestellt worden sein. Davon sind jedoch nur noch winzige Reste zu erkennen.

Die Kanzel stammt aus dem Jahre 1626 und das Taufbecken aus dem Jahre 1650.

Zur Kirche gehören noch der Pfarrhof und die „Ammenstube“. Die „Ammenstube“ diente wahrscheinlich als Gästehaus und stammt aus dem 17. Jahrhundert. Hier wurden die von weither angereisten Gäste mit ihren zu taufenden Kindern untergebracht.

Gleich neben der Kirche, auf dem gepflegten Friedhofsgelände, erhebt sich der größte Grabhügel Mittelnorwegens. Der Sage nach soll in heidnischer Zeit ein Gaufürst, also Gebietsvorsteher, hier begraben worden sein.

Auf dem Parkplatz an der Kirche legten wir mit Blick auf den Ort Levanger, der am anderen Ufer eines Nebenarmes des Trondheimfjordes liegt, eine Kaffeepause ein.

Das nächste Ziel liegt in Steinkjer. Gleich neben dem Tingvold Park-Hotel ist der Rest eines Wikingergrabes zu sehen. 38 Steine sind in Form eines Schiffes angeordnet. Ursprünglich waren es 45 Steine, die ein 40m mal 9m schiffsförmiges Areal umrissen. Diese Grabstätte war ein Teil von zwanzig solcher Grabanlagen, die sich entlang des alten Königsweges befanden.

Die Grabstätte in Steinkjer war einst viel größer und umfasste mehrere Grabanlagen/Grabhügel in verschiedenen Formen. Davon ist jedoch nichts mehr übrig, bis auf diese 38 Steine, die man heute noch sieht.

Steinkjer liegt am Ende des Beitstadfjordes, der ein Nebenarm des Trondheimfjordes ist. Unterhalb der Steinkjer-Brücke liegt die kleine Insel (Holmen). Hier steht ein Denkmal für die Lachsfischer aus früheren Zeiten. Sie versenkten große, mit Steinen gefüllte Holzkästen im Fluss, die sie mit Stegen verbanden. An diesen befestigten die Fischer Netze, mit denen sie die Fische fingen. Diese Steinkästen waren dann auch namensgebend für die Stadt.

Auf dem Holmen wurde ein kleiner Park mit Picknickecke eingerichtet. Hier kann man gut entspannen.

Leider erfuhren wir zu spät vom größten Gartenstuhl der Welt, dem Skotvoldgruva, der östlich von Steinkjer auf einem Berg steht. Nach den Bildern, die wir fanden, ist es ein Adirondak-Stuhl, benannt nach dem gleichnamigen Gebirge in den USA. Ich liebe diese Stühle, die wir dort kennen gelernt hatten. Sie sind so bequem und sehen super aus. Keine Ahnung wie groß dieser Riesenstuhl insgesamt ist, aber nach dem Foto ist allein der Abstand zwischen dem höchsten Punkt der Sitzfläche bis zur Armlehne über einen Meter hoch.

Dovrefjell

In Otta kamen wir auf die Fernstraße E6, der wir nun nach Norden weiter folgen. Kurz vor Dombås steigt die Straße, die sich seit dem Ottatal auf gut 300 Höhenmetern befindet, auf zwölf Kilometer stetig bergan. So gelangt man auf die Hochebene Dovjefjell. Die Straße liegt hier zwischen ca. 900 und über 1000m Höhe.

Auf dem Rastplatz Storrhusranden hielten wir zum ersten Mal. Dort steht auf dem Rullesteinen eine Aussichtsplattform, von der aus man einen tollen Rundumblick über das Dovrefjell hat, mit seinen Seen, weiten Flächen und den mit Schneeresten geschmückten Bergen. Allerdings lag die Temperatur bei unserem Aufenthalt gefühlt knapp über dem Gefrierpunkt. Vor allem der Wind blies kalt.

Am Aussichtspunkt hängt ein Plakat, auf dem vom 20. Juni bis 20. August für allabendliche Moschusochsen- und Elchsafaris geworben wird. Unseren Nachforschungen zufolge kosten solche Safaris zwischen 50,- und 70,-€. Wir wollten uns hier jedoch nicht länger aufhalten, dafür war es einfach zu kalt.

