Unser nächstes Ziel sollte eigentlich Preikestolen sein, der berühmte, hoch über dem Lysefjord stehende Felsen mit dem glatten Plateau. Daher fuhren wir zuerst immer die E39 in Richtung Stavanger weiter. Da es gerade Sonntag war und wir nicht unbedingt an einem Wochenende zu dem stark besuchten Ausflugsziel wollten, legten wir vorher noch einmal eine Übernachtungspause ein, und zwar in Kyllingstad. Am Gemeindehaus der lockeren Ansammlung von Wohnhäusern und Firmen, am Ufer des langgezogenen See´s, befindet sich ein kleiner Platz mit Picknicktischen, einem Sandstrand und einer öffentlichen Toilette. Das Wetter war nicht so toll. Hier verbrachten wir den Tag mit einem Spaziergang und ruhten uns von der bisherigen Reise aus.
Beim Spaziergang fanden wir einige Pflanzen, die uns sonst fremd waren. Hier wachsen sie so üppig, dass wir nachsahen, was es für Pflanzen sind. Es sind der Echte Baldrian und das Echte Mädesüss. Den Baldrian ließen wir links liegen, aber von dem Mädesüss ernteten wir einige Blüten. Die schmecken nach Mandeln und etwas Zitrone. Man kann sie für Tee verwenden, Wasser aromatisieren oder in Süßspeisen verarbeiten. Wir bereiteten davon einen leckeren Tee.
Am nächsten Morgen fuhren wir weiter, bogen kurz vor Algard auf die 450 und später auf die 508 nach Lauvvik ab. Dort setzt eine Autofähre nach Oanes über. Für unser Wohnmobil mit 8m Länge zahlten wir stolze 35,-€ für 10 Minuten Fahrt. Die Sonne scheint heute vom blauen Himmel, alles sieht supertoll aus.
Bei unserer Recherche zum Preikestolen stellten wir fest, dass man nur auf Parkplätzen für 25,-€ Gebühr stehen kann, ansonsten ist das Parken überall verboten. Die 25,-€ sind aber nur für tagsüber, übernachten ausgeschlossen. Das sind schon mal 60,-€, um zum Preikestolen zu kommen. Dann muss man noch eine 2-Stunden-Wanderung absolvieren, nur um ein paar Minuten auf dem völlig überfüllten Stück Felsen zu stehen. So überlegten wir uns die Sache und sahen von einem Besuch dann doch ab.
Nun fuhren wir auf der 523 über Jørpeland nach Solbakk. Kurz hinter Oanes lädt der Høllesli-Rastplatz dazu ein, das traumhafte Panorama den Lysefjord entlang zu genießen. Der Ausblick ist überwältigend.
Hinter Solbakk biegt die Straße 13 nach Røldal ab. Sie führt durch eine wunderschöne Landschaft mit vielen Seen, Fjorden, Felsen und Feldern. Ab und zu erspäht man auch einmal einen Wasserfall in der Entfernung.
Kurz vor Hjelmelandsvagen liegt links der kleine Picknickplatz Hauske. Dort steht eine historische Steinbrücke aus dem Jahre 1905, die trocken gemauert wurde. Sie ist 14 Meter lang und 2,50m breit und war bis 1985 in Gebrauch. Sie überspannt den wilden Bach Hauskeas, daneben steht eine winzige Holzhütte. Hier legten wir unsere Kaffeepause ein und fuhren dann zur Fähre nach Hjelmelandsvagen.
Diese wartete schon auf uns und für 19,-€ setzten wir in 15 Minuten nach Nesvik über. Immer entlang eines Fjordarmes mit beeindruckenden Aussichten suchten wir eine Möglichkeit zum Übernachten. Leider sind die Plätze alle winzig und liegen direkt neben der Straße. Also fuhren wir weiter nach Erfjord. Das gemütliche und hübsche Örtchen meinte, dass wir doch einmal anhalten und uns umsehen sollten. Dabei entdeckten wir den Stellplatz auf der anderen Seite der Flussmündung. Für nur 15,-€ steht man dort vom Feinsten. Es gibt zwar keinen Service, dafür ist das Ambiente umso besser, direkt am Fjordufer. Inzwischen wurde es so warm, dass man in Badeklamotten sitzen konnte, das erste Mal auf dieser Reise, die gestern eine Woche dauerte.