Den nächsten Stopp legten wir am Botanischen Garten Kongsvoll ein. Am Hang des an den Parkplatz grenzenden Berges wurde ein alpiner Garten angelegt, mit Holzstegen, Wegen und einem steil bergab fließenden Bach. Die allermeisten Pflanzen sind nur wenige Zentimeter hoch, die Schilder mit den Nahmen der Pflanzen stecken in der Erde. Man muss sich also alle Nase lang bücken. Trotzdem ist der Garten sehr interessant, denn man findet genau die Pflanzen, die überall auf den Hochebenen wachsen.

Am hinteren Ende des Botanischen Gartens sind Türen in den Zaun eingelassen, durch die man einen Pilgerpfad erreicht. Über Stock und Stein führt der Pfad zum Teil über Bäche durch die Hochebenenwildnis. Die Bäume sind klein und überall hat man schöne Aussichten. Ein Besucher hat geschrieben, dass man nur lang und weit genug wandern muss, um fast garantiert Moschusochsen zu sehen. Ein ganz und gar kostenloses Vergnügen, man muss nur Zeit mitbringen und wirklich gut zu Fuß sein.

Was uns sehr wundert: es fahren Züge über das Dovrefjell. Die haben eine genauso steile An- und Abfahrt wie die Auto´s. Sind da Strecken mit Zahnradantrieb dabei?
Noch etwas fällt auf. Das ganze Gebiet besteht aus Schiefer, in vielen Farben: weiß, grau, grün und manchmal sogar rot. Auf dem Weg abwärts Richtung Norden gibt es viele Schieferabbaubetriebe. Sie stellen z.B. große Terrassenplatten her, aber auch Schieferplatten für Dächer. Wir haben ein Haus mit Nebengebäuden gesehen, welches mit bunten Schieferplatten gedeckt ist. Das sieht echt gut aus.

Den letzten Stopp machten wir am Mågålaupet. Das ist eine Engstelle im Fluss, die wirklich sehenswert ist. Das Wasser zwängt sich hier durch enge Felsspalten. Man kann sich das über die Felsen kletternd ansehen, oder man läuft den kleinen Trampelpfad entlang. Rafting ist an dieser Stelle jedenfalls ausgeschlossen. Das Schauspiel ist einfach nur gewaltig.

Bis Oppdal geht es dann immer weiter bergab, wieder kilometerweit.

Valdresflye

Nun verließen wir die unglaubliche Hardangervidda, wobei es immer bergab geht. Der Ort Haugastøl markiert das Ende der Hardangerviddastraße. Ab hier hat sich die Landschaft geändert. Es gibt keine nackten Felswände mehr, die fast senkrecht abfallen. Die Landschaft ist immer noch sehr hügelig, aber die Hänge sind alle bewaldet. Hier und da sieht man eine Alm. Man fährt durch Geilo bis nach Gol und man möchte an jeder Kurve anhalten und Bilder machen. Alles hier ist Wintersportgebiet.

Hinter Gol bogen wir auf die Straße 51 ab und wieder ging es kilometerweit nach oben, mit 6%. Oben angekommen befindet man sich auf dem Golsfjell, einer Hochebene mit viel Wasser und Mooren, und auch Bäumen. Nadelbäume wachsen bevorzugt, aber auch viele Birken. Überall stehen die Hütten der Einheimischen und Feriengäste in der Landschaft verstreut. Es werden Pferdeausritte oder Eselwanderungen angeboten. Es ist eine liebliche Landschaft, nicht so rau wie die Hardangervidda.

Nach Fagernes fährt man nun wieder kilometerweit nach unten, immer an Seen vorbei. In Fagernes legten wir eine Kaffeepause hinter der Tankstelle am See ein. Dort kann man am Seeufer ausruhen und an Picknicktischen sitzen. In den letzten Orten, durch die wir fuhren, findet man nicht wirklich ein Zentrum, alles in weitläufig und offen angelegt.

Hinter Fagernes klettert man wieder die Berge nach oben, kommt durch den Wintersportort Beitostølen, in dem es zwei Skilifte gibt, und findet sich auf einer neuen Hochebene wieder. Diesmal heißt sie Valdresflye. Die Bäume werden weniger, die Schneereste mehr, die Aussichten sind ein weiteres Mal atemberaubend.