Auf der Suche nach dem heutigen Abendessen stießen wir auf eine Fischtheke im Supermarkt, die Rochen verkaufte. Das Kilo kostete erfrischende 12,-€ und wir kauften ein Stück davon. Gewürzt, mehliert und in der Pfanne kurz mit Butter angebraten – ein Gedicht, dazu bunte Möhren. Die Welt ist gerade vollkommen.
Eine weitere schöne Stadt ist Flekkefjord, die einen Besuch lohnt. Vorher legten wir eine Kaffeepause auf dem wunderschön gelegenen Rastplatz am Ufer des Skolandsvatnet, kurz hinter Lyngdal ein.
Kurz vor Flekkefjord, am Selurasee, steht an einem Parkplatz eine Infotafel. Sie gibt bekannt, dass ab hier der „Magma Geopark“ beginnt und bis hinter die Stadt Bjerkreim reicht. Vor Urzeiten formte sich hier ein mächtiges Gebirge, ähnlich des Himalaya. Durch das Gewicht der Gesteinsmassen drückten sich die unteren Schichten 20-30 Kilometer tief unter die Erdoberfläche. Dort schmolz das Gestein. Die Erosion trug dann soviel oberes Gestein ab, dass sich das zu Magma gewordene Gestein tief in der Erde wieder ans Tageslicht hob und zu Gneis geworden war. Dieses ist heute überall zu sehen. Sehr interessant.
In Flekkefjord ist der Bahnhof für die Flekkefjordenbanen, eine Draisinenstrecke. Eine Draisine für 2 Personen kostet 70,-€. Es gibt eine 1,5 Stunden-Strecke oder eine 3,5 Stunden-Strecke, die jeweils mit vielen Tunneln gespickt sind. Das gilt auch für die E39, die über viele Brücken und durch noch viel mehr Tunnel führt. Einer davon ist über 3 Kilometer lang.
Über eine Fußgängerbrücke erreicht man das alte Zentrum von Flekkefjord, autofrei, wieder mit hübschen weißen Holzhäusern und liebevoller Gestaltung. In aller Ruhe kann man durch die Gassen schlendern und trifft doch irgendwann wieder auf Wasser.
Auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit fuhren wir in Richtung Stavanger weiter. Am nördlichen Ufer des Lundevatnat, kurz vor Moi, liegt der Rastplatz Tronvik, etwas abseits der Straße. Zum Abendbrot kochten wir den in Spangereit geernteten Meerkohl und aßen eine Bockwurst dazu. Der Meerkohl muss mindestens 20 Minuten gegart werden, um den übermäßigen Gehalt an Senfölen abzubauen. Ich habe ihn mit Zwiebel angebraten und mit Kümmel und etwas Brühe gekocht. Schmeckt gut nach Kohl, aber nicht unangenehm. Bei den modernen Gemüsesorten sind ja inzwischen die bitteren Stoffe weitestgehend weg gezüchtet.
Nachdem wir auf diesem Rastplatz übernachtet hatten, erkundeten wir die Umgebung und stellten fest, dass es hier neben einem kleinen Wasserfall einiges mehr zu entdecken gibt. Am nördlichen Ende des Platzes beginnt ein gut 1 Kilometer langer Wanderweg zur Bringedalshütte, die für jedermann offen steht, mit Schlafplätzen und Gemeinschaftsraum. Man kann sich Feuerholz machen und kochen. Hinter der Hütte führt ein Trampelpfad zu einer steinernen Brücke, die einen steil bergab fließenden Bach überquert. Der Bach mündet etwas unterhalb in einen See. Am Ende des See´s tritt der Bach wieder aus und fließt weiter bis in den Fjord am Rastplatz. Das heißt aber auch, dass der Wanderweg gut nach oben führt.
An der Hütte teilen sich mehrere weitere Wanderwege auf. Auf dem Gelände der Hütte wächst Sauerampfer. Ich kostete davon und war begeistert. Noch nie habe ich solch einen saftigen und aromatischen Sauerampfer gekostet. Selbstverständlich nahmen wir etwas davon mit, für die Sauerampfersuppe am Abend. Auf der Wanderung pflückten wir die ersten reif gewordenen Blaubeeren als Wegzehrung. Nach der Kaffeepause nahm ich die Panoramastraße, die südlich des Rastplatzes beginnt, in Angriff.
Am Beginn der Straße steht ein Warnschild, dass diese eng, steil und sehr kurvig ist. Sie ist 5 km lang und darf nicht von Campern, Bussen und LKWs befahren werden. Außerdem ist sie in den Monaten Oktober bis April nur von morgens 8 Uhr bis abends 20 Uhr offen, ansonsten wird sie von einer Schranke verschlossen.
Da ich zu Fuß unterwegs war, dauerte der Aufstieg, die Steigung beträgt 1:4, ca. 40 Minuten, mit Pausen versteht sich. Die Steigung bleibt dabei immer gleich.
An manchen Stellen bieten sich tolle Aussichten auf den Fjord und den Rastplatz. Nach 1,2 km hatte ich den Scheitelpunkt erreicht, auf dem die Grenze zwischen den Bezirken Agder und Rogaland liegt.
Ab hier geht es 3,8 km wieder nach unten. Die Panoramastraße endet bei Sirnes an einer historischen Hängebrücke. Die Straße wurde 1835-1840 als Verbindungsstraße für Postkutschen nach Stavanger gebaut, seither mehrmals erneuert. Das war ganz sicher nicht einfach, die Pferde mit den Wagen auf diesem Gefälle im Griff zu halten. Heutzutage ist die Abfahrt selbst für PKWs und Motorräder gesperrt. Wer also von der anderen Seite die Panoramastraße fährt, muss wieder umdrehen.
Auf dem Weg zurück in Richtung E39, der Hauptstraße an der Südküste Norwegens, fährt man durch den kleinen Ort Spangereit. Dort hielten wir noch einmal, um uns den Strand anzusehen. Nach so viel Felsenküste war ein Strand eine gute Abwechslung. Wir stellten das Womo auf dem großen Parkplatz ab und gingen den kurzen Weg zum Strand. Es ist einfach nur herrlich hier. Picknicktische laden zum Verweilen ein, aber das Wasser ist ziemlich frisch.
Zu unserer Verwunderung wächst dort Meerkohl, den wir schon von der estnischen Insel Saaremaa kennen. Gleich „ernteten“ wir etwas davon, für das Abendessen.
Da wir schon einmal einen Stopp in Spangereit eingelegt hatten, wollten wir uns den Ort ansehen. Wir überquerten einen kleinen Kanal, der die Nordsee mit einen See verbindet und bogen am zweiten Kreisverkehr Richtung Küste ab. Würde die norwegische Riviera, wie die Südküste genannt wird, irgendwo im warmen Süden Europas liegen, würden wir sofort dort hinziehen. Es ist einfach nur wunderschön hier. Die kleinen Holzhäuser, alles sehr gepflegt und sehr grün, das viele Wasser, die Felsenlandschaft, selten findet man solch eine abwechslungsreiche Landschaft. Allerdings ist es im Sommer sehr voll, vor allem an den touristischen Orten.
Im Supermarkt gingen wir noch etwas einkaufen, dann setzten wir die Fahrt in Richtung Stavanger fort.
Das nächste Ziel war das Kap Lindesnes, der südlichste Punkt des norwegischen Festlandes. Kurz vor dem Kap liegt der Campingplatz Lindesnes. Nach einigen Nächten Freistehens fuhren wir den Campingplatz an, um dessen Annehmlichkeiten wie Duschen, Strom und WLAN zu nutzen. Während es am Vormittag noch dunkel war, kam die Sonne zum Mittag heraus. Trotzdem ist es kühl in Südnorwegen, das eigentlich wegen seiner angenehmen Sommertemperaturen bekannt ist. Doch in diesem Jahr hat der Sommer so seine Anlaufschwierigkeiten, auch in Deutschland.
Nachdem wir uns eingerichtet hatten, begaben wir uns auf einen Spaziergang nach Lillehavn, gerade 200 Meter weiter. Das ist ein kleiner Fischerort, der inzwischen jedoch zum Ferienort geworden ist. Schicke Holzhäuser mit kleinen Terrassen und der kleinen Marina davor bieten eine prima Möglichkeit zum Entspannen. Gerne wird diese Möglichkeit von Anglern genutzt, die sich in die Häuschen einmieten und mit einem gemieteten Boot auf Angeltour gehen. Gerade putzten zwei Deutsche ihre Fische. Sie hatten Makrelen, Seelachs und einen Dorsch gefangen.