Diesmal führt die Straße am Nationalpark Jotunheimen vorbei, dem Heim der Riesen. Auf unserer Norwegenfahrt 2002 fuhren wir schon einmal am Jotunheimen-Nationalpark vorbei, damals westlich davon, von Lom nach Sogndal.
Die Berge des Nationalparks sind um einiges höher als auf dieser bisherigen Fahrt. Die höchsten Gipfel liegen auf über 2400 Meter. Die höchste Stelle des Valdresflye liegt auf 1389 Meter. Man kann auf unzähligen Parkplätzen anhalten und die unglaublichen Panoramen genießen, und immer wieder die beeindruckenden Berge und Schneefelder des Jotunheimen Nationalparks. Das muss man einfach einmal gesehen haben. Bilder können diese Landschaft nicht annähernd wiedergeben.

Das Wetter spielt mit, die Sonne strahlt, aber der Wind weht kräftig und relativ kühl. Deshalb entschieden wir uns, etwas weiter zu fahren und uns weiter unten ein Plätzchen für die Nacht zu suchen. Auf etwa 890m Höhe fanden wir einen schönen Parkplatz im Grünen, an einem wilden Bach gelegen, dessen Stromschnellen in der Sonne türkis leuchten. Selten steht man so schön.

Am nächsten Morgen, es regnete schon ein paar Stunden und es wehte ein kalter Wind, verließen wir die Hochebene Valdresflye. Das Wetter besserte sich inzwischen. Das ganze Gebiet, bis hinunter nach Vågåmo im Ottatal ist Wandergebiet. Überall finden sich Wanderparkplätze und Wegweiser, allerdings denken wir, dass das Wandern hier nicht ganz so leicht ist. Was man so an Wegen sieht, sind es eher Trampelpfade über Stock und Stein.
Am Straßenrand trifft man immer wieder auf Schafe und Kühe, die sich überhaupt nicht vom vorbeirollenden Verkehr stören lassen. Manchmal müssen die Autos halten, um ihnen Platz zu machen. Die Tiere können hier machen, was sie wollen. Sogar unser erstes Rentier auf dieser Reise suchte sein Futter am Straßenrand.

Ein paar Kilometer hinter Vågåmo liegt der Campingplatz Holungsøy direkt am Fluss. Hier kamen wir nach nur 50 gefahrenen Kilometern dieses Tages am Vormittag an und hatten so genügend Zeit, die Dinge zu erledigen, die in den letzten Tagen liegengeblieben sind.
Es ist ein richtig schöner Platz, mit 34,-€ sogar günstig. Es gibt genug Freiraum für die Camper, warme Duschen ohne Zeitbegrenzung und Zusatzkosten, und weit genug von der Straße weg. Endlich mal ein Ruhetag.

 

Hardangervidda

Von Eidfjord ab führt die touristische Straße 7 auf die Hardangervidda, der größten Hochebene Europas. Der größte Teil der Hochebene ist Nationalpark und nicht befahrbar. Hier leben Moschusochsen. Um die zu sehen, muss man sich allerdings auf lange Wanderungen begeben. Wahrscheinlich wissen eh nur die Führer, wo man sie findet. Allein hat man da wohl keine Chance.

Das Norsk Naturzentrum, am Beginn der Straße, bietet ein Museum rund um Informationen zur Handangervidda. Der Eintritt kostet 18,-€ pro Person. Gleich gegenüber gibt es ein Restaurant und einen Souvenirshop. Die Preise sind noch höher als ohnehin schon in Norwegen. In der Regel liegen die Preise doppelt so hoch wie in Deutschland.

Von hier ab steigt die Straße kontinuierlich an. Kurz für dem höchsten Punkt auf der Hardangervidda befindet man sich auf 1250m Höhe. Kein Baum wächst hier, nur selten ein paar Büsche. Überall liegen Seen und fließen Bäche, sogar eine Talsperre gibt es hier oben. Es ist einfach nur atemberaubend. An vielen Stellen gibt es Parkplätze, eine Aussicht ist schöner als die nächste. Die Landschaft ist hügelig und noch immer liegen verstreut viele Schneereste.