Eine Eiderente mit ihren Jungen schwamm in der Nähe der Felsenküste. Es ist echt schön hier.
Nur 3,5 Kilometer die Hauptstraße weiter, kommt man zum Leuchtturm von Lindesnes, dem „Lindesnes Fyr“. Er wurde 1655 gebaut und ist somit der älteste Leuchtturm Norwegens. Davor befindet sich ein riesengroßer Parkplatz. Auf dem Weg zum Leuchtturm stellten wir fest, dass das Gebiet um den Leuchtturm Lindesnes Fyr abgesperrt ist und man nur mit der Zahlung eines Eintrittsgeldes dort hinein kommt. Pro Erwachsener werden da 12,-€ fällig, Rentner bezahlen 6,-€. Dafür bekommt man den Zutritt zum Leuchtturm, in dem ein Museum rund um die Geschichte desselben untergebracht ist. Zudem ist der ganze Felsen mit Bunkern durchlöchert, die einmal zum Atlantikwall gehörten. Da wir schon jede Menge Leuchttürme besucht haben und auch schon mehrfach Bekanntschaft mit Anlagen des Atlantikwalls machten, ließen wir den Besuch aus.
Es gibt auch noch ein paar Wanderwege, die man laufen kann. Eine Infotafel gibt darüber Aufschluss. Die Wanderwege sind um die 2 Kilometer lang, aber durch deren Beschaffenheit, über die Felsen der Küste, sollte man schon eine gute Fitness mitbringen. Die Aussichten sind ganz sicher atemberaubend.
Am 19. Juni, um 12.15 Uhr, fuhr die Fähre der ColorLine, die wir ein paar Tage vorher schon gebucht hatten, in Hirsthals (Dänemark) ab. Die Anfahrt war einfach, der CheckIn auch. Dann warteten wir, bis wir auf die Fähre fahren konnten. Diese legte erst eineinhalb Stunden vor Abfahrt an und die tausende Autos, Wohnmobile und LKWs mussten erst einmal herunterfahren. Na, das konnte dauern, die Verspätung wird erheblich sein, dachten wir. Eine halbe Stunde vor Abfahrt fuhren die wartenden Fahrzeuge dann auf die Fähre. Die Abfahrt konnte nicht pünktlich vonstatten gehen, dachten wir immer noch, unmöglich.
Die Beladung verlief reibungslos und in aller Ruhe und kaum hat man sich versehen, war der Wartebereich leer. Alle Leute mussten ihre Fahrzeuge verlassen und sich zu den Aufenthaltsdecks begeben. Unglaublich, aber um 12.15 Uhr startete die Fähre pünktlich in Richtung Kristiansand (Norwegen). Die Fahrt dauerte 3 Stunden und 15 Minuten. Wir fuhren von der Fähre, und dann ging erst einmal nichts mehr. Die Fahrzeuge mussten sich von sieben Spuren auf zwei Spuren zusammen fädeln. Etwas später wurde aus den zwei Spuren nur noch eine. Die Zollkontrolle beschränkte sich auf die Sichtung der Fahrzeuge. Dann konnte es endlich losgehen, das Abenteuer in Norwegen.
Unser erstes Ziel war Mandal, die weiße Stadt, knapp 30 Kilometer östlich von Kristiansand. Die Fahrt dorthin führte durch eine schöne Landschaft mit vielen Felsen und viel Wasser. Wir mieden dabei die mautpflichtige Strecke und fuhren stattdessen die in der Nähe führende mautfreie Strecke. Diese ist allerdings etwas kurvenreicher und länger, aber sicher auch schöner.
Kurz vor Mandal, vor dem MarnaFjord, bogen wir zu dem riesengroßen Parkplatz ab, der auch für Wohnmobile vorgesehen ist. Ein 24 Stunden-Ticket kostet 25,-€, ohne Dienstleistungen, dafür ist der Weg in die Altstadt kurz. Ein Fußweg führt am Fjord entlang, dann über eine schicke moderne Brücke und schon ist man da. Überall stehen Sitzmöglichkeiten am Ufer, Boote liegen zu beiden Seiten.
Mandal ist als weiße Stadt bekannt, weil die meisten der schicken Holzhäuser weiß angestrichen sind. Die Gassen sind autofrei. Auffallend viele Elektroautos sind in Norwegen unterwegs, was den Straßenlärm enorm beruhigt.
Die Altstadt ist nicht groß, die weiße Holzkirche mit dem Friedhof steht etwas entfernt, am Hang, der sich hinter Mandal hinauf zieht.
Über Mandal thront der Berg Uranienborg mit einem Aussichtspunkt. Von dort oben hat man sicher einen atemberaubenden Rundblick.
Dank Google Maps fanden wir bei der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe von Hirtshals den „begrabenen Leuchtturm“ Rubjerg Knude, an der Westküste gelegen. Der Leuchtturm steht inmitten einer Wanderdüne, allerdings wurde er 2019 um 70 Meter landeinwärts versetzt. Das Leuchtturmwärterhaus ist wohl der Nordseebrandung zum Opfer gefallen, der Leuchtturm selbst wurde unter dem Sand begraben und drohte ebenfalls bald in die Tiefe zu fallen. Er steht an einer Steilküste, 90 Meter über dem Meer. Deshalb rettete man ihn, grub ihn aus und versetzte ihn ein Stück. Dafür räumte man den Sand zur Seite, den man anschließend mit Faschinen aus Kiefernreisig befestigte. Das heißt, man steckte mehrere Reihen Kiefernreisig in einiger Entfernung zueinander in den Sand, was dessen Bewegung etwas verlangsamen soll. Der Wind weht jedenfalls ordentlich.
Vom Parkplatz ist es noch ein Stück bis zum Leuchtturm zu laufen. Zuerst durch von Gestrüpp befestigte alte Dünen, dann die Wanderdüne weiter hinauf. Oder man nutzt die Mitfahrgelegenheit, die ein Bauer mit seinem Traktor und einer Art Planwagen anbietet. Die Fahrt kostet ca. 3,50€ pro Person.
Hat man den Leuchtturm erreicht, kann man diesen noch erklimmen, oder man genießt die Aussicht auf die Küste und die Nordsee vom Kopf der Wanderdüne aus.
Da man auf dem Parkplatz nicht übernachten kann, und der nur ein paar Meter weiter gelegene Parkplatz ebenfalls voll war, fuhren wir weiter. Einen Halt legten wir noch kurz an der Vennebjerg-Mühle ein, um einen Kaffee zu trinken. Die Mühle kann auch besichtigt werden. Vom Rastplatz aus hat man einen schönen Blick über das Land bis hin zum Meer.
Dann fuhren wir zum Nørlev-Strand weiter. Oberhalb des Feriendorfes ist ein kleiner Parkplatz mit Aussicht. Bis zum Strand sind es noch ca. 800 Meter zu laufen. Der Wind bläst heftig, das Spazieren gehen macht nicht wirklich Spaß, aber einen Abstecher zur Nordsee wollten wir doch unternehmen.
Unten angekommen, wartet ein relativ breiter Strand mit vielen Steinen. Der meiste Sand wird vom Wind weggeblasen. Dahinter türmen sich die Dünen auf. Gleich am Beginn des Strandes lag ein toter Schweinswal, etwa 1,5 Meter lang. Wir haben noch nie einen Schweinswal gesehen, aber ein totes Tier musste es dann auch nicht sein. Er lag wohl noch nicht hier, aber der Kopf war schon angefressen.
Die Häuser, die locker hinter den Dünen stehen, sind zumeist Ferienhäuser.
In diesem Sommer wollen wir eine Wohnmobiltour nach Norwegen machen, mit Schwerpunkt Lofoten. Vor 22 Jahren fuhren wir schon einmal durch Norwegen, vom Nordkap in Richtung Süden. Damals noch mit Geländewagen und Wohnanhänger. Die Lofoten besuchten wir dabei nicht. Das wollen wir jetzt nachholen.