Den Parkplatz kurz vor dem Souvenirgeschäft der einheimischen Samen suchten wir uns zur Übernachtung aus. Nach dem Abendessen genossen wir draußen noch die Sonne und den Ausblick über den See, der vor uns lag. Trotz der Höhe war es relativ warm, der Wind wehte nur leicht.

Von Erfjord nach Eidfjord

Nun fuhren wir die Straße 13 immer weiter Richtung Norden, über Sand, Nesflaten, Røldal, Odda, bis wir kurz vor Eidfjord auf die Straße 7 abbogen.
Die Straße 13 ist als touristisch schöne Straße ausgewiesen. Leider kann man nicht ungehindert fahren. Immer wieder behindern Einengungen den Verkehr und man muss ständig anhalten, weil keine zwei Autos aneinander vorbei kommen. Es gibt zwar ausreichend Ausweichstellen, aber ein Vorwärtskommen ist kaum möglich. Alle Engstellen zusammen genommen machen wohl so ziemlich die halbe Wegstrecke aus. So benötigten wir für 60 km den halben Tag, anstrengend ist es dazu auch.

Den ersten Halt nach Erfjord legten wir am Lovra-Rastplatz ein. Dort steht etwas zurück gesetzt ein Steintisch mit einer Steinbank davor. Darüber hinweg öffnet sich der Blick über den Lovrafjord.

Auf fast der gesamten Strecke fährt man ständig durch kurze und lange Tunnel. Einer von Ihnen hatte fast 5km Länge. Ansonsten eröffnen sich um jede Kurve gewaltige An- und Aussichten.
Im Suldal zu fahren ist nach den vielen nahen und steilen Felswänden eine Augenweide, denn dieses Tal ist grün, romantisch und weit geöffnet. An einem kleinen Rastplatz, direkt zwischen Straße und Fluss mussten wir wieder halten und ein paar Fotos machen. An der Flussbiegung kamen gerade ein paar Kühe an das Ufer, um zu trinken. Denen geht es richtig gut, saftiges Grün, Bäume für Schatten und den Fluss direkt vor der Haustüre.

Am Suldalsvatnat, einem langen See, legten wir auf einem wunderschönen, unterhalb der Straße gelegenen Rastplatz, eine Kaffeepause ein und genossen die Sonne. Heute war es richtig schön warm.

Zufrieden setzten wir die Fahrt fort. Irgendwann kamen wir zum Bradlandstal. Auf einem winzigen Parkplatz steht eine Infotafel mit alten Bildern. Sie informiert, dass diese Straße 1887 als ein Stück der Verbindung zwischen Stavanger und Odda eingeweiht wurde. Damals diente sie Pferdefuhrwerken. Erst 1990 baute man die heutige Straße, die durch das sehr enge Tal führt und zum schönsten Stück der Verbindung gehört.

Nicht weit entfernt stürzt der Flesåna-Wasserfall von der obersten Kante des Berges bis ganz nach unten in den Bach. Den Anblick kann man vom schön gestalteten Rastplatz genießen. Von hier aus sieht man auch die ersten Schneefelder, die die Touristen erwarten.

Kurz vor Røldal biegt die E134/13 in die Berge ab. Gleich hier befindet sich ein Skigebiet, mit Hütten, einer Bergstation und Skiliften. Das Ganze liegt auf ca. 660m Höhe.
Gegenüber den Røldal-Terrassen ist der Røldal-Wasserfall zu sehen. Es ist einfach nur schön hier, so wie bis jetzt überall in Südnorwegen.

Hinter Skare wollten wir den Doppelwasserfall Latefossen besuchen und noch einmal fotografieren. Auf unserer Reise durch Norwegen 2002 waren wir schon einmal hier. Inzwischen sind über 20 Jahre vergangen und die Touristen sind nicht mehr zu zählen. Jedenfalls staute es sich vor dem Wasserfall und es ging nichts mehr. Jeder wollte halten und ein Foto machen. Es ist sowieso schon ein Kunststück, auf die kurze Distanz ein vernünftiges Foto hinzubekommen. Jetzt jedenfalls ist es unmöglich, denn man sieht nur noch Autos und Wohnmobile. Unverrichteter Dinge mussten wir weiterfahren.