Die Fährüberfahrt von Hirtshals nach Kristiansand buchten wir schon einige Zeit vorher. So fuhren wir jetzt über Rendsburg, kurz vor Flensburg, durch Dänemark bis nach Hirtshals. Den ersten Stopp legten wir bei Randers ein. Südlich der Altstadt fließt ein Fluss, an dessen südlichem Ufer sich ein großer Parkplatz befindet. Dort stellten wir unser Wohnmobil ab und übernachteten dort auch.
Den Weg in die Altstadt, die zumeist autofrei ist, kann man über die blaue Fachwerkbrücke aus Stahl nehmen. Die Ufer des Flusses sind zum Teil künstlerisch gestaltet. An weiteren Aufenthaltsmöglichkeiten am Ufer wird noch gearbeitet.
Hat man die Brücke in Richtung Altstadt überquert, gelangt man zu drei kugelförmigen Gebäuden. Sie gehören zum Tropenzoo von Randers.
In der Altstadt lässt es sich gut durch die engen Gassen bummeln. Die alten Gebäude aus Fachwerk oder Backsteinen sind sehr schön restauriert und stammen zum Teil vom Anfang des 18. Jahrhunderts, andere vom Ende des 18. Jahrhunderts. Moderne Sitzgelegenheiten ergänzen das Stadtbild. Viele Restaurants und Cafés sorgen für das leibliche Wohl.
Im Fernsehen sahen wir vor einer ganzen Weile einen Beitrag über die Hängefähre bei Rendsburg. Nun schafften wir es endlich, auf dem Weg nach Norwegen, dieser Fähre einen Besuch abzustatten.
Am südlichen Ufer des Nord-Ostsee-Kanals, im Ortsteil Osterrönfeld, direkt unter der gewaltigen stählernen Konstruktion der ca. 7,5 km langen Eisenbahnbrücke, stellten wir das Wohnmobil ab. Unter dem Brückenteil, welches den Kanal überspannt, hängt die Fähre an mächtigen Stahlseilen, die Fußgänger, Radfahrer und Autos bis 3,5t von einem Ufer an das andere übersetzt. Wohnmobile werden nicht mitgenommen. Die Fahrt dauert nur zwei Minuten, aber wo kann man schon einmal hängender Weise über das Wasser fahren? Es ist ein Erlebnis.
Durch den Nord-Ostsee-Kanal fahren große, hochseetaugliche Frachtschiffe und Tanker, was auch ein Erlebnis ist. Der Kanal ist praktisch kein Fließgewässer, da er an beiden Seiten von Schleusen zu den Meeren begrenzt wird. Dadurch gibt es keine Strömung.
Am Nordufer befinden sich ein Wohnmobil-Stellplatz, der jedoch immer voll ist, und ein Restaurant. Außerdem kann man an den Ufern des Kanals, auf den Wartungswegen der Betreibergesellschaft, spazieren gehen oder Rad fahren. Einige Weißwangengänse mit Jungen hielten sich an den Ufern des Kanals auf und zeigten keine Scheu.
1,4 Kilometer in Richtung Osten gibt es einen Fußgängertunnel unter dem Kanal. Noch ein Stück weiter östlich wird der normale Verkehr durch einen großen Tunnel geführt. Westlich von der Hängefähre gelangt man mit einer Autofähre ebenfalls über den Kanal. Es gibt jedenfalls eine Menge zu sehen und zu erleben auf diesem Stück Nord-Ostsee-Kanal.
Die erste Jeeptour, die wir mit dem Fahrer Polis gebucht hatten, führte uns ins Troodosgebirge. Dieses Gebirge liegt nordwestlich von Limassol im Landesinneren und bestimmt die komplette westliche Hälfte Zyperns. Der höchste Berg Zyperns, der Olympos mit seinen 1952 Metern Höhe, bildet die Spitze des Gebirges. Während es im Winter an den Küsten angenehm warm bleibt, ist das Troodosgebirge ein schneesicheres Wintersportgebiet.
Warum ich diesen Artikel erst jetzt schreibe? Leider hatte mein neuer Fotoapparat die Bilder dieser Tour nicht gespeichert, so dass ich ohne Bildmaterial auskommen muss.
Die erste Station der Tour war der Asprokremmos-Staudamm, einer von über 130 Staudämmen auf Zypern, laut Aussage von Polis. Dann fuhren wir weiter über Agios Georgios und Agios Nikolaos in Richtung Kykkos-Kloster. Kurz hinter Agios Nikolaos bogen wir auf eine sehr kurvenreiche Offroad-Strecke ab, die uns zur Tzelefos-Brücke brachte. Diese Brücke befindet sich knapp nördlich des Arminou-Stausees und ist eine von den alten Venezianern erbaute Bogenbrücke über einen kleinen Fluss, irgendwo im Nirgendwo. Es ist ein sehr idyllisches Plätzchen, welches wir eine kleine Weile genießen durften. Polis warnte uns vor Schlangen, die zahlreich Zypern bevölkern, vor allem in den Wäldern. Davon sind auch ein paar giftig. Also, immer schön auf den Wegen bleiben. Tatsächlich fanden wir auch eine Schlange. Sie war schwarz und erinnerte mich an die bei Taormina (Sizilien) getroffene Zornnatter.
Nach der kleinen Pause setzten wir die Fahrt auf der Offroadstrecke fort, zuerst nur ein Stück, denn Polis wollte uns die Gelegenheit geben, einen Teil des Weges zu Fuß zu gehen und die Natur zu genießen. Nach etwa einem Kilometer sammelte er uns wieder auf. Irgendwann endete die Offroadstrecke, die über Kaminaria durch eine fast unberührte Wildnis führt. Nun waren es noch ein paar Kilometer bis zum Kykkos-Kloster. Es ist das berühmteste Kloster Zyperns, das dazu noch seit Jeher das reichste und mächtigste Kloster auf Zypern ist. Das kommt daher, dass es eine Marienikone beherbergt, die vom Heiligen Lukas geschaffen sein soll, gemalt, mit Silber beschlagen und von einem kostbaren Rahmen umgeben. Das Kloster soll Ende des 11. Jahrhunderts gegründet worden sein. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde es aufwändig rekonstruiert, so dass es heute in seiner ganzen Pracht erstrahlt. Der Besuch des Klosters ist nur in angemessener Kleidung zulässig. Das heißt, lange Hosen für alle oder kniebedeckende Röcke für Frauen. Für alle gilt: bedeckte Schultern. Der Kreuzgang ist mit handgemalten Fresken geschmückt. Das Kloster selbst ist ansonsten ziemlich zurückhaltend gestaltet. Die Klosterkirche dagegen ist im Inneren an Pracht kaum zu überbieten. Schnitzereien überall, alles vergoldet, riesige Kerzenleuchter und Kronleuchter, wohin man sieht. In einer kleinen Nische ist die Marienikone zu sehen.
Vor dem Kloster stehen mehrere Buden, die Souvenirs oder Essen/Trinken anbieten. Oberhalb des Klosters Kykkos, etwa noch zwei Kilometer zu fahren, thront das Grabmahl Makarios III.. Er trat als Novize in dieses Kloster ein und verbrachte sein ganzes Leben dort. Er wurde Erzbischof und der erste Präsident Zyperns. Nebenbei führte er als Anführer der Freiheitskämpfer der EOKA in den 1950er Jahren Zypern in die Unabhängigkeit, zumeist mit der Guerillataktik, die sich in den Bergen Zyperns anbietet. Das war 1960.
Das nächste Ziel dieser Rundfahrt war Pedoula. Hier ist eine der zyprisch-orthodoxen Scheunendachkirchen zu finden, die für das Troodosgebirge typisch sind. Die Kirche heißt Archangelos Michail. Die Scheunendachkirchen haben ihren Namen von den tief herunter gezogenen Schindeldächern, die die kleinen Kirchen vor dem Wetter schützen sollen. Außerdem besitzen sie keinen Glockenturm und sind von außen sehr schlicht. Innen sind sie jedoch über und über mit byzantinischen Fresken geschmückt. Hier in Pedoula wurden viele der Fresken kürzlich restauriert, manche sind noch im Originalzustand erhalten.