Seit einiger Zeit suchten wir einen Platz zum Übernachten, aber es ist auf der ganzen Strecke kein Platz zu finden, der zum Übernachten freigegeben ist.
Irgendwann kamen wir nach Odda. Bisher waren wir es gewohnt, genügend Platz zu haben. Die Stadt Odda liegt eingequetscht zwischen steilen Felswänden in einem schmalen Tal. Sie ist überhaupt nicht schön, voll mit Industrie und überfüllt mit Touristen. Die Wohnmobile fahren hier in Schlange und jeder sucht einen Platz. So ließen wir uns durch die Stadt schieben, bis sich ein Nebenfjord des Hardangerfjordes, der Sørfjor öffnet. Das Fahren ist immer noch anstrengend, die Einengungen nehmen kein Ende. Wir hingegen waren es, mit unseren Nerven. Wir waren nur noch müde, aber Kilometer um Kilometer ist kein Platz zu finden, an dem übernachtet werden darf.

Kurz vor Ullensvang wurde 2022 ein neuer und wunderschöner Rastplatz eröffnet. Egal wie, wir fuhren kein Stück mehr weiter. Hier steht zwar auch ein „Campen verboten“-Schild, aber das war uns jetzt egal, wir konnten jedenfalls nicht mehr. Wofür ist ein Rastplatz da, wenn man nicht übernachten darf. Wir wollen nicht campen, wir wollen nur rasten und unsere Fahrtüchtigkeit wieder herstellen. Die meisten Wohnmobile fuhren wegen des Schildes weiter, aber zwei kleine Womo´s leisteten uns über Nacht Gesellschaft. Wir blieben alle ungestört. Wäre das Schild nicht da, wäre der Platz mit Wohnmobilen überfüllt, der eigentlich nur für PKWs und Busse vorgesehen ist.

Wir hatten jedenfalls eine gute Nacht und wachten am nächsten Morgen mit Sonnenschein und dem Blick auf den Sørfjord und die mit kleinen Schneefeldern bedeckten Berge dahinter auf. Die Welt war wieder in Ordnung.

Kurz vor Eidfjord legten wir noch eine kleine Rast bei der Hardangerbrücke ein. Kurz vor dem Parkplatz fährt man durch einen mehr als 2km langen Tunnel, in dem sich ein Kreisverkehr befindet. So etwas hatten wir auch noch nie. An diesem Kreisverkehr zweigt die Straße 7 ab, während die 13 nach Bergen führt.
Inzwischen haben wir schon einige filigrane Hängebrücken über Fjorde gesehen, aber nur während der Fahrt. Hier hatten wir Gelegenheit, die 1380m lange Brücke aus der Nähe zu sehen und Fotos zu machen. Das ist schon ein Erlebnis.

Jetzt endlich kamen wir nach Eidfjord. Kurz vor dem Örtchen stellten wir das Womo auf einem kleinen Parkplatz neben der Straße ab. Ein Kreuzfahrtschiff, in dem Fall die AIDAperla, hatte am Kai festgemacht.

Zu Fuß gingen wir einen knappen Kilometer in den Ort. Trotz den Touristen vom Kreuzfahrtschiff lief alles ruhig und gemächlich ab. Man kann sich Eidfjord bei einem Spaziergang ansehen, ein Fahrrad oder Kanu ausleihen oder man fährt mit der kleinen Stadtbahn mit. Es ist wirklich nur ein kleiner, aber sehr schöner und schön gelegener Ort.

Da es gerade Kaffeezeit für uns war, kehrten wir ins „Burger og Brus“ ein, dass mit Softeis und Kaffee für „nur“ 7,-€ wirbt. Das Softeis ist groß und sehr schmackhaft, sogar mit Streuseln, und der Kaffee gut und stark. Das war ein gelungener Abschluss des Besuches von Eidfjord.

Von Tronvik nach Erfjord

Unser nächstes Ziel sollte eigentlich Preikestolen sein, der berühmte, hoch über dem Lysefjord stehende Felsen mit dem glatten Plateau. Daher fuhren wir zuerst immer die E39 in Richtung Stavanger weiter. Da es gerade Sonntag war und wir nicht unbedingt an einem Wochenende zu dem stark besuchten Ausflugsziel wollten, legten wir vorher noch einmal eine Übernachtungspause ein, und zwar in Kyllingstad. Am Gemeindehaus der lockeren Ansammlung von Wohnhäusern und Firmen, am Ufer des langgezogenen See´s, befindet sich ein kleiner Platz mit Picknicktischen, einem Sandstrand und einer öffentlichen Toilette. Das Wetter war nicht so toll. Hier verbrachten wir den Tag mit einem Spaziergang und ruhten uns von der bisherigen Reise aus.

Beim Spaziergang fanden wir einige Pflanzen, die uns sonst fremd waren. Hier wachsen sie so üppig, dass wir nachsahen, was es für Pflanzen sind. Es sind der Echte Baldrian und das Echte Mädesüss. Den Baldrian ließen wir links liegen, aber von dem Mädesüss ernteten wir einige Blüten. Die schmecken nach Mandeln und etwas Zitrone. Man kann sie für Tee verwenden, Wasser aromatisieren oder in Süßspeisen verarbeiten. Wir bereiteten davon einen leckeren Tee.

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter, bogen kurz vor Algard auf die 450 und später auf die 508 nach Lauvvik ab. Dort setzt eine Autofähre nach Oanes über. Für unser Wohnmobil mit 8m Länge zahlten wir stolze 35,-€ für 10 Minuten Fahrt. Die Sonne scheint heute vom blauen Himmel, alles sieht supertoll aus.

Bei unserer Recherche zum Preikestolen stellten wir fest, dass man nur auf Parkplätzen für 25,-€ Gebühr stehen kann, ansonsten ist das Parken überall verboten. Die 25,-€ sind aber nur für tagsüber, übernachten ausgeschlossen. Das sind schon mal 60,-€, um zum Preikestolen zu kommen. Dann muss man noch eine 2-Stunden-Wanderung absolvieren, nur um ein paar Minuten auf dem völlig überfüllten Stück Felsen zu stehen. So überlegten wir uns die Sache und sahen von einem Besuch dann doch ab.

Nun fuhren wir auf der 523 über Jørpeland nach Solbakk. Kurz hinter Oanes lädt der Høllesli-Rastplatz dazu ein, das traumhafte Panorama den Lysefjord entlang zu genießen. Der Ausblick ist überwältigend.

Hinter Solbakk biegt die Straße 13 nach Røldal ab. Sie führt durch eine wunderschöne Landschaft mit vielen Seen, Fjorden, Felsen und Feldern. Ab und zu erspäht man auch einmal einen Wasserfall in der Entfernung.

Kurz vor Hjelmelandsvagen liegt links der kleine Picknickplatz Hauske. Dort steht eine historische Steinbrücke aus dem Jahre 1905, die trocken gemauert wurde. Sie ist 14 Meter lang und 2,50m breit und war bis 1985 in Gebrauch. Sie überspannt den wilden Bach Hauskeas, daneben steht eine winzige Holzhütte. Hier legten wir unsere Kaffeepause ein und fuhren dann zur Fähre nach Hjelmelandsvagen.

Diese wartete schon auf uns und für 19,-€ setzten wir in 15 Minuten nach Nesvik über. Immer entlang eines Fjordarmes mit beeindruckenden Aussichten suchten wir eine Möglichkeit zum Übernachten. Leider sind die Plätze alle winzig und liegen direkt neben der Straße. Also fuhren wir weiter nach Erfjord. Das gemütliche und hübsche Örtchen meinte, dass wir doch einmal anhalten und uns umsehen sollten. Dabei entdeckten wir den Stellplatz auf der anderen Seite der Flussmündung. Für nur 15,-€ steht man dort vom Feinsten. Es gibt zwar keinen Service, dafür ist das Ambiente umso besser, direkt am Fjordufer. Inzwischen wurde es so warm, dass man in Badeklamotten sitzen konnte, das erste Mal auf dieser Reise, die gestern eine Woche dauerte.

Auf der Suche nach dem heutigen Abendessen stießen wir auf eine Fischtheke im Supermarkt, die Rochen verkaufte. Das Kilo kostete erfrischende 12,-€ und wir kauften ein Stück davon. Gewürzt, mehliert und in der Pfanne kurz mit Butter angebraten – ein Gedicht, dazu bunte Möhren. Die Welt ist gerade vollkommen.

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