Nun steuerten wir den Höhepunkt der Rundfahrt an, den höchsten Berg Zyperns, den Olympos. Der Wald drumherum beherbergt viele Zedern und Schwarzkiefern, was ihn ziemlich exotisch macht. Von der Hauptstraße unterhalb des Olympos biegt eine kleine Straße auf den Berggipfel ab, die im Winter wohl geschlossen ist, denn eine Schranke steht am Eingang. Auf dem Berggipfel steht sich eine englische Radarstation, die den Großteil des Gipfels unzugänglich macht. Fotografieren ist hier absolut verboten. Nach einem kurzen Stopp, wir stiegen nicht aus, fuhren wir wieder auf die Hauptstraße, wo sich direkt gegenüber eine Aussichtsplattform befindet. Es ist der nordwestliche Aussichtspunkt. Bei schönem Wetter bietet sich hier eine atemberaubende Sicht auf das Umland bis hinunter zur Küste, die aber schon türkisches Territorium ist.
Inzwischen war es knapp 14 Uhr und wir hatten alle Hunger. Im Luftkurort Pano Platres, 1000 – 1200m hoch gelegen, kehrten wir für ein typisch zyprisches Gericht, eine Meza, ein. Ich kann den Namen nicht sagen, denn ich hatte das Restaurant des Namens wegen von außen fotografiert. Wie schon erwähnt, waren die Bilder allesamt nicht gespeichert. Jedenfalls besitzt das Restaurant eine große überdachte Terrasse mit Blick über einen Teil des Dorfes und durch ein Tal in Richtung Küste.
Die Meza ist ein Gericht mit sehr vielen Komponenten. Das heißt, man kann sich durch sämtliche Gerichte des Restaurants probieren, so scheint es zumindest. Da sind Vorspeisen-, Hauptspeisen- und Dessertvarianten vertreten. Da wir in der Gruppe gegessen hatten, bezahlten wir nur 17,-€ pro Person, aber es war viel zu viel, um das alles zu schaffen. Schade drum, es hat wunderbar geschmeckt. Dazu wurde Weiß- und Rotwein gereicht, so viel man trinken konnte.
Gestärkt und zufrieden nahmen wir den Rest der Strecke unter die Räder. Das nächste Ziel war das Bergdorf Omodos, auf ca. 750m Höhe. Polis setzte uns am Parkplatz ab und wir konnten uns eine Weile in Omodos umsehen. Wir hatten jedoch gerade das erste Geschäft, welches zyprische Spezialitäten anbietet, besucht, als ein Gewitter aufzog und einen weiteren Rundgang unmöglich machte. Wir kauften eine Flasche Carobsirup. Carob ist das englische Wort für Johannisbrot. Auf Zypern werden aus den großen Schoten des Johannisbrotbaumes viele verschiedene Produkte hergestellt, von Mehl über Süßigkeiten bis hin zu Kosmetik und Medizin. Johannisbrot ist sehr gesund. Die Kerne in den Schoten wiegen, wenn sie reif sind, alle gleich, weshalb sie früher als Maß dienten. Das ist schon ungewöhnlich. Bei meinen Nachforschungen mussten wir leider feststellen, dass sowohl der große Hofladen als auch das Johannisbrotmuseum zur Zeit geschlossen sind. Wir hatten im Fernsehen schon einen Beitrag über die Nutzung des Johannisbrotes auf Zypern gesehen. Deshalb war es um so ärgerlicher, dass uns diese Möglichkeiten verwehrt blieben. Das Gewitter warteten wir geschützt bei einem Kaffee ab. Als es vorbei war, war die Zeit des Entdeckens schon vorüber. Deshalb besuchten wir Omodos noch einmal auf einer Mietwagentour.
Als letztes Ziel der Jeeptour stand Petra tou Romiou, Aphrodites Geburtsplatz, auf dem Programm. Da wir auch davon keine Bilder mitbringen konnten, besuchten wir die schöne Bucht mit den Felsen im Wasser ebenfalls noch einmal bei einer Mietwagentour.
Müde und um viele Erlebnisse reicher waren wir am frühen Abend im Hotel zurück.
Auf den Fahrten durch Zyperns Landschaft fallen an vielen Stellen Abraumhalden, kleinere und größere, mit grünem Gestein auf. Diese hatten wir schon in anderen Ländern gesehen. Polis erzählte uns, dass auf Zypern viel Kupfer abgebaut wurde, doch inzwischen lohnt das Geschäft nicht mehr. Es gibt wohl nur noch eine große Mine, die wir von Flugzeug aus sehen konnten